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RET 316*4 1MRB520051-Ude / Änd.

F ABB Power Automation AG

3.5.10. Übertemperaturschutz (Übertemperatur)

A. Anwendung
Übertemperaturschutz mit genauem thermischem Abbild.

B. Merkmale
• Thermisches Modell 1. Ordnung
• Warnungs- und Auslösestufe
• Einstellbare Anfangserwärmung
• Unterdrückung von Gleichstromkomponenten
• Unterdrückung von Oberschwingungen
• 1- oder 3-phasige Strommessung
• Grösstwerterfassung bei mehrphasiger Funktion
• Erwärmungsberechnung 40-mal pro eingestellte thermische
Zeitkonstante.

C. Ein- und Ausgänge

I. Wandlereingänge
• Strom

II. Binäre Eingänge


• Blockierung

III. Binäre Ausgänge


• Warnung
• Auslösung

IV. Messwerte
• Erwärmung
• Verlustleistung
• Strom.

3.5.10-1
ABB Power Automation AG RET 316*4 1MRB520051-Ude / Änd. F

D. Dokumentation der Einstellparameter - Übertemperatur


Parameter - Zusammenfassung:
Text Einheit Default Min. Max. Schritt
ParSatz 4..1 P1 (Auswahl)
AUS 00000000
Theta-Beginn % 100 000 100 001
Theta-Warn % 105 050 200 001
Theta-AUS % 110 050 200 001
Phasenzahl 1 1 3 2
Stromkanal Wandlereing 0
IB-Wert IN 1.00 0.50 2.50 0.01
Blockierung Binärwert F
Warnung Meldung ER
AUS Meldung ER
Zeitkonst. min 005.0 002.0 500.0 000.1

Erläuterung der Parameter:


ParSatz 4..1
Die Einstellung dieses Parameters bestimmt, in welchem
Parametersatz die entsprechende Funktion aktiv ist (s.a.
Abschnitt 5.11.).
AUS
Auslösematrix für den Auslösebefehl.
Theta-Beginn
Anfangswert für die Erwärmung. Dieser Wert wird bei jeder
Initialisierung angenommen, z.B. wenn der Schutz einge-
schaltet wird oder die Einstellungen geändert wurden.
Theta-Warn
Ansprechwert für die Warnung.
Theta-AUS
Ansprechwert für die Auslösung.
Phasenzahl
Anzahl der überwachten Phasen.
Stromkanal
Wandlereingangskanal.
Alle Stromeingänge können eingestellt werden. Bei drei-
phasiger Funktion, muss der erste Kanal (Phase R) der
Dreiergruppe angewählt werden.

3.5.10-2
RET 316*4 1MRB520051-Ude / Änd. F ABB Power Automation AG

IB-Wert
Bezugsstrom: Nennstrom des Schutzobjektes bezogen auf
den Nennstrom des Schutzgerätes.
Blockierung
Eingang für die Blockierung der Funktion
F: - nicht blockiert
T: - blockiert
xx: - alle binären Eingänge (oder Ausgänge einer
Schutzfunktion).
Warnung
Meldung für die Warnung.
AUS
Meldung für die Auslösung.
Zeitkonst.
Bezeichnet die thermische Zeitkonstante für die Erwärmungs-
berechnung. Einstellungen < 2 min sind nicht erlaubt.

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E. Einstellhinweise

Einstellwerte:
Anfangswert der Erwärmung Theta-Beginn
Ansprechwert für die Warnung Theta-Warn
Ansprechwert für die Auslösung Theta-AUS
Phasenzahl Phasenzahl
Bezugsstrom IB-Wert
Thermische Zeitkonstante Zeitkonst.
Der Übertemperaturschutz dient als Schutz vor unzulässiger Er-
wärmung infolge von Überströmen. Die Erwärmung wird nach-
gebildet auf Grund des Stromes und eines thermischen Abbil-
des. Dieser Schutz kann im Gegensatz zum Überlastschutz für
Schutzobjekte beliebiger Leistung und beliebiger thermischer
Kapazität angepasst und eingestellt werden. Er überwacht die
Erwärmung und nicht die absolute Temperatur. Deshalb bleibt
der Einfluss der Aussentemperatur sowie der Einfluss der Inten-
sität eines Kühlungssystems ohne Wirkung auf diesen Schutz.
Der Übertemperaturschutz arbeitet mit einem Nachbild der Er-
wärmung. Die Erwärmung des Schutzobjektes erfolgt bei einer
Stromänderung vom Anfangswert zum Endwert nach einer oder
mehreren e-Funktionen. Diese Vielzahl von transienten Funktio-
nen entspricht z.B. bei einem Transformator dem Kühlwasser,
dem Öl, der Wicklung usw. Eine dieser e-Funktionen ist immer
stärker ausgeprägt als die andern, wie z.B. die Funktion des
Transformatoröls. Das Modell des Übertemperaturschutzes für
die Nachbildung der transienten Erwärmung arbeitet mit einer
e-Funktion.
Der Verlauf einer Erwärmung wird beim Übertemperaturschutz
auf folgende Weise gegeben:
• die Enderwärmung durch den Strom
• der Anstieg der Erwärmung durch eine Übergangsfunktion.
Es wird angenommen, dass der Nennstrom des geschützten
Objektes IGN eine Erwärmung von 100% zur Folge hat. Das Re-
lais misst, ohne Anpassung des A/D-Kanals oder des Bezugs-
stromes IB, jedoch einen durch die Nennströme der Stromwand-
ler gegebenen Relaisstrom IR:

