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Inhaltsverzeichnis

primo loco
Forschungshauptstadt in Sachen Sepsis 3
Sprechstunde: Akne
Schwere Verläufe sind selten 4
Diagnostik und Therapie
Herz, Lunge und Leber gleichzeitig transplantiert 5
Erkrankungen der Lunge und Atemwege stehen im Zentrum 6
Abgetrennte Hand nach Arbeitsunfall replantiert 7
Neubau
Für Anregungen der Mitarbeiter dankbar 8
Diagnostik und Therapie
Spitzennoten für UKJ-Nierentransplanteure 9
„Nebenwirkungsfreie Präparate gibt es nicht“ 10
Patientenbrief
„Ihr Klinikum ist mein zweiter Geburtsort“ 11
Mitarbeiterfest
Karibische Nacht im Paradies 12
Vorgestellt: Gesundheitsmanagement
Gesunde Mitarbeiter – gesundes Unternehmen 14
GesundheitsUni
Der Stress mit dem Sex... 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Besuch am UKJ
„An enger Zusammenarbeit interessiert“ 18
Forschung
FH-Studenten unterstützen UKJ-Krebsforscher 19
Neues Blutkrebs-Gen identifiziert 20
Wie Schrittmacherzellen im Takt bleiben 21
Ethikkomitee
Netzwerk Klinischer Ethikberatung in Thüringen im Aufbau 22
Weiterbildung
Erfahrungsaustausch und viele neue Eindrücke 23
Ausbildung
Plan B zum Referat 24
Titel gewonnen 25
Förderverein
Fröhlich und unbeschwert 26
Personalia
Lachendes und weinendes Auge 27
Ratgeber
Was stärkt Ihren Rücken und Ihre Schultern? 27
Mosaik
Schlauchboottour und Ritterspiele 28
Empfehlungen aus der Patientenbibliothek 29
Kinder schmieden Ideen 30
Rätselseite 31

Titelseite: Die Feuershow mit Josma und den Piraten war einer der Höhepunkte des UKJ-
Mitarbeiterfestes am Schleichersee Foto: Szabó

2 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


primo loco

Forschungshauptstadt in Sachen Sepsis

Herzlichen Glückwunsch allen Mitstrei- Intensivstationen und in der Nachsorge terabschluss ermöglichen, Ärzte können
tern des CSCC, des Center for Sepsis einfließen, so dass sie den Patienten auf Rotationsstellen eine Kliniksauszeit
Control and Care! umgehend zugute kommen. für das Labor nehmen und die Inhaber
neu eingerichteter Professuren werden
Im August konnte dieses Integrierte 16 Arbeitsgruppen aus unserem Klini- je zur Hälfte in der Klinik und in der For-
Forschungs- und Behandlungszentrum kum, die schon vorher zu sepsisrelevan- schung tätig sein.
für Sepsis und Sepsisfolgen am Univer-
sitätsklinikum an den Start gehen. Das
offizielle Signal dafür war der Zuwen-
dungsbescheid des Bundesforschungs-
ministeriums über 23 Millionen Euro. Er
macht die zwei Jahre Arbeit an Antrags-
konzept, Projektplänen und Satzungs-
entwürfen zum Erfolg, und zugleich
bedeutet er die Verpflichtung, die Plä-
ne, Projekte und Vorhaben jetzt in die
Tat umzusetzen.
Spätestens mit dem Start des CSCC wird
Jena zur Forschungshauptstadt in Sa-
chen Sepsis. Im Verbund mit Wissen-
schaftlern von Beutenberg-Instituten,
Universität und Biotechnologie-Unter-
nehmen arbeiten die Mediziner des Kli-
nikums an Fortschritten in Diagnose
und Behandlung dieser schweren, den
gesamten Körper erfassenden Infektion,
an der in Deutschland jährlich 30mal Das CSCC-Team Foto: Schröder
mehr Menschen erkranken als an AIDS
– und die immer noch für jeden zweiten ten Themen geforscht haben, beginnen Und noch auf einem anderen Gebiet
tödlich verläuft. jetzt die Arbeit an ihren Forschungsthe- betritt das Zentrum am UKJ Neuland:
men innerhalb des CSCC. In einem ers- Seine interdisziplinäre Natur verlangt
Wieder einmal, wenn verstärkt über die ten Aufruf für weitere Projektbewerbun- nach einer flachen Hierarchie. Mit Mit-
Hygiene in Kliniken diskutiert wird, wird gen sind 20 neue Stellen ausgeschrie- gliederversammlung, Vorstand, Wissen-
der Mangel an Wissen zu schweren In- ben, vom Stipendium für Doktor- oder schaftlichem, Klinischem und Industrie-
fektionen deutlich. Viele Fragen können Masterarbeiten bis hin zur Leitung von Beirat ist es eher wie ein Verein organi-
wir noch nicht überzeugend beantwor- Nachwuchsforschergruppen. Denn ne- siert als wie eine Klinik.
ten. Welche Patienten sind besonders ben der Sepsisforschung und der bes-
gefährdet, welche Vorgänge auf Nor- seren Versorgung der Patienten ist es Mit dem CSCC wird Jena nicht nur zur
mal- oder Intensivstationen bergen ein ein Ziel des neuen Sepsis-Zentrums, die Forschungshauptstadt in Sachen Sep-
hohes Infektionsrisiko – ein wichtiger Karrieremöglichkeiten für klinisch täti- sis, das UKJ wird auch zur Heimat eines
Punkt des CSCC-Forschungsprogramms ge Forscher zu verbessern. Modellprojekts der Hochschulmedizin.
wird eine klinikumsweite Hygienestu- Hier greift das Zentrum ein großes struk- Von dessen Ergebnissen und Erfahrun-
die sein. turelles Problem der Medizinforschung gen werden die Patienten auf Normal-
Wie kann man eine Sepsis schneller und auf: Den Ärzten in der Klinik fehlt die und Intensivstationen, die forschenden
genauer diagnostizieren, warum versa- Zeit zum Forschen, sie stehen erst nach Ärzte und die klinische Forschung –
gen die Organe von Sepsispatienten, mit ihrem Dienst im Labor und früher oder und nicht zuletzt das Universitätsklini-
welchen Rehabilitationsmaßnahmen las- später entscheiden sie sich zwischen kum profitieren.
sen sich neurologische Spätfolgen be- ärztlicher oder wissenschaftlicher Kar-
handeln, sind diese Folgen vermeidbar? riere. Wir brauchen aber die klinisch tä- Herzlichen Glückwunsch, vielen Dank
Diese Fragen spiegeln das ehrgeizige tigen Forscher, die in enger Anbindung und viel Erfolg allen Mitstreitern des
Forschungsprogramm des CSCC mit gro- an den klinischen Alltag Fragen für ex- CSCC!
ßen klinischen Studien und grundlegen- perimentelle Untersuchungen aufwer-
den experimentellen Ansätzen wider. Die fen und Studien konzipieren. Das CSCC
Antworten darauf sollen schnellstmög- wird auch interessierten Medizinstuden- Prof. Dr. Klaus Benndorf
lich in Behandlungskonzepte auf den ten einen naturwissenschaftlichen Mas- Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand

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Sprechstunde: Akne

Schwere Verläufe sind selten Die Anwendung von Retinoiden führt


zu einer verstärkten Trockenheit der
Haut und ist oft mit trockenen, rissigen
Lippen verbunden. Da auch die Schleim-
häute austrocknen, dürfen die Patien-
ten während und in den Wochen nach
Sie sind äußerst unangenehm, die Pi- Die Akne nimmt zumeist einen milden der Therapie keine Kontaktlinsen tragen.
ckel und Pusteln, die sich vorzugsweise Verlauf. Ist sie behandlungsbedürftig, Das größte Risiko, das von diesen hoch
im Gesicht, am Hals, auf der Brust stehen eine Vielzahl von auf der Haut wirksamen Medikamenten ausgeht, ist
oder auf dem Rücken ausbreiten und anzuwendenden Medikamenten (Topi- allerdings eine mögliche Fruchtschädi-
absolut nicht zum Ideal von Schön- ka) zur Verfügung, unter anderem alko- gung. Deshalb müssen die Patientinnen
heit und Makellosigkeit passen. „Liegt holische Lösungen mit antibiotischen einen monatlichen Schwangerschafts-
das an mangelhafter Hygiene oder Zusätzen, um den überschüssigen Talg test durchführen. Das ist auch nach dem
falscher Ernährung?“, fragen sich vor zu entfernen und Infektionen zu be- Ende der Therapie so lange erforderlich,
allem die Jugendlichen, bei denen die kämpfen. Akne betrifft Männer und bis der Medikamentenspiegel vollstän-
Symptome ganz besonders sichtbar Frauen gleichermaßen. Junge Frauen dig abgebaut ist“, betont Oberarzt Tit-
und ausgeprägt sind. sind von sehr schweren Akneformen telbach. Zu beachten ist außerdem, dass
bestimmte Antibiotika (Tetracycline)
und Retinoide nicht kombiniert werden,
weil dies zu einer Erhöhung des Hirn-
drucks und einer Schädigung des Ge-
hirns führen kann.

Ursachen abklären, wenn Symptome


auch nach der Pubertät bestehen

Akne tritt fast ausschließlich in der Pu-


bertät auf und verschwindet in den meis-
ten Fällen bis zum 20. Lebensjahr von
allein. „Bestehen die Symptome auch
Rote, entzündliche Knötchen und Eiterbläschen sind
typisch für die Acne papulopustulosa (l.), ein schwe- danach, sollte man die Ursachen abklä-
rer Verlauf kennzeichnet die Acne conglobata (r.) ren lassen. Bei Frauen können diese
Fotos: Hautklinik beispielsweise auf ein polyzystisches
Ovarialsyndrom hinweisen, eine hor-
monelle Störung, die zu einer erhöhten
Konzentration männlicher Hormone
„Die Entstehung der Akne hat in der allerdings weniger häufig betroffen, was führt“, erläutert Dr. Tittelbach. „Außer-
Pubertät vor allem hormonelle Ursa- unter anderem auf die hormonelle Wir- dem sollte man daran denken, dass Do-
chen, äußere Faktoren spielen eine un- kung der Kontrazeptiva zurückzuführen pingsubstanzen, die längst auch im Brei-
tergeordnete Rolle“, sagt der Oberarzt ist. tensport Anwendung finden, ebenfalls
an der Jenaer Universitäts-Hautklinik, eine Akne hervorrufen oder deutlich
Dr. Jörg Tittelbach. „Unter dem Einfluss Bei schweren Verläufen ist systemische verstärken können, denn die hier zum
von Geschlechtshormonen produzie- Therapie erforderlich Einsatz kommenden männlichen Hor-
ren die Drüsen im Haarfollikel zu viel mone fördern nicht nur den Muskelauf-
Talg. Gleichzeitig kommt es zu einer ver- Die eher seltenen schweren Verläufe wie bau, sondern auch die Talgproduktion
stärkten Verhornung der Haut, was ei- die Acne conglobata gehen mit einem der Haut.“
nen Verschluss der Poren zur Folge hat. großflächigen Befall mit tiefen entzünd-
Der Talg kann nicht mehr abfließen und lichen Knoten und Abszessen einher. Neben den hormonell bedingten gibt
es entstehen Pickel, die sich durch ein- „Hier ist eine Lokaltherapie nicht aus- es verschiedene berufsbedingte Formen
dringende Bakterien, vor allem das Pro- reichend, sondern eine systemische The- der Akne. Dazu gehören beispielsweise
pionibacterium acnes, entzünden kön- rapie erforderlich“, erläutert Dr. Tittel- die Chlorakne oder die Teerakne, die
nen.“ bach. Bei den eingesetzten Medikamen- beim Kontakt mit Ölen, Fetten und Tee-
Die Dermatologen unterscheiden ver- ten handelt es sich zum einen um Anti- ren entstehen kann. „Berufsbedingte
schiedene Akneformen. Typisch für die biotika und zum anderen um Retinoide, Akneformen sind in Deutschland dank
Acne comedonica, die nur in seltenen Vitamin-A-Abkömmlinge, die oral ein- der strengen Arbeitsschutzvorschriften
Fällen mit Entzündungen einhergeht, genommen werden und sowohl der allerdings sehr selten“, sagt Dr. Jörg Tit-
sind die weißen oder schwarzen Kome- überschießenden Talgproduktion als telbach und verweist abschließend auf
donen (Mitesser). Bei der Acne papulo- auch der Verhornung der Haut entge- eine weitere Sonderform, die Steroid-
pustulosa sind Papeln – rote, entzünd- genwirken. „Erste Erfolge dieser Thera- akne, die mitunter als Nebenwirkung ei-
liche Knötchen – und Pusteln – Eiter- pie, die etwa drei bis sechs Monate dau- ner höher dosierten Kortisontherapie
bläschen – vorherrschend. ert, zeigen sich nach ca. vier Wochen. auftritt. mv

4 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Diagnostik und Therapie

Herz, Lunge und Leber gleichzeitig transplantiert


Extrem seltene Dreifach-Transplantation erfolgreich durchgeführt

Mit einer kombinierten Herz-, Lun-


gen- und Leber-Transplantation ha-
ben die Chirurgen am Universitätskli-
nikum Jena erfolgreich einen extrem
seltenen Eingriff durchgeführt. Eine
solche Dreifach-Transplantation wur-
de in Deutschland bisher nur bei fünf
Patienten vorgenommen, weltweit ist
dies erst die 33. Transplantation die-
ser Art.

Die Operation, bei der ein 61jähriger


Thüringer drei neue Organe erhalten
hat, dauerte sechseinhalb Stunden bis
tief in die Nacht. Am Operationstisch
wechselten sich die Herzchirurgen mit
den Allgemeinchirurgen ab, um das ge-
schädigte Herz, die kranken Lungen und
die versagende Leber durch neue, ge-
sunde Organe zu ersetzen. Die Opera- Lebertransplanteur Prof. Dr. Utz Settmacher, Herz- und Lungentransplanteur OA Dr. Martin
Breuer und Anästhesist OA Dr. Mark Simon freuen sich mit dem Empfänger der dreifachen
tion verlief ohne Komplikationen, der Transplantation Foto: Schröder
Patient hat den aufwändigen Eingriff
gut überstanden. „Es war uns eine gro- Organe wurden nach der Übertragung weiter. „Für den Patienten ist so eine
ße Freude zu sehen, wie dieser vorher sehr gut angenommen und waren Dreifach-Transplantation ein einmaliges
schwerkranke Mann nach der Trans- schnell funktionsfähig“, so Settmacher Glück und ein großes Geschenk.“ HR
plantation begeistert die Fußball-Welt-
meisterschaft verfolgt hat“, freut sich
Operateur Dr. Martin Breuer. Ursache der
schweren Erkrankung war eine ver-
schleppte Herzmuskelerkrankung, in
deren Folge auch Lungen und Leber
stark geschädigt wurden. Für den Pati-
enten war eine Dreifach-Transplanta-
tion die einzige Überlebenschance.
„Solche kombinierten Eingriffe sind sehr
selten, denn es gibt wenige Patienten,
die bei einer so schweren Vorerkran-
kung, die drei Organe schädigt, eine
gute Chance auf Besserung haben,
selbst mit einer Transplantation“, erklärt
Herzchirurg Breuer. Für den 61jährigen,
der am UKJ in Behandlung war, hat sich
der Einsatz der Ärzte gelohnt: Inzwischen
konnte er das Universitätsklinikum Jena
verlassen und schöpft nun neue Kräfte
in einer Rehabilitationsklinik.

