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Unsere grössten Fehler im Umgang mit Geld – und wie wir sie vermeiden.

Seite 57
21. Januar 2018
17. Jahrgang | Nr. 3 Heute im
NZZaS.ch «Stil»-Magazin
Fr. 6.00 | € 6.00
Spezial:
Reisen

Für Berset «No Billag» Jetzt spricht das Volk

ist am WEF
PASCAL MORA

Europapolitik
zweitrangig
Wichtige Vertreter der EU tont jedoch, er sei nicht auf das
haben ein Treffen in Davos WEF angewiesen, um EU-Ver-
treter treffen zu können: «Jean-
mit Alain Berset abgesagt. Claude Juncker und ich sprechen
Dem Bundespräsidenten jederzeit miteinander, wenn es
kommt das nicht ungelegen. nötig ist.» Das ist aber derzeit
Stefan Bühler, offensichtlich nicht der Fall.
Andrea Kučera Noch diskutiere der Bundesrat
intern seine Position bei den Ver-
Die Schweizer Europapolitik handlungen mit Brüssel, erklärt
werde nicht in Davos gemacht, Berset. Und anders als der EU-
sagt Bundespräsident Alain Kommission eilt es dem Bundes-
Berset vor Beginn des Weltwirt- präsidenten offenbar nicht, beim
schaftsforums (WEF) im Inter- umstrittenen Rahmenabkommen
view. Es ist seine Antwort auf die rasch zu einem Verhandlungs-
vielerorts geäusserte Vermutung, ergebnis zu kommen. «Ich gehöre
die EU-Vertreter zeigten der nicht zu den Leuten, die glauben,
Schweiz die kalte Schulter. Fakt der grosse Durchbruch mit Brüs-
ist: Zwei der wichtigsten Ge- sel komme schon bald.» Und er
sprächspartner der Schweiz, EU- fügt an: «Wir lassen uns nicht
Kommissionschef Jean-Claude unter Druck setzen.»
Juncker und Frankreichs Präsi- Derweil ist ein Treffen zwi-
dent Emmanuel Macron, haben schen Berset und der deutschen
am WEF keine Zeit für ein Treffen Bundeskanzlerin Angela Merkel
mit dem Bundespräsidenten. in Davos auf bestem Weg, wie aus
Dass das Verhältnis zwischen gut unterrichteten Quellen ver-
der Schweiz und der EU nach dem lautet. Und falls der Budgetstreit
jüngsten Eklat von Ende 2017 in den USA Donald Trump keinen Piri Rickenbacher (Bild) hat nicht zweimal zahlen: als Privat- teuer, oder einfach überflüssig. obersten Etagen angekommen.
einen Dämpfer erhalten hat, ist Strich durch die Rechnung macht, zwar schon am Donnschtig-Jass person und als Unternehmer. Es gibt aber auch die andere Generaldirektor Gilles Marchand
ein offenes Geheimnis: Im wird sich der Bundespräsident teilgenommen und in seinem «Ein Denkzettel tut denen gut.» Seite: Der ehemalige SVP-Sekre- verspricht im Interview eine
Dezember setzte die EU-Kommis- nächste Woche mit dem US-Präsi- Geschäft eine Grossleinwand Rickenbacher ist nicht allein tär Ueli Brügger etwa kämpft Reform: Die SRG müsse fitter,
sion die Schweiz in Steuerfragen denten austauschen und diesem aufgestellt, als das Schwingfest im Kanton Schwyz, dem SRG- gegen die Initiative. Als Eid- agiler und profilierter werden.
auf eine graue Liste, und sie be- seine Vision von «Switzerland übertragen wurde – dennoch kritischsten Kanton der Schweiz. genosse wolle er nicht, «dass die Und Medienministerin Doris
nachteiligte gezielt die Schweizer first» darlegen. wird er für die No-Billag-Initia- Hier hauen viele auf den Tisch, ausländischen Sender die Leuthard deutet an, dass die
Börse – für Berset ist das inakzep- tive stimmen und damit gegen wenn es um Radio und Fernse- Lücken füllen». Derweil ist die Gebühr bald auf 300 Franken
tabel. Der Bundespräsident be- Seite 10 das Schweizer Fernsehen. Er will hen geht: weil es zu links sei, zu Kritik an der SRG auch in den sinken könnte. Seite 13, 22, 24

Schwarzgeld in Rekordhöhe gemeldet Neue Anbieter machen der


SBB-App Konkurrenz
In der Schweiz haben ren in Kraft getreten ist. Seither Schweiz tauscht mit dem Fürs- Selbstanzeige gemeldet und da-
Steuerpflichtige seit 2010 haben Steuerpflichtige unver- tentum sowie mit einer ganzen mit legalisiert. In den letzten acht Millionen Schweizer lösen heute laut einem Sprecher Ende des ers-
steuerte Vermögen in der Höhe Reihe anderer Länder ab diesem Jahren kam es insgesamt zu über Billette mit der App der SBB. ten oder Anfang des zweiten
unversteuerte Vermögen von mindestens 31,7 Milliarden Jahr Bankdaten aus, und zwar im 90 000 Selbstanzeigen. Doch nun drängen neue Anbieter Quartals schweizweit nutzbar.
von insgesamt 31,7 Milliarden deklariert, wie eine Umfrage der Rahmen des internationalen In- Der automatische Informa- auf den Markt. Mit der App Lezz- Ein drittes System stammt von
Franken offengelegt. «NZZ am Sonntag» in den 26 Kan- formationsaustauschs. Dieser er- tionsaustausch hat zur Folge, go der Berner BLS muss man das der SOB aus St. Gallen. Ihre Abilio
Daniel Friedli, Lukas Häuptli tonen zeigt. Die Betroffenen müs- möglicht den Steuerämtern in Zu- dass die Schweiz für Schweizer Billett nicht mehr vorgängig kau- genannte Ticketplattform soll
sen Nachsteuern zahlen, werden kunft, in bisher geheime Konten Schwarzgeld mittlerweile siche- fen. Das Programm berechnet demnächst in der ganzen Schweiz
Allein im letzten Jahr haben rund aber nicht gebüsst. und Depots im Ausland Einsicht rer ist als das Ausland. Das na- nach Ankunft den besten Preis. einsatzfähig sein. Neu wird auch
40 000 Steuerpflichtige den Am meisten Schwarzgeld zu nehmen und gegen Steuer- tionale Bankgeheimnis schützt Es wurde kürzlich schweizweit der TCS in einer eigenen App
Steuerbehörden Schwarzgeld per tauchte in den Kantonen Zürich, hinterzieher zu ermitteln. Steuerhinterzieher weitgehend. lanciert. Der Zürcher Verkehrs- namens «Einfach mobil» Bus-
Selbstanzeige gemeldet. Grund- Tessin und Genf auf; auffallend Um diesen Ermittlungen zu- Deshalb fordern die Kantone verbund integriert die Technolo- und Bahnbillette anbieten. (mju.)
lage für diese Offenlegungen ist viele der gemeldeten Gelder lie- vorzukommen, haben 2017 so mehr Ermittlungskompetenzen. gie ab Frühling in ihre App.
das Gesetz über die straflose gen auf Konten beziehungsweise viele Steuerpflichtige wie noch Ähnlich wie Lezzgo funktio- Seite 31
Selbstanzeige, das vor acht Jah- in Depots in Liechtenstein. Die nie Schwarzgeld im Ausland per Seite 9 niert die App von Fairtiq. Sie wird Kommentar Seite 19

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Welche Kultur
REUTERS

ANITA AFFENTRANGER

Anlagethemen «Meine Revolution


haben ist Schweinerei»
Zukunft? Georg Baselitz, der grosse Berserker der
Kunst, über Protest, sein Unbehagen an
der Politik – und Günter Grass. Seite 66
3. QUA
RTA L 2017

International Gesellschaft
er
beweg

Wo ist eigentlich Das Geheimnis


LUCIAN HUNZIKER

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Erst lehrte sie ganz Europa das Fürchten, Maximal 600 Wörter produzieren pro
dann tauchte sie ab: Was die Chefin des Tag, nicht krampfhaft Ideen suchen:
Front national jetzt ausheckt. Seite 3 Autor Peter Stamm über das Schreiben.
Aktuell
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

Weitere russische Überdosis Schmerzmittel: Der Tod von Terroristen greifen Luxushotel in
Twitter-Profile Tom Petty war ein Unfall Afghanistans Hauptstadt an
Twitter hat über 1000 neue Der amerikanische Rockstar Tom Bewaffnete haben am Samstag-
Die meistgelesenen

REUTERS

MASSOUD HOSSAINI / AFP


Konten entdeckt und gesperrt, Petty ist an einer versehentlichen abend in der afghanischen Haupt- Artikel der Woche
die 2016 aus Russland gesteuert Überdosis verschiedener Medika- stadt Kabul das Hotel «Interconti-
auf die US-Präsidentenwahl mente gestorben. Dies geht aus nental» gestürmt, wie örtliche Ex-Obama-Beraterin Samantha
Einfluss zu nehmen versuchten. dem Autopsiebericht hervor, den Medien berichten. Laut dem Power: «Wir haben Trumps Genie
Der Kurzmitteilungsdienst geht seine Familie gut drei Monate Innenministerium handelte es sich unterschätzt» nzz.as/top1
jetzt von 3814 Profilen aus, wie nach seinem Tod veröffentlicht um vier Angreifer. Die Sicherheits- Achtung, die Amerikaner
er am Freitagabend bekanntgab. hat. Demnach litt der Rockstar an kräfte hätten im Gebäude die kommen! nzz.as/top2
Zusammen hätten diese rund starken Schmerzen, unter ande- Verfolgung aufgenommen. Drei Das «Intercontinental» brennt.
«Kein Mensch braucht Lust und
176 000 Tweets versendet, die rem wegen einer gebrochenen Angreifer wurden getötet. Es
Orgasmus, um gesund zu bleiben»
von gut 50 000 automatisierten Hüfte. Da Petty dennoch weiter waren Schüsse und Explosionen aber keine Angaben. An dem
nzz.as/top3
Konten oder Bots weiterverbrei- auf Tour ging, nahm er mehrere zu hören. Die Terroristen setzten Tag fand im Hotel eine IT-Konfe-
tet wurden. Twitter will nun fast Medikamente ein, darunter das zudem ein Stockwerk des bei Aus- renz statt. Bisher bekannte sich FDP-Vize Wolfgang Kubicki: «Wir
678 000 Personen unterrichten, verschreibungspflichtige Fenta- ländern beliebten Hotels in Brand. niemand zur Tat. 2011 töteten werden bereits 2019 Neuwahlen
die den Schein-Profilen folgten nyl. Er starb am 2. Oktober in Man befürchtete, dass Geiseln Taliban-Extremisten bei einem haben» nzz.as/top4
oder deren Tweets retweeteten einem Spital in Los Angeles an genommen und Personen getötet Angriff auf das «Intercontinen- Zuwanderung aus der EU sinkt auf
oder likten. (vmt.) multiplem Organversagen. (maz.) Rocklegende Tom Petty. wurden. Die Behörden machten tal» über 10 Personen. (vmt.) Rekordtief nzz.as/top5

Ein «schönes Geschenk» zum Jahrestag


Genau ein Jahr nach Amtsantritt Trumps kommt es in den USA zur Stilllegung der Bundesverwaltung

24
Roman Elsener, New York down nicht abwenden konnte, sah, kam es zu einer Einigung. In Washington schieben sich kaner zu keinen Verhandlungen
mussten rund 800 000 Staats- 2013 legte die republikanische die Politiker nun übers Wochen- über den Status von illegalen Ein-
In den USA ist in der Nacht auf
Samstag eine Haushaltssperre in
angestellte in unbezahlten Urlaub
geschickt werden. Nur die uner-
Mehrheit im Repräsentantenhaus
einen Budgetvorschlag vor, der
ende wieder gegenseitig die
Schuld in die Schuhe. Trumps
Mrd.Dollar wanderern bereit seien, solange
der Shutdown andauere.
Kraft getreten, da sich der Senat lässlichen Staatsaufgaben blieben Obamas Gesundheitsreform un- Sprecherin bezeichnete die Einen so grossen Schaden erlitt Der Sprecher der demokrati-
nicht auf ein Budget einigen aufrechterhalten: Militär, Polizei, möglich gemacht hätte. Die Demokraten als «obstruktive Ver- die US-Wirtschaft beim letzten schen Minderheit im Senat,
konnte. Den Demokraten sind die Rettungsdienste, Grenzschutz, demokratische Mehrheit im Senat lierer, die die gesamte Regierung grossen Shutdown im Jahr 2013. Chuck Schumer, sagte dagegen,
geplanten Ausgaben für das Mili- Fluglotsen, Justizvollzug. lehnte den Entwurf ab. Erst als und die Krankenversicherung in Damals arbeiteten die Behörden er habe dem Präsidenten einen
tär und den Grenzschutz zu hoch. Auch wenn die Drohung mit der Staatsbankrott drohte, er- Geiselhaft nehmen». Sie kündigte 17 Tage lang auf Sparflamme. möglichen Kompromiss präsen-
Sie fordern zudem eine Verlänge- dem Shutdown zum politischen reichte man eine Lösung. an, dass Trump und die Republi- tiert, dem die Demokraten zu-
rung des «Dreamers»-Gesetzes, Spiel in Washington geworden ist, stimmen könnten: Trumps Mauer
das in den USA aufgewachsene hat er katastrophale Folgen. Auf entlang der Grenze zu Mexiko
Kinder illegaler Einwanderer vor 24 Milliarden Dollar bezifferte die würde demnach als Teil eines

ANDREW KELLY / REUTERS


der Deportation schützt. Die Rating-Agentur Standard and Pakets finanziert, das auch den
Republikaner geben aber nicht Poor’s den Schaden der 17 Tage rechtlichen Schutz für die «Drea-
nach. Auch ein Gespräch von Prä- Shutdown 2013. Unternehmen mers» erweiterte. Trump sei für
sident Donald Trump mit der entgingen die Einnahmen aus den Vorschlag offen gewesen, ha-
demokratischen Spitze schei- Regierungsverträgen. Der Touris- be seine Partei aber nicht über-
terte. Zwar haben die Republika- mus litt, da viele Nationalparks zeugen können.
ner in beiden Parlamentskam- geschlossen blieben. Familien So muss Trump in Washington
mern die Mehrheit, im Senat sind mussten ohne Kinderbetreuung ausharren – und erleidet ebenfalls
aber 60 Stimmen nötig, um das auskommen. einen Schaden: Er kann seinen
Budget zu verabschieden. Die In den 1970er und 1980er Jah- Jahrestag im Amt nicht, wie er es
Republikaner erreichten nur 50. ren waren manchmal die Präsi- geplant hatte, auf einem Golf-
Die Rechtsgrundlage für eine denten selbst verantwortlich für platz in Florida verbringen. Die
Stilllegung existiert seit 1884. einen Shutdown, gegen den Wil- Schuld daran gibt er den Demo-
Zum tatsächlichen Shutdown len von Teilen ihrer Partei. Doch kraten. Ein «schönes Geschenk»
kommt es aber erst seit der Ein- inzwischen ist der wachsende hätten sie ihm zum Jubiläum
führung der modernen Budgetie- Graben zwischen den Parteien gemacht, schrieb Trump auf
rung. Dies geschah erstmals 1976 Auslöser für grosse Stilllegungen. Twitter. Die Demokraten hätten
unter Präsident Ford. Seither kam In den 1990er Jahren wollten die mehr Interesse an illegaler Ein-
es unter jedem Präsidenten dazu, Republikaner, die im Kongress wanderung als am Militär und der
ausser unter George W.Bush. Die die Mehrheit erreicht hatten, die Sicherheit.
Stilllegung dauert manchmal nur Steuererhöhungen Clintons rück- Beim Shutdown 2013 tönte
einen Tag, wie es mehrfach unter gängig machen und Einschnitte Trump anders: Damals gab er
Ronald Reagan geschah. Die bei den Sozialausgaben vorneh- Präsident Obama die Schuld –
längste hielt 1995/96 unter Bill men. Als sich in Umfragen zeigte, dieser sei nicht fähig, mit harter
Clinton drei Wochen an. Als dass eine Mehrheit der Wähler die Hand zu regieren und eine
Barack Obama 2013 einen Shut- Schuld bei den Republikanern Der Staat macht dicht: Auch die Freiheitsstatue wird für Besucher geschlossen. (New York, 20. 1. 2018) Lösung herbeizuführen.

Erdogan eröffnet neue Schicksalstag für die SPD


Front in Syrien Nochmals eine Koalition mit «Oppositionsromantik». Zudem
FABRIZIO BENSCH / REUTERS

Angela Merkel – oder doch fürchtet man, dass die Partei


Die Türkei hat begonnen, mit hafen. Vertreter der Kurden er- bei Neuwahlen noch dramati-
Neuwahlen? Der Entscheid
dem Westen verbündete klärten dagegen, die Angriffe hät- scher abstürzen könnte. Dennoch
ten vor allem Zivilisten getroffen. der SPD heute Sonntag haben die beiden mächtigen Lan-
kurdische Kämpfer in Syrien Seit Tagen hatte Erdogan die könnte knapp ausfallen. desverbände Nordrhein-Westfa-
zu bombardieren. Kriegstrommeln gerührt und mit Silke Mertins, Berlin len und Hessen, die über einen
Inga Rogg, Istanbul einem Angriff auf Afrin sowie auf Drittel der Delegierten stellen,
das 190 Kilometer südöstlich ge- Das hat es in der SPD so noch nie gestern Änderungswünsche an-
Der türkische Präsident Recep legene Manbij gedroht, wo die gegeben: Kevin Kühnert, ein gemeldet. Die in den bisherigen
Tayyip Erdogan hat am Samstag Amerikaner eine Grenzschutz- 28-jähriger Student in Turnschu- Sondierungsgesprächen erzielten
den Befehl für eine seit Tagen an- truppe aufbauen wollten – unter hen, könnte die Neuauflage der Kompromisse sollen nachgebes-
gekündigte Grossoffensive auf anderen aus YPG-Kämpfern. Ob- Grossen Koalition in Deutschland sert werden. Kühnert hält das für
kurdische Kämpfer im Nachbar- wohl die Amerikaner die YPG in verhindern. Denn ob die SPD jetzt naiv. Er plädiert kurzfristig für die
land Syrien gegeben. Kurz danach Afrin nicht unterstützen, hatten definitiv über eine solche «Gro- SPD-Chef Martin Schulz mit Juso-Chef Kevin Kühnert. (Berlin, 7. 12. 2017) Unterstützung einer unionsge-
bombardierten türkische Kampf- sie vor einem Angriff auf die En- ko» verhandelt, entscheiden 600 führten Minderheitsregierung –
jets am frühen Abend mutmass- klave gewarnt. Erdogan liess sich Delegierte am Sonderparteitag und langfristig für andere politi-
liche Stellungen der syrisch-kur- dadurch nicht bremsen. «Egal, heute Sonntag in Bonn. Und Es geht bei dieser Entschei- den Untergang, ist Kühnert dar- sche Modelle links der Mitte.
dischen Volksverteidigungsein- wie ihr es nennt, ein Terrorist Kühnert, Vorsitzender der SPD- dungsschlacht am Rhein um weit um überzeugt. Stattdessen brau- Wofür Parteichef Schulz steht,
heiten (YPG) in Afrin. Zugleich bleibt ein Terrorist», donnerte er Jugendorganisation Jusos, ist mehr als nur eine Regierungs- che die SPD eine Neuorientierung ist unklar. Nach den Wahlen
transportierte das türkische Mili- in einer Rede am Samstag. Wortführer der Groko-Gegner. koalition. Für die SPD geht es ums in der Opposition. schloss er eine Regierungsbeteili-
tär verbündete syrische Kämpfer Widersprüchlich reagierten die Kühnert ist überzeugt, die nackte Überleben. Die Genossen Kühnert trifft damit einen gung noch kategorisch aus. Nun
aus einem anderen Landesteil Russen, die in Afrin Truppen sta- Sozialdemokraten würden aus haben mit Spitzenkandidat Nerv. Die Groko ist auch deshalb ist er doch dafür. Martin Schulz
über die Türkei in die kurdische tioniert haben. Sie verlegten ihre Angst vor dem Tod Selbstmord Schulz bei den Wahlen im Herbst so verhasst, weil die Wähler die hat darum ein Glaubwürdigkeits-
Enklave im Nordwesten Syriens. Soldaten aus der Grenznähe wei- begehen, sollten sie sich noch nur 20,4 Prozent und damit Regierungsleistung der CDU und problem. Selbst wenn er die Dele-
Nach eigenen Angaben hat die ter ins Landesinnere, zogen aber einmal auf eine solche Koalition das schlechteste Wahlergebnis nicht der SPD zuschreiben wer- gierten heute Sonntag überzeugt,
türkische Luftwaffe der YPG nicht aus der Region ab. Das Aus- mit den Christlichdemokraten seit 1949 erzielt. Paradox: Auch den, egal wie sehr sich Letztere ist damit noch nichts in trocke-
schwere Verluste zugefügt: 108 senministerium in Moskau rief unter Kanzlerin Angela Merkel grosse Erfolge in der bisherigen abmüht. Inzwischen haben sich nen Tüchern: Der Koalitionsver-
von 113 Zielen seien getroffen und am Samstag beide Seiten zu Zu- einlassen. SPD-Chef Martin Groko, etwa die Einführung des zwar viele Parteigrössen hinter trag soll den knapp 450 000 SPD-
zahlreiche «Terroristen» getötet rückhaltung auf. Afrin war eine Schulz dagegen wirbt dafür. Mit Mindestlohns, konnten die SPD Schulz gestellt. Sogar die Groko- Mitgliedern zur Abstimmung vor-
worden. Die Luftangriffe richte- der wenigen Regionen, die bis einer kämpferischen Rede, sagte nicht vor dem Absturz bewahren. Skeptikerin Malu Dreyer, Minis- gelegt werden. An der Basis aber
ten sich unter anderem gegen den jetzt vom Krieg in Syrien weitge- er am Samstag, wolle er die Dele- Die Fortsetzung der Koalition terpräsidentin von Rheinland- ist die Groko noch unbeliebter als
ehemaligen syrischen Militärflug- hend verschont geblieben war. gierten überzeugen. führe die Sozialdemokraten in Pfalz, warnt inzwischen vor bei den Delegierten.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
International Frankreich 3

Front national, der

PANORAMIC / IMAGO
alte Name der Partei,
zieht nicht mehr.
Er wird erneut mit
Rechtsradikalismus in
Verbindung gebracht.

Partei zu machen – zumindest in der Sicht von


vielen Wählern –, wird er nun erneut mit
Rechtsradikalismus in Verbindung gebracht.
Zudem macht der FN mit Skandalen Schlag-
zeilen. Laut Ermittlungen der Staatsanwalt-
schaft sollen Europaabgeordnete angeblich in
Strassburg zur Hand gehende Assistenten in
Wirklichkeit in der Parteizentrale in Paris be-
schäftigt haben.

Hoffen auf Macrons Scheitern


Von der Rundumerneuerung ausgenommen
ist nur Marine Le Pen selbst. Sie bleibt, was sie
ist. Und mit ihr auch ihr Name, der womöglich
noch mehr verstört als der Name der Partei.
«Wenn man die Partei umbenennt, muss man
auch Marine umbenennen», soll die Nichte
Marion Maréchal-Le Pen in privatem Kreis
spitz angemerkt und hinzugefügt haben:
«Oder können Sie sich vorstellen, Marine
Le Pen an der Spitze einer Partei der Blumen?»
Trotz den Sticheleien der Nichte gilt die Wie-
derwahl zur Parteichefin als sicher. Nicht dass
sich innerhalb des FN keine Zweifel an den
Siegerqualitäten der Vorsitzenden eingenistet
hätten. Aber die innerparteilichen Machtver-
hältnisse sind dauerhaft zementiert. Zwei
Aussenseiter, die in Lille als Gegenkandidaten
antreten wollten, sind bereits im Vorfeld an
Zulassungsvoraussetzungen gescheitert. Le
Pen winkt ein Wahlergebnis sowjetischen
Ausmasses.
Geht es nach der Parteichefin, soll sich der
Front national, oder wie immer die Partei
heissen wird, als wichtigste oppositionelle
Kraft profilieren. Angesichts der schwachen
Die Populistin Marine Le Pen will wieder vor allem mit dem Kampf gegen die Einwanderung punkten. (Paris, 15. Januar 2018) Konkurrenz bietet sich die Chance hierzu
durchaus. Jean-Luc Mélenchon, der Chef der

Marine Le Pen droht der


Linksaussenpartei Unbeugsames Frankreich,
ist weitgehend verstummt. Zerknirscht
musste der von Venezuelas früherem Diktator
Hugo Chávez inspirierte Volkstribun einräu-

Absturz ins Bodenlose


men, dass der von ihm prophezeite Aufstand
der Massen gegen die von Staatschef Emma-
nuel Macron im Eilverfahren durchgesetzte
Arbeitsmarktreform ausgeblieben ist. Und so
radikal Laurent Wauquiez sich auch gebärdet,
der weit nach rechts ausgreifende neue Vorsit-
Eben noch lehrte die Chefin des Front national Frankreich und Europa zende der Républicains, er muss auf seine
bürgerliche Klientel Rücksicht nehmen und

das Fürchten. Nun muss sie sich neu erfinden. Von Axel Veiel, Paris kann nicht so laut poltern wie die Kollegin
vom Front national.
Le Pens grösste Hoffnung ist, dass Macrons

S
Stern bald sinken wird. Tatsächlich sagen

17
ie bringen einen nicht um», pflegt Ma- det werden. Als sicher gilt, dass das holz- Kampf ist schwieriger geworden. Heute set- Sozialwissenschafter dem immer beliebteren
rine Le Pen zu sagen. Trennungen ist schnittartige Feindbild EU und Euro für das zen auch Staatschef Emmanuel Macron und Staatschef Rückschläge voraus. So erwartet
die Chefin des Front national (FN) ge- neue Parteiprogramm weichgezeichnet wird. der Vorsitzende der konservativen Républi- etwa der Politologe Pascal Perrineau, dass
wohnt. Sie ist zweimal geschieden. Mit
dem Vater Jean-Marie, dem Parteigründer, hat
Frontalopposition gegen Europa und die Ge-
meinschaftswährung sind nicht mehrheits-
cains, Laurent Wauquiez, auf Härte gegenüber
Wirtschaftsflüchtlingen (siehe Artikel unten).
% Macrons Reformeifer an Grenzen stösst und
Aufbruchsstimmung in Ernüchterung um-
sie sich überworfen. Ihre Nichte und frühere fähig. Die Rechtspopulistin hat daraus die Diese Woche machte sich Le Pen ein Bild im Zustimmung schlägt. Perrineau rechnet mit einer zuneh-
FN-Jungpolitikerin Marion Maréchal-Le Pen Konsequenzen gezogen. Vom einst angeprie- Pariser Ausschaffungsgefängnis. Blass und bescheinigen die menden Zahl von Enttäuschten, die für popu-
hat es nicht lange bei ihr ausgehalten. Im ver- senen Frexit, dem Austritt Frankreichs aus der mit starrem Lächeln beklagte sie bei ihrem Be- Meinungsforscher listische Schalmeienklänge empfänglich sind.
gangenen September verliess Marine Le Pen EU, soll nicht mehr die Rede sein. Sie sei nicht such, dass viele Zellen leer seien. Sie deutete Marine Le Pen. Bei Le Pen hat im vergangenen Frühjahr ge-
auch ihr Mentor und Stellvertreter Florian gegen Europa, liess Le Pen erst kürzlich wis- dies als fehlende Festigkeit des Staates und der Stichwahl im zeigt, dass sie an sich das Zeug hat, einen Prä-
Philippot und gründete eine Konkurrenz-Par- sen, sie wolle nur ein anderes Europa, eines fragte in die Runde: «Wir haben die Schwelle Mai verbuchte sie sidentschaftswahlkampf für sich zu entschei-
tei. Le Pen nahm auch das gelassen und sagte der Nationen. Der Abschied vom Euro könne von 100 000 Asylbewerbern pro Jahr über- noch 33,9 Prozent, den. Damals lehrte die Rechtspopulistin die
später: «Das war wie bei einer Scheidung.» Es am Ende eines langwierigen Umbaus der Ge- schritten. Wo sind die 60 Prozent der abge- und schon das war durch Trump und Brexit verunsicherten EU-
hatte etwas Befreiendes. Was Le Pen wirklich meinschaft stehen. lehnten Asylsuchenden?» für sie eine herbe Partner das Fürchten. Sie weiss, dass sie das
wehtut, ist, dass ihr die Wähler davonlaufen. Ohne EU und Euro bleibt Le Pen vor allem Den neuen Namen für den FN soll eine Enttäuschung. kann. Im Wahlkampf machte sie aber einen
Mit dieser Trennung will sich die 49-Jährige ein Feindbild: die Einwanderer. Nun will sie Kommunikationsagentur finden. «Wir suchen grossen Fehler: In einem Fernsehduell mit
nicht abfinden. noch entschlossener den Kampf gegen die etwas, das Bewegung signalisiert, so etwas Macron verlor sie auf europa- und wirtschafts-
Noch im vergangenen Mai schien Le Pen Immigration führen. Das Thema liegt im wie Macrons En marche», verriet ein Vertrau- politischem Terrain die Orientierung, ver-
kurz vor der Machtübernahme in Frankreich Trend. «60 bis 70 Prozent der Franzosen for- ter Le Pens. Der alte Name der Partei zieht wickelte sich in Widersprüche und hatte aus-
zu stehen. Sie gab im Wahlkampf um das Prä- dern Festigkeit in der Einwanderungspolitik», nicht mehr. War es Le Pen im Wahlkampf noch ser wütenden Attacken nicht mehr viel zu bie-
sidentenamt den Ton an, die Massen skan- versichert Jérôme Fourquet, Leiter des Mei- gelungen, den FN zu entdämonisieren und ten. Das hat sich tief ins kollektive Gedächtnis
dierten ihre rechten Parolen. Doch dann nungsforschungsinstituts Ifop. Doch der aus ihm eine salonfähige rechtspopulistische der Franzosen eingegraben.
machte der junge Emmanuel Macron das Ren-
nen. Mit seiner neugeschaffenen Bewegung
En marche veränderte Macron die Stimmung
im Land und pflügte Frankreichs Parteien-
Einwanderung
landschaft um. Macrons Erfolg schwächte
sämtliche traditionellen Kräfte von links bis
rechts – auch den Front national. War es noch Wer macht die härteste Politik?
Le Pen, die im Wahlkampf die anderen Par-
teien vor sich hertrieb, hechelt nun auch sie Frankreichs Staatschef hält Kurs. ckung potenzieller Neuankömm- der konservativen Républicains, vorderster Front gegen die dro-
Macron hinterher. Le Pen hat mit der Nieder- Auf Distanz zur Linken wie zur linge. Collomb hat die Präfekten und Marine Le Pen vom Front hende Überfremdung der fran-
lage auch die Gunst vieler Wähler verloren. Rechten bedacht, wirbt Emma- angewiesen, Obdachlosenheime national (FN) als Bollwerk gegen zösischen Nation zu Felde
Diese Woche sanken ihre Beliebtheitswerte nuel Macron für eine ausge- nach illegalen Einwanderern zu Flüchtlingsströme. Ein Wettstreit gezogen sei.
auf 17 Prozent. Selbst unter langjährigen Ge- wogene Flüchtlingspolitik. Poli- durchkämmen. Die Polizei reisst um die härteste Einwanderungs- Allerdings hat sich Frankreich
treuen schwindet langsam der Glaube, die tisch Verfolgte wolle er men- von Flüchtlingen errichtete Not- politik ist entbrannt. im Vergleich mit anderen EU-
Rechtspopulistin könne in einem zweiten An- schenwürdig empfangen, Wirt- unterkünfte zum Entsetzen von Wauquiez beklagt, die Grenzen Ländern bisher gar nicht beson-
lauf im Jahr 2022 den Elysée-Palast erobern. schaftsflüchtlinge konsequent Hilfsorganisationen ab. Der Minis- der EU seien löchrig wie ein Sieb. ders aufnahmebereit gezeigt.
ausschaffen lassen, sagt er. Ein Gérard Collomb, der ter ist sich nicht nur der Rücken- Er verspricht, die Löcher zu stop- Auf einen Flüchtling kommen
Zu viel des Schlechten Gesetz, das dies gewährleistet, französische Innen- deckung Macrons, sondern auch fen, und geisselt Macrons Gesetz- 1340 Einwohner. Damit rangiert
Für Le Pen ist das zu viel des Schlechten. Die soll im März in die Nationalver- minister, geht eisern derjenigen der meisten Franzosen gebungspläne als reine Kosmetik, das Land weit hinter Deutsch-
kampferprobte frühere Anwältin will sich sammlung eingebracht werden. gegen illegale Ein- sicher. Gefragt, was sie von der welche die über Frankreich herein- land (ein Flüchtling pro 141 Ein-
nicht so einfach geschlagen geben. Viel hat sie Die im Vorfeld geübte Praxis wanderer vor. Politik vorrangig erwarteten, brechende Einwanderungswelle wohner), Belgien (ein Flüchtling
nicht zu verlieren. Und so geht sie aufs Ganze, ist allerdings weniger ausge- nennen derzeit 57 Prozent der nicht aufhalten werde. Der Gene- pro 440 Einwohner), den Nieder-
macht Tabula rasa. Ein neues Programm, neue wogen. Macrons Innenminister Bevölkerung die Ausschaffung ralsekretär des FN und Vertraute landen (ein Flüchtling pro 459
Statuten und einen neuen Namen will sie dem Gérard Collomb setzt vor allem illegal im Lande lebender Ausländer. Le Pens, Nicolas Bay, streicht Einwohner) oder auch Italien (ein
Front national verpassen. Nach einer Mitglie- auf konsequente Ausschaffung Aus diesem Grund empfehlen heraus, dass seine Partei nicht erst Flüchtling pro 938 Einwohner).
derbefragung sollen die Neuerungen im März und demonstrative Abschre- sich auch Laurent Wauquiez, Chef jetzt, sondern schon immer an Axel Veiel, Paris
in Lille auf einem Sonderparteitag verabschie-
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
International 5

«Wenn der Krieg kommt»


Schweden verstärkt wegen der russischen Bedrohung seine Landesverteidigung und trainiert das Volk
Niels Anner, Kopenhagen

BJOERN LARSSON ROSVALL / AP


Die Spannungen steigen
Als in Europa längst Bomben Schweden und Russland
fielen, erhielten die Schweden
eine Anleitung per Post. «Wenn
der Krieg kommt», hiess die Bro­ NORWEGEN
schüre 1943. Jetzt, ein Dreiviertel­
jahrhundert später, soll eine ähn­
liche Broschüre wieder an alle 4,7
Millionen Haushalte verteilt wer­ FINNLAND
den. Grund dafür ist Russland. SCHWEDEN RUSSLAND
Schweden sieht sich seit eini­
gen Jahren von den Russen be­
droht. Spätestens die Krisen um Stockholm
ESTLAND
die Krim und die Ukraine 2014
LETTLAND Moskau
hatten der Ostseeregion gezeigt,
wie weit Moskau geht. Plötzlich Gotland LITAUEN
verletzten russische Kampfjets Kaliningrad
regelmässig den schwedischen POLEN WEISSRUSSLAND
500 km
Luftraum. Auf dem Radar un­
sichtbar, stiessen sie beinahe mit
Passagiermaschinen zusammen.
In Kaliningrad installierte Russ­ Fakt ist, dass Schweden immer
land Raketen, die mit Atom­ enger mit dem Bündnis koope­
waffen bestückt Stockholm und riert. Ein Gastland­Abkommen
den Süden Schwedens erreichen erlaubt gemeinsame Übungen
können. Analysten zeigten, wie und Einsätze von Nato­Truppen,
leicht sich die von der schwedi­ sofern Schweden diese einlädt.
schen Armee verlassene Insel Höhepunkt war diesbezüglich im
Gotland erobern lässt; von dort Herbst die grösste militärische
könnte die russische Armee den Übung des Landes seit 24 Jahren.
Ostseeraum beherrschen. «In der Neben 2000 Soldaten aus Nato­
Bevölkerung herrscht Angst», er­ Ländern und Finnland waren
klärte Aussenministerin Margot mehr als 20 000 Schweden betei­
Wallström 2016, «Angst vor dem ligt, Streitkräfte, aber auch Zivil­
völkerrechtswidrigen Handeln schutz, Polizei und Spitäler.
Russlands.» Zudem stellt sich Der Fokus lag auf Gotland, wo
heraus, dass die schwedische Schweden zurzeit eilig wieder ein
Armee ausspioniert wurde – und Regiment installiert. Die Regie­
vor der Küste Stockholms wurde rung hat kürzlich die Bestellung
ein fremdes U-Boot gesichtet. des US-Raketenabwehrsystems
Plötzlich ist der Kalte Krieg wie­ Patriot beschlossen – abgesehen
der Gegenwart. vom Kauf von 60 Gripen­Kampf­
Schwedische Soldaten bei einem Manöver mit Nato-Truppen. (Skövde, 14. September 2017) jets, eine der teuersten Anschaf­
Mit den Nachbarn reden fungen des Landes überhaupt.
Die Schweden wurden auf dem Wie das finanziert werden soll, ist
falschen Fuss erwischt. Das Land dehnt werden. Die neue, im Mai Kälte gerüstet sein, mit Decken, griff gegen Schweden sei «nicht Berichte, Russland habe Angriffe unklar. Den Streitkräften fehlt es
hatte seit dem Fall der Mauer sei­ erscheinende Broschüre handelt Gaslampen, Brennholz, Radio ausgeschlossen». Diese Gefahr auf schwedische Ziele geübt. bereits jetzt an Geld für die Auf­
ne Streitkräfte dezimiert. Die Fol­ von «Krieg und Krise». Es gehe, (am besten mit Solarzellen) und wird allerdings kontrovers disku­ rüstung an allen Fronten.
ge: Von einst 180 Armeebataillo­ sagte die Autorin Christina frischem Wasser. Ein Verteidi­ tiert. Der Oberbefehlshaber der Truppen auf Gotland Die Regierung will zudem
nen blieben noch 14 übrig, von 22 Andersson, um die verschlech­ gungsrapport alarmierte die Streitkräfte wie auch der sozial­ Zwar herrscht Einigkeit über die eine Behörde aufbauen, die vor
Luftabwehreinheiten 2, von 300 terte sicherheitspolitische Lage, schwedische Öffentlichkeit zu­ demokratische Regierungschef Aufrüstung des Landes, gestrit­ den Wahlen im Herbst gegen
Kampfjets 96. «Schweden kann aber auch um Naturkatastrophen, sätzlich. Eine Parlamentskom­ Stefan Löfven sagten diese ten wird aber über einen Nato­ Fake­News und Hacker­Angriffe
sich eine Woche verteidigen», er­ Terrorattacken und Angriffe auf mission beschreibt darin ein düs­ Woche, Schweden wäre von Beitritt. Die Bürgerlichen befür­ vorgeht. Wie im Kalten Krieg sol­
klärte der Oberbefehlshaber der wichtige Infrastruktur. Die Bevöl­ teres Bild für den Krisenfall und einem Konflikt in der Ostsee stark worten ihn, die Linke befürchtet len Tausende von Firmen defi­
Streitkräfte 2012. Vor diesem Hin­ kerung solle wieder lernen, mit fordert, die Bevölkerung müsse betroffen, sie hielten das Risiko dagegen eine gefährliche Provo­ niert werden, die im Kriegsfall
tergrund gab es im Parlament massiven Störungen von Trans­ eine Woche ohne Hilfe der Behör­ für einen direkten Angriff aber für kation Putins. Der Kreml hat wichtige Funktionen überneh­
rasch Mehrheiten für ein Umden­ portsystemen und Nahrungsmit­ den ausharren können. Das Land tief. In einem internen Bericht mehrfach unverhohlen vor Kon­ men, etwa in den Branchen
ken und eine umfassende Aufrüs­ telknappheit umzugehen. Zu den solle zudem Spitäler und Schutz­ schreibt die Armee laut dem Fern­ sequenzen im Fall eines Beitritts Transport, Kommunikation oder
tung. Die Armee wurde durch Tipps gehören neben der Not­ räume ausbauen. Ziel sei es, drei sehsender SVT indes, es bestehe gewarnt. In der schwedischen Be­ Medizin. Björn von Sydow, Leiter
Freiwillige aufgestockt. Neu wer­ ration im Keller, dass man seine Monate ohne ausländische Hilfe eine «reale» Gefahr, dass es auf­ völkerung hat laut Umfragen der Verteidigungskommission,
den jährlich 4000 Wehrpflichtige Nachbarn kennenlernt, um sich durchzuhalten. grund von Fehlinterpretationen etwa ein Drittel Angst vor Russ­ spricht von einer Gesellschafts­
ausgehoben, auch Frauen. gegenseitig helfen zu können. Zu­ Russland untergrabe die inter­ oder Missverständnissen zu land; ebenfalls rund ein Drittel reform: Es brauche jeden einzel­
Nun soll die Verteidigung auch dem soll die Bevölkerung gegen nationale Stabilität, schreibt die Kampfhandlungen komme. Aus der Befragten wäre froh über nen, um Schweden wieder wehr­
auf die Zivilgesellschaft ausge­ umfassende Stromausfälle und Kommission. Ein bewaffneter An­ Geheimdienstkreisen kursieren einen Nato­Beitritt. fähig zu machen.

