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Inhaltsverzeichnis

primo loco
UKJ zwischen Reformen und Visionen 3
Alumni-Treffen
Großartige Wiedersehensfeier 4
Sprechstunde: Nahrungsmittelallergien
Unverträgliche Eiweiße 6
Lehre
Sofort einen PJ-Platz gesichert 7
Titel: UKJ-Physiotherapeuten betreuen Jenaer Fußballerinnen
Topfit in jedes Spiel 8
Rekordsieg für die Sepsisforschung 9
Jahresempfang des UKJ
„Viele Weichen richtig gestellt“ 10
Vorgestellt: Geschäftsbereich Medizincontrolling
Erlössituation weiter verbessern – UKJ optimal positionieren 12
Diagnostik und Therapie
Hilfe für Mütter mit psychischen Störungen nach der Geburt 13
EPA ist fast komplett 14
Enorme Motivation 15
Veranstaltungen 16
Service 17
Diagnostik und Therapie
Dermatologische Versorgung nachhaltig unterstützen 18
Über die Blutgefäße zum Gehirn 20
Forschung
Mehr, schneller, sicherer: Herausforderung Biomaterialbanken 21
Visiting Professor in Harvard 22
Prof. Andreas Hochhaus leitet UniversitätsTumorCentrum Jena 23
Neue Ideen und gemeinsame Projekte 24
Gesundheitsuni
Nichts über mich ohne mich! 25
Homo sedens oder Homo mobile? 26
Förderverein
S04-Trikots für die Kinderklinik 28
Mosaik
Heut ist so ein schöner Tag 29
GesundheitsUni
Die Richtigen für große Sprünge 30
Rätselseite 31

Titelseite: Sylvia und Julia Arnold – die Stürmerin und die Abwehrspielerin werden wie das
gesamte Bundesliga-Team des FF USV Jena am Institut für Physiotherapie sportmedizinisch
betreut Fotos: Schröder

2 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


primo
primo
locoloco

UKJ zwischen Reformen und Visionen

Auch unter einer schwarz-gelben Regie- positiven Ausstrahlung, die es zu einem Das werden wir nicht nur aus eigener
rung in Berlin ist in diesem Jahr wie Ort macht, an dem sich Patienten, An- Kraft schaffen. Wir brauchen weiterhin
immer: In der Gesundheitspolitik gras- gehörige und Besucher ebenso wohl auch die Unterstützung der Politik, un-
siert weiterhin die Reformitis. Ein neues fühlen wie Studenten und Mitarbeiter. serer Partner bei den Krankenkassen und
Konzept jagt das andere, während bei Dazu gehört, dass 2020 das große Bau- natürlich unserer Mitarbeiterinnen und
den meisten Menschen, vor allem auch projekt, das uns nun inzwischen seit Mitarbeiter. Und wir brauchen die finan-
bei denen, die im Gesundheitswesen mehr als zehn Jahren beschäftigt, längst zielle Unterstützung des Landes. Die soll-
arbeiten, vor allem eines wächst: die abgeschlossen ist. te, so unser Wunsch nicht erst für 2020,
Verunsicherung.
Unbestritten braucht der drohende Ver-
sorgungskollaps auf dem wichtigen
Gebiet der Versorgung kranker Men-
schen dringend neue Ideen. Das ist nicht
neu und hatte in der Vergangenheit eine
Vielzahl von Veränderungen im System
der Gesundheitsversorgung zur Folge.
Nur haben die bisherigen kaum etwas
bewirkt, was nicht zuletzt daran sicht-
bar wird, dass der Reformbedarf offen-
bar nicht schrumpft, sondern von Jahr
zu Jahr wächst.

Davon konnten wir am UKJ uns zuletzt


im Mai beim diesjährigen Jahresemp-
fang des Klinikums überzeugen. In sei-
nem Gastvortrag hat Daniel Bahr, Staats-
sekretär im Berliner Gesundheitsminis-
terium, die Reformbestrebungen seines Forschung, Lehre und Krankenversorgung noch enger verzahnen: Auf dem Weg zum
UKJ 2020 Foto: Schröder
Hauses vorgestellt. Diesem Zukunftssze-
nario hatte der Kaufmännische Vorstand
des UKJ, Rudolf Kruse, eine hauseigene Dieser neue Klinikkomplex ist der Kern auch aus dem Budget des Gesundheits-
Vision entgegenzusetzen: Das UKJ, wie unserer Vision: ministeriums kommen. Denn das UKJ ist
es 2020 sein wird. Hier wird durch die entstehende Nähe nicht nur ein Klinikum der Maximalver-
Dieses künftige UKJ wird vieles sein – der Kliniken, Institute, Servicebereiche sorgung, es übernimmt auch Aufgaben
wirtschaftlich erfolgreich, exzellent in und Lehreinrichtungen die enge Verzah- als Stadtkrankenhaus.
Forschung und Lehre und ein Ort der nung von Forschung, Lehre und Kran-
zugewandten Fürsorge für kranke Men- kenversorgung noch deutlicher spürbar Dies wäre eine kleine, thüringeninterne
schen. Eines aber, und das betonte der werden als bisher. Das Klinikum wird so Reform, die wir sehr begrüßen würden.
Vorstandssprecher, wird es ganz sicher auf eine neue, bisher noch nicht erreich- Und die im Gegenteil zu ihren großen
auch in zehn Jahren nicht sein: Privati- te Weise zusammenwachsen. Schwestern in der Bundespolitik sofor-
siert. Dass dieses Thema kein alter Hut 80 Prozent unserer mehr als 5000 Mit- tige und positive Wirkungen zeigen
ist, beweist die aktuelle Diskussion um arbeiter werden dann in einem Haus ar- würde: So könnten wir nicht nur die Fi-
das Uniklinikum Schleswig-Holstein. In beiten, in dem auch die Lehrveranstal- nanzierungslücke bei der Realisierung
Jena haben wir bisher solche Bestrebun- tungen stattfinden. Nicht nur die Tren- unseres Neubauprojektes schließen.
gen erfolgreich verhindern können und nung nach Standorten ist dann Vergan- Vielmehr könnten wir dadurch sicher-
werden es auch weiterhin tun. genheit. Auch die Lehre wird so noch stellen, dass unser UKJ 2020 tatsäch-
stärker als bisher direkt im Krankenhaus lich Realität wird – zum Nutzen der Pa-
Unsere Vision des UKJ im Jahr 2020 ist und nicht in ausgelagerten Hörsälen fern tienten, der Studenten, der am Klinikum
die eines starken Klinikums, eng vernetzt der Arbeitsrealität künftiger Ärzte statt- Beschäftigten und nicht zuletzt aller
mit vielen Partnern in der Region und finden. All dies wird das künftige UKJ Thüringer.
getragen vom Einsatz motivierter Mit- zu einem starken und stabilen Akteur
arbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit einer auf dem Gesundheitsmarkt machen. Helena Reinhardt

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Alumni-Treffen

Bei Bratwurst und Rostbrätchen, Bier und Jazz


wurde nicht nur über die alten Zeiten ge-
plaudert Fotos: von der Gönna

rer Hochschule in Angriff genommen,


und daran waren die Mediziner maß-
geblich beteiligt.“

An die dramatischen Monate vor 21 Jah-


ren erinnerte in seinem Festvortrag auch
der Alumnus der Medizinischen Fakultät
und Alt-Rektor, Prof. Georg Machnik:
„Es war der Mediziner Prof. Ulrich Zwie-
ner, der in diesem Hörsaal im Oktober
1989 die Grüße der Leipziger Montags-
Demonstranten überbrachte“, was zu je-
ner Zeit mit erheblichen persönlichen
Risiken verbunden war und viel Zivil-
courage erforderte. Wenig später kon-
Großartige Wiedersehensfeier stituierte sich hier, im Institut für Hu-
mangenetik, die „Aktionsgemeinschaft
Alumni trafen sich im Collegium Jenense zur demokratischen Erneuerung der
Hochschule“, und die Medizinische Fa-
kultät wurde – gegen den Widerstand
Es gab auch in diesem Jahr wieder alle waren sich einig: Es war erneut der Universitätsleitung – zum Impuls-
viel zu erzählen, über die Arbeit, das eine großartige Wiedersehensfeier, die geber der revolutionären Umwälzungen
Leben im Ruhestand, die Familie oder in diesem Jahr im Collegium Jenense, an der Salana.
das Abschneiden der deutschen Fuß- der historischen Gründungsstätte der Prof. Machnik sprach über Höhen und
ball-Nationalmannschaft. Aber immer Universität, stattfand. Tiefen in der Geschichte der Universität
wieder hieß es: Erinnerst Du Dich? und seinen eigenen Studienbeginn im
Nach der Premiere im Jubiläumsjahr „Ihr Treffen hätte an keinem besseren Jahr 1954. „Damals waren die Erinne-
waren auch am 19. Juni 2010 zahl- Ort stattfinden können“, sagte Rektor rungen an Krieg und Zerstörung noch
reiche Alumni der Human- und Zahn- Prof. Klaus Dicke. „Im Collegium Jenen- allgegenwärtig, und zwar sowohl in den
medizin der Einladung ihrer Fakultät se wurden 1548 bzw. 1558 nicht nur Köpfen als auch im Jenaer Stadtbild.
gefolgt. Viele waren erneut, andere – die Hohe Schule und die Universität Auch der Ort, an dem wir uns heute be-
teilweise nach Jahrzehnten – erstmals Jena gegründet, hier wurde im Herbst finden, war davon nicht verschont ge-
wieder nach Jena gekommen, aber 1989 auch die Demokratisierung unse- blieben.“ Endgültig Geschichte drohte
das Collegium Jenense Anfang der
1970er Jahre zu werden, als es trotz des
Einspruchs einiger Hochschullehrer und
Studenten, darunter auch Mediziner, ei-
nem Doppel-Turm für den VEB Carl Zeiss
weichen sollte. Am Ende rettete das feh-
Rektor Prof. Dr. Klaus
lende Geld den traditionsreichen Gebäu-
Dicke (M.) und Dekan dekomplex, „in dem am 19. Juni 1548,
Prof. Dr. Klaus Benndorf auf den Tag genau 462 Jahre vor unse-
gratulieren Prof. Dr. Ge-
org Machnik zum Gol- rem zweiten Alumni-Treffen, die ersten
denen Doktor-Jubiläum. Statuten der Hohen Schule verabschie-
Neben dem Alt-Rektor
wurde diese Ehrung
det wurden“.
auch PD Dr. Martin Prof. Machnik erinnerte an den Medi-
Bradl (Jena), Dr. Sieg- ziner und ersten Rektor der Salana, Jo-
fried Kellermann (Bad
Salzungen), Dr. Hans- hann Schröter, dessen beharrlichem
Jürgen Köppen (Walds- Wirken die Umwandlung der Hohen
hut) und Prof. Dr. Sieg-
fried Müller (Jena) zu- Schule in eine kaiserlich privilegierte
teil. Universität zu verdanken ist, und an
weitere herausragende Persönlichkeiten

4 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Alumni-Treffen

greifender Umbrüche, in der an der


Friedrich-Schiller-Universität mehr als
300 Professoren neu berufen wurden,
der neue Uni-Campus entstand und mit
dem ersten Spatenstich der Neubau des
Klinikums in Lobeda begann.

„Wir haben seither viel erreicht“, sagte


Dekan Prof. Dr. Klaus Benndorf und ver-
wies auf die Leistungen des Universi-
tätsklinikums in Krankenversorgung,
Lehre und Forschung, die sich auch in
der Begutachtung der Jenaer Universi-
tätsmedizin durch den Wissenschafts-
rat widerspiegelten. „Der Bericht zeigt,
dass wir auf dem richtigen Weg sind,
dennoch werden auch die kommenden
Jahre kein Spaziergang“, betonte Prof.
Benndorf und lud die Alumni zum
nächsten Treffen 2012 nach Jena ein.
Exkursionen führten die Alumni unter anderem in das Museum anatomicum Jenense, über Diese nutzten die Gelegenheit, die Frau-
dessen Geschichte und Exponate Oberärztin Dr. Rosemarie Fröber informierte en- und die Zahnklinik, das neue Labor-
zentrum in Lobeda, das Museum anato-
der Medizinischen Fakultät – Rolfinck, micum Jenense und das Phyletische
Forschungsstarke Loder, Hufeland, Binswanger, Berger...
Und er ließ wichtige Etappen seines ei-
Museum zu besichtigen oder im Rah-
men einer medizinhistorischen Stadt-
UKJ-Frauenklinik genen Rektorats in den Jahren 1993 bis führung alte Wirkungsstätten neu zu
2000 Revue passieren – einer Zeit tief entdecken. mv
Auf der 4. Jahrestagung der Mittel-
deutschen Gesellschaft für Frauen-
heilkunde und Geburtshilfe am 4.
und 5. Juni in Gera gingen zwei der
drei vergebenen Posterpreise an jun-
ge Forscher der Jenaer Universitäts-
Frauenklinik: Die Jury zeichnete Dr.
Angela Lauten für ihre Untersuchung
einer seltenen Schwangerschafts-
komplikation und daraus folgender
extremer Schilddrüsenüberfunktion
aus, ebenso die Abiturientinnen La-
vinia Kinne und Maria Roth für ihre
Arbeit über das Wissen Jenaer Schü-
ler zu Rauchverhalten und Schwan-
gerschaftsrisiken.
Der Geschäftsführende Direktor der
Universitäts-Frauenklinik, Prof. Dr.
Ekkehard Schleußner, wurde zum
neuen Vorsitzenden der Gesellschaft
gewählt und wird in den nächsten
vier Jahren die Interessen der Frau-
enärzte in Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen vertreten: „Dabei
möchte ich mich besonders für die
weitere Vernetzung der Fachkollegen
in der Region und gemeinsame Pro-
jekte in der Forschung und der Nach-
wuchsförderung einsetzen.“ vdG