„Wir sind sehr stolz auf die Forschritte


des Patienten nach diesem großen Ein-
griff und den vorhergehenden schweren
Monaten der Wartezeit“, sagt Leber-
transplanteur Prof. Utz Settmacher, Di-
rektor der Klinik für Allgemein-, Visze-
ral- und Gefäßchirurgie am UKJ. „Die

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Diagnostik und Therapie

Erkrankungen der Lunge und (Lungenfell), Tuberkulosen sowie ver-


schiedene Infektions- und Autoimmun-
erkrankungen behandelt. Versorgt wer-
Atemwege stehen im Zentrum den auch Patienten mit Immunglobu-
lin-G-Mangel, die gehäuft an Atem-
wegsinfektionen leiden, aus denen
Pneumologisch-allergologische Ambulanz schwere chronische Erkrankungen der
Lunge entstehen können.
ist in Komplementgebäude umgezogen
Das Team von Ärzten und Funktions-
schwestern betreut in der Ambulanz
jährlich mehr als 4500 allergologische
Das Bronchialkarzinom zählt zu den Die Mitarbeiter der Ambulanz versorgen und pneumologische Patienten. Zu den
verbreitetsten und gefährlichsten das gesamte Spektrum pneumologi- wichtigsten diagnostischen Methoden
Krebsarten, an Chronisch obstrukti- scher und allergologischer Erkrankun- gehören Lungenfunktionsprüfungen.
ver Lungenerkrankung (COPD) und gen, wobei der Schwerpunkt auf der „Auf diese Weise“, so Prof. Kroegel, „kön-
Asthma bronchiale leiden allein in Lunge und den Atemwegen liegt. „Wir nen wir bereits geringgradige Verände-
Deutschland jeweils etwa vier bis fünf betreuen unsere Patienten in mehreren rungen der Lungenfunktion und Veren-
Millionen Menschen, und von Allergi- Spezial-Ambulanzen: dem Zentrum für gungen der Atemwege diagnostizieren.“
en – Überempfindlichkeiten gegenü- schwerstes Asthma, der Spezialsprech- Auskunft über den Gasaustausch, die
ber Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaa- stunde für Bronchialtumoren sowie dem Fähigkeit der Lungenbläschen, Sauer-
ren, Nahrungsmitteln und anderen Zentrum für Patienten mit Alpha 1-An- stoff in das Blut zu transportieren, gibt
Umweltstoffen – sind immer mehr titrypsinmangel. Dabei handelt es sich die Kohlenmonoxid-Diffusionsmes-
Menschen betroffen. um eine seltene, aber sehr gefährliche sung. Die exakte Analyse des Sauerstoff-
gehalts im Blut vor, während und nach
Belastung ist bei vielen Lungenpatien-
ten sehr wichtig, ganz besonders aber
bei Patienten mit fortgeschrittener
COPD, für die eine effektive Sauerstoff-
therapie überlebenswichtig ist.
Allergologische Provokationstests hel-
fen, Allergieauslöser wie Pollen, Haus-
staubmilben, Tierhaare oder Nahrungs-
mittel zu identifizieren. Die Allergieex-
perten setzen dabei verschiedene Haut-
testmethoden wie den Pricktest, den
Intra- und Epikutantest ein. „Zu den viel-
fältigen Testmethoden gehört auch die
Inhalation spezifischer oder unspezifi-
scher Allergene mittels fein vernebelter
Allergenlösungen im Rahmen bronchi-
aler oder nasaler Provokationstests. Der
Patient muss dabei stets überwacht wer-
den, weil es während und nach den Tests
Prof. Claus Kroegel und Schwester Kerstin während einer Bodyplethysmografie (große Lun- zu heftigen allergischen Reaktionen
genfunktionsprüfung) Foto: Szabó
kommen kann“, erläutert Prof. Dr. Dr.
Am Universitätsklinikum Jena finden erbliche Stoffwechselerkrankung, die Claus Kroegel, dessen Ambulanz auch
alle diese Patienten in der Pneumolo- schwere Leber- und Lungenschädigun- Schulungen anbietet, um Patienten mit
gisch-allergologischen Ambulanz Hilfe. gen hervorrufen kann. Wie beim schwe- Asthma und COPD zu helfen, besser mit
„Wegen des bevorstehenden Abrisses ren Asthma und der Chronisch obstruk- diesen schweren Erkrankungen zu le-
des Hörsaalgebäudes in Lobeda ist un- tiven Lungenerkrankung sind wir auch ben.
sere Ambulanz im Juni 2010 in das hier in überregionale Netzwerke einge- „Um die zahlreichen allergologischen
Komplementgebäude umgezogen. Wir bunden und behandeln Patienten aus Patienten optimal zu betreuen, arbei-
haben im ehemaligen Laborbereich ganz Deutschland“, erläutert Prof. Kroe- ten wir im Zentrum für Allergologie des
neue Räume gefunden, die in den letz- gel. Gemeinsam mit den Thoraxchirur- UKJ eng mit den Dermatologen, den
ten Monaten umgebaut wurden und gen betreut die Ambulanz zudem Pati- Gastroenterologen und den Immuno-
uns gute Arbeitsbedingungen bieten“, enten mit Bronchialkarzinom und Pati- logen zusammen. Viele Allergien sind
sagt der Leiter des Funktionsbereichs enten nach Lungentransplantation. Da- Systemerkrankungen und deshalb muss
Pneumologie & Allergologie/Immuno- rüber hinaus werden Lungenfibrosen man – neben dem direkt betroffenen
logie der Klinik für Innere Medizin I des (verstärkte Bildung von Bindegewebe in Organsystem – stets auch andere, vor
UKJ, Prof. Dr. Dr. Claus Kroegel. der Lunge), Erkrankungen der Pleura allem den Verdauungstrakt und die

6 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Diagnostik und Therapie

Haut, im Blick haben. Die erfolgreiche ein Forschungslabor und ein Studien- allergologischen Ambulanz zufrieden.
Zusammenarbeit mit Einrichtungen in- zentrum, wo neue Medikamente für lun- Auf Dauer werden sie hier allerdings
nerhalb und außerhalb des Universitäts- genkranke Patienten getestet werden, nicht bleiben, denn nach der Fertigstel-
klinikums Jena manifestiert sich auch komplettieren. lung des zweiten Bauabschnittes wird
in unserem Colloquium allergologicum, die Ambulanz in eines der neuen Klinik-
das seit 1989 am UKJ stattfindet“, er- Die Mitarbeiter und Patienten sind mit gebäude umziehen.
läutert Prof. Kroegel, dessen Ambulanz den neuen Räumen der Pneumologisch- mv

Abgetrennte linke Hand nach die Hand retten.“ Bei solchen komple-
xen Replantationen haben die Chirur-
gen nur ein Zeitfenster von ca. drei bis
Arbeitsunfall replantiert vier Stunden, bevor das verletzte Gewe-
be unwiederbringlich zerstört wird.
Hans S. erholt sich nach dem Unfall und
dem folgenden Eingriff gut, die Hand
konnte vollständig erhalten werden,
Die Handchirurgen des Universitäts- herzustellen und dem 25jährigen Hans vermutlich auch mit voller Funktions-
klinikums Jena haben einem 25jähri- S. die linke Hand zu retten. „Alle Struk- fähigkeit. „Die Reaktion ist bisher sehr
gen Mann die linke Hand replantie- turen der vollständig abgetrennten gut“, erklärt Reinhard Friedel. Inwieweit
ren können. Der Thüringer Metallbau- Hand mussten im sensiblen Bereich des die Funktionsfähigkeit gerettet werden
er hatte sich bei einem Arbeitsunfall Handgelenks wieder verbunden und konnte, kann allerdings erst nach Jah-
schwer verletzt. Dabei wurde durch zum Teil rekonstruiert werden“, erklärt ren sicher eingeschätzt werden.
eine Maschine die Hand im Handge- der Leiter des Funktionsbereichs Hand-,
lenk abgetrennt. Plastische und Mikrochirurgie am Uni- Solche komplexen Eingriffe sind sehr
versitätsklinikum Jena. Keine einfache selten. Seit Bestehen des Replantations-
Oberarzt Dr. Reinhard Friedel operierte Operation, zumal es sich nicht um ei- zentrums in Jena 1982 wurden nur vier
zehn Stunden, um Muskeln, Sehnen, nen sauberen Schnitt handelte und das komplett amputierte Hände replantiert.
Knochen, Nerven und Gefäße wieder Gewebe bei dem Unfall teilweise erheb- Insgesamt führen die Chirurgen der Kli-
lich verletzt wurde. „Zum Glück für den nik für Unfall-, Hand– und Wiederher-
Patienten passierte der Unfall in der stellungschirurgie jährlich über 60 Re-
Nähe“, so Dr. Friedel, „dadurch konnten plantationen durch und operieren ca.
Oberarzt Dr. Reinhard Friedel operierte zehn
Stunden, um Hans S. die abgetrennte linke wir innerhalb der ersten drei Stunden 50 komplexe Handverletzungen.
Hand zu retten Foto: Schröder mit der Replantation beginnen und so HR

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Neubau

Für Anregungen der Mitarbeiter dankbar


Dr. Karen Treuter informierte über die Bauvorhaben in Lobeda

Mit umfangreichen Erschließungen Die baubedingt wegfallenden Parkflä- telbar neben dem Info-Tresen und spä-
und dem Abriss des Hörsaalgebäudes chen wird der Neubau eines Parkhau- ter etwas weiter östlich im Bereich der
beginnen in diesen Wochen die Ar- ses ersetzen. „Damit ist gewährleistet, Gartenhalle – auch verbleiben, weil sich
beiten zum zweiten Bauabschnitt des dass während der gesamten Bauzeit die an die Südseite der Magistrale das künf-
Klinikumsneubaus, der den „Campus Zahl der heute existierenden Stellplätze tige Medizinische Zentrum II anschließt.
Medizin“ in Lobeda komplettieren erhalten bleibt“, betonte die Geschäfts- Die Funktion des Eingangsbereichs
wird. bereichsleiterin Neubau. bleibt in der Bauphase im Wesentlichen
Wichtigster Bestandteil des Moduls 2 ist in der heutigen Form erhalten, und auch
„Wir errichten in den nächsten sieben der Bau des Medizinischen Zentrums III, der Info-Tresen verbleibt an seinem an-
Jahren drei Medizinische Zentren und das an der Stelle errichtet wird, wo sich gestammten Platz. Der Blumenladen
ein neues Forschungsgebäude, außer- heute noch die Klinik für Innere Medi- muss hingegen um einige Meter verlegt
dem werden der Systemfertigbau und zin befindet. „Um eine kontinuierliche werden, weil am jetzigen Standort
das Ärztehaus an der Erlanger Allee um- Arbeit der Internisten zu gewährleisten, bereits die Baustelle beginnt.
gebaut. Mit insgesamt 46.000 Quadrat- müssen vor dem Abriss des Gebäudes
metern Nutzfläche übertrifft der zweite zunächst die entsprechenden Ersatzflä- Nach der Fertigstellung des Klinikums-
Bauabschnitt sogar noch den ersten um chen in den Neubauten geschaffen und neubaus werden sich – außer den Klini-
etwa 10.000 Quadratmeter“, verdeut- in Betrieb genommen werden“, erläu- ken für Psychiatrie und für Kinder und
lichte die Leiterin des Geschäftsbereichs terte Dr. Treuter. Zum Modul 2, das bis Jugendpsychiatrie, den zahnmedizini-
Neubau, Dr. Karen Treuter, während ei- Anfang 2017 fertig gestellt werden soll, schen Einrichtungen sowie den vorkli-
ner Informationsveranstaltung am 25. gehört außerdem der Umbau des Sys- nischen Instituten – alle Einrichtungen
August 2010 die Dimension der Bau- temfertigbaus an der Erlanger Allee, der der Medizinischen Fakultät in Lobeda
maßnahme. künftig für die Forschung genutzt wird. befinden. Die leer gezogenen Gebäude
Der zweite Bauabschnitt, der rund 286 Im Jahr 2017 wird das heutige Ärzte- in der Innenstadt werden von der Fried-
Millionen Euro kosten wird, besteht aus haus zum neuen Verwaltungsgebäude rich-Schiller-Universität, dem Universi-
drei Modulen. Modul 1 gliedert sich in des Klinikums umgestaltet. Diese Bau- tätsklinikum und der Stadt Jena nach-
die Abschnitte 1a und 1b, die zeitver- maßnahme – Modul 3 – wird den Klini- genutzt.
setzt beginnen, aber zeitgleich fertig kumsneubau in Lobeda abschließen.
gestellt werden. Im Abschnitt 1a wer- „Angesichts des fortlaufenden Betriebes
den vor allem die Medizinischen Zen- Dr. Karen Treuter erläuterte anschaulich, in Patientenversorgung, Lehre und For-
tren II und IV gebaut, im Abschnitt 1b wie sich das Klinikumsgelände in Lobe- schung werden wir uns bemühen, die
wird das neue Forschungsgebäude er- da in den verschiedenen Bauphasen Belastungen für die Patienten, Mitar-
richtet. Die Fertigstellung dieses mit verändern wird. So wird beispielsweise beiter und Studierenden so gering
Abstand umfangreichsten Moduls und der Haupteingang mit Beginn der Bau- wie möglich zu halten. Es wäre aller-
der Umzug der ersten Kliniken aus der arbeiten an die Nordseite der Magistra- dings unredlich, eine lärm-, staub- und
Innenstadt sind für Ende 2014 geplant. le verlegt und dort – zunächst unmit- schmutzfreie Baustelle zu versprechen“,
sagte Dr. Karen Treuter und rief die Mit-
arbeiter auf, sich an den Geschäftsbe-
reich Neubau zu wenden, „wenn Sie
Probleme entdecken, die wir im Vorfeld
nicht erkannt haben oder erkennen
konnten. Wir sind für Ihre Anregungen
außerordentlich dankbar, schließlich
kann dieses große Bauvorhaben nur
gelingen, wenn wir gemeinsam daran
arbeiten.“ Über die einzelnen Baumaß-
nahmen, so die Geschäftsbereichsleite-
rin Neubau, werden die betroffenen Ein-
richtungen jeweils etwa zwei Wochen
vor deren Beginn informiert.
Informieren können sich die Mitarbei-
ter des UKJ auch in dem Ende August
im Intranet frei geschalteten Informa-
tionsportal zum zweiten Bauabschnitt,
Das Klinikum Jena-Lobeda nach der Fertigstellung (Planung) Abb.: GB Neubau
das fortlaufend aktualisiert wird. mv

8 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Diagnostik und Therapie

Spitzennoten für UKJ-Nierentransplanteure


Bestnoten für die Qualität ihrer Ar-
beit erhalten die Nierentransplanteure
am UKJ: Im aktuellen bundesweiten
Vergleich gehören sie zur Spitzen-
gruppe der 40 deutschen Zentren, an
denen Nieren übertragen werden. Da-
mit haben die Jenaer Nierenexperten
erneut die hohe Qualität der Versor-
gung ihrer Patienten unter Beweis
gestellt. In der bundesweiten Daten-
erhebung wurden die Zahl der Kom-
plikationen, die Todesrate, die Absto-
ßungsreaktion nach Transplantation
und die Funktionsfähigkeit des über-
tragenen Organs verglichen.