Das letzte Raucherparadies


In Wiens Kaffeehäusern darf reich machen es mir nicht ein­ Vizekanzler Heinz­Christian Stra­ lobby auf die Politik ist stärker als
ALFRED SCHAUHUBER / UNITED ARCHIVES

facher.» Neulich habe er einen che konnte erreichen, dass ein anderswo», klagt er. Auch Tabak­
weiterhin gepafft werden, mit
Kurztrip in die tschechische von der Vorgängerregierung vor­ verkäufer und Gastronomen
besonderem Segen der neuen Metropole Prag gemacht und dort bereitetes Rauchverbot in Loka­ machten ihren Einfluss über die
Mitte-Rechts-Regierung. Nun deutlich weniger geraucht, weil len gekippt wurde. Strache ist Wirtschaftskammer, den österrei­
formiert sich Protest – auch er vor die Türe gehen musste. bekennender Raucher. Das ist chischen Unternehmerverband,
von Rauchern. Eine ähnliche Regelung in Öster­ eine der wenigen Gemeinsamkei­ geltend. Dieser ist verwoben mit
Wolfgang Rössler, Wien reich würde er begrüssen. ten, die er mit dem linksliberalen der konservativen ÖVP von Kanz­
Die kleine Alpenrepublik gilt Bundespräsidenten Alexander ler Kurz. Gemeinsam mit der den
Würde nicht ab und zu ein Handy als letztes europäisches Raucher­ Van der Bellen hat. Beinahe jede Sozialdemokraten nahestehen­
klingeln, könnte man sich im paradies. 24 Prozent der Österrei­ Karikatur zeigt den ersten Mann den Arbeiterkammer stellt er eine
Wiener Café Rüdigerhof wie in cher greifen täglich zur Zigarette. im Staat mit Kippe zwischen den Art Schattenregierung, die der ge­
den achtziger Jahren des vergan­ Das liegt weit über dem Schnitt Mundwinkeln. wählten Exekutive traditionell
genen Jahrhunderts fühlen. Nicht von 18 Prozent, den die in der Doch woher kommt die Lei­ ihren Willen diktiert.
nur die Einrichtung des linkslibe­ OECD vereinten 35 Industrielän­ denschaft der Österreicher zum Kurz knickte beim Rauchver­
ralen Künstlertreffs ist heute der aufweisen. Die OECD bewer­ ungesunden blauen Rauch? Liegt bot nicht vor dem Koalitionspart­
noch dieselbe. Auch das Verhal­ tet auch die Entschlossenheit, mit es an der berühmten Wiener Mor­ ner ein, sondern auch vor seinen
ten der Stammgäste hat sich nicht der einzelne Länder die Tabak­ bidität? Oder an einem gewissen Parteifreunden. Doch das könnte
geändert. Am Nebentisch disku­ sucht bekämpfen. Da liegt Öster­ Schlendrian, den die Österreicher ihm noch politisch schaden.
tieren zwei Gäste lebhaft über die reich auf dem letzten Platz, hinter als Abgrenzungsmerkmal gegen­ Denn die lockeren Raucherrege­
Vorzüge des Schwarzfahrens in Serbien, Russland und der Türkei. über Deutschen und Schweizern Im Kaffeehaus bei Zigarette und Bier. lungen spiegeln längst nicht mehr
der U-Bahn und die neue Mitte­ So darf in gut der Hälfte der Gas­ lustvoll kultivieren? Wohl kaum. den Willen der Mehrheit. Laut
Rechts­Regierung. Über ihnen tronomiebetriebe noch gequalmt Die existenzialistischen Franzo­ Umfragen fordern 70 Prozent der

24,3
hängt eine Glocke aus Qualm. werden. Allerdings muss es sen stecken ihre Gauloises schon chen. Er beklagt fehlende An­ Österreicher ein generelles
Auch Sascha Müller hat einen Nichtraucherbereiche geben. seit Jahren weg, wenn sie ein Bis­ reize, das Laster aufzugeben: Rauchverbot in Lokalen. Sogar
Aschenbecher vor sich. Mit sau­
rem Lächeln drückt er seinen
Geht es nach der neuen Regie­
rung, dann soll das so bleiben.
tro betreten. Und auch im locke­
ren Italien treten Raucher die Kip­
% «Zigaretten sind immer noch zu
günstig und leicht verfügbar.»
50 Prozent der Raucher sprechen
sich dafür aus. Eine Petition an
Tschick, wie die Kippen in Öster­ Der konservative Bundeskanzler pe vor der Pizzeria aus. Dieser Anteil der Österreicher Eine Packung kostet kaum mehr die Bundesregierung fand binnen
reich genannt werden, aus. «Ich Sebastian Kurz ist zwar überzeug­ Mit der Mentalität lasse sich raucht. Er ist seit 2010 gleich. In als fünf Franken. Nachschub gibt weniger Wochen 450 000 Unter­
würde gerne aufhören», sagt der ter Nichtraucher. Doch sein die hohe Raucherquote nicht er­ den anderen Industrieländern es rund um die Uhr. stützer. Einer davon ist Noch­
39-Jährige. Der Versuch sei aber Juniorpartner, die rechtspopulis­ klären, sagt Kurt Aigner, Lungen­ ist die Raucherquote seither Aigner sieht die Ursache in den Raucher Müller im Café Rüdiger­
immer wieder gescheitert. «Die tische FPÖ, setzte sich bei den spezialist und Präsident einer von 25 auf 18 Prozent gesunken. Eigenheiten der österreichischen hof: «Es wird Zeit, dass sich end­
Rahmenbedingungen in Öster­ Koalitionsverhandlungen durch. Ärzteinitiative gegen das Rau­ Politik. «Der Druck der Tabak­ lich etwas ändert», sagt er.
6 International NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

Warum Pakistan Donald Trump narrt


Die USA streichen der Regierung in Islamabad
Hilfsgelder, da sie hinter ihrem Rücken mit den
afghanischen Taliban paktiert. Doch Pakistan will
nicht auf die radikalen Islamisten verzichten. Sie sind
der Trumpf im Kampf gegen den Erzfeind Indien

Ulrike Putz, Singapur Macht der Armee und der Ge- tan wurde gebraucht, weil über
heimdienste, sagt ein europäi- seine Häfen US-Truppen und
Angestossen wurde alles mit scher Entwicklungsexperte in Nachschub nach Afghanistan ge-
einem wütenden Tweet von Islamabad, der anonym bleiben schafft werden mussten. Sein
Donald Trump. Die Vereinigten möchte. «Pakistanische Politik weitverzweigtes Spionagenetz in
Staaten hätten in den letzten hat nur ein Thema: Sicherheit. der Region sollte den Alliierten
15 Jahren törichterweise 33 Mil- Die Generäle garantieren sie, und entscheidende Hinweise liefern.
liarden Dollar Hilfsgelder an Paki- deshalb sind sie unantastbar.» Dem damaligen pakistani-
stan überwiesen, als Gegenleis- Um den ungleichen Kampf schen Militärherrscher Pervez
tung aber vom Verbündeten nur gegen Indien zu führen, setzten Musharraf blieb keine andere
Lügen und Betrug erhalten, sie von Islamabad gesteuerte Wahl, als sich dem Druck
schrieb der US-Präsident. Paki- Milizen ein. Diese waren die Washingtons zu beugen. Aus dem
stan gewähre jenen Terroristen schlagkräftigste Waffe, bis das Terror-Paten wurde ein Anti-Ter-
Unterschlupf, die die USA in Land 1998 zur Atommacht wurde. ror-Kämpfer. Doch statt die bis
Afghanistan bekämpften. Schon kurz nach der Staatsgrün- anhin unterstützen Taliban und
Dem Tweet folgten für einmal dung setzte Islamabad in dem andere Milizen zu zerschlagen,
Taten: Das US-Aussenministe- von ihm beanspruchten, doch beschloss Pakistan, mit einigen
rium kündigte an, Sicherheits- von Indien kontrollierten Kasch- Gruppen weiterhin zu kooperie-
hilfe in Höhe von etwa 2 Milliar- mir muslimische Freischärler ein, ren, um sie gegen Indien wieder
den Dollar auszusetzen, bis um für Unruhe zu sorgen. einsetzen zu können.
Islamabad entschlossen Mass- Diese Instrumentalisierung Dieses Doppelspiel festigte im
nahmen gegen Terroristen er- islamistischer Milizen wurde Westen die Überzeugung, dass
greife, die von den pakistani- nach dem Einmarsch Russlands auf den südasiatischen Verbün-
schen Stammesgebieten aus in in Afghanistan im Jahr 1979 auch deten kein Verlass sei. Wie weit
Afghanistan operierten. Pakistan im Westen salonfähig. Die USA das Misstrauen reichte, zeigte
zeigte sich empört. Der Armee- bedienten sich gegen Moskau der sich spätestens am 2. Mai 2011,
chef verwies auf die 60 000 Paki- antisowjetischen Mujahedin und als US-Präsident Barack Obama
staner, die in den vergangenen griffen im Umgang mit ihren isla- an den Pakistanern vorbei den
15 Jahren Opfer des Kampfes mistischen Handlangern dankbar Befehl gab, den im nordpakistani-
gegen den Terrorismus geworden auf die Erfahrungen Pakistans schen Abbottabad versteckten
seien. Der pakistanische Aussen- zurück. Usama bin Ladin zu töten.
minister erklärte das Bündnis mit Als sich die sowjetischen Trup-
den USA kurzerhand für beendet. pen aus Afghanistan zurückzogen Die USA werden umfallen
Den Vorwurf, im Kampf gegen und es im Land zu einem Bürger- Pakistans Strategie, zwischen ge-
den Terrorismus ein Doppelspiel krieg kam, unterstützte Pakistan fährlichen und nützlichen Terro-
zu treiben, muss sich Pakistans die Taliban, die 1996 die Macht in risten zu unterscheiden, hat sich
Regierung dennoch gefallen las- Kabul übernahmen. Die Radikal- als fatal erwiesen. Zur bunten Koranschüler protestieren gegen US-Präsident Donald Trump, weil er die Sicherheitshilfe für Pakistan ausgesetzt
sen. Sie verfolgt eine schizo- islamisten dienten Islamabad als Schar von Radikalen, die sich
phrene Politik: Einerseits baut sie Garant dafür, dass Indien seinen heute auf pakistanischem Terri-
Terroristengruppen auf und be- wachsenden Einfluss auf Afgha- torium bewegen, gehören als pro- Schwierige Nachbarschaft stand der Stämme und an partei- Terrorbekämpfung» entschlosse-
herbergt sie auf ihrem Staats- nistan nicht ausweiten konnte. minenteste die pakistanischen politischen Ränkespielen. So ner gegen Terrornetzwerke vor.
gebiet. Anderseits bekämpft sie Doch dann donnerten am und die afghanischen Taliban, Pakistan und das von den lange der wilde Westen Pakistans Allerdings seien Gruppen, die
dieselben Terroristen an der Seite 11. September 2001 zwei Flug- das Hakkani-Netzwerk sowie der Taliban bedrohte Afghanistan ein faktisch rechtsfreier Raum ist, sich dem Kampf gegen Indien
Amerikas. Doch weshalb tut dies zeuge in das World Trade Center Islamische Staat (IS). Nicht werden die Milizen dort weiter verschrieben haben, davon wie-
Pakistan? in New York, 3000 Menschen wenige dieser Gruppen haben nach Gutdünken schalten. der einmal ausgenommen, sagen
Nordwestprovinz
wurden getötet. Das brachte die sich verselbständigt und führen Stammesgebiete Laut Beobachtern haben auch die Experten.
Nützliche Milizen Pakistaner in eine missliche Lage. nun Krieg gegen ihre einstigen die Machthaber in Islamabad in- Dass Pakistan weiterhin nur
Der Hauptgrund für das Verhalten Der Anschlag war von Usama bin Herren. TURKM. CHINA zwischen erkannt, was sie sich halbherzig gegen die Terroristen
heisst: Indien. Mit dem Abzug der Ladin, dem Chef des Terrornetz- Epizentrum des Problems sind Peshawar eingebrockt haben. Spätestens, vorgeht, liegt auch daran, dass
Briten im Jahr 1947 wurde deren werks al-Kaida, aus Afghanistan die autonomen Stammesgebiete Kabul Abbottabad als die pakistanischen Taliban im sein politisches Selbstbewusst-
Kolonialreich auf dem Indischen befohlen worden. Da die regie- in der Nordwestprovinz. Die AFGHANISTAN Islamabad Dezember 2014 eine von der sein erstarkt ist. Seit 2013 baut
Subkontinent entlang religiöser renden Taliban nicht bereit dünnbesiedelte Region an der Armee geführte Schule in Pesha- China im Industal im Rahmen sei-
Linien zweigeteilt, wobei das waren, bin Ladin auszuliefern, Grenze zu Afghanistan, in der war angriffen und über 130 Schü- nes riesigen Projekts einer neuen
kleinere Pakistan dem Koloss marschierten Washington und Terroristen aller Couleur Unter- PAKISTAN ler massakrierten, habe auch an Seidenstrasse für umgerechnet
Indien von Anfang an unterlegen seine Verbündeten in Afghanis- schlupf finden, gilt seit dem Mit- der Spitze von Militär und Ge- 60 Milliarden Franken Autobah-
IRAN INDIEN
war. Die Angst vor dem grossen, tan ein. Plötzlich stand Islamabad telalter als unregierbar. Eine Re- heimdienst ein Umdenken statt- nen, Eisenbahntrassen und Kraft-
verhassten Nachbarn bestimme unter massivem Druck, sich im form des Landstrichs sollte die gefunden. Die Sicherheitskräfte werke. «Wir sind nicht mehr so
bis heute die Politik Pakistans Kampf gegen al-Kaida auf die Gebiete im vergangenen Jahr zäh- 500 km gingen seitdem im Rahmen eines sehr auf amerikanische Hilfe an-
und erkläre die ungebrochene Seite der USA zu schlagen. Pakis- men, scheiterte jedoch am Wider- «Nationalen Aktionsplans zur gewiesen. China hat Pakistan

Kapstadt geht in 90 Tagen das Wasser aus


Als erster Metropole droht steuert unaufhaltsam auf den Trotz diesen Aussichten pas- dürfe ihre Bürger nicht länger
NIC BOTHMA / EPA

dem südafrikanischen «Tag null» zu. So wird der sen die Bewohner nur zögerlich darum bitten, Wasser zu sparen.
Moment genannt, an dem die ihren Verbrauch an. Pro Person Sie müsse sie dazu zwingen.
Küstenort das Trinkwasser
Stadt die meisten Wasserleitun- dürfen derzeit nur 87 Liter ge- Ab Februar wird die Ration
auszugehen. Schuld sind die gen abstellen wird, als erste mo- nutzt werden, rund die Hälfte des noch einmal deutlich auf 50 Liter
Dürre und die Politik. derne Metropole weltweit. Der- durchschnittlichen Verbrauchs gesenkt. Neben heftigen Strafen
Christian Putsch, Kapstadt zeit ist der 22. April anvisiert, in der Schweizer. Das lässt sich ohne zwingt die Stadt uneinsichtige
90 Tagen. Dann werden die Was- Probleme erreichen, wenn etwa Grossverbraucher zum Einbau
Schon bei der Anreise nach Kap- serpegel der Dämme voraussicht- das Dusch- und Spülwasser in von einem Gerät, das nach Errei-
stadt weisen die Piloten derzeit lich den kritischen Tiefstand von Eimern aufgefangen wird und für chen des Limits die Leitung
auf die Dürre hin. Am Flughafen 13,5 Prozent erreichen. Klospülungen wiederverwertet schliesst. Und die Lage rechtfer-
bekräftigen dann grossflächige Danach erhalten die 3,7 Millio- wird. Seit weit über einem Jahr ist tigt auch ein wenig Denunzian-
Plakate: «Jeder Tropfen zählt.» nen Bewohner Wasser nur noch es illegal, den Garten zu wässern, tentum. Wurden im vergangenen
Selbst als Anfang Januar das in- an Ausgabestellen, die von Solda- das Auto zu waschen oder den Jahr nur die Strassen mit dem
dische Kricket-Nationalteam zu ten und Polizei bewacht werden. Pool aufzufüllen. höchsten Verbrauch veröffent-
einem Länderspiel nach Kapstadt Jeder soll täglich nur noch Recht Doch die sichtlich frustrierte licht, so lässt sich über eine Web-
reiste, wurden die Spieler im auf 25 Liter haben. Schulen und Bürgermeisterin Patricia de Lille site inzwischen bequem für jedes
Hotel freundlich aufgefordert, Krankenhäuser sollen verschont kritisierte diese Woche, dass die- einzelne Grundstück nachverfol-
doch bitte nicht länger als zwei werden, wie auch die meisten ses Ziel nur von 40 Prozent der gen, ob die Verbrauchsvorgaben
Minuten zu duschen. Townships. Die Mehrheit der Bevölkerung erreicht werde. «Es eingehalten werden. Mein Nach-
Kapstadt erlebt die schlimmste dortigen Bewohner sind ohnehin ist unglaublich, dass der Mehrheit bar, der Verschwender.
Dürre seit über einem Jahr- auf öffentliche Wasserhähne an- der Leute die Lage egal zu sein Die Krise war eigentlich vor-
hundert. Die Touristenhochburg gewiesen. scheint», sagte de Lille. Die Stadt Bürger holen Wasser an einer Abgabestelle in Kapstadt. (19. 1. 2018) hersehbar. Die Bevölkerungs-
7

ALAA BADARNEH / EPA


RANA SAJID HUSSAIN / LIGHTROCKET/ GETTY IMAGES
Mahmud Abbas bei seiner Brandrede vor dem PLO-Zentralkomitee. (Ramallah, 14. Januar 2018)

Ende einer Ära


Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gibt mit
einer Wutrede Rätsel über seine Zukunft auf
Gisela Dachs, Tel Aviv den seither regelmässig in Aus- tätern wie diesem eine gross-
sicht gestellt, aber immer wieder zügige finanzielle Unterstützung
Der bald 83-jährige Präsident verschoben. Die Angst vor einem als Belohnung zukommen. Das
Mahmud Abbas hat in seinem Le- Sieg der Hamas war zu gross. macht ihn für viele Israeli schon
ben schon viele Ansprachen ge- Doch auch ohne Wahlen hat lange unglaubwürdig. Dennoch
halten. Aber so kannte man ihn Abbas’ Rede nun die Nachfolge- hat er selbst in angespannten Zei-
bisher noch nicht. Da trat er nun, frage in den Vordergrund gerückt. ten an der Kooperation mit israe-
elegant wie immer, vor das PLO- Wer immer nach ihm kommt – lischen Sicherheitskräften fest-
Zentralkomitee in Ramallah und und bis heute ist dies völlig un- gehalten. Diese trug dazu bei, An-
redete sich in Rage. Er schlug da- klar -, wird wohl über weniger ge- schläge zu vereiteln, schützte ihn
bei alles kurz und klein, wofür er ballte Macht verfügen. Abbas ist aber schliesslich auch vor seinen
bis jetzt gestanden hatte: Das Ab- Palästinenserpräsident, Vorsit- eigenen Feinden.
kommen von Oslo, die Zweistaa- zender der PLO und Vorsitzender
tenlösung, die Autonomie der der nationalen Autonomie- Nicht alles verloren
Palästinenser. Abbas verfluchte behörde. Diese Ämteranhäufung Steht nun alles infrage? Nicht un-
den Präsidenten im Weissen Haus geht auf den legendären PLO- bedingt. Der frühere US-Unter-
und bediente sich aus dem anti- Chef und ersten Palästinenser- händler Denis Ross erinnerte
israelischen Propaganda-Arsenal. präsidenten Yassir Arafat zurück. diese Woche in Jerusalem daran,
Israel sei ein koloniales Konstrukt Nach dessen Tod 2004 wurde wie sich Arafat nach dem Schei-
europäischer Mächte, ohne jeg- Stellvertreter Mahmud Abbas tern der Verhandlungen von
liche Verbindung zur jüdischen zum blassen, aber international Camp David im Jahr 2000 bei sei-
Geschichte und vergifte die paläs- viel stärker akzeptierten Nachfol- ner Rückkehr feiern liess, weil er
tinensische Jugend mit Drogen. ger. Er präsentierte sich der west- den Amerikanern die Stirn gebo-
Man kann darüber spekulie- lichen Welt im Anzug statt mit ten hatte, und zugleich den da-
hat. (Lahore, 5. 1. 2018) ren, was Abbas zu seiner Brand- Waffe und Kufija, sprach sich maligen Präsidenten Bill Clinton
rede veranlasst hat. War es Frust? gegen die mörderische Gewalt- um ein weiteres Gipfeltreffen bat.
Hat er sein wahres Gesicht ge- strategie der zweiten Intifada aus. Abbas hat Präsident Trump
politischen Spielraum ver- zeigt? Oder ist es ein Indiz, dass «Es wird nie einen moderateren eine klare Absage als Vermittler
NASEER AHMED / REUTERS

schafft», sagt Nazir Hussain, seine Zeit als Palästinenserführer und geduldigeren palästinensi- erteilt und will mit der israeli-
pakistanischer Diplomat im abgelaufen ist? In jedem Fall schen Anführer geben», hiess es schen Regierung nichts mehr zu
Ruhestand, der an der Universität klang es nach dem Ende einer lan- am Freitag in einer Zeitungs- tun haben. Wie es nun weiter-
Lahore lehrt. gen politischen Karriere. anzeige der linken israelischen geht, hängt aber auch noch von
Vor diesem Hintergrund ist es Friedensbewegung Gush Shalom. anderen Akteuren ab. Sollte, wie
fraglich, ob die amerikanische Den Schein wahren Abbas gehört dennoch jener angekündigt, demnächst tatsäch-
Drohgebärde, Islamabad Hilfs- Vieles spricht dafür, dass Abbas alten PLO-Garde an, die schon lich ein neuer amerikanischer
gelder vorzuenthalten, Wirkung sich zum Abschied vor der eige- lange keine Popularität mehr ge- Friedensvorstoss auf dem Tisch
zeigen wird. Es ist nicht das erste nen Bevölkerung für sein Schei- niesst. Ihr wird Korruption und liegen, wird es vom konkreten In-
Mal, dass die USA aus Ärger Zah- tern rechtfertigen wollte. Die Vetternwirtschaft vorgeworfen. halt abhängen und der Haltung
lungen stornieren. Doch Pakistan Bilanz ist harsch: Ein unabhängi- «Alle haben Häuser in Amman. der Europäer, ob er eine Chance
ist wegen der Nachschubrouten ger Staat ist nicht in Sicht. Die Falls hier alles zusammenbricht, hat. Mehr als eine Reihe von ver-
nach Afghanistan zu wichtig, als Unterstützung für die palästinen- wissen sie, wohin sie fliehen kön- trauensbildenden Massnahmen,
dass die Blockade lang anhalten sische Sache nimmt im Weissen nen», sagt ein Mitglied der Al- die die Lage vor Ort nicht eskalie-
würde. Die Pakistaner hätten gu- Haus und in der arabischen Welt Aksa-Brigaden, des bewaffneten ren lassen, wird der Vorstoss
te Gründe anzunehmen, dass die ab. Zudem ist Abbas innenpoli- Flügels der Fatah-Partei, das drei wohl nicht enthalten. Die Kluft
USA wieder umfallen würden, tisch seit langem nicht mehr legi- Jahre im israelischen Gefängnis zwischen Abbas und der jetzigen
sagt der Experte aus Islamabad. timiert. Die letzten Wahlen fan- verbracht hat. Bis heute lässt israelischen Regierung ist für
Das Doppelspiel geht weiter. Pakistaner nach der Tötung von Usama bin Ladin. (Quetta, 6. 5. 2011) den 2005 statt. Neuwahlen wur- Abbas palästinensischen Atten- alles andere einfach zu gross.

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Hat Ihr
Portfolio
zahlen sind gestiegen, und ANC wirft der DA zu zögerliches Kläranlagen zu renovieren. Viele
Projekte wie der Bau von neuen Handeln vor, verweigerte bis vor sind über 30 Jahre alt, die Hälfte
Staudämmen oder Meerwasser- wenigen Monaten aber Budgets gilt als marode.
entsalzungsanlagen kamen nur für die Krisenbewältigung, über Mit einer temporären Entsal-
schleichend voran. Es besteht ein die nur auf nationaler Ebene ent- zungsanlage will Kapstadt schon

Zukunft?
Investitionsstau in Milliarden- schieden werden kann. Die DA in einigen Wochen immerhin bis
höhe. Zudem hatten Klima- hat zudem wenig Einfluss auf die zu 100 Millionen Liter pro Tag ge-
forscher der Universität Kapstadt Wasserzuteilung an die Landwirt- winnen. Massnahmen wie diese
errechnet, dass Jahre mit gerin- schaft. Auch diese wurde vom belasten aber den Haushalt. Auch
gen Regenfällen in der Stadt ANC viel zu spät eingeschränkt. hier bleibt die Finanzierung un-
gegenwärtig doppelt so häufig Zuletzt nahmen Projekte zur geklärt, zumal der Stadt durch
vorkommen wie noch vor einem Meerwasserentsalzung und zur den sinkenden Wasserverbrauch Testen Sie den Globalance
Jahrhundert. Eine derartige Dür- Wiederverwertung von Abwasser Milliardeneinnahmen fehlen.
re, die bereits seit dem Jahr 2014 zwar etwas an Fahrt auf. Bis zum In den vergangenen Wochen Zukunftsrechner online:ood
anhält, haben aber selbst die «Tag null» werden sie aber nicht hatte de Lille versucht, eine Son-
Experten nicht erwartet. funktionsfähig sein, zumal die derabgabe für alle Grundstücks- globalance-bank.com/portfolio
Verschärft werden die Folgen Staatskassen leer sind. Nach An- eigentümer der Stadt durchzuset-
durch die Blockadehaltung der gaben der Wirtschaftsförderungs- zen. Am Donnerstag zog sie den
Regierungspartei African Natio- gesellschaft Green Cape wären im Vorschlag zurück, nachdem es
nal Congress (ANC). Das Westkap Wassersektor Südafrikas Investi- Tausende Beschwerden gegeben
ist die einzige Provinz, die von tionen in Höhe von 61 Milliarden hatte. Die unvermeidliche Rech-
der Oppositionspartei Democra- Franken nötig, um neben neuen nung für die Misere will niemand
tic Alliance (DA) regiert wird. Der Projekten auch die bestehenden zahlen.
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Schweiz Steuern 9

Schwarzgeld in Milliardenhöhe
Steuerpflichtige haben seit 2010 versteckte Vermögen von mehr als dreissig Milliarden Franken offengelegt.
Das ist weit mehr, als das Parlament je vermutet hatte. Von Daniel Friedli und Lukas Häuptli

W
ann haben Sie Ihre letzte Steuer- «Steuersündern mit

CHRISTIAN BEUTLER / KEYSTONE


Selbstanzeigen
erklärung ausgefüllt? Richtig
ausgefüllt? Und ehrlich? Natür-
in Zahlen Vermögen im Ausland
droht die Entlarvung,
90000
lich geht das niemanden etwas
an. Denn in der Schweiz herrschen Bank-
geheimnis, Steuergeheimnis – und Steuer-
weshalb viele ihr
ehrlichkeit. Das jedenfalls ist das Credo der So viele Steuer- Schwarzgeld noch selber
bürgerlichen Mehrheit im Parlament. sünder haben sich gemeldet haben.»
Wie weit diese Steuerehrlichkeit wirklich selber gemeldet,
geht, ist allerdings fraglich. In den letzten acht seit im Jahr 2010 die
Jahren haben Steuerpflichtige in der Schweiz Möglichkeit zur Bischof, damals noch Nationalrat, die straf-
nämlich Schwarzgeld in der Höhe von min- straflosen Selbst- lose Selbstanzeige werde sicher nicht mehr
destens 31,7 Milliarden Franken offengelegt. anzeige eingeführt einbringen als die letzte Steueramnestie in der
So viele unversteuerte Vermögen sind zwi- wurde. Schweiz. Durch diese wurden 1969, allerdings
schen Anfang 2010 und Ende 2017 per Selbst- zu damaligen Preisen, 11,5 Milliarden Franken

7,5
anzeige den kantonalen Steuerämtern gemel- Schwarzgeld aufgedeckt.
det worden, wie eine Umfrage der «NZZ am Umgekehrt sind die 31,7 Milliarden Franken
Sonntag» in den 26 Kantonen zeigt. Die effek-
tive Summe dürfte noch um einiges höher Mrd. nur ein Bruchteil des Vermögens, das in der
Schweiz in einem Jahr versteuert wird. Diese
sein, denn mehrere Kantone, etwa Luzern, So viele Franken Zahl belief sich beispielsweise im Jahr 2014
Zug oder Waadt, erheben besagte Daten gar Vermögen wurden auf 1756 Milliarden Franken. Darum mahnt
nicht. Und Appenzell-Innerrhoden verweigert allein im letzten auch SVP-Nationalrat Thomas Matter vor vor-
die Auskunft dazu, weil diese «in unseren eng- Jahr durch neue eiligen Schlüssen. Gemessen am Total aller
räumigen Verhältnissen ... Rückschlüsse auf Selbstanzeigen Vermögen und Steuererträge seien die jetzt
einzelne Personen möglich» mache und damit aufgedeckt. gemeldeten Summen sehr gering, sagt er. Zu-
das Steuergeheimnis verletzen würde. dem verweist auch Matter darauf, dass zuletzt

31,7
Am meisten Schwarzgeld kam in den Kan- aussergewöhnlich viele Selbstanzeigen von
tonen Zürich (6,9 Milliarden Franken), Tessin Einwanderern gekommen und Immobilien im
(6,0), Genf (4,4), Basel-Stadt (3,1) und St. Gal-
len (2,0) zum Vorschein. Mrd. Ausland beträfen. «Ich bin nach wie vor über-
zeugt, dass die Schweizer grundsätzlich
So viele Franken steuerehrlich sind», sagt der Zürcher Natio-
Die Angst vor dem Datenaustausch Vermögen sind seit nalrat. Anders sieht es die Linke: «Diese Zah-
Grundlage für die Meldungen ist das Gesetz 2010 zusätzlich zum len zeigen, dass das Bild des ehrlichen Steuer-
über die straflose Selbstanzeige, das seit 2010 Vorschein zahlers revidiert werden muss», sagt SP-
gilt. Es sieht vor, dass Steuerpflichtige sich bei gekommen. Nationalrätin Mattea Meyer. Umso ärgerlicher
Steuerämtern selbst anzeigen, Schwarzgelder sei es, dass das Parlament Steuerhinterzie-
melden und diese so legalisieren können. An- hung immer noch als Kavaliersdelikt be-
schliessend werden die Betroffenen zwar handle und nicht als das, was es letztlich sei:
nachbesteuert, nicht aber gebüsst. Betrug an den ehrlichen Steuerzahlern. Meyer
Wie das Prozedere im Einzelnen funktio- hat denn auch bereits gefordert, dass der Bun-
niert, zeigt ein Beispiel aus dem Kanton Gla- desrat in einer Studie genauer darlegt, in wel-
rus: Dort hat ein Steuerpflichtiger der Steuer- chem Ausmass und von wem Steuern hinter-
verwaltung vor ein paar Monaten gemeldet, er zogen werden. Gestützt darauf will sie dann
besitze seit zehn Jahren Aktien, die in einem den Kampf gegen Steuerdelikte verschärfen.
Depot eines Liechtensteiner Finanzinstituts Die Linke kann dabei zumindest teilweise
lägen und die er nie versteuert habe. Das Amt auf die Unterstützung der kantonalen Finanz-
veranlagte darauf den Wert der Aktien auf to- direktoren zählen. Diese wünschen sich schon
tal 40 Millionen Franken, die Erträge daraus länger mehr Kompetenzen und möchten zum
auf total 650 000 Franken. Das ergab für den Beispiel bei allen konkreten Hinweisen auf
Selbstanzeiger eine Nachsteuer von 230 000 Steuerhinterziehung die Bankkonten eines
Franken. Wären die Aktien im Rahmen eines Verdächtigen überprüfen können. Paradoxer-
Steuerstrafverfahren ausfindig gemacht wor- Anlaufstelle für reuige Steuersünder: Blick in ein Zürcher Steueramt. (Uster, 30. 10. 2014) weise könnte dieser Wunsch mit der Einfüh-
den, hätte er zusätzlich eine Busse von ver- rung des automatischen Informationsaustau-
mutlich ebenfalls 230 000 Franken zahlen sches noch an Dringlichkeit gewinnen. Denn
müssen. anzeige deklarierten Vermögen in Liechten- tone fest, dass zahlreiche Ausländer noch nun sind geheime Vermögen in vielen Staaten
Im letzten Jahr hat sich die Zahl solcher stein deponiert waren. nicht deklarierte Liegenschaften gemeldet nicht mehr sicher. Wer diese weiterhin verste-
Meldungen in vielen Kantonen auf neue Insgesamt haben sich seit 2010 mehr als hatten, die sie in ihrer Heimat besitzen. «Da- cken will, hat also unter Umständen einen An-
Rekordwerte erhöht. Grund dafür ist der auto- 90 000 Steuerpflichtige selbst angezeigt, wie bei handelt es sich meistens um Franzosen, reiz, sein Geld zurück in die Schweiz zu trans-
matische Informationsaustausch, aufgrund der «Sonntags-Blick» meldete, und zwar quer Italiener, Spanier und Portugiesen», sagt Beda ferieren. Aus der Schwyzer Steuerverwaltung
dessen die Schweiz demnächst mit einer gan- durch alle Klassen. «Die Personen stammen Albrecht, Chef der Walliser Steuerverwaltung. etwa heisst es, man habe erste Indizien, dass
zen Reihe anderer Staaten Bankdaten austau- aus allen möglichen Schichten», sagt Jakob dies derzeit geschehe.
schen wird. Steuersündern mit Vermögen in Rütsche, Thurgauer Steuerverwalter und Prä- Überraschend hohe Ausbeute Politisch sind Forderungen nach neuen Ein-
den entsprechenden Ländern droht also die sident der Schweizerischen Steuerkonferenz, Doch was sagen diese Zahlen aus über die griffsrechten indes chancenlos. Das Parlament
Entlarvung, weshalb viele ihre Schwarzgelder der Vereinigung der kantonalen Steuerämter Steuerehrlichkeit in der Schweiz? Zunächst hat im Dezember eben erst klar gemacht, dass
vorher freiwillig gemeldet haben. So ist zum (siehe Interview). Im Kanton St. Gallen etwa einmal reagieren selbst Steuerverwalter über- es am Bankgeheimnis im Inland festhalten
Beispiel erklärbar, weshalb zuletzt überdurch- betrafen 2017 ein Viertel der Meldungen Ver- rascht darauf, dass die gemeldeten Vermögen will. Umgekehrt wurden aber auch Vorstösse
schnittlich viel Vermögen aus dem benachbar- mögen von mehr als einer Million Franken. mittlerweile die Dreissig-Milliarden-Grenze abgelehnt, die über die straflose Selbstanzei-
ten Fürstentum Liechtenstein offengelegt Die Hälfte der Selbstanzeiger meldete überschreiten. Und auch die Parlamentarier gen hinaus noch neue Steueramnestien for-
wurde. Allein das St. Galler Steueramt gab Schwarzgelder zwischen einer Million und hatten niemals mit so hohen Beträgen gerech- dern. Ein weiteres Entgegenkommen an die
diese Woche bekannt, dass in seinem Kanton 150 000 Franken, das letzte Viertel lag unter net, als sie das Gesetz vor zehn Jahren verab- Steuersünder wäre für die Steuermoral nicht
fast 60 Prozent der letztes Jahr per Selbst- dieser Schwelle. Daneben stellten viele Kan- schiedeten. So sagte etwa CVP-Mann Pirmin förderlich, hiess es.

Präsident der Schweizer Steuerkonferenz Schwere Steuerdelikte

Mehrere tausend
«Die Steuerämter sollten Auskünfte verlangen können» Strafverfahren pro Jahr

Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat


NZZ am Sonntag: Steuerpflich- Und oft wurden die Vermögen sämtliche Schwarzgeld-Besitzer wollen: Bei einem konkreten in der Vergangenheit jedes Jahr zwischen
tige haben in den letzten acht in den letzten Jahren nicht mehr angezeigt? Anfangsverdacht auf Steuer- 4000 und 6500 Strafverfahren wegen des
Jahren Schwarzgelder von über aktiv bewirtschaftet. Das ist möglich. Aber der hinterziehung sollten die kanto- Verdachts auf schwere Steuerdelikte eröff-
dreissig Milliarden Franken offen- automatische Informationsaus- nalen Steuerämter Auskünfte net. Zu diesen zählen der Steuerbetrug, die
gelegt. Haben Sie so viel erwartet? Die dreissig Milliarden Franken tausch hat in dieser Beziehung über Konten der Verdächtigten wiederholte Hinterziehung von grossen
Jakob Rütsche: Die Zahl über- stellen der Steuerehrlichkeit der einen erheblichen Druck ent- bei den Finanzinstituten verlan- Steuerbeträgen und die Veruntreuung von
rascht mich. Das ist doch ein Steuerpflichtigen ein schlechtes wickelt. Das Netz der Staaten, gen können. Gewissermassen als Quellensteuern. Die meisten dieser Verfah-
ansehnlicher Betrag. Zeugnis aus. die sich zum Austausch ver- Schutz vor staatlicher Willkür ren tritt die Eidgenössische Steuerverwal-
Das sehe ich nicht so. Ich pflichtet haben, ist mittlerweile könnte man vorschreiben, dass tung später an die zuständigen kantonalen
Wer sind die Leute, welche die würde noch immer sagen: Die sehr eng. Einzig mit arabischen die Ämter Auskünfte über Bank- Steuerämter ab. Einzig die ganz grossen
Gelder den Steuerämtern gemel- Steuerehrlichkeit in der Schweiz und afrikanischen Staaten konten bei einem Gericht bean- Fälle – ein halbes bis zwei Dutzend pro Jahr
det haben? ist hoch. Man muss in diesem werden in naher Zukunft noch Jakob Rütsche tragen und von diesem bewilli- – führt sie selbst. Schwere Steuerdelikte
Es sind Reiche, es sind Rent- Zusammenhang darauf hinwei- keine Bankdaten ausgetauscht. gen lassen müssen. werden mit Bussen geahndet, und zwar
ner, es sind Gastarbeiter. Die sen, dass die dreissig Milliarden meistens in der Höhe der jeweils anfallen-
Personen, die seit 2010 nicht Franken von rund 90 000 Daneben bleiben die Daten von Mit wie vielen Verdachtsfällen auf den Nachsteuern.
versteuerte Vermögen per Selbstanzeigern gemeldet Banken in der Schweiz für Steuer- Steuerhinterziehung würden Sie Beim Verdacht auf schwere Steuerhinter-
Selbstanzeige offengelegt haben, wurden. 90 000, das ist ein ämter geheim. Stört Sie das? denn rechnen? ziehung darf die Eidgenössische Steuer-
stammen aus allen möglichen Bruchteil aller Steuerpflichtigen Nein, nicht grundsätzlich. Wir Das dürften in der ganzen verwaltung unter anderem Bankauskünfte
Schichten. Was man sagen kann: in der Schweiz. wollen keinen automatischen Schweiz einige Tausend pro Jahr einholen, Gelder beschlagnahmen und
Oft lagen die Vermögen seit Informationsaustausch inner- sein. Hausdurchsuchungen durchführen. (luh.)
Generationen auf den Konten. Womöglich haben sich auch nicht halb der Schweiz. Was wir Interview: Lukas Häuptli
10 Schweiz Aussenpolitik NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

«Unsere Europapolitik wird

BÉATRICE DEVÈNES
nicht in Davos gemacht»
Für Bundespräsident Alain Berset gilt am WEF «Switzerland first» – vor allem
beim Treffen mit Donald Trump. Interview: Stefan Bühler und Andrea Kučera

NZZ am Sonntag: Herr Bundespräsident, man komme schon bald. Ich weise darauf hin, wirkungen auf der ganzen Welt, auch bei
sagt von Ihnen, Sie liebten den roten Teppich. dass wir letztes Jahr einen Wechsel im Aus- uns. Auch in der Schweiz ist bekanntlich eine
Das WEF
Insofern ist das Weltwirtschaftsforum wie sendepartement hatten. Der neue Bundesrat wichtige Debatte über die Reform der Unter- in Zahlen
geschaffen für Sie. Freuen Sie sich auf Davos? Ignazio Cassis ist gut gestartet. Er unterbrei- nehmenssteuern im Gang. Der Bundesrat
Alain Berset: Es gibt vieles, was über mich

3000
tet der Gesamtregierung in nächster Zeit will diese rasch vorantreiben: damit wir kon-
erzählt wird. Nicht alles stimmt, doch damit Vorschläge, wie es in der Europapolitik wei- form sind mit den internationalen Regeln
kann ich gut leben. Zu Ihrer Frage: Ich freue tergehen soll. und um wettbewerbsfähig zu bleiben, damit
mich auf den direkten, persönlichen Aus- Firmen nicht abwandern.
tausch, das hat mit dem roten Teppich nichts Der Druck aus Brüssel, rasch ein Rahmen- Teilnehmer aus 90
zu tun. Praktisch an Davos ist, dass ich hier abkommen abzuschliessen, wird allerdings Allerdings dauern die hochrangigen Treffen in Ländern werden
hochrangige Vertreter treffen kann, die geo- kaum nachlassen. Davos meist nur kurz, vielleicht 20 Minuten. dieses Jahr erwar-
grafisch weiter entfernt zu Hause sind. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen. In die Tiefe einzelner Dossiers kann man da tet, unter ihnen
kaum vorstossen. 70 Regierungschefs
Keinen persönlichen Austausch wird es laut So gut wie sicher ist Ihr Treffen in Davos mit Stimmt. Wissen Sie, diese bilateralen Tref- – so viele wie nie.
neusten Meldungen mit EU-Kommissionsprä- dem amerikanischen Präsidenten Donald fen dienen vor allem der Beziehungspflege.

780
sident Juncker geben. Er hat keine Zeit. Emp- Trump. Seine Parole lautet «America first». Man kann damit den Boden bereiten für wei-
finden Sie das als Affront? Gilt für Sie «Switzerland first»? tere Schritte. So haben wir vor einigen Jahren
Aber bitte. Jean-Claude Juncker und ich Natürlich. Zum Beispiel letzte Woche am am WEF etwa mit dem chinesischen Minis-
sprechen jederzeit miteinander, wenn es Lauberhornrennen. Im Ernst: Die Verteidi- terpräsidenten Li Keqiang die Verhandlun-
nötig ist. Zurzeit diskutiert der Bundesrat gung der Interessen der Schweiz hat für mich gen über das Freihandelsabkommen aufge-
über unsere Position bei den Verhandlungen oberste Priorität. In diesem Sinne gilt tat- gleist, das später abgeschlossen werden Personen reisen
mit der EU. Formelle Treffen ergeben insbe- sächlich «Switzerland first». Dazu gehört konnte. Die Stärke von Davos ist der persön- allein aus den USA
sondere dann Sinn, wenn es neue oder kon- auch das Engagement im Rahmen der inter- liche Kontakt. an. Zum Vergleich:
krete Punkte zu besprechen gibt. nationalen Organisationen wie der Uno und Aus der Schweiz
die Einhaltung internationaler Normen, ins- Diese Kontakte muss in der Schweiz jedes Jahr sind 233 und aus
So unverkrampft ist das Verhältnis offensicht- besondere der Menschenrechte. In der Praxis ein neuer Bundespräsident knüpfen. Ist es so Frankreich 93
lich aber nicht: Im Dezember kam es bekannt- heisst das, dass wir Gelegenheiten wie jetzt überhaupt möglich, einen direkten Draht auf Teilnehmer vor Ort.
lich zum offenen Streit mit Brüssel. das WEF nutzen, um unseren Partnern Dauer zu pflegen?

