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1

Riefst du dir deine Freunde zu Du-Salam ins Gedächtniss zurück, sie, die in
früheren Tagen deine theuren Nachbarn waren, dass du die Thränenfluth, die
aus deinem Auge strömt, endlich yu Blut hinyumischtest?

2
Oder traf es sich, dass der Wind von Kazimah her zu wehen begann
und der Blitz in der Finsterniss von Idam her ?

Wie kommt es denn, dass deine Augen, wenndu sprichst: "Hemmt


den Strom der Thränen!" nach wie vor Thränen entströmen lassen?
Und dass dein Herz, wenn du sprichst: "Ermanne dich zu ruhiger,
klarer Bsinnung!" nach wie vor wirr und sinnlos bleibt?

4
Glaubt der thränenreiche verliebtte etwa, dass sine Verleibtheir or
allem und jedem verrätherschen Ausbruche gewahrt sei, wenn sie
so weit hervorgebrochen ist, dass sie theils als strömende
Thränenfluth, theils als glühendes Hery bei ihm sich äussert?

5
Wärest du nicht verliebt, so würdest du nicht gerade auf jene Spur
einer früheren Wohnstätte so viele Thränen ausströmen lassen, und
würdest nicht gerade dann die Nächte in unruhigen Schlafwachen
verbringen, wenn sich die Erinnerung al Al-Ban und Al-Alam einstellt.

6
Wie wird es dir denn möglich sein, da alle und jede Verliebtheit
abzuläugnen, wo die vollgültigen Zeugen, Thräneenfluth und
Siechthum, deine Verliebtheit bezeugen.

7
Und der Verliebtheit glühende Empfindungen in Zügen gelb und roth
wie Stieraug' und 'Anamfruchte die beiden Urkunden, Thränen und
blasse Magerkeit, auf deine beiden Wangen geschrieben haben?
8
Ja! Zu nächtlicher Stunde gekommen, that das Traumbilddessen,
den ich liebe, es mmir an, dass ich die Nächte in unruhigen
Schlafwachen verbringen muss; wie ja stets die Liebe ihre Wonnen
durch Schmery verkümmert.

9
O du, der mich tadelt auf Grund der Verliebtheit, wegen der ich mich
doch dir gegenüber genügend entschuldigen kann!! (Wäre es deine
Weise, gerecht und billig zu verfahren, würdest du nicht tadeln.)

10
Möge an die vorübergehen, was mich getroffen hat – mich, dessen
Geheimniss den zwischenträgerischen Ohrenbläsern bekannt
geworden ist und dessen Krankheit nicht weichen will.

11
Du hast Worte der Ermahnung und des Rathes an mich gerichtet,
allein ich höre auf diese Worte nicht; denn der Verliebte is t gegen
die Tadler taub,
12
Und sogar gegen das weise Greisenhaar, einen Ermahner und
Rathgber voll der lautersten Absichten, steig, als es mich tadelte,
Verdacht in mir auf, und dies trotz dem, dass das weisse
Greisenhaar bei Ermahnung und Rath der Möglichkeit des
Verdachtes weiter als irgend Jemand entrückt ist.

13
Denn meine das Böse gebietende Sinnlichkeit liess in ihrem tollen
und thörichten Sinn die drohende Ankündigung ndigung, die das
weisse Greisenhaar und das hohe Alter überbrachten, wirkungslos
an sich vorübergehen.
14
Und unterliess, in guten Werken die Bewirthung des Gastes
zuzurüsten, der bei meinem Haupte einkehrte, eines Gastes, der
keine Scheu und Ehrfrucht kennt.
15
Hätte ich früher gewusst, wie wenig ich ihn jetzt ehre, so hätte ich
das Ruchbarwerden des nur mir bekannten Geheimnisses, das jener
Gast darstellte, mittelst des Katam verhindert.

16
Ach! Dass mich Jemand belehrte, womit ich ihr unlenksames
Irregehen gerade so zurückzwingen kann, wie man die unlenksamen
Rosse mittelst der Zaüme zurückzwingt.

17
Suche darum nicht durch die Sünde ihre Begierde zu brechen; denn
die Speise reizt nur die Begierde des unersättlichen.