In allen Punkten gehört das Jenaer


Transplantationszentrum zu den Spit-
zeneinrichtungen. So liegt die Zahl der
Eingriffe, bei denen eine sofortige Funk- Prof. Dr. Heiko Wunderlich, Transplantations-Koordinatorin Conny Kube und Dr. Undine Ott
tionsaufnahme der transplantierten Nie- (v. l.) sind mit dem Ergebnis des Qualitätsvergleichs sehr zufrieden Foto: Schröder
ren erreicht werden konnte, in Jena mit
85 Prozent über dem deutschen Durch- jährlich etwa 600 Patienten nach Nie- bendspenden, bei denen den Patienten
schnitt. Bei der Lebendspende konnte rentransplantationen betreut werden die gesunde Niere eines Angehörigen
sogar bei 100 Prozent eine sofortige – manche seit mehr als 30 Jahren. übertragen wird. Dennoch stehen am
Funktionsfähigkeit sichergestellt wer- Jährlich werden am UKJ ca. 80 Nieren UKJ derzeit über 300 Menschen auf der
den. transplantiert, etwa 15 Prozent sind Le- Warteliste für eine neue Niere. HR
Auch hinsichtlich der für 2009 erstmals
erfassten Daten zum Langzeit-Überle-
ben und zur Langzeitfunktion über drei
Jahre gehört das UKJ zu den Besten: Bei
allen Jenaer Patienten belegen die Da-
ten drei Jahre nach der Operation eine
gute Funktion der transplantierten Nie-
re. „Es freut uns, dass wir weiterhin die
hohe Qualität der Versorgung von Nie-
renpatienten sicherstellen konnten und
so unseren Patienten kontinuierlich und
verlässlich eine optimale Behandlung
bieten können“, sagt Prof. Dr. Heiko Wun-
derlich, kommissarischer Direktor der
Klinik für Urologie am UKJ. „Ganz beson-
ders erfreulich ist, dass wir auch bei der
erstmals verglichenen Nachsorgequali-
tät sehr gute Ergebnisse vorzuweisen
haben.“ Hier habe es in den vergange-
nen Jahren durch neue Methoden eine
enorme Verbesserung gegeben. „Die
Nachsorge kann heute sehr stark indi-
viduell angepasst werden, was zu immer
besseren Verträglichkeiten und einer
guten und langen Organfunktion führt“,
erklärt Oberärztin Dr. Undine Ott, Ne-
phrologin in der Klinik für Innere Medi-
zin III und Leiterin der Nachsorgeambu-
lanz für Nierentransplantationen, wo

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Diagnostik und Therapie

„Nebenwirkungsfreie Präparate gibt es nicht“


Ärzte diskutierten Medikamenteneinsatz bei älteren Patienten

Viele hochaltrige Menschen leiden un-


ter mehreren, meist chronischen Er-
krankungen, die medikamentös oft-
mals gut behandelt werden können.
„Doch dafür reichen ein oder zwei
Präparate nicht aus, viele multimor-
bide Patienten benötigen fünf und
mehr Medikamente, wir sprechen
dann von Polymedikation“, sagt die
kommissarische Direktorin der Klinik
für Geriatrie des UKJ, Chefärztin Dr.
Anja Kwetkat. Betroffen sind davon
mehr als 20 Prozent der über 75jäh-
rigen. Zählt man die frei verkäufli-
chen Medikamente und Präparate aus
der Apotheke, dem Internet oder dem
Supermarkt hinzu, sind es sogar rund
40 Prozent.

„Die frei verkäuflichen Medikamente


und Präparate sind besonders proble-
Schwester Silke unterstützt eine Patientin bei der Arzneimittel-Dosierung Foto: Szabó
matisch, weil viele Patienten ihren Arzt
über deren Einnahme nicht informie- Anja Kwetkat und verweist darauf, dass geriatrischen Patienten von einer Über-
ren“, betonte Dr. Kwetkat während des man bei verschlechterten Werten oder und bei 11 Prozent von einer Unterme-
3. Jenaer Geriatrie-Symposiums zur „Po- neu auftretenden Symptomen nicht dikation ausgehen muss. Noch häufi-
lymedikation“. „Bei pflanzlichen Präpa- ausschließlich an eine neue Erkrankung, ger sind Fehlmedikationen mit 19 Pro-
raten – wie z. B. dem außerordentlich sondern auch an mögliche Neben- oder zent. „Diese Probleme könnten deutlich
beliebten Johanniskraut – herrscht so- Wechselwirkungen der verschiedenen reduziert werden, wenn man bei den
gar die Überzeugung vor, dass diese Medikamente denken sollte. „Um den Dosierungen stärker die altersphysiolo-
keinerlei Nebenwirkungen bzw. Einfluss häufig sehr umfangreichen Medika- gischen Veränderungen berücksichtigt
auf die Wirksamkeit ärztlich verordne- mentencocktail zu überprüfen und ge- und die Patienten die Tabletten korrekt
ter Medikamente haben. Doch das ist gebenenfalls zu reduzieren, führen wir einnehmen“, sagt Dr. Kwetkat. Doch das
ein großer Irrtum, nebenwirkungsfreie auch Auslassversuche durch. Dabei wer- ist bei vielen alten Patienten nicht der
Präparate gibt es nicht.“ den unsere Patienten entsprechend Fall, und das betrifft nicht nur die Hin-
überwacht“, erläutert Dr. Anja Kwetkat, fälligen oder Schwerkranken, auch etwa
Ärzte über alle Mittel informieren die in ihrer Klinik – beispielsweise in der jede(r) Zehnte so genannte „fitte Alte“
Schmerztherapie – auch nicht medika- ist nicht mehr in der Lage, die Tabletten
Besonders häufig werden in der Apo- mentöse Behandlungsmethoden anbie- aus einem Blister herauszudrücken.
theke nicht rezeptpflichtige Schmerz- tet. „Dennoch haben die meisten Pati- Doch das zuzugeben, ist vielen unan-
mittel hinzugekauft und zusätzlich zu enten, die unsere Klinik verlassen, wei- genehm. Die Hauptursachen für diese
den ärztlich verordneten eingenommen, terhin eine Polymedikation, das lässt Probleme sind Visusminderungen (in 25
wenn diese nicht die erhoffte Wirkung sich auf Grund ihrer Multimorbidität Prozent der Fälle), kognitive Beeinträch-
zeigen. „Der Nutzen ist zweifelhaft, si- häufig auch gar nicht vermeiden. Unser tigungen (20 Prozent) und feinmotori-
cher ist aber, dass sich die Nebenwir- Ziel ist es aber, vor allem solche Medi- sche Probleme (10 Prozent).
kungen – von verschlechterten Nieren- kamente einzusetzen, die für alte Pati- „Hier, das zeigten auch die Diskussio-
werten bis zum Magengeschwür – deut- enten besonders geeignet sind“, betont nen während unseres Symposiums,
lich erhöhen, und dabei sind alte und Dr. Kwetkat. müssen wir noch genauer hinschauen
multimorbide Patienten ganz besonders und nachfragen, ob der Patient über-
gefährdet. Die Chance, hier aufklärend Erhebliche Probleme bei der haupt in der Lage ist, seine Medikamen-
einzuwirken, hat zumeist nicht der be- Medikamenteneinnahme te selbstständig einzunehmen oder ob
handelnde Arzt, sondern bestenfalls der er die Hilfe der Angehörigen bzw. eines
Apotheker – wenn der betreffende Pa- In der „Berliner Altersstudie“ wurde fest- ambulanten Dienstes benötigt. Denn
tient eine ‚Stammapotheke’ hat“, sagt gestellt, dass man bei 14 Prozent der nur wenn die Mittel korrekt eingenom-

10 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Patientenbrief

men werden, können sie auch helfen“, ben es auch ihren Kindern, um dem parat neue Probleme hervorrufen, denn
sagt Dr. Kwetkat und erläutert dies am Schul- und Prüfungsstress besser ge- es beeinflusst sowohl die Blutverdün-
Beispiel einiger neuer, hochwirksamer wachsen zu sein. Allerdings kann das nung mit Falithrom als auch die Wirk-
Präparate: „Es gibt moderne Osteopo- scheinbar so harmlose pflanzliche Prä- samkeit der Pille.“ mv
rosemedikamente, die nur noch einmal
wöchentlich eingenommen werden.

„Ihr Klinikum ist mein zweiter


Das ist ein großer Vorteil. Allerdings
muss sich der alte Patient den entspre-
chenden Wochentag merken, und er
muss wissen, dass er das Mittel nüch-
tern einnehmen und eine Stunde war- Geburtsort“
ten muss, ehe er etwas essen darf. In
dieser Zeit muss er zudem aufrecht sit- Universitätsklinikum Jena
zen, weil sich im Liegen das Risiko von zu Händen der Leitung der Thorax-Chirurgie
Speiseröhrenentzündungen oder -ge-
schwüren deutlich erhöhen würde.“ Das Werte Damen und Herren,
alles exakt einzuhalten, bereits das ein-
stündige aufrechte Sitzen kann für Pa- am 22. Juni diese Jahres jährte sich der Tag zum 55. Mal, an dem ich in Ihrer
tienten mit fortgeschrittener Osteopo- Klinik an der Lunge operiert wurde. Mir wurde der rechte Lungenflügel ent-
rose sehr schwierig sein, ist für viele alte fernt. Operiert hat mich Herr Professor Kuntzen, natürlich mit einem Stab hervor-
Menschen außerordentlich kompliziert. ragender Ärzte. Für mich war es die Chance, ein normales Leben zu führen.
„Deshalb“, so Dr. Kwetkat, „muss man Die Diagnose lautete: Erweiterte Bronchi-
hier mitunter auch darüber nachden- en, die sich ständig mit Eiter gefüllt und
ken, ob der Nutzen eines solchen Medi- starken Husten mit entsprechendem Aus-
kaments die Gefahren möglicher Kom- wurf verursacht haben. Der Zufall und viel
plikationen und weiterer Schädigungen Glück haben mich nach Jena gebracht.
wirklich überwiegt.“ Außerordentlich Zu jener Zeit wurden diese Operationen seit
komplex ist auch die Parkinsonthera- maximal zwei Jahren durchgeführt, und
pie, bei der die verschiedenen Medika- dann auch nur eine in zwei Wochen. Si-
mente über den Tag verteilt zu bestimm- cher ist heute für den Patienten alles ein-
ten Zeiten eingenommen werden müs- facher, aber mit 15 Jahren macht man sich
sen, wenn sie die gewünschte Wirkung darüber keine Gedanken, was alles so pas-
entfalten sollen. „Das lässt sich im Kran- sieren kann. Einen großen Vorteil gab es
kenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung auch schon für mich: Seit ganz kurzer Zeit
realisieren, zu Hause ist das aber oft mit bekamen Patienten mit schweren Opera-
erheblichen Problemen verbunden. In Prof. Dr. Heinrich Kuntzen war von tionen eine Armnarkose.
solchen Fällen muss man genau über- 1952 bis 1961 Ordinarius für Chi- Ich habe alles bestens überstanden und bin
legen, wie die Medikation aus der Klinik rurgie am Universitätsklinikum Jena am 15. Juli 1955 mit der Bahn von Jena
und erwarb sich besondere Ver-
in die ambulante Versorgung transfe- dienste beim Aufbau der Thorax- mit Stopp in Berlin in Begleitung meiner
riert werden kann“, betont Dr. Anja Kwet- chirurgie Mutter nach Hause gefahren. Anfänglich
kat und verweist auch auf die wirt- war alles noch ein bisschen schwer, aber ich habe tapfer durchgehalten. Am
schaftliche Seite, über die der UKJ-Kli- 1. September 1955 begann ich mit meiner Lehre als Bankkauffrau. Fünf Jah-
nikapotheker und Gesundheitsökonom re später bin ich dann zum Studium gegangen. Nach Abschluss meines Stu-
PD Dr. Michael Hartmann informierte. diums habe ich immer ganztags in leitender Funktion gearbeitet. Durch Krank-
Ein großes Problem für die behandeln- heit bin ich nur ganz selten für ein paar Tage ausgefallen. Ich bin seit 1964
den Ärzte sind auch die in der Alters- verheiratet und habe zwei Kinder. Ich konnte also wie jeder andere mein
medizin zumeist fehlenden Leitlinien. Leben gestalten. Aber ich hatte immer ein gutes Umfeld, schwere körperliche
„Um zu wirklich fundierten Aussagen zu Arbeit wurde mir abgenommen. Ich wollte nie jemandem beweisen, was ich
kommen, benötigen wir mehr Studien alles kann, ich habe mir meine Leistungsgrenze immer selbst gesetzt.
mit geriatrischen Patienten“, sagt die Nun bin ich 70 Jahre alt und kann immer noch meinen Haushalt, der nicht
Chefärztin der Klinik für Geriatrie. gerade klein ist, allein machen. Wir unternehmen noch weite Reisen und
gestalten uns unser Leben so abwechslungsreich und schön wie möglich.
„Vor allem aber“, so Dr. Anja Kwetkat, Das verdanke ich der hervorragenden Arbeit ehemaliger Professoren, Ober-
„müssen wir wesentlich besser über ärzte, Ärzte und Krankenschwestern Ihres Klinikums, und daran muss ich
die Medikamenteneinnahmen unserer gerade in diesen Tagen oft denken.
Patienten Bescheid wissen, um uner- Ich wünsche Ihnen, werte Damen und Herren, alles Gute und viel Erfolg bei
wünschte Interaktionen zwischen den Ihrer Arbeit zum Wohle Ihrer Patienten. Ihr Klinikum ist für mich mein zweiter
verschiedenen Präparaten zu verhin- Geburtsort. Freundliche Grüße sendet Ihnen
dern. Übrigens: Johanniskraut, das stim-
mungsaufhellend wirkt, nehmen nicht Jutta Viergutz aus Eggesin
nur ältere Patienten. Viele Mütter ge-

www.uniklinikum-jena.de 11
Mitarbeiterfest

Karibische Nacht im Paradies


Nach dem Phyletischen Museum 2008 an: Dynamische Hüftschrauben, Tatü-
und dem Ernst-Abbe-Sportfeld im letz- tata, Stillkinder, 80plusminus, Strahlend
ten Jahr durfte man gespannt sein, wo Weiss... Keinen neuen Namen gab es auf
das UKJ-Mitarbeiterfest in diesem Jahr dem Siegertreppchen. Die Sandhaie
stattfinden würde. Die Organisatoren waren auch in diesem Jahr nicht zu
entschieden sich für eine „Karibische schlagen.
Nacht“ am Schleichersee im Jenaer Pa- Am Nachmittag war das Gelände am
Fotos: Grau (3), Szabó (1), Vöckler (1) radies. Wirklich Karibisch waren die Schleichersee fest in Kinderhand. Zahl-
Temperaturen am 4. September nicht, reiche Mädchen und Jungen waren mit
aber immerhin blieb es ab Mittag tro- ihren Eltern ins Paradies gekommen, um
cken und nachmittags schien sogar die zünftig zu feiern; und das Angebot war
Sonne. ebenso groß wie originell: Josma und
die Piraten unterhielten mit Kunststü-
Eröffnet wurde das Mitarbeiterfest tra- cken und Späßen, Käpt’n Alfred sang
ditionell sportlich. Ab 10 Uhr traten 16 und spann Seemannsgarn, die Surfer
Volleyballteams mit ebenso klang- wie aus Rerik stellten ihre faszinierende
fantasievollen Namen gegeneinander Sportart vor und die Deutsche Lebens-