21
Dass die Schweiz von der EU-Kommission unsere Positionen zu erläutern. Die Situation ist weniger dramatisch, als
in Steuerfragen auf eine graue Liste gesetzt es von aussen den Anschein macht. Wir
wurde, ist nicht akzeptabel. Und auch, dass Welche Themen besprechen Sie mit Trump? können uns innerhalb des Kollegiums orga-
die Äquivalenz unserer Börsenaufsicht nur
provisorisch anerkannt wurde, ist unver-
Die Modalitäten des Treffens sind noch in
Diskussion. Ich skizziere hier also bloss mög-
nisieren, damit die Kontinuität gewahrt ist.
Man darf zudem nicht vergessen: Es gibt
%
ständlich und diskriminierend. Wir müssen liche Bezugspunkte: Bilateral haben wir mit auch viele ausländische Mandatsträger, die der Teilnehmer sind
wieder Vertrauen fassen. Ich bin überzeugt, den USA sehr enge wirtschaftliche Beziehun- nicht lange im Amt bleiben. Sehr rasch war weiblich. Bei den
dass beide Seiten an stabilen Beziehungen gen. Schweizer Unternehmen generieren ich auf europäischer Ebene der amtsälteste Frauen beträgt das
und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit direkt eine halbe Million Arbeitsplätze in den Gesundheitsminister. Durchschnittsalter
interessiert sind. USA, indirekt sogar 1,8 Millionen. Finanz- 50, bei den Männern
und Steuerfragen sind daher wohl Thema. Aber international gilt ja schon, dass Präsi- 54 Jahre.
Sind Sie sicher? Auch Frankreichs Präsident denten meist vier Jahre im Amt bleiben. Nur

60
Macron findet keine Zeit für ein Gespräch mit Inwiefern? die Schweiz hat einen Jahresturnus.
Ihnen. Haben wenigstens Bundeskanzlerin Die US-Steuerreform sieht eine substan- Das ist anspruchsvoll – aber machbar. Die
Angela Merkel und Italiens Premier Paolo zielle Senkung der Steuern vor. Das hat Aus- Alternative wäre eine institutionelle Ände-
Gentiloni zugesagt? rung.
Offenbar kennen Sie mein Programm
besser als ich. Ernsthaft: Viele Gespräche Die vielleicht nötig wäre, um unsere Position Treffen plant der
sind noch in Diskussion. Und um es klar zu
Das hat Alain Berset vor zu stärken? Bundesrat. Vor Ort
sagen: Unsere Europapolitik wird nicht in Ich kann nicht in Abrede stellen, dass es sein werden 5 Regie-
Davos gemacht, auch sind wir nicht auf das Der Freiburger SP- Präsidenten Donald manchmal einfacher wäre für einen Bundes- rungsmitglieder –
WEF angewiesen, um Regierungsvertreter Bundesrat steht Trump, Argenti- präsidenten, wenn er länger im Amt wäre. alle ausser Guy
aus der EU zu treffen. Für dieses Jahr sind 2018 als Bundes- niens Präsidenten Aber würde das noch unserer politischen Parmelin und Simo-
hochrangige Treffen mit unseren Nachbar- präsident dem Mauricio Macri, Kultur entsprechen? Das Prinzip der Macht- netta Sommaruga.
ländern geplant; in Österreich war ich schon. Regierungskolle- Indiens Premier teilung geht zurück auf die Gründung des
gium vor. In dieser Narendra Modi und Bundesstaats 1848. Seit Jahrzehnten sind in
Angesichts dieser Ausgangslage wäre es aber Funktion hält er am Israels Regierungs- aller Regel die vier grössten Parteien in den
vermessen, im Europadossier in Davos einen Dienstag eine Rede chef Benjamin Bundesrat eingebunden – das ist eine Stärke
Durchbruch zu erwarten? zur Eröffnung des Netanjahu. Weitere der Schweiz. Die Rotation des Bundespräsi-
Richtig. Das war auch nie das Ziel der World Economic Treffen sind in Pla- diums ist Teil der DNA unseres Landes.
geplanten Treffen. Was wäre denn in ihren Forum. Weiter trifft nung, so mit der
Augen ein Durchbruch? er in Davos Staats- britischen Premier- Was genau finden Sie gut daran?
und Regierungs- ministerin Theresa Es gibt nicht einen Chef, der sagt, wo es
Dass wir endlich wissen, wie es weitergeht. chefs, unter ihnen May und Kanzlerin langgeht. Der Bundesrat funktioniert als
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die glau- den amerikanischen Angela Merkel. (sbü.) Kollegium, wir erörtern bei den wichtigen
ben, der grosse Durchbruch mit Brüssel Dossiers die verschiedenen Ansichten. In

Rahmenabkommen

Neuer Plan: Für Bundesrat Ignazio Cassis


kommt das WEF zu früh: Noch
ist der neue Aussenminister
über das umstrittenen Rahmen-
abkommen ein «Reset», einen
Neuanfang, zu ermöglichen: Die
ist der grosse Unterschied zu den
bisherigen Modellen, über die
Bern und Brüssel seit Jahren
vertritt, einem für die EU und
dem dritten, der von den ersten
beiden ernannt würde.
Privileg. Vielmehr dürfte die EU
weiterhin ihren Vorschlag propa-
gieren, bei dem ein Schieds-
Cassis setzt keine hundert Tage im Amt, noch
hat er seine Ideen in der EU-Poli-
Diskussion über den Europäi-
schen Gerichtshof (EuGH), die
verhandeln.
Zwar würde sich das Bundes-
Noch seien diese Pläne nicht
fertig ausgearbeitet, heisst es;
gericht nicht erst am Ende zum
Zug käme, wenn es um die
auf das tik dem Gesamtbundesrat nicht
vorstellen können. Das Bedauern
«fremden Richter», sei vergiftet,
hatte Cassis vor seiner Wahl
gericht in Prozessen, bei denen
EU-Recht betroffen ist, im Regel-
die Informationen werden auch
nicht offiziell bestätigt. In der
Beurteilung allfälliger Sanktio-
nen geht, sondern bei allen Kon-

Bundesgericht darüber, dass EU-Kommissions-


präsident Jean-Claude Juncker in
erklärt. In diesem Dossier seien
neue Ansätze gefragt.
fall an der bisherigen Rechtspre-
chung des EuGH orientieren. Es
Tat wäre aber mit dieser oder
einer ähnlichen Variante die
flikten im Zusammenhang mit
den Bilateralen überhaupt.
Davos wohl keine Zeit für ein Erstmals zeichnet sich nun ab, wäre aber nicht zwingend an Kritik an den fremden Richtern Kommissionspräsident Jun-
Treffen mit Vertretern des in welche Richtung seine Vor- dessen Auslegungen gebunden: kaum aufrechtzuerhalten. cker hat diese Idee bei seinem
Bundes finden wird, hält sich stellungen zielen: Wie mehrere Im Einzelfall könnte es – als Allerdings ist höchst fraglich, Besuch im November in Bern
daher in Grenzen: Man hätte ihm Quellen bestätigen, arbeiten letzte Instanz – das Schweizer ob die EU-Kommission auf einen dem Bundesrat vorgestellt, als
ohnehin nichts Substanzielles zu Cassis und seine Leute an einer Recht höher gewichten. solchen Vorschlag überhaupt Kompromiss: Immerhin sässe in
sagen gehabt, heisst es. Variante, bei der für Streitigkei- In solchen Fällen soll der EU einginge. Denn erstens liesse dem Schiedsgericht ein Schwei-
Hinter den Kulissen ist Cassis ten im Zusammenhang mit den aber die Möglichkeit eingeräumt sich das von ihr geforderte Ver- zer Richter, anders als im EuGH.
mit seinen Beratern und Diplo- bilateralen Verträgen das Bun- werden, Sanktionen gegen den handlungstempo bei einer so Auf Begeisterung stiess er jedoch
maten allerdings mit Hochdruck desgericht als oberste Instanz Bund zu ergreifen, sagen gut grundsätzlichen Neuausrichtung nicht. Grund für die Skepsis: Das
daran, neue Konzepte für die angerufen werden soll. Und zwar informierte Quellen; in der wohl kaum einhalten. Und zwei- Schiedsgericht wäre verpflichtet,
Weiterentwicklung des bilatera- immer dann, wenn sich ein ent- Diplomatensprache ist von «Aus- tens würde der Bund mit einer Streitfälle im Rahmen des EU-
len Wegs zu entwickeln. Voraus- sprechender Rechtsstreit in der gleichsmassnahmen» die Rede. derartigen Variante nichts weni- Rechts dem EuGH vorzulegen
sichtlich Ende Januar sollen Schweiz abspiele. Der EuGH und Darüber, ob diese angemessen ger verlangen, als dass er das und sich an dessen Gutachten zu
diese im Bundesrat diskutiert seine Richter wären folglich für sind oder zu weit gehen, würde EU-Recht im Bereich der bilate- halten. Junckers Vorschlag sei
werden. Besonders gespannt ist Rechtshändel hierzulande nie schliesslich ein Schiedsgericht ralen Verträge auf seinem Terri- reine Vernebelungstaktik, heisst
man, wie er sein Versprechen zuständig, selbst wenn diese entscheiden, bestehend aus drei torium nach eigenem Gutdünken es deshalb in Bern.
umsetzt, in den Verhandlungen EU-Recht betreffen sollten – das Richtern: einem, der die Schweiz auslegen kann – ein einmaliges Stefan Bühler
11

WEF
2018 «Wir lassen uns
nicht unter Druck
setzen»: Alain
Berset steht in der
Europapolitik auf
die Bremse. (Bern,
18. Januar 2018)

Aber bitte. Jean-Claude


Juncker und ich
sprechen jederzeit
miteinander, wenn es
nötig ist.

vielen Ländern gibt es an den Regierungs­


sitzungen keine solchen Diskussionen.

Bei 150 Geschäften pro Sitzung diskutiert der


Bundesrat aber sicher auch nicht jeden einzel-
nen Punkt.
Zum Glück nicht. Wenn wir uns einig sind,
gibt es nichts zu besprechen. Bei anderen
Punkten diskutieren wir stundenlang. Jedes
Mitglied der Regierung ist in jedes Geschäft
involviert.

Das bedeutet aber zugleich, dass die Opposi-


tion stets mit in der Regierung sitzt. Das zeigt
sich etwa bei Initiativen. So will die SVP mit
ihrer sogenannten Begrenzungsinitiative die
Personenfreizügigkeit aufheben, die Gegen-
seite sieht in der Initiative die Gefahr einer
Kündigung der Bilateralen. Wer hat recht?
Der Initiativtext verlangt eine Verhand­
lungslösung mit der EU innert eines Jahres.
Das ist in so kurzer Zeit sicher kaum erreich­
bar. Darum ja, es ist eigentlich eine Kündi­
gungsinitiative.

Aber sie ermöglicht immerhin eine klärende


Diskussion über unser Verhältnis zur EU, das
finden sogar die Präsidenten von SP, FDP und
CVP. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ich bin froh, haben wir die direkte Demo­
kratie – auch wenn diese manchmal hart sein
kann. Glauben Sie mir: Nach der Ablehnung
der Altersreform 2020 im September habe
ich stark gelitten. Die direkte Demokratie
macht die Schweiz aus, und sie erlaubt ernst­
hafte Debatten über wichtige Fragen.

Das tut doch auch die SVP-Initiative: Sie


nimmt die verbreiteten Sorgen über die Folgen
der Zuwanderung auf.
Diese Sorgen nimmt auch der Bundesrat
ernst, Stichwort flankierende Massnahmen.
Zudem sind die Einwanderungszahlen heute
viel tiefer als auch schon. Man darf nicht
vergessen: Die Leute aus der EU kommen
zum Arbeiten, sie müssen eine Stelle haben.
Wer Probleme wegen der Zuwanderung mit
der Kündigung der Bilateralen lösen will,
schüttet das Kind mit dem Bade aus.

Polizei rechnet mit Grossdemonstration


Der angekündigte Besuch von finden. Die Zürcher Stadtpolizei achten keine intensive Mobilisie­ Aussichtspunkte, von denen aus
PATRICK B. KRÄMER / KEYSTONE

US-Präsident Donald Trump richtet sich laut Medienchef rung für Demonstrationen gegen Spotter – Beobachter von Flug­
Marco Cortesi auf eine vierstellige das WEF. Frauke Distelrath von zeugen – das Geschehen verfol­
in Davos bringt der Polizei viel
Teilnehmerzahl ein. Detailliertere Attac Deutschland etwa sagt, gen, werden voraussichtlich vor­
Arbeit. Sie wappnet sich für Prognosen will er nicht abgeben, sie gehe nicht davon aus, dass übergehend gesperrt.
einen mächtigen Protest. «Die Polizei rechnet mit einer sich nun in «nennenswerter Zahl» Die Kantonspolizei Zürich will
Andreas Schmid grossen Veranstaltung», sagt Cor­ Mitglieder an Protesten in der sich nicht zu ihrer Einsatzplanung
tesi lediglich. Dennoch sei die Schweiz beteiligten. äussern. Sprecher Stefan Oberlin
Organisatoren und Sicherheits­ Kantonspolizei bisher nicht um Neben dem Anlass vom Diens­ führt an, dass das Eintreffen von
kräfte auf der einen sowie Kri­ Unterstützung ersucht worden, tag in Zürich soll am Donnerstag Staatsgästen am Flughafen in
tiker des Weltwirtschaftsforums wie dies für die Kundgebungen in Davos eine Demonstration Kloten nichts Aussergewöhn­
(WEF) auf der anderen Seite: am 1. Mai jeweils geschehe. stattfinden. Die Jungsozialisten liches sei und die Polizei im Um­
Beide Lager bereiten sich intensiv Cortesi betont, dass die Lage­ haben zusammen mit anderen gang damit routiniert sei.
darauf vor, US-Präsident Donald beurteilung laufend angepasst Parteien und Gruppierungen ein US-Präsident Trump kann trotz
Trump zu empfangen. Freundlich und eine rollende Planung vorge­ «Komitee gegen Trumpismus» der Haushaltsperre in Washing­
oder heftig demonstrierend. nommen werde. Die Polizei ana­ gegründet und eine Kund­ ton nach Davos fliegen. Er dürfe
Obwohl die Reise Trumps nach lysiere beispielsweise, ob mit gebungsbewilligung beantragt. weiterhin ins Ausland reisen, das
Davos wegen der gescheiterten einer grösseren Zahl von WEF­ Trifft der US-Präsident wie vor­ gehöre zu seinen verfassungs­
Zwischenfinanzierung des ame­ Gegnern aus Deutschland zu gesehen am Donnerstag ein, will rechtlichen Aufgaben, hiess es
rikanischen Budgets ungewiss rechnen sei, nachdem seit Freitag der Flughafen Zürich am Vor­ am Samstag. Selbst wenn Hun­
ist, geht die Polizei von einem auch das Erscheinen von Bundes­ mittag die Zuschauerterrasse B derttausende Staatsangestellte
grossen Einsatz am Dienstag in kanzlerin Angela Merkel am schliessen. Ebenso soll dies am arbeitslos würden, sei der Präsi­
Zürich aus. Dann wird eine bewil­ Forum bekannt sei. Freitagnachmittag gehandhabt dent nicht betroffen und könne
ligte Demonstration gegen den Globalisierungskritische Orga­ werden, wenn die Delegation auf seine Mitarbeiter und sein
Trump­Besuch am WEF statt­ nisationen in Deutschland beob­ Trumps Vorhut, ein Flugzeug der US Air Force, in Kloten. (14. 1. 2018) wieder abreist. Auch beliebte Flugzeug zugreifen.
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haben die VICAMPO-Experten ihre Favoriten aus- 93 SpitzenwinzerOlivierRamémacht
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Schweiz 13

Leuthard lockt mit noch tieferer SRG-Gebühr


Die Haushaltsabgabe könnte laut der Bundesrätin von 365 auf 300 Franken sinken
Francesco Benini Tarife weiter zu senken.» Bundi werden solle. Im Sinne einer Abstimmung zu beeinflussen. Die

PETER KLAUNZER / KEYSTONE


fügt hinzu, eine Senkung sei ab- wirksamen Reaktion regt Scha- Initianten wollten die Zwangs-
Der Abstimmungskampf um die sehbar, da der Trend weiter auf winski an, dass die SRG-Gebühr gebühren grundsätzlich abschaf-
No-Billag-Initiative ist in vollem eine wachsende Bevölkerung und bei 300 Franken anzusetzen sei. fen, damit der freie Markt spielen
Gang; diese Woche unterhielt sich mehr Haushalte hindeute. Gregor Rutz stellt verwundert könne. Dann werde sich zeigen,
Bundesrätin Doris Leuthard in Offen bleibt aber, wie Leuthard fest, dass die Gebührenhöhe von ob die Konsumenten freiwillig
einem Online-Chat mit Lesern auf den Betrag von 300 Franken 300 Franken eine Reduktion um 300 Franken bezahlten oder ob
des Gratisblatts «20 Minuten» kommt. SVP-Nationalrat Gregor 18 Prozent bedeute, verglichen das immer noch zu viel sei.
über die SRG. Dabei schrieb sie, Rutz spottet, im Ankündigen sei mit den 365 Franken, die ab kom- SP-Nationalrätin Edith Graf-
dass eine Senkung der Haushalts- die Bundesrätin Weltmeisterin. mendem Jahr eingezogen wer- Litscher betont hingegen, es sei
abgabe auf 300 Franken in den Rutz vermutet, dass Leuthard den. Im Bundesparlament seien realistisch, dass die SRG-Gebühr
nächsten fünf Jahren möglich sei. die 300 Franken von Roger Scha- SVP und Grünliberale mit dem durch die Änderung des Systems
Die Medienministerin machte winski übernommen habe. Der Antrag gescheitert, die Gebühren- weiter sinke. Um welchen Betrag,
diese Aussage nur drei Monate, Medienunternehmer und Talk- anteile der SRG auf insgesamt 1,1 sei schwierig zu sagen – Ende
nachdem sie eine Senkung der showmoderator beim Schweizer Milliarden Franken zu plafonie- 2019 wisse man mehr. In
SRG-Gebühr von 451 auf 365 Fernsehen schreibt in einem ren – was eine Reduktion um nur Deutschland wurde der geräte-
Franken pro Jahr bekannt- Buch über «No Billag», dass bei 9 Prozent bedeutet hätte. Die Ab- unabhängige Rundfunkbeitrag
gegeben hatte. Mit der System- Bundesrätin Leuthard kämpft gegen «No Billag». (2018) der SRG jetzt «Blut fliessen» stimmungsdiskussion habe im schon 2013 eingeführt. Die Ein-
umstellung von der geräteabhän- müsse. Auch nach einem Nein am Departement Leuthard offenbar nahmen übertrafen dann die Er-
gigen Gebühr zur Haushaltsab- kommenden 4. März bleibe der ein «Weiterdenken ausgelöst». wartungen recht klar – worauf die
gabe ab dem Jahr 2019 war eine war dann grösser als erwartet. Wind aus den Segeln zu nehmen? öffentliche Rundfunk unter Silvan Amberg vom No-Billag- Gebühr von 17,98 auf 17,5 Euro
Senkung auf einen Betrag ange- Warum spricht Leuthard jetzt be- Ihre Mediensprecherin Annetta Druck, denn die SVP werde wohl Komitee sagt, er habe eigentlich pro Monat und Haushalt gesenkt
kündigt worden, der tiefer als reits von einer noch tieferen Ge- Bundi teilt mit, der Bundesrat ha- eine Volksinitiative lancieren, nur darauf gewartet, dass Doris wurde. Das ergibt einen Rund-
400 Franken liege. Die Reduktion bühr? Tut sie es, um den Befür- be schon im Oktober 2017 fest- wonach die SRG-Haushaltsab- Leuthard eine weitere Gebühren- funkbeitrag von 210 Euro pro
auf 365 – einen Franken pro Tag – wortern von «No Billag» den gehalten: «Ziel wird es sein, die gabe auf 200 Franken gesenkt senkung in Aussicht stelle, um die Jahr, was 245 Franken entspricht.

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Wirte erwägen Austritt aus


Bündner Gewerbeverband
Das Ja zu «No Billag» des tes Mitglied des Gewerbever-
Bündner Gewerbeverbands bands von diesem häufig nicht
mehr vertreten fühle, stelle sich
erzürnt seine grösste
die Frage, ob eine Zugehörigkeit
Mitgliederorganisation, den noch sinnvoll sei. «Wir müssen
kantonalen Gastroverband. uns überlegen, was uns der Ge-
Andreas Schmid werbeverband bringt», sagt Franz
Sepp Caluori.
Der Entscheid des Bündner Ge- Dass in Graubünden die Ja-
werbeverbands sorgt für heftige Parole zur No-Billag-Initiative als
Reaktionen: Er hat die Ja-Parole Landesverrat angesehen werde,
zur No-Billag-Initiative gefasst. sei ihm bewusst gewesen, sagt
Die Stimmempfehlung für den Jürg Michel, Direktor des Ge-
4. März kommt im dreisprachigen werbeverbands. Seit der Parolen-
Tourismuskanton schlecht an. fassung vor zehn Tagen habe er

HvS Zürich
Leserbriefschreiber ereifern sich, denn auch zahlreiche Reaktionen
und der «Südostschweiz»-Ver- erhalten. «Doch das Votum ist
leger Hanspeter Lebrument warf konsequent, denn wir wehren
der Gewerbeorganisation in sei- uns strikt gegen höhere Steuern
ner Zeitung vor, einen antidemo- und Abgaben», hält Michel fest.
kratischen Entscheid gefällt zu Er betont zudem, dass die Ja-
haben. Zudem nehme der Ver- Parole nur knapp gefasst worden
band die Vernichtung von über sei – das Resultat lautete 10:8 –

ia
230 Stellen im Kanton in Kauf. und eine intensive Diskussion

K
Nun schaltet sich auch Gastro zum Ergebnis geführt habe. Eine

ei l folg
Graubünden, der kantonale Stimmfreigabe sei dennoch nicht

m Er
Vor t
Wirteverband, in die Diskussion infrage gekommen. «Wir stehen
ein und bringt seinen Unmut zum zur Mehrheitsmeinung unseres
f t zu
Ausdruck. Franz Sepp Caluori, Vorstands», sagt Michel.
denscha
CVP-Grossrat und Präsident von Im Gegensatz zum Bündner
ei
Gastro Graubünden, fühlt sich Gewerbeverband gab die Aar-
purer L
vom kantonalen Gewerbever- gauer Sektion die Nein-Parole zu
af t und
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band im Stich gelassen. Der «No Billag» heraus. Sie folgte der
Wirteverband, dem 1000 Gastro- Empfehlung des nationalen Ver-
kend
druc
betriebe angehören, sei in jünge- bands, an deren Spitze der Zür-
rer Zeit verschiedentlich anderer cher FDP-Nationalrat Hans-Ulrich
ein
Meinung als der Gewerbeverband Bigler erbittert für ein Ja kämpft,
Mit be
gewesen, so dass ein Austritt dis- nicht. Und im Luzerner Gewerbe-
kutiert werden müsse: «Das ist verband kristallisierte sich keine
eine Option», sagt Caluori. Da klare Mehrheit heraus, so dass er
sich Gastro Graubünden als gröss- Stimmfreigabe beschloss.

Classe politique
Gerhard Pfister, TV-Konsu-
NZZ-PHOTOGRAPHEN-TEAM

ment, schaut weg. Mit seiner


CVP kämpft der Zuger derzeit
gegen die No-Billag-Initiative –
auch mit dem Argument, die
SRG biete Information, die für
eine direkte Demokratie uner-
lässlich sei. In diesem Sinne hat Gerhard Markus
die «Arena» am Freitag über die Pfister Somm
neue Finanzordnung 2021 disku-
tiert, zwar kein Quotenschlager, Markus Somm, Schreibkraft, ist
aber doch eine Abstimmungs- zur Stelle mit einer wertvollen
vorlage vom 4. März. Und was Differenzierung. US-Präsident
schreibt CVP-Chef Pfister nun Trump kam unter Beschuss, weil
dazu? «Wer sich als Zuschauer er Haiti und afrikanische Länder Der neue Kia Stinger. Jetzt bei Ihrem Kia-Partner zum Probefahren.
diese Arena antut, muss ein ganz als «Dreckslöcher» bezeichnet
einsamer Mensch sein, der kei- haben soll. Darauf angespro-
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ten in seinem Leben sinnvoller der «Basler Zeitung» auf Radio 1
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Schweiz 15

Hassreden In Kürze

NURPHOTO / PICTURE ALLIANCE


wuchern Weihnachtslieder

im Internet
für Schüler Pflicht
Ein muslimischer Vater muss
500 Franken Busse bezahlen,
weil seine Kinder nicht an einer
Probe zum Weihnachtssingen
teilnahmen. Das Bezirksgericht
In den sozialen Netzwerken Dietikon habe die Busse des
Statthalteramtes bestätigt,
wimmelt es von rassistischen schreibt der Islamische Zen-
tralrat. Der Prozess fand am
Kommentaren. Fachstellen und Mittwoch statt, doch fällte der
Richter sein Urteil nicht sofort.
Politiker wollen dagegen vorgehen Die Familie akzeptiere das Ver-
dikt nicht und ziehe es mit
Unterstützung des Zentralrats
Andreas Schmid zu melden sowie mit sachlichen vor die nächste Instanz,
Gegenreden auf hasserfüllte schreibt die Organisation. (rd.)
Der Umgangston ist rüde, wie Kommentare zu reagieren.
wenn alltägliche Anstandsregeln Zwischen 2014 und 2016 führ- Entführung in
hier nicht gelten würden. Nutzer ten Hassreden in sozialen Netz-
sozialer Netzwerke wie Facebook, werken zu 63 Verurteilungen
den Thurgau
Twitter und Instagram scheinen wegen Verletzung der Rassismus- Die Thurgauer Polizei hat in der
das Internet als rechtsfreien strafnorm. Zwischen 2010 und Nacht auf Samstag in Arbon
Raum zu betrachten. Muslim- 2013 hatten Schweizer Gerichte am Bodensee eine Entführung
feindliche und antisemitische nur in 5 Fällen Hate Speech im bei der Geldübergabe unblutig
Kommentare sowie Verunglimp- Internet geahndet, wie die Statis- beendet. Das 21-jährige Opfer
fungen von Andersgesinnten sind tik der Eidgenössischen Kommis- war in Winterthur von vier
an der Tagesordnung. sion gegen Rassismus zeigt. Wei- Männern überwältigt und in
Bundesrätinnen werden in tere Entscheide wegen Verun- ein Auto gezerrt worden. Die
Kommentaren von Onlinemedien glimpfungen in Blogs, Kommen- 23- bis 25-jährigen Täter woll-
als Schlampen beschimpft; und taren in Onlinemedien und Chats ten angebliche Schulden von
der jüdische Medienunternehmer seien hier nicht enthalten und mehreren tausend Franken
Roger Schawinski muss sich kämen dazu, betonen Fachleute. eintreiben. Die Entführer
wegen seines Buchs gegen die Sie verweisen zudem darauf, dass wurden verhaftet. (sda)
No-Billag-Initiative über Face- die Zahl der Verurteilungen die
book sagen lassen, er lüge, wie es Dimension des Problems nicht Bahnunterbruch
in seiner Religion erlaubt, wenn wiedergebe, da die Dunkelziffer
nicht sogar vorgeschrieben sei. enorm hoch sei. Die meisten Op-
wegen Lawinen
Aber nicht nur Prominente fer meldeten Beschimpfungen In weiten Teilen der Alpen
sind Opfer von sogenannter Hate nicht, weil sie sich für die Demü- herrscht wegen heftigen
Speech, der Hassrede im Internet. tigungen schämten. Schneefalls grosse Lawinen-
Schwarzafrikaner werden als In Deutschland gilt seit Anfang gefahr. Das Institut für Schnee
Halbaffen bezeichnet, Muslime Jahr ein Gesetz, welches das Lö- und Lawinenforschung hat die
als die Nazis von heute, und eine schen von Beschimpfungen und zweithöchste Gefahrenstufe
Facebook-Kommentatorin for- rassistischen Kommentaren im ausgerufen. Am Samstag-
dert, das «verdammte Saupack Internet durchzusetzen ermög- abend wurde der Bahnverkehr
auszurotten». «Wo bist du, Vater licht. Eine solche Lösung peilt das im Goms bis auf Weiteres ein-
Hitler, jetzt wo wir dich brau- zuständige Bundesamt für Justiz gestellt. Auch zwischen Ander-
chen?», fragt ein Nutzer, ein in der Schweiz nicht an. Spreche- matt und Disentis ist die Bahn-
anderer schreibt, «ein toter Jude rin Ingrid Ryser sagt, die stei- linie unterbrochen. Auch einige
ist ein guter Jude». gende Anzahl von Verurteilungen Strassen sind gesperrt. Die
wegen Kommentaren im Internet Bahnstrecke Visp-Zermatt
Alltäglicher Rassismus zeige, dass sich die bestehenden Demonstrierende in Kanada fordern, dass Hassreden im Internet geahndet werden. (Toronto, 4.3. 2017) wurde wegen eines Stein-
Solche und andere Beispiele rechtlichen Bestimmungen auch schlags unterbrochen. (sda)
kennt Dominic Pugatsch, Ge- auf neue Kommunikationsmittel
schäftsführer der Stiftung gegen anwenden liessen. Statt ein neues müssten ausländische Unterneh- lungsort. Eine nationale Anlauf- Güterabwägung zur Meinungs- 77-jähriger Mann
Rassismus und Antisemitismus Gesetz zu erlassen, will der Bun- men wie Facebook einen Brief- station würde es Betroffenen laut äusserungsfreiheit vornehmen.
(GRA), zu Dutzenden. Wöchent- desrat laut Ryser präventive kasten in der Schweiz einrichten, dem Fachmann wesentlich ver-
erschiesst Frau
lich erhalte er Meldungen zu der- Massnahmen unterstützen, die über den Löschungen von belei- einfachen, sich zu wehren. Mut zur Gegenrede Ein 77-jähriger Mann hat am
artigen Einträgen im Internet, und den Umgang mit sozialen Netz- digenden Einträgen veranlasst Hate Speech sei ein Faust- Daniele Lenzo, Leiter der Fach- Freitagabend seine 73-jährige
regelmässig suchten Menschen, werken beinhalten. Etwa die För- werden könnten. schlag ins Gesicht und keine Mei- stelle für Gewaltprävention der Frau in der gemeinsamen Woh-
die von Verunglimpfungen betrof- derung der Medienkompetenz Dafür plädiert auch Anwalt nungsäusserung, sagt die Genfer Stadt Zürich, trifft ebenfalls ver- nung in Stansstad erschossen.
fen seien, Rat. In einem Flyer gibt bei Kindern und Jugendlichen. Martin Steiger, ein Experte für Rechtsprofessorin Maya Hertig. mehrt auf Opfer von Beschimp- Daraufhin meldete er die Tat
die GRA Handlungsanleitungen, Balthasar Glättli, der grüne Recht im digitalen Raum. Interna- Der Hass verletze die Menschen- fungen im Internet. Er empfiehlt der Polizei. Motiv und Hinter-
wie auf Hasskommentare zu Zürcher Nationalrat, will Mitte tionale Verfahren dauerten viel würde. Weil Hate Speech jedoch ihnen, den oft anonymen Angrei- gründe der Tat sind noch
reagieren und wie damit umzu- Februar in seiner Fraktion die zu lange, begründete Steiger uneinheitlich definiert werde fern mit couragierten Gegen- unklar, schreibt die Kantons-
gehen ist. Die Stiftung empfiehlt, Schaffung eines Zustellungs- gegenüber Blick.ch die Forderung und nicht eindeutig abzugrenzen reden zu begegnen und sie nöti- polizei Nidwalden. (sda)
Vorfälle zu dokumentieren und domizils diskutieren. Damit nach einem Schweizer Zustel- sei, müssten Gerichte stets eine genfalls anzuzeigen.

Ein Schatten liegt über dem Super-Laser


ENNIO LEANZA / KEYSTONE

Am Paul-Scherrer-Institut ist rere Untersuchungen. «Das Paul- PSI zurück. Die Stimmung dort Baroke. «Derzeit gibt es keine
es nach heftigen Vorwürfen Scherrer-Institut hat sich im Som- sei schon länger sehr angespannt Hinweise darauf, dass Mittel aus-
mer bei uns gemeldet und ange- gewesen, sagt ein ehemaliger Mit- serhalb der Forschungstätigkeit
zu Freistellungen gekommen.
zeigt, dass es Untersuchungen arbeiter. Er spricht von Streitig- der Gruppe eingesetzt wurden»,
Das Institut und der ETH-Rat durchführt zu möglichen finan- keiten zwischen Gruppenmitglie- sagt sie. Doch könnten im
haben Verfahren eröffnet. ziellen Unregelmässigkeiten und dern und mit dem Leiter. Moment noch keine abschlies-
René Donzé Vorwürfen betreffend wissen- Die Situation eskalierte im senden Aussagen gemacht wer-
schaftlichen Fehlverhaltens», be- Sommer 2017, nachdem ein dort den, da das Aufsichtsverfahren
Er ist die neuste Vorzeigeanlage stätigt Gian-Andri Casutt, der angestellter Postdoktorand Un- des ETH-Rats noch laufe.
der eidgenössischen Spitzen- Sprecher des ETH-Rats. Der Rat regelmässigkeiten bei mehreren Wie angespannt die Situation
forschung: Der Super-Laser ist Aufsichtsbehörde über den Forschungsarbeiten monierte, an in der Forschungsgruppe war,
Swissfel am Paul-Scherrer-Insti- ETH-Bereich, zu dem neben den denen er selbst, aber auch sein zeigt sich nicht zuletzt auch dar-
tut (PSI) im Würenlinger Wald im ETH in Zürich und Lausanne auch Vorgesetzter beteiligt war. Die an, dass sowohl der Gruppenlei-
Kanton Aargau. Die 740-Meter- vier Forschungsanstalten, unter dazu verfassten wissenschaft- ter als auch zwei Mitarbeiter im
Anlage gehört mit Kosten von 275 ihnen das PSI, gehören. lichen Artikel waren bereits bei Herbst temporär freigestellt wur-
Millionen Franken zu den teuers- «Der ETH-Rat nimmt die ge- einem Wissenschafts-Magazin den, wie mehrere Personen sa-
ten, die der Bund in den letzten meldeten Sachverhalte ernst», zur Publikation eingereicht, aber gen. Dies sei aufgrund der Eskala-
Jahren finanziert hat. sagt Casutt. Darum habe der Rat noch nicht publiziert worden. 740 Meter lang: Röntgenlaser am Paul-Scherrer-Institut. (5. 12. 2016) tion des Konflikts nötig gewesen,
2016 weihte Bundesrat Johann seinerseits in Absprache mit der Derselbe Forscher machte dem sagt PSI-Sprecherin Baroke.
Schneider-Ammann den Freie- Eidgenössischen Finanzkontrolle Vernehmen nach das PSI zusätz- Mit der Aufnahme des Regel-
Elektronen-Röntgenlaser ein; An- ebenfalls ein Aufsichtsverfahren lich noch darauf aufmerksam, der laufenden Untersuchungen nachgegangen», sagt PSI-Spre- betriebs des Swissfel Anfang Jahr
fang dieses Jahres nahm die An- eröffnet. Nähere Angaben wür- dass die Beschaffung von Mate- nicht äussern. Mehrere Quellen cherin Dagmar Baroke. So wurde wurde auch die betroffene Grup-
lage den Regelbetrieb auf. Der den wegen der laufenden Verfah- rialien durch seinen Vorgesetzten bestätigen aber, dass entspre- eine Kommission eingesetzt, die pe reorganisiert. Das sei laut PSI
Laser kann extrem schnelle Vor- ren keine gemacht. Auch das PSI teilweise nicht korrekt abge- chende Meldungen gemacht wur- der angeblichen Verletzung der schon von Beginn weg geplant ge-
gänge, etwa in Molekülen, fil- bestätigt, dass mehrere Unter- wickelt worden sei. Unter ande- den – sowohl intern als auch Integrität in der Forschung nach- wesen. Der Postdoktorand, der
men. Vergleichbare Anlagen gibt suchungen im Gange sind. rem seien Einkäufe für den Bau gegenüber dem ETH-Rat, der geht. Die Untersuchung steht mit seinen Meldungen die Unter-
es weltweit bloss vier. Wie Recherchen der «NZZ am von Swissfel getätigt, dann aber Ombudsstelle und der Eidgenös- kurz vor dem Abschluss. Gleich- suchungen auslöste, ist nicht
Überschattet wird dieser für Sonntag» ergeben haben, gehen für andere Projekte innerhalb der sischen Finanzkontrolle. zeitig habe man sämtliche Ein- mehr für das PSI tätig. Sein befris-
das PSI grosse Moment durch diese Verfahren auf Probleme in Gruppe genutzt worden. Der «Wir haben rasch reagiert und käufe der betreffenden Gruppe teter Vertrag lief Ende Jahr aus
einen Arbeitskonflikt sowie meh- einer der Forschungsgruppen am Postdoktorand darf sich aufgrund sind den Hinweisen umgehend unter die Lupe genommen, sagt und wurde nicht mehr erneuert.
Weil Selbstgemachtes
am besten schmeckt:
Eistee aus meinem Laden.
Migros-Besitzer Yannick D.

Die Migros gehört den Leuten.


Deshalb trifft sie den Geschmack der Schweizer Bevölkerung wie kein anderer.
Mit rund 10 000 Produkten, die die Migros selber in der Schweiz herstellt.
migros.ch/besitzer
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Das Volk spricht Der Chef spricht Der Berg spricht

REUTERS
Schweizer und ihre Der SRG-Direktor Nordkorea und sein
Hassliebe zur SRG 22 plant Reformen 24 heiliger Gipfel 25

Die Sozialdemokraten streiten


über die falschen Fragen

S
oll sie Deutschland künftig mit- weit über einer Million Flüchtlingen einen Grenzen zur EU und des Zustroms vieler
regieren? Oder in der Opposition Teil ihrer Wählerschaft überfordert hat, Ausländer angenommen. Die SP konnte das
sitzen? Die SPD macht aus dieser scheint die SPD nicht zu stören. Unbehagen in der Bevölkerung nicht dämp-
Frage eine Entscheidung über Die Partei will auch mehr Europa, mehr fen. Da halfen auch keine flankierenden
Sein oder Nichtsein. Vier weitere Integration. Auch hier geht es ihr darum, Massnahmen. Ein Grossteil der Arbeiter und
Jahre in einer grossen Koalition eine grenzenlose Welt zu fördern, Internatio- Dem einen einfachen Angestellten ist auch hier längst
mit Angela Merkels CDU würden die Partei in nalismus zu propagieren. Denn das hehre oder anderen von der SP zur SVP übergelaufen.
den Abgrund führen, meinen die einen. Ziel der Sozialdemokraten ist es heute, um es Linken blieb Die SPD und die Sozialdemokraten in
Regierungsverantwortung wahrzunehmen, mit SPD-Chef Martin Schulz zu formulieren: Europa müssen um ihre Zukunft fürchten
das Lachen
In Deutschland verzweifelt die sei die einzige Alternative vor einem grösse- «Das Leben der Menschen national und
wohl im Hals
– in Frankreich und in den Niederlanden sind
ren Absturz, glauben die andern. international ein Stück besser zu machen.» sie schon heute blosse Randerscheinungen.
SPD schier an der Frage, ob sie Beide Lager liegen in ihrer Analyse falsch. Das zeugt von Blindheit gegenüber der Basis stecken: der In den Reihen der Sozialdemokraten voll-
mit den Konservativen noch Es spielt keine Rolle, was die Genossen an im Heimatland. einfache zieht sich zurzeit das, was sie in den Städten
diesem Sonntag am Parteitag in Bonn ent- In Deutschland hat die Masse von Flücht- Arbeiter, eine Europas bekämpfen: eine Gentrifizierung.
einmal eine Regierung bilden scheiden. Die Zukunft der SPD wird davon lingen zur Eskalation geführt. In England Urbane, gut gebildete und oft gutverdie-
nicht abhängen. Es ist zudem kurzsichtig, die waren es über eine Million Polen, die mit der aussterbende nende Beamte, Lehrer, Akademiker verdrän-
will. Für die Zukunft der historische Niederlage bei den Wahlen im Personenfreizügigkeit auf die Insel strömten Spezies in gen die kleinen Leute. Viele einfache Bürger
Sozialdemokraten ist der vergangenen Herbst Merkel anzulasten. Die und nach Arbeit suchten. Labour hat die der Arbeiter- fühlen sich in der Sozialdemokratie nicht
Entscheid irrelevant, Bundeskanzlerin rückte in der Grossen Koali- Massenzuwanderung gestützt, jedoch die partei. mehr wohl. Das zeigte eine Szene, die sich in
tion stets nach links und setzte linke Politik Arbeiterschaft und die sozial Schwachen, die der englischen Küstenstadt Brighton ereig-
schreibt Gordana Mijuk um. Dass die SPD davon nicht profitierte, hat sich immer mehr bedroht fühlten, nicht zu net hat, wo vergangenen Herbst Labour
andere Gründe. beschützen vermocht. Genau das wäre einen Parteitag durchführte. An einer Veran-
Die Partei ist bei den Wahlen abgestürzt, jedoch ihre angestammte Aufgabe gewesen. staltung zur Frage, wie man sich wieder der
weil sie ständig von Gerechtigkeit sprach, Die ungebremste Zuwanderung hat zum Arbeiterklasse annähern könne, stand plötz-
aus der Sicht vieler SPD-Wähler aber nichts Brexit und zum Erfolg der populistischen lich die 57-jährige Cheryl Barrott aus York-
gegen den Ansturm der Flüchtlinge tat. Für Rechtsaussenpartei Ukip geführt. shire in Nordengland auf und sagte laut
wessen Recht und welche Gerechtigkeit Die Sozialdemokratie in Europa kann einem Bericht der «Financial Times» den
kämpft denn die SPD?, fragten sich viele an nicht offene Grenzen befürworten und den Parteimitgliedern: «Ich fühle mich hier nicht
der Basis. Wer bezahlt die Rechnung für die Traum universeller Gerechtigkeit träumen willkommen. Ich bin zwar unter euch, aber
Flüchtlinge? Gerechtigkeit braucht einen Ort. und gleichzeitig so tun, als sei sie für die nicht Teil von euch.» Sie vermute, dass jeden
Viele Stammwähler liefen der SPD davon, Arbeiterschicht und die sozial Schwachen in Moment der berühmte Tierfilmer David
direkt in die Arme der fremdenfeindlichen ihrem Land da. Seit der Finanzkrise hat sich Attenborough in den Raum platzen werde
Alternative für Deutschland (AfD). Nicht die Schere zwischen Reich und Arm geöff- und sie, ein Mitglied der Arbeiterklasse,
weil sie fremdenfeindlich sind, sondern net. Unter die Räder kam im Zug der Globali- filmen werde als exotische Seltenheit. Die
weil sie sich alleingelassen fühlen. Der Auf- sierung der vergangenen Jahre die untere Leute im Saal lachten über den Auftritt, auch
stieg der AfD spiegelt den Niedergang der Mittelschicht in industrialisierten Ländern. wenn dem einen oder anderen Linken das
Sozialdemokratie. Daran konnten auch sozialdemokratische Lachen wohl im Hals steckenblieb: der ein-
Und obwohl dies auch der SPD klar sein Parolen gegen Abzocker nichts ausrichten. fache Arbeiter, eine aussterbende Spezies in
müsste, sträubt sie sich bis jetzt mit Händen Linke Politik ist in einer globalisierten Welt der Arbeiterpartei.
und Füssen gegen eine Obergrenze in der nicht möglich. Ein Sozialstaat braucht Gren- In ihrem Kampf für eine gerechtere Welt
Flüchtlingsfrage. Sie würde am liebsten noch zen und Solidarität. sind die Sozialdemokraten daran, ihre Wur-
mehr Flüchtlinge ins Land lassen und noch Auch in der Schweiz wurde die Massen- zeln und ihre Inhalte zu verlieren. Darüber
mehr Menschen in Not helfen. Dass sie mit einwanderungsinitiative wegen der offenen sollten sie sich die Köpfe heiss reden.