18
Die Sinnlichkeit gleicht dem kleinen Kinde, wenn du es gewähren
lässest, heranwachsend nicht aufhören rt nach der muttermilch zu
verlangen, das jedoch, wenn du dich bemühst es zu entwöhnen, sich
entwöhnen lässt.
19
Entsetze darum die böse Lust der Sinnlichkeit, und hüte dich wohl,
sie als Regierer und Verwaltter zu dulden; denn was die böse Lust
der Sinnlichkeit regiert und verwaltet, dem bringt sie Tod auf der
Stelle oder Beschädigung, an der es hinsiecht;
20
Und beobachte sie, wenn sie in den Werken weidet; und wenn sie
eine Weide süss findet, so lass sie dort nimmer weiden;
21
Wie oft liess sie dem Manne eine todtbringende Annehmlichkeit in
der Weise in dem Lichte einer trefflichen, herrlichen Sache
erscheinen, dass er nicht merkte, dass Gift in der Fettigkeit dieses
Gerichts enthalten war;
22
Und fürchte ihre heimlichen Nachstellungen: Hunger und Sattsein;
den gar manchmal wohl ist ausmergelnder Hunger in seinen Folgen
schlimmer als der Mangel der Verdauung mit seinen Beschwerden;

23
Und weine alle deine Thränen aus, die Thränen des Auges, das sich
zur Genüge an dem Verbotenen geweidet hat; und beobachte
unausgesetzt die Diät der Busse;
24
Und sei der Sinnlichkeit und dem Satan in Allem entgegen, und
trotye ihnen in offenem Ungehorsam, und wenn sie Worte der
Ermahnung und des Rathes an dich richten, so lass Verdacht in dir
aufsteigen;

25
Und gehorche in diesen beiden nimmer einem Widersacher und
Schiedsrichter; denn du kennst die List des Widersachers und des
Schiedsrichters.

26
Möge Gott es mir Vergeben, das ich Worte ohne That gepredigt;
fürwahr! In diesem Beginnen legte ich jenen Unfruchtbaren eine
Nachkommenschaft bei;

27
Ich befahl dir das Gute, kam jedoch selber diesem Befehle nicht nach,
und stand nicht gerade_ was soll es da heissen, dass ich zu dir sagte:
"Stehe gerade!"

28
Und Versah mich, ehe der Tod kam, mit keinem einzigen freiwilligen
guten Werke als Vorrath für die Reise, und leistete im Beten und im
Fasten nur das, was Gottes Satzung als unerlässlich von einem
Jeden verlangt;
29
Ich richtete mich nicht nach der Regel, die in Worten und Werken der
gegeben hat, der die Nächte durchwachte, bis seine Füsse von
Geschwulst zu leiden hatten;
30
Und der vor ermattendem, quälendem Hunger sich die Eingeweide
zusammenschnürte und seine Weichen von zarter Haut mit Steinen
belastet zusammenzog;

31
Und der, als die hohen Berge, eitel Gold, lockend ihn zu bethören
suchten, diesen Welch' eine verachtende Seelenhoheit zeigte;
32
Und dessen dringendes Bedürfniss den unumstösslichen Beweis
dafür lieferte, dass er keine Neigung in sich spürte, das zu ergreifen,
was die Welt bietet; _ denn das dringende Bedürfniss wird nimmer
Herr uber die heilige Natur der Propheten, welche sie vor jedem
unheiligen Beginnen bewahrt.

33
Das dringende Bedürfniss dessen, ohne den die Welt nie die Sphäre
des Nichtseins verlassen hätte_ wie wäre es ihm möglich,
Aufforderungen zum Ergreifen dessen, was die Welt bietet, ergehen
zu lassen?
34
Das ist Muhammad, der Herr dieser und jener Welt, der Herr der
Menschen und Ginnen, der Herr der beiden grossen gesonderten
Schaaren der Menschenkinder; derAraber und der Barbaren,
35
Unser Prophet, den, wenn er gebietet oder verbietet, im Neinsagen
wie im Jasagen an Wahrhaftigkeit Keiner übertrifft.

36
Er ist der Geliebte, auf dessen Fürsprache man hofft bei jedwedem
grausen Schrecknis, dessen Gewalt man anheimgefallen ist.

37
"Wer sich an ihn anklammert, klammert sich an ein Seil, das nimmer
reisst" _unter diesem Panier berief er Alle zu Gott.

