Sie sind auf Seite 1von 6

IMW - Institutsmitteilung Nr.

21 (1996) 11

Tabellenkalkulationsprogramm zur Tragfähigkeitsberechnung


von Zahnwellen-Verbindungen
Burgtorf, U.

Zur Tragfähigkeitsberechnung von Zahnwellen-Ver- Kenngrößen abschließend ermittelt worden sind. Die
bindungen wurde ein Tabellenkalkulationspro- aus dem DFG-Forschungsvorhaben Di 289 /9-2
gramm erstellt, das auf DIN 5466E "Tragfähigkeits- "Zahnwellenfestigkeit" resultierenden Ergebnisse
berechnungen von Zahn- und Keilwellen-Verbindun- werden jeweils aktuell in den zweiten Normteil einge-
gen" basiert. Zur Weiterentwicklung der Norm - ins- arbeitet.
besondere des geometriespezifischen zweiten Teils Der erste Teil von DIN 5466E ist auch für Zahnwellen-
für Verzahnungen nach DIN 5480 - werden die Er- Verbindungen mit einer von DIN 5480 abweichenden
gebnisse aus dem DFG-Vorhaben Zahnwellenfe- Zahnform verwendbar. Die zur Berechnung erforderli-
stigkeit verwendet und in die Berechnung eingear- chen Kenngrößen können jedoch nicht mit Hilfe des
beitet, so daß die Tabellenkalkulation jeweils den ak- zweiten Teils bestimmt werden, da dieser ausschließ-
tuellsten Erkenntnisstand widerspiegelt. Der Artikel lich für Verzahnungen nach DIN 5480 gültig ist. Die
gibt einen Überblick über den Programmaufbau und Kennwerte müssen auf eine andere Art (z.B. mit der
die Berechnungsmöglichkeiten. Finiten-Elemente-Methode) bestimmt werden.

A spreadsheet program is developed for calculating


the load capacities of involute splines. The calcula-
2 Berechnungsprogramm
tion method conforms to the german standard DIN
5466E "Splined joints: calculation of load capacity". Anhand DIN 5466E wurde ein Tabellenkalkulations-
Results of the ongoing research to develop the sec- programm auf Basis von Microsoft EXCEL©, Version
ond part of this standard, that will set geometric speci- 5.0 erstellt. Die Verwendung dieser weit verbreiteten
fications for involute splines according to DIN 5480, Programmplattform ermöglicht nahezu jedem PC-
will be built into the program, ensuring that the calcu- Benutzer den Zugang zu diesem Berechnungspro-
lation methods continue to meet this developing and gramm. Aktuelle Erkenntnisse bezüglich der geome-
advancing standard. This article describes the pro- triespezifischen Werte werden jeweils eingearbeitet,
gram structure and its areas of application. die Tabellenkalkulation ist somit immer auf dem neue-
sten Stand der Forschung. Erfahrungswerte aus dem
industriellen Einsatz haben gezeigt, daß die berech-
1 Berechnung von Zahnwellen-Verbindungen neten Geometriekenngrößen eine sichere Auslegung
der Zahnwellen-Verbindungen ermöglichen. Im Zuge
Ein Forschungsschwerpunkt am Institut für Maschi-
weiterer Untersuchungen erfolgt eine Überarbeitung
nenwesen ist die Untersuchung von Zahnwellen-Ver-
der Kennwerte, so daß eine noch größere Ausnut-
bindungen /1-6/. Im Rahmen der Mitarbeit im DIN-Ar-
zung der Verbindungen möglich sein wird.
beitsausschuß AA 2.7 "Berechnung von Zahn- und
Keilwellen-Verbindungen" wird an der Weiterentwick- Obwohl der nur für Verzahnungen nach DIN 5480 gül-
lung der DIN 5466E "Tragfähigkeitsberechnung von tige zweite Normenteil implementiert wurde, ist die
Zahn- und Keilwellen-Verbindungen" /9/ gearbeitet. Verwendung des Programms auch für abweichende
In Teil 1 der Norm, der inzwischen den Status eines Zahnformen möglich. Dies läßt sich durch eine Über-
Gelbdrucks erreicht hat, sind die grundlegenden, geo- arbeitung des geometriespezifischen Programmteils
metrieunabhängigen Berechnungsgleichungen be- oder aber auch durch die manuelle Eingabe ander-
schrieben. Der zweite Teil enthält die geometriespezi- weitig bestimmter Geometriekenngrößen erreichen.
fischen Kenngrößen für Zahnwellen-Verbindungen Aufgrund der Komplexität des Berechnungsvorgangs
mit Evolventenflanken nach DIN 5480 /10/. Dieser und der zu verwendenden Verzahnungsparameter ist
Teil befindet sich in der Entwicklung, da noch nicht alle die Kenntnis der DIN 5466E zur Anwendung des Pro-
12 IMW - Institutsmitteilung Nr. 21 (1996)