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Sprechstunde

Tests mit Extrakten in der Regel ausrei-


Unverträgliche Eiweiße chend. Dr. Henzgen warnt allerdings vor
der von verschiedenen Labors durch-
Viele Nahrungsmittel lösen Allergien aus geführten und von Ärzten teilweise
empfohlenen IgG4-Bestimmung gegen
Nahrungsmittel, die nicht geeignet ist,
Etwa jeder dritte Deutsche glaubt, an in allen pflanzlichen und tierischen Nah- eine echte Nahrungsmittelallergie nach-
einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. rungsmitteln befinden. „Prinzipiell kann zuweisen. Dies trifft auch für die Biore-
Tatsächlich sind es deutlich weniger, man auf jedes Nahrungsmittel allergisch sonanz zu. „Führen die Blut- und Haut-
maximal sechs Prozent. „Daneben kön- reagieren, es gibt allerdings einige, die tests nicht zum Erfolg, besteht die Mög-
nen andere Nahrungsunverträglichkei- besonders häufig Allergien auslösen“, lichkeit eines Provokationstests. Dabei
ten eine Rolle spielen, die auf gastro- erläutert Oberärztin Henzgen. „Die kli- wird das Immunsystem des Patienten
intestinale Probleme, toxische oder nische Relevanz der verschiedenen Nah- direkt und ganz gezielt mit dem vermu-
rungsmittelallergene hängt vom Alter, teten Allergen konfrontiert, um – unter
von den Ernährungsgewohnheiten und medizinischer Kontrolle – eindeutige
von der Region, in der der Betroffene Symptome hervorzurufen und auf diese
lebt, ab. In Europa sind bei Kindern das Weise den Allergieverdacht zu bestäti-
Milch- und das Hühnereiweiß die wich- gen oder auszuschließen. Diese Verfah-
tigsten Allergene, in den Vereinigten ren“, so Oberärztin Henzgen, „sind rela-
Staaten ist es die Erdnuss, ein außeror- tiv aufwändig. Wie diese auch unter
dentlich potentes Allergen, das lebens- DRG-Bedingungen durchgeführt wer-
bedrohliche Zustände auslösen kann.“ den können, war eine der zahlreichen
Fragen unseres XXVI. Jenaer Colloquium
Der Allergologe als Ansprechpartner allergologicum zum Thema Nahrungsmit-
telallergien, an dem am 8. Mai mehr als
Patienten mit den entsprechenden Symp- 140 Ärzte aus ganz Deutschland teilnah-
tomen sollten sich zunächst beim Haus- men, unter ihnen Prof. Lothar Jäger, der
arzt vorstellen. Bestehen Magen-Darm- die Veranstaltung 1989 begründete.“
Viele Nahrungsmittel können gefährliche Al- Probleme, ist eine Überweisung zum
lergien auslösen Foto: Vöckler
Gastroenterologen erforderlich. Schließt Ernährungsberatung erforderlich
pseudoallergische Reaktionen bzw. dieser eine gastointestinale Erkrankung
Enzymdefekte wie Laktoseintoleranz aus, sollte der Allergologe zu Rate ge- „Kinder leiden häufiger als Erwachsene
zurückzuführen sind“, erläutert PD Dr. zogen werden, der mittels spezieller unter Nahrungsmittelallergien. Das kann
Margot Henzgen, Oberärztin im Fach- Haut- und Bluttests die immunologische beispielsweise bei Milcheiweiß ernäh-
bereich Pneumologie & Allergologie/ Überreaktion nachweisen kann. rungsphysiologisch problematisch sein.
Immunologie der Klinik für Innere Wichtig ist, dass bei allergischen Reak- Hier bedarf es einer qualifizierten Ernäh-
Medizin I, die sich seit vielen Jahren tionen auf bestimmte Obst- oder Ge- rungsberatung, die in enger Zusammen-
in der Arbeitsgruppe Nahrungsmittel- müsesorten auch mit diesen Produkten arbeit von behandelndem Arzt und ei-
allergie der Deutschen Gesellschaft getestet wird, da während der Verarbei- ner allergologisch geschulten Ernäh-
für Allergologie und klinische Immu- tung zu Extrakten wichtige allergene rungsfachkraft erfolgen sollte“, erläu-
nologie (DGAI) engagiert. Strukturen zerstört werden können. Tie- tert Dr. Henzgen. Im Kindesalter werden
rische Allergene sind stabiler, hier sind mehr als 90 Prozent aller Nahrungsmit-
Die Symptome, die bereits durch kleine telallergien von einigen wenigen Aller-
Mengen eines Nahrungsmittelallergens genen ausgelöst: Kuhmilch, Hühnerei-
ausgelöst werden können, sind vielfältig er, Nüsse/Erdnüsse, Fisch, Soja und Wei-
Wichtige Nahrungsmittelallergene
und reichen von Juckreiz, Hautrötungen, zen. Bei den meisten Kindern verliert sich
in unseren Breiten (alphabetisch)
tränenden Augen, laufenden Nasen und die Nahrungsmittelallergie im Laufe der
Atemnot bis zum anaphylaktischen - Apfel Jahre, nur etwa ein Drittel behält sie le-
Schock, einer schweren allergischen Re- - Baumnuss benslang. Deshalb wird in bestimmten
aktion, die zum Atem- und Kreislaufstill- - Erdnuss Abständen immer wieder getestet, ob die
stand und damit zum Tod führen kann. - Fisch (Kabeljau) Kinder noch allergisch reagieren oder ob
Die Beschwerden sind zumeist innerhalb - Hühnerei sie wichtige Nahrungsmittel wie etwa
der ersten ein bis zwei Stunden nach dem - Karotte Milcheiweiß wieder problemlos zu sich
Verzehr der Nahrung zu beobachten, al- - Krebstiere (Shrimps) nehmen können.
lergische Spätreaktionen können aber - Lupine Eine spezielle Form sind die so genann-
auch noch nach ein bis zwei Tagen auf- - Milch ten pollenassoziierten Nahrungsmittel-
treten, häufig sind zudem Kombinatio- - Sellerie allergien. Verschiedene Blütenpollen
nen von Sofort- und Spätreaktionen. - Sesam und Nahrungsmittel enthalten ähnliche
Nahrungsmittelallergien werden von - Soja Eiweißstrukturen, die beim Verzehr be-
Eiweißen ausgelöst, die sich in unter- - Weizen stimmter Obst- oder Gemüsesorten bei
schiedlicher Struktur und Konzentration Pollenallergikern allergische Reaktionen

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Sprechstunde

auslösen können. Diese Kreuzreaktio- „In verpackten Nahrungsmitteln besteht auch Gewürze sein, über deren teilweise
nen treten vor allem bei Stein- und Kern- in der Europäischen Union für die wich- erhebliches allergenes Potential wäh-
obst, Möhren und Sellerie auf, aber auch tigsten Nahrungsmittelallergene eine rend unseres Colloquiums ebenfalls in-
bei Getreideprodukten. Hier verursacht Deklarationspflicht, in Gaststätten ist formiert wurde“, sagt Dr. Henzgen. „The-
auch die Lupine, die gute ernährungs- das nicht der Fall. Vor allem bei exoti- rapie der Wahl ist, auf den Genuss der
physiologische Eigenschaften hat und schen Speisen besteht die Gefahr, dass zur Allergie führenden Nahrungsmittel
manchen Nahrungsmitteln – unter an- sich darin Zutaten befinden die allergi- zu verzichten. Die Beschwerden können
derem Pizzateig – zugesetzt wird, seit sche Reaktionen auslösen. Das können allerdings durch Antihistaminika und
einigen Jahren erhebliche Probleme. beispielsweise Erdnussbestandteile aber andere Präparate gelindert werden.“ mv

nanziellen Grenzen stoßen. Der Trauma-


3. Jenaer Traumatag der Unfallchirurgie tag wird etwas Besonderes bleiben“,

Sofort einen PJ-Platz gesichert sagte Arne Wilharm.


Die Organisatoren und die Studenten,
die auch die Mittagspause nutzten, um
Wie bereits in den Vorjahren gab es ei- diologische Fallbesprechungen, ein mit den Unfallchirurgen ins Gespräch
nen enormen Andrang: Mehr als 120 Naht- und Knotenkurs an Schweinefü- zu kommen, waren mit dem Ablauf und
Studenten des 7. bis 9. Semesters be- ßen, ein Gipskurs sowie Osteosynthe- den praktischen Einblicken in ein faszi-
warben sich um einen der Plätze für den sen bei Oberarmkopf-, Handgelenks-
Traumatag der Unfallchirurgie. 40 konn- und Unterschenkelbrüchen durchge-
ten schließlich unter intensiver fachli- führt. Die Studierenden waren begeis-
cher Anleitung die Grundtechniken der tert, einmal selbst Hand anlegen zu kön-
Unfallchirurgie üben. „Diese Beschrän- nen und sofort die Ergebnisse ihrer Ar-
kung der Plätze ist notwendig, weil wir beit zu sehen. Überrascht stellten eini-
eine wirkliche persönliche Betreuung ge fest, wie interessant Unfallchirur-
gewährleisten wollen“, betont Dr. Ro- gie ist, aber auch wie schwierig so eine
bert Lindner, der zusammen mit Dr. Arne Bruchversorgung mit Platten und
Wilharm den Traumakurs organisiert. Schrauben sein kann. Einhellig war zu
„Wir möchten unseren Studenten und hören, dass derartige praktische Übun-
möglicherweise künftigen Kollegen die gen im Medizinstudium noch immer viel
Unfallchirurgie in kleinen Gruppen von zu kurz kommen.
maximal vier Personen nahe bringen, „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir die
damit wirklich alle praktisch Hand an- Zeit an den einzelnen Stationen noch
legen können“, ergänzt Dr. Arne Wil- einmal verlängert“, betonte Robert Lind-
harm, „denn nur so gewinnt man einen ner und bedankte sich bei den Chefärz- Dr. Robert Lindner und Dr. Arne Wilharm (l.)
Einblick in unsere Arbeit.“ ten Prof. Lungershausen vom Waldkli- helfen beim Anbiegen und Anbringen einer
Plattenosteosynthese am Unterschenkel
Klinikdirektor Prof. Gunther Hofmann nikum Gera und Dr. Erler vom Klinikum Foto: Unfallchirurgie
bedauerte in seiner Eröffnungsrede, Eisenach, die den Kurs tatkräftig unter-
dass es im Rahmen der Umstrukturie- stützten. „Den vielfachen Wunsch der nierendes Fach rundum zufrieden – und
rung keine Hauptvorlesung Unfallchir- Studenten, den Kurs öfter anzubieten, einige meldeten sich am Ende des Kur-
urgie mehr gibt, weshalb ein derart um- können wir derzeit leider nicht erfüllen, ses bereits für einen PJ-Platz in der Un-
fangreiches Fach den Studenten nur da wir an unsere logistischen und fi- fallchirurgie an.
schwer vermittelt werden kann, und er
begrüßte das Interesse an derartigen
praktisch orientierten Kursen. Schließ-
lich sei es ja das Ziel der Reformierung
gewesen, die Studenten verstärkt prak-
tisch auszubilden.
„Die Unfallchirurgie ist übrigens längst
keine reine ‚Männerdomäne’ mehr“,
sagte Prof. Hofmann und verwies da-
rauf, dass die Jenaer Klinik den höchs-
ten Frauenanteil aller Unfallchirurgien
in Deutschland hat: „Dies repräsentiert
auch das Geschlechterverhältnis im me-
dizinischen Studiengang.“
An vier Stationen wurden den Studen-
ten wichtige unfallchirurgische Kennt-
nisse und Fertigkeiten vermittelt und ra-

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Titel

auch die Ursachen sind dieselben: Häu-


Topfit in jedes Spiel fig werden die Spielerinnen nach einer
Verletzung zu früh wieder eingesetzt.
Mitarbeiter des Instituts für Physiotherapie Hier ist der Mannschaftsarzt gefordert,
auch einmal auf die Bremse zu treten
betreuen Jenaer Bundesliga-Fußballerinnen und die Spielerin über ein speziell ab-
gestimmtes Lauf- und Koordinations-
training wieder an die Belastungen ei-
nes Bundesligaspiels heranzuführen.
Bis zur 51. Minute hielt das Jenaer tätsklinikums Jena geschlossen. Ein hal- Beim USV leistet dabei Sebastian Ullrich
Abwehrbollwerk um die überragende bes Jahr später stiegen die Fußballerin- als ehrenamtlicher Individualtrainer
Torfrau Jana Burmeister den Duisbur- nen in die erste Bundesliga auf. eine ausgezeichnete Arbeit.“

Julia und Sylvia Arnold mit Dr. Norman Best und Sebastian Ullrich (v. l.). Während Stürmerin Sylvia beim Achterspringen das Koordi-
nationsvermögen schult, trainiert Abwehrspielerin Julia unter Anleitung von Dr. Steffen Derlien auf dem Laufband Fotos: Schröder

ger Angriffen stand, dann erzielte der Bei den Heimspielen des USV sitzt Dr. Erstaunlicherweise ist die Verletzungs-
Favorit im DFB-Pokalendspiel am 15. Best mit auf der Bank und ist dann so- rate bei den Frauen um etwa 30 Prozent
Mai in Köln den entscheidenden Tref- wohl Mannschaftsarzt der Jenaerinnen höher als bei den Männern. „Das liegt
fer. „Ein verdienter Sieg, aber auch als auch des Gästeteams: „Das ist bei nicht an der besonderen Härte des
eine hervorragende Leistung unseres den Spielen der Frauen-Bundesliga ge- Spiels, sondern an den unterschiedli-
Teams“, sagt Mannschaftsarzt Dr. nerell so. Schließlich müssen die Verei- chen Bindegewebsstrukturen und einer
Norman Best. ne mit einem Bruchteil der Mittel aus- ungünstigeren Statik. Die Verletzungs-
kommen, die den Männern zur Ver- anfälligkeit lässt sich allerdings durch
In den Tagen nach dem Spiel hatte die fügung stehen.“ Unterstützt wird der spezielle Übungen, die die sensomoto-
medizinische Abteilung alle Hände voll Mannschaftsarzt von Physiotherapeu- rischen und koordinativen Fähigkeiten
zu tun, „nicht nur das Pokalendspiel, die tin Marina Lehnhardt, die beim USV und verbessern und die Sprunggelenke so-
gesamte Saison hatte unseren Spielerin- im von Dr. Norman Best geleiteten Am- wie die Rücken- und Beckenmuskula-
nen alles abverlangt“, erinnert sich Dr. bulanten Therapie- und Rehazentrum tur stärken, deutlich reduzieren. Der
Best. Seit zweieinhalb Jahren ist er eh- des Instituts für Physiotherapie tätig ist Verletzungsprävention dient aber auch
renamtlich als Mannschaftsarzt der USV- „und die“, so Dr. Best, „vor und nach den eine gute Kondition. Um diese bei den
Fußballerinnen tätig. „Obwohl die Mä- Spielen die Hauptarbeit leistet“. USV-Fußballerinnen weiter zu verbes-
dels schon damals zu den besten Teams sern, haben die an unserem Institut tä-
der zweiten Liga gehörten, war an die Obwohl auch Frauenfußball alles ande- tigen Sportwissenschaftler Sebastian
erste Bundesliga oder das Pokalfinale re als ein „körperloses“ Spiel ist, entste- Ullrich und Dr. Steffen Derlien auf der
noch nicht zu denken.“ Um die medizi- hen die meisten Verletzungen ohne geg- Basis von Leistungsergometrien einen
nische Betreuung der Spielerinnen zu nerische Einwirkung. „Besonders häufig Lauftrainingsplan für die Sommerpause
optimieren, wurde ein Kooperationsver- sind Muskelverletzungen sowie Läsionen erarbeitet“, erklärt Norman Best, der
trag zwischen dem FF USV und dem In- des Knie- und Sprunggelenks. Das ist während des Spiels nicht nur mit Prel-
stitut für Physiotherapie des Universi- nicht anders als bei den Männern, und lungen, sondern auch mit Rippen- und

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Titel

Brustwirbelblockierungen konfrontiert Saison, als die Hilfe eines anderen chir- hielten vor wenigen Wochen eine Ein-
wird, „die sich normalerweise relativ ein- urgischen Fachgebietes erforderlich ladung zum Lehrgang der U 20-Natio-
fach lösen lassen. Dabei kommt mir war. „Damals hatte sich Ivonne Hart- nalmannschaft. Stürmerin Sylvia Arnold
meine Spezialisierung zugute“, sagt der mann während eines Bundesligaspiels wurde schließlich in das Aufgebot für
Facharzt für Physikalische Medizin und eine Kieferfraktur zugezogen. Glück- die vom 13. Juli bis 1. August 2010 in
Rehabilitation. licherweise war unter den Zuschauern Deutschland stattfindende Weltmeister-
„Schwere Verletzungen sind im Fußball der Direktor der Klinik für Mund-, Kie- schaft berufen. „Wir haben uns darüber
relativ selten, treten diese dennoch auf, fer- und Gesichtschirurgie, Prof. Schult- sehr gefreut“, sagt Dr. Best, dessen Team
bewährt sich die ausgezeichnete Zu- ze-Mosgau, der sofort die Erstversor- mit dafür gesorgt hat, dass die Spiele-
sammenarbeit mit den Kollegen – und gung einleitete und half, die weitere rinnen trotz kräftezehrender Saison und
vor allem den Unfallchirurgen – am Behandlung zu koordinieren.“ Pokalendspiels topfit ins Trainingslager
UKJ“, sagt Dr. Best und erinnert sich an Zwei USV-Spielerinnen, die Zwillings- der Nationalmannschaft gekommen
eine Schrecksekunde aus der letzten schwestern Sylvia und Julia Arnold, er- sind. mv

Ausdauerleistung wollten die Nach-


Rekordsieg für die Sepsisforschung wuchswissenschaftler, die im Schwer-
punkt Sepsisforschung mitarbeiten, das
UKJ-Forschernachwuchs beteiligte sich an Bewusstsein für die meist tödlich verlau-
fende Krankheit in der Öffentlichkeit stär-
der 100-km-Wanderung rund um Jena ken. „Das Thema Sepsis stieß auch bei den
anderen Wanderern auf großes Interes-
se“, fügt Gaipl hinzu. Außerhalb der me-
Der erste Platz bei den Männern, der teilweise alles andere als ideal war. Die dizinischen Fachwelt findet die Infekti-
vierte, 15. und 16. Platz bei den Frau- Wanderung war sehr gut organisiert und onserkrankung, die in fast der Hälfte der
en, 15 persönliche Siege über den in- die Stimmung großartig“, fasst Matthias jährlich etwa 150 000 Fälle tödlich ver-
neren Schweinehund und mehr als Gaipl die 100-km-Wanderung zusam- läuft, noch zu wenig Beachtung.
900 Euro Spenden für die Deutsche men. Der 27-Jährige Doktorand am UKJ 920 Euro erwanderten die Medizin-
absolvierte die Strecke in 11 Stunden, 26 Doktoranden für die Deutsche Sepsis-
Minuten und 59 Sekunden. Damit war er Hilfe e.V. Die Selbsthilfegruppe unter-
nicht nur der Schnellste der diesjährigen stützt Patienten und Angehörige beim
25. Horizontale, an der etwa 800 Wan- Erfahrungsaustausch über Behand-
derer teilnahmen, sondern stellte auch ei- lungs- und Rehabilitationsmöglichkei-
nen neuen Streckenrekord auf. Nur drei ten, die Finanzierung der Pflege und die
der 15 mit dem „Sepsis runs public“- Bewältigung von Alltagsproblemen und
T-Shirt gestarteten angehenden Ärzte freut sich auch weiterhin über Ihre Spen-
mussten unterwegs aufgeben. Mit ihrer den. vdG

Anna-Karoline Israel (15., vorn) und Janina


Ullmann (16.) am Start der Wanderung
Foto: Organisationsteam

Sepsis-Hilfe e.V. – das ist die Erfolgs-


bilanz der Medizinstudenten, die am
28. und 29. Mai an der Wanderung
„Rund um Jena“ teilnahmen.