Sie wusste
D
ie erste Frau, die einen drei- Kerrigan verpasst die US-Meisterschaften. Darauf hatte Harding die Adresse von Kerri-
fachen Axel stand, war die Davon profitiert die ein Jahr jüngere Rivalin gans Trainingshalle notiert, ihre Schrift liess
Japanerin Midori Ito. Niemand Harding, die sich mit ihrem Sieg für die sich identifizieren. Angeblich – und auch der

es doch würde das bestreiten. Ausser


vielleicht Tonya Harding. Sie
besitze eine Videoaufnahme, Hier die blonde
Olympiade qualifiziert. Nur weil man eine
Ausnahme macht, darf Kerrigan, deren Ver-
letzung leichter ist als befürchtet, ebenfalls
neue Film folgt dieser These – gab Harding
ihrem Ex-Mann die Notiz, damit dieser einen
Drohbrief an Kerrigan schreiben konnte. Das
behauptete sie einmal, auf der sie 1987 bei Harding, stets in Lillehammer starten. Sie holt Silber. Har- hiesse, dass Harding, die sich stets völlig
einem Axel zu sehen sei. Das wäre ein Jahr fluchend und ding dagegen landet auf Rang acht. ahnungslos gab, eben doch geholfen hatte,
Tonya Harding, ehemalige vor Ito gewesen. Leider zählt nur, was an
rauchend. Dort Die Täter sind rasch gefasst. Hardings jedoch im Glauben, ihr Ex-Mann verschicke
Wettkämpfen gezeigt wird. Immerhin war Ex-Mann Jeff Gillooly und drei Kumpanen, einen Drohbrief – was schlimm genug wäre.
Eiskunstläuferin, hat ihre Rolle Harding später die erste Amerikanerin. Weiss die brünette darunter jener, der Kerrigan geschlagen hatte Harding erhielt eine Bewährungsstrafe,
beim Angriff auf ihre Rivalin das noch jemand? Wer ihren Namen hört, Kerrigan, und sich dafür bezahlen liess, müssen ins nicht als Komplizin, sondern weil sie die
denkt an etwas anderes: an eines der nieder- elegant und Gefängnis. Natürlich kommt der Verdacht Ermittlungen behindert hatte. Sie schwieg
stets kleingeredet. Nun kommt trächtigsten Verbrechen der Sportgeschichte. vornehm. auf, Harding habe mitgeholfen oder gar den nämlich, obwohl ihr zumindest nach der Tat
Über die Rivalität zwischen Tonya Harding Auftrag erteilt. Dafür sprach etwa ein Brief- sofort klar sein musste, wer dahintersteckt.
das Drama ins Kino – und sie und Nancy Kerrigan, die im Anschlag auf umschlag, der im Abfall gefunden wurde. Der Eiskunstlaufverband sperrte Harding
gibt erstmals zu, vor der Tat Kerrigans Knie gipfelte, ist alles gesagt. Und lebenslang, ihre Karriere war vorbei. Sie geht
doch wird die Geschichte immer neu erzählt. bis heute gelegentlich aufs Eis, ein paar
etwas gewusst zu haben. Ein abgründiger Zickenkrieg in der trügeri- Sprünge kann sie noch. Aber das tut sie nur
Von Daniel Meier schen Strahlewelt des Eiskunstlaufs mit für sich. Nach dem Skandal arbeitete sie
klar verteilten Rollen: Eishexe gegen Eisprin- zunächst als Boxerin, später als Landschafts-
zessin. Hier die blonde, muskulöse Harding, gärtnerin, Schweisserin und Anstreicherin.
stets fluchend und rauchend, in ihrem Bizarre Vorfälle brachten sie zurück in die
selbstgenähten Kleidchen. Dort die brünette Schlagzeilen. Ein Sexvideo tauchte auf, das
Kerrigan, elegant, allseits beliebt, irgendwie Gillooly gedreht und verkauft hatte. Einmal
vornehm, obwohl auch sie nicht reich war. soll sie entführt worden sein. Mit ihrem
Nun wird das Drama im Kino aufgeführt. dritten Mann und dem sechsjährigen Sohn
Gefragt wie sie «I, Tonya», den Spielfilm über lebt sie im Nordwesten der USA, nicht weit
ihr Leben, finde, sagte Harding, 47: «Gross- von Portland, wo sie aufgewachsen ist und
artig!» Was hat ihr so gefallen? Die Bilder von als Dreijährige mit Eiskunstlaufen anfing.
ihren Siegen? Hofft sie wegen der Szenen, in Seit dem Anschlag trat Harding in Fern-
denen sie von ihrer Mutter und später von sehfilmen auf, war bei Oprah Winfrey im TV,
ihrem Mann geschlagen wird, auf mildernde gab ein Buch heraus. Dieser Tage darf sie
Umstände? Gibt sie uns zu verstehen, dass dank dem Film wieder ihre Sicht schildern.
endlich ihre wahre Rolle bei der Attacke Die Haare sind so blond, die Sätze so rau wie
gezeigt werde? Das nämlich bleibt ein Rätsel. immer. Erstmals gestand sie in einem Inter-
Fest steht, dass am 6. Januar 1994 die view, sie habe vor der Tat mitgehört, wie ihr
damals 24-jährige Kerrigan in Detroit ange- Ex-Mann mit Freunden darüber sprach,
griffen wurde. Sie hatte ihr Training beendet «jemanden aus dem Wettkampf zu nehmen».
und stakste in den Schlittschuhen durch die Als wäre es kein Widerspruch zu all ihren
Katakomben der Eishalle, als sich ihr ein Beteuerungen, nichts gewusst zu haben,
Mann näherte. Mit einer Stange schlug er berichtete sie, sie habe den Ex-Mann damals
SANDRA NIEMANN

einmal gezielt auf ihr rechtes Knie. TV-Bilder gefragt: «Was zum Teufel redet ihr da?»
zeigen, wie Kerrigan am Boden liegt, Helfer Seit 24 Jahren erzählt Harding ihre
eilen herbei. Sie schreit: «Warum? Warum?» Geschichte anders. Besser wird sie nicht.
18 Meinungen NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

Die Schweiz

ILLUSTRATION: GABI KOPP


für Expats?
Viel normaler, Showdown

als sie meint


Stefan Bühler

D
onald Trump erkennt einen
Löwen, ein Nashorn und ein
Dromedar. Er kann einen
Würfel abzeichnen, hört in
einer Buchstabenfolge den
Kaum jemand denkt so Buchstaben A problemlos
heraus und kann sich kurze Sätze einprä-

viel über ihr Bild im Ausland gen. Er ist in der Lage, von 100 in Siebner-
schritten rückwärts zu zählen, kann Fahr-

nach wie die Schweizerinnen rad und Eisenbahn als Fahrzeuge benen-
nen und in einer Minute mindestens elf
Wörter mit dem Anfangsbuchstaben F
und Schweizer aufzählen: Der US-Präsident hat den soge-
nannten Moca-Test fehlerfrei bestanden,
was seinen Arzt darauf schliessen liess, er
Schweiz im Ausland immer schon einen ähnlichen Nachbarn der Schweiz – Deutsch- sei «geistig sehr klar».
negativen Ruf, wie mehrere Stimmen bele- land, Österreich oder Frankreich – bei der Als diese Nachricht diese Woche das
gen: Laut dem Historiker Georg Kreis wird Unfreundlichkeit oder den mangelnden untere Gürbetal erreichte, haben wir auf-
den Schweizerinnen neben Kleinlichkeit, Freundschaften mit Einheimischen genauso geatmet. Nicht nur, weil wir geistige Klar-
Humorlosigkeit, Pharisäertum und Introver- schlecht ab. Zweitens entlarvt die Studie heit bei einer Person, die den grösseren
tiertheit auch Fremdenfeindlichkeit beschei- Für Monika grosse kulturelle Unterschiede zwischen Atomknopf besitzt als der nordkoreani-
nigt. Dies sei eine Folge der Überfremdungs- Maron ist verschiedenen Expats. Sind Schweizer Fach- sche Diktator, prinzipiell begrüssen. Nein,
Katja Rost initiativen seit den siebziger Jahren. Bereits die Schweiz kräfte selbst Expats, so integrieren sie sich Trumps Moca-Resultat bestätigte uns
1928 hatte Graf Hermann Keyserling schnell ausserhalb ihrer Heimat. Hingegen auch in unserer Schulpolitik, denn im
eine reiche

I
geschrieben, die Schweiz sei rassistisch und finden deutsche oder amerikanische Fach- unteren Gürbetal unterrichten wir nach
m Sommer gehen wir jeweils gerne in erhebe den Anspruch, Vorbild für die ganze DDR: «Eng, kräfte – die zwei grössten Gruppen in der dem Lehrplan 21. Und dieser nennt unter
den Biergarten des Restaurants «Sonne» Welt zu sein. Die ostdeutsche Schriftstellerin miefig, Schweiz – auch anderswo oft keinen anderen folgende Lernziele: «Die Schüle-
in Küsnacht. Der See glitzert. Die Atmo- Monika Maron formulierte es 1987 besonders kleinlich». Anschluss. Drittens gibt es Fremdenfeind- rinnen und Schüler können im Zahlen-
sphäre ist entspannt. Kinder sind will- drastisch. Für sie ist die Schweiz eine reiche lichkeit nicht nur in der Schweiz. An Öster- raum bis 100 von beliebigen Zahlen aus
kommen. So wie uns geht es vielen ausländi- DDR: «Eng, miefig, kleinlich». Diese Fremd- reichs Universitäten ist von «Deutschen- vorwärts und rückwärts zählen.» Sie
schen Fachkräften. Im Biergarten spricht bilder stimmen durchaus mit dem kritischen schwemme» die Rede. Die Zahl der «Piefkes», können «die Aufsicht von Würfelge-
man Hochdeutsch und Englisch. Schweizer- Selbstbild überein, das einige Schweizerin- wie die Deutschen in Österreich despektier- bäuden (...) zeichnen», «Zuordnungen
deutsch hört man hingegen selten. Ist dies nen von sich selbst haben. lich genannt werden, soll begrenzt werden. von Pflanzen und Tieren mithilfe ihrer
ein Indiz dafür, dass Expats in der Schweiz Allerdings gibt es kein Land, dass im Aus- Kurz: Die Schweiz ist unter Expats sicher Merkmale vornehmen» und «einzelne
keinen Anschluss finden? Dass sie unter land ausschliesslich positiv gesehen wird. nicht die beliebteste Destination. Ihre Nach- Buchstaben wiedererkennen». Kurzum:
sich bleiben müssen? Zudem besteht gerade in der Schweiz ein barländer sind es aber auch nicht. Letztere Nahezu alle Fragen des Moca-Tests sind
Tatsächlich kommt eine Studie des Expat- besonders grosses Bedürfnis, sich selbst und beschäftigen sich nur nicht so sehr mit der bei uns Schulstoff. Und dies nicht erst an
Netzwerks InterNations zum Ergebnis, den anderen zu erklären, wer man sei. Den Frage, was andere von ihnen denken. Nicht der Uni, sondern schon auf der Unter-
70 Prozent der ausländischen Fachkräfte in Grund für dieses schweizerische Reflektieren die Fremdenfeindlichkeit, sondern die Refle- stufe: Alle erwähnten Lernziele gelten bei
der Schweiz hätten Schwierigkeiten, benennt der Schriftsteller Kurt Marti: Vor xion darüber ist eine Schweizer Eigenheit. uns für die erste und die zweite Klasse.
Freunde zu finden. 50 Prozent seien vor allem kleine Länder sind überdurchschnitt- Selbstbetrachtung hilft bekanntlich, die Trump hat mit dem Moca-Test also
allem mit anderen Expats befreundet. 30 lich vom Ausland abhängig und müssen des- Dinge zu verändern. Vielleicht wird die nicht nur seine geistige Klarheit bewiesen.
Prozent nähmen die Schweizerinnen als wegen auf ihren guten Ruf achten. Könnte es Schweiz ja bald herzlicher zu ihren Expats. Er hat nebenbei auch den Nachweis
unfreundlich wahr. Hierzu passend spricht also sein, dass die Schweiz gar nicht frem- Dann blühen diese auf, entdecken das dolce erbracht, dass er bei uns bereits in die dritte
der Journalist David Torcasso wenig schmei- denfeindlicher ist als vergleichbare Länder? vita hierzulande. Und werden die Schweiz Klasse übertreten dürfte und dass folglich
chelhaft von «Streber-Ausländern». Seiner Sondern dass sie nur besonders ausgiebig bald mehr lieben als deren Nachbarn. jeder Bewohner des unteren Gürbetals
Meinung nach haben Expats nur ihre Kar- darüber diskutiert? Drei Beobachtungen nach der zweiten Klasse grundsätzlich zum
riere im Sinn und gefährden damit das dolce erhärten diese These: Erstens schneiden in Katja Rost ist Soziologieprofessorin an der amerikanischen Präsidenten taugt.
vita in der Schweiz. Handkehrum hatte die der erwähnten Expat-Studie die kulturell Universität Zürich.

Medienkritik Grenzerfahrung

Wie die «Republik» ihren Penalty verschoss Ein Mythos verblasst


essant findet und für später auf die Seite tungen, gerade auch bei Derbys mit dem
legt (und dann niemals liest). Diese Tempe- Erzfeind Lugano. Doch was am letzten Sonn-
ratur hinzukriegen, ist etwas vom Schwie- tag im Spiel gegen Lausanne passierte, ging
rigsten überhaupt, und jede Redaktion weit darüber hinaus. Die Fans der Klubs
scheitert ab und an daran. Aber wer es auf gerieten sich in die Haare, angeblich hätten
Dauer nicht schafft, driftet in die Beliebig- die Anhänger von Lausanne angefangen. Ob
keit ab und wird zu einem Dozentenfoyer das zutrifft, werden Polizei und Staats-
oder zu einem Kuriositätenkabinett. anwaltschaft untersuchen.
Michael Furger Temperatur gewinnt man mit einem
Barbara Hofmann Es war ein Nachmittagsspiel, und deshalb

D
Primeur oder mit einer herausragenden waren auch Dutzende von Familien mit Kin-
Übers Wasser laufen können sie dann doch Story zu einem aktuellen Thema. Ja, Aktua- er Eishockeyverein HC Ambri- dern in der Valascia, wie das Stadion heisst.
nicht, die Kolleginnen und Kollegen der lität ist relevant, auch wenn man keine Piotta – kurz: Ambri – gilt als Dann flogen plötzlich Rauchbomben, Petar-
«Republik». Das Online-Magazin ist nach Nachrichtenschleuder sein will. Jeder Leser Mythos. Dieser bildet eine kraft- den und andere Gegenstände. Die Einrich-
vielen Monaten der Selbstbeweihräuche- lebt im Hier und Jetzt. Einen herausragen- volle Erzählung über Menschen an tung in der Halle wurde schwer beschädigt,
rung diese Woche gestartet – und hat Jour- den Text gab es diese Woche bei der «Repu- einem bestimmten Ort. Im Norden des Kan- das Leben der Kinder war bei den Ausschrei-
nalismus geliefert. Ganz normalen, soliden Gute Medien blik», eine Reportage über das gespaltene tons Tessin ist das besonders wichtig. tungen in Gefahr.
Journalismus. Wer hätte das gedacht? schaffen es, Amerika. Keine brandneue Idee, aber aus- Die Leventina serbelt. Die Region wird Die Mannschaft will darum am 18. Februar
Und die Republikaner haben auch gleich Geschichten gezeichnet umgesetzt. Einige andere waren meist übergangen, nicht erst seit Inbetrieb- vorab Kinder zu einem öffentlichen Training
ihre erste Pleite eingefahren. Aber der alter Käse. Der wahrscheinlich dreihun- nahme der Neat. Sie kämpft verzweifelt ums mit Zvieri einladen. Der Anlass soll zu einem
Reihe nach: Für guten Journalismus
zu setzen, dertste Artikel über die Digitalisierung, die Überleben und braucht darum ihre Mythen. von den Spielern unterstützten Fest gegen
müssen grob gesagt zwei Voraussetzungen die heiss sind. vielleicht doch nicht so viele Jobs killt wie Etwa den Eishockeyclub Ambri, der bisher die Angst werden, sagte Ambris Präsident,
erfüllt sein. Es braucht erstens gute Journa- befürchtet. Temperatur: am Gefrierpunkt. nicht nur das Selbstbewusstsein der Leventi- der Ständerat Filippo Lombardi. Zudem
listen. Leute, die präzis recherchieren, klug Ihre heisseste Story hat die «Republik» ner stärkte, sondern auch das der weniger sollen kommende Saison die beiden geplan-
nachdenken und griffig schreiben können. dafür verpasst. Das Drama um die schwei- gut Betuchten im übrigen Tessin. ten Nachmittagsspiele aus Sicherheitsgrün-
Gute Journalisten gibt es einige in diesem zerische Nachrichtenagentur SDA passt Ambri stand immer wieder kurz vor dem den vor leerem Gästesektor ausgetragen
Land. Wer anständige Löhne bezahlt – und perfekt ins Weltbild und in die Ansprüche grossen Durchbruch – und stürzte dann werden. Ein Novum im Schweizer Eishockey.
das kann die «Republik» mit ihrer prall- der Redaktion. Die angeblich bösen Ver- erneut ab. Man kaufte Spieler mit grossem Ambri ist letzten Sonntag knapp an einer
gefüllten Kasse –, bekommt solche Leute. lage, welche die seriöse Faktenfabrik aus Namen und verdrängte, dass diese am Ende Katastrophe vorbeigeschlittert. Ob schuldig
Und so ist es auch. Es arbeiten gute Journa- ökonomischen Interessen zugrunde reiten. ihrer Karriere standen. Wer Karriere machen oder unschuldig: Der Mythos Ambri ver-
listen bei der «Republik». Helden, Schurken, Geld und finstere Pläne. will, geht nicht zu Ambri. Trotzdem standen blasst, Ambri wird zum mittelmässigen Klub,
Die zweite Voraussetzung ist schwieri- Alles, was sich die «Republik» hochtrabend die Fans stets zu ihrem Verein. Der Mythos der es immer wieder knapp in die Play-offs
ger: Es braucht gute Themen, besser auf die Fahne geschrieben hat, steckt drin. der rebellischen Jugend in der Curva Sud, die schafft. Das Ambri, das der Klub für viele
gesagt: Leute, die ein Gespür haben für die Doch die SDA-Story hat am Samstag der mit der Hymne «La Montanara», Che Gue- Tessiner Familien war, existiert nicht mehr.
Temperatur von Themen. Gute Medien «Tages-Anzeiger» gemacht und damit die vara und Fackelinszenierungen auf sich auf- Denn jetzt werden die Spiele auch in der
schaffen es, Geschichten zu setzen, die Kollegen abgetrocknet. Die «Republik» erhielt merksam machte, half dem Klub, Geld zu Valascia zum Sicherheitsrisiko.
heiss sind, sprich: die man sofort lesen will, gleich in ihrer ersten Woche einen Penalty, verdienen. Jeder Schweizer Eishockey-Fan
und nicht solche, die man noch ganz inter- und hat nicht einmal das Tor gefunden. liebte diese Kulisse. Es gab zwar bei den Barbara Hofmann ist Korrespondentin für
Spielen von Ambri immer wieder Ausschrei- deutschsprachige Medien im Tessin.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Meinungen 19

Chappatte

USA
Heruntergekommenes
Washington
Dass der amerikanische Staat in der Nacht auf Samstag
temporär dicht machte, passt ins erste Chaosjahr von
Präsident Donald Trump. Und natürlich ist die Ver-
suchung gross, ihm auch dafür den schwarzen Peter
zuzuschieben. Vergangene Woche ist ein möglicher
Budgetdeal zwischen Republikanern und Demokraten
zerbröselt, nachdem ihn Trump mit seinem bereits
notorischen Votum zu «Dreckloch-Staaten» als zu immi-
grationsfreundlich kritisiert hatte. Nur: Das Gefeilsche
um die Zwischenfinanzierungen des US-Haushalts bis
zur letzten Sekunde wurde zur Spezialität des US-Kon-
gresses, lange bevor Trump nach Washington gekom-
men ist. In der Vergangenheit waren es in erster Linie
die Republikaner, die unter demokratischen Präsiden-
ten sachfremde politische Forderungen an kurzfristige
Finanzierungsbeschlüsse hängten. Und es genüsslich in
Kauf nahmen, wenn der Staat zumachen musste. Dieses
Mal sind es die Demokraten, die sich im polarisierten
Washington mit keinem anderen Mittel als der temporä-
ren Stilllegung des Staates zu helfen wissen. Sie gehen
davon aus, dass die Wähler die Episode im schwindel-
erregenden Nachrichtenzyklus unter Präsident Trump
schnell vergessen werden. Beides ist ein krasser Aus-
druck davon, wie heruntergekommen die amerikani- Der externe Standpunkt
sche Innenpolitik geworden ist. (azu.)

Verkehr Wie sich Forscherinnen und Forscher


Der Konflikt zwischen Bahn und
Auto ist Geschichte – zum Glück politisch mehr einmischen
Bundesrätin Doris Leuthard stellte diese Woche Erwei-
terungsprojekte im Umfang von 13,5 Milliarden Franken Gesellschaftliches Engagement gehört nicht zu den Kernaufgaben von
auf dem Schweizer Nationalstrassennetz vor. Die Pro-
teste von Umweltverbänden blieben verhalten, denn
Wissenschaftern und birgt persönliche Risiken. Gerade darum sollten
die Ausbauten sind eine Folge des Nationalstrassen- es die Universitäten fördern, findet Servan Grüninger
und Agglomerationsverkehrs-Fonds, dem Volk und

W
Stände vor einem Jahr zugestimmt haben. Ausserdem
issenschafter mussten sich im ein Eigenleben entwickeln, sie aus dem der Wissenschaften in den kommenden
ist es klar, dass die Bahninfrastruktur überfordert wäre, vergangenen Jahr viel anhören. Zusammenhang gerissen, verfälscht, miss- Jahren und Jahrzehnten bestimmen werden.
würden viele Autolenker in kurzer Zeit auf den Zug Sie sollen weniger dozieren, braucht oder gar gegen ihre Urheber verwen- Doch wer befürchten muss, mit seinem
wechseln – schon jetzt sind die vielen Pannen auf dem sich mehr einmischen oder es det werden. gesellschaftlichen Engagement die eigene
genauso machen wie bisher – einfach viel Widerstand droht einem gesellschaftlich wissenschaftliche Arbeit zu torpedieren,
Netz der SBB ein Ärgernis. Die Debatte um den Verkehr besser. In einer Zeit, in der Antiintellektualis- engagierten Wissenschafter aber auch aus überlegt es sich zweimal, ob er sich in der
wird in der Schweiz viel weniger ideologisch geführt als mus und selektive Faktenfeindlichkeit an der den eigenen Reihen. Wer sich nicht nur aka- Öffentlichkeit äussern soll.
in früheren Zeiten. Das Volk stimmte zwei neuen, politischen Tagesordnung sind, scheinen demisch, sondern auch öffentlich zu Wort Ein Rückzug von Wissenschafterinnen
wissenschaftliches Denken, Faktentreue und meldet, wird bei seinen Forschungskollegin- und Wissenschaftern aus der öffentlichen
langen Bahntunnels durch die Alpen zu – und später Differenziertheit gefragter denn je. nen und -kollegen nicht unbedingt auf Wohl- Debatte wäre jedoch fatal. Ein Blick auf die
auch einer zweiten Autoröhre am Gotthard. Anders ist Doch die Forderung nach mehr wissen- wollen stossen. Gastbeiträge in Zeitungen, globalen Entwicklungen im Allgemeinen und
das wachsende Mobilitätsbedürfnis einer Bevölkerung, schaftlicher Intervention in der Öffentlich- Diskussionen auf Internetplattformen oder auf die USA im Besonderen zeigt, was wir
keit ist zweischneidig – besonders für Wis- die Mitarbeit an politischen Lösungen brin- davon haben, wenn Wissenschaft und Politik
die inzwischen 8,4 Millionen Menschen umfasst, nicht
senschafter selbst. Auf der einen Seite wird gen dem wissenschaftlichen Ansehen im gegeneinander statt miteinander arbeiten:
zu bewältigen. Negativ ist einzig, wie lange die Planung von ihnen verlangt, dass sie sich gesell- besten Fall wenig. Im schlimmsten Fall sind im besten Fall nichts, sonst Trump.
und die Ausführung grösserer Bauprojekte in der schaftlich engagieren und sofort ihre Stimme sie karriereschädigend. Selbstverständlich darf umgekehrt die
Schweiz dauern. Dass der Zürcher Nordring – auf dem erheben, wenn Fakten missbraucht werden. Eine solche Atmosphäre trägt wenig dazu Qualität eines Forschenden nicht an seiner
Auf der anderen Seite sollen sie sich nicht bei, gesellschaftliches Engagement zu gesellschaftlichen Strahlkraft gemessen
der Verkehr täglich kollabiert – ausgebaut werden muss, instrumentalisieren lassen und sich bei fördern – gerade bei Wissenschaftern, die werden. Heute wie in Zukunft brauchen
erkannte man vor 20 Jahren. Fertig ist das Projekt im politischen Auseinandersetzungen strikt noch ganz am Anfang ihrer Forschungstätig- Universitäten in erster Linie solide Wissen-
Jahr 2025. Bis dann häufen sich die Staustunden. (be.) neutral verhalten. keit stehen. Dabei brauchte es ihre Stimme schafter und nicht wortgewandte Rhetoriker
Das stellt Forscherinnen und Forscher vor doch am dringendsten. Sie sind es nämlich, oder politische Aktivisten. Doch es ist stö-
ein grundsätzliches Dilemma: Wer in Auftre- die das Bild, die Inhalte und das Auftreten rend, wenn wissenschaftliche Einmischung
ten und Handeln rein wissenschaftlich in die Gesellschaft stets gefordert, aber kaum
SBB bleibt, wird ausserhalb des akademischen
Betriebs kaum beachtet, denn wissen-
gefördert wird. Universitäten, Forschungs-
institute und Geldgeber sollten das gesell-
Servan Grüninger
Konkurrenz hilft dem Kunden schaftliches Schreiben und Reden ist – aus
guten Gründen – nicht massentauglich.
schaftliche Engagement ihrer Forschenden
deshalb nicht nur dulden, sondern aktiv
Manchmal müssen wissenschaftliche Argu- unterstützen. Dazu braucht es nicht nur spe-
Die BLS, das Kleinunternehmen Fairtiq sowie die SOB mente also zugespitzt werden, um die Men- zialisierte Doktorandenprogramme und
schen dazu zu bringen, einem überhaupt Kommunikationstrainings, sondern auch
bringen Apps auf den Markt, die das Billettlösen endlich
zuzuhören. einen Kulturwandel. Akademiker, die sich
massiv vereinfachen. Die Programme verfolgen die Das macht angreifbar. Wer sich als Wissen- sowohl als Wissenschafter wie auch als
Fahrt des Kunden und verrechnen automatisch den schafter pointiert äussert, scheint in den Staatsbürger verstehen, sollten für diese
besten Preis. Die Zeit der unleserlichen Zonenpläne, Augen der kritischen Öffentlichkeit schnell Haltung nicht bestraft werden.
einmal im Gefechtsmodus zu sein und muss Die öffentliche Debatte über Wissenschaft
komplizierten Billettautomaten und Schlangen vor den sich des Vorwurfs erwehren, politische verlangt mehr als Dokumentarsendungen im
Schaltern neigt sich dem Ende zu. Noch lassen sich aber Ideologie über wissenschaftliche Redlichkeit Fernsehen und Communiqués von Uni-
längst nicht alle Billette über solche Apps lösen, weil das zu stellen. Allerdings sind gewisse wissen- Servan Grüninger, 27, ist Präsident von versitäten. Sie verlangt einen Austausch auf
schaftliche Fragen derart politisiert, dass «reatch», einer jungen Ideenschmiede, Augenhöhe zwischen den Wissenschaften,
Tarifsystem in der Schweiz viel zu komplex und voller jedes noch so harmlose Forschungsergebnis welche die Beziehungen zwischen den Wis- der Politik und anderen Teilen der Gesell-
Spezialfälle ist. Darum ist es gut, dass der Bundesrat zu einem Politikum wird. Forscherinnen und senschaften und anderen Teilen der Gesell- schaft. Das offene Ohr der Politik ist dafür
bald auch Firmen ausserhalb der Branche den Billett- Forscher, die beispielsweise über die Wir- schaft stärken möchte. Grüninger hat einen genauso unabdingbar wie der Rückhalt in
kung des Unkrautvernichtungsmittels Gly- Abschluss in Biologie und Biostatistik der der Akademie. Sonst bleiben alle Forderun-
verkauf erlauben wird. Das erhöht den Konkurrenz-
phosat reden oder über die Unterschiede Universität Zürich und studiert Computa- gen nach mehr gesellschaftlichem Engage-
druck weiter. Und sorgt dafür, dass das Billettlösen noch zwischen den Geschlechtern, müssen oft tional Science an der ETH Lausanne. ment der Wissenschaften blosse Lippen-
viel bedienerfreundlicher wird. (mju.) erfahren, dass ihre Aussagen in der Debatte bekenntnisse.
20 Meinungen NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

49 Prozent Alles, was Recht ist

Achtung, Männerversteher! Willkürliche


kein neues getreten, lediglich ein Vakuum», schussligen und letztlich nicht ganz zurech- Entscheide zur
sagt er. Und der bald 80-jährige deutsche
Geschlechterforscher Gerhard Amendt greift
mit Vorliebe auf krude biologistische Erklä-
nungsfähigen Schönwettervaters, wenn
selbst dieser Dachverband mit seinem Aus-
hängeschild Markus Theunert unter dem
Willkür
rungsmuster zurück, um die Stärke des Schlagwort «I love Papizeit» für mehr Teil-
Mannes zu verteidigen: «Evolutionsbiolo- Männer­ zeitarbeit unter Vätern wirbt. Vatersein ist
gisch gesehen waren Frauen von männlicher therapeuten nicht eine schlechte Kopie von dem, was eine
Patrick Imhasly Stärke nie unabhängig. Anders konnten sie entwickeln Mutter zu Hause mit den Kindern leistet,
nicht in Sicherheit leben und Kinder aufzie- sondern ein Job mit einem eigenen Stellen-
derart viel

E
hen.» Daran habe sich trotz Pampers und beschrieb.
s war schon einfacher, ein Mann zu weiblicher Berufstätigkeit nichts Grund- Verständnis An sich meinen es auch Urologen nur gut
sein. Nicht wegen der Imagepro- legendes geändert. für die mit den Männern. Sie überlegen sich des-
bleme, die Männer derzeit haben, Die Männertherapeuten wiederum ent- anscheinend halb, wie Gesundheitskampagnen gestrickt
Markus Felber

D
weil ein paar Typen nicht wissen, wickeln derart viel Verständnis für die sozial sein müssen, damit sie auch das Interesse
wie man sich einer Frau gegenüber zu anscheinend sozial verlotterten Männer, der Männer wecken, die sich nach ärztlichem
verhalten hat. Auch nicht, weil Feministin- dass sie diese gerade dadurch klein halten: verlotterten Verständnis kaum Gedanken über ihre er Staat darf nicht willkür-
nen angeblich in sektiererischem Furor die «Mittlerweile werden sie meist gar nicht Männer, dass Gesundheit machen und zu lange im Leiden lich handeln, das verbietet
letzten Bastionen der Männlichkeit schleifen mehr ernst genommen, was noch schlimmer sie diese erstarren, bevor sie Hilfe suchen. Darum hat die Bundesverfassung. Dass
wollen, etwa das Pissoir. Nein, die Männer ist als der Pranger. Sie werden lächerlich gerade etwa die deutsche Gesellschaft für Urologie er das auch tatsächlich
machen sich das Leben selbst schwer – mit gemacht», sagt Björn Süfke, ein deutscher letzten Frühling mit Sprüchen wie «Nimm nicht tut, darüber wachen
Experten, deren selbsterklärte Aufgabe es Psychotherapeut, der auf die Behandlung
dadurch klein endlich die Eier in die Hand!» Männer selbst die Gerichte. Die sind eben-
ist, die Interessen der Männer zu wahren: von Männern spezialisiert ist. «Männer halten. mittleren Alters zum «Hodencheck» für die falls Teil des Staats und dürfen daher bei
Geschlechtersoziologen, Männerversteher, haben aufgrund der Bedingungen, unter Früherkennung von Hodenkrebs zu animie- ihrer Kontrolltätigkeit ihrerseits nicht in
Männertherapeuten und Urologen. denen sie aufwachsen, oft einen schlechte- ren versucht. Diese Kampagne ist tatsächlich Willkür verfallen. Das geschieht aber doch
Die Gendersoziologen – sie verschaffen ren Zugang zu den eigenen Gefühlen. Und unter die Gürtellinie gegangen. immer wieder. Es sind vermutlich Hun-
sich am meisten Gehör – sind häufig desillu- das ist ein Problem.» Süfke bedauert, dass So kocht sich jede Gruppe von Männer- derte von Gerichtsurteilen jedes Jahr, die
sionierte oder zornige alte Männer, die ihren kaum ein Mann einen besten Freund hat, mit experten ihr eigenes Süppchen und verliert vom Bundesgericht als willkürlich aufge-
Geschlechtsgenossen nichts Erbauliches zu dem er über seine Gefühle redet, «traditio- ihre Klientel aus den Augen: Männer, enga- hoben werden. Doch selbst wenn in Lau-
erzählen haben. Der emeritierte Schweizer nell-konservative Männer schon gar nicht». giert in Beruf und Familie, weder Macker sanne das letzte Richterwort gesprochen
Soziologieprofessor Walter Hollstein zum Als ob Männer zu dumpf wären, die Macht noch Weicheier, aber von beidem etwas, die ist, sind wir vor Willkür nicht gefeit, denn
Beispiel beklagt, den jungen Männern fehl- der Emotionen zu erkennen und gezielt gefragt sind wie nie zuvor. Es gibt deshalb «es gibt nichts Willkürlicheres als die
ten positive Vorbilder, wie sie seine Genera- einzusetzen. nur eines: Männer, nehmt endlich euer Willkürrechtsprechung des Bundes-
tion noch in Figuren wie Fidel Castro oder Nicht viel weiter bringen einen im Alltag Schicksal in die Hand! gerichts». Das sagte vor über dreissig
Che Guevara gehabt habe. «Da ist nur die auch Interessenvertreter wie männer.ch und Jahren Otto Konstantin Kaufmann, einer
Ruine des alten Männerbilds, das – zu Recht ihre politisch motivierten Kampagnen. Es Patrick Imhasly ist Redaktor im Ressort der brillantesten Köpfe, den das Bundes-
– zerstört worden ist. Aber an seine Stelle ist befördert nur das Klischee des willigen, aber Wissen bei der «NZZ am Sonntag». gericht je hatte.
Mit seiner humorvollen Übertreibung
wollte Kaufmann selbstkritisch darauf
hinweisen, wie eigenmächtig Richter
Die E-Mail-Debatte bisweilen den Spielraum ausreizen, den
ihnen das Gesetz belässt. Das ist bei Will-
kür besonders stossend, da hier das

«Ich halte wenig von Trump – aber noch


Unrecht in die Augen springen müsste.
Muss Unrecht im Urteil mit aufwendiger
sophistischer Gedankenakrobatik herbei-
geschrieben werden, mutet das in der Tat

weniger von ‹Kill Trump›-Demos»


seinerseits etwas willkürlich an.
Ausgereizt wird der rechtliche Spiel-
raum inzwischen auch, wenn es darum
geht, ob der Richter einen Fall überhaupt
an die Hand nimmt. Will er das, so wird
auch einmal offengelassen, ob das Rechts-

Was bringt das WEF der Schweiz? Einmalige diplomatische Chancen, sagt Andrea
mittel zulässig ist. Und will er das nicht,
findet der Richter meist einen formal-
rechtlichen Dreh, um den Zugang zum
Caroni. Mattea Meyer ist skeptisch – und auch gegen ein Treffen mit Trump Gericht noch etwas mehr zu verengen.
Diese Tendenz lässt sich statistisch sogar
Andrea Caroni Wirtschaftsführern. Ich wünsche mir von am Hut wie Sie mit Männern, die Frauen belegen: Trat das Bundesgericht 1960 nur
Geschätzte Kollegin, es ist wieder WEF-Zeit.
Debattierer unseren Bundesräten, dass sie mutig hinste- sexuell belästigen. Fordere ich Sie dazu auf, gerade auf zwölf Prozent aller zivilrecht-
Nicht zuletzt mit der Aufwartung von US- hen und Trump Paroli bieten, wie dies der sich von diesen zu distanzieren, nur weil sie lichen Berufungen nicht ein, so hat sich
Präsident Donald Trump wird das Davoser Londoner Bürgermeister Khan getan hat: Mit ein Mann sind? Nein. Weil ich Ihnen auch dieser Wert bis zum vergangenen Jahr
Weltwirtschaftsforum heuer zu einem seiner sexistischen, primitiven und zerstöre- nicht implizit den Vorwurf mache, sich mit mehr als verdreifacht. Und das nota bene,
besonderen Stelldichein. Wo wird man Sie rischen Politik widerspreche der US-Präsi- sexistischen Männern zu verbrüdern. ohne dass irgendjemand ernsthaft
finden: Am Apéro mit den Mächtigen? Oder dent den Londoner Werten und sei nicht Genauso deplaciert sind Ihre Aufforderun- behaupten würde, die heutigen Anwälte
an einer Juso-Demo gegen die Einreise willkommen. Trump, von den Protesten im gen mir gegenüber. Aber selbstverständlich seien in Sachen Prozessrecht dreimal
gewählter Staatsoberhäupter? Ego gekränkt, reist nun nicht nach London. finde ich friedlichen Protest gegen den US- weniger sattelfest als ihre Kollegen im
Das wäre doch auch für die Schweiz ein Präsidenten richtig. Trump ist einer der letzten Jahrhundert.
Mattea Meyer gangbarer Weg? Oder glauben Sie wirklich, grössten Gewaltverherrlicher dieser Welt: Er
Geschätzter Kollege, die Weltelite wird in dass unsere Bundesräte Trump zur Einsicht zerstört unser Klima, sät Hass gegen Minder- Markus Felber war NZZ-Bundesgerichts­
Davos das tun, was sie immer tut: auf ihren Mattea Meyer, 30, bringen können? heiten, legitimiert Gewalt an Frauen. Wir korrespondent.
masslosen Reichtum und ihre Privilegien ist Nationalrätin der haben vor einem Monat an dieser Stelle über
anstossen – und in Hinterzimmern diskutie- SP aus dem Kanton Andrea Caroni die Werte der Aufklärung diskutiert. Sind die
ren, wie sie ihren Profit auf Kosten von Natur Zürich. Sie ist Meine WEF-Besuche dienten der Begleitung angesichts des mächtigsten Mannes nichts
und Menschen noch steigern kann. Mein Co-Präsidentin der des damaligen Bundesrates Hans-Rudolf mehr wert?
Platz ist bei denjenigen, die die Folgen dieser SP Winterthur Merz. Aus jener Erfahrung weiss ich: Für Strittis Schlagzeile
verantwortungslosen Politik ausbaden und Co-Präsidentin unsere Bundesräte ist das WEF eine ein- Andrea Caroni
müssen. Wollen Sie denn dem US-Präsiden- der Sans-Papiers- malige Möglichkeit, nahezu ohne Aufwand Ich bin froh, dass Sie mit linksextremer
ten die Hand schütteln? Plattform Schweiz. und quasi vor der Haustüre andere globale Gewalt nichts zu tun haben wollen. Aber mit Zur geplanten Aufweichung
Entscheidungsträger zu treffen. Die dies- der jungsozialistischen Gesprächsverweige- des Rasertatbestandes.
Andrea Caroni jährige Deputation wird übrigens von SP- rung verschwestern Sie sich doch und wollen
Wie ich aus ihren Verschwörungstheorien Bundespräsident Alain Berset angeführt, er Trump in Davos verhindern. Dabei liefert
schliesse, waren Sie noch nie am WEF. Ich erklärt Ihnen den Nutzen seiner Teilnahme just der von Ihnen offenbar geschätzte Auf-
berichte Ihnen daher gerne von meinen sicher gerne. Neben dem US-Präsidenten klärer Voltaire das richtige Rezept gegenüber
Besuchen. Weltpolitisch und -wirtschaftlich werden heuer auch EU-Kommissions-Präsi- Andersdenkenden: «Ich teile Ihre Meinung
wird das WEF zwar stark überschätzt. Dafür
ist sein Wert für die Schweiz unschätzbar.
dent Juncker, der indische Regierungspräsi-
dent Modi oder der französische Staats-
nicht, aber ich würde mein Leben dafür
geben, dass Sie sie äussern dürfen.» Oder wie Mörderisches
Rasen unter
Zum einen ist es eine globale Marke. Zum präsident Macron teilnehmen. Im Umfeld Ihr Parteipräsident Christian Levrat sagte:
andern erhalten unsere Bundesräte in Davos des US-Präsidenten werden auch mehrere «Der Besuch bietet die Möglichkeit, mit
die Weltelite für unzählige bilaterale Treffen US-Minister anwesend sein, und seitens der Trump ins Gespräch zu kommen. Es gibt
frei Haus geliefert. Sie finden es aber offen-
bar falsch, dass unsere Bundesräte den
Andrea Caroni, 37,
ist FDP-Ständerat
EU-Kommission sind es ein knappes Dut-
zend Kommissare. Es gibt sogar ein informel-
keinen Grund, nicht auch den Präsidenten
der USA zu treffen.» Werden Sie Ihrem Bun- dem Auge
gewählten US-Präsidenten treffen. Halten aus dem Kanton les WTO-Ministertreffen. Sollten unsere despräsidenten Alain Berset stattdessen
Sie es für politisch wertvoller, unter
Beschwörung toter Diktatoren – von Mao bis
Appenzell Ausser-
rhoden. Er arbeitet
Bundesräte eine solche Gelegenheit im eige-
nen Land boykottieren? Oder nicht doch
anraten, nur in der Filterblase völlig Gleich-
gesinnter zu diskutieren?
des milden
Chávez – Krawall zu veranstalten?

Mattea Meyer
als Rechtsanwalt
und ist Vizepräsident
der FDP Schweiz.
lieber die Chancen nutzen? Nochmals zum
US-Präsidenten: Ich halte wenig von Trump
– aber noch weniger von «Kill Trump»-De-
Mattea Meyer
Donald Trump ist vermutlich jener Mann auf
Rechtsstaats.
Wie 99 Prozent der Menschen in der Schweiz mos. Distanzieren Sie sich von gewaltberei- der ganzen Welt, der sicher keine Sorge
war ich noch nie am WEF (zumindest nicht ten Wortverbietern? haben muss, dass er sich nicht äussern
innerhalb des abgesperrten Geländes). Das könne. Er twittert schneller, als er denken
WEF ist ja auch ein privates Treffen, an das Mattea Meyer kann. Was ich Bundespräsident Berset raten
nur die geladene Elite darf, das aber von uns Es befremdet mich, dass Sie wiederholt ver- würde? Seine Zeit sinnvoller zu nutzen, als
allen mit Steuergeldern mitfinanziert wird. suchen, mich mit Gewaltbereiten in Verbin- sie mit dem Schütteln der Hände eines von
Demokratische Mitsprache liegt mir mehr als dung zu setzen, und fordern, mich von ihnen Tobsuchtsanfällen heimgesuchten, erwach- Hermann Strittmatter ist Gründer und Leiter
Machtgehabe – sei dies von Diktatoren oder zu distanzieren. Ich habe mit denen so viel senen Trotzkindes zu verbringen. der Werbeagentur GGK in Zürich.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Meinungen 21

Nachruf

Bezwinger von Kaiseraugst Paul Bocuse, 91

D
ie Trüffelsuppe V.G.E., die er 1975
im Elysée-Palast dem Präsidenten

Hans Jürg Weder, Basler LdU-Politiker, Anhänger der Freiwirtschaft und zentrale Valéry Giscard d’Estaing servierte,
wurde zu seinem berühmtesten
Gericht. An jenem Tag wurde Paul Bocuse in
Figur der AKW-Gegner, ist 89-jährig gestorben. Von Thomas Isler die Ehrenlegion aufgenommen. Als Koch war
er damals bereits weltbekannt. 1926 nahe

D
Lyon geboren, begann er nach dem Krieg
o wird jetzt nit baut», sagte der Kommunismus ist tot, der Kapitalismus tod- eine Lehre als Koch. Schon die Eltern und

CLAUDE GIGER
Mann mit dem Béret zu den Bagger- krank, neue Wege sind gefordert!» Grosseltern hatten ein Restaurant betrieben.
führern, die an diesem Aprilmorgen 1958 heiratete er Marie-Claire Gysling, Mit 34 erhielt Bocuse den ersten Michelin-
1975 mit den Bauarbeiten für das 1972 adoptierte das Ehepaar eine Tochter aus Stern, fünf Jahre später hatte er drei. Als die
AKW Kaiseraugst anfangen wollten. Die Vietnam und zwei Jahre später einen Sohn französische Küche erneuert wurde, war er
Besetzung des Geländes, die elf Wochen aus Südkorea. Weder war nun Berufspoliti- einer der Wegbereiter, blieb aber kritisch:
dauern sollte, hatte begonnen. Hans Jürg ker. Seit 1964 sass er im Basler Grossrat, «Nouvelle Cuisine heisst gewöhnlich: zu
Weder, der Mann mit dem Béret, der als gewählt «als Sportler», wie er sagte. Er wenig auf dem Teller und zu viel auf der
Geschäftsführer des Basler Landesrings der spielte Handball beim RTV Basel in der Rechnung.» Bodenständige Kost stand bei
Unabhängigen (LdU) quasi ein Berufspoliti- Nationalliga A, war dreifacher Basler Ski- ihm über allem. Bocuse wurde zur Marke mit
ker war, wurde zur zentralen Figur im Kampf meister, Fussballer in der 1. Liga und Tisch- Lokalen rund um die Welt. Der Meisterkoch
gegen das AKW. An der ersten grossen Kund- tennisspieler. Kurz nach seiner Wahl in den hantierte nicht mehr selber am Herd, er liess
gebung rief er: «Es gibt nur AKW-Gegner und Grossrat trat er dem LdU bei, 1967 wurde er kochen, trank Champagner mit den Gästen
solche, die noch nicht genügend darüber dessen Geschäftsführer in Basel. und zählte das Geld. In seiner Biografie
nachgedacht haben!» Er brachte es auf 48 Parlamentsjahre: Im schrieb Bocuse, dass er nebeneinander mit
Weders Prognose zu Kaiseraugst traf zu. Grossrat sass er bis 1976 und danach, ab drei Frauen in drei Haushalten lebe. «Ich
Es wurde nicht gebaut. Vierzehn Jahre nach 1980, nochmals zwölf Jahre lang. Auch dem habe ein kompliziertes Leben, aber alle
der Besetzung und drei Jahre nach der Reak- Basler Bürgergemeinderat gehörte er an, und kennen meine Affären.» Der Jahrhundert-
torkatastrophe von Tschernobyl beendete von 1983 bis 1995 war er LdU-Nationalrat. koch starb an seinem Geburtsort. (dme.)
der Nationalrat, dem Weder inzwischen Kämpfte er anfänglich für Wettbewerb und
angehörte, das Projekt. Es war SVP-National-
rat Christoph Blocher, der die entsprechende
gegen Monopole, galt sein Engagement bald
mehr dem Heimat- und Umweltschutz.
Christine Beshar, 88

A
Motion vertrat: Kaiseraugst war zu teuer Weder, der als Hobby Ausgaben von «Don
geworden. «Das war der schönste Tag meiner Quijote» sammelte, erinnerte im Bundes- n das Gefühl im Bauch kann ich
politischen Karriere», sagte Weder. haus manchmal selber an den spanischen mich noch immer erinnern», sagte
Geboren wurde Hans Jürg Weder 1928 in Romanhelden, wenn er unermüdlich seine sie Jahre später über den Moment,
Basel. Sein Vater war Bildhauer, ein in Ideale verteidigte und Vorstösse einreichte, Der Mann mit dem und stets um Integration bemüht. Als Folge als der Babysitter sie versetzte. Die
Deutschland aufgewachsener Schweizer, von Walfang bis Ballettförderung. Béret: Hans Jürg der Besetzung wurde er auch zu einer hohen drei älteren Töchter hatte die Rechtsanwältin
dem in den dreissiger Jahren wegen seiner Grosse politische Durchschlagskraft hatte Weder bei einer Busse verurteilt. Die Summe war im Nu Christine Beshar in der Schule abgegeben.
Hochsprache ein Einstieg in die Basler Politik Weder in Basel. Dass Gebäude wie die Demonstration in durch Spenden gedeckt. Von der Verhaftung Jetzt stand sie mit Peter, ihrem Jüngsten, an
unmöglich war. Er diskutierte mit seinen Safranzunft, die Schmiedenzunft und das Kaiseraugst. (1981) erzählte er ein Leben lang. der Park Avenue in New York. Kinder konnte
zwei Söhnen, regte sie zum Zeitunglesen an Altersasyl zum Lamm noch stehen, ist Weder Weder war ein Grüner, bevor es die Partei man damals unmöglich in eine Kanzlei an
und brachte ihnen auf Spaziergängen durch zu verdanken. Er verteidigte auch Grünflä- gab, er kämpfte – in der Pharma-Stadt Basel der Wall Street mitbringen. «Was zum Teufel
Basel die Baugeschichte der Stadt näher. chen und machte sich die Familiengärtner notabene – gegen Tierversuche und betrieb sollte ich bloss tun?» Als ihre Kanzlei, in der
Hans Jürg machte eine KV-Lehre. Er arbei- zum Freund. Dank seiner breiten Vernetzung einen bodenständigen Tierschutz, der auch sie früh Partnerin geworden war, Jahre
tete ein Jahr in Morges, eineinhalb Jahre für und zum Verdruss der Regierung konnte er die Anliegen der Hündeler einschloss. Im später ein neues Gebäude bezog, erspähte sie
Brown Boveri in Madrid und wurde, zurück an einem Wochenende ein Referendum auf Alter von 54 wurde Weder Vegetarier. den leeren zweiten Stock und wusste, was
in Basel, Prokurist im Sanitärgrosshandel. die Beine stellen. Der Basler Politik blieb der frühere Natio- sie zu tun hatte: eine Kinderkrippe für die
Mit 16 Jahren hatte Weder einen Vortrag Dieses Netz half ihm auch beim Kampf nalrat, der ein Leben lang drei Tageszeitun- Kanzlei initiieren. Und tatsächlich setzte sie
gehört, der aus ihm einen Anhänger der Frei- gegen Kaiseraugst. Dass die Anti-AKW-Be- gen abonniert hatte, erhalten, als Schreiber sich durch. Die in Deutschland geborene
wirtschaft machte, einer Anfang des letzten wegung in Basel früh bis weit in bürgerliche von Kolumnen und Leserbriefen zu fast Beshar war nach dem Krieg in die USA
Jahrhunderts populären Theorie, die eine Kreise reichte, war auch sein Verdienst als jedem Thema. 2015 erlitt er einen Schlag- gekommen, wo sie ihren Mann kennenlernte
Marktwirtschaft ohne Kapitalzins und ohne Präsident des Nordwestschweizer Komitees anfall, der seine Aktivitäten von einem Tag und als erste Frau die New Yorker Anwalts-
Grundeigentum postulierte. Weder blieb der gegen Atomkraftwerke (NWA). SVP-nahe auf den andern beendeten. Er lebte fortan in prüfung bestand, ohne je eine Law School
Lehre ein Leben lang treu. 2006 sagte er an Baselbieter Bauern brachten den Besetzern einem Pflegeheim, täglich besucht von besucht zu haben. Familie war ihr so wichtig
einer Versammlung der Schweizer Freiwirt- in Kaiseraugst Gemüse vorbei, Galerist Ernst seiner Frau. Von den jüngsten energiepoliti- wie die Arbeit: «Partnerschaft in der Kanzlei
schafter in Bubendorf, an der noch zwölf, Beyeler liess täglich Würste und Getränke schen Wenden bekam er nichts mehr mit. Sie geht nicht ohne Partnerschaft zu Hause.»
eher betagte Mitglieder teilnahmen: «Der liefern. Weder war ein glänzender Redner hätten ihn gefreut. Beshar ist in Manhattan verstorben. (tis.)