gramms unbedingt erforderlich. Die Berechnungs- staben bei Toleranzen erfolgt von oben nach unten,
möglichkeiten und die Handhabung des Programms mit Hilfe der Tablulatortaste kann direkt zum nächsten
werden im folgenden dargestellt. Eingabefeld gesprungen werden. Einige Eingabefel-
dern enthalten bereits einen Vorschlag, der übernom-
men oder überschrieben werden kann. In den restli-
2.1 Programmaufbau chen Eingabefeldern steht in der Regel das Varia-
blenkurzzeichen, das durch einen Zahlenwert der ent-
Das Berechnungsprogramm kann grundsätzlich in
sprechenden, in Spalte 6 angegebenen Einheit er-
drei Blöcke unterteilt werden:
setzt werden muß.
Block 1:
Zum anderen handelt es sich bei den in Spalte 2 und 4
Eingabe der Verzahnungsgeometrie, der Belastun-
umrandeten Feldern um Schaltflächen. Mit diesen
gen, der Zentrierart und der Verbindungsform
Feldern ist eine Auswahl (z.B. ja, nein, wälzgefräst,
Block 2:
wälzgestoßen usw.) auf die entsprechende Frage-
Berechnung der erforderlichen Kenngrößen und der
stellung aus Spalte 1 möglich. Durch Anklicken der
Beanspruchungen
Schaltfelder mit der Maustaste wird ein Makropro-
Block 3:
gramm aufgerufen, das eine zu dieser Antwort gehö-
Ausgabeteil der Beanspruchungen aus Drehmo-
rende Zuordnung durchführt. Die gewählte Antwort
ment, Biegemoment, Querkraft, Fliehkraft …
bzw. die Voreinstellung wird einer darauffolgenden
Eine abgewandelte Programmversion enthält als vier- Zeile mit "derzeitige Einstellung" angegeben.
ten Block einen Berechnungs- und Ausgabeteil für
Zur Information werden beim Ausdruck der Pro-
Zahnwellen-Verbindungen mit Preßsitz. Die Untersu-
grammblätter Dateiname, Datum und Seitenzahlen
chungen zur Entwicklung dieses Berechnungsab-
als Fußnoten angegeben.
schnittes werden durch das Forschungsvorhaben Nr.
Zahnwellenberechnung nach DIN 5466 Version 2.0 IMW TU Clausthal
250 "Zahnwellen-Verbindungen mit Preßsitz" /6/ der
Berechnungsprogramm
für
Zahnwellen-Verbindungenmit
Schiebesitz
Forschungsvereinigung Antriebstechnik e.V. (FVA) ZahngeometrienachDIN5480inAnlehnunganDIN5466

gefördert, daher ist dieser Programmteil nur für FVA- Institut


für
Maschinenwesen
Clausthal
TU
Version
2.0
01.07.1996
Robert-Koch-Straße
32
Mitgliedsfirmen verfügbar. Clausthal-Zellerfeld
38678
Tel.:
05323
72-2270
/

Berechnung
der
Flankengeometrie
nach
DIN
5480 Block
1
Das Programmlayout weist 6 Spalten mit folgendem
DIN 5480-N 45 x 2 x 30 x 21 x 9H / DIN 5480-W 45 x 2 x 30 x 21 x 8f

