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i
Erster Entwurf

eines Systems

der
é'
ie.

Zum Behuf seiner Vorlesungen

4l> 141 ,
iron

F.W.J. S с h ell in

i V . ... ,
Jena und Leipzig,
bejr Chriítian Ëtnst Gabler.
s 7 99-
. •s • .Vorrede

An eine Schrift, die, wie die gegenwärtige,


einzig und allein um als Leitfaden für Vorle
sungen zu dienen geschrieben ist, können
init Recht nicht dieselben Forderungen ge
macht werden, wie an eine solche, die ursprung ¡
lieh für das gröfsere Publicum bestimmt war.
Diese Schrift könnte erster Entwurf hei-
fseh schon defswegen , weil vor ihr kein "Ver
such "dieser Art existirt hat — (denn noch hat
niemand für die dynamische Philosophie ge-
luaçt, was von Ц Sage für die mechanische
gethan ist). — Allein diese Aufschrift hat
einen andern Sinn.
/ 4 Der Verfasser hat zu hohe Begriffe von der
Gröfse "seines Unternehmens , um in der ge-
gee
genwärtigen Schrift, — (weit entfernt, das Sy
stem der selbst aufzustellen) — auch nur mehr
als den ersten Entwurf anzukündigen.
Eines also ist es, was er fordert: der Le>r
ser erinnre sich bei seinem Urtheil, dafs ihm
die Acten noch nicht vollständig gegeben sind.
Am wenigsten urtheile, wer nicht einmal weifs,
was dem Verf. Naturphilosophie oder specula
tive Physik bedeutet, sondern f wenn er ja ur-
theilen muís, erwarte er die Erklärung des
Verfassers , welche in einer besoncZern Schrift
ЛЬег das Fundament, und den innern Organic
SJtius eines Systems der speculativen Physik
binnen Kurzem erfolgen wird. —• Tndefs mag
der folgende Grundrifs die Stelle einer Einlei«
tung vertreten.

Jena, . .
. den soften März.
1799-

F. W. J. Schellin g. '
des Ganzen.

Erster Hauptabschnitt. .

Beweis, dafs die Natur in ihren ursprünglich


sten Producten organisch ist.

a überNaturphilosophiren so viel heifst, ale


ciie Natur schaffen, so mufs vorerst <)er Punkr gefun
den werden, von welchem ans die Natur his Werden
gesetzt werden kann. (S. 3 — 6)
Damit aus einer unendlichen (insofern idealen)
productiven Thätigkeit eine reelle werde, mufs sie
gehemmt, retaräiri werden. Da aber die Thätigkeit
eine ursprünglich unendliche ist, so "twmu es, auch
wenn sie gehemmt wird , doch nicht zu endlichen
Producten kommen, und wenn es zu.solihen kommt,
können es blofs Scheinprmlnrtè seyn, d. b. in, jedem
einzelnen mufs wieder die Tendenz zur unendlichen
Entwicklung liegen , jedes Product wieder ih Produ-
cte zerfallen können. (3 .— 14)
II. III. Die Analysis kann also nicht bei irgend
etwas stillstehen, was noch Product ist, sondern nur
.- " g a bei
И Grundrifs des Ganzen.

bei dem rem Produktiven. Dieses absolut Producti


ve nur, (was kein Substrat mehr hat, sondern Ur
sache alles Substrats ist), ist das absolut- hemmende
aller Analysis, zu welchem aber, ebendeswegen die
Analysis (die Erfahrung) nie gelangen kann. Es
mufs schlechthin in die Natur gesetzt werden, und
es ist erstes Postulat alle* Naturphilosophie. — Ei
mufs das in der Natur (mechanisch und chemisch)
Unüberwindliche eeyn ; als solches aber wird nur
die Ursache aller ursprünglichen Qualität gedacht.
(S. 13). Dieses absolut Productive wird durch den
Begriff der einfachen Aclioji bezeichnet. — (Prin-
cip einer dynamischen Atomistik). — (S. 17. u. f.)
Da in der Natur als Object ein unendliches Pro
duct sich evolvirt, so miifste, wenn die absolute
Analysis als wirklich gedacht würde, eine unendli
che Mannichfaltigkeit einfacher Aciionen, als der Ele
mente der Natur, und aller Construction der Ma
terie gedacht werden. (14)
(Es mufs hier gleich erinnert werden, dafs e»
zu dieser absoluten Analysis in der Natur nie kom
men kann, dafs also jene einfachen Actionem auch
nur die idealen Factoren der Materie sind).'
• Diese einfachen Actionen aber können sich durch
nichts von einander unterschieden, als die ursprüng
liche Figur, die sie produciren, (worin wir dem Ato-
misliker beipflichten. Da es aber zur absoluten Evo
lution nicht kommt, wegen des allgemeinen, die Na
tur als Product zusammenhaltenden, Zwangs zur
Combination (29), so können diese Grundgestal
ten nicht als existirend gedacht werden , gegen den
Atomistiken) *) Sie müssen also gedacht werden als
sich
•) Wenn man die Natur »Ii Object íftrretl, und nicht
all durch Evolution sondern als durch Synthesis ent
standen, ansieht ; (wie man dann auf d*m em-
P,
Grundiiis des Ganzen. m

sich aufhebend ; als ineinandergreifend (CobäUion,


23 o. f ) Das ursprünglichste Product dieses Ineinan-
der«reiiens ist die ursprünglichste Flüssigkeit — das
absolut, Incomponible, ebendeswegen absolut Deeom-
ponible. — (Ansicht der Wärme - der electrischen
und der Lichterscheinungen aus diesem Gesichte«
ptmkt, (30 — 32). — Vermittelst dieses Priucip»
würde es zur Aufhebung aller Individualität — also,
auch allrs Products, in der Natur kommen. Diefs
ist unmöglich. Es mufs also ein Gegengewicht in
der Natur savn , dadurch dafs die Materie von
der andern Seite sich in d<is absolut Indecomponible
verliert. Aber dieses kann wiederum nicht existiren,
als insofern es zugleich, das absolut Cqynppnibl* ist.
— Die Nainr kann weder in das Eine noch das andre
Extrem sich verlieren. Die Nalur in ihrer Ursprüng-
lichhett also ein mittleres aus beiden. (S. 35)
Der Zustand der Gestaltung also der ursprüng
lichste in dem die Natur erblickt wird. — Die Na
tur s- einem Product, das von Gestalt in Gestalt über
geht, zwar naeh einer gewissen Ordnung, wodurch
es aber doch abermals' zu keinem bestimmten Pro
ducts kommt ohne absolute Hemmung der Bildung.
— Es wird bewiesen, dafs eine solche nur dann
denkbar ht, wenn der Bildungstrieb nach entgegen
gesetzten Richtungen sich entzweit, was auf einer
tiefem Stuffe ais Geschlechtsverschiedenheit erschei
nen wird. (42)
. 4 :
Beweis, dafs dadurch die Permanenz verschied"
ner 'ùit wicklungsstuffen in der Natur gesichert ist.
(46. е. Í.)
a z Aber

-,irischen Standpunkt nicht anders kann"), ist die


Atomistik nothwendig, sie seyc nun mech-Bisch
odor dynamisch. — Durch die 'transcende»iule An
IT Grundrifs des Ganzen.

Aber alle diese verschiednen Producte — Einem anf


verschiednen Stvffen gehemmtenProduct, Abweichun
gen von JEiпt'm ursprünglichen Ideal. .Beweis aus
der Contjnuität der dynamischen Stufenfolge in der
Natur (59.' u. f.) und daraus die Grundanfgabe der
ganzen Naturphilosophie : die dynamis che Stuf-
fenfolge in der Natur abzuleiten.

IV. Es sind individuelle Producte in die Natur


geset7t worden, aber die Natur geht auf einen allge
meinen Organismos. — Ankämpfen der Natur ge
gen alles Individuelle. ' ; .
Dèduction der nothwendigen Wechselbestim-
jntmederJieee/itïvr'i-ûthvà der Tkütigkct in allein Or
ganischen (was sich tiefer nnten als Erregbarkeit dar
stellt) (S. 72' У- und, Aufhebung dieser Wechselbe-
»limmung ii/den entgegengesetzten Systemen
a) der chemischen Physiologie, welche in den
Organismus blofse lleceptivrtät (kein Subject)
setv.t, i>..' ...i,-. .
л., , . i • . .... ,л
b) dem System, das eine absolute (durch kei
ne Keceptivität vermittelte) Thätigkeit — eine
absolute Kraft zu leben in den Organismus
setzt — (S\ 82.)
Vereinigung beider Systeme im Dritten (S. 8l. ff )
Aber wenn in den Organismus; als das Vermit
telnde seiner Thätigktit noihwjen.lig Receptivität ge
setzt wird, so liegt in ihm selbst die Voraussetzung
fitter ihm entgegengesetzten — anorgisch.cn — VVelt
von bestimmter Einwirkung .auf ihn — welche Welt
aber. ebtndeCswegt-n , weil sie eine bestimmte (unver
änderliche) ist, selbst wieder unter iiufsrer Einwir
kung sieben , (gleichsam in • erzwnngnem Zustand
scyu) mfab,». um so zusammen mit ihrer organischen
/•^'l Welt
Çrundrifs des Ganzen. v

Welt , wieder' gemeinschaftlich ein Innres zu


bilden.
Diefs müfete sich ableiten lassen aus den Be
dingungen einer anorgischen Welt überhaupt.

Zweiter Hauptabschnitt.

Deduction der Bedingungen einer anorgi-


• sehen Natur.
Deduction der Möglichkeit eines blofsen Neben-
und Aufsereinander (96). Da ein solches nur als
Tendenz zum Ineinander denkbar ist, wird eine
Ursache póstulirt , die diese Tendenz unterhält.
a.) .Deduction der allgemeinen Schwere (97 —
98). Entgegengesetzte Systeme, '• . .
'. , ti das mechanische, und
das metaphysisch* .System der Attraction,
(99 — III.)
Drittes aus beiden: System der physischen At
traction1, abgeleitet aus der Theorie 'der allgemei
nen Weltbildung (i Ii — 134.) : -
b) Mit der allgemeinen Schwere ist m die
Natur die Tendenz zur allgemeinen Intussusce
ption gelegt. Als Hypothese *ngenommenv
( . ' dqfs'es zur wirklichen IntussusGeptiuon.kQm.roye,
, so wird die Actio» d-er Schwere nur der erste lm-
. .puls dazu seyn ; es.Mird, fl»o mn ¿¿e witidich zu
4. machen eine von ver»chiedne*Àctiou hinzu
kommen. — Es wird gefórdest. eine solche in
der Natur aufzuzeigen, (136)-
Beweis, dafs das Trine ip alle^^iejn Ischen T¡tp-
еesses einer bestimmten Sphäre nicht .wieder Pro
duct derselben , eo.n^ern/ e^ner/^c^^r^i^^re . ' ist.
(Dcduc,t¡on;-des Sauewfo^e) 137 ^j5-«, Ettbje-
runs, dafs' diè positive Action in j^de^i chemischen
Tí Grundrifs des Ganzen,

Procefe der niedrem Sphäre von der böhern auege


ben muís,
Beweis, dàfs das Licht in dem uns bekannten
Theil des Universums Phänomen einer solchen von
den Weltkörpern höherer Ordnung auf die Subalter
nen ausgeübten -dynamischen Action sеуе, (Verbren
nung— einem Uebergang entgegengesetzter Affinitäts-
iphären in einander. 139 — 46). * '
c) Deduction eines entgegengesetzten Verhält
nisses aller Erdsubstanzen zu jener Action —
electriiche Verhältnisse s'.er Körper,
Unterschied des elecirischen und chemischen
Processes. Das Princip,- das in den Einen unmit-
_telbar eingreift, ist das mittelbar bestimmende de»
andern С153 -r 54-) * : •.
d) Verhältnifs der Action der Schwere гur che
mischen Action U 54. u, î.~) '.

Dritter Hauptabschnitt* '•

"VVechselbestimmung der organischen und


anorgischen Natur, -.
I, Der höchste Begriff, wodurch der Zusam
menhang des Organismus mit einer anorgischen Welt
ausgedruckt wird, ist der Begriff der Erregbarkeit,
— Duplicität, welche dadurch in den Organismus
gesetzt wird, und Ableitung derselben aus der all
gemeinen Organisation des Universums, (157 — qi;.
Vollständige Vereinigung der entgegengesetzten
Systeme, welche den Organismus entweder als Ыo-
fses Object oder als blofses Subject setzen , im drit
ten , was ihn als erregbar setzt, (161. u, f.) -— ДЬ-
" leitung einer Ursache der Erregbarkeit, deren Be
dingung' 'Duplicität, die ihrer Tendena nach che
misch,
Grund r ifs des Ganzen. vu

misch, еЬепЛеTб wegen ursprünglich nichtchemisch,


und darauf gegründeter vollständiger Beweis der
Möglichkeit eines höhem dynamischen Processes,
(dergleichen der Lebensprocefs) der, obgleich selbst
nicht chemisch , doch dieselbe Ursache , und diesel*
ben Bedingungen hat, wie der chemische Procefs,
(-169.) . .
II, Ableitung der einzelnen organischen Functio
nen aus dem Megrijf der Erregbarkeit.
a) Da die Erregbarkeit Dnplicität voraue-
eetzt , — kann die Ursache von jener nicht wie
der Ursache von dieser seyn. Es wird also eine
Ursache postulirt, die Dnplicität nicht mehr
voraussetzt — eine Ursache der Sensibilität, ai*
: :«f organischen TbätigkeitsquelU. (—173).
Bestimmung der Thätigkeit, deren Quell
sie ist. und der Bedingungen dieser Thätigkeit
(im Galvanismus) —- Irritabilität (— j87),
c) Erlöschen dieser Thätigkeit im Product —•
Prodnctionskraft mit allen ihren Zweigen, (Nu»
tritio» 1S8 — 90, Secretion 91 — 95 Wachs
tum 96-, Kunstrieb (thierische Instinkte über
haupt) 197 — 315. — Metamorphose. Zeit-
gungstrieb', 216 — 19.)
III, Folge aus dem Vorhergehenden ,
a) Dafs die organischer. Funktionen eine der an
dern untergeordnet , dafs sie sich entgegenge
setzt inlA nsehung ihres Erscheinens (Hervortre
tens) im Ündividuum sowohl als der ganzen or
ganischen Natur.
h) Dafs durch diese Entgegensezung , (weil
die höhere Function durch das Uebergewicht der
untergeordneten verdrängt wird), einê dynamisent
Síuffenfolge in der Natur begründet »st.
9 4 е) Bf
ut Grundrifs des Ganzen,

с) Beweis dieser dynamischen Stufenfolge


(220 — 22) aus.
aa) einer Wechselheetimmung der Sensi
bilität und Irtitabilität (222 — 3I-)
bb) der Sensibilität undProductions-
fcraft (3i — 32) - ,
cc) — •— Irritabilität und Productioiiskraft
(— 33./) durch die ganze organische Natur.
ßchlufsjolge: dafs es Ein und dasselbe Pro
duct ist , was von der höchsten Sti/Jfe der Sensibi
lität endlich in die Reproducttonskraft der Pßanze
sich verliert. ~.l
d) Beweis, dafs in der alîgeme inen und der anor-
gischen Natur . dieselbe dynamische Stufenfolge
herrsche wie in der oixganisehen, 236 — 54.

Allgemeines Schema dieser Stvffcufolge-

Organische -— Allgemeine — Anorgische Natur.


' Bildunprrieb Licht ' Chemischer Procefs,
Irritabilität Electricität Ebçnischer Procefs.
Sensibilität Ursache des Magnetismus t *)
Magnetismus % s
e) Hç.çhste Aufgabe der Natnrphilosop7i'не :
Welche Ursacfiè aus der allgemeinen Identität
der Natur die erste Duplicität, (von der alle
andern Gegensätze hlofse Abkömmlinge sind)
hervorgebracht ? (254).
- - , _ ;• An-

»eneitai «сими iui>i»«.~»i « - —--- — о


Meitat Taus Homogeneität) hervorbringende Ursache pn-
' sndixtT an deven Stelle vorerst ЫoГз hyppfl»eysch die
Ursache des allgemeinen Magnetismus gesetzt -wird.
Grundrifs des Ganz pn, ix

(An han g zu III : Theorie der Krankheit, abge


leitet aus der dynamischen Stufenfolge in det
Natur 254 — 79-) Y
ÏV. Nicht nur die untergeordneten Funktionen
des Organismus, sondern auch die ihnen entsprechen
den allgemeinen Kräfte (Electricität, chemischer Pro-
cefs) setzen eine ursprüngliche Heterogenei'tät voraus
— die Aviftösung jener Aufgabe, (welches die Ursache
der ursprünglichen Heterogeneität?) , ist also zugleich,
. eine Theorie des chemischer! Processes und umgekehrt.
Allgemeine Theorie des chemischen Processes,
S. 280 — 311.
a) Begriff des chemischen Processes 280 — 84-
b) Materielle Bedingungen des chemischen
Processes. — Beweis, dafs im chemischen , wie
»im electrischen Procefs nur Min Gegensatz hcrr-
, sehe (¡84 — 295)
c) Da aller chemische (und electrische) Pro
cefs vermittelt ist durch Eine erste Heterogenei-
tät, so hat diese für die, allgemeine Natur die-
. selbe Function , wie die Sensibilität für die Or
ganische. t-тм .Vollständiger Beweis , dafs es der
Magnetismus ist, der für die allgemeine Na-
.tur da¡s"s. ist, was die Sensibilität für die organi
sche, dafs ihm, wie dieser alle organischen, al
le dynamischen Kräfte des Universums nnferge-
ordnet sind — dafs er , wie die Sensibilität in
der organischen, allgemein ist in der anorgischen
Natur, (und aufgehoben , wo er es ist, nur für
die Erscheinung). — Schlufs auf die Identität
der letzten Ursache der Sensibilität und de»
Magnetism uto ( — Зoб.) , .
d) PíoIis ländige Construction des chemischen
und alles dynamischen Processes . 30Ó — 31 It)
aa) Da eine Intussusception zwischen he
terogenen Körpern möglich ist, nur insofern das
- a 5 Ho-

i
Gr uii d ri f s des Ganzen.

Homogene selbst , in sich entzweit wird , ao


kann kein homogener Zustand absolut- son-
dem nur Imlijferenzzutt and seyn, Um die-
; »en zu erklären, .mufs im Universum eine all
gemeine von Product zu Product sich fort-
,, , pflanzende Wirkung durch (magnetische)
Vertbeilang, а1б das 'allgemein bestimmende
aller Qualität, (und darum der Magnetismus
t ab allgemein) angenommen werden ( — îoç.)
' . ЬЬ) Ferner, um Haterogeneiiät in die ein-
, zclne dynamische Sphäre und dadurch die
Möglichkeit einer Aufhebung des dynami
schen Indiiïerenzzustandes zu bringen — eine
Mittheilunp zwischen der höhem und niedrem
Affinitätssphäre (durch das Medium des Licht»
' . (—*- 3t I- j Durch die letztere ist die änfsre
' Bedingung des dynamischen Processes, Hete-
rogeneität). durch jene die innere, (Entzwei-
.;• . i ung im Homogenen selbst^ gegeben,
V- Die jetzt abgeleitete dynamische Organisation
setzt das Universum als Gerüste voraus.
»V Deduction der Kräfte, durch welche (unter Vor.
Aussetzung einer ursprünglichen. Duplicität in der
Natur) , die Evolution des Universums bedingt ist.
der expansiven
«— retardirenden , und
der Schwerkraft, welche (in ihrer Unabhän
gigkeit von einander), allein die Natur als ein für
jeden Moment der Zeit wiе des Raums bestimmtes
Product und eine reelle Construction der Materie
»öglich raachen. (311 — 321.)
i. - . - "• .
Erfter Entwurf,

eines Syítems \

der

N aturphilofophie.

Für V o r 1 e f ungen.

A
"Welcher Gegenstand Object der Philosophie seyn
soll , derselbe muís auch als schlechthin unbedingt
angesehen werden. Ее fragt sich, inwiefern der
Natur Unbedingtkeit könne zugeschrieben werden ?
l) Vorerst müssen wir uns des Begriffs des
Unbedingten zu versichern suchen : dazu aber be?
dürfen wir einiger Sätze, die aus der Transcender -
talphilosophie als bekannt vorauigefetzt werden.

' Erster Satz. Das Unbedingte kann über


haupt nicht in irgend einem einzelnen Ding,
noch in irgend etwas gesueht werden , von dem man
sagen kann, dafs es ist. Denn was ist, nimmt
nur an dem Seyn Theil, und ist nur eine einzelne
Form oder Art des Seyns: — Umgekehrt kann
man vom Unbedingten niemals sagen, dafs et ist.
Denn es ist das Seyn selbst, das in keinem end-
lidun Produete sieh ganz, darstellt, und ivovon al
les Einzelne nur gleichsam ein besondrer Ausdruck
ist. '. '. •" • . . . .. . : ' , ... .
Erläuterung. Was durch diesen Satz be
hauptet wird, gilt ganz allgemein . und für das Un
bedingte in jeder Wissenschaft. Denn obsclyon zum
Absolut - Unbedingten im menschlichen Wissen nur
die Transccndentalphilospphie sich erhebt,, so mufs
diese doch selbst erweisen, <lafs jede Wissenschaft,
i
die nur Wissenschaft' ist, ihr Unbedingtes -hat,
JDer obige Satz gilt also auch für die Naturphiloso
phie; ues kann in beinern einzelnen Naturding, als
solchem das Unbedingte der Natur gesucht werden ;"
vielmehr offenbart sich in jedem Naturding ein Prin-
cip des Seyns , das nicht selbst ist. — Da fs nun
aber das Unbedingte überhaupt nicht unter dem
Prädicat des Seyns gedacht werden könne, folgtvon
selbst daraus,' dafs es als Princip alles Sejus an kei
nem höhern Seyn theilnehmen kann. Denn, wenn
alles, was ist, nur gleichfam die Farbe des Unbe
dingten ist, so mufs das Unbedingte selbst — gleich
dem Licht, das keines höheren Lichtes bedarf, um
sichtbar zu seyn — überall durch sich selbst offen-,
bar werden.
Was ist nun aber der Transcendentalpliiioso-
phie das Sey?i selbst, von dem alles einzeln s Seyn
nur eine besondere Form ist? — Wenn nach Prin
cipien derselben alles, was ist, Construction des
Geistes ist, so ist das Seyn selbst, nichts anders als
das Construiren selbst , oder da Construction über
haupt nur als Thiitigkeit vorstellbar isr, nichts anders,
als die höchste constmirend-e Thätigkeit, die, obgleich
selbst nie Object, doch Princip alles Objecliven ist.
Die
, Diesemnach weifs die Transcendentalphiloso-
phie von keinem ursprünglichen Seyn. Denn wenn
das Seyn selbst nur Thatigkeit ist, so kann atzch
das einzelne Seyn nur als eine bestimmte Form oder
Einschränkung der ursprünglichen Thätigkeit ange
sehen werden. — Das Seyn soll nun ebensowenig
etwas Ursprüngliches seyn in der Naturphilosophie,

tlder Begriff des Seyns als eines Ursprüng


lichen soll aus der Naturphilosophie, (eben
so, wie aus der Transcendentalphilosoj»hie)
sci-.lechthin eliminirt werden."" ,
Dies und nichts anders sagt das Obige: „Die
Natur soll als unbedingt angesehen werden."

Nun ist aber nach allgemeiner Uebereinstim-


mung die Natur seihst nichts anders , als der Inbe
griff alles Seyns; es wäre daher unmöglich , die Na
tur als ein Unbedingtes anzuseilen , wenn nicht im
Begriff des Seyns selbst die verborgne Spur der Frei
heit eritdeckbar wäre. Darum behaupten wir: Alles
Einzelne (in der Natur) sey nur eine Form des Seyns
selbst, das Seyn selbst aber zz absoluter Thätig
fceit. Denn, wenn das Seyn selbst — Thatigkeit
ist, so kann auch das einzelne Seyn nicht absolute
Negation der Tiiätigkeit seyn. Das N a turpi od и et
selbst müssen wir uns allerdings unter dem Prädicat
des Seyns denken. Aber dieses Seyn seihst ist von
einem höhern Standpunkt angesehen nichts anders,
als eine continuirlieh - wirksainc Natnrlhätigkeit,
die in ihrem Producue erloschen ist." — Ursprüng-
A 3 -, Hch
lieh aber ist für uns in der Natur überhaupt kein
eint. eines Seyn, (als ein zu Stande gekommnes)
vorhanden, denn sonst ist unser Thun ni сЫ Philo
Sophie, sondern Empirie. — Wir müssen, was
Object ist, in seinem ersten Ursprung erblicken.
Vorerst also ist elles, wjis in der Natur ist, und die
Natur, als Inbegriff des Seyns , selbst für uns gar
nicht vorhanden. Ueber die Natur philosophiren
heifst die Natur schiffen. Iede Thätigkeit aber
erstirbt in ihrem Producte, denn sie gieng nur auf
dieses Product. Die Natur als Product kennen
wir also nicht. Wir kennen die Natur nur als thä-
tig —i denn philosophiren läfst sich über keinen
Gegenstand, der nicht in Thätigkeit zu versatzen
ist. Philosophiren über die Natur heifst, sie aus
dem todten Mechanismus, worinu sie befangen er
scheint, herausheben, sie mit Freiheit gleichsam be
leben, und in eigne freie Entwicklung versetzen —
heifst, mit andern Worten, sich selbst von der ge
meinen Ansicht losreifsen , welche in der Natur nur,
was geschieht — höchstens das Handeln als Factum,
nicht das Handeln selbst im. Handeln — erbückt.
2) Die erste Frage , wie der Natur Uubedingt-
heit zugeschrieben werden könne, haben wir
durch die Behauptung beantwortet, die - Natur
müsse als schlechthin Ihätig angesehen werden.
Diese Antwort aber treibt uns von selbst auf die
neue Frage: wie kann die Natur als schlechthin
thütig angesehen werden, oder deutlicher: in wel
chem Lichte mufs uns die ganze Natur erscheinen,
wenn sie absolut thai ig ist?.
Die-
Diese Frage zu beantworten, mufs uns der
folgende Sats dienen.
Zweiter Satz. Absolute Tliätigl^cit ist
nicht durch ein endliches, sondern nnr durch ein un
endliches Product darstellbar.
Erl äu 1er u n g. Die Naturphilosophie , da •
mit sie nicht in 'èin leeres Spiel mit Г-egrilten aus- .
arte, ruufs für alle ihre Begriffe eine entsprechende
Anschauung nachweifen. Es fragt sich daher, wie
eine absolute Thätigheit, wenn eine solche in der
Natur ist, empirisch, d. h. im Endliche» sich dar-
stellen werde?
— Möglichkeit der Darstellung des Unendli
chen im Endlichen — ist höchstes Problem aller Wis-
senschaftenDie untergeordnete nWisssnschaften lösen
dieses Problem für besondreFülle. Die Transcenden-
atlphilosophie hat es in der} höchsten Allgemeinheit
aufzulösen. — Diese Auflösung wird ohne Zweifel
auf folgendes Resultat hinauskommen

Der Schein , der die ganze Untersuchung' über


das Unendliche in allen Wissenschaften umgiebt,
rührt von einer Amphibolie dieses Begriffs selbst
her. — Das empirisch - Unendliche ist nur die
iiufsere Anschauung einer absoluten (¿utellectuelleii)
Unendlichkeit , deren Anschauung ursprünglich in
uns ist, die aber nie zum Bewufstseyn hlime ohne
auiseve, empirische Darstellung; der Beweis dar-
von ist, dafs diese Anschauung gerade dann eintritt,
wenn die empirisch -unendliche Reihe vor der Ein-
A 4 bü
pildüngskraft vernichtet wird, Q4ch tilge sie , und
du liegst ganz vor m/'r"). AVenn nämlich nur Даs
Endliche äufserlich angeschaut werden kann, so
kann das Unendliche in der äufsern Anschauung gar
nicht dargestellt werden, als durch eine Endlichkeit,
die nie vollendet, d. h. selbst unendlich ist, mit än
dern Worten, durch das unendlich lïrerJrnde wo
dann die Anschauung des Unendlichen in Keinem
einzelne!) Moment liegt, sondern nur in einem end
losen Prßgressus erzeugt werden soll , — in einem
Progressus, den aher keine Einbildungskraft, aus
hält, daher dann die Vernunft sich bestimmt, die
Reihe entweder eu vernichten, oder, was der Ma
thematiker thut, wenn er eine Gröfse als unendlich-
grofs oder klein annimmt, eine idealische Gränze
der Reihe anzunehmen , die aber so weit hinausge
rückt wird, dafs man im praktischen Gebrauch nie
mals über sie hinaus zu gehen kann genöthigt wer
den.
Wie mufs man sich nun aber eine unendliche
Reihe vorstellen, wenn sie nur die äufsere Darstel
lung einer ursprünglichen Unendlichkeit ist? Mufs
man glauben, dafs das Unendliche in ihr durch Zu
sammensetzung erzeugt werde, oder vielmehr mufs
man sich jede solche Reihe in Contiunität , als Eine
in's Unendliche fliefsende Function vorstellen ? —
Dafs in der Mathematik unendliche Reihen aus Grö-
fsen zusammengesetzt werden, beweist nichts für
jene Annahme. Die ursprünglich - unendliche Reihe,
wovon alle einzelnen (in der Mathematik) nur
Nach-
(
Nachahmungen sind , entsteht nicht durch Zusam
mensetzung , sondern durch Involution , durch Evo
lution Jz.iaer , in ihrem Anfangspuncte schon un
endlichen Gröfse, die durch die ganze Reihe hin-
dпrchfiiefst; in dieser Einen Gröfse ist ursprünglich
die ganze Unendlichkeit Concentrirt, die Successio-
nen in der Pieihe bezeichnen nur gleichsam die ein
zelnen Hemmungen, welche der Ausbreitung jener
Gröfse in eine unendliche Reihe feinen unendlichen
Raum), welche sonst mit unendlicher Geschwindig
keit geschehen und keine reale Anschauung verstat
ten wurde, continuirlich Schranken setzen.
Der eigentliche Begriff also für eine empirische
Unendlichkeit, ist der Begriff einer Thätigkeit , die
ins Unendliche J ort gehemmt ist, wie Kannte sie
aber doch ins JJnendliche gehemmt werden, wenn
sie nicht ins Unendliche flüfse, und wenn nicht in
jedem einzelnen Punct der Linie, die sie be
schreibt, noch ihre ganze Unendlichkeit läge ?

Folgesätze für die Naturphilosophie,


(die zugleich als Beantwortung unsrer zweiten obi
gen Frage anzusehen sind).

Erster Folgesatz. 1st die Natur abso


lute Thätigkeit , so mufs diese Thätigkeit als ins
Unendliche gehemmt erscheinen. Der ursprüng
liche Grund dieser Hemmung aber mufs, da die
Natur schlechthin thätig ist, doch nur wieder
in ihr selbst gesucht werden.
A 5 Zw si
10
Zweiter Folge s atz. Die Natur exi-'
st ir t als Product nirgends, alle einzelnen Produete
in der Natur sind nur Scheinproducte , nicht das
absolute Product , in welehem die absolute Thäitg-
keit sich erschöpft, und das immer wird und
nie ist.
Dem ersten Satz zufolge rnufs in der Natur
eine ursprüngliche Dualität schlechthin vorausge
setzt werden« Denn weiter ableiten láTst sie sich
wicht, weil sie die Bedingung ist, unter welcher
allein ein Unendliches überhaupt endlich darstellbar,
d. h. unter welcher überhaupt eine Natur möglich
ist. Durch diesen ursprünglichen Gegensatz in ihr
selbst wird nun die Natur eigentlich erst in sich
selbst ganz und beschlossen.
Da sie sich selbst ihre Sphäre giebt, so kann
keine fremde Macht in sie eingreifen; alle ihre Ge
setze sind immanent, oder: die Natur ist ihre eigne
Gesetzgeberin, (Autonomie der Natur).
Was in der Natur geschieht, mufs sich auch
aus den thätigeri und bewegenden Principien erklä
ren lassen, die in ihr selbst liegen , oder: die Na
tur ist sich selbst genug, (Autarkie der Natur).

Zusammenfassen läfst sich beides in den Satz :


die Natur hat unbedingte Realität;, welcher Satz
tíben das lhincip einer Naturphilosophie ist.