38
Er übertraf die Propheten an Körpergestalt wie an Seelenadel, und
sie kamen ihm weder an Wissen noch an Tugend und Edelsinn nahe,

39
Sie, die sämmtlich von dem Gesandten Gottes bittend Erlaubniss
begehrten, aus dem Meere mit der Hand schöpfen, oder das Wasser
der anhaltenden Regengüsse schlürfen zu dürfen,

40
Und neben ihn den unterscheiden den Punkt seines Wissens oder
die fallangebende Bezeichnung seiner Weisheit zu äussersten
Grenze hatten, an der sie dastanden, ohne sie überschreiten zu
können.
41
Ihn erkor der schöpfer der Menschen sich zum Geliebten, nachdem
Ineres und Äusseres bei ihm zu vollendeter Vollkommenheit
gediehen war.
42
Er hat Keinen neben sich, der an seinen Schönheiten Theil hat, und
sie Substanz seiner Schönheit ist eine ungetheilte.

43
Was die Christen von ihrem Propheten behaupten, behaupte nicht;
und erkenne getroste an Lob ihm zu, was ihm zuzuerkennen dir nur
immer beliebte;
44
Und lege seiner person jeden Adel bei, den ihr beizulegen dir beliebt;
und lege seiner Würde jede Grösse bei, die ihr beizulegen dir beliebt;

45
Denn die Vortrefflichkeit des Gesandten Gottes hat keine Grenze, so
dass irgend ein mit dem Munde Redender sie in ihrer ganzen Grösse
aussprechen könnte.
46
Wenn sein Wunderzeichen seiner Würde an Grösse entsprächen, so
würde sein Name, ausgesprochen, die hingeschwundenen
Todtengebeine beleben.

47
Mit Dingen, die der Verstand nicht begreifen kann, hat er, getrieben
vom Eifer für unsere Wohlfahrt, uns verschont, und wir sind so
weder dem Zeifel noch dem Wahn anheimgefallen.
48
Sein inneres Wesen zu erfassen, ist eine Aufgabe, die das Vermögen
der Sterblichen übersteigt, und in der Nähe und in der Ferne sichst
du Keinen, der nicht rathlos dasteht, wo es gilt, diese Aufgabe zu
lösen;
49
Sein inneres Wesen gleicht der Sonne, die in der Ferne sich dem
Auge in verschwindender Kleinheit zeigt und in der Nähe den Blick
blendet.
50
Wie wohl sollte hienieden sein eigentliches Wesen begreifen das
schlafende Geschlecht, das mit dem leeren Traumbilde zufrieden,
nach ihm nicht fragt.

51
Und dessen gesammte Erkenntniss seines Wesens sich dabei auf
die Wahrheit beschränkt, dass er ein Menschenkind ist, und dass er
das beste sämmtlicher Geschöpfe Gottes ist?

52
Jede Reihe von Wunderzeichen, welche die hohen Gesandten Gottes
zu Tage treten liessen, ist von seinem Lichte her zu ihnen gelangt;

53
Denn er ist eine grosse Vortrefflichkeitssonne, sie sind die Sterne
dieser Sonne und strahlen als ihre Sterne ihr Licht den Menschen in
den Finsternissen.
54
Missing
55
Sie, die so viel Seelenadel zierte, wie edel war sie, die Gestalt jenes
Propheten, den die Schönheit rings umfloss, der die Freundlichkeit
zum Merkzeichen hatte,
56
Der den Blumen gleich an Zartheit, und dem Vollmond an Adel, und
dem Meer an Freigebigkeit, und der Zeit an Hochsinn,
57
Der, wenn man seiner ansichtig wurde, in seiner furchtbaren Grösse
und Majestät ohe alle und jede Begleitung von einem Kriegsheer und
einer Trabantensehaar umgeben zu sein schien,

58
Von dem man sagen möchte, dass eingehäuste Perlen die beiden
Fundgruben seiner erhabenen Rede und seines erhabenen Lächelns
zu Muscheln hatten.

59
Es gibt keinen Wohlgeruch, welcher der heiligen Erde gleichkömmt,
die seine Gobeine einschliesst. Selig, wer sich am Duft dieser Erde
labt! Selig, wer sie küsst!
60
Seine Geburt offenbarte die Herrlichkeit seines Stoffes. O wie
herrlich war der Ort seines Entstehens, und o wie herrlich ist der Ort,
wo er im Tode ruht!