Inhalt auf (Zeilen mit Überschriften oder Schaltfeldern Eingabefelder (grau unterlegt):
Verbindungsbezeichnung: 45 x 2 x 21
ausgenommen): Profilwinkel (Eingriffswinkel) α = 30 °
Verbindung flankenzentriert? ja
ja nein
nein
flankenzentriert X
Spalte 1: durchmesserzentriert
beidseitiger
Wellenüberstand
Verbindungsform: beidseitiger Wellenüberstand
beidseitiger
Nabenüberstand
beidseitiger Nabenüberstand
Bezeichnung der jeweiligen Variablen einseitiger
Wellen-/Nabenüberstand
einseitiger Wellen-/Nabenüberstand
derzeitige Einstellung: -beidseitiger
Wellenüberstand-
Spalte 2: Fertigungsverfahren: Welle: Nabe:
wälzgefräst geräumt
wälzgefräst geräumt

für diese Variable verwendetes Kurzzeichen wälzgestoßen


wälzgestoßen wälzgefräst
wälzgefräßt
wälzgestoßen
wälzgestoßen
derzeitige Einstellung:
Spalte 3: Fußhöhe der Welle
-wälzgefräst-
h* fp1 =
-geräumt-
0,6
Fußhöhe der Nabe h* fp2 = 0,55

Gleichheitszeichen Fußrundungsradius Welle ρ1 = 0,32 mm


Fußrundungsradius Nabe ρ2 = 0,32 mm
Toleranzreihe der Welle IT 1 = 8
Spalte 4: Toleranzl age der Welle
(4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 od. 12)

(a,b,c,d,e,f,g,h,i,k,m,n,p,r,s,t,u,v) TF1 = f
Toleranzreihe der Nabe (4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 od. 12) IT 2 = 9
Zahlenwert oder logischer Wert der jeweiligen Varia- Toleranzl age der Nabe (F, G, H, J, K, M) TF2 = H
Verzahnungsqualität (Toleranzreihe) IT = 9

blen oberes Zahndicken-Abmaß


oberes Zahndicken-Abmaß bei Einzelmessung
Ase
As e E
=
=
-22
-40
µm
µm
unteres Zahndicken-Abmaß Asi = -72 µm
Spalte 5: oberes Lückenweiten-Abmaß Aee = 71 µm
unteres Lückenweiten-Abmaß bei Einzelmessung AeiE = 26 µm
Leerspalte als Abstandhalter unteres Lückenweiten-Abmaß Aei = 0 µm
Kleinst-Flankenspiel (Spiel positiv, Übermaß negativ) j tmin = 22 µm
j tmax
Spalte 6: Größt-Flankenspiel (Spiel positiv, Übermaß negativ)
gewähltes Zahndicken-Abmaß Welle As
=
=
143
-40
µm
µm
gewähltes Zahnlücken-Abmaß Nabe Ae = 26 µm
Einheit der Variablen Übermaß Welle (Übermaß positiv, Spiel negativ) ü1 = -0,04 mm
Übermaß Nabe (Übermaß positiv, Spiel negativ) ü2 = -0,026 mm
Übermaß Verbindung ü = -0,066 mm

In dem Programm werden einige besonders gekenn- Verdrehflankenspiel j tm = 0,066 µm

zeichnete Felder eingesetzt. Dies sind zum einen die Instmit.XLT 04.11.1996 1

in Spalte 4 grundsätzlich grau hinterlegten Eingabe- Bild 1: Darstellung eines Ausschnittes aus dem Einga-
felder. Die Eingabe der Zahlenwerte bzw. der Buch- bebereich des Programms
IMW - Institutsmitteilung Nr. 21 (1996) 13

In Bild 1 und Bild 2 sind Ausschnitte aus dem Pro- 2.3 Block 2: Berechnung der erforderlichen Kenn-
gramm am Beispiel einer Zahnwellen-Verbindung größen und Beanspruchungen
DIN 5480 - 45 x 2 x 30 x 21 9H 8f dargestellt. In Bild 1
Aus den eingegebenen Daten werden im zweiten Pro-
handelt es sich um den Beginn des Eingabebereiches
grammblock die Betriebszustände, die maximalen
und in Bild 2 um den Beginn des Ausgabebereiches.
Belastungen, die geometriespezifischen Kenngrö-
Zahnwellenberechnung nach DIN 5466 Version 2.0 IMW TU Clausthal ßen, die einzelnen Beanspruchungskomponenten
Zahnwellenberechnung
nach
DIN
5466 Block
3
und die resultierenden Beanspruchungen berechnet.
DIN 5480-N 45 x 2 x 30 x 21 x 9H / DIN 5480-W 45 x 2 x 30 x 21 x 8f

