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[1] Craxi, Bettino: ehemaliger Generalsekretär der PSI (Sozi-

alistische Partei Italiens), ehemaliger Ministerpräsident. Stand


öfter vor Gericht wegen verbotener Finanzierung der Par-
tei, Korruption, etc. Die italienische Justiz verurteilte ihn zu 8
Jahren Arrest. Er stand mehrmals auf der Fahndungsliste und
verstarb im Januar 2000, nachdem er mehrere Jahre im Exil,
in seiner Luxusvilla von Hammamet (Tunesien) gelebt hatte.

[2] Andreotti, Giulio: italienischer Politiker, Mitglied der DC


(Christdemokratischen Partei). Er war an insgesamt 33 Regier-
ungen beteiligt und dabei siebenmal italienischer Ministerpräsi-
Die Anarchistische
dent. 1992 wurde er vom italienischen Präsidenten zum Seantor
auf Lebenszeit ernannt. Immer wieder wurde er in Verbindung
mit dunklen Machenschaften (Korruption, Mord, mafiöse Ver-
Spannung
einigung und der Versuch eines Putsches) gebracht. Die Justiz ließ
ihn immer wieder laufen. Während dieses Vortrags stand er wie-
der vor Gericht, diesmal wurde er beschuldigt, den Mord an dem
Journalisten Pecorelli angeordnet zu haben und wieder einmal
wegen mafiöser Vereinigung.

[3] Riina, Salvatore: Den Medien und Richtern als Mafiaboss der
Cosa Nostra (sizilianische Mafia) bekannt. Seit Anfang der 1970er
Jahre per Haftbefehl gesucht, 1993 verhaftet. Er genoss lange Zeit
Alfredo M. Bonanno
die Protektion durch die DC (Christdemokratische Partei). Er
soll mit Andreotti gesehen worden sein, als sie sich gegenseitig
auf die Wangen küssten, Ritual der Mafia, welches für Brüderlich-
keit und gegenseitige Hilfe unter Anführern steht.

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Weit entfernt von der Suche nach Bi-
beln und Predigern, abgeneigt für jede Form von
Abgötterei und Mythologie, Bilderstürmerinnen
per definitionem, Atheistinnen in jedem Sinne,
sind wir schon immer vor jeglichem Autoritaris-
mus, der unsere Existenz ekelhaft machen würde,

 W enn ich zu reden anfange, befinde ich


mich immer in einem der Verlegen-
heit ähnlichen Prozess, zumindest am Anfang.
geflüchtet und haben ihn verweigert, auch von
dem subtilsten und gefährlichsten: derjenige, der
von uns selbst ausgehen könnte. Keine Gesetze,
keine Auflagen, Befehle oder Gewissheiten, keine
Und diese Verlegenheit schwillt meist zu einer
vorgefertigten Augenklappen, sondern nur freie
fälschlicherweise Konferenz genannt, oder auch
und spontane Übereinstimmung...
gern als eine Debatten-Konferenz verkleidet, an.
Aber letzendlich handelt es sich dabei meist um
Das hatten wir im Sinne, als wir das Projekt
einen Diskurs von jemandem, der von ausserhalb
Laboratorio Anarchico ins Leben gerufen haben,
kommt und wahrscheinlich auch noch aus ein-
um antiautoritär unsere Spannungen zu experi-
er anderen Generation, so als würde es aus der
mentieren. Das innerhalb und außerhalb seiner
Vergangenheit regnen, jemand, der zum Pult hi-
Mauern, und genau das haben wir immer noch
naufsteigt und einen Diskurs hält, der euch mit
im Sinne, wenn wir diesen Text vorschlagen, der
anderen Zielen und Absichten die Gehirne zer-
nichts anderes sein will als ein Anreiz, um uns
stampft und dabei folglich fremd und gefährlich
selbst wachsen zu lassen, oder sollte es der Fall
erscheint. Trotzdem werden, wenn ihr mir nun
sein, sich in jemand anderem wieder zu finden.
ein bischen Aufmerksamkeit schenkt, und trotz
der äußerlichen Ähnlichkeiten, nun einige Konz-
LABORATORIO ANARCHICO DI SPERI-
epte mit beachtlichem Unterschied folgen.
MENTAZIONE ANTIAUTORITARIA

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mus von heute besteht. Das erste dieser Konzepte besteht aus der folgen-
den Frage: Was ist der Anarchismus? Und da ich
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit. mit Gewissheit weiß, weil ich sie persönlich ken-
ne, dass hier viele AnarchistInnen anwesend sind,
Cúneo, 28.Januar 1995 (Konferenz zum Thema ist es wohl komisch, dass ich in diesem Moment
„Anarchie und Demokratie“) so ein Problem anspreche. Eigentlich sollten die
AnarchistInnen ja wissen, was der Anarchismus
ist. Trotzdem wäre es nötig, jeden Diskurs mit
Alfredo Maria Bonanno der Frage zu beginnen: Was ist der Anarchismus?
Warum? Normalerweise stellt sich diese Frage in
anderen Lebensformen, anderen Aktivitäten, an-
deren Gedankenwegen nicht. Wer sich als etwas
definiert, davon geht man zumindest aus, weiß
auch, was diese Definition bedeutet.

Nun, die AnarchistInnen hingegen stellen sich


immer das Problem: Was ist der Anarchismus?
Was bedeutet es, AnarchistIn zu sein? Warum?
Weil er keine Definition ist, die, wenn sie ein-
mal gefunden wurde, in einem Tresor aufbewahrt
werden kann, die beiseite gelegt werden und als
Patrimonium betrachtet werden kann, aus dem
sich nach und nach etwas schöpfen lässt. Anar-
chistIn zu sein bedeutet nicht, eine Gewissheit er-
reicht zu haben und ein für allemal zu sagen: “Ja,
ich besitze von diesem Moment an die Wahrheit,
und somit bin ich zumindest von der Idee her
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eine Privilegierte oder ein Privilegierter”. Wer so Gruppen und das Wachstum der GenossInnen
denkt, ist nur mit den Worten AnarchistIn. Anar- aus einem quantitativen Blickpunkt betrachtet
chistInnen sind Individuen, die sich wirklich als ist eine wichtige Sache, die aber nicht über die
solche in Frage stellen, also als Person, und sich erreichten Ergebnisse stattfinden kann, sondern
fragen: Was ist mein Leben in Funktion dessen, über den Aufbau, die Formatierung der starken
was ich mache und in Relation zu dem, was ich Ideen, der Klarstellungen, von denen wir vorhin
denke? Was für eine Beziehung habe ich alltäglich sprachen. Die positiven Ergebnisse des Kampfes
zu all den Sachen, die ich mache, was mache ich, und das quantitative Wachstum unserer Gruppen
um AnarchistIn zu sein, also um mich im Alltag sind zwei Sachen, die nicht von einem Prozess des
nicht auf Übereinkommen, kleine Kompromisse Ursprungs und des Effektes verbunden werden
usw. einzulassen? können. Sie können in Verbindung stehen, oder
auch nicht.

Der Anarchismus ist also kein Konzept, das mit Bevor ich abschließe würde ich gerne noch ein
einem Wort festgenagelt werden kann, wie die paar Worte sagen. Ich habe davon geredet, was
Tafel eines Grabsteines. Er ist keine politische der Anarchismus ist, was die Demokratie ist,
Theorie. Er ist eine Weltanschauung, eine Leb- welches die Missverständnisse sind, die uns im-
ensauffassung, und das Leben, egal wie jung oder mer wieder vorgehalten werden, die Art auf
alt wir sind, ist keine definitive Sache: es ist eine welche sich die Machtstruktur verändert, die wir
Wette, die wir Tag für Tag neu abschließen müs- modernen Kapitalismus, post-industriellen Kap-
sen. Wenn wir in der Früh aufstehen, brauchen italismus nennen, von einigen anarchistischen
wir einen guten Grund, um aus dem Bett zu kom- Kampfstrukturen, die heute nicht mehr akzepti-
men, haben wir diesen nicht, egal ob wir Anar- erbar sind, von der Weise, wie man sich heute
chistInnen sind oder nicht, hat es keinen Sinn auf- gegen die Verwirklichungen der Mächtigen ent-
zustehen. Also wäre es besser im Bett zu bleiben gegensetzen kann, und letztendlich habe ich von
und weiterzuschlafen. Um einen guten Grund zu dem Unterschied gesprochen, der zwischen dem
haben, müssen wir wissen, was wir tun, denn für traditionellen und dem aufständischen Anarchis-
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idealen Dimension, hätten die AnarchistInnen - den Anarchismus, für die AnarchistInnen gibt es
die heute für den sozialen Kampf auf jeder Ebene keinen Unterschied zwischen dem, was zu tun
unverzichtbar sind - nur die Rolle, die Kämpfe ist und dem, was man denkt, sondern es gibt ein
immer weiter voranzutreiben, bis auch die letzte ständiges Zusammenfließen zwischen der The-
Spur der Macht verschwunden ist, um die Span- orie und der Aktion und umgekehrt. Und das
nung zur Anarchie immer weiter perfektionieren ist es, was die AnarchistInnen von anderen Per-
zu können. Die AnarchistInnen sind diejenigen, sonen unterscheidet, die eine andere Lebensauf-
die auf alle Fälle einen unbequemen Planeten be- fassung haben und diese Lebensauffassung über
wohnen, denn läuft der Kampf gut, so werden sie den politischen Gedanken kristallisieren, daraus
vergessen, läuft er schlecht, so zieht man sie zur eine politische Praxis und eine politische Theorie
Rechenschaft und wirft ihnen vor, einen schlech- machen.