Das historische Bild Wuhan, 16. Juli 1966


Ein Führer schwimmt. Der Satz stimmt
auch im übertragenen Sinn. Chinas kommu-
nistische Wirtschaft war in den sechziger
Jahren in einem katastrophalen Zustand,
Machthaber Mao unter Druck. Er reagierte
mit einem Massenmorden, das als Kultur-
revolution in die Geschichte eingehen
sollte. Die zerstörerische Kampagne lan-
cierte er mit einem PR-Coup.
Der 72-jährige Führer schwamm mit
Begleitern und vor Tausenden Zuschauern
eine zwölf Kilometer lange Strecke im Fluss
Jangtse. Das machte erstens Eindruck. Viele
chinesische Bauern konnten nicht schwim-
men. Der Anlass enthielt zweitens eine ver-
steckte Botschaft: Viel klüger, als Wider-
stand zu leisten, ist es, sich mit dem Strom
treiben zu lassen. Und schliesslich pries die
Parteizeitung «Neues China» tags darauf
den «wunderbar gesunden Vorsitzenden
Mao», der auf der Foto hier am unteren
Bildrand zu sehen ist.
Mao griff mit seinem Auftritt als Schwim-
mer auf ein uraltes Muster zurück, wie
schon unzählige Monarchen und Autokra-
ten vor ihm: Öffentlich zelebrierte Leibes-
übungen oder öffentlich gemachte Bulle-
tins über den guten Gesundheitszustand
eines Führers helfen beim Machterhalt. Der
Körper des Souveräns steht umso stärker
im Zentrum, je mehr das politische System
von ihm abhängt. Vor vielen Jahrhunderten
soll es gar ein Recht auf Verschwörung
gegeben haben, wenn ein Herrscher sein
Pferd nicht mehr kraftvoll besteigen oder
die Waffen tragen konnte. Mao stieg recht-
zeitig in den Fluss. (tis.)
AP
22 Hintergrund «No Billag» NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

Sie hassen und sie lieben sich: die Schweizer und ihre SRG. Was ist das für eine komplizierte Beziehung? Eine Exped

EinVolkundse
S
chon vor zwei Jahren, als es um 60, 70 Leute. Es gab Würste zum Selbst- Kantonsrates ist die Sozialdemokratin der-
die künftige Finanzierung der kostenpreis, ich habe extra 80 Franken Ge- zeit die höchste Schwyzerin und möchte
SRG ging, bockten sie mehr als bühr als Gelegenheitswirt bezahlt, damit kei- sich deshalb mit politischen Äusserungen
alle andern im Land. Fast 60 Pro- ner ä Tummi hed. zurückhalten. Sie wohnt in einer Neubau-
zent der Schwyzer verwarfen Nein, es ist wirklich nicht alles schlecht am siedlung in Lachen, im Wohnzimmer steht
2015 das neue Radio- und Fern- Schweizer Fernsehen. Aber ich sag’s zum drit- ein grosser Fernseher, doch vor diesem,
sehgesetz (RTVG). Die kleinste ten Mal: Ich will nicht zweimal zahlen!» sagt sie, sitze vor allem ihr Partner, ein gros-
Gemeinde des Kantons, Riemenstalden, ser Fussballfreund. Die promovierte Gen-
stemmte sich gar mit 89,7 Prozent dagegen. der-Forscherin und Wirtschaftsgeografin
Der Ort mit seinen 91 Einwohnern scheine wie Der Mann zwischen arbeitet an der Universität Zürich. Sie infor-
erfunden für «SRF bi de Lüt», aber d Lüt gut
1000 Meter über dem Vierwaldstättersee
den Stühlen miert sich hauptsächlich über Zeitungen.
SRF brauche sie als gezielte Ergänzung.
wollten offenbar nichts von SRF wissen, ver-
mutlich auch nicht am 4.März, sagt Robert Ueli Brügger ist gebürtiger Berner, und als «Ich bin sehr optimistisch, dass die Initiative
Gisler, FDP-Kantonsrat und Wirt aus Riemen- er vor über 30 Jahren nach Einsiedeln zog, insgesamt abgelehnt wird, auch wenn sie in
stalden, am Telefon. «Als Liberaler» werde er regierte noch die CVP mit absoluter Mehr- meinem Kanton vielleicht durchkommt. Aber
jedenfalls für «No Billag» stimmen. «Hier oben heit im Kanton. Heute dominiert seine SVP, nicht etwa deshalb, weil die Leute hier keine
gibt es etliche Leute, die gar keinen Fernseh- deren Kantonalsekretär er war. Brügger, 64, Informationen mehr haben oder die SRG ab-
apparat haben und auch keinen wollen. War- ist frühpensionierter IT-Sicherheitsberater schaffen möchten, sondern schlicht deshalb,
um sollen sie zahlen?» und langjähriges Vorstandsmitglied der weil sie eine grosse Rechnung vom Tisch
Wenn die RTVG-Abstimmung ein taug- SRG-Sektion Schwyz, er sitzt auch in der haben wollen. Das Perfide bei dieser Initiative
liches Indiz für die Stimmung gegenüber der Programmkommission der SRG Zentral- liegt ja in der Frage. Wenn es heisst: Wollen
SRG ist, dann ist der Kanton Schwyz im Her- schweiz. Früher sei er als SVPler eine Alibi- Sie diese Dienstleistung?, dann hat die
zen der Schweiz wohl das härteste Pflaster für figur in diesem Gremium gewesen, heute Schweizer Bevölkerung bei Service-public-
den Sender mit dem Slogan «Die Schweiz im fühlt sich der SRF-Vielseher und -hörer Vorlagen schon mehrfach gesagt: Sicher wol-
Herzen». ernst genommen und verteidigt die Institu- len wir das! Doch fragt man: Wollen Sie diese
tion gegenüber den Parteikollegen. Rechnung bezahlen?, sagen sich manche:
Natürlich nicht! Und glauben, es werde sich
Der Jasser «Ja, ich war 2015 auch gegen das Radio- und schon irgendeine Kasse finden lassen für
Fernsehgesetz. Aber dieses Gesetz ist nun ein- etwas, was man fast für zu selbstverständlich
Unsere kleine Erkundung beginnt in Muota- mal angenommen worden, und es ist schliess- hält, nämlich unabhängige Information. Dass
thal, bei Pirmin Rickenbacher, einem leut- lich meine Partei, die immer sagt, dass man dem nicht so ist bei dieser radikalen Initiative,
seligen Mann mit Spitzbart der besonderen Volksentscheide respektieren muss. Diesmal das müssen wir den Leuten deutlich machen.
Art. Rickenbacher, 50, führt seit 1991 einen werde ich für die SRG kämpfen, und wenn ich Man spricht dauernd vom Kanton Schwyz
Maler- Gipser- und Plattenlegerbetrieb mit der einzige in der SVP bin. Denn was ich nicht als Steuerparadies, doch das ist es nur für die
rund 30 Angestellten. Der Firmensitz ist will – und jetzt rede ich als Eidgenosse –: dass Reichen. Für Leute mit tiefem und mittlerem
giftgrün bemalt, in seinem Büro hängt ein die ausländischen Sender die Lücken füllen, Einkommen hingegen wird dieser Kanton
Poster von Laurel & Hardy. wenn die SRG tot ist, und das wäre sie nach immer teurer. Die Mieten steigen, die Prämien
einem Ja. Wenn die Ausländer uns drein- für die Krankenkassen steigen, und da ist
«Wotsch ä Läbchueche? Oder äs Chrömli? Man reden, dann verlieren wir unsere Eigenstän- eben auch die Billag-Rechnung viel Geld. War-
darf schon Du sagen, oder, ich bin der Piri. digkeit. Die Deutschschweiz als übermächti- um einer wie Martin Ebner für diesen Service
Also, zum Schweizer Fernsehen: Es ist ja nicht ger Teil des Landes muss Sorge tragen zu den public gleich viel bezahlen muss wie eine
alles schlecht daran. Aber warum muss ich Sprachminderheiten, auch dafür sorgt die alleinerziehende Mutter, die nicht weiss, wie
zweimal Gebühren zahlen? Der Donnschtig- SRG. Ich schätze die politische Arbeit von sie ihre Rechnungen am Ende des Monats be-
Jass mit dem Kilchsperger zum Beispiel, der Christoph Blocher sehr, aber ich will keine ita- zahlen soll, das habe ich ohnehin nie verstan-
ist tipptopp. Ich war im letzten Juli selber in lienischen Verhältnisse. Ich will nicht, dass er den, und das sollte man, wenn die SRG geret-
Wohlen unten, als wir gegen Morschach ein Berlusconi wird, der plötzlich alle Medien- tet ist, auch dringend ändern. Vor allem aber
jassten. Zuerst wollte ich ja gar nicht ans Fern- häuser bestimmt. Deshalb braucht es eine un- will ich nicht, dass zukünftig die Milliardäre
sehen, aber dann hat mich der Oski, mein abhängige SRG als Gegengewicht. aus Herrliberg bestimmen, welche Nachrich-
Plättlileger, überredet. So gab ich allen Arbei- Natürlich kenne ich die Kritik, das Fernse- ten wir in der Schweiz zu hören bekommen.
tern frei, bezahlt natürlich, mietete einen Car, hen sei links. Ich finde selber auch, dass das Dann wäre es vorbei mit unabhängiger Infor-
und am Schluss waren 150 Muotathaler Fans Schweizer Radio ausgewogener ist. Doch was mation, nicht sofort, aber schleichend – ein
in Wohlen. Beim Jassen lief es mir super, das da sonst noch alles an Reklamationen aus dem Horrorszenario für die Schweiz!
Echo war gewaltig, ich bekomme heute noch Publikum kommt, man glaubt es kaum. In Gerade der Ausserschwyzer Kantonsteil ist
Fanpost. Eine Woche später waren 3000 unseren Gremien haben wir doch sehr viel in den letzten Jahren zu einer Agglomeration
Leute für den Donnschtig-Jass bei uns im Tal. ernsthaftere Diskussionen, als dass einer beim geworden, weshalb wir dachten, er nähere
Trotzdem, warum muss ich zweimal zah- Moderieren gestolpert ist oder beim ‹Bestat- sich auch langsam politisch den Verhältnissen
len? Es hängt zwar auch bei uns in der Bude ter› einer quer im Sarg lag. In den neunziger in der Stadt Zürich an. Doch dem ist nicht so.
ein Apparat, wo wir die Skirennen verfolgen, Jahren, angefangen mit der Berichterstattung Viele, die hierher ziehen, wollen vor allem
aber ich kann ja nicht gleichzeitig zweimal über den EWR, gab es eine Entfremdung zwi- Steuern sparen. Deshalb ist der Kanton noch
schauen, privat und in der Firma. Von mir aus schen dem Schweizervolk und dem Schweizer konservativer geworden. Im hundertköpfigen
würde ich auch 2 Franken pro Tag zahlen statt Fernsehen. Aber in den letzten paar Jahren Kantonsrat sitzen 15 SP-Leute und insgesamt
1 Franken – aber eben nur einmal. Natürlich haben sie gemerkt, dass sie auf Swissness set- 11 Frauen. Es kommt vor, dass meine Fraktion
wäre es schade, wenn es den Donnschtig-Jass zen und mehr zu den Schweizer Werten ste- im Kantonsrat einen ganzen Tag lang nur ver-
nicht mehr gäbe, doch der Kilchsperger ist so- hen müssen. Mit den Schwingfesten machen liert, eine Abstimmung nach der andern, und Ueli Brügger, Mitglied der SVP und der SRG-Trägerschaft, in einem TV-Geschäft
ne guete Schnuri, der findet bald wieder einen sie es verdammt gut. Nahe bei den Leuten ist ich mich dann völlig frustriert frage: Jesses
Job. Sonst kann er zu mir kommen, halt nicht man auch mit der ‹Musikwelle›. Wenn sie in Gott, was sind denn das für Leute?
mehr zum gleichen Lohn. Wenn ich an meine den Altersheimen realisieren, dass ihre Musik- Dann nehmen mich meine Kollegen aus
© PASCAL MORA

Gipser denke, die den ganzen Tag in einem welle ohne Billag plötzlich abgestellt würde, den anderen Fraktionen im Auto Richtung
Bau arbeiten, wo es feucht ist und zieht, dann dann werden die sicher alle abstimmen gehen. Ausserschwyz mit. Man diskutiert über alles
zahlen sie ja schon gewaltig bei der SRG, vor Als Präsident eines Altersheims habe ich Mögliche, und ich merke dann, dass mein Ver-
allem in der obersten Etage. Ein Denkzettel schon mal eine Palastrevolution erlebt, als ein ständnis für die Meinung der anderen wächst
tut denen gut, deshalb bin ich für ein Ja, auch Sender mit Heimatfilmen aus dem Angebot – auch wenn ich sie deshalb nicht teile. Es sind
wenn ich hier nicht sagen will, wie ich abstim- gestrichen wurde. Da musste man rasch wie- schon sehr verschiedene Welten, ob ich als
men würde, wenn es nur auf meine Stimme der einlenken. Kantonsratspräsidentin am Morgartenschies-
ankommen würde. Doch die grösste Emotion liegt im Geld, ob- sen bin oder als Gender-Forscherin an der Uni-
Schweizer Fernsehen schaue ich selten. Ich wohl keine Billag bezahlen muss, wer Ergän- versität. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir
bin mehr auf Netflix und sehe mir Filme an, zungsleistungen bezieht. Alle andern sollten sogar im Kanton Schwyz viele Leute davon
zum Beispiel Römerfilme, die liebe ich. Wenn einfach mal gut rechnen. Wollen sie künftig überzeugen können, wie schädlich die No-Bil-
nötig würde ich auch 14 Franken für einen zahlen für das Lauberhornrennen oder das lag-Initiative ist.»
Film bezahlen, aber ich will selber entschei- Eidgenössische oder wenn der Federer bälle-
den und nicht zahlen, weil ich muss. Mir geht let? Zahlen für jedes Champions-League-
es nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. Spiel? Kommt für alles eine separate Rech- Der Ständerat und
Es tönt vielleicht kitschig, aber ein bisschen
Heimat im Fernsehen finde ich super, für die
nung, was wir bis jetzt von der SRG erhalten,
dann wären das gegen tausend Franken, wie
Möbelbauer
älteren Leute sowieso. Die Älteren haben wir ausgerechnet haben.»
Angst vor Zahlfernsehen und wollen auch «Im Herzen der Schweiz», so heisst nicht nur
nicht so einen Scheiss mit Möchtegernpromi- der Slogan der SRG, sondern diese Worte
nenten und endloser Werbung. Oder das Die höchste Schwyzerin stehen auch in einem Prospekt über die
Schwingen! Das ist nicht mehr wie glaub’s im Möbelfabrik von Peter Föhn. Der Schwyzer
Jahr 1995, als sie die Übertragung des Eid- Männer mit markigen Sätzen sind hier rasch SVP-Ständerat, ein Muotathaler, sitzt zwi-
genössischen abbrachen, weil sie ein Auto- zu finden. Schwieriger ist es mit den Frauen, schen seinen Ausstellungsmöbeln und
rennen bringen wollten. Doch in den letzten sie exponieren sich ungern. Auch Karin erzählt, wie er einmal Journalisten von der
Jahren – wahnsinnig! Geniale Kamera! Zwei- Schwiter, 40, würde sich kaum zur Initiative «Tagesschau» «aus dem Tempel geworfen»
mal habe ich beim Eidgenössischen Schwing- äussern, wäre sie nicht von einem Komitee habe, weil ihm nicht passte, was sie fragten.
fest eine Leinwand in der Bude aufgestellt für darum gebeten worden. Als Präsidentin des Föhn, 65, schaut und hört zwar regelmässig Unternehmer und SVP-Ständerat Peter Föhn in Muotathal. (22.12. 2017)
23

edition in den SRG-feindlichsten Kanton der Schweiz. Von Martin Beglinger

einFernsehen SRF, doch viel näher liegen ihm die heimi-

FOTOS: PASCAL MORA


schen privaten Sender und Blätter.

«Die Initiative wird wohl abgelehnt werden,


ich hoffe nur nicht grad mit 70 Prozent. Auch
Wenn ich an im Muotathal wird es viele Nein-Stimmen ge-
meine Gipser ben, weil wir als Randregion auch bedient
denke, dann werden wollen. Mir wäre ein knappes Ja am
zahlen sie ja liebsten. Dann müsste die SRG vom hohen
Ross heruntersteigen und einisch i d Händ
schon gewaltig speuze. Jeder KMUler würde auf Deutsch ge-
bei der SRG, vor sagt verrecken, wenn er so arbeiten würde wie
allem in der die SRG, und zwar blitzartig. In meiner Firma
obersten Etage. müssen heute zwei Leute die Arbeit von drei
Ein Denkzettel machen, sonst gäbe es uns nicht mehr.
tut denen gut. Maximal zwei Radio- und Fernsehpro-
gramme pro Sprachregion, das sollte eigent-
Piri Rickenbacher, lich reichen. Klar, wäre dann vieles nicht mehr
Gewerbler. möglich und nicht mehr so perfekt wie heute,
aber das ist wie beim Autokaufen: Wer viel
Schnickschnack will, der muss ihn halt selber
Was ich nicht bezahlen. Der Schwyzer ist sparsam, fast spar-
will – und jetzt tanisch und sehr, sehr konservativ im Umgang
rede ich als mit Steuergeldern. Das hat nichts mit Egois-
mus zu tun, das ist Eigenverantwortung! Die
Eidgenosse – : Bündner zum Beispiel sind viel SRG-freund-
dass die auslän- licher, weil sie obrigkeitsgläubiger sind. Der
dischen Sender Schwyzer hingegen hat einen gewissen Stolz
die Lücken und rennt nicht dem letzten Franken hinter-
füllen, wenn her, den er beim Bund abholen könnte. Wir
die SRG tot ist. wollen nicht von den andern abhängig sein.
Klar, könnten wir ohne Finanzausgleich im
Ueli Brügger, Muotathal die Lichter löschen, aber hier sind
Mitglied der wir genauso sparsam mit den Steuergeldern
SRG-Trägerschaft wie die Multimillionäre in Ausserschwyz. So
ist er, der Schwyzer, der Urschweizer! Und hö-
rid einisch uf mit diesem Gerede von der SRG
Jeder KMUler als Klammer für die Schweiz. Sie ist wichtig,
würde auf weil sie ein Sprachrohr ist, aber so verreckt
Deutsch gesagt wichtig sollte sie sich auch nicht nehmen.»
verrecken,
wenn er so Der Analytiker
arbeiten würde
wie die SRG. Iwan Rickenbacher, 74, wohnt und arbeitet
in Brunnen mit schönstem Blick auf den
Peter Föhn, Möbel- Vierwaldstättersee. Der Kommunikations-
bauer und SVP- berater, ehemalige CVP-Generalsekretär
Ständerat und Tamedia-Verwaltungsrat, nicht zuletzt
aus unzähligen Auftritten am Schweizer
Fernsehen landesweit bekannt, wollte sich
Ich will nicht, zunächst nicht öffentlich zu «No Billag»
dass zukünftig engagieren, nun tut er es doch: dagegen.
die Milliardäre
«Im Augenblick gäbe es wohl ein Ja im Kanton
aus Herrliberg Schwyz. Aber das Herbeirufen der grossen Ka-
bestimmen, tastrophe überzeugt hier kaum. EWR, Bilate-
welche Nach- rale, Finanzplatz und jetzt die SRG: Ich habe
richten wir in etwas Mühe, wenn Abstimmungen immer
der Schweiz zu öfter zum Testfall für die Demokratie und die
hören bekom- Existenz der Schweiz gemacht werden. Es gibt
men. genügend andere gute Gründe für ein Nein.
Würden die Schwyzer in einem Bündner
Karin Schwiter, Seitental mit einer rätoromanischen Minder-
ft in Einsiedeln. (4.1. 2018) Maler und Gipser Piri Rickenbacher im Aufenthaltsraum seines Geschäfts in Muotathal. (22.12. 2017) SP-Politikerin heit leben, dann wäre auch ihre Befürchtung
grösser, ohne SRG von wichtigen Informatio-
nen und Dienstleistungen abgehängt zu wer-
Ich habe etwas den. Hier glaubt man sich das leisten zu kön-
Mühe, wenn nen, weil selbst das Muotatal viel näher an der
Abstimmungen Metropole Zürich liegt als Graubünden. Und
vor allem, weil der Kanton Schwyz immer
immer öfter noch eine ziemlich reiche eigene Medienland-
zum Testfall schaft mit Zeitungen sowie privaten Radio-
für die Demo- und TV-Stationen hat. So herrscht der Ein-
kratie und die druck vor, auch mit einer zurückgebundenen
Existenz der SRG entstünde hier keine mediale Wüste.
Schweiz Den Leuten hier ist ziemlich egal, was der
gemacht Rest der Schweiz über sie denkt. Für Egoisten
werden. halte ich sie jedoch nicht, so wenig wie für rei-
ne Neinsager. Vielmehr sind sie extrem prag-
Iwan Rickenbacher, matisch, etwa wenn sie dem Gemeindepräsi-
Kommunikations- denten von Ingenbohl folgen, der mit klaren
berater Argumenten aufzeigen kann, warum es eine
neue Unterkunft für Migranten braucht – ob-
wohl die SVP dagegen war. Man kann folglich
auch nicht von einem generellen Anti-Eliten-
Reflex reden. Die Erfahrung der Leute ist: Die
Institutionen funktionieren. Deshalb verfängt
hier überhaupt nicht, dass es bei ‹No Billag›
um die Zukunft der Demokratie gehen soll.»

Wagen wir eine Prognose am Ende dieser klei-


nen Erkundung: Der Kanton Schwyz wird mit
51,4 Prozent Ja zu «No Billag» sagen, ein viel zu
schwaches Signal für ein Ja im ganzen Land.
Kantonsratspräsidentin Karin Schwiter (SP) in Lachen, SZ. (12. 1. 2018) Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher in Brunnen. (4.1. 2018) Die SRG wird den 4.März 2018 überleben.
24 Hintergrund «No Billag» NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

MARCO ZANONI

«Es ist unglaublich intensiv»: Gilles Marchand kämpft für eine Ablehnung der Volksinitiative, welche die Existenz der SRG gefährdet. (Bern, 19. Januar 2018)

«DieSRGmussfitterund
agilerwerden»
SRG-Chef Gilles Marchand verspricht, dass sich der Rundfunk ändern werde – sofern am 4. März ein Nein
herauskommt. Dass die Debatte um «No Billag» früh begann, sei ein Vorteil. Interview: Francesco Benini
NZZ am Sonntag: Sie sind Chef der SRG seit muss noch profilierter werden. Wir müssen Bundesrätin Doris Leuthard sprach diese Landes tun. Diese Produktionen könnte man
Oktober 2017. Haben Sie sich Ihren Amts- uns auch stärker auf die Digitalisierung aus- Woche davon, dass die SRG-Haushaltsabgabe
Gilles mit der Öffentlichkeit diskutieren. So käme
antritt so vorgestellt, wie er sich nun gestaltet? richten. Diese Veränderungen brauchen ein innerhalb von fünf Jahren von 365 auf 300 Marchand eine vertiefte Debatte über die SRG in Gang.
Gilles Marchand: Es ist unglaublich inten- wenig Zeit. Die SRG wird aber sicher nicht Franken sinken könnte. Was sagen Sie dazu?
siv, aber das überrascht mich nicht. Ich bin bleiben, wie sie heute ist. Die Höhe der Gebühr wird vom Bundesrat Der 55-jährige War es ein Vorteil für die SRG, dass die öffent-
mit zwei Absichten von Genf nach Bern um- festgelegt, und die SRG muss mit dem Geld Gilles Marchand liche Debatte über die No-Billag-Initiative so
gezogen: den Abstimmungskampf um die In der Westschweizer Zeitung «Le Temps» auskommen, das ihr zugesprochen wird. ist seit Oktober früh einsetzte wie in kaum einem anderen
No-Billag-Initiative gewinnen und die Zu- haben Sie folgendes Modell erwähnt: Künftig 2017 General- Schweizer Abstimmungskampf ?
kunft der SRG vorbereiten. könnte es pro Sprachregion noch einen analo- Sie könnten einige Sender schliessen. direktor der SRG. Das ist möglich, ja. Mir scheint, dass die
gen Fernsehsender geben – und den Rest des Alles ist möglich. Aber die Zahl der Sender, Der Soziologe erste Phase im Herbst vergangenen Jahres
Warum stösst die No-Billag-Initiative auf Programms stellen sich die Zuschauer im also die Distribution, ist heute nicht mehr hatte zuvor das ziemlich emotional war. Nun stellen immer
grosse Resonanz? Internet individuell zusammen. das wichtigste Kriterium. In der digitalisier- Westschweizer mehr Menschen nüchtern fest, was die Ge-
Die Diskussionen werden so intensiv ge- Das ist eine langfristige strategische ten Medienwelt kann bald jeder im Internet Radio und Fern- sellschaft ohne eine öffentliche Finanzie-
führt, weil wir der ganzen Schweizer Bevöl- Vision, wie die SRG in fünf oder zehn Jahren einen Sender lancieren. Worauf es aber an- sehen geführt. rung der SRG verlieren würde. Wobei klar ist,
kerung gehören. Jeder hat Ansichten über aussehen könnte. kommt, sind die Inhalte. Die Produktionen Für das Medien- dass wir bis zum 4. März noch viele Fragen
unser Programm, über bestimmte Sendun- sind teurer als die Distribution, besonders im unternehmen beantworten und und vor allem weiterhin
gen. Und wie jedes Unternehmen hat die SRG Die SRG muss sich verschlanken. Wie viel Geld digitalen Bereich. Entscheidend sind deshalb Ringier führte er eine professionelle Arbeit machen müssen.
in der Vergangenheit auch Fehler gemacht. wollen Sie einsparen? nicht die Sender, sondern die Produktionen. vor dem Wechsel Die Meinungen sind noch nicht gemacht.
Der intensive Abstimmungskampf zeigt, dass Wir sind daran, ein Sparprogramm im Um- Ich fände es zum Beispiel gut, wenn mehr zur SRG den
wir den Menschen etwas bedeuten. Wenn es fang von 50 Millionen Franken umzusetzen. Schweizer Filme produziert würden. Die SRG Unternehmens- Überrascht es Sie, dass die Deutschschweizer
jetzt ruhig wäre, würde mich das mehr belas- muss dafür geeignete Partner suchen. teil in der staatlichen Institutionen gegenüber eher skep-
ten als die heftig geführte Debatte, die wir er- Das ist nicht viel. Es sind lediglich 3 Prozent Romandie. Gilles tisch eingestellt sind?
leben. Ihres Budgets. Ihr Vorgänger Roger de Weck hat mit der Marchand wuchs Es gibt hier einen klaren kulturellen
Der Bundesrat hat die Gebühreneinnah- Swisscom und dem Medienunternehmen Rin- in Paris und in Unterschied. Die Beziehung zu öffentlichen
Mittlerweile liegen verschiedene Vorschläge men der SRG auf 1,2 Milliarden Franken pro gier 2015 eine Werbevermarktungsallianz aus Nyon auf. Institutionen ist in der französischsprachi-
vor, wie die SRG auch nach einem Ja zu «No Jahr plafoniert. Und die Werbeeinnahmen der Taufe gehoben. Das kam nicht nur in der gen Welt anders als im deutschsprachigen
Billag» weiterbetrieben werden könnte. sinken in den kommenden Jahren tenden- Medienbranche schlecht an. Sind Sie nun be- Raum. Im lateinischen Sprachraum herrscht
Keiner dieser Pläne ist auch nur ansatz- ziell. Wir werden also mit weniger Geld aus- reit, die SRG aus der Allianz mit dem Namen ein grösserer Konsens darüber, dass es einige
weise realistisch. Ohne eine öffentliche kommen müssen. Mit dem Leistungsauftrag Admeira zu führen? Institutionen für das Zusammenleben
Finanzierung können wir unseren Leistungs- ist die SRG aber verpflichtet, allen Regionen Admeira wurde mit dem Ziel gegründet, braucht. Man schimpft zwar ständig über sie,
auftrag in vier Sprachen nicht erfüllen. Mit des Landes ein gleichwertiges Programm zu die Vermarktung der Inhalte effizienter zu aber man stellt sie nicht grundsätzlich infra-
einem Ja am kommenden 4. März verliert die bieten. Sollte man unsere Mittel noch stärker organisieren und durch neue Angebote die ge. In der Deutschschweiz erlebe ich es
SRG ihre Daseinsberechtigung. Es wäre dann kürzen, müsste man auch den Leistungsauf- Abwanderung der Werbung auf ausländische anders. Diese Unterschiede sind letztlich be-
meine Aufgabe, sie zu liquidieren, und dies trag neu diskutieren. digitale Plattformen zu bremsen. Die SRG ist reichernd für die Schweiz.
zu angemessenen Bedingungen für unsere offen, neue Lösungen sowohl für Admeira
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. als auch für die Branche zu prüfen – vor Vermissen Sie die Westschweiz?
allem, was unsere Aktienbeteiligung an Jein. Das ist jetzt eine schöne Antwort,
Sie sagen, die SRG könne nicht so bleiben, wie Admeira anbelangt. Parallel dazu diskutieren oder?
sie ist. Aber konkrete Angaben über Verände- wir weiterhin mit unseren Kollegen von den
rungen machen Sie nicht. Das lässt viele ver- Printmedien. Ich bin an einer konstruktiven Es geht.
muten: Wenn es im März ein klares Nein gibt, Koexistenz mit den Schweizer Verlegern In der Romandie kennen mich die Leute,
machen Sie weiter wie bisher. Wenn es jetzt ruhig interessiert. ich muss weniger erklären. Hier muss ich
Nein, glauben Sie mir: Die SRG wird sich
verändern. Eine solche Reform kann man
wäre um die SRG, würde Sie haben gesagt, die SRG müsse der Gesell-
neu anfangen. Das ist eine neue Situation.
Sie ist anstrengend, aber auch aufregend.
aber nicht einfach top-down entscheiden. mich das mehr schaft künftig besser erklären, was sie tue. Wie
Dafür braucht es viele Gespräche mit den belasten als die soll das geschehen? Wenn es am 4. März ein Nein gibt – fahren Sie
Mitarbeitern, mit dem Verwaltungsrat. Die Für diesen Dialog gibt es viele Möglichkei- dann in die grossen Ferien?
SRG muss fitter werden, agiler; unser Ange- heftig geführte Debatte, ten, beispielsweise Video-Produktionen, die Ganz sicher nicht. Dann geht es für mich
bot in der Information und in der Kultur die wir erleben. aufzeigen, was wir in allen Regionen des erst richtig los.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Hintergrund Nordkorea 25

ImHöhenrausch
Kein Volk der Welt glaubt, dass sein Staatsoberhaupt von einem Berg abstammt. Ausser die Nordkoreaner.
Die Macht von Kim Jong Un beruht auf einem kuriosen Führermythos. Von Carole Koch

K
im Jong Un hat neulich einen Der Paektu ist längst

REUTERS
Berg bestiegen. Das ist nicht
nur insofern eine besondere
nicht der einzige Berg,
Nachricht, als der Diktator der für die Kim-Dynastie
den Aufstieg mit geschätzten
130 Kilo und feinen Leder-
eine bedeutende Rolle
schuhen geschafft haben soll. spielt: 80 Prozent des
Der Paektu ist genauswenig irgendein Berg, Landes sind bergig.
wie der Besuch irgendein Wanderausflug ist:
Kim hat dort oben schon öfters den Gipfel des
Personenkults zelebriert: 2015 zum Beispiel, 1983 klingt das dann so: «Ein heller Stern
als er verkündete, dass die geistige Energie namens Leitstern stieg über dem Paektu auf
des Paektus stärker sei als jede Art von Atom- und schien über Korea. Heute scheint er auf
waffen. Oder 2013, bevor er seinen Onkel hin- der ganzen Welt, und dieser Leitstern ist Kim
richten und angeblich als Hundefutter in die Jong Il, der im Besitz des Geistes und der
Geschichte eingehen liess. Energie des Paektu ist.»
Es heisst, dass der Führer immer dann zum Als Urheber dieser Geschichten gilt Kim
höchsten Berg des Landes aufbreche, wenn Jong Il selbst, der Vater des heutigen Staats-
wichtige Entscheide anstünden. Diesmal chefs. Laut Michael Madden, Experte am US-
stapfte er nach Angaben der Staatsmedien bei Korea Institut der Johns Hopkins Universität,
minus 20 Grad durch den Schnee, um mit leitete dieser in den sechziger und siebziger
dem «grossen November-Event» die Rakete zu Jahren als Sohn des damaligen Machthabers
feiern, die amerikanisches Festland treffen die Propagandaabteilung. In dieser Zeit wurde
kann. Bei der Ankunft des «obersten Führers» der Gründungsmythos entwickelt und eine
habe sich der Sturm schlagartig in Sonnen- Quasi-Religion geschaffen, die zur staatlichen
schein verwandelt. Selten sei die Sicht klarer Juche-Ideologie passt. Daraus leitet sich auch
gewesen als an diesem 9. Dezember 2017. Bot- eine Erbfolge ab, die im Begriff der «Paektu
schaft: Kim kontrolliert nichts Geringeres als Blutlinie» ihre Entsprechung findet. Michael
die Natur selbst und überhaupt das ganze Uni- Madden sagt es so: «Der Grossvater wird als
versum. Gott verehrt, der Vater als eine Art Jesus-
Auf solche Schilderungen folgt normaler- Figur, und den Sohn könnte man mit dem
weise ein Rationalitäts-«Also bitte». In Nord- Papst vergleichen.» Das Bergblut soll vor
korea ist das anders. Und das hat ziemlich viel einem knappen Jahr auch dem Halbbruder
mit dem Brocken unter Kims glatten Sohlen des Diktators zum Verhängnis geworden sein,
zu tun. Überhaupt wäre Nordkorea nicht Kim Jong Nam, der in Malaysia vergiftet
Nordkorea ohne seine Bergwelt. wurde und damit keinen Machtanspruch
Der Paektu, 2750 Meter hoch, liegt im mehr anmelden kann.
Nordwesten des Landes, an der chinesischen
Grenze. Die Koreaner nennen ihn Paektusan, Militärische Parallelwelt
weissköpfigen Berg. In Pjongjangs U-Bahn ist Der Paektu ist längst nicht der einzige Berg,
er ebenso auf Plakaten zu sehen wie auf den der für die Macht der Kim-Dynastie eine be-
Strassen oder im Staatsfernsehen, wenn deutende Rolle spielt: 80 Prozent der Landes-
Nachrichtensprecherin Ri Chun Hee die US- fläche sind bergig. Nach Analysen des US-
Amerikaner zuverlässig als Bastarde bezeich- Korea-Instituts ist diese Topografie strate-
net, in rosa Seide, vor weiss gezuckerten Za- gisch äusserst vorteilhaft, mindestens die
cken. Der Berg strahlt vom Nationalemblem, Hälfte aller Militäranlagen soll in den Felsen
er wird in Gedichten beschrieben und von versteckt sein. Munitions- und Raketenfabri-
Kims Lieblings-Pop-Gruppe Moranbong be- ken zum Beispiel, die auf Propagandabildern
sungen. Er ist Namensgeber für Raketen und an tunnelartig gewölbten Wänden zu erken-
nicht selten Synonym für die Armee selbst: nen sind, natürlich auch Schutzräume und
Der Paektu ist viel mehr als ein Berg – ein Vul- Vorratslager.
kan, ein Mysterium und ein Mythos. Es erscheint wie eine James-Bond-Parallel-
welt von Bunker-, Tunnel- und Bahnsyste-
Historischer Vulkanausbruch men, in denen Truppen oder Raketenteile be-
Vor rund 1100 Jahren machte er seine Um- wegt werden, ohne von Satellitenkameras be-
gebung dem Erdboden gleich. Er löschte Wäl- merkt zu werden. Dasselbe gilt für Kim Jong
der aus und schuf Landschaften aus Asche, Un selbst, der für sich allein eine Strasse hat,
die bis nach Japan reichten. Es war einer der die immer wieder im Erdreich verschwindet.
grössten Ausbrüche in der Geschichte der Das Nautilus-Institut in Berkeley zählt in
Menschheit, der einen Kratersee ins Gebirge einem Report zudem in Fels gehauene U-Boot-
riss, zehn Quadratkilometer gross, 384 Meter Häfen auf oder Radaranlagen, die wie Peri-
tief. Forscher rätseln jetzt darüber, ob der Vul- skope aus der Erde gefahren werden können.
kan wieder ausbrechen wird. Vor allem: Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Pung-
Wann? Das ist die grosse Frage. gye-ri-Gelände am Berg Mantap, in dem die
Der Paektu ist unberechenbar, gefährlich nuklearen Tests durchgeführt werden. Sie
und damit die perfekte, felsgewordene Propa- lösen Erschütterungen aus, die auf der ganzen
gandabühne, um immer wieder das Stück auf- Welt messbar sind. Auch in Nordkorea geben
zuführen, das in Nordkorea als unangefoch- sie zunehmend Anlass zur Sorge: Nach dem
tene Wahrheit gilt: Es beginnt mit dem Gross- Atomtest im September bebte die Erde mit
vater des gegenwärtigen Staatschefs, Kim Il einer Stärke von 6,3. Ein Tunnel stürzte ein, es
Sung, der die japanischen Besetzer am Fusse folgten weitere Nachbeben. Forscher stellen
des Paektu im Guerilla-Krieg bekämpft hat. ein «Müder Berg Syndrom» fest, das Gestein
Die Saga an diesem Berg anzusiedeln, ist aber wurde durch die Explosionen stark zersplit-
noch aus anderen Gründen eine vielverspre- tert. Die grösste Befürchtung ist, dass der
chende Idee: Hier ist der Ort, an dem alles be- Mantap kollabieren und radioaktives Material
gann. Hier wurde Dangun geboren, der Grün- freisetzen könnte.
der des ersten koreanischen Königreiches. Genauer verfolgt wird auch, wie die Druck-
Hier wurde folglich auch Kim Jong Il geboren, wellen sich auf den Paektu auswirken, dem
der Sohn des revolutionären Staatsgründers. Oben: Wander­ bote. Der Kailash im Himalaja darf nicht be- Land der wilden Mythen heiligen Berg, dem Supervulkan. Er ist nur 114
So hören es zumindest die nordkoreanischen ausflug? Mitnichten. stiegen werden, als so göttlich gilt er. Und man Kilometer vom Testgelände entfernt und 1903
Kinder von klein auf, sie lesen es in den Kim Jong Un macht muss nicht einmal gläubig sein, um in den Die wichtigsten Berge Nordkoreas zum letzten Mal ausgebrochen. Vor sieben
Büchern, allen Beweisen westlicher Historiker auf dem Paektu Bergen ein Bewusstsein von etwas zu empfin- Jahren holten sich die Nordkoreaner zum ers-
zum Trotz, dass Kim Jong Il in einem sibiri- immer wieder den, das grösser ist als die Menschheit selbst. ten Mal Hilfe bei ausländische Vulkanologen,
schen Militärlager zur Welt gekommen ist, Propaganda. Der Geburtsmythos Nordkoreas erinnert CHINA weil sie die Risiken einer erneuten Eruption
Hunderte von Kilometern weiter nördlich. (9. Dezember 2017). auch an den Erlöserkanon. Es ist, als würden Paektu nicht mehr allein abschätzen konnten. Und
Mit der Verortung am Paektu wurde die antiimperialistische, konfuzianische oder nach den letzten Erschütterungen wurde so-
Kim-Saga auch spirituell aufgeladen. Nicht Unten: In dieser christliche Bücher verschwimmen, als hätte Mantap gar der Nationalpark auf der chinesischen
nur Koreaner, sondern auch Chinesen ver- Berghütte soll sein man hier und da etwas herausgepickt und frei Seite des Vulkans vorübergehend für Touris-
Raketentest-
ehren ihn seit Jahrtausenden als heiligen Vater (Mitte) ge­ assoziiert: Ein Stern verkündete die Ankunft gelände ten gesperrt – aufgrund des zu hohen Sicher-
Berg. Bisweilen galt der Paektu selbst als Gott boren worden sein. von Kim Jong Il (siehe Stern von Bethlehem), NORDKOREA heitsrisikos.
und Herrscher. Für die Jurchen der Man- in einer Holzhütte ist er auf die Welt gekom- Könnte der Paektu infolge von nuklearen
dschurei war er ein «König, der Wohlstand be- men (siehe Stall von Maria und Josef). Je nach Tests ausbrechen? Über diese Frage streiten
Pjongjang
schert und in Wundern antwortet». Ausser- Überlieferung zwitscherten Schwalben die sich Geowissenschafter aus der ganzen Welt,
gewöhnlich ist das nicht, in vielen Kulturen frohe Botschaft vom Himmel hinab, oder es die einen sagen Ja, die anderen Nein. In jedem
haben Berge eine besondere Bedeutung: Auf war da auch noch ein doppelter Regenbogen Fall wäre es ein Supergau – die grosse Ironie
dem Olymp wohnten die Götter der alten zu sehen. In einer Sendung des Propaganda- 100 km SÜD-
Seoul KOREA von einem Mythos, der sich am Ende selbst in
Griechen. Am Sinai empfing Moses die Ge- senders «Stimme der nationalen Rettung» von die Luft sprengt.
Ein Reise-Unikat
mit Asienexperte
Manfred Rist

NZZ-REISEN EXKLUSIV
BURMA Burmesischer Alltag entlang des Wassers
• Das «Heritage Line»-Flusskreuzfahrtschiff – Ihr edles Zuhause

Kreuzfahrt auf
während einer Woche auf dem Irrawaddy-Fluss
• Einblicke in die burmesischen Gesellschaftsschichten – Schulprojekte,
Handwerksbetriebe, Dorfgemeinschaften
Irrawaddy-Fluss • Goldene Pagodenfelder – der Inbegriff südostasiatischer andächtiger
Szenerie
Burma bleibt ein Ausnahmefall. Mit schmeichelnden, einladenden • Eintauchen in die burmesische Landschaft – auf einem Vulkan, dem
Attributen – und einer bewegten Geschichte, die dieser Tage See der Einbeinruderer, der längsten Teakholz- und der berühmtesten
Eisenbahnbrücke
neue Kapitel schreibt. Wunderschön, geheimnisvoll, im Thera-
vada-Buddhismus verankert – der Fremdenverkehr zeichnet ein IHRE BEGLEITUNG
in sich ruhendes Bild eines jüngst erwachten Landes. Während
MANFRED RIST
Ihrer Bilderbuchreise zu den goldenen Pagoden und auf der Manfred Rist ist Auslandskorrespondent der NZZ mit Sitz
Irrawaddy-Flusskreuzfahrt erhellt Ihnen der NZZ-Korrespondent in Singapur. Seit 1999 verfolgt er die politischen und wirt-
Manfred Rist so einige Details, welche simple Schlagzeilen nicht schaftlichen Entwicklungen in Südostasien. Nach einigen
abzudecken wissen. Jahren zwischendurch in Paris lebt er erneut in Singapur,
von wo er die Geschehnisse der erweiterten Region beob-
Termin: 22.09. – 11.10.2018 achtet und analysiert. Er begleitet die Gruppe 10 Tage während der Irrawad-
dy-Flusskreuzfahrt.
Preis: Fr. 8800.– (Einzelzimmerzuschlag Fr. 1700.–)
Teilnehmer/innen: Min. 15, max. 25 Personen LEISTUNGEN
• Internationale Flüge mit Thai Airways in der Economy-Klasse (inkl. Taxen)
Tage 1/2: Zürich–Yangon • Inlandflüge, alle Transporte, Eintritte, Gebühren, Trinkgelder
Flug mit Thai Airw
r ays über Bangkok, Ankunft in Yangon am Morgen des • Hotelunterkünfte, Basis Doppelzimmer, Deluxe-Doppelkabine (32 m²,
zweiten Tages. Nachmittags auf einheimischen Markt und danach zur über- Hauptdeck), Frühstück, eine weitere Mahlzeit pro Tag
wältigenden goldenen Shwedagon-Pagode.
• Fachvorträge und Begleitung durch Manfred Rist, lokale Deutsch spre-
chende sowie cotravel-Reiseleitung
Tage 3/4: Atmosphärisches Bagan
Kurzer Inlandflug in die Königsstadt der berühmten Pagodenfelder. Über • Ausführliche Reisedokumentation, Audiosystem auf Rundgängen
2000 Sakralbauten aus Ziegelstein zwischen Palmen und Tamarindenbäu- • Fakultatives Vorbereitungstreffen in Zürich 6 Wochen vor Abreise
men liefern wunderbare Fotosujets. Erkundung per Pferdekutsche im
Abendrot oder optional per Heissluftballon in der reinen Morgenstimmung.