61
Seine Geburt_ eine Zeit, wo die Perser merkten, dass die drohende
Ankündigung des Herein bruches von Trübsal andd Strafen an sie
ergangen sei.
62
Und wo der Palast des Kisra mit seinen Rissen und Spalten einen
Anblick darbot, wie ihn die Rotte der Genossen des Perserfürsten in
ihrer gänzlichen Auflösung gewährte;
63
Während dem heiligen Feuer vor Kummer daruber der Athem erstarb
und dem Strom vor Traurigkeit darüber das Auge in theilnahmloser
Unaufmerksamkeit starrte;
64
Und wo das Versiegen seines See's Sawa in Betrübniss versetzte,
und wo, wer früher dort schöpfte oder trank, jetzt zur Zeit, wo ihn
dürstete, abgewiesen voll grimmen Ärgers von jenem See
zurückkehrte,
65
Indem es dabei den Anschein hatte, als ob in der Traurigkeit das
Feuer die Feuchtigkeit des Wassers, und das Wasser die Gluth des
Feuers angenommen hätte;

66
Und wo die Ginnen ungesehen riefen, und die Lichtmassen hoch und
leuchtend emporstiegen, und die Wahrheit durch bedeutungsvoll
Ereignisse und durch Worte kund ward.

67
Taub und blind, horten sie die laute, öffentliche Verkündigung der
frohen Botschaften nicht und beobachteten nicht die Blitzwolke der
drohenden Ankündigung;
68
Und doch hatte ber eits den Genossenschaften ihr Wahrsager
verkündigt, dass ihr Glaube voller Krummheiten, nicht gerade und
richtig sei;
69
Und doch hatten sie bereits mit eigenen Augenin den Raümen des
Himmels Sterne gesehen, die gleich den Götzenbildern auf der
Erdeso lange niederfielen;
70
Bis ein fliehender Teufel, die Strasse der Offenbarung raümend, in
allgemeiner Flucht einem andern fliehenden Teufel auf dem Fusse
folgte;
71
In dem sie dabei fliehend die tapfern Krieger des Abraha oder jenes
Heer zu sein schienen, das die Kiesel trafen, die aus seinen Händen
geflogen kamen;

72
Jene Kiesel, die fortgeschleudert wurden, nachdem sie in seinen
Händen Gott gepriesen hatten, gerade so wie Jonas aus dem Bauche
jenes grossen Verschlingers herausgespieen wurde.

73
Eine demüthige, unterwürfige Haltung beobachtend und auf einem
einziegen Schenkel, der des Fusses entbehrte, gegen ihn
heranwandelnd, kamen auf seinen Ruf die Baüme,

74
In dem es da beiden Anschein hatte, als zögen sie eine Linie für die
wunderbare Schrift, die ihre zweige in die Mitte des Weges schrieben,

75
Und indem sie jener Wolke glichen, die allenthalben, wo er einherzog,
mit einherzog, und dabei, wenn der Tag am heissesten war, vor der
Gluth der Mittagssonne ihn schirmte.

76
Ich schwöre bei dem gespaltenen Mond_ ihm ward eine
Verwandtschaft mit seinem Herzen, bei derr gschworen ein schwur
für vollgültig erachtet wirs_

77
Und bei dem Vortreflichen und Edlen, was die Höhle einschlos,
während kein Blick der Unglaübigen es zu schauen vermochte,

78
Die in der Blindheit sprachen: "In der Höhle ist Niemand!" als die
Wahrheit und der für wahr Erklärende fortwährend in der Höhle
weilten:
79
_ Das Herumflattern der Tauben im kreissenden Flugeand das
Weben der Spinnen geschah nach ihrem Wahn nicht, um das Beste
der Geschöpfe zu schützen;
80
Der Schutz Gottes machte jedweden Doppelpanzer und jedwede
hohe Burg unnöthig_
81
Wenn die Zeit eine Unbill über mich zu verhängen suchte, und ich
schutz suchend meine Zuflucht zu ihm nahm _ stets habe ich dann
einen Schutz von ihm erlangt, der keine Unbill zuliess.

82
Und nie habe ich die ausreichende Genüge dieser unde jener Welt
bittend aus seiner Hand begehrt, dass ich nicht überschwangliche
Fülle in Empfang genommen hätte, die von dem besten Orte kam,
von dem her man etwas in Empfang nehmen kann.