ten Kampf geführt zu haben. Deswegen sollten
wir uns nie Illusionen machen was die mögli- Und dies wird normalerweise nicht gesagt, es ist
chen, quantitativen Ergebnisse betrifft: wenn der in keiner Zeitung zu lesen, in keinem Buch und
Kampf, der verwirklicht wird, im Sinne des Auf- wird in jeder Schule verschwiegen. Denn dies
standes korrekt ist, dann ist das gut so, und die ist das Geheimnis des Lebens: nie definitiv eine
Ergebnisse, falls es welche gibt, können für die Trennung zwischen Gedanken und Aktion ma-
Leute, die sie realisiert haben, von Nutzen sein, chen, zwischen den Sachen, die man weiß, und
nicht aber für die AnarchistInnen. denen, die man versteht, den Sachen, die man tut,
und den Sachen, über die wir agieren. Das ist der
Man darf nicht in das Missverständnis fallen, in Unterschied zwischen einem politischen Men-
das leider genügend GenossInnen immer wie- schen und einem revolutionären anarchistischen
der verfallen sind, zu denken, dass das positive Menschen. Nicht die Wärter, die Konzepte, und
Ergebnis des Kampfes sich in ein Wachstum un- gesteht es mir zu, unter einigen Aspekten nicht
serer Gruppen verwandeln kann, denn dies ent- mal die Aktionen, nicht einmal die radikalsten
spricht nicht der Wahrheit und führt system- Aktionen, die sich durch den Angriff äußern,
atisch zu Desillusionen. Das Wachstum unserer drücken diesen Unterschied aus. Der Unter-
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schied liegt auch nicht in der Richtigkeit des aus- einer an, diese Ziele gibt es immer und über-
gewählten Angriffsziels, sondern es ist die Art und all. Wir müssen dazu beitragen, die Bedingun-
Weise, was die GenossInnen, die diese Aktionen gen und Objekte zu finden, die es ermöglichen,
verwirklichen, charakterisiert, was sie bedeuten, dass die Leute die ausgebeutet und unterdrückt
wie die Aktion mit dem Leben, dem Lebensge- werden, versuchen selbst etwas dagegen zu tun,
fühl, der Freude, dem Wunsch, der Schönheit der um dies zu verhindern. Meiner Ansicht nach ist
GenossInnen, die sie durchführen, in Verbindung dieser revolutionäre Prozess von aufständischer
steht. Also handelt es sich nicht um eine prak- Natur. Er hat keinen Zweck (das ist sehr wichtig)
tische Angelegenheit ihrer Verwirklichung, eine im quantitativen Sinne, denn die Zerstörung des
hartnäckige Durchführung eines Fakts, der sich Objektives oder die Verhinderung von Projekten,
auf tödliche Weise in sich selbst abschließt und kann nicht im Sinne der Menge bewertet werden.
der dich dazu bringt sagen zu können: “ich habe Es kommt vor, dass ich gefragt werde: “Ja aber was
heute diese Sache getan, weit weg von mir selbst, für Resultate haben wir erreicht?”. Auch wenn
an der Peripherie meiner Existenz.” etwas realisiert wurde, so erinnern sich die Leute
im Nachhinein nicht mehr an die AnarchistIn-
Nun, dies ist ein Unterschied. Und aus diesem nen. “Die AnarchistInnen? Ja wer sind denn diese
Unterschied entsteht ein anderer, der meiner An- AnarchistInnen, etwa Monarchen? Vielleicht die,
sicht nach bemerkenswert ist. Wer denkt, dass die die den König wollen.” Die Leute erinnern sich
Sachen, die zu tun sind, außerhalb seiner selbst schlecht. Was aber hat dies für eine Wichtigkeit.
stehen und sich in Erfolgen und Misserfolgen Es sind nicht wir, an die sie sich erinnern sollen,
messen lassen - was soll’s, das Leben ist wie eine sondern sie sollen sich an ihren eigenen Kampf
Leiter, man geht ein Stück aufwärts und ein Stück erinnern, denn der Kampf ist der ihre. Wir sind
abwärts, es gibt Zeiten, da geht alles gut, in an- nur eine Gelegenheit im Kampf selbst, nichts
deren alles schief - nun, es gibt Leute, die denken, mehr.
dass das Leben aus solchen Sachen besteht: zum
Beispiel die klassische Figur der demokratischen In einer befreiten Gesellschaft, in der abgeschlos-
PolitikerIn (um Himmelswillen, eine Person mit senen Anarchie, also in einer vollkommenen
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diese Orte verboten. Wenn wir hier reinkommen der man diskutieren kann, die eine sympathische
würden, und vorhätten diese Struktur anzugrei- Art hat, tolerant ist, permissive Aspekte aufweist,
fen, so würde uns die Polizei daran hindern, das die an den Fortschritt glaubt, an die Zukunft,
scheint mir klar. an eine bessere Gesellschaft, an die Freiheit), so,
diese Person, die sich so gibt, die keinen Anzug
Nun, da sich die Herrschaft über Räumlichkeiten und keine Krawatte trägt, sondern sich lässig
realisiert, ist für die AnarchistInnen der Bezug kleidet, eine Person, die aus der Nähe betrachtet
zu den Räumlichkeiten sehr wichtig. Sicherlich eine Genossin sein könnte oder das gar von sich
ist der Aufstand ein individueller Fakt und daher, behauptet, diese Person könnte genauso gut eine
wenn wir am Abend mit uns alleine sind, bevor Polizistin sein, das ändert überhaupt nichts.
wir einschlafen, denken wir: “... Naja gut, letz- Warum nicht? Es gibt demokratische PolizistIn-
tendlich laufen die Dinge gar nicht so schlecht” nen.
denn man fühlt sich in Frieden mit sich selbst
und schläft ein. In diesem besonderen Bereich, Die Zeit der einheitlichen Repression ist vorbei,
der keine Räumlichkeit darstellt, bewegen wir heute hat die Repression sympathische Aspekte,
uns wie wir wollen. Dann aber müssen wir uns sie unterdrückt uns mit vielen glänzenden Ideen.
in die Räumlichkeit der Wirklichkeit transferi- Nun, diese Person, diese demokratische Person,
eren, und die Räumlichkeit, wenn ihr mal gut wie können wir sie charakterisieren, sie individu-
darüber nachdenkt, ist fast exklusiv in der Hand alisieren, wie können wir sie sehen? Und wenn sie
der Mächtigen. Nun, wenn wir uns in der Räum- uns ein Tuch vor die Augen hängen würden, um
lichkeit bewegen, bringen wir diese Werte des zu vermeiden, dass wir diese Person sehen könnt-
Aufstandes, diese Werte der Revolution, der An- en, wie können wir uns vor ihr schützen? In dem
archie mit ein, und messen sie in einem Gefecht, wir sie über den folgenden Fakt identifizieren:
in dem es nicht nur uns gibt. für diese Person ist das Leben von der Realisier-
ung bestimmt, ihr Leben besteht aus Fakten, aus
Wir müssen daher die bedeutungsvollen Ziele quantitativen Fakten, die sich vor ihren Augen
identifizieren und ob es die gibt, und schau mal abspulen, und aus nichts anderem.
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Organismen, die die Fähigkeit besitzen, fortz-
Wenn wir mit jemanden sprechen, können wir ubestehen und Konsequenzen im Kampf gegen
nicht einen Mitgliedsausweis verlangen. Oft die Herrschaft zu erzeugen. Wir dürfen nie ver-
passiert es uns, dass uns die Ideen einer Person gessen, und diese Überlegung ist wichtig, dass
in ziemliche Verwirrung führen und wir gar sich die Herrschaft konkret, also auch über
nichts mehr verstehen, denn wir sind alle sym- Räumlichkeiten, realisiert; sie besteht nicht aus
pathische und progressive RednerInnen, alle lob- einer abstrakten Idee. Die Kontrolle wäre nicht
preisen wir die Schönheit und Toleranz usw. Wie möglich, würde es keine Polizeikasernen und Ge-
aber können wir bemerken, dass wir vor uns den fängnisse geben. Die legislative Herrschaft wäre
schlimmsten Feind haben? Denn gegen den alten unmöglich, wenn es nicht die regionalen Parla-
Faschisten konnten wir uns zumindest wehren, mentchen geben würde. Die kulturelle Macht,
schlug er uns, so schlugen wir, wenn wir gut im die uns unterdrückt, die Meinungen konstruiert,
Schlägern sind, noch heftiger zurück. Nun hat sich wäre nicht möglich, wenn es keine Schulen und
die Angelegenheit verändert, die ganze Situation Universitäten geben würde.
