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Another
Country

Eine
andere
Welt

Kulturtransfers # 1
Inhalt

Zur Reihe »Kulturtransfers« 07


Vorwort 09
Övül Durmus5 oğlu: Auf der Suche nach einer anderen Welt 11
Arjun Appadurai: Globalisierung und Gewalt 19

Matilde Cassani 28
Cevdet Erek 34
Köken Ergun 38
Javier Hinojosa 42
Ashley Hunt 48
Jumana Manna 52
Dubravka Sekulić 56

On Culture Transfers 65
Preface 66
Övül Durmus5 oğlu: Searching for Another Country 67
Arjun Appadurai: Globalization and Violence 76
Impressum 80
Die Niederländer haben weltweit die größte und längste Er-
fahrung im Kampf gegen das Meer und mit Landgewinnung
im Meer. Aus diesem Grund waren niederländische Fir-
men auch federführend beim Bau der bislang ehrgeizig-
sten Projekte in dieser Hinsicht, beim Bau der künstlichen
Inselwelten in Form von Palmen und Weltkarten in Dubai. Erst nach dem
durchschlagenden Erfolg der Palm Tree Islands im Persischen Golf – finan-
ziell und hinsichtlich der weltweiten Standortwerbung, die wiederum den
Tourismus befördert – kam die niederländische Regierung Balkenende auf
die Idee, im Ärmelkanal vor Hollands Küste eine rund 50 Kilometer lange
künstliche Insel in Form einer Tulpe aufschütten zu lassen. Nicht nur die
Idee, sondern auch die Form stammt aus dem »Orient«: Erst Ende des 16.
Jahrhunderts gelangte die Tulpe aus Zentralasien und Konstantinopel zu-
nächst nach Wien, dann nach Leiden, ins heutige »Tulpenland«, wo sie die
Tulpomanie und einen ersten großen Börsencrash auslöste. Die Tulpe ist
ein Paradebeispiel für einen Kulturtransfer.
Die »Migration der Form(en)«, die transnationale Motivwanderung,
war ein wesentlicher Aspekt in Roger M. Buergels und Ruth Noacks Konzept
für die documenta 12. Beschränkt man die Untersuchung jedoch auf diese
»Migration der Form(en)«, so läuft man Gefahr, Dingen, Zeichen, Motiven,
die sich phänotypisch ähnlich sind, auch inhaltliche Korrespondenzen zu-
zusprechen: »Die Migration einer Form lässt sich historisch und ästhetisch
betrachten und beschreibt zugleich die Methode der Ausstellung, formale
Beziehungen und Verknüpfungen zwischen Arbeiten herzustellen und so
auch Bedeutungen neu zu verteilen und zu erzeugen.« (www.documen-
ta12.de/migration_der_formen.html?&L=8)
Handelt es sich bei dem Transfer der künstlichen Insel in Form einer Tul-
pe nun ausschließlich um eine Migration der Form – oder nicht vielmehr um
einen komplexen kulturellen Transfer, der sich zusammensetzt aus Konzept,
Form und Strategie? Bemerkenswert am Beispiel der künstlichen Inseln sind
die verschiedenen Verlaufsrichtungen des Transfers: Knowhow wird von Eu-
ropa in die Golfstaaten exportiert, importiert wird die Form aus Zentralasi-
en und der Türkei, Konzept und Strategie hingegen aus den Emiraten.
Abu Dhabi wiederum bringt sich in die Schlagzeilen durch einen Kul-
turtransfer besonderer Art und Größe: Auf der »Insel des Glücks« entsteht
das weltweit größte Kulturzentrum mit einem gigantischen Guggenheim-
Museum und einer Louvre-Dependance; die Entwürfe stammen von euro-
päischen, amerikanischen und japanischen Architekten – Norman Foster,
Jean Nouvel, Frank O. Gehry und Tadao Ando; die Bauarbeiter jedoch stam-
men zum größten Teil aus Südasien: Arbeitsmigranten stellen 85% der Be-
völkerung der Arabischen Emirate.
Das Beispiel der Tulpe erinnert zum einen daran, dass kulturelle Trans-
fers nicht ein Phänomen der globalisierten Welt sind, sondern dass jeder
Austausch, ja jede Begegnung zwischen Kulturen immer einher ging
und geht mit einer freiwilligen oder erzwungenen, langsamen oder
längerwährenden Übernahme von »Anderem« – von Rohstoffen bis
08 statt? In wie weit sind die »Zentren«, also Europa und Nordamerika,
dazu in der Lage, nicht nur andere kulturelle Formen, sondern auch
Techniken und Vorstellungen aufzugreifen, in die eigene Kultur zu
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hin zu Religionen, von Formen bis hin zu kulturellen Strategien. Die Tulpe integrieren und diese somit weiter zu entwickeln? Diesen Fragen spürt
erinnert zum Zweiten daran, dass es nicht nur die Industrienationen Eu- die Ausstellungsreihe »Kulturtransfers« nach: KuratorInnen und Künstler-
ropas und Nordamerikas sind, die – wie wir gerne glauben und glauben Innen aus dem In- und Ausland untersuchen exemplarisch anhand der
machen – unsere, die abendländische Kultur im weitesten Sinne in alle Migration von Formen, Gattungen und Techniken sowie unterschiedlicher
Welt exportieren. Kulturelle Transfers bereichern unsere westliche Ge- Zentrum-Peripherie-Relationen Strategien der Einverleibung aber auch des
sellschaft nicht nur, sondern prägen sie in hohem Maße: Kaffee und Tee, Ausschlusses von anderen, »fremden« Vorstellungen und Werten.
China-Restaurants und Woks, Yoga und neuerdings Ayurveda sind mehr Die Ausstellungsreihe »Kulturtransfers« kann – ähnlich wie »fragran-
oder weniger oberflächliche, mehr oder weniger bewusst wahrgenomme- ce of difference. Räume der Kunst und der kulturellen Diversität«, eine
ne Übernahmen aus anderen Kulturen, die aus unserem Alltag schwerlich Konferenz des ifa-Galerie Stuttgart im November 2008 in Stuttgart, oder
wegzudenken sind. wie eine Reihe internationaler Konferenzen zum Beispiel von apexart in
Der Schweizer Historiker Urs Bitterli stellt in »Die Wilden und die Zivi- New York, dokumentiert in dem Reader »On Cultural Influence« (apexart,
lisierten – Grundzüge einer Geistes- und Kulturgeschichte der europäisch- New York 2006) – eine schlaglichtartige Bestandsaufnahme und Analyse
überseeischen Begegnung« (München, 1976) die bis heute nachwirkende des Phänomens interkultureller Einflüsse im Zeitalter der Globalisierung
Geschichte vom Zusammentreffen verschiedener Kulturen und Lebensfor- darstellen. Die einzelnen Ausstellungen, Vorträge und Diskussionen sollen
men dar; er analysiert die inneren Spannungen, die solche Zusammentref- jedoch dazu beitragen, sich verändernde Konstellationen in unserer Gesell-
fen auslösen und die Versuche, diese intellektuell zu bewältigen. Eine Form schaft und in unserer Kultur bewusst zu machen sowie für Strategien der
der Kulturbegegnung ist die Akkulturation; sie umfasst Phänomene, die In- und Exklusion zu sensibilisieren.
aus dem direkten und dauernden Kontakt zwischen Gruppen von Indivi-
duen verschiedener Kulturen resultieren, zusätzlich der daraus sich erge- Iris Lenz
benden Übertragung von verschiedenen Verhaltensweisen, Vorstellungen, ifa-Galerie Stuttgart
Wertbegriffen und Techniken von einer Kultur auf eine andere und umge-
kehrt. Bitterli attestiert der abendländischen Kultur die Fähigkeit zur Ak-
kulturation, der selektiven Aneignung und Umsetzung fremder Einflüsse,
der Veränderung und Erneuerung, die Grundlagen jeder Entwicklung sind. »Kulturtransfers« ist die neue Ausstellungsreihe der ifa-
Zahlreiche politische, soziale und kulturelle Entwicklungen der jüngsten Galerien Stuttgart und Berlin betitelt, die verschiedene
Zeit – wie die Entscheidung der Schweizer für ein Verbot des Baus von Mi- Formen, Normen, Inhalte und Strategien kultureller Trans-
naretten im November 2009 – lassen jedoch Zweifel an der Akkulturations- ferleistungen zwischen Zentrum und Peripherie thematisiert. Schon die
fähigkeit Europas aufkommen; Europa scheint sich einerseits abzuschotten, Arbeitsweise von Institutionen wie dem Institut für Auslandsbeziehun-
andererseits sucht es sich auf dem globalen Markt als wichtiger Spieler zu gen oder der Akademie Schloss Solitude basiert auf kulturellen Transfers,
positionieren. Als eine der Herausforderungen der Globalisierung sieht der fördert, fordert, unterstützt und initiiert interkulturelle Begegnung und
Ethnologe Arjun Appadurai in »Fear of Small Numbers. An Essay on the Auseinandersetzung.
Geography of Anger« (Durham, 2006) die Definition von und den Umgang Das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. als führende deutsche Insti-
mit Minderheiten (siehe Katalog S. 72). tution im internationalen Kunstaustausch konzipiert, organisiert und för-
Globalisierung in kultureller Hinsicht fordert ein kritisches Über- dert weltweit Ausstellungen deutscher Kunst. Die ifa-Galerien Stuttgart
denken westlicher Akkulturationsfähigkeit. Obwohl oder gerade weil und Berlin präsentieren und vermitteln zeitgenössische Kunst, Architektur
wir uns als trans- oder multinational operierende Kulturschaffende und und Design aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Das ifa bringt
Kulturvermittler verstehen, die Projekte rund um die Welt initiieren und im Rahmen Auswärtiger Kultur- und Bildungspolitik Menschen aus unter-
realisieren, stellt sich uns stets die Frage nach Inklusion und Exklusion im schiedlichen Kulturen in Ausstellungen und Veranstaltungen, Stipendien-
Kunstbetrieb. In welchem Maße und in welche Richtung finden Austausch, und Austauschprogrammen sowie in internationalen Konferenzen zusam-
Übertragung und Aufnahme zwischen Zentrum und Peripherie wirklich men und initiiert somit interkulturellen Dialog und Diskurs.
Innerhalb der internationalen Landschaft der Künstlerförderung
nimmt die Akademie Schloss Solitude eine besondere Stellung ein.
Seit Eröffnung der Akademie waren Hunderte von KünstlerInnen und
10 sondern auch eine Fortsetzung von Kooperationen zwischen Institu-
tionen, die dem Kulturaustausch eine lebendige, kreative und innova-
tive Plattform bieten, befördert. Wir danken allen, die dieses Projekt
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WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt an diesem Programm beteiligt. ermöglicht haben: dem Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg,
Somit steht die Akademie Schloss Solitude im Mittelpunkt eines dichten, der Landesstiftung Baden-Württemberg, der Landeshauptstadt Stutt-
weltweiten, aus ehemaligen Stipendiaten bestehenden Netzwerkes, das gart und der Rave-Stiftung. Unser besonderer Dank gilt nicht nur Övül
sich von Jahr zu Jahr erweitert. Der Name Akademie Schloss Solitude ist Durmus5 oğlu, die dieses vielschichtige Projekt ersonnen und realisiert hat,
bereits Programm: er verbindet den Gedanken einer Akademie für den wis- sondern auch allen beteiligten KünstlerInnen für deren vertrauensvolle
senschaftlichen und künstlerischen Austausch mit dem eines Rückzugsor- Zusammenarbeit. Und wir danken allen MitarbeiterInnen im Institut für
tes. Die auf Solitude gegründete Akademie agiert in jenem Zwischenraum Auslandsbeziehungen, in der Rave-Stiftung und an der Akademie Schloss
zwischen privat und öffentlich, dort wo Kunst reflektiert und produziert Solitude, ohne deren Engagement die Realisierung dieses Projektes nicht
wird und ihren Bezug zur Öffentlichkeit findet. möglich gewesen wäre.
Es ist sinnvoll, dass die beiden Institutionen mit Hauptsitz in Stuttgart
punktuell kooperieren: Bereits in der Vergangenheit fanden sich immer Iris Lenz, ifa-Galerie Stuttgart
wieder KünstlerInnen aus Brasilien, Indien oder auch aus Deutschland – Jean-Baptiste Joly, Akademie Schloss Solitude
Alexander Pilis, Sarnath Banerjee oder Christine Meisner, um nur einige
zu nennen – sowohl im Verzeichnis der StipendiatInnen an der Akademie
Schloss Solitude als auch in der Künstlerliste der Ausstellungen des Insti-
tuts für Auslandsbeziehungen.
Es liegt nahe, dass 2010 die beiden Institutionen ein Kooperationsprojekt »Liebe ist eine andere Welt, die er nicht kannte.«
realisieren, das über die bisherigen Anknüpfungspunkte hinausgeht: Die Aka- James Baldwin
demie Schloss Solitude feiert 2010 ihr 20-jähriges Bestehen und präsentiert
sich hierzu auch explizit in und mit Kulturinstitutionen in der Stadt – unter »Ontologien der Gegenwart verlangen
anderem durch ein gemeinsames Projekt mit dem ifa, welches mit dieser Ko- Zukunftsarchäologien, nicht aber
operation die Reihe »Kulturtransfers« eröffnet. Weiterer Partner ist die im ifa Vergangenheitsvoraussagen.«
angesiedelte Rave-Stiftung, welche jungen KuratorInnen, RestauratorInnen Frederic Jameson
und KulturmanagerInnen aus Transformations- und Entwicklungsländern
die Möglichkeit bietet, Berufserfahrung zu sammeln und in Zusammenar- Ich wurde vor 31 Jahren in Ankara in der Türkei ge-
beit mit deutschen Institutionen Projekte in Deutschland zu realisieren. boren und bin Kuratorin und Autorin im Bereich
Övül Durmus5 oğlu, eine 1978 in Ankara geborene Kuratorin, hat dan- der zeitgenössischen Kunst. Ich arbeite und reise
kenswerterweise sowohl von der Rave-Stiftung als auch von der Akademie in verschiedenen Ländern Europas, darunter Schweden, Österreich, Italien,
Schloss Solitude ein Stipendium erhalten, um zu diesem Anlass die Aus- Holland und Deutschland. Außerdem habe ich Forschungsreisen in den
stellung »Another Country | Eine andere Welt« zu konzipieren und zu rea- Libanon, nach Israel, Ägypten, in die Vereinigten Arabischen Emirate und
lisieren. Die Ausstellungen in den ifa-Galerien Stuttgart und Berlin sowie Katar unternommen, um die Regionen kennenzulernen, denen gegenüber
an der Akademie Schloss Solitude werden ergänzt durch Vorträge, Diskus- die Türkei schon immer Interesse und Zugehörigkeitsgefühle entgegenge-
sionen und Publikationen mit KünstlerInnen und KuratorInnen aus aller bracht hat. Einblicke in das Arbeiten in einer Institution erwarb ich durch
Welt, die sich in bestehenden oder neuen Arbeiten mit Formen, Strategi- meine Tätigkeit an einer bekannten Kunsteinrichtung in New York. Jetzt bin
en, Chancen und Gefahren kultureller Transfers auseinandersetzen. Einige ich mit einem Rave-Stipendium in Stuttgart, um das erste Kulturtransfer-
von ihnen waren oder sind Stipendiaten an der Solitude, andere waren in Projekt des ifa zu verwirklichen.
der Vergangenheit an ifa-Projekten beteiligt, wieder andere stellen für die Zu dieser Einleitung hat mich Beatriz Colominas Vortrag »Posthuma-
Stuttgarter Kunstszene eine Neuentdeckung dar. ner Architekt« auf der kürzlich in der Akademie Schloss Solitude stattge-
Wir wünschen uns nicht nur, dass das Projekt »Another Country | Eine an- fundenen Konferenz »Design des (In-)Humanen« inspiriert. Dabei nahm
dere Welt« zu neuen Aspekten in der Reflexion von Kulturtransfers beiträgt, Colomina die Zuhörer auf eine Reise von Le Corbusier mit – auf seinem
Stammplatz im Flugzeug, dem Fenstersitz mit der Nummer Fünf. Sie
las einige seiner Notizen vor: über die Architektur des Flugzeugs, über
seine Art des Zugangs zur Welt, über seine Denkweise und wie sie
12 nes Erachtens bewegt sich der multikulturalistische Diskurs zwischen
der Idee vom Menschen als Kulturträger und dem Gedanken, dass
die Menschen eine bestimmte Kultur tragen müssen. Während die
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den Weg dafür ebnete, dass globale Architekten heute weltweit an unter- Auffassung vom Menschen als Kulturträger bedeutet, ihn als gesellschaft-
schiedlichen Projekten arbeiten. Le Corbusiers Haltung gegenüber der Welt liches, umgestaltendes Wesen zu begreifen, stellt die Idee, der Mensch
ist zwar sehr kolonialistisch, bestimmt aber auch weitgehend, wie nicht müsse eine bestimmte Kultur tragen, eine solche Umgestaltungsfähigkeit
nur Architekten, sondern Kulturschaffende überhaupt heutzutage arbei- in Abrede: »Sie impliziert, dass jeder Mensch von einer bestimmten Kultur
ten. Nach dem Vortrag erinnerte mich ein Freund an einen meiner Einträ- so geprägt ist, dass jede Veränderung oder Untergrabung dieser Kultur die
ge auf meiner Facebook-Seite: »Ich fliege, also bin ich.« So unsicher unse- Würde dieses Menschen selbst unterlaufe.«2) Seiner Meinung nach fällt
re Position auch sein mag – genauso arbeiten wir heute im Rahmen von der Multikulturalismus in dieser Hinsicht in rassistische Muster zurück.
Netzwerken; wir fliegen, wir telefonieren per Skype, wir informieren uns im Maliks Sichtweise ist nur ein Aspekt; ein anderer wird durch die gerade
Internet über das Weltgeschehen, wir machen Einträge auf Facebook, wir in der Schweiz durchgeführte Volksabstimmung gegen den Bau von Mina-
schreiben, lesen und kommentieren in der Blogosphäre. retten erhellt. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) und eine andere kleine,
Wenn wir so eng miteinander und mit jedem Ort verbunden sind, wa- religiös orientierte Partei, die vorgeschlagen hatten, die Verfassung, die ei-
rum brauchen wir in unserer globalen Welt dann überhaupt noch Kultur- gentlich Religionsfreiheit garantiert, um einen einzelnen Satz zu ergänzen,
transfer und -austausch? Der produktive Autor und Dozent Kenan Malik, mit dem der Bau von Minaretten verboten wird, errangen hier mit 57% Zu-
der sich neben vielen anderen Dingen auch mit Multikulturalismus be- stimmung einen Sieg. In einem Artikel in der New York Times heißt es dazu:
schäftigt, sagt, dass die kulturellen Unterschiede und die Produktion von »Dies ist das Ergebnis einer umstrittenen Kampagne, die aggressiv diesel-
Unterschiedlichkeit in globaler Zeit eine noch größere Massenware sind be Angst vor muslimischen Immigranten und islamischen Werten schürte,
als ein teurer Latte bei Starbucks.1) Hat die zeitgenössische Kunst einen die auch schon in anderen europäischen Ländern zu spüren war.«3) Zu den
Bildungsauftrag hinsichtlich Prozessen des Transfers und Austauschs? von der SVP eingesetzten aggressiven Strategien gehörte ein interaktives
Können wir unter diesen Umständen wirklich als Künstler, Kuratoren und Computerspiel mit dem Titel »Minarett-Attack«.
Schriftsteller arbeiten, ohne ständig durch unsere jeweiligen Identitäten, Das Ergebnis des Referendums ist wenig überraschend und deckt sich
Hintergründe und Herkunftsländer gedeutet zu werden? Wir alle sind an mit anderen Vorgängen in Europa, von denen man in jüngerer Zeit gehört
der Produktion von Unterschiedlichkeit im kulturellen Bereich beteiligt. hat. Die Dinge scheinen im Kreis zu laufen; allerdings kommt es dabei zu
Es wäre naiv, das Kulturschaffen als unpolitisch zu betrachten. Die Zu- neuen Abgrenzungen. Der Populismus bewegt sich seit einiger Zeit auf ei-
sammenhänge sind sogar noch enger geworden, seit man das Potential nem gefährlichen Gleis. Immer wieder begegnen uns hier und da neue For-
der Kultur für die Anhäufung von globalem Kapital entdeckt hat. Die Bei- men des Fundamentalismus’ und Nationalismus’, die als Reaktion auf das
spiele reichen von der durch Stadtverwalter und Bürokraten angeschobe- globale Fließen entstehen. Weltweit werden Minderheiten und Immigran-
nen Ausbreitung von Biennalen in der ganzen Welt über das Unternehmen ten zu Zielscheiben psychischer und physischer Gewalt. In Europa basieren
»Europäische Kulturhauptstadt« bis hin zum Bau der Insel Saadiyat in Abu viele Integrationsmaßnahmen immer noch darauf, dass die zu integrie-
Dhabi mit Filialen des Guggenheim Museums und des Louvres. Für einige renden Menschen anders sind. Die multikulturalistische Aufwertung der
Theoretiker ist die Globalisierung weniger eine Realität als vielmehr eine Unterschiedlichkeit scheint sich ausschließlich für die unterschiedlichen
Erzählung, mit der nicht nur unsere Geschichte, sondern auch unser gegen- ethnischen und kulturellen Werte zu interessieren; letztendlich führt das
wärtiges Leben strukturiert werden kann. Als klarer und zusammenhän- aber dazu, dass Gruppen von Menschen in stark eingeschränkten Begriff-
gender Prozess ist sie eine Ideologie. Deshalb können die oben aufgewor- lichkeiten gedacht werden. Wo die Schaffung von Unterschiedlichkeit zu
fenen Fragen nicht beantwortet werden, ohne das Gegenwärtige, die Glo- einem ideologischen Werkzeug wird, werden wir aber immer weiter von-
balisierungsideologie, die Kritik am Multikulturalismus und die Schaffung einander abgegrenzt. Der Kunsttheoretiker Terry Smith sagt, dass Unter-
von Unterschiedlichkeit als ideologischem Werkzeug zu thematisieren. schiede nicht fein sortiert auf unsere kritische Untersuchung warten und
Als Reaktion auf die Diskussion über die Frage, ob die Sheriat als brauch- führt weiter aus: »Ihr Zusammenspiel ist in erster Linie eine Wirkung der
bares Gesetz für die in Großbritannien lebenden Muslime akzeptiert wer- Welt auf uns und von uns auf die Welt. Wir alle sind vollkommen in diese