Die absolute Naturlhätigkeil: soll als ins Un


endliche gehemmt erscheinen. Diese Hemmung der
all
■, II
«
allgemeinen Naturthàtigkeît, (ohne welche es nicht
einmal zu Scheinproducten käme) , läfft sich nun ,
allerdings als das Werk entgegengesetzter Tenden
zen in der Natur vorstellen. (Man denke sich Eine
von Einem Mittelpunct nach allen Richtungen aus
strömende, ursprünglich in eich selbst unendliche
Kraft, so wird diese in keinem Punct des Raum»
einen Moment verweilen , den Raum also leer las
sen, wenn nicht eine entgegenwirkende (retardiren-
de) Thätigkeit ihrer Expansion eine endliche Ge
schwindigkeit gieht). Allein so bald man unter
nimmt, aus jenen entgegengesetzten Tendenzen die
Construction eines endlichen Products zu Stande zu •
bringen, begegnet man einer unauflöslichen Schwie-
l igkeir. Denn man setze, daTs Leide an Einem und
demselben 'Puñete zusammentreffen, so werden sich
ihre Wirkungen wechselseitig gegen einander аiiЕЪе-
ben, und das. Product wird — o seyn. Ebetulefs-
Avegen aber mufs behauptet werden, dafs kein Pro- ,
<luct in der Natur das Product seyn kann , worinn
jene entgegengesetzten Thätigkeiten absolut zusam-
meutreffen, d. h. in welchem die Natur selbst zur
Ruhe gelangte. Man mufs mit Einem Worte alle
Permanenz in der Natur selbst schlechthin läugncut
Man mufs behaupten, dafs alles Beharren nur in der
Natur als Object statt findet , während die Thätig
keit der Natur, als Subjeets , unaufhaltsam fort
geht, und während eie selbst aller Permanens con-
tinuirlich entgegenarbeitet. Das Hauptproblem der
Naturphilosophie ist nicht, das Thätige in der Na
tur, (denn das ist ihr sehr begreiflich, weil es ihre
«s te

i
erste Voraussetzung ist) , sondern fias Ruhende,
Permanente zu erklaren. Zu dieser Erklärung aber,
gelangt sie eben durch jene Voraussetzung, dais das
Permanente 'für die Natur eine Schrat) Ii e ihrer eig
nen Thiitigkeit sey. Denn > wenn dies ist, so
wird die rastlose Natur gegen jede Schranke an
kämpfen; dadurch werden die .fíemnimtsísjnmcte
ihrer Thätigheit in der Natur , als Object , Реrша-'
neu-, erhalten. Die Hemmungspnncie werden für
den Philosophen durch Producto bezeichnet seyn;-
jedes Product dieser Art wird eine bestimmte Sphäre
vorstellen, welche die Natur immer neu erfüllt, und in
•welche sich unaufhörlich der Strom ihrer Kraft ergiefst.
Wenn man htm aber fragt, (und das ist die
Hauptfrage): wie es überhaupt möglich sey, alle
diese einzelnen Producto in der Natur nurals Schein,
prodiicte auszusehen, so findet sich folgende Ant
wort: Offenbar ist jedes (endliche) Product nur ein
scheinbares Product, uenii in ihm selbst wieder die
Unendlichkeit liegt , d. h. wenn es selbst wieder ei-
lier unendlichen Entwicklung fähig ist, denn wenn
es zu dieser Entwicklung käme, so würde es über
haupt kein permanentes Daseyn haben; jedes Pro
duct, tías jetzt in der Natur ßxirt erscheint, würde
nur einen Moment existiren, und in continuirlkher
Evolution begriffen, sttíts wandelbar, nur erschei
nend vorüberschwinden. Die oben gegebene Ant
wort auf die Frage : wie die Natur als schlechthin
ihätig könne angesehen werden, reducirt sich also
jetzt auf folgenden
Satz. Die JSÍatur ist schlechthin thätig,
wenn in jedem ihrer Producte der Trieb einer un
endlichen MntwicKlung liegt, ,.-
Unsern weitern Untersuchungen ist der Gan*
damit vorgezeichnet. Es fragt ¿ich nämlich zu
nächst : Wie rau fs ein Product beschaffen seja, das
einer unendlichen Entwicklung fähig ist, und iindet
eich wirklich ' ein ' solches Product in der' Natur
vor? — Man bemerke wohl, dafs wir mit dieser
Frage zugleich auch eine andre beantworten , . die
schlechterdings beantwortet werden mufs, diese
nämlich; warum es. in einem solchen Product doch
nur bei der Tendenz znr unendlichen Entwicklung
bleibt, warum es dieser Tendenz unerachtet a^s
fixirt e/scheint, und nicht ins Unendliche sich verliert ?
к . j i
'. Anmerkung. Der Satz dad in jedem In
dividuum der Natur das Ganze —41as Unendliche —
sich spiegle, ist in der Transcendeutalphilosophie
eher als in der Naturphilosophie gehört worden.
Denn jene hat ganz dieselbe Schwierigkeit, zu erklä
ren : wie entgegengesetzte Thätigkeiten in der An
schauung des Endlichen zusammentreffen, ohne sich
wechselseitig aufzuheben. Man wird läugnen müs-
6en , dafs sie in irgend einem Producta absolut zu
sammentreffen , man wird behaupten, dafs der
Geist überhaupt in keinem einzelnen Producte —
dafs er überhaupt nicht in der Vereinigung, son
dern in dem unendlichen Auseinanderhalten seiner
entgegengesetzten Thätigkeiten, (die nur durch diè
tes
ses Auseinanderhalten selbst vereinigt sind), eine
Anschauung seiner selbst habe. Man wird behaup
ten müssen , dafs ebendesswegen jede einzelne An
schauung nur seheinbar - €Í¡izeliz , und dafs eigent
lich in jeder einzelnen zugleich die Anschauung des
ganzen Universums enthalten sey. Der ursprüngli
che Streit ties S.elbstbewusstseyns — für die tran
scendental Schöpfung ebendas, was der ursprüng
liche Streit der Elemente für. die physische — mufs
wie das Selbstbewufstseyn selbst unendlich seyn;
er kann sich daher nicht in irgend einem einzelnen
Product, sondern nur in einem Product, das im
mer wird, und nie ist, und in ¿edcm Moment des
Selbstbewufstseyns neu geschaffen wird , . enden, .-j—
Um absolut Entgegengesetzte zu vereinigen dehnt
die productive Einbildungskraft ihr wechselseitiges
Aufheben in eine unendliche Reihe aus? durch die
ses unendliche Ausdehnen — dieses unendliche
, Hinausrucken, der absoluten Negation kommt allein
das Endliche zu Stande. ' ,

Ejn Product ist nur scheinbare? Product,


wenn in ihm selbst wieder die Unendlichkeit liegt,
d. h. \veim in ihm die Fähigkeit zu unendlicher
Entwicklung ist. Es kann aber diese Fähigkeit in
ihm nicht sta'.t linden, ohne unendliche Mannichfal-
tigkeit ursprünglich in ihm vereinigter Teiulenzen.
A. Es fragt sich, wodurch diese Tendenzen
in der Natur überhaupt sich offenbaren?
Lehrsatz. Die ttrsprünglichfle?i Hemmungs-
puncte der allgemeinen Naturthätigkeit sind in den
ursprüng liehen Qualitäten zu suchen.
Beweis. — Es ist eineunnachlässliche For
derung, welche unsre Wissenschaft zu erfüllen h*t,
dafs sie ihren Constructiönen a priori entsprechende
äufsre Anschauungen beigeselle , dеnn sonst würden
diese Constructiönen für uns nicht mehr Sinn haben,
als die Theorie der Farben für den Blindgebohrnen.
Nun wurde im Vorhergehenden behauptet , eine ab
solute Thätigkeit könne empirisch nur unter unend
lichen Negationen erscheinen. Es müssen also in
der Natur unendliche Negationen Einer und dersel
ben ursprünglichen Thätigkeit durch Analysis ge*'
funden werden. ¡ . . i i
In diesen Negationen müsste ein Unbedingtes
Isích offenbaren. Nun ist aber von dem Unbeding-
' t'en keine positive äufsere Anschauung möglich. Es
' müfste also wenigstens eine negative Darstellung
desselben in der äufsern Erfahrung versucht werden.
Das Unbedingte nun haben wir bestimmt
durch dasjenige, was, obgleich Princip alles Seyns,
doch selbst nie ist. Alles äufsre Seyn nun ist ein
Seyn im Raume. Es müfste also in der Erfahrung
etwas vorkommen , das , obgleich selbst nicht im
Raume, doch Princip aller Raumerfüllung wäre.
i i) Es soll selbst nicht im liaume seyn. — Was
im Raume ist, auf dasselbe kann auch durch physic
eche
16 ; ..——
sehe Kraft gewirkt werden , es ist mechanisch oder
chemisch zerstörbar. Ein Princip also, das nicht selbst
" im Räume ist , rnüsste schlechterdings weder mecha
nisch noch , chemisch überwältigt werden können,
/Es findet sich aber in der Erfahrung nichts der Art
-;vor, au leer den ursprünglichen Elementen (Princi
pien) aller Qualität,
3. Es soll Princip aller Raum - Erfüllung
seyn. — Es müsste sonach dasjenige seyn . was,
wenn auch die (mechanische) Theihmg der Materie
in's Unendliche geht, doch jeden noch so kleinen
Theil der Materie für weiteie Theilung erhält,
kurz dasjenige, was die unendliche Theilbarkeit
der Materie möglich macht. Wäre nun die unend
liche Theilbarkeit der Materie unmöglich, so nuifste
-man beim Theilen irgend einer Materie endlich auf
einen Theil kommen , den man nicht mehr für ei-
neu Tkeil jener Materie, d. h. nicht mehr .als homo
gen mit derselben erkennen könnte". Da als» die
Theilbarkeit der Materie ins Unendliche geht, ed
mufs jede Materie, so weit sie auch getheilt wird,
ins Unendliche homogen bleiben. Die Homogenei-
tät ine Unendliche aber erkennt man allein an der
Permanenz der Qualitäten , also ist die Permanenz
der Qualitäten Bedingung der Möglichkeit der me
chanischen Theilvmg ins Unendliche , sonach auch
,tlie principien der Qualitäteu Principien der Raurn-
Erfüllnng seihst.
Die ursprünglichen Qualitäten sind also die
ursprünglichsten negativen Darstellungen des Un-
' ! . " "" be.
X >

if
bedingten in der Natur. Da nun tías Unbedingte
überall = absoluter Thätigkeit ist, absolute Thätig
keit aber empirisch nur als eine ins Unendliche ge
hemmte Thätigkeit erscheinen kann, so sind die
Ursprünglichsten Hemmungapuncte der allgemeinen
Naturthäügkeit durch die ursprünglichen Qualitäten
für uns bestimmt,
*
Folgesätze, I . Die Theilbarkeit der Ma
terie mvjj also in Einer Rücksicht endlich seyn,
ebendeswegen , weil sie in der andern unendlich ist.
Der Atomistiker versieht ее nur darinn , dafs
er mechanische Atomen, d. h. die Endlichkeit der
mechanischen Theilbarkeit behaupter. Denn in je
dem irateriellen Raum mufe wie in dem mathema
tischen kein Theil der absolutkleinste eeyn , was
im Raum ist, ist im Raum nur vermittelst einer
contimuirlich- thätigen RaumErfüllung; in 'jedem
Theil des Raums ist also bewegende Kraft, sonach
auch Beweglichkeit , daher Trennbarkeit jedes noch
eo kleinen Theils'der Materie von allen übrigen ins
Unendliche. Die ursprünglichen Actionen sber sind
nicht selbst im Raum, sie können nicht als Theile
der Materie angesehen werden. Unsr.e Behauptung
kann sonach Princip der dynamischen Atomistik hei-
fsen. Denn jede ursprünglicheAction ist für un se'* nso,
wie der Atom für den .Corpuscularphilosopben,
wahrhaft individuell, jede ist in sich selbst ganz
und beschlossen, und stellt gleichsam eine Natur-
Monade vor.
B a. Л-
2. Jede Qualität ist eine Action von bcst.imm-
tem Grad, für die es kein andres Maufs giebt, als
ihr Product. ,
• a, Sie ist Action überhaupt, also nicht
selbst Materie, Denn wäre sie selbst Materie —
Stoff, wie die populäre Chemie sich ausdrückt, sa
müsste sie auch im Räume selbst darstellbar seyn.
Im Raum aber ist nur ihre Wirkung darstellbar, sie
selbst ist eher als der Raum (extenfioue prior). —
(Warum hat die Chemie noch "keinen ihrer Stoffe'
rein — isolirt von allen Materien — dargestellt?). —
Sie ist ebensowenig etwas blofs der ursprünglicheе
Materie (den Atomen, wie der Atomistiker lehrt)
Inhärirendes , wie die Figur; noch auch etwas , das
aus der Znsarnmenwirlmng der Atomen resultirt.
Denn , wenn diese selbst keine Qualitäten haben,
wie soll eine solche durch ihre Zusammenwirkuu g
erzeugt werden?
b. Sie ist Action, für die man kein Maas hali
als ihr Product selbst. Dadurch soll soviel gesagt
werden : die Action selbst, abstrahirt von ihrem
Producte, ist nichts. Denn sie ist ja nichts anders,
als das Product selbst, aus einem höhern Staud-
•mct angesehen. Man kann also nicht erwarten,
я das Innere jener Action selbst einen Blick tiran,
und die <sröfsе (den Grad) der Action etwa durch
raathematische Formeln bestimmen an können.
Alie Versuche, dies zu tlmn, haben l)is jetzt za
nichts Reellem get'ührt. Denn jenseits des Products -
reicht
— i9
reicht unsre ЕrкеппгruTз nicht, und für die Gröfse
der Action kann es keinen andern Ausdruck geben,
als das Product selbst. Die Naturphilosophie hat
weiter nichts zu thun , als dafs eie das unbedingt-
Empirische in diesen Actionen anerkennt. Denn
der Empirismus zur Unbediuglheit erweitert ist ja
Naturphilosophie.
Zusatz. Wir haben durch das Bisherige
zwar die Construction der Materie im Allgemeinen
zu Stande gebracht. Denn da tlie Identität einer
Materie allein an der Pèrmancnz ihrer Qualitäten er
kannt, wird , so ist sie von diesen in nichts verschie
den; jede Materie i*t also nichts anders als ein be
stimmter Grad von Jetion , keine Materie ist ur
sprünglich mechanisch zusammengesetzt ; denn wä
re dies, so mufste sie , die unendliche Theilbarkeit
vorausgesetzt, in nichts auflösbar, und aus nichts
ursprünglich construirt seyn. Darum — (ne res ad
nihilum, redigantur fundiius omrics) — mufs , wer
die Materie mechanisch entstehen läfst, sie aus
Atomen zusammensetzen, (deren Annahme noch in
eine Menge andrer beschwerlicher Folgen verwik-
kelt;. ' ?
Allein dafs defswegen niemand glaube, wir
haben damit schon die speeißsche Differenz der Ma
terie abgeleitet, oder abfeiten wollen. Allerdings
ist jede Materie ein bestimmter Grad von Action,
aber diese Action kann höchst zusammengesetzt
seyn, sowie, nach Newton, das weifse Liehtaus
-* .w B 2 7
7 einfachen, und diese 7 vielleicht aus andern noch
einfachem Actionen zusammengesetzt sind. Es ist
in ckrThat wahrer Unsinn, die unendliche Mannich.
falügkeit der Materien in der Welt durch verschied-
ne Grade Einer und derselben — einfachen —
Action erklären zu wollen. Fc4£;t daraus, dafs die
ursprünglichen Qualitäten: als einfache Actioneu zu
betrachten sind, dafs nan jede — auch abgeleitete
— Qualität, gleichfalls eine einfache Action sey?
Wie, wenn sich erweisen liefse, dafs in der Erfah
rung gar keine ursprüngliche Qualität vorkommt
noch vorkommen kann? — Doch wozu philoso
phische Gründe, wo die Erfahrung laut dagegen
spricht! Wäre jene Meinung in der Wahrheit ge
gründet, so müfste die Differenz der Qualitäten der
Uilferenz der speciiischen Gerichte und Dichtigkei
ten vollkommen parallel gehen; man darf aber nur
eine Tafel der leztern ansehen , um sich vom Gegcn-
theil zu überzeugen. Und wie will man endlich je
ne ganz eigentîuimlichen — nicht durch specifische
Schwere und Dichtigkeit, sondern durch ihre inner
ste Mischung eigenthümlichen — Producte der Na
tur in ihren organischen Operationen erklären , oder
glaubt man etwa , dafs auch hier die Natur nichts
thut, als Dichtigkeit und speciiische Schwere ver-
iu,iudern und vermehren.

Es nrafs hier endlich noch bemerkt werden,


dafs, da unsre Wissenschaft von einem unbeding
ten Empirismus , nlá Princip ausgeht, gar nicht von
ei-
einer transcendentalen , sondern lediglich von einer
empirischen Construction der Materie die Rede
seyn kann, Wie Materie überhaupt ursprünglich
erzeugt werde? Die» eben wird durch unsre folgen
den Untersuchungen klar werdçn,
B. Qualitäten = . Actionen; dieser Satz ist er
wiesen. Ziz allen diesen einzelnen Actionen aber ist
Eine und dieselbe ursprüngliche Naturthätigkeit ge
hemmt. Dies ,'st nicht denkbar, ohne dafs diese
Actionen Einem und demselben, gemeinschaftlich dar
zustellenden , Product entgegenstreben, denn auf
ein absolutes Product geht alle Naturthätigkeit.
Dazu wird erfodert, dafs verschiedne Actionen in ei
nem und demselben gemeinschaftlichen Product
sich combihiren können, kurz, dafs es zusammen-
gesezte Actionen gebe. Combinireu aber können
sie sich nicht ohne wechselseitige Receptivitüt für
einander zu haben. Eine Action muís in die andre
eingreifen können. Ie für zwo verschiedne Actio
nen, mufs es einen gemeinschaftlichen Puuct geben,
in welchem sie sich vereinigen, — (dieser Punct
èben wird — freilich auf einer viel tiefern Stufe —-
chemisches Product genannt). Es entsteht also die"

Aufgabe. Da eine unendliche Mannich Fäl


ligkeit von Actionen zusammen Ein absolutes Pro
duct darstellen' soll, den Punct zu fmden, in wel
chem diese unendliche Mannichfaltisjieit verschied-
ner Actionen in der Natur sieh vereinigen könne.

в $ ; ( в*
I

t%' - —

Es murs aber nothwendig die Einschränkung


hinzugefügt werden, dafs die Individualität keiner
' Action dabei fcu Grande gebe. Denn sonst wäre die
Matmichfaltigkeit vernichtet. Die Einheit soll nicht
auf Kosten der Mannichfaltigkeit erreicht werden.
Die Mannichfaltigkeit soll bleiben, und doch -ein
gemeinschaftliches Product herauskommen , das
eben jene unendliche Mannichfaltigkeit zusammen
hält.
(Man bemerke , dafs, wenn ein solches Pro
duct in der Natur wirklich vorkommt, in Ansehung
desselben die Materie auch dynamisch ins Unendli
che — nicht sowohl t.heilbar — als wirklich gelheilt
ist, da in jenem Ganzen keine Individualität ausge
löscht werden soll. Dafs man aber die Fortdauer
jeder Individualität in diesem Producie voraussezt,
Wirdeich in der Folge als sehr wichtig zeigen).
Auflösung, Io zwo Actionen schränken
eich durch Wechselwirkung wechselseitig ein auf
den gemeinschaftlichen Effect. {Nur dieser ge
meinschaftliche Effect ist das Tertium, in dem sie
sich berühren können. Für die Wechselwirkung
beider giebt es abermals keinen andern Ausdruck,
als diesen Effect). Das Streben aller ursprüngli
chen Tendenzen geht nun überhaupt
a) auf Erfüllung des Raums, ihr Eingreifen
in emander ist also Streben nach Erfüllung ei
nes gemeinschaftlichen Raums, so dafs m je-
' ; ' dem noch 60 kleinen Theil einer gegebenen
Ma-
t
* ,/
Materie noch alle Tendenzen anzutreffen wä
ren. ( Man sieht hieraus , im Vorbeigehn zu
erinnern, wie es mit der dynamischen Theilbar-
keit eigentlich beschaffen ist. Nämlich die" Çuau-
tiiät der Materie istdabei völlig gleichgültig ; im
gröfsten wie ira kleinetènTheil derselben Materie
müs"sen noch dieselben Tendenzen angetroffen
werden.- Es kann also selbst durch eine ins
Unendliche fortgesezte mechanische Theilung
nicht zur allgemeinen Homogeneität kopimen.
Man kann aber auch hier_g]eich sehen , dafs ei
ne zusammengesezte Action in der КаДur.nicht
ursprünglich, sondern selbst schon durch be
sondre Nathroperationen , dergleichen wir noch
an den chemischen Durchdringungen wahrneh
men, zu Stande kommt). Durch dieses Streben
nach Erfüllung eines gemeinschaftlichen Raums
müfsie ein solcher wirklich continuirlich neu
erfüllt werden. — Daher Ruhe nicht absolute
Negation der Bewegung, sondern vielmehr
gleichförmige Tendenz zur Raumerfüllung,
und das Beharren der Materie selbst 3 eineiu
beständigen Reproducertwerden. — Ferner,
der erfüllte Raum ist nur das Phanomen eines
Strebens, dessen Princip selbst nicht im Räume
ist, der Raum wird also gleichsam von innen
heraus erfüllt, ein sehr wichtiger Begriff. (Das
Innere nämlich hri Gegensaz gegen das Aeufse-
re iieifst immer das, was Princip aller Raum-
Erfüllung ist), lenes Sireben nach Erfüllung
R 4 .. "ei
eines gemeinschaftlichen Raums würde sich in
der Erfahrung durch Widerstand gegenAufhebung
<Jer gemeinschaftlichen RaumErfüllung ankün
digen, dies würde, das Phänomen von Zusam
menhang — Cohüsimi — geben. Die Kraft,
mit der jener Aufhebung widerstanden würde,
hieise die Cohäsionskraft.
Anmerkun g. Die Cohäsionskraft ist also
eine zusammengesetzte Kraft, nicht eine einfache,
wie die Anziehungskraft. — Schwierigkeiten der ge
wöhnlichen Erklärung derCohäsion durch blofse An
ziehungskraft, da ja in den meisten Materien, die
wir kennen, das Verhältnifs der Cohäsionskraft
ihrer kleinsten Theile zum (Quadrat ihrer Di
stanz von einandêr ein ganz anderes seyn müfs-
te, als es dem Gesetz der allgemeinen Anziehung
nach seyn sollte. Davon nichts zu sagen, dafs die
se Hypothese atomistische Begriffe voraussetzt , und
die Verschiedenheit der Cohäsionskräfte unter jener
Voraussetzung beinahe unerklärbar wäre. — Fer
ner in Bezug auf die allgemeine Anziehungskraft
gilt aller durch den unendlichen Raum verbreitete,
in Weltkugeln geballte, Stoff = Einer Materie, jene,
allgemeine Anziehung geht also ins Unendliche, und
in Ansehung ihrer kann kein Raum als leer gedacht
werden. Dagegen strebt ja die Cohäsion der Allge
meinheit der Anziehungskraft entgegen, denn sie in-
dkidnalisirt beständig , uncUläfst den Raum aufser
halb der Sphäre, innerhalb welcher sie allein wirkt*
leer, (unerfüllt von ihrer Kraft). Eigentliche Cohä
lion findet rmr innerhalb eines Körper - Individuums
statt. Daher mufs sie auch srenau unterschieden
werden von Adhäsion, und von jener besondern Art
der Anziehung, die zwischen verschiedenen Materienî
z. B. Wasser und Glas in der Berührung statt fin
det.)
Ь) Ferner, jede Tendenz ist eine völlig'indivi-
duelle und bestimmte, d. h, ein Streben, den
Raum axif bestimmte Art zu erfüllen. Dies •
würde sich durch Bestimmtheit (Individualität)
der Figur verrathen. In der Natnr ist eine
continuirliclie Bestimmtheit der Figur vom Cry-
»tall an bis zum Blatt, und vom Blut bis zur
menschlichen Gestalt. Daher wir dem Atomi
stiker auch abgesehen davon, dafs er der ur
sprünglichen Figur der Atomen mr möglichen
Construction' speeifisch verscfaiedner Materien
bedarf, — darin Recht geben, dafs er den lile-
menten ursprüngliche Figur beilegt; wir behau
pten nur, dafs es bei den ursprünglichen Actio-
nen nie zur. Production dieser ursprüglichen
Figur kommt, noch kommen kann, dafs also jene
ursprünglichen Gestalten in der Natur nirgends
exietiren, weil keine einfache Action in der Na
tur anzutreffen ist, (was wir hier freilich noch
nicht beweisen können;.
Nun soll aber jede Action durch die Unendlich
keit aller übrigen eingeschränkt eeyn, alle к11 sa rn m en
also werden wechselseitig in ihren Produetitmen sich
B 5 stö
stören, keine wirá еs bey ¿1er andern zur Production
der ursprünglichen Figur kommen laásen, d. h, sie
werden sich wechselseitig auf Gestaltlosigkeit redu
ciren.
Das Gestaltlose = dem Flüssigen, DasFlüs»
sige (der zweyten Ordnung wenigstens, das seine Flui-
dität einem höhern Princip verdankt) ift — nicht
das absolut - formlose, (= dem рщ ou der alten grie
chischen Physiker), sondern das jeder Gestalt Em-
j)j angliche, ebendefswegen Gestaltlose, (а/л^фс;). Das
Flüssige überhaupt mufs definirt werden , als eine
Maffe, worin kein TheUvom andern durch Figur sich
unterscheidet,. Aus dieser Definition wenigstens
lassen sich alle andern bisher versuchten , so weit
sie richtig sind, ableiten. Ebenso lassen sich ^daraus
— die absolute Continuität , die Abwesenheit aller
Reibung in allêm Flüssigen, und die Hauptgesetze
der Hydrostati!s deduciren. Das Ilauptprincip ist:
die Gleichheit der Aclionen (sonach auch der Aura-
clionen) im Flüssigen nach allen Richtungen.
Die ursprünglichste und absoluteste Combina
tion 'entgegengesetzter Actionen in der Natur mufs
sonach die ursprünglichste Flüssigkeit hervorbrin
gen, die, weil jene Combination beständig vor sich
'geht, (der Actus der Organisation beständig im Gan
ge ist), als ein allgemein verbreitetes Wesen sich dar
stellen wird, das der Nichtflüssigkeit (der Starrheit^
echlechthia entgegenwirkt, und continuirlich be
strebt ist, alles in der Natur zu Jlnidisiren.
• \ ', . (Die-
(Dieses Princip wird TVärmepr'mcip genannt,
das sonach keine einfache Substanz , überhaupt kei
ne Materie, sondern immer nur ГЬапoтеп der be
standig verminderten Capacität, (der ursprünglichen
Actiouen für einander) und daher in der Natur Beweis
des beständig fortdaurenden Organis ationsprocessee
ist. — Neue Theorie der Wärme nach diesen Grund
sätzen).
Wäre nun in der Natur nichts, was dem fluidisiren-
den Princip das Gegengewicht hielte, so würde die
ganze Natur in eine allgemeine Continuität eich auf
lösen. Dieser Verallgemeinerung aber widerstrebt
die. Individualit at. der ursnnin glichen Actionen. Audi
soll inrdem absoluten Product zugleich mit der voll
kommensten« Combination die allgemeine Individua
lität aller Actiouen erhalten werden,
, -, Da nun in der Natur alles — oder vielmehr,
da eben jenes absolute Product — continuiilich im
IVerden begriffen ist, so wird es in demselben weder
zur absoluten Flüssigkeit noch zur absoluten Nichi-
fldssigkeit (Starrheil) kommen können. Dies wild
das Schauspiel eines Kampfs zsvischen der Form
.und dem Formlosen geben. Jenes immer werdende
Product wird continuirlich auf dem Sprung vom
Flüssigen in's Feste, und umgekehrt auf dem Fiück-
gang voni Festen in's Fiüssige begriffen seyn.

Es wird, da jener Kampf (zwischen der Form


und dem Formlosen) endlos ist, alle innerhalb der
Sphäre, die es begreift , möglichen Gestalten durch-,
laufen, und in alie, gleich einem immer wechseln
den Proteus, sich verwandeln.
Es wird allmählich alle Qualitäten , so unend
lich mannichfaltig sie seyn mögen, assimilirend, in
seinen Hreis ziehen, und gleichsam durch unendlich
viele Versuche hindurch die Proportion suchen, in
welcher jene allgemeine Vereinigung aller individuel-
leu Actionen. der Natur in einem gemeinschaftlichen
Profinere erreichbar ist. Durch diesen Trieb aber,
alles Individuelle in der Natur in sich zu vereini
gen, wird, auch zum voraus «in gewisser Kreis mögli
cher Gestalten für dasselbe bestimmt seyn. Man
wird daher versucht werden , su glauben , dafs bei
allen verschiednen Gestaltungen, welche es durch-/
wandelt, der schöpferischen, in ihr wirksamen, Na
tur ein gemeinschaftliche» Ideal vorgeschwebt habe,
dem dasPröduct allmählich/eich annähret; die verschie
denen Formen , in die es sich begieht, selbst werden
rinr als verschiedene Stufen der jZntiviôklnng Einer
und derselben absoluten Organisation erscheinen.

III.

i) Die ganze Natur , nicht etwa nur ein Theil


derielben soll einem immer werdenden Product*
gleich seyn. Die gesamrate Natur also mufs in be-
ttäiuliger Bildung begriffen seyn, und alles mufs in
jenen allgemeinen jßildungeprocds eingreifen.

AI-
Alles, was in der Natur ist, rrtufs angesehen
werden, als ein Gewordnes. Keine Materie der Na
tur ist primitiv , demi es existirt eine unendliche
Mannichfaltigkeit ursprünglicher Actionen, (wie die
se entstehe, wird eben das letzte Problem der Na
turphilosophie seyri). — Diese Actionen zusam
men sollen nur Ein absolutes Product darstellen.
Die Natur also mufs sie combiniren. Es mufs
daher ein allgemeiner Zwang zur Combination
durch die ganze Natur statt finden , denn . man sieht
nicht ein , wie und warum er Schranken haben soll
te , er ist unbedingt. In jeder Materie also ist Com
bination, keine Materie also primitiv.

Da aber jede Materie eich von der andern un


terscheidet, so ist jede Materie Product einer be
sondern Naturoperation. Diese verschiednen N. -
turoperationen müssen a priori abgeleitet werden,
um die Möglichkeit einer specifischen Verschieden
heit der Materie einzusehen.

2) Keine Materie der Natur ist einfach.


Denn da ein allgemeiner Zwa^g zur Combination
der- Elementar- Actionen in der Natur herrscht, to
kann keine Action für sich eine Form oder Gestalt
produciren, jede Materie ist durch Combination
entstanden. Aus der Erfahrung tätet sich dagegen
cichts aufbringen , denn dafs es indecomponible Ma
terie« giebt, werden wir seibst als nothwendig ableis
ten.
3) Alle Verschiedenheit der Naturprodukte
kann nur von der verschieduen Proportion der
Actionen herrühren. Alle Mannichfaltigkeit yder
Natur ist allein in den Elementar- Actionen zu su
chen , die Materie ist überall 'Eine , nur die Propor
tionen der ursprünglichen Combination sind ver
schieden. Da <!er Zwang zur Combination durch
. die ganze Natur statt findet, so mufa in jedem Pro
duct die ganze Natur ursprünglich sich durchdrin
gen. In jeder Materie sind alle ursprünglichen
Actionen ursprünglich enthalten. Aber nur zum
Abiolutßüssigen können alle ursprünglichen Actio
nen, ihrer Individualität unbeschadet, sich vereini
gen. Das Absolutflüssige aber kann sein Daseyn
nicht anders als durch Decomposition offenbaren.
Iudecomponirt ist es für die Empfindung = o,
denn in ihm heben alle Actionen sich wechselseitig
auf, so >. dais keine die andere bis zu irgend einem
eensibeln Effec't kommen läfst. Aber das Absolut-
Jlüssige ist seiner Natur nach das decomponibelste,
denn es ist in ihm das willkommenste Gleichgewicht
der Actionen, das sonach durch die leiseste Verände
runggestört wird. — Es leuchtet ferner von selbst ein,
dafs das Absolutflüsblge nur decomponibel , aber
nicht componibel ist.

Als das ursprüngliche Phänomen der absolu


ten Flüssigkeit ist uns die Feuer- oder Wärmematerie
bekannt. Diese scheint zu entstehen oder zu ver
schwinden, wo fine blos quantitative Verminderung
oder
oder Vermehrung- der Capacität (Vergröfserung oder
Verkleinerung de» Volume) vorgeht. Die Wärme
materie erscheint als einfach, und man hat bei ihr
noch keine Dualität, oder Decomposition in ent
gegengesetzte Actioncu , wie z.B. bei der Electrici
tät, -wahrnehmen können. Diefs eben ist der Be
weis , ilaTs in dieser ursprünglichsten aller Flüssig«
keiten die vollkommenste Combination noch ung*
stört erscheint. .

Dagegen bringt auch die leiseste Berührung


heterogener Körper (beim Galvanismus , und in au«
tlern neuerdings augestellten Versuchen) Phänomene
von Electricität hervor, und da Wärme sowohl als
Electricität durch Reibung (beständig wiederholte
und verstärkte Berührung) erregt wird, so scheint
es, da fs hei jedem Zusammenstofsen verschiedner
Körper die absolute Flüssigkeit, die sie alle durch
dringt — (weil sie alles xn fluidisiren bestrebt
ist) — beides, mechanisch aus dem Gleichgewicht,
und dynamisch aus ihrer ursprünglichen Combina
tion gesetzt werde. Jenes giebt das Phänomen frei«
werdender Wärme, dieses das Phänomen erregter
Electricität. Es kommt auch wirklich beinahe kein
chemischer Procefs vor, bei. welchem Wärme ent
steht oder verschwindet, welcher nicht auch Spuren
erregter Electricität zeigte, genauere Aufmerksamkeit
wird hier noch vieles lehren. Davon nichts zu sa-,
gen, da fs Electricität in sehr vielen Fällen, diesel
ben Wirkungen wie Wärme äufsart, und dafs dio
Kör,
Körper in Ansehung ihrer Leitiingskunst für bei.Ie
»jch gleich verhalten,. , • . i >.-.' - t .. .i,". ; . i

Indefs mnfe man -bei tien electrischen Esperi


menten noch besonders in Betrachtung ziehen, dafs
sie unter höchst complicirten Umständen angestellt
werden , daher auch bei den Phänomen derselben^
manches vorkommen bann , was der Electricität ur-.
Bprünglich nicht wesentlich i&t; so z. B. das Tot-
ricellifiche Vacuum leuchtet nicht, und euverlafsig
werden electrische Versuche in luftleerem Raum und
in verschiednen Medien angestellt verschied»«
Phänomene zeigen. Gleichwohl gelingen die Gal
vanischen Experimente beinahe in allen Medien,
<Це man bisher versucht hat, und im luftleeren
Baum so vollkommen , als in der Luft selbst.
>
Was soll man enâlich von dem Licht sa
gen ? — Möge es nach Newton ursprünglich schon
in eine Menge von einander verschiedner einfacher
Action zersetzt seyn, deren Total- Eindruck nur das
weifse Licht ist — oder möge es ursprünglich einfach
eeynnach Göthe, auf jeden Fall ist dio Polarität der
Farben in jedem Sonnenbild Beweis einer in den Phäno
menen des Lichts he.rschenden Dualität, deren Ursache
noch zu erforschen ist.