Zur Bilanz zählen auch diverse Blasenpflas-


ter und zwei Paar Wanderschuhe, die der
Marathonbelastung nicht standhielten.
„Das Wetter hat in diesem Jahr super mit-
gespielt, auch wenn die Strecke durch ei-
nen vorangegangenen Regenschauer

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Jahresempfang des UKJ

zusetzen“. Notwendig sei es außerdem,


„Viele Weichen richtig gestellt“ mehr Transparenz und Offenheit zu
schaffen und über aussagekräftige Qua-
Staatssekretär Daniel Bahr: Chancen des litätsberichte die Leistungen der einzel-
nen Krankenhäuser vergleichbar zu
Wachstumsmarktes Gesundheit besser nutzen machen. Für eine effizientere medizini-
sche Versorgung außerordentlich wich-
tig sei aber auch eine noch stärkere Ver-
zahnung von ambulantem und statio-
„Mit etwa 4,3 Millionen Beschäftig- nötig“, betonte Daniel Bahr. Allerdings närem Sektor. Für die integrierte Versor-
ten ist das Gesundheitswesen größ- sei es erforderlich, mehr Anreize zur Auf- gung, so Bahr, sind Medizinische Ver-
ter Arbeitgeber in Deutschland. Das nahme einer ärztlichen Tätigkeit zu sorgungszentren von zentraler Bedeu-
gilt auch für zahlreiche Städte und schaffen. Denn die Zeiten, in denen jun- tung, zumal diese auch jungen Medizi-
Regionen wie meine Heimatstadt
Münster oder Jena, und das wird
auch künftig so bleiben, denn ange-
sichts einer älter werdenden Bevöl-
kerung ist das Gesundheitswesen ei-
ner der Wachstumsmärkte. Wir müs-
sen dies als Chance erkennen, um
hoch qualifizierte Arbeitsplätze in
Deutschland zu halten“, sagte der Par-
lamentarische Staatssekretär im Bun-
desministerium für Gesundheit, Daniel
Bahr, während des UKJ-Jahresemp-
fangs am 27. Mai.

Deshalb sollten die Ausgaben für das


Gesundheitswesen auch nicht nur als
Kosten, sondern vor allem als Investi-
tionen in den Standort und die Marke Der Medizinische Vorstand Prof. Dr. Klaus Höffken, der Vorsitzende des Fördervereins, PD Dr.
Deutschland verstanden werden. Und als Michael Hartmann, der Kaufmännische Vorstand, Rudolf Kruse, Staatssekretär Daniel Bahr,
Dekan Prof. Dr. Klaus Benndorf und der Kanzler der FSU, Dr. Klaus Bartholmé, während des UKJ-
Wirtschaftsfaktor. Der Bundestagsabge- Jahresempfangs Foto: Schröder
ordnete verwies auf die Ausbildung aus-
ländischer Mediziner und Medizintech- ge Ärzte klaglos bereit waren, wöchent- nern, die das Risiko einer Niederlassung
niker an deutschen Universitäten, die lich 60 oder 70 Stunden zu arbeiten, scheuen, bessere berufliche Chancen
auch dazu beiträgt, die Exportchancen sind – angesichts eines Frauenanteils bei eröffnen.
der international führenden deutschen den Medizinstudierenden von bis zu 70
Medizintechnikhersteller zu erhöhen. Prozent, zunehmenden Forderungen

Auflösung
nach planbaren Arbeitszeiten sowie ei-
Junge Mediziner motivieren, ner verbesserten Vereinbarkeit von Fa-
in ihrem Beruf zu arbeiten milie und Beruf – ein für allemal vorbei.
„Wir werden also nicht umhin kommen,
Als Innovatoren im Gesundheitssystem darauf zu reagieren und die Rahmen- „Kreuzwort-Puzzle“ auf Seite 30
und als Ausbildungsstätten für den drin- bedingungen zu verändern. Sonst wird
gend benötigten Medizinernachwuchs, sich die Flucht aus dem Arztberuf weiter
so Bahr, spielen vor allem die Universi- verstärken, und das wäre gesundheits-
tätsklinika eine außerordentlich wich- politisch und volkswirtschaftlich eine Ka-
tige Rolle. „Von zentraler Bedeutung ist, tastrophe“, betonte der Politiker.
wie wir junge Mediziner motivieren
können, nach dem Studium auch als Transparenz und Offenheit schaffen
Ärzte zu arbeiten, um dem zunehmen-
den Ärztemangel zu begegnen. Dass Damit sich die Ärzte und Pflegenden auf
dieser nicht nur im Osten Deutschlands die Versorgung ihrer Patienten konzen-
ein Problem ist, zeigt ein Beispiel aus trieren können, muss es außerdem ge-
meiner Heimat. Hier wurde eine Dele- lingen, sie von dem stetig zunehmen-
gation nach Kuba geschickt, um Ärzte den bürokratischen Aufwand zu entlas-
für das Münsterland anzuwerben. Wür- ten. Der Staatssekretär forderte zudem,
den mehr Absolventen in ihrem Beruf „das Leistungsprinzip wieder stärker im
arbeiten – derzeit sind es nur etwa 60 Gesundheitswesen zu verankern und „Vulkane“ auf Seite 31
Prozent – wären solche Aktionen nicht eine leistungsgerechte Vergütung durch- 1b, 2a, 3a, 4c, 5b, 6c, 7c, 8a, 9c, 10a

10 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Jahresempfang des UKJ

„Wir müssen die Ausbildung attraktiver „Dies wird im Jahr 2020 längst der Nor- prognostizierte der Sprecher des Klini-
machen, die Arbeitsbedingungen ver- malfall sein. Auch die Lehre im klinischen kumsvorstandes.
bessern und neue finanzielle Anreize Teil des Studiums wird dann überwie- Auf dem Weg dahin sind freilich noch
setzen. Dazu ist allerdings eine verän- gend in den Kliniken und nur noch sel- zahlreiche Aufgaben zu bewältigen. „Ei-
derte Finanzierung des Gesundheitswe- ten im Hörsaal stattfinden“, blickte Ru- nige“, so Rudolf Kruse, „hat uns der
sens erforderlich“, resümierte Staatsse- dolf Kruse voraus. Wissenschaftsrat, dessen Einschätzung
kretär Bahr und warb für die Entkopp- Das UKJ wird seinen Platz unter den insgesamt sehr positiv war, im letzten
lung der Gesundheits- von den Lohn- Thüringer Krankenhäusern nicht nur be- Jahr aufgezeigt.“ Ein Risikofaktor für die
zusatzkosten und das prämienfinanzier- hauptet, sondern weiter ausgebaut ha- Zukunftsfähigkeit des Universitätsklini-
te Modell seiner Partei. „Investitionen ben, auch weil es gelungen ist, die Er- kums Jena ist die Finanzierung des Kli-
in das Gesundheitswesen sind Investiti- folgsrezepte privater Krankenhausträger nikumsneubaus. „Ich bin aber fest da-
onen in Arbeitsplätze, die in Deutsch- zu nutzen, ohne von diesen übernom- von überzeugt, dass es uns in Zusam-
land bleiben. Damit ist das Gesundheits- men zu werden. „Wir haben unsere Leis- menarbeit mit der Landesregierung ge-
wesen ein Beschäftigungsmotor und tungen kontinuierlich gesteigert und lingen wird, die derzeit noch existieren-
ein wichtiger Stabilisierungsfaktor unse- uns mit eigenen Mitteln und der Unter- de Finanzierungslücke zu schließen.
rer Wirtschaft – nicht nur in der Krise.“ stützung des Landes aus der Investiti- Denn die Vollendung des Klinikums Lo-
onsfalle befreit. Das Universitätsklinikum beda ist die entscheidende Vorausset-
Vision UKJ 2020 Jena ist 2020 auch über Thüringen hi- zung für die erfolgreiche Entwicklung
naus ein leistungsstarkes Klinikum der des UKJ“, betonte Rudolf Kruse und
Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen Supramaximalversorgung, das – auch dankte im Namen des Klinikumsvor-
– diesen legendären Ausspruch von Alt- dank seiner guten Unternehmenskultur standes den Beschäftigten aller Berufs-
Bundeskanzler Schmidt stellte Rudolf auf der Basis des seit 2007 entwickel- gruppen für die vorbildliche Arbeit: „Ihr
Kruse an den Beginn seiner „Vision UKJ ten Leitbildes – attraktiv für den Nach- Einsatz und Engagement entscheiden,
2020“. In den nächsten Jahren, so der wuchs ist und deshalb weniger unter ob wir unsere Vision verwirklichen wer-
Kaufmännische Vorstand des UKJ, wird dem Ärztemangel leidet. Durch die enge den. Wir haben in den vergangenen Jah-
in Lobeda ein hochmodernes Klinikum Zusammenarbeit des Jenaer Lehrstuhls ren viele Weichen richtig gestellt, wir
vollendet, in dem in verschiedenen in- für Allgemeinmedizin mit der Kassen- dürfen aber nicht stehen bleiben und
terdisziplinären Zentren rund 80 Prozent ärztlichen Vereinigung wird es im Frei- müssen auch in den kommenden Jah-
der Mitarbeiter in Forschung, Lehre und staat sogar gelungen sein, den Ärzte- ren innovativ sein und neue Wege ge-
Krankenversorgung zusammenarbeiten. mangel auf dem Lande zu begrenzen“, hen, um unsere Ziele zu erreichen.“ mv

Medizinstudenten erhielten Förderstipendien


schäftsführer der AJZ Engineering
GmbH) und Klaus Berka (Vorstands-
vorsitzender der Analytik Jena AG) mit
den Stipendiaten (v. r.): Alexandra
Achilles (IZKF-Stipendium, Prof.
Redecker, Klinik für Neurologie), Su-
sanne Dietrich (Stipendium der AJZ
Engineering GmbH, Prof. Hilger, Ex-
perimentelle Radiologie), Brenda
Henning (IZKF-Stipendium, PD Jun-
ker, Klinik für Urologie), Markus Neu-
mann (Stipendium der Analytik Jena
AG, Prof. Bauer, Klinik für Anästhe-
siologie und Intensivmedizin), Berit
Schlothauer (IZKF-Stipendium, Prof.
Hilger, Experimentelle Radiologie),
Judit Szilágyi (IZKF-Stipendium, Prof.
Während des UKJ-Jahresempfangs sche Forschung (IZKF) zur Verfügung Hilger, Experimentelle Radiologie),
wurden auch in diesem Jahr Förder- stellten. Linlin Yang (IZKF-Stipendium, Prof.
stipendien an Medizinstudenten Das Foto zeigt PD Dr. Michael Hartmann Petersen, Institut für Pathologie),
übergeben, die die Analytik Jena AG, (Vorsitzender des UKJ-Fördervereins), nicht im Bild: Elisabeth Lehmkuhl
die AJZ Engineering GmbH und das Prof. Dr. Klaus Benndorf (Wissenschaft- (IZKF-Stipendium, Prof. Schaible, In-
Interdisziplinäre Zentrum für Klini- licher Vorstand), Günter Liepelt (Ge- stitut für Physiologie) Foto: Schröder

www.uniklinikum-jena.de 11
Vorgestellt

durchgeführt und festgestellt, dass die


Geschäftsbereich Medizincontrolling Komplexität der Datenerfassung und die

Erlössituation weiter verbessern – Möglichkeiten der Datenanalyse am


Universitätsklinikum Jena bereits weit
entwickelt sind: „Als eine von wenigen
UKJ optimal positionieren deutschen Kliniken haben wir mit
COPRA ein sehr gut funktionierendes
Patientendaten-Managementsystem,
das eine intuitive und sehr übersicht-
„Kommen Sie herein. Sie sehen, ganz zen führt dazu, dass sie häufig zusätz- liche Darstellung von Patientendaten
komplett ist die Einrichtung noch lich als Dokumentations- oder EDV-Ver- gestattet und nach dem erfolgreichen
nicht, aber ich bin erst seit wenigen antwortliche tätig sind“, erläutert Ulf Einsatz auf den Intensivstationen und
Wochen hier und seither folgt ein Dennler, der zudem seine „ausgeprägte in den Operationssälen in Zukunft auch
Termin dem anderen, da muss das Affinität zu Datenbanksystemen“ be- die Arbeit auf den Normalstationen er-
Büro noch etwas warten“, sagt Dr. Ulf kennt. leichtern wird.“

Gemeinsam mit Ärzten, Pflegekräften


und der Verwaltung will der Dienstlei-
ster Medizincontrolling zu noch exak-
teren medizinischen Leistungsbewer-
tungen und im Ergebnis zu besseren
betriebswirtschaftlichen Ergebnissen
kommen. „Denn wenn wir auch künftig
im Wettbewerb bestehen wollen, müs-
sen wir bei höchster medizinischer und
Dr. Ulf Dennler und pflegerischer Qualität noch effizienter
Teamassistentin Ker- arbeiten. Hier stehen wir angesichts der
stin Thieme: „Die Zahl
der Ordner soll sich demographischen Entwicklung und ei-
auch künftig in Gren- ner sich dramatisch verändernden Pati-
zen halten“, sagt der entenstruktur vor enormen Herausfor-
Geschäftsbereichslei-
ter, der auf eine „weit- derungen“, betont Geschäftsbereichs-
gehend papierlose leiter Dr. Dennler und belegt dies mit
Verwaltung“ setzt Zahlen: War 2006 noch jeder Achte der
Foto: Vöckler
mehr als 16 Millionen stationären Pati-
enten in Deutschland älter als 80 Jahre,
wird dies 2050 schon jeder Dritte sein.
Dennler. Der Anästhesist und Inten- Das operative Medizincontrolling, das „Gleichzeitig werden wir etwa 30 Pro-
sivmediziner hat nach dem Medizin- vor der Reorganisation der Geschäfts- zent weniger Menschen im erwerbs-
studium in Jena und der Facharzt- bereiche am UKJ zum GB Rechnungs- fähigen Alter und damit auch deutlich
weiterbildung in Frankfurt/Oder zehn wesen und Controlling gehörte, be- weniger Beitragszahler haben. Da ältere
Jahre lang am Klinikum Bad Berka schäftigt sich vor allem mit der Doku- Patienten in der Regel aber länger im
gearbeitet – seit 2005 als hauptamt- mentation der erbrachten Leistungen Krankenhaus verweilen und auch einen
licher Medizincontroller. Ende 2007 und deren Abbildung in den DRG, „was höheren Pflegeaufwand haben, müssen
wechselte er zur SANA Kliniken AG, für die Erlössituation des Klinikums von wir mit voraussichtlich nur noch etwa
und seit dem 1. Juni 2010 leitet er entscheidender Bedeutung ist, können 70 Prozent des Personals 25 bis 30 Pro-
den neu geschaffenen Geschäfts- doch bereits kleinste Fehler bei der Co- zent mehr ärztliche und pflegerische
bereich Medizincontrolling am UKJ. dierung zu erheblichen finanziellen Ver- Leistungen erbringen. Das wird aber nur
lusten führen. Dabei“, so Dr. Dennler, gelingen, wenn unsere Strukturen und
„Ich habe mich sehr gefreut, an einem „arbeiten wir – wie auch im Qualitäts- Abläufe noch effizienter und leistungs-
Universitätsklinikum und noch dazu in management – eng mit den Kliniken und fähiger sind“, sagt Dr. Ulf Dennler und
meiner Geburtsstadt Jena arbeiten zu Fachbereichen zusammen.“ Im strate- verweist ganz besonders auf den zu er-
können“, betont der 45-Jährige, des- gischen Medizincontrolling, das bisher wartenden überproportionalen Anstieg
sen Weg zum Medizincontroller für ei- dem Geschäftsbereich Medizinmanage- von Gefäßerkrankungen im Alter: „Wir
nen Anästhesisten und Intensivmedizi- ment zugeordnet war, stehen Leistungs- müssen diesen Bereich nicht nur in der
ner nicht ungewöhnlich ist, weiß man und Marktanalysen, Unternehmenszie- Krankenversorgung, sondern auch in
doch gerade hier, wie wichtig es ist, zeit- le und Entwicklungschancen im Fokus Lehre und Forschung weiter stärken. Das
nah und engmaschig zu dokumentie- der Arbeit, um das UKJ im sich verschär- gilt auch für die Altersmedizin, wo wir
ren. „Außerdem arbeiten Anästhesisten fenden Wettbewerb der Kliniken opti- in nahezu allen Fachgebieten eine noch
und Intensivmediziner eng mit den ope- mal zu positionieren. höhere Kompetenz benötigen, sowie für
rativen und internistischen Fächern zu- Dr. Dennler hat in den ersten Wochen eine deutlich verbesserte Prävention.“
sammen. Dieser Blick über Fächergren- seiner Tätigkeit eine Ist-Stand-Analyse mv