12 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Mitarbeiterfest

rettungsgesellschaft begeisterte die klei-


nen und großen Besucher mit einer Ret-
tungsübung. Ich bin doch kein Baby mehr...
Kurz nach 18 Uhr eröffneten der Spre-
cher des Klinikumsvorstands, Rudolf
Kruse, und die Personalratsvorsitzende,
Sigrid Oehler, das Mitarbeiterfest und
ehrten die Sieger und Platzierten beim
Volleyballturnier. Die Gruppe „Vapata“
unterhielt mit exotischen Klängen,
Käpt’n Alfred überbrachte musikalische
Grüße von der Waterkant und ließ sich
dabei auch durch einen kurzzeitigen
Stromausfall auf der Bühne nicht be-
eindrucken.
Beeindruckt waren die fast 2000 Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter von den ku-
linarischen Köstlichkeiten, die von der

Für die ganz Kleinen ist er Lieblingsspielzeug, Trostspender, Einschlafhilfe und


eigentlich unentbehrlich. Doch irgendwann ist es an der Zeit, sich vom „Schnuller“ zu
trennen, so schwer das auch fällt. Hilfe bietet der Jenaer „NUK-Schnullerbaum“, der
vierte in Deutschland und erste in Thüringen, der seit dem 1. September in der
Universitäts-Kinderklinik steht und den Mädchen und Jungen aus Kindereinrichtungen
hilft, sich vom „Schnuller“ zu verabschieden. TV-Streetworker Thomas Sonnenburg
fand das klasse und überreichte jedem der 30 Jenaer Kinder, die ihren „Schnuller“
abgaben, eine Urkunde für besondere Tapferkeit. Der „Schnullerbaum“ hat noch etwas
Gutes: Für jeden abgegebenen „Schnuller“ spendet die Firma NUK Geld an die „Stiftung
Lesen“, die damit das Geschichten erzählen und das Lesen in Kinderkliniken unterstützt.
Foto: Szabó

Klinikumsküche zubereitet wurden: Ge-


schnetzeltes Curryhuhn mit Ananas,
Mexikanische Pfanne mit Schwein und
Gemüse, Rinder Vindaloo mit Gemüse,
Schweinefilet, Putensteaks, Fischspie-
ße, Kokosreis mit Rosinen, Kubanischer
Gurkensalat, Karibischer Obstsalat und
vieles andere...
Als die Temperaturen immer weiter in
den einstelligen Bereich abglitten, heiz-
ten Josma und seine Piraten mit einer
Feuershow und Hippie Langstrumpf mit
Psychedelic-Rock und Rock Klassikern
von Jimi Hendrix bis zu den Stones noch
einmal so richtig ein.
Ein ganz besonderer Dank gilt all jenen,
die das Mitarbeiterfest organisierten
und die sich während des Festes um das
leibliche Wohl bemühten. Für sie, so Si-
grid Oehler und Rudolf Kruse, wird auch
in diesem Jahr ein Helferfest stattfin-
den. mv

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Vorgestellt

Gesunde Mitarbeiter – gesundes Unternehmen


Gesundheitsmanagement will gesundheitsfördernde Maßnahmen
am UKJ weiter ausbauen

„Gesundheit ist nicht nur ein hoher denen Angebote weiter auszubauen rung oder der Umlenkung auf einen
individueller Wert, gesunde Mitar- und noch besser aufeinander abzustim- besser geeigneten Arbeitsplatz verbun-
beiter und gesundheitsfördernde Ar- men, sie inner- und außerhalb des Klini- den sein. Dabei arbeitet das Betriebli-
beitsbedingungen sind auch für die kums bekannter zu machen und die In- che Eingliederungsmanagement auch
erfolgreiche Entwicklung eines Unter- teressen unserer Mitarbeiter und Pati- mit externen Partnern wie dem Integra-
nehmens von enormer Bedeutung. enten noch stärker zu berücksichtigen.“ tionsamt Gera zusammen, betont My-
Deshalb stehen die Förderung und
Erhaltung der Gesundheit der Mitar-
beiter im Mittelpunkt unserer Tätig-
keit“, sagt Dr. Norbert Gittler-Hebe-
streit, der seit Mai 2010 das Gesund-
heitsmanagement am Universitäts-
klinikum Jena leitet.

Erste Gesundheitsmanagement-Projek-
te wurden schon vor Jahren in großen
Industrie-Unternehmen entwickelt und
setzen sich nun auch im sozialen Be-
reich mehr und mehr durch.

UKJ will auch künftig attraktiver


Arbeitgeber sein

„Es geht nicht ausschließlich darum,


Krankheitstage und Fehlzeiten zu sen-
ken. Wir wollen am UKJ verstärkt effek-
tive und nachhaltige gesundheitsför- Myriam Dorsch und Dr. Norbert Gittler-Hebestreit Foto: Vöckler
dernde Maßnahmen einführen und ko-
ordinieren, um auch künftig ein attrak- Bei der Wiedereingliederung in den riam Dorsch, die mit der Betriebsärztin
tiver Arbeitgeber zu sein, was angesichts Arbeitsprozess unterstützen und einem Mitglied des Personalrates
der Personalsituation im Gesundheits- das BEM-Kernteam bildet, das gemein-
wesen und der Wettbewerbssituation, Ein wichtiger Bestandteil des Gesund- sam mit der/dem Beschäftigten Vor-
in der sich das UKJ befindet, ganz be- heitsmanagements, das auf Initiative schläge erarbeitet und diese den Dienst-
sonders wichtig ist. Dazu gehört neben des Klinikumsvorstands und des Perso- vorgesetzten und dem Personalma-
der Schaffung entsprechender Arbeits- nalrats am UKJ etabliert wurde, ist das nagement zur weiteren Diskussion un-
bedingungen auch ein leistungsför- Betriebliche Eingliederungsmanage- terbreitet. „Die meisten Mitarbeiter und
derndes und identitätsstiftendes Be- ment (BEM). „Es basiert auf den Bestim- Vorgesetzten arbeiten dabei sehr enga-
triebsklima, zu dem die Leitbilddiskus- mungen des Sozialgesetzbuches IX und giert mit. Das ist auch notwendig, denn
sionen der letzten Jahre in einem erheb- gilt für alle Beschäftigten, die in den letz- Probleme löst man nur, wenn man sie
lichen Maße beigetragen haben“, erläu- ten zwölf Monaten länger als 42 Kalen- anpackt“, sagt Myriam Dorsch.
tert der Gesundheits- und Pflegewissen- dertage krank waren. Diese erhalten ein
schaftler. Norbert Gittler-Hebestreit ver- Angebot zur Unterstützung bei der Wie- „Selbstverständlich ist das Betriebliche
weist auf die zahlreichen bereits beste- dereingliederung in den Arbeitspro- Eingliederungsmanagement lückenlos
henden Angebote des Gesundheitsmar- zess“, erläutert die BEM-Koordinatorin datenschutzrechtlich abgesichert“, er-
ketings, der GesundheitsUni, des Be- am Universitätsklinikum Jena, Myriam gänzt Dr. Gittler-Hebestreit, der hervor-
triebsärztlichen Dienstes, der Einrichtun- Dorsch. Das kann eine technische Um- hebt, dass das UKJ mit der Etablierung
gen der Fort- und Weiterbildung sowie gestaltung des Arbeitsplatzes erforder- des Gesundheitsmanagements einen
der Kliniken und Institute des UKJ: „Wir lich machen, es kann bei weiter beste- Vorsprung gegenüber zahlreichen regi-
wollen das nicht alles noch einmal ‚er- henden gesundheitlichen Einschrän- onalen und überregionalen Kranken-
finden’, sondern helfen, die verschie- kungen aber auch mit einer Qualifizie- häusern hat. mv

14 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


GesundheitsUni

Der Stress mit dem Sex... und vieles andere – dazu bei. „Die ‚post-
moderne Sexualität’ mit Telefonsex, In-
ternet-Pornographie und Cybersex, vir-
tuellem Sex im Netz, hat nicht nur dazu
beigetragen, eine Vielzahl sexueller Be-
„‚Die Sexualität gehört zu den gefähr- „Die Menschen sind sich auch heute gehrlichkeiten zu erfüllen und sexuelle
lichsten Betätigungen des Individu- noch treu, allerdings nicht mehr so lan- Kontakte zu anonymisieren, sie ist auch
ums’, warnte der Psychoanalytiker ge“, betont Bernhard Strauß. eine neue Quelle von Selbstzweifeln und
Sigmund Freud. Wenn das stimmt, Paradoxerweise hat die beinahe voll- sexuellem Stress, schließlich schafft
wäre das ganz gewiss eine Antwort ständige Enttabuisierung in Sachen Se- auch sie Zwänge, und aus Leistungs-
auf die Frage, warum der Mensch so xualität nicht zu mehr, sondern zu we- druck kann schnell Leidensdruck wer-
oft ‚Stress mit dem Sex’ hat“, sagte niger sexueller Lust geführt. Gingen in den“, sagt Prof. Bernhard Strauß.
Prof. Dr. Bernhard Strauß zu Beginn den 1970er Jahren noch 80 Prozent der
der Jenaer Abendvorlesung am 30. Frauen wegen Erregungs- und Orgas- Der „Stress mit dem Sex“, so Bernhard
Juni und erkannte als Quellen dieses Strauß, begleitet den Menschen auch
verbreiteten Phänomens neben indi- im Alter: 89 Prozent der 70- bis 75jähri-
viduellen und partnerschaftlichen gen Männer und 64 Prozent der gleich-
Ursachen sowie Alter und Krankheit altrigen Frauen bejahen in Studien den
auch den veränderten gesellschaftli- Wunsch nach Geschlechtsverkehr. „Die
chen Umgang mit der Sexualität. tatsächliche sexuelle Aktivität nimmt im
Alter allerdings rapide ab und sinkt be-
Seit den späten sechziger Jahren – Stich- reits bei den Über-60jährigen auf unter
wort „sexuelle Revolution“ – ist es in 40 Prozent“, erläutert Prof. Strauß und
vielen Ländern zu einer deutlichen Li- nennt die wichtigsten Gründe für die
beralisierung gekommen. Restriktive verbreitete sexuelle Inaktivität im höhe-
Moralvorstellungen wurden überwun- ren Lebensalter: das Fehlen eines Part-
den und die jahrhundertelange Tabui- ners oder dessen nicht mehr vorhande-
sierung von einer Allgegenwart der Se- nes Interesse an sexuellen Kontakten,
Prof. Dr. Bernhard Strauß Foto: Schröder
xualität – vor allem in den Medien – Erektionsstörungen und andere alters-
abgelöst. „Nicht mehr Kirche oder Ge- musstörungen zum Arzt, waren dies in oder krankheitsbedingte Beeinträchti-
sellschaft bestimmen jetzt, was in Punk- den Neunzigern nur noch knapp 30 gungen, ein vermindertes eigenes At-
to Sexualität ‚moralisch’ ist, der Konsens Prozent. Dafür klagten fast 60 Prozent traktivitätsgefühl, Versagensängste und
der Partner ist entscheidend. Das gilt (1970er Jahre: acht Prozent) über Lust- vieles andere. „Sexualität sucht sich im
auch für die Homosexualität“, erläutert losigkeit. Auch bei den Männern ver- Alter deshalb oftmals andere Wege: Sie
Prof. Strauß. „Gleichzeitig entstanden vierfachte sich diese auf heute etwa 16 wird emotionaler und Zärtlichkeit ver-
Gegenbewegungen, die auf die ‚klassi- Prozent. Neben körperlichen tragen drängt nach und nach die sexuelle Ak-
schen’ Moralvorstellungen setzen und psychische Faktoren – depressive Stö- tivität im engeren Sinne. So bleibt, auch
jegliche sexuelle Handlungen vor der rungen, Hemmungen, Schuldgefühle, wenn die Zufriedenheit mit der Sexuali-
Ehe oder gleichgeschlechtliche Bezie- Versagensängste, Partnerschaftskon- tät im Alter abnimmt, die Zufriedenheit
hungen als ‚unmoralisch’ ablehnen.“ flikte, Unzufriedenheit mit dem eigenen mit der Partnerschaft häufig erhalten“,
Körper, belastende Lebensereignisse betont Prof. Strauß. mv
Sowohl der restriktive als auch der libe-
rale Umgang mit Sexualität können er-
hebliche Probleme hervorrufen; Stress
auslösen kann aber auch sexueller Leis-
tungsdruck, dem sich nach wie vor vie-
le Männer unterwerfen. Dennoch haben
sich die Geschlechter in den letzten Jahr-
zehnten auch auf sexuellem Gebiet auf-
einander zu bewegt, und zum Teil ha-
ben sich die Verhältnisse sogar vollstän-
dig verändert: Machten in den 1960er
Jahren die Männer noch wesentlich frü-
her erste sexuelle Erfahrungen als Frau-
en, ist es heute umgekehrt. Wesentlich
brüchiger geworden sind die Beziehun-
gen, was sich auch an der steigenden
Zahl der Ehescheidungen ablesen lässt.