den kann, zeichnet Kenan Malik in einem Artikel auf witzige Art ein breit Prozesse eingebettet. Zu viele davon sind auf die Eliminierung des Anderen
gefächertes Bild von dem Unterschiedsdiskurs der Multikulturalisten. Sei- aus.«4) Wir können zwar historische Erklärungen zum Wie und Warum der
Gegenwart abgeben, aber keiner von uns scheint sicher zu sein, was
die Zukunft bringen wird.
Neben diesem Bild (einem von vielen) von den Gegebenheiten
14 ein Wunsch, sich andere Möglichkeiten zu erträumen als die, die wir
heute im Zusammenhang mit den zunehmenden Brüchen zwischen
Gruppen und ihren Werten erleben. »Eine andere Welt« ist die deut-
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der gegenwärtigen Zeit, das der Totalisierung widersteht, gibt es auch sche Übersetzung von Baldwins Romantitel »Another Country«. Der Titel
noch die poetische Deutung der zeitgenössischen Kultur durch Édouard verleiht der Idee zusätzliche Universalität und Allgemeingültigkeit. Für
Glissant. Ihm zufolge ist diese kulturübergreifend, kreolisiert, hybrid und mich zeigt eine Wendung wie »Eine andere Welt«, dass die bestehenden
erschafft sich tagtäglich neu als eine »Flut von Konvergenzen, die sich Modelle der gegenwärtigen Welt(un)ordnung heute nicht mehr gelten.
selbst in Gestalt von Allgemeinplätzen verbreitet.«5) Obwohl einige es als Vielleicht galten sie ja nie, sondern wir haben uns nur selbst hinters Licht
sicheren Spielplatz betrachten, kann das vielfach gebrochene Feld der zeit- führen wollen.
genössischen Kunst – in Boris Groys’ Worten die Vergegenwärtigung der Die Kartografie ist zu einer wesentlichen Praxis des alternativen Den-
Gegenwart – als einer jener Allgemeinplätze gelten, auf dem sich verschie- kens über zeitgenössische Fragen geworden. Ashley Hunt zeigt mit seiner
dene Interpretationen überschneiden. So spielt die zeitgenössische Kunst Arbeit »A World Map: In Which We See...« (Eine Weltkarte, auf der wir se-
sicherlich eine Rolle bei der Verdichtung unseres Bewusstseins von der Ge- hen ...) die Doppelbewegung der Globalisierung, bei der die Grenzen neu
genwart; das heißt, sie erinnert uns daran, dass Gegenwart mehr ist als das eingezeichnet werden, um den Fluss des Kapitals einerseits zu erleichtern,
Jetzt, dass sie eine Vergangenheit und eine Zukunft hat. Mithilfe der Kunst gleichzeitig aber die Bewegung von Menschen einzuschränken. Wo auch
kann man gegen den Strich lesen und die Schichten der kollektiven Erin- immer Hunt eingeladen ist, »A World Map« aufzuführen, ruft er freiwillige
nerung erkennen; sie zeigt uns, wie einige soziale Abwehrmechanismen in Aktivisten, Künstler und Studenten dazu auf, in Gemeinschaftsarbeit eine
Gang gehalten werden und dass hinter dem Sichtbaren immer noch mehr Karte zu erstellen. Ohne Anfang und ohne Ende funktioniert diese Karte
steckt. Gleichzeitig veranlassen uns viele Werke zeitgenössischer Kunst, als konzeptuelle Struktur, mit der die Globalisierungsmaschinerie auf fast
Unterschiede und ihre Konvergenzen neu zu denken. schwindelerregende Art und Weise offengelegt wird. Sie wirkt in jedem Zu-
»Another Country | Eine andere Welt« ist aus dem Bedürfnis hervor- sammenhang, in dem sie erscheint, anders. Für die Ausstellung »Another
gegangen, das Bewusstsein für die Gegenwart zu verdichten und eine Country | Eine andere Welt« liefert sie einen grundlegenden Parameter zu
neue imaginative Auffassung aktueller Gegebenheiten zu erzeugen. Die der Welt, über die wir reden und durch die das oben diskutierte komplexe
Ausstellung soll eine Auswahl von Arbeiten und Forschungsmaterial prä- Gegenwärtige genährt wird. In Hunts eigenen Worten »[kartiert] die Land-
sentieren, die auf vielerlei Art Aufschluss über die Schaffung und Wahrneh- karte keine Geografie oder Orte, sondern Konzepte und Ideen, die in Bezie-
mung von Unterschiedlichkeit im oben dargestellten Zusammenhang gibt. hungen, Nachbarschaften und Widersprüche zueinander gesetzt werden,
Der Titel ist von einem bekannten Roman von James Baldwin entlehnt, in die durch Wege, Reibungen und Kräfte verbunden sind.«6)
dem dieser von der Intensität persönlicher Beziehungen erzählt, die seine »Sacred interiors in profane buildings« (Heilige Räume in unheiligen
Romanfiguren nur durch Rassismus und Sexismus vermittelt erleben. Die Gebäuden) ist eine Recherche von Matilde Cassani, zu der sie durch die Pro-
Protagonisten des Romans wollen mit ihrer Suche nach Liebe überleben bleme Europas im Umgang mit nichtchristlichen Immigranten motiviert
und werden doch hart an ihre Grenzen verwiesen: an ihre Voreingenom- wurde. Sie erstellte eine Übersicht über die heiligen Orte von Muslimen,
menheit gegenüber den Anderen. Sikhs und Buddhisten in Barcelona, die sich meistens unerwartet und von
Im Kontext der Ausstellung, die eine frische und einfache Zusammen- außen nicht sichtbar in leerstehenden, ungenutzten Geschäftsräumen, Ga-
stellung von Karten- und Recherchematerial, Fotografien, Zeichnungen, ragenanbauten oder ähnlichen Gebäuden befinden. Diese Räume werden
Klangarbeiten sowie Videoinstallationen bietet, wird »eine andere Welt« entsprechend den Bedürfnissen der Religionsgemeinschaften umgestaltet.
zu einem gedachten Ort des Wandels, den wir nicht aufzusuchen wagen, Dort werden Gottesdienste und religiöse Praktiken ausgeübt. Cassanis Re-
weil wir fürchten, dort mit unseren eigenen umkämpften Begrenzungen cherche zeigt einen der wichtigen Brüche in europäischen Ländern auf, die
und Brüchen konfrontiert zu werden. Dieser Ort ähnelt Foucaults Hetero- oberflächlich Unterschiede zu tolerieren scheinen, aber tatsächlich keine
topie und öffnet eine räumliche Möglichkeit, die Grenze zwischen Konkret- Räume zur Verfügung stellen, in denen Unterschiede in der ihnen eigenen
heit und Illusion zu überschreiten. Eine Ausstellung über Kulturtransfers Form ausgelebt werden können. Darüber hinaus zeigt sie den Überleben-
in einer staatlichen Einrichtung wie dem ifa, dessen Hauptaufgabe in der sinstinkt globaler Gemeinschaften. »Sacred interiors in profane buildings«
Entwicklung von Beziehungen mit anderen Kulturen besteht, mit »Eine offenbart, wie lächerlich die Haltung hinter einem Spiel wie »Minarett-
andere Welt« zu betiteln, ist als ausdrücklicher Wunsch zu verstehen: als Attack« im heutigen Europa ist.
Zu den Hauptinteressengebieten von Köken Ergun gehört die Frage,
wie sich Identitäten in der Masse darstellen. Er dokumentiert nicht
nur die offiziellen Feierlichkeiten anlässlich des Tags der Republik in
16 aller Welt, von Mexiko City über Berlin und Istanbul bis nach Durban
anfertigte. Er spürt dabei Gegenständen, Konzepten und Gebäuden
nach, die sich in verschiedenen städtischen Zusammenhängen hier,
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Istanbul, sondern auch die Gedenkfeier für Jassir Arafat in Ramallah. Die dort und überall wiederfinden lassen. Anhand merkwürdiger Baukonstruk-
besonderen Formen dieser Darstellung werden in seinen Arbeiten nicht tionen, unfunktionaler Nebeneinanderstellungen und unsachgemäßer Ver-
wie erwartet offen abgebildet, sondern bewahren im Gegenteil ihre fast wendung von Baumaterialien fertigt Hinojosa seine eigenen plastischen
mystische Eigenheit. Eine seiner neuesten Arbeiten heißt »WEDDING« und Installationen. Er hat sich nun erstmals bereit erklärt, sein Studiomaterial
ist das Ergebnis einer ausführlichen Recherche, die als eine Art eingebet- in Form einer Installation auszustellen. Stehengelassene Transportkisten,
tet ästhetischer Journalismus bezeichnet werden könnte. In dieser Arbeit Zementsäcke, unfertige Stahlkonstruktionen und aufgestapelte Zement-
zeichnete der Künstler über einen längeren Zeitraum hinweg Hochzeiten blöcke an einer geschäftigen Straßenecke sind wiederkehrende Motive
in einer der größten türkischen Gemeinden Berlins auf, dem Bezirk Wed- seiner Arbeit: Sie gehören zu den oft übersehenen Merkwürdigkeiten in
ding, dem das Werk seinen Titel verdankt. In der 3-Kanal-Videoinstallation jedem Stadtbild und verbinden in ihrer eigentümlichen Logik verschiedene
werden die hingebungsvoll durchgeführten Hochzeitsbräuche diachro- Teile der Welt – denn in der Regel ist gar nicht auszumachen, welches Bild
nisch wiedergegeben. Die Arbeit zeigt, wie Identitätskonstruktion als re- aus welcher Stadt kommt. Diese miteinander verbunden Punkte offenba-
gelmäßige Gewohnheit im Sinne von Erhalt und Überleben zum Aufbau ren neue Geografien, die in der beschränkten, bekannten Geografie existie-
der Gemeinschaft beiträgt, ganz ähnlich, wie es in der Arbeit von Cassani ren; sie verweisen sehr subtil auf die Logik der Globalisierung, auf die sich
zum Ausdruck kommt. auch Ashley Hunt in seiner Arbeit »A World Map« bezieht.
Ich sah Jumana Mannas ambivalente und aussagekräftige Arbeit »The Cevdet Ereks Installation »Rulers« (Lineal) (2007-2009) integriert die
Song of Ascents« erstmals in einer von Friedemann Derschmidt und Karin Dimension der Zeitlichkeit in die Ausstellung »Another Country«. Der als
Schneider in Wien organisierten Ausstellung mit dem Titel »Overlapping Architekt ausgebildete Musiker und Künstler kreiert mit großer Leiden-
Voices«, in der Arbeiten palästinensischer und israelischer Künstler vorge- schaft seine eigene, sich zwischen Bild und Klang bewegende Formenviel-
stellt wurden. In dem Werk tragen fünf Palästinenser in einem disharmo- falt. Ordnungssysteme wie Muster und Bild-Raster von Skizzen und Zeich-
nischen Chor gemeinsam »The Song of Ascents« vor (Das Wallfahrtslied, nungen werden durch Ereks Fähigkeit, facettenreiche Anordnungen zu
auf Hebräisch »Shir Hama’a lot«, auf Arabisch »Nasheed Al Muraqi«), der arrangieren, miteinander verbunden. Die Ruler-Serie wurde vom Künstler
sich auf den 126. Psalm aus dem Alten Testament bezieht. Sie singen die entwickelt, um persönliche Zeitachsen zu vermessen. Die Arbeit besteht
jahrhundertealte jüdische Melodie, wobei die hebräischen Verse ins Arabi- aus vier Teilen: Als Ausgangspunkt skizzierte der Vater des Künstlers auf
sche übersetzt wurden. Ich kannte bis dahin die Bedeutung dieses Liedes für dessen Bitte sein Leben auf einer Zeitachse und markierte dabei alle be-
Christen nicht: Es wurde als Volkslied für die Vision des Weltfriedens, des na- deutenden Leistungen und Ereignisse. »Ruler I«, der erste mit arabischen
henden Tags der Erlösung adaptiert. Und ich erfuhr auch, dass die jüdische Zahlen versehene Prototyp, beinhaltet den Zeitraum von 1974 bis 2007, den
Variante eine starke zionistische Konnotation bezüglich der Rückkehr in das Erek während eines Aufenthalt in der Townhouse Gallery in Kairo erarbei-
Land Zion, also Israel, bekam. Die hier vorgetragene arabische Fassung ist tete. »Ruler 0 – Now« dient dazu, das eigene Leben vom Nullpunkt bis zum
eine Hybridversion, in der die in Jahrzehnten angehäuften Spannungen zu- jetzigen Zeitpunkt zu interpretieren. Der letzte »Ruler Coup« stellt die drei
sammenfließen. Die Arbeit lässt uns darüber nachdenken, wo und wie wir Staatsstreiche in der Zeitachse der Türkischen Republik dar. Seine Fantasie
selbst zu diesem Konflikt stehen. Wie ist dieses provokante Lied zu verste- bewegt sich kreuz und quer durch die Formen der Linearität, das Zeitmaß,
hen? Singen diese Palästinenser mit dem blauen Himmel im Hintergrund den Rhythmus und die Formen des arabischen Alphabets. Erek lädt das Pu-
und der Kamera unter ihren Füßen für ihren Traum der Befreiung von der blikum ein, die Interpretationen ihrer Lebenserfahrungen in einer anders-
anhaltenden Unterdrückung und wollen sie ihre unerfüllten Forderungen artigen Logik zu imaginieren.
an den israelischen Staat in einem Lied mitteilen, das den Israelis etwas be- Eine weitere Künstlerin der Ausstellung ist Dubravka Sekulić, die sich
deutet? Oder ist es vielleicht ein Lied der Akzeptanz? Jumana Manna weist selbst als Architektin und Forscherin bezeichnet. Sie begreift Architektur
mit ihrer Arbeit auf die Komplexität der Situation hin, die von beiden Seiten als eine kulturelle Praxis, die Veränderungen für die Zukunft auslösen
auf sehr unterschiedliche Weise vereinnahmt wird. und lenken kann. Im Rahmen der Ausstellung wird sie anhand einer sta-
Javier Hinojosas neu angelegte Topografie basiert auf Material seiner tistischen Untersuchung des Eurovision Song Contests (ESC) ein soziokul-
künstlerischen Recherche; auf Fotografien und Skizzen, die er auf Reisen in turelles Schaubild über den Nationalismus in Europa nach dem Zweiten
Weltkrieg entwerfen. Der in der Türkei noch immer sehr beliebte ESC
ist zugleich Spektakel und Plattform für den populistischen Natio-
nalismus in Europa, da die Teilnehmerländer je nach der aktuellen
18 Menge als reibungsvolle Quellen des Denkens und Produzierens zu
verwenden. Das Verständnis für die Bedeutung der Menge zeigt, dass
die Wirklichkeit nichts anderes als die Durchdringung verschiedener
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politischen Situation befreundete Länder mit ihren Stimmen unterstützen. Interpretationen ist. Demnach würde die Unterschiedlichkeit nicht tren-
Der Hintergrund dieses Schaubilds bzw. Diagramms sind Sekulićs Recher- nen, sondern befreien.
chen über die Rolle, die analoge Technologien und Standardisierungen bei
Fernsehübertragungen in der Festlegung der europäischen Grenzen spie-
len. Um einen Eindruck dieses laufenden Projekts zu vermitteln, zitiere ich 1) Kenan Malik, »Mistaken identity«, in: New Humanist, Juli/August
eine Skizze aus Sekulićs Kommentar zu ihrer Arbeit: »Länderübergreifende 2008, http://www.kenanmalik.com/top/essays.html (aufgerufen am 29.
Fernsehübertragungen waren technisch wirklich schwierig und es bestand Nov. 2009).
auch gar kein richtiges Interesse daran, da die erste und bis 1955 einzige 2) Ebd.
Sendung eine Blumenausstellung zeigte. Erst dann kam Marcel Bezençon, 3) New York Times, 1.Dezember 2009
ein für die Europäische Rundfunkunion (EBU) arbeitender Schweizer, auf 4) Terry Smith, »Introduction: The Contemporaneity Question«, in: An-
die Idee, einen europaweiten Schlagerwettbewerb ins Leben zu rufen, zu tinomies of Art and Culture, Hrsg. Smith, Enwezor et al., Durham, London:
dem jedes Land einen Kandidaten ins Rennen schicken würde. Der Wettbe- Duke University Press, 2008, S. 10–11
werb würde in allen Teilnehmerländern ausgestrahlt und die Sieger wür- 5) Zitiert nach Okwui Enwezor in: »The Postcolonial Constellation: Con-
den mit Hilfe einer Jury in jedem Land ermittelt werden. Dieses einfache temporary Art in a Permanent State of Transition« in: Antinomies of Art
Konzept nach dem Vorbild eines Wettbewerbs im italienischen San Remo and Culture, Hrsg. Smith, Enwezor et al., Durham, London: Duke University
sollte zur jährlich ausgestrahlten Sendung mit den höchsten Einschaltquo- Press, 2008, S. 207.
ten werden.« 6) Ashley Hunt, »A World Map: In Which We See...«, in: An Atlas of Ra-
Zum Abschluss dieses Textes möchte ich noch einmal auf eine der oben dical Cartography, Hrsg. Mogel, Lize/Bhagat, Alexis, Los Angeles: Journal of
aufgeworfenen Fragen zurückkommen: Ist es möglich, als zeitgenössischer Aesthetics and Protest Press, 2007, S. 145.
Künstler zu arbeiten, ohne durch die jeweilige Identität, den biografischen
Hintergrund und das Herkunftsland gedeutet zu werden? Hin und wieder
basiert eine Ausstellung auf »ausgefallenen« Nationalitäten und Regionen
– Kunst aus China, Kunst des Mittleren Ostens, Kunst aus Westeuropa. Die
Strukturen der Weltkunst beeinflussen sich gegenseitig. Die junge, zeitge-
nössische Kunstmesse in Istanbul erstellt beispielsweise – ausgehend vom Weltweit diskutiert man über die Globalisierung. Als »Globali-
regionalen Fokus der letzten Biennale – verschiedene Segmente für den sierung« bezeichnen wir eine neue (von mächtigen Informati-
Mittleren Osten und Westeuropa. Im allgemeinen Durcheinander der Welt ons- und Kommunikationstechnologien angetriebe-
realisieren wir, dass nationale Staatsstrukturen immer mehr Unterneh- ne) industrielle Revolution, die gerade erst begonnen
mensstrukturen ähneln und dass Nationalitäten nichts anderes als Marken hat. Ihre Neuartigkeit stellt unsere linguistischen
sind. Die prekäre Mobilität von Künstlern, Kuratoren und Schriftstellern, die Fähigkeiten auf die Probe, sie zu verstehen, und
aus verschiedensten Gründen fern ihrer Heimat leben und arbeiten, wur- unsere politischen Fähigkeiten, sie zu kontrollieren.
den bereits zu Beginn des Textes erwähnt. Das Problem ist nicht die Iden- In den Vereinigten Staaten und den etwa zehn reich-
tität an sich, sondern die Art und Weise, wie der multikulturelle Diskurs sten Ländern dieser Erde ist »Globalisierung« für die
an ihr als einer statischen, unveränderlichen und nicht umgestaltungsfähi- Wirtschaftseliten und deren politische Verbündete bestimmt ein positives
gen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur festhält. Der unter diesem Schlagwort. Bei Migranten, farbigen Menschen und anderen Außenseitern
Gesichtspunkt im institutionellen und nicht-institutionellen Kontext ent- (dem sogenannten »Süden im Norden«) hingegen weckt es Sorgen um ihre
standene Lesehorizont begrenzt das zeitgenössische Potenzial von Kunst- Inklusion, ihre Arbeitsplätze und ihre fortschreitende Marginalisierung. (…)
werken. Eine Selbst-Orientalisierung, die sich nur mit dem Blick auf das (…) Wir können uns noch so sehr bemühen, die Globalisierung ledig-
Andere identifiziert, läuft immer Gefahr, in einem Verständnis bestimmter lich als neue Phase (und neue Erscheinung) des Kapitalismus’, des Imperia­
Identitäten verhaftet zu bleiben, statt diese an den Allgemeinplätzen der lismus’, des Neokolonialismus’, der Modernisierung oder der staatlich be-
triebenen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung (developmen-
talism) zu betrachten. Mit einer solchen Jagd nach Analogien haben
wir vielleicht die Chance, die Bestie der Globalisierung im Gefängnis
20 mobile Identitäten, schnelllebige Kommunikations- und Transakti-
onstechnologien geben zusammengenommen – innerhalb nationaler
Grenzen wie grenzüberschreitend – Anlass zu Debatten mit neuem
21
(oder im Zoo) der Sprache zu zähmen. Darüber hinaus aber ist dieser hi- Gewaltpotential.
storisierende Schachzug (so legitim er technisch gesehen auch sein mag) Den Problemen der Globalisierung und der Gewalt kann man sich auf
genau deshalb zum Scheitern verurteilt, weil er den in seiner Neuartigkeit unterschiedliche Weise nähern. Man könnte auf die Vereinigten Staaten
verstörenden Aspekt der Globalisierung nicht erklären kann. Der Rückgriff blicken und sich fragen, ob das Wachstum der Gefängnisindustrie (und
auf die Archive früherer Weltsysteme, alter Reiche, bekannter Macht- und dessen, was manchmal als »Strafstaat« bezeichnet wird) mit der Dynamik
Kapitalformen kann uns nur bis zu einem gewissen Punkt beruhigen. Jen- regionaler Ökonomien in Zusammenhang steht, die aus humaneren For-
seits dieses Punktes bricht sich das Gefühl vieler Armer (und ihrer Verbün- men der Beschäftigung und der Wohlstandserzeugung verdrängt werden.
deten in der Welt) Bahn, die Globalisierung berge mancherlei neue Gefah- Man könnte sich nach Indonesien wenden und fragen, warum es dort eine
ren, über die uns die Märchen der Geschichte nicht hinwegtrösten können, tödliche Zunahme der innerstaatlichen Gewalt zwischen eingeborenen Be-
nicht einmal die von schlechten Menschen und bösen Weltherrschern. (…) völkerungsgruppen und staatlich geförderten Migranten gibt. Man könn-
Worin genau besteht die besagte Neuartigkeit, und warum gelingt es te den Fall Sri Lankas untersuchen und fragen, ob der endlose Bürgerkrieg
vielen Intellektuellen nicht, sie besser zu verstehen? Meines Erachtens sind tatsächlich etwas mit der globalen Diaspora von Tamilen zu tun hat, die
es drei miteinander verbundene Faktoren, die es schwer machen, die Glo- solche Ergebnisse zeitigt wie das Online-Netzwerk von Tamil Eelam, eine
balisierung nach dem Vorbild früherer Staats- und Wirtschaftsgeschichte Art von Sezession im virtuellen Raum (Jeganathan 1998). Man könnte sich
zu begreifen. Der erste Faktor ist die Rolle, die das Finanzkapital (beson- von Tschetschenien über Kaschmir bis ins Baskenland und in vielen Teilen
