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Rolf A.

Kluenter
VITRINE ONE
2001 – 2014
Multimedia-Installation
210 cm x 105 cm x 85 cm

Die Schatzkammer des Mittelrhein-Museums

Der Ort, den sich Rolf Kluenter ausgesucht hat, um in seinen ganz persönlichen Dialog mit
der Sammlung des Mittelrhein-Museums zu treten: Die Schatzkammer – ein kleiner,
separater Raum, in dem ‚Schätze‘ unterschiedlichster Beschaffenheit, Materialität, Gestalt,
Funktion und Provenienz in einzelnen Vitrinen ausgestellt sind. Darunter befinden sich
wertvolle Bodenfunde, Objekte aus dem christlich-sakralen Kontext und profane Schmuck-
und Gebrauchsgüter.
Kluenters Installation VITRINE ONE verbindet Mobiliar verschiedener kultureller Herkunf
miteinander – etwa einen chinesischen Schrank, eine europäische Schlafzimmerkommode
und ein kleines chinesisches Kindersitzbänkchen. Die Möbelstücke erscheinen wie zufällig
aufeinander gestapelt und achtlos abgestellt. Aber der erste Eindruck trügt: Minutiös und mit
Bedacht arrangierte der Künstler die einzelnen Objekte vor Ort nach genauem Konzept.
Nichts wurde dabei dem Zufall überlassen: Jedes Detail ist wichtig. Die einzelnen
Bestandteile tragen Bedeutung in und an sich – gleichsam sind sie konstitutiv für die
Interpretation des Gesamten.
In Schrank und Kommode befinden sich verschiedene Konzeptfotografien in Form von
rückseitig beleuchteten Lichtboxfolien, zudem eine Videoarbeit. Die fotografischen
Aufnahmen nehmen inhaltlich Bezug auf rituelle Gegenstände aus dem von Buddhismus und
Hinduismus geprägten Kathmandutal in Nepal, wo Kluenter von 1980 bis 1998 lebte. Sie
reagieren unmittelbar auf die in der Schatzkammer zu sehenden Objekte, die dem
abendländisch-christlichen Ritus entstammen. Der zum ersten Mal auf der Biennale in
Venedig 2011 präsentierte Film ANIMA FLUX Rapture of Deep – mit der in Hongkong
lebenden Schauspielerin Joey Meng Yee-man in der Hauptrolle – ist in Dauerschleife auf
einem Flachbildschirm zu sehen: Stetige Repetition der immer gleichen Videosequenz von
4:41 Minuten. Unterlegt ist das Visuelle des Filmischen durch diverse Tonelemente – wie
dem Atmen einer Frau, flüsternden Stimmen und einer gesanglichen Interpretation des Kyrie
Eleison in kroatischer Sprache, dargeboten von der aus Kroatien stammenden Schauspielerin
und Künstlerin Miranda Leonhardt. Das darin sich stets wiederholende „Herr, erbarme Dich“
erzielt in Kombination mit den Bildern – auf den Fotopapieren und im Film –, zudem in
sinnigem Verband mit den geschichteten Möbeln eine frappierend beschwörende, mystisch-
sakrale Wirkung – betörend und erschreckend zugleich.
Das Interesse der film-fotografischen Arbeiten Kluenters liegt auf Fragmenten sakraler
Bräuche. Die Objekte seiner Arbeit sind Fetische des Kults, denen im Rahmen von Ritualen
und an den entsprechenden Orten Bedeutung zu- und eingeschrieben wird – Sinn, der durch
die endlose Wiederholung im zeremoniellen Kultus, eine permanente Bestätigung und
Aktualisierung erfährt. Sowohl die Ritualisierung als auch die Archivierung solcher als
‚magisch‘ gedachter und fantastisch aufgeladener Objekte werden in der Arbeit des Künstlers
konkret hinterfragt.