. 4) Es kann keine Materie den Zustand der ab-


»oluten Flüssigkeit verlassen, ohne dafs irgend eine
Actio*
Aktion das Uebergewicht erlange. Es kann abeit
keine Aktion das Uebergewicht erlangen , ohne dab
eine andre dagegen unterdrückt, oder völlig ausge
löscht werde. Ie gröfser daher der Zustand der
Starrheit', ( Festigkeit ) , desto scheinbar einfachter
die Substanz,, (Erden, Metalle u. s. w. ) Aber
keine Substanz ist einfach. Iede scheinbar einfache,
d. h. indecomponible Substanz ist das Residuum.de»
allgemeinen Bild ungs - Processes, und obgleich, wir
der Mittel entbehren, ihre Elemente wieder in wech
selseitige Unabhängigkeit, und die in ihnen unter-'
drückten Aktionen in Freiheit au setzen, so könnte
doch die Natur Mittel haben, es zu bewerkstelligen,
lind so diese todten Materien- aufs neue in den all-
gemeinen Organisations - Procefs aufzunehmen. In-
defs ist es a priori demonstrabel, dafs es indecom-
ponihle Substanzen in der Natur geben mufs, denn'
der allgemeine Bildungs - Procefs der Natur ist nur
in so fern unendlich, als er continuirlich in sich
sclb.\t zurückläuft. Eg mufs also allerdings in die- ,
sem Procefs zu letzten Produkten kommen , welche
die Natur in der ursprünglichen Richtung nicht
weiter ausbilden kann , mit denen sie daher genö-
thigt ist, den umgekehrten Weg einzuschlagen, und
sie in der entgegengesetzten Richtung zu bearbeiten. '

Daran erkennt man auch allein die eigentli


chen indecomponibeln Substanzen. Es sind Mate
rien, die nur companibel sind. Zum voraus kann
man daher z. B. schliefsen, dafs die Erden immög-
•]>•.. - С lieh

i
.34-
lieh indecomponibel seyn können, und dafs die Ver-
muthung sich noch bestätigen werde, dafs sie die
Trümmer des grofsen und allgemeinen Verbren-
nungsprocesses seyen , welcher in den Sonnen, und
selbst auf der Oberfläche der Erde noch jetzt gewis-
eermaafsen fortdauert. „. ;; .,- ,
i Es fmdet aber keine^omposition indecompo-
nibler Materien statt, ohne dafs in ihnen gebundne
Aktionen frei werden. So wie die Natur die absolut
incomponibele Substanzen durch Decomposition
componibel macht, so wird sie umgekehrt die ab
solut indecomponibeln Substanzen , durch Compo
sition wieder in den allgemeinen Kreislauf der Ma
terie versetzen. Denn die Composition kann nicht
vorgehen, ohne, dafs die ursprüngliche Combination
der Elementar- Actionen in solchen Substanzen wie
der verändert werde, und da in jeder einzelnen
Substanz alle Actionen ursprünglich sich durchdrin
gen , so wird die Natur auch Mittel besitzen,, aus
allem alles hervorzubringen. s
Es ist daher wahrscheinlich, dafs im Grofsen
wieder derselbe Gegensatz in der Natur statt findet,
, der im Kleinen bemerklich ist, nämlich dafs die
Natur von der Einen Seite das indecomponible
durch Composition, und das incomponible durch
Decomposition bildsam macht. Es ist möglich, dafs
z. B. auf den Sonnen im Ganzen der umgekehrte
Procefs von dem, welcher auf den Planeten stattfm
det, im Gange ist. Wenn nach allgemeiner Erfah
rung
rung die indecomponibeln Substanzen die epeci-
fiech schwersten sind, so ist zu erwarten ,. da Tз in
jedem einzelnen System das iudecomponibelste im
Centrum liege. Das Leuchten der Sonnen verräth
einen beständigen Combinationsprocefs , dagegen,
dasselbe Licht, das durch einen solchen Procefs in
der Sonnen- Atmospbäre entwickelt wird, auf den
dunkeln Weltkörpern beständige Decombinations-
processe . unterhält , denn weder Vegetation nach
Leben ist etwas anders als ein beständiges Weckea
schlummernder Thätigkeiten , ein beständiges De-
combiniren. gebundner Actionem
6) Wir kennen jetzt zweierley Klassen von
JMáturpróducten , deren Eine die absolut incompa- ¡
nibele, die andre die absolut indecomponibelnSubstan,
zen in sich begreift. Aber die Natur kann weder diese,
noch jene dulden , denn überhaupt duldet die Natur
kein letztes Product, nichts Permanentes, auf immer
Fixirtes, Die Richtung aller Naturthätigkeit wird also
auf mittlere Producte (aus jenen beiden Entgegenge
setzten), auf Materien, die absolut componibel und ab
solut indecomponibel zugleich sind, gehen, und in der
Natur (als Object) werden -permanente Processe er
scheinen , durch welche das Incomponible beständig
decomponirt, und das Indecomponible beständig
componirt wird. Diese Processe, weil sie perma
nent sind, weil also auch ihre Bedingungen beständig
existiren, werden den Schein von Producten ha
ben. Es fragt sich, welcher Art diese Producta
teyn werden?
tC » 7) Di*
- I

. • -"

. 7) Diese P.roducte sollen zwischen "beiden


Extremen dem absolut decomponibeln und dem
absolut indecomponibem in der Mitte liegen.
Um absolut decomponihel zu seyn , mufste
ein solches Product dem Hbsflntjlüssigen sich an
nähern, d. Ii* alle Elementaraktionen in der voll
kommensten Combination in sich vereinigen. Um.
absolut componibel zu seyn , müfsten die Actionen
in ihm beständig aus ihrer Combination gesetzt wer- .
den, .es müTste ein beständig gestörtes Gleichge
wicht der Actionen statt finden , d. h. ее müfste sich
dem Festen annähern. Aber es soll zu keinem ven
beiden kommen.
Es müfste aleo in diesem Product zugleich
die gröfste Freiheit (wechselseitige Unabhängigkeit)
und die gröfste Bindung (wechselseitige Abhängig
keit,) der Actionen von einander statt finden. E»
fragt sich, was das Resultat davon seyn werde?
Vorerst wird jede Action die andre hindern,
ihre ursprüngliche Figur zu producieren. Allein es
sind verschiedne Grade der Intensität jeder Action .
möglich. Iede Action wird also auf jeder Stuffe .
eine andre Action seyn. Allein auf jeder Stulfe auchi
findet sie ihren Antagonisten. Es wird also das Pro- .
dukt überhaupt gleich seyn einer Reihe, in welcher
positive und negative, Gröfsen beständig sich sücce-
diren. Innerhalb dieser Reihe aber kann das Pror •
dukt nicht gehemmt werden, denn es wäre entwe
der — i _ i +• i — i , d. h. — o, oder 'es müfste
ir-


irgend, eine positive Action das Uebergewicht erlan
gen. Keines von beiden soll geschehen. Das Pro
dukt kann also überhaupt nicht gehemmt werden,
es mufs immer nur im fVerden begriffen seyn.
(Hier hätten wir also deducirt, von welcher
Art jenes immer -werdende Produkt, dessen Noth-
wendigkeit wir aus dein Begriff einer unendlichen .
Thätigkeit der Natur abgeleitet haben , seyn müsse.
In demselben nähmlich wird eben jener contmuirli-
che Wechsel von combinirenden und dçcombiniren-
den Processen statt finden, dep wir als allgemein und,
nothwendig in der Natur demonstrirt haben).
Indem die Aktionen decomhinirt werden,
wird jede, sich selbst überlassen , produciren, was
iie ihrer Nalur nach 'produciren mufs. Insofern
wird in jenem Produkt ein beständiger Trieb zur
freien Gestaltung seyn. Indem die Aktionen con-
tinuirlich neu combinirt werden , wird keine in
Ansehung ihrer Produktion frei bleiben. Es wird
also Zwang und Freiheit zugleich in dem Produkte
seyn. _ , ,N . ;
I
Da beständig Aktionen in Freiheit gesetzt und
wieder gebunden werden, "tiftd da unendlich ver-
schiedne Combinationen , lind in jeder Combination
wieder eine Menge verschiedner Proportionen mög
lich sind, so wird in diesem Produkt continuirlich
neue und eigenthümliche Materie ursprünglich er
zeugt werden , von der es zwar möglich ist, durch
chemische Kunst die Elemente derselben , nicht aber
С i die
38 . '. - — ' ' •„

die Combination selbst, à. h, die Proportion der


Combination zu finden,
Da jede Action, höchst individuell ist, und d»
jede sich bestrebt zu produciren, was sie ihrer Na
tur nach produciren mufs , 60 wird dies das Schau
spiel eines Streite geben, in welcliem keine Kraft
ganz siegt, oder ganz unterliegt. Der Egoismus je
der einzelnen Action wird sich dem aller übrigen
fügen müssen, das was auch au Stande kommt, ist
Produkt der Unterordnung aller unter Eins und
Eines unter alle, d. h. der vollkommensten ivech-
selseitigen Subordination. Keine einzelne Potenz
würde für sich das Ganze hervorbringen, wohl aber
alle zusammen. Das Produkt liegt nicht im Einzel-
nen, sondern es liegt in allen zusammen ,4 denn es
ist ja selbst nichts anders, als das äufsre Phänomen
oder der sichtbare Ausdruck jener beständig unter-
haltnen Combination und Decombination der Ele
mente,
\ _
Das Produkt, da es ein gemeinschaftliches ist
aus vielen verschi,ednen zusammenwirkenden Thä-
tigkeiten , hat den Schein des Zufälligen, und ist
doch, da bei dieser bestimmten ursprünglichen In
tensität jeder individuellen Aktion , und bei dieser
bestimmten Proportion ihrer Vereinigung nur ein
solches hervorkommen kann , blindes Naturprodukt,
Es ist also in ihm Zufälliges und Nothwendiges
ursprünglich vereinigt.

.. , In
In jeder einzelnen Action ist eine Thätigkeit, die
eich frei —-ihrer Natur gemäfs — zu entwickeln strebt,
In dieser Tendenz zur freien Entwicklung ihrer eig
nen Natür liegt eigentlich ihre Heceptivität für ;—
oder ihre Eeschränkbarkeit durch alle übrigen , weil
sie zu derselben nicht gelangen kann, ohne Aus
schlufs aller übrigen von ihrer Sphäre. Dadurch,
dais fremde Actionen in ihre Sphäre greifen, ist sie
genüthigt, zugleich in die Sphäre jeder andern ein
zugreifen. Es. wird also ein allgemeines Eingreifen
jeder Action in die andre statt haben. Zu derjeni
gen Entwicklung also , die ihrer Natur gemüfs ist,-
kann keine Action in diesem Antagonismus kom-
meu. pie Elemente eines solchen Ganzen werden
alle gleichsam eine andre Natur angezogen zu ha
ben scheinen, und ihre Wirkungsart wird von der,
welche sie aufserhalb dieses Antagonismus zeigen,
gdnz verschieden erscheinen. Indefs liegt doch in
jeder die Tendenz zur natürgemäfsen Entwicklung,
die in diesem Antagonismus nur als ein Trieb er"
scheinen wird. Dieser Trieb wird in seiner Rich
tung nichtfi-ci seyn , seine Richtung ist ihm durch
die allgemeine Unterordnung bestimmt, es ist ihm
also eine' Sphäre gleichsam vorgeschrieben , über
deren Gränzen er nie schreiten kann, und in welche
er beständig zurückkehrt.

, , Pie*e Sphäre aber wird selbst wieder unend


lich seyn. Denn da es überhaupt nicht zum Pro
dukt kommen kann, ohne dafs die Aktionen sich in
С >4 • - wech
wechselseitigen Zwang erhalten, jede einzelne Action
■ber diesem Zwang widerstrebt, so wird erst duioh
unendlich viele Versuche hindurch diejenige Pro
portion gefunden werden, in welcher neben der
gröfsten Freiheit der Actionen zugleich' die voll
kommenste wechselseitige Bindung möglich ist. .'.
Für die Proportion der Actionen überhaupt
aber haben wir keinen andern Auedruck als die pro
ducirte Gestalt. Wenn nun das Product alle mög-
liehen Gestaltungen vermittelst steter Uebergänge
prodücirt» , und von Proportion in Proportion
durch unmerkliche Nuancen übergienge; so würde
ein beständiges Verfliefsen einer Form oder Gestalt
in die andre, eben deswegen aber nichts Entschied-
nes , Fixirtes , nicht einmal Etwas , das scheinbares
Product ware, in der Natur vorkommen.
Nun soll aber jene unendliche Naturthätig-
keit , die in allen einzelneu Actionen eich regr,
empirisch sich darstellen.. Es ist also nothwendig,
dafs jenes unendliche Product auf jeder Stuffe des
/Verdens fixirt werde.
EUs Product aber ist nichts anders, als die
auf bestimmte Art wirksame Natur selbst, das Hem
men des Products also zugleich ein Hemmen der
Natur selbst, die Natur aber ist nur thätig. Sie
kann daher nicht gehemmt werden, ohne dais die
ces Gehemmtwerden in andrer Rücksicht selbst wie
der = Jhätigkeit seye, "'• , >
' ; ' íy¡ '. i
ib
IV. .J -

Es entsteht die«
Aufgabe anzugeben , wie 'die Natur iht
Product auf einzelnen Enttcieklungss tuffen hem-
men könne, ohne dafs sie selbst aufhöre, thätig
zu seyu? • .

A ufl с sung.

i) Die Entwicklung des absoluten Products,


in welchem die Naturthätigheit selbst sich erschö
pfen würde, ist nichts anders, als eine Bildung ins
Unendliche. Bildung aber ist nichts andere als Ge
staltung. Die verschiednen Stuften der Entwick
lung 6ind also nichts anders als verschiedue Strtâ'en
der Bildung oder der Gestaltung, ledes einzelne
1 Naturproduct (dies mufa angenommen werden) durch
läuft bis zu dem Punkt, bei welchem es gehemmt
wird, alle mögliche Gestaltungen , nur dafs es zur'
wirklichen Production bei keiner derselben kommt.
Iede Gestaltung aber ist selbst nur das Phanomen .
einer, bestimmten Proportion , welche die Natur
zwischen entgegengesetzten , wecheelseitig sich ein-
echrHnkenden Actionen trreicht. So .vielerlei Pro
portionen dieser Actionen möglich sind , so vielerlei
yerschiedne Gestaltungen und eben so vielerlei Ent-
wicklüngsstuifen.

Iede Stuffe der Entwicklung hat also einen


eigenthumlicheri Charakter. Auf jeder SluJJfe der
'> С 5 JEnt
Entwicklung ist die bildende Natur auf eine be
stimmte -— einzig mögliche — Gestalt einge
schränkt, in Ansehung dieser Gestalt ist sie völlig
gebunden, in der Production dieser Gestalt wird sie
gar. keine Freiheit zeiget. , .. • •.'-

2^ Nun fragt siens aber eben: wie die unend-


Hchthä■;ge Natur auf einе solche bestimmte Gestalt
könne eingeschränkt werden?' . .
Der Natur ist das Individuelle zuwider, sie
verlangt nach dem Absoluten, und ist continuirliçb.
bestrebt, es darzustellen.
Sie sucht die allgemeinste Proportion, in wel
cher alle Aktionen ihrer Individualität unbeschadet
vereinigt werden können. \ Die individuellen Pro
dukte also, bei welchen ihre Thätigkeit stille steht,
könnten nur als mislungne Versuche eine solche
Proportion zu erreichen , angesehen werden.

Es fragt sich , ob in der Natur etwas sich fin


de, das uns zu einer solchen Annahme berechtiget?
A) Hätte die Natur die wahre Proportion für
die Vereinigung einer Mannichfaltigkeit von Aktio
nen gefunden oder getroffen , so müTste
sie diese Aktionen , so entgegengesetzter Natut
sie übrigens auch seyn möchten, in einem
gemeinschaftliehen Produkte darstellen können.
Der ííeweie also, dafs sie eine solche Proportion
nicht getroffen, wäre, wenn in dem Produkte, so
bald es auf einer gewissen Stuffe der Bildung, an
gekommen ist, eine Entzweiung der Aktionen vor-
gienge, oder da die gemeinschaftliche Thütigkeit der
Aktionen als Bildungstrieb s,ich offenbaret, wehrs
auf einer gewissen Stuffe der Bildung der ini Pro
dukt rege Bildungstrieb in entgegengesetzte Tin
denzen, tich trennte, so dafs die Natur genöthigt
4 wäre , ihr Produkt nach entgegengesetzten Rich
tungen auszubilden,
Anmerkung. . .
Absolute Geschlechtslosigkeit ist nirgends in
der ganzen Natur demonstrabel, und ein regulatives
Princip a priori fodert, überall in der organischen
Natur auf Geschlechtsverschiedenheit auszugehen.

a) Dafs die sogenannten cryptogamischen Ge


wächse, wie die Schwämme, Conferven, Tremel-
len u. 's. w. blofs knospentragende Pflanzen sonach
absolut geschlechtslos Seyen , ist vorerst eine blofse
Annahme, für welche die Unmöglichkeit, Ge
schlecht s theile an jenen Pflanzen -zu demonstriren
kein Beweis ist,

b) Eben so wenig ist Geschlechtslosigkeit im


Thierreich demonstrirt, denn selbst an Geschlechts-
funetionen der Polypen ist seit Pallas Entdeckung
nicht zu zweifeln. Wo wirklich Geschlechtslosig- *
keit ist, ist doch eine andre, individuelle Rieh-
tung des Bildungstriebs. Bei den meisten Insekten,
ehe sie ihre Metamorphosen durchgegangen sind,
tritt als Aequivalent des Geschlechtstriebs der Knnst-
* . trieb
trieb ein. Die geschlechtslosen Bienen sind allein
auch die produktiven , und ohne Zweifel doch nur
die Mittelglieder, durch welch* die Bildung der Ei
nen weiblichen Biene (in welcher der Bildungetrieb
aller übrigen, concentrirt scheint) erreicht wird.
Die meisten Insekten verlieren nach der Geschlechts-
Eulwicklung allen Kunsttrieb.
Die Geschlechtsverschiedenheit selbst übri-'
gens , so grofse Mannichfaltigkeit in Ansehung der
selben za herrschen scheint, reducirt sich am Ende
auf wenige Varietäten. Die Trennung in verschied-
ne Geschlechter geschieht nur auf verschiednen Bil
dungsstufen t und eben dies ist der Beweis für die
, Behauptung, daf» jede Organisation eine Stuffeder
Bildung hat, auf welcher jene Trennung nothwen-
dig ist. Die Natur hat entgegengesetzte Geschlech
ter entweder in Einem und demselben Produkte ver
einigt, und dieses zugleich nach verschiednen Pach
tungen ausgebildet, wie bei manchen Würmerarten,
..wo die Begattung immer doppelt ist, und bei den
meisten Pflanzen ,. oder sie hat, wie bei einigen
, Pflanzen und den meisten Thierea die entgegenge
setzten Geschlechter an ver6chiedne Stämme (Indi
viduen^ vertheilt. Hier wird die Geschlechts -Ein--
seiugkeit wiederum mir auf verschiednen Entwick-
lungsstuffen sich bervorthun.
Die Pflanzen überhaupt , auch diejenigen, de
ren Blüthen beide Geschlechter vereinigen, gelan
gen zu der Geschlechts - Entwicklung gleich den
In-
Insectennur durch Verwandlungen. DieGeschlechts-
Entwicklung selbst ist nur der höchste Gipfel der
Bildung überhaupt, denn sie geschieht durch den
selben Mechanismus , durch welchen auch das all-
malig fortschreitende Wachsthum geschieht.
Bei den Ineecten herrscht nun dai seihe Geseté,
nämlich dafe auf der ersten Stuffe ihrer Bildung (s.
B. im Zustand der Raupe) keine Geschlechtsverschie
denheit sich aeigt, und dafs die Metamorphosen,
welche sie durchlaufen , beinahe einzig dazu be
stimmt sind, das Geschlecht in ihnen zu entwi
ckeln, oder vielmehr, dafs die Revolutionen ihrer
Metamorphose nur Phänomene der Geschlechts -Ent
wicklung selbst sind. Denn sobald ihre Metamor
phose vollendet ist, ist Verschiedenheit der Ge
schlechter ,, und mit derselben, der Geschlechtstrieb
da. — Bei Blumen sowohl als Insecten ist
das auch der höchste Gipfel der Bildung, den- stе
erreichen können ; denn die Blüthen fallen ab , und
das verwandelte Insect stirbt, ohne irgend einen
andern Trieb geäulsert zu haben, .sobald, die Be
fruchtung vollbracht ist.
lene allgemeine Trennung in entgegengesetzte
Geschlechter mufs nun aber nach einem bestimmten
Gesetz geschehen, und zwar sollte kein Geschlecht
entstehen können, ohne dafs das andre zugleich mit
entstünde. Denn wo bèide Geschlechter in Einem In
dividuum vereinigt sind, entstehen sie durch eine
und dieselbe Bildung. Man mufs alio das Gesetz,
das
das bei diesen beobachtet wird , über die ganze Na
tur erweitern. • ;

So wie uneren Principien zufolge die Pro


duktion der verschiednen Gattungen und Arten in
der Natur nur Eins auf verschiednen Stuiïen begrif
fene Prodiiktibn ist, so müssen auch die Bildungen
entgegengesetzter Geschlechter derselben Gattung
und Are nur -.Em* Bildung, Eine Naturoperation
eeyn , eo dafs die verechiednen Individuen dersel
ben Gattung nur Einem , aber n»fïh entgegengesetz
ten Bichlungen ausgebildeten Individuum gleich
gelten. Damit stimmt überein die im Thierreich
wenigstens — (denn im Pflanzenreich fehlt es an
Beobachtungen) — allgemein sichtbare Proportion,
welche die Natur zwischen beiden Geschlechtern er
hält, nicht zwar', als ob die Individuen bei beiden
Geschlechtern an Zahl gleich wären , sondern so,
dits die Natur die geringere Zahl der Individuen
Eines Geschlechts durck höhere Intensität des Bil-
dunsstriebs , und umgekehrt die geiingere Intensität
des Bildungstriebs in dem Einen Geschlechte durch
die Zahl seiner Individuen ersetzt,

B) Es mufs bewiesen werden, dafs die Tren


nung in verschiedne Geschlechter eben die Tren
nung беуе', welche wir als den Grund der Hem
mung in den Productioneu der Natur angegeben
haben , d. h. es mufs gezeigt werden, dafs die Na-,
tur durch diese Trennung wirklich in ihren Produe
lio
tio'ren gehemmt werde, ohne dafs sie deswegen auf
höre , Ihätig zu seyn. . '
. t) Vom Moment der Entzweiung an wird da?
Product den Character der Entwicklungsstuffc , auf
welcher ci stand, nicht mehr vollständig ausdrü
cken. -Es wird also kein vollendetes Product, kein
Product seyn, auf welches zu wirkt'n die Natur auf
hören könnte, obgleich allerdings seine weitere Ent
wicklung durch jene Trennung gestört und also auf
dieser Sluffe gehemmt ist. Welche ThStigTttíit wird
nun die Natur in diesem Producte ausüben?
Vorerst wenn einmal das Product in entgegen
gesetzte Richtungen sich trennt, oder in eine ein
seitige Richtung ausschlägt, wird die Natur, die
nie aufhören kann , thätig zu seyn , entweder nach
beiden, oder nach Einer dieser Richtungen hin, die
Bildung des Products bis aufs Aeufserste verfolgen,
so, dafs das Product nach jeder Richtung hin sich
vom allgemeinen Character seiner Entwkklungsstuffe
eo weit als möglich entfernt. Mit andern Worten:.
t¡ie Natur wird die Individualisirung des Product»
nach beiden Richtungen, aufs höchste treiben. Da-,
her der ^höchste Moment der Individualisirung je
der Organisation auch der höchste Moment der
Natur- Thätigkeit in ihr.
2) Wäre die höchste Stuffe der Individualität'
nach beiden Richtungen hin erreicht, so könnte die
. Organisation allerdings ferner nicht Objekt der Na-
turthätigkeit, wohl aber Mittel und Instrument seyn,
Ist
Ist jene höchste Stuffe erreichte so sind beide
Richtungen, als entgegengesetzte anzusehen * - sie-
verhallen eich zu einander , wie positive und nega
tive Gröfsqn. Allein weder die Eine noch die andre
dieser Richtungen könnte das s,eyn , woriun die Na-
turthätigkeit sich erschöpfte, denn dieser ist über
haupt das Individuelle zuwider, > >

Die entgegengesetzten Naturthätigkeiten, wel


che in dem Produkt nach entgegengesetzten Rieh-,
tüngen wirksam sind, werden immer -unabhängiger^
von einander; je unabhängiger von einander 6Íe
werden, desto mehr wird das Gleichgewicht inner
halb der bestimmten Natursphäre, welche durch sie
beschrieben wird, gestört. Sind sie auf dem höch
sten Gipfel der wechselseitigen ' Unabhängigkeit an
gekommen, scT ist auch der höchste Moment des
gestörten Gleichgewichts erreicht.

Allein in der Natur ist der höchste Moment


des Jesörten Gleichgewichts mit dem der Wiederher
stellung des Gleichgewichts Einer und derselbe.
Zwischen beiden vertliefst keine Zeit, lene entge
gengesetzten Thätigkeiten also müssen nach einem
nothwendigen und allgemeinen Naturgesetze sich
combiniren. ■ Das Produkt wird ein Gemeinschaft
liches aus den beiden entgegengesetzten Richtungen,
(des Bildiuigstriebd) seyn , die Natur wird so durch
einen Kreislauf wieder zu dem Punkte zurü.kge-
komm'en seyn, welchen sie veila*sen hatte, das Pro
duct
dukt wird gleichsam selbst zurückgekehrt seyn , und
den allgemeinen Charakter seiner Entwicklungsstuf-
fe wieder; angenommen haben.
Von diesem Ansenblick an, da das Gemein
schaftliche gesichert ist, /wird die Natur, das Indivi
duelle verlassen , wird aufhören, in ihm thätig zu
.eeyn , oder vielmehr, sie wird anfangen, darauf
entgegengesetzte Wirbung auszuüben ; von nun an
wird das Individuelle eine Schranke ihrer Thätigkeit
i feyn, welche sie zu zerstören arbeitet. - . , ' .. .
Das Individuum also mufi Mittel, die Gat
tung Zweck derWatur scheinen — das Individuelle
untergehen und die Gattung bleiben — wenn es
wahr ist, dafs die.einzelnen Produkte in der'Natur,
als misJungne Vereuche, das Absolute darzustellen,
angesehen werden müssen.
3) Das gemeinschaftliche Pro"dukt wird wie-
der dieselben Entwicklungsstuffcn vom Flüssigen an
durchlaufen, bis zu derjenigen Stuffe , auf welcher
es abermals für Eine bestimmte Richtung sich ent'
scheiden mufs, oder in zwo entgegengesetzte Rich
tungen ausschlägt, voп welchem Moment aa die'Na-
tur ihre vofige Handlungsweise wieder annimmt, —
(Man bemerke: dafs es für jedes Naturproduct ei
ne Stuffo der Bildung gebe, auf welcher, .wenn das
-Product sie erreicht hat, (denn viele erreichen sie
nicht) , entgegensetzte Richtungen des Bildungs
triebs unvermeidlich werden , disss ist eine Behaup
tung, auf welche_wir uns getrieben sahen, ohne
dafs wir sie vorerst selbst wieder rechtfertigen konn-
D ten.
ten. Es ist genug, dafs sie im Zusammenhang unt
rer bisherigen Unterwtchungen nothwendig ist, ob
gleich sie selbst wieder ein Problem ist , .das winin
der Folge werden auflösen nnis'sen. \Vir-. müssen
vorerst den Hauptfaden unsere Raisonnements fest
halten, und erwarten, dafs in einer consequenten
Untersuchung jedes un aufgelöst, gebliebene Problem
-endlich seine Auflösung finden werde).

Et wer vorerst nur darum zu thun , die Hem


mung in der Production der Natur als nothwendig
darzuthun. Nothwendig aber wäre sie nicht, wünn
nicht entgegengesetzte Richtungen des Bildungs
triebs auf' jeder Entwicklungsstuffe nothwendig
wären. .,
Die Verschiedenheit der Geschlechter aleo,
behaupten wir, ist der eigentliche und einzige
Grund, warum (organische) Naturproducte über
haupt fixirt erscheinen. (Aber sie sind ja nicht ein
mal fixirt. Das Individuum geht vorüher, nur die
Gattung bleibt, die Natur hört deswegen nie auf,
thätig zn seyn. Nur, da sie unendlich thätig ist,
und da diese unendliche Thätigkeit durch endliche
ProdHCte sich darstellen mufs , mufs' sie durch einen
endlosen Kreislauf in eich selbst zurückkehren).
Wir können jenen Satz nicht verlassen, ohne die
Folgerungen zu erwägen , die aus ihm fliefsen.
Der wichtigste daraus hervorgehende
Folgesatz ist dieser: die Verschieden-
heit der Qrganisationen reducirt sich zuletzt al
lein
lein auf die Verschiedenheit der, Staffen, avf wel
chen sie in entgegengesetzte Geschlechter sich tren-
neп.
Denn da die Organisationen überhaupt nur
ab Eine auf verschiedenen Kutwicklungsstuffen
gehemmte Organisation anzusehen sind, diese
Hemmung aber. allein durch jene Trennung be
wirkt wird, 60 hängt alle Verschiedenheit der
Organisationen von den verschiednei^ StuSen
ab, auf welchen jene Trennung erfolgt. — Es
wird also auch die Bildung jeder Organisatioa
bis zu der Stuffe auf welcher jene Trennung
bei ihr geschieht, mit der Bildung aller übrigen,
ganz gleichförmig geschehen, die individuelle
Bildung jeder Organisation fangt erst mit der
Ausbildung des Geschlechts an.
Auf- welcher Stoffe aber jene Trennung ge
schehe , kann allein von der Proportion der
Actioneе, welche in jeder Organisation ur
sprünglich getroffen ist, abhängen. Iede Orga
nisation abo drückt den Charakter einer gewis
sen Entwicklungsstuffe nicht nur, sondern auch
tiner bestimmten Proportion der ursprüngli
chen Actionen aus. Aber sie drückt diesen Cha
rakter nicht vollständig aus, weil sie auf jener
Stoffe nicht оgehemmt werden" •konnte,
» • ohne
sich in entgegengesetzte- Richtungen zu tren
nen. Das Gemeinschaftliche nun , das kern
einzelnes Individuum ga?iz', aber doch alle zu
sammen ausdrücken, heifst die Gattung. In or-
D 2 gani-
, • g?uischen Naturprodukten 1st also nothwendig
Gattung viriil Jndividnum,
Ein neuer Folgesali au» dem obigen ist:
dafs Or: anisatioilen , v eiche auf derselben Entwich-
• hmgssLvJfe gehemmt sind, auch in Ansehung ihrer
zeugenden Kruftethomogen seyn müssen.

JDalier man mit Recht im empirischen Nach


forschen die gemeinschaftliche Fruchtbarkeit
verschieden geglaubter Arten als einen Beweis,
dafs sie Ы0Е5 Alartungen- derselben Gattung
oder Art seycn, gebrauchen, und jene Eiuheit
der zeugenden^Rraft vorerst segar zum Prinzip
, , eines Narursystems erheben kann.
Es wird behauptet, jedes gehemmte Produkt
sey auf eine bestimmte Bildungssphäre einge
schränkt. Aber die Natur organisirt ins Vit-
endliche, d. Ii.' jede Sphäre, auf tvelche die Na
tur beschränkt ist, mufs selbst wieder eine Un-,
endlichbeit enthalten , es werden also innerhalb
jeder Sphäre wieder andre Sphären sich bilden,
und in diesen Sphären wieder andre und so in's
unendliche.
Dies wird den Anschei« von freien Richtun
gen des bildenden Triebs innerhalb jener allge
meinen Sphäre der Gattung geben. Da man
bei der Naturgeschichte (im eigentlichen Sinn,
des Worts) bis zu den Individuen aufsteigen,
mufs, wie sie unmittelbar aus der Hand der
Natur kamen, so mufs man annehmen, dafs in
den
den ersten Individuen jeder Gattnng jene Rich
tungen des Bildungstrieb» noch nicht angedeutet
waren, denn sonst wären sie nicht frei gewesen.
So ware aleo jedes erste Individuum seiner Art,
obgleich es selbst den begriff seiner .Gattung
nicht vollständig ausdrückte, in Bezug auf die
später erzeugten Individuen selbst wieder Gat
tung gewesen. (Zur Erläuterung .diene , -was
liant sehr wahr sagt, in der Abhandl. über die
Menschenracun , ""wie die Gestalt îles ersten
Menschenstammes , in Ansehung der Farbe be-
fchaffen gewesen seyn möge, ist jetst unmög
lich zu errathen ; selbst der Charakter der
TVeiÇsen ist nur die Entwicklung einer der ur-v
sprÜngliohen Anlagen , die nebst den'übrigen in
jenen anzutreffen waren.")
Der Bildungstrieb war in Ansehung jener
Bichtungen frei , weil sie alle gleich möglich
waren, nicht aber, als ob es etwa vom Zufall
»abgehangen hätte, welche »lieser Bichtungen
er in irgend einem Individuum nehmen würde.
Es mufste also ein äufsrcr Einflufs auf die Or
ganisation hinzukommen, um die Organi
sation zu Einer derselben zu bestimmen.
Was nun durch äufsern Einflufs entwickelt,
(aber deswegen nicht hervorgebracht) wird,
heifst Keim oder Anlage. lene Derminationen
des Bildungstriebs , innerhalb der Sphäre, dea
allgemeinen Gattungsbegriffes, werden daher als
ursprüngliche Anlagen oder Keime, die in dem
Urindividutm» alle, vereinigt waren — (so doch,
D 3 . ,dafi
dafs die geschehene Entwicklung des Einen die
Entwicklung des andern unmöglich machte) -—
vorgestellt werden können.
(Dadurch wird jene in einer gründlichen Na
turwissenschaft nicht zu ertragende Oberfläch
lichkeit der Erklärung, als ob nämlich die klas
sischen Unterschiede bei organischen Wesen
derselben Art ihnen lediglich durch Einflüsse
der äufseru Natur, oder gar der Kunst allmah- .
lig eingedrückt wären, verbannt, indem bewie
sen wird, dafs in der Organisation derselben
ursprünglich schon 'die Disposition einer sol-"
eben eigenthümlichen Beschaffenheit gelegen,
und nur auf den entwickelnden Einflufe äufsrer
Ursachen gewartet habe).
' Die Orf ahisation tritt mit Entwicklung jener
ursprünglichen organischen Anlagen , in eine
engere Sphäre zwar, defswegen aber doch nicht
aus der Sphäre des Gattungsbegriffs selbst, oefer
aus der Sphäre ihrer .ursprünglichen Entwirft-
lungsstuffe, und da organische Wesen , welche
in Ansehung ihrer Entwicklungsstuffe sich
gleich sind, auch in Ansehung ihrer zeugenden
Kräfte homogen sind (oben S.52.^, so werden
Individuen derselben Entwicklungsstuffe sosehr
sie auch [sonst klassisch von einander verschieden
seyn mögen, zusammen fruchtbar seyn.