Geometrie
Die Reihenfolge der Berechnung und die Einteilung
Bezugsdurchmesser dB = 45 mm
Modul m = 2 mm der Abschnitte entspricht der DIN 5466E, Teil 1. In die-
Zähnezahl z = 21
ρ1
Zahnfußausrundung
Verhältnis Zahnfußausrundung/Modul ρ1 /m
=
=
0,32
0,16
mm
sem Block gibt es keine Eingabe- oder Schaltfelder,
Welleninnendurchmesser di1 = 0 mm
Nabenaußendurchmesser de2 = 67,5 mm da alle Größen nach DIN 5466E, Teil 2 automatisch
Gemeinsame Zahnbreite b = 27 mm
Verzahnungsqualität
Verdrehflankenspiel
IT
j tm
=
=
9
0,066 mm
berechnet werden können.
Spannungskorrekturfaktor Zugseite Yα1,z = 1
Zahnfußfaktor Yα1,d = 1
Teilungsgesamtabweichung (plastisch) F p,pl = 35,25 µm
Zentrierungsart (Flanke/Durchmesser) Flanke
Betriebszustand III 2.4 Block 3: Ausgabebereich
Umfangsfaktor (plastisch) k ϕ ,pl = 10,50
Breitenfaktor (plastisch) k b,pl = 2,83

Werkstoff
Alle wichtigen Berechnungsdaten werden in diesem
Werkstoff Welle
Werkstoff Nabe Bereich geordnet nach charakteristischen Geome-
E-Modul Welle E1 = 210 kN/mm2
E-Modul Nabe
Ersatz-E-Modul
E2
E
=
=
210
210
kN/mm
kN/mm2
2
trie- und Passungsgrößen der Zahnwellen-Verbin-
Reibungskoeffizient µ = 0,15
dung, nach Werkstoff, Belastung und Beanspruchung
Belastung
Querkraft Q = 0,01 N ausgegeben (Bild 2). In den Datenblöcken Werkstoff
Axialkraft F ax = 0 N
T
Drehmoment
Drehzahl n
=
=
100
1000
Nm
min -1
und Beanspruchungen sind zu Kontroll- und Protokol-
Biegemoment am Verbindungsbeginn Welle M b1,a = 0 Nm
Biegemoment im ungestörten Bereich Welle M b1,u = 0 Nm lierungszwecken Eingabefelder für die Bezeichnung
Biegemoment am Verbindungsende Nabe M b2,e = 0 Nm
Axialkraft zum Verschieben unter Last F µax = 824,79 N
der Werkstoffe und der zulässigen Beanspruchungen
Vergleichsspannungen
der
Welle
Zugseite (Verbindungsbeginn) σv1,z,a = 80,95 N/mm
2 vorgesehen. Diese Eingaben sind optional und haben
Druckseite (Verbindungsbeginn) σv1,d,a = 67,62 N/mm2
ungestörter Bereich σv1,u = 23,13 N/mm
2
keinen Einfluß auf die Berechnungsergebnisse.
Zulässige Vergleichsspannung Welle σv1,zul = N/mm
2