83
Mache keine unglaübigen Einwendungen gegen die Offenbarung,
die er in seinen Traumgesichten empfing; _ er hat ein Herz, das nicht
schlaft, wenn das Augenpaar schläft __

84
Denn jene Offenbarung geschah zu der Zeit, wo er bereits die Stufe
des Prophetenthmus erreicht hatte, und dabei ist es nicht möglich,
bei ihm gegen jene Traumgesichte unglaübige Einwendungen zu
erheben.

85
Heilig und erhaben ist Gott! Keine Offenbarung kann durch
mensclicher Mühen Zuthun erwoben werden, und bei kinem
Propheten ist Verdacht auf Grund der Verkündigung von
Verborgenem möglich.
86
Missing

87
Wie oft hat durch Berührung und Betastung seine Hand ein Kranken
geheilt und einen Hülfsbedürftigen aus der Halsschlinge des
Wahnsinns erlöst;

88
Und wie oft hat sein Gebet des weisse Hungerjahr belebt, dass es
inmitten der schwarzgrünen Zeiten einem weissen Stirnmaale glich,

89
Und zwar belebt durch ein Gewölk, das Regen spendete, bisman
glaubte, es fluthe in den kiesreichn Niederungen das strömende
Meer oder das wilde Arimgewässer.
90
Sei mir nicht weiter hinderlich bei meinem Vorhaben, ihm
angehörende Zeichen in verherrlichendem Gedichte zu beschreiben!
Zeichen, an Glanz und Pracht dem Feuer gleich, das Nachts auf dem
Gipfel eines Berges brennt, um den nächtlichen Wanderer
heranzuzichen.

91
Denn aufgereiht gewinnen die Perlen an Schönheit (doch ist, wenn
sie nicht aufgereiht sind, ihr eigentlicher Werth keineswegs
geringer);

92
Und was hilft es, das die Hoffnungen des Lobgedichtes zu den
Tugenden hinstreben, die in Charakter und angeborner Anlagee bei
ihm zu Tage treten?
93
Es sind dies wahrhaftige Zeichen,von dem Erbarmer stammend, in
der Zeit geoffenbart, und dabei doch zugleich unentstanden von
Ewigkeit her da, Zeichen, die dem unentstandenen Ewigen gleichen;
94
Zeichen, die, an keine Zeit gebunden, uns von der Auferstehung der
Todten sowohl wie von Aad und Iram Kunde geben;

95
Zeichen, die, beständig, unter uns geblieben, jegliches
Wunderzeichen der Propheten übertreffen, da dieses, eingetreten,
sich nicht in beständiger Dauer behauptete;

96
Zeichen, die, zu Richtern bestellt, bei dem Widerspruche eines
Gegners keinenTrug bestehen lassen, den er mit dem Scheine der
Wahrheit gegen sie geltend macht, und bei eben diesem
Widerspruche sich nach keinem Schiedsrichter umsehen;
97
Zeichen, die niebekriegt wurden, ohne dass ihre Wuth den
Feindlichsten der Feinde dahin brachte, dass er ihnen seine
Unterwerfung anbot;

98
Zeichen, deren Beredsamkeit die Behauptung ihres Gegners gerade
so zurückwies, wie der, der eifrig über seine und der Seinen Ehre
wacht, in der Vertheidigung der Weiber seines Hauses die Versuche
dessen zurückweist, der Schmach und Unbill über sie zu verhängen
sucht;

99
Zeichen, die Gedanken enthalten, welche an Fürsprache lle den
Wogen des Meeres gleichkommen, und, wo es sich um die
Schönheit und den Preis hendelt, höher stehen als die Perlen
desselben,

100
So dass man die Anzahl ihrer Wunder in keiner Art des Zählens
bestimmen kann, und troty dem, dass sie dieser Wunder eine solche
Menge bringen, doch nicht mit Überdruss auf sie bietet;
101
Zeichen, zu deren Leser ich sprach, als sein Auge durch sie in hellem,
freudigem Glanze strahlte: Du hast das Seil Gottes erhascht; so halt'
esdenn nun auch fest!