Sie werden daher nicht als verschiedne Arten,


sondern nur als verschiedne Аbлгрт&еп oder
Ha
Racen desselben Stamms können angesehen wer
den. (Arn allgemeinsten sind diese Abartnngen
im Pflanzenreich, wo man die fruchtbare 'Ver
mischung scheinbar verschiedener Arten aufser-
ordentlich weit getrieben hat, und wo selbst
für manche ietzt vorhandne Organisationen die
ursprüngliche Gattung nicht mehr ausfmdig zu
machen ist. — Im Thierreich geht die Ab-
artung hei einigen Galtungen nicht minder
weit. Sie erstreckt sich übrigens bei weitem,
nicht nur, wie es auf den ersten Blick beim
Menschen der Fall zu seyn scheinen könnte,
auf äufsre Eigenthümlichkeiten z. B. die Farbe
der Haut, (obgleich jene, selbst wieder Werk
einer eigenthümlichen Organisation dieses Aus-
sonderungsorgans ist), sondern bei -weitem mehr
auf den innern Bau des Körpers , •hauptsächlich
den Knochenbau des Kopfs, und so wohl zu
letzt auf den Bau des Gehirns selbst) —

Da aber jene klassischen Unterschiede Ent*


wicklungen ursprünglicher in der Organisation
selbst liegender Tendenzen des Bihlungstriebs
sind, so werden sie, einmal entwickelt, in -cou-
tinuirlichen Zeugungen innerhalb derselben
Abart sich auch continuirlich und unausbleib
lich forterben, ohne dafs sie in jedem einzelnen
Individuum derselben Klasse nöthig hStten tufe
neue entwickelt: zu werden. Individuen ver-
schiedner Klassen werden einen Mittelschlag er
zeugen, der nur dann, wenn er immer mit der«
D 4 \ cel.
eelben Klasse eich vermischt, zuletzt ganz ia
die letztere übergeht.
Was unausbleiblich anerbt, ist entweder so
bestimmt, dais es alle Varierai ausschliefst; wie
%. B. die schwarze Farbe, oder es versfaltet der
Natur no c!î einen weitern Spielraum, wie die
weifse Farbe, die noch mehrere Varietäten zu-
läfst. Ist dies, so kann die Varietät nicht durch
den Bacennnterscbied selbst schon bestimmt
eeyn , (в. B., das blonde Haar durch die weifse
Hautfarbe) denn sonst würde sie aufhören Va-
rietät-zw sejra. Sie wird eben deswegen auch
nicht .zugleich mit dem Racenunrerschied eich
forterben, sondern eher als ein Spiel der Na
tur erscheinen, daher Varietäten nicht ver-
schiedne Racen, sondern nur verschiedne Spiel
arten begründen. (Kant in der angeführten
Abhandlung, und in der Abhandlung über den
Gebrauch teleologischer Principien).
Zuletzt gehen die immer engern Beschran
bungen der organischen Bildung (innerhalb der
allgemeinen Sphäre des Gattungsbegriffs) haüpt-
bächlich bei der Menschengat.mng ins Unendli
che, und die Natur scheint in der Mannichfal-
tigkeit immer neuer äufserer sowohl als innrer
Charaktere, die sie auf dieselbe ursprüngliche
Form propft, wahrhaft unerschöpflich zu seyn. "
.i*,-.. ••• Zusätze.
.\
ï) Das Produkt ist auf einer bestimmten Ent-
wicklungsstuffe gehemmt, heifet nicht soviel, als,
es hört cchlechhin auf, thátig au seyn, sondern;
es ist in Ansehung seiner Produktionen beschränkt,
es kann in,s unendliche nichts reproduciren als sich
sslb.it. Da es nun fortgehend thätig ist , eo wird ез
nur thätig seyn für sich selbst, d. h. es wird nicht
nur sich selbst als Individuum , pondern zugleich
eich selbst der Gattung nach in's unendliche repro-
duciren, fWachsthum und Zeugung). '
Sich eelbst der Gattung nich reproducire*
kann aber keine Organisation , wüche die Stuffe
iter Trennung in entgegengeseti/a Geschlechter
nicht erreicht hat. Die Fortpflanzung der Pflanzen,
und pflanzenähnlicher Thiere durch Knospen oder
Absenker ist nicht Zeugung, sondern nur Wachs
thum, das durch äufsre Einflüsse ins unendliche
getrieben werden kann. .
* *>
Da jede Organisation auf eine bestimmte
Form beschränkt^ ist, so mufs alle ihre Thätigkeit
auf Production und Reproduction dieser Form gu-
richtet seyn. Der Grund also, warum iede Orga
nisation ins Un'endüche fort nur sich selbst repro,
ducirt , ist , in der ursjrrnnglichen Beschranktheit
ihres bildenden Triebs, nicht aber etwa in präfor-
mirten Keimen zu suchen, fuir deren Wirklichkeit
man auch nicht einen Schatten von Beweis hat. Die
D 5 er-.
ëï —т
, • /-
I, 1 • . V 4
ersten Keime aller organischen Bildung sind selbst-
schon Producta des Bildungstrieb?. Auch hat man
keinen (prund' anzunehmeu , dafs in einem solchea
Keim alleTheiJe des Individuum im unendlich - klei
nen — (individuell präfortnirt) — vorhanden sind,
, sonden) nur dafs in demselben eine Mannichfaltig-
fceii ron Tendenzen enthalten ist, die eichs sobald
sie — (jede einzelne} i— in Thütigkeit gesetzt
werden , nach allen zum voraus schon bestimmten
R:ch,ungen entwickeln müsseu. ("Omnes corporis
paries non actu quidem sed potentia insunt germi-
и/." Наr V tus Je gen. an.)'. Denn alle Mannich-
faltigkeiten ron Organen und Thailen zeigt doch
nichts anders, als die Mannich faltigkeit der Richtun
gen *n , iri welchen der Bildungstrieb auf dieser
besbu mten Entwicklungsstufe zu wirkjn gezwun
gen ist. Alle Bildung geschieht daher durchi JLpi-
genesis. , / * '

2) Die Hofnung, welche mehrere Naturfor


scher schon gehegt zu haben scheinen, den Ursprung
aller Organisationen als succefsiv , und zwar.alsall-,
mälige Entwicklang Einer und derselben ursprüng
lichen Organisation roretellen zu können, verschwin
det durch unsre Ansicht, denn das allgemeine Pro
dukt konnte auf rerschiednen Stuffen nicht ge
hemmt werden, ohne zugleich in entgegengesetzte
Geschlechter sich zu trennen. Sobald aber in einer
Organisation entgegengesetzte Geschlechter sind,
ist auch alle weitere Bildung unterbrochen, und sie
kkann
4
I ., I
1
I
kann in's Unendliche fort nur eich selbst reprodu-
ciren. ,
Ferner, die. Verschiedenheit der Stuffen , auf
welchen wir jetzt die Organisationen fixirt erblicken,
setzt offenbar eine eigenthümliche troportion der
ursprünglichen Actionen für jede einzelne voraus:
woraus folgt, dafs die Natur jedes Produkt, das uns
« fixirt erscheint, von vorne, d. h. fhit einer ganz
neuen Anlage angefangen haben mufs. (Dabei
bleibt es aber eine Aufgabe für den Naturforscher,
.diese ursprünglichen Anlagen genau ausfindig zu
machen , damit er nicht etwa blofse Abartungen von
einer ursprünglichen Anlage für ver-schiedne Arten
rechne).
Die Behauptung also , dafs wirklich die ver-
sehierlnen Organisationen durch alltnälige Entwick
lung ans einander, sich gebildet haben, ist IVIisver-
ständnifs einer Idee, die wirklich in "der Vernunft
liegt. Nähmlich : , alle einzeiuen Organisationen
zusammen sollen doch 'nur Einem Produkt gleich
gelten}' dies wäre nur dárui denkbar, wenn die Na
tur bei ihnen aljen Ein und dasselbe Urbild gleichr
sam vor Augen gehabt hätte.
Dieses Urbild wäre das Absolute, Geschlechts-
lose, welches weder Individuum mehr ist, noch
Gattung, sondern beides zugleich, in welchem also
Individuum und Gattung zusammenfallen. Diese
absolute Organisation konnte daher nicht durch ein
einzelne» Product, sondern nur durch eine Unend
lich-
бо ,, ,-> .,

lichkeit einzelner Producte — die einzeln betrach.


tet yom Ideal ins Unendliche abweichen, im Ganzen
genommen aber mit ihm congruiren — dargestellt
werden. Dafs nun also die Natur ein solches ab
solutes Original durch alle Organisationen zusam
men ,ausdrücke , liefse sich allein dadurch beweisen,
d«fs4 man zeigte, salle Verschiedenheit der Organi
sationen se.ye nur eine Verschiedenheit der An»
*
näherung zu jenem Absoluten, welches dann für die y
Erfahrung dasselbe seyn würde, als ob sie ursprüng
lich nur verschiedne Entwicklungen Einer und der
selben Organisation wärtn.
Da nun jenes absolute Produkt nirgends exi-
istirt , (sondern selbst immer nur wird's also nichts
Fixirtes isti , so kann die gröfäcrte oder geringer*
Entfernung einer Organisation von demselben (als
dem Ideal) auch nicht durch Vergleichung mit ihm.
bestimmt werden. Da aber in der Erfahrnr.rr solche
Annäherungen zu einem gemeinschaftlichen Ideal
dasselbe Phänomen geben müssen , welches ver-
schiedne Entwicklungen Einer und derselben Orga
nisation geben würden, so iet der Beweis für die
erstere Ansicht gegeben , wenn der Beweis für die
Möglichkeit der lètztèfn gegeben ist.
Dieser Beweis könnte nun entweder durch
Vergleichung der Aehnlichkeiten und stuffen weise '
zunehmenden Verschiedenheiten , thcüs im äufsern
San der Organisationen, theils in'der Struktur ih- -
1er Organe geführt werden, welches das Werk einer
' ver-
vergleichenden Anatomie (Anatomía comparata) ist.
Ve: mittelst derselben müfste man allmälig eu einer
weit natürlichem' Anordnung des organischen Na
tursystems gelangen , als durch diu bisherigen Me
thoden möglich gewesen ist. Allein da die aufsre
Gestalt selbst nur Phänomen der ftrsprünglich in-
iiern Proportion der -Tganiechen Funktionen ist, so
hat man an Aufsuchung dieser Proportionen , wel
ches eine bisher noch nicht versuchte vergleichendet
Physiologie (Physiologia comparata) gehen würde,
ein weit einfacheres Princip der Specification , ale
an der Verschiedenheit der Gestalt und organischen
Struktur, obgleich diese wenigstens als Leitfaden
zur Aufsuchung jener dienen kann.«
Ehe wir nun diese Idee, welche uns am kür
zesten zum Ziel zu führen verspricht, weiter ver-
'folgen können, bedarf es einiger nothwendig vor
auszuschickender Erläuterungen.
. * *

a) Iede Organisation ist selbst nichts ander»


\als det gemeinschaftliche Ausdruck für eine Man-
nicbfaltigkeit von Actionen , die sich wechselseitig,
auf eine bestimmte Sphäre besclrränken, Dies»-'
Sphäre ist etwas Perennirendes —- nicht blofs-et--
was als Erscheinung vorüberschwindendes — denn
sie ist ¡das im Conflict der Actionen Entstandne,
gleichsam das- Monument jener in einander greifen
den ThatigkeiteUjs also der Begriff jenes Wechsels
selbst,
selbst, der also im Wechsel dàs einzige beharrende
ist. Bei aller Gesetzlosigkeit der Acuonen, die sich
continuirlich unter einander stören , bleibt doch das
Gesetzmäfsige des Produkts selbst, welches (und
kein andres) hervorzubringen sie sich unter einan
der selb/st nöthigen , wodurch 'dann jene Ansichten
der Organisation , als eines Produkts, welches, was
es ist, durch sich selbst ist, — das sonach von sich
eelbstzugleichdieUrsacheund die Wirkung — Mittel
und Zweck ist — als naturgemäfa gerechtfertigt
, werden. -
, b) Dieser Conflict von Actionen nun, in wel
chem eigentlich jedes organische Wesen- (als der
permanente Ausdruck desselben), zu Stande kommt,
wird in gewissen uothwendigen Handlungen sich
äufserh ; "welche , da sie aus dem organischen Con
flict nothwendig resultiren , als Funktionen des Or-.
ganismus selbst angesehen werden müssen.
c) Da diese Funktionen aus dem Wesen des
Organismus nothwendig hervorgehen, so werden sie
allen organischen Naturen gemein seyn. Alle Ver
schiedenheit im organischen Naturreich könnte also
allein aus einer verschiednen Proportion, dieser
Funktionen in Ansehung ihrer Intensität hervorge
hen.
d) Aber eine verschiedne Proportion dieser
Funktionen der Intensität nach könnte nicht "statt
finden, wenn diese Funktionen überhaupt in gera
dem Veihältnifs zu. einander stünden, so dais, wie
, die
die è'ne an Intensität steigt, auch die andre steigen
mrifsie i°nd umgekehrt, denn so könnte nur die
absolute Intensität der Funktionen ins Unendliche
vermehrt , .nicht aher ihre Proportion eel st verän-
dèrt werden. Die Funktionen also еmisten im um
gekehrten ferhältnifs der Intensität unter einan
der stehen, so dafe, wie die Eine an Intensität
zunähme, die andre ahnehmen, u.;d umgekehrt,
»owiedieEine an Intensität abnahm ., die andre zu
nehmen müf*te. Kurz : die Funktionen müfsi eh einan
der entgegengesetzt seyn, und sich wechselseitig im
Gleichgewicht hüllen, welches au sich schon mit
dem, Begriff einer Organisation zusammenstimmt.

e) Es könnte also in einer einzelnen Or


ganisation entweder eine dieser Funktionen die herr
schende seyn ; in d<'m Grade abejr als die Eine herr
schend wäre, muíate ihre entgegengesetzte unter
drückt seyn. Oder diese Funktionen könnten in
Einer Organisation sich das Gleichgewicht halten.
Allein 'da diese Funktionen sich entgegengesetzt
sind, sonach die Eine die andre ausschliefst, so ist
i
es unmöglich , dafs sie in Einem und demselben
Individuum vereinigt seyen. Es mufste also die
Eine Organisation, in welcher sie alle vereinigt wä
ren, gleichsam in mehrere einzelne Individuen, 'aus
einandergehen , und an diese Individuen muteten
jene verschiednen Funktionen gleichsam vertheilt
seyn. Diese Individuen aber mufsten durch ihre
Zusammeuwirkung doch nur wieder jene Organi
sation
еatipn produciren, mid umgebehrt, nur innerhalb
dieses Organismus müfete die Ausübung ihrer Fuis-
• btionen möglich seyn. Sie würden sich also zur
ganzen Organisation4 eugleich wie Ursache und
Wirkung ihrer Thätigkeit verhalten. Was4 aber
zur Organisation (als einem Ganzen) sich so
verhält, heilt t ' örgan. Ее müfeten also., wo
'in einer Organi;. îion, entgegengesezte Funktia-
• nen vereinigt sind, dies. Funktionen an verschiedne
Organe vertheilt eeyn. ïe iiiehr daher im- organic
èchen Naturreich die Mannichfaltigkeit der Funktio
nen zunirhmt, desto raannichfaltiger müfste das £y-
etem der Organe .ч- (zum Theil Gefäfs - System ge*
»lânnt, was ganz falsch ist, denn innerhalb der Or-'
ganisation ist nicht» blofs Gtfüfs) — sich entwi
ckeln. Insofern diese Organe jedes »eine eigeuthüm-
liehe Funktion, ausübte, käme ihnen ein eignes Le
ben {vita propria) — insofern aber die Ausübung
dieser Funktion doch nur innerhalb jenes ganzen
Organismus möglich . wäre , nur gleichsam ein ge
borgtes Leben zu, und so mufs es dem Begriff der
Organisation nach seyn. Wenn also die möglichen
mannichfaltigenProportionen der organischen Funk
tionen a priori abgeleitet werden könnten, so wür
de, weil von dieser Proportion selbst die organi
sche Struktur abhängt, damit zugleich die ganze.
Mannichfaltigkeit möglicher Organisationen abge
leitet seyn.
f) Man versteht nun das Problem : die verschied1
nen. organischen Funktionen , und ihre verschied-
nen
rien möglichen Propottionen a priori zu bestim
men. — Gelänge es, dieses Problem aufzulösen,
so wäre damit nicht nur eine dynamische Stuffen-
folge überhaupt in die Natur gebracht, sondern
man hätte zugleich auch die Stuffenfolge in der Na
tur selbst a priori abgeleitet, und die bisherige Na
turgeschichte würde dadurch zum Natursystem er
hoben« ;

.,, . Anmerkung.
Die Naturgeschichte ist bis jetzt eigentlich Na
turbeschreibung gewesen , wie Kant sehr rich
tig angemerkt hat. Er selbst bringt den Na
men Naturgeschichte für einen besondern Zweig
der Naturwissenschaft, nämlich die Kenntnifs
der allmäligen Veränderungen', welche die ver-
schiednen Organisationen der Erde durch Ein
flüsse der äufsern Natur, durch Wanderungen
von einem Klima in das andre u. s. w. erlitten,
in Vorschlag. Allein wenn die oben aufgestell
te Idee ausführbar wäre, so würde der Namen
Naturgeschichte eine viel höhere Bedeutung be
kommen, denn alsdann würde es wirklich eine
Geschichte der Natur selbst geben, nämlich,
wie sie durch contihuirliche Abweichungen voti
einem gemeinschaftlichen Ideal —- insofern al
so frei — deswegen aber doch nicht gesetzlos
bildend — weil sie doch beständig innerhalb
der Grenzen ihres Ideals bleibt — die ganze
' Mannichfaltigkeit ihrer Produkte allrnälip, her-
E • vor
vorbringt, und so das Ideal zwar nicht im Ein
zelnen, aber doch im: Ganzen realisiert.
Nun fragt sieb noch überdies, welches Princip der
Anordnung auch die blofse Naturbeschreibung,,
(welche sich alsdann zur Naturgeschichte im
angegebnen Sinn des Worts ungefähr ebenso
verhalten würde, wie Anatomie zur Physiolo
gie) befolgen sollte. Da die Continuität der
Arten (continuitas formarum) , so lange man sie
biofs nach Äufsern Merkmalen aufsucht, in der
Natur nicht angetroffen wird , so müfste sie ent
weder wie bisher die Naturkette mit continuir-
, ' liehen Unterbrechungen darstellen; oder sich
der vergleichenden Anatomie, oder endlich, wie
man auch schon versucht hat, jener Continni-
tat; der qrganisehen Functionen als Principa der
Anordnung bedienen. Die leztere ist das Ob
ject der folgenden Aufgabe, in welcher leicht
alle Probleme der Naturphilosophie vereinigt
eeyn dürften, und für welche eben defswe¿eu
der allgemeinste Ausdruck gewählt ist.
, . ,'. V. '.' . .. s/:

A iifgäbe.
Man soll eine dynamische Stuffenfolge in der
Natur überhaupt a priori ableiten.

Auflösung, . ' ,\,


In dem Vorhergehenden ist zwar abgeleitet
worden, warum es nothwendig stye, dala das ab
solu
loi ute Produkt auf einzelnen Entwickltfngsstuffen
gehemmt werde, auch ist abgeleitet worden, wie
diese Hemmung selbst geschehe (Ш. IV. ). Allein
es ist nicht gezeigt Worden , wie diese Hemmung
.permanent seyn könne —-. wie diese individuellen
Naturen, die von der allgemeinen Natur gleichsam
eich losgerissen haben, eine individuelle Existenz
behaupten können, da doch alle Thätigkeit der Na
tur auf einen absoluten Organismus gerichtet ist.
Die Aufgabe nun; eine dynamische Stufen
folge in der Natur abzuleiten, setzt die Permanenz
individueller Naturen voraus. Zur Auflösung jener
Aufgab» können wir also nicht gelangen, ehe eine
andre
Aufgabe gelöst ist, diese nämlich: TVie in
der Natur das Individuelle überhaupt sich erhalte ?
Auflösung. Vorausgesezt, dafs die gesaram-
te Natur = Einer Organisation ist. so kann inner
halb der Natur nichts s.u. Stande kommen,, was
nicht in diesen allgemeinen Organismus sich fügte,
oder ihm unterworfen ware, kurz es kann in der
Natur nichts Individuelles bleiben,
Näher bestimmt also lautet unsre Aufgabe so:
JVie irgend eine individuelle Natur gegen den allge- ,
- meinen Organismus sick behaupten könne ?
Der allgemeine Organismus wirkt absolut
assimilirend , d. h. er .läfst innerhalb seiner Sphäre
keine Production zu, die nicht in diese Sphäre pafs
E 3 te
te; nur \vas zum absoluten Product sich fügt, läfst
er bestehen,
. • \ \ 4«
Keine Individualität der Natur also kann als
solche sich behaupten, ohne dafs sie gerade wie der
absolute Organismus darauf -ausgehe, alles sich zu
assimiliren , alles in der Sphäre ihrer Thätigkeit
zu begreifen. • Damit sie nicht assimilirt werde,
mufs sie assimiliren , damit sie nicht organisirt wer
de . mufs sie organisiren, ,'
i In dieser Handlung (der Entgegensetzuug)
scheidet sich für sie Innres von Acufsrcm. Sie ist
eine Thätigkeit, die von Innen nach Aufsen wirkt.
Aber wie liefse doch diese Pachtung anders %'ich un
terscheiden , als' -im Gegensatz gegen eine àndre
Thätigkeit , die auf sie als auf ein Aeufsres
wirkt? Und hinwiederum, wie könnte diese auf
»ie als auf ein Aeufsres wirken , wenn sie sich
nicht selbst gegen die Aufnahme in jene Thätigkeit.
setzte, (der Identification mit der allgemeinen Na^
turthätigkeit widerstrebte)? ' ¡
. Durch dieselbe Handlung also , durch welche
sie die ge»amrnte äufsre Natur von ihrer Sphäre
ausschliefst, macht sie auch sich selbst in Bezug
auf ate gesammle Natur zu einem Aeüfsern.
Die (für Bie) kufsere Natur wird gegen sie an
kämpfen , aber nur insofern sie hinwiederum gegen
die äufsere . Natur ankämpft. Ihre Empfäng
lichkeit für das Aeufsere ist -also durch ihre
. ' ' Thä*
Thätigkeit gegen dasselbe bedingt. Nur insofern
6je der äufsern Natur witlèrstrebt kann die äafsre
Natur auf sie, als auf ein Innres einwirken.
Das Aeufsere kann sonach in sie gar nicht
aufgenommen werden, als insofern sie es aufnimmt.
Das Aeufsere ist für sie so gut als gar nicht da — es
hat für sie keine Realität als inwiefern sie ihre Thä
tigkeit dagegen richtet.
Aber nicht allein ihre Receptivität für das Aeu
fsere überhaupt ist bedingt durch ihre Thätigkeit ge
gen das Aeufsere, sondern auch die Art wie das
Aeufsere auf sie einwirkt, ist bedingt durch die Art
der Thätigkeit , welche sie gegen das Aeufsere
ausübt.
Das Aeufsere wirkt auf das Innere , nicht wie
Aeufseres auf Aeufseres , ( Todtes auf Todtes ). Ein
Aeufsres wirkt auf ein Inneres überhaupt nur , inso
fern es in die positive Thätigkeit desselben negativ,
oder (was dasselbe ist), in die negative Thätigkeit
desselben positiv eingreift. ' Aber auch umgekehrt,
das Innere nimmt das Aeufsere nur dadurch in sich
auf, dafs seine Thätigkeit in, Bezug auf dasselbe
positiv oder negativ wird.
, Man setze also , . eine äufsere Thätigkeit = X
wirke auf das Innere ein, (Man abstr»bire :von al
ler mechanischen Einwirkung, denn eine; solche ist
hier überhaupt noch nicht abgeleitet , und auf ein
Inneres als solches kann überhaupt nicht mecha-
*. E 3 nisch
iHiSch gewirkt werden. Es ist von einer dynami
schen Thätigkeit die Rede. . •.•
- ., < \, . ..
Ueberhaupt bemerke man, dafs axisdrûçklich
festgesetzt wurde, es entl auf das Днпеrе , als
а olches eingewirkt werden. Die Wirkung , wel
che jene Thai igkeit ihrer Natnr nach an»uibt seye г; АГ
Allein sie kqnn mit A auf das Innere ab solches
liicht wirken ,. ohne dafs dieses ihr eine Thätig
keit ïZ4— A cnlgepensc/e. In diesem — fliegt
die Recepiivitüt des Absolut Innern für die äufsre
Thätigkeit = A.

(z. B. X seycdie Thätigkeit des Wärmestoffs.


, Seine Wirkung = A. In Bezug auf dieses
Princip, (den WärmestoffJ ist nun nichts ein
Innres, als was dieses Princip in sick selbst er
zeugt".' Auf ein Innres als solches kann also
der Wärmestoff auch nicht die Wirkung — A
ausüben, als insofern die eig,ne Thätigkeit des
Innern in Bezug auf den, Wärmestoff als ein
Aeufsres, — — A kt. Beide Wirkungen (A und
K) siríd .positiv. Sie ¿ind nur positiv und ne
gativ in Bezug auf einander, insofern sie sich
wechselseitig das Gleichgewicht Jialten. Aber
auch umgekehrt, die Thätigkeit = — A erlischt,
ohne eine äufsre, die in Bezug auf sie — A ist,
der sie das Gleichgewicht hält, und die gleich
sam ihr Object ist.)

Der
Der unmittelbare Effect also, welcher auf die
Wirkung — A im Innern erfolgt, ist der negative
(d. h. nicht der verneinende, sondern der gerad
entgegengesezte dieser Wirkung — — A. (Die eig
ne Wärmethatigkeit des" Körpers ist in Bezug auf
die änfsere Einwirkung des Warmestoffs — — A).
Mittelbar, ,:dnrc4ï diese Thlitigkeit = — A
•werden im luneru neue Verändrungeh hervorge
bracht werden. Diese Verändrungen seyen z: Z,
so wird Z die Wirkung . seyn , »owohl von A als
von — A. — Nämlich X kann auf das Inner* ala
solches nicht mit der Wirkung — A wirken, als
insofern' die eigne Thatigkeit des lefztern in Be
zng anF jene r= — À ist, also wird. auch Z der Art
sowohl als dem Grade nach bestimmt seyn durch die
Art und den Grad der Thätigkeit =: — A.
(Zur Erläuterung! — Es wirke auf den anima
lischen Körper ein Gift. 1 Inwiefern ist es Gift,
und warum ist es Gift? Ist es etwa Gift an
eich? Nichts weniger. Z. B. das Blatterngift
ist für jeden nur einmal Gift, das Viperngift ist
für die Viper kein Gift. Gift überhaupt ist
nicht Gift, als insofern es der Körper dazu
macht. Für das Gift als Gift hat der Körper
keine Rcccptivität, all insofern er dagegen thä-
tig ist. Das Gift greiftnicht ihn an, sondern,
er greift das Gift an. Der letzte Effect des
Gifts also =: Z ist der Art sowohl als dem Gra-
de nach bestimmt dnreh die Art und den Grad
E 4 der.
der Thätigkeit, welche der Organismus ihm
entgegensezt , also eigentlich nicht Effect de»'
Gifts, sondern Effect der Thätigkeit — Á).

Aber umgekehrt auch s das Innre übt keine


Thätigheit ZZ — A aus , als insofern es Receptivi
tät für eine Thätigkeit = A hat. Also ist die Thä
tigkeit, des Innern =; — A selbst wieder Effect der
Thätigkeit des Aeufsern ^ A, mittelbair also wird
auch Z der Art sowohl als dem Grade nach bestimmt
seyn durch die Art und den Grad der Thätig?
3teit*= A.

t (Der Körper wird gegen das Gift nicht thätig seyn,


als insofern das Gift gegen ihn thätig ist. Die
Form und der Grad seiner Thätigkeit ist be
stimmt durch die Form und den Grad der Thä
tigkeit des GiftesJ,

Also sind A und, — Al selbst wechselseitig


vqn einander Ursache und Wirkung.

In der Thätigkeit, welche das Absolut - Innere


dem Aeufsern entgegensetzt , liegt seine Receptivität
Jür dds Acnfsre , und umgekehrt von seiner Re
ceptivität für das Aeufsre hängt seine Thätigkeit
ab. Weder was die Thätigkeit des Organismus,
noch was seine Receptivität an sich ist, kann rein
erkannt werden. Denn jene erlischt ohne Object,
gegen welches sie ankämpft, und umgekehrt, nichts
ist Object für sie, als insofern sie dagegen thätig ist.

Zu-
• In dem so eben aufgestellten synthetischen
Satze sind zween entgegengesezte Sätze vereinigt.
,'
a) Erster Satz. Die Tkätigkeit des Orga
nismus ist bestimmt durch seine Receptivilät.
Die organische Thätigkeit ist also ganz und gar
.. . abhängig von dem Einflufs äufsrer (materieller)
', Principien, Materie aber kann nur auf Mate
rie, und nur nach unveränderlichen Gesetzen
wirken. Die Einwirkung äufsrer Ursachen auf
,, den Organismus sowohl als die dadurch un-
. ' terhaltnen Funktionen . des letztern geschehen
daher ganz und durchgängig nach Gesetzen der
Materie. Materie wirkt aber auf Materie ent
weder durch Repulsivkraft (Stöfs) oder durch
Attractivkraft ("Schwre). Weder aus dieser noch
ans jener Wirkungsart ist der Einflufs Sulse-
rer Ursachen auf den Organismus, -noch euch
d.ie dadurch, bewirkte Thätigkeit des letztem
erklärbar — also aus beiden zusammengenom
men , oder aus der WechselwirKung jener bei
den Kräfte, Diese Wechselwirkung prqducirl,
^wa» man chemische Phänomene nennt. Der
Einfln-fs äufserer Ursachen aitf den Organismus
sowohl als die organische Thätigkeit^selbst ist
senach chemischer Art. Alle Functionen des
Organismus erfolgen nach chemischen Gesetzen
der Materie, das Leben selbst ist ein chemischer
Procejs. , л
74 ,
t.. • >
Anmerkung,
f.-^Dieser Theorie scheint die, Erfahrung selbst
. .. entgegen zu kommen , wie aus dem folgenden
erhellt. *) - ..
"Organisation und Leben sind ganz von'che-
: w ... mischen Bedingungen abhängig, , Schon von
• Feme her, in der sogenannten anomische»
, -, 'Welt macht die Natur die er6teri chemischen
t Entwürfe zu den Bildungen, die sie in der
organischen producirt. Die allgemeinen Na-
I turoperationen , und- jene Processe, welche
• beständig im Gange sind , müssen als. die er-
; •: ' viten Rudimente aller Organisation angesehen
werden. Alles ist in Einen chemischen Procefs
verschlungen. Die Erhaltung des Luftki-ei-
6es z,.B. in einer gleichen Proportion der
.4 ' . Mischung ist für die gesammte organische Na
tu* ,von der höchsten Wichtigkeit. Selbst
täglich neu organieirt enthält die Atmosphäre
schon den ersten Ansatz zur allgemeinen Or
ganisation. Die meteorologischen Phäno
mene sind ohne Zweifel slle zusammen Phä-
. nomene von Operationen , durch welche sie
immer neu verjüngt und wiederhergestellt
wird. Denn dafs wir z. B, die Aerisation des
Wassers, und die Dcsaërisation , welche dem
Ke-
*3 ДТап wird leicht bemerken, dafs das chemisch» Sy
stem in der Darstellung idealism ist,, allein ich
fand diefs nothweudig.

t
Regen vorherzugehen scheint, aus misera
chemischen Kentnissen vorerst nicht zu er
klären wissen , beweist nichts gegen die Be
hauptung, dafs beides nicht auf chemische
Art geschehe. Die Natur setzt nicht zusam
men, wie der Chemiker zusammensetzt. Na
tur und Clïemie verhalten sich zu einander
wie Sprache und Grammatik. — Da in der
Atmosphäre beständig dieselben Stoffe com-
binirt und decombinirt werden , deren Com
bination undüDecombisiation auch das. ani->
malische und "vegetabilische Lehen unterhält,
so-' müssen die Processe.,:, welche die immer
gleiche chemische Beschaffenheit im allga-
meinen Medium des Lehens. erhalten, die er
sten Anfänge zur allgemeinen Organisation
seyn. Ia die PerpetnLtät jener Proportion,
im Ganzen, wobei es doch nie zur chemischen
Verbindung der beiden Stoffe kommt noch
kommen darf , ist nicht anders, ads ams der
Perpetuität einer beständig unterhaltnen che
mischen Decomposition zu erklären.

Die meisten jener indecomponibeln Substan


zen , welche Hauptbestandtheile der organi
schen Materie sind , verralhen auch in der
anorgischen Natur die stärkste Tendenz zur
Combination. Keiner dieser Stoffe ist ein
zeln darstellbar , man kennt sie entweder nur
in ihrer Combination mit dem Absohuilüssi-
gen

"tftk
gen (als Luftarten) , Dder in Verbindung mit
festen Substanzen. Sie stehen also schon
zwischen absolut decomponibeln und inde-
componibeln Substanzen in der Mitte, und
gehören , wie die organische Materie selbst,
zu keiner von beiden,IS

''Welche Stoffe in der organischen Natur beson


ders thätig sind , dieselben zeichnen schon in
der anorgischen Natur sich aus, und umge
kehrt, welche Stoffe in der anorgischen die
wirksamsten sind , sind auch in der organi
schen die thätigsten. Die überall verbreitete
Wärmematerie durch einen continuirlich un-
terhaltnen phlogistischen Pracefs im thieri
schen Körper, ohne Zweifel selbst in Pflan
zen , erzeugt", durchströmt alles Lebendige.
Die electrische Materie giebt dem Muskelsy
stem, und der reizbaren Pflanzenfiber ihre
Schnellkraft; Neuem ^Beobachtungen zufol
ge ist es nicht unmöglich, dafs im Auge eine
freie Lichtentwicklung statt ;hat. Pflanzen
ziehen den gröfsten Theil ihrer Substanz aus
dem überall verbreiteten Wasser, die Haupt
bestandtheile der thierischen Materie sind in
der atmosphärischen Luft niedergelegt. In
den Knochen der Thiere sind die Erden ver
härtet, und ihre Adern führen metallischen
Gehalt.
. . . i•
•. , ' ц
Der
Der Grund aller Erscheinungen organisirter
Кorреr xist daher in der organischen Materie,
in der ursprünglichen Verschiedenheit ihrer
Grundstoffe, in der besondern Proportion
ihrer Mischung — in den chemischen Ver-
ändrungen , welche durch äufsre , gleichfalls
chemische' Einflüsse in derselben hervorge
bracht werden , zu suchen. Die Zusammen
setzung der organischen Materie geht in's
Unendliche, weil jedes Organ in's Unendli
che wieder organisirt, wieder auf eigenthüm-
liche Art gemischt und gebildet ist, jedes
vom andern durch besondre (Qualitäten sich
unterscheidet. — Was ist aber Qualität
selbst? Wäre sie nach der gemeinen Vorstel-
lungsa/rt todter Stoff, so bedürfte auch die
vollkommenste Zusammensetzung matmich-
faltiger Stoffe wiederum einer neuen Thätig
keit, welche sie alle in Wechselwirkung und
ihre todten Kräfter in ein freies Spiel versezte.
Aber , was uns als Qualität erscheint , ist
selbst ïchon Thätigkeit, und jede besondre
Qualität ein besondrer Grad von Thätigkeit.
Ist es zu verwundern , dafst eine Verbindung . o
vou so mannichfaltlgen Qualitäten, welche
noch überdifs durch denEinflufs fremder Actio-
neu, (Licht, Wärme u. s. w. ) continuir-
lich verändert werden, so mannichfaltige und
eigenthümliche Thätigkeiten hervorbringen,
als wir ii^der organischen Natur wahrnehmen.
I ; Zu
Zu Erklärung Леr organischen Gestalt bedarf es
auch nur jener Vereinigung" mannichfaltiger
Thätigkeiten , die alle auf Production einer
ursprünglichen Figur gehen. Denn da die-
Tendenz zum Gleichgewicht jeder Materie ur
sprünglich beiwohnt , und diese Tendenz
in der Materie unbedingt ist, so -wird dieselbe
jede Form ergreifen , unter welcher sie zum'
Gleichgewicht gelangt. In diese eigentümli
che Form wird sich jede einzelne organische
Materie freiwillig gleichsam begeben , weil
diese allein die Bedingung des möglichen
Gleichgewichts der Kräfte ist.
Diesemnach wird auch aller Unterschied der
Organisationen allein auf die Verschiedenheit
'der Stoffe , welche ' in ihnen vereinigt oder
getrennt werden, und die Verschiedenheit
ihrer Functionen allein auf die verschiednen
chemischen Einflüsse , für welche sie em
pfanglich sind, reducir: werden. Die. streiti
ge Frage über den Unterschied zwischen'
Pflanze und, Thier beantwortet sich leicht
und natürlich vom chemischen Standpuucte
aus,. t , - •.,
Die beiden entgegengesezten Hauptprocesse
der Natur sind in Pflanzen und Thieren zur
Permanenz gediehen. Alle Mannich faltig
keit der Materie in der Welt reducirt sich auf
ihr Yerhältuifs zu jener Substanz ; welche in
uns-
м 7á

:tmsrer Atmosphäre wenigstens das Element


des Lichts gefesselt hält , und deren allge
meiner Sitz die leuchtenden Körper des Welt
systems zu ,зеуп scheinen. Alle Materien,
sind entweder verbrannte oder verbrennende,
oder solche, die wieder verbrennlich werden,,
Die Hauptprocesse der Natur sind wie irá
Grofsen — (daher der Gegensatz zwischen
Sonnen und Planeten)— so im Kleinen Com
bustions - und Decombustionsproccsse. Dl»
organische Natur hat sich in beide getheilt.