Vergleichsspannungen
der
Nabe
Verbindungsbeginn σv2,a = 260,50 N/mm
2

Verbindungsende σv2,e = 0,00 N/mm


2

Zulässige Vergleichsspannung Nabe σv2,zul = N/mm


2

3 Hinweise zu Forschungsergebnisse am IMW


Instmit.XLT 04.11.1996 7
Die am IMW zum Thema Zahnwellen-Verbindungen-
Bild 2: Darstellung eines Ausschnittes aus dem Ausga- durchgeführten Forschungsvorhaben haben bisher
bebereich des Programms
zu zahlreichen Erfahrungswerten bzw. Konstruk-
tions- oder Auslegungsregeln geführt, die sich nicht
mit einer formelmäßigen Beschreibung nachvollzie-
2.2 Block 1: Eingabe der Verzahnungsgeometrie
hen lassen. Daher folgen einige Hinweise zu einzel-
und der Belastungen
nen Auswahl- bzw. Berechnungskriterien.
Außer den Angaben zur Verzahnungsgeometrie, den
Toleranzen und Belastungen wird in diesem Bereich
die Zentrierart festgelegt (Bild 1). Die Zentrierung be- 3.1 Qualität und Passung
einflußt die möglichen Betriebszustände und die Last-
Die Qualität der Wellen- (Außenverzahnung) und der
überhöhung infolge von Teilungsabweichungen. Mit
Nabenverzahnung (Innenverzahnung) wird nach der
der Auswahl der Verbindungsform werden die Aus-
für Laufverzahnungen aufgestellten Norm 3962 "To-
wirkungen des Verzahnungsüberstandes auf die
leranzen für Stirnradverzahnungen" /8/ ermittelt, die
Zahnfußbeanspruchungen der Verbindungen be-
eine tabellarische bzw. rechnerische Beziehung zwi-
rücksichtigt. Je nach Verbindungsform erfolgt die
schen der Qualität und der Teilungs-Gesamtabwei-
Auswahl verschiedener Berechnungsgleichungen
chung Fp angibt. Welle und Nabe weisen im allgemei-
und -faktoren. Durch weitere Schaltfelder ist das Ferti-
nen unterschiedliche Verzahnungsqualitäten auf. Bei
gungsverfahren auswählbar mit Auswirkungen auf
der Passung von Welle und Nabe überlagern sich die
die Durchmesser der Fußkreise von Welle und Nabe.
Verzahnungsabweichungen /1,3/, in erster Näherung
14 IMW - Institutsmitteilung Nr. 21 (1996)

ist die Qualität des schlechteren Partners maßgebend halb der Verbindung. Bei Durchmesserzentrierung ist
zur Ermittlung der resultierenden Teilungs-Gesamt- daher die Verzahnungsqualität aus der auf die Wel-
abweichung der Zahnwellen-Verbindung. len- bzw. Nabenachse bezogenen Teilungs-Gesamt-
abweichung Fp zu bestimmen. Für identische Zahn-
Aus fertigungstechnischen Gründen läßt sich eine Ex-
wellen-Verbindungen ist die effektive Teilungs-Ge-
zentrizität zwischen Wellenachse und Außenverzah-
samtabweichung (-> effektive Qualität) und damit die
nungsachse bzw. Naben- und Innenverzahnungs-
Lastverteilung bei Flankenzentrierung grundsätzlich
achse nicht vermeiden. Bei der Vermessung von
besser als bei Durchmesserzentrierung.
Zahnwellen-Verbindungen wird in der Regel der Ur-
sprung auf die Achse einer zylindrischen Fläche des Das Berechnungsprogramm ermittelt aus der effekti-
Wellen- bzw. Nabenkörpers gelegt. Die gemessene ven Qualität des schlechteren Partners von Welle und
Teilungs-Gesamtabweichung der Zahnwelle bzw. Nabe (Eingabefelder Toleranzreihe) die Teilungs-
Zahnnabe ist abhängig von diesem Koordinatenur- Gesamtabweichung Fp für die Zahnwellen-Verbin-
sprung, so daß die gemessenen Werte die Exzentrizi- dung entsprechend der Berechnungsformel nach DIN
tät e zwischen Verzahnungsachse und Wellen- bzw. 3962. Die Teilungs-Gesamtabweichung beeinflußt
Nabenachse beinhalten. entscheidend die - durch den Umfangsfaktor kϕ ge-
kennzeichnete - Lastverteilung der Verbindung. Die
Mittels Fourier-Transformation kann die erste harmo-
sich real einstellende Lastverteilung der Verbindung
nischen Schwingung der Einzelabweichungen (Ein-
hängt von der Einbaustellung ab und streut statistisch
fluß der Exzentrizität) unterdrückt und die exzenter-
um den berechneten Wert.
korrigierte Teilungs-Gesamtabweichung Fp-e ermit-
telt werden. Dieser exzenterkorrigierte Wert ent- Neben der Lastverteilung wird vor allem bei Über-
spricht der auf die Verzahnungsachse bezogenen gangs- und Preßsitzen das Passungsverhalten einer
Teilungs-Gesamtabweichung. Die Verzahnungsqua- Zahnwellen-Verbindung entscheidend durch die Ver-
lität, die aus der exzenterkorrigierten Teilungs-Ge- zahnungsabweichungen beeinflußt. Weitere Erläute-
samtabweichung F p-e ermittelt werden kann, ist im rungen siehe DIN 5480, Teil 14.
statistischen Mittel um ca. 2 Qualitäten besser als die
Qualität der auf die Wellen- bzw. Nabenachse bezo-
genen Teilungs-Gesamtabweichung Fp /2/. 3.2 Einlaufverhalten und Plastifizierung