102
Wenn du sie aus Frucht vor der Gluth des Höllenfeuers liesest,
tödtest du die Gluth jener Flamme mit dem kuhlen Wasser aus ihnen
geschöpft;

103
Sie gleichen dem Wasserbehälter des Propheten, jenem,
Wasserbehälter, durch dessen Wasser die Sünder weiss werden,
obgleich sie scwarz wie die kohlen zu demselben herangetreten sind;

104
Und kommen an Gerechtigkeit der Brücke und der Wage gleich, und
nur in ihnen erschien die höchste, wahre Gerechtigkeit uner den
Menschenkindern.

105
Wundere dich nicht über ber einen Nieder, der trotz der
schnellfassenden Geistesschärfe, die ihm im reichlichen Maasse zu
Theil geworden ist, in erheuchelter Unwissenheit sie als das, was sie
sind, nicht anerkennt;

106
Es kömmt zuweilen vor, dass das Auge in Folge eines Leidens den
hellen Glanz der Sonne nicht anerkennt, und dass der Mund in Folge
von Kraankheit den süssen Geschmack des Wassers nicht
anerkennt.

107
O Bester derjenigen, zuderen Gehöfte die hinstreben, welche
Wohlthatsspenden begehren, hinstreben zu Fuss and sitzend auf
dem Rücken der Kamelinnen, die dem Boden ihr Tritte eindrücken!

108
Und O Bester derjenigen, die das grösste Zeichen sind für jeden, der
aufmerksamm und berechnend sich die Bedeutung der Dinge nicht
entgehen lässt! Und O Bester derjenigen, welche die grösste
Wohlthat sind für jeden, der, was ihm gebotenwird, schnell und
eifrig benützt!

109
Nachts zogst du von dem einen Heiligthume zu dem andern
Heiligthume, dem Vollmonde glleich, der Nachts in dichter
Finsterniss einherzieht.

110
Und stiegst zu nächtlicher Frist höher und höher, bis du endlich eine
nie erreichte und nie erstrebte, Kaba_Kausaini, gewannst,

111
Und sämmtliche Propheten und Gesandte liessen dir jener Stufe
wegen alle die Auszeichnungenzukommen, mit denen man einen
Herrn vor Dienern ehrt,

112
Während du, umgeben von einem Ehrengeleite, dessen Bannerherr
du warst, an ihnen vorbei den Raum der sieben Himmel zu
durcheilen nicht aufhörtest,

113
Bis endlich, als weder dem vorwärts Eilenden eine Bahn, noch dem
Aufsteigenden Raum zum Aufsteigen, Näherung, du übrig gelassen
hattest,

114
Du die Bedeutung jeder Stufe durch den Vergleich mit der deinigen
herabsetztest, zur Zeit, wo du, gerufen wie man rufend das einzelne
Wort ausspricht, das einen Eigennamen bezeichnet,

115
Und zwar gerufen, damit du zu einer den Blicken O wie sehr
entzogenen Vereinigunggelangtest, und ein o Wie sehr verborgenes
Geheimniss erführest,

116
Der stozen Zierden viele gewannst, an denen kein Anderer Theil
hatte, und über zahlreiche Stufen hinausdrangst, auf denen kein
Gedränge herrschte,

117
Und wo die Bedeutung der Stufen, zu deren Inhaber du gemacht
wurdest, bis zur Unendlichkeit stieg, und wo es für jeden Andern
unmöglich ward, die Gnadengaben zu erlangen, die dir verlichen
wurden.

118
Heil uns! Uns, der Gemeinde des Islam! Denn wir haben an Gottes
Huld einen Grundpfiler, der jeder Zertrümmerung trotzt.

119
Als Gott den, welcher uns zu seinem Gehorsam lud, denjenigenunter
den Gesandten ernannte, der in seinen Augen am höchsten steht,
wurden unter den Religions_gemeinschaften wir diejenige, die in
Gottes Augenam höchsten steht.

120
Die Kunden seiner Sendung erschreckten die Herzen der Feinde
nach Weise eines hervor gestossenen Lautes, der die sorglosen
Schafe zu ängstlicher Flucht aufschreckt.

121
Auf Schlachtfeldernjeder Art griffer sie so lange an, bis sie von den
Lanzen getroffen, Fleisch auf einer Fleischbank glichen

122
Und bis sie im sehnlichen Wunsch zu fliehen, nahe daranwaren, um
die Schnelligkeit abgerissene Gliedmassen zu beneiden, die mit den
Adlern und Aasgeiern emprgestiegen waren;

123
Und so lange die Zeitnicht in die heiligen Monate hinein fiel, verging
sie ihnen, ohne dass sie wussten, wie viel Zeit verging.