ders in seinen spekulativen Formen) für die heutige Weltwirtschaft spielt. Afrikas über herkömmliche Unabhängigkeitsbewegungen Gedanken ma-
Es ist schneller, multiplikativer, abstrakter und dringt ungebremster in chen und fragen, ob deren Gewalt tatsächlich rein endogen bedingt ist.
die Volkswirtschaften ein als je zuvor. Und da es in keinem direkten Ver- Man könnte nach Palästina schauen und fragen, ob die intime Gewalt des
hältnis mehr zur Warenproduktion und zu anderen Formen produktiven innerstaatlichen Kolonialismus’ heute nicht vielleicht so eng mit den Mas-
Wohlstands steht, ist es im Prinzip ein Pferd ohne zurechnungsfähigen senmedien und mit globalen Interventionen verknüpft ist, dass sie dazu
Reiter. Der zweite Grund hängt mit der besonderen Macht der informati- verdammt ist, eine bleibende Institution zu werden. Man könnte das Koso-
onstechnologischen Revolution zusammen: Die elektronischen Informati- vo oder den Irak zum Ausgangspunkt nehmen und fragen, ob denn der bru-
onstechnologien sind integraler Bestandteil der neuen Finanzinstrumente, tale Humanismus der NATO-Luftschläge die neueste Form einer biblischen
von denen viele eine technische Macht haben, die weit über die Protokolle Rache durch die bewaffneten Götter von heute darstellt. Oder man könnte
zu ihrer Regulierung hinausgeht. Ganz gleich also, ob der Nationalstaat sich mit den verängstigten Minderheiten in nationalen Räumen wie Palä-
nun im Sterben liegt oder nicht – niemand kann behaupten, das Projekt stina, Timor oder Sierra Leone identifizieren, die oft in euphemistisch als
der Volkswirtschaft (in dem erstmals von Friedrich List formulierten Sinne) »Wohnviertel« oder »Flüchtlingslager« bezeichneten Gefangenenlagern
lasse sich in der Praxis noch leicht verwirklichen. Folglich ist aufgrund be- leben, und nach der Gewalt von Vertreibung und Umsiedlung fragen.
stimmter technischer Entwicklungen auch die nationale Souveränität zu All diesen Orten und Formen der Gewalt sind einige wesentliche, globa-
einem ungewissen Projekt geworden. Drittens scheinen die mysteriösen le Faktoren gemeinsam: Die zunehmende, oftmals organisierte Gewalt ge-
oder geradezu magischen Formen des neuen Reichtums, die durch die elek- gen Frauen, notorisch durch das Taliban-Regime verkörpert, lässt sich auch
tronischen Finanzmärkte entstehen, selbst in den reichsten Ländern der in vielen Gesellschaften beobachten, die wie etwa die Vereinigten Staaten
Welt unmittelbar für die immer tiefer werdenden Gräben zwischen Reich versuchen, den ersten Stein zu werfen, obwohl häusliche Gewalt auch dort
und Arm verantwortlich zu sein. nach wie vor ein großes Problem darstellt. Das Anwerben von Kindersolda-
Noch wichtiger aber ist, dass das rätselhafte Vagabundieren des Finanz- ten, besonders in Afrika, doch auch in vielen anderen Bürgerkriegsgebieten,
kapitals von neuen Formen der Migration begleitet wird – sowohl von einer produziert Kriegsveteranen, die kaum den Zustand des Erwachsenseins,
Migration der Eliten als auch von einer Migration der einfachen Arbeitskräfte weniger noch den des Friedens kennengelernt haben. Als globalisierte
–, die für viele Migranten auf dem Welt-Arbeitsmarkt zu unvorhergesehenen Form der Gewalt gegen Kinder ist Kinderarbeit schlimm genug, der Zwang
Identitätskonflikten führen: Sie sehen sich hin- und hergerissen zwischen aber, sich in Bürgerwehren und militärischen Banden verdingen zu müssen,
ihrer Herkunft, ihrem Wohnort und ihren Zielen. Undichte Finanzgrenzen, ist eine besonders schreckliche Form der vorzeitigen Gewaltinitiation. Und
dann gibt es noch die tückischeren Formen von Gewalt, denen die
Armen dieser Welt massenhaft ausgesetzt sind, wenn sie wegen rie-
siger Staudammprojekte oder wegen Slumsanierungsprojekten von
22 ein Gewaltmonopol für sich zu reklamieren und aufrechtzuerhalten?
Sicherlich zum Teil, doch auch dieses Scheitern bedarf ebenso wie das
gleichzeitige weltweite Anwachsen »privater« Armeen, Sicherheits-
23
ihrem Wohnort vertrieben werden. Als Opfer von Wirtschaftsembargos, zonen, Berater und Bodyguards weiterer Erklärungen. Haben wir es mit
Polizeigewalt, ethnischer Mobilisierung und Arbeitslosigkeit bekommen einer weltweit grassierenden Betäubung unserer humanitären Reflexe zu
sie die Folgen der globalen Politik von Sicherheitsstaaten zu spüren. Die im tun, wie etwa Michael Ignatieff meint (2000), die auf die massenmediale
Laufe des vergangenen Jahrzehnts erfolgte Schließung kleinerer Industrie- Überflutung mit Bildern weit entfernter Kriege und Völkermorde zurück-
betriebe in Delhi ist ein anschauliches Beispiel für die unheilige Allianz von zuführen wäre? Das kann sein. Doch die Zunahme von Graswurzelkoali-
ehrgeiziger Umweltschutzpolitik, korrupten Kommunalpolitikern und dem tionen, die sich weltweit für gesellschaftlichen Wandel, Gleichheit und
verzweifelten Gerangel um Jobs und Lebensunterhalt. (…) Gesundheit einsetzen, legt nahe, dass die menschliche Fähigkeit zu Fern-
Wir wollen für einen Augenblick innehalten und einigen Einwänden Empathie bislang noch nicht erschöpft ist. Sind es die enormen Zuwächse
gegen diese Überlegungen Rechnung tragen. Was hat diese Liste mit der eines globalen Waffenhandels, der Handfeuerwaffen und Kalaschnikows
Globalisierung an sich zu tun? (…) Viele der von mir angeführten Beispiele in einer endlosen und zwielichtigen Reihe von Abkommen mit dem offi-
sind auf spezifische Art und Weise mit den Umbrüchen verbunden, die in ziellen zwischenstaatlichen Handel mit Raketen, Panzern und Radarsyste-
der Weltwirtschaft seit den siebziger Jahren zu beobachten sind, mit den men verbindet? Ja, das stimmt, doch auf diese Weise erfahren wir nur et-
speziellen Kämpfen um indigene Rechte und nationale Souveränität, die was über die notwendigen Bedingungen globaler Gewalt, nichts über die
sich wiederum dem Widerstreit der konkurrierenden Universalismen von hinreichenden.
Freiheit, Markt, Demokratie und Recht verdanken – einem Widerstreit, der Oder befinden wir uns vielleicht mitten in einer riesigen weltweiten
zu früheren Zeiten einfach anders funktionierte als heute. Vor allem aber Korrektur im Sinne der malthusschen Bevölkerungstheorie, die sich der
passen die genannten Beispiele gut zu der nachweislich vorhandenen Ma- Sprache der Minorisierung und Ethnisierung bedient, funktionell gesehen
krogewalt der vergangenen zwei Jahrzehnte, die man eindeutig als eine aber darauf abgestellt ist, die Welt unter Ausschluss des lästigen Lärms
Zunahme innerstaatlicher Gewalt im Vergleich zur zwischenstaatlichen der Globalisierungsverlierer für die Gewinner der Globalisierung vorzube-
Gewalt interpretieren muss. Die Landkarten der Staaten und die der Kriege reiten? Ist dies eine riesige Art von »Ökonozid«, der weltweiten Tendenz
fügen sich also nicht mehr in das alte realpolitische Weltbild ein. Wenn wir (in ihrem Funktionieren keinen Deut fehlerfreier als der Markt), im großen
uns dazu noch die globale Zirkulation von Waffen, Drogen, Söldnern, mafi- Drama der Globalisierung das Verschwinden der Verlierer zu arrangieren?
ösen Organisationen und anderen Utensilien der Gewalt hinzudenken, wird Fürwahr ein gruseliges, glücklicherweise aber recht unplausibles Szenario,
es schwierig, lokale Beispiele auf ihre lokale Bedeutung zu beschränken. da mittlerweile schließlich selbst die größten Verbrecher und Tyrannen der
Von all diesen Kontexten der Gewalt, angefangen bei den intimsten Welt die Sprache der Demokratie, der Würde und der Menschenrechte ge-
(wie Vergewaltigung, körperlicher Verstümmelung oder Zerstückelung) bis lernt haben.
hin zu den abstraktesten (wie erzwungener Migration oder Minorisierung), Was also haben Minderheiten an sich, dass sie in vielen Teilen der Welt
ist der weltweite Angriff auf Minderheiten aller Art am schwierigsten zu offenbar Gewalt von so ungeahnter Form und so ungeahntem Ausmaß
verstehen. In dieser Hinsicht ist jeder Staat (wie jede Familie) auf seine provozieren? Zunächst einmal können wir festhalten, dass sowohl Min-
(bzw. ihre) eigene Art unglücklich. Warum aber beobachten wir praktisch derheiten als auch Mehrheiten Produkte einer durch und durch modernen
auf der ganzen Welt einen völkermörderischen Impuls gegen Minderhei- Welt der Statistiken, Volkszählungen, Bevölkerungskarten und anderer
ten, egal ob es sich bei ihnen um kulturelle oder politische Minderheiten staatlicher Instrumente sind, die es im großen und ganzen erst seit dem
handelt, ob sie aufgrund falscher ethnischer Zugehörigkeit, mangels rich- 17. Jahrhundert gibt. Minderheiten und Mehrheiten entstehen dort, wo
tiger Papiere oder einfach deshalb einer Minderheit angehören, weil sie die demokratischen Revolutionen des 18. Jahrhundert erfolgreich waren,
durch ihre Anwesenheit an irgendeine Geschichte wechselseitiger Gewalt so auch in den Satellitenräumen der kolonialen Welt, und zwar explizit im
oder gegenseitigen Missbrauchs erinnern? (…). Kontext der sich entfaltenden Vorstellungen von Personengruppen, deren
Die bereits vorhandenen Erklärungsansätze bringen uns nämlich nicht Umfang sich exakt berechnen lässt, von Repräsentation und Wahlrecht.
viel weiter. Haben wir es hier mit einem Kampf der Kulturen zu tun? Wahr- Minderheiten sind also eine soziale und demographische Kategorie
scheinlich nicht, da viele dieser Formen von Gewalt innerhalb von Kulturen jüngeren Datums, und sie rufen heutzutage neue Befürchtungen in Bezug
stattfinden. Scheitern hier Staaten an der Erfüllung der weberschen Norm, auf Rechte (Menschenrechte oder andere), auf Staatsbürgerschaft, auf Zu-
gehörigkeit und Autochthonie und im Hinblick auf Ansprüche an den
Staat (oder gegen sein phantomartiges Überbleibsel) hervor. Sie for-
dern dazu auf, die Verpflichtungen des Staates und die Grenzen der
24 staats Unwillkommenen –, verwischen die Grenzen zwischen »uns«
und »ihnen«, zwischen hier und dort, dazugehörig und nicht dazuge-
hörig, gesund und krank, loyal und illoyal; sie werden gebraucht, sind
25
politischen Menschheit, welche in die ungemütliche Grauzone zwischen aber nicht willkommen. In dieser letzten Dualität liegt des Rätsels Lösung.
Staatsbürgern im eigentlichen Sinne und der Menschheit im Allgemeinen Sosehr die »Minderheiten«-Gruppen in unseren nationalen Territorien auf
fallen, auf neue Weise zu untersuchen. Es ist nicht überraschend, dass Men- die eine oder andere Weise auch gebraucht werden – und sei es nur, um
schen, die von anderen als unzulänglich betrachtet werden (wie z. B. Be- unsere Toiletten zu putzen und unsere Kriege zu führen –, so wenig sind sie
hinderte, Alte und Kranke), oft zu den ersten Opfern von Marginalisierung wegen ihrer anomalen Identitäten und Bindungen andererseits willkom-
oder Säuberungen gehören. Man sollte nicht vergessen, dass das national- men. In dieser doppelten Eigenschaft versinnbildlichen sie für viele Natio-
sozialistische Deutschland alle unter diese Kategorien fallenden Menschen nalstaaten das Grundproblem der Globalisierung (…).
(versinnbildlicht in der Gestalt des Juden) auszurotten trachtete. Allgemeiner gesprochen (…) sind Minderheiten die Lunte an einem ex-
Doch Minderheiten sind nicht präformiert. Sie werden unter den be- plosiven Cocktail aus Verunsicherungen, der sich zwischen dem Alltag und
sonderen Bedingungen einer jeden Nation bzw. eines jeden Nationalismus’ seinem schnell sich wandelnden globalen Hintergrund zusammenbraut.
produziert. (…) Sie sind Embleme des Scheiterns und des Zwangs. Sie sind Wegen ihres gemischten Status schaffen sie Verunsicherung bezüglich des
eine Schande für jedes vom Staat gepflegte Bild nationaler Reinheit und nationalen Selbst und der nationalen Staatsbürgerschaft. Ihr ambivalenter
staatlicher Fairness. Sie sind die klassischen Sündenböcke. juristischer Status bringt Verfassungen und Rechtsordnungen unter Druck.
Welchen besonderen Status aber haben solche Sündenböcke im Zeit- Ihre Mobilität gefährdet die Sicherung der Grenzen. Ihre Finanzgeschäfte
alter der Globalisierung? Fremde, Kranke, Nomaden, religiöse Dissiden- verwischen einerseits die klaren Grenzen zwischen Volkswirtschaften und
ten und ähnliche Minderheitengruppen waren immer schon Opfer von andererseits den Unterschied zwischen legalen und kriminellen Geschäf-
Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit. Ich möchte hier von einer simplen ten. Ihre Sprachen nähren die Sorge um den nationalen kulturellen Zusam-
Hypothese ausgehen: Angesichts der in der Globalisierungslogik liegen- menhalt. Besonders in einer urbanen Gesellschaft bietet sich ihr Lebensstil
den systematischen Beeinträchtigung nationaler wirtschaftlicher Souve- für die Kanalisierung verbreiteter sozialer Spannungen an. Ihre Politik ist
ränität und des wachsenden Drucks, der dadurch auf Staaten lastet, sich normalerweise multifokal und damit für Sicherheitsstaaten stets Anlass
als Treuhänder der Interessen eines territorial definierten und begrenzten zur Beunruhigung. Sind sie wohlhabend, dann beflügeln sie die Phanta-
»Volkes« zu gerieren, erweisen sich Minderheiten in einer aus wenigen sie von einer Globalisierungselite, als deren Paria-Vermittler sie auftreten.
Megastaaten bestehenden Welt der ungeregelten Wirtschaftsströme und Sind sie arm, dann bieten sie sich als Symbole für das Scheitern vieler For-
beeinträchtigten Souveränitäten für viele Staaten selbst als geeignete Pro- men der Wirtschafts- und Sozialhilfe an. Und da fast alle Vorstellungen
jektionsflächen für ihre Ängste vor der eigenen (wirklichen oder phanta- von Volk und Nation auf irgendeiner Idee der ethnischen Reinheit oder
sierten) zahlenmäßigen Unterlegenheit oder Marginalität. Minderheiten Einzigartigkeit und auf der verdrängten Erinnerung an Pluralität basieren,
sind, mit anderen Worten, Metaphern für und Zeichen der Erinnerung an verwischen ethnische Minderheiten vor allem die Umrisse der nationalen
den Verrat am klassischen nationalen Projekt. Und es ist dieser – eigent- Volksidentität.
lich im gebrochenen Versprechen des Nationalstaates, die nationale Sou- Diese Verunsicherung, die durch das Unvermögen vieler Staaten, im
veränität zu gewährleisten, wurzelnde – Verrat, der weltweit der Tendenz Zeitalter der Globalisierung die nationale ökonomische Souveränität zu
Vorschub leistet, Minderheiten zu verdrängen oder zu beseitigen. So wird garantieren, weiter gesteigert wird, kann sich in mangelnder Toleranz ge-
auch verständlich, warum oft Teile der Armee an innerstaatlichen Ethnozi- genüber jeder Art von kollektivem Fremden ausdrücken.
den beteiligt sind. (…) Normalerweise ist nur schwer zu ahnen, welche Minderheit in die un-
Um zu verstehen, warum Minderheiten eigentlich weltweit diesem dankbare Rolle des unglückseligen Fremden geraten wird. In einigen Fällen
Muster zum Opfer fallen, können wir auf das klassische anthropologische scheint es auf der Hand zu liegen, in anderen weniger. Der Grund dafür
Argument von Mary Douglas zurückgreifen, dass »Schmutz etwas ist, das ist, dass Minderheiten, historisch gesehen, nicht vorgefunden, sondern
fehl am Platz ist«; jede moralische oder soziale Taxonomie reagiert demzu- gemacht werden. Bestimmte, bis dato unsichtbare Gruppen werden auf-
folge allergisch auf alle Elemente, die ihre Grenzen verwischen (1966). Min- grund besonderer Entscheidungen und Strategien, die oftmals staatliche
derheiten, wie ich sie beschrieben habe – die Gebrechlichen, die Häretiker, Eliten oder politische Führer zu verantworten haben, als Minderheiten
die Behinderten, die Mobilen, die Illegalen und die im Raum des National- sichtbar gemacht und mit Rufmordkampagnen überzogen, die bis zum
Ausbruch von Ethnoziden führen können. Eigentlich sind es also nicht
die Minderheiten, die Gewalt provozieren, es ist vielmehr, gerade
auf der nationalen Ebene, die Gewalt, die Minderheiten braucht. Um
26 Der vollständige Erstabdruck erschien in: Arjun Appadurai, Die
Geographie des Zorns, S.49-63.© Suhrkamp Verlag Frankfurt am
Main 2009. Der Druck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des
27
solche Minderheiten zu produzieren, müssen bestimmte Geschichten wie- Suhrkamp-Verlages.
derbelebt, andere dem historischen Vergessen überantwortet werden. Die-
ser Prozess erklärt, auf welch komplexe Art und Weise globale Probleme Arjun Appadurai, 1949 in Mumbai geboren, ist Ethnologe und lehrt an der
und Kämpfe in bestimmten Nationen und an bestimmten Schauplätzen New School in New York City und am Goldsmith Institute in London. Er
allmählich »ihre Sprengkraft entfalten«, oft in Form einer sich explosions- konzentriert sich in seinen Werken hauptsächlich auf Fragen der Moder-
artig entladenden Gewalt im Namen irgendeiner Mehrheit. Ein klassisches nität und Globalisierung. Zu seinen prägenden wissenschaftlichen Arbei-
Beispiel ist der Prozess, der die Sikhs in Indien allmählich zu einer proble- ten gehören die Publikationen »Worship and Conflict under Colonial Rule«
matischen Minderheit gemacht hat. Dies war keine unmittelbare Folge ei- (1981), »Disjuncture and Difference in the Global Cultural Economy« (1990),
ner bestimmten Bevölkerungspolitik, sondern basierte auf einem langen »Modernity at Large« (1996) sowie »Fear of Small Numbers« (2006). Seine
20. Jahrhundert regionaler und nationaler Politik und nahm schließlich wissenschaftliche Tätigkeit thematisiert die Fragen einer kulturellen Glo-
in den Unruhen von 1984, der Ermordung Indira Gandhis, der staatlichen balisierung. Dabei unterteilt er Prozesse dieser Globalisierung in die Di-
Kampagne gegen vermeintliche Sikh-Separatisten und dem Massaker der mensionen: »Ethnoscape«, »Technoscape«, »Financescape«, »Mediascape«
Ausschreitungen von 1984 in Delhi und andernorts Gestalt an. Man könn- und »Ideoscape«. Die einzelnen Scapes folgen ihren eigenen Regeln und
te meinen, dass die massive Entfesselung von Staats- und Bürgergewalt Zwängen, sind fließend und müssen im Einzelnen betrachtet werden, um
gegen die Sikhs im Jahr 1984 diese tatsächlich als kulturelle und politische die Komplexität der modernen Welt verstehen zu können.
Minderheit hervorgebracht habe. Ihre terroristische Energie, die in Wahr- 2008 wurde er als Professor für Media, Culture, and Communication an
heit sehr gering war, wurde nach diesen Ereignissen zum allgemeinen Dog- die New Yorker Steinhardt School of Culture, Education and Human Deve-
ma. In Laufe eines Jahrhunderts (manch einer würde sagen: im Laufe eines lopment berufen. Appadurai ist Gründungsmitglied der Zeitschrift Public
Jahrzehnts) verwandelte sich also eine Volksgruppe, die man als militanten Culture , Gründer der Organisation PUKAR (Partners for Urban Knowledge,
Ausläufer der hinduistischen Welt betrachtet hatte, mindestens für die Zeit Action, and Research) in Mumbai; beratend war er für die Rockefeller-, Ford-
von 1984 bis 1994 zu einem ihrer gefährlichsten inneren Feinde. und MacArthur-Stiftungen, die Weltbank und für die Unesco tätig.
Lassen Sie uns eine letzte Überlegung zu der Verbindung von Globali-
sierung und Gewalt gegen Minderheiten anstellen (…) Wie kann der Freund
den Freund umbringen, der Nachbar den Nachbarn oder gar ein Verwand-
ter den anderen? Um den Schrecken des weltweiten Anwachsens intimer
körperlicher Gewalt im Kontext zunehmender Abstraktion und Zirkulation
von Bildern und Technologien irgendwie zu enträtseln, sollten wir überle-
gen, ob dieses Verhältnis vielleicht gar nicht so paradox ist, wie es scheint.
Der Körper, besonders der minorisierte Körper, kann zugleich Spiegel und
Instrument jener Abstraktionen sein, die wir am meisten fürchten. Minder-
heiten und ihre Körper sind schließlich das Produkt hochabstrakter Prozes-
se des Zählens, Klassifizierens und Überwachens von Bevölkerungsgruppen.
Der Körper der historisch produzierten Minderheit vereint im Sozialen also
die Verführungskraft des Vertrauten mit den Reduktionen des Abstrakten;
in ihm lassen sich Ängste vor dem Globalen veranschaulichen und in allzu
angstbesetzten Situationen durch seine Auslöschung beherrschen. (…)
1
Matilde
Cassani
Heilige Räume in unheiligen Gebäuden. Eine
andere Idee eines multi-religiösen Europas |
Sacred interiors in profane buildings.
Another idea of a multireligious Europe
Fotos, Karten, Texte; Buch, 2009