12 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Diagnostik und Therapie

Stationäre Mutter-Kind-Behandlung ihr Kind selbst“, erklärt Dr. Uta Pietsch


das Konzept. Während der Gruppenzei-
Hilfe für Mütter mit psychischen ten und Therapiesitzungen können die
Kleinen in der Klinik stundenweise von
Tagesmüttern betreut werden, damit
Störungen nach der Geburt die Frauen ungestört am Therapiepro-
gramm teilnehmen können. Finanziert
wird die Kinderbetreuung durch den
Förderverein des Klinikums.
Für Mütter mit psychischen Störun- Seit der Eröffnung sind die beiden Zim- „Das funktioniert sehr gut“, freut sich
gen nach einer Geburt bietet die Kli- mer durchgehend belegt. „Der Bedarf Dr. Pietsch. Gut funktioniert auch die
nik für Psychiatrie und Psychothera- ist da, zumal bisher nur wenige Kliniken für alle, Personal und andere Patienten,
pie jetzt eine neue Behandlungsmög- ein solches Angebot machen“, erklärt ungewohnte Anwesenheit von Babys
lichkeit an: In zwei dafür eingerichte- Oberärztin Dr. Uta Pietsch. „Deshalb und Kleinkindern auf einer psychiatri-
schen Station. „Wir sind überrascht, wie
gut das allen tut“, so Pietsch.
Aufgenommen werden vor allem Müt-
ter mit Kindern bis zu einem Jahr, in
Ausnahmefällen auch mit Kleinkindern.
Durchschnittlich sechs bis acht Wochen
dauert die Behandlung. „Da die Frauen
häufig noch stillen, arbeiten wir nur zum
Teil mit Medikamenten und entspre-
chend unserer Schwerpunktsetzung
verstärkt mit psychotherapeutischen
Maßnahmen“, erläutert Dr. Uta Pietsch.
Das nehme zwar etwas mehr Zeit in An-
spruch, aber der Erfolg sei dafür auch
dauerhaft.
Unter den Patientinnen sind viele Frau-
en mit psychischen Vorerkrankungen,
aber auch solche, die völlig unerwartet
Beim neuen stationären Behandlungskonzept in der Jenaer Klinik für Psychiatrie und Psy- eine behandlungsbedürftige psychische
chotherapie versorgen die Mütter ihr Kind selbst Foto: Kempf, adpic Bildagentur Bonn
Störung nach der Geburt eines Kindes
ten Zimmern können Frauen während kommen zu uns auch Frauen aus Hes- entwickelt haben. Häufig kommen die
des Klinikaufenthaltes gemeinsam mit sen und Sachsen.“ Frauen auf Vermittlung ihrer Hebammen
ihren Kleinkindern betreut werden. Das 10 bis 15 Prozent aller Mütter erkran- zum Arzt und in die Klinik, denn diese
neue Angebot, das bisher nur in weni- ken im Wochenbett an einer Depressi- sehen am ehesten, wann Hilfe notwen-
gen psychiatrischen Kliniken zu finden on, sehr selten kann auch eine Wochen- dig ist. In der Klinik ist man bemüht, die
ist, ermöglicht eine Therapie für Müt- bettpsychose oder eine Angststörung Plätze kurzfristig und ohne lange War-
ter, die kurz nach der Geburt eine psy- auftreten. „Diesen Frauen bieten wir tezeiten zu vergeben. „Wir hoffen, dass
chische Störung entwickelt haben und eine stationäre Behandlung, bei der das wir das beibehalten können, denn so
bisher keine stationäre Betreuung Baby mit in die Klinik aufgenommen helfen wir den betroffenen Frauen am
wahrnehmen konnten, da ihre Kinder wird. Wichtig ist – die Mütter versorgen besten“, sagt Dr. Pietsch. HR
in dieser Zeit nicht versorgt waren.

Es sieht aus wie in einem normalen Zim-


mer einer Geburtsstation oder Kinder-
klinik: Freundliche gelbe Wände, neben
dem großen Bett steht ein fröhlich de-
koriertes Kinderbettchen. Ein Wickel-
tisch und ein Kinderwagen vervollstän-
digen die Einrichtung. Nebenan im „Kin-
derzimmer“ stehen Spielsachen sowie
kleine Tische und Stühlchen bereit. So
unspektakulär präsentiert sich die neue
Mutter-Kind-Behandlungseinheit der
Klinik für Psychiatrie und Psychothera-
pie am Universitätsklinikum Jena, die
auf der verhaltenstherapeutischen De-
pressionsstation entstanden ist.

www.uniklinikum-jena.de 13
Diagnostik und Therapie

EPA ist fast komplett wicklung der IT-Experten. René Alinski


und Andreas Brand haben das Narkose-
Dokumentationssystem in den OP so
Am UKJ wird effizientes Patientendaten- modifiziert, dass es weitgehend über
Touchscreen bedient werden kann. „Das
Managementsystem entwickelt ist erheblich komfortabler als die Arbeit
mit Tastatur und Maus“, ist Alinski über-
zeugt.
Die IT-Spezialisten und Mediziner aus zur EPA, der Elektronischen Patienten-
Göteborg waren sich nach dem Be- akte, sollte die wichtigsten Vitaldaten Nachdem sich das Patientendaten-Ma-
such in Jena einig, ein so gut funkti- sowie die Medikamentengaben auto- nagementsystem auf den Intensivsta-
onierendes und nahezu alle Bereiche matisch übernehmen und für die Ärzte tionen und in den Operationssälen be-
umfassendes Patientendaten-Ma- und Pflegenden jederzeit verfügbar ma- währt hat, wird es ab August auch auf
den ersten Normalstationen eingesetzt
– zunächst in der Klinik für Neurologie
und ab Anfang 2011 auch in der Klinik
für Allgemeine und Viszerale Chirurgie.
„Wenn das PDMS auch auf den konser-
vativen und operativen Normalstatio-
nen funktioniert, ist unsere elektroni-
sche Patientenakte komplett. Deren
Übertragung auf das gesamte Klinikum
ist dann nicht mehr eine Frage des ‚Wie’,
sondern nur noch des ‚Wann’. Dann ist
es möglich, alle Patientendaten – von
der Notaufnahme über die Normalstati-
on, den OP und die ITS bis zur Entlas-
sung – lückenlos elektronisch zu doku-
mentieren“, erläutert der Klinische Pro-
jektleiter des PDMS und Oberarzt an der
Klinik für Anästhesiologie und Intensiv-
Oberarzt Dr. Mark Simon erläutert den schwedischen Gästen das Patientendaten-Manage- medizin, Dr. Mark Simon. Der Nutzen ei-
mentsystem am UKJ Foto: Schröder nes alle Bereiche umfassenden Patien-
tendaten-Managementsystems für das
nagementsystem hatten sie während chen. Zunächst musste es allerdings ex- UKJ und dessen Patienten liegt auf der
ihres Deutschland-Aufenthaltes noch akt an die Bedürfnisse der Intensivstati- Hand: Die aufwändige manuelle und
nicht gesehen. „Nicht nur unsere onen des UKJ angepasst werden. Das teilweise redundante Eingabe der Pati-
schwedischen Gäste waren davon sehr ist uns in enger Zusammenarbeit von entendaten entfällt, wodurch Ärzte und
angetan, sondern auch Besucher aus IT-Spezialisten, Ärzten und Pflegenden Pflegende mehr Zeit für die Kranken-
Österreich, der Schweiz sowie aus ver- gelungen“, betont Dr. Specht. Der Ver- versorgung haben; auch Eingabefehler
schiedenen deutschen Universitäts- lauf aller relevanten ITS-Werte wird werden minimiert. Darüber hinaus wer-
und anderen großen Kliniken“, freut seither in einer Datenbank durchgän- den alle abrechnungsrelevanten Daten
sich Dr. Martin Specht. Der frühere gig elektronisch dokumentiert. automatisch erfasst. Erheblich erleich-
Oberarzt an der Klinik für Anästhe- „Nachdem das Patientendaten-Mana- tert wird auch die Erfassung und Aus-
siologie und Intensivmedizin leitet seit gementsystem auf ITS zusammen mit wertung der Daten für die medizinische
zwei Jahren die Abteilung Applikati- dem SAP-System bestens funktionierte, Forschung sowie für Jahres-, Qualitäts-
ons-Management am Zentrum für haben wir ein Narkose-Dokumentati- und Forschungsberichte.
Informations- und Kommunikations- onssystem entwickelt und damit in den
technologie des UKJ und beschäftigt letzten beiden Jahren sämtliche Ope- Und wie steht es um die Akzeptanz in
sich bereits seit Ende der 1990er Jah- rationssäle in Lobeda und in der Bach- der klinischen Praxis? „Von den Ärzten
re mit verschiedenen Aspekten der straße ausgestattet“, erläutert der Ar- und Pflegenden wurde das Patienten-
elektronischen Patientendaten-Doku- beitsgruppenleiter für Patientendaten- daten-Managementsystem von Anfang
mentation. Managementsysteme, René Alinski, und an sehr gut angenommen. Es ist leicht
weist darauf hin, dass die elektronische verständlich und arbeitet zuverlässig,
Das Patientendaten-Managementsys- Patientendaten-Dokumentation auf und wenn es Probleme gibt, bietet un-
tem (PDMS) COPRA wurde 1998 in der Programmkomponenten verschiedener sere Anwendungsbetreuung kompeten-
Intensivmedizin am UKJ eingeführt und Hersteller basiert. „Am Ende haben wir te Hilfe“, sagt Oberarzt Simon, dessen
nach der Fertigstellung des ersten Bau- ein Gesamtpaket, das optimal funktio- Mitarbeiter seit Jahren das PDMS nut-
abschnittes des Klinikumsneubaus auf nieren muss und für den Nutzer über- zen und der niemanden kennt, der zur
alle Erwachsenen-Intensivstationen sichtlich und leicht handhabbar ist.“ Papierdokumentation zurück möchte.
übertragen. „Unser Fieberkurvenmodul Diesem Ziel diente auch die jüngste Ent- mv

14 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Diagnostik und Therapie

Enorme Motivation Schwestern und Pflegern aber auch un-


tereinander ins Gespräch zu kommen.
Anwesend waren neben Familie Sänger
Patienten, Ärzte und Pflegende trafen zahlreiche Erwachsene und Kinder, die
den Jenaer Intensivmedizinern ihr Le-
sich am Tag des Intensivpatienten ben verdanken. Einer von ihnen, Max
aus Ostthüringen, war vor zwei Jahren

Ende Oktober letzten Jahres musste


Sebastian Sänger wegen eines Pneu-
mothorax, einer Luftansammlung
zwischen Lungen- und Rippenfell, ope-
riert werden. Doch die Funktion der
Lunge war auch nach der Operation
stark eingeschränkt, denn Sebastian
leidet an Mukoviszidose, einer Stoff-
wechselerkrankung, deren zähflüs-
siger Schleim vor allem die Bronchien „Es geht mir heute
schädigt. „Er musste deshalb an die so gut, wie schon
lange nicht mehr“ –
Lungenersatzmaschine angeschlossen Sebastian Sänger
werden. Das ist allerdings nur für (Mitte) mit Prof. Dr.
wenige Wochen möglich, sein Leben James F. Beck, Ober-
arzt Dr. Martin Breu-
konnte nur eine Lungentransplanta- er, Pfleger Stefan
tion retten“, erläutert Dr. Martin Breu- Reithofer und Prof.
er, Oberarzt an der Klinik für Herz- Dr. Konrad Reinhart
(v.l.) Foto: Schröder
und Thoraxchirurgie des UKJ. Sebas-
tian hatte Glück. Ende November er-
hielt er ein neues Organ. „Ohne In-
tensivmedizin wäre ich nicht mehr am genden Reha geht es mir heute so gut, in einen Teich gefallen. Obwohl bereits
Leben“, sagt der 20-jährige Student wie schon lange nicht mehr“, sagt Se- ohne Lebenszeichen, konnte der damals
aus Südthüringen unumwunden. bastian Sänger, der mit der Behandlung 7-Jährige auf der ITS gerettet werden.
in der Universitäts-Kinderklinik, an de- Im Gespräch mit seinem Arzt, dem In-
Intensivstationen haben in der Öffent- ren Mukoviszidosezentrum er seit 2004 tensivmediziner Prof. Dr. Michael Bau-
lichkeit dennoch kein gutes Image. Sie Patient ist, und auf der Intensivstation er, sahen und hörten die Anwesenden,
stehen für eine angeblich „kalte und des UKJ sehr zufrieden ist. Das ist auch welche Fortschritte er seither gemacht
seelenlose Apparatemedizin“ und gel- Sebastians Mutter: „Besonders hervor- hat. Wie der kleine Ole aus Hessen, der
ten geradezu als Sinnbild für das Ende heben möchte ich, dass unser Sohn kurz nach der Geburt in Jena an einer
des Lebens. „Zu Unrecht“, sagt der Di- nicht nur medizinisch, sondern auch schweren Sepsis erkrankte und über des-
rektor der Klinik für Anästhesiologie und menschlich ausgezeichnet betreut wird. sen Rettung der Leiter der Sektion Neo-
Intensivmedizin, Prof. Dr. Konrad Rein- Wir können über das Jenaer Klinikum natologie und Intensivmedizin der Kin-
hart. „Intensivstationen sind weder Orte, nur das Beste sagen.“ Nach der Reha derklinik, PD Dr. Axel Hübler, berichtete.
wo Ärzte auf Kosten der Patienten ihre haben die Sängers die Intensivstation
Technikbesessenheit ausleben, noch schon zweimal besucht, um den Ärzten „Der heutige Tag ist für die Patienten
sind sie kalt und seelenlos. Im Gegen- und Pflegenden zu zeigen, wie positiv und deren Angehörige mit Erinnerun-
teil, nirgendwo ist das zahlenmäßige sich Sebastians Gesundheitszustand gen an ein schreckliches Ereignis ver-
Verhältnis von Pflegenden und Patien- entwickelt hat: „Die Mitarbeiter haben bunden, aber auch an Hilfe in größter
ten so günstig wie auf den ITS – eins zu sich darüber sehr gefreut.“ Not“, sagte der Medizinische Vorstand
zwei und teilweise sogar eins zu eins. Prof. Dr. Klaus Höffken beim abendli-
Und auch der Begriff ‚Endstation’ ist „Ein solches Feedback erhalten die Ärz- chen Treffen im „Volksbad“ und dankte
unzutreffend. 85 bis 90 Prozent unse- te und Pflegenden der Intensivstatio- im Namen des Klinikumsvorstandes den
rer schwerstkranken Patienten können nen, deren Arbeit sowohl körperlich als Intensivmedizinern und -pflegenden
durch die hochspezialisierte Betreuung auch psychisch außerordentlich an- des UKJ, die jährlich mehr als 5500 Pa-
gerettet werden.“ Auch Erfolge im Kampf strengend ist, eher selten. Deshalb ha- tienten – vom Frühgeborenen bis zum
gegen die Sepsis, hier wurde in den letz- ben wir vor zwei Jahren erstmals einen Hochbetagten – betreuen. Dank sagte
ten Jahren die Sterblichkeit von 54 auf Tag des Intensivpatienten durchge- auch Pflegedirektorin Arne-Veronika
36 Prozent gesenkt, sowie zahlreiche führt“, sagt Prof. Dr. James F. Beck. Der Boock: „Unsere Mitarbeiter erfahren sel-
lebensrettende Operationen einschließ- Direktor der Universitäts-Kinderklinik ten, was aus den Patienten, um deren
lich Organtransplantationen wären ohne freute sich, dass auch am 25. Mai 2010 Leben sie tage- oder wochenlang ge-
Intensivstationen undenkbar. viele ehemalige Intensivpatienten und kämpft haben, geworden ist. Zu sehen,
„Nach einem weiteren sechswöchigen deren Angehörige in das „Volksbad“ ge- dass es ihnen wieder gut geht, ist eine
Aufenthalt auf der ITS und der nachfol- kommen waren, um mit den Ärzten, enorme Motivation.“ mv

www.uniklinikum-jena.de 15
Veranstaltungen

Patientenveranstaltungen Informationsabende Mitarbeiterfest des UKJ


für werdende Eltern

Patientenseminare am Informationsabende für werden- Das Mitarbeiterfest des Universi-


Interdisziplinären Brustzentrum de Eltern finden an jedem zweiten tätsklinikums Jena findet am
Donnerstag im Monat 19 Uhr im 4. September 2010 statt.
11. August Hörsaal und im Kreißsaal der
Alle Mitarbeiterinnen und Mitar-
Ernährung unter und nach der Universitäts-Frauenklinik in der
Therapie Bachstraße 18 statt. beiter sind herzlich eingeladen.