hat sich verändert. Heute so einen richtigen fas-
chistischen Schlägertypen zu finden, kann sogar Nun, die Schulen, die Universitäten, die Kasern-
schwierig werden (A.d.Ü. es muss immer bedacht en, die Gefängnisse, die Industrien, die Fabriken
werden, dass der Autor von Italien ausgeht und sind Orte die auf einem Territorium verwirkli-
nicht von Deutschland!). Aber dieses Subjekt, das cht werden. Es sind begrenzte Zonen, innerhalb
wir gerade versuchen zu beschreiben, diese De- derer wir uns nur bewegen können, wenn wir
mokratInnen, die finden wir in allen Bereichen: bestimmte Bedingungen akzeptieren bzw. wenn
in der Schule oder im Parlament, auf der Strasse wir uns an die Spielregeln halten. Wir befinden
oder in der Uniform eines Polizisten, als Rich- uns hier in diesem Raum, weil wir die Spielregeln
terIn oder ÄrztIn. Dieses Subjekt ist unser Feind, akzeptiert haben, ansonsten hätten wir nicht hier
denn es bewertet das Leben anders als wir, denn eintreten können. Dies ist interessant. Wir kön-
für sie ist das Leben ein anderes Leben, es ist nicht nen auch Strukturen dieser Art benützen, aber
unser Leben, denn wir stellen für dieses Subjekt in dem Moment, in dem wir angreifen, sind uns
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sein mag, so ging es jedoch nicht um die Anarchie, eine Art Marsmenschen dar, und ich sehe keinen
um die Verwirklichung der Anarchie). Was wäre Grund dafür, dieses Subjekt so zu bewerten, dass
passiert, wenn man es geschafft hätte tatsächlich es auf unserem Planeten leben könnte. Dies ist die
in die Basis einzudringen und diese zu zerstören? Linie, die uns von ihm trennt, denn seine Leben-
Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich nichts, wahrs- sauffassung besteht aus quantitativer Natur, denn
cheinlich alles mögliche. Ich weiß es nicht, das dieses Subjekt bemisst das Leben nach Erfolgen,
kann man nicht wissen, niemand kann das wis- oder wenn ihr wollt, auch nach Misserfolgen,
sen. Aber die Schönheit in der Verwirklichung aber auf alle Fälle immer aus einem quantitativen
dieses zerstörerischen Aktes kann nicht in ihren Blickpunkt, und wir bemessen es auf eine andere
möglichen Konsequenzen gefunden werden. Art, und über das sollten wir nachdenken: auf
welche Art hat für uns das Leben etwas anderes,
Die AnarchistInnen garantieren für nichts von etwas anderes im qualitativen Sinne?
den Dingen, die sie tun, aber sie identifizieren die
verantwortlichen Personen und Strukturen, auf Nun, diese Person die uns scheinbar wohlwol-
Basis einer Entscheidung bestimmen sie ihre Ak- lend gegenübersteht, überfällt uns jedoch mit ein-
tionen und von dem Moment an fühlen sie sich er Kritik und sagt: “Ja, die AnarchistInnen sind
selbstsicher, denn die Idee der Justiz, die sich in sympathische Leute, sie sind jedoch unbeschlos-
ihnen befindet, führt sie zur Aktion, um die Ve- sen, was haben sie je in der Geschichte gemacht,
rantwortung von Personen und Strukturen, von welcher Staat war jemals anarchistisch? Haben
vielen Strukturen zu zeigen und die Konsequen- sie jemals eine Regierung ohne Regierung real-
zen, die daraus entstehen und verantwortlich isiert? Ist denn eine freie Gesellschaft, eine an-
sind. Genau hier setzt sich die Selbstbestimmung archistische Gesellschaft, eine Gesellschaft ohne
und das Handeln der AnarchistInnen fest. Macht, kein Widerspruch in sich?” Und diese
Masse von Kritik, die auf uns geschleudert wird,
Wenn sie manchmal gemeinsam mit anderen hat sicherlich eine große Dimension, denn effek-
Personen handeln, so müssen sie versuchen, Or- tiv auch in den Fällen, in denen die AnarchistIn-
ganismen auf dem Territorium zu schaffen. Also nen sehr nahe an der Verwirklichung ihrer Uto-
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pien einer freien Gesellschaft waren, wie z.B. in diese Geschichte aufzurollen, ich wollte sie nur
Spanien oder in Russland, waren diese Verwirkli- im Titel des Beispiels erwähnen.
chungen, wenn man sie genau prüft, ziemlich dis-
kutierbar. Sicherlich, es waren Revolutionen, aber Also der aufständische Anarchismus muss ein es-
es waren keine libertären Revolutionen, es waren sentielles Problem bewältigen; um als solcher zu
keine anarchistischen Revolutionen. gelten, muss er eine Grenze überwinden, anson-
sten würde er nur eine Hypothese des aufstän-
Also, wenn uns diese Damen und Herren sagen: dischen Anarchismus bleiben. Also, die GenossIn-
“Ihr seid Utopisten, ihr Anarchisten macht euch nen, die Teil einer Affinitätsgruppe sind und
Illusionen, eure Utopie lässt sich nicht realisie- daher den vorhin erwähnten Prozess des eigenen
ren”, dann müssen wir antworten: “Ja das stim- Aufstandes überwunden haben, also diese Illumi-
mt, der Anarchismus ist eine Spannung und ke- nation hatten, die in uns die Konsequenz einer
ine Realisierung, es ist kein konkreter Versuch, starken Idee bewirkt, die sich dem Geschwätz der
morgen Vormittag die Anarchie zu realisieren”. Meinungen entgegensetzt, diese GenossInnen tre-
Wir müssen aber auch fähig sein zu sagen: “Aber ten in Verbindung mit anderen GenossInnen, die
ihr geehrten demokratischen Damen und Her- sich auch an anderen Orten befinden, um somit
ren, die ihr an der Regierung seid, in den Uni- eine informelle Struktur zu bilden, bis zu diesem
versitäten, in den Schulen usw., ihr Damen und Punkt jedoch nur einen Teil ihrer Arbeit getan
Herren, was habt ihr denn realisiert? Ein Welt, haben. Sie müssen sich an einem gewissen Punkt
die es wert wäre, in ihr zu leben? Oder eine Welt, dafür entscheiden, sie müssen diese markierte Li-
geprägt von Tod, eine Welt, in der das Leben nie überspringen, sie müssen einen Schritt tun, der
eine platte Tatsache ist, qualitätslos, bedeutun- nicht leicht rückgängig zu machen ist. Sie müssen
gslos, eine Welt, in der, wenn man ein gewisses Beziehungen mit Leuten aufbauen, die nicht an-
Alter erreicht, um in Rente zu gehen, sich fragt: archistisch sind, und das in Funktion eines Prob-
“Was habe ich aus meinem Leben gemacht? Was lems, das im Zwischenbereich liegt, das begrenzt
für einen Sinn hat es gehabt, diese vielen Jahre zu ist (so phantastisch, interessant und sympathisch
leben?” die Idee der Zerstörung der Basis auch gewesen
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die Basis anzugreifen und zu zerstören. Also hat- Das ist es, was ihr realisiert habt, das ist eure
ten sie bestimmte Probleme nicht, denn hätten Demokratie. Aus was besteht euer Konzept des
sie diese gehabt, dann wären sie zu syndikalist- Volkes? Ihr regiert ein Volk, aber was soll “Volk”
ischen Gruppen geworden, die sich das Problem denn eigentlich heißen? Was ist dieses Volk? Ist es
der Arbeit stellten, also diese zu finden oder den vielleicht der kleine Teil, der zum Wählen geht,
Arbeitsplatz zu verteidigen, oder sonstige imma- der für euch wählt und eine Minderheit nomi-
nente Probleme zu lösen. Die Ligas hatten nur niert, diese Minderheit dann eine noch kleinere
den Zweck diese Basis zu zerstören. Minderheit wählt, die uns dann im Namen des
Gesetzes regiert? Und diese Gesetzte, was sind
Die zweite Eigenschaft war die permanente Kon- die anderes, als der Ausdruck der Interessen einer
fliktualität. Also vom ersten Moment an, in dem Minderheit, die spezifisch darauf ausgerichtet ist,
diese Gruppen geschaffen waren (es waren ke- die eigenen Perspektiven der Bereicherung und
ine anarchistischen Gruppen, sondern Gruppen der Verfestigung der Macht zu erreichen?
in denen sich auch AnarchistInnen befanden),
traten diese Gruppen in Konflikt mit all den Ihr regiert im Namen einer Macht, einer Kraft,
Kräften, die diese Basis bauen wollten, ohne dass von woher kommt die denn? Von einem abstrak-
diese Konfliktualität von Organismen vertreten tem Konzept. Ihr habe eine Struktur realisiert,
wurde oder es eine Verantwortung gab, die sich von der ihr denkt, sie könnte verbessert werden
auf die Gruppe als solche bezog. ... aber wie, auf welche Art wurde sie in der Ge-
schichte verbessert? Dies ist die Kritik, die wir
Die dritte Eigenschaft war die Unabhängig- den UnterstützerInnen der Demokratie vorwer-
keit dieser Gruppen. Das bedeutet, dass diese fen müssen. Wenn wir AnarchistInnen utopisch
Gruppen weder von Parteien noch von Gewerk- sind, dann sind wir es, weil wir eine qualitative
schaften usw. abhängig waren. Die Angelegenheit Spannung haben; wenn die DemokratInnen uto-
des Kampfes gegen den Bau der Basis sind teils pisch sind, dann sind sie es weil sie einer Reduz-
bekannt und teils unbekannt. Und ich glaube ierung folgen, die zur Quantität führt. Und dieser
nicht, dass es hier der richtige Moment ist, um Reduzierung, der das Ziel des möglichst mini-
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malen Schadens für sie und des größtmöglichen diesen zu haben. Letztendlich die Eigenschaft zu
Schadens für die Mehrheit, die dadurch ausge- besitzen, die Probleme einzeln zu bewältigen und
beutet wird, innewohnt, dieser elenden Wirklich- nicht generelle gewerkschaftliche Plattformen
keit stellen wir unsere Utopie entgegen. Diese ist vorzuschlagen, die sich unvermeidbar in die Ver-
zumindest eine Utopie der Qualität, eine Span- waltung einer Mini-Partei oder einem kleinen
nung, die auf eine andere Zukunft ausgerichtet alternativen Syndikat verwandeln würden. Die
ist, etwas radikal Anderes, als das, was wir heute Zusammenfassung dieser These kann auch et-
erleben. was abstrakt scheinen, und aus diesem Grunde
möchte ich, bevor ich sie abschließe, ein Beispiel
Also alle diese Diskurse, die irgendwer an euch geben, da man über die praktischen Vorgänge ei-
richtet, der im Namen des politischen Realis- nige Sachen besser begreifen kann.