Abb. 1 Mosque, former Church of »San


Paolino dei giardinieri«, Piazzetta del Gran
Cancelliere, Via Celso, Palermo

Abb. 2 Sikh Temple »Guardwara Gurdarshan


Sahib Ji«, Carrer Hospital, 97 bxs. Barcelona

Abb. 3 Kitchen inside the Sikh Temple


»Guardwara Gurdarshan Sahib Ji«, Carrer
Hospital, 97 bxs. Barcelona

Abb. 4 Mosque »Madni«, Carrer Paloma, 9


loc. Barcelona

Abb. 5 Centre Cami’ de la Pau, Carrer Erasme


de Janer, 9-11 bxs. Barcelona

Abb. 6 Sri Muthtu Vinajegar Sita.


Garage Europa,
level 2, via Vivaldi 135. Palermo

1980
born in Domodossola, Italy
lives and works in Milano
1999 – 2005
Architectural Studies at Politecnico di Milano
2008 – 2009
Master in Architecture and Urban Culture
CCCB- Centro de Cultura Contemporanea de
Barcelona and UPC – Univesitade Politacnica
de Catalunya
2009 – 2010
Fellowship and residency at Akademie
Schloss Solitude

Selected 2010
Timing 2010; Bat Yam Biennal of
Exhibitions Landscape Urbanism, Bat Yam
2009
La terra Trema; progettare la ricostruzione,
Leoncavallo, Milan
12 x Milano. New Italian architecture visions
for a metropolis in movement; Urban Center,
Milan
Dreaming Milano; Ex Fondazione Mazzotta,
Milan
2008
Nanoparticles; Research Institute of Tsukuba
2 4
31 and Istituto Italiano di Cultura, Tokyo
Acquatecture; NABA, Nuova Accademia
Belle Arti + Associazione no profit H2O,
Nuovi scenari per la sopravvivenza,
Milan

Selected 2009
MONU Magazine on Urbanism,
Publications No. 9, February 2009; Holy
Urbanism: Strucked by a freak
wave
2008
XXI Aesop Conference in Naples: 200.000
Muslim, Catholic, Hindu and Buddhist
homes: the post tsunami reconstruction in
Sri Lanka
2007
Cronache dell’ Abitare, Bruno Mondadori
2007; Multiplicity lab: Ways of living in Milan:
live in a penthouse, live in a loft, live in a shop

3 5
6
33
1
Cevdet
Erek
Abb. 1 Lineal 1 | Ruler 1
Laser auf Plexiglas, 2007
Courtesy Akinci Gallery, Amsterdam
Der erste Prototyp einer Serie, die als Werk-
zeug zur Interpretation persönlicher Zeit-
schienen dient, entstand in Kairo während
eines Arbeitsaufenthaltes in der Townhouse
Gallery; mit arabischen Zeichen deckt er die
Zeitspanne von 1974 bis 2007 ab, wobei 1 cm
für 1 Jahr steht.

Abb. 2 Lineal Putsch | Ruler Coup


Laser auf Plexiglas, 2009
Courtesy Akinci Gallery, Amsterdam
Der vierte Prototyp der Serie »Lineal« zeigt
die Daten der Gründung der Türkischen
Republik sowie die der drei Staatsstreiche; er
entstand in Antwerpen und hat keine Skala.

Abb. 3 Vaters Zeitschiene | Father’s Timeline


Zeichnung, 2007
Courtesy VKV Collection
Erek bat seinen Vater darum, eine Zeit-
schiene seines Lebens zu zeichnen, die die
Zeitspanne von 1938 bis 2007 abdeckt; Daten
wie das Geburtsjahr, Heirat, Tod des Vaters
wurden aufgezeichnet, aber auch wichtige
Ereignisse wie die »Aufnahme in das Vol-
leyballteam der Schule« oder »Die Armee
unternimmt einen weiteren Putschversuch«.

Abb. 4 Lineal 0 – Heute | Ruler 0 – Now


Laser auf Plexiglas, 2008
Courtesy Akinci Gallery, Amsterdam
Der zweite Prototyp zeigt die Zeitspanne 0
bis heute und kann dazu benutzt werden,
sein eigenes Leben oder eine bestimmte
Abfolge von Ereignissen zu verorten und zu
interpretieren; die 20 cm des Lineals weisen
keinerlei Skalierung auf.

1974
born in Istanbul, Turkey
lives and works in Istanbul
1992 – 1999
Architectural Studies at the Mimar Sinan
University, Istanbul
2001 – 2003
Master of Arts at the Technical University
of Istanbul

Selected Solo 2009


Avluda, Avluda 2 & SSS; installa-
Exhibitions tion and performance; 300 m3,
2
37 2008
Göteborg
On the day I fix a turbine to my belly;
Lokaal 01, Antwerp

Galerie Akinci, Amsterdam

2009
Selected Group TBA21, Vienna, Austria
Exhibitions La Capella, Barcelona
Palais des Beaux Arts, Lille
2008
Interchange, Mercy, Independents; Liverpool
Biennial, Liverpool
New Ends, Old Beginnings; Bluecoat Gallery,
Liverpool
manifest destiny; Extra City – Center for
Contemporary Art, Antwerp
Becoming Istanbul; Deutsches Architektur
Museum, Frankfurt
Speed, speed!, Opelvillen, Rüsselsheim
2007
Light, Illumination and Electricity;
Santralisation, Istanbul
3 4 Off The Record; Cetin Emec Gallery, Izmir
On Memory; Gallery Tanya Rumpff, Haarlem
2006
Just in Time; Stedelijk Museum CS,
Amsterdam
EurHope; Villa Manin – Centre for
Contemporary Art, Udine
Parts; Xiamen
Supremes, In order of appearance; Living Art
Museum, Reykjavik
Istanbul Defterdarlari; Karsi Sanat Galerisi,
Istanbul
Shiftt scale: Extended field of contemporary
sculpture; Art Museum of Estonia, Talinn
2005
INFRActures: Translations between the Sonic,
Spatial and Temporal; V2_, Institute for the
Unstable Media, Rotterdam
Urban Realities: Focus on Istanbul; Martin-
Gropius-Bau, Berlin
Hotspots; International Rotterdam Film
Festival, Rotterdam
Art for…; Platform Garanti Contemporary Art
Center, Istanbul
2004
Urban Reviews; Istanbul, ifa Gallery Stuttgart
Call me Istanbul; ZKM, Karlsruhe
2003
Poetic justice; Istanbul Biennial, Istanbul
Turkish Art Today; MOMAS – Museum of
Modern Art Saitama, Saitama
Ann Arbor Computer Artist Coalition,
IMMEDIA 2003, Ann Arbor

2009
Selected Dokuman with Taldans, R.
Performances Schouwbourg, Rotterdam
SSS, Extra City, Antwerp
2008
Graf with F. Sizanli, M. Kaplan, E. Devries;
Dampfzentrale, Bern
2007
4/4 with Nekropsi, Platform Garanti, Istanbul
2006
SSS, Stedelijk Museum CS, Amsterdam
SSS, Parts, Xiamen
Superbs, Living Art Museum, Rejkavik
2005
Köken
Ergun
WEDDING
3-Kanal-Videoinstallation, 2006 – 2007

1976
born in Istanbul, Turkey
lives and works in Berlin
acting at the Istanbul University
postgraduate degree in Classics at King's
College London
Master of Arts in Visual Communication
Design at Bilgi University, Istanbul

2007
Solo Ersta Konsthall, Stockholm,
Exhibitions Sweden

2008
Selected Group Soft Manipulation - who is
Exhibitions afraid of the new now?; Casino
Luxembourg – Forum d'art
contemporain, Luxemburg
Videozone 4; International Video-Art
Biennial, Tel-Aviv
Salon of the Revolution; HDLU – Croatian
Association of Artists, Zagreb
U-Turn; Quadrennial for Contemporary Art,
Copenhagen
Mobile Archive; Halle für Kunst e.V., Lüneburg
Signals in the Dark: Art in the Shadow of
War; Blackwood Gallery at the University of
Toronto, Mississauga
2007
L’enfer, c’est les autres; Stedelijk Museum
Bureau, Amsterdam
Rotterdam Film Festival
!f Istanbul; Festival of Independent Films,
Istanbul
Locus Athens; Athens
Ortung; Galerie 5020, Salzburg
On the Brink; Curators without Borders,
Berlin
2006
Trafo Center of Arts, Budapest
Somewhere in Time; Art Sonje Center, Seoul
Naked Life; Museum of Contemporary Arts,
Taipei
Rejection Episodes; Vooruit, Ghent
Köken Ergun & Markus Lohman;
Künstlerhäuser Worpswede
Helter/Helter; Galerie Anne de Villepoix, Paris
Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
People, Land, State ; Israeli Center for Digital
Art, Holon
41 The Peninsula ; M1 Singapoure Fringe
Festival, Singapore
Re-shuffle ; Art in General, New York
Oberhausen Short Film Festival, Oberhausen
2005
The Sculpture Center; New York
Badischer Kunstverein; Karlsruhe
Free Kick; Hospitality Zone at the 9th
Istanbul Biennial, Istanbul
Normalization: Art For... (Part One); Platform
Garanti Contemporary Arts, Istanbul
2004
Placebo Effect; Sparwasser HQ, Berlin
Rimbaud; I-20 Gallery, New York
Public Execution; Exit Art, New York
Artists-in-Residence Show; Location One,
New York
2003
Institutions2; KIASMA, Helsinki
3rd Performance Days, Istanbul
2002
1st Istanbul Pedestrian Exhibitions, Istanbul
1 2
Javier
Hinojosa
Aufzeichnungen für eine kollabierende
Stadt | Notes for a collapsing city
Installation, diverse Materialien,
2006 – 2009

Abb. 1 Box column


Abb. 2 Mattress Stress
Abb. 3 Boxlogic
Abb. 4 Street evolutions
Abb. 5 Huge Low-tech
Abb. 6 Molusk
Abb. 7 Concrete billboard

1974
born in Mexico City, Mexico
lives and works in Mexico
1995
Architecture Studies
1997 – 2002
Fine Arts degree with honors at La Esmeralda
(National School of Fine Arts), Mexico City
2001 – 2002
Photography and Alternative Media
(Seminar), Centro de la Imagen, Mexico City
2009 – 2010
Fellowship and residency at Akademie
Schloss Solitude

2009
Selected Solo Ephemeral Traps, Permanent
Exhibitions Consequences III; Taken for
Strange, Berlin
Ephemeral Traps, Permanent Consequences
II; Interventionsraum, Stuttgart
2008
Fuga en Transito (Flight is Transit); Casa del
Lago, Mexico City
2006
Concrete Skeleton; ART & IDEA, New York
Cabinet vs. Showcase; Celda Contemporanea,
Mexico City
2005
Evoluciones Callejeras (Street Evolutions); La
Estación Gallery, Chihuahua
2004
Intervenciones; CENART (National Center for
the Arts), Mexico City
2002
Limites y Restos (Limits and Remains);
National School of Fine Arts Gallery, Mexico
City
3 4
2009
Selected Group Arbeit und Freizeit – Fiesta y
Exhibitions ensayo; Museo de la Ciudad,
Queretaro
Ephemeral Traps, Permanent Consequences;
Akademie Schloss Solitude, Stuttgart
2008
Basiselemente: The Box; Akademie Schloss
Solitude, Stuttgart
Basiselemente:The Beam; Micro Residencias
Parasito, Meet Factory, Prague
Casino Metropolitano 2 years; Mexico City
2007
II Yucatán Biennale, Mérida
VIII Monterrey FEMSA Biennale, Monterrey
Fuera de Contexto (out of context); Video
program, Conejo Blanco, Mexico City
Monterrey Biennal, Museo de San Ildefonso,
Mexico City
Correo Domestico (Domestic Mail); Galerie
NoD, Prague
Aequatortaufe; Kunstarkaden, München
Duelo de Parejas (Vs.); El ECO Museum,
Mexico City
Creación en Movimiento (Dynamic creation);
National Fine Arts Center, Mexico City
2006
Creación en Movimiento; IVEC, Veracruz
Archivo en proceso; San Jerónimo 40, Mexico
5 City
Deposiciones sólidas; Casa Emergente,
Cuernavaca Morelos
2005
Cash; Ex Teresa Actual Art, Mexico City
Declaraciones; Reina Sofía, Madrid
2004
II Yucatán Biennale, Mérida
Harto Espacio; Montevideo
Mexican Emergent Artists; Raid Projets, Los
6 Angeles
El sueño de la Campamocha (Campamocha’s
Dream); ART & IDEA, Mexico City
Circo Renacimiento (Renaissance Circus);
Glmutante, Campeche
2003
The one that moves won’t appear in the
picture; Centro de la Imagen, Mexico City
Inter-cities; Mexican Institute, Paris
M.Bondarchuk’s Promotion and Defense
Fraternity; ART & IDEA Gallery, Mexico City
2002
Farewell and Debut; National School of Fine
Arts Gallery, Mexico City
Grafinnova; Ostrobothnian Museum, Vassa
AJovenes pintores@. Exposición itinerante.
Maxxium de México. México D.F2001
2 cities, 2 schools; Veracruz Art College,
Veracruz
Im Zentrum des Steins:
die Versöhnung mit dem Flüssigen
46 beginnt, und stellen wir uns dann sein weite-
res Schicksal vor: die zahllosen Möglichkeiten,
eine Verbindung oder Vereinigung mit irgendwel-
47
che Dingen einzugehen, auf die er während seines
Trotz seines präzisen Gattungsnamens unterhält der Entweichens stößt.
Beton als Material eine eher offene und vieldeu- So kommt es, dass wir ständig auf dieses Material
tige Beziehung zur Realität. Man könnte – durchaus treffen, das freundschaftlich mit Wannen und Pfo-
mit gutem Grund – annehmen, dass die spezifische sten auf Gehsteigen und Straßen zusammenlebt, das
Funktion des Betons immer in einem Zusammenhang mit die Risse verfolgt, die sich rühmen, schneller zu
der Architektur oder dem Bauwesen steht. Jedoch sein, das als Held die Flagge der notdürftigen Aus-
sind jenseits seiner rein funktionalen Eigenheiten besserung und Reparatur ergreift, das seine Kraft
seine Charakteristika nicht nur weiterhin in ihrem missbraucht, um Eingänge oder Ausgänge zu bloc-
gesamten Potential wirksam, sie entdecken zudem kieren, das dem Schwachen bei seinen Fundamenten
Fähigkeiten, wo scheinbar keine existierten. Die beisteht, das (als ob man es kitzelt) die Spuren
Berührungspunkte mit dem Spezifischen des Betons von Hunden und gedankenverlorenen Wanderern, die
sind vielfältig; sie stehen alle in einem direkten Bekundungen von Selbstwertgefühl oder Wünsche nach
Zusammenhang mit dessen flüssiger Beschaffenheit. Nachkommenschaft aufnimmt und festhält, ebenso wie
Stellen wir uns Folgendes vor: Im dritten Stock ei- auch Liebesbotschaften zwischen Jugendlichen.
ner Baustelle soll eine Säule gegossen werden, das Jedoch ist die Möglichkeit zur Flucht begrenzt;
Lehrgerüst ist fertig und verstrebt, der Betonmi- der Beton verfügt ja auch über eine unumkehrbare
scher oder die Mischmaschine beginnt, das schwere zeitliche Qualität: sein flüssiger Zustand ist, wie
Material auszugießen, bis das Gerüst bis zum Rand das Leben auch, von nur kurzer Dauer. Im moleku-
gefüllt ist. Stellen wir uns nun ein Leck vor, laren Zentrum dieses vielfältigen Materials voll-
durch welches der Beton sehr schnell zu entweichen ziehen sich strukturelle Bewegungen, die in ihrem
Ergebnis anscheinend schon im Voraus die Verferti-
7 gung der Gaben erhalten, die ihm verliehen wurden.
Die immanente Fähigkeit des Betons, in der weiten
Landschaft der Dinge und Gegenstände Verbindungen
entstehen zu lassen, wird von den unabänderlichen
Verbindungen seiner inneren Komponenten bedingt. Es
gibt kein anderes Schicksal für dieses brauchbare
Material, als zum vorgegebenen Zeitpunkt ein Fest-
körper zu werden. So wie der Anblick der Gorgonen
die Verwandlung in eine Statue zur Folge hat, so
wird auch der Beton bei seiner Flucht immer wieder
überrascht werden, und in seinen festen Formen wird
keine Spur irgendeines Bestrebens zurückbleiben –
im Gegenteil, sie werden mit einer Offenheit, die
nur mit der der Steine vergleichbar ist, eine gren-
zenlose Neigung zum Ausdruck bringen, auch weiter-
hin überall reichlich vorhanden zu sein.