8. September Nächste Termine: Nähere Informationen finden Sie


Palliativstation und Hospizverein 22. Juli, 12. August, 26. August unter:
informieren über ihre Arbeit und 9. September www.uniklinikum-jena.de

Beginn jeweils 18 Uhr


im Besprechungsraum des
Interdisziplinären Brustzentrums Blockseminar der GesundheitsUni Jena: „Kompetent als Patient“
Haus 4, Erdgeschoss
Bachstraße 18
Sie lernen an vier Seminartagen:
• Wo und wie man gute Gesundheitsinformationen findet
Patientenakademie • Wie man sich erfolgreich im Internetdschungel zwischen Gesundheits-
der Klinik für Neurologie informationen, Bewertungsportalen und Versandapotheken bewegt
• Wie man Arzt-Patienten-Gespräche erfolgreich gestalten kann
8. September • Worauf es bei Entscheidungen für oder gegen eine Behandlung ankommt
Schlafstörungen
Das Blockseminar findet am 4., 11., 18. und 25. September 2010 jeweils
15. September von 9.00 bis 12.30 Uhr im Seminarraum 1 und im PC Pool im ehemaligen
Morbus Parkinson Chirurgiegebäude in der Bachstraße 18 statt.
Die Patientenakademie findet Anmeldungen sind per Email (sylvia.saenger@med.uni-jena.de) oder mittels Anmel-
jeweils von 17 bis 19 Uhr im deformular (http://www.gesundheitsuni.uniklinikum-jena.de/Blockseminare.html#)
Hörsaal 3 des Hörsaalgebäudes möglich. Für Auskünfte steht die Leiterin der GesundheitsUni Jena, Dr. Sylvia Sänger
Ernst-Abbe-Platz statt. (Tel. 03641 9 33336), zur Verfügung.

Mittwoch, 28. Juli Mittwoch, 25. August

Cholesterin im Essen – eine Ursache Vom Olymp zum heiligen Berg


für Arterienverkalkung? Leben mit fremden Organen
Prof. Dr. med. Ulrich Alfons Müller Hartwig Gauder
Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen Leiter Stabsstelle Gesundheitsmarketing

n a e r A b e n dvorlesung
Je
s 19 Uhr
Beginn jeweil Al lee 101, Hörsaal 1
be da /O st , Er la ng er
Uniklinikum Lo

16 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Service

Cafeteria

In der Cafeteria in der Magistrale des Klinikums


werden täglich drei Menüs angeboten, darunter ein
vegetarisches. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
8.00 bis 10.30 Uhr und 11.00 bis 16.30 Uhr
(Mittagstisch von 11.00 bis 15.30 Uhr)
Samstag und Sonntag
12.00 bis 16.30 Uhr

Grüne Damen und Herren


„Grüne Damen und Herren“ sind ehrenamtlich im Krankenhaus tätig. Sie nehmen sich Zeit
zum Zuhören, Plaudern, Spielen, Vorlesen und erledigen kleine Besorgungen. Wenn Sie
eine solche Unterstützung wünschen, sprechen Sie bitte die Pflegenden und Ärzte Ihrer
Station an.

Patientenbibliotheken
Die Patientenbibliothek im Klinikum Lobeda hat montags bis freitags von 10 bis 13 und 14 bis
17 Uhr geöffnet, die Patientenbibliothek in der Kinderklinik montags und donnerstags von
9 bis 11 Uhr. Außerdem besteht in den Kliniken für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, für
Psychiatrie sowie für Strahlentherapie und Radioonkologie die Möglichkeit der Buchausleihe.

Klinikseelsorge
Möchten Sie sich von einem Seelsorger betreuen lassen, wenden Sie sich bitte an:
Pastorin Barbara Sonntag Pfarrer Norbert Winter
Evangelische Klinikseelsorge Katholische Seelsorge
Tel. (03641) 932 00 56 oder 0179 8 50 30 20 (036421) 224 36 oder 0177 451 19 27

Blutspende
Die Möglichkeit zur Blutspende besteht am Institut für Transfusionsmedizin im ehemaligen
Chirurgie-Gebäude in der Bachstraße 18.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis19 Uhr und Freitag 8 bis13 Uhr
sowie jeden zweiten und letzten Samstag im Monat 9 bis13 Uhr

Wichtige Ansprechpartner
Kliniksozialdienst am UKJ Ethik-Kommission Zentrale Rufnummern
Leiter Leiterin Geschäftsstelle
Zentrale Klinikum: 9300
Tancred Lasch Dr. Ulrike Skorsetz
Tel.: (03641) 932 02 20 Tel.: (03641) 93 37 75 Empfang Lobeda: 932 08 50
0151 16 35 93 41 Pforte Bachstraße: 93 30 11
E-Mail: E-Mail:
tancred.lasch@med.uni-jena.de ulrike.skorsetz@med.uni-jena.de Öffentlichkeitsarbeit: 93 43 82

www.uniklinikum-jena.de 17
Diagnostik und Therapie

Jahre“, so Sybille Schliemann, „hat Pro-


Dermatologische Versorgung fessor Schmeller aus Lübeck den Verein
‚Ärzte helfen hautkranken Kindern in
nachhaltig unterstützen Afrika’ gegründet und sehr erfolgreiche
Projekte in Kenia gestartet. Unsere ‚So-
ciety for Dermatology in the Tropics’,
„Society for Dermatology in the Tropics“ und die etwa 70 Mitglieder zählt, bietet Wei-
ter- und Fortbildungsveranstaltungen
UKJ-Hautklinik helfen in Uganda zu tropischen Dermatosen an, die durch
die Migration, die weltweite Reisetätig-
keit und die Auslandseinsätze der Bun-
Hauterkrankungen sind weltweit auf besonders Kinder betroffen sind. „Weit deswehr längst auch in Deutschland an-
dem Vormarsch – vor allem aber in verbreitet ist außerdem die Lepra, ein gekommen sind. Wir gewähren Reise-
der Dritten Welt und in den Tropen, Krankheitsbild, das wir in Deutschland stipendien für Kollegen, die in Dritte-
wo sie wesentlich häufiger und sicht- überhaupt nicht mehr kennen und das Welt-Ländern helfen, und engagieren
sich klinisch sehr unterschiedlich ma- uns in Uganda, einem Land, wo in vie-
nifestiert. Rechtzeitig erkannt, ist die len Landesteilen zumindest eine medi-
Lepra mit den heutigen modernen Me- zinische Grundversorgung vorhanden
dikamenten, die die Weltgesundheits- ist.“ Bei Hauterkrankungen sieht es au-
organisation den Entwicklungsländern ßerhalb der Hauptstadt Kampala jedoch
seit einigen Jahren zur Verfügung stellt, wesentlich schlechter aus. Deshalb hat
zumeist heilbar. Werden die Menschen Dr. Gerold Jäger aus Würzburg bereits
jedoch nicht oder zu spät behandelt, in den 1980er Jahren begonnen, an der
kommt es zu schwersten Krankheitsbil- Mbarara University for Science and Tech-
dern, die oftmals zur Invalidität führen“, nology (MUST), im Südwesten des Lan-
betont Oberärztin Schliemann. „Dane- des, eine hautärztliche Versorgung auf-
ben gibt es aber auch alle nichtinfekti- zubauen und junge ugandische Kolle-
ösen Dermatosen, die wir auch in Euro- gen zu Dermatologen weiterzubilden.
pa kennen – Neurodermitis, Ekzeme, Inzwischen hat einer von ihnen, Dr. Grace
Restzustand eines Herpes zoster mit De-
Schuppenflechte sowie verschiedene Mulyowa, die Leitung der Einrichtung
pigmentierungen bei einem Kind blasenbildende Hauterkrankungen.“ übernommen. Die Medizinische Fakul-
Restzustand eines HerpesFoto:
zoster mit Depig-
mentierungen bei einem Kind
Hautklinik Das größte Problem im südlichen Afrika tät des UKJ hat 2005 ein Kooperations-
Foto: Hautklinik ist aber nach wie vor die HIV-Infektion. abkommen mit der MUST abgeschlos-
„Hier hat sich seit unserem letzten Sym- sen, und seither haben Dermatologen
barer als in Europa sind und ange- posium in Jena vor vier Jahren allerdings aus verschiedenen deutschen Hautkli-
sichts der klimatischen, hygienischen einiges getan. Die WHO, internationale niken, 2009 auch der Direktor der Uni-
und sozialen Verhältnisse eine beson- Pharmakonzerne und Stiftungen haben versitäts-Hautklinik Jena, Prof. Dr. Pe-
dere Herausforderung darstellen. antiretrovirale Medikamente zur Verfü- ter Elsner, dort für mehrere Wochen
„Leider erfahren diese Erkrankungen gung gestellt, so dass heute bereits vie- gearbeitet. Sie unterstützen die Ausbil-
noch immer eine viel zu geringe Auf- len afrikanischen HIV-Patienten gehol- dung der außerordentlich engagierten
merksamkeit“, sagt Dr. Sibylle Schlie- fen werden kann“, sagt Dr. Schliemann. und wissbegierigen Studenten sowie die
mann. Die Oberärztin an der Univer- Patientenversorgung in der dermatolo-
sitäts-Hautklinik Jena und Vorsitzen- Oft keine dermatologische Versorgung gischen Sprechstunde. In der Ausbil-
de der „Society for Dermatology in dung engagiert ist auch die Vereinigung
the Tropics“ gehörte zu den Organi- Die Mehrzahl der Haut-Patienten im „Apotheker ohne Grenzen“, die vor kur-
satoren des 2. Jenaer Symposiums für subsaharischen Afrika hat allerdings zem eine Ausrüstung zur Salbenherstel-
Tropendermatologie und Reisemedi- nach wie vor kaum Zugang zu wirksa- lung nach Mbarara geliefert hat, um den
zin, das am 17. April rund 100 Haut- men Salben und anderen dermatologi- vielen Menschen mit nicht lebensbe-
ärzte aus allen Teilen Deutschlands schen Medikamenten. „Mit Ausnahme drohlichen Dermatosen zu helfen. Im
sowie dem südöstlichen Afrika in Jena Südafrikas gibt es in dieser Region prak- tansanischen Moshi unterstützt die in-
zusammenführte und vor allem die tisch keine hautärztliche Versorgung. In ternationale Dermatologenvereinigung
dermatologische Versorgung im süd- vielen Ländern sind nicht mehr als ein unter anderem die Ausbildung von
lichen Afrika diskutierte. halbes Dutzend Hautärzte tätig, und die- „Health Officers“, Krankenpflegern mit
se konzentrieren sich zumeist auf die einer Fachqualifikation, die in ländlichen
Mehr als 80 Prozent der Hauterkrankun- Hauptstadt. Im großen Rest des Landes Gebieten in verschiedenen Subsahara-
gen im subsaharischen Afrika sind in- gibt es oft keinen einzigen Hautarzt. Das Ländern die Vor-Ort-Versorgung über-
fektiös. Dabei handelt es sich vor allem ist auch der Grund, warum internatio- nehmen können – auch darüber wurde
um bakterielle Dermatosen, die häufig nale und deutsche Organisationen und während des Symposiums informiert.
chronische Wunden hervorrufen, Pilz- Ärzte Hilfsprojekte initiiert haben, von „Wir alle wollen auf diese Weise die der-
infektionen und parasitäre Hauterkran- denen einige auf unserem Symposium matologische Versorgung nachhaltig
kungen wie die Krätze, von der ganz vorgestellt wurden. Anfang der 1990er unterstützen, obwohl wir selbstver-

18 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Forschung

Prof. Wolf spricht für PD Dr. Markert steht amerikanischer


AG Diabetes und Niere Fachgesellschaft ASRI vor
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft
hat auf ihrer 45. Jahrestagung in Auf ihrer Jahrestagung in Pittsburgh
Stuttgart den Jenaer Nephrologen wählten die Mitglieder der American
Professor Dr. Gunter Wolf, Direktor Society for Reproductive Immunology
der Klinik für Innere Medizin III am (ASRI) PD Dr. Udo Markert vom Univer-
UKJ, zum Sprecher ihrer Arbeitsge- sitätsklinikum Jena zum Präsidenten der
meinschaft „Diabetes und Niere“ ge- Gesellschaft. Er wird als erster Nicht-
wählt. Zentrales Thema der Arbeits- Amerikaner der 1981 gegründeten Ge-
gemeinschaft, der etwa 50 renom- sellschaft von 2012 bis 2014 vorstehen.
mierte Nieren- und Diabetesspezia- „In dieser Amtszeit möchte ich mich
listen aus ganz Deutschland ange- besonders um die Förderung des For-
hören, ist die Erforschung und Be- schungsnachwuchses auf dem Gebiet
handlung der durch die Zuckerkrank- der Reproduktionsimmunologie und
heit verursachten Nierenschäden und die weitere internationale Vernetzung
Bluthochdruck. Diese als diabetische der Fachgesellschaften bemühen“, so PD Dr. Udo Markert Foto: Szabó
Nephropathie bezeichnete Folgeer- der Immunologe Markert.
krankung des Diabetes mellitus gilt
als die häufigste Ursache für dialyse- Privatdozent Markert leitet seit zehn Jah- schen, pharmakologischen und ernäh-
pflichtiges Nierenversagen. „Die Er- ren das Placenta-Labor an der Abteilung rungsphysiologischen Fragestellungen
haltung der Nierenfunktion ist eine Geburtshilfe der Universitäts-Frauenkli- auch die Reproduktionsimmunologie, in
der wichtigsten Zielstellungen in der nik, das zellbiologische Prozesse in der deren Mittelpunkt die Erforschung der
Behandlung der Diabetespatienten“, Schwangerschaft untersucht. Dazu ge- Wechselwirkung des mütterlichen Im-
so Professor Wolf. vdG hört neben Fragen der Placentaentwick- munsystems mit den kindlichen Zellen
lung, Embryoimplantation, allergologi- steht. vdG

ständlich wissen, dass wir den enormen


Bedarf nicht decken können.“

Langer Atem erforderlich

Aber ein Anfang ist gemacht und die


Angebote der Dermatologen werden
von der Bevölkerung dankbar ange-
nommen. „Die Menschen kommen von
weit her, um ihre Hauterkrankungen
behandeln zu lassen. Denn diese sind
nicht nur unangenehm, sondern auch
stigmatisierend, weil sie häufig mit Le-
pra, Tuberkulose oder HIV assoziiert wer-
den, was zur sozialen Ausgrenzung der
betroffenen Kinder und Erwachsenen
führen kann“, erläutert Dr. Schliemann,
und verweist auf ein weiteres Vorhaben:
Es sollen Mittel eingeworben werden,
um die schlechte bauliche Situation des
Hospitals in Mbarara zu verbessern.
„Wichtig für den Erfolg eines solchen
Projektes sind ein langer Atem und Nach-
haltigkeit. Erfolgreich werden wir nur
sein, wenn wir es uns gelingt, die Men-
schen, die Ärzte und auch die Verant-
wortlichen vor Ort für unsere Vorhaben
zu gewinnen“, ist die Vorsitzende der
Society for Dermatology in the Tropics
überzeugt. mv