IN2
IR = IGN
IN1

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wobei IGN den Nennstrom des geschützten Objektes und IN1,


bzw. IN2 den primären bzw. sekundären Nennstrom des Strom-
wandlers bezeichnet.
Der auf den Relais-Nennstrom IN bezogene Strom ist:
IR I I
iR = = GN × N2
IN IN IN1
Die Enderwärmung wird:
2
I I
∆ϑ W = ç GN × N2 ÷ × 100%
IN IN1

Die Auslösezeit beträgt bei konstantem Strom:


æ 2ö
ç ϑ [%] − 100 × æç I ö÷
ç 0 çI ÷
t = τ ln ç èB
2
ç æ I ö
çç ϑ [%] − 100 × çç ÷÷
è è IB
wobei ϑ0 die Anfangserwärmung, ϑ die Ansprecherwärmung,
sowie τ die thermische Zeitkonstante bezeichnet.

Die Messwerte im Untermenü 'BETRIEBSMESSWERTE ANZEI-


GEN' sind die berechnete Erwärmung, die Verlustleistung und
der Strom. Die ersten beiden Messwerte sind Mittelwerte über
eine Berechnungsperiode (= τ / 40).
Der angezeigte Wert in der Ereignisliste ist die Verlustleistung im
Auslösezeitpunkt.

Beispiel
Nennstrom des geschützten Objektes IGN = 8000 A
Stromwandler-Nennströme IN1 = 10000 A
IN2 = 5 A
Relais-Nennstrom IN = 5 A

3.5.10-5
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Vom Relais gemessene Enderwärmung bei Nennstrom IGN:

2
8000 5
∆ϑ W = ç x ÷ 100% = 64%
5 10000
Eine Übertemperatur um 5% bzw. 10% bietet dann folgende
Einstellwerte:
Theta-Warn = 67%
Theta-AUS = 70%
Normalerweise wird der Schutz initialisiert, sodass mit der An-
fangserwärmung von 100% ('Theta-Beginn' = 100%) gerechnet
wird.
Mit Anpassung durch IB werden die Einstellwerte:

IB I I 8000 5
Der Bezugsstrom = GN x N2 = x = 0, 8
IN IN IN1 5 10000

Einstellwerte für Alarm und Auslösung:


Theta-Warn = 105%
Theta-AUS = 110%
Bei Transformatoren gibt es 2 ausgeprägte e-Funktionen, eine
für das Öl und eine für die Wicklung, mit folgenden Durch-
schnittswerten:
Öl : ∆ϑÖl = 50 K τÖl = 120 min
Wicklung : ∆ϑW - ∆ϑÖl = 10 K τW = 10 min
gesamte Wicklungserwärmung ∆ϑW = 60 K.
Da jedoch das Modell nur mit einer einzigen e-Funktion arbeitet,
muss eine dem Verlauf der Wicklungserwärmung optimal pas-
sende äquivalente e-Funktion gefunden werden, wie sie auf dem
Bild 3.5.10.1 gezeigt wird. Die Enderwärmung dieser äqui-
valenten e-Funktion ist identisch mit der gesamten Wicklungs-
erwärmung, wie z.B. ∆ϑW = 60 K im Beispiel, jedoch liegt ihre
Zeitkonstante oft zwischen 60 und 80% der Zeitkonstante für die
Ölerwärmung (s. Bild 3.5.10.2).

3.5.10-6
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1,5

ϑnw = 100°C ∆ϑnw = 60°C


1,0

i = in ϑÖl = 90°C ∆ϑÖl = 50°C

τw = 10 min τÖl = 120 min

0 t

ϑw ( t = ∞ )
ϑ [°C] 160

ϑ Öl ( t = ∞ ) ϑw
140

ϑ Öl
120

ϑ nw
100

ϑ Öl τ Öl
80

60

40
τw ∆ϑ Öl
20
ϑw ϑÖl

0 20 40 60 80 100 120 140 t [min]

HEST 905 035 C

Bild 3.5.10.1 Erwärmungen einer Transformatorwicklung

3.5.10-7
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τ
ϑ==126,4°C

140
Wicklungstemperatur
simulierte Wicklungstemperatur
120

130
ϑ=[°C] ∆=ϑ=[%]

120

110
Überlast i = 1,2
Erwärmung bei Nennstrom ∆ϑ=====−=∆ϑ
nw nÖl = 10°C τ w = 10 min
110
∆ϑ nÖl = 50°C τ Öl = 120 min
Einstellwert der therm. Zeitkonstante τ = 90 min

100 100
0 100 200 300 400 500
t [min]
HEST 905 036 C

Bild 3.5.10.2 Vergleich der Wicklungstemperatur mit der


simulierten Temperatur

Richtwerte:
IB-Wert ist zu berechnen
Theta-Beginn 100%
Theta-Warn 105%
Theta-AUS 110%

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