Javier Hinojosa English version on page 76


Ashley
Hunt
Eine Weltkarte, auf der wir sehen... | A World
Map: In Which We See...
Wandzeichnungen | Wall drawing & painting
Interaktives Projekt mit Studenten und
Aktivisten, Landkarten, Installation
2008 – 2010

1970
born in Los Angeles
lives and works in Los Angeles
1994
Bachelor of Fine Arts, University of California
at Irvine, USA
1994 – 1998
Masters of Fine Art, School of the Art
Institute of Chicago
1998 – 2000
Whitney Independent Study Program,
Whitney Museum of American Art, New York

2009
Selected Post-American L.A.; 18th Street
Exhibitions Art Center, Los Angeles
Disobedience; National Museum
and Projects of Contemporary Art, Bucharest
Performing Economies; Fellow
for Contemporary Art Space, Los Angeles
Democratic Acts; 1st Biennale Democrazia,
Cavallerizza Reale, Torino
Being There; Konsthall C, Stockholm
Tools for Revolution or Just for Sale; Rotte
Metropolitane, Florence
An Atlas of Radical Cartography; Casco, Office
for Art, Design and Theory, Utrecht
2008
REDCAT Gallery, Los Angeles
The Impossible Prison; Nottingham
Contemporary, Nottingham
3 Ours: Democracy in the Age of Branding;
Sheila C. Johnson Design Center, Parsons The
New School for Design, New York
Tate Modern L2 Gallery, London
The 3rd Bucharest Biennial, Bucharest
Unmasked: A Marathon of Artists' Videos
and Films Contesting Systems of Rule; New
Museum, New York
War Stories; Sandra & David Bakalar Gallery,
Massachusetts College of Art & Design,
Boston
2007
Documenta 12, Kassel
Documentary Fortnight; MoMA, New York
Princeton Human Rights Film Festival,
Princeton, New Jersey
51 2006
Headquarters; Contemporary Museum,
Baltimore
Not Sheep: New Urban Enclosures and
Commons; Artspeak Gallery, Vancouver
New Orleans Human Rights Film Festival,
New Orleans
Capital: It Fails Us Now; Tallinn
2005
I Beg Your Pardon, or, the Reestablishing of
Cordial Relations; Vera List Center for Art &
Politics,
New York
Capital: It Fails Us Now; UKS, Oslo
Drawn to Drawing; Betty Rymer Gallery,
Chicago
Patriot; The Contemporary Musuem,
Baltimore
Defense; Sweeney Art Gallery, Riverside
Amnesty International Firefly Film Festival,
Brooklyn, New York
Toronto Prisoners’ Justice Film Festival,
University of Toronto
2004
Identify! Studies in the Political Subject; Vera
List Center for Art & Politics, New York
Appendiks 9; Appendiks Art Space,
Copenhagen
Atlanta Independent Media Center, Little 5
Points Community Center, Atlanta
2003
Territories; KunstWerke Institute for
Contemporary Art, Berlin
Our Island, Our World Film Festival, Ganges,
British Colombia
2002
Social Sectors ; Kunstalle Exnergasse, Vienna
In & Out of Control; Holden Gallery,
Manchester
Oberhausen Film and Video Festival,
Oberhausen
Palestinian International Video Festival,
Ramallah
New York Underground Film & Video Festival,
New York
2001
Museum of Modern Art, New York
ARC Gallery Media Room, Chicago
Smart Project Space, Amsterdam
Black Panther International Film Festival,
New York
Dream Series, Martin Luther King Jr. Center,
Atlanta
Werelwijd Mediahais, Brussels
2000
Transparent Architecture ; Gale Gates et al.
Gallery, New York
Whitney Museum of American Art ISP, Open
Studios, New York
Art Expo 2000, Hannover
Jumana
Manna
Das Wallfahrtslied | The Song of Ascents
5-Kanal-Video-Installation, 2008

1987
born in New Jersey, USA, grew up in
Jerusalem, Israel
lives and works in Oslo, Norway
2005 – 2006
Bezalel Academy for Arts and Design,
Jerusalem
2006 – 2009
BA National Academy of the Arts, Oslo

2009
Selected Solo (Untitled); Maria Veie Gallery,
Exhibitions Oslo
The Arab Men project; Billboards,
Birzeit Road, Qalandia
(Untitled); Barbur Gallery, Jerusalem
2008
Voluntary Security Check; Gallery 21.25, Oslo

2009
Selected Group The Mediterranean Biennale
Exhibitions of Haifa
Norsk dokumentar fotografi;
Hennie Onstad Kunstnersenter, Høvikodden,
Norway
Bjorvika Utvikling Open Day, Voluntary
Security Check III; Opera House, Oslo
Toronto Palestinian Film Festival, Toronto
1001 Nights; Postmasters Gallery, New York
Video Suppe; Podium, Oslo
Avgangsutstilling; Stenersen Museum, Oslo
Aida Dukic and Jumana Manna; Gallery
21.25, Oslo
Arte Giovani Turino Video Festival, Torino
2008
Overlapping Voices; Essl Museum, Vienna
Mamadada; Frogner Park, Oslo
Multispace Barbur, Jerusalem
The Jerusalem Show; Al Mamal Gallery,
Jerusalem
Alone in the Dark; Kunstnerforbundet, Oslo
2007
Høstutstillingen; Kunstnernes Hus, Oslo
Oslo Open; National Theater Underground,
Oslo
Loop Video Festival, Barcelona
Southern Comfort; Gallery 21.25, Oslo
2006
Al Hoash Gallery, Jerusalem
State of waiting; Kunstforening, Oslo, UN
Headquarters New York
Fruitless Pleasures; PACA, Ramallah
55
TeleVision (Magie in der Luft) | TeleVision
(Magic in the Air)
Installation, Mixed Media, 2010

1980
born inNiš, Serbia
lives and works in Belgrade, Serbia
Architectural Studies Belgrade, Serbia
2009
Fellowship and residency at Akademie
Schloss Solitude
Television, Eurovision und Europa

2009
Einige Monate vor meinem neunten Geburtstag Selected Group Insiders ; arc en rêve, Bordeaux
gewann Jugoslawien zum ersten und einzigen Exhibitions (project: Belgrade, Belgrade: An
Ongoing Archive of Unruled
Mal den Eurovision Song Contest. Das war Practices: Roof Extensions and River Rafts,
1989 und ich erinnere mich noch, dass der Moderator with Ivan Kucina)
Balkanology; Architekturzentrum Wien,
Oliver Mlakar kurz vor der Stimmenabgabe des letz- Vienna (projects: Belgrade Informal
ten Landes so etwas sagte wie, »Jetzt können wir Architecture: Roof Extentions, with Ivan
Kucina, and New Belgrade: Unplanning the
alle ein Glas kaltes Wasser trinken; es ist vorbei, Plan, with Branko Belacevic)

SPOT THE ODD ONE OUT wir haben gewonnen«. Der Eurovision Song Contest Symbolic Efficiency of the Frame; Tirana
Biennal, Tirana
würde also im folgenden Jahr in dem einzigen kommu- episode 2: Belgrade part of Cities Log (with
nistischen Land im Wettbewerb ausgetragen werden. Jelena Stefanovic, Branko Belacevic, Marko
Miletic) and Zagreb part of Cities Log (with
Bis dahin hatte sich dann aber Vieles verändert: Dafne Berc and Teodor Celakoski)
1. Italy 6. Poland Die Berliner Mauer war gefallen und Deutschland Soft City; Stroom, Den Haag (project:

2. Liechtenstein 7. Yugoslavia
Belgrade, Belgrade: An Ongoing Archive of
war auf dem Weg zur Wiedervereinigung; Jugoslawien Unruled Practices: Roof Extensions, Russian
zählte seine letzten Tage. In dieser Atmosphäre Pavilions)
3. Israel
Isreal 8. Germany Roemer VII: Mapping Eurovision.beta;
gewann Toto Cutugno den 35. Grand Prix in Zagreb Roemer Straße Project Space, Akademie

