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IMPROVISATION

Improvisieren -lat improvisum- unvorhersehbar, etwas Unvorbereitetes tun- ist trotz des
Spielcharakters keine Spielerei, die ohne Vorbereitung und Übung einfach gelingt.

Nahc Robert Levine, In der Barockzeit konnten die Musiker improvisieren weil sie nicht nur gute
Instrumentalisten waren, sondern die musikalische Sprache ihrer Zeit beherrschten. Sie erlernten sie
singend, durch intensive Studien der Harmonielehre bzw. des Kontrapunkts – schon in ihrer Kindkeit
und Jugendzeit. Auch mit vielen Formen, häufig Tanzformen, waren die Musiker vertraut. Die
Musiksprache der Zeit war also Gemeingut (eine lingua franca) und erlaubte es den Musikern, leicht
und schnell miteinander zu kommunizieren.

Die Jazzmusiker pflegten in ihrer musikalischen Sprache regionale Eigenheiten, stilistisches Kolorit,
aber dennoch konnte ein Jazzmusiker aus New Orleans nach Kansas cCiity gehen oder andersrum und
sie verstanden sich. Und das war eigentlich eine einheimische Sprache, eine Art Umgangssprache. Die
waren ja in keine schule ausgebildet, sondern haben sich zusammengetan; und die Lehrlinge haben
am Beispiel der Fortgeschrittenen gelernt und konnten sich schliesslich dazu gesellen.

Die Improvisationene wurden unerwünscht weil der Begriff der Werktreue aufkam, und die
„HerausgeberAusgaben mit vielen falschen Zutaten und vorgegebenen Bogenstrichen, damit die
Laienmusiker irgendwie klarkamen, durch Urtextausgaben verdrängt wurden.

Nach Bill Evans (ausgezeichneter jazz Pianist) die Tatsache dass in der Barockzeit es keine
Aufnahmegerät gab, spielt eine sehr wichtige Rolle in der Notation. Die Improvisationen mussten
notiert werden und die Komponisten mussten mit der Zeit genauer schreiben. Nach Evans, der Jazz ist
die einzige Kunst Weise, die dieses Prozess wieder ins Leben ruft. Die Erfahrung ohne Noten zu
musizieren. Eine Minute Musik in einer Minute Zeit. Um eine Minute Musik zu komponieren, braucht
man 3 Monate.

Wenn eine gute Improvisation spielerisch, leicht, wie ohne Überlegung gespielt klingt, dann ist das
das Ergebnis langer und fundierter Arbeit. Gerade das „Unvorgesehene“ im richtigen Augenblick in
der richtigen Weise zu tun, also sensibel zu improvisieren, verlangt ein Profundes Können auf diesem
Gebiet.

Improvisieren ist lernbar, unabhängig von instrumentalen Können oder Alter des Schülers.

Nach Robert Levine, Das wichtigste ist: Schluss mit der Angst vor Risiko! Wir leben in einer Kultur, die
alle Risiken vermeiden will. Platenaufnahmen, wo alles geschnitten wird, und man hört niemlals, dass
irgendetwas daneben ging.

Die Improvisation basiert aber genau auf der gegenteiligen Haltung. Auf einer Freude am Risiko
geradezu.

Nach Joe Viera (reihe jazz, arrangement und improvisation):

Voraussetzungen (Das Gewicht, das den einzelnen Komponenten beigemessen wird, hängt vom
Instrument und vom Geschmack des Musikers ab.

1. Intuition: schwer zu beschreiben und auch zu lehren


2. Die Beherrschung des Intrumentes (Tonbildung, Skalen, Intervalle, Akkorde,
Geläufigkeit) auch in sehr tiefen und sehr hohen Lagen.

3. Jazzrhytmischer Gestaltung (Beschleunigungakzente – Swing)

4. Jazzharmonische Kenntnisse

5. Das Spiel von Jazzmelodien (transkriptionen, licks)

Interpretieren im improvisationsmodus

Warum improvisieren?

Auch wenn jeder weiss, wie die fünfte Sinfonie von Beethoven zu Ende geht. Wenn es gelingt, so
lebendig zu gestalten, dass die Zuhörer atemlos ihr Vorwissen vergessen, hat man wirklich seine
Aufgabe erfüllt.
Wenn wir interpretieren im Improvisationsmodus, machen wir die Musik lebendiger und wir erzählen
eine geschichte. Es geht also nicht nur um die Töne, es geht vor allem um die Art der Rhetorik