mus spricht, ob es die Staatsmenschen sind, die
Diener der Staatsmenschen, die ProfessorInnen, In den 80er Jahren wurde ein Versuch gestartet,
die TheoretikerInnen, die JournalistInnen, alle um den Bau einer amerikanischen Raketenbasis
Intellektuellen, die sich in Universitätsräumen in Comiso zu verhindern. Bei dieser Gelegenheit
wie diesem aufhalten, wenn sie kommen und mit wurde ein theoretisches Modell dieser Art ange-
ruhigen und toleranten Worten des realistischen legt. Die anarchistischen Gruppen, die für zwei
Menschen reden und behaupten, dass man eh Jahre vor Ort waren haben die “selbstverwalteten
nichts ändern kann, dass die Wirklichkeit diese Ligas” geschaffen. Diese selbstverwalteten Ligas
ist und man sich damit abfinden muss, dass Op- waren eben nicht anarchistische Gruppen, die auf
fer gebracht werden müssen, nun, diese Leute be- dem Territorium vorgingen und als einziges Ziel
trügen euch. Sie betrügen euch, denn wahr ist, hatten, den Bau der Basis zu verhindern und das
dass man was anderes machen kann, denn wahr laufende Projekt in seiner Verwirklichung zu zer-
ist, dass sich jede/r von uns auflehnen kann und stören.
dies im Namen ihrer/seiner eigenen verletzten
Würde, denn es ist wahr, dass jedem Menschen Die Ligas waren also unabhängige Zellen mit den
bewusst werden kann, dass er betrogen wird und folgenden Eigenschaften: ihr einziger Zweck war,
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aufständischen Anarchismus ist sehr verschieden sich somit betrogen fühlt, denn endlich wird es
von der anarchosyndikalistischen Organisation, ihm/ihr bewusst, was zu seinem/ihrem Nach-
von der vorhin die Rede war. teil getrieben wird. Und durch die Auflehnung
kann jeder Mensch, mit allen Begrenzungen, die
Die Analyse der Organisationsformen, die hier auftreten können, nicht nur die Wirklichkeit
nur angerissen wurde, wäre eine Ergründung verändern, sondern sie/er kann auch ihr/sein ei-
wert, eine Sache, die ich jedoch nicht hier inner- genes Leben verändern, sie/er kann sich ein wür-
halb einer Konferenz machen kann. Eine derar- diges Leben schaffen, sie/er kann morgens auf-
tige Organisation würde meiner Ansicht nach nur stehen, die Füße auf den Boden stellen, in den
eine interne Sache der Bewegung bleiben, wenn Spiegel schauen und sagen: “Endlich habe ich
sie nicht auch Beziehungen außerhalb der Bewe- es geschafft, die Dinge zu verändern, zumindest
gung aufbauen würde, also über die Schaffung diejenigen, die mich betreffen”. Somit kann er
der Anlaufstellen nach außen, der Basisgruppen, sich als Mensch fühlen, der ein würdiges Leben
die auch eine informelle Eigenschaft haben müs- lebt und nicht wie eine Marionette, deren Fäden
sen. Es ist nicht nötig, dass diese Basisgruppen von einem Marionettenspieler gezogen werden,
nur aus AnarchistInnen bestehen: innerhalb der der nicht sichtbar genug ist, um ihm ins Gesicht
Basisgruppen können auch Leute teilnehmen, die spucken zu können.
gegen ein bestimmtes Ziel kämpfen wollen, auch
wenn dieses begrenzt ist, die sich aber nach einigen Das ist der Grund, warum die Anarchistin-
essentiellen Bedingungen richten. Als erstes “die nen immer wieder darüber reden, was der An-
permanente Konfliktualität”. Das bedeutet, dass archismus ist. Denn der Anarchismus ist keine
die Gruppen von der Eigenschaft des Angriffes politische Bewegung. Er ist auch das, aber nur
der Realität, die sie leben, geprägt sind und nicht als zweitrangiger Aspekt. Die Tatsache, dass die
nur auf die Befehle von irgendwem warten. Dann anarchistische Bewegung sich historisch als poli-
kommt die Eigenschaft der Unabhängigkeit, also tische Bewegung vorstellt, bedeutet nicht, dass
weder von Parteien und gewerkschaftlichen Or- der Anarchismus als politische Bewegung seine
ganisationen abzuhängen, noch Beziehungen zu existierenden anarchistischen Potentiale damit
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erschöpft. Der Anarchismus besteht nicht nur Gruppe von sympathischen Kumpeln, die sich
aus den Gruppen aus Cuneo, Turin, London und am Abend treffen, um über eine x-beliebige Sa-
vielen anderen Städten. Das ist nicht der Anar- che zu reden. Umgekehrt, eine Gruppe, die sich
chismus. Sicherlich, dort befinden sich die anar- trifft, um zu diskutieren, die aber über ihre Dis-
chistischen GenossInnen, und dort, das würde ich kussionen dazu beiträgt, die Diskussion zu ent-
mir zumindest wünschen oder zumindest davon wickeln, die sie vorantreibt, um sich in anderen
ausgehen können, befindet sich auch die Genossin Moment in Praxis zu verwandeln, das ist der
oder der Genosse, der schon mit seinem eigenen Mechanismus der Affintitätsgruppen. Wie aber
Aufstand begonnen hat, also das Bewusstsein er- kann dann die eine Affinitätsgruppe in Kontakt
reicht hat, in was für einem Zwangskontext er mit anderen Affinitätsgruppen treten, bei denen
gezwungen ist zu leben. Der Anarchismus ist die Vertiefung des Sich-Kennens nicht nötig ist,
nicht nur eine politische Bewegung, sondern be- eine Sache, die aber unverzichtbar intern der
findet sich auch innerhalb der Lebensspannung, einzelnen Affinitätsgruppe ist? Diesen Kontakt
der Qualität und der Kraft, die wir aus uns selbst kann die informelle Organisation garantieren.
herausziehen, um somit die Wirklichkeit, den Was aber ist eine informelle Organisation? Unter
Stand der Dinge verändern. Die Gesamtheit des den verschiedenen Affinitätsgruppen, die unter
Anarchismus ist ein Transformationsprojekt im sich in Kontakt treten, um Ideen auszutauschen
Zusammenhang mit der Verwirklichung, die in und etwas zusammen zu tun, kann eine Bezie-
unserem eigenen Innern stattfindet und somit hung informeller Natur bestehen und somit der
unsere persönliche Veränderung fordert. Aufbau einer Organisation, die auf territorialer
Ebene sehr breit sein kann, also auch aus Dutzen-
Es handelt sich also nicht um einen quantitativen den, oder sogar Hunderten von Organisationen,
Fakt, der sich geschichtlich zusammenfassen Strukturen und Gruppen bestehen kann, die alle
lässt, es ist kein Fakt, der sich einfach durch die eine informelle Eigenschaft haben, die eben im-
Zeit abwickeln lässt und der sich über bestimmte mer aus der Diskussion, der periodischen Verti-
Theorien zeigt, durch einige Personen, durch efung der Probleme und den Sachen, die zu tun
bestimmte Bewegungen und warum nicht, durch sind, besteht. Diese organisatorische Struktur des
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Aus diesem Grund heraus denken wir an die Not- bestimmte revolutionäre Aktionen. In dieser
wendigkeit der Gründung von kleinen Gruppen, Summe von Elementen befindet sich immer eine
die auf der Affinität beruhen. Gruppen, die auch zusätzliche Sache, und es ist immer diese zusät-
ganz winzig sind und aus wenigen GenossInnen zliche Sache, die den Anarchismus andauernd als
bestehen, die sich gut kennen und dieses Sich- Veränderung leben lässt.
Kennen immer weiter vertiefen, denn es kann ke-
ine Affinität bestehen, wenn man sich nicht kennt. Diese Spannung, die meiner Ansicht nach immer
Die Affinitäten können nur dann erkannt werden, in uns vorhanden ist zwischen dem Anderen,
wenn Elemente bestehen, um zu verstehen, wo dem Unvorstellbaren, und der Dimension, die
die Unterschiede liegen, und das kann man nur wir verwirklichen müssen, auch wenn wir nicht
machen, wenn man miteinander umgeht. Dieses genau wissen, wie wir das machen können, sollte
Sich-Kennen besteht aus persönlichen Fakten, erhalten bleiben, um eine Beziehung, einen
aber auch aus Ideen, Debatten und Diskussionen. bestimmte Verbindung der Veränderung und der
Aber im Sinne der Anfangsdebatte, die wir heute Transformation beizubehalten.