4. Morocco 9. Switzerland 1) mit seinem Titel »Insieme: 92«, einem Loblied Schloss Solitude, Stuttgart
Case study: Russian Pavilions; Akademie
auf die geplante Unterzeichnung des Vertrags von Schloss Solitude, Stuttgart
5. Sweden 10. United Kingdom Maastricht und die Bildung der Europäischen Union. 2008
Balkanology; Swiss Architectural Museum,
Für mich war dies immer einer der ironischsten Mo- Basel (project: Belgrade Informal
mente der Geschichte Europas. Architecture: Roof Extentions, with Ivan
Kucina)
Das Fernsehen spielte in der zweiten Hälfte des Wohnlich; Serbian Pavillion, 11th
20.  Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Nach dem International Architectural Exhibition, Venice
2007
Zweiten Weltkrieg kämpften die europäischen Län- Differentiated Neighborhoods of New
der nicht mehr auf dem Schlachtfeld, sondern kon- Belgrade; Museum of Contemporary Arts,
Belgrade, (video: We Ask Architects that are
that never happened as the first broadcaster based in Liechtenstein was licensed only in 2008.
came close twice to participating (in 1969 and 1976, they came with an already selected song) kurrierten auf dem Gebiet der Technologie. Die im Asked: Ask those Asked about New Belgrade,
From all the countries in the list, only Liechtenstein never participated in the contest. Although it
Zusammenhang mit dem Krieg gemachten Erfindungen with Dunja Predic and Davor Ereš)
Belgrade Informal Architecture: Roof
2. Liechtenstein
answer:
mussten genutzt werden; davon profitierte als ein Extentions; Faculty of Architecture,
Produkt im häuslichen Bereich das Fernsehen ganz University of Belgrade
erheblich. Da das Fernsehen darüber hinaus als
Symbol des technischen Fortschritts eines Lan-
des galt, entwickelte jedes Land eigene Über-
58 Europa zu gehören. Es überrascht daher nicht,
dass am Wettbewerb von 1994 gleich sieben neue
ehemalige Ostblockländer teilnehmen wollten,
59 Le Temps d’une Maree; Biennale du
Dieppe (installation : Port of Miracles,
with Ivan Kucina,
Branko Belacevic, Sandra Draskovic,
Nikola Knezevic, Jelena Mitrovic, Dunja Predic
tragungsstandards, um seine technologische Über- nachdem die Rundfunk- und Fernsehorganisation OIRT and Tijana Stevanovic)
legenheit unter Beweis zu stellen, aber auch um 6) sich 1993 der EBU angeschlossen hatte. 7) Schon Belgrade Informal Architecture: Roof
Extentions; Museum of Applied Arts,
den Binnenmarkt zu schützen. Länderübergreifendes im Jahr zuvor hatte es neue Teilnehmerländer ge- Belgrade
Fernsehen wurde in Europa zu einem äußerst schwie- geben: Nach dem Zerfall Jugoslawiens hatten drei 2006
DAAD Young Blood Exhibition; London (pro-
rigen Unternehmen, aber letztendlich gab es auch der neuen Staaten (Bosnien-Herzegowina, Kroatien ject: Open Office, with Branko Belacevic)
kaum Sendungen zu übertragen, die die Länder zu und Slowenien) weniger als ein Jahr nach ihrer Take Your Picture in Hybrid City; one day
action in Mobile Studios, Belgrade
einer Vereinheitlichung der Übertragungsstandards offiziellen Anerkennung bereits am Grand Prix teil- 2005
motiviert hätten. Die für die Standardisierung zu- genommen; Bosnien-Herzegowina schickte sogar eine Belgrade Simbiosis; UIA Congres, Istanbul,
(project: Open Office, with Branko Belacevic),
ständige Körperschaft, die Europäische Rundfunku- Gruppe ins Rennen, als im Land noch der Krieg tobte Belgrade and Moscow Institute of
nion (EBU) 2), war 1950 gegründet worden, um die und Sarajevo belagert wurde. Für die ehemaligen Architecture, Moscow
Bigzer; exhibition about transformation of
Sender zu koordinieren und die Idee gemeinsamer Ostblockländer brachte die Teilnahme am Grand Prix the Bigz printing factory
Standards zu fördern, aber am Anfang ging dieser auch einen Wandel in Bezug auf das Fernsehen all- Balkanizing Deutsche Bank; School of
Missing Studies, Van Alen Institute, New York
Prozess nur langsam voran. Der Ausweg aus dieser gemein mit sich: Von einem nur in privilegierten 2004
Sackgasse kam 1955 mit der Einführung des Eurovi- Haushalten zu findenden Gerät wurde es zur Massen- Field of Visions: New York; LaB, New York
(project: Curb your Men)
sion Song Contest. 3) Die Idee zu diesem Schlager- ware, und in einigen Ländern änderten sich auch die Manhattan Shadow Project; School of
wettbewerb kam von Marcel Bezençon, dem Schweizer Farbformate vom SECAM- zu dem weiter verbreiteten Missing Studies, Van Alen Institute, New York
(project Shadow Economies)
Mitglied der EBU. Vorbild für den Grand Prix war PAL-System. 8) Dies bedeutete auch eine weitere 2003
das seit 1951 stattfindende Musikfestival im ita- Anpassung an die westeuropäischen Länder, die mit Looking for October; School of Missing
Studies, Rex Cultural Centre, Belgrade (video:
lienischen San Remo. 4) Der erste Wettbewerb wurde Ausnahme Frankreichs alle PAL verwendeten. Liberating the Streets)
1956 in Lugano in der Schweiz ausgetragen und war Die Entscheidung von Ländern im sowjetischen
eine der ersten wichtigen Veranstaltungen, die zu Machtbereich im Jahr 1967 für SECAM statt PAL, als
dem Bild eines vereinten Europas beitrugen. Außer- Sendungen in Farbe zur Norm wurden, war nicht aus-
dem war er die erste größere Veranstaltung, die schließlich auf technische Gründe zurückzuführen.
für die Zuschauer in den sieben Teilnehmerländern Insbesondere die DDR bestand auf der Übernahme eines
live übertragen wurde. 5) Der Rest ist Geschichte. Systems, das sich von dem des westdeutschen Nach-
Als der Wettbewerb im folgenden Jahr in Frankfurt barstaates unterschied, um die eigene Bevölkerung
stattfand, nahmen bereits zehn Länder daran teil. daran zu hindern, Fernsehgeräte einzuschmuggeln und
Sechs dieser Länder unterzeichneten wenige Wochen westdeutsche Sendungen anzusehen. Die Frage der Sy-
danach den Vertrag von Rom, das entscheidende Grün- stemwahl ist also keine neutrale technische Frage,
dungsdokument der Europäischen Gemeinschaft. wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Auch
Als ich nach 2000 damit begann, in der Europä- deshalb war der Grand Prix ein so erfolgreicher Mo-
ischen Union herumzureisen, war es leichter, den tor der Standardisierung. Die Beliebtheit des Wett-
gleichaltrigen Westeuropäern den Unterschied zwi- bewerbs machte ihn zu einer »weichen Macht« 9), die
schen Jugoslawien und den anderen osteuropäischen auf drei einfachen Teilnahmebedingungen beruht: Um
Ländern damit zu erklären, dass Jugoslawien seit teilnahmeberechtigt zu sein, muss ein Land eine der
den 1960er Jahren am Grand Prix teilnahm und wir EBU angeschlossene Fernsehanstalt haben, muss zur
damit gemeinsame europäische (Kindheits-)Erin- Europäischen Rundfunkzone 10) gehören und in der
nerungen teilten, als politische Fakten wie Tito Lage sein, die gesamte Veranstaltung live zu über-
und den Bruch mit Stalin von 1948 anzuführen. Die tragen. Effektiv bedeutet dies, dass jedes Mitglied
Teilnahme am Grand Prix bedeutete irgendwie, zu der EBU teilnahmeberechtigt ist, sofern es auch
die anderen Bedingungen erfüllt, auch wenn es
sich dabei um Länder handelt, die normalerweise
nicht als Teil Europas gelten – wobei die euro-
60 Prix ist die Bühne, auf der die Länder vom Rand
Europas ihre Absicht, Teil der wachsenden eu-
ropäischen Gemeinschaft 15) zu werden, kundtun
61
päischen Grenzen in diesem Zusammenhang noch weiter und um anerkannt zu werden ihr »Europäischsein« zum
gefasst sind, als es bei der ganzen Verwirrung um Ausdruck bringen. Das beste Beispiel dafür ist die
die Grenzen der Europäischen Union und den Rest von Türkei. Das Land nimmt seit mehr als drei Jahrzehn-
Europa ohnehin schon der Fall ist. In der Tat nimmt ten treu am Wettbewerb teil, was immer als Versuch
Israel seit 1973 an dem Wettbewerb teil, und von all angesehen wurde, im jahrzehntelangen Bemühen um
den anderen Ländern im Mittelmeerraum, die teilneh- eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union seine
men könnten (Libanon, Ägypten, Libyen, Tunesien, westliche Orientierung unter Beweis zu stellen. 16)
Algerien und Marokko) war lediglich Marokko einmal Schließlich geht es beim Eurovision Song Contest
im Jahr 1980 versuchsweise dabei. Die letztgenannte auch darum, Eindruck zu machen und die Aufmerksam-
Bedingung war natürlich die wichtigste in Bezug auf keit auf das eigene Land zu lenken. In den 1980er
den Einfluss, den der Grand Prix auf die Vereinheit- Jahren brachten fast alle Beiträge Jugoslawiens ein
lichung der Übertragungsstandards in Europa hatte, Sommerurlaubsgefühl auf die Bühne, da Jugoslawien
und sie war auch entscheidend dafür, dass Libanon den Wettbewerb auf schelmische Weise dazu nutzte,
2005 seine Teilnahme wieder zurückzog, obwohl seine Werbung in eigener Sache zu machen und sich als das
Sängerin bereits im offiziellen Wettbewerbsprogramm Reiseziel schlechthin für die explodierende Zahl
stand. 11) europäischer Touristen zu präsentieren.
»Der Eurovision Song Contest ist keine politi- Als erstes und wichtigstes Produkt einer Stan-
sche Veranstaltung« 12) – aber es ist offensicht- dardisierungseinrichtung passt sich der Grand Prix
lich, dass es schwierig ist, die Politik völlig schnell den technologischen Veränderungen auf dem
herauszuhalten. Die Kontroverse um Libanon war nur Gebiet des Rundfunk- und Fernsehwesens an. Be-
eines in einer langen Reihe ähnlicher Ereignisse, reits im Jahr 2000 wurde der Wettbewerb erstmals
die einzelne Länder dazu veranlassten, als Zeichen im Rahmen eines EBU-Experiments über das Internet
ihres Protests dem Wettbewerb fernzubleiben. Um ausgestrahlt, um das Octoshape-Format des Inter-
nur einige zu nennen: Griechenland nahm 1975 nicht netfernsehens für diesen Zweck zu nutzen und zu
teil, als die Türkei erstmals antrat, Österreich verbreiten. Eine andere technologische Neuerung,
boykottierte den Wettstreit, als er 1969 in Spani- die vom Eurovision Song Contest schnell übernommen
en unter dem Franco-Regime ausgetragen wurde und wird, ist das digitale Fernsehen, auf das viele eu-
der Beitrag Georgiens für 2009 wurde von der EBU ropäische Länder umstellen. Es ist nur eine Frage
aufgrund politischer Anspielungen abgelehnt. 13) der Zeit, wann die Teilnahme am Wettbewerb von der
Tatsächlich ist der Grand Prix »legendär als Arena Fähigkeit abhängt, die Veranstaltung mit Digital-
für die Begleichung diplomatischer Rechnungen, das signalen zu übertragen. Für den vom Dachverband der
Luftmachen von Ärger über ethnische Missstände, die nationalen öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und
Hetze gegen andere Länder und die Unterminierung Fernsehanstalten organisierten Wettbewerb ist die
von Regierungen – und ausgerechnet diese Momen- wichtigste Frage, die durch die Hinwendung zum Di-
te sind dann fast immer die Highlights«. 14) Der gitalfernsehen aufgeworfen wird, die Frage nach dem
Grand Prix wird zwar aufgrund der stetig schlech- Eigentum, der Public Domain. Da Teile des Sendebe-
ter werdenden Qualität der dort dargebotenen Mu- reichs frei geworden sind, weil Digitalsignale sehr
sik zunehmend belächelt, galt aber immer als eine viel weniger Platz für die Übertragung brauchen,
sehr viel ernstere Angelegenheit, als es ein bloßer wird dieser Platz von den Regierungen normalerwei-
Schlagerwettstreit eigentlich sein kann. Der Grand se für die Entwicklung neuer kommerzieller Sender
angeboten. Auf diese Weise wird das Potential
und der Nutzwert dieses Platzes als Teil des
Gemeinguts verdeckt und vergessen. Dies sagt
62 8) Mit der Entwicklung beider Systeme, PAL (Phase Alternating
Line) und SECAM (Séquentiel couleur à memoir), wurde begonnen, um
europäische Farbstandards zu schaffen, die die Probleme des ameri-
63
kanischen Standards NTSC ausräumen würden: Aufgrund der Farbkonsi-
einiges über die Richtung aus, die die Regierungen
stenzprobleme wurde das Kürzel NTSC auch gerne als »Never Twice the
einzuschlagen gedenken, und vielleicht wird ja in Same Color« aufgelöst. Obwohl das französische SECAM-System zuerst
einem der Lieder in einem der nächsten Eurovisi- entwickelt wurde (es war bereits Ende der 1950er Jahre nutzbar),
on Song Contests die Rückforderung des Gemeinguts war es das in deutschen Telefunkenlabors entwickelte PAL-System,
das erstmals offiziell genutzt wurde, und zwar 1967 von der British
thematisiert.
Broadcasting Corporation (BBC).
9) »Der größte Vorteil weicher Macht ist ihr vermeintlich nicht-
Dubravka Sekulić zwingendes Wesen, ihre Fähigkeit, wünschenswerte Ergebnisse ohne
den Einsatz von Zwang, Bedrohung oder Bezahlung zu erzielen.« Meta-
1) Die jugoslawische Rundfunkgesellschaft JRT war eine Union der heaven, Brand States: Postmodern Power, Democratic Pluralism, and
Radio- und Fernsehanstalten aller jugoslawischen Teilrepubliken. Design, e-flux journal 1, http://e-flux.com/journal/view/29 (aufge-
Jugoslawiens Beitrag für den Eurovision Song Contest (ESC) wurde rufen am 15.12.2009
jedes Jahr in einem Vorentscheid nach dem Vorbild des Schlagerwett- 10) Die Europäische Rundfunkzone (European Broadcasting Area,
bewerbs selbst ermittelt. Von den Fernsehsendern aus allen Teilrepu- EBA) ist Teil des Sendebereichs, der von der EBU und anderen euro-
bliken wurden Kandidaten geschickt, die gegeneinander antraten. Die päischen Standardisierungskörperschaften reguliert wird. Sie wurde
Sieger von 1989, die Gruppe »Riva«, wurde von dem kroatischen Sender erstmals 1961 im Abkommen von Stockholm (ST61) festgelegt und seit-
Television Zagreb ausgewählt, weshalb der Wettbewerb 1990 dann in her mehrmals verändert. Zur Zeit ist sie im Westen von der »Region
der kroatischen Hauptstadt Zagreb und nicht in der jugoslawischen 1« begrenzt, im Osten vom 40. Längengrad Ost und im Süden vom 30.
Hauptstadt Belgrad ausgetragen wurde. Breitengrad Nord, wobei zusätzlich der Irak, Jordanien, die gesamte
2) Die Europäische Rundfunkunion (European Broadcasting Union, Türkei und die früheren Sowjetstaaten der Kaukasusregion einge-
EBU) hat nichts mit der Europäischen Union zu tun und ist der welt- schlossen sind.
größte Dachverband nationaler Rundfunk- und Fernsehanstalten. 11) Libanon erkennt die Existenz Israels nicht an. Seinen Ge-
3) Obwohl der offizielle Name des Wettbewerbs »Eurovision Song setzen gemäß müsste die nationale Fernsehanstalt den israelischen
Contest« lautet, wird er in vielen Ländern einfach nur »Eurovision« Beitrag zensieren und den Auftritt in Bild und Ton ausblenden. Als
genannt, was eigentlich der Name des gemeinsamen Netzwerks ist, bekannt wurde, dass Israel auf der offiziellen libanesischen ESC-
mit dem Sendungen in ganz Europa ausgestrahlt werden. In Deutsch- Webseite nicht einmal als Teilnehmer aufgeführt war, musste der
land ist nach wie vor der Name »Grand Prix« gebräuchlich, weshalb Libanon von dem Wettbewerb zurücktreten.
dieser Name in dieser Übersetzung für den »European Song Contest« 12) Svante Stockselius, Generalsekretär des European Song Con-
verwendet wird. tests von 2005, zitiert auf der offiziellen ukrainischen ESC-Webseite
4) Von 1956 bis 1966 und nochmals im Jahr 1997 waren die Sieger (27.April 2005) http://www.eurovision.ua/en/news/00141/, zitiert
dieses Festivals gleichzeitig Italiens Beitrag zum Grand Prix. nach Ivan Raykoff, »Camping on the Borders of Europe« in A Song for
5) Die Länder, die 1956 am ersten Grand Prix teilnahmen, wa- Europe, S. 3
ren: Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, die Nie- 13) Der georgische Beitrag mit dem Titel »We Don't Wanna Put
derlande und die Schweiz. Österreich, Dänemark und Großbritannien In« wurde als Beleidigung des russischen Ministerpräsidenten Wla-
schafften es nicht, rechtzeitig ihren Vorentscheid auszutragen, und dimir Putin und als Reaktion auf die russische Besetzung Georgiens
nahmen erst im Folgejahr erstmals an der Veranstaltung teil. interpretiert.
6) Die Rundfunk- und Fernsehorganisation OIRT (Organisation 14) Andrew Muller »The Politics of Pop«, Guardian, 26.  März
Internationale de Radiodiffusion et de Télévision) war ein osteuro- 2005. http://www.guardian.co.uk/music/2005/mar/26/popandrock1 (auf-
päisches Netzwerk, das 1948 ursprünglich von 26 Mitgliedern aus Ost- gerufen am 15.12.2009)
und Westeuropa gegründet wurde, bemerkenswerterweise ohne Großbri- 15) Nach jahrelangen Bemühungen gelang es den ehemaligen So-
tannien. Im Jahr 1950 verließen einige Mitglieder, hauptsächlich wjetstaaten der Kaukasusregion Armenien, Georgien und Aserbaidschan
westeuropäische und nordafrikanische Länder, die Organisation und 2005, die Grenzen der Europäischen Rundfunkzone zu verschieben, um
gründeten die Europäische Rundfunkunion (EBU). Am 1. Januar 1993 am Wettbewerb teilnehmen zu können, was sie dann in den Jahren 2006,
schloss sich die OIRT der EBU an und löste sich damit als eigenstän- 2007 und 2008 auch taten.
dige Organisation auf. 16) Die symbolische Bedeutung des Eurovision Song Contests in
7) Die Länder, die erstmals 1994 am Eurovision Song Contest im der Türkei ist so groß, dass einige türkische Politiker den ersten
irischen Dublin teilnahmen waren Estland, Ungarn, Litauen, Polen, Sieg des Landes im Jahr 2003 als Zeichen dafür werteten, dass Europa
Rumänien, Russland und die Slowakei. die Türkei nun endlich akzeptiere. English version on page 76
The Dutch have the
greatest and longest
experience world-
ture and size: the world’s largest
culture centre is being created on
the »Island of Happiness«, with a
65
wide in struggling against the sea and in reclai- gigantic Guggenheim Museum and a branch of
ming land from it. This is why Dutch firms also the Louvre; the plans are by European, Ameri-
played the leading role in what so far have been can and Japanese architects – Norman Foster,
the most ambitious projects in this respect, Jean Nouvel, Frank O. Gehry and Tadao Ando;
building artificial island worlds in the form of but most of the construction workers come
palms and world maps in Dubai. It was only from south-east Asia – 85% of the Arab Emirate
after the resounding success of the Palm Tree population is made up of migrant job seekers.
Islands in the Persian Gulf – financially, and in The example of the tulip reminds us that
terms of international publicity for the location, culture transfers are not a phenomenon of
which in its turn boosts the tourist industry – the globalized world: every exchange and
that the Dutch Balkenende government hit on every meeting between cultures has always
the idea of constructing an artificial island in gone or still goes hand in hand with adopting
the shape of a tulip about 50 kilometres long something »different«, voluntarily or under
off the Dutch coast in the English Channel. compulsion, slowly or over a longer period –
Both the idea and the shape come from the from raw materials to religions, from shapes
»Orient«: it was not until the late 16th centu- and forms to cultural strategies. The tulip ad-
ry that the tulip arrived from Central Asia and ditionally reminds us that there are not only
Constantinople, first in Vienna, then moving the industrialized nations of Europe and Nor-
on to Leiden, to today’s »tulip country«, where th America who are exporting – as we like to
it triggered tulip mania and a first major stock believe and make people believe – our Western
exchange crash. The tulip is a prime example of culture in the broadest sense to the rest of the
a culture transfer. world. Cultural transfers not only enhance our
The »migration of forms«, transnational Western society, they have also shaped it to a
motif migration, was an essential aspect of considerable extent: coffee and tea, Chinese
Roger M. Buergel’s and Ruth Noack’s concept restaurants and woks, yoga and most recently
for documenta 12. But if studies are restricted Ayurveda are more or less superficial, more or
to the »migration of form(s)«, there is a risk of less consciously perceived borrowings from
ascribing correspondence to things, signs, mo- other cultures, and it is difficult to imagine our
tifs that are phenotypically similar in terms of everyday lives without them.
subject matter as well: »The migration of form In »Die Wilden und die Zivilisierten - Grund-
can be considered historically and aesthetically; züge einer Geistes- und Kulturgeschichte der
the exhibition’s methods create formal relati- europäisch-überseeischen Begegnung« (The
onships and connections between works and Savage and the Civilized – basic elements of
this means redistributing meanings and crea- an intellectual and cultural history of Europe’s
ting new ones.« (www.documenta12.de/migra- encounters with the world overseas; Munich
tion_der_formen.html?&L=8) 1976), the Swiss historian Urs Bitterli tells the
Now, is the transfer of the artificial island story, which still has repercussions today, of
in the shape of a tulip a migration of form and the meeting of various cultures and life forms;
nothing else – or is it not in fact a complex he analyses the inner tensions triggered by
cultural transfer made up of concept, form meetings of this kind and attempts to come to
and strategy? One remarkable feature of the grips with them intellectually. One form of cul-
artificial islands as an example is the various tural encounter is acculturation: this includes
different directions in which the transfer runs: phenomena resulting from direct and lasting
expertise is exported from Europe to the Gulf contact between groups of individuals from
States, form is imported from Central Asia and various cultures, and additionally the resultant
Turkey, while concept and strategy come from transfer of different behaviours, ideas, values
the Emirates. and technologies from one culture to another
Abu Dhabi, for its part, is hitting the head- and vice versa. Bitterli confirms that occidental
lines with a culture transfer of a particular na- culture is capable of acculturation, the selec-
tive acquisition and implementing of foreign
influences, change and renewal, which forms
the basis for any development. But numerous
contribute to raising awareness
of changing constellations in our
society and out culture, and to
66 It makes sense for these two institutions
with their headquarters in Stuttgart to co-ope-
rate: even in the past artists from Brazil, India or
realized this project, but also to all
the artists involved for their trust
and co-operation. And we thank
67
very recent political, social and cultural deve- heighten sensitivity to inclusion and exclusion from Germany as well – Alexander Pilis, Sarnath all our colleagues at the Institut für Auslands-
lopments – such as the Swiss people’s decision strategies. Banerjee or Christine Meisner – featured from beziehungen, at the Rave Foundation and the
in November 2009 to ban the building of mi- time to time in the list of scholarship winners Akademie Schloss Solitude, without whose
narets – suggest that Europe is less than ready Iris Lenz at the Akademie Schloss Solitude and in the list commitment it would not have been possible
for acculturation; Europe seems to be keeping ifa Gallery Stuttgart of ifa exhibition artists. to realize this project.
itself to itself, but it is also trying to position It also makes sense for the two institutions
itself as a major player in the global market. In to co-operate on a project in 2010 that will go Iris Lenz, ifa Gallery Stuttgart
»Fear of Small Numbers. An Essay on the Geo- beyond the usual connections: the Akademie Jean-Baptiste Joly, Akademie Schloss Solitude
graphy of Anger" (Durham, 2006), ethnologist »Culture Transfers« is the Schloss Solitude is celebrating its 20th birthday
Arjun Appadurai sees defining and dealing title of the new exhibition in 2010, and so is also presenting itself explicitly
with minorities (see catalogue p. 72) as one of series by the Stuttgart and Berlin ifa galleries, in this context in and with cultural institutions
the challenges facing globalization. addressing the various forms, standards, sub- in the city – among other things in a joint pro-
In terms of culture, globalization requires ject matter and strategies adopted by cultural ject with ifa that opens with this co-operation
critical reflection on the West’s ability to accept transfer operations between the centre and the on the »Culture Transfers« series. Another part-
acculturation; although or precisely because we periphery. Even the working method of institu- ner is ifa's Rave Foundation, which offers young
perceive ourselves as creators and mediators of tions such as ifa or the Akademie Schloss Soli- curators, restorers and culture managers from
culture operating trans- or multinationally, in- tude is based on cultural transfers, promoting, emerging and developing economies to acquire »Love is another country he didn’t know«
itiating and realizing projects all over the world, demanding, supporting and initiating intercul- professional experience and realize projects in James Baldwin
the question about inclusion and exclusion in tural encounter and discussion. Germany in co-operation with German institu-
the art business is always with us. To what ex- The Institut für Auslandsbeziehungen e.V., tions. »… Ontologies of the present demand archaeo-
tent and in what direction are exchange, trans- created to be the leading German instituti- Övül Durmus5 oğlu, a curator born in Ankara logies of future, not forecasts of the past.«
fer and acceptance between the centre and the on for international art exchange, organizes in 1978, has generously been granted a scholar- Frederic Jameson
periphery actually taking place? To what extent and promotes exhibitions of German art all ship both by the Rave Foundation and from
are the centres, i.e. Europe and North America, over the world. The ifa galleries in Stuttgart Akademie Schloss Solitude to devise and realize I am a 31 year old woman, born in Ankara Tur-
in a position to take up not just other cultural and Berlin present and mediate contemporary an exhibition called »Another Country | Eine key. I have been developing myself as curator
forms, but also technologies and ideas, to in- art, architecture and design from Africa, Asia, andere Welt« for this occasion. The exhibitions and writer in the field of contemporary arts. I
tegrate them into their own culture and thus Latin America and Eastern Europe. ifa brings in the ifa galleries in Stuttgart and Berlin and work and travel in different European countries
develop that culture further? The »Culture together people from different cultures in ex- at the Akademie Schloss Solitude are comple- such as Sweden, Austria, Italy, the Netherlands
Transfers« exhibition investigates these que- hibitions and events, scholarship and exchange mented by lectures, discussions and publicati- and Germany. I did field trips to Lebanon, Is-
stions: through the lenses of the migration of programmes and also in international confe- ons with artists and curators from all over the rael, Egypt, United Arab Emirates and Qatar
forms, genres and technologies and also diffe- rences relating to foreign culture and educati- world, addressing forms, strategies, opportuni- to connect to the region Turkey has always
rent centre-periphery relations, curators and on policy, thus initiating intercultural dialogue ties and dangers relating to cultural transfers wanted to belong to. Additionally, I worked at
artists from Germany and abroad are pursuing and discourse. with existing or new works. Some of them have a well-known art institution in New York to ac-
specimen studies of assimilation strategies, but The Akademie Schloss Solitude occupies a been or are scholarship winners at Schloss Soli- quire more institutional capabilities. And now
also techniques for excluding different, »alien« particular place within the international art pro- tude, others have participated in ifa projects in I am here in Stuttgart having received a Rave
ideas and values. motion landscape: since the academy opened, the past, others again are new discoveries on scholarship to realize the first »Kulturtrans-
In a similar way to »fragrance of difference. hundreds of artists and academics from all over the Stuttgart scene. fers« project at ifa.
Räume der Kunst und der kulturellen Diver- the world have taken part in this programme. We hope not just that the »Another Coun- I was inspired to make such an introduction
sität" (Spaces for art and cultural diversity), a This puts the Akademie Schloss Solitude at the try | Eine andere Welt« project will contribute having listened to Beatriz Colomina’s lecture
conference at the ifa-Galerie Stuttgart in No- centre of a tight, world-wide network of former new angles for reflection on cultural transfer, recently held in Akademie Schloss Solitude’s