www.uniklinikum-jena.de 19
Diagnostik und Therapie

Hirnschlagadern, die tödliche Hirnblu-


Über die Blutgefäße zum Gehirn tungen auslösen können.“ Diese Gefäß-
wandaussackungen werden entweder
Neuroradiologie diagnostiziert und behandelt endovaskulär – innerhalb des Gefäßes
– oder von außen mit einem Clip durch
Hirn- und Wirbelsäulenerkrankungen den Neurochirurgen behandelt. Um das
Aneurysma effektiv vor einer Ruptur zu
schützen, werden mit Hilfe eines Mikro-
Viele neurochirurgische Operationen degenerative Veränderungen des Ge- katheters so genannte Coils – doppelt
galten lange als riskant. Das änderte hirns sowie der knöchernen und Weich- verdrillte Platinspiralen – in die Aussa-
sich erst im beginnenden 20. Jahrhun- teilstrukturen erstellt, die eine Diagno- ckung gebracht. „Zur Schließung von
dert – auch in Jena, wo Prof. Nikolai se und Therapieplanung ermöglichen. arterio-venösen Fisteln verwenden wir
Guleke erste Eingriffe an Hirn und Ergänzt wird die morphologische Dar- zudem flüssige Gewebekleber. Auch
Rückenmark vornahm. Schon damals stellung durch eine funktionelle Cha- Blutungsquellen im Bereich der Kopf-
und Halsweichteile, bspw. stark bluten-
de Tumoren, werden von uns auf dem
Aderwege gestoppt. Vor der Therapie-
entscheidung werten wir unsere Auf-
nahmen mit den Klinikern aus, denn die
oftmals komplizierten Gefäßerkrankun-
gen des Gehirns können nur in enger
interdisziplinärer Zusammenarbeit er-
Oberarzt Dr. Andreas folgreich behandelt werden. Durch die
Ragoschke-Schum- Möglichkeit der Mitnutzung des Hyb-
mein verschließt bei rid-OP am Herzzentrum haben wir für
einem neuroradio-
logischen Eingriff unsere Eingriffe beste Bedingungen“,
ein gerissenes Aneu- sagt Prof. Mayer, an dessen Einrichtung
rysma unter anderem fünf Oberärzte und ein
Foto: Schröder
Facharzt tätig sind. „Neben dem Gehirn
beschäftigen wir uns auch mit der Wir-
versuchte man, Tumoren und andere rakterisierung der betroffenen Hirnare- belsäule und dem Rückenmark – vor al-
Läsionen im Gehirn vor dem Öffnen ale, wie der exakten Lokalisation der lem mit Bandscheibenvorfällen, zu de-
des Schädels zu lokalisieren und die Sprach-, Seh- oder Bewegungszentren, ren optimaler konservativer oder neu-
Bildgebung immer weiter zu verbes- ihren Bahnsystemen, einem biochemi- rochirurgischer Versorgung wir mit un-
sern. „Den Durchbruch brachte aller- schen Mapping und der Hirndurchblu- serer Bildgebung beitragen. Auch hier
dings erst die Entwicklung der Com- tungsmessung. sind wir in die Therapie einbezogen, in-
puter- und Magnetresonanztomo- dem wir beispielsweise durch Nerven-
grafie in den 1970er und 80er Jah- Doch die Neuroradiologen diagnosti- blockaden und Gelenkinjektionen die
ren“, sagt Prof. Dr. Thomas Mayer, der zieren nicht nur, sie behandeln auch Er- Schmerzbehandlung an der Wirbelsäule
die Sektion Neuroradiologie am In- krankungen des Gehirns und der Wir- unterstützen. Dabei arbeiten wir eng mit
stitut für Diagnostische und Interven- belsäule mittels Katheter, wobei der Zu- dem UKJ-Schmerzzentrum zusammen.“
tionelle Radiologie des UKJ seit ihrer gang über die Blutgefäße – zumeist die Die enge Vernetzung mit den verschie-
Gründung im Jahr 2008 leitet. Leistenschlagader – erfolgt. „Zu den denen klinischen Partnern wurde auch
wichtigsten Eingriffen gehört die Besei- während des 2. Jenaer Neuroradiologie-
Die Arbeitsfelder dieses hoch speziali- tigung akuter Verschlüsse der Hirnge- Symposiums deutlich, das sich am 30.
sierten Fachgebietes, das nur an weni- fäße nach einem Schlaganfall. Innerhalb April mit Erkrankungen des Hirnstam-
gen, zumeist universitären Einrichtun- kürzester Zeit müssen Diagnose und mi- mes und der Hirnnerven beschäftigte
gen vertreten ist, sind die Bildgebung nimalintensive Behandlung durchge- und an dem etwa 200 Ärzte aus dem
und Katheterbehandlung im Bereich führt werden. Da die Verschlüsse von gesamten Bundesgebiet teilnahmen.
von Kopf, Hals und Wirbelsäule. „Wir Blutgefäßen sehr unterschiedliche Ur- „Wir wollen mit dem jährlich stattfin-
liefern vorwiegend der Neurologie, der sachen haben können, entfernen wir denden Symposium die Zusammenar-
Neurochirurgie und der Psychiatrie so- diese mit Saugern, Greifern und Bürs- beit mit den Kliniken und den nieder-
wie der Hals-Nasen-Ohren- und Augen- ten. Damit tragen wir dazu bei, mögli- gelassenen Ärzten der Region weiter
heilkunde, aber auch allen anderen che Schädigungen mit der Folge der Ar- vertiefen und ihnen unsere vielfältigen
Fachgebieten Aufnahmen des Zentralen beitsunfähigkeit, Behinderung oder Tod Kooperationsmöglichkeiten aufzeigen“,
Nervensystems sowie seiner Gefäße und in Grenzen zu halten“, betont Prof. May- betont Prof. Mayer. „Eine gute Gelegen-
Hüllen von höchster Qualität“, erläutert er. „Wir entfernen aber auch vorbeu- heit, die gesamte Breite unserer thera-
Prof. Mayer. Mit der Computer- und Ma- gend Gefäßengstellen mit verschiede- peutischen Aktivitäten sowie spezielle
gnetresonanztomografie werden zwei- nen Stents, verschließen Blutungsquel- neuroradiologische Techniken kennen
und dreidimensionale Bilder von Tumo- len und behandeln Gefäßmissbildun- zu lernen, boten auch unsere Work-
ren, Entzündungen, Verletzungen und gen. So versorgen wir Aneurysmen der shops, die großen Zuspruch fanden.“ mv

20 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Forschung

gerten Biomaterialien erhoben werden,


Mehr, schneller, sicherer: ist auch ein Ziel des Deutschen Bioban-
kenregisters. Die Vernetzung der Viel-
Herausforderung Biomaterialbanken zahl bestehender kleinerer Biomaterial-
sammlungen soll den Informations-,
Biobank-Experten trafen sich am UKJ Erfahrungs- und Probenaustausch zwi-
schen den Forschern in Deutschland
fördern.
Dr. Kiehntopf leitet das vom BMBF ge-
Das Universitätsklinikum Jena war am anhand eines zweidimensionalen Bar- förderte Projekt Biobanken-Register in
14. und 15. Juni Gastgeber des Ar- codes ausgewählt und in eine Schleuse der TMF-Arbeitsgruppe: „Das Register
beitsgruppentreffens der deutschen gebracht. Dann können die Röhrchen wird dazu beitragen, die deutschen Bio-
Biobank-Spezialisten. Die in der Tech-
nologie- und Methodenplattform für
die vernetzte medizinische Forschung
(TMF) organisierten Experten für die
Lagerung und Handhabung von Bio-
materialproben lernten dabei auch die
Jenaer Sepsis-Probenbank kennen.

„Dabei handelt es sich um die erste voll-


automatisierte -80°C-Biobank mittlerer
Größe, mit der bis zu 500.000 Proben
von 0,2 bis 0,5 ml unter standardisier-
ten Bedingungen aufbewahrt und ge-
handhabt werden können“, erläutert Dr.
Michael Kiehntopf. Der Mediziner und
Biochemiker ist Mitglied im Vorstand der
TMF und leitet die Sepsis-Probenbank
am Jenaer Uniklinikum.
Die neue Probenbank wird mehrere Tau- Proben-Tray mit Barcode-markierten Röhrchen Foto: Schröder
send Serum-, Plasma und Blutproben
von Patienten mit Sepsis aufnehmen, die in gefrorenen Zustand entnommen wer- banken national wie international bes-
in Jena zurzeit noch in konventionellen den, bis zu 200.000 Proben in 48 Stun- ser sichtbar zu machen, und es wird die
Tiefkühlschränken aufbewahrt werden. den. Das ist um ein Vielfaches schneller Forscher dabei unterstützen, gemein-
Darüber hinaus werden hier auch alle als geübte Laborassistenten das könn- sam Qualitätsstandards für Biobanken
Proben aus den aktuell laufenden Stu- ten. Für die Konstrukteure ist das rei- zu entwickeln.“ Zurzeit umfasst eine
dien und geplanten Projekten auf dem bungslose Funktionieren der mecha- Vorstufe des Registers 26 Biomaterial-
Gebiet der Sepsisforschung gesammelt nischen Antriebe und Führungen bei banken, vom Kompetenznetz Demen-
und eingelagert. Die Mediziner müssen -80°C eine echte Herausforderung. zen in Bonn bis zur Ulmer Kinderdiabe-
ein Vielfaches an Patientenproben er- Neben der Geschwindigkeit und der Ge- tes-Biobank.
fassen und auswerten, um zum Beispiel nauigkeit sichert das in Jena realisierte
durch das Screening von Risikopatien- Konzept, dass die in der Bank verblei- Ethische und juristische
ten und den Abgleich mit dem Verlauf benden Proben keiner größeren Tem- Fragestellungen
der systemischen Infektion die Entwick- peraturänderung ausgesetzt sind, wie
lung einer Sepsis frühzeitig zu erfassen das bei der Aufbewahrung in konventi- Einen dritten Schwerpunkt des Arbeits-
bzw. Warnhinweise auf Organversagen onellen Tiefkühlschränken häufig der treffens stellten die rechtlichen und ethi-
oder andere Komplikationen zu identi- Fall ist. „Schon kleine Temperatur- schen Rahmenbedingungen dar, die für
fizieren. schwankungen können Veränderungen die Aufbewahrung und Auswertung
in Probenbestandteilen bewirken“, so von Biomaterialproben für Forschungs-
Vielfach schneller als Laborassistenten Dr. Kiehntopf, „durch die standardisier- zwecke gelten. Der Umgang mit diesen
te Behandlung erhöhen wir die Ver- Proben berührt persönlichkeits- und
Die vom Bundesministerium für Bildung gleichbarkeit und Verlässlichkeit der datenschutzrechtliche sowie ethische
und Forschung (BMBF) mit etwa einer Probenauswertung.“ Fragen. „Entsprechende Rechtsgutachten
Million Euro geförderte Biobank besteht und Handlungsanleitungen stellen si-
aus einem Lagersystem, in dem die Pro- Informations-, Erfahrungs- und cher, dass die Rechte der Patienten ge-
ben-Trays bei exakt -80° C aufbewahrt Probenaustausch fördern wahrt bleiben, und die klinischen For-
werden, und einer angeschlossenen scher die Sammlungen zur Entwicklung
Datenbank mit den zugehörigen Infor- Die Qualitätssteigerung von Biobanken neuer Diagnose- und Therapieansätze
mationen. Zum Auslagern bestimmter und damit die bessere Vergleichbarkeit nutzen können“, so Michael Kiehntopf.
Proben werden diese vollautomatisch von Ergebnissen, die aus den dort gela- vdG

www.uniklinikum-jena.de 21
Forschung

Visiting Professor in Harvard


Professor Werner Kaiser hält in Boston
Lehrveranstaltungen über MR-Mammografie

Der Jenaer Radiologe Professor Wer- Kaiser die umfangreichen Vorbereitun-


ner Kaiser wird im Juli eine Gastpro- gen und Einreiseformalitäten, die dem
fessur an der renommierten Harvard Antritt einer Gastprofessur in den USA
Medical School antreten. Auf Einla- vorausgehen. Nachdem der Jenaer Ra-
dung des Vorstands des Radiologi- diologe vor über drei Jahren schon
schen Zentrums wird der Spezialist für einmal an der Harvard Medical School
Magnet-Resonanz-Mammografie im zu Vorträgen vor Studenten und Ärzten
kommenden halben Jahr in Boston/ eingeladen war, wird er nun zeitweise
USA lehren und forschen. Den Schwer- an einer der weltweit renommiertesten
punkt in Prof. Kaisers Arbeit werden Medizinischen Fakultäten lehren und
Trainingskurse in der von ihm mitent- forschen. Anfang Juli geht der Flug
wickelten Brustkrebs-Diagnosetech- nach Boston an die amerikanische Ost-
nik bilden. küste. Prof. Werner Kaiser Foto: Schröder

„Sogar auf Masern und Windpocken Im Mittelpunkt der Lehrveranstaltungen, Untersuchungsmethode wagten, hat
musste ich mich testen lassen“, mit ge- Trainingskurse und Forschungsprojek- der MR-Mammografie geschadet.
spielter Empörung beschreibt Professor te, die Werner Kaiser für seinen Aufent- Professor Kaiser freut sich auf die Ar-
halt vorgesehen hat, steht natürlich die beit mit der Mammografie-Abteilung des
Magnet-Resonanz-Mammografie. Der Brighams and Women’s Hospital: „Das
studierte Chemiker und Radiologe ge- ist eine tolle Chance, die amerikani-
hört zu den Pionieren dieses Brustkrebs- schen Kollegen nicht nur von den Vor-
Eine Gastprofessur an solch einer re- Diagnostikverfahrens, das ohne ionisie- teilen der MR-Mammografie zu über-
nommierten Universität wie Harvard rende Strahlung auskommt. Schon An- zeugen, sondern ihnen auch bei dem
zu erhalten, ist eine große Ehre für fang der 80er Jahre arbeitete er in den Erwerb einer sicheren Diagnostik-Rou-
Herrn Prof. Kaiser und auch eine ex- Siemens-Werkstätten in Erlangen daran, tine zur Seite zu stehen.“
zellente Werbung für das Universi- die MR-Technologie zur Suche nach Neben den Lehrveranstaltungen und
tätsklinikum Jena. In Zeiten natio- Tumoren in der Brust zu nutzen. Kon- Kursen im Radiologischen Zentrum der
nalen und internationalen Wettbe- trastmittel machen das Gefäßsystem, Harvard Medical School ist im Oktober
werbs zwischen den Universitätskli- das der Tumor zu seiner Versorgung auf- ein großer Trainingskurs MR-Mammo-
nika dieser Welt profitiert unser UKJ baut, im Kernspinresonanz-Bild sicht- grafie geplant, an dem Ärzte aus Klini-
durch eine solche Gastprofessur in bar und verraten so Größe und Lage des ken an der gesamten Ostküste der USA
besonderem Maße, zeigt sie doch, Tumors. teilnehmen werden. Dieser Kurs ist Wer-
dass hier Forschung und Lehre auf ner Kaiser besonders wichtig: „Mein Ziel
höchstem internationalem Niveau Inzwischen ist das Verfahren soweit aus- ist es, der MR-Mammografie in den Ver-
erbracht werden. Auch darf man er- gereift, dass versierte Diagnostiker den einigten Staaten den Weg zu ebnen, die
warten, dass von einem solchen Krebs finden, sobald er eigene Gefäße Patientinnen sollen von dieser Diagnos-
Gastaufenthalt an der Harvard Me- ausbildet, etwa ab einer Größe von 3 mm tikmethode profitieren.“
dical School neue Impulse für die – lange bevor sich Metastasen ausbil-
radiologische Diagnostik in Jena den. Finden Radiologen, die sich der In dem halben Jahr seiner Gastprofes-
entstehen. Methode verschrieben haben, keine An- sur wird Professor Kaiser mehrfach kurz
Ich möchte Herrn Prof. Kaiser von zeichen im MRT-Bild, dann können sie zurück nach Jena kommen, um sein In-
ganzem Herzen guten Erfolg in For- Krebs mit 99-prozentiger Sicherheit stitut nicht aus den Augen zu verlieren,
schung und Lehre wünschen, und ausschließen. „Aber MR-Mammografie und der Familie wegen. Für die ersten
dass er aus Boston mit zahlreichen ist wie Klavierspielen, man muss sehr Tage in Boston besorgte die Fakultät
Ideen für seine weitere Tätigkeit in viel üben und zur Selbstkontrolle das eine Unterkunft. „Dann muss ich auf
Jena zurückkehrt. Schicksal der Patientinnen langfristig Zimmersuche gehen wie ein Austausch-
weiter verfolgen“, weiß Werner Kaiser. student“, und auch in diesem Satz des
Prof. Dr. Klaus Benndorf, Dekan Dass sich anfangs viele unerfahrene Di- Professors schwingt deutlich Vorfreu-
agnostiker an die neue verheißungsvolle de mit. vdG

22 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Forschung

Prof. Hochhaus leitet Dr. Tobias Christian Groh erhählt


Jenaer Universitäts-
TumorCentrum
Promotionspreis
Wechsel in der Leitung des Jenaer Tu-
morzentrums: Prof. Dr. Andreas Hoch-
haus, Direktor der Klinik für Innere Me-
dizin II, ist zum neuen Vorsitzenden des