www.uniklinikum-jena.de 15
Veranstaltungen

Patientenveranstaltungen Informationsabende
Crohn-Colitis-Tag 2010
für werdende Eltern

Patientenseminar des Informationsabende für werden- Der Crohn-Colitis-Tag mit Vorträ-


Interdisziplinären Brustzentrums de Eltern finden an jedem zweiten gen, Expertenrunden und Endo-
Donnerstag im Monat 19 Uhr im skopien findet
13. Oktober (18 Uhr) Hörsaal und im Kreißsaal der
Welche Unterstützungsmöglich- Universitäts-Frauenklinik in der am 2. Oktober 2010
keiten gibt es für Angehörige Bachstraße 18 statt. von 10.00 bis 13.00 Uhr
Besprechungsraum des Nächste Termine: in den Hörsälen und in der Ma-
Interdisziplinären Brustzentrums 23. September, 14. Oktober und gistrale des Universitätsklinikums
Haus 4, Erdgeschoss 28. Oktober Jena-Lobeda statt.
Bachstraße 18

Patientenakademie
der Klinik für Neurologie Informationsabend zum Kinderwunsch

15. September (17-19 Uhr) In Deutschland gibt es rund zwei Millionen ungewollt kinderlose Paare. Was
Morbus Parkinson ist die Ursache für die vermeintliche Unfruchtbarkeit? Welche Therapie ist die
Ernst-Abbe-Platz, Hörsaal 4 richtige? Ist eine Hormonbehandlung gefährlich?, fragen viele Paare mit
unerfülltem Kinderwunsch.
2. Oktober (14-17 Uhr)
Cluster-Kopfschmerz Mit einem neuen regelmäßigen Informationsabend möchten die Gynäkologen
Klinikum Lobeda, Seminarraum 7 am Universitätsklinikum Jena das Angebot für Paare mit Kinderwunsch weiter
ausbauen. Künftig wollen die UKJ-Kinderwunsch-Experten um Prof. Dr. Jürgen
27. Oktober (17-19 Uhr) Weiss und Dr. Ines Hoppe etwa alle sechs Wochen zu einem solchen Abend
Epilepsie einladen. In der Zwischenzeit stehen Prof. Weiss und Dr. Hoppe Rat suchenden
Klinikum Lobeda, Seminarraum 7 Paaren jederzeit in der Kinderwunschsprechstunde der Frauenklinik zur
Verfügung.
3. November (18-20 Uhr)
Schlaganfall Der erste Informationsabend findet am 22. September, 18 Uhr, im Hörsaal
Ernst-Abbe-Platz, Hörsaal 4 der Universitäts-Frauenklinik Jena in der Bachstraße 18 statt.

GesundheitsUni Jena am UKJ

Mittwoch, 29. September Mittwoch, 27. 0ktober


Wenn die Seele leidet – Alles was recht ist
Depressionen Patientenrechte in der Medizin
Prof. Dr. Heinrich Sauer Andreas Herzog
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie VdK Hessen/Thüringen

ndvorlesung
Jenaer Abe
s 19 Uhr
Beginn jeweil 1
Lo be da /O st , Er la ng er Allee 101, Hörsaal
Uniklinik um

16 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Service

Cafeteria

In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums


werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Pastorin Barbara Sonntag Pfarrer Norbert Winter
Evangelische Klinikseelsorge Katholische Seelsorge
Tel. (03641) 932 00 56 oder 0179 8 50 30 20 (036421) 224 36 oder 0177 451 19 27

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

www.uniklinikum-jena.de 17
Besuch am UKJ

Gesundheitsminister Tatarstans besuchte UKJ


„An enger Zusammenarbeit interessiert“
„Die Ausbildung und das Engagement
der Mitarbeiter, die hochmodernen
Geräte, die ausgezeichnete Patienten-
versorgung und die Leistungen in der
Forschung haben mich außerordent-
lich beeindruckt“, sagte Dr. Airat Far-
rakhov nach dem Besuch des Univer-
sitätsklinikums Jena am 11. August
2010.

Der Gesundheitsminister der Republik


Tatarstan (Russische Föderation) war
zum ersten Mal in Jena, aber nicht in
Deutschland. „Als ich noch als Chirurg
tätig war, habe ich am Klinikum Nürn-
berg hospitiert. Ich habe mich schon
damals dafür eingesetzt, auch anderen
Kollegen aus meiner Heimat Hospitati-
onen in führenden deutschen Kliniken
zu ermöglichen. Als Minister habe ich
jetzt die Autorität, diese Entscheidun-
gen zu treffen“, betonte Dr. Farrakhov, Der Leiter der Stabsstelle Gesundheitsmarketing am UKJ, Hartwig Gauder (l.), informiert den
der am UKJ das Fahrerlose Transport- Gesundheitsminister der Republik Tatarstan, Dr. Airat Farrakhov (2. v. r.), über den zweiten
Bauabschnitt des Klinikumsneubaus Foto: Storsberg
system besichtigte und sich ausführlich
über die Arbeit der Zentralen Notauf-
nahme, der Schlaganfallstation (Stroke medizinischen Zentrum, unterstützen Das Krankenhaus in Nabereshnye Tschel-
Unit) sowie der Chirurgischen Intensiv- wird. Wir freuen uns sehr auf die Zu- ny, der mit 500.000 Einwohnern zweit-
station informierte. sammenarbeit“, sagte der Minister. Ge- größten Stadt des Landes, ist für die
„Wir haben mit dem Klinikumsvorstand plant ist, dass drei Gruppen mit jeweils Versorgung von etwa 1,2 Millionen
vereinbart, dass uns das Universitäts- etwa acht bis zehn Personen – Ärzte und Menschen zuständig und wird gegen-
klinikum Jena bei der Weiterbildung von mittleres medizinisches Personal – für wärtig bei laufendem Betrieb rekonstru-
Mitarbeitern des Krankenhauses für jeweils zwei Wochen zur Hospitation an iert und modernisiert. „Dabei arbeiten
Schnelle Medizinische Hilfe in Naberesh- das UKJ kommen. Die erste Gruppe ist wir eng mit den Bundesministerien für
nye Tschelny, einem großen staatlichen am 30. August in Jena eingetroffen. Gesundheit und für Wirtschaft sowie der
Firma AJZ Engineering zusammen. Nach
dem Abschluss der Rekonstruktion wer-
den uns Experten des Universitätsklini-
kums Jena vor Ort bei der Arbeit mit der
Tatarstan ist eine autonome Re- hochmodernen Medizintechnik unter-
publik innerhalb der Russischen stützen“, sagte Dr. Farrakhov, der an ei-
Föderation. Die ca. 800 km öst- ner langfristigen Zusammenarbeit mit
lich von Moskau an der Wolga dem UKJ interessiert ist und zum Ab-
und der Kama gelegene Repub- schluss seines Besuchs vom Direktor der
lik gehört zu den wirtschaftlich Klinik für Anästhesiologie und Intensiv-
entwickeltsten Regionen Russ-
medizin, Prof. Dr. Konrad Reinhart, über
lands. Neben der Erdöl- und Erd-
gasgewinnung sind die Land-
die Schwerpunkte der Sepsisforschung
wirtschaft sowie die Nahrungs- am Universitätsklinikum Jena informiert
mittel- und Textilindustrie die wurde. Gesundheitsminister Dr. Airat
wichtigsten Wirtschaftszweige. Farrakhov zeigte sich beeindruckt, dass
Auf rund 68.000 Quadratkilo- am UKJ die Sepsis-Sterblichkeit auf
metern leben etwa 3,8 Millionen 29 Prozent gesenkt und damit nahezu
Menschen. Hauptstadt ist Kasan, halbiert werden konnte – ein Spitzen-
die mit 1,1 Millionen Einwoh-
wert im deutschen und internationalen
nern größte Stadt des Landes.
Vergleich. mv

18 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Forschung

FH-Studenten unterstützen UKJ-Krebsforscher


Eine Spende in Höhe von 500 Euro über-
gaben BWL-Studenten der Fachhoch-
schule Jena den Krebsforschern am Uni-
versitätsklinikum Jena. „Wir freuen uns
sehr über diese Unterstützung im Kampf
gegen den Krebs“, sagt Prof. Dr. Andre-
as Hochhaus, Direktor der Abteilung Hä-
matologie/Onkologie. „Das zeigt, dass
auch jungen und gesunden Menschen
bewusst ist, wie wichtig dieser Kampf,
den wir mit der Erforschung der Krebs-
ursachen und der Suche nach Therapi-
en führen, für uns alle ist.“
Das Spendegeld erhielten die 12 Stu-
denten für den erfolgreichen Abschluss
eines Projektes, das sie im Auftrag der
Erfurter Niederlassung der Firma Bosch
Prof. Andreas Hochhaus (l.) freut sich über die Spende der BWL-Studenten Foto: Szabó Solar Energy bearbeiteten.

Prof. Dr. Otto W. Witte, Direktor der Klinik für Neu- PD Dr. Ulrich Wedding (Palliativmedizin) und Prof. Dr. Ulrich-
rologie, ist auf dem 26. Treffen der Association of Cli- Alfons Müller (Endokrinologie/Stoffwechselerkrankungen) wurden
nical Research Centers ACRC zum Generalsekretär der für die Wahlperiode 2010-2012 zu außerordentlichen Mitgliedern
Arbeitsgemeinschaft gewählt worden. Mitglieder des der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ernannt.
ACRC sind neun interdisziplinäre Zentren für klinische
Forschung.

PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der Klinikums-


apotheke des UKJ, wurde erneut in das European Di-
rectorate for the Quality of Medicines & Health Care
(EDQM), eine Expertenkommission des Europarates,
berufen. Das aktuelle Projekt will Strategien und Me-
thoden entwickeln, um Leitlinien erfolgreicher in die
medizinische und pharmazeutische Praxis zu imple-
mentieren.

Prof. Dr. Iver Petersen, Direktor des Instituts für Pa-


thologie, ist in das Pathologie-Komitee der Internati-
onal Association for the Study of Lung Cancer (IASLC)
aufgenommen worden. Die IASLC hat sich dem Lun-
genkarzinom verschrieben, der Krebsart, an der in
Deutschland und weltweit die meisten Krebspatien-
ten versterben.

Im Rahmen der 16. Jahrestagung der Deutschen As-


soziation für Fuß- und Sprunggelenk (DAF) wurde der
1. Posterpreis für eine Arbeit von Mitarbeitern der
Unfallchirurgie des UKJ verliehen. Das Poster „Bio-
mechanische Untersuchungen zur Lapidusarthrodese
mittels medialer winkelstabiler Platte“ von K. Klos, B.
Gueorguiev, K. Schwieger, M. Windolf, G. O. Hofmann
und T. Mückley stellt den Teil eines Kooperations-
projekts mit der AO-Foundation vor. Im Rahmen des
Kooperationsprojektes konnte Dr. Klos einen einjähri-
gen Forschungsaufenthalt im international renom-
mierten AO-Institut in Davos absolvieren und verschie-
dene biomechanische Fragestellungen bearbeiten.

www.uniklinikum-jena.de 19
Forschung

Form erstmals beschrieben wurde. „Wir


Neues Blutkrebs-Gen identifiziert werden die Untersuchungen jetzt in ei-
nem neu eingerichteten Forschungsla-
UKJ-Onkologe Dr. Thomas Ernst findet bor am Universitätsklinikum Jena wei-
terführen“, betont Prof. Andreas Hoch-
Genmutation in Leukämien haus. „Unser Ziel ist es, in weiteren Schrit-
ten in klinischen Studien auf der Grund-
lage dieser molekularen Befunde die
Möglichkeit der Entwicklung spezifi-
scher und individualisierter Therapien
In einer Studie zu den genetischen Ur- net mit einer schnellen klinischen An- zu untersuchen.“
sachen von Blutkrebserkrankungen wendung seiner Erkenntnisse, da es Das Universitätsklinikum Jena ist seit
ist es einem Wissenschaftler des Uni- bereits Substanzen gibt, die geeignet Anfang 2010 Mitglied des von der EU
versitätsklinikums Jena gelungen, eine scheinen, die neu beschriebene Funkti- geförderten European LeukemiaNet und
neue Genmutation zu identifizieren,
die in direktem Zusammenhang mit
der Entstehung von Leukämien steht.
Überraschend ist dabei die Erkennt-
nis, dass diesem Gen EZH2 auf Chro-
mosom 7 eine Doppelfunktion zuzu-
kommen scheint: Nach den neuen Er-
kenntnissen hat das Gen bei Blut-
krebserkrankungen eine tumorhem-
mende Funktion, während es bei an-
deren Krebserkrankungen wie Pros-
tata- und Brustkrebs bisher als Tu-
morauslöser bekannt war.