vember 2008 in Stuttgart, or like a series of in- scholarship winners that gets bigger from year but also that co-operation will continue bet- »Design of the (In-)Human« conference on the
ternational conferences by apexart in New York to year. The name Akademie Schloss Solitude is ween institutions offering a lively, creative and topic of the »Post-Human« Architect. Colomina
for example, documented in the reader »On a programme in its own right: it combines the innovative platform for cultural exchange. Our took the audience on a tour with Le Corbusier
Cultural Influence" (apexart, New York 2006) – idea of an academy for academic and artistic thanks go to everyone who has helped to make travelling around on the plane seated in his
the »Culture Transfers« exhibition series does exchange with that of a place of retreat. The this project possible: the Foreign Office, the regular window seat numbered five; she read
not represent a comprehensive survey of the academy was founded to provide solitude and state of Baden-Württemberg, the Landesstif- some of his notes regarding the architecture
phenomenon of international influences in the works in the space between private and public, tung Baden-Württemberg, Stuttgart as state of the aeroplane, the way he connected himself
age of globalization. But the individual exhibi- where art is thought about and produced, and capital and the Rave Foundation. Special thanks with the world and how this model of thinking
tions, lectures and discussions are intended to makes its connections with the public. not just to Övül Durmus5 oğlu, who devised and opened the way global architects work today
developing different projects worldwide. Le
Corbusier’s attitude in relating himself to the
world is very colonial on the one hand. However,
humans as culture bearing crea-
tures are to view as social, trans-
formative beings; humans having
68 the erasure of the other.« Though we can make
historical explanations about whys and hows
of present, none of us seem to be certain about
like ifa – whose primary mission is
developing relations with foreign
cultures – implies that it should
69
on the other hand it defines the way not only ar- to bear a particular culture disavows such a what future brings. be read as a clear wish; a wish to dream other
chitects but also many cultural producers work transformative capacity: »It implies that every Alongside this – one among many – pictu- possibilities than we experience now in the
today. After the talk a friend reminded me of a human being is so shaped by a particular cul- re of the actualities of contemporary times context of rising frictions among groups and
status update I made on Facebook one day, »I ture that to change or undermine that culture which resists totalizations; as well as Édouard their values. It should not be forgotten that the
fly therefore I am«. Precarious we may be, that’s would be to undermine the very dignity of that Glissant’s poetic reading of contemporary cul- German translation of Baldwin’s novel is »An-
how we work today as part of networks; we fly, individual.« He argues that multiculturalism ture – which is cross-cultural, creolized and dere Welt«; that places a touch of universality
we skype, we get our worldly updates online, becomes no less than old-fashioned racism in hybrid – recreating itself everyday as a »flood and generalization within the concept. For me
we make status updates on Facebook, we write, this respect. convergence publishing itself in the guise of a statement such as »Another Country« defines
read and comment in the blogosphere. Malik’s view presents one side of the picture the commonplace.« Though considered as a how the existing models of the current world
We seem to be so connected to each other while a very recent referendum in Switzerland safe playground by some, the refracted field (dis-) order have stopped working today. Maybe
and to everywhere, so why do we still need banning the constructions of minarets clarifies of contemporary art, the act of presenting the they never worked but we wanted to deceive
cultures to be transferred and exchanged in another. 57 percent is a victory for the rightist present in Boris Groys’ words, can be consid­ered ourselves.
our global world? A prolific writer and lectu- Swiss People’s Party and another small religious as one of those commonplaces where different Mapmaking has become a vital practice of
rer working on multiculturalism among many party who proposed inserting a single sentence interpretations intersect. Thus, it certainly has alternative thinking on contemporary issues.
other things, Kenan Malik, says the separation banning the construction of minarets to the a role in intensifying our awareness of the pre- Ashley Hunt’s »A World Map: IN WHICH WE
of cultures, the production of difference be­ constitution that guarantees the freedom of sent; that is reminding us how the present is SEE...« shows double movement of globalizati-
come even more of a mass product than an religion. An article in the New York Times says more than now, it has a past and a future. It can on that redraws borders in order to free up the
expensive Starbucks latte in global times. Does »The result came after a controversial cam- be a tool for reading against the grain; seeing movement of capital while restricting the mo-
contemporary art have an educational mission paign that played aggressively on the same the layers of collective memory, how some so- vement of persons. Wherever Hunt is invited to
here in the process of transfer and exchange? In fears of Muslim immigration and the spread cial defense mechanisms are kept activated, perform »A World Map«, he calls for voluntee-
this state, can we really work as artists, curators, of Islamic values that already resonate in other how there is always more beneath the visible. ring activists, artists and students to create the
writers without being read through our iden- European countries.« One of the aggressive On the other hand many contemporary art map together as a collaborative process. With
tities, our backgrounds, where we come from? strategies used by SPP was an interactive com- works stimulate us to re-imagine differences no end and no beginning, the map works like
We are all involved in this process of difference puter game called »Minarett-Attack«. and their convergences. a conceptual structure that reveals the machi-
production in the cultural field. The result of the referendum is not a surpri- »Another Country« has come out of the desi- nery of globalization almost in a dizzying way.
To see culture production as separate from se but a continuation of different cases we have re to intensify awareness of the present and to It functions differently with every context it
politics is naive. The affinities have become heard around Europe recently. Things flow in trigger re-imagining the current issues. The appears in. For »Another Country«, it provides
even stronger as the potential of culture in the circulation, but it seems that new divisions are exhibition aims to present a selection of works a base argument of the world we are talking
accumulation of global capital is discovered. created. Populism has been moving on a dange- and research material that shed varied light on about by which the complex contemporaneity
The examples range from the proliferation of rous track. Every now and then we come across the production and perception of difference in discussed above is nourished. In Hunt’s words
biennials around the world promoted by city a new articulation of fundamentalism and na- the context portrayed above. The title comes »the map does not plot out geography or place,
administrators and bureaucrats to European tionalism developed as a reaction to the fluidi- from a well-known James Baldwin novel narra- but instead, maps concepts and ideas, placing
Cultural Capital projects and to the construc- ty of the globe. Minorities, immigrants become ting the intensity of personal relationships his them into relationships, proximities and con-
tion of the island of Saadiyat in Abu Dhabi ho- targets of psychological and physical violence characters experience through the prejudices tradictions, connected by flows, frictions and
sting the new Guggenheim and Louvre muse- around the globe. In Europe, many integration of race and gender. The characters in »Another forces.«
ums. For some theorists, globalization is more a policies still depend on the fact that people to Country« want to survive searching for love and »Sacred Interiors and Profane Buildings« is
narrative than a reality that organizes not only be integrated are different. The multiculturalist they realize their borders, their biases about the a recent piece of research by Matilde Cassani
our history but also our contemporary life. As valorization of difference seems to be concer- other they care about violently. inspired by the dilemmas of Europe in rela-
a clear and coherent process, it is ideology. For ned exclusively about different ethnic and cul- In the context of the exhibition which pro- ting herself to her non-Christian immigrants.
this reason, the above mentioned questions tural values; but in the end it leads to thinking poses a fresh and modest assembly of maps, re- Cassani mapped out the sacred places of Mus-
cannot be answered without touching on the of human groups in fixed terms. Where the search material, photographs, drawings, sound lims, Singhs and Buddhists in Barcelona, which
issues of contemporary, globalization ideology, production of difference becomes an ideolo- work and video installations, »Another Coun- mostly occupy unexpected and inconspicuous
the critiques of multiculturalism, the produc- gical tool, we become more and more divided. try« becomes an imagined place of change we locations such as empty, unused shops or ga-
tion of difference as an ideological tool. Differences do not lie side-by-side waiting to don’t dare to find at the state of facing our own rage extensions. These spaces are transformed
In an article written as reaction to the be inspected by us, says art theorist Terry Smith controversial limitations and frictions. It works according to the needs of the community per-
discussion of accepting sheriat as a viable law and adds »Their interaction is a major work of like Foucault’s heterotopia, a spatial potentiali- forming its religious duties inside. Cassani’s
form for Muslim people in Britain, Kenan Malik the world on us and us on the world. We are, all ty crossing the line between concreteness and research maps out one of the important fric-
wittily clarifies a large picture of the difference of us, thoroughly embedded inside these pro- illusion. Calling an exhibition on cultural trans- tions in European countries that on the surface
discourse led by multiculturalists. While saying cesses. Too many of them are violently bent on fers »Another Country« in a state institution seem to tolerate the differences but in actuali-
ty leaving no space for differences to appear in
their usual order. Furthermore, she points out
the survival instincts of global communities.
blue sky with camera beneath
their feet singing for their dream
of deliverance from ongoing op-
70 life from 0 to now or any temporal happenings
and the latest one »Ruler Coup« showing the
three military coup d’etats in the lifeline of Tur-
Europe after the regional focus of
the latest Biennial. In the overall
dis-order of the world today, we
71
»Sacred Interiors and Profane Buildings« ma- pression to communicate their unheard calls to kish Republic. His mind criss-crosses the forms cannot help seeing that the nation state struc-
nifests the ridiculousness of the mentality of Israeli state by a tune that Israelis are attached of linearity, the measure of time, the rhythm tures are becoming more like company struc-
»Minarett-Attack« in Europe today. to? Or can it be a song of acceptance? Jumana and the form of the Arabic alphabet. Erek, tures, making nationalities look like nothing
How identities are performed in masses is Manna points out the complexity of the situa- therefore invites the audience on that exclusive more than brands. The precarious mobility of
one of Köken Ergun’s major interest areas. He tion, which is totalized by two sides in their spot, to improvise their interpretations of life the artists and curators, writers who live and
documents not only an official celebration of different ways. experiences in a different logic. work outside their homelands for various re-
the Republic in Istanbul but also a gathering Javier Hinojosa creates his new topography In the framework of »Another Country«, asons are already mentioned in the opening
in Ramallah commemorating Yasser Arafat. through his artistic research material, the pho- Dubravka Sekulić, who defines herself as an paragraphs of this text. The fundamental pro-
The specific forms of these performances are tos and sketches he took all around the world architect-researcher, considering architecture blem is not the identities but the way multicul-
framed in his work not openly as expected but he travels in: Mexico City, Berlin, Istanbul, Dur- as cultural practice that can motivate and gui- tural discourse and its variations cherish it as
on the contrary preserving their almost mysti- ban. He traces how objects, concepts, edifices de changes in future, will create a socio-cultural static, non-changing and non-transformative
cal quality. One of his last works »WEDDING« is repeat themselves again and again arbitrari- chart of post World War II nationalisms in Eu- belonging to a certain culture. The horizon of
the product of a long research process that can ly in different urban contexts. Nourished by rope through using Eurovision Song Contest as readings produced from this angle, in the insti-
be called a type of embedded aesthetic journa- strange constructions, illogical architectural a database. Still a phenomenon in Turkey, ESC tutional and non-institutional contexts, defines
lism, during which the artist followed weddings juxtapositions, constructing materials, Hino- is a spectacle platform of populist nationalism and limits the contemporary potential of art
taking place in the Turkish community living in josa makes his own sculptural installations. in Europe, countries supporting their friends work. In this context, for the art and culture
Berlin. Named after one of the biggest Turkish For the first time, he has agreed to display this according to their latest situation. The story producers, selforientalization, a term which can
community neighborhoods in Berlin, this three- studio material in the form of an installation. behind this chart or map comes from Sekulić’s be used for the one who, gazing at oneself from
channel video installation treats each devoted- Left over carry boxes, cement bags, unfinished research on analogue technologies and stan- the gazer’s point of view and identifies with it,
ly performed procedure recorded over a good steel constructions, piled up cement blocks in dardization of television in defining the borders is always dangerous so to be trapped by the
period of time diachronically. The work shows the corner of a busy street appear in a state of of Europe. To give an idea about this work in reading of certain identities; that is not using
how regular habits of identity construction be- multiplicity; they are some of those generally progress project, here is a historical quotation them as frictional sources in thinking and pro-
come a matter of community building in terms disregarded similar peculiarities and connect from Sekulić’s sketch material: »Cross national ducing in the commonplaces of multitudes.
of preservation and survival not unlike what is different parts of the world in their idiosyncra- broadcast was technically really difficult and Understanding the sense of multitudes would
observed in Cassani’s research. tic logic. Most of the time, it is impossible to say there was no interest as the first thing to be show us that the real is nothing other than the
I first watched Jumana Manna’s ambiva- which image comes from where. These connec- broadcast ever was a flower exposition and it intersection of different interpretations. Then
lently strong work »The Song of Ascents« in an ted dots reveal new geographies existing in the was the only thing that was broadcast until in difference would not separate but liberate.
exhibition titled »Overlapping Voices« in Vien- limited geography recognized, they hint very 1955 Marcel Bezençon, Swiss person working for
na organized by Friedemann Derschmidt and subtly at the logic of globalization Ashley Hunt EBU got an idea of organising Eurovision Song
Karin Schneider bringing the works of Palesti- refers to in his »A World Map«. Contest. Singing competition in which every 1) Kenan Malik, Mistaken identity, New
nian and Israeli artists. The work consists of five »Rulers« (2007-2009) adds the time dimen- national broadcaster from Europe would have Humanist, July/August 2008, retrieved from
Palestinians singing together in a disharmonic sion of the edgy geography of »Another Coun- a contestant, the competition would be broad- http://www.kenanmalik.com/top/essays.html
choir, »The Song of Ascents«, (in Hebrew, ‘Shir try«. As a musician and artist who studied ar- cast in all participating countries and a jury on 29th Nov 2009.
Hama’a lot’, in Arabic ‘Nasheed Al Muraqi’), the chitecture at the same time, Cevdet Erek is very would vote for the winner. The simple concept 2) ibid.
words of Psalm 126 from the Old Testament. keen on creating his own variation of forms modeled after Italian San Remo competition, 3) New York Times, 1st December 2009 edition
Sung to the centuries-old Jewish tune, the moving between visual and audio. Rational pat- was to become the longest broadcast annual 4) Terry Smith, Introduction: The Contempo­
Hebrew lyrics are replaced by the words of the terns of sound, sketch and design actually come event and one with the highest rating.« raneity Question, Antinomies of Art and Cultu-
Arabic translation. I didn’t know the meaning together in instinctive assemblies decided by Arriving to the final point of this text, I would re, ed. Smith, Enwezor et al, Durham, London:
of this song for the Christians, it has been ad- Erek’s multifaceted sensitivities. »Rulers« se- like to go back to one of the previous questions Duke University Press, 2008, p. 10-11.
opted as a popular song for the vision of world ries was developed by the artist to measure I asked in the beginning. Is it possible to work in 5) Quoted by Okwui Enwezor, The Postcolo-
peace, the coming of the day of redemption. and interpret personal timelines. It consists of contemporary art without being read through nial Constellation: Contemporary Art in a Per-
And I also learned how the Jewish interpretati- four different pieces varied from each other; our identities, our backgrounds, where we come manent State of Transition, Antinomies of Art
on has received a strong Zionist connotation, of »Father’s Timeline« where the artist’s father from? Every now and then there is another ex- and Culture, ed. Smith, Enwezor et al, Durham,
return to the land of Zion, i.e. Israel. This Arabic was invited to make a sketch of his lifeline, hibition based on »curious« nationalities and London: Duke University Press, 2008, p. 207.
version is a hybridized one where decades of ac- »Ruler I«, the first prototype Erek produced in regions; art from China, art from Middle East, 6) Ashley Hunt, A World Map: In Which We
cumulated frictions converge. The work makes Arabic, departing from his father’s drawing, art from Eastern Europe. And the structures of See..., An Atlas of Radical Cartography, ed. Mogel
us look again at where we stand in relation to from 1974 to 2007 was developed when he was the art world affect each other; for example the and Bhagat, Los Angeles: Journal of Aesthetics
the whole conflict. How to read this provocative working at Townhouse Gallery in Cairo, »Ruler young contemporary art fair of Istanbul makes and Protest Press, 2007, p. 145
song? Are performing Palestinians against the 0-Now« which can be used to interpret one’s a special section for Middle East and Eastern
wer of the information revolution
in its electronic forms. Electronic
information technologies are part
72 colonialism is now so deeply tied to mass me-
dia and global intervention that it is doomed to
permanent institutionalization. One could po-
competing universalisms such
as freedom, market, democracy,
and rights, which simply did not
73
and parcel of the new financial instruments, sition oneself in Kosovo or Iraq and ask whether operate in the same way in earlier periods.
many of which have technical powers which the violent humanitarianism of NATO air strikes Above all, the many examples I have given fit
Globalization is a source of debate almost are clearly ahead of the protocols for their regu- is the newest form of biblical retribution by the with the major empirical fact of macroviolence
everywhere. It is the name of a new industrial lation. Thus, whether or not the nation-state is armed gods of our times. Or one could identify in the past two decades, which is the relative
revolution (driven by powerful information and fading out, no one can argue that the idea of a with the perspective of terrified minorities in and marked growth in intrastate versus inter-
communication technologies) which has bare- national economy (in the sense first articulated many national spaces, such as Palestine, Timor, state violence. Thus, the maps of states and the
ly begun. Because of its newness, it taxes our by Friedrich List) is any more an easily sustain­ or Sierra Leone, often living in detention camps maps of warfare no longer fit an older, realist
linguistic resources for understanding it and able project. Thus, by extension, national sove- parading as neighborhoods or refugee camps, geography. And when we add to this the glo-
our political resources for managing it. In the reignty is now an unsettled project for specific and ask about the violence of displacement bal circulation of arms, drugs, mercenaries,
United States and in the ten or so most wealthy technical reasons of a new sort and scale. Third, and relocation. mafias, and other paraphernalia of violence, it
countries of the world, globalization is certain- the new, mysterious, and almost magical forms Cutting across all these locations and forms is difficult to keep local instances local in their
ly a positive buzzword for corporate elites and of wealth generated by electronic finance mar- of violence is the presence of some major glo- significance. Of all these contexts for violence,
their political allies. But for migrants, people of kets appear directly responsible for the growing bal factors. The growing and organized vio- ranging from the most intimate (such as rape,
color, and other marginals (the so-called South gaps between rich and poor, even in the richest lence against women, famously in the Taliban bodily mutilation, and dismemberment) to the
in the North), it is a source of worry about inclu- countries in the world. regime, is also clearly evident in many other most abstract (such as forced migration and
sion, jobs, and deeper marginalization (…) More importantly, the mysterious roamings societies that seek to cast the first stone, such legal minoritization), the most difficult one is
We can do our best to see globalization as of finance capital are matched by new kinds as the United States, where domestic violence the worldwide assault against minorities of all
just a new phase (and face) of capitalism, or im- of migration, both elite and proletarian, which remains prevalent. The mobilization of youth kinds. In this matter, every state (like every fa-
perialism, or neocolonialism, or modernization create unprecedented tensions between iden- armies, notably in Africa but also in many other mily) is unhappy in its own way. But why are we
or developmentalism. And there is some force tities of origin, identities of residence, and iden- sites of intrastate warfare, is producing war ve- seeing a virtually worldwide genocidal impulse
to this hunt for the analogy that will let us tame tities of aspiration for many migrants in the terans who have hardly seen adulthood, much toward minorities, whether they are numerical,
the beast of globalization in the prison house world labor market. Leaky financial frontiers, less peace. Child labor is sufficiently troubling cultural, or political minorities and whether
(or zoo) of language. But this historicizing move mobile identities, and fast-moving technolo- as a globalized form of violence against child- they are minorities through lack of the proper
(for all of its technical legitimacy) is doomed to gies of communication and transaction to­ ren, but the labor of fighting in civilian militias ethnicity or proper documentation or by being
fail precisely in accounting for the part of glo- gether produce debates, both within and across and military gangs is a particularly deadly form visible embodiments of some history of mutual
balization that is unsettling in its newness. Re- national boundaries that hold new potentials of induction into violence at an early age. And violence or abuse? (…)
course to the archives of prior world systems, for violence. then there are the more insidious forms of The existing answers do not take us very far.
old empires, and known forms of power and There are many ways that we can approach violence experienced by large numbers of the Is this a clash of civilizations? Not likely, since
capital can indeed soothe us, but only up to a the problems of globalization and violence. One world’s poor as they undergo displacements many of these forms of violence are intracivili-
point. Beyond that point lurks the intuition of could take the United States and ask whether by huge dam projects or by projects of slum zational. Is it a failure of states to fulfill the We-
any poor people (and their supporters in the the growth in the prison industry (and what clearance. Here they experience the effects of berian norm of monopolizing violence? Partly,
world) that globalization poses some new chal- is sometimes called the carceral state) is tied the global politics of security states as victims but this failure itself requires further explana-
lenges which cannot be addressed with the to the dynamics of regional economies which of economic embargos, police violence, ethnic tion, along with the concomitant worldwide
comforts of history, even those of the history of are being pushed out of other more humane mobilization, and job losses. The shutdown of growth in »private« armies, security zones, con-
bad people and nasty world conquerors. (…) forms of employment and wealth creation. One small-scale industries in Delhi in the past de- sultants, and bodyguards. Is it a general world-
Where exactly does this newness lie and why could consider Indonesia and ask why there is a cade is a vivid example of the collusion of high- wide numbing of our humanitarian impulses,
do many critical intellectuals fail to understand deadly increase in intrastate violence between minded environmental discourses, corrupt city as someone like Michael Ignatieff may suggest
it better? In my opinion, there are three interre- indigenous populations and state-sponsored politics, and the desperate scramble for jobs (1998), due to the effect of too many mass me-
lated factors which make globalization difficult migrants. One could study Sri Lanka and ask and livelihood. (…) dia images of faraway wars and ethnocides?
to understand in terms of earlier histories of whether there are real links between the in- What does this catalogue have to do with Perhaps, but the growth in grassroots coali­
state and market. The first is the role of finance cessant civil war there and the global diaspora globalization as such? Is it not just one more tions for change, equity, and health on a world-
capital (especially in its speculative forms) in the of Tamils, with such results as eelam.com, an chapter in the story of power, greed, corrupti- wide basis suggests that the human faculty for
world economy today: it is faster, more multipli- example of cyber-secession (Jeganathan 1998). on, and exclusion that we can find as far back long-distance empathy has not yet been deple-
cative, more abstract, and more invasive of na- One could worry about conventional secessio- in human history as we please? I would argue ted. Is it the concomitant growth in a huge glo-