Abend geführt haben, wenn ihr euch erinnert,
dann gibt es keine Ergründung der Ideen, die Das erste Beispiel, das mir zu diesem Argument
nicht auch mit der Praxis zusammenhängt, also einfällt, ist ein weiteres widersprüchliches Ele-
den Aktionen, der Verwirklichung von Fakten. ment. Denkt mal an das Konzept Problem: “Es
Also zwischen der Ergründung der Ideen und der gilt ein Problem zu lösen” - ein klassischer Satz.
Verwirklichung der Fakten besteht ein kontinui- Alle haben wir Probleme zu lösen, das Leben ist
erlicher gegenseitiger Übergang. ein Problem, jeglicher Aspekt der Wirklichkeit,
der eigenen sozialen Umstände, den Kreis, der
Eine kleine Gruppe, die aus GenossInnen besteht, uns umgibt brechen zu müssen, die einfachsten
die sich kennen und sich über die Affinität iden- Kleinigkeiten, die uns im Alltag treffen, all dies
tifizieren, eine kleine Gruppe, die sich nur dann bezeichnen wir als Problem. Sind Probleme je-
zusammenfindet, um am Abend am Biertisch zu doch lösbar?
sitzen, wäre keine Affinitätsgruppe, sondern eine
42 15
Und hier besteht ein großes Missverständnis. tion des Anarchismus sich gezwungenermaßen
Warum? Die Struktur, die uns unterdrückt, sagt mit gravierenden Problemen auseinandersetzen
uns, dass die Probleme lösbar sind und dass sie muss, die nicht vom Anarchismus gewollt sind,
von ihr gelöst werden. Noch mehr, diese Struktur sondern von der Realität, die von den Herrschen-
empfiehlt uns das Beispiel (ich glaube hier sind den geschaffen wurden, und die wir nicht mit
mehrere StudentInnen anwesend) die Lösung der einem einfachen Flügelschlag unserer Wünsche
Probleme in Geometrie, in Mathematik, usw. Je- verschwinden lassen können.
doch ist dieses Problem der Mathematik, das als
Beispiel für Problemlösung gilt, nichts anderes Eine anarchistische Organisation, die sich in
als ein falsches Problem, daher ist die Möglich- die Zukunft projiziert, müsste also schlanker
keit es zu lösen, wie ein mathematisches Prob- sein. Sie kann sich nicht mit schweren, quanti-
lem: die Antwort auf das Problem ist im Vorsatz tativ schweren Charaktereigenschaften der Ver-
des Problems selbst vorhanden, also die Antwort gangenheit vorstellen. Sie kann sich nicht über
ist eine Wiederholung des Problems, nur in an- die Dimension der Synthese geben, wie es z.B.
derer Form, die technisch als Tautologie bezeich- bei Organisationen der Vergangenheit war, in
net wird. Man sagt eine Sache, und antwortet mit der die anarchistische organisatorische Struk-
der Sache selbst, daher gibt es im Großen und tur den Anspruch hatte, die Realität innerhalb
Ganzen keine Lösung des Problems, sondern es ihrer selbst über bestimmte “Kommissionen” die
gibt eine Wiederholung des Problems in anderer sich um die unterschiedlichsten Probleme küm-
Form. merten, zusammenfassen zu können. Kommis-
sionen, die ihre Entscheidungen innerhalb eines
Nun, wenn die Rede davon ist, ein Problem zu periodischen jährlichen Kongresses trafen und
lösen, das sich auf das unser aller Leben bezieht, sich dabei auf Thesen beriefen, die aus dem vori-
auf unsere Existenz im Alltag, dann ist die Rede gen Jahrhundert stammten. All das hat seine Zeit
von Problemen, die einer Komplexität angehören gehabt, nicht weil ein Jahrhundert dazwischen
und sich nicht innerhalb einer einfachen Wie- liegt, sondern weil die Realität verändert ist.
derholung des Problems selbst einsperren lassen.
16 41
iterInnenklasse existierte, es noch möglich war, Wenn wir z.B. sagen: “das Problem der Polizei”,
eine Illusion des Überganges zu hegen, so orga- die Existenz der Polizei, stellt für viele von uns
nisierte man sich danach. Zum Beispiel sahen die ein Problem dar. Es ist nicht zu bezweifeln, dass
organisatorischen Hypothesen des Anarchosyn- die Polizei ein Instrument der Unterdrückung
dikalismus eine große syndikalistische Bewegung ist, über die uns der Staat daran hindert, gewisse
vor, die, einmal ins Innere der ArbeiterInnenk- Dinge zu tun. Wie aber kann so ein Problem gelöst
lasse und Organisationen eingedrungen, diese werden? Gibt es eine Möglichkeit, das Problem
Enteignung und diesen Übergang verwirklichen der Polizei zu lösen? Die Frage an sich zeigt sich
sollte. Fällt dieses kollektive Subjekt, das wahrs- inkonsistent. Es gibt keine Möglichkeit, das Prob-
cheinlich von Geburt an ein Mythos war und heute lem der Polizei zu lösen. Aus einem Blickpunkt
nicht einmal in einer mythischen Vision besteht, des demokratischen Gedankenweges existiert ein
aus, welchen Sinn hätte eine gewerkschaftliche Problem, dass sich damit beschäftigt, einige As-
Bewegung revolutionärer Natur? Was für einen pekte des Problems Polizei zu lösen. Demokra-
Sinn hätte oder hat eine gewerkschaftliche oder tisierung der Strukturen, Transformation der
anarchosyndikalistische Bewegung? Keinen. Mentalität der PolizistInnen und so fort. Nun, zu
Also muss der Kampf von wo anders ausgehen, denken, dass dies eine Lösung des Problems der
er muss von anderen Ideen kommen und mit an- Kontrolle und der Repression ist, ist nicht nur
deren Methoden gemacht werden. Das ist der dumm, sondern auch unlogisch. Tatsächlich ist
Grund, warum wir seit fast fünfzehn Jahren eine es nichts anderes als die Repression so hinzubie-
Kritik an den Gewerkschaften und dem Anar- gen, dass sie den Interessen der Macht entspricht.
chosyndikalismus entwickelt haben, und deshalb Wenn heute eine demokratische Polizei benötigt
verstehen wir uns als aufständische AnarchistIn- wird, kann schon morgen eine Kontroll- und
nen. Und nicht weil wir denken, dass die Bar- Repressionsstruktur benötigt werden, die wes-
rikaden die Lösung sind. Die Barrikaden sind entlich undemokratischer ist und die Polizei
höchstens eine tragische Konsequenz von Ents- würde, wie schon in der Vergangenheit, sagen:
cheidungen, die wir nicht getroffen haben, wir “ich gehorche”, und würde womöglich auch in
sind Aufständische, weil wir denken, dass die Ak- ihrem eigenen Inneren die am Rande stehende
40 17
Minderheit, die anders denkt, eliminieren. Masse von Produktionsmitteln, die wir vor uns
haben, zerstört wird. Die einzige Möglichkeit,
Wenn ich Polizei sage, dann meine ich jegliche die wir haben, ist der Weg über die dramatische
repressive Struktur, angefangen von den Karabin- Wirklichkeit der Zerstörung. Die Revolution, die
ieri bis hin zur Magistratur, jeglichen Ausdruck wir hypothetisieren können, und von der wir auch
des Staates, der als Kontrolle und Repression sicher sind, dass sie kommt, ist nicht die Revolu-
dient. Wie ihr also sehen könnt, sind die sozi- tion von gestern, die man sich als einfachen Fakt
alen Probleme nicht lösbar. Der Betrug, seitens vorstellen konnte, der tatsächlich eines schönes
der demokratischen Strukturen den Anspruch abends oder Tages kommen konnte. Nein diese
zu haben, die Probleme lösen zu können, ist ein Revolution wird eine lange, tragische, blutige
Betrug, der zeigt, dass es keine Behauptung des Angelegenheit, die über unvorstellbare gewalt-
demokratischen politischen Gedankens gibt, der tätige Prozesse erreicht wird, unvorstellbar tra-
sich in minimalster Weise auf die Wirklichkeit gische Prozesse.
und die Konkretheit stützt. Alles fundiert auf der
Möglichkeit, mit dem Missverständnis spielen zu Es ist dieser Art von Realität, der wir näher kom-
können, das zeigen soll, dass sich mit der Zeit men. Nicht weil diese unser Wunsch ist, nicht
alles wieder einrenken lässt, dass sich alles bessern weil uns die Gewalt, das Blut, die Zerstörung
wird, dass sich alles regeln lässt. Und auf dieser oder der Bürgerkrieg, die Toten, die Vergewalti-
Regelung basiert die ganze Kraft der Macht, auf gungen und die Barbareien gefallen, um das geht
diese Regelung stützen sich die HerrscherInnen, es nicht, sondern weil es der einzige plausible Weg
mittel- und langfristig. Sie wechseln die Karten, ist. Die HerrscherInnen, die diese Veränderungen
wechseln die Beziehungen, und wir warten darauf, wollten, haben diesen Weg nötig gemacht. Sie
dass das passiert, was sie uns versprochen haben sind es, die diesen Weg eingeschlagen haben. Wir
und nie passieren wird, denn diese Verbesserung können nun nicht mit nur einem einfachen Flü-
werden nie stattfinden, denn die Macht bleibt, sie gelschlag unserer Wünsche, unserer Vorstellun-
ändert und transformiert sich in der Geschich- gen etwas ändern. Also, wenn mit der Hypothese
te, bleibt aber trotzdem, sie bleibt immer: eine der Vergangenheit, in der noch eine starke Arbe-
18 39
möglich aus einem einfachen Grund: z.B. könnte handvoll Frauen und Männer, eine privilegierte
die telematisierte Technologie nicht in einer be- Minderheit, die den Hebel der Herrschaft ver-
freienden Form benutzt werden. Die Technologie waltet, die in ihrem eigenen Interesse handelt
und die telematischen Implikationen haben sich und die Bedingungen der Oberhoheit und derer,
nicht darauf beschränkt, nur bestimmte Verän- die am Kommando sitzen, beschützt, derer, die
derungen innerhalb gewisser Instrumente zu fortfahren zu herrschen.