In der am 4. Juli in der Fachzeitschrift


„Nature Genetics“ veröffentlichten Stu-
die weist Dr. Thomas Ernst anhand von
DNA-Untersuchungen eine direkte Be- Dr. Thomas Ernst hat bei seinen Untersuchungen zur Entstehung von
Blutkrebserkrankungen ein neues Krebs-Gen identifiziert Foto: Schröder
teiligung des EZH2-Gens an der Entste-
hung von Knochenmarktumoren nach.
„Wir wussten, dass bei diesen Erkran- onsstörung zu beheben. „In der Thera- hat somit beste internationale Koope-
kungen häufig Veränderungen des pie sprachen einige Patienten sehr gut rationsmöglichkeiten auf dem Gebiet
Chromosoms 7 auftreten“, so der Medi- auf diese Medikamente an, der Grund der Leukämieforschung. HR
ziner. „Jetzt ist es uns erstmals gelun- dafür war allerdings bisher unklar“, so
gen tatsächlich ein Gen zu identifizie- der Wissenschaftler. „Jetzt liegt die Ver-
ren, das die Entwicklungsvorgänge bei mutung nahe, dass es sich hier um jene
diesen Blutkrebserkrankungen steuert.“ Patienten handelt, bei denen die ent-
Dafür hat Dr. Ernst mit seinen Kollegen
an der University of Southampton (Eng-
deckte Mutation vorliegt.“ Auflösung
land), wo er in den vergangenen drei „Dieses bessere Verständnis eröffnet
Jahren als Stipendiat der Deutschen nun neue Behandlungsoptionen für Pa- „Bastelrätsel“ auf Seite 30
Krebshilfe geforscht hat, Erbmaterial von tienten, die bisher oft eher schlechte
über 600 Patienten aus mehreren euro- Heilungschancen haben“, ergänzt Prof.
päischen Ländern mit vom Knochen- Dr. Andreas Hochhaus, Direktor der Ab-
mark ausgehenden Blutkrebserkrankun- teilung Hämatologie und Internistische
gen untersucht. Bei 12 Prozent fanden Onkologie am UKJ, an der Dr. Ernst seit
die Wissenschaftler eine funktionsein- Anfang 2010 nach seiner Rückkehr aus
schränkende Mutation des EZH2-Gens England tätig ist. „Die Forschungen zu
auf Chromosom 7. „Dadurch werden den interessanten und überraschenden
offenbar Störungen des Wachstums der Ergebnissen aus der bisherigen Arbeit
Knochenmarkzellen und damit die von Dr. Ernst werden jetzt in Jena fort-
Krebsentstehung verursacht“, erläutert gesetzt“, so Prof. Hochhaus. Überra-
Dr. Ernst. „Diese Entdeckung hilft nicht schend sind die Ergebnisse, weil die in
nur, die Entstehung der Krebserkran- der Studie identifizierte Doppelfunkti-
kungen zu verstehen, sondern ist auch on eines Gens sowohl als Tumorsuppres-
wichtig für die Entwicklung von künfti- sorgen (Tumorhemmer) als auch als „Exotische Tiere“ auf Seite 31
gen Therapien.“ Dr. Thomas Ernst rech- Onkogen (Tumorauslöser) in dieser 1a, 2c, 3b, 4c, 5a, 6c, 7a, 8b, 9b, 10c

20 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Forschung

Wie Schrittmacherzellen
im Takt bleiben

Physiologen des Universitätsklinikums „Unsere Schrittmacherkanäle bestehen


Jena untersuchten gemeinsam mit aus vier gleichen Proteinbausteinen,
Mathematikern der Fachhochschule die je mit einer spannungssensitiven
Schmalkalden und Biochemikern aus Region und einer Bindungsregion für
Bremen das Aktivierungsverhalten Botenmoleküle ausgestattet sind“, so
von Schrittmacher-Ionenkanälen, die Dr. Jana Kusch. „Wir wollten wissen, wie
die rhythmische Aktivität von Ner- die beiden Aktivierungsmechanismen
ven- oder Herzmuskelzellen steuern. zusammenspielen.“ Dazu brachte die
Physiologin Eizellen des Krallenfrosches
Mit Hilfe der Patch-Clamp-Fluorome- durch eingeschleuste DNA dazu, eine
trie und eines neu entwickelten Fluo- Vielzahl genau solcher Ionenkanäle in
reszenzmarkers konnten die Wissen- ihrer Membran auszubilden. Dann un-
schaftler sehr genau zeigen, wie diese tersuchte sie an einem Patch-Clamp-
Ionenkanäle sowohl durch die an der Messplatz den Stromfluss durch sehr klei-
Zellmembran anliegende Spannungs- ne Stücke der Zellmembran, und wie sich
differenz als auch durch die Bindung dieser Stromfluss in Abhängigkeit von Die Physiologin Dr. Jana Kusch untersucht
die Zellmembran von Froscheiern am Patch-
von Botenstoffen aktiviert werden, dass der elektrischen Spannung an der Mem- clamp-Messplatz Foto: von der Gönna
beide Aktivierungsformen sich gegen- bran und der Bindung der Botenstoff-
seitig beeinflussen, und dass das An- moleküle ändert. Um das Bindungs-
binden schon zweier der vier mögli- verhalten beurteilen zu können, muss- Ionen durch die Membran, vermindern
chen Botenmoleküle für eine vollstän- ten die Wissenschaftler einen spezifi- die Membranspannung und der Ionen-
dige Aktivierung ausreicht. Die Ergeb- schen Fluoreszenzfarbstoff entwickeln. kanal schließt sich wieder, er wird deak-
nisse sind in der aktuellen Ausgabe des tiviert. Dieser Zyklus läuft umso schnel-
Fachjournals „Neuron“ veröffentlicht. Aktiviert durch Spannung und ler ab, je höher die Konzentration der
Botenmoleküle Botenstoffe ist. Umgekehrt also be-
Schrittmacherkanäle steuern Rhythmus schleunigt die Bindung der spezifischen
von Herz- und Nervenzellen „Die Spannungsdifferenz ist Vorausset- Botenmoleküle die Spannungsände-
zung für die Aktivierung des Schrittma- rung. So können zum Beispiel Herzmus-
Ionenkanäle sind keine starren Öffnun- cherkanals, aber erst, wenn zusätzlich kelzellen ihre Leistung bei Bedarf stei-
gen, durch die Kalium- oder Natrium- bestimmte Botenstoffe, so genannte gern. „Das Erstaunliche dabei ist, dass
Ionen die Zellmembran passieren. Sie zyklische Nukleotide, gebunden wer- wie bei ähnlichen Ionenkanälen in
besitzen wie Katzenklappe oder Auto- den, erreicht er seine volle Aktivität“, Riechsinneszellen das Andocken von
tür verschiedene Größen, Öffnungsme- nennt Prof. Klaus Benndorf, Direktor zwei Botenstoffmolekülen an den vier
chanismen und Durchlässigkeit. Die des Instituts für Physiologie II am UKJ, möglichen Bindungsregionen für die
Zelle kann bei Bedarf auch neue Ionen- ein wesentliches Ergebnis der Messun- maximale Aktivierung ausreicht“, so der
kanäle bilden oder nicht benötigte ab- gen. Ist der Kanal aktiviert, fließen die Physiologe. vdG
bauen. Die Kanäle bestehen aus Eiweiß-
molekülen in der Zellmembran, die
durch Spannungsunterschiede oder
das Andocken von passenden Boten-
molekülen ihre Form so verändern, dass
sie Ionen durchlassen können. Schritt-
macher-Ionenkanäle steuern die rhyth-
mische Tätigkeit von spezifischen Zel-
len, zum Beispiel die Kontraktion von
Herzmuskelzellen und den Ruherhyth-
mus bestimmter Nervenzellen im Tief-
schlaf. Wie die Unruhe in einer Pendel-
uhr triggert ein Wechselspiel von La-
dungstrennung und Ladungsausgleich
in den Zellen lebenswichtige Prozesse
in Herz und Hirn.

www.uniklinikum-jena.de 21
Ethikkomitee

Netzwerk Klinischer Ethikberatung in Thüringen


im Aufbau
Seit 2004 gibt es am UKJ das Klini- In dessen Ergebnis wurde die Bildung Herbert Sayer (KIM II) ab, der diese Funk-
sche Ethikkomitee (KEK). Seine Mit- eines Netzwerkes beschlossen, dessen tion viele Jahre inne hatte und auch
glieder stehen auf Anfrage zur Bera- Ziel die Unterstützung bei der KEK-Eta- weiterhin dem Komitee angehört. Zu
tung bei medizinethischen Fragen zur blierung, gemeinsame Weiterbildungs- den ersten Aufgaben des neuen Vorsit-
Verfügung. Zumeist geht es dabei um veranstaltungen sowie der Austausch zenden gehörte es, in einer Sendung des
Themen wie Therapiebegrenzung, Gül- bei besonders schwierigen oder inter- MDR über Klinische Ethikkomitees das
tigkeit von Patientenverfügungen, Er-
mittlung des mutmaßlichen Patien-
tenwillens oder den Umgang mit
schwerkranken Neugeborenen und
Säuglingen. Bereits 2007 und 2008
wurden vom KEK Workshops anläss-
lich der Thüringer Ärztewoche in Wei-
mar organisiert und geleitet. Das In-
teresse war groß und es ergaben sich
direkte Kontakte zu Kliniken, die
ebenfalls eine solche Einrichtung hat-
ten oder planten.

Immer mehr Kliniken in Thüringen se-


hen in der Etablierung von Ethikbera-
tung eine Dienstleistung, die nicht nur
Bestandteil der Qualitätssicherung ist
oder für die Zertifizierung gefordert wird, Mitglieder des Klinischen Ethikkomitees: Christine Börner, Claudia Schorcht, Carolin Franke,
sondern vor allem den Patienten, An- Beate Wagner, PD Dr. Herbert Sayer, Christiane Sandner, Dr. Ulrike Skorsetz, Dr. Karena
Leppert und Rita Hoenicke (v. l.) Foto: Schröder
gehörigen, Betreuern und Mitarbeitern
helfen kann, tragfähige Entscheidun-
gen gemeinsam zu finden und umzu- essanten Fällen sein soll. Hierbei hat uns Komitee am UKJ als Beispiel vorzustel-
setzen. Werden Entscheidungsprozes- der Präsident der Landesärztekammer, len, das schon über einen längeren Zeit-
se hinsichtlich ihrer ethischen Anteile Dr. Mathias Wesser, der der Problematik raum Ethikberatung anbietet.
transparent gestaltet und an moralisch sehr aufgeschlossen gegenübersteht, Last but not least ist ein neuer Flyer er-
akzeptablen Kriterien ausgerichtet, die Unterstützung der Kammer zuge- schienen, der sich äußerlich etwas vom
schafft das Vertrauen und gibt Sicher- sagt. So werden als erster Schritt in ab- bisher bekannten unterscheidet, da er
heit in schwierigen Situationen im kli- sehbarer Zeit alle Thüringer KEKs mit ih- dem Corporate Design angepasst wur-
nischen Alltag. ren Kontaktadressen über die Home- de.
Mit Unterstützung durch den Vorsitzen- page der LÄK zu finden sein.
den des KEK am Katholischen Kranken- Wir möchten alle Patienten, deren An-
haus St. Nepomuk in Erfurt, Herrn Stau- Innerhalb des Klinischen Ethikkomitees gehörige sowie Mitarbeiter ermutigen,
dacher, wurde vom KEK des UKJ im am UKJ hat es einige Veränderungen sich bei auftretenden Fragen oder Pro-
Herbst 2009 eine Befragung an allen gegeben. Zum einen wurde die Arbeits- blemen an das KEK zu wenden. Ihre An-
Thüringer Krankenhäusern bezüglich gruppe „Ethik Pflege“, die es seit mehr fragen werden in der Geschäftsstelle per
der Existenz oder Planung eines Klini- als zehn Jahren unter der Leitung von E-Mail, Fax oder Telefon entgegen ge-
schen Ethikkomitees durchgeführt. Das Rita Hoenicke (PDL Kinderklinik) gibt, nommen und innerhalb von 24 Stun-
Ergebnis hat uns sehr positiv über- mit Zustimmung des Klinikumsvorstan- den bearbeitet.
rascht. Von 42 angefragten Einrichtun- des in das Klinische Ethikkomitee inte- Dr. Ulrike Skorsetz
gen haben 24 geantwortet. Von diesen griert. Somit gibt es einen Ansprechpart-
gaben 14 an, dass es an ihrem Haus ein ner für medizinethische Probleme jeder
Klinisches Ethikkomitee gibt bzw. gera- Art am Klinikum. Gleichzeitig wurde die Kontakt Klinisches Ethikkomitee:
de aufgebaut wird. 21 Einrichtungen pflegerische Kompetenz innerhalb des Telefon: 03641-933770
äußerten Interesse an einer thüringen- KEK wesentlich gestärkt. Zum anderen Fax: 03641-933771
weiten Zusammenarbeit. wurde Oberarzt Dr. Albrecht Günther Handy: 0151-16359341
Das veranlasste uns, 2010 erneut einen (Neurologie) zum neuen Vorsitzenden E-Mail: ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de
Workshop zur Ärztewoche anzubieten. des KEK gewählt. Er löst Oberarzt PD Dr. www.ethikkomitee.uniklinikum-jena.de

22 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Weiterbildung

Erfahrungsaustausch und viele neue Eindrücke


Bereits seit mehreren Jahren fahren
die Teilnehmer des Weiterbildungs-
kurses für Anästhesie- und Intensiv-
therapie für jeweils zwei Tage in eine
deutsche Stadt ihrer Wahl, um die
klinischen Einrichtungen zu besich-
tigen und sich mit den dort arbei-
tenden Kollegen auszutauschen.
Auch der kulturelle Teil soll dabei
nicht vernachlässigt werden. Im Juni
2010 besuchten wir die Hansestadt
Hamburg.

Im Universitätsklinikum Hamburg-Ep-
pendorf wurden wir vom pflegerischen
Leiter des Intensivbereichs, Herrn Sie-
bers, seinem Vertreter, Herrn Plüger, und
vom pflegerischen Leiter des Anästhe-
siebereichs, Herrn Weiß, freundlich be-
grüßt. Bevor wir gemeinsam die Berei-
che Anästhesie und Intensivmedizin Anprobe eines Sicherheitsanzugs im Behandlungszentrum für hochinfektiöse Erkrankungen
am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Foto: Kühn
besichtigten, stellten sie uns die Ein-
richtung kurz vor. Besonders interes-
sant für uns war der Besuch des Be- Ein Feuerfehlalarm holte uns am nächs- land gegen Serbien vorzeitig beendete.
handlungszentrums für hochinfektiö- ten Morgen aus den Hotelbetten. Etwas Pünktlich zum Anpfiff saßen wir beim
se Erkrankungen. Hier zeigte und er- müde besuchten wir deshalb das nächs- Public-Viewing, um unsere Nationalelf
klärte uns Herr Dr. Wichmann den Auf- te Krankenhaus, die Asklepiosklinik St. anzufeuern. An diesem Tag leider ver-
bau und die Funktion der Isolations- Georg. Auch hier wurden wir herzlich gebens.
einheiten, die vom Aussehen an Hüpf- begrüßt und bekamen die Möglichkeit, Während einige von uns bereits am Frei-
burgen erinnerten. Nach einem Erfah- den Intensiv- und Anästhesiebereich zu tagabend abreisen mussten, verbrach-
rungsaustausch mit den Organisatoren besichtigen. An dieser Stelle möchten ten die meisten noch den Samstag in
und zwei Teilnehmerinnen der dorti- wir uns nochmals bei Frau Schmidt, der der Hansestadt, um sie nach eigenen
gen Fachweiterbildungskurse gönnten Leiterin der Abteilung Pflege, bedanken, Vorstellungen zu erkunden. Danach
wir uns eine kleine Bootsrundfahrt und die sehr viel Verständnis für die Fuß- hieß es aber auch für sie: „Vielen Dank“
genossen die letzten Sonnenstrahlen ballfans unter uns zeigte und die Ver- und „Auf ein baldiges Wiedersehen“ in
des Tages. anstaltung wegen des Spiels Deutsch- Hamburg. Roxana Schwarz