tional economies than ever in its previous histo- nist movements from Chechnya and Kashmir otherwise. Many of the examples I have cited bal arms traffic which links small arms and Ka-
ry. And because of its loosened links to manuf- to the Basque Country and many parts of Af- above are tied in specific ways to transfor- lashnikovs to the official state-to-state trade in
acture and other forms of productive wealth, it rica and ask whether their violence is strictly mations in the world economy since 197o, to rockets, tanks, and radar systems in a huge and
is a horse with no apparent structural rider. The endogenous. One could look at Palestine and specific battles over indigenism and national shady range of deals? Yes, but this tells us only
second reason has to do with the peculiar po- ask whether the intimate violence of internal sovereignty produced by the battle between about necessary conditions for global violence
and not about sufficient ones. Or are we in the
midst of a vast worldwide Malthusian correc-
tion, which works through the idioms of mino-
goats in the era of globalization?
After all, strangers, sick people,
nomads, religious dissidents, and
74 blur the lines between national economies and
between legal and criminal transactions. Their
languages exacerbate worries about national
the massive unleashing of sta-
te and popular violence against
Sikhs in 1984 that produced the
75
ritization and ethnicization but is functionally similar minor social groups have always been cultural coherence. Their lifestyles are easy Sikhs as a cultural and political minority, who-
geared to preparing the world for the winners targets of prejudice and xenophobia. Here I ways to displace widespread tensions in society, se own small terrorist component acquired a
of globalization, minus the inconvenient noise suggest a single and simple hypothesis. Given especially in urban society. Their politics tend to general sacrality after these events. So, within a
of its losers? Is this a vast form of what we may the systemic compromise of national economic be multifocal, so they are always sources of an- century (and some would say within a decade)
call econocide, a worldwide tendency (no more sovereignty that is built into the logic of globali- xiety to security states. When they are wealthy, a category that was considered a militant au-
perfect in its workings than the market) to ar- zation, and given the increasing strain this puts they raise the specter of elite globalization, xiliary of the Hindu world turned into its most
range the disappearance of the losers in the on states to behave as trustees of the interests working as its pariah mediators. And when dangerous internal enemy for at least a decade
great drama of globalization? A scary scenario of a territorially defined and confined »people," they are poor, they are convenient symbols of after 1984.
but fortunately lacking in plausible evidence, minorities are the major site for displacing the the failure of many forms of development and Consider one last reflection on the links bet-
partly because the world's biggest criminals anxieties of many states about their own mino- welfare. Above all, since almost all ideas of na- ween globalization and violence against mino-
and tyrants have learned the languages of de- rity or marginality (real or imagined) in a world tion and peoplehood rely on some idea of eth- rities. (…) How can friend kill friend, neighbor
mocracy, dignity, and rights. So what is it about of a few megastates, of unruly economic flows nic purity or singularity and the suppression kill neighbor, even kinsman kill kinsman? These
minorities that seems to attract new forms and and compromised sovereignties. Minorities, in of the memories of plurality, ethnic minorities new forms of intimate violence seem especially
scales of violence in many different parts of the a word, are metaphors and reminders of the blur the boundaries of national peoplehood. puzzling in an era of fast technologies, abstract
world? The first step to an answer is that both betrayal of the classical national project. And This uncertainty, exacerbated by the inability of financial instruments, remote forms of power,
minorities and majorities are the products of it is this betrayal actually rooted in the failure many states to secure national economic sove- and large-scale flows of techniques and ideo-
a distinctly modern world of statistics, censu- of the nationstate to preserve its promise to be reignty in the era of globalization, can translate logies. One way to unravel the horror of the
ses population maps, and other tools of state the guarantor of national sovereignty - that un- into a lack of tolerance of any sort of collective worldwide growth in intimate bodily violence
created mostly since the seventeenth century. derwrites the worldwide impulse to extrude or stranger. It is difficult to know who might emer- in the context of increased abstraction and
Minorities and majorities emerge explicitly in to eliminate minorities. (…) ge as the target minority, the ill-fated stranger. circulation of images and technologies is to
the process of developing ideas of number, re- Here we may return to the classic anthropo- In some cases it seems obvious, in others less consider that the relationship is not paradoxi-
presentation, and electoral franchise in places logical argument by Mary Douglas that »dirt so. And that is because minorities are not born cal at all. The body, especially the minoritized
affected by the democratic revolutions of the is matter out of place" and that all moral and but made, historically speaking. In short, it is body, can simultaneously be the mirror and
eighteenth century, including satellite spaces in social taxonomies find abhorrent the items through specific choices and strategies, often the instrument of those abstractions we fear
the colonial world. So, minorities are a recent so- that blur their boundaries (1966). Minorities of of state elites or political leaders, that parti- most. Minorities and their bodies are, after all,
cial and demographic category, and today they the sort that I have described - the infirm, the cular groups, who have stayed invisible, are the products of high degrees of abstraction in
activate new worries about rights (human and religiously deviant, the disabled, the mobile, rendered visible as minorities against whom counting, classifying, and surveying populati-
otherwise), about citizenship, about belonging the illegal, and the unwelcome in the space campaigns of calumny can be unleashed, lea- ons. So, the body of the historically produced
and autochthony, and about entitlements from of the nation-state - blur the boundaries bet- ding to explosions of ethnocide. So, rather minority combines the seductions of the fami-
the state (or its phantom remnants). And they ween »us" and »them", here and there, in and than saying that minorities produce violence liar and the reductions of the abstract in social
invite new ways of examining the obligations out, healthy and unhealthy, loyal and disloyal, we could better say that violence, especially at life, allowing fears of the global to be embodied
of states as well as the boundaries of political needed but unwelcome. This last binary is the the national level, requires minorities. And this within it and, when specific situations become
humanity, falling as they do in the uneasy gray key to the puzzle. In one way or the other, we production of minorities requires unearthing overcharged with anxiety, for that body to be
area between citizens proper and humanity in need the »minor« groups in our national spaces some histories and burying others. This process annihilated.
general. It is no surprise that humans viewed - if nothing else to clean our latrines and fight is what accounts for the complex ways in which
as insufficient by others (as for example the our wars. But they are surely also unwelcome global issues and clashes gradually »implode" This chapter was first printed in: Arjun
disabled, the aged, and the sick) are often the because of their anomalous identities and at- into nations and localities, often in the form of Appadurai: Fear of Small Numbers – An Essay
first targets of marginalization or cleansing. tachments. And in this double quality they em- paroxysmal violence in the name of some ma- on the Geography of Anger, Duke University
That Nazi Germany sought to eliminate all of body the core problem of globalization itself for jority. One classic case is the process by which Press, 2006, S.35–48.
these categories (iconized by the figure of the many nation-states. (…) the Sikhs in India were gradually turned into a
Jew) is useful to contemplate. But minorities Put more generally (…) minorities are the problematic minority (Axel 2001). This was not Arjun Appadurai, born 1949 in Mumbai, is a
do not come preformed. They are produced in flash point for a series of uncertainties that the outcome of any simple form of census po- contemporary social-cultural anthropologist
the specific circumstances of every nation and mediate between everyday life and its fast-shif- litics. It was based on a long twentieth century focusing on modernity and globalization, based
every nationalism. (…) They are marks of failure ting global backdrop. They create uncertainties of regional and national politics and was finally in New York.
and coercion. They are embarrassments to any about the national self and national citizenship produced in the violence of 1984, the assassi- Appadurai was born in Bombay, India in 1949
state-sponsored image of national purity and because of their mixed status. Their legally am- nation of Indira Gandhi, the state's counterin- and educated in India before coming to some
state fairness. They are thus scapegoats in the biguous status puts pressures on constitutions surgency campaign against Sikh separatists, of his most important works include »Worship
classical sense. and legal orders. Their movements threaten the and the carnage of the 1984 riots in Delhi and and Conflict under Colonial Rule« (1981), »Dis-
But what is the special status of such scape- policing of borders. Their financial transactions elsewhere. It could be argued that it was in fact juncture and Difference in the Global Cultural
Economy« (1990) found in »Modernity at Large«
(1996), and »Fear of Small Numbers« (2006).
Appadurai articulated a view of cultural activity
about being faster, hoisting like
a hero the flag of the patch and
the mend, taking advance of its
76 signing of the Treaty of Maastricht and forma-
tion of European Union. I always thought of it
as one of the most ironic moments in the story
somehow meant being part of
Europe. It is no wonder that, after
OIRT 6) merged into EBU in 1993,
77
known as the social imaginary. For Appadurai strength blocking entrances and exits, giving of Europe. 1994' s contest was flooded with 7 new former
the imaginary is composed of five dimensi- assistance to the weak in its structural basis, Television played an important role in the East Block countries that wanted to took part. 7)
ons of global cultural flow: 1) ethnoscapes; 2) recording, in that way like someone who tickles, second half of the 20th century. After the world This was a repetition of what already happened
mediascapes; 3) technoscapes; 4) finanscapes; the footprints of the dogs, muddled hikers; the war II European countries were not anymore a year before, when three of the new countries
5) ideoscapes. In 2008 it was announced that improvement of self-esteem or posterity desi- competing on the battlegrounds but in the formed in the break of Yugoslavia (Bosnia and
Appadurai was appointed Goddard Professor res of the lost one, as well as the love messages field of technology. War related inventions had Herzegovina, Croatia and Slovenia) joined the
of Media, Culture and Communication at the between teen lovers. to be utilised and television was one of the do- contest less than a year after they were official-
NYU Steinhardt School of Culture, Education, However, the potentiality of the escape is mestic life products that benefited a lot. Mo- ly recognized; Bosnia and Herzegovina even
and Human Development. Appadurai is a co- restricted, the concrete also has an irreversible reover, as television was a symbol of technolo- sending a contester while the war was raging
founder of the academic journal Public Cultu- temporal quality, its fluidity as the life itself, is gical development of the country, each country and Sarajevo was under the siege. For former
re; founder of the nonprofit PUKAR (Partners ephemeral. In the very molecular core of this was developing special protocols for broadca- East Block countries participating in Eurovision
for Urban Knowledge, Action, and Research) in diverse material, structural movements take sting to show their technological supremacy, also marked a change in the status of television
Mumbai; He has served as a consultant or advi- place in which their results seem to charge in but also to protect the national market. Cross that from a privilege became a commodity, and
sor to a wide range of public and private organi- advance the bills of the gifts they allowed to national broadcast became an extremely dif- some of them even changed colour standards
zations, including the Ford, Rockefeller, and Ma- it. The immanent capacity of the concrete to ficult operation in Europe, but then, there was switching from SECAM to more spread PAL. 8)
cArthur foundations, UNESCO, the World Bank generate alliances in the immense landscape not a lot of program to be broadcast to stimu- That also meant becoming more standardised
and the National Science Foundation. of the objects and the things is determined by late the countries to standardise the protocols. with Western European countries, as except for
the unavoidable alliances of its internal compo- Standardising body, European Broadcasting France all of them used PAL.
nents. There is no other fate for the awesome Union (EBU) 2), founded in 1950 to coordina- The choice of Soviet Union influenced
material but to become solid in the dictated te the broadcaster and promote the idea of countries to adopt SECAM over PAL in 1967
moment, like the transformation into a statue common standards, but in the beginning that when colour television became regular part
after having looked at the gorgon, in its flight, process was going slow. The odd way out of the of broadcasting was not solely technically re-
the concrete will always be surprised and its deadlock came with the creation of Eurovision lated. Eastern Germany specifically insisted on
In spite of solid cast will never show any pretention, on Song Contest 3) in 1955. The idea for the contest adopting a standard that would be different
the preci- the contrary, with a frankness only comparable came from Marcel Bezançon, the Swiss mem- from its West German neighbour in order to
sion of term that with the one of the stones, its shapes will show ber of EBU and it was modelled after Sanremo prevent their population to smuggle television
names it, the concrete as a material has inde- an infinite disposition to keep rolling. Music Festival 4), Italian popular music festival sets and watch West German programs. The
ed an ambiguous relation with reality. It is ob- established in 1951. The first contest took place question of choosing the standards to adopt
vious to think that the concrete has a specific following year in Lugano, Switzerland, and it is not a neutral technical question as it might
relation with architecture and construction, was one of the first major events started that seem at the first glance. That is why Eurovisi-
nevertheless beyond its functional specificities also had an impact on building a new image on was such a successful vehicle for pushing
its characteristics not only keep acting with all of more united Europe. Moreover, it was the standardisation. The popularity of the contest
its potential but finding capacities where they first major event to be broadcasted live to the transformed it into the pervasive soft power 9)
seem not to exist. The tangential lines from Couple of months viewers in 7 participating countries. 5) The rest that is based on the three simple rules of par-
the specific of the concrete are multiple and all before my 9th birthday, Yugoslavia won for the is history, when the second contest was held in ticipation. In order to participate in the contest,
of them directly connected with its fluid qua- first and the only time in Eurovision Song Con- Frankfurt, Germany following year, it was alrea- the country has to have a national broadca-
lity. Lets imagine the cast of a column in the test. It was 1989, and I can still remember when dy 10 countries participating. Six out of those sting corporation that is member of EBU, to be
third floor of a construction site, the mold is the anchor Oliver Mlakar said something like countries few weeks later signed the Treaty of part of European Broadcasting Area 10) and to
reinforced and ready, the mixer machine begins »now we can all drink a glass of cold water, it Rome, the decisive document for foundation of be able to broadcast the whole event live as it
to fill up the structure with the heavy material is finished, we won« just before the last coun- European Union. is happening. Those rules effectively mean that
until the top, lets imagine a leak from which try was set to read out the votes. Eurovision When I started traveling to the Eu after 2000 any member of EBU is eligible to compete if it
the concrete begins to escape vertiginously, was coming to the only communist country one of the easiest ways to explain to my peers complies to the the other rules, even countries
imagine then its destiny, the plethoric world of in the competition. And then, a year later a lot coming from Western Europe that Yugoslavia that are not usually considered part of Europe,
possibilities to embrace and generate alliances of things were different, Berlin Wall was alrea- was different from East European countries as being within the borders of Europe here is
with any kind of object during its flight. dy down, process of reunification of Germany was not by mentioning Tito and the break with even broader than usual European Union and
That’s how we constantly come across with well under way, and Yugoslavia was counting Stalin in 1948, but the fact that Yugoslavia par- the rest of Europe borders confusion. In fact,
this material hanging out in the most friend- its last days. In that atmosphere, Toto Cutugno ticipated in Eurovision from 1960s onward and Israel has been competing since 1973, and of
ly way with buckets, fences and posts in the won on 35th contest in Zagreb 1) with the song that we shared the parts of a European common all other countries in Mediterranean basin that
sidewalks, chasing the proud cracks who brag called »Insieme: 92« celebrating the scheduled (childhood) memories. Being part of Eurovision could participate (Lebanon, Egypt, Libya, Tunisia,
Algeria and Morocco) only Morocco tried out
once in 1980. The last rule was of course the
most important one considering the impact
hape format for this purpose. The
another technological change is
being fast adopted by the Euro-
78 5) Countries that participated in the first
Eurovision Song Contest were: Belgium, France,
Germany, Italy, Luxembourg, Netherlands, Swit-
the national television network to
censor any Israel participation and
to black out picture and sound du-
79
Eurovision had on standardizing of broadcast vision as many of the European countries are zerland. Austria, Denmark and the United King- ring the performance. When it became evident
in Europe and it was a crucial one for the with- switching from analogue to digital television. dom failed to choose their entries before the that Israel is not even listed as a participant on
drawing of Lebanon from the contest in 2005, It is a matter of time when participation in deadline and made their debut following year. the official Lebanese website for the contest,
when their singer was already in the official the contest will be stipulated by the ability to 6) OIRT (International Radio and Television Lebanon was forced to withdraw.
program of the contest. 11) broadcast the event using digital signals. For Organisation) was an East European network 12) Svente Stockselius, Executive Supervisor
Although »The Eurovision Song Contest is the competition that is organised by the union of radio and television broadcasters that was of the 2005 ESC, quoted on the official Ukranian
not a political event« 12) it is obvious that it is of national broadcasters that provide the pu- founded by 26 members in 1948 both from East ESC website (27 April 2005) http://www.eurovi-
difficult to extract politics from its context. Leba- blic service, the most important question the and West Europe, noticablly without the United sion.ua/en/news/00141/ quoted in Ivan Raykoff,
non controversy was just one in the long line of change to digital opens is the question of the Kingdom. In 1950, some members, mostly from Camping on the Borders of Europe in A Song for
similar events on which countries were pulling property of the public domain. As parts of the Western Europe and North Africa left the orga- Europe, pp.3
out of the competition in sign of the protest. spectrum are being liberated because of this nisation and formed European Broadcasting 13) Georgian entry called »We Don't Wanna
Just to mention few: Greece withdrew from the change, due to the fact that digital signal uses Union (EBU). On January 1st 1993, OIRT became Put In« was seen as offensive to Vladimir Putin,
1975 contest when Turkey made its debut, Au- less space for transmission, this space is usually part of EBU and seized to exist. Russian Prime Minister and as a reaction on
stria refused to participate when contest was advertised by the governments as the space for 7) Countries that debuted on 39th Eurovisi- Russian occupation of Georgia.
held in Spain during Franco's regime in 1969 development of new commercial services. This on Song Contest, held in Dublin, Ireland in 1994, 14) Andrew Muller »The Politics of Pop«
and Georgia's entry was rejected by EBU due to way, the potential and use value of this space were Estonia, Hungary, Lithuania, Poland, Ro- Guardian (26 March 2005) http://www.guar-
political connotations. 13) Actually, »Eurovision as part of common domain is obscured and for- mania, Russia and Slovakia. dian.co.uk/music/2005/mar/26/popandrock1
is legendary as an arena for settling diploma- gotten. This tells a lot about the direction go- 8) Development of both PAL (Phase Alterna- (accessed 15.12.2009)
tic scores, venting ethnic grievance, baiting vernments are heading, and maybe on one of ting Line) and SECAM (Séquentiel couleur à me- 15) After years of lobying, former Soviet Uni-
national rivals and undermining governments the next Eurovisions one of the songs will ask moir) was started to create an European colour on states from the Caucasus region, Armenia,
– and, what's more, these moments are almost a question related to reclaiming of the public standard that would eliminate the problems in Georgia and Azerbaijan succeeded in 2005 in
always the highlights.« 14) Though ridiculed be- domain. american standard NTSC (dubbed Never Twice changing the borders of EBA thus becoming
cause of increasingly appalling quality of music the Same Color, because of its colour consisten- eligible to compete in the contest. They procee-
that dominates the contest itself, it was always 1) JRT – Yugoslavian Broadcasting Corporati- cy problem). Although french developed SECAM ded to join the contest in 2006, 2007 and 2008
perceived as something more serious than the on was a union of radio-television broadcasters was developed first (it was usable already by respectively.
mere singing contest. It is a stage on which from each republic. The ESC representative the end of the 1950s) it was PAL, developed in 16) The symbolical importance of Eurovision
countries on the periphery of Europe express from Yugoslavia was chosen every year on the german Telefunken laboratories, that was Song Contest in Turkey is so strong that the first
their intention to become a part of growing Yugovisia, competition modelled on ESC where officially used first in 1967, the British Broadca- victory in 2003, was perceived by some Turkish
European community 15) and for expressing representatives delegated by each television sting Corporation (BBC). politicians as a sign that Turkey is finally accep-
»Europeaness« of the country in the search from each republic would compete. The 1989 9) »Soft power's single most important asset ted by the Eu.
to be recognized. The best example of that is winner »Riva« was selected by the Television is its allegedly non-coercive nature, the capacity
Turkey. The country's more than three decades Zagreb, Croatian broadcaster and that is why to reach desirable outcomes without involving
faithful participation in the contest was always to contest next year was held in the capital of force, threath, or payment.« Metaheaven, Brand
perceived as a part of the bid to express its We- Republic of Croatia and not in the capital of States: Postmodern Power, Democratic Plura-
stern orientation in the decades long process Yugoslavia, Belgrade. lism, and Design, e-flux journal 1, http://e-flux.
of trying to become a part of European Union. 2) European Broadcasting Union (EBU) unre- com/journal/view/29 (accessed 15.12.2009)
16) After all, Eurovision is about making an im- lated to the European Union is also the world's 10) European Broadcasting Area (EBA) is part
pression and drawing attention to the country. largest professional association of national of the sky that is regulated by the EBU and Eu-
Almost all Yugoslav entries in the 1980s were public-service broadcasters. ropean standardising bodies. It was defined for
bringing on the stage a mischievous feeling of 3) Although Eurovision Song Contest is its the first time in 1961 in the Stockholm Treaty
summer vacations as Yugoslavia was using the full name, the contest is dominantly known (ST61) and it was revised several times since.
contest to promote itself as »the« destination just as Eurovision, which in fact is the name Currently it is bounded on the west by western
for exploding numbers of European tourists. of the unified network through programs are boundary of »Region 1" on the east by meridian
Being the prime product of the institution broadcast throughout Europe, for the purpose 40º East of Greenwich and on the south by the
that is about setting the standards, Eurovisi- of this text, Eurovision will be used for Eurovisi- parallel 30º North, and in addition Iraq, Jordan,
on adapts fast technological changes that are on Song Contest. whole Turkey and former USSR countries of
happening in the broadcasting field. Internet 4) The winner of the festival from 1956 to Caucasus region are included.
broadcast started already in 2000, as a part of 1966, and also in 1997, was also Italian entry on 11) Lebanon doesn't acknowledge the exi-
EBU experiment to use and spread the octos- Eurovision. stence of Israel and their laws would require
Kulturtransfers
Another Country | Eine andere Welt
Ausstellung und Katalog
Iris Lenz
Stefanie Alber
80
ifa-Galerie Stuttgart Valérie Hammerbacher
Charlottenplatz 17, 70173 Stuttgart Milena Hoffmann
30. April – 27. Juni 2010 Lisa Bauer

ifa-Galerie Berlin Übersetzungen


Linienstraße 139/140, 10115 Berlin Nina Hausmann, Tradukas
22. Oktober 2010 – 23. Januar 2011 Michael Robinson

Kuratorin der Ausstellung Technik


Övül Durmus5 oğlu Verena Meining
Roland Häfner, Davorin Strauss
Hans Pfrommer, Armin Subke

»Kulturen verbinden« Abbildungsnachweis


alle Abbildungen stammen von den Künstlerin-
nen und Künstlern

Gestaltung
Wessinger und Peng, Stuttgart

Gesamtproduktion
Druckerei Laubengaier, Leinfelden-Echterdingen

Copyright
Institut für Auslandsbeziehungen e.V., Text- und
Bildautoren, 2010
sowie Suhrkamp-Verlag und Duke University
Press für den Text von Arjun Appadurai

Das Projekt entstand in Kooperation mit der


Akademie Schloss Solitude und der Rave-Stif-
tung und wurde unterstützt von México Cona-
culta

Das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. wird


gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Ba-
den-Württemberg und der Landeshauptstadt
Stuttgart.