Anlässlich des Schillertages 2010 erhielt Dr. med. Tobias Christian Groh am 25.
Juni den Promotionspreis der Medizinischen Fakultät. Ausgezeichnet wurde er für
seine Dissertation „Zur Entstehung der Schlafstadien und ihrer chronischen
Prof. Dr. Andreas Hochhaus
Foto: Schröder
Beeinflussung durch eine pränatale Glukokortikoidbehandlung zur Förderung
der Lungenreifung“. Prorektorin Prof. Amélie Mummendey und Dr. Horst Skoludek
(Freunde und Förderer der Universität Jena) gratulierten. Foto: Scheere
Vorstandes des UniversitätsTumorCen-
trums (UTC) am UKJ gewählt worden.
Der Onkologe übernimmt die Leitung
von Prof. Dr. Utz Settmacher, Direktor
der Klinik für Allgemeine und Viszerale
Chirurgie. Prof. Andreas Hochhaus wur-
de Anfang 2010 an die Friedrich-Schil-
ler-Universität Jena berufen und leitet
bereits seit Sommer 2009 die Abteilung
Hämatologie/Internistische Onkologie
der Klinik für Innere Medizin II.
„Das UniversitätsTumorCentrum bündelt
die onkologische Kompetenz am Uni-
versitätsklinikum Jena und hat die Ziel-
setzung, ein zentraler Anlaufpunkt ins-
besondere bei schwierigen Krebser-
krankungen sowohl für Ärzte als auch
Patienten zu sein“, erklärt Prof. Hoch-
haus. Das Zentrum arbeitet dabei eng
mit allen an der Behandlung von Tu-
morpatienten beteiligten Fachbereichen
und Disziplinen innerhalb des Klinikums
zusammen. „Unser Ziel ist es, diese mul-
tidisziplinäre Kooperation in Diagnose
und Behandlung weiter zu etablieren
und auszubauen“, so der Onkologe.
„Ich freue mich sehr, dass mir jetzt diese
verantwortungsvolle und spannende
Aufgabe übertragen wurde.“ HR

www.uniklinikum-jena.de 23
Forschung

Neue Ideen und gemeinsame Projekte


Jenaer Nachwuchsforscher stellten wissenschaftliche Arbeiten vor
Eine Hand voll junge Leute sitzen im Ziel des Symposiums, „außerdem erhält HPV45 E7 für untersuchte Proteine las-
schattigen Hof des Alten Schlosses in man einen guten Überblick über die Je- sen erahnen, wie hoch spezialisiert die
Dornburg – sie sind keine Touristen naer Forschungsaktivitäten in der On- Doktorarbeiten zum Beispiel einzelne
wie einige andere Besucher, die den kologie.“ Schon zum zweiten Mal orga- zellbiologische Prozesse der Tumorent-
sonnigen Samstagnachmittag für ei- nisierte der Pathologe gemeinsam mit stehung untersuchen.
nen Ausflug hoch über die Saale ge- Forschungspartnern aus dem UKJ die
nutzt haben. Sie unterhalten sich über Doktorandenkonferenz. Entsprechend schwer fällt es der Jury
Tumor-Marker, Protein-Analysen und Vom Jenaer Weichteil-Tumor-Register nach vier Vortrags- und drei Postersit-
die letzte Party im Kassablanca. bis Raman-Spektroskopie, von akuter zungen, die besten Beiträge zu küren.
Und während im Kaisersaal Professoren
und Dozenten noch diskutieren, ob Vor-
träge in deutscher und englischer Spra-
che gleich gewertet werden sollten, und
wie sie das von der Prof. Dr. Herbert
Hartmann Stiftung zur Verfügung ge-
stellte Preisgeld von insgesamt 2000
Euro aufteilen, lässt sich der Forschungs-
nachwuchs im Hof schon das Abendes-
sen schmecken. „Die Gelegenheit zum
Fachsimpeln in den Pausen und nach
den Vorträgen ist mindestens ebenso
wichtig wie die Präsentationen selbst“,
weiß Professor Petersen, „denn dabei
entstehen neue Ideen und sogar ge-
meinsame Projekte.“ Das schätzen auch
die Doktoranden, von denen einzelne
schon zum zweiten Mal nach Dornburg
kamen, wegen der breiten Themenpa-
lette und der lockeren Atmosphäre.
Prof. Iver Petersen (M.) und die Preisträger (v.l.): Brenda Henning, Sonnhild Mittag, Thomas
Gecks, Anna Bremer, Susanne Köthe und Jan Wilde, nicht im Bild: Joana Heinzelmann
Foto: von der Gönna Endlich ist es dann soweit: Die Preisträ-
ger werden gekürt. Unter ihnen sind
Die jungen Frauen und Männer gehö- Leukämie bei Kindern bis zu afrikani- auch zwei aus der Nachmittagsrunde.
ren zu den Teilnehmern des Doktoran- schen Pflanzenwirkstoffen gegen Pros- Der Termin für das dritte Doktoranden-
den-Symposiums, das seit den Morgen- tatakrebs reichen die Themen der Vor- Symposium Onkologie im nächsten Mai
stunden im Kaisersaal stattfindet. 50 träge und Poster. Keines der gebrauch- ist schon fest gebucht, und auch die
Nachwuchswissenschaftler sind der Ein- ten Kürzel für die Fachbegriffe kommt Regularien stehen fest. Im nächsten Jahr
ladung des Interdisziplinären Zentrums mit weniger als drei Buchstaben aus: werden alle in englischer Sprache vor-
für Klinische Forschung (IZKF) gefolgt. Bezeichnungen wie DEP-1/PTPRJ oder tragen. vdG
Nachdem sie ihre Ergebnisse im Vorfeld
des Symposiums in einem Abstract zu-
sammengefasst und eingereicht hatten,
stellen sie nun ihre wissenschaftliche Ar- Preisträger:
beit vor. Für viele der jungen Frauen und
Männer aus dem Klinikum, aber auch 1. Vortragspreis (500 €): Anna Bremer, Fritz Lipmann Institut für Altersfor-
von anderen Einrichtungen der Fried- schung
rich-Schiller-Universität oder vom Beu- 2. Vortragspreis (300 €): Susanne Köthe, Institut für molekulare Zellbiolo-
tenberg ist dies die erste richtige „Kon- gie, UKJ
ferenz“, auf der sie vor einem Fachpu- 2. Vortragspreis (300 €): Jan Wilde, Institut für Biochemie II, UKJ
blikum vortragen.
Posterpreise (je 300 €):
„Wir wollen unserem Nachwuchs die Thomas Gecks, Institut für Pathologie, UKJ
Gelegenheit geben, sich auch in der Sonnhild Mittag, Institut für Biochemie II, UKJ
Präsentation ihrer Ergebnisse zu üben“, Joana Heinzelmann/Brenda Henning, Klinik für Urologie, UKJ
beschreibt Professor Iver Petersen ein

24 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


GesundheitsUni

Doch woran erkennt man vertrauens-


Nichts über mich ohne mich! würdige Gesundheitsinformationen?
Dabei helfen unter anderem folgende
Nachdenken über den informierten Patienten Fragestellungen:
- Wer sind die Autoren und wo sind die-
se tätig?
Im Falle einer plötzlichen Erkrankung Seiten des Arztes. Das hat sich grundle- - Auf welche wissenschaftlichen Quel-
stürmen auf die Betroffenen und de- gend verändert. Rundfunk, Fernsehen, len stützen sich die Informationen?
ren Angehörige zahlreiche Fragen ein, Presse und vor allem das Internet bie- - Wie aktuell und ausgewogen sind
und es sind wichtige Entscheidungen ten Patienten und deren Angehörigen diese?
zu treffen. „Doch das können wir nur, heute umfangreiche Gesundheitsinfor- - Werden gesicherte Erkenntnisse über
wenn wir gut informiert sind und mationen. den Nutzen und die Risiken von Be-
wenn wir unsere Rechte kennen und handlungen vermittelt?
wahrnehmen“, betonte die Leiterin „Hellhörig sollte man werden, wenn
der GesundheitsUni Jena, Dr. Sylvia hundertprozentige Heilungsverspre-
Sänger. „Schließlich geht es um mich. chen gegeben und vollständig neben-
Wie viel Kompetenzen brauchen Pa- wirkungsfreie Therapien angepriesen
tienten?“, fragte sie während der Je- werden oder wenn sogar zum Abbruch
naer Abendvorlesung am 26. Mai. der ärztlich verordneten Therapie gera-
ten wird. Übrigens: Awards – Preise und
„Gemäß dem Grundsatz ‚Nichts über Auszeichnungen – müssen kein Beweis
mich ohne mich!’ hat jeder Mensch das für die Qualität einer Website sein, denn
Recht, über sein Leben selbst zu bestim- häufig genug sind diese nicht das Er-
men, und das gilt auch bei Entschei- gebnis eines strengen Auswahlverfah-
dungen über seine Gesundheit. Doch rens, sondern das Produkt der Fantasie
wie steht es um unsere Patientenrech- der Website-Betreiber. „Auch sympa-
te?“, fragte die Jenaer Gesundheitswis- thisch wirkende ‚Experten’, hervorra-
senschaftlerin. Ein Patientenrechtege- gende Benotungen, häufige Verweise
setz gibt es in Deutschland (noch) nicht, Dr. Sylvia Sänger leitet die GesundheitsUni
auf eine bestimmte Seite oder deren
im Koalitionsvertrag wurde jedoch fest- Jena Foto: privat hunderttausendfacher Aufruf bürgen
gelegt, ein solches noch in dieser Le- nicht zwingend für Qualität. Vorsichtig
gislaturperiode auf den Weg zu brin- Sind wir deshalb besser informiert? sollte man auch bei Internet-Foren und
gen, betonte unlängst der Patienten- Zweifellos, allerdings ist es oftmals nicht Chatrooms sein“, sagte Dr. Sänger, die
beauftragte der Bundesregierung, Wolf- einfach, sich in dieser Informationsflut den Zuhörern zahlreiche praktische
gang Zöller. „Dennoch haben die Pati- zurechtzufinden und Seriöses von we- Tipps für eine effektive Internet-Recher-
enten umfangreiche Rechte. Dazu ge- niger Seriösem zu unterscheiden. Dr. che gab und darauf verwies, dass eine
hört die freie Arztwahl ebenso wie das Sänger verwies auf verschiedene Inter- ausführliche Checkliste zur Beurteilung
Recht, nach den neuesten medizini- net-Seiten, die unabhängige und seriö- der Qualität medizinischer Laien-Infor-
schen Erkenntnissen behandelt zu wer- se Gesundheitsinformationen anbieten mationen auf einer gemeinsamen Web-
den oder eine Zweitmeinung einzuho- und auf einem Patientenmerkblatt so- site der Bundesärztekammer und der
len. Die Patienten müssen in die Behand- wie der Homepage der GesundheitsUni Kassenärztlichen Bundesvereinigung
lung einwilligen und über alle medizi- (www.gesundheitsuni.uniklinikum- (www.patienten-information.de/
nischen Maßnahmen, deren Nutzen, jena.de/Gesundheitslinks) zu finden wegweiser-fuer-nutzer/infoqualitaet)
mögliche Risiken sowie alternative Be- sind. Dazu gehören beispielsweise die zu finden ist.
handlungsmöglichkeiten aufgeklärt Internet-Seiten von mehr als 150 medi-
werden. Sie haben außerdem das Recht, zinischen Fachgesellschaften und Kom- Sylvia Sänger machte den Anwesen-
ihre Patientenunterlagen einzusehen petenznetzen mit aktuellen und quali- den Mut, sich selbst zu informieren,
und zu kopieren. Gibt es Probleme, be- tativ hochwertigen Informationen zu um Experte in eigener Sache und dem
steht die Möglichkeit, sich an Gutach- den unterschiedlichsten Erkrankungen. behandelnden Arzt ein kompetenter
ter und Schlichtungsstellen zu wenden“, Eine sehr gute Auskunftsstelle bei me- Gesprächspartner zu werden, denn
erläuterte Dr. Sänger einige der wich- dizinischen und rechtlichen Fragen ist auch die beste Information aus den
tigsten Patientenrechte, die – Stichwort auch die unabhängige Patientenbera- Medien oder dem Internet kann das
Patientenverfügung – bis an unser Le- tung Deutschland, die man kostenfrei vertrauensvolle Gespräch mit dem Arzt
bensende reichen. über ein Beratungstelefon und im In- nicht ersetzen: „Fragen Sie nach, wenn
ternet erreichen kann. Im Netz vertre- Sie etwas nicht verstanden haben,
Doch der heutige Patient verfügt nicht ten sind auch zahlreiche Selbsthilfe- und verschweigen Sie auch ihre Ängs-
nur über umfassende Rechte, sondern gruppen, die kompetent über eigene te und Sorgen nicht. Vor allem aber
auch über nie da gewesene Informati- Krankheitserfahrungen berichten und entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem
onsmöglichkeiten. „Bis weit hinein in Patienten zahlreiche Tipps und die Mög- Arzt über Ihre Behandlung – gemäß
das 20. Jahrhundert lag das Informati- lichkeit geben, sich mit anderen Betrof- dem Grundsatz: Nichts über mich
onsmonopol nahezu ausschließlich auf fenen auszutauschen. ohne mich!“ mv

www.uniklinikum-jena.de 25
GesundheitsUni

zahlreiche Bewegungen des Kopfes und


Homo sedens oder Homo mobile? des Halses; gut beweglich ist auch die
Lendenwirbelsäule, allerdings vor allem
Nur regelmäßige Bewegung kann das in der Vor- und Rück- und weniger in
der Seitenbeuge. Am wenigsten beweg-
Muskel-Skelettsystem fit halten lich ist die Brustwirbelsäule. Hier wäre
eine gute Beweglichkeit sogar kontra-
produktiv, weil sie den Brustkorb mit den
„Der Homo sapiens wurde als Homo medizinische und rehabilitative Leistun- Atmungsorganen halten muss“, erläu-
mobile, als sich bewegender Mensch, gen, zwei Drittel auf indirekte Kosten wie terte Prof. Smolenski. Die Haltungs- und
‚konzipiert‘ – unser gesamter Körper Arbeitsausfallzeiten, Lohnfortzahlungen Bewegungskontrolle wird durch das
ist auf Bewegung ausgerichtet. Doch usw. Allein diese Zahlen unterstreichen, vestibuläre (Innenohr), das visuelle und
wohin haben wir uns vor allem in den wie wichtig eine effektive Prävention das akustische System gewährleistet,
aber auch das taktile und das kinästhe-
tische System (zuständig für fließende
Bewegungen) spielen im Alltag eine
wichtige Rolle.

Muskel-Skelettsystem in seiner
Gesamtheit betrachten

Erkrankungen des Muskel-Skelettsys-


tems sind individuell sehr unterschied-
lich. Sie werden häufig durch eine myo-
fasciale Dysbalance, ein Ungleichge-
wicht im Zusammenwirken von Musku-
latur und Sehnen ausgelöst, und ver-
schwinden in den meisten Fällen von
selbst. Sie können aber auch durch Tu-
moren, Frakturen, neurologische Pro-
bleme oder Abnutzungserscheinungen
an der Wirbelsäule und den Bandschei-
Dreidimensionales Rückentraining und geführtes Kraft-Koordinationstraining stärken die
Muskulatur Fotos: UKJ ben hervorgerufen werden. Allerdings
gibt es Menschen, die trotz massiver Ab-
letzten Jahrzehnten entwickelt – zum ist“, betonte Prof. Smolenski und ver- nutzungszeichen keine Rückenschmer-
Homo sedens, einem überwiegend sit- wies auf die Bone and Joint Decade, die zen haben, während andere selbst bei
zenden Menschen. Damit aber wer- die Weltgesundheitsorganisation für die geringsten Veränderungen intensive
den an unsere Gelenke, unsere Mus- Jahre 2000 bis 2010 ausgerufen hat, Schmerzen empfinden. Schließlich, so
kulatur und unsere Wirbelsäule völ- um Erkrankungen des Muskel-Skelett- Prof. Smolenski, können auch psychia-
lig andere Anforderungen gestellt, auf systems noch stärker in das öffentli- trische Krankheitsbilder zu körperlichen
die die Evolution in einem so kurzen che Bewusstsein zu rufen und die For- Beschwerden führen. Neben dieser So-
Zeitraum nicht reagieren konnte. schungsanstrengungen weiter zu inten- matisierung stellt die Chronifizierung,
Vielleicht wird sich der menschliche sivieren. Dazu gehört vor allem die Su- die dauerhafte Wahrnehmung von
Körper in einigen Tausend Jahren per- che nach den Ursachen der Erkrankun- Schmerzen, Patienten und Ärzte vor gro-
fekt an diese Entwicklung angepasst gen, die bspw. bei annähernd 90 Pro- ße Probleme. Das geht oft mit einem
haben, doch das ist für diejenigen, die zent aller Rückenschmerz-Patienten Schmerzvermeidungsverhalten und
heute an Erkrankungen des Muskel- unbekannt sind. „Wir wissen allerdings, zunehmender körperlicher Inaktivität
Skelettsystems leiden, nur ein schwa- dass vor allem Bewegungsarmut und einher, was die Muskeln verkümmern
cher Trost“, sagte Prof. Ulrich Smo- Übergewicht aber auch Nikotinabusus und die Gelenke versteifen lässt. Ein Teu-
lenski während der Jenaer Abendvor- zu den beeinflussenden Faktoren gehö- felskreis, der nur durch einen multimo-
lesung „Rückgrat zeigen. Bewegung, ren“, betonte der kommissarische Direk- dalen biopsychosozialen Therapiean-
die gesund ist“. tor des Instituts für Physiotherapie, der satz, der das Muskel-Skelettsystem in
ausführlich über den Aufbau und die seiner Gesamtheit betrachtet, durchbro-
Erkrankungen des Muskel-Skelettsys- Funktion des Muskel-Skelettsystems in- chen werden kann.
tems verursachen allein in Deutschland formierte. Einem System, dem es gelingt,
Kosten von etwa 26 Milliarden Euro pro zwei Gegensätze – Mobilität und Stabi- Verhaltensänderung ist entscheidend
Jahr, Rückenschmerzen – vier von fünf lität – nahezu perfekt zu vereinen. „Da-
Menschen sind im Laufe ihres Lebens ran hat die Wirbelsäule einen erhebli- Dafür, dass es gar nicht soweit kommt,
davon betroffen – schlagen mit cirka chen Anteil, und das verdeutlicht bereits kann jeder Einzelne etwas tun. „Das be-
dreieinhalb Milliarden zu Buche. „Etwa ihr Aufbau: Die Halswirbelsäule ist au- ginnt bereits mit der Einrichtung des
ein Drittel dieser Kosten entfallen auf ßerordentlich flexibel und ermöglicht Arbeitsplatzes nach ergonomischen