www.uniklinikum-jena.de 23
Ausbildung

Bei den Dreharbeiten


Foto: Seminargruppe 3

mussten erstmal nach einer Idee suchen


und dann die Aufgaben in der Gruppe
verteilen“, sagt Anna Selle, deren Semi-
nargruppe ein Video zur Untersuchung
und Anamneseerhebung drehen sollte.
„Aber wir hatten zum Glück Hobbyfil-
mer dabei, die sich ein bisschen mit Vi-
deoschnitt auskannten.“ Unterstützung
erhielten die Gruppen in den Medien-
zentren von Uni und Klinikum, die ne-
ben der Technik auch Räume und Know-
how zur Verfügung stellten.
Die Anamnesegruppe baute ihrem Film
auf dem Fernsehquiz-Konzept „1, 2 oder
3“ auf, im Beitrag zum Elterngespräch
sieht man vom Kind mit ADHS-Verdacht
nur die zappelnden Knie, der Film zur
Kommunikation im Team spielt im Sta-
tionszimmer mit einem Zivi als Haupt-
Plan B zum Referat darsteller. „Die Filmaufgaben sind zum
Teil sehr originell umgesetzt worden,
und die Begleitbücher zeigen, dass sich
Studenten drehten Lehrfilme im Fach die Studenten intensiv mit den Themen
auseinandergesetzt haben“, so Swetla-
Medizinische Psychologie na Philipp. „Auf alle Fälle haben wir viel
zum Thema gelernt, wahrscheinlich
mehr als bei einem Referat“, fasst Anna
Eine Oscar-Verleihung sieht anders Eltern leicht erkrankter Kinder sprechen Selle die Filmarbeit zusammen.
aus. Es ist heiß im Hörsaal am Eich- oder mit chronisch kranken Patienten,
platz, das Grundrauschen von 200 die jeweils von ausgebildeten Schau- Die Dozentenjury bewertete die Filme
Studenten ist unüberhörbar und statt spielpatienten dargestellt werden. nach festen Kriterien: Hat die Gruppe
Smoking und Abendkleid dominieren die Aufgabe ernst genommen, gibt es
Shorts und Hemdchen. Trotzdem: Hier Den Abschluss der Lehrveranstaltungen im Film eine klare Botschaft, ist eine kre-
werden Filmpreise vergeben. und Voraussetzung für den Seminar- ative Idee filmisch gut umgesetzt wor-
schein bildete bislang, wie in vielen an- den, ist der Film realitätsnah, ist er als
Für die Medizinstudenten des 4. Semes- deren Fächern auch, ein Referat. „Im Lehrfilm geeignet? Auch wenn nicht alle
ters ist die Veranstaltung der Höhepunkt Vergleich zu den Seminaren war uns das entstandenen Videos als Lehrfilme für
und Abschluss der Vorlesungen und zu theorielastig, die Studenten sollten sich stehen können, die meisten kön-
Seminare in Medizinischer Psychologie, sich aktiver mit einem Thema auseinan- nen als Diskussionsgrundlage zu ver-
eines der wenigen Fächer im Vorklini- dersetzen – so entstand die Idee, sie als schiedenen Themen der Arzt-Patient-
kum, in dem es schon um Patienten Abschlussprojekt Lehrfilme drehen zu Kommunikation in Psychologiesemina-
geht. Zu den über das Studienjahr in lassen“, begründet Dr. Swetlana Philipp, ren gezeigt werden.
diesem Fach behandelten Themen zäh- die die Seminare in vier der zwölf Grup-
len zum Beispiel Entwicklungspsycho- pen leitet, den Plan B zum Referat. Die Hitzebedingt ist die Computer-Beamer-
logie, psychische Aspekte der Krank- Gruppen erhielten also den Auftrag, zu Kommunikation im Hörsaal gestört,
heitsverarbeitung, die Anamneseer- jeweils einem Thema einen zehnminü- doch die besten der zwölf Filme werden
hebung, interkulturelle Aspekte in der tigen Lehrfilm zu erstellen, der künftig vorgeführt. Dann heißt es: „And the
Medizin, Sucht und Sexualität. Im Mit- auch in den Seminaren eingesetzt wer- winner is...“
telpunkt stehen dabei immer die Arzt- den kann. Ein zugehöriges Begleitbuch Die Filmpreise, dotiert mit insgesamt
Patient-Beziehung und die Kommuni- sollte theoretische Grundlagen, Dreh- 1000 Euro, gehen an das Anamnese-
kation mit dem Patienten. buch, Lehr- und Lernziele des Films um- quiz, den Beitrag „Überbringen schlech-
Die Studierenden haben in den Semi- fassen. ter Nachrichten“ und den Film zur Team-
naren die Möglichkeit, schon selbst in kommunikation. Und im nächsten Jahr
die Arztrolle zu schlüpfen. Dabei müs- „Die Arbeit am Film war schon wesent- werden die Studenten wieder als Film-
sen sie zum Beispiel mit überbesorgten lich aufwändiger als ein Referat. Wir teams arbeiten. vdG

24 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Ausbildung

reichen attraktiven Weiterbildungs-


Titel gewonnen angebote in Thüringen hervorhob. „Wir
brauchen junge, engagierte Kollegen in
Jenaer Absolventen der Humanmedizin der ärztlichen und in der berufspoliti-
schen Arbeit“, sagte Mathias Wesser, der
feierlich verabschiedet angesichts der begrenzten Ressourcen
und des demographischen Wandels
auch auf die ärztliche Tätigkeit im Span-
nungsfeld von Ökonomie und Ethik so-

Bereits in der Vorrunde hatten wir es


mit drei starken Gegnern zu tun: Ana-
tomie, Physiologie und Biochemie. Die
Spiele waren hart, und es gab einige
gelbe und rote Karten. Aber auch die
Gegner im klinischen Abschnitt hat-
ten es in sich... Sechs Jahre nach dem
„Anpfiff“ haben wir nun endlich den
Titel gewonnen, und dafür sind wir
allen unseren Trainern und Sponso-
ren dankbar, sagten im Namen ihrer
ehemaligen Kommilitonen Dr. Celia
Richter und Alexander Köhler. Dass die
Absolventenverabschiedung am 2. Juli
inmitten der heißen Phase der Fuß-
ball-WM stattfand, war unüberhör-
bar, doch auch dies konnte die Ab-
solventen und deren Angehörige nicht
von der Reise nach Jena abhalten. Die Dr. Celia Richter und Alexander Köhler dankten im Namen ihrer ehemaligen Kommilitonen
Aula war bis auf den allerletzten Platz allen „Trainern“ und „Sponsoren“ Foto: Vöckler
gefüllt.
sen Sie dabei aber nicht zu leben, neh- wie den drohenden Ärztemangel ver-
„Die ständig steigenden Bewerberzah- men Sie sich Zeit für Hobbys und vor wies. „Um diesem zu begegnen, benö-
len an der Universität und an der Medi- allem für die Familie“, mahnte Ekkehart tigen wir Hilfe, aber keine staatliche
zinischen Fakultät zeigen: Jena wird als Königsdörffer. Lenkung“, betonte Dr. Wesser.
Studienort immer beliebter“, freute sich
Festredner Prof. Dr. Ekkehart Königs- Mit mehr als 150 sind in diesem Jahr Universität, Fakultät und Klinikum sind
dörffer, der sich vor fünf Jahrzehnten besonders viele Absolventinnen und in den letzten Jahren in Lehre und For-
während einer Klassenfahrt nach Jena Absolventen der Einladung unserer Fa- schung noch enger zusammengerückt,
entschied, an der Friedrich-Schiller-Uni- kultät gefolgt, freute sich Dekan Prof. und davon profitieren unsere Studen-
versität Medizin zu studieren. Im Herbst Dr. Klaus Benndorf und dankte all je- ten, sagte Prof. Dr. Herbert Witte. Der
2009 beendete er seine Tätigkeit an der nen, die sich um die Ausbildung der jun- Prorektor für Forschung würdigte die
Universitäts-Augenklinik. „Sie haben gen Ärzte verdient gemacht haben. „Es Erfolge der modernen Medizin, kritisier-
während Ihres Studiums Höhen und Tie- ist der Abschluss eines Ihrer wichtigs- te aber gleichzeitig das Streben der
fen erlebt, Sie haben aber nie aufgege- ten und schönsten Lebensabschnitte, modernen Gesellschaften nach immer
ben und Ihr Ziel erreicht. Es wäre scha- den Sie zielstrebig und erfolgreich ge- größerer Vollkommenheit. „Perfektion
de, wenn Sie künftig nicht als Ärzte tä- gangen sind. Ich weiß, dass viele von darf nicht das Maß aller Dinge und das
tig sein würden“, sagte Prof. Königs- Ihnen neben medizinischen auch phi- Idealbild des Menschen und der Medi-
dörffer und verwies auf das interessan- losophische, theologische, literaturwis- zin sein, wo das Nicht-Perfekte doch
te Angebot an „großen“ und „kleinen“ senschaftliche und andere Vorlesungen das Normale ist“, betonte Prof. Witte
Fächern. „Um künftig mehr Ärzte im gehört oder im Campus-Radio mitgear- und appellierte an die Absolventen,
Beruf zu halten, müssen sich allerdings beitet haben. Das hat zwar keine Punk- trotz aller Probleme im Gesundheitssys-
die Arbeitsbedingungen weiter verbes- te für das Medizinstudium gebracht, tem, der enormen Arbeitsbelastung und
sern, und das betrifft sowohl die Ar- ganz bestimmt aber für Ihr weiteres Le- der oftmals fehlenden Zeit, ihr fachli-
beitszeiten als auch die Vereinbarkeit ben“, sagte der Dekan. ches Wissen und ihre soziale Kompe-
von Beruf und Familie, zumal die Medi- tenz uneingeschränkt zum Wohle der
zin immer ‚weiblicher‘ wird“, betonte Dass möglichst viele Absolventen Mit- Patienten einzusetzen. „Denn gegen alle
Prof. Königsdörffer, der die jungen Kol- glieder der Landesärztekammer Thürin- diese Probleme“, so Prof. Herbert Wit-
leginnen und Kollegen ermunterte, sich gen werden, hofft deren Präsident Dr. te, „hat der Arzt ein ganz besonders wirk-
künftig nicht nur fachlich, sondern auch Mathias Wesser, der die vielfältigen be- sames Medikament: die Menschlich-
berufspolitisch zu engagieren. „Verges- ruflichen Möglichkeiten und die zahl- keit.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 25
Förderverein

Fröhlich und unbeschwert das war noch lange nicht alles. Vom
Vorsitzenden des UKJ-Fördervereins,
PD Dr. Michael Hartmann, erhielt jeder
Schalke-Trikots für siegreiche kleine Patienten der kleinen Fußballer ein Trikot des FC
Schalke 04 mit den Autogrammen der
Spieler und ein Basecap des Vereins.
Die Freude war riesengroß. Die Kin- Doch dann zündeten die Kleinen, an- Heiß begehrt waren auch die Auto-
der jubelten und feierten den Erfolg gefeuert von den Cheerleders, die in der grammkarten der Neuer, Raúl und Co.
wie ihre Vorbilder in der Ersten oder Halbzeitpause eine tolle Show präsen- Dr. Hartmann dankte allen, die zum Er-
Dritten Bundesliga. Erstmalig traten tierten, den Turbo und schossen Tore folg dieser tollen Veranstaltung beige-
am 21. August in einem Benefiz-Fuß- am laufenden Band. Kam der Gegner vor tragen haben: Den Studenten, die sich
ballspiel die Ärzte der Universitäts- das Patienten-Tor, stand die Abwehr um aktiv an der Vorbereitung beteiligten,
Kinderklinik gegen ein Team aus ehe- Clown Knuddel wie ein Fels in der Bran- dem FC Carl Zeiss Jena, der den Schieds-
maligen und derzeitigen Patienten an. dung... richter stellte, und ganz besonders dem

Packende Strafraumszenen gab es auf dem Sportplatz in Lobeda-Ost. Am Ende gewannen die Patienten, die stolz ihre neuen Trikots
präsentierten Fotos: Vöckler

7:3 lautete der Endstand nach zwei Mal Nach dem Abpfiff gab es für beide Teams deutschen Vizemeister, der die Kinder
15 Minuten. Zur Halbzeit hatten die Ärz- von den anwesenden Familienange- und Erwachsenentrikots sponserte. Letz-
te, die sich sichtlich über den Spaß und hörigen den verdienten Applaus, und tere wurden zugunsten der Elterninitia-
die Unbeschwertheit ihrer kleinen Pati- Knuddel überreichte jedem aus dem tive für krebskranke Kinder versteigert.
enten freuten, noch mit 2:1 geführt. Sieger-Team eine Goldmedaille. Doch mv

Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V.


Vorsitzender: PD Dr. Michael Hartmann, Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641/9 32 54 01, Fax: 03641/9 32 54 02, E-Mail:foerderverein@uniklinikum-jena.de

Ich/Wir möchte(n)
Vereinsmitglied werden
eine Spende in Höhe von € überweisen
(Zutreffendes bitte ankreuzen)

Name, Vorname, Titel:


Firma, Einrichtung, Verein:
Anschrift:

Telefon: E-Mail:

Datum: Unterschrift:

26 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Personalia/Ratgeber

Lachendes und weinendes Auge absolvierte er doch noch „seine“ Berufs-


ausbildung und einen Meisterlehrgang.
Als Fotograf war er zunächst in Gotha
und später viele Jahre in der Zahnmedi-
Mit „Foto: Schröder“ sind unzählige Bil- UKJ. Mit einer kleinen Auswahl seiner zin der Medizinischen Akademie Erfurt
der unterzeichnet – im Patienten-Rat- unzähligen Motive erinnerte Hans-Ge- tätig. Nach deren Ende wechselte er 1996
geber, im Geschäfts- und Qualitätsbe- org Schröder am 30. August 2010, sei- an das UKJ, wo er den Bereich Foto im
richt, im Kalender und zahlreichen wei- nem letzten Arbeitstag, noch einmal an Klinischen Medienzentrum leitete.
teren Publikationen des Klinikums. Auch die 14jährige Tätigkeit am Klinikum. „Ich verlasse das Klinikum mit einem la-
chenden und einem weinenden Auge.
Die Arbeit hat mir unglaublich viel Freu-
de gemacht, und ich habe in einem tol-
len Team gearbeitet, wo es nicht nur
fachlich, sondern auch menschlich
stimmte. Ich werde Sie vermissen“, ver-
abschiedete sich Hans-Georg Schröder,
der sich auch künftig der Fotografie
widmen und diese mit einem Hobby ver-
binden wird, für das er in den letzten
Jahren viel zu wenig Zeit hatte: Die Ge-
schichte seiner Wahl-Heimatstadt Erfurt
und der Thüringer Kleinstaaten mit ih-
Hans-Georg Schröder rer enormen kulturellen Vielfalt. Ein brei-
Foto: KMZ
tes Betätigungsfeld für den Fotografen
und Hobbyhistoriker.
im KLINIKMAGAZIN, wo Fotos von Hans- „Eigentlich bin ich gelernter Installateur.
Georg Schröder erstmals im Dezember Es war damals üblich, dass jeder Abituri- Wir wünschen unserem „Haus- und
1997 veröffentlicht wurden und des- ent parallel zur schulischen eine Berufs- Hoffotografen im Ruhestand“ Gesund-
sen Erscheinungsbild bis heute prägen. ausbildung machte“, sagt Schröder. Fo- heit und alles Gute. Lieber Herr Schrö-
Klinikgebäude, Stationen, Operations- tograf gehörte nicht zu den angebote- der, auch wir werden Sie vermissen.
säle, Technik und Natur, ganz besonders nen Berufen. Leider. Denn die Fotografie
aber interessierten ihn die Menschen am hatte ihn von klein an fasziniert. Später Redaktion KLINIKMAGAZIN