Das Thier zersezt die Atmosphäre vor sich her,


und erhält, vermehrt und bewegt sich selbst,
gleich der beweglichen, wachsenden Flamme«
Die Pflanze giebt einer verbrannten, überall
verbreiteten Substanz die Verbrennlichkeit,
und der Atmosphäre jeden Stoff zurück,' wel
cher das Verbrennen möglich macht, -r- Die-
; ser Unterschied zwischen Pflanze und Thier
ist der ursprünglichste, in der Natur selbst
gegründete, von welchem erst alle andera
Verschiedenheiten beider abstammen. Die
ser Unterschied selbst über führt wieder al
lein von der verschiediien chemischen Bö'
schaffenheit der' animalischen und vegetabili
schen Materie her, daher, dafs diese, gröfsten-
theils wenigstens, des Stoves entbehrt, der je
ne fähig macht , jenes Princip in sich zurück
zuhalten.

Se
' ' ' .' >
• (
8° . ". , ' .*. '•
So sind Thiere sowohl als Pflanzen permanen-
te chemische Processe, die durch äufsern che
mischen Einflufs unterhalten werden. Die
aufsre Bedingung des Lebens für die Pflanze
ist Licht, für das Thier phlegistischer Stoff.
Alle ihre Functionen greifen in jenen chemi
echen Procefs ein , und geheu aus ihm her
vor?).
¡ - , , , . - • , ••.•.'
Der Satz: Die organische Thätigkeit ist durch
ihre Receptivität bestimmt, ist sonach Princip ei
net physiologischen Materialismus.
. . - . V ,"
b) Zweiter Satz. Die Receptivität des Or
ganismus ist bedingt durch seine Thätigkeit.

Ist die Receptivität des Organismus bedingt


. ' . durch seihe Thätigkeit, so ist es auch die Wir
kung der Materie auf ihn. Die reine Wirkung ir
gend einer Materie als solcher , im — und auf
den Organismus kann man also durch kein Mit
tel erfahren , denn die Wirkung ist der Art so
wohl als dem Grade nach bestimm f durch die
Thätigkeit des Organismus , die Materie kann
im Organismus nicht ihren Kräften gemaTs frei
und ungehindert wirken", die Bande der gemei
nen chemischen Verwandschaft sind durch den
Organismus gelöst, neue Verwandschaften gestif
tet. Was in die Sphäre des Organismus tritt,
nimmt von diesem Augenblicke an eine neue
ihm fremde Wirkungsart an, die es nicht ver-
läfst,
" 81
läfst, ehe es der anorgischen Natur wiedergege
ben ist«'" - .i:.,.- \~ . . .■ .!
a'. ; *•,.- . •• '.v.
, i . Jnmerkmig. . . .

(Auch dieses System beruft sich auf die Erfah-


,, rqng. „ , , .4 a;,'

"Das Organische erhält sich selbst in einer ganz


eigenthümlichen , in der übrigen Natur bei
spiellosen Mischung. Zwar nennt die Che-N
mie die Hanritbestandtheile dieser «Mischung.
Aber wenn diese Stoffe nur, und diese Stoffe
nur so , wie die Chemie es nachweisen kann,~
in der organischen Natur thätig sind, wie
könnte aus den verschiednen Proportionen
,der Mischung dieser einfachen Stoffe die gro-
fee -Mannich faltigkeit organischet" Produkte
hervorgehen ? Dir o.'gat.ische Körper behält
seinen eignen Wärmegrad in jeder Tempera
tur. Aus blolser Luft und Wasser erzeugt
das Pflanzenreich — und mittelbar durch
> das Pflanzenreich auch das animalische die
rerschiedenartigste Maierie, dergleichen durch
keine chemische Kunst hervorgebracht wer
den kann. Die chemischen Kräfte der
aufsern Natnr anstatt dafs sie die organische
Materie der todteе verähnlichen sollten, ha
ben, so lange das Leben dauert gcrad' entge
gengesetzte Wirkung. Sobald das Leben ge
wichen ist, kehrt die organische Materie in
F den
• dem aligero einen Kreislauf, aurfwcfldièm sie
hinweggenommen war, zurück' ¡- Um so
schneller zurück, je weniger ihre Elemente
nach den in der todten Natur herrschenden
;i ,,öesetzcn der Affinität gemischt waren u. s. w.").
Die Ursache nun , welche im Orgamsmus die
chemischen Kräfte und Gesetze der Materie
aufhebt zum Theil, und zum Theil verän
dert, kann nicht wiederum eine materielle
seyn, da jede Materie selbst dem chemischen
Procefs unterworfen ist — also ein immate
rielles Princip , das mit Hecht Lebenskraft
genannt wird.
Der Satz : Die Receptivität des Organismus ist
durch seine Thätigkeit bestimmt , ist also das
Princip eines physiologischen Immaterialismus.
c) Keines von beiden Systemen ist wahr, denn
sie widerlegen sich wechselseitig. Gleichwohl
ist in beiden etwas Nothwendiges , sie sind also
beide zugleich wahr , oder vielmehr Лаз wahre
ist ein drittes aus beiden.
Das Princip des Lebens zeigt sich, wo es
sich aufsert, als eine Thätigkeit, die jeder
Auhäufung des Stoffs von aufsen , jedem An
drang äufsrer Kraft sich widersetzt; aber die
se Thätigkeit aufsert sich nicht, ohne durch
Uufsern Andrang erregt zu seyn, die negative
Bedingung des Lebens also ist Erregung
durch
durch äufsre Einflüsse, Das Leben, wo ea
zu Stande kommt , kommt gleichsam wider
.den Willen der aufsern Natur (invita natura
externa), durch ein Losreifsen von ihr, zu
Stande. Die äufsre Natur also wird gegen
das Leben ankämpfen; die meisten aufsern
Einflüsse, die mau für lebensbefördernd hält,
»ind eigentlich destructif für da» Leben, z.
Б. der Einflufs der 'Luft, der eigentlich ein
Yerzehrungsprocefs — »in beständiger Ver
buch ist , die lebende Materie chemischen
Kräften zu unterwerfen.
) Allein eben dieses Ankämpfen der aufsern Na
tur erhält das Lehen , weil es immer auf*
neue die organische Thätigkeit aufregt, den
ermattenden Streit wieder anfacht; so wird
jeder äufsre Einflufs auf das Lebende, wel
cher es chemischen Kräften zu unterwerfen
droht sura Ii-ritament d. h. er bringt gera'le
die entgegengesetzte Wirkung von der, wel
che er seiner Natur nach hervorbringen sollte,
wirklieb hervor, lene Wethselbestimmung
der Receptivität und der Thätigkfit eigentlich
ist es also was durch den Begriff der Reizbar
keit ausgedrückt werden mufs , welcher Be
griff (in seiner höchsten Allgemeinheit — man
vergesse ganz die Hallèrsche Reizbarkeit) —
eben die Synthesis ist, welche jene entgegen
gesetzten Systeme vereinigt,

F a Die
Die 'tebensthätigkeit erlischt ohne Object , sie
•'kann niir durch änfsern Einflufs errègt wer
den. Aber dieser äufsre Einflufs ist selbst
wieder bestimmt durch die organische Tliätig-
keit, daher wirkt keine äufsere Thätigkeit
im Organischen Körper jhrer eigenthürnlichen
"Natur" gemäfs, chemisch, darum scheinen die
chemischen Kräfte in Ansehung desselben,
aufgehoben. Aber keine Thätigkeit kann
aufgehoben werden, als durch eine 'entgegen-
gesetzte. Diese entgegengesetzte hegt im
organischen Körper, als einem geschlossnen
System. Denn gegen jede äufsre Einwirkung
: veranstaltet das "organische System in jedem
Augenblick einen Antagonismus, der jener
, das Gteichgewicht hält. (z, B. der lebende
Körper behält in der höchsten Temperatur
seinen eignen Wärmegrad , nicht als ob die
allgemeinen Gesetze der Wärmemitheilung in
Ansehung seiner aufgehoben wären , ("dies ist
unmöglich), sondern weil er durch entgegen
gesetzte Operationen — (z. B. dadurch, daf»
er die Capacität der in ihm cirkulirenden
Flüssigkeiten vermehrt , dafs er Processe,
welche viel YVarmestoï absorbiren, beschleu
nigt) ,— den von anfsen eindringenden Kräf
ten das Gleichgewicht hält. Dafs ein äufsrer
Einflufs die organische Thätigkeit unterhält
ist wahr, a'ich dafs jeder soLher Einflufs ei
ne bestimmte Wirkung im Organischen her
vor-
vorbringt , aber diese Wirkung ist selbst
wieder Product der organischen Tljätigkeit;
z. Б. allerdings wirkt das Opium narcotisch,
ajb^ es bat diese Wirkung nicht als Opium,
vergebens würde man den Grund dieser Wir
kung in seiner chemischen Beschaffenheit su
chen. Die Wirkung welche es hervorbringt,
bringt es nur indirect ,hervor, d. b. diese
Wirkuug ist selbst wieder. Wirkung dèr orga
nischen Thätigkeit. Allgemein ausgedruckt:
Jede äufsre Wirkung auf den Organismus
ist indirecte Wirkung»

{Darum allein eigentlich wirkt keine Substanz


auf den Körper chemisch , zu welchem Be
huf man der Fiktion einer Lebenskraft gar
nicht bedarf, denn entweder, versteht man
d-arunter eine einfache — ursprüngliche —
Kraft, dergleichen z. B. die Anziehungskraft,
so müEste sie auch eben so allgemein wir
ken, wie diese.t Oder es ist eine zusammen
gesetzte Yir&it , so -mufs man eine Constru-,
ction derselben versuchen (z. B. sie gienge aus
dem Antagonismus, der in der organischen
Materie selbst statt hat, hervor, so müfste
man ein Frincip Anden, das diesen Antago
nismus beständig unterhält , und es nicht
zur chemischen Verbindung der Elemente
kommen läfst, oder das den chemischen Ten-
' denzen jene eigeuthiimlicjie Richtung,, giebt, .
die eíe z> В. im thierischen Körper nehmen.
Diet könnte nur die Funktion eines Principe
seyn , das in den chemischen Procefs , selbst
nicht eingeht , wiè*ï.' B. dip absolute Mate
rie, deren Existenz im Vorhergehenden er
wiesen ist, weil diese schlechthin incompo-
nibel ist, und weil ihre Bedingungen überall
gegenwärtig sind, wo sie decomponirt wird,
in jedem Moment neu componirt werden
mufs. *) ~"

Allein man bedarf dieser Voraussetzungen nicht.


Das ganze Geheimnifs beruht auf jenem Ge
gensatz zwischen Innrem und Änfsrem, den
man zugeben mufs, wenn'tnan in der Natur
überhaupt etwas Individuelles zugiebt.

Denn
Es w»r alto eine viel tu. voreilige Behauptung, die
man -viel zu voreilig eingeräumt bat , dafs t8 keine
Materie geben könne, die , durch den chemischen
I,ebeusprocefs iualterabel, den chemischen Kräften
die besondre Richtung geben könne, die> sie z. B.
im thierischen Körper nehmen. Darum habe ich in
der Schrift von der PP'eltseele die Hypothese einer
absoluten Materie, (deren noihicendige Existenz in
der Natur mm bewiesen ist) , der Behauptung,
dafs zu Erklärung jener eigemkümlichen Piichtung
ein immaterielles Priucip erfordert werde , entgegen
gesetzt. Man hat die Hj^pothese für Behauptung
genommen — mau hat sogar die Möglichkeit einer
»olchen Materie gelüugnet — mit welchem Grund,
wird man nun einsehen
Denn nun wird gegen jede innere Thätigkeit,
d. h. gegen jede Thätigkeit, die sich selbst
zum Mittelpunkt constituirt, die üufsre Na
tur ankämpfen; Durch diesen Antagoni
smus wird die innre Thätigkeit selbst. zu, pro
ducirán genöthigt werden, was sie ohne den
selben nicht producirt hätte. Die organische
Gestalt und Structur z. B. wohin auch die
Mannichfaltigkeit einzelner Organe gehört,
deren jedes sich seine besondre Funktion
nimmt, ist die einzige Form , unter welcher
die innre Thätigkeit gegen die äufsre sich be-
' hauptem kann. . Die, Bildung derselben ist al
so selbst schon eine Wiikung jener allgemei-
nen organischen Eigenschaft der Reizbarkeit
.\ i (der Erregbarkeit durch äufsre Einflüsse),
, , , • . promit auch die Erfahrung übereinstimmend
befunden wird. Umgekehrt auch wird das
äufsre durch organische Reaction zu einer
. s■ höhern Wirkungsart gleichsam gesteigert,
., .nnd so allein erhebt sich das Organische über
das Todte./ „> , . - •.
. . .vi ; t".,....«•>«'.••
. , .„ Folgesätze.
Die Thätigkeit des Organismus ist bestimmt
durch seine Receptivitit und umgekehrt. Weder sei
ne Thätigkeit, noch seine Receptirität ist an sich
etwas Reelles, Realität erlangen beide nur in dieser
Wechselbeetimmung.

.M F 4 Aber
8S >\ Ч .
Aber Thätigkeit und Receptivität verhaltea
eich überhaupt zu einander wie Entgegengesetzte,
(•*. und —y); Also rriufs, wie der Eine Factor steigt,
der andre fallen und umgekehrt.
l) Der Anfang des Lebens ist Thätiglieit, ist ein
Losreifsen von der allgemeinen Natur. Aber
jene Thätigkeit ist selbst1 wieder Receptivität,
denn nur das Minus von Thätigkeit, ist über
haupt Receptivität,
Tbätigkeit und Receptivität entstehen also
. « zugleich in Einçm und demselben untheilbaren
... , Moment, und nur diese Simultaneität von Thä
tigkeit und Receptivität constiiuirt das Leben.
Organische Thätigkeit "ist nicht Thätigkeit,
ohne äüfsren Andrang. Aber der äufsre Andrang
gegen innre Thätigkeit hat die gerad* Entgegen-
gesetzt* Wirkung, d.h. er vermindert die Re-
ceptivitäf, in dem er die Thätfgkeit erhöht.
Das' Maximum der Receptivität , (das man
beim Lebensanfang annehmen kann), geht also,
vermöge des Gesetzes der Wechselbesrtmmung,
erst in ein Minus, endlich in ein Minimum von
Receptivität über. In dem Grade, als die
Thätigkeit steigt, mufs die Receptivität fallen,
bis beide in die vollkommenste Wechselbestim
mung kommen , wo sie einander , das Gleichge
wicht halten, welches dann gleichsam der Mit-
tagspunkt des Lebens ist. • • V/ -

Aber
-. , • . I . • ¡
89-
Aber jene vollkommne Wechselbestírnrnvmg
ist nur momentan, die organische—Thätigkeit
îet im Steigen, die Receptivité t im Sinken, so
rollt das Rad des Lebens nach der entgegenge
setzten Seite ab. Immer mehr wird die organi-
.»che Thätigkeit, gegen das Minimum der Rece-
^J ptivität steigen, aber, ri a Receptivität, solange
sie einen Grad hat, selbst nur Thätigkeit ist,
f í • 'geht sie, vermöge des unverbrüchlichen Ge
setzes der Wecht-clbestimmung, sobald sie нu,
ter allen Grad sinkt, d. h. vom Minimum un- .
mittelbar in das Maximum (absoluter Recepti-
' - vität) über, die höchste Thätigkeit ist sz der
• • .' Negation aller Thätigkeit, das Maximum der
Thätigkeit dem Maximum der Capacität.
So bat das Leben zweeft höchste Punkte,
zwischen denen es gleichsam pulsirt, und von
deren Einem es unmittelbar in den andern über,
gebt. x Das Maximum der Thätigkeit lU'm ч
Minimum der Receptivität , aber das Minimum
- der Receptivität auch — dem Minimum der •
T&Stígkèit, d. n. dem Maximum der Receptivi
tät, und so ist es begreiflich, wie jedes Maxi-
mum in der organischen Natur unmittelbar in
sein Entgegengesetztes , das Minimum , und
' '-' umgekehrt , übergeht.
(Man kann hier leicht zwo Bemerkungen
machen. Arstens, welche transcendental
Bçdeuiui,.g dieses Naturgesetz de* uum.Utelba-
.... V F 5 - rеп
retí Uebergángs vom Minimum iris Maximum
bat, und umgekehrt. Denn eben dieses ist das
Gesetz aller Thätigkeit', nämlich : dafs eine
T-hätigkeit, die kein Object mehr hat, niremer
in sich selbst zurückkehrt , und umgekehrt,
dafs es für eine Thätigkeit, die aufgehört hat,
¿71 sich selbst zurückzukehren , auch kein Ob
ject mehr giebt; dafs so der höchste Moment
aller Thätigkeit unmittelbar an das Erlöschen
derselben gränzt. So beginnt das organische
Leben, wie das höhere mit dem Reflex einer
Thätigkeit durch ein Object und das Object selbst
fällt für die organische, wie für die höhere
T#hätigkeit nur in den Punkt des Reflexes.
Liegt dieser Punct unendlich weit, so wird die
Thätigkeit nicht mehr reflectirt, sie hat keine
Intensität mehr , und verliert sich ins Unendli
che. Liegt er unendlich nahe , so hat sie kei
ne Extension mehr und verliert sich in sich
selbst. tt • .i :

Zweitens bietet diese Ansicht Analogien dar


für eine höhere Ansicht mancher andern Natur-
processe > z. B. die Aehnlichkeit des Lebens
mit dem Verbrennungsprocesse wird dadurch
erst einleuchtend. Die Wirkung der Hitze auf
den verbrennlichen Körper ist Erregung seiner
Thätigkeit, die man sich als Zurückstossungs-
kra ft gegen die Wärme — (Erhitzung) den
ken kann, und die sobald sie bis iura Maxi-
шuш
— gi

шuш gelangt ist , unmittelbar in das Mmimum


übergeht. Daher das Maximum der Erregung
oder der Thätigkeit bei jedem phlogietiscben
Körper = dem Maximum der Capacität. Dieser
gählings erfolgend* Uebergang vom Maxi
mum der Zurückstossungskraft (der Thätigkeit)
in das Maximum der Capacität, (de/ Recepti
vität) > ist eigentlich das Phänomen des Ver-
brеппемз). |
2) Es ergeben sich hieraus einige Grundgesetze
des organischen Lebens.
a) Es' erhellt, dafs jeder Reitz mir Reitz ist,
inwiefern er die Receptivität vermindert,
oder die Thätigkeit erhöht. Dadurch allein
ist er Reitz , dafs er eein (reell-) Entgegen
gesetztes (Thätigkeit) hervorbringt.
b) Da aber die Function des Reizes überhaupt
nur in dem Hervorbringen seines Entgegen
gesetzten liegt, so erhellt, dafs der Beiz
selbst entgegengesetzter Art, à. h. positiv
oder negativ sevn kann, je nachdem er die
' Thätigkeit erhöht oder herabstimmt. Aber
-positiv kann ein Reifc nur wirken bei einem
gewissen Grad der Receptivität, negativ nur
bei einem gewissen Grad der Thätigkeit,
.weil er in jenem Fall die Receptivität, in die
sem die Thätigkeit herabstimmen soll. Bei
einem hohen Grade der Capacität für einen
negativen Reiz kann durch diesen die Thä
tig-
. tigkçit »fcht vermindert, so. wiç Ъ$\ einem
: hohen Grad von' Thäbifikeit durch positiven
-Beiz nicht vermehrt, werden; (Daher allein
- r i das Phänomen der Abstumpfung gegen cíen
Reiz durch Gewohnheit.) ,
c) Man seze zwey Individuen , die Reitzbar
keit des Einen verhalte sich zu der des an
dern wie i: 5, bejde sollen zu glèi eher Höhe
ider Thätigkeit gesteigert werden . so werden
eich die Reize, welche auf beide wirken in
Ansehung der Intensität wie 2 : i verhalten
müssen, d. h. die einfache Reizbarkeit bei
doppelter Intensität des Reitzes , hält der
einfachen Intensität des Reitzes bei doppelter
Reitzbarkeit das Gleichgewicht.'
d) Es erhellt endlich aus diesem Begriff des Rei
mes, (dafs er sein Entgegengesetztes hervor
bringe, war;. m aller Reitz endlich mit abso
luter Erschöpfung der Reitzbarkeit endet,
und wie so die Natur in A'nsehung jeder Or
ganisation endlich ihren Zweck erreicht.
Sie erreicht ihn auf dem gerad' entgegengeseiz,
ten Wege von dfm, worauf sie ез versuchte,
die Lebensthätigkeit ist die Ursache ihres eig
nen Erlöschens, Sie erlischt, sobald sie von
der äufsern Natur unabhängig, d. h. für äuts-
re Reize unempfänglich zu werden anfängt,
und so ist das Leben felbit nur dießiüeke zuro
Tode.
3) Die
Die Aufgabe war, zu erklären', vre das Indi
viduelle in der Natur sich gegen das Allgemei
ne behaupte? Die Auflösung würde darinn ge
funden, dal* das Individuelle selbst nur durch
Andrang einer 'äufsern Natur besteht. Aber
Innres und- Aeufsres scheidet sich nur im Act
der Entgegensetzung, es mufs-. also zwischen
dem Individuellen und seiner äufsern Natur ei
ne wechselseitige Entgegenseizung seyn, d. h.
wenn jenes in Bezug auf diese organisch ist,
mufa diüse in Bezug auf jenes anorgisch seyn.
Also : 'keine organische Natur, keine anorgische.
Keine anorgische, keine organische.
Aber wenn so Organisches und Anorgischeе
nothwendig coëxistirt, so kitttnen auch die Fun
ctionen des Organismüs nicht anders als nnr
irп Gegensatz gegen jenes Anorgische abgelei
tet werdett. ~
Aber umgekehrt auch , wenn die Functionen
des Organismus nur unter der Bedingung einer
bestimmten Aufsenwelt möglich sind, mufs die
Organisation und ihre Aufsenwelt wieder ge
meinschaftlichen Ursprungs , d. h. sie müssen
wieder Einem Produkte gleich qeyn. (Näm
lich populär ausgedrückt, es mufs zwischen
beiden eine relative Zvveckmäfsigkiet seyn. Die
se relative Zweckmäfsigkeit nun etwa durch ei
nen Verstand erklären, der Eines dem Andern
angepafst habe, ist das Grab aller gesundem
Phi-
Philosophie, Z.B. "wie weise isfes nicht, dafs
die Lebenslnft in der Atmosphäre nicht rein
vorhanden ist;, weil sonstdie Lebenskraft
der Thiere, schnell wie eine Flamme! sich
verzehren würde. Aber wenn die Atmo
sphäre reine Lebensluft wäre , so mnfsten
ganz nothwendig, und aus derselben Ursache
warum die Atmosphäre reine Lebensluft wä
re, auch die Organisationen der Erde ver-
hültnifsmäfsig anders beschaffen , d. h. einer
reinem Luft empfanglich seyn. Das wechsel
seitige Zusammentreffen der organischen -'und
der anogischen Natur kann also nur aus ei
nem gemeinschaftlichen physicalischen Ur
sprung beider, d. h. daraus erklärt werden,
dafs beide ursprünglich nur. Ein Product
sind}. . -,

Aber sie sind sich entgegengesetzt. Entge


gengesetzte aber können sich nicht vereinigsn,
als nur insofern sie einem dritten höheren wie
der gemeinschaftlich entgegengesetzt sind.
Aber im Act der Entgegensetzung scheidet sich
Innres von Aeufsrem, Es müfste also die Or
ganisation und ihre Aufsenwelt in Bezug auf
ein andres Aeufsres zusammen wieder ein Innres,
d.h. wieder Ein Organische» seyn. Diefs wäre
aber nur auf folgende Art vorstellbar. — Das Or
ganische setzt eine Aufsenwelt, ' und zwar eine
Aufsenwelt voraus, die eine bestimmte, per
manente Thätigkeit gegen das Organische aus
übt. Nun könnte ja aber diese Thätigkeit der
Aufsenwelt selbst wieder eine erregte seyn , und
dafs sie permanent ist, ist .sogar nicht anders
erklärbar, als durch ein beständiges Erregtwer
den. —. Also setzte die anprgische Aufsenwelt
selbst wieder eine andre Aufsenwelt voraus , . in '
Bezug auf welche sie ein Innres wäre. Da nun
die Thätigkeit des ursprünglich Organischen al
lein durch ..die entgegenatrebende Thátrgkáit
seiner Aufsenwelt erregt wird , diese selbst aber
wiederum durch eme (in Bezug auf sie) äufsre
Thätigkeit unterhalten wird, so wäre das ur
sprünglich Organische zusammt der Aufsenwelt,
welcher es eich unmittelbar entgegensetzt, wie
der gemeinschaftlich- entgegengesetzt einem drit
ten, d. h. wieder gemqjnschaj-tlich cía Innres, in
Bezug auf ein drittes Aeufseres.

Das ursprünglich Organische nun ist unmit


telbar bedingt durch seine anorgische Aufsen
welt, dieses also treibt uns nicht weiter auf ein
drittes. Es müfste sich also zeigen .lassen,
dafs das Anorgische als solehes , seiner Natur
nach nicht bestehen kann ohne ein Aeufsres,
das auf ihn Einflufs hat , auch müfste die Art
dieses Einflusses selbst bestimmt werden.
Diefs ist der Gegenstand der folgenden Unter-
suchung-

Die
Die Natttr des Anorgischen mufs durch den
Gegensatz gegen die Natur des^ Organischen be
stimmbar seyn. Wenn wir nun von allem, Was wir
dem Organischen zugeschrieben haben ; dem Anor-
gischen das Gegentheil beilegen , so erhalten wir
folgende Bestimmungen. ¿

Wenn in der organischen Natur nur die Gat


tung fixirt ist, so mufs in der anorgischen gerade
umgekehrt das Individuelle fixirt seyn. Aber das
Individuelle ist selbst nur bestimmbar im Gegen
satz gegen die Gattung, es wird also auch nichts
wahrhaft Individuelles in ihr seyn können. Es
wird keine Reproduction der Gattung durch das
Individuum stattfinden. ' Die Extreme werden in
ihr nicht wie in der organischen Natur sich berüh
ren, sondern sich fliehen. Die Materie in ihr wird
sich auf der Einen Seite in das absolut Indecompo-
taible, auf der andern in das absolut Incomponible
verlieren. Aber es soll zwischen ihr und der orga
nischen Natur eine unmittelbare Berührung mög
lich seyn. Es werden also in ihr gewisse Zwischen
materien seyn, in welchen das Indecompouible mit
dem Inçomponibeln , (dem jibsolutfiüssigen) ver
bunden ist, aber diese Materieh 'müssen .ohne alle
Gestaltung seyn, denn auf das Organische kann
nur das Gestaltlose (das Gestaltbare) unmütelbar
einfliefsen (Luftarten, überhaupt Flüssigkeiten).
Es wird also in ihr eine Mannichfaltigkeit von Ma
terien
■ "" . 97

teñen sèyn , aber zwischen diesen Materien wird ein


blofsesNeben-undAufstereinander statt finden. Kurz;
die anorgische Natur ist blofs Blasse,
Aber diese Materien, ebendeswegen, weil kei
ne wechselseitige Verschmelzung (keine Intussus
ception) zwischen ihnen möglich ist, müssen doch
. durch irgend eine änJsereUrsaehe zusammengehalten
werden; dies wäre nicht möglich, uls wenn etwa eine
Hufsere Ursache in diesen Materien bis auf ihre klein
sten Theile herab "eine wechselseitige Tendenz zur
-Intussusception unterhielte , (wo es aber doch im
mer nur hei der Tendenz bliebe). Eine äufsere Ursa,
che müfste es seyn , weil in diesen Materien keine
eigne (organische) Tendenz zur wechselseitigen In
tussusception seyn kann.
Aber so wäre] diese anorgische Masse in Bezug
auf jenes Aeufsere, das jene Tendenz unterhielt, selbst
wieder ein Innres, sonach ein Organisches, d« h,
tin — wenn nicht actu doch potentia Organi.
»ches, das nämlich immer organisirt wird, und nie
organisirt ist, (weil es bei der blofsen Tendenz bleibt),
' Abet was in Bezug auf das Organische ein Aeuß
feres ist, ist ein Anorgisches- Also müfste jene
äufsre Ursache, selbft wieder anorgisch , d. h, selbst
Wieder nur Masse feyn.
Aber damit sie Mafse d. h, ein Neben- und
Aufseteinander onne wirkliche Verbindung sey, bedarf
. ti wiederum einer andern aufsern Ursache, die
ö durch
-I
durch ihren Einflufs in allen ihren Theilen die Ten,
denz zur wechselseitigen Combination unterhält, oh
ne dafs es doch je zur Combination selbst käme, und ,
so in's Unendliche fort. ¡
Ins Unendliche fort also soll eine Masse so auf
die andre inftuiren, dafs ihre Theile alle eine gemein
schaftliche Tendenz gegen einander haben, tV.ese In- *
fluenzmufs sich also bis auf die kl ein (ten Theile der
Materie ersirecken, oder ihre Intensität mufs durch
aus der Masse proportional seyn. ,••.'

Aber jede Influenz ist auch nothwendig eine be-


stimmte in Ansehung ihrer Intensität, oder, (weil der
Grad der Intensität einer Ursache durch die Exten
sion gemessen wird, in der sie wirkt,) sie kann nur
innerhalb eines bestimmten Raums mit einem gewis
sen Grad wirksam seyn, dieser Raum kann nun so
grofs oder so klein angenommen werden , als man-
will, nur dafs es, wenn er immerfort erweitert würde,
zu einer Ausdehnung kommen könnte, bei welcher
der Grad der Wirkung jener Influenz ein evanesci-
render wäre.
Soll also Masse. auf Masse mit einem gewissen
Grade influiren, so mufs auch das Ilaumverhältnifs-
dieser Massen gegen einander bestimmt seyn_, d. h.
sie müssen in einer gewissen Nähe oder Feme von
einander erhalten werden.
Dieses Raumverhähnifs nun zu erklären, lassen
sich zwei einander eulgegengesetzte Systeme denken.
*
Erstes
Erste s Sy stem.
i) Entweder werden jene Massen durch einen äuf
fern Impuls gegen einander getrieben. 'Was
sie treibt, könnte nicht selbst zu der anorgi-
echen Masse gehören. Es müfste àm- Erste in
der Natur seyn. Man denke sich also den
leereu Raum ursprünglich erfüllt, mit den ein
fachsten Elementen , welche weiter zu zerlegen
keine Natutkraft Gewalt genug hat. — Diefe
letzten Elemente Seyen in ursprünglicher Bewe
gung, und zwar bewegen sie sich nach allen
Richtungen, aber nnr in gerader unveränderter
Richtung, (zu dieser Annahme wird man getrie
ben durch die Analogie der sichtbaren Materien,
in welchen eine ursprüngliche Bewegung ist,
(des Lichts z. B, , der positiven electrischen
Materie u. as).

Nun schwebe in dem Räume in irgend einem be


liebigen Punkt eine jener Maasen , sie seye sphä
risch, natürlich dafs sie unendlich gröfser ist, als
irgend eines der Elemente. Auf sie treffe der
Strom der ersten Körperchen, der Strom wird
aufgehalten. Da gegen die Masse eine unend
liche Menge anstöfst, so wird sie eine gewisse
Geschwindigkeit erlangen — aber die Elemente
bewegen sich nach allen Richtungen, jedem
Strom kommt ein andrer entgegen. Die Masse
also , von entgegengesetzten Seiten gleich- stark
angeílofsen , wird ruhe«. Aber man setze in
den Raum die andere grofse Masse , so dienen
sich beide, wechselseitig als Schirm gegen
den Atomenstrom , jede trifft nur Ein Strom,
jede von der der andern entgegenesetzten Sei
te, aie werden also gegen einander getrieben
werden, und so gegen einander graviUren;
nun setze man, dafs jede Masse ursprüng
lich eine eigne Bewegung habe, vermöge wel
cher tie sich in gerader Linie fortbewegen wür
de , so wird aus beiden Bewegungen , der ur
sprünglichen und der mitgetheilten eine dritte
entftehen , und die Massen werden in gewisser
Entfernung von einander in Kreislinien sich
bewegen.
— Von metaphysischen Einwürfen gegen diese
Lehre wird bei'm zweiten System die Rede wer
den. Hier nur von solchen, die physicalisch
»ind! —
J3ie Atomen treffen die Massen wie Hagelkörjier,
d. h. nur die Oberfläche, allein ihre Gravitation
gegen einander soll durchaus der ßlasse propor
tional seyn." — Aber wenn nun jeder einzelne
Atom der Masse unter den Atomen der schwer
machenden Materie sein Element hätte, das
ihn träfe und treffen müfste — wenn so die Ma
terie bis auf ihre üufsersten Tbeile herab vom
Strom getroffen würde? Die Möglichkeit kann
nicht geläugnet werden , da fichibate Materien
Körper bis auf ihre kleinsten Elemente durchdrin
gen
gen, wie Wärmestoff u. a. , und die härtesten
Substanzen für riele Materien, das Licht z, B.,
durchsichtig sind. Nun wird überdies nicht be
hauptet, dafs für die schwermachende Materie
irgend ein Körper durchsichtig sey, sondern
vielmehr, dafs jeder Atom des Körpers für ir
gend einen der schwermachenden Materie un
durchsichtig sey, es wird also weniger postulirt,
als eingeräumt wird. — „Aber so müfste jeder Kört
per endlich anMasse zunehmen also auch schwerer
werden."*— Wozu die durch die Impenetrabi-
lität der Körper aufgehaltnen schwermachenden
Körperchen verwandt werden, wissen wir nicht;
an der Oberfläche der ganzen Erde, die auf je
dem Punkte magnetisch ist, vielleicht zum Ma
gnetismus. Vielleicht dafs sie allen Körpern die
elcctrische Beschaffenheit giebt, so wie es schei
nen könnte! dafs von der Oberfläche der Sonne der
schwermachende Strom als Lichtstrom zurück,
kehre. Gesetzt aber auch endlich — aber wel« ,
ches endlich ! die Erde z¡ B. wachse an Masse,
so wächst jede andre Masse verhältnifsmäfsig. —
uAber die Intensität der - Schwerkraft" ! —
Aber die Quantität der Bewegung ietauch das Pro
dukt der Geschwindigkeit in die Masse, wie der
Masse in die Geschwindigkeit. Die Geschwin
digkeit der Ströme aber kann als einer unendli
chen nahe angenommen werden. — „Aber je
nes Gesetz hat Gränzen, i. B. das Licht, so
schnell es sich bewegt, hat kein Moment des
G 3 Stofr
Stofses". Aber die. Geschwindigkeit; der Llcht-
action die in bestimmten Zahlen eich ausdrucken
lä/st, ist incoiprnensurabel rait deï Geschwindig
keit dßr. Action der Schwere, (wie an jedem He
bel »ich beweisen läfit). ,, • ,: • t
Wie wenn nun noch, überdies aller Kqrperelemente
ursprünglichste Affinität die Affinität gepen.ienes
Princip wäre, áíid wenn allеan.dfe;Affinitäteti
blofs abgeleitete т— nnd die letate Ursache der
Schwere auch -die letz te Ursache, aller chemischen
Affmität wäre- —'> •.'• /• -• -tsi;. ,
(Dieser grofse Gedanke liegt wirklieb in le Sage's
1 , System. Zwar sagt er an einer Stelle: „Die
allgemeine Gravitation könne die -Erscheinun
gen der tVerwand Schäften nicht vollkommen
erklären, man müsse daher die wahren che-'
. mischen Verwandschafterr, die nicht von Ge
setzen noch von der Ursache der allgemeinen
.»i.i.»rSchwere abhängig sind, von den uneigentlich
. sogenannten Verwandschaften, dienur beson-
. . :dre Fälle des -allgemeinen Phänomens der An-
— .j? Ziehung seyen oder wenigstens denselben Ge-
! setzen, wie dieses, folgen, wohl unterscheiden."
Allèint- nurr,sdafe die Ursache der Schwere
"' Vi nicht .unmittelbar. Ursache der chemischen Af^
finitäten seye, folgt daraus. Denn diese
sucht le Sage in einem secundaren Fluidum,
A -.• dem Aether und seinen Agitationen, die ihm
, ' doch durch das schwermachende Princip. ein-
1 gedrüchtwertlenO . '. -
, — So'
v— so würde der schwermachende Strom ieden
einzelnen Atom jedes einzelnen Körpers treffen
was bein Lichte nicht der Fall ist.
"Aber woher jener unerschöpfliche Strom, von
wannen kommt er, und was unterhält ihn be
ständig? Hier mufs es dem Physiker erlkubt
seyn , die allgemeine Unwissenheit in Anse
hung der letzten Ursachen anzuklagen —
und so endet dieses System- mit dem Uner-
Mürbareri, indefs es innerhalb seiner Grenzen
alle Phänomene und die Gesetze der allge-
; meinen Gravitation so gut erklärt und so evi
dent ableitet als irgend ein anders.