Bei flankenzentrierten Zahnwellen-Verbindungen er- Zahnflanke


folgt die Positionierung der Verbindungspartner über
Die Zahnflanken weisen im Lieferzustand vom Her-
die Zentrierkräfte auf der Zahnflanke. Die sich einstel-
stellungsverfahren abhängige Oberflächenrauhigkei-
lende Exzentrizität zwischen den Verzahnungsach-
ten und Formabweichungen auf. Die Qualität und die
sen wird durch die Verzahnungsabweichungen, die
damit in Beziehung stehende Teilungs-Gesamtab-
Einbaustellung, die Exzentrizität zwischen der Ver-
weichung Fp (siehe 3.1) wird in der Regel für den Lie-
zahnungsachse und Wellen- bzw. Nabenachse sowie
ferzustand angegeben. Beim Zusammenfügen von
der Belastung beeinflußt. Da die Ausrichtung dieser
Welle und Nabe einer Zahnwellen-Verbindung mit
Verbindungsart an den Zahnflanken erfolgt, ist bei
Spiel, wird das Anfangs-Drehflankenspiel j0 durch die
flankenzentrierten Zahnwellen-Verbindungen die
erste lastfreie Flankenberührung begrenzt. Durch die
Verzahnungsqualität aus der auf die Verzahnungs-
Belastungen im Betrieb, kommt es zu einem Einlauf-
achse bezogenen Teilungs-Gesamtabweichung Fp-e
vorgang auf den Zahnflanken, bei dem sich Wellen-
zu ermitteln.
und Nabenverzahnung aneinander anpassen. In Ab-
Bei durchmesserzentrierten Zahnwellen-Verbindun- hängigkeit vom Belastungsverhältnis aus Drehmo-
gen laufen Wellen- und Nabenachse nahezu zen- ment zu Querkraft (Hebelarm H = T/Q, siehe /1/) ent-
trisch. Den Achsen der Verzahnungen wird eine Ex- stehen unterschiedlich stark ausgeprägte Relativbe-
zentrizität aufgezwungen, die größer sein kann als die wegungen zwischen den Flanken der Verzahnung,
Exzentrizität zwischen der Wellen- bzw. Nabenachse die zur Glättung der Oberflächenrauhigkeiten und
und der Innen- bzw. Außenverzahnung. Sie verur- zum Einläppen der Flanken beitragen. Das Drehflan-
sacht in der Regel relativ hohe Zwangskräfte inner- kenspiel der Verbindung nimmt dabei zu, der Einlauf-
IMW - Institutsmitteilung Nr. 21 (1996) 15