verwirklichen, sondern haben auch die anderen
Technologien verändert. Nehmen wir die Fabrik, Nun, was haben wir für ein Instrument, um die-
es ist nicht mehr die Fabrik von gestern, der ein sem Stand der Dinge etwas entgegenzusetzen?
telematisches Mittel hinzugefügt wurde, sondern Wollen sie uns kontrollieren? Wir verweigern die
es ist eine telematisierte Fabrik, und das ist eine Kontrolle. Sicher, das können wir tun, zweifels-
ganz andere Sache. Nehmen wir bitte zur Kennt- frei tun wir das auch, wir versuchen den Schaden
nis, dass diese Konzepte aus verständlichen Grün- soweit es geht zu reduzieren. In einem sozialen
den nur sehr generalisiert angerissen werden kön- Kontext jedoch hat die Verweigerung der Kon-
nen, denn sie würden sehr viel Zeit in Anspruch trolle begrenzten Wert. Wir können gewisse As-
nehmen, wenn wir sie vertiefen würden. Nun, die pekte umschreiben, wir können schreien, wenn
Unmöglichkeit dieses Patrimoniums zu benut- wir zu Unrecht getroffen werden, es ist jedoch
zen, und also auch diesen Übergang, läuft paral- klar, dass es bestimmte Orte der Herrschaft gibt,
lel mit dem Ende des Mythos vom Zentralismus wo Regeln existieren, die Gesetze heißen, Schilder,
der ArbeiterInnenklasse. die Zäune heißen, Menschen, die PolizistInnen
heißen, und uns daran hindern, einzutreten. Da-
Jetzt, in einer Situation in der sich die Arbeit- ran gibt es keinen Zweifel, versucht doch einmal
erInnenklasse praktisch in Staub aufgelöst hat, ins Parlament zu gehen und ihr werdet sehen, was
gibt es keine Möglichkeit für den Gebrauch von euch passiert, keine Ahnung. Gewisse Bereiche
so genannten Produktionsmitteln, die enteignet können nicht überschritten werden, gewissen
werden müssten. Tja und, aus was besteht die Lö- Kontrollen kann nicht entgangen werden.
sung? Es gibt keine andere Lösung, als dass diese
38 19
Was können wir so einer Situation entgegenset- Mittelpunkt einer sozialen Struktur betrifft. Man
zen? Einfach nur einen Traum? Eine hypothe- denke an die Analysen der Anarchosyndikalis-
tische Freiheit, die obendrein auch noch ziemlich tInnen. Für die AnarchosyndikalistInnen ging
korrekt formuliert werden muss, da wir nicht es nur darum, die Gewerkschaftskämpfe zu den
sagen können: “die Freiheit der AnarchistInnen extremsten Konsequenzen zu bringen, sie dann
besteht nur in der Reduzierung der Kontrolle”. aus der begrenzten Dimension des Syndikalismus
In diesem Fall würden wir uns in einem Miss- zu lösen, um sie dann, über den Generalstreik,
verständnis befinden: “Wo hört denn diese Re- einen revolutionären Fakt zu erreichen. Also die
duzierung der Kontrolle auf ? Vielleicht bei einer Gesellschaft von morgen, die befreite und anar-
minimalen Kontrolle?” Würde dann z.B. für uns chistische Gesellschaft, wäre nach Ansicht der
AnarchistInnen der Staat als solcher legitimiert AnarchosyndikalistInnen nichts anderes als eine
werden, wenn er anstatt in der heutigen Form Gesellschaft, die von den Machtstrukturen bef-
der Unterdrückung, nehmen wir mal an, der reit ist, mit den gleichen Produktionsstrukturen
ideale Minimalstaat der Liberalen wäre? Gewiss von heute. Diese wären dann nicht mehr in den
nicht. Also kann dieser Überlegung nicht gefol- Händen der KapitalistInnen, sondern in den Hän-
gt werden. Das, was wir versuchen zu erreichen, den der Gesellschaft, die sie kollektiv verwalten
kann nicht eine Begrenzung der Kontrolle sein, würde.
sondern die Abschaffung der Kontrolle.
Dieses Konzept ist heute aus unterschiedlichen
Wir sind nicht für eine größere Freiheit, denn Gründen absolut nicht mehr praktizierbar. An
eine größere Freiheit gibt man dem Sklaven, wenn erster Stelle, weil die technologischen Verände-
man ihm seine Kette verlängert, wir möchten die rungen, die heute schon realisiert wurden, ein-
Abschaffung der Kette und daher möchten wir en einfachen und linearen Übergang von einer
die Freiheit und nicht eine größere Freiheit. Und vorherigen Gesellschaft, der aktuellen Gesell-
Freiheit bedeutet, dass überhaupt keine Ketten schaft, in der wir heute leben, in eine zukünft-
vorhanden sind, sie bedeutet Grenzenlosigkeit ige Gesellschaft, in der wir leben möchten, nicht
und all das, was unter dieser Behauptung zu ver- mehr zulassen. Dieser direkte Übergang ist un-
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aus dem Mittelpunkt, aus dem gestern die poli- stehen ist.
tische Gesellschaft konzeptioniert wurde, das
entfernt, was die Figur der ArbeiterIn darstellte. Das Konzept der Freiheit ist nicht nur schwierig
und unbekannt, es ist auch ein schmerzhaftes
Die Arbeiterinnen von gestern hielten die Konzept. Es wird uns jedoch immer als eines der
schlimmsten Ausbeutungsumstände aus. Aus schönsten Konzepte verkauft. Als ein zartes und
diesem Grunde dachte man sich, dass sie als so- erholsames Konzept, das wie ein Traum ist, der
ziale Figuren den Anfang der Revolution machen soweit entfernt ist, und wie alle entfernten Sa-
würden. Man denke nur an die marxistischen chen eine Hoffnung und einen Glauben darstellt.
Analysen. Im Grunde ist das ganze Kapital von Mit anderen Worten, etwas Unantastbares, das
Marx der “Befreiung der ArbeiterInnen” gewid- alle heutigen Probleme löst, dies aber nicht, weil
met. Wenn Marx von Menschen spricht, meint er sie es tatsächlich tut, sondern nur weil sie eine
damit die ArbeiterInnen, wenn er seine Analy- deutliche Erkennung unseres heutigen Unglücks
sen bezüglich der Werte entwickelt, so redet er vertuscht, deckt und modifiziert. Na gut, eines
von der Arbeitszeit; wenn er seine Analysen bzgl. Tages werden wir frei sein, na gut, wir stehen im
der Entfremdung entwickelt, so redet er von der Unglück, aber innerhalb dieses Unglücks gibt es
Arbeit. Es gibt nichts, was nicht die Arbeit bet- eine unterirdische Kraft, eine ungewollte
rifft. Dies aus dem Grunde, weil zu den Zeiten,
in denen die marxistischen Analysen entwickelt Ordnung, die von niemanden von uns abhängt,
wurden, die ArbeiterInnenklasse der zentrale die an unserer Stelle arbeitet und nach und nach
Punkt war. Die ArbeiterInnenklasse konnte als die Umstände des Leidens, in dem wir leben,
Mittelpunkt der sozialen Struktur hypothetisiert modifiziert, um uns in eine Dimension der Frei-
werden. heit zu bringen, in der wir dann alle glücklich
leben werden. Nein, die Freiheit ist nicht so eine
Wenn auch mit anderen Analysen, so kamen Sache, das ist ein Betrug und dieser Betrug ist auf
auch die AnarchistInnen zu einem ähnlichen tragischer Weise dem Betrug der alten Idee des
Schluss, was die Stellung der ArbeiterInnen als Gottes ähnlich. Die Idee des Gottes, der uns oft
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geholfen hat und auch heute noch den Personen eine andere Art von Eingriff, ein viel kleinerer
hilft, die leiden, denn diese sagen sich: “Nun ja, Eingriff, der zwar bescheidener ist, aber etwas
heute leiden wir, aber in der anderen Welt wird bringen kann. Wir, als AnarchistInnen, sind dazu
es uns gut gehen”. Und hört man auf das Evan- aufgefordert, etwas zu machen, wir sind von un-
gelium, so sagt dieses, dass die letzten die ersten serer Eigenverantwortung aufgefordert, so wie
sein werden, Schlussfolgerung ist also, dass diese wir das vorher erklärt haben. In dem Moment,
Umkehrung die letzten von heute ermutigt, denn in dem sich diese Idee in unserem Hirn aufmacht,
sie werden die ersten von morgen sein. nicht die Idee des Anarchismus, sondern die Idee
der Justiz, der Freiheit, wenn sich diese Ideen
Wenn wir uns dieses Konzept der Freiheit als aufmachen und wir über diese Ideen begreifen,
zutreffendes vorgaukeln würden, dann würden was für einen Betrug wir vor uns haben, den wir
wir das Leiden von heute betreuen, wir würden heute mehr als je als demokratischen Betrug be-
ein kleines Pflaster auf die sozialen Wunden von zeichnen können, was machen wir dann? Wir
heute kleben, genauso wie es der Pfarrer mit sein- müssen uns bewegen, und dieses Bewegen be-
en Predigen und seinen Gedankenwegen macht. deutet auch, uns zu organisieren, es bedeutet, die
Er klebt ein kleines Pflaster auf die Wunden der Bedingungen zu schaffen, die eine Auseinander-
Armen, die ihm zuhören, die der Illusion folgen, setzung und Anhaltspunkte unter uns Anarchis-
dass sie im Reich Gottes von Leid und Schmerz tInnen ergeben, die jedoch anders sind als in der
befreit werden. Es ist klar, dass die AnarchistIn- Vergangenheit.