Zweites S у steift
2) Es existirt überhaupt kein materielles Princip
der Gravitation, das Princip der Schwere ist
ein immaterielles, eine Grur'idkraft aller Ma
terie.
Da diese Theorie der Newtonianer, (denn
Newton war unentschieden), keine physikali
schen Gründe für sich haben kann, so müssen es
metafthjiische seyn, die es doch erst neuerdings
erhalten hat.
Es sind folgende.
Zur Construction jeder Materie gehören ursprüng
lich entgegengesetzte Kräfte. Denndafs die Ma
terie einen Raum erfüllt, kann nur aus einer
G 4 nach
104 ' ■"

nach allen Dimensionen repulsiven Kraft, begfif-


. fen werden. Allein wenn dieser Repulsion nicht
eine andere Kraft Einhalt thäte, so würde die
Materie in's unendliche, sich zerstreuen, so dafe
in jedem gegebenen Raume nur ein unendlich
fsleines Quantum von Materie, oder., weil
die Repulsivkraft im umgekehrten Verhältnifs
ihrer Ausbreitung abnimmt, nur eine unendlich
kleine Resistenz angetroffen würde. Jener Ein
halt kann nun nicht abermals durch eine in ent
gegengesetzter Richtung kommende Repulsion
geschehen. Denn wa es Richtung — wo es
also ein von wo und ein wohin giebt , ist schon
eine eingeschränkte Kraft. Es mufs also eine
zweite, von der ersten specifisch verschiedne
Kraft angenommen werden , welche in absolut
entgegengesetzter Richtung der repulsiven wirkt,
welche die unendliche Ausbreitung unmöglich
macht — Anziehungskraft.

Die Anziehungskraft ist also eine aller Materie


ala solcher, vermöge der blofsen Construction
ihres Begriffs nothwendige Kraft, . •

Da sie alle Materie,- als bestimmte Raumerfül


lung, sonach auch etwas Berührbares, erst mög
lich macht, enthält sie auch den Grund der Be
rührung selbst. Sie mufs also vor der Berüh
rung vorhergehen, also von ihr unabhängig
scyn, d, h. ihre Action hangt nicht von der Be
ruh
rühreng ab , sondern sie ist Wirbung durch, den
leeren Raum, .• . ; •
Da die Anziehungskraft auch über die Berührungs
fläche hinauswirkt, so ist sie eine durchdrin
gende Krait. . .
Die Wirkung der Anziehungskraft in die Ferne
kann zwar ins unendliche abnehmen , aber nie
ganz verschwinden. Ihre Wirkung ,erstreckt
sich also auf jeden Theil der Materie durch den
ganzen Weltraum ins unendliche. , ,'.
Dieallgemeine'Wirkungder Anziehungskraft," die sie
auf jeden Theil derMaterie in's Unendliche ausübt,
ist die Gravitation, die Action der Anziehungskraft
in einer bestimmten Richtung heifst die Schwere.
Die allgemeine Gravitation ist also ein ursprüngli
ches Phänomen, und die Anziehung aller Materie
unter sich reel, nicht blofs scheinbar, etwa ver
mittelst des Stofses einer andern Materie, Denn
man nehme an, diese Materie sey selbst nicht
schwer, so wird keine Kraft ihren Repulsivkräf-
ten Widerstand leisten, und sie wird in alle Un
endlichkeit sich zerstreuen. Da sie gleich wohl
von der andern Materie nur gradweise verschie
den ist, könnte sie durch -Herabsetzung auf tie
fere Stufen der Materie aümälig so schwer wer
den als irgend eine andre Materie, und umgekehrt
die specifisch schwerste Materie könnte zu
letzt in jene negativschwere übergehen, was
G 5 еich
'' widerspricht. Oder man setze, dafe sie selbe
schwer seye , so bedarf mar zur Erklärung der
Möglichkeit einer solchen selbst wieder einer ur
sprünglichen Anziehungskraft,
Es sind in diesem Systeme hauptsächlich fol
gende Sätze enthalten. . . . .f
•' '») Zur 'ursprünglichen ••Construction der Materie
bedürfe man ursprünglicher Grundkräfie. —
Ich behaupte aber, dafs man mit dieser Con
struction aus ursprünglichen Grundkräften nur
in der Mechanik (im weitern -Sinn des Worts,
d. h. insofern man die Materie blofs als Raum-
erfuilung überhauptbetrachtet), — aber nicht,
um die Bildung auch nur Einer Materie be
greiflich zu machen, ausreichen könne, weil
man nämlich in jenem Fall voп aller specifi-
schen Differenz der Materie abstrahirr, und
keine andre Verschiedenheit derselben als die
der verschiednen Grade ilner Dichtigkeit (d.
h. ihrer Raumerfüllung) in Betrachtung zieht,
wie das auch in Kaut's Naturmetaphysik der
Fall ist. Kant geht nämlich in diesem Werk
yon derri Produkt so wie es als ЫoTsе Raum
erfüllung gegeben ist aus. Da es nun als sol
ches keine andre Mannichfaltigkeit, als die der
verschiednen Grade der Ranrnerfüllung dar
bietet, so' kann es natürlich auch nicht anders
construirt werden, als aus zweien [Kräften,
deren variables Verhältnifs verschied;iе Dich-
tigkeitsgrade giebt. Denn eine andre speci-
iische Differenz der Materie kennt die Mecha
nik nicht, welche Construction dann auch recht
gut seyn mag, zu..erklärten,, warum eine Ma
terie speciiisch schwerer ist a}s die andre, nicht
aber um das Productive m der Materie begreif
lich zn machen, daher denn auch diese Prin
cipien in der Anwendung ein wahres Bley
für die Naturwissenschaft sind.
(Uebrigehs hat Kant in seiner Dynamik den
Begriff der Materie lediglich analytisch be
handelt, und sich wohl Mithalten, die Mög
lichkeit; einer Construction der Materie aue
jenen beiden Kräften begreiflich zumachen;
vielmehr scheint er diese, mehrernAeufserun-
gen nach, selbst fiir unmöglich zuhalten).
Unsre Philosophie geht., den gerade entge
gengesetzten Gang. Vom Produkt weifs
eie ursprünglich nichts, es ist für sie gar,
nicht. da¿ Ursprünglich weifs sie nur von
dem rein Productiven in der Natur. —
. (per4Corpuscularphilosoph hat vor dem so-
t genannten dynamischen Philosophen da
durch doch unendlich viel voraus , dafs er
durch seine Atomen , « deren jeder eine ur
sprüngliche Figur hat, etwas ursprünglich
Individuelles indie Natur bringt, nur dafs
diese Atomen, da sie selbst schon Product
sind, als Erstes oder Letztes in der Natur
un«
unrnöglich können eingeräumt werden, da*
•,her die Naturphilosophie an ihre Stelle ein
fache Actionen- d. h. da* Letzte in der Na
tur setzt,- . was ' rein produktiv 1st i ohne
Produkt" zu; Sreyn .— (hoffentlich hat man
durch die transcendental Betrachrtmgeart 'so
viel wenigstens gelernt, eine Thätigkeit oh
ne Substrat, 'und vor allem Substrat zu
denken) — welches (Vein Produktive) in der
Natur freilich nur ideell existirt , da es in
der unendlichen Evolution der Natur nie
bis zum Einfachen kommen kann, viel
mehr Alles — in's Unendliche noch Pro
dukt ist).

Um nun zu erklären, wie die Production der


Nafur ursprünglich auf ein Bestimmtes
gerichtet sey — wie also jede ursprüngli
che Action auf bestimmte Art productiv
»eye, welche» sich äufserlich durch Be
stimmtheit der Figur offenbaren würde —
tnufs allerdings in jener unendlich - pro-
ductiven Thätigkeit etwas Negatives ange
nommen werden, welches nun, wenn et
wa (vom höchsten Standpunkt angesehen)
alle productive Thätigkeit der Natur nur
unendliche Evolution aus.Einer ursprüng
lichen. Involution wäre , dasjenige seyn
müfste, was die Evolution der Natur hemmt;
was sie hindert bis zum Letzten ; das
nicht
nicht mehr Product ist, bu kommen, kurz
wie wir es oben (S. Ii.) bezeichnet haben,
ein' ursprünglich Ketardirindes.
. - - ' • _ .

'jeses 'Retardirende nun — oder, dafs die Natur


überhaupt mit endlicher Geschwindigkeit sich
evnlvir't,, und so überall . bestimmte Producte
(von bestimmter Synthesis) zeigt, zu erklären,
.wird allerdings als die höchste Aufgabe dar Na
turphilosophie erscheinen. , Aber nur auf dem
tiefsten Standpunkt , dem der Betrachtung
des Products, als blofser Raumerfüllung ,. wird,
jenes Retardirende als Anziehungskraft erschei
nen, können Nun dient aber überdiefs dieses Prin«
eip nur um das Endliche, das Bestimmte in der Na-
turproduetion überhaupt zu erklären , nicht
aber zu erklären, wie Ein Naturobject in Bezug
auf das andere endlich ist, wie z. B. die" Erde
gegen die Sonne schwer ist , indem jene Auf
gabe, das Endliche in der Naturproduction
überhaupt zu erklären, schon eine transcenden
tal Aufgabe ist, (wo man von der Idee der
Natur, als eines Ganzen , zum Einzelnen in ihr
herabsteigt), diese aber, wodurch dio Erde z,
B. gegen die Sonne schwer werde, eine rein -
physicalische Aufgabe ist, wo man vom einzel
nen in der Natur zum Gauzen aufsteigt^ wel
ches Aufsteigen aber ein unendliches Aufsteigen
ist, so dafs man nie genölhigt ist, bis zum
Letzten, wa» die' Natur überhaupt endlich
4 . macht,
macht, vorzudringen , indem _die Aufgabe im
mer eine bestimmte ist, anzugeben, nämlich,'
wie diese bestimmte Anzahl Körper sich zu ei
nem gemeinschaftlichen Syssem organisirt habe,
was freilich nicht möglich wäre, ohne ein leztes
Princip, das die Evolution der Natur' überhaupt
hemmt , oder ihi eine endliche Geschwindig-
keit giebt.
-Und hier kommen wir auf den zweiten Satz
des Systems , nämlich :
b) dafs- die Anziehungskraft welche zur Con
struction jeder endlichen Materie gehört,
dieselbe e.ey , welche noch aufserhalb ihrer
Sphäre in's unendliche wirke. Denn, sollte
- man denken, da dieser Grad der Anziehungs
kraft verwandt wird, um die Repulsivkraft
.; auf diesen bestimmten Theil des" Raums ein
zuschränken , so wird sie an dieser Repuliiv-
. kraft sich erschöpfen, und nicht auf andre
Materie aufser ihrer Sphäre noch anziehende
Wirkung ausüben , eine Schwierigkeit des
Systems, die unauflöslich ist.
(Man müfste denn alle Grad Verschiedenheit
allein in die Repulsivkraft setzennnd die At-
tractivkraft in- jedem Punkte des Raums als
gleich annehmen , so dafs sie durch keinen
Grad der Repulsivkraft- absolut erschöpft wür
de, welche Vorstellungsart aber-¡ wenigstens
. i ,., .i • . aus
Ill

•a-us Kants Dynamik, nicht kann begreif


gemacht werden, wovon späterhin ein Meh-
reres ! )
V* . 4 . . t ..
... Drittes mögliches Systesn.^
3) Wenn überall das entgegengesetzte zum dritten
wahren sich vereinigt, mufs es auch hier mög
lich seyn'.
Ein materielles Princip , das durch Stöfs die
Gravitation bewirkte, kann man sich nicht den
ken, weil man für ein solches Princip in derNatur-
wisenschaft keine Categorie hat, (da^es selbst
schwer und nichtschwer zugleich seyn müfste),
Dafs eine immaterielleKraft die Erde K.B.gägeh die
Sonne ziehe, davon ist abermals kein verstand-"
licher Begriff möglich. — (Nämlich dafs zuletzt
in der Natur etwas existire, wie Anziehungs
kraft sind wir weit entfernt zu läügnen. Aber
wir behaupten jede Anziehung in der Erfahrung
sey eine bestimmte und empirisch bestimmbare').
Es könnte aber in dem Phänomen der Schwere
allerdings etwas materielles empirisch, bestimm
bares seyn , wenn die Schwere -- (von dem
Letzten, was dieNatur überhaupt im — Innereien
— zusammenhält, isthier überall nicht die Bede),
wenn die Schwere der Erde z. B. gegen die Son
ne bedingt ware durch die wechselseitig sptcifi-
sehe Beschaffenheit. der Materien beider Massen.

Es
Es wäre aber zugleich etwas Immaterielles an die
sem Phänomen, insofern man zur Erklärung
desselben aufser jener allgemeinen specifischen
Beschaffenheit keines besondem schwermachen
den Principe bedürfte, sondern alle Materien
der Erde blofs vermöge einer ihnen gemein-
schüflialven -— aber im Gegensatz gegen
die Materien andrer Weltkörper specifischen
Beschaffenheit gegen die Sonne gravitirten,
obgleich vielleicht diese Beschaffenheit selbst
nur dnreli eine materielle Influenz der Sonne
unterhalten würde, welche Influenz aber dann
nur tfiittelbar Ursache der Schwere wäre.

Nun ist oben festgesetzt worden das was eine


Masse als ein blofees Aggregat aufser und neben
einander sich befindender Materien , zusammen
halte, müsse eben eine solche Influenz einer Mas
se aufser ihr seyn , die allen Theilen eine
wechselseilige Tendenz gegen einander igebe.
Diese wechselseitige Tendería aller Theile gegen
einander aber lä'fst sich wirklich , weil es doch
immer bei der Tendenz bleibt, und nie zur
Vereinigung kommt nicht anders erklären, als
durch eine gemeinschaftliche Tendenz aller zur
Vereinigung mit elnem/tíriííeH, wo denn ihre
wechselseitige Tendenz gegen einander nur
scheinbar wäre, ungefähr so, wie der Magnet
den Eisenfcilstäubchcn gegen einander eine re-.
gelmäfsige Stellung giebt. Diese gemeinschaft
liche
liehe Tendenz zur Vereinigung mit einem drit
ten nur ist dann da» bindende, was alle Theile
zusammenhält. Dieses dritte müfste nun noth-
wendig etwas ausser der Masse seyn, es müfs
te also bei der Erde z. B. die Sonne seyn. CSo
ist es auch nach der gemeinen Vorstellnngsärt,
nämlich, dafs Eine und dieselbe Ursache die
Theile der Erde gegen einander und gegen die
Sonne schwer macht). f

Es müfste also behauptet werden : die Son


ne influire so auf die Erde, dafs in'allen Theilen
der letztern eine gemeinschaftliche Tendenz
gegen alle Theile der Sonne entstehe . Wie ei
ne solche Tendenz .selbst möglich »eye, w.äre
dann ein neues Problem, dessen Auflösung aber
vorerst in's Unendliche zurückgeschoben werden,
harm. Denn dafs die Sonne durch ihre Influenz
eine solche gemeinschaftliche Tendenz in allen
Theilen der Erde hervorbringt mnfs gerade wie
der so erkläret werden, wie die gemeinschaftli.
che Tendenz aller Theile der Erde gegen einan
der erklärt wurde, nämlich durch die Influenz
einer dritten Masse auf die der Sonne, in Be-
zug>auf welche dann die Sonne sammt der Erde
(und ihren übrigen Trabanten) nur Einer Masse
gleich gilt die unter eich nur durch die gemein«
»chaflliche Tendenz z.ur Vereinigung mit einem
dritten zusammengehalten wird, (so wie alle ver-
еchiednen Materien der Lrde in Bezug auf die Son»
H U,
H —
ne, nur ein*r Masse gleich gelten, wodurch,
dann die Anziehung in's Unendliche nur scheinbar
wird, da es eigentlich immer nur die gemein
schaftliche Tendenz zur Vereinigung mit einem
Höhern ist, was Materien unter sich zusammen
hält, und ob sie gleich nur neben und aufser ein
ander .exigtiren, doch zu Einem Ganzen orga
nisât. . •' ' ,
* , '. ', , •
Was nun die letzte. Ursache dieser in's Unendliche
gehenden Tendenz aller Materien gegen ein
ander seye, davon bönnen wir hier füg
lich abstrahiren. .Nur soviel müssen wir aue
machen. DieÄction, welche jene gemeinschaftliche
Beschaffenheit/ unterhält, mufs der Fortpflan
zung fähig seyn, z. B. die Masse A. influire auf
В., so mufs damit A. und C. mittelbar gegen
einander gravitiren, die Influenz von A. auf С
durch B. fortgepflanzt werden können. Ferner :
dafs alle Materien der Erde bis auf ihre letzten
Theile, (d. h, in's Unendliche) die Tendenz ge
gen alle Theile der Sonne haben , ist nicht er
klärbar, ohne eine gemeinschaftliche Beschaf
fenheit in ihnen allen anzunehmen, in Ansehung
welcher aHe ihre sonstige specifische Differenz
verschwmdet und die selbst nur im Gegensatz
gegen die Materien andrer Weltkörper eine Jpe-
cißsche ist. Aber Wie sich die Theile der Erde
in Befcug auf die Sonne gegen einander verhalten,
so verhalten sich wiederum die Theile der
Erde
' ; MS
Erde und der Sonne gegen einande* in Bezug
auf ein höheres Drittes, d. h. aixch die Theile der
Erde und. der Sonne wieder müssen in Bezug auf
dieses Höhere eine gemeinschaftliche Beschaffen
heit haben, oder zu einer gemeinschaftlichen
yijfmilätssphäre *) gehören und so in's Unendli
che fort.

(Nor denke man hierbei noch gar nicht an eigentlich


. îAomïVA* AiKnitSt, (zuletzt freilich möchten die
chemische Affinität und jene höhere Affinität eine
gemeinschaftliche Wurzel haben) es ist aber
hier nur von einer Affinität, die das Neben-tiuâ
jiufsereinandcrseyn zur Folge hat, die Rede,
denn das Problem eben war, wie eine Menge von
Materie/- des blofsen Ceëxisbirens
• uneracluet zut
Einheitlich bilde?)

' ,H » , '. (Nun


'3 Ich finde diesen Ausdruck schön vom Tíetftl Itofrattt ,¡
Lichtenberg gebraucht.- Dieser Vortreffliche Naturfer«
teher macht in seinen neuesten Neuigkeiten vom Him»
niel darauf aufmerksam , dafs schon die Einwirkung
des Lichts auf uiureErde ivöd deren Atmosphäre ein Be
weis seye, von unsrerEintauchung in eine Affinität!«
Sphäre, und Schicht der Sonne, die mit der allgemei
nen Schwere nichts ta thtm, habe. —,' Wenn
nun aber die Schwere der Erde gegen die Sonne
ielbet schon eine Wirkung davon wäre, dafs 1) al
le Theile der Erde zu der höhern Aflmitätssphäre der
'Sonne, und a) beide die Etde und die Sonne ge
meinschaftlich zu einer noch hohem Affinitätssphäre
gehörten ? —
Nim könnte man aber, dafs alle Theile der Erde
in's Unendliche Mine gemeinschschaftliche Be
schaffenheit haben, nur daraus erklären , dafs
sie alle zusammen gemeinschaftlichen Ursprungs,
t d. h. ans einer und derselben ursprünglichen
Synthesis gleichsam niedergeschlagen wären,
und dafs die Materien der Erde mit denen der
Sonne wieder Eint gemeinschaftliche Beschaffen
heit haben, müfste wieder auf dieselbe Art er
klärt werden , nämlich dafs die Sonne mit allen
ihren Trabanten ein gemeinschaftlicher Nieder
schlag aus Einer höhern Zusammensetzung wä
re, und so in's Unendliche fort.

(Oden man denke sich, dafs alle, Weltkörper nur


die Splitter Einer unendlichen Masse, und
die verschiednen Materien auf ihnen selbst
.wieder nur Splitter dieser Einen Masse sind, zu
der sie gehören. —• Da ich dieser Vorstellungs
art пur im Vorbeigehn erwähne, so kann ich
mich wohl auch auf das noch unerklärte berufen,
.wie nämlich das blofse Berührthaben zweier ver
schiednen Körperihnen auf immer oderauf lange
, Zeit wenigstens eine gemeinschaftliche Beschaf
fenheit mittheilt, wie bei'm Galvanismus ein
Metall demandera, und noch weiianffallender —
wie der unendlich fruchtbare Magnet dem Ei
sen, wo gleichsam ein Contagium im Spiel ist,
das die Alten bedeutend das Göttliche genannt
haben, weil es wie ein Zauber wirkt.) ¿—
Ueber
Ueberhaupt wenn die Gravitation íweíer Massen
gegen einander in einem ihnen gcmeiuschccftli-
«AeizPrincip liegt, so mufs diese* Gemeinschaft
liche bis in's Unendliche (so weit die mechani
sche Theilnng geht) sich erstrecken . weil sonst
die Propartion der. Masse und der Gravitation
unerklärt bleibt. Dafe rmn in einer unendlichen
Menge von Materie eine gemeinschaftliche,' bis
in's unendliche gehende Beschaffenheit aller
Theile überhaupt möglich seye, (denn dafs sie
nothivendig ist, möchte sich a priori beweisen
lassen,) kann man nicht aus Erfahrungagründen
" bezweifeln , denn der Magnet z. B, wie der neu
gefundne magnetische Serpentinstein zeigen bis
in'S Unendliche Polarität. Es ist nicht zu leug
nen , dafs der Magnetismus unsre Erdkugel bis
auf das kleinste Stäubchen durchdringt — (Man
richte in unsrer Hemisphärcj eine eiserne Stan
ge pcrpendiculär über der Erde auf, und
lasse sie eine Zeitlang in dieser Stellung,
so erhält sie an dem ч!еr Erde zugekehrten
Ende den Südpol, an dem entgegengesetzten den
jNord[)ol. Das umgekehrte wird in der südli
chen Hemisphäre geschehen) — und doch wür-
, den wir vom Magnetismus nichts wiesen, wenn
nicht (warum? -ist unerforjcht) zwei einzelne
Substanzen aus dieser allgemeinen Sphäre de*
Magnetismus herausträten , und einen besou-
dera Magnetiemui unter sich bildeten.

H 3 Se
»*8
So wie nun der Magnetismus voп Лет allgemeine»
Anziehungskraft in allen Systemen der Physik
" unterschieden, und als eine empirische also auch
empirisch - bestimmbare Beschaffenheit der
Materie angekommen wird, kann nicht ebenso
eine noch. höhere, deswegen aber immernoch von
der allgemeinen Anziehungskraft weit entlegene,
d h. immer noch empirische Bestimmung aller Ma
terie nnsrer Erde, die bis auf jeden Atom »ich
erstreckt , Ursache ihrer Gravitation gegen die
Sonne seyn ?
Es is,t schon anderwärts bemerktworden,(V.derWeltS. .
S. 175,), dafs der durch Sonneinflufs erregte
Magnetismus der Erdkugel der einzige Schim
mer von Hoffnung seye, auch die Gravitation
der Erde gegen die Sonne noch materiell zu, ma
chen, nicht als ob ich geglaubt hatte, dafs die
Ursache des Magnetismus identisch mit der Ur-t
sache der Schwere seye, (obgleich einen Zusam
menhang beider zu vermuthen sehr natürlich
ist), sondern weil ich darinn etwas Analoges,
nämlich (fine aller Materie unsrer Erde bis in's
Unendliche eigne, doch immer noch empirischeBe-
stimmung erkannte.
Nun istes aber auch sehr begreiflich, da fs ebendeswe«
gen, weil nach der Voraussetzung selbst, jene
empirische Beschaffenheit der Materie, welche
Ursache der Schwere ist, in's Unendliche geht,
sonach auch kein Körper existirt, dem man diese
B»-
Beschaffenheit erst mittheilen könnte, als welches
nothwendig dazugehört, um eine Beschafteuheit
tnit Experimenten zu erforschen, über die Ursache
der Schwere unsrer Erde gegen die Sonne oder der
Theile der Erde gegen sich selbst, niemals et
iras auf empirischem Wege kann ausgemacht
werden).

Obgleich, dafs überhaupt die Schwere, a. B. in


unseremPIaneter^ystem,empirischeBetlingungen
habe, gar wohl bewiesen werden könnte, da be
reits allgemeine Phänomene bekannt sind , die
solche empirische Bedingungen der Attraction an
deuten , wie z. B, dafs alle Nebenplaneten ihren
Hauptplaneten immer dieselbe Seite zukehren.
Der Blick in den innersten Bau des Himmels
hat HerscheVn auf den Gedanken gebracht, dafs
sehr mannichfahige Centralkräfte (nicht. Eine
Kraft nur) dem Universum seine Ordnung ge
geben haben. — Wenn selbst der Unterschied
der Weltgegenden , z. B. von Süden und Nor
den, aufhört ein blofs mathematischer Unter
schied zu seyn und man allmählig auf die Idee
kommt, dafs eine physische allgemein durch das
ganze Sonnensystem wirkende Ursache diesen
Unterschied zuerst gestiftet, *) warum sollte nicht
H 4 ,' -end-
*) Eine Idee von Franklin, den darauf wohl zuerst das
Phänomen des Magnetismus gebracht hat. ELnoIibe
die nun £nack einer neuem Bemerkung) durch tlie
gro
endlich auch dic Attraction aus einem blofs mathe
matischen in ein physicalisehes Phänomen über
gehen ?
l
Dem Ursprung der Schwere also würde vorerst hi
storisch, d. h. in der Geschichte der allgemei
nen Weltbildung nachgeforscht werden müssen.
Hier hat man nun volle Freiheit den ursprüng
lichsten Zustand der Natur ent weder als eine all
gemeine Auflösung der W*ltmaterie in dunstar
tiger Gestalt anzunehmen, wie Kant, wobei
man doch das Universum auf gewisse Art als
präformirt annehmen kann , indem man theils
•in den ursprünglichen Elementen eine unendlich
mannichfaltigeVerschiedeñheit voraussetzt, theils
in bestimmte Weiten voneinander — (z. B. in
die Sonnen weiten des jetzigen Systems) die dich
testen Elemente setzt, um welche {als Kern)
eich die Materie bei den ersten Regungen der
allgemeinen Affinität anlegen und zu Centralkör-
pern verdichten konnte. Allein es ergehet. diesem
System des mechanischen Welturspmngs nicht
hesser als dem Alt- Epicuriscben mit dem Clina-
men der Atomen; denn es kann weder den An
fang derCentrifngalbewegung, (noch auch die
Regelmäfsigkeit derselben, dafs ». B. alle Plane
ten Eine und dieselbe Richtung genommen ha
ben,
• * -»
grofstn Verschiedenheiten der beiden Halbkugelnimf
unsrer Erde nicht nur, sondern nach im Monde uná
еwcien andern FWete» giuUe JJestiügiuig erhalt.
ben, ' befriedigend erklären. jKan?s Vorstel»
lungsart hierüber itt folgende. Erstens, dafe
die senkrechte Bewegung der zum Mittelpunkt
fallenden Partikeln überhaupt in eine Seitenbe
wegung ausschlug, kommt von den zurücksto-
fsenden Kräften der Materie her, welche allein
durch ihren. Streit mit den Anziehungskräften
ein dauerhaftes Leben in die Natur bringen*
Durch diesе Zürückstofsungskräfte , die sich z.
B. in der Elasticität der Dünste u. s. w. äufsern,
werden die sinkenden Elemente wechselseitig
durch einander von der geradlinichten Bewegung
eeitwärts gelenkt, und der senkrechte Fall schlägt
in Kreisbewegungen aus, die den Mittelpunkt
der allgemeinen Senkung nmfassen. — Allein
mau bemerkt leicht, dafs in diesen zurücksto-
fsenden Kräften bei weitem nicht jene Regclmä-
fsigkeit lie^jfc, diein den Ceatrifugalbewegungen
der Weltkörper bemerkt wird, und durch Wir
kung derselben sollten sich eher entgegengesetzt
te Seitenbewegungen, als Bewegungen nach £»-
ner bestimmten Richtung (a. B. von Abend ge
gen Morgen) gebildet haben. Nun läfstsich wohl
denken, dafe, wenn um den Mittelpunkt der
Senkung in'gröfsern oder geringem Entfernungen
Wirbel sich gebildet haben, in welchen jede»
Theilchen für sich eine krumme Linie beschrieb,
diese Theileh'en durch ihre Bewegungen uhtet
einander sich so lange einschränken konnten,
bis sie alle nach Einer Richtung fortgiengen,
H 5 • »Ь
Lit '

allein es isthier dem Zufall allzuviel eingeräumt,


infiera jene Gleichheit der Richtung wenigstenе
... , in unserm- Planetensystem , (ausgenommen die
Bewegungen der Cometen) eine viel bestimmte
re und mächtigere Ursache voraussetzt, dieihnen
diese Bewegung eingediückt hat.
Aber auch abgesehen davon , so¿¿st mit mechani-
k" schert Erklärungen des Weltursprtmgs überhaupt
.:: ..' nichts auszurichten, wenn die Natur ins unend
liche ale Product mufs angesehen werden, in
welchem Fall ihre Bildung durchaus nur organi
scher Art seyn kann. Da wir aber hier in der
» "• Region der blofsen Möglichkeiten uns befinden,
so wollen wir solange, bis *wir imsrе' Mög-
n- lichkeiten an Wirklichkeiten anknüpfen,
und so auf diesem weiten Meer \vott
Meinungen tins orientiren können, unsreGedan-
' 4 ken hierüber auch als blofse №.¿Iichkeiten vor-
tragen.
Es entsteht also die Frage, ob man sich den Ur
sprung des Weltsystems nicht mehr organisch
als mechanisch, durch einen Wechsel von Aus
dehnung und Zusammenziehung, als wodurch
alle organische Bildung geschieht, denken sol
le? Man könnte annehmen dafs durch Eine, von
Einem Punkte ausgehende, durch einen unermefs-
lich grofsen Theil des Raums, worinn der Urstoff
der Welt verbreitet war, zugleich sich erstrekende
Zusammenziehung der erste Anfang zur Bildung
geschehen.dafs aber zugleich mit dieser, allgemei.
псаAneignung, welche jener EintPunkt auf die ge.
sammte in einem unendlichen Raum verbreitete
Materie ausübte , eine entgegengesetzte Wirkung
eintrat; nämlich, dafs er Materien von en tgegen-
gesetzterBeschaiTenheitaus seiner Bildungssphä-
re stiefe , und dafs auf solche Art der allgemei
ne Procefs der Bildung, gleich an mehrern Punk
ten zugleich begann. Da überhaupt feeine An
eignung ohne Aussonderung möglich ist, und
beides in jeder organischen Bildung eigentlich
пш Mine Operation ist, so könnte man sich vor
stellen , dafs jener Eine Punkt, in dem Verhalt-
nifs, in welchem er sich selbst durch Aneignung
bildete, zugleich ganze Massen ansgestofsen ha
be mit einer Gewalt, die man den ersten , noch
jugendlichen nud unverbrauchten Kräften det
Natur als proportional annehmen kann. Zwi
schen der ursprunglichen , und den ausgestofs-
nen Massen nun müfste eine gemeinschaftliche
Affinität stattgefunden haben, weil hie sonst nie
gegen Einen Punkt sich hätten zusammenziehen
Können , aber die ursprüngliche Masse bildete
(indem sie einen Theil ihrer Materie ausstiefs,)
sogleich eineewg'»reAffinitätssphäre. Aber ist diefs,
mufste dann nicht jene Bildung immer engerer
Sphären der Affinität in's Unendliche gehen, und
ist nicht eben diese in's Unendliche gehende Orga
nisation der Urspjung des ganzen Weltsystems?