vorgang ist jedoch unabhängig vom Betriebszustand stoffbeanspruchung aus. Die maximalen Spannun-
nach ca. 1x105 Umdrehungen abgeschlossen. Bei gen in den Kerbbereichen berechnen sich vereinfacht
Preßsitzen kann eine entsprechende Anpassung be- ausgedrückt mit σmax = αk·σnenn, wobei αk von der
reits durch den Fügevorgang erfolgen. Verbindungsgeometrie abhängige Formfaktoren und
σnenn die Nennspannungen der jeweiligen Berech-
Im Betrieb können sich die Teilungs-Gesamt- und
nungsansätze darstellen. Für den Fall elastischen
Einzelabweichungen der Wellen- und Nabenverzah-
Werkstoffverhaltens sind Nennspannung und die nur
nung und damit deren Qualitäten durch den zuneh-
in einem lokal sehr eng begrenzten Bereich der Kerbe
menden Flankenverschleiß ständig ändern (verbes-
auftretende Maximalspannung direkt proportional zur
sern oder verschlechtern), die Größenordnung ist da-
Last. Sobald die maximale Spannung die Fließgrenze
bei vom Betriebs- und Schmierungszustand abhän-
übersteigt, hat σmax die Proportionalitätsgrenze er-
gig. Bleibt die Zahnwellen-Verbindung immer in der
reicht. Bei weiterhin proportional zur Last ansteigen-
gleichen Einbaustellung, führt der Anpaßvorgang von
der Nennspannung σnenn und teilweise plastischen
Außen- und Innenverzahnung während des Einlaufs
Verformungen im Kerbbereich muß sich der Formfak-
zu einer effektiven Qualitätssteigerung der gepaarten
tor in der Berechnung verringern. Dieses wird im Be-
Verbindung, die in diesem Maße durch eine Vermes-
rechnungsprogramm durch den "Plastifizierungsfak-
sung der einzelnen Verzahnungen nicht feststellbar
tor Zahnfuß pα" berücksichtigt:
ist. Diese erzielte Qualitätssteigerung bleibt bei über-
wiegendem Drehmoment (H > Hgrenz, Betriebszu- Die Einführung des Plastifizierungsfaktors ist eine
stand III /9/) im weiteren Betrieb erhalten. dem heutigen, noch unvollständigen Kenntnisstand
entsprechende theoretische Definition. Bei rein elasti-
Im Berechnungsprogramm kann der Einlaufvorgang
schem Werkstoffverhalten gilt für den Plastifizie-
mit Hilfe des "Plastifizierungsfaktors Zahnflanke" pF
rungsfaktor pα = 0 und für den Formfaktor αk,pl = αk,
berücksichtigt werden (Wertebereich 0% ≤ pF ≤
mit αk = Formfaktor der rein elastischen Auslegung.
100%). Dieser Faktor beeinflußt den Tragbreitenfak-
Überschreitet die maximale Kerbspannung die Fließ-
tor k b,pl (Lastverteilung über der Verbindungsbreite)
grenze des Werkstoffs, muß der Formfaktor aufgrund
und die effektive Teilungs-Gesamtabweichung F p,pl.
des plastischen Fließens reduziert werden. Der
Die Voreinstellung pF = 25% entspricht ungefähr der
Grenzfall der Berechnung ist bei einem Plastifizie-
Verbesserung des Tragverhaltens durch den Einlauf
rungsfaktor von 1 (Eingabe im Programm pα = 100%)
der Verbindung bei spanender Herstellung der Zahn-
erreicht, bei dem für dem Formfaktor αk,pl = 1 folgt. In
flanken. Aus der effektiven Teilungs-Gesamtabwei-
grober Abschätzung ist beim Erreichen von pα = 1 der
chung Fp,pl wird im Programm die durch den Einlauf
Einfluß der Kerbe auf die Spannungsüberhöhung im
verbesserte effektive Qualität der gepaarten Zahn-
Zahnfuß nahezu abgeklungen, d.h., der gesamte
wellen-Verbindung berechnet. Ein Plastifizierungs-
Kerbbereich ist plastifiziert. Bei einer weiteren Last-
faktor von pF = 25% bewirkt eine Steigerung dieser
steigerung ist bei einem Werkstoff, der genügend gro-
Qualität um ca. 2 Stufen. Für umformtechnisch (z.B.
ße plastische Dehnungen zuläßt, von einer Ausdeh-
Walzen oder Rollen) hergestellte Verzahnungen, soll-
nung der plastischen Zone in den Wellengrundkörper
te zur Simulation des Einlaufs ein geringerer Plastifi-
auszugehen /2/. Diese Simulation kann mit dem Be-
zierungsfaktor Zahnflanke eingesetzt werden.
rechnungsprogramm nicht nachvollzogen werden.
Durch eine sehr hohe Belastung, z.B. einen Momen-
Der hier vorgestellte unvollkommene Berechnungs-
tenstoß (seltenes Ereignis), kann es zu plastischen
ansatz dient zu einer groben Abschätzung der Bean-
Verformungen auf den Flanken kommen. Auch diese
spruchungen im Kerbbereich, wenn die maximale
Verformungen lassen sich mit Hilfe des Plastifizie-
Spannung die Fließgrenze übersteigt. Vorausgesetzt
rungsfaktors simulieren.
wird ein Werkstoff, der gutes plastisches Fließvermö-
gen aufweist. Nach den bisherigen Erfahrungen liegt
die maximale plastische Dehnung bei ausreichendem
Zahnfußbereich
Wellenüberstand im Fall p α = 100% im Kerbbereich
Die Berechnung der Spannungen im Kerbbereich unter 5%. Als Auslegungskriterium muß daher die
nach DIN 5466E geht von einer rein elastischen Werk- größte auftretende plastische Dehnung herangezo-
16 IMW - Institutsmitteilung Nr. 21 (1996)