Tag 5: Mount Popa Katha


Fahrt zum Geisterberg, einem erloschenen Vulkan – wer zu Fuss zur Spitze
auf 1500 m ü. M. möchte, steigt die 777 Treppen in Begleitung von Äff-
CHINA
chen hinauf. Unterwegs zu Gast bei Palmzuckerbauern, die Ihnen ihre Irrawaddy
Techniken zeigen. Pyin Oo Lwin
Mandalay
Tage 6/7: See der Einbeinruderer Bagan
Kurzer Flug weiter hinein in den Shan-Staat. Zum landschaftlich wunder- Heho & Inle See
schön eingebetteten Inle-See, Lebensgrundlage für die Menschen der Region. Mt. Popa

Tage 8/9: Einschiffung in Mandalay


Indischer BURMA
Ozean
Flug nach Mandalay, Besuch eines Klosters. Bezug der stilvollen Kabinen auf
dem herausragenden Flusskreuzfahrtschiff, Treffen auf Ihren Fachreferenten
Manfred Rist. Erste Einführungen in Landestraditionen an Deck.
Yangon THAILAND
Tage 10–13: Flussaufw f ärts
Vorträge und Aktivitäten an Bord, Landgänge an verschiedenen Stellen: Ta-
guang mit alten Befestigungen, koloniales Katha mit George Orw
r ells Setting
für sein Buch «Tage in Burma» und versenkter britischer Flotille im Hafen.
Nostalgische Zugfahrt durch dichten Dschungel, Alltagsszenen der Fluss-
nomaden. Hintergrundinformationen von Manfred Rist zu Landflucht,
Selbstbild und Erw
r artungen der Burmesen.

Tage 14–16: Flussabwärts und Ausschiffung


Ausflug ins malerische Fischerdorf Hsithe, gemeinsamer Afternoon-Tea und
Gespräche mit den Einheimischen. In Mingun berühmte unfertige Pagode
mit weltweit grösster intakter Glocke, Ausflug nach Amarapura. Blatt-
gold-Herstellungsversuche in Mandalay.

Tage 17/18: Pyin Oo Lwin und Gokteik-Viadukt


Wanderung zu den Anisakan-Wasserfällen, Bad im Naturpool oder Spazier-
gang zum Botanischen Garten. Besuch eines privat von der örtlichen christli-
chen Minderheit geführten Waisenhauses. Eindrückliche Zugfahrt auf Bur-
mas berühmtester Eisenbahnstrecke.

Tage 19/20: Mandalay–Bangkok–Zürich


Freizeit am Morgen. Flug nach Bangkok, Abschiedsabendessen. Weiterflug in
die Schweiz, Ankunft am Morgen.

Anmeldung und Informationen:


reisen.nzz.ch reisen@nzz.ch 061 308 33 55

Organisierender Reiseveranstalter: cotravel


NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Leserbriefe 27

«Trump hat Rache geschworen» So schreiben


Sie uns
Leserbriefe müssen
«Wir haben Trumps Genie unterschätzt» bis Donnerstag-

PEDRO SANTANA / BRENDAN SMIALOWSKI / AFP


NZZ am Sonntag vom 14. Januar mittag eintreffen
Samantha Power (Nomen est omen) hat und mit der voll-
ihren früheren Chef in einem Punkt nicht ständigen Post-
gut – oder eben gar nicht – beraten. Präsident adresse des Absen-
Barack Obama hat sich an einem Empfang ders versehen sein.
der Medienleute im Weissen Haus – so um Sie sollten sich auf
den 1.Mai 2016 herum – in einer Art Cabaret- die letzte Ausgabe
Nummer über Politiker lustig gemacht, und beziehen. Publiziert
veräppelte besonders Donald Trump. Dieser werden auch
war im Publikum anwesend und soll in die Reaktionen, die auf
Weissglut geraten sein, und er dürfte Rache nzz.ch/nzzas ,
geschworen haben. Das ging – einigermassen Facebook und
wirksam – nur via «selber Herr im Weissen Twitter erschie-
Haus»-Sein. Davon war selbst in einer unte- nen sind. Bearbei-
ren Randspalte der «NZZ am Sonntag» zu tungen sind vorbe-
lesen. Donald Trump musste folglich die halten.
Nomination als Präsidentschaftskandidat
der Grand Old Party erreichen. Alles Weitere
ist bekannt, und über ein paar «Mittel zum
Zweck» herrscht «Omertà» und werden
Lügen verbreitet am laufenden Band.
Übrigens, der selbsternannte «Grösste
Führer aller Zeiten», Adolf Hitler, wurde als
Maleraspirant – er brachte als Werkproben
ein paar Aquarelle aufs geduldige Papier –
zweimal von der Wiener Kunstakademie
nicht als Schüler aufgenommen. Dann, ver-
mutlich im heiligen Zorn, «beschloss ich,
Politiker zu werden». Die katastrophalen
Folgen sind bekannt und wirken ersichtlich
nach bis in unsere Zeit.
Ernst Rahm-Landis, Schaffhausen

Bravo, ein sehr gutes Interview.


Samantha Power wirkt reflektiert und
sehr offen. Respekt! Und es zeigt die Profes-
sionalität von Barack Obama gegenüber US-Präsident Donald Trump orientiere sich beinahe obsessiv an Barack Obama, sagte Samantha Power im Interview.
Donald Trump.
Jürgen Hitzhaus
sive Demagogie ist. Man muss ihr zugute- die Reichen noch reicher zu machen. Wie mit Russland und China überspielen will.
Ein lesenswertes Interview, das ehrlich halten, dass sie zum Teil schwere Fehler kann man nur einen solchen Schwachsinn Dieses Ziel, mit welchem er die Wahl zum
wirkt. Zwischen den Zeilen wird aber auch einräumt, wie in Jemen die falsche Seite von sich geben? Präsidenten gewonnen hat und welches
erkennbar, worin das Versagen von Obama unterstützt zu haben. Wenn sie gleichzeitig Maximilian Freyberg Samantha Power und Co. ihm immer
und seiner Berater wie Samantha Power behauptet, Trump würde immer das Gegen- noch als ein Komplott mit Putin auslegen,
lag: Konferenzen, Meetings, Reisen – die teil von Obama tun, bedeutet es auch, dass Samantha Power und ihre Gleichgesinnten wird er nie aufgeben.
Wünsche des amerikanischen Bürgers er diese Entscheidungen richtig gefällt (und «haben (nicht nur) Trumps Genie unter- Victor Lambert, Rickenbach Sulz (ZH)
wurden vernachlässigt. viel Leid vermieden) hätte. Aber solche ein- schätzt», sondern sie unterschätzen sein
Rainer Stenzenberger fache Logik gilt bei Frau Power natürlich nur, Genie weiterhin. Das Theater, welches Amerika ist seit über siebzig Jahren dumm
wenn sie ihre Sichtweise stützt. Donald Trump ihnen und der ganzen Welt und gefährlich. Kennt jemand eine andere
Samantha Power wirft den Trump-Anhän- Endgültig blamiert hat sich Samantha vorspielt, ist nur ein Rösselsprung, mit Nation, die seit ihrem Bestehen ständig
gern vor, fanatisch zu sein, gibt aber hier ein Power schliesslich mit der Behauptung, dem er ihre Bemühungen um die Verhinde- Kriege führt, und das überall auf dieser Welt?
Interview, das ein Paradebeispiel für aggres- Trump würde nur zum WEF fahren, um rung von Normalisierung der Beziehungen Wolfgang Weber

«Was ist Einkommen und mehr Verfassungsbruch geübt, was leider in nicht tun wollen. Damit wird die Freiheit Probleme, weil jetzt zwei Anschlüsse übers Schreiben Sie an:
der Schweiz wegen fehlender Verfassungs- eines Dritten nicht eingeschränkt. Kreuz vertauscht waren: Unser Internet, NZZ am Sonntag,
was nicht?» gerichtsbarkeit möglich und üblich ist. Martin Hartmann, Zürich Telefon und Fernsehen waren auf die fremde Leserbriefe,
«Schweizer erben so viel Geld wie nie zuvor» Max Egli, Seuzach (ZH) Adresse geschaltet, und über unseren Postfach,
NZZ am Sonntag vom 14. Januar Anschluss liefen die Dienste des dortigen CH-8021 Zürich.
Gemäss Bundesverfassung sind Einkom- «Desolate Organisation» Abonnenten. Diese Situation war für die Mit- leserbrief.sonntag
men von natürlichen und juristischen Perso-
nen «angemessen» zu versteuern, wobei
«Aufklärungsbedarf» «Absurder Kundenservice im digitalen
arbeiter des Swisscom-Kundendienstes
unbegreiflich. Gemäss ihren Prüfroutinen
@nzz.ch

die Details von den kantonalen Instanzen «Die Staatsfeinde» Zeitalter» funktionierte ja alles einwandfrei. Nur funk-
geregelt werden. So wurde im Kanton Zürich NZZ am Sonntag vom 14. Januar NZZ am Sonntag vom 14. Januar tionierte jetzt eben alles am falschen Ort.
vor Jahren die Erbschaftssteuer für direkte Grossartig, dass über Libertäre berichtet Das ruft mir die Erfahrung in Erinnerung, Es ist hier nicht der Raum für die Schilde-
Nachkommen abgeschafft. Dabei wurde die wird! Die spürbare Zurückhaltung und die die ich mit einem hoffnungslos überforder- rung, wie sich das Chaos weiterentwickelte.
entscheidende Frage gar nie gestellt, näm- finale Unterstellung, dass Freiheit auf Kosten ten Kundendienst der Swisscom machte. Am Jedenfalls dauerte es gut vier Monate, bis
lich, was «Einkommen» ist und was nicht. anderer geht, verdeutlichen jedoch den wei- Anfang war ein Adressfehler: Swisscom hatte die falsche Schaltung in einer Zentrale
Für einen Empfänger sind Erbschaften teren Aufklärungsbedarf. Die Autorin rückt für den Standort unseres Glasfaseranschlus- behoben wurde und damit das Problem
genauso wie Kapitalgewinne, Saläre, Boni, Libertäre in den Dunstkreis düsterer Perso- ses eine fremde Adresse in ihren Unterlagen definitiv bereinigt war – nachdem wir uns
Schenkungen, Dividenden und Immobilien- nen und stempelt ihre Anliegen als jugend- eingetragen. Doch «Adresse korrigieren» schliesslich mit einem Brief an die Swiss-
erträge Einkommen. Was denn sonst? Die liche Trotzaktionen ab. Damit tut sie den versteht man offenbar bei Swisscom nicht. com-Geschäftsleitung gewendet hatten.
darauf beruhende Initiative für eine bundes- grossen Denkern der österreichischen Schule Es gibt nur Adressänderung bei Umzug. So Geblieben ist uns der Eindruck von einer
weite Erbschaftssteuer wurde vom Volk der Nationalökonomie unrecht. Man sollte liess sich nicht verhindern, dass ein Techni- desolaten Organisation des Kundendienstes
abgelehnt. Dass Erbschaften nicht mehr als zurückhaltend mit Demokratie und Kollek- ker ins Haus kam und eine Umschaltung mit mangelnder interner Information und
Einkommen gelten, ist stossend, wo doch tiventscheiden sein, unterjochen diese näm- vornahm, was anderthalb Stunden dauerte Koordination, hilflosen Mitarbeitern und
sonst Werte bei jeder Handänderung gemäss lich die Minderheit, die man anderswo zu und gar nichts änderte, auch die falsche fehlenden Ansprechpersonen. Das genügt
Gesetz besteuert werden (müssen). Das Volk schützen vorgibt. Man sollte allen die Frei- Adresse nicht. Eines Tages war die Adresse auch in der digitalen Welt nicht.
und der Kanton haben in diesem Fall einmal heit gewähren, nicht tun zu müssen, was sie zwar korrigiert, dafür gab es nun reihenweise Rudolf Bolli, Zürich

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(kap.), Ueli Kneubühler (knu.), Jürg Meier (mju.), Franziska Belgrad: Andreas Ernst (ahn.), Berlin: Silke Mertins (sme.), Tel. 044 258 11 11, E-Mail: verlag@nzz.ch, www.nzz.ch/verlag Verbreitete Auflage: 117 947 Ex. (Wemf 2017).
Pfister (frp.), Markus Städeli (stä.), Albert Steck (sal.), David Susanne Ziegert (suz.), Dublin: Martin Alioth (ali.), Istanbul: Leserservice: Postfach, 8021 Zürich. Tel. 044 258 10 00,
Strohm (dst.) (Leitung Beilagen), Birgit Voigt (vob.). Inga Rogg (iro.), Kapstadt: Christian Putsch (cpk.), Kopen- E-Mail: nzzamsonntag@nzz.ch – www.nzz.ch/Sonntag © Neue Zürcher Zeitung AG, alle Rechte vorbehalten.
Wochenrückblick
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

International Schweiz
Die USA stehen vor der Schlies- Das Referendum gegen das neue laufenden Administrativunter- sche Gerichtshof für Menschen-

REICHWEIN / IMAGO
sung der Bundesbehörden, Geldspielgesetz wird in Bern suchung eine Untersuchung rechte weist die Beschwerde
nachdem das Budget im Senat eingereicht. Die Komitees haben wegen Verdachts auf Fehlverhal- einer Basler Familie ab, die ihre
scheitert. Dieser sogenannte rund 60 000 Unterschriften ten in der Forschung ein. Die Tochter bis zur zweiten Klasse
Shutdown würde die Wirtschaft gesammelt und beglaubigen betroffene Professorin wird vor- dispensieren lassen wollte. Die
Milliarden kosten. Gelingt nicht lassen. Sie wehren sich dagegen, läufig freigestellt. Ablehnung dieses Gesuchs sei
ein schneller Kompromiss zwi- dass gegen ausländische Anbie- gut begründet und stelle keine
schen Republikanern und Demo- ter von Online-Spielen Netzsper- Schüler können zum Besuch des Verletzung des Rechts auf
kraten, droht 800 000 Staats- ren errichtet werden können. Sexualkundeunterrichts ver- Gedankens-, Gewissens- und
bediensteten der unbezahlte pflichtet werden. Der Europäi- Religionsfreiheit dar.
Zwangsurlaub. Betroffen sind Die SVP beginnt mit der Samm-
auch Zollabfertigungen, die Post, lung von Unterschriften für ihre Bundesrätin Doris Leuthard prä-

GAËTAN BALLY / KEYSTONE


Nationalparks oder die Ausgabe Begrenzungsinitiative. Diese sentiert die Pläne für den Ausbau
von Essensmarken für Arme. verlangt, dass der Bundesrat das des Nationalstrassennetzes: Bis
Freizügigkeitsabkommen mit 2030 sollen rund 13,5 Milliarden
Der Orkan «Friederike» richtet in der EU ausser Kraft setzt oder Franken investiert werden. An
Deutschland riesige Verwüstun- gar einseitig kündigt. erster Stelle stehen der Bypass
gen an. Mindestens 8 Personen Umgestürzter Baum, verletzter Autolenker. (Moers, 18. Januar 2018) Luzern sowie Projekte in Crissier
kommen ums Leben. Versicherer Der Mobbing-Fall an der ETH und Le Locle. Vorgesehen sind
beziffern die Schäden auf mehr Zürich weitet sich aus: Die Hoch- später auch Entlastungen im
als 500 Millionen Euro. Die Nordkosovo, Oliver Ivanovic. Er Nach einer Solidaritätskampa- schule leitet neben der bereits Sexualkundeunterricht in Chur. Raum Zürich und Bern. (rd.)
Deutsche Bahn stellt den Betrieb hat als Vermittler in der serbisch gne für eine prokurdische Zei-
landesweit ein. Auch die Nieder- dominierten Region gegolten. tung verurteilt ein Gericht in
lande und Belgien sind stark Kommentatoren schliessen Istanbul fünf Journalisten. Es
betroffen. allerdings ein ethnisches Tat- verhängt Haftstrafen von bis zu Wirtschaft
motiv aus. Vermutet wird, dass 3 Jahren und 9 Monaten – wegen
Papst Franziskus (Bild unten) Ivanovic kriminellen Organisa- Terrorpropaganda.
bittet in Chile um Verzeihung tionen im Weg war. Die Weltwirtschaft dürfte im Am Schweizer Immobilienmarkt mens Jones Lang LaSalle (JLL)
wegen des Kindesmissbrauchs Neuseelands Regierungschefin laufenden Jahr nach Einschät- zeichnet sich laut der Grossbank allerdings immer noch der zweit-
durch einen chilenischen Pries- Für den Grenzschutz in Calais Jacinda Ardern erwartet im Juni zung der Unternehmensbera- UBS eine Trendwende ab. Wäh- höchste Stand seit über einem
ter. Solches dürfe sich nie mehr erhält Frankreich von Grossbri- ihr erstes Kind. Sie plant eine tung PWC das grösste Wachstum rend die Zuwanderung sinkt, Jahrzehnt. Ausnahme war
wiederholen, tannien zusätzlich rund 50 Mil- sechswöchige Babypause. Die seit 2011 verzeichnen. Haupt- wird weiterhin viel gebaut. Das Zürich, wo der Leerstand stieg.
mahnt er bei lionen Euro. Dies bestätigen Regierungsarbeit sieht sie nicht motoren sind die USA, die dürfte laut Einschätzung der
seiner sechsten Premierministerin Theresa May beeinträchtigt: Ihr Lebenspart- Schwellenländer Asiens und die UBS-Experten zu sinkenden Deutschland und Frankreich
EPA

Lateinamerika- und Präsident Emmanuel ner werde sich die meiste Zeit Euro-Zone. Sie werden 2018 für Mieten und zumindest stagnie- wollen die Digitalwährung Bit-
reise als Papst. Macron bei einem Treffen in um das Kind kümmern. (maz.) fast 70 Prozent des Wachstums renden Preisen bei Eigentums- coin stärker kontrollieren. Laut
Dabei besucht er Sandhurst. Beide Länder verantwortlich zeichnen. wohnungen führen. dem französischen Wirtschafts-
auch Peru – nicht wollen auch bei der Terror- minister sind gemeinsame Vor-
aber seine bekämpfung intensiver Der Handelsstreit der USA mit Nach einem Rekord im Jahr 2016 schläge zur Regulierung geplant.
Heimat Argen- zusammenarbeiten. China spitzt sich zu. Die US-Re- ist 2017 der Leerstand bei Büro- Diese sollen bis im März vorlie-
tinien. Für London ist dies gierung verhängt weitere Straf- flächen in den grossen Schwei- gen. Die Bitcoin-Währung steht

Ein Mordanschlag
wichtig, wird doch
die EU-Aussen-
Unser Newsletter zölle auf bestimmte Edelstahl-
und Polyesterprodukte. Exper-
zer Städten im Durchschnitt
etwas zurückgegangen. Es waren
wegen starker Schwankungen
und fehlender Regulierung in
erschüttert Kosovo: In grenze nach dem Stimmt Sie schon am Freitag aufs ten befürchten, dass die Streitig- noch 1,2 Prozent der gesamten der Kritik. Berlin und Paris spre-
der Stadt Mitrovica Brexit durch den Wochenende ein. Jetzt anmelden! keiten der USA mit China und Büroflächen nicht vermietet. Das chen laut dem Minister zudem
töten Unbekannte den Ärmelkanal nzz.as/newsletter anderen Ländern erhebliche ist gemäss Berechnungen des über die Besteuerung von Inter-
wichtigsten Politiker in laufen. Auswirkungen haben könnten. Immobilienberatungsunterneh- net-Giganten. (mju.)

«Sie haben
keine Kreditkarte?
Eine Adresse
reicht auch.»
Schluss mit Ausreden:
Einfach das Billett auf Rechnung kaufen.
Jetzt umsteigen auf SBB Mobile und SBB.ch.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Billettrevolution Konzerngewinne Tourismus

BLOOMBERG
Nun verkauft gar der Zwei Drittel der Profite Schweizer buchen oft
TCS Bahntickets 31 sind für Aktionäre 32 im Ausland 39

HAROLD CUNNINGHAM / GETTY IMAGES


Stimmungsvolle
Retro-Ästhetik am
Uhrensalon in Genf:
Der legendäre IWC-
Uhrmacher Kurt
Klaus mit Fussball-
Star Luis Figo und
seiner Frau Helen
Svedin. (16. 1. 2018)

Das neue Geschäft mit alten Uhren


Die Uhrenbranche setzt mehr denn je auf den Retro-Trend. Er geht über das Design hinaus: Wichtige Marken
wollen den lukrativen Verkauf von Uhren aus Vorbesitz selber in die Hand nehmen.Von Daniel Hug

I
n Genf haben diese Woche über 30 Nobel- Harzende Luxusuhren unter Korruptionsverdacht Uhren noch teurer zu verkaufen: Audemars Das sind nicht gerade euphorische Aussich-
Uhrenmarken präsentiert, was sie in den Uhrenverkäufe stellte, was die Verkäufe ab 2015 einbrechen Piguet vermochte ihren Durchschnittspreis ten. Was liegt da näher, als neue Geschäfts-
nächsten Monaten verkaufen wollen. Die liess. Seither erholt sich die Branche, aber nur auf rund 40 000 Fr. anzuheben, eine Hublot felder zu suchen? Am stärksten haben sich
Leistungsschau der vorwiegend in der Umsatz* der gemächlich. Die Uhrensparte der Richemont- geht im Schnitt für 20 000 Fr. über den Laden- jüngst die Preise der echten Klassiker-Uhren
Schweiz situierten Hersteller hat vor allem Uhrensparte von Gruppe, dem wichtigsten Aussteller in Genf, tisch, das ist etwas mehr als im Vorjahr. nach oben geschraubt. Zwar ist nicht jede Uhr
eines gezeigt: Die Rückbesinnung auf die his- Richemont hat in den letzten neun Monaten des letzten Doch für die meisten übrigen Marken gilt so wertvoll wie die Rolex Daytona von Paul
torischen Designs ist allgegenwärtig. Kaum 2,5 Mrd. € Jahres nahezu stagniert (+2% Umsatz) und die Devise, die Preise tiefer anzusetzen. Newman, die Aurel Bacs im Oktober für 17,8
eine Marke greift nicht auf ein klassisches liegt noch unter dem Niveau von 2013 (siehe Vacheron Constantin, eine der teuersten Mar- Mio. $ versteigert hat. Doch auch für etliche
2,0
Modell zurück – um es etwas grösser und tech- Grafik). Das liegt nicht nur an der Abkühlung ken im Richemont-Konzern, hat als grosse «Vintage»-Uhren ohne prominenten Vorbesit-
nisch verbessert wieder neu herauszubringen. 1,5 in China, sondern auch an einem Angebot, das Neuigkeit ein Modell mit einem Preisetikett zer zeigt der Trend nach oben. Der Auktiona-
Woher rührt diese Orientierung an vergan- 1,0
zu teuer und zu wenig attraktiv war. von 12 000 Fr. präsentiert, das liegt klar unter tor schätzt, dass Vintage-Uhren für jährlich
genen Epochen? «Wir arbeiten in der ‹feel- Nun sind viele der Nobelmarken spürbar dem bisherigen Angebot. Dafür wird das Herz über 1 Mrd. Fr. umgesetzt werden, davon 200
good-industry›: Unsere Uhren sollen den Leu- 0,5 bescheidener geworden, präsentierten mehr der Uhr nicht mehr in den Genfer Ateliers her- Mio. Fr. durch die grossen Auktionshäuser.
ten ein gutes Gefühl vermitteln und für Wohl- 0 Stahl- statt Goldmodelle und entdecken, dass gestellt, sondern von der Richemont-Firma «Alle Manufakturen umarmen heute ihre Ver-
befinden in den guten alten Werten sorgen», 2013 14 15 16 17 es einen Markt für Uhren unter 10 000 oder Val Fleurier, die für Marken wie Cartier, IWC gangenheit und pflegen ihr Erbe», so Bacs.
* jeweils 9 Monate von April–Dez.,
erklärt Christoph Grainger-Herr. Er führt seit da Abschluss des letzten 5000 Fr. gibt. Nur einzelnen Marken, die oder Baume & Mercier in grösseren Mengen
kurzem die Schaffhauser Marke IWC, die die- Geschäftsjahres noch nicht vorliegt
gerade sehr gefragt sind, ist es gelungen, ihre Uhrwerke produziert. Fortsetzung Seite 31
ses Jahr den 150. Geburtstag feiert.

Retro-Stil ist positiv aufgeladen


Doch warum schaut man lieber in den Rück-
Nachgefragt François-Henry Bennahmias, Chef von Audemars Piguet
spiegel statt nach vorne? «Der Glaube an den
technischen Fortschritt und an einen für alle
steigenden Lebensstandard ist tief in der «Vintage-Uhren sind das nächste grosse Ding in der Branche»
Grundidee der Moderne verankert», sagt
Grainger-Herr. «Doch seit den 1980er Jahren
hat sich der Fortschritt vom Lebensstandard In den letzten Jahren durch- Weltweit 53, davon besitzen wir 21, wächst schneller als jener der werden. Wie steht es bei Aude-
KEYSTONE

entkoppelt, breite Bevölkerungsschichten lebte die Uhrenindustrie eine und 32 führen wir mit Händlern. neuen Uhren. Vacheron Con- mars Piguet?
haben eine Desillusionierung erlebt.» In der Krise – doch Audemars Piguet Die Konkurrenz setzt zwar stark stantin hat begonnen, ältere Wir haben unsere Archive. Und Sie
westlichen Welt ist das Fortschrittsmodell legte deutlich zu. Weshalb? auf Asien, aber unser Hauptmarkt Uhren der Marke selber zu über- werden in den nächsten Jahren
brüchig geworden, Zukunftstechnologien In den letzten sechs Jahren hat sind die USA. Die Nachfrage ist so holen und dann zu verkaufen. sehen, dass wir Boutiquen eröff-
werden skeptisch beurteilt. Die Internet- sich unser Umsatz fast verdop- gross, dass wir problemlos 45 000 Ist das ein Thema für Sie? nen, die sich auf Vintage-Uhren
Suchmaschine Google zum Beispiel ist zwar pelt, von 500 Mio. Fr. auf fast Uhren pro Jahr ausliefern könnten. Ja, sicher. Wir haben die Idee be- spezialisieren.
technologisch führend, löst aber gleichzeitig 1 Mrd. Fr. Allein im letzten Jahr Wir bleiben bei 40 000 Stück. Es reits getestet und Vintage-Uhren
auch Ängste vor der totalen Überwachung sind unsere Verkäufe um 12% ge- ist so im Leben: Die Leute wollen unserer Marke verkauft. Wir wer- Ihre Marke ist stark auf ein ein-
und Datenkontrolle aus. Die Uhr, die man stiegen – und das bei gleichen immer das, was sie nicht einfach so den in den Vintage-Bereich gehen. ziges Grundmodell, die Royal
direkt auf der Haut trägt, soll hingegen posi- Stückzahlen, die seit Jahren bei bekommen. Alles, was sie sofort Das ist das nächste grosse Ding in François-Henry Oak, fokussiert. Wie wollen Sie
tive Gefühle wecken. «Eine Marke wie IWC rund 40 000 Stück liegen. Wir kriegen, wirkt weniger attraktiv. der Uhrenindustrie, nicht nur für Bennahmias (53) sich aus dieser Abhängigkeit
steht schliesslich auch für ein bestimmtes verkaufen aber mehr Uhren in den Audemars oder Vacheron. Die leitet seit 2012 die lösen?
Wertesystem», sagt Grainger-Herr. eigenen Boutiquen und weniger Die meisten Ihrer Uhren orien- gesamte Uhrenbranche wird in Manufaktur Aude- Wir werden 2019 eine komplett
Dazu zählen Kontinuität, Zuverlässigkeit über den Grosshandel. So können tieren sich am Modell Royal Oak das neue Geschäftsmodell mit mars Piguet. neue Modelllinie lancieren. Danach
und Beständigkeit. Reicht das, um in einer wir uns einen deutlich grösseren von 1972. Sie arbeiten an einem Vintage-Uhren und Zeitmessern werden wir auch die Produktion
Welt im Umbruch zu bestehen? Jahrelang hat Teil der Wertschöpfung sichern. neuen Museum in Le Brassus... aus zweiter Hand einsteigen. langsam erhöhen. Im Jahr 2020
die Schweizer Uhrenindustrie von phantas- ... wir werden es 2019 eröffnen. wollen wir etwa 42 000 Uhren
tisch wachsenden Verkäufen in China profi- Wie viele Ladengeschäfte Dabei dürften ein gutes Archiv herstellen.
tiert – bis die Regierung das Verschenken von betreiben Sie? Der Markt für Vintage-Uhren und Dokumentation wertvoller Interview: Daniel Hug
AB CHF 189.–/MONAT.
DER BMW 2er ACTIVE TOURER.
Beispielkalkulation: BMW 216d Active Tourer Essential Edition, 1496 cm³, 85 kW (116 PS), Verbrauch: 4,0–4,3 l/100 km, Benzinäquivalent: 4,6–4,9 l/100 km, CO2 -Emissionen: 106–112 g/km
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CHF 189.–, Laufzeit: 48 Monate, Laufleistung: 10 000 km/Jahr. Leasingaktion gültig vom 1.1.2018 bis 31.3.2018 für alle Neufahrzeuge der BMW 2er Reihe (Kundenübernahme bis 30.4.2018)
bei einer Leasingdauer von bis zu maximal 48 Monaten. Die Kalkulation basiert auf Fahrzeugpreisen, die nur eine Gültigkeit bis zum 28.2.2018 (Produktionsdatum) aufweisen. Abgebildetes Fahrzeug
enthält Sonderausstattungen: Modell M Sport CHF 5360.–, Metallic-Lackierung CHF 960.–, Dachreling schwarz CHF 290.–, Park Distance Control (PDC) CHF 440.–, Sonnenschutzverglasung
CHF 440.–. Vollkaskoversicherung obligatorisch und nicht inbegriffen. Eine Leasingvergabe wird nicht gewährt, falls sie zur Überschuldung des Konsumenten führt. Preis- und Konditionsänderungen
bleiben vorbehalten, sämtliche Angaben gültig bei Drucklegung. Ein Angebot von BMW Financial Services, BMW (Schweiz) AG.
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Wirtschaft 31

Das neue...

Fortsetzung von Seite 29


Im öffentlichen Verkehr rollt
«Die grosse Frage ist heute, wann
die Manufakturen beginnen, sel-
ber Vintage-Uhren zu verkaufen.»
die Billettrevolution
Für Juan-Carlos Torres, bis vor
kurzem Chef von Vacheron Con-
stantin, ist die Frage beantwortet: Gleich mehrere Anbieter bauen ihre Ticket-Apps aus. Neu verkauft sogar der TCS Billette
«Wir haben vor rund zehn Jahren
begonnen, eine Abteilung für Jürg Meier riesen Siemens stammende Tech-

CHRISTIAN BEUTLER / KEYSTONE


Vintage-Uhren für Sammler auf- nologie günstig einbauen. Da-
zubauen. Wir überarbeiten und Jahrelang tat sich im Billettver- nach sei sie zuverlässiger und aus
reparieren die alten Uhren, ferti- kauf im öffentlichen Verkehr der Sicht des Datenschutzes besser
gen fehlende Teile an und verkau- Schweiz nichts. Während die als die Ortung über GPS. Zudem
fen sie danach mit einer Garan- Londoner längst mit einer ein- sei der Batterieverbrauch auf den
tie.» Die Nachfrage sei viel grösser fachen Karte namens Oyster Smartphones tiefer.
als die Kapazität, denn mitunter durch die U-Bahn-Tunnels don- Dennoch wird auch die SOB ein
arbeite ein Uhrmacher ein Jahr an nerten und Bus fuhren, standen Angebot lancieren, bei dem der
einer komplexen alten Uhr. die Schweizer ÖV-Kunden mit Passagier analog wie bei Fairtiq
«Sogar Jean Todt, der ehemali- offenen Mündern vor den immer und Lezzgo mit der App von Hand
ge Formel-1-Teamchef von Fer- komplizierter werdenden Zonen- ein- und auscheckt. Dies unter
rari, ist an mich gelangt, um ein plänen der Schweizer Verkehrs- anderem darum, weil noch nicht
Konzept für die historischen verbünde. alle Smartphones für das Walk-In
Sportwagen aus Modena zu ent- Doch nun sind gleich mehrere geeignet sind.
wickeln», erklärt Torres. Daraus Anbieter daran, das Lösen von
sei «Ferrari Classiche» entstan- Billetten massiv zu vereinfachen. Taxis und Velos einbinden
den. «Ich habe ihm geraten, die Am weitesten ist das Berner Es gibt aber noch einen anderen
Abteilung komplett vom Neu- Bahnunternehmen BLS. Es hat Grund, warum Küchler das Sys-
wagen-Geschäft zu trennen, die seine App Lezzgo vor kurzem tem der SOB im Vorteil sieht. Die
besten Mechaniker für die schweizweit lanciert. Diese funk- Plattform kann alle Mobilitätsfor-
Restaurationen zu engagieren tioniert nach dem Prinzip «Check- men einbinden, etwa Autos,
und mit dem Archiv und der in, check out». Zum Start und Velos oder Taxis. Längerfristig
Dokumentation zu beginnen.» zum Ende der Fahrt drückt man wird der Verkehr nur ein Teil des
in der App auf einen Knopf, das Angebots auf der Plattform sein.
Schutz vor Fälschungen Programm berechnet dann auto- Am Schluss sollen sich praktisch
Genau das wird auch bei den matisch den günstigsten Preis. alle denkbaren Angebote buchen
Uhren immer wichtiger: Je stär- Während der Fahrt wird der Pas- lassen – vom Hotelzimmer bis hin
ker die Preise ansteigen, desto sagier mit GPS und Wi-Fi geortet. zum Besuch im Tierpark, inklu-
mehr lohnen sich Fälschungen. In sive Angebot für ein vergünstig-
Asien werden heute fast alle Teile Der ZVV springt auf tes Mittagessen.
wichtiger klassischer Uhren nach- Lezzgo erhält nun gewichtige Der TCS geht bereits in diese
gebaut. Der Unterschied zum Ori- Unterstützung: Der grösste Ver- Richtung. Er bietet in einer App
ginal ist kaum zu erkennen. kehrsverbund der Schweiz ab sofort auch ÖV-Tickets an, wie
Das grösste Fachwissen haben springt ebenfalls auf. «Wir wer- Sprecher David Venetz bestätigt.
die Markenhersteller selber. Bei den im Frühling die Technologie Die App namens «Einfach mobil»
Patek Philippe, der Überflieger- von Lezzgo in unsere Ticket-App erlaubt es nicht nur, Parkplätze
marke an den Auktionen, disku- integrieren», sagt Caspar Frey, zu reservieren und Taxis zu be-
tiere man bereits seit Jahren über Sprecher des Zürcher Verkehrs- stellen. Es können auch Zug-,
einen Einstieg in den Vintage- verbunds (ZVV). In der Testphase Tram- und Busbillette für die gan-
Markt, heisst es in Uhrenkreisen. wird die Technologie nur im ZVV- Ein Kondukteur der SBB kontrolliert ein elektronisches Billett. ze Schweiz gelöst werden. Laut
Andere Marken wie IWC überle- Gebiet nutzbar sein. Besitzer von Venetz bietet damit erstmals
gen es sich ernsthaft: «Ich kann Zonenabos des ZVV können diese überhaupt eine Organisation, die
mir vorstellen, dass IWC künftig in der App hinterlegen. Diese serdem, dass die SBB Fairtiq in Ticketplattform erweitern. «Wir Zug einsteigt und diesen wieder gar nicht im öffentlichen Verkehr
Vintage-Uhren selber verkauft», merkt dann, wenn der Kunde sei- ihre sogenannte Preview-App schalten Ende Februar oder An- verlässt. «Damit bieten wir Passa- tätig ist, solche Billette an.
sagt Christoph Grainger-Herr. nen Abobereich verlässt. einbinden. Diese ist eine Test- fang März im Gebiet der SOB ein gieren den Komfort, den heute Möglich wird das durch eine
«Hier gibt es viele Parallelen zum Doch die Konkurrenz schläft version der millionenfach ver- Ticketsystem auf, bei dem es nur Besitzer eines Generalabos Zusammenarbeit mit der SOB, die
Sportwagenbereich: Der Herstel- nicht. Die App der Lezzgo-Kon- breiteten offiziellen SBB-App. überhaupt keine Interaktion haben», sagt Küchler. sich so Zugang zu den 1,5 Millio-
ler ist der Einzige, der zweifelsfrei kurrentin Fairtiq ist heute erst in Wann das so weit sein wird, ist mehr braucht», erklärt Direktor Die Lösung der SOB wird nen Mitgliedern des TCS schafft.
feststellen kann, ob es sich um einzelnen Gebieten der Schweiz laut SBB noch offen. Fairtiq ist Thomas Küchler. Das System schweizweit allerdings nur funk- Die App ist kostenlos und steht
ein Original oder eine Fälschung nutzbar, das Unternehmen plant auch international erfolgreich wird von der SOB «Walk-In» ge- tionieren, wenn in Tausenden auch Nichtmitgliedern zur Ver-
handelt. Aber im Unterschied zu nun aber den grossen Schritt. Sei- und wird in Pilotprojekten in den nannt und basiert auf Bluetooth- Fahrzeugen des öffentlichen Ver- fügung. Mitglieder sollen künftig
Autos sind unsere Produkte deut- ne App soll «Ende des ersten oder Niederlanden und im Raum Technologie. Die SOB hat ihre kehrs zusätzliche Geräte instal- von Vorteilen bei bestimmten An-
lich langlebiger.» Anfang des zweiten Quartals» Frankfurt getestet. Wagen mit sogenannten Beacons liert werden. Das wird innerhalb geboten profitieren. Längerfristig
auch schweizweit funktionieren, Ein drittes neues System ausgerüstet, die automatisch der Branche aus Kostengründen soll die App ausgebaut werden.
Die zehn wichtigsten Neuheiten von Genf wie Firmenchef Gian-Mattia stammt von der SOB aus St. Gal- registrieren, wenn ein Passagier kritisch gesehen. Doch laut Küch- Denkbar ist etwa die Einbindung
auf https://bellevue.nzz.ch/ Schucan erklärt. Geplant ist aus- len. Sie wird ihre Abilio genannte mit eingeschalteter App in den ler lässt sich die vom Industrie- von Carsharing-Diensten.

In der Schule lernen wir alles, warum


nicht auch den Umgang mit Geld?

Zeit, über Geld zu reden.