26 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


GesundheitsUni

Gesichtspunkten. Noch wichtiger als


diese Verhältnismodifikation ist jedoch
die Verhaltensmodifikation im Sinne ei- Mildaer Schüler besichtigen OP
ner körperlichen Aktivierung und Kon-
ditionierung, denn unser Muskel-Ske-
lettsystem braucht zum Erhalt seiner
Leistungsfähigkeit und zur Vorbeugung
gegen degenerative Prozesse vor allem
Bewegung, und die fängt bereits im All-
tag an – öfter zu Fuß gehen statt Auto-
fahren, Treppensteigen statt die Roll-
treppe oder den Fahrstuhl nutzen“,
empfahl Prof. Smolenski. „Patentrezep-
te gibt es nicht, es gibt aber vielfältige
Möglichkeiten, sich zu bewegen und
damit seinem Rücken und dem gesam-
ten Muskel- Skelettsystem etwas Gutes
zu tun. Das muss nicht mit einem rie-
sigen Aufwand verbunden und auch
nicht teuer sein. Bewegung an der fri-
schen Luft ist genauso wertvoll wie das
Training in einem Fitnessstudio.“ Im zentralen Operationstrakt des Universitätsklinikums Jena zeigten Mitarbei-
Allerdings sollte man wissen: Auch zu ter der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am 17. April Schülern
viel oder falsches Training kann zu Pro- aus Milda, wie Patienten auf Operationen vorbereitet werden. Die etwa zwan-
blemen führen. Vor allem bei jüngeren zig Mädchen und Jungen der 6. Klasse waren im Rahmen ihres Projektes
Menschen, so Prof. Smolenski, beob- „Mensch: Körper und Geist“ nach Lobeda gekommen. Neben der Besichti-
achten die Mediziner, dass diese ihren gung, für die sie natürlich OP-Kleidung tragen mussten, konnten die Schüler
Körper durch übermäßiges Training auch Erste-Hilfe-Maßnahmen trainieren, hygienische Händereinigung erler-
bisweilen sogar schädigen. Das beginnt nen, etwas über Blutdruck- und EKG-Messungen erfahren und Berufsbilder
bereits beim Muskelkater, der offen- in der Krankenpflege kennen lernen. Foto: UKJ
sichtlich doch nicht – wie jahrzehnte-
lang vermutet – von einer überhöhten
Milchsäurekonzentration im Muskel Schwimmen (allerdings nicht aus- Aktivitäten Spaß machen, dass sie viel-
herrührt, sondern wahrscheinlich durch schließlich Brustschwimmen), Radfah- seitig sind und regelmäßig – zwischen
Mikrotraumen in der Muskulatur, feins- ren und Skilanglauf. Nicht zu empfeh- ein- und dreimal wöchentlich – betrie-
te Muskelfaserrisse, hervorgerufen wird. len sind Disziplinen mit einem hohen ben werden. „Denn der Mensch ist auch
Krafteinsatz und heftigen Drehbewe- im beginnenden 21. Jahrhundert ein
Und welche Sportarten sollten/können gungen wie Kraft- oder Kampfsportar- Homo mobile“, sagte Ulrich Smolenski,
Menschen mit Rückenproblemen be- ten. Auch bei Spielsportarten sollte man „und schon Sokrates wusste: ‚Wer die
treiben? „Als rückenfreundlich gelten vorsichtig sein“, betonte Prof. Smo- Welt bewegen will, sollte erst sich selbst
vor allem Walking, Nordic Walking, lenski. Wichtig ist, dass die sportlichen bewegen‘.“ mv

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Förderverein

Medizinstudierende küren beste Lehrveranstaltung


Die Organisatoren des Themenblocks
„Perioperative Medizin“, Dr. Katrin Pahl-
ke, Dr. Florian Setzer, Dr. Andrea Schlü-
ter, Dr. Karin Wurm, Dr. Ole Bayer und
Prof. Dr. Michael Bauer von der Klinik
für Anästhesiologie und Intensivmedi-
zin wurden am 23. Juni mit dem Janus-
Cornarius-Lehrpreis ausgezeichnet. Der
von der Fachschaft Medizin ausgelob-
te und vom Förderverein des Klinikums
gestiftete Preis ist mit 500 Euro dotiert
und wurde erstmals vergeben. Er soll
das besondere Engagement in der stu-
dentischen Ausbildung würdigen.
Benannt ist der Preis nach dem ersten
Dekan der Medizinischen Fakultät, der
zahlreiche medizinische Schriften aus
dem Altgriechischen in das Lateinische
Bei der Preisverleihung: Dr. Kathrin Pahlke (Mitte), PD Dr. Michael Hartmann (2.v.l.) und die übersetzte und diese damit für die Stu-
Verteter der Fachschaft Dominique Ouart, Luise Löwe und Isabell Woest (v.l.) Foto: Vöckler dentenausbildung nutzbar machte. vdG

Mitgliederversammlung des Fördervereins den wird. Für Herbst 2010 ist außerdem
ein Benefizfußballspiel der Patienten
S04-Trikots für die Kinderklinik der Kinderklinik gegen ihre Ärzte ge-
plant. „Der deutsche Vizemeister FC
Schalke 04 stellt Trikots mit den Auto-
Eine positive Bilanz der Arbeit des letz- dierende. „Zwei Jahre lang mit monat- grammen der Bundesliga-Profis zur Ver-
ten Jahres zog während der Mitglieder- lich 1200 Euro gefördert haben wir den fügung, die nach dem Spiel zu Gunsten
versammlung des UKJ-Fördervereins am Einsatz von Patientenlotsen in Lobeda. der Kinderklinik versteigert werden“,
27. Mai dessen Vorsitzender PD Dr. Mi- Nach dessen Verlängerung im Januar sagte der Vereinsvorsitzende, der 2011
chael Hartmann: „Erfolgreich entwickelt 2010 hat das Klinikum die Finanzierung auch eine Neuauflage des im Mai 2009
hat sich die Jenaer Abendvorlesung, die übernommen“, erläuterte Dr. Michael erstmals ausgetragenen Golfturniers
im Jahr 2009 mit acht Veranstaltungen Hartmann. plant. „Um unsere Präsenz in der Öffent-
fortgesetzt wurde und seit Anfang 2010 Der Förderung des Interesses an den Le- lichkeit weiter zu erhöhen und die In-
unter dem Dach der Jenaer Gesund- benswissenschaften dient die Unter- formation unserer 142 Mitglieder zu
heitsUni stattfindet. Eine intensivierte stützung eines einwöchigen Schüler- verbessern, arbeiten wir derzeit außer-
Werbung hat dazu beigetragen, die Be- labors für Acht- bis Zehntklässler, das in dem an einem Internet-Auftritt des För-
sucherzahlen deutlich zu steigern. Wir den Herbstferien am Klinikum stattfin- dervereins“, betonte Dr. Hartmann. mv
werden die Abendvorlesung auch wei-
terhin unterstützen und den gemeinsa-
men Imbiss in der Cafeteria finanzieren.“ Förderverein des Universitätsklinikums Jena e.V.
Erneut aktiv beteiligt hat sich der För- Vorsitzender: PD Dr. Michael Hartmann, Erlanger Allee 101, 07747 Jena
derverein an der „Langen Nacht der Wis- Tel.: 03641/9 32 54 01, Fax: 03641/9 32 54 02, E-Mail:foerderverein@uniklinikum-jena.de

senschaften“ im November 2009. Da- Ich/Wir möchte(n)


rüber hinaus unterstützt er verschiede-
Vereinsmitglied werden
ne Projekte wie das monatlich stattfin-
dende Emeriti-Treffen, den Einsatz von eine Spende in Höhe von € überweisen
Therapiehunden in den Kliniken für Psy- (Zutreffendes bitte ankreuzen)

chiatrie sowie für Kinder- und Jugend- Name, Vorname, Titel:


psychiatrie, die Einrichtung eines Kin-
derzimmers in Lobeda aber auch den Firma, Einrichtung, Verein:
Kongress der Bundesvertretung der Me- Anschrift:
dizinstudierenden Deutschlands, der im
Dezember letzten Jahres in Jena statt- Telefon: E-Mail:
fand. Seit Jahren engagiert sich der Ver-
ein zudem bei der Einwerbung von Datum: Unterschrift:
Promotionsstipendien für Medizinstu-

28 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Mosaik

Sommerfest in der Kinderklinik


Heut ist so ein schöner Tag...
schallte es lautstark aus dem Hörsaal der Klinik für Kinder- und Ju-
gendmedizin. Selbst das miese Wetter konnte die Stimmung nicht
trüben, als am 2. Juni das traditionelle Sommerfest für Patien-
ten, Personalkinder und deren Angehörige gefeiert wurde.

Das nostalgische Kinderkarussell begeisterte vor allem die Kleinsten


Foto: Kinderklinik

Dank zahlreicher Sponsoren war es uns als Erzieherinnen wieder


möglich, ein tolles Fest zu organisieren. Der Sänger „didiplay“
sorgte für gute Laune. Angesteckt durch die Fröhlichkeit der Kin-
der, eröffnete Prof. Beck unser Sommerfest. Zum kunterbunten
Programm zählten ein Zauberer, Spielemeister Mikki, der die Kin-
der zum Mitmachen animierte und die Cheerleader-Tanzgruppe.
Der Höhepunkt war zweifellos Pipeline mit ihrer Tiershow. Viele
Kinder nutzten auch die Gelegenheit, sich an den verschiedenen
Bastelständen kreativ zu betätigen, und auch im Garten ging es
trotz des nassen Wetters hoch her: Man konnte sich mit Brat-
wurst, Getränken, Eis und Kuchen stärken, und beim Torwand-
schießen, Golfbälle schlagen oder Kuhmelken war es allen Gro-
ßen und Kleinen möglich, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die
Hüpfburg mit Dach wurde zum Anziehungspunkt für alle diejeni-
gen, die sich mal so richtig austoben wollten. Aber auch das nos-
talgische Kinderkarussell für die Allerkleinsten war ein Besucher-
magnet. Eine ganz besondere Überraschung für alle kleinen Jungs
war ein Spritzenwagen der Freiwilligen Feuerwehr Jena. Hier durf-
te jeder selbst einmal Feuerwehrmann sein.

Der Nachmittag mit seinen vielen schönen Eindrücken wird ganz


gewiss allen in Erinnerung bleiben, und auch unsere Patienten
konnten den Krankenhausalltag wieder einmal für kurze Zeit ver-
gessen.

Team der Erzieherinnen


der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

www.uniklinikum-jena.de 29
GesundheitsUni

Die Richtigen für große Sprünge Nordischen Ski-Weltmeisterschaften –


kam auf einen Sprung am UKJ vorbei.
Mit Sprüngen kennt sich Edelmann aus.
Spitzensportler Tino Edelmann informierte In der Nordischen Kombination schafft
er Weiten bis 133 m.
sich über die Arbeit der GesundheitsUni
Auch die GesundheitsUni Jena möchte
große Sprünge machen, wenn es um
Einen besonderen Besucher hatte die sportler – Gewinner der Bronzemedaille Gesundheitsbildung und die Unterstüt-
GesundheitsUni am 18. Mai. Tino Edel- bei den Olympischen Spielen in Vancou- zung einer gesunden Lebensführung
mann, erfolgreicher Thüringer Winter- ver 2010 sowie weiterer Medaillen bei geht. Hartwig Gauder erläuterte dem
Sportler die Aufgaben dieser Bildungs-
einrichtung für die Bevölkerung: Wis-
sen vermitteln, gesunde Lebensweise
unterstützen und die Kompetenz der
Bürgerinnen und Bürger stärken.
Tino Edelmann, der bald in Jena studie-
ren möchte, findet diese Vorhaben au-
ßerordentlich wichtig. Für ihn als Spit-
zensportler ist es selbstverständlich,
dem Körper viel Aufmerksamkeit zu
schenken. Sein Appell: „Nicht nur Leis-
Erfolgreiche Olympia- tungssportler sollten Kenntnisse über
starter unter sich: Tino ihren eigenen Körper haben. Gesund-
Edelmann (r.) und Hart-
wig Gauder heitswissen über alle Lebensbereiche ist
Foto: Storsberg für jedermann wichtig!“
Sylvia Sänger

30 Klinikmagazin Ausgabe 3/2010


Rätselseite

4. Wann wird aus Magma Lava? 8. Welche Insel wurde im Jahr 1883

Vulkane a bei extremem Druck


b bei höchsten Temperaturen
bei der Explosion eines Vulkans zer-
stört?
c wenn es die Erdoberfläche erreicht a Krakatau
5. Wie heißt die weltweit größte Insel b Nauru
1. Wie viele aktive Vulkane gibt es welt-
vulkanischen Ursprungs? c Borneo
weit?
a ca. 150 a Grönland 9. Welcher Vulkan gilt als der aktivste
b ca. 1500 b Island Europas?
c ca. 15000 c Madagaskar a Hekla
b Stromboli
2. Welche Temperatur erreicht das Mag- 6. In welchem Jahr brach der Vesuv
c Ätna
ma? letztmals aus?
a 800 bis 1200 °C a 1260 10. Die Landschaft welcher großen asi-
b 1800 bis 2000 °C b 1899 atischen Halbinsel wird von bis zu
c mehr als 2000 °C c 1944 4800 m hohen Vulkanen, Geysiren
und Thermalquellen bestimmt?
3. Was ist Hauptbestandteil des Mag- 7. Wie heißt der höchste Vulkan Ja-
a Kamtschatka
mas? pans?
b Taimyr
a Siliciumdioxid a Yotei
c Korea
b Kohlendioxid b Unzen
c Magnesiumoxid c Fujisan (Auflösung S. 10 unten)

Who’s who?
Der heute Gesuchte fertigte in seiner un- Heft 91, Ausgabe 3/2010
terirdischen Schmiede die Attribute von Herausgeber: Klinikumsvorstand und För-
Göttern und die Waffen zahlreicher Hel- derverein des Universitätsklinikums Jena
den des griechischen Altertums: den Redaktion: Bachstraße 18, 07743 Jena
Schild des Zeus, den Bogen der Artemis, Dr. Matthias Vöckler (voecklers@aol.com)
die Pfeile für Eros und Apollon, die Ket- Helena Reinhardt, Stabsstelle Öffentlich-
te, mit der Prometheus an den Kauka- keitsarbeit
Dr. Uta von der Gönna, Öffentlichkeits-
sus gefesselt wurde, die Rüstung des arbeit Medizinische Fakultät
Ares, die Waffen und den Schild des PD Dr. Michael Hartmann, Direktor der
Achilles... terspross nahe der Insel Lemnos ins Apotheke des Klinikums und Vorsitzender
des Fördervereins des UKJ
Geboren wurde der Gott des Feuers und Meer. Zwei Meernymphen retteten den Rita Hoenicke, Pflegedienstleiterin Klinik
der Schmiedekunst, der zu den zwölf Jungen und zogen ihn auf. Sie lehrten für Kinder- und Jugendmedizin
olympischen Gottheiten gehört, als Sohn dem wegen des heftigen Sturzes Lah- Maria Lasch, Pflegedienstleiterin Klinik
für Innere Medizin, Klinik für Herz- und
des Zeus und der Hera, die den zu klei- menden die Schmiedekunst. Seine Werk- Thoraxchirurgie
nen und nicht besonders schönen Sohn stätten richtete er unter dem Vulkanon Gabriele Stoschek, Büro Medizinischer
allerdings nicht liebte. Von der Mutter ein, wo Zyklopen seine Gehilfen waren. Vorstand
vom Olymp geschleudert, fiel der Göt- (Einsendeschluss: 15. August 2010) Layout: Klinisches Medienzentrum
Satz: Matthias Vöckler
Ihre Lösung schicken Sie an die In Heft 90 suchten wir: Druck: Druckhaus Gera GmbH
Redaktionsschluss: 26. Juni 2010
Redaktion KLINIKMAGAZIN Sandro Botticelli Dieses Heft wurde überwiegend aus Mit-
Bachstraße 18 teln des Fördervereins und Werbeeinnah-
07743 Jena Laura Jahn aus Jena men finanziert und auf umweltfreund-
lichem Papier gedruckt.
oder an: voecklers@aol.com (Büchergutschein zu 40 €)
Redaktionsschluss nächste Ausgabe:
Unter den Einsendern mit der richtigen Jana Butenhoff Mitte August 2010
Lösung verlosen wir unter Ausschluss des Anja Koch Die Beiträge geben Meinungen der Auto-
Rechtsweges einen Büchergutschein im und Andreas Militzer ren wieder und müssen nicht mit der
Wert von 40 € und drei Büchergutschei- (Büchergutschein zu je 10 €) Ansicht der Redaktion übereinstimmen.
Die Veröffentlichung unverlangt einge-
ne im Wert von je 10 €, die von der Jenaer wurden als Gewinner gezogen. sandter Manuskripte liegt im Ermessen der
Universitätsbuchhandlung Thalia ge- Redaktion.
sponsert werden. Herzlichen Glückwunsch!

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