124
Vereint mit Edlen, die nach dem Fleische der Feinde gierig waren,
schien der Islamein Gast zu sein, der in ihrem Gehöfte Halt gemacht
hatte,

125
Er, der ein Heer auf schnellen Rossen lenkte, ein Heer, das mit
seinen Helden einem Meere mit aneinanderschlagenden Wogen
glich,

126
Krieger, die auf Gottes Ruf sogleich zum Beistande seiner Sache
bereit waren, einzig und allein nach seiner Huld und Belohnung
trachteten, und mit einem Ausrotter undd Vertilger des Unglaubens
einzudringen nicht aufhörten,

127
Bis die Lehre des Islam unter ihrem Beistande nach hülfloser
Verlassenheit und Vereinsamung Verwandteund Angehörige
gewonnen hatte, welche die Pflichten der Blutsverwandtschaft
erfüllten,

128
Und als sie in ihnen den besten Vater und Gatten gefunden hatte, der
sie für ewige Zeiten versorgte, dem Loos der Verwaistheit und
Witwenschaft fur immer entgangen war.

129
Sie waren Berge; frage nach ihnen den, welcher auf dem
Schlachtfelde mit ihnen zusammentraf, frage ihn, was sie auf
Schlachtfeldern jeder Art von ihnen erfahren haben;

130
Und lass Hunain und Badr und Uhud dir berichten, wie es nach undd
nach hereingebrochen st, jenes Verderben der Feinde, ärger als die
Seuche.

131
Rothgefärbt führten sie die blanken Schwerter von der Tränke
zurück, nachdem diese an den Feinden Schwarzes, das Haar, sich
zum Tränkort erkoren hatten,

132
Und wenn sie mit den Rohrlanzen aus Chatt schrieben, liessen ihre
Federn keinen einzeigen Buchstaben, den ein Kürzer darstellte, ohne
unter scheidende Punkte.

133
Sie sind Kriger, die in der Waffenrüstung Furcht erwecken, die ein
Merkzeichen an sich tragen, das sie von den Andern unterscheidet;
unterscheidet sich doch der Rosenstrauch durch sein bestimmtes
Merkzeichen vom Salambaum;

134
Wenn die Winde des Siegess dir ihren lieblichen Geruch zuführen,
hältst du diese tapferen Krieger in der Waffenrüstung für die
blätterumkleideten, unaufgebrochenen Blumen;

135
Die Festigkeit der Energie, nicht die Scnurung des Sattelgurts, gibt
ihnen auf dem Rücken der Rosse das Ansehen von Baümen auf
Hügeln;

136
Den Feinden ist das Herz in banger Frucht vor ihrer Tapferkeit
entflohen, und es ist dir nicht möglich, die Lammerheerden und die
Kriegsheere von einander zu unterscheiden,

137
Wessen Beistand der Gesandte Gottes ausrichtet _ treffen den die
Löwen in ihren Dickichten, so ergreift sie stummes Entsetzen;

138
Und nie wirst du einen seiner Freunde anders als durch ihn mit dem
Siege beglückt, und nie einen seiner Feinde anders als von ihn
zertrümmert erblicken.

139
Die Bekenner seiner Lehre hat er in der festen Burg seiner Religion
nach Weise des Löwen gelagert, der mit seinen Jungen in einem
Dickicht sich niedergelassen hat.

140
Wie manchen heftigen Gegner hat das Wort Gottes im Streit über die
Person des Propheten zu Boden geworfen, und wie manchen
eifrigen Widersacher hat der Beweis in diesem Streite besiegt.

141
Das Wissen zur Zeit der allgemeinen grossen Unwissenheit und die
Erziehung zur Zeit der Verwaistheit _ diese beiden allein schon
genügen als Wunder zum Beweis der göttlichen Sendung bei ihm,
dem Lernen und Unterricht fremd waren.
142
Dass ich ihm ein Lobgedicht weihte, geschah in der Absicht, durch
dasselbe Tilgung der Sünden eines Lebens zu erwirken, das im
Dichteen und im Haschen nach der Gunst der Grossen dieser Erde
zu Ende ging,

143
Und zwar zu Ende ging zu der Zeit, wo jene beiden
Beschäftigungen mir fort und fort als Amt das anwiesen, dessen
endliches Ende man fürchtet _ mir, der von jenen Beiden begleitet,
ein Opferthier zu sein schien;

144
Und wo ich, jenen Beiden mich widmend, der Verirrung des
thörichten Jugendsinnes folgte, ohne dabei irgend etwas
Anderesals Sündenschuld und Reue zu gewinnen.