32 Wirtschaft Gewinne und ihre Verteilung NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

Dank BonisteigenEinkomm
In den Unternehmen haben die Einkommen in der
Chefetage und die Dividenden für die Aktionäre am
stärksten zugenommen. An der Basis wachsen die Löhne
hingegen seit geraumer Zeit nur marginal.
Von Franziska Pfister

D
ie Wirtschaft läuft so gut wie Jahren zwar ebenfalls gewachsen, aber merk-
schon lange nicht mehr. Die lich gemächlicher. Denn im Unterschied zu
Verteilung
Auftragsbücher der Unter- den Topverdienern seien die Löhne der brei- in Zahlen
nehmen sind voll, endlich ten Masse nicht direkt an die konjunkturelle

200%
geht es aufwärts – nach Lage geknüpft. In einem Aufschwung füllt
Finanzkrise, Rezession und sich ihre Lohntüte weniger stark.
Franken-Schock. Das Staats- «Wenn der Aktienkurs deutlich avanciert,
sekretariat für Wirtschaft erwartet für dieses treibt das auch die erfolgsabhängigen Vergü-
und nächstes Jahr ein Wachstum des BIP von tungen nach oben, die Boni und den Wert von des Bruttoinland­
je rund 2%. Das verleiht den Unternehmens- Optionen», erklärt Personalexperte Olaf Lang. produkts beträgt
gewinnen Schub – und es gibt mehr zu vertei- Er leitet den Bereich Talent & Rewards des die Marktkapitali­
len. Doch an der Basis wächst der Unmut. Beraters Willis Towers Watson in Westeuropa sierung von Schwei­
Statt wie früher den Klassenkampf zu und berät Unternehmen bei der Entlöhnung zer Unternehmen
beschwören, brachten die Gewerkschaften im von Führungskräften. In der Schweiz erhalte an der Börse.
letzten Lohnherbst ein neues Argument in die ein guter Teil der Geschäftsleitungsmitglieder
Verhandlungen ein. «Die Arbeitnehmenden, und Topkader Vergütungen, deren Wert an
die wesentlich den Unternehmenserfolg er-
arbeiten, müssen auch finanziell an diesem
beteiligt werden», forderte Syna-Präsident
den langfristigen Erfolg der Firma gebunden
sei. Bei einem Teil der Manager mache das
50% des Lohns oder gar mehr aus.
99,9 Mrd.Fr.
Arno Kerst. Und berührt damit einen wunden betrug der kumu­
Punkt. Nicht zuletzt die fulminante Zustim- Angelsächsische Kultur lierte Personal­
mung zur Minder-Initiative zur Eindämmung Und die Schwelle, um in den erlauchten Kreis aufwand von 18
der Managersaläre zeigt: Das Thema Lohnun- der Bestverdienenden vorzustossen, steigt. der 20 grössten
gleichheit treibt die Menschen um, die Oppo- Im Jahr 2000 gehörte man mit einem Jahres- Schweizer Firmen
sition gegen die Manager-Gehälter war noch gehalt von 275 000 Fr. zu den obersten 1% der im Jahr 2016. Die
nie so gross wie im vergangenen Frühjahr. Lohnbezüger, zehn Jahre später waren dazu verbleibenden
Alles bloss Sozialneid, oder ist es gar 300 000 Fr. nötig, wie Föllmi/Martínez er- zwei legten diesen
eine Täuschung, dass da eine Kluft wächst? rechnet haben. Die Schere zwischen Manage- Posten nicht offen.
Nein, urteilt die Wissenschaft. «Die tatsäch- ment und Angestellten öffne sich tendenziell,
liche Einkommenskonzentration wird unter- bestätigt Berater Olaf Lang, zumindest bei
schätzt», schreiben die Ökonomen Reto
Föllmi und Isabel Martínez von der Uni-
versität St.Gallen. Laut ihren Berechnungen
börsenkotierten Unternehmen.
«Jemand, der Boni erhält, hat eine viel
höhere Einkommenschance», sagt Lang. Die
34,8 Mrd.Fr. sen an der Einwohnerzahl mit die höchste
Dichte an multinationalen Konzernen. Diese
zahlen in der Regel auch bessere Löhne», sagt
ihnen schrittweise Gehaltserhöhungen garan-
tierte. Auch generelle Lohnrunden, die früher
verbreitet waren, sind seltener geworden.
gingen im Jahr 2010 30% der gesamten Schere sei hierzulande aber kleiner als im Dividende haben die Rudolf Minsch, Chefökonom von Economie- «2009 führten noch zwei von drei Firmen
Arbeitseinkommen an jene 10% der Ange- Ausland, da auch die hiesigen Angestellten SMI­Unternehmen suisse. Davon hätten alle etwas, schliesslich eine generelle Lohnrunde durch», sagt Gabriel
stellten und selbständigen Erwerbstätigen mit gut verdienten. In den USA und in Grossbri- 2016 kumuliert zahlten diese Unternehmen auch in der Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik von Travail
den höchsten Salären. 1981 hatten sie bloss tannien lägen die Gehälter der oberen Kader ausgeschüttet. Schweiz Steuern. Suisse, dem Dachverband der Arbeitnehmer.
gut ein Viertel eingesteckt. dagegen um ein Vielfaches über den Durch- An der Basis dagegen mussten viele Berufs- Seit 2013 habe das bloss noch gut eine von
In ihren Berechnungen berücksichtigten schnittslöhnen. «Darüber wird gesellschafts- gruppen jüngst Abstriche machen. Wurde dreien getan, die übrigen hätten bloss einzel-
die Wissenschafter auch erfolgsabhängige politisch zu Recht kontrovers diskutiert.» früher das Gros der Schweizer Beschäftigten nen Mitarbeitenden Lohnerhöhungen ge-
Lohnkomponenten wie Boni und Gratifikatio- Doch haben sich in der Schweiz zahlreiche im Rahmen eines Gesamtarbeitsvertrags ein- währt. «Wir kritisieren das, denn die Lohn-
nen. Sie stellen einen Zusammenhang fest Konzerne kulturell amerikanisiert. Weil sie gestellt, schwindet deren Anteil Jahr für Jahr. politik wird dadurch undurchsichtig, zu
zwischen dem Anstieg der Top-Arbeitsein- von Amerikanern geführt werden oder mit Und das nicht nur in der Privatwirtschaft, einem gewissen Grad gar willkürlich.» Die
kommen und jenem des Börsenwerts der US-Firmen im Wettbewerb stehen, übernah- auch Staatsbetriebe sind dabei, vermehrt Leistungskriterien seien oft intransparent und
Unternehmen. Anders die durchschnittlichen men sie angelsächsische Führungscredos – Angestellte «outzusourcen». Dadurch fallen lägen im Ermessen des Vorgesetzten. Ein Blick
Einkommen: Diese seien seit den 1980er und Lohnmodelle. «Die Schweiz hat gemes- diese aus dem öffentlichen Lohnsystem, das in die Jahresberichte der zwanzig grössten

Einkommenskonzentration Lohnwachstum verlangsamt Höhere Schwelle


Anteil der Top 10% am Durchschnittslöhne gemäss AHV-Statistik Ab welchem Lohn man in der Schweiz zu den
gesamten Arbeitseinkommen und Bruttoinlandprodukt je Kopf obersten Einkommensgruppen gehört (inflationsbereinigt)
300 000 Franken
31,0% 140 Indexpunkte (1981 = 100)
BIP pro Kopf Top 10% Top 5% Top 1%
30,5 250 000
130
30,0
200 000
29,5 120
29,0 150 000
Durchschnitts-
28,5 110 löhne gemäss
AHV-Statistik 100 000
28,0
100 50 000
27,5

27,0 90 0
1981 1985 1990 1995 2000 2005 2010 1981 1990 2000 2010 2016 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010

Quelle: Föllmi/Martínez: AHV-Statistik, eigene Berechnungen Quelle: Föllmi/Martínez: AHV-Statistik, BFS Quelle: Berechnungen Föllmi/Martínez
33
So wird

menschneller
der Kuchen
verteilt
SERIE

ILLUSTRATION : MIRA GISLER


Unternehmensgewinne

61% werden an die


Aktionäre
ausgeschüttet
Die Aktionäre langen kräftiger zu
bei den Firmengewinnen.
Begnügten sie sich bei den gröss­
ten Schweizer Unternehmen vor
zehn Jahren im Durchschnitt
noch mit 36% des Gewinns, war
es 2016 mit 61% ein fast doppelt
so hoher Anteil. Das zeigen
Berechnungen von Willis Towers
Watson, welche die Beratungs­
gesellschaft auf der Basis der
Geschäftsberichte aller 20 SMI­
Gesellschaften für die «NZZ am
Sonntag» angestellt hat. Der Olaf Lang, Leiter Talent &
Medianwert des Gewinnanteils Rewards, Willis Towers Watson.
der Aktionäre für 2016 betrug
sogar rund 70%.
«Offenbar bilden weniger Lag 2006 die Gewinnmarge im
Betriebe Rücklagen», sagt Olaf Schnitt bei 12%, belief sie sich
Lang, Berater von Willis Towers im Jahr 2016 auf lediglich 9,3%.
Watson. Eine weitere mögliche Das bedeutet, dass die Aktionäre
Erklärung ist, dass der Druck der ihren Anteil an den Gesamtein­
Geldgeber wächst und sie offen­ nahmen zu steigern vermochten.
bar stärker dafür entgolten Führung und Verwaltungsrat
werden möchten, das unterneh­ kassierten einen weitgehend
merische Risiko zu tragen. gleich hohen Anteil des Gewinns
Ein Blick auf die einzelnen in Form von Vergütungen: 2006
Unternehmen ergibt ein unein­ erhielten sie 1,7% des Gewinns,
heitliches Bild. Überdurch­ 2016 waren es 1,3%. Allerdings
schnittlich hohe Ausschüttun­ sind die Gewinne der meisten
gen nahmen der Pharmakonzern Firmen seit 2006 deutlich
Novartis, der Versicherer Zurich gewachsen. Insgesamt bezog das
und der Warenprüfers SGS vor. Management von SMI-Firmen
Sie gaben 2016 fast den gesam­ 2016 im Schnitt 33,6 Mio. Fr. und
ten Gewinn an die Eigentümer der Verwaltungsrat 5,3 Mio. Fr.
weiter. Und die Credit Suisse Im Verhältnis zum Gewinn
zahlte gar eine Dividende, entlöhnten der Chemiekonzern
obwohl sie Verlust geschrieben Lonza, der Sanitär­Spezialist
hatte. Dagegen behielten der Geberit und der Zementherstel­
Versicherer Swiss Life, der ler Lafarge­Holcim ihre Top­
Bauchemie­Konzern Sika und kader am grosszügigsten. Sie
die Bank Julius Bär rund zwei gönnten Management und
Drittel des Gewinns zurück. Verwaltungsrat 2016 mehr als
Ausschüttungsquoten sind ein Zehntel des Gewinns. Beson­
indes immer Momentaufnah­ ders niedrig, nämlich unter 1%,
men und können von Jahr zu lag der Anteil dagegen bei den
Jahr stark schwanken. Denn die hochprofitablen Pharmafirmen
Schweizer Unternehmen zeigt: In den letzten profitierten deshalb überproportional vom Banker sind jene Dividendenpolitik ist geprägt Roche und Novartis sowie beim
Jahren stieg der Personalaufwand weit weni­ Kursanstieg. Auffällig ist, dass die Unter­ von den mittel­ bis langfristigen Nahrungsmittelhersteller Nestlé.
ger als die Managerlöhne, wie Erhebungen nehmen nicht nur das Management besser
Berufsgruppe, die am Plänen der Firmen. Wer Investi­ Für die Angestellten an der
von Willis Towers Watson belegen. Die zwan­ bezahlen, sondern auch einen wachsenden stärksten in tionen in neue Fabriken zu täti­ Basis blieb lohnmässig dagegen
zig grössten Schweizer Firmen des SMI wen­
den im Schnitt ein Viertel des Umsatzes für
Teil in Form von Dividenden an die Aktionäre
ausschütten (siehe Text rechts).
den Genuss von Boni gen hat oder Zukäufe vorneh­
men will, muss sich des Rück­
alles weitgehend beim Alten. Der
Personalaufwand entwickelte
Löhne und Sozialleistungen auf. Die Intention der Minder­Initiative und kommt. Fast jeder hat halts der Aktionäre versichern. sich träge und machte 2016 im

Spezialfall Bank
wohl auch jene vieler Stimmbürger war, die Anspruch darauf. Gerade im Bank­ oder im Pharma­ Schnitt 25% des Umsatzes aus,
Aktionärsrechte zu stärken – und damit ein sektor hagelte es in den vergange­ nach 23,9% im Jahr 2006.
Es handelt sich um den grössten Kostenblock, Gegengewicht zu den steigenden Ansprüchen nen Jahren Bussen in empfind­ Obenaus schwangen UBS, Credit
und nicht ganz überraschend fällt er bei den der Manager zu bilden. Jetzt stelle sich her­ licher Höhe. Daher drängt es sich Suisse und Julius Bär mit einem
Grossbanken mit einem Anteil von mehr als aus, dass den Eigentümern mehrheitlich auf, sicherheitshalber gewisse Anteil von um die 50%. Swiss
50% am üppigsten aus. Banker sind auch jene ziemlich egal sei, was die Chefs verdienten, Rücklagen zu bilden. Life und Zurich wendeten 2016
Berufsgruppe, die am stärksten in den Genuss sagt Fischer. Ihr Augenmerk liege auf anderen Interessant ist, dass die Profi­ dagegen weniger als ein Zehntel
von Boni kommt. Fast jeder hat Anspruch Kennzahlen. Nur selten bekomme ein Unter­ tabilität der Unternehmen über des Umsatzes für Löhne und
darauf. In der Industrie erhalte hingegen nehmen an der Generalversammlung einen den Zeitraum abgenommen hat. Sozialleistungen auf. (frp.)
nur ungefähr jeder Zweite erfolgsabhängige Denkzettel. Berater Olaf Lang erachtet den­
Zahlungen, im Pharmasektor sei es immerhin noch die nichtbindenden Abstimmungen
noch eine Mehrheit, sagt Berater Olaf Lang. über die Managersaläre sehr wohl als wirk­ Löwenanteil für Aktionäre
Die Arbeitnehmer hätten dagegen seit 2011 sames Korrektiv.
keine «berauschenden Lohnabschlüsse» mehr Doch «Minder» gibt den Verwaltungsräten Wie der Gewinn von SMI-Unternehmen verteilt wird
herausholen können, erklärt Fischer von auch ein Instrument an die Hand, um die Ge­
Travail Suisse. Meist weil die Unternehmen hälter untereinander besser zu vergleichen.
geltend gemacht hätten, dass sie gerade Schon länger hegen Experten wie der Akti­
schwere Zeiten durchlaufen würden. Für die onärsrechtsvertreter Dominique Biedermann Bleibt im Unternehmen
Manager galt das offenbar nicht. Der Abstand den Verdacht, dass so eine Spirale geschaffen (Reserve, Rücklagen)
zwischen Basis und Chefetage nimmt zu. wird, bei der sich die Managerlöhne gegen­ 35,9%
Hatten die Chefs kotierter Unternehmen seitig nach oben schrauben. «Die zunehmende
vor zehn Jahren 45­mal so viel verdient wie Transparenz der Vergütungen hat eher einen
der schlechtestbezahlte Mitarbeiter, lag das
Verhältnis 2016 laut Berechnungen des Dach­
Aufwärtstrend ausgelöst», bestätigt Olaf Lang.
Die Ökonomen von der Universität St.Gal­
2016 Dividenden
verbands bei 51:1. «Doch warum sind die len ziehen den Schluss, dass in der Schweiz die an die
Managerlöhne gestiegen, wenn es doch keine Schere im obersten Lohnsegment aufgeht. Ins­ Aktionäre
Dividende an 60,9%
Boomjahre waren?», fragt Fischer. gesamt nehme die Einkommensungleichheit
Geschäftsleitung
Rudolf Minsch von Economiesuisse ver­ allerdings bloss leicht zu. Breiten Schichten sei und Verwaltungsrat 0,3%
weist auf die Nationalbank. Die Geldpolitik sei es weiterhin möglich, «relativ ausgeglichene
mit jahrelangen Nullzinsen wesentlich verant­ Einkommen» zu erzielen. «Wie eine ungleiche Vergütungen Verwaltungsrat 0,4%
wortlich für den Börsenboom. «Völlig klar, Verteilung gerechtfertigt werden kann, bleibt Vergütungen Geschäftsleitung 2,5%
dass das die Einkommensverteilung verän­ [...] eine normative Frage», schreiben Föllmi/
dert», sagt er. Reiche hielten mehr Aktien und Martínez. Quelle: Willis Towers Watson; Basis: Medianwerte für 2016
21. /22. M Ä RZ 2018

21. / 22. März 2018 | Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa, Interlaken

Digital ist längst normal, Alternativen gibt es nicht. 0815 war gestern, die neue digitale Realität heisst 0915.
Die NZZ X.Days 2018 widmen sich der nächsten Stufe der Digitalisierung und thematisieren die facettenreichen
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Wirtschaft 35

Mein Standpunkt Beat Kappeler


Personenund
Der Wert einer Währung ist das, was ein Unternehmen
anderer dafür hergibt Sika. Paul Schuler, Chef des Bauchemie-

W
konzerns Sika, glaubt offenbar nicht an
die angekündigte Übernahme durch
er hat diese Woche eine hochgerechnet. Sensationell stabil war die posten «Bargeld» der Banken einen Sinn: Es Saint. «Die Investoren, mit denen wir
alte Zehnernote zweite Notenserie der Nationalbank, sie zir- waren die Gold- und Silbermünzen und reden, rechnen nicht damit, dass die
gesehen? Nach drei kulierte von 1911 bis 1956. Sie überdauerte Barren im Keller, gegen welche die privaten Transaktion wie geplant zustande
Monaten zirkulieren fast zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise und öffentlichen Notenbanken die Noten kommt.» Trotzdem sei ein gewisses
nur noch neue Noten, und den Nachkriegsboom. Die neueste, ausgegeben hatten. Risiko mit 10 bis 15% im Aktienkurs ent-
und die zuvor ausge- anlaufende Serie wird einen grossen Vertrau- Man kann ins Manche möchten dieses schöne Zeitalter halten. Ohne dieses Risiko wäre der Kurs
gebenen 20er- und 50er-Noten dominieren enstest mit der 1000er-Note erleben. Sie ist Grübeln wiederbeleben, etwa indem die National- höher. «Unser Ziel ist die Einheitsaktie.
die Portemonnaies vollends. die weltweit wertvollste Note und im Aus- kommen, bank wiederum das Notengeld mit Gold Wenn das erreicht wird, würde der Kurs
Der Umtausch geschah ohne stunden- land als Versteck beargwöhnt. Tatsächlich deckt. Doch wenn sie allein das täte, wären nochmals steigen», sagte Schuler gestern
langes Anstehen wie in Indien, als kürzlich soll schon heute der grösste Teil davon als
warum wir für die Noten eigentlich günstige, handelbare in der «Finanz und Wirtschaft». (knu.)
mehrere Notensorten eingezogen wurden. Hort in Safes und unter Matratzen ruhen. ein paar bunte Depotgutscheine für Gold. Der Franken
Es musste sich auch niemand für die neuen Die Nationalbank knickte aber nicht ein Papierchen würde mit dem Goldpreis schwanken und Johann Schneider-Ammann. Der Bundes-
Noten ausweisen. Die Ladenketten und die und bietet den neuen Tausender sogar in unser Hab und sich wohl weiter aufwerten. rat hat keine Angst davor, dass nach der
Banken handelten als Agenten der Noten- kleinerem Format an – noch besser zu sta- Gut sowie Wer heute eine Deckung der Schweizer US-Steuerreform reihenweise Firmen
bank, sie lieferten die alten Noten ab und peln. Warum nicht? Freies Geld für freie Noten sucht, kann sie im aussergewöhn- nach Hause abziehen. Die Schweiz habe
setzten die neuen in Zirkulation. Bürger, umzutauschen ohne Belege, auch unsere Arbeit lichen Bestand an Aktien und Obligationen es selber in der Hand, für gute Rahmen-
Diese Zirkulation schlägt das Geld offen- wenn jemand mit einem Stapel davon hergeben. der Nationalbank sehen, die sie für aufge- bedingungen zu sorgen, sagte Schneider-
sichtlich rasch um. Doch sind die Noten – anrückt. Auf der Tausendernote der deut- kaufte Dollar und Euro anschaffte, um den Ammann in der «Schweiz am Wochen-
und die Münzen – nicht das ganze Geld des schen Reichsbank von 1910 stand sogar: Frankenkurs zu dämpfen. Von 1000 Mrd. Fr. ende». Die Politik könne den Standort
Landes. In weiterem Sinne zählen auch die «Eintausend Mark zahlt die Reichsbank- breit definierter Geldmenge sind so 760 Mrd. auch mit der Vorlage zu den Unterneh-
Einlagen bei Banken und Postfinance, die hauptkasse ohne Legitimationsprüfung dem im Ausland angelegt – mit Risiken allerdings, menssteuern attraktiv halten. (sda)
Spargelder, dazu. Diese sind nur elektronisch Einlieferer.» Der autoritäre Staat des Kaisers wie hier mehrmals kritisiert.
verbucht. stellte den Bürger nicht unter Generalver- Der Bund gibt auch heute nicht die Noten, Crans-Montana. Die frechste Winter-
Man kann ins Grübeln kommen, warum dacht wie heute die Demokratien, er kehrte sondern die Münzen aus, unter dem Gold- sportdestination der Schweiz hat für diese
wir für diese Verbuchungen und für ein paar die Beweislast nicht um. Den Test des Ver- standard auch die Goldvreneli. Deren Wert Saison kurzerhand die Halbtageskarte ab-
bunte, jetzt neue Papierchen unser Hab und trauens beim neuen Tausender schuldet also folgt dem Goldpreis, und der ist höher als die geschafft. Wer nach oben wollte, musste
Gut hergeben, unsere Arbeitsstunden, aber der Staat gegenüber den Inhabern alter aufgeprägten 10 und 20 Fr. volle 69 Fr. zahlen,
auch alles dafür kaufen können. Seit der Noten, die sie in neue tauschen. Die Münzserie des Bundes bietet übrigens auch wenn er um 14
Dollar seine Golddeckung gegenüber den Das Zahlungsversprechen auf den alten eine noch sensationellere Stabilität als die Uhr in die Gondel
anderen Notenbanken 1971 aufhob und seit Noten kommt einem übrigens seltsam vor alten Noten von 1911: Man kann als Heraus- stieg und die Hälfte
die Notenbanken einen grossen Teil ihres – was wollte denn die Reichsbank, wie geld in Läden immer noch Zehn- und Zwan- der Bahnen nicht in
Golds in den neunziger Jahren billig an die damals jede Notenbank, für Mark auf Noten zigrappenstücke von 1885 bekommen, wie Betrieb war. Nach
Märkte abgaben, wird Geld ohne Deckung, an der Kasse in Mark auszahlen? Gold- und mir geschah. Sie sehen immer noch gleich Protesten der Gäste
willkürlich, ausgegeben (fiat money). Silbermünzen natürlich, denn man war im aus und können für Liebhaber bis zu 250-mal hat man wieder eine
Der Wert einer Währung ist daher nur das, Goldstandard. Noten und Goldmünzen mehr wert sein. Diese Langlebigkeit schlägt halbe Karte (ab 12.30
was ein anderer dafür herzugeben bereit ist. waren zu festem Kurs austauschbar. Die die Kurse der Bitcoins, dieses entkörperlich- Uhr) eingeführt, für
Dieses Vertrauen herrscht in stabilen Ver- Münzen gab der Staat aus, die Noten die ten fiat money. Bitcoins, wie Dollar, Euro, 59 Fr. Das ist etwas
hältnissen, hingegen steigen in Venezuela Notenbank, vor 1907 in der Schweiz waren es Bolivar oder Rupie, sind das wert, was der anständiger. (dah.)
heute die Preise um 440 000%, aufs Jahr 33 private Banken. Damit hatte der Bilanz- nächste Dumme dafür herzugeben bereit ist.

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36 NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

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Reihenfolge Fondsinformationen: Fondsname, Rechnungswährung, Konditionen Ausgabe / Rücknahme, Kursbesonderheiten, Inventarwert, Ausgabepreis
oder Börsenschlusskurs (Werte vom Freitag, 19.01.2018, Abweichungen siehe Besonderheiten), Performance 2018 in %, Jahreshöchstwert und Datum

BANQUE CANTONALE DE GENÈVE BLACKROCK ASSET MANAGEMENT SCHWEIZ AG CARMIGNAC SUISSE SA FRANKFURTER BANKGESELLSCHAFT (SCHWEIZ) AG FRANKLIN TEMPLETON SWITZERLAND LTD
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Obligationenfonds Obligationenfonds Geldmarktfonds Strategiefonds Obligationenfonds


Synchrony Swiss Government Bonds CHF 4/3 e 109.29 -1.0 110.72 08.01. BGF AsTigBd A2 USD USD 2/1 el 40.74 0.3 40.78 16.01. Carmignac Capital Plus A EUR Acc EUR 1/1 e 1181.56 0.5 1181.56 18.01. FBG CHF Managed CHF 2/1 e 73.42 0.7 73.52 09.01. Franklin European TR A (Acc) EUR 1/1 b 15.20 0.1 15.24 08.01.
Aktienfonds BGF FixedIncGlbOpps A2 USD USD 3/1 el 14.13 0.9 14.13 18.01. Carmignac Sécurité A EUR Acc EUR 1/1 e 1759.53 0.5 1759.53 18.01. FBG Global Bal. Strategy EUR 2/1 e 50.68 1.2 50.78 09.01. Franklin GCC Bond A (acc) USD 1/1 e 12.86 0.3 12.89 16.01.
Synchrony All Caps CH A CHF 1/1 e 195.40 1.6 197.44 09.01. Aktienfonds Obligationenfonds FBG Global Managed CHF 2/1 e 77.56 0.6 78.37 09.01. Templeton Global Bond A (Acc) USD 1/1 e 29.79 1.7 29.83 08.01.
Synchrony Emerging Equity A USD 4/3 f 124.87 4.8 124.87 17.01. BGF Asian Dragon A USD USD 2/1 el 48.61 6.1 48.61 18.01. Carmignac Unconstr.Glbl Bd A EUR AccEUR 1/1 e 1415.75 1.0 1416.19 12.01. FBG Global Return Strategy 1 EUR 2/1 e 46.40 0.5 46.51 09.01. Templeton Global TR A (Acc) USD 1/1 e 30.84 1.8 30.84 18.01.
Synchrony Europe Equity A EUR 4/3 f 181.68 2.5 182.59 09.01. BGF Asian Grwth Lead Fd A2 USD 1/1 e 22.09 4.6 22.09 18.01. Aktienfonds Templeton Global TR A CHF-H1 CHF 1/1 e 14.54 1.5 14.57 08.01.
Synchrony High Div. Swiss Stocks A CHF 1/1 e 106.29 1.6 107.01 09.01. BGF China A2 USD USD 1/1 e 22.69 9.8 22.69 18.01. Carmignac Comm. A EUR Acc EUR 1/1 e 320.37 3.8 326.65 12.01. Aktienfonds
Synchrony Small & Mid Caps CH A CHF 1/1 e 234.89 3.8 235.70 09.01. BGF Glbl MA Income Fd A2 USD 1/1 e 13.46 1.2 13.47 17.01. Carmignac Emerg.Disc. A EUR Acc EUR 1/1 e 1571.22 2.5 1586.81 08.01. Franklin India A (Acc) USD 1/1 e 42.98 1.7 43.47 15.01.
Synchrony Swiss Equity CHF 4/3 e 159.00 1.1 161.69 09.01. BSF EM Eq Strat A2 USD 1/1 e 178.30 8.9 178.30 18.01. Carmignac Emergents A EUR Acc EUR 1/1 e 965.44 1.6 981.74 09.01. Franklin Technology A (acc) USD 1/1 e 18.29 6.6 18.29 18.01.
Synchrony US Equity A USD 4/3 e 208.63 5.0 208.84 17.01. BSF EM Flexi Dynamic A2 USD 1/1 e 120.80 1.1 120.80 18.01. Carmignac Euro-Entrepr A EUR Acc EUR 1/1 e 383.69 2.8 384.63 09.01. Templeton Asian Smaller Co A (acc) USD 1/1 e 51.65 3.0 51.91 17.01.
Immobilienfonds BSF Glbl Event Dr A2 USD 1/1 a 108.60 0.6 108.60 17.01. Carmignac Grande Eur. A EUR Acc EUR 1/1 e 203.20 2.5 204.39 09.01. Templeton EM Smaller Co A (acc) USD 1/1 e 13.20 3.0 13.25 12.01.
Synchrony Swiss Real Est FoF A CHF 1/1 a 112.82 0.1 113.12 04.01. BSF MMAS A2 USD 1/1 e 103.33 0.9 103.44 09.01. Carmignac Invest. A EUR Acc EUR 1/1 e 1250.76 3.7 1250.76 18.01. Templeton Euroland A (acc) EUR 1/1 e 24.88 3.5 24.88 18.01.
BSF Style Adv A2 USD 1/1 e 111.05 1.4 111.05 18.01. Strategiefonds Andere Fonds
Strategiefonds Carmignac Emerg.Pat. A EUR Acc EUR 1/1 e 123.05 2.2 123.88 09.01. Franklin Global Convert Sec A (Acc) USD 1/1 e 13.73 3.5 13.73 18.01.
BGF GlobAll A USD USD 2/1 e 58.76 2.8 58.90 16.01. Carmignac Euro-Patr. A EUR Acc EUR 1/1 e 356.70 -0.2 360.26 03.01. Franklin K2 Alternative Strat A (acc) USD 1/1 e 11.31 1.4 11.32 15.01.
Carmignac Patrimoine A CHF Acc Hdg CHF 1/1 e 115.52 2.2 115.62 12.01.
Carmignac Patrimoine A EUR Acc EUR 1/1 e 663.82 2.2 664.35 12.01.

JPMorgan Asset Management (CH) GmbH LB(SWISS) INVESTMENT AG PIMCO (SCHWEIZ) GMBH
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Weitere Fonds unter: investment@lbswiss.ch www.europe.pimco-funds.com PvB Pernet von Ballmoos AG RESPONSABILITY INVESTMENTS AG
www.jpmam.ch Tel. +41 44 205 51 51 -- www.pvbswiss.com www.responsAbility.com

Obligationenfonds Aktienfonds Obligationenfonds Aktienfonds Andere Fonds


JPM EM Corp Bond A acc USD USD 2/2 e 154.48 0.4 155.02 12.01. Swiss Opportunity Fund - P CHF 2/1 e 267.94 3.7 268.44 15.01. Capital Securities Fd Inst acc CHF 2/2 e 15.61 1.2 15.61 18.01. PvB Swiss Equity Futures Fund A CHF 1/1 b 119.50 - - - rA Fair Agriculture B1 CHF 2/2 b 97.45 - - -
JPM Flexible Credit Fd A Acc USD USD 4/4 e 15.59 0.5 15.60 16.01. Diversified Income Inst Hdg CHF 1/1 e 13.40 -0.2 13.43 16.01. PvB Swiss Equity Futures Fund I CHF 1/1 b 124.28 - - - rA Fair Agriculture B2 EUR 2/2 b 99.83 - - -
JPM Income Opp A(Perf)acc CHF (h) CHF 3/1 e 98.43 0.2 98.47 17.01. Emerging Local Bond Inst Unhdg CHF 1/1 e 9.72 2.0 9.76 12.01. Immobilienfonds rA Micro and SME FF B USD 4/1 b 154.65 - - -
Aktienfonds Euro Bond Inst Hdg CHF 1/1 e 33.60 -0.2 33.72 08.01. Synchrony Swiss Real Est FoF A CHF 1/1 a 112.82 0.1 113.12 04.01. rA Micro and SME FF H CHF CHF 4/1 b 123.99 - - -
JPM Asia Growth A acc-USD USD 2/2 el 33.45 4.9 33.45 18.01. Global Bond Inst Hdg CHF 1/1 e 32.71 -0.3 32.81 08.01. Synchrony Swiss Real Est FoF I CHF 1/1 a 103.03 0.1 103.27 04.01. rA Micro and SME FF H EUR EUR 4/1 b 138.83 - - -
JPM EM Opportunities A acc USD USD 4/4 el 325.59 6.2 325.59 18.01. Global High Yield Bd Inst Hdg CHF 1/1 e 16.55 0.4 16.61 09.01. Alternative Investments
JPM Euroland Dyn A(Perf)acc EUR EUR 4/4 e 257.44 5.5 257.44 18.01. Global Inv Grade Credit Inst Hdg CHF 1/1 e 16.96 -0.3 17.02 08.01. PvB Andante - Emg Mkts K (CHF) CHF 2/1 bf 11983.00 - - -
JPM Europe Dynamic A acc-EUR EUR 2/2 el 24.86 3.7 24.86 18.01. Income Fund Inst (Hdg) acc CHF 2/1 e 11.34 -0.2 11.38 08.01. PvB Andante - Emg Mkts K (USD) USD 2/1 bf 15349.90 - - -
JPM Europe Eq A acc-EUR EUR 2/2 el 19.25 3.1 19.26 16.01. Total Return Bd Inst Hdg CHF 1/1 e 11.16 -0.8 11.24 03.01. PvB Andante - Global K (CHF) CHF 2/1 bf 10920.70 - - -
JPM Europe Eq Plus A(Perf)acc EUR EUR 2/2 el 17.63 2.9 17.64 16.01. Aktienfonds PvB Andante - Global K (USD) USD 2/1 bf 13598.05 - - -
JPM Europe Tec A acc-EUR EUR 2/2 el 43.70 6.5 43.70 18.01. MLP & Energy Infrastructure Inst acc USD 2/1 e 8.49 6.4 8.68 12.01. Andere Fonds
Strategiefonds PIMCO RAE Fdtl PLUS EM Inst acc USD 4/4 e 14.99 7.2 14.99 18.01. PvB Asset-Backed Securities Fund A USD 2/3 b 3655.94 - - -
JPM Global Income A div CHF (h) CHF 3/1 el 123.27 1.0 123.44 16.01. PIMCO RAE Fdtl PLUS Gbl Dev Inst accUSD 4/4 e 16.13 5.0 16.14 17.01. PvB Asset-Backed Securities Fund I CHF 2/3 b 1648.99 - - -
JPM Global Macro Op A Acc CHF CHF 4/4 el 123.06 5.6 123.06 18.01. PIMCO RAE Fdtl PLUS US Inst acc USD 4/4 e 17.64 4.7 17.66 17.01. PvB Asset-Backed Securities Fund I USD 2/3 b 1657.82 - - -
Strategiefonds PvB Asset-Backed Securities Fund S USD 2/3 b 256.37 - - -
Global Multi-Asset Inst acc USD 1/1 e 17.55 2.8 17.57 17.01.

Erklärung Indizes
Konditionen bei der Ausgabe und Rücknahme von Anteilen:
Die erste Ziffer verweist auf die Konditionen bei der Ausgabe von Anteilen:
1. keine Ausgabekommission und/oder Gebühren zugunsten des Fonds (Ausgabe erfolgt zum Inventarwert)
2. Ausgabekommission zugunsten der Fondsleitung und/oder des Vertriebsträgers
SCHRODER INVESTMENT MANAGEMENT
(kann bei gleichem Fonds je nach Vertriebskanal unterschiedlich sein)
(SWITZERLAND) AG, LUX-SICAV 3. Transaktionsgebühr zugunsten des Fonds (Beitrag zur Deckung der Spesen bei der Anlage neu zufliessender Mittel)
www.schroders.ch, Tel. 0800 8 4444 8 WYDLER ASSET MANAGEMENT AG 4. Kombination von 2) und 3)
contact@schroders.ch www.wydlerinvest.ch 5. Besondere Bedingungen bei der Ausgabe von Anteilen
Die zweite, kursiv gedruckte Ziffer verweist auf die Konditionen bei der Rücknahme von Anteilen:
Obligationenfonds Obligationenfonds 1. keine Rücknahmekommission und/oder Gebühren zugunsten des Fonds (Rücknahme erfolgt zum Inventarwert)
Em Mkts Dbt Ab Return A Acc USD 2/2 e 28.81 2.1 28.81 18.01. Wydler Global Bond Fund CHF 2/1 e 134.24 1.5 134.24 18.01. ANLAGEFONDS – 2. Rücknahmekommission zugunsten der Fondsleitung und/oder des Vertriebsträgers
(kann bei gleichem Fonds je nach Vertriebskanal unterschiedlich sein)
EURO Corporate Bond A Acc EUR 2/2 e 22.42 0.1 22.49 08.01. Aktienfonds
3. Transaktionsgebühr zugunsten des Fonds (Beitrag zur Deckung der Spesen beim Verkauf von Anlagen)
Gl Cred.Dur.Hgd A Acc EUR 2/2 e 113.94 0.4 114.21 17.01. Wydler Global Equity Fund CHF 3/3 a 244.68 4.8 244.68 16.01. TRANSPARENTE UND 4. Kombination von 2) und 3)
Global Corporate Bond A Acc USD 2/2 e 11.21 -0.3 11.25 08.01. 5. Besondere Bedingungen bei der Rücknahme von Anteilen
Strategic Bond A Acc USD 2/2 e 146.79 1.3 146.85 16.01. BEWÄHRTE FINANZ-
Besonderheiten:
Aktienfonds a) wöchentliche Bewertung
Emerging Markets A Acc USD 2/2 e 17.67 5.9 17.67 18.01.
PRODUKTE. MEHR UNTER: b) monatliche Bewertung
c) quartalsweise Bewertung
European Large Cap A Acc 268.97 3.0 270.24 16.01.
European Value A Acc
EUR 2/2 e

EUR 2/2 e 69.63 4.4 69.93 16.01.


WWW.SWISSFUNDDATA.CH d) keine regelmässige Ausgabe und Rücknahme von Anteilen
e) Vortagespreis
Gl Climate Change Eq A Acc USD 2/2 e 15.62 5.0 15.62 18.01. f) frühere Bewertung
Global Energy A Acc USD 2/2 e 17.48 6.6 17.79 16.01. g) Ausgabe von Anteilen vorübergehend eingestellt
h) Ausg. und Rückn. von Anteilen vorübergehend eingestellt
Global Equity A Acc USD 2/2 e 26.75 5.4 26.75 18.01.
i) Preisindikation
Middle East A Acc USD 1/1 e 12.72 5.6 12.72 18.01. l) in Liquidation
Swiss Equity Opp. A Acc CHF 2/2 e 205.13 1.4 207.31 09.01. x) nach Ertrags- und/oder Kursgewinnausschüttung
Swiss S&M Cap Equity A Acc CHF 2/2 e 49.50 3.3 49.58 17.01. Wertangaben ohne Gewähr
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Erscheinungsdatum
12. April
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Wirtschaft 37

Amazon

JOSHUA ROBERTS / REUTERS


rückt
näher
Der US-Online-Händler hat
vor kurzem die Marken Prime
und Whole Foods in der
Schweiz registrieren lassen.
Ueli Kneubühler

Die Spekulationen über einen bal-


digen Eintritt Amazons in den
Schweizer Markt haben in diesen
Tagen neue Nahrung erhalten.
Am 8. Januar des laufenden Jah-
res hat der Online-Händler beim
Eidgenössischen Institut für Geis-
tiges Eigentum seine Marke Pri-
me eintragen lassen. Mit Amazon
Prime lassen sich tausende Filme,
Serien und Songs streamen. Auch
garantiert der Dienst die Liefe-
rung in Deutschland innerhalb
von 24 Stunden. Schweizer Kun-
den haben bisher nur beschränk-
ten Zugriff auf das Angebot von
Amazon.de, als auch auf jenes der
Streaming-Dienste.
Experten sehen hinter der Mar-
kenregistrierung eher eine glo-
bale Sicherheitsmassnahme,
denn einen Hinweis auf eine bal-
dige Schweiz-Expansion. Ama-
zon schütze sich mit der Regis-
trierung vor Dritten, welche die
Der Amazon-Gründer Jeff Bezos stellt seit 2006 seine Rechenzentren unter dem Namen Amazon Web Services anderen Firmen zur Verfügung. Heute ist das seine Goldgrube. Marke eintragen könnten. Tat-
sächlich registriert Amazon seine

Bezos’ Wunderwaffe
Brands auch in der Schweiz lau-
fend. Derzeit sind hierzulande 87
Amazon-Brands geschützt.
Allerdings ist aktuell auch auf
anderer Ebene Bewegung festzu-
stellen. Seit einigen Tagen kann

Firmen werden dank Amazons Rechenzentren innovativer – und gleichzeitig abhängig beim Prime-Dienst wie auch bei
Amazons Sprachassistenten
Alexa der Standort Schweiz ange-
Marco Metzler Dank AWS müssen Firmen ten durch die Cloud senken kön- Verdoppelung damit anfangen kann», sagt Gore. wählt werden. Was dies für Aus-
nicht mehr selbst in IT-Infra- nen, desto grösser wird auch der Für grosse Verunsicherung sorgt wirkungen auf das Angebot hat,
Er verkörpert eine Revolution der struktur investieren oder Soft- Druck auf die Konkurrenz. Entwicklung von Amazon Web derzeit ein Verfahren vor dem ist noch nicht klar. Neben Prime
IT: Der 39-jährige Glenn Gore, ware programmieren – alles lässt AWS bietet eine breite Palette: Services seit dem 4. Quartal 2015 obersten US-Gerichtshof: Es geht hat Amazon vor einem Monat in
Chefarchitekt des Cloud-Anbie- sich mieten. «Wir nehmen den Rechenleistung, Grafikverarbei- darum, ob US-Behörden direkt der Schweiz auch die Marke des
ters Amazon Web Services (AWS), Kunden in der IT die Schwerst- tung, künstliche Intelligenz oder 4,5 Mrd. $ auf europäische Rechenzentren Detailhändlers Whole Foods ein-
ist wie ein 19-Jähriger gekleidet arbeit ab», sagt Gore. Niemand Entwicklungsplattformen für 4,0 Umsatz Gewinn zugreifen dürfen. Je nach Ent- tragen lassen. Der Online-Händ-
als wir ihn am Donnerstag am müsse mehr Server stapeln, ver- Apps. Insgesamt sind es über 100 scheid, der in diesem Jahr erwar- ler hat die US-Lebensmittelkette
3,5
Zürcher Worldwebforum treffen. kabeln, sich um Strom oder Dienste, die laufend ausgebaut tet wird, dürften sich hiesige Fir- im vergangenen Jahr für fast
Sein Look ist auf Rockstar ge- Sicherheit kümmern. So bleibe werden: 2017 gab es über 1400 3,0 men hüten, auf US-Cloudanbieter 14 Mrd. $ geschluckt.
trimmt: Armbänder und schwar- mehr Zeit, um innovative Dienste Updates. Darunter sind Dienste 2,5 zu setzen. «Das Problem müsste Zu einer möglichen Expansion
zes T-Shirt mit pixeligen Gamefi- für Kunden zu entwickeln. «Das wie Lex und Polly – die Grund- 2,0 man auf Regierungsebene lösen», in die Schweiz gibt sich die Ama-
gürchen und dem Schriftzug senkt die Eintrittshürden für bausteine hinter dem Sprach- 1,5 sagt Gore. Sollen hiesige Firmen zon-Pressestelle wie üblich wort-
«AWS Certification». Inmitten all Leute mit guten Ideen», sagt er. assistenten Alexa. Lex verwan- das Urteil abwarten? «Nein, sie karg. «Wir haben zu den genann-
1,0
der Anzugträger sendet das ein Wenn ein Student mit Bilderken- delt Gesprochenes in Text; Polly können heute schon mit AWS ten Fragen keine Ankündigung
starkes Signal: AWS ist der junge nung in Social Media Marketing- liest Texte vor. Jede Firma kann 0,5 experimentieren, indem sie etwa gemacht. Ich bitte um Ihr Ver-
IT-Superstar. Ihm gehört die Zu- Trends erkennen wolle, könne er so eine eigene Sprachsteuerung 0 Daten ihrer Website auslagern, ständnis, dass wir Medienspeku-
4. Q. 1. Q. 2. Q. 3. Q. 4. Q. 1. Q. 2. Q. 3. Q.
kunft, die anderen gehören zum dafür maschinelles Lernen von oder einen Chat-Bot bauen. die sowieso öffentlich sind.» lationen nicht kommentieren»,
2015 2016 2017
alten Eisen. AWS nutzen – ohne Kenntnisse Seit 2016 hat AWS Büros in Schliesslich droht Firmen auch lässt eine Sprecherin ausrichten.
auf dem Gebiet. Eine Idee und ein Zürich und in Genf. Ein Schweizer Quelle: Amazon die Gefangenschaft in der Cloud. Ende November sorgten Be-
Motor für neue Ideen Laptop reichten, um ein Startup Rechenzentrum gibt es noch «Wir halten die Daten nicht als richte über ein baldiges Eintreffen
Amazon-Gründer Jeff Bezos ist aufzubauen. nicht, aber Schweizer Kunden, Geiseln», widerspricht Gore. von Amazon in der Schweiz für
nicht etwa durch Online-Bücher- Der Clou: Die Dienste kosten deren Daten etwa in Frankfurt la- rer Kunden hätten sehen können. Jeder sei frei, einzelne Module Aufsehen. Im Wirtschaftsmaga-
verkauf zum reichsten Mann der anfangs meist nichts, was zum gern, können diese in lokalen «Wir haben die Lücken geschlos- selbst zu entwickeln oder zu zin «Bilanz» war zu lesen, dass die
Welt geworden, sondern durch Experimentieren einlädt. Die Rechenzentren spiegeln, so dass sen», sagt Gore, der es eher als anderen Anbietern zu wechseln. Post künftig die Verzollung für
die 2006 ins Leben gerufene Rechnung wächst erst mit der Kunden schnell darauf zugreifen Vorteil sieht, wenn sich Experten Viele Startups diversifizierten die Amazon-Pakete übernehmen
Tochter AWS. Sie ist der Motor der Nutzung. Und AWS kann den können. AWS bietet auch private um die IT-Sicherheit kümmern. Anbieter, und Grossfirmen hätten wolle, was den Schweizer Kun-
IT-Revolution und mit Abstand Preis einer Firmen-IT immer Leitungen zu Rechenzentren. Zweitens sind sensitive Daten eine Multi-Cloud-Strategie. Aber den den Zugriff auf das ganze An-
die Nummer eins im Cloud-Ge- schlagen – dank riesigen Skalen- in der Cloud nicht vor dem Zugriff eine Migration oder Eigenent- gebot von Amazon.de erlaube.
schäft. Ihr Umsatz hat sich innert effekten. Im Wettbewerb um die In der Wolke gefangen durch US-Behörden geschützt: wicklung von Software-Modulen Man sei im Gespräch mit Ama-
zwei Jahren verdoppelt (siehe Cloud können deshalb nur noch Um die grossen Vorteile zu nut- 2017 lieferte Amazon bei 1618 ge- ist teuer. Das Startup Dropbox, zon, liess sich damals ein Post-
Grafik). Das macht zwar nur einen Tech-Riesen wie Microsoft und zen, nimmt man aber auch Nach- richtlichen Anordnungen in 74% das dank AWS gross wurde, hat Mitarbeiter zitieren. Erste Pakete
Zehntel des Amazon-Konzerns Google mithalten. AWS dominiert teile in Kauf: Man lagert erstens der Fälle Daten – hinzu kommen den Schritt gewagt und setzt heu- hätten demnach im Dezember
aus, doch mit einem Quartals- aber immer noch mit einem die Sicherheit aus. Anfang Januar geheime Anfragen. «Wir empfeh- te hauptsächlich auf eigene Infra- oder Januar verzollt werden sol-
gewinn von 1,2 Mrd. $ ist AWS die Marktanteil von knapp zwei Drit- sorgten Sicherheitslücken dafür, len Kunden, ihre Daten zu ver- struktur. Doch das lohnt sich erst len. Bis heute ist die Kooperation
Profitmaschine von Bezos. teln. Je mehr Firmen ihre IT-Kos- dass Cloud-Kunden Daten ande- schlüsseln, damit niemand etwas ab einer gewissen Grösse. aber noch nicht gestartet.
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38 NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

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Erdbeben: die unterschätzte Gefahr


In vielen Teilen unseres Landes sind immer mal wieder Erdbeben
spürbar: Sie führen der Bevölkerung vor Augen, dass die Schweiz
ein Erdbebenland ist. Insbesondere Hauseigentümer sowie
Stockwerkeigentümer sollten sich absichern.