gen werden, die nicht größer als die zulässige plasti- /5/ Dietz, P.; Schäfer, G., Wesolowski, K.: Zahnwel-
sche Dehnung des Werkstoffs sein darf. Eine Bela- lenverbindungen - Beanspruchungs- und Ver-
stung, die erfaßbare plastische Verformungen hervor- schleißverhalten. Konstruktion, Heft 7/8, Juli/Au-
ruft, kann vom Bauteil jedoch nicht dauerfest ertragen gust 1993, S. 227 - 234, Springer Verlag
werden. Eine wechselnde Beanspruchung mit pα = 1
/6/ Burgtorf, U.: Untersuchung von Zahnwellen-Ver-
kann höchstens im Bereich des Low Cycle Fatigue er-
bindungen mit Preßsitz bezüglich ihrer Montage-
tragen werden!
und Betriebseigenschaften. Institutsmitteilung
Beim Erreichen der Streckgrenze RP0,2 weist ein Nr. 20, IMW TU Clausthal 1995
Werkstoff bereits 0,2% plastische Dehnung auf. Unter
/7/ Burgtorf, U.; Garzke, M.: Anleitung zum Berech-
der Voraussetzung, daß als maximale Spannung im
nungsprogramm zur Tragfähigkeitsberechnung
Zahnfuß σmax = RP0,2 zugelassen wird, kann eine
von Zahnwellen-Verbindungen nach DIN 5466E,
Zahnwelle unter Berücksichtigung des Werkstoffver-
Geometrie nach DIN 5480. IMW TU Clausthal
haltens und des plastischen Spannungsabbaus in der
1996
Kerbe bei maximal 0,2% plastischer Dehnung ein um
ca. 1,5 mal größeres Drehmoment Tpl übertragen als /8/ DIN 3962: Toleranzen für Stirnradverzahnungen,
elastisch berechnet. Teil 1, Beuth-Verlag, Berlin 1978

Der im Berechnungsprogramm voreingestellte Wert /9/ DIN 5466E: Tragfähigkeitsberechnung von


pα = 25% läßt einen sehr geringen, technisch nicht er- Zahn- und Keilwellen-Verbindungen, Teil 1 und 2,
faßbaren, plastischen Spannungsabbau im Zahnfuß- Beuth-Verlag, Berlin 1994/1995
bereich zu, der nach dem derzeitigen Kenntnisstand
/10/ DIN 5480: Zahnwellen-Verbindungen mit Evol-
bei Fußrundungsradien mit ρ = 0,16·m keine Auswir-
ventenflanken, Teil 1 bis 14 Beuth-Verlag, Berlin
kungen auf die Dauerfestigkeit der Verbindung hat.
1991
Für größere Fußausrundungen sollte wegen des ge-
ringeren Spannungsgradienten im Kerbbereich der
Plastifizierungsfaktor pα zur dauerfesten Auslegung
etwas reduziert werden (Hinweise zur dauerfesten
Auslegung in /2,9/).

Literatur

/1/ Dietz, P.: Die Berechnung von Zahn- und Keilwel-


lenverbindungen. Büttelborn, Juli 1978, Selbst-
verlag des Verfassers

/2/ Wesolowski, K.: Dreidimensionale Beanspru-


chungszustände und Festigkeitsnachweis dreh-
momentbelasteter Zahnwellen-Verbindungen
unter elastischer und teilplastischer Verformung,
Dissertation TU Clausthal 1996

/3/ Schäfer, G.: Der Einfluß von Oberflächenbe-


handlungen auf das Verschleißverhalten flan-
kenzentrierter Zahnwellen-Verbindungen mit
Schiebesitz. Dissertation TU Clausthal 1996

/4/ Dietz, P.; Wesolowski, K.: DFG-Abschlußbericht


zum Forschungsvorhaben Zahnwellenfestigkeit,
Di 289 /9-1, IMW TU Clausthal 1994