nen nicht dieselben Überlegungen machen kön-
nen. Die Freiheit ist ein zerstörerisches Konzept,
die Freiheit ist ein Konzept, dass die absolute Ver- Heute schaut die Wirklichkeit anders aus. Wie
nichtung jeglicher Grenzen beinhaltet. Nun, die wir vorhin sagten, sie sind dabei einen anderen
Freiheit ist eine Hypothese, die in unseren Herzen Menschen zu konstruieren, einen disqualifi-
bleiben muss, zum selben Zeitpunkt jedoch muss zierten Menschen und dies, weil sie es nötig ha-
sie uns zu verstehen geben, dass, wenn wir diese ben, eine disqualifizierte Gesellschaft zu schaffen.
Freiheit wollen, wir auch dazu bereit sein müs- Einmal den Menschen disqualifiziert, haben sie
22 35
Diese Art von neuen Menschen, der genau das sen, alle Risiken der Zerstörung einzugehen, d.h.
Gegenteil darstellt von dem, was wir denken und alle Risiken eingehen müssen, die zur Zerstörung
uns wünschen. Er ist das Gegenteil der Qual- der festgesetzten Ordnung, in der wir leben, füh-
ität, das Gegenteil der Kreativität, das Gegent- rt. Die Freiheit ist kein Konzept, in dem wir uns
eil der realen Wünsche, der Lebensfreude, er ist schaukeln können, in der Erwartung, dass sich
das Gegenteil von all dem. Wie aber können wir etwas Besseres entwickelt, und das unabhängig
gegen die Verwirklichung dieses technologischen davon, ob wir die tatsächliche Fähigkeit besitzen,
Menschen ankämpfen? Wie können wir gegen um dagegen eingreifen zu können.
diese Situation ankämpfen? Können wir darauf
warten, dass ein Tag kommt, ein schöner Tag, Um uns im klaren zu sein über Konzepte die-
um die Welt umzukrempeln, der Tag den die An- ser Art, um uns darüber klar zu werden, welche
archistInnen aus dem vergangenen Jahrhundert Risiken man eingeht, wenn man mit so gefährli-
“la grande soirée” oder “le grand jour”, also den chen Konzepten umgeht wie diesen, dann müs-
großen Abend, oder den großen Tag nannten sen wir fähig sein, in uns selbst Ideen zu konkre-
und in dem die Kräfte, die niemand vorhersehen tisieren, und diese Ideen erst einmal haben.
kann, es schaffen, den sozialen Konflikt explodi-
eren zu lassen, auf den wir alle warten und der Auch was diesen Punkt betrifft, gibt es be-
sich Revolution nennt, mit der sich alles ändern merkenswerte Missverständnisse. Es ist üblich,
wird und es eine perfekte Welt des Glückes geben jegliches Konzept, das wir im Sinne haben, als
wird? Idee zu bewerten. Jemand sagt: “ich habe eine
Idee”, und auf diese Weise wird versucht zu iden-
Diese Hypothese ist eine Hypothese dieses tifizieren, was eine Idee ist. Diese ist die karte-
Jahrtausends. Jetzt, am Ende des Jahrtausends, sianische Hypothese der Idee, die sich der pla-
könnte sie auch wieder Fuß fassen. Die Bedingun- tonischen Idee gegenüberstellte, die als abstrakter,
gen sind jedoch anders, es ist nicht das, was der entfernter Bezugspunkt gilt usw. Es ist jedoch
Realität entspricht, und es ist nicht die Wartehal- nicht dieses Konzept, auf das wir uns berufen,
tung, die uns interessieren kann. Uns interessiert wenn wir von Ideen sprechen. Die Idee ist ein
34 23
Anhaltspunkt, sie ist ein Element, das die Stärke ist “der neue Mensch”, den sie konstruieren: ein
hat, das Leben umzuwandeln. Es ist ein Konz- flexibler Mensch, mit mittelmäßigen Ideen, trüb
ept, das mit Werten beladen ist, es ist ein Konz- in seinen Wünschen, mit einer großen Reduzier-
ept der Werte, das dann zum Konzept der Stärke ung im kulturellen Bereich, mit einem verarmten
wird. Es ist etwas, das die Fähigkeit besitzt, un- Wortschatz, mit standardisierter Lektüre, die im-
sere Beziehung zu den Anderen auf andere Weise mer dieselbe ist, immer dieselbe, einer Überle-
zu entwickeln, all dies ist die Idee. Welche ist je- gungsfähigkeit, die begrenzt ist, und einer hohen
doch tatsächlich die Quelle, über die wir an die Fähigkeit, in schnellsten Zeitraum zwischen zwei
Elemente gelangen, um Ideen dieser Art ausar- Möglichkeiten zu entscheiden, also ob auf den
beiten zu können? Die Schule, die Akademie, die roten oder gelben, den schwarzen oder weißen
Universität, die Zeitungen, die Bücher, die Pro- Knopf zu drücken. Nun, diese Art von Mental-
fessorInnen, die TechnikerInnen, das Fernsehen ität konstruieren sie gerade. Und wo konstruie-
usw. Was aber kommt über diese Informationsin- ren sie sie? In den Schulen, aber auch in unserem
strumente und diese kulturelle Ausarbeitung auf alltäglichem Leben.
uns zu? Ein mehr oder weniger bemerkenswertes
Bündel von Informationen, die wie ein Wasser- Was haben sie von so einer Art Mensch? Sie
fall auf uns klatschen, wie in einem Kochtopf in brauchen ihn, um alle wichtigen Modifizierun-
uns aufkochen und Meinungen produzieren. Wir gen, die sie für die Restrukturierung des Kapitals
haben keine Ideen, wir haben Meinungen. benötigen, realisieren zu können. Sie brauchen
eine solche Art Mensch, um die Umstände und
Das ist die tragische Schlussfolgerung. Was aber Beziehungen von morgen besser verwalten zu
ist die Meinung? Es ist eine plattgemachte Idee, können. Wie werden diese Beziehungen aus-
die uniformiert, gleichgeschaltet wurde, um sie sehen? Sie fundieren auf den immer schnelleren
vielen Personen anzupassen. Die Ideen der Masse Modifizierungen, auf dem Appell der Befriedi-
oder die massifizierten Ideen sind Meinungen. gung von nichtexistierenden Wünschen, die je-
Diese Meinungen zu erhalten ist für die Macht doch auf eine bestimmte Weise innerhalb der
sehr wichtig, denn über die Meinung, die Verwal- kleinen Gruppen immer konsistenter werden.
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len. tung der Meinung werden bestimmte Resultate
erzielt, nicht zuletzt z.B. der Mechanismus der
Die Transformation der Produkte des heutigen Propaganda über die großen Informationsmit-
Kapitals benötigt einen Typ von Menschen, der tel, der Realisierung der Wahlvorgänge usw. Die
anders ist als in der Vergangenheit. Bis vor kurzer Zusammenstellung der neuen Machtelite entsteht
Zeit wurden Menschen benötigt, die eine gewisse nicht durch Ideen, sondern über die Meinungen.
professionelle Fähigkeit aufwiesen, einen gewis-
sen Stolz in diese Fähigkeit besaßen, und eine Sich der Zusammenstellung der Meinung entge-
professionelle Qualifikation. Heute braucht der genzusetzen, was bedeutet das? Heißt das viel-
Arbeitsmarkt eine mittlere Qualifikation, eine leicht mehr Informationen zu erringen? Sich also
ziemlich herabgesetzte Qualifikation, und fordert der Information mit einer Gegeninformation
Fähigkeiten die früher nicht nur nicht vorhan- entgegenzusetzen? Nein, das ist nicht möglich,
den, sondern nicht mal denkbar waren, wie z.B. denn in welche Richtung auch das Problem ge-
die Flexibilität, die Anpassung, die Toleranz, die dreht wird, wir haben nicht die Fähigkeit, den
Fähigkeit auch auf Versammlungsbeschlussebene enormen Informationen, mit denen wir alltäglich
einzugreifen. bombardiert werden, eine Gegeninformation
Früher, um ein spezifisches Beispiel zu ma- entgegenzusetzen, die fähig ist, über einen Proz-
chen, fundierte die Produktion der großen Un- ess des hinter den Vorhang Schauens, die Re-
ternehmen auf der Realisierung der großen alität, die von dem informativen Getratsche „er-
Produktionslinien am Fliessband, jetzt gibt es setzt“ wurde, “aufzudecken”. Wir können nicht
andere Strukturen, die robotisiert sind oder auf in diesem Sinne vorgehen. Wenn wir diese Art
Basis der Inseln (A.d.Ü. Teams) aufgebaut sind, von Arbeit machen, dann sehen wir ganz schnell
der kleinen Gruppen, die zusammen arbeiten, ein, dass sie unnötig ist, wir schaffen es nicht, die
die sich kennen und sich gegenseitig kontrollie- Menschen zu überzeugen.