Um
Um diese Idee weiter zu verfolgen , betrachte
man die erste sieb bildende Masse als das ur
sprünglichste Product , als ein Product also,
das in1 s unendliche fort in neue Producte zer
fallen kann, welches ohnehin die Eigenschaft je
des Naturprodncts ist. — (Auch könnte man
alle durch den Weltraum verbreitete Materie
erst durch diese Masse , (gleichsam als das Feu
er) , gehen lassen, damit sie die gemein
schaftliche Beschaffenheit erlangte, welche
nachherdie Ursache der allgemeinenTendenz aller
Materie gegen einander seyn wird ., obgleich
' man dieser Hypothese nicht bedarf). —. lene
ursprüngliche Masse wird also als das erste
Naturproduct (nach den Gesetzen aller Synthe
sis) zunächst in entgegengesetzte Factoren
zerfallen , die aber noihwendig selbst wieder
¿Producto sind. So werden sich anfänglich
drei ursprüngliche Massen, als der erste Entwurf
des nur noch im Keim vorhandnen Universums
bilden, aber drei Massen siud es auch, welche
allein unter eich ein System der Gravitation
bilden können; denn setzen wir etwa zwo ur<
»prüngliche Massen,- die einander gleich seyn,
60 werden sie sich (vorausgesetzt, dafs ihnen
. , noch keine Centrifugalbewegung eingedruckt ist,
, ' die auch noch nicht abgeleitet ist , ) wechselsei
tig einander nähern und in Eine Masse überge
hen , oder setzen wir beide ungleich , so wird >
die eine die andere in ihre Sphäre ziehen , und
; .. ' bei-

/
beide werden abermals in Eine Masse zusam
men schwind en. Setzen wir dagegen drei ur
sprüngliche Massen A , B5 C, wovon die eine
A , gleich ist der Summe der beiden übrigen
Massen (dergleichen etwas den wahrscheinlich
sten Berechnungen nach in unserm Sonnen
system wirklich Statt hat), so wird in einem sol
chen System ein Gleichgewicht möglich , es
wird aber 'auch in demselben allein jene zu
gleich mittelbare und unmittelbare Wechsel
wirkung möglich seyn, die zu jedem geschlofsnen
System gehört. Denn indem z.B,die Wirkung,
von A auf B durch С gestört wird , wird
hinwiederum die Wirkung von С auf A durch
B und in demselben untheilbaren Augenblick
die Wirkung von B auf С wieder durch A ge
stört, wo dann jener Kreislauf neu, von vorne,
beginnt, ohne dafs man sagen könnte, wo er
angefangen habe , noch wo er ende. (Id. x.
Ph. d. N. S. 98).

(Man kann auch zum voraus wohl sagen , dafs


wenn die Natur überhaupt nicht durch Zusam
mensetzung, sondern durch Evolution entsteht,
und wenn überall erst aus dem Product seine Bc-
etandtheiie entspringen, durch die ganze Natur
ein solches allgemeines Zerfallen jeder Einheit i:i
entgegengesetzte Factoren .statt finden mufs. —
Bei'm Qalvanismus ist jenenothwendige Dreibeil
nun sogar all Gesetz aufgestellt).
Die
Die erste Masse also mufste in dem Verb'áltnife,
als sie sich bildete, einen Antagonismus des
Gleichgewicht» veranstalten, d. h, sie mufste in
ihre entgegengesetzten Factoren sich trennen, und «
, nur das Qtmeins ehaßt liehe für beide behalten
Aber war es etwa andere mit diesen beiden? (Man
bezeichne sie durch B und C). , Jeder dieser Fa
ctoren ist selbst wieder Product, jeder also muís
wieder in entgegengesetzte Factoren zerfallen.
Man bezeichne die Factoren vom B durch a, b,
so waren a und b wechselseitig sich entgegenge
setzt in Bezug auf die niedrere Bildungssphäre,
die sie einnahmen, aber einander gleich in Be
zug auf ihr gemeinschaftliches Princip, das in
B als dem Höhern lag. Aber ebenso ist es auch
mit B und С. Beide sind eich wechselseitig entge
gengesetzt unter einander, aber sich gleich in
Bezug auf das höhere А , ihre gemeinschaftliche
Synthesis. Aber wo wird endlich jenes Zerfallen
in entgegengesetzte Factoren aufhören? — Und
6owüfsten wir denn vorerst, inwiefern alle Mate
rie Eines Systems eine gemeinsckafl liehe Beschaf
fenheit hat. Nämlich, je zwei Producte der
selben, Bildungssphäre sind sich Untereinander
entgegengesetzt , aber sich gleich in Bezug auf
die höhere Bildungssphäre, aus der sie abstam
men. Das gemeinschaftlichePrincip ist also we-
der im Einen noch im Andern, (dennsiesind sich
entgegengesetzt), wohl aber in beiden zusam
men d. h. in ihrer gemeinschaftlichen Synthesis
— (ihrer Sonne z. B. , in welche sie einst beide
zurückkehren werden) — enthalten. Und so
wäre denn auch durch eine ganz nothwendige
SchlufsfoJge, ('nämlich weil wir unter keiner an.-
dem Bedingung das Universum als organisirt,
und organisch entstanden , uns denken können)
— abgeleitet, woher die allgemeine JDu ali
tât in der Natur abstamme, nämlich sie ist aurth
die allgemeine Gravitation in die Natur gekom
men, falso nicht ihre Ursache) und die* ist denn
auch eine von den Wirklichkeitens woran wir
unsre ersten Möglichkeiten anknüpfen, und so
herzhafter fortschliefsen können,

Wir behaupten also , das Universum habe zuerst


von Einer in Bildung begriffnen , Masse zu ei
nem System von drei ursprünglichen Massen,
und von diesen aus , durch eine in's Unend
liche gebende Organisation -(oder Bildung im
mer engerer Verwandechaftssphären ) vermit
telst einer immer fortgehenden Explosion sich
selbst hervorgebracht. Wurde nun jeder aus der
Centralmasse gestofsne Körper seiner Natur nach
und noth wendig, wieder ein Centraikörper, der in
entgegengesetzte Producte sich zersetzen müfste,
so mufs auch jedes System im Universum auf
drei ursprüngliche Massen sich reduciren' las
sen. Dafs das System mehrere, bei Sonnensyste
men unendlich mehr Körper Käblt, raufs aus
der ungleichen Kraft , womit die Explosion j;e-
eche
schehen erklärt werden , welcher Satz , wenn
er nur durch die Betrachtung nnsers Sonnen?
eystems Bestätigung erhält , die Analogie , d.h.
einen allgemeingültigen Grund für eich hat.

Wennman also annimmt, dafs die vomCentralpunct


entferntesten Körper durch die erste Kraft der
Sonne explodirt wurden, so sind offenbar die
drei entferntesten Planeten unsere Sonnensy
stems von gemeinschaj ilicher , Mars aber, des
sen Abstand von Jupirer so unverhältnifsmäfsig
grofs ist von der zweiten, minder kräftigen,
Explosion. — Aber jener Abschnitt zwischen
Jupiter und Mars ist nicht blofs durch dea
Zwischenraum beider, sondern durch eine noch
weit auffallendere Verschiedenheit gemacht.
Die Excentricität der Bewegungen nämlich mufs
offenbar abnehmen im umgekehrten Verhältnifs
der Sonnennähe, weil im Verhältnifs der grö-
fseren Entfernung die durch Explosion ei-
. nem Körper eingedrükte Centrifugalbewegung
. immer matter werden mufs. Die einzigen Ausnah
men machenMars undMercur. DieBewegung des
Mars ist bei weitem excentrischer als die des Jupi
ter. Aber nachder Voraussetzung sind beide auch
von verschiedner Explosion. Auf denMars hat of-
s ienhar nicht dieselbe Kraft, die auf Jupiter,
sondern diejenige Kraft gewirkt, die der Er
de und der Venus ihre Centrifugal - Bewegung
eingedrückt hat, daher e'eine Centrifugal - Be-
we
Wfgnng auch schon matter seyn mufs als die
der weit nähern Erde unrl Venus , so wie Tin
ter den drei entferntesten Planeten Her erste
(von der Sonne ans gezählt) die geringste .Ex-
centricität h»t, der dritte die gröiste. — Merkur
..endlich,der unter allen diegröfst,eExcentricität hat,
ist ohne Zweifel die letzte Kraft der Sonne, (ob
gleich mau auch darauf Rücksicht nehmen mufs»
dafs die Dichtigkeit seiner Masse, und die gro-
fse Sonnennähe, seiner Centripetalkraft ein gro-
fses Uebergewicht geben mufsten , denn dafs
seine Excentricität mehr von dem Uebergewicht
der letztern als von d':r Mattigkeit der erstem
herrühre, erhellt aus der Geschwindigkeit sei
ner Schwungbewegung.) — Aber noch eine andre
Analogie streitet dafür, dafs je drei Planeten
unsere Sonnensystems von gemeinschaftlicher
Explosion sеуеu , denn wenn man die d'.ei äu-
fsersten mit den übrigen der Sonne näheren ver.
gleicht, so sind sie ihnen an Masse offenbar
überlegen vergleicht man sie aber unter einan
der, so ist Jupiter z.B. dem Saturn üb erlegen,
wovon man keinen Grund einsähen kann, als
dafs alle drei durch Eine und dieselbe Kraft ex-
plodirt, worden , wo dann natürlich der grüfsere
. Theil der Masse der Geutripetalkraft eher tint er
liegen giufeie, als der klemere,(Desm etwa mittiaut
• sa¿«n, (lMars ist kleiner, wqil ihm der mächtige il
piter zu viel Stoffaue seiner ilihlungssphereentzo-
gen", heilst doch ofïenbar im Ciçkel erklären,
I denn
denn „Jupiter ist dem' Mars durch seine An
ziehungskraft- überlegen" heifst gerade ebtfnso-
viell, als „Mars ist an' Masse geringer als Jupi
ter," welches man eben erklärt haben wollte).
Aber dieselbe auffallende Analogie zeigt sich wie
derum bei den drei nähern Pianeten , demrSvn-
ter diesen ha,t die der Sonne nähere Venus mehr
Masse als die Erde, die Erde mehr ale Mars,
warunvariders, als weil Eine und dieselbe Kraft
sie aus der Sonne geworfen hat? Und Merkur
endlich (die letzte Explosion) hat die geringste
Masse; wären näher als er der Sonne noch zwei
Planeten sichtbar, so würde er unter diesen wieder
die gröfste haben, —

Da diese Ansicht des Weltürsprungs durch das Bis


herige hirilänglich bestätigt scheint, so mnfs
ich mich hier enthalten, zu zeigen, wie .mit
derselben noch mehrere Analogien übereinstim
men, z. B. die analogische Verschiedenheit in
den Dichtigkeiten der Planeten, da offenbar die
minder dichten Massen der Zeit nach van', der
ersten Explosion und also schon deswegen die
entferntesten vom Centralkör^-er — (Cometen)
— sgyn raubten, wie ferner dieselben Materien
wegen der geringem Wirkung der Centripetal -
kraft auf sie am spätsten zu der hruhimliuigten
Bewegung umgelenkt werden mufsten, ilnd wie
eodfc Dichtigkeiten der Weltkörper allgemein in
umgekehrtem Verhältnifs mit der Soimeufeftlfer-
, . *j nung
ïiung abnehmen müssen*). Nut zwei Bemerkun
gen gehören zu unserm Zweck.
Erstens, dafs man den Ursprung der Centrifugal
bewegung besonders in Ansehung ihrer Rieh~
tung nicht mehr weder von einer unmittelbaren
göttlichen Wirkung mit Newton abzuleiten,
noch auch mit Kant dem Zufall zu überlassen
braucht , sondern von einem in der Centralmas-
se selbst liegenden Grund, der ohne Zweifel
noch viel weiter sich erstrekt ; ableiten kann.

Zweimens, wie,durch diese Theorie die beständige


organische Metamorphose des Universums erklär
bar wird, da es eigentlich (denn was ist unser
Zeitmaafs gegen die Perioden , die auch nur Ein
Sonnensystem zu seiner Zusammenstellung
braucht?) nur in einem continu irlichen Wech
sel von Expansion und Contraction' fortdauert.

Wir haben bis jetzt nur die Bildung Eines Systems


• in Betrachtung gezogen, wir haben die Bildung
an Einem Punkte des Raums anfangen und auf
eine zwar unbestimmbar grofse, eher doch nicht
unendliche Weite sich erstrecken lassen. Aber
diese Voraussetzrtng hindert uns nicht, anzu
nehmen, dafs solche ISildungen von einem pe-
I 2 .c ' > mein-
*) Audi auf die Bildung der Monde und mehrere andre
Gegenstände kann tich unsre Untersuchung hier nicht
ausdehnen. Diese ganze Theorie wird ihre Auslüh/
rung anderswo erhalten.
meinschafiHchen Punkte aus immer forr. gesche
hen , mnl fiais so das Universum, weil eine vol_
leúdete Unendlichkeit ein Widerspruch ist, in
unendlichem Werden- begriffen seye. Wir müs
sen den Gesetzen der Analogie gemüfs voraus
setzen , tlafs zwischen jenen durch' den unendli
chen Raum in unermefslieher Entfernung veC»
einander ausgestreuten Punkten, wo der
erste Ansatz zu neuen Bildungen (vielleicht doch
vermittelst einer durch den Raum in'sunendlicüe
*
forteilenden (wie electrischen) Regung — ge
schieht, abermals in's Unendliche fort eine
wechselseitige Beziehung sich einfinden werde,
und zwar eine Beziehung durch Gravitation,
welches schon, (wenn man auch keine gemein
schaftliche Ursache der ersten Regung annehmen
will)dadurch begreiflieb wird, da Is jeneCentrah nas
sen neuer Systeme alle durch Zusammenziehnng
aus етцп in gemeinschaftlicher Solution begriff
nen Stoffe sich bilden, und zugleich, indem sie
sich bilden sich wechselseitig ausscbliefsen. —
Einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt des
ganzen Universums, Von welchem alle Bildung
ausgegangen, annehmen, hiefse das Universum
endlich machen. Wenn aber die Welt -weht
unendlich ist (sondern nur wird), und man
annimmt, dais Шпе Action, die erste Ursache
der allgemeinen Regung von Einem ersten Punkt
aus, nach allen Punkten fortgepflanzt wird, die
einer selhstetäudigen Bildung fällig sind, und so
in's
in's Unendliche fort, so wird jener erste Punkt
wenigstens der Mittelpunkt der werdenden
Sohöpfung seyitk Allein die ursprünglichen,
selbstständigen Bildungen wenden dann doch
zusammen nur ein idealisches Centrum haben
ebendeswegen, weil jede einzelne sclhsts'tändig
d. h. durch eigne Formation sich gebildet hat,
und in dem Verhälmifs als jene Bildungen fort
schreiten, wird auch jenes (in den l.eeren Raum
fallende) Centrum immer in einen neuen Punkt
verlegt werden. .

Kehren wir indefa untern Blick auf Ein selbststän


diges System, d.h. auf Eiif Ganzes von Syste
men, die alle von Einem pulsirenden Punkt ans
sich gebildet haben, zurück , so werden wir die
einzelnen Systeme, die dazu gehören , zugleich
in drei verechiednen Zustanden eYblicken "kön
nen, nämlich einige im Zustand der gröfsten
Ausdehnung, wo die ihnen eingedrückte Centri
fugal - Bewegilug noch unvermindert der Cen-
tripetaltendenz dás X?1eichgewicht"hält; wah
rend dafs andre sclton-in einem mittlem Zustand
der -Zusammenziehung, andre endlich im Zu-
. stand der höchsten Contraction befmdlich, ih
rem Verfall nahe sind. — Fragt man nun , in
welchem Verhaltnifs zur Entfernung vom 'Mittel
punkt diese verschiednen Zustande stehen wer
den , so sieht man leicht ein , dafs dem Mittel
punkt am nächsten die Contraction am schuell-
I 3 sten
eten gegcheben mufe, dafs also z. B. jene Stel»
len'des Himmel», wo die Gestirne gegen Einen
Punkt zusammengedrängt erscheinen , ihrem
Centrum, (vielleicht dem gemeinschaftlichen
Mittelpunkt- aller Sonnen — denn dais alle Wel
ten , deren Continuität mit une das Licht unter
halt zu £.iuem System gehören, werde ich in der
Folge beweisen,) — am nächsten; jene Stellen
dagegen, wo die Zwischenräume von Sternen
leerer i sind . am entfernteiten vom Mittelpunkt,
in der Mitte »wischen .beiden aber Systeme von
mittlerer Expansion seyn müssen, obgleich das
Zurückkehren des dem Mittelpunkt nächsten
Systems in seinen Ursprung den Ruin der an-
t dem mit accelerirter Geschwindigkeit nach sich
ziehen würde.

Nehmen wir ein solches allgemeines Zurückfallen


jedes Systèmes in sein Centrum an , so wird
nach demselben Gesetz, nach welchem dieses
bei seiner ersten Bildung in ein System sich or
ganisme, jedes System verjüngt aus seinen Rui
nen wieder hervorgehen, und sehaben wir mit
- jener durch das ganze Universum gehenden ewi
gen Metamorphose zugleich jenes beständige Zu
rückkehren der Natur in sich selbst, welche»
ihr eigentlicher Charakter ist, abgeleitet.
i
*

Es
i$5

Es Iäfst sich aus dem Bisherigen ohne Mühe voll


ständig ableiten, flafs und warum die anorgische
Natur in Systeme von Körpern sich organisiren
mufs , welche durch die Verbindung von entge-
gengesetEten Bewegungen genöthigt sind , regel-
mäfsige Laufbahnen um gemeinschaftliche Mit
telpunkte zu beschreiben. Allein wir können
tins dieser Ausführung füglich überheben, uni
eogleich wichtigere Folgesätze in Betrachtung
zu ziehen,
. - ' '. '
Folgesa t'z *t

a) Die Tendenz , welche durch Sonneneinflufs in


allen Thellen der Erde hervorgebracht wird , ist
eine Tendenz zur wechselseitigen Intussusce
ption. — (Das Produkt dieser allgemeinen
Tendenz mufs etwas allen Theilen der Erde Ge
meinschaftliches seyn. — Man kann skh in-
dei» , che die Sache besonders untersucht wird,
darunter den allgemeinen Magnetismus vorstel
len,' der sonach selbst schon Produkt, nicht Ur-
sache jener allgemeinen Tendenz, wäre). — Aber
die Action der Schwere, bringt die blofse Ten-
dem hervor, über die Tendenz hinaus kommt
es nicht. — Man nehme nun indefs aus der
Erfahrung als gewifs an, dais Intussusception
wirklich seye , wovon wir oben (S. ti) wenig
stens die Möglichkeit postulirt haben, so wird
I 4 aller-

I
allerdings zwar die Action der Schwere der erste
Impuls aller Intussusception seyn — (und so ist
die Ursache der Schwere, wie Lichtenberg schon
ahndet, âai Lleizte, was die ganze, Natur be
seelt") — aber soll es zut^wirMichen Intussusce
ption konmien, so mufs zu der Influenz der
Schwere noch eine besondre von ihr verschiedne
aber mit ihr i-n- Zusammenhang stehende Action
hinzukommen. .... v.

b) Aufgabe: diese' Action zu ßndent


' '. i ' . ' ' "- .'
A itJ lö sun g.
) Intussusception ist nur im chemischen Procefs.
Nun ist esa priori gewifs, dafs, was Princip des
chemischen Processes , wohlzumerken , in einer
bestimmten Sphäre ist, nicht wieder Product
•fles chemischen Processes derselben Sphäre seyn
bann , (obgleich es ohne allen Zweifel fri einer
höhem Verwandschaftssphäre selbst wieder che
misches ' Product ist). Das Princip alles chemi
echen Procefses , dar zwischen Materien der
Erde statt hat, kann daher nicht wieder Produkt
der Erde seyn. Es mufs also unter den Princi
pien der Verwandsch ú'ten ein einzelnes vorkom
men, das allen andeYn entgegengesetzt ist, und
das eben dadurch dSn chemischen Procefs der
Erde begrünzt. Dieses Princip mufs Mittelglied
aller chemischen Verwandschaften seyn. Alle
andern Materien müssen sich nur dadurch che
misch
misch verwandt seyn , dafs sie gemeinschaftlich!
nach Verbindung mit diesem Einen streben. —
Dieses Princip ist, wie aus der Erfahrung er
hellt, das , was wir Sauerstoff nennen. (Id. z.
Ph. d. N. S. 88- A-) Der Sauerstoff also кэпп
nicht wieder chemisches Product aua der Ver.-
wandschaftssphäre der Erde seyn.

(Gewöhnlich verweist man auf den Sauerstoff als


letztes Princip, und die chemische Erklärung,
die Einmal bei ihm angelangt — auf ihn redu-
,, cirt ist, hat das Recht, stille zu stehen. — Aber
was ist denn dieser Sauerstoff selbst? An diese
Frage hat man noch gar nicht gedacht, und da-
dеrch den UntersuchungçUreis echlechihin be,
schränkt. Dafs man diese Frage aufzuwerfen
berechtigt ist, erhellt aus dem Vorhergehenden.
Der Sauerstoff ist kein Product der Erde mehr.
Allerdings; aber in einer höhern Sphärs rnufs
er selbst wieder in die Reihe der Proílr.cttí tre
ten. Der Sauerstoff ist für uns unzerlegbar, '
und nur in sofern er diefs ist, kann ev Mittel
glied aller chemischen Affinitäten der Erde seyn,
und den chemischen Procefs der Erde begränzm.
Aber in einer höhern Sphäre hat er selbst wie
der ein Unzerlegbares, auf das er reducibel ist.
—- (Sieht man nun ein, wie in der Natur inde-
componible Substanzen existiren können, ohne
dafs einfache existiren? S. oben. Doch es ist
hier nicht der Ort, diefs allgemein zu erklären.
1 5 Wir
Wir beschränken uns hier aufBetrachtung dieseе
Einen Prjncips). — Der Sauerstoff ist dadurch
allen andern Stoffen der Erde entgegengesetzt,
dafs mit ihm alle andre verbrennen, während er
mit keinem andern verbrennt. Aber anderwärts
schon ist bemerkt worden, dafs der Begriff der
Verbrennlichkeit ein blofs relativer Begriff, ist,
woraus folgt, dafs in einer hübern Sphäre der
Sauerstoff oder ein Element desselben (wenn er
selbst schon e'meverbmnnte Substanz ist) in die
Categorie der verbrennlichen , d. b. chemisch
eomponibeln Stoffe selbst wieder herabsinken
mufs.
un wende. man nicht ein , dafs der Sauerstoff ein
chemisches Product der Erde sey, da wir ihn
aus einer Menge Substanzen entbinden können.
Es ist von einer ursprünglichen Erzeugung des
Sauerstoffe selbst die Rede. Vielmehr ist das
Daseyn cíes Sauerstoffs in vielen Substanzen der
Erde Beweis unsrer Theorie von der Erde, als
einem Product der Sonne, wodurch eine ganz
eigne Ansicht der epeeifischen Differenz aller
Materien unsrer Erde entsteht, indem alle Varie
tät sich darauf reducirt, dafs welche verbrannt,
andre in der Reduction — (das Phänomen die
ser Reduction ist die Vegetation ; auf der nie
dersten Stufe die Vegetation der Metalle, die
durch die innre Gluth der Erde unterhalten wird,
auf einer höhern die Vegetation der Pilan zen)
~ andre in permanentem Verbrennen — (das
Phä
Phänomen dieses permanenten Vevbrennüngs-
proceeses ist das animalische Leben) — begriffen
sind. Auch folgt hieraus nothwendig, dafs kei-
neSubstanz auf der. Erde vorkommen kann, die
nicht entweder verbrannt iräre oder verbrannt
v !» . würde , oder verbvennlicti wäre. . .
:■ .. * . '
p) Dies vorausgesetzt, ergeben sich folgende
Schlüsse- — Der Sauerstoff hat bei allen che
mischen Processen der Erde die positive ' Rolle,
Nun ist aber der Sauerstoff ein der Erde fremde»
Princip , ein Erzeugnifs der Sonne, Die positi
ve Action in jedem chemischen Procefs mufs also
von der Sonne ausgehen, eine' Influenz der Son
ne seyn. Es wird also aufser der Action der
Schwere, welche die Sonne auf die, Erde ausübt
noch eine chemische Injiuenz der Sonne auf die
«iî Erde postulirt. Es mufs aber in der Erfahrung
-. : • irgend ein Phänomen aufgezeigt werden, wo-
" . durch jene chemische Action der Sonne auf die
Erde sich darstellt, dieses Phänomen behaupte
ÎV ich, ist das Licht. ><'. • ./ ,,v >

/a Satz: Das Phänomen der chemischen Action


der Sonne auf die Erde ist das Licht.

Beweis. Zu demselben können wir nur durch


mehrere Zwischensätze gelangen.
!) Vorerst mufs eingeräumt werden, dafs wenn
in der Natur überhaupt kein Zufall statuirt werden
darf,
darf auch der Lichtzustand der Sonne ihr nicht zufällig
seyn kann, sondern, dafs sie, so nothiuendig-, als
sie der Mittelpunkt der Schwere in, unserm System
ist, auch die Quelle des Lichtes seyn mufs. Es wer
den also damit zum Voraus alle Erklärungen ausge
schlossen , welche jeren Zustand der Sonne von et
was Zufälligem, oder gar hlofs Hypothetischem ab
hangen lassen.

(z. B. Wenn man das Licht nur für Wärmestoff


von höherer Intensität nimmt, und die Sonnen
in Lichtzustand gerathen läfst , weil sie als die
gröfsten Massen jedes Systems beim .Nieder
schlag aus dem gemeinschaftlichen Auffösungs-
mi^el, und allmähligen Ubergang in festen Zu
stand die meiste elastische Materie freigemacht
haben. — Oder auch wenn man in den Sonnen
eine Flamme wüthen läfst, von derman nicht
acigen kann , wie sie auf allen Sonnen entste
hen nmjste, noch wodurch sie unterhalten
wird. — ~ Die Hypothese vom Licht als einer
atmosphärischen Entwicklung der Sonne wäre
allein dadurch von der Zufälligkeit zu retten,
dafs man der Sonne eine reine Sauerstoffatmo
sphäre, von einem hohen <srad der Etasticität
zuschriebe, und die Sonnen überhaupt als den
ursprünglichsten Sitz des Sauerstoffs betrachtete.
Das Letztere möchte sich zwar von der'Sonne
unsers Systems , nicht aber von den Sonnen
überhaupt erweise» lassen). —
Mit
fr \ - ^ > - '
t t
——- i4ï
i'' - Mit Verlassung aller Hypothesen, stelle ich
daher folgenden Satz auf : TVenn-die- positive Action
in allem chemischen Procefs eine Action der Somie
ist , so ist die Sonne im Gegensalz, gegen die Erda
überhaupt in p o s i t i v em Zustand: Dasselbe wird
von allen Sonnen gelten, nämlich, dafs sie im Ge
gensatz gegen, ihre. Subalternen nothwendig positiv
sind. '

-' Die Sonnen müssen vermöge ihres posiiirtsn


Zustandes eine positive (chemische) Influenz aufili-
" re Subalternen ausüben, und das Phänomen dieser po~
sitiven Inßuenz(nicht àitlnßuenz selbst) behaupte ich
seye das Licht. (Ich könnte hinzusetzen, Licht, das in
geraden Linien ausströmt, seye überhaupt Zeichen ei
nes positiven Zustandes, Ich könnte aber diesen
Satz vorerst nur durch die Analogie des positiv- ele-
cirischen Lichts beweisen, — Diesemnach wären di.e
Sonnen durch den Weltraum ausgestreute (für uns)
.positive Punkte, ihr Licht vielleicht +• E; das soge
nannte Tageslicht, das man durch eine zufällige
.Zerstreuung des Sonnenlichts nach allen Seiten gar
nicht begreiflich machen kann, und durch welch es ,
auch dunkle Weltkörper sichtbar sind, — ähnlich
dem als leuchtender Punkt, erscheinenden — E.) I ch
behaupte also nur im Allgemeinen , Licht überhaupt
seye Phänomen des positiven Zustandes überhaupt.
Nun sind alle Sonnen als Princip aller chemisch, en
Verwandschaft, im Gegensatz gegen ihre Subaltern en
nothwendig in positivem, also auch nothwendig in sir-
spiiin,

I y . ' . .
spriinglifkem Lichtzustand, (ohne dafs aller Sonnen
Verhältnifs zu ihren Subalternen defswegen gerade das
selbe, wie das der Sonne zur Erde , seyn müfste. Das
allgemeine Princip der Verwandschaften mufs in ver-
schiedncn Systemen auch ein verschiednes seyn. Viel*
leicht sogar ist es der Sauerstoff nur für die Erde,
und die Planeten von gemeinschaftlicher Explosion
mit ihr. Jeries Mittelglied also ist variabel, nicht
aber das positive Verhältnifs der Sonnen selbst)- —
Ferner: unter Licht wird natürlich positives Licht
verstanden , (wie z, B. bei dem Hunter'schen Blitz.,
versuch nur der Blitz desjenigen Auges positiv ist,
das positiv armirt ist).

Aber das Licht der Sonnen ist positiv nur im


Gegensatz gegen nnsent negativen Zustand. Aber
die Sonnen selbst sind wieder Subalternen eines ho
hem Systems, ihr Licht also negativ in Bezug auf
die höhere, positive Influenz, welche sie selbst in
Lichtzustand verseist. — Diefs eben ists, was ei-
reorganisation des Universums in's Unendliche mög
lich macht, dafs, was in Bezug auf ein Höheres
negativ ist, in Bezug auf ein Niedreres wieder po
sitiv wird u. umg. Das Licht selbst ist ursprünglich
Phänomen eines negativen Zustaudes, der einen jbö-
hern positiven als Ursache voraussetzt. Es eröffnet'
eich dadurch eine neiie Weh, wohin nur Schlüsse,
nicht aber die Anschauung reicht; dae Licht ist es,
was unsre Anschauung absolut begränzt, wasjenseits,
de* Lichts ( und der Lichtwelt liegt, ist für unsern
Sinn
' »49
Sinn ein verschlofsnes Land, und in ewiger Dunkel
heit begraben. Die chemische Action wodurch die
Sonne selbst wieder in .Lichtanstand versetzt wird,
ist für uns nur mittelbar erkennbar.

(Man wird die hier vorgetragene Behauptung nicht


mit ciner Frage Lamberts verwechseln, welcher
zweifelhaft war, ob der von ihm angenommene
• ' 'Centralkörper unsere Systems nicht ein dunkler
Körper seyn müsse? Der Hauptgrund, den er
dafür anführt, ist, weil ein selbstle^chtönder
. Körper von so ausgezeichneter P.îasâe vor allen
andern in die Äugen fallen mvifste. Ich behaupte
aber,, dafs nicht nur der Centraikörper unsers
Systems,- sondern ein ganzes Universum jenseits
unsers . Systems für uns dunkel seye, und dafs
sonach alle selbstleuchtenden Körper, nur zu EU
'пет System gehören, und- insgesammt von ge
meinschaftlicher Formation seyen.)

Diese Begriffe vorausgesetzt, kann ich nun


den Satz : dafs das Licht Phänomen einer chemi-
siäschen Action der Sonne auf die Erde ist , in der
Erfahrung nachweisen. _ '.
Der Beweis kann am kürzesten dadurch ge
führt werden, dafs man zeigt, gewisse Erfahrungen
lassen sich aus jenem Satze a priori ableiten.
a) Wenn der Sauerstoff bei allen chemischen
Processen die positive liolle hat, so müssen Körper,
die gegen den Sauerstoff negativ, sich verhalten ,
auü>
auch gegen die Lichtaction der Sonne negativ sich
verhalten.
(Der Körper i der gegen die Lichtaction der
Sonne schlechthin positiv sich verhält, nrnfs für den
Gesichtssinn absolut aufgehoben , und aus der Reihe
der Dinge wie hinweggenommen seyn, weil nur das
negative Verhältnifs zu jener Action ihm überhaupt
Existenz für diesen Sinn giebt. Aber auch kein phlo-
gistischer Körper ist absolut durchsichtig, und um
gekehrt jeder wahrhaft durchsichtige Körper verhält
eich positiv gegen den Sauerstoff). • •
• ' 4 *
b) Wenn das Licht Phänomen einer positiven
in jedem chemischen Procefs thätigen Action der
Sonne ist , so тuTз das Licht hervortreten , wo ein
Uebergang aus dem absolut -negativen in den abso
lut- positiven Zustand geechieht.
(Allephlogistischen Korper verhalten sich nega
tiv gegen den Sauerstoff. Jeder wahre Verbrennungs-
procefs ist daher ein solcher Uebergang. Zum wah
ren Verbrennungsprocefs gehört aber die absolute
Entgegensetzung , d. h. der Körper mufs absolut-
unrerbra.nnt seyn, (was z. B. die Salpeterluft, die
Erden, das Schwefelalcali u. s. w. nicht sind), fer
ner, nur der Sauerstoff selbst verhält sich gegen
phlogisttsche Körper absolut - positiv , nicht aber
eine Säure ; worin er mit einer verLieimlichen Sub
stanz verbunden ist.
N
' - 1
, - (
•; — •

Folgesatz. Lichterscheinungen nur , wo ein


absoluter Gegensatz! — daher: Das Licht, das
beim Verbrennen erscheint, kein Bestandtheil weder
der Sauerstôfflnft, noch des Körpers, sondern un-
tnittèlbares Produktder alles durchdringenden, nie ru
henden , chemischen Jnßuenz der Sowie! Die
Sonne also oder ihr Licht vielmehr tritt überall
hervor, iо o nur ein positiver Zustand hervortritt.
Jene Action der Sonne erstreckt sich auf jeden Punkt
des Raums, und die Sonne ist überall, wo ein Licht
procefs ist).
-. - '
c) Wenn die Llchtaction der Sonne positiv
wirkt im chemischen Procefs , so «iüssen Körper,
indem sie sich mit dem Sauerstoff verbinden , auf
hören , gegen die Lichtaction der Sonne negativ sich
zu verhalten. •

(Das Maximum der Opacität ist der Glanz, das


Reflectiren des Lichts von der Oberfläche in gerader
Linie, ein Minus von Opacität das Reflectiren nach
allen Richtungen, welches nur geschieht, wenn der
Körper Farben zu spielen anfängt. Aber die Farben
steigen, wie der positive Zustand des Körpers steigt.
Das Minimum der Opacität , cL h. relative Durch-
sichtigkeit ist c: dem (relativ - ) höchsten Grad der
Oxydation. Nicht sobald ist der opakste Körper
in Säuren aufgelöst, als auch die Lichtaction ihn
zu durchdringen anfängt. Ében so, wenn er auf
trocknein Wege verbrannt wird).
' , «
К Re<
' Resultat: Die Attien, deren Phänomen
das Lieht ist, wirkt positiv ittt chemischen Proeefs.
Viele Wirkungen also, die man dem^ Licht zuge
schrieben hat, gehören eigentlich der Influenz, de-
ïen Phänomen es ist. Dafs der gröfste und vornehm
ste Theil der Weltkörper zu Lichtprocessen bestimmt
iát, weist nicht auf etwas Zufällige», sondern auf
ein allgemeines , höheres und ,weitergreifeudes Na
turgesetz. Die Action des Lichte mufs mit der Action
der Schwere, welche die Centraikörper ausüben in
geheimem Zusammenhang stehen. Jene wird den
Dingen der Welt die dynamische, wie diese die sta
tische, Tendenz geben. Aber dies wird sich a priori
aus der Möglichkeit eines dynamischen (chemischen)
Processes überhaupt erweisen lassen.. Denn über
haupt; ist kein chemischer Proeefs' constructibel, oh
ne eine Ursache, die chemisch wirket, aber dem
chemischen Proeefs selbst nicht unterworfen ist, wo-
Ton zu seiner Zeit !
• .' , ' ' ."" • S

B,
" • . . .' '
. a) Wenn aile Materien der Erde zu jener ehe-
misehen Action positiv oder negativ sich verhalten,
so werden sie" auch wechselseitig unter e inl
ander sich sa verkalten. .
..... \
b) Je . zwei speeißsch verschiedne Körper wer
den sich ' wechselseitig zu einander positiv und ne-
gàtiv verhalten , und ihre Qualitätsdifferenz wird
sich
sich durch dieses positive oder negative Wechsel-
verhältnifs ausdrücken lassen.