Geborstene Wasserleitungen, Risse in den Risse oder Instabilitäten in der Tragstruktur


Wänden: So kann sich die Schadensbilanz nach entstehen. Damit ist bereits bei einem Beben
einem Erdbeben in unserem Land präsentieren. ab einer Magnitude von 4 zu rechnen. Das
Die Schweiz kommt meistens mit dem Schre- gilt auch für Häuser, die gemäss der 2003 ein-
cken davon. Doch es war auch schon einmal geführten schweizerischen Erdbebenbaunorm
anders: Das stärkste historisch dokumentierte SIA 261 erbaut wurden. Diese verhindert keine
Erdbeben in der Schweiz mit einer Magnitude Schäden, sondern verlangt in erster Linie, <wm>10CAsNsjY0MDQx0TUxMjQzsQQA0pureA8AAAA=</wm>

von 6,6 ereignete sich 1356 in Basel. Ein derar- dass Massnahmen getroffen werden, um einen
<wm>10CFWKoQ7DMAwFvyjRe3bsOTOswqKCaTxkGt7_o7ZjBQdOd3OmVfzZxv4eryTYWmlCbz1De4VZumh1kQQZAsaTDqM-VG9_AbsrsK7nlMJYPCOKyQpF_X2-B9uJxZtyAAAA</wm>

tiges Beben würde heute Schäden im Ausmass Einsturz und damit Lebensgefahr für Mensch
von 80 bis 100 Milliarden Franken verursachen. und Tier zu vermeiden. Viel Schutz für wenig Geld Die Frage der Notwendigkeit
Das Stadtberner Beben im Jahre 1881 erreichte Eine davon ist zum Beispiel GVB Terra der Andreas Dettwiler, Geschäftsleiter der GVB
eine Magnitude von 4,8. Vier Menschen fielen Finanzielle Risiken absichern GVB Privatversicherungen AG. Sie bietet nicht Privatversicherungen AG, rät Hauseigentümern
dem Unglück zum Opfer. Zahlreiche Schorn- Was viele nicht wissen: Erdbebenschäden werden nur Hauseigentümern, sondern auch Stock- und Stockwerkeigentümern in der ganzen
steine stürzten ein und viele Gebäude erlitten von den obligatorischen Gebäudeversicherungen werkeigentümern umfassenden Schutz zu nied- Schweiz nach den letzten Beben zu einem Um-
erhebliche Schäden. 1946 bebte die Erde bei nicht gedeckt. Nur im Kanton Zürich ist eine rigen Preisen. denken. «Erdbeben sind zwar seltener als der
Siders derart stark, dass Tausende von Gebäu- beschränkte Deckung eingeschlossen. Die Behe- Diebstahl eines Portemonnaies, gegen den sich
den beschädigt wurden. Laut dem Schweizeri- bung von Schäden ist aber mit erheblichem – Voller Versicherungsschutz zum Neuwert – die meisten Schweizer ohne Zögern versichern.
schen Erdbebendienst (SED) kommt es in der Aufwand verbunden und kann die finanziellen ohne Schwellenwerte Aber sollte man sich nicht eher gegen gravieren-
Schweiz etwa alle 10 bis 20 Jahre zu einem Möglichkeiten der Hausbesitzer und Stockwerk- – Niedriger Selbstbehalt von CHF 10 000 de Schäden versichern, die zwar seltener passie-
Erdbeben mit einer Magnitude von mindestens eigentümer rasch übersteigen. Denn es müssen – Keine Schadensobergrenze – wer versichert ren, jedoch schnell ernsthafte finanzielle Schwie-
5. «Erdbeben stellen in der Schweiz die Natur- nicht nur Statik- und sonstige Schäden durch ist, erhält die volle Deckung und zusätzlich rigkeiten nach sich ziehen können?»
gefahr mit dem grössten Schadenspotenzial Experten analysiert Folgekosten von bis zu CHF 200 000 erstattet
dar», fasst Stefan Wiemer, Direktor des Schwei- und repariert werden, sondern beispielsweise – Indirekte Schäden sind auch gedeckt (Feuer,
zerischen Erdbebendienstes, zusammen. auch zusätzliche Lebenshaltungskosten getra- Erdrutsch, Lawine, Felssturz etc.)
gen, Mietausfälle kompensiert – und die Hypo- – GVB Terra kann einzeln abgeschlossen
Erdbebensicheres Bauen schützt nur thek weiter bezahlt werden. Einige Versich- werden und ist nicht an andere Versich-
teilweise erungen haben das Risiko erkannt und bieten erungen geknüpft Wie gross ist das Erdbebenrisiko an Ihrem
Wenn die Erde in der Schweiz bebt, bedeutet eine entsprechende Erdbebenversicherung an. – GVB Terra kann einzeln für Stockwerkeigen- Wohnort? Wie teuer wäre eine Versiche-
dies nicht zwangsläufig, dass Gebäude wie tum abgeschlossen werden rung dagegen? Diese Fragen beantwortet
Kartenhäuser zusammenstürzen. Viel eher ist www.erdbebenversichern.ch
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NZZ am Sonntag 21. Januar 2018
Wirtschaft 39

Einkaufstourismus erreicht den Tourismus


Über ein Viertel der Tui-Suisse-Kunden, die im Sommer in Zürich abflogen, haben in Deutschland gebucht
Ueli Kneubühler destkurs zum Euro aufgehoben über die jeweilige Ländergesell­ Fluggesellschaft Swiss zum Bei­

JEAN-PAUL PELISSIER / REUTERS


hat. Angesichts der kurzen Dauer schaft einzukaufen, was in der spiel richtet sich der Ticketpreis
An ihm reiben sich die Gemüter: hat das Cross­Border­Shopping Schweiz oft höhere Preise zur Fol­ nach dem Abflughafen und nicht
dem Einkaufstourismus. Mora­ aber bereits einen beachtlichen ge hat, verzichtet Tui auf diese nach dem Verkaufspunkt. Der
lisch verwerflich sei die Schnäpp­ Anteil erreicht. Praxis. Selbst auf der Website Flug Zürich–New York kostet
chenjagd im grenznahen Aus­ Auch der Konkurrent DER Tou­ lässt sich mit wenigen Klicks immer gleich viel, egal, ob er in
land, sagen die einen. Der Markt ristik mit seinen Marken Kuoni direkt aus der Schweiz heraus bei der Schweiz, den USA oder
spiele, argumentieren die ande­ und Helvetic Tours macht ähn­ Tui Deutschland bestellen. Die Deutschland gebucht wird. Und
ren. Jährlich rund 10 Mrd. Fr. ge­ liche Beobachtungen. Es lasse meisten Online­Shops leiten Kun­ auch die Buchungsplattform
ben Schweizer Konsumenten in sich sagen, dass die Aufhebung den jeweils direkt auf die entspre­ Ebookers.ch stelle keine ausser­
Konstanz, Lörrach und Weil am des Mindestkurses zum Euro zu chende Länderseite. gewöhnlichen Verschiebungen
Rhein aus für Kleider, Kosmetik einer Zunahme des Cross­Border­ fest, sagt ein Sprecher.
oder Kalbfleisch. Shoppings geführt habe, sagt Zuversichtlicher Ausblick Auch haben sich die Preise mit
Nicht minder virulent, aber Mediensprecher Markus Flick. Ein Virtual Private Network dem Erstarken des Euro angegli­
von der Diskussion weitest­ Vor allem preisaffine Kunden (VPN), es verschleiert, aus wel­ chen. Die Preisvorteile vieler Rei­
gehend ausgenommen, war das würden in erster Linie Pauschal­ chem Land der Kunde auf eine se­Angebote im Ausland sind da­
Thema bisher in der Reise­ reisen für Badeferien über Website zugreift, um bessere hingeschmolzen.
branche. Cross­Border­Shopping Deutschland buchen. Konditionen zu erhalten, ist da­ Obwohl rückläufig, ist der
nennt sich dort das Phänomen, Bei Tui werden ebenfalls oft mit überflüssig geworden. Konn­ Cross­Border­Anteil relativ gross,
wenn Schweizer Urlauber ihre klassische Badeferien oder Rund­ ten früher mit einem VPN tat­ und grenznahe Reisebüros wer­
Ferien auf der Suche nach dem reisen über deutsche Schwester­ sächlich ab und an günstigere den gut von Schweizer Kunden
tiefsten Preis bei ausländischen Sonne, Sommer, Griechenland. (Alimos, 12. Juli 2015) Veranstalter gebucht, aber nicht Hotels oder Flüge gebucht wer­ frequentiert. Denn viele Konsu­
Anbietern buchen. nur. Neben den preisaffinen sind den, scheint sich dieses Vorgehen menten vergleichen die Preise
viele auch Kunden des Robinson­ langsam zu verflüchtigen. Bei der erst gar nicht. In ihren Köpfen
Leichter Rückgang mersaisons verglichen. 27% der sei das Volumen über den Ge­ Clubs, der eher teurere Reisen an­ wird der Euro weiterhin mit dem

27
Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Schweizer Kunden haben im samtumsatz von Tui Suisse ge­ bietet. Viele Cross­Border­Shop­ Attribut «günstig» assoziiert.
Doch Schweizer Ferienreisende Sommer 2017 über Tui Deutsch­ sehen mit unter 10% gering, sagt per hätten noch nicht bemerkt, Trotzdem sind Tui Suisse so­
scheinen den Aufwand nicht zu
scheuen, wenn Flug oder Hotel
land anstelle der Schweizer
Ländergesellschaft gebucht. Ein
Sprecherin Bianca Schmidt.
Ausland­Shopping in der
dass Tui in Deutschland und in
der Schweiz die gleichen Preise
% wie Kuoni und Helvetic Tours zu­
versichtlich, dass sich die Lage an
ein paar Franken günstiger zu stattlicher Wert, selbst wenn im Reisebranche ist gemäss Tui ein anbiete, so Schmidt. Der Produk­ So viele Schweizer Reisende mit der Cross­Border­Front entspan­
haben sind. Tui Suisse, einer der Vergleich zur Vorjahressaison das relativ neues Phänomen. Erst seit teeinkauf ist in beiden Ländern Abflug Zürich haben im Som- nen wird. Der erstarkte Euro als
grössten Schweizer Reiseveran­ Cross­Border­Geschäft um 5 Pro­ Sommer 2015 würden Schweizer der gleiche. mer 2017 bei Tui Deutschland auch das Bewusstsein, dass man
stalter, hat nachgerechnet und zentpunkte abgenommen hat. Reisende in Deutschland Flüge ab Während globale Markenan­ gebucht. Das sind 5 Prozent- in der Schweiz mit denselben
die Buchungen mit Abflug in Auch wenn die Zahl der Buchun­ Zürich buchen. In dem Jahr also, bieter im Detailhandel den Kun­ punkte weniger als im Vorjahr. Preisen rechne, setze sich lang­
Zürich in den letzten beiden Som­ gen in Deutschland hoch ist, so als die Nationalbank den Min­ den in der Regel vorschreiben, sam durch.

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Invest
NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

BARCROFT MEDIA / GETTY IMAGES


Wundersame Vermehrung
Anzahl Initial Coin Offerings pro Monat

80

70

geplant
60

50

40

30

20

10

0
2016 2017
Quelle: PwC Strategy&

chain-Firmen ist, dass sie über ein ICO Krypto-


währungen wie Bitcoin oder Ether erhalten,
dann aber keine Bank finden, welche diese
Gelder annimmt», sagt er. Dies, weil sie nicht
dokumentieren könnten, wer die Eigentümer
seien und ob die Geldwäscherei-Regeln einge-
halten würden. «Um diese Situation zu ver-
meiden, haben wir schon im Vorfeld mit der
Bank Frick zusammen Standards festgelegt,
wie wir bei ICO vorgehen werden.»
Das Bankhaus mit Sitz in Liechtenstein fun-
giert als Depotbank. «Für das ICO kann man
auch Franken an die Bank Frick überweisen
oder von seiner Kreditkarte abbuchen lassen.
Denn für viele Investoren ist der Umgang mit
einer Wallet noch zu ungewohnt», sagt Abele.
Für jene Investoren, die das bevorzugen, be-
stehe nach dem ICO die Möglichkeit, die
Token auf einer Hardware-Wallet zugestellt zu

Luxusgüter-Plattform macht
bekommen. Das ist ein physisches Gerät, ver-
gleichbar mit einem USB-Stick, auf dem die
Token gespeichert sind. Hardware-Wallets
bieten eine grössere Sicherheit vor Hacker-

«legales» Initial Coin Offering angriffen als reine Online-Wallets.


Wer beim ICO mitmachen will, muss sich
erst über die Webseite tend.swiss identifizie-
ren – indem man seinen Pass hochlädt und ein
Selfie macht. Bei grösseren Summen sei auch
Die Firma Tend des früheren Credit-Suisse-Digitalchefs verkauft demnächst Coins, ein Video-Call nötig für die Geldwäscherei-
Abklärungen, so Abele. Wer diesen Prozess
die Partizipationsscheine nach Schweizer Recht darstellen. Von Markus Städeli durchlaufen hat, erhält einen Investorcode,
mit dem man dann eine Geldüberweisung

B
vornehmen kann. Nachdem die Token gene-
eim Jungunternehmen Tend ist alles eine Mischform von Investition in Luxusgüter in der Schweiz, will später aber auch in Mün- Dieser Porsche 356 riert worden sind, erhalten Investoren diese
aussergewöhnlich: das Management, mit Wertsteigerungspotenzial und Lifestyle. chen, Paris, Mailand und London Fuss fassen. A Roadster steht im zugeschickt: an ihr Hardware-Wallet oder an
die Geschäftsidee und die Finanzie- Die Eigentumsrechte am besagten Porsche Danach ist vorgesehen, die «Investment-Er- Porsche-Museum in eine Blockchain-Adresse.
rung. Beginnen wir mit dem Personal: und anderen Vermögenswerten werden auf lebnis-Plattform» – so nennt sie sich selber – in Stuttgart. Ein ähnli- Partizipieren kann, wer mindestens 1000
Marco Abele, der Gründer und CEO, war zuvor die Blockchain gebracht, die man sich als Sao Paulo, Mexiko City und einem halben Dut- ches Modell können Fr. zu investieren gewillt ist. Anleger, die
Digitalchef der Credit Suisse. Der operative transparentes, dezentral organisiertes und fäl- zend asiatischer Metropolen zu lancieren. Kunden der Firma schon vor dem eigentlichen ICO-Fenster ein-
Leiter Rasoul Jalali kam von Uber Schweiz, schungssicheres Register vorstellen kann. Auch die Finanzierung erfolgt über die Tend erwerben – im steigen, erhalten einen Rabatt von 20%. «Wir
dessen Chef er war. Und als strategischer Be- Tend hat einerseits globale Ambitionen, Blockchain. Ab dem 3. Februar will Tend ein Miteigentum. möchten 30 Mio. Fr. aufnehmen. Dieses Geld
rater fungiert Oliver Bussmann, der bei der doch gleichzeitig handelt es sich um ein sehr Initial Coin Offering durchführen. Diese ICO würde für die nächsten drei Jahre und für den
UBS die Rolle des Innovationschefs inne hatte. lokales Geschäft – schliesslich wollen die erleben derzeit zwar einen beispiellosen Aufbau des Schweizer Marktes ausreichen,
Heute leitet Bussmann die Branchenorganisa- künftigen Kunden die Luxusgüter in Reich- Boom (siehe Grafik). Doch bisher ist unklar, ob wie wir in unserem Businessplan detailliert
tion Crypto Valley Association in Zug. weite haben. Die Plattform startet am 1. April ICO den Anforderungen der Behörden ge- ausweisen», sagt Abele. «Auch das gehört für
Auch das Geschäftsmodell von Tend ist in nügen, also überhaupt legal sind. Bei vielen uns zu einem ICO nach Best Practice: Wir wol-
einem wörtlichen Sinne extravagant: Die Coins (auch Token genannt) wissen die Inves- len nicht mehr Geld aufnehmen, als wir klar
Firma will es wirtschaftlich aufstrebenden Weil Tend beim Initial toren auch nicht genau, was sie da im recht- definiert haben.»
Menschen ermöglichen, in Luxusgüter wie Coin Offering mit einer lichen Sinne erwerben: Sind es Wertschriften, Wenn nicht alles täuscht, zeigt Tend der
Weingüter, Steinway-Flügel oder Kunst zu Klubwährungen, Zahlungsmittel oder Beteili- Blockchain-Szene gerade auf, wie ein muster-
investieren – im Miteigentum. Beim Firmen- Bank zusammen- gungen an Vermögenswerten? gültiges ICO funktionieren kann. Trotzdem ist
domizil in Zug steht etwa ein 1955er Porsche arbeitet, kann man die Diese Unschärfen will Abele, von Haus aus das Risiko für Anleger sehr hoch. Nicht wegen
365 A Speedster. Wer einen Anteil am 210 PS
starken Oldtimer erwirbt, darf ihn an vier Ta-
Firmenanteile auch in Rechtsanwalt, beseitigen. Die Token von Tend
seien Partizipationsscheine gemäss Schweizer
des ICO per se, sondern weil es sich bei Tend
um ein Startup handelt, das mit seiner Ge-
gen pro Jahr ausfahren. Tend ermöglicht so Franken bezahlen. Recht, sagt er. «Ein grosses Problem für Block- schäftsidee grandios scheitern könnte.

Die schlechteste Woche hatte...


Damit aus Dot.coms nicht Dot.gones werden
gator sind nicht mehr. Aus Dot.coms wurden leiter-Hersteller Infineon (D), NXP (NL) und Urs Schaeppi, Swisscom
Dot.gones. Selbst Jungstars wie Uber zeigen STMicroelectronics (NL), die Software-Firma
exemplarisch, wie schnell aus gefeierten SAP (D) und der SIM- und Chipkartenherstel-
Tech-Unternehmen aufgrund von Manage- ler Gemalto (NL). nen sich immer wieder vor
KEYSTONE

mentfehlern Problemfälle werden können. Interessant ist, dass die Technologie- Gericht, etwa wenn es um
Doch wie können Investoren erkennen, ob Grossmacht China nur gerade drei Firmen Sport-Übertragungsrechte
eine Firma kurz- und welche langlebig ist? stellt: Lenovo, Tencent und ZTE – während geht. Dass also ausgerechnet
Antwort auf diese Frage will ein neuer Japan und Taiwan es auf je 13 Firmen brin- UPC eine Partnerschaft mit
Aktienindex geben, der Thomson Reuters gen. Erwartungsgemäss schwingt Nordame- Swisscom einzugehen bereit
Top 100 Global Technology Leaders. Firmen, rika mit 47 Firmen obenaus. Bemerkenswert ist, gibt in der Branche zu
Geldspiegel die in diesen aufgenommen werden, müssen ist aber, dass Firmen wie Netflix oder Tesla reden. Allerdings müssen sich

Markus Städeli gute Werte bei 28 Kriterien aufweisen.


Untersucht werden Kennzahlen, die auf
nicht im Global-Technology-Leaders-Index
aufgenommen worden sind – wohl aufgrund Eigentlich hat das neue Jahr für
UPC-Kunden, die nun auf das
Swisscom-Mobilfunknetz
Gesundheit in folgenden Bereichen schlies- ihrer (nach klassischen Kriterien) nicht so Swisscom-Chef Urs Schaeppi transferiert werden, langsam

D
sen lassen: Finanzen, Innovation, Manage- brillanten Finanzkennzahlen. ausgezeichnet begonnen. Die Gedanken machen, ob die
er Darwinismus in der Wirtschaft mentqualität, Rechts- und allgemeine Unter- Natürlich kann man sich über die Metho- Konkurrentin UPC gab Swisscom dieser Aufgabe tech-
kommt dieser Tage in Gestalt der nehmensrisiken, Umwelt- und Sozialstan- dologie solcher Indizes trefflich streiten. Das bekannt, ihre rund 100 000 nisch auch gewachsen ist. Am
Digitalisierung daher. Technologie- dards sowie Reputation. beginnt nur schon bei der Frage, wann genau Mobilfunk-Kunden vom Netz Freitag kam es zu einer gravie-
unternehmen machen traditionel- Wer hat es in diesen Index geschafft? Aus eine Firma Technologie macht und wann der Firma Salt auf jenes der renden schweizweiten Störung
len Firmen das angestammte Geschäft strei- der Schweiz lediglich das Sicherheitsunter- nicht. Thomson Reuters berücksichtigt zum Swisscom zu zügeln. Das ist auf dem Mobilfunknetz, deren
tig, was man derzeit etwa besonders ein- nehmen Dormakaba. Aus dem übrigen Beispiel auch eine Firma wie Mastercard. bemerkenswert, da UPC-Chef Ursache die Firma noch nicht
drücklich im Detailhandel beobachten kann. Europa sind die Beratungsunternehmen Doch gegen Ende dieses Aktienzyklus, der Eric Tveter die Swisscom kennt. Dies, nachdem Swiss-
Doch auch Technologiefirmen selber laufen Accenture (IRL) und Capgemini (F), die IT- ganz unter dem Eindruck der Digitalisierung inbrünstig hasst und dies auch com ihre Kunden bereits vom
Gefahr, rasch obsolet zu werden. Die Stras- Dienstleister Atos (F), Sopra Steria (F), Com- steht, lohnt sich folgende Überlegung beson- gerne in Wort und Tat bekun- 8. bis zum 10. Januar und am
sen des Silicon Valleys sind gesäumt von putacenter (GB) und Tieto (FIN), die Mobil- ders: Von welchen Firmen reden wir auch in det. Beide Firmen kämpfen mit 15.Januar mit einer Pannen-
Firmenleichen à la Pets.com. Viele vormals funk-Netzwerkbauer Ericsson (S) und Nokia fünf oder zehn Jahren noch? Und wer sind harten Bandagen und begeg- serie verärgert hatte. (stä.)
beliebte Dienste wie etwa der Netscape Navi- (FIN) mit von der Partie, daneben die Halb- die Pets.coms dieses Zyklus?
41

Unternehmen der Woche Fünf Fragen


an Carlos Mejia
Das berühmteste Konglomerat
der Welt ist gescheitert
Carlos Mejia arbei-
tet als Head of
Investment bei der
Rothschild Bank
Schweiz.

D
ie Gerüchte um eine Aufspaltung Woche fiel der Marktwert auf gut 123 Mrd. $.

STÉPHANE MAHE / REUTERS


von General Electric werden ausge- Dem Umsatz von zuletzt 125 Mrd. stehen
rechnet vom Konzernchef weiter Schulden von 130 Mrd. $ gegenüber. Vor Die geldpolitische Trendwende hat begon-
angefeuert. «Die Ergebnisse der Veröffentlichung der Zahlen für das vierte nen. Bringt das die Märkte aus dem Lot?

1
vergangenen Jahren haben mich in meiner Quartal in der kommenden Woche bremste Wir rechnen dieses Jahr mit drei Zins-
Ansicht gestärkt, dass wir GE neu gestalten der Konzernchef die Erwartungen: Es stehe erhöhungen in den USA und keiner Be-
müssen», sagte John Flannery diese Woche. ein Jahr des «Reset» bevor. wegung der Zinsen in Europa und der
Die neue GE solle kleiner und wendiger sein. Mit Finanzdienstleistungen, Energie- und Schweiz. Die Zentralbanken informieren
Die Börse rätselt nun, wie radikal der Umbau Luftfahrtsparten sowie eigenen TV-Sendern transparent über den Weg zu einer restrik-
ausfallen könnte. gab es lange kaum eine Branche, in der der tiveren Geldpolitik. Die Märkte haben Zeit,
Dass er überfällig ist, darüber herrscht 125 Jahre alte Konzern nicht mitmischte. Je die schrittweisen Änderungen zu ver-
Einigkeit. Im vergangenen Jahr hat die GE- grösser und breiter das Unternehmen, so das dauen. Mit einem Schock ist nicht zu rech-
Aktie mitten in der Börsenrally 40% an Wert Credo, desto effizienter könnten Forschung nen, ausser die Inflation zieht stark an. Da-
verloren, kein Name im Dow Jones schnitt und Marketing genutzt werden. Doch dann für sehen wir aber noch keine Anzeichen.
schlechter ab. Im November musste der Kon- kam der Riese ins Schleudern. Erst traf die
zern die Dividende halbieren, in dieser Finanzkrise das wichtige Kreditgeschäft, Welche Anleihen soll man noch kaufen?

2
später brachen die Energiepreise mitten im Die Bewertungen sind so strapaziert,
Ausbau des Öl- und Gasgeschäfts ein. Flan- dass diese Frage schwierig zu beant-
Der Absturz nerys Vorgänger Jeffrey Immelt zog die Not- worten ist. Wir haben Anleihen in den
bremse: Er verkaufte die Mediensparte, Portfolios untergewichtet. Innerhalb der
Kursentwicklung der GE-Aktie seit einem Jahr lagerte das Öl- und Gasgeschäft aus und Anlageklasse bevorzugen wir Firmenanlei-
stiess den Grossteil des Finanzarms ab. Noch immer im Sommer das Ruder übernommen und den hen gegenüber Staatsanleihen. Sowohl
30 $ Doch mit weltweit 300 000 Angestellten arbeiten weltweit Schrumpfungsprozess beschleunigt. Der Kon- als Einkommensquelle als auch als Risiko-
28 bleibt GE der grösste US-Industriekonzern, 300 000 Ange- zern soll sich auf die Kerngeschäfte mit Flug- schutz haben Anleihen grundsätzlich aber
26 das verbliebene Finanzgeschäft gehört noch stellte für GE. zeugtriebwerken, Turbinen für den Energie- immer noch ihre Berechtigung.
immer zu den 20 grössten US-Banken. GE sei markt und Maschinen für die Gesundheits-
24
ein Relikt aus vergangenen Zeiten, sagt Robert branche konzentrieren. Der 56-Jährige will Bleibt der Aktienmarkt 2018 positiv?

3
22 Salomon, Management-Experte an der New Unternehmenswerte in Höhe von 20 Mrd. $ Aktien haben immer noch das Poten-
20 York University. Dass der Konzern gerade abstossen. Wie der jetzt angekündigte Umbau zial, ansehnliche Renditen zu erzie-
18 überraschend Abschreibungen in Höhe von aussehen soll, will der Chef im Frühjahr len. Die Weltwirtschaft ist in einer
16 6,2 Mrd. $ wegen Altlasten aus dem Rückver- bekanntgeben. guten Verfassung, die Unternehmen inves-
J F M A M J J A S O N D J sicherungsgeschäft ankündigte, sehen Kriti- Analysten warnen vor zu viel Optimismus. tieren wieder mehr Geld, die Arbeitslosig-
2017 18 ker als weiteres Zeichen dafür, dass die Spitze An der Börse brach der Kurs diese Woche um keit ist tief und die Konsumentenstim-
Quelle: Swissquote den Überblick verloren hat. Flannery hatte fast 12% ein. Thorsten Schröder, New York mung ist gut. In diesem Umfeld können die
Unternehmen gute Gewinne erzielen. Es
ist noch zu früh, um ängstlich zu werden
und sich aus dem Markt zu verabschieden.
Nestlé setzt seine Strategie Thyssen Krupp wehrt sich gegen den Aber bei den hohen Bewertungen kann
konsequent um aktivistischen Investor Cevian man zumindest skeptisch sein, oder nicht?

4
Die Bewertungen sind hoch, aber
nicht übertrieben. Vor allem sind sie
Der Waadtländer Nahrungsmittelmulti Die Aktie des traditionsreichen Stahlkon- nicht etwa ergänzen, sondern vor allem dazu durch die Ertragskraft der Firmen ge-
LG

Nestlé gilt als Supertanker. Er setzt mit mehr zerns Thyssen Krupp kommt seit Jahren führen, dass das Unternehmen einen gros- rechtfertigt. Allerdings ist es im Rahmen
als 300 000 Mitarbeitenden fast 90 Mrd. Fr. kaum vom Fleck, die Kritik der Aktionäre sen, teuren Wasserkopf habe. eines disziplinierten Investment-Ansatzes
um. Tanker sind schwer manövrierbar, Kurs- wird immer lauter. Zum Ende der Woche Die Führungsspitze um den ehemaligen auch gerechtfertigt, Gewinne zu realisie-
änderungen brauchen Zeit. Mark Schneider ging der Kurs für einmal deutlich hoch. Rund Siemens-Manager Heinrich Hiesinger tritt ren. Das haben wir etwa bei den Internet-
beweist das Gegenteil. Seit der Nestlé-Chef 4% legte der Titel am Freitag zu. Der Grund solcher Kritik entgegen, will aber im Mai Aktien und asiatischen Titeln gemacht, die
vor Jahresfrist das Steuer übernommen für den Kursgewinn dürfte sein, dass das über die Firmenstrategie beraten. (mju.) sehr stark gestiegen sind.
hat, bewegt sich Nestlé agiler. Allein in den Unternehmen am Freitag höhere Dividenden
letzten Wochen verkaufte der Konzern eine in Aussicht stellte. Und wie investieren Sie diese Gewinne?

5
Schokoriegel-Marke in Australien, kaufte Den Kritikern des Konzerns ist das zu Thyssen Krupp kommt nicht vorwärts Wir wollen Erträge erzielen, aber die
einen kanadischen Nahrungsergänzungs- wenig. Der aktivistische schwedische Inves- Kunden sollen auch gut schlafen kön-
mittel-Hersteller, trennte sich in den USA Nestlé-Chef Mark tor Cevian, der auch einen bedeutenden Aktienkurs des Mischkonzerns nen. Hedge-Funds haben in der Ver-
von zwei Getränkemarken, bietet dem Schneider schlägt Anteil am Schweizer Industrieriesen ABB seit Anfang 2013 gangenheit mehrheitlich eher enttäuscht
Vernehmen nach für das Consumer-Health- beim Umbau des hält, fordert eine Zerschlagung. Thyssen und waren die hohen Kosten nicht wert.
26 €
Geschäft von Merck, kündigte an, den Konzerns ein hohes Krupp giesst nicht nur Stahl, sondern han- Hingegen haben wir etwa ein bisschen
24
Zuckergehalt seiner Produkte in Europa bis Tempo an. delt auch mit ihm und produziert Rolltrep- mehr Gold gekauft, als Versicherung gegen
2020 zu reduzieren, und teilte diese Woche pen und Maschinen. Zwar sollen die Stahl- 22 Schocks. Wir haben ebenfalls in sehr kon-
mit, dass er die Süsswarensparte in den USA werke wegen der grossen Überkapazitäten 20 servative strukturierte Produkte investiert.
an Ferrero verkauft. Im Portfolio verbleiben im Markt in ein Gemeinschaftsunternehmen 18 Sie werfen einen attraktiven Coupon ab,
bloss globale Marken wie Kitkat. In den mit der britisch-indischen Tata Steel einge- 16 solange die Aktienmärkte nicht sehr tief
Übernahmen und Verkäufen ist Nestlés Stra- bracht werden. Bis zu 4000 Stellen dürften 14 fallen. Das ist ein eleganter Weg, um Ein-
tegie erkennbar. Weg vom Zucker, hin zu dadurch entfallen. 12 kommen zu erzielen, der gleichzeitig auch
gesünderen Lebenmitteln. Gesünder Leben Doch Cevian fordert mehr. Der Investor 2013 2014 2015 2016 2017 sehr vorsichtig ist.
ist Nestlés oberstes Credo. Das kommt auch hält den Konzern für viel zu komplex. Die Interview: Eugen Stamm
bei den Anlegern an. (knu.) unterschiedlichen Einheiten würden sich Quelle: Finanzen.ch

Wall Street

Kaffeebecher statt Spardose


mitspielen und entsprechend auch nicht an wie die Steuerreform kamen erst gegen Ende höhere Abschreibungen vornehmen, hoffen
der Rally partizipieren. Das klingt nachvoll- des vergangenen Jahres. An der Börse wird je- aber, mittelfristig von tieferen Steuern und
ziehbar. Doch mit Geldanlagen ist es nun ein- doch nicht das gehandelt, was passiert ist, geringerer Regulierung zu profitieren.
mal so: Wer kein Geld auf der hohen Kante sondern was die Investoren glauben, dass pas- Im abgelaufenen Quartal meldete Ameri-
hat, kann dementsprechend nicht beim Bör- sieren wird. Die Börsianer gehen davon aus, can Express jedoch den ersten Verlust seit 25
senspiel mitverdienen. Oder anders formu- dass die Senkung der Unternehmenssteuer Ob der 45. Prä- Jahren. Big Blue IBM ist es gelungen, erstmals
liert: Wer Geld hat, kann reicher werden, wer die Gewinne von Corporate America kräftig sident der USA seit über fünf Jahren ein Umsatzplus zu ver-
Jens Korte, New York kein oder wenig Geld hat, bekommt keine beflügeln wird. Entsprechend ziehen die eine grandiose buchen. Die Aktie verlor am Freitag dennoch
Chance auf den Jackpot. Aktienkurse an. Über die langfristigen Konse- 4% an Wert. Es liegt noch ein langer Weg vor
Wirtschafts-

A
In den vergangenen Monaten liess sich an quenzen wie eine höhere Verschuldung IBM, bevor die neuen Geschäftszweige die
merikaner trinken lieber Kaffee, der Wall Street viel Geld verdienen. Seit dem machen sich die Anleger derzeit weniger Ge- politik fährt, Probleme im traditionellen Bereich ausglei-
als sich um die Altersabsicherung 20.Januar 2017, also seit dem Amtsantritt von danken. Dass die Vermögensschere derweil lässt sich noch chen können.
zu kümmern. Zu diesem Schluss Donald Trump, ist der Wert der US-Aktien um immer weiter auseinanderklappt, ist bei eini- schwer In der kommenden Woche gehören Netflix,
kommt zumindest eine jüngste Um- fast sieben Billionen Dollar (also 7000 Mrd.) gen Profis durchaus angekommen. Blackrock- beurteilen. Procter & Gamble, Ford, General Electric,
frage. Danach würden rund ein Drittel der US- gestiegen. Der Dow Jones übersprang in Chef Larry Fink forderte seine Kunden drin- Caterpillar, die Fluggesellschaften, Biogen,
Bürger mehr Geld für den täglichen Kaffee als diesem Wochenverlauf erstmals in der gend dazu auf, sich ihrer sozialen Verantwor- Intel und Starbucks zu den Unternehmen, die
für Geldanlagen ausgeben. 44% der Befragten Geschichte die 26 000-Punkte-Marke. Es war tung stärker bewusst zu werden. Quartalszahlen publizieren. In der Folgewo-
gaben an, mehr in Weihnachtsgeschenke als bereits die achte 1000er-Marke, die seit der In den nächsten Wochen dürfte es weniger che stehen dann die mit Spannung erwarteten
in Aktien investiert zu haben. Und 37% bezah- Präsidentschaftswahl im November 2016 um Glauben, sondern viel mehr um Fakten Zahlen der Technologieunternehmen an.
len mehr für die Ferien als für Geldanlagen. geknackt wurde. gehen. Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Der Shutdown hat die Börse übrigens kalt
Die Profis an der New Yorker Börse verweisen Ob der 45. Präsident der USA eine gran- Den Auftakt haben Banken mit einem durch- gelassen. Das ist nicht aussergewöhnlich. Die
gerne darauf, dass die Menschen selbst ver- diose Wirtschaftspolitik fährt, lässt sich noch wachsenen Ergebnis gemacht. Dabei mussten Börse hat nur bedingt auf die 18 Shutdowns in
antwortlich sind, wenn sie nicht am Markt schwer beurteilen. Die grossen Massnahmen die Banken wegen der Steuerreform zunächst den letzten 40 Jahren reagiert.
42 NZZ am Sonntag 21. Januar 2018

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Damit gehen Hauseigentümer auf Nummer sicher
Freiwillige und Pflichtversicherungen für bewohnte Liegenschaften

Produkt Versicherte Risiken Bemerkungen Beispiel

Gebäudeversicherung Feuer- und In allen Kantonen obilga- Baum stürzt im Sturm


(Feuerversicherung) Elementarschäden torisch (ausser GE, TI, VS) auf Hausdach.
Gebäudehaftpflicht Personen- und Sach- Für selbstbewohnte Dachziegel
schäden an Dritten Liegenschaft mit max. beschädigt Auto
3 Wohnungen reicht des Nachbarn.
Privathaftpflicht.
Wasserversicherung Schäden am Gebäude In einigen Kantonen kann Wasserleitung birst
durch Leitungen oder die Wasserversicherung und durchfeuchtet
Regen-, Schnee-, in die kant. Gebäude- Wände.
Schmelzwasser versicherung einge-
schlossen werden.
Glasbruch Zerstörung von Glas- Glasbruchrisiko kann in der Fensterscheibe
und Keramikteilen Hausratversicherung geht zu Bruch.
am Gebäude mitversichert werden.
Einbruchdiebstahl Einbruchschäden Bei selbstbewohntem Einbrecher
am Gebäude Eigentum übernimmt beschädigen
Hausratversicherung den Haustür.
Gebäudeschaden.
Hausrat Diebstahl oder Beschä- durch Bewohner Durch Brand werden
digung von Gegen- abzuschliessen Möbel zerstört.
ständen im Haushalt
Erdbebenversicherung Zerstörung und Folge- Deckt Kosten, die von Nach Erdbeben stürzt
schäden am Gebäude Erdbeben-Pools der das ganze Haus ein.
durch Erdbeben Gebäudeversicherer nicht
getragen werden.
Privathaftpflicht Personen- und Sach- Wenn keine Gebäudehaft- Dachziegel beschädigt
schäden an Dritten pflicht abgeschlossen wurde das Auto des Nachbarn.
Erwerbsunfähigkeits- Finanzielle Ergibt vor allem Sinn, Hauptsächlich
und/oder Todesfall- Absicherung wenn viel Fremdkapital erwerbstätiger Vater
risikoversicherung der Familie aufgenommen wurde. erkrankt, verunfallt
oder stirbt.

Ein umgestürztes Baugerüst in Littau (LU) nach dem Wintersturm «Burglind». (3.1.2018)

Baurisiken richtig versichern


Beim Bau eines Gebäudes kann einiges schiefgehen – im Schadenfall wird es für den Bauherrn richtig teuer.
Vermeiden lässt sich dies mit den richtigen Versicherungen.

Üsé Meyer Kosten herrn ausgehen. «Leider werden Bauherren • Bauzeit: Diese Versicherung ist in den meis- stellt werden. Kippt beispielsweise ein solches
von ihren Architekten zu wenig auf diesen ten Kantonen obligatorisch. Sie deckt Schä- Profil wegen starkem Wind auf den Ferrari des

0,4
Die Plasticabdeckung des Baugerüstes flattert Punkt hingewiesen, und viele kennen sich in den am eigenen Bau durch Feuer sowie Ele- Nachbarn, kann schon dies richtig ins Geld
wild im Wind. Plötzlich kommt der obere Teil der Materie auch nicht so gut aus», sagt Adrian mentarschäden ab. Die Kosten betragen rund gehen. Als Bauherr sollte man zudem darauf
des Gerüsts ins Schwanken, die Verankerung Humbel, Vizepräsident der Kammer unabhän- 0,3‰ bis 1‰ des Gebäudewerts. achten, dass auch alle am Bau beteiligten Pla-
in der Fassade reisst sich los, das Baugerüst
kippt – erst langsam, dann bricht es wie ein
‰ giger Bauherrenberater (KUB). Der Beizug
eines neutralen Experten schon während der
Die Kosten aller Versicherungen sind ab-
hängig von der Bausumme und der Höhe des
ner und Firmen die nötigen Betriebshaft-
pflichtversicherungen abgeschlossen haben.
Kartenhaus innerhalb von Sekunden laut der Bausumme Planungsphase kann sich deshalb lohnen. Er Selbstbehaltes. Wesentlich ist jedoch das vor- Folgende Angaben sollte man als Versiche-
scheppernd zusammen. Die jüngsten Winter- muss ein Bauherr weist auf alle nötigen Versicherungen hin, handene Risikopotenzial, wie beispielsweise rungsnachweis von den Firmen einfordern:
stürme «Burglind», «Evi» und «Friederike» für eine Haftpflicht- holt Offerten ein, verhandelt mit den Anbie- der Zustand des Baugrunds oder die notwen- Name der Versicherung, Policen-Nummer,
verursachten mit Windgeschwindigkeiten bis versicherung min- tern und prüft die Verträge. Das spart den Auf- digen Baugrubensicherungen (gilt für Bauher- Versicherungssummen für Vermögens- und
zu 180 km/h erhebliche Schäden – wie etwa destens aufwenden. traggebern Zeit und garantiert faire Konditio- renhaftpflicht und Bauwesen). Ausserdem Personen-/Sachschäden. Ähnliches gilt, wenn
das abgestürzte Baugerüst am Neubau in Lit- Abgedeckt sind nen. Die wichtigsten Versicherungen während können die Prämien je nach Versicherer stark das Wohneigentum von einem General- oder
tau (LU) demonstriert. sämtliche Schäden, der Bauzeit sind folgende: variieren – es lohnt sich also, mehrere Offerten Totalunternehmer gebaut wird.
Die Bauherren dort hatten noch Glück: unabhängig vom • Bauherrenhaftpflicht: Damit sind durch die einzuholen und zu vergleichen. Spezialfälle punkto Versicherungen wäh-
Neben den Schäden am Gebäude selbst wur- Verursacher. Bautätigkeit verursachte Personenschäden rend der Bauzeit sind Reihenhaussiedlungen
den von den Gerüststangen nur gelagerte Bau- von Dritten und Sachschäden an benachbar- Spezialfall Reihenhaussiedlung und Wohnungen im Stockwerkeigentum. In
materialien auf dem Vorplatz getroffen. Hät- ten Gebäuden, Grundstücken oder anderen Abgeschlossen sollten die nötigen Versiche- der Reihenhaussiedlung gehören die Grund-
ten sich dort aber Personen aufgehalten, Sachen versichert, unabhängig davon, ob sie rungen sein, noch bevor die Bauprofile aufge- stücke, auf denen die Eigenheime entstehen,
wären die Folgen schnell weit drastischer aus- der Bauherr, Architekt oder Handwerker ver- meistens einem Eigentümer. So muss auch
gefallen. Sind in einem solchen Fall gerade ursacht hat. Kostenpunkt: rund 0,4‰ bis jeder selbst die nötigen Versicherungen ab-
private Bauherren nicht richtig versichert, ist 0,8‰ der Bausumme. Als Bauherr sollte man schliessen. Anders beim Bauen oder Um-
das finanzielle Debakel vorprogrammiert. • Bauwesen: Schäden, die am Bauwerk ent- bauen im Stockwerkeigentum: Hier ist es
stehen, sowie Diebstahl von Objekten, die
darauf achten, dass alle üblich, dass der Verwalter die nötigen Ver-
In der Planungsphase daran denken mit dem Bauwerk fest verbunden sind, und am Bau beteiligten sicherungen für die ganze Gemeinschaft ab-
Wichtig ist deshalb, sich schon vor Baubeginn
um den Abschluss aller Versicherungen zu
Vandalismus sind durch diese Versicherung
gedeckt. Die Leistungen variieren – allenfalls
Firmen die nötigen schliesst. Ein guter Versicherungsschutz ist
ferner nicht nur für den Neubau wichtig, son-
kümmern, die während der Bauzeit nötig sind noch Zusatzversicherungen nötig. Kos- Versicherungen dern auch für alle Projekte von An- und grös-
sind. Oft muss hierfür die Initiative vom Bau- ten: rund 0,8‰ bis 1,3‰ der Bausumme. abgeschlossen haben. seren Umbauten.

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