Fit sein mit Hartwig Gauder (10)


Was stärkt Ihren Rücken und Ihre Schultern?
Sind Ihre Rückenmuskeln schwach, der Bogensehne die gesamte Schul-
wirken Ihre Schultern knochig? Das ist ter- und Rückenmuskulatur bean-
nicht nur ein optisches Problem, denn sprucht wird. Und man hat einen net-
ein untrainierter Rücken verspannt ten Zusatznutzen: Die Konzentration
schneller, und das kann unter anderem auf das Ziel entspannt enorm und
Kopfschmerzen auslösen. macht den Kopf frei.
Die beste Möglichkeit, die Rücken- und Übrigens: Starres Sitzen ist Gift für Schul-
Schultermuskulatur aufzubauen, bietet ter und Rücken. Gewöhnen sie sich des-
eine gezielte Gymnastik, die Sie pro- halb im Job und im Alltag an, öfter mal
blemlos und ohne großen Aufwand zu im Stehen zu arbeiten – schnurlose Te-
Hause durchführen können. Gymnas- lefone erlauben es uns, bei langen Ge-
tik löst Verspannungen, streckt ver- Allerdings sollte man dabei möglichst sprächen umher zu laufen.
kürzte Muskeln und aktiviert die Mus- variieren und nicht ausschließlich Brust- Gönnen Sie sich, wenn möglich, ab
kulatur rund um das empfindliche schwimmen, sondern auch Kraulen und und zu auch den Luxus einer Rücken-
Schultergelenk. Einfach, aber sehr ef- Rückenschwimmen. Von Orthopäden massage. Eines aber sollten Sie auf kei-
fektiv sind auch Übungen mit dem The- empfohlen wird noch eine weitere nen Fall vergessen, die Schultern
rapieband. Wem das nicht ausreicht, Sportart: Bogenschießen. Dieser Sport mehrmals täglich ausschütteln.
der kann Schwimmen gehen, denn bietet den perfekten Ausgleich für
Schwimmen macht den Rücken stark. „Schreibtischtäter“, da beim Anspannen Ihr Hartwig Gauder

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Mosaik

Schlauchboottour und Ritterspiele


Erholsame und spannende Tage für chronisch nierenkranke Kinder

Schon seit 16 Jahren ist die Ferien- treut von Kinderkrankenschwestern, ei- der wichtig, um loszulassen, im Umgang
dialysefreizeit fester Bestandteil und ner Psychologin und einer Ärztin der mit Neuem das Selbstbewusstsein zu
Höhepunkt des Betreuungs- und Be- Sektion Kinder-Nephrologie und des KfH stärken und etwas miteinander zu erle-
handlungskonzeptes für chronisch Nierenzentrums Jena, erlebnisreiche Fe- ben. Während der Freizeit können aber
nierenkranke, dialysepflichtige und rien. Höhepunkte waren eine Schlauch- auch die Eltern ihre große Verantwor-
nierentransplantierte Kinder und Ju- boottour auf der Saale, ein Tagesaus- tung zumindest für ein paar Tage abge-
gendliche, die im KfH-Nierenzentrum flug in den Freizeitpark „Belantis“ und ben und sich einmal ausschließlich den
des Universitätsklinikums Jena betreut ein Besuch auf der Rudelsburg, wo die gesunden Geschwisterkindern widmen
werden. Kinder und Jugendlichen bei einem Rit- oder einfach Zeit für sich selbst haben.

Die Schlauchboottour auf der Saale war einer der Höhepunkte der diesjährigen Feriendialyse in Schönburg Foto: KfH

Die Feriendialysefreizeit dient der ge- teressen und Ritterspielen in das Mit- Alle Dialysekinder und ihre schon erfolg-
meinsamen Erholung vom anstrengen- telalter versetzt wurden. reich nierentransplantierten Mitpatien-
den und von vielen Einschränkungen ten haben diese Pause von ihrem an-
und Verlusten geprägten Krankheitsall- Unsere kleinen und großen Patienten strengenden Krankheitsalltag sehr ge-
tag an der Dialyse. Auch für Kinder mit hatten während der Feriendialyse die nossen.
einer transplantierten Niere ist eine kon- Möglichkeit, neue Dinge auszuprobie-
tinuierliche Betreuung weiterhin erfor- ren, sich untereinander besser kennen Diese wunderschöne und erfolgreiche
derlich, ebenso für Jugendliche, wo mit zu lernen und intensiv auszutauschen. Ferienfreizeit wird ausschließlich mit
dem Eintritt in die Pubertät und dem Für die meisten der Kinder ist es die ein- Hilfe von Sponsoren finanziert, die ihre
Streben nach Autonomie und Unabhän- zige Möglichkeit, zu verreisen und mit Spenden an den Interessenverband der
gigkeit das Risiko einer Nierenabsto- anderen chronisch Nierenkranken in Kinderdialyse Jena e.V. richten (Merkur
ßung und eines Organverlusts steigt. Kontakt zu kommen. Durch eigene Er- Bank Jena, BLZ 701 308 00, Konto
fahrungen können die Kinder vonein- 6602819).
In diesem Jahr führte die einwöchige ander lernen und sehen, dass die Hoff-
Reise nach Schönburg in den Burgen- nung auf eine Nierentransplantation
landkreis im Süden Sachsen-Anhalts. auch bald in Erfüllung gehen kann. Eine PD Dr. Ulrike John
Die elf Patienten verbrachten dort, be- Woche Feriendialyse ist für unsere Kin- Leiterin des KfH Nierenzentrums Jena

28 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Mosaik

Empfehlungen aus der Patientenbibliothek


Als ich das Buch von Christoph Schlin- Phasen, die er in dieser Zeit durchleben amüsante und unterhaltsame Weise,
gensief „So schön wie hier kanns im und durchkämpfen musste. Entstanden welche Folgen dieses Ereignis für sie
Himmel gar nicht sein!“ entdeckte, frag- ist ein sehr privates, direktes und per- selbst und ihren gesamten Hofstaat hat.
te ich mich, warum sich dieser doch et- sönlich gehaltenes Buch, das dem im In seiner Phantasie darüber, was pas-
was egozentrische Künstler, der ja über August 2010 verstorbenen Schlingen- sieren würde, wenn eine Queen sich zur
sief geholfen hat, seine radikale Lebens-
veränderung zu verarbeiten und eine
hoffentlich breite Leserschaft ermutigt,
auch schwierigen Lebenssituationen
nicht sprachlos und völlig ausgeliefert
gegenüber zu stehen.

Auf das zweite Buch, das ich Ihnen heu-


te vorstellen möchte, bin ich durch das
originelle Titelfoto gestoßen, welches
die Queen neugierig aus einem Türspalt
schauend zeigt – in Verbindung mit dem
Titel „Die souveräne Leserin“. Die Gedan-
kenspiele des in Deutschland eher un-
bekannten Schriftstellers Alan Bennett
sind ein Geschenk für jeden Bibliotheks-
sein Wirken als Theaterregisseur hinaus mitarbeiter, der darum bemüht ist, Men-
mit vielen aktionistischen Projekten von schen zum Lesen zu aktivieren. Bennett
sich reden machte, nun auch noch auf konstruiert eine Handlung, in der die „souveränen Leserin“ entwickelt, bringt
dem Buchmarkt inszenieren möchte. englische Königin bei einem Spazier- er uns auf sehr intelligente Weise nahe,
Nachdem ich es gelesen habe, kann ich gang mit ihren Hunden mit einem öf- welche Wirkung und Kraft Bücher ent-
es unbedingt weiterempfehlen, denn es fentlichen Bücherei-Bus konfrontiert wickeln können und welches erziehe-
ist keine dieser nichtssagenden Biogra- wird, diesen betritt und sich aus reiner rische Potenzial sie bereithalten.
fien, die die Buchhandlungen über- Höflichkeit tatsächlich ein Buch aus-
schwemmen, sondern ein sehr bewegen- leiht. Der Autor schildert dann auf sehr Gudrun Türk
des, wahnsinnig trauriges, aber durchaus
auch als Therapie geeignetes Buch.
Ein Mensch voller Energie und Enthusi-
asmus, der sein bisheriges Leben damit
verbracht hat, stets aktiv zu sein, seine
teilweise provokanten Pläne gegen alle
Widerstände zu verteidigen und zu rea-
lisieren, wird von einem Tag zum ande-
ren aus der Lebensbahn geworfen und
eine Krebserkrankung bestimmt, wie es
weitergeht. Schon kurze Zeit nach der
Diagnose beginnt er seine Gedanken
und Gefühle auf Band zu sprechen und
stellt dabei viele Fragen an sich und
andere, die berühren, für die wir oft kei-
ne Worte finden, oder für die es keine
Antworten gibt. Schlingensief lässt uns
sehr intensiv an seinem Leben teilha-
ben und gibt uns über das gesamte Jahr
2008 Einblick in seine Krankenge-
schichte. Oft wütend, trotzig, traurig
oder verzweifelt, aber auch sarkastisch
und hoffnungsvoll beschreibt er alle

www.uniklinikum-jena.de 29
Mosaik

zer Museumswerkstatt, in der jede(r)


Kinder schmieden Ideen Teilnehmer(in) eine Tierform aus Eisen
schmieden kann, die in eine drei Meter
große Kugelskulptur eingefügt wird.
Die Aktion Wandlungswelten Tages- Kunstprojekt nehmen Jenaer Schüler im Diese soll am Ende des Jahres im Garten
klinik gGmbH führt in Kooperation mit Alter von acht bis 18 Jahren gemein- der Tagesklinik für Kinder- und Jugend-
dem Universitätsklinikum Jena, dem sam mit Kindern und Jugendlichen der psychiatrie aufgestellt werden.
Der Workshop soll den Kindern und Ju-
gendlichen den elementaren und kon-
trollierten Umgang mit dem Medium
Feuer sowie dem Werkstoff Eisen nahe
bringen. Die handwerkliche Tätigkeit
soll sie um eine sinnlich-körperliche Er-
fahrung bereichern, die sie in ihrer all-
täglichen, eher virtuell geprägten Le-
benswelt kaum so erleben können. Der
zweite wichtige Punkt, der den psy-
chisch benachteiligten Kindern und Ju-
gendlichen geboten wird, ist das ge-
meinsame Tätigsein mit Gleichaltrigen
aus dem gesamten Stadtgebiet. Das so-
mit verbesserte Verständnis der Kinder
und Jugendlichen füreinander soll zu
einer größeren Toleranz führen, damit
die Grenzen zwischen den Welten von
Arbeiten wie die Großen: Der siebenjährige Florian ist begeistert Foto: Dunkel
Gesunden und seelisch Beeinträchtig-
Stadtmuseum Jena und dem Internati- Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsy- ten überwunden werden.
onalen Bund von Juni bis November chiatrie teil. Wir bieten den Kindern und
2010 das integrative Kunstprojekt „Kin- Jugendlichen einen Schmiede-Work- Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
der schmieden Ideen“ durch. An diesem shop in der für Jena einzigartigen Pel- Aktion Wandlungswelten

30 Klinikmagazin Ausgabe 4/2010


Rätselseite

4. Wo lebt der Beutelteufel, der größte 8. Wie heißen die zweihöckrigen Kame-

Exotische Tiere noch lebende Raubbeutler?


a Neuseeland
le?
a Dromedar
b Australien b Trampeltier
c Tasmanien c Guanako
1. Was ist eine Harpyie?
a ein Greifvogel 5. Wer sind die nächsten Verwandten 9. Welches ist die mit bis zu drei Metern
b ein Reptil der Seekühe? Länge größte Echse der Erde?
c eine Raubkatze a Elefanten a Bindenwaran
b Walrosse b Komodowaran
2. Welches ist die größte Nashornart?
c Bartenwale c Nilwaran
a Spitzmaulnashorn
b Panzernashorn 6. Wie viele Walarten gibt es? 10. Welche Höchstgeschwindigkeit
c Breitmaulnashorn a ca. 20 können afrikanische Straußen errei-
b ca. 50 chen?
3. Von welchen Tieren wurde früher
c ca. 80 a etwa 30 km/h
fälschlicherweise angenommen, sie
b etwa 50 km/h
würden Blut schwitzen? 7. Was ist der Kudu?
c etwa 70 km/h
a Elefanten a afrikanische Antilopenart
b Flusspferde b asiatisches Steppenrind
c Hyänen c vietnamesischer Wasserbüffel (Auflösung S. 20 unten)

Who’s who?
Kenntnisse über exotische und viele Heft 92, Ausgabe 4/2010
andere Tiere haben die Menschen seit Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
Urzeiten erworben; und auch erfasst und derverein des Universitätsklinikums Jena
systematisiert haben sie diese schon vor Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
langer Zeit. Der heute Gesuchte verfass- Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
te seine umfangreiche Tierkunde vor Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
mehr als 2300 Jahren. Dabei ist der 384 keitsarbeit
Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
v. Chr. geborene Platon-Schüler vor al- arbeit Medizinische Fakultät
lem als Philosoph und Staatstheoreti- PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
ker in die Geschichte eingegangen, als Das Werk wurde aus dem Griechischen Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
Zoologe ist er kaum bekannt. ins Arabische, Lateinische und Hebräi- Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
In seinem mehrbändigen Werk be- sche übersetzt und bis in die Neuzeit für Kinder- und Jugendmedizin
schreibt der Autor Hunderte Tierarten, immer wieder verlegt. Der berühmte Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
er klassifiziert sie und unterscheidet in Autor dieser frühen zoologischen Spe- Thoraxchirurgie
Säugetiere, Vögel, Amphibien und Rep- zialenzyklopädie verstarb 322 v. Chr. Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
tilien, Fische sowie „blutlose Tiere“. (Einsendeschluss: 15. Oktober 2010) Vorstand
Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 91 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 4. September 2010
Redaktion KLINIKMAGAZIN Hephaistos Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Kerstin Steiniger aus Saalfeld men finanziert und auf umweltfreund-
lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com (Büchergutschein zu 40 €)
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Wolfram Becker Mitte Oktober 2010
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Elke Kerber Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Gabriele Kohlbach ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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