ren usw. Diese Art von Mentalität ist nicht nur
eine Mentalität der Fabrik, es ist nicht der “neue Das ist der Grund, warum die AnarchistIn-
Fabrikarbeiter”, den sie konstruieren, sondern es nen dem Problem der Propaganda kritisch ge-
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genüberstehen. Ja sicherlich, wie ihr sehen könnt, heit z.B. ist dieselbe Sache. Wer auch nur einen
steht da ein Tischlein, das mit vielem Lesemate- Moment darüber nachdenkt, was die Freiheit
rial ausgestattet ist, wie das halt so üblich ist auf ist, kann sich nicht damit begnügen und irgend-
Veranstaltungen und Konferenzen dieser Art. Da was machen, um etwas mehr Freiheit zu haben
gibt es immer unsere Broschüren, unsere Bücher. in der Situation in der sie/er lebt. Von dem Mo-
Wir sind überladen mit Zeitungen und sind sehr ment an wird sie/er sich schuldig fühlen und wird
gut darin, diese Art Publizistik zu machen. Es ist versuchen, etwas zu tun, um sein/ihr Leiden zu
aber nicht nur diese Art von Arbeit, der wir nach- lindern. Sie/er wird sich schuldig fühlen, nicht
gehen sollten, und wenn wir dies tun, dann sollte schon vorher was gemacht zu haben, und von
sie nicht auf den Elementen der Gegeninforma- dem Moment an wird sie/er in die Umstände
tion beruhen, und wenn sie es tut, dann beziehen einer anderen Lebensauffassung eintreten.
sie sich auf Zufallsfakten. Diese Art von Arbeit
besteht im Essentiellen, oder sollte zumindest da- Was will der Staat im Grunde erreichen mit der
rin bestehen, eine Idee oder einige wenige Grun- Meinungsformatierung? Was wollen die Mächti-
dideen aufzubauen, einige starke Ideen. gen? Sicherlich, sie wollen eine durchschnittliche
Meinung schaffen, um aus dieser dann gewisse
Machen wir ein einziges Beispiel. In den letzten Vorteile für ihre Wahlergebnisse zu schöpfen, um
drei oder vier Jahren hat sich in Italien eine An- die Formatierung von Machtminderheiten usw.
gelegenheit entwickelt, die von der Presse mit gewährleisten zu können. Aber sie wollen nicht
dem horrenden Wort “tangentopoli” oder “Sau- nur das, sie wollen unseren Konsens, sie wol-
bere Hände” usw. bezeichnet wird. Nun, was hat len unsere Übereinstimmung, und der Konsens
dieser Vorgang in den Menschen bewirkt? wird über gewisse Instrumente herbeigeführt,
hauptsächlich Instrumente kultureller Natur.
Er hat bewirkt, dass die Meinung aufgebaut Zum Beispiel ist die Schule ein Behälter, über
wurde, dass die Richter die Fähigkeit besitzen, den der Konsens herbeigeführt wird. Damit wird
alles in den Griff zu bekommen, PolitikerInnen dann die zukünftige Arbeitskraft intellektueller
verurteilen zu lassen, Umstände zu ändern, also Natur aufgebaut, und nicht nur die Intellektuel-
26 31
sere Verantwortung gelangt. Denn wenn das uns von der alten typischen Auffassungen der
Konzept, von dem wir ausgehen, dass es für ein ersten italienischen Republik zu der neuen, ein-
anarchistisches Individuum keinen Unterschied er zweiten italienischen Republik zu führen. Es
zwischen Theorie und Aktion gibt, der Wahrheit ist klar, dass dieser Prozess, diese Meinung sehr
entspricht, dann kann in dem Moment, in dem nützlich ist, sie hat es z.B. ermöglicht, dass eine
diese Idee auch nur einen Moment unser Gehirn “neue” Machtelite herangewachsen ist, die dann
illuminiert, dieses Licht nie wieder ausgehen, die alte abgelöst hat. Sozusagen neu, denn neu
denn würde es so sein, dann würden wir uns in ist sie nur bis zu einem gewissen Punkt, sie weist
jedem Augenblick, egal was wir denken, schuldig zwar einige neue Charakteristiken auf, diese sind
fühlen. Wir würden uns als KomplizInnen füh- jedoch mit der traurigen Wiederholung alter An-
len, als KomplizInnen eines Prozesses der Diskri- gewohnheiten und alter Persönlichkeiten verbun-
minierung, der Repression, des Völkermordes, den. Auf diese Weise funktioniert die Meinung.
des Todes. Wir könnten uns nie ausgeschlossen Nun, wenn ihr denkt, diesen Aufbauprozess ein-
fühlen von diesem Prozess. Wie könnten wir er Meinung, die bemerkenswerte Nutzbarkeiten
dazu kommen, uns als RevolutionärInnen, als nur für die Mächtigen gebracht hat, mit dem
AnarchistInnen zu definieren? Wie kommen wir Aufbau einer starken Idee, welche eine tiefgrün-
dazu, uns als UnterstützerInnen der Freiheit zu dige Analyse des Konzeptes Justiz sein könnte,
definieren? Von welcher Freiheit reden wir denn, vergleichen zu können, dann werdet ihr auf einen
wenn wir unsere Komplizenschaft den Mördern, abgrundtiefen Unterschied stoßen. Was ist denn
die an der Macht stehen, gegeben haben? richtig? Z.B. haben viele Leute und auch wir es
für richtig gehalten, dass Craxi[1] dazu gezwun-
Seht ihr, wie anders und kritisch die Situation gen wurde, sich in seine Villa in Tunesien einzus-
für diejenigen ist, die es schaffen, durch eine ti- perren. Die Sache war sympathisch, wir konnten
efgründige Analyse der Realität oder aus reinem sogar drüber lachen, sie hat uns gut getan, denn
Zufall oder Pech, eine so klare Idee wie die Idee wenn Dreckstypen dieses Niveaus im Abseits en-
der Justiz in ihr Hirn eindringen zu lassen. Ideen den, dann ist es eine sympathische Sache. Aber
dieser Art gibt es nicht viele. Die Idee der Frei- ist dies denn die wahre Justiz? Z.B. Andreotti[2]
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befindet sich in Schwierigkeiten, es scheint so, als ist, und all ihre Versuche von denen wir vorhin
hätte er Riina[3] auf die Wangen geküsst. Noti- schon sprachen, sich als Betrügereien herausstel-
zen wie diese wirken auf uns mit Sympathie, wir len mit denen sie sich selbst rechtfertigt, so kann
fühlen uns besser dabei, denn ein Dreckskerl wie ein mehr oder weniger demokratischer Mensch
Andreotti störte uns schon auf körperlicher Eb- der diese Macht nützt, nur auf der Seite der Justiz
ene, wenn wir ihn auch nur im Fernsehen sahen. stehen, egal was er tut.
Aber ist dies das Konzept von Justiz? Schaut mal, Die Konstruktion des Konzeptes Justiz dieser
was mit der Geschichte Di Pietro und Borelli Art ist die offensichtliche Formatierung einer
(A.d.Ü. Antimafiarichter) passiert ist, ein Jubel Idee, einer Idee, die sich nicht in den Zeitungen
wie im Fußballstadion. Was bedeutet ein Jubel finden lässt, einer Idee, die nicht in den Hallen
im Fußballstadion? Es bedeutet dass Millionen der Schulen oder der Universitäten ergründet
von Leuten in den Prozess der Gleichschaltung wird, die kein Meinungselement darstellen kann,
der Meinung miteinbezogen wurden. die nicht dazu da ist, um die Leute zum Wählen
zu verführen. Im Gegenteil, diese Idee bringt die
Das Konzept der Justiz, über das wir nachdenken Leute in Gegensatz mit sich selbst. Denn vor dem
sollten, ist hingegen ganz anders. Zu was sollte Gericht vor sich selbst fragt sich jeder Mensch:
uns das Konzept der Justiz bringen? Es sollte uns “Ja und ich, mit meiner Idee der Justiz, die mich
dahin bringen zu gestehen, dass wenn Craxi oder dazu bringt zu denken, dass das toll ist, was Di
Andreotti verantwortlich sind, Leute wie Borel- Pietro macht, auf welche Art gebe ich mich, lasse
li und Di Pietro derselben Verantwortung glei- auch ich mich in den Sack stecken, bin auch ich
chgestellt sind. Denn wenn die ersten Politiker ein Instrument der Meinung, bin auch ich ein
sind, so sind die anderen Richter. Das Konzept Endpunkt eines enormen Formationprozesses
Justiz bedeutet eine Demarkationslinie zwischen der Macht und werde somit auch ich nicht nur
denjenigen, die für die Macht Unterstützung, Al- zum Sklaven der Macht, sondern auch ihr Kom-
ibi und Stärke bedeuten, und denjenigen, die sich plize?”.
dem entgegensetzen. Wenn die Macht ungere-
cht ist, da alleine ihre Existenz schon ungerecht Endlich sind wir angekommen, wir sind an un-
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