145
O, welch einen Verlust im Handel hat jene Seele durch sie erlitten,
die mit Darangabe des Irdischen sich nicht die Galubensgüter
erhandelt, ja die nicht einmal ein Gebot gethan hat, um diesen
Handel zu Stande zu bringen.

146
Wer tauschend sein ewiges Theil für sein vergängliches dahingibt,
dem geht es auf, dass er bei disem Tausch und Salam betrogen ward.

147
Wenn ich eine Sünde begehe, so ist damit mein Bund mit dem
Propheten noch nicht aufgelöst, und das Seil, das mich mit ihm
verbindet, noch nicht zerrissen;

148
Denn in Folge dessen, dass man mir den Namen Muhammad
beigelegt hat, liegt ihm mir gegenüber eine Schutzverpflichtung ob,
ihm, der von sämmtlichen Geschöpfen den Schutzverpflichtung am
vollkommensten genügt.

149
Wenn er zur Zeit meiner Auferstehung mich nicht aus Gnaden und
um des Bundes willen bei der Hand hält, so heisst es: Sprich: O wie
strauchelt der Fuss!

150
Es ist undenkbar, dass seinen Edelsinn nicht an sich erfahren sollte,
wer auf die Bestätigungen desselben hofft, oder dass ungeehrt sollte
von ihm zurückkehren, wer schutz suchend seine Zuflucht zu ihm
nimmt.

151
Und seit ich mein ganzes Dichten und Sinnen unausgesetzt auf seine
preiswürdigen Tugenden und Thaten gerichtet, habe ich denn auch
gespürt, dass er sich meine Rettung als der beste Übernehmer
angelegen sein lässt.

152
Und nimmer wird die ausreichende Genüge, von ihm stammend,
irgend einer verarmten Handentgehen; denn der Regen lässt auf den
Hgeln Blumen hervorspriessen.

153
Und nicht habe ich es abgesehen auf den schimmernden Tand der
Erdengüter, den die Hände des Zuhair für sein Lobgedicht auf den
Harim eingeerntet haben.
154
O du, welchen von sammtlichen Geschopfen der Schopfer am
meisten ehrt! Bei dem Eintritt des Ereignisses, das Alle trifft, habe
ich keinen, zu dem ich meine zuflucht nehmen kann, als nur dich.

155
Und wenn der Gnadige sich als strafender Vergelter offenbaren wird,
wird es deiner Macht, o Gesndter Gottes! Nimmer unmoglich sein,
mir zu helfen;

156
Denn zu der Fulle, die du gespendet hast, gehort diese Welt und jene
Welt; und zu deinem Wissen gehort, was auf der Tafel geschrieben
steht und was die Feder geschrieben hat.
157
O meine Seele! Keines schweren Fehltrittes wegen verzweifele an
Gottes Gnade; denn wo es sich um die Vergebung handelt, sind die
schweren Sunden den leichten Sunden gleich.
158
Das Erbarmen meines Herrn, so hoffe ich, wird zu der Zeit, wo er es
vertheilen wird, in den einzelnen Spenden sich nach dem Maasse der
Sunde gestalten.

159
O mein Herr! Gib, dass bei dir meine Hoffnungbesteht, und meine
Rechnung sich als richtig erweist;

160
Und verfahre in dieser und jener Welt gelind und gnadig mit deinem
Knecht; denn ihm ward eine Festigkeit, die flichend davon eilt, wenn
die grausen Schrecknisse ihn herausfordern.

161
Und lass die Wolken deiner Erbarmung fur und fur Gusse jeder Art
auf den Propheten herabsenden,

162
Und auf die Seinen und seine Gefahrten nebst ihren Nachfolgern, auf
sie alle, die Gottesfurchtigen, Reinen, Wissenreichen und Edlen,

163
So lange noch ein Fruhlingsostwind die Zweige des Ban bewegt, und
mit sanfter, lieblicher Melodie der Sanger die Kamele in frohliche
Leichtigkeit versetzt.