(Es ist damit abgeleitet, dafs es überhaupt et


was , wie Electricität in der Natur gebe. Empirisch
ausgedrückt lautet der Satz so : Alle Qualitätsdiffe
renz der Körper lñfst sich ausdrücken durch die ent-
gegengesetzten Electricitäten, welche sie im wechsel
seitigen Conflict annehmen).

' c) Aber das negative und positive Verhalten der


Körper überhaupt ist bestimmt durch ihr entgegen
gesetztes Verhältnifs "zum Sauerstoff. Also wird
auch das neg ative und positive Verhältnifs der Korr
per unter einander bestimmt seyn durch ihr
entgegengesetztes Verhältnifs zum Sauerstoff.

. Anmerkung.
Dafs das electrische Verhältnifs der Körper über
haupt bestimmt seye durch ihr chemisches Verhält
nifs zum Sauerstoff, dieser vom Verfasser zuerst auf
gestellte Satz bleibt wahr, obglèich die daraus gezog
nen Folgerungen wegfallen müssen. Nämlich nicht
etwa , weil die Electricität selbst ein Erzeugnis des
Sauerstoffs , (wofür man nun auch die electrischen
Lichterscheinuqgen nicht mehr als Grund .anführet!
kann, da (nach S. 145) die Quelle des Lichts überhaupt
nicht in der Saueretoffluft gesucht werden kann), son
dern weil der Sauerstoffüberhaupt das Çualitätsbes»
timmende iß im chemischen Procefs der Erde, ist die
/. Ha Ehe
Electricität der Körper bestimmt durch ihr Verhält-
Hifs zum Sauerstoff. V • -

Als Princip aller Theorie des electrischen Pro


cesses mufs der Satz aufgestellt werden, dafs im
ele с tris с h en Procefs derjenige Körper , welcher
positiv ist, die Function, welche der Sauerstoff
beim V e rbrennungspf-occsse hat, übernimfnt-
Aber ist der Körper ntír positiv, insofern er die Fun
ction des Sauerstoffs übernimmt, d. h. insofern der
Sauerstoff in Bezug auf ihn positiv ist, so ist dage
gen der Sauerstoff in Bezug auf ihn positiv пur in
sofern er in Bezug auf diese* Princip negativ ist.
Der positive Körper mufs also (aujserhalb des ele
ctrischen Conflicts) gegen denSauerstoff negativ sich
verhalten, d. h. eine unverbrannte Substanz seyn.
•— Nun lassen eich überhaupt folgende Fälle denken.

Entweder setzt man awei gegen <îen Sauerstoff-ab


solut negativ »ich verhaltenden, d. h. schlecht-
hin unverhrannte Substanzen in electrischen
Conflict, "doch dafs sie sonst heterogen aeyen
und die Eine mehr Verwandschaft habe zum
Sauerstoff ale die andere, so mufs nach dem auf
gestellten Gesetz ganz nethweadig die erster»
positiv - electriech werdc-a.

(Dieser Fall allein еigeatlich ist еin ganz reiner


Fall, weil hier das Verhältnifs beider Körper
zum Sauerstoff dasselbe, (nämlich negativ) ist,
und sie нuх innerhalb dieses Verhältnisses sich
entgegengesetzt sînd.Es fragt sich nnv, woran man
die absolut- unverbraimten, gegen den Sauerstoff
absolut negativ sieb verhaltenden Körper erken
ne? Die Electricität selbst giebt das Merkmal da-
für an. Ein Körper, der vollkorhmner Leiter^
der Electricität ist, wird, sobald er verbrannt
ist , Isolator der Electricität. Man mnfs also
schHefsen , dafs alle€i.örper, welche die Electri
cität isolircn, verbrannte, so wenig sich das übri
gens mit den gewöhnlichen chemischen Einthei-
limgen vertragen mag, obgleich es bey vielen,
.(wie den Harzen, 'Öelen, "Erden u. s- w.) aufscr
Zweifel ist. Auch braucht nicht das schoii an
derwärts Erinnerte wiederholt zu werden , dafs
die Begriffe von Vevbrennlichkeit, v"on Oxydation
•und Desoxydation überhaupt höchst relative Be
griffe sind. . . .s , /'

Die emsige Ausnahme von jenem Gesetz, dafs al-


k le ' verbrannten Körper, isolireu, macht das
AVasser, und alle Säuren in flüssigem Zustand,
abe: da sie alle Leitungskraft zugleich mit dem
tropibarilüssigen Zu$tand verlieren , so ist hier
ein noch unerklärier Zusammenhang zwischen
Leitungskraft und flüssigem Zustand anzuneh-
inen. Wir 'können also in Ansehung fester
Körper wenigstens das oben aufgestellte Ge
setz , auf Körper, die . Leiter der Electricität
sinds einschränken,' (dafs also von zween
electriechcn Leitern derjenige die Function
Iv 3 des
rlrs Sauerstoffs übernimmt, welcher ihm am
meisten verwandt ist). *) ' . . , \ . •
,. . .¡ Oder

*3 Das Gesetz, da Ts ven zween Körpern den'enige ,. wel,


eher zum Sauerstoff die gröfste Verwändschaft ha t,
negativ - electrisch werde , war blofs von den Iso
latoren der Electriöität abstrahirt. Herr Ritter, der
das entgegengesetzte , »Kirch ihr entgegengesetzte»
Verhiltmfs zum Sauerstoff bestimmte, Verh alten der
, (Körper bei,m Galvanismus von allen, die es bemerkt
haben , am weitesten verfolgt hat^hat für e ectri-
sehe Leiter gerad' das entgegengesetzte Gesetz gefun
den. — (Tolgende Gesetze gehen als Résultai aui
Herrn Ritters Galvanischen Versuchen hervor. Ftóí-
sigkeiten, welche oxydirhare Bestandteile enthalten,
z. B. Laugensalz mid Schwcfelleberanflösnngen sind
mit festen oxydirbàren Körpern , die zugleich Leiter
der Electricitüt sind, x. B. allen Metallen positiv
bei'm Galvanismus. Flüssigkeiten , welche bereit!
oxydirt sind, wie VV'asser n. a. sind mit denselben
festen Körpern negativ. Diese festen Körper unter
einander in Conflict gesetzt, wird jederzeit derjenige,
welcher- zum Sauerstoff die gröfsere Verwàndscbaft
liât, positiv, der die geringere hat, negativ - ele-
ctrisclf). — Da nun das Gesetz, welchem die Leiter
folgpn, wenn aiich nur der Eine Körper ein Isola-
.; • -*^or ist, sich Umkehrt, so ist es natürlich , zu echlio«
fsen , dafs der Grund dieses Umkehrens in die Sphäre
des Unterschieds zwischen Leitern m-d Isolatoren
selbst fallen müsse. Die Täuschung löst sich da
durch > dafs man alle Isolatoren als solche für Sub,
stanzen annimmt, welche nicht absolut zwar, aber
doch relativ, in Bezug auf die Körper, die Leiter
der Electricität sind, als verbranntе betrachtet.
Oder man setze zwei Körper , wovon der JEint ei
ne verbrannte Sdbstanz , welche aleo gegen den
Sauerstoff geringere Verwandschaft hat, die an-
dre# eine absolut unverbrannte, die also zum
Sauerstoff grofse Verwandschaft hat, in electri-
schen Conflict , so wird diese die Funktion dee
Sauerstoffs' übernehmen , und constant positiv
seyn. (Z. B. irgend ein Metall mit irgend einer
Säure, Erde u. t. w.) - ч!.« '.¡*í. -7 ,

Oder endlich es werden zwei Körper, die beide


verbrannte Substanzen sind, in Conflict'gesetzt,
6q wird hier da6 Gesetz sich umkehren, die ver-
branntere Substanz (die insofern also zum Sau
erstoff weniger Verwandschaft hat, wird die
Stelle des Sauerstoffs übernehmen, d. h. positiv
seyn, (z. B, das weifseBand mit. dem schwarzen,
uebersaure mit gemeiner Salzsäure. — (Мая
wird an dem electrischen Verhältnifs isölirender
Substanzen ein Mittel haben , auf den Grad ih
rer Oxydation zu schliefsen, so dafs diejenige,
welche, am coiistan'testen positiv ist, auch die
oxydirtesie seyn mufs. — Ob man das Glas,
welches, sofern es Kieselerde ist, vielleicht die
verbrannteste aller Substanzen ist, unter dieses
Gesetz subsumiren muTs, oderobes mit ihm der
selbe Fall ist, wie z. B. mit der Schwefeileber (da
doch der Schwefel am constantesten negativ ipt),
ist ungewifs. . 1 : '

К 4 i)
d) Wie unterscheidet sich der electrisehe Próeefs
vom eigentlichen ~~ {chemischen) — Verbrennungs-
prorefs ? ' ,- . .1! '.' J
Der einzige Unterschied ist dem bisherigen zu
folge der , dafs im electriichen Procefs der Körper,
der dem Sauerstoff am nächsten verwandt ist, die
Rolle übernimmt, welche im Verbr/ennungeprocefe
der Sauerstoff selbst spielt, so dafs insofern der èle-
ctrische Procefs durch den chemischen vermittelt ist.
Aber umgekehrt auch der Verbrennungsptocefs
ie^glurch den electrischen vermittelt. Sogar die Be
dingungen alles Vcrbrennungsprocesses sinfl diesel- .
\en, wie die des electrischen. Denn kein Körper
verbrennt unmittelbar oder allein mit dem Sauerstoff,
вo wie keiner allein oder' unmittelbar mit dem Sauer
stoff electrisch wird. Zu jedem Verbrennen gehört
ein dritter Körper, der die Funktion des Sauerstoffs
übernimmt, und durch dessen Vermittlung erst der
Sáuerstoff zersetzt wird — (in den gewöhnlichen
Verbrennungsprocessen das Wasser, .nach neuern
Entdeckungen. Uebrigens braucht man nur an die
Bildung der Alkalien durch Verbrennung vegetabili-
scher Körper zu denken , um auf eine solche Dupli-
cität oder vielmehr Triplicität bei dem Verbrennungs-
procefs geführt zu werben). Der electrisehe Procefs
also nicht demPrincip nach verschieden vomVerbreun--
imngsprocefs! Die Möglichckeit beider bedingt durch
dasselbe Letzte! Der einfachste electrisehe Procefs be
ginnt mit dem Conflict zwei«-. Körper , A und B die
eich berühren oder reiben , und die beide an sich ne-
gativ sind (in Bezug auf den Sauerstoff) nur dafs A,
als Repräsentant des letztern , in diesem Conflict po« «
eitiv wird* Es mufs aber für jeden Körper ein Máxi
mum des positiven Zustande? geben. Sobald dieses
Maximum erreicht ist, mufs' der Körper nach dem
allgemeinen Gesetze des Gleichgewichts in das Mini
mum übergehen. Das Maximum aber ist erreicht,
wenn der Körper in Lichtzustandgetath (oben S. 145.)
darum (nicht etwa , weil das Licht Bestandtheil der
Sauerstoffluft ist) ist die Lichterscheinung gleichzei
tig mit dem Verbrennen*, d. h, mit dem Uebergang
aus dem Maximum des positiven Zus! indes in das
Minimum. Denn sobald der Körper verbrannt (oxy-
dirt) ist, hört er auf, gegen den Saueretoff negativ
sich zu verhalten, aher dieses negative Verhalten,
ist Bedingung aller positiven Funktion im ele-
ctrischen Processe, er geht also unmittelbar" von
der positiven Funktion über in, die entgegenge
setzte , (was sich durch isolirende Eigenschaft und
vermehrte Wärmecapacität , welche beide eigentlich
nur Eine Eigenschaft sind, ankündigt). So. wie
also der electrische Procefs der Anfang des Ver-
brennungsprocesses ist, so ist der Verbrennungspro-
cefs (das Ideal alles chemischen Processes) das En
de des electri$chen.
Wie nun aber, wenn so, wie der positive Kör
per im electrischen Procefs ïiur Repräsentant des
Sauerstoffs ist, der Sauerstoff selbst wieder nur Reprä
sentant eines höhern Priucipa ist, so wird, wenn der
Sauerstoff selbst in unmittelbaren Conflict mit dem
Ks,-' - Kür
•. ш —'

Körper gesetzt wird,, eine unmittelbare' Berührung
! der niedrem und höbern Aflinitätssphare (zu welcher
, ienes Princip gehört), es wird ein Uebergahg der Ei
nen- in die andre statt fmden, und so ein absolutes
Verschwinden alles Dualismus, d. h. ein chemischer
Procefs noth wendig seyn. Der Sauerstoff wird als
Mittelglied im Procésee verschwinden, und jener hö
here Stoff selbet hervortreten. . ,
! Es erhellt ferner, dafs die Beschaffenheit des
Körpers, kraft welcher er der Erhitzung fähig, mit
derjenigen, vermöge wclclîer er der Electricität fähig
ist, Line und dieselbe ist, (denn das Maximum der
Erhitzung geht wie das Maximum der Electricität
unmittelbar iu den Verbrennungspvocefs , womit
die Wärme - und Electricität isolirende Eigenschaft
gleichzeitig eintritt, über).

—, « Î .
.' ' Noch mufs eine andre Frage beantwortet werden,
'diese : PT'ie sich die Action der Schwere zu jener
chemischen Action der Sonne auf die Erde verhal
te? •— Wir können zwei Punkte ihres wechselsei
tigen Verhältnisses bestimmen.
Der erste ist, ' dafs die Bedingung beider eine
Differenz ist, dafs aber die Heterpgenität, welchcBe-
dingung der Action der Schwere ist, höherer
Art, und dafs die, welche Bedingung der chemi
schen Action ist, ohne Zweifel пur durch jenes
höhere Heterogenitát bestimmt aeye. Das Verhält;
nils
155

niCs dieser Heterogenitäten aber genauer anzugeben,


sind wir durch das bisherige nicht in den Stand ge
setzt. ,
*
• Das zweite ist, dafe die Action, welche die Son
ne als Ursache der Schwere auf die, Erde ausübt,
durch eine höhere Action, welche auf die Sonne aus
geübt wird, bestimmt, also der 'Sonne nicht eigen-
thümlich ist , dafs aber diejenige Action, vermöge
welcher sie Ursache des chemischen Processes der
Erde ist, ganz allein durch die eigen thümliche Na
tur der Sönne bestimmt ist, . '

. .'•-.. > ;
Der bisherige Gang unsrer Untersuchungen war
folgender; . .

„Die Natur ist in ihren ursprünglichsten Producten


organisch, aber die Funktionen des Organismus kön
nen nicht anders , als im Gegensatz gegen eine anor-
gische Welt abgeleitet werden. Denn als das Wesen
des Organismus mufs die Erregbarkeit gesetzt wen
den , "kraft welcher allein eigentlich die organische
Thätigheit verhindert wird, in ihrem Producte, das
ebendeswegen nie ist , sondern immer nur wird,
sich zu erschöpfen."

, s „Aber wenn das Wesen alles'Qrganismue in der


Erregbarkeit besieht, so müssen àie erregenden Ursa
chen aujser ihm gesucht werden, in einer der orga
nischen entgegengesetzten, d. h. unorganisrhen
. Web
Welt, Es mufste also die Möglichkeit einer unor
ganischen Welt überhaupt, nnd die Bedingungen di<e¡-
»er Möglichheit mufsten abgeleitet werden."
,,Aber noch überdiefs, wenn Organismus über
haupt nur tinier- Bedingung einerairorgischen Welt
möglich ist , 60 müssen auch in der unorganischen
-Natur schoii 'die Ërkliirungsgründe des Organismus
liegen. Aber diese Natur ist dee organischen entge
gengesetzt. Wie könnten also m ihr die Gründe des
organischen liegen? ,— Mann kann »ich das nicht
anders erklären, als durch eine prüstabilirte Harmo
nie zwischen beiden, ~ Mit .andern Worten: die
unorganische Natur mufs zu ihrem Bestand tfhd Fort
dauer selbst, wieder.eine höhere Ordnung der Din
ge voraussetzen, es mufs.ein drittes geben, v'di
organische und unorganische Natur wieder ' verbin--
det , ein Medium, das die Continuität zwi
schen beiden unterhält.
Die organische ,und die unorganische Natur müs
sen sich wechselseitig , erklären und bestimmen*; —
(daraus erhellt, warum alle Erklai ungen überhaupt, '
welche von jener oder dieser einzeln — auch in dem
gegenwärtigen System — gegeben worden sind, ih
rer Natur nach Unvollständig seyn müssen; und. wa
rum die ganzp Natur gleichsam mit Einèni Schlag
(wie es seyn muts) zu erklären, nur durch eint
IVechselbsetimviung des Organischen und des Unorga
nischen möglich ist, zh welcher Wechselbestim
mung unsre Betrachtung jetzt fortschreitet.
Wir haben in den Organismus ale erste Eigen-,
»chaft die 'Erregbarkeit gesetzt, ohne vorerst diese
Eigenschaft selbst näher erklären zu können. Pas
Einzige, was wir thun konnten, war, dafs wir sie
in ihre entgegengesetzten Factoren , organische Re-
ceptivität, und organische Thatigkeit zerlegten. Ее
ist» jetzt Zeit, und durch die Ableitung- dessen, was
гur anorgischen Natur k als durch welche die orga
nische bestimmt .seyn mufs , überhaupt gehört , sind
wir in Stand gesetzt, jene Eigenschaft auf wirkliche
Naturursac.hen zurückzuführen. —- *

(Es ist nämlich gezeigt worden, dais zum We-


»en der anorgischen Natur die Bildung eines allge
meinen Gravitationssystems gehöre, mit dessen Gra
dationen auch 'die Gradationen der Qualitätsunter
schiede parallel gehen , indem ein solches System
nichts anders? als eine allgemeine Organisation der
Materie in immer engere Yerwandtschaftçspharen be
zeichnet: ferner, dafs durch eine ursprüngliche Diffe
renz in der Weltmaterie die specifischen Altractivkräfte
im Universum (welche Ursache der Schwere auf je
dem einzelnen Weltkörper sind) bedingt sind, end
lich dafs auf jeden Weltkörper aufser der Action der
Schwere, eirie chemische Action , die von derselben
Quelle, wi% jene ausgeht, und deren Phänomen das
Licht ist, wirksam seyn müsse, dafs diese Action
die Phänomene der Electricitüt, und, wo ElectricitSt
verschwindet, den chemischen Procefs, gegen wel
eben (als Aufhebung alles. Dualismus) sie eigentlich
tendirt, bewirke). — . .
i) Das Wesen des Organismus besteht in En*
rtgbarkeit. Diefs ist aber ebensoviel , als: der, Or
ganismus ist sein eigen Object. (Nur insofern auch,
als er sich selbst zugleich Subject und Object ist,
kann der Organismus das Ursprünglichste in der Na«
tur leyn, denn die Natur haben wir eben bestimmt,
als eine Causalität, die sich selbst zum Object hat).
Der Organismus constituirt sich selbst. Aber
er constituirt ych selbst, (als Object) nur im An-
. drang gegen eine äufsre' Welt. Könnte die äufsre,
Welt den Organismus als Subject bestimmen, so hör-
te er auf erregbar zu eeyn. Also nur der Organis
mus, als' Object mufs durch äufsre Einflüsse bestimm,
bar eeyn, der Organismus, als Subject rnufs durch
sie unerreichbar eeyn.

(Die Erregbarkeit* des Organismus stellt sich in


der Aufsenwelt dar, als eine beständige Selbstre/iro-
duetion. Dadurch eben unterscheidet sich das Orga
nische vom Todten, dafs das Bestehen des erstem
nicht ein wirkliches Seyn , sondern ein beständiges
. Reproducirtwerden (durch sich selbst) ist, und dafs
dieses beständige Reproducirtwerden indirecter Ef
fect äufsrer, conträrer, Einflüsse ist, da hingegen
das Todte (unerregbare) durch äufsre conträre Ein
flüsse nicht zur Selbstreproduction bestimmt werden
kann , sondern dadurch zerstört wird).
2) Aber wenn — (wie nicht bewleeen zu wer
den braucht) die organische Thätigkeit eigentlich nur
dem Organismus als Subject zukommt, die organi
sche Thätigkeit aber nur durch äufsre Einflüsse er
regbar ist, so kann der Organismus als Subject für
äufsre Einflüsse nicht unerreichbar seyn, wie doch
behauptet wurde, *- Dieser Widerspruch läfst sich
nicht anders auflösen, als so : dafs der höhere Orga
nismus — (man erlaube diesen Ausdruck statt des un
verständlichem Organismus als Subject) — durch die
änfsere Einflüsse nicht unmittelbar aiïizirt wird.
Kurz: der Organismus (als Ganzes genommen ^)
mufs sich selbst das Medium seyn, wodurch
äufsre Einßüsse auf ihn wirken,
S) Aber:" der Organismus foil sich selbst da»
Medium seyn — etc.", sagt allgemeiner ausgedrückt,
wieder nichts , als : es soll im Organismus selbst «>. •
ne ursprüngliche Duplicität seyn.
Aber der Organismus ist allés, was er ist, nur
. im Gegensatz gegen seine Aufsenwelt. "Es soll im
Organismus eine ursprüngliche Duplicität seyn"
heifst also — es folgt nothwendig — eben so viel
als : der Organismus soll eine doppelte Aufsenwtlt
haben.
• ' 3) Aber ich frage : wie ist es möglich, dafs der
Organismus eweyen Welten zugleich angehört?
Es ist, antworteich, nicht möglich, als wenn jede au-
orgiseke fVtlt selbst eigentlich eine doppelte fVelb
Ш, Aber ist diefs nicht also , nach dem, was wir
i6o
* . . t
als Bedingung der Möglichkeit einer anorgischen
Welt abgeleitet haben? In jeder' anorgischen Welt
spiegelt sich eine höhere Ordnung, eine höhereT-Velt !
Wo diese entgegengesetzten Ordnungen sich beruh,
ren, da ist Thätigkeitl

, 5) Die Data zur Beantwortung der Frage sind


nun gefunden, Die Antwort ist folgende:
• , 4- • '
Soll, der Organismus erregbar (sein eigen Object)
seyn, (welches äufserlich als beständige Selbsueprodu-
ction , den äufsern contraten Einflüssen , entgegen,
eich darstellt), so mufs ira Organismus etwas durch
die Einflüsse seiner Au fsen weit unerreichbares seyn,
oder wie wir es näher bestimmt haben,etwas—einTheil
—- (man erlaube uns indefs, uns so auszudrücken) —.
des Organismus , der für die Einflüsse seiner un
mittelbaren Aufsenwelt gar nicht unmittelbar em
pfänglich ist. 'Dieser müfste also einen gröbern Or
ganismus haben , (der ein Organismus des Organis
mus — dasjenige wäre, was durch the Erregung des
höhem beetändig reproducirt wirdj — und nur ver
möge dieses niedrem Organismus müfste der höhere
mit seiner Aufsenwelt zusammenhangen. Mit ei
nem Wort: der Organismus müfste in der Er
scheinung in entgegengesetzte Systeme, ein höheres
Und ein niedreres zerfallen . nur vermittelst des Letz
tern müfste jenes Höhere- in Contiguität mit seiner
Aufsenwelt steheg. . •

I
6) Aber wie könnte das Höh*re den Einflüssen
л i
dieser Aufsenwelt entzogen seyn , als selbst durch
die Einßüsse einer höhem fVelt? Sowie nun da»
höhere System nur durch das Niedrere mit der (un
mittelbaren) Aufsenwelt des Organismus zusammen
hangt, so müfste das Niedrere nur vermittelst des
Höhern mit der höhern Ordnung zusammenhangen.
Kurz : Jede Organisation ist nur Organisation, in
sofern sie gegen zwei fPelten zugleich gekehrt ist.
Jede Organisation eine Dyas!

, 7) Jene höhere Influenz mufs näher bestimmt


werden. Dieselbe allein ist Ursach* der Erregbar-
keit, denn nur durch sie ist der Organismus in eine
den aufsern Einflüssen entgegengesetzte Thätigkeit
rersetzt.
* ' J
a) Wie jene Influenz wirke und welches ihre Na
tur sey, werden wir daher am kürzesten im Ge
gensatz gegen die Wirkungsart der aufsern Ein-
_ fliisse auf den Organismas , und ihre Natur be
stimmen können.

Die aufsern Einflüsse wirken ihrer Natur nach auf


den Organismus,' insofern er blofs als Materie
(als^Jroduct) betrachtet wird, chemisch. Aber der
Organismus ist nie blofs Product (blofs Object,).
Die Sufsern Einflüsse wirken insofern also, nicht
« chemisch auf den Organismus. Es fragt sich, wo
durch ihre chemische Wirkung verhindert werde ?
L i Sie
Sie m ufs, verhindert werden durch die entgegenge
setzte Thätigkeit des Organismus, welche wir
im Betriff der 'Erregbarkeit denken? Aber in di
se Thä tigkeit ist der Organismus selbst hut dure
eine höhere Ursache versetzt. Diese Ursache
also mvfs eine den chemischen EÄnßüssen ent
gegengesetzte Thätigkeit ausüben. Diefs wä
re Eine Bestimmung, • - -V

b) Aber ferner; 'die Bedingung jener auf deiz Or


ganismus wirksamen Thätigkeit ist die Dupli
zität im Organismus selbst ; nur insofern im Or
ganismus selbst eine ursprüngliche Duplicität [ist,
ist jene Ursache auf ihn thätig. Es mufs also
,. eine Ursache seyn, die überhaupt nnr unter der
Bedingung der Duplicität thätig ist. Als eine
solche Ursache aber kennen wir nur allein die che
mische Activn , die wïr im Vorhergehenden als
Kothwendig in der Natur abgeleitet haben , und
»lie nur unter Bedingung eines positiveil und
negativen fVechs'elverhällnisses überhaupt sich
thätig erzeigt. Diese chemische Action rnnf»
überdiefs (wie die Action , die Ursache der Er
regbarkeit ist) als von. einer höhem Ordnung
ausgehend, gedacht werden , weil wa^ Ursachе
des -chemischen Processes, — (in™iner be
stimmten Sphäre)' istf, nicht wieder ein Princip
derselben Sphäre seyri Isann. Also wäre die all
gemeine chemische Influenz identisch mit der
Ursache der Erregbarkeit.
.. c)
V
e) Aber die Ursache der Erregbarkeit rrmfs den che
mischen Einflüssen entgegenwirken, also kann
sie nicht identisch mit jener allgemeinen chemi
echen Influenz seyu , es wäre denn , dafs diese
selbst nur in eiпеr Rücksicht chemisch, in andrer
Rücksiebt aber nicht chemisch wäre. Es fragt
sich,, ob und wie ditjs gedacht werden kön- .
ne ? —

Wir haben jene Thätigkeit, (die Ursache der Er


regbarkeit ist), chara Irterisirt als eine solche, de
ren nothwendige Bedingung Du/iiicitcit ist.
Aber man kann sich keine Thätigkeit decken,
deren Bedingung nothwendig Dupliquât ist , als
nur- eine Thätigkeit, dtren Tendenz chemisch
ist, weil nur zum chemischen Procefs jene Du-
plicität nothwendig ist. Also mufste jene Thä
tigkeit, die Ursache der Erregbarkeit ist , selbst
eine der Tendenz nach chemische Thätigkeit
еeyn.. — Aber jede Thätigkeit erlischt in ihrem
Produkte. Wenn also die Tendenz jener Thä
tigkeit der chemische ProceTs is! , so müfste es
eine Thätigkeit seyn, die im chemischen Procefs
erlischt, die insofern also nicht chemisch
ist. — Aber die chemische Thätigkeit erlischt
auch im chemischen Proc-fs (wo zwei Körper
in Ein identisches Subject übergehen) wirklich,
denn nur zwischen Körpern, die sieh u-echselsei.
tig Subject und Object werden können, ist oin
chemischer Procefs möglich. Alsd'ist die che-
L 2 mi-
., t mische Thätigkeit selbst eine Thätigkeit, dip
nur der Tendenz nach chemisch ist, aber die
ihrem Princip nach, vyeil sie nur unter der
Bedingung der Duplicität möglich ist, antiche-
misch genannt werden mufs. , *

Also ist die Ursache der Erregbarkeit identisch


mit jener allgemeinen Ursache des chemischen*
Processes, insofern nämlich die letztere nur
ihrer Tendenz, nicht aber ihrem Princip nach
Ghemisch ist.

8) Vorerst löst sich hiermit nun der verwickeile


Streit zwischen den oben in Conflict gesetzten Syste
men , dem chemisch -physiologischen, und dem Sy
stem der Lebenskraft in seinen Hauptpunkten wenig
stens auf.
aj Ob das Leben ein chemischer Procefs seye oder
nicht, darüber wird die Folge der Untersuchung
entscheiden. Aber isl das Leben ein chemjsçher
Procefs, wie kann der chemische Procefs wieder
Ursache des Lebens sey-h , oder das Leben «çr« >
klären? Darum giebt uns das chemische System
etatt der Ursachen nur Wirkungen, (z. ß. ..thie
risch - chemische Wahlanziehung, thkrische
Crystallisation," und wie die unverständlichen
W:;rte weiter lauten)- Vielmehr, wenn das Le
ben selbst ein chemischer Procefs ist, so müssen
ja beide noch erklärt werden, und zwar aus einer
gemeinschaftlichen höhem Ursache, aus einer Ur-
»a-

i
\
each, die selbst keiner chemischen Verwandtschaft
unterworfen, nicht alsBestandtheil —(als einzelne
Materie^ — in den chemischen Lebensprocefs
emgehen kann. *) — Nim ist ja aber die Thä-
tigkeit, welche Ursache — (von den Bedingungen
des chemischen Preciases, ist hiev noch nicht
die Rede) — des chemischen Processes ist, in
ihrem Princip selbst nickt chemisch. Wen»
also auch Ein und 'dasselbe Princip Ursache des
Lehens, und des chemischen Processes ist, so
folgt ja daraus noch nicht, dafs das Leben ein
chemischer Proccfs seye. Denn das Leben könn
te ja (und könnte nicht nur, sondern 4st viel
mehr), wie die Verlheidiger der Lebenskraft -—
(in der Rücksicht, dafs sie das Leben constants
als etwas über das chemische Erhabnes ansehen,
unendlich hervorragend über die chemischen
Physiologen) —- mit Wahrheit sagen, nur der
X,eudcnz nach chemisch, (gerade wie jene Ursa
che), und .dieseTendenK ist beständig gehemmt,
wozu es freilich keiner Lebenskraft bedarf. Denn
wenn wir nun
b) auch, eine Lebenskraft annehmen wollten, (ob-,
gleich eine Erdichtung anzunehmen weder Phy-
)••?• , . L 3 elk

О Ob man diese vom Verfasser in einer frühem Schrift


aufgestellte, mit Beweisen belegte Behauptung jttzt
, besser verstehen , — oh man überhaupt die ganze
Tendenz jener Schrift nun ein sehen wird, steht zu er
warten.
»ik noch Philosophie gut heifst) so ist mit die
sem Princip nicht- einmal etwas erklärt. Denn
in jeder Kraft decken wir uns eine Unendlich«,
keit. Keine Kraft ist beschränkt ale durch eine
entgegengesetzte. Gesetzt nun, es gäbein der
Natur eine besondre Lebenskraft , die eine, ein
fache Kraft "wäre, so könnte es ja durch diese
Kraft nie zu einem bestimmten Producte kom
men, und wenn man mu die Bestimmtheit ih
rer Production zu erklären in diese Kraft schon
etwas Negatives setzt , *) hört sie auf eine ein
fache Kraft zu seyn, man mitfs ihre Factoren
angeben und so sie der Construction unterwer
fen können. ;..-1,iV¿>lfe'fe 'z&.-.-fär'W---'

Anmerkungt

Dafs aus diesen beiden entgegengesetzten Syste


men ein drittes emzig wahres hervorgehen
müsse , war leicht vorherzusehen , aber die-
see dritte hat bis jetzt nicht existirt, denn das
Browuische , das man etwa zum Voraus da-
jl.i i.v....;./ für
*) Eben dadurch unterscheidet sich der organische Bil-
dungstrieb von jeder andern Kraft in der Natur, dafs
in ihm ei.i StRhtand, ein Beichränktseya auf eine
bestimmte Production möglich ist, dagegen jede an
dre Naturkraft, die nicht näher oder entfernter dem
Jjildungstrieb vervV-andt ist , -i— (denn es ist Eine Un-
sache, die allen Naturformen ihre Bildung gîebt)->-
in,s Unendliche forteilt, ohne Ruhe und ohne Object
in dem sie stillsteht, • . .- I
für halten möchte, weil es jenen beulen Syste
men zugleich entgegengesetat ist, istes nicht,
wenigstens , wenn man nur ein solches Sy?
-stem für ein wahrhaft physiologisches erkennt,
was das Leben aus Naturursachen erklärt. FoL-
. gendes wird dienen, diese Einsicht weitet
zu befördern, \.-

Begriff des Organismus mufs, wie im erstem


Abschnitt dieses Werks gezeigt worden -ist*
nnthwendig der Begriff einer immanenten,
hlofs auf ihr Subject gerichteten Thätigkeit,
die aber nothwemlig zugleich eine Thätigkeit
nach aufsen ist, gedacht werden. Aber diese
Thätigkeit nach aufsen läfst sich Tals eine
sprünglich- innre) gar nicht unterscheiden, als
imGegens^tz geigen eine ättfsre Tbü tigkei t, à . h.
sie ist nothwendig zugleich Receptivität für
iiufsre Thätigkeit. Nur in cjem Punkt, in
welchen der äufsre Widerstand* fällt, kann
jene Thätigkeit als eine zugleich immanente
und nach aufsen gehende Thätigkeit apperci-
pirt werden, und umgekehrt, nur in den Punkt,
" von welchem aus jene äufsre Thätigkeit in
' sich selbst rèílectirt wi'fd, fällt der" Wider-
Stand — was nicht in diesen JPunkt fällt,
ist, für das Organische überhaupt nicht da.
1^— Diesen Begriff nun, daTs die organische Thä
tigkeit nachahfsennóthwendigzugléichRecepti-
tität für einÀeufsres, und umgekehrt, diese Ile-
L 4 >, ce
ceptivïtât für ein äufsres nothwendig zugleich
Thäiigkeit nach anisen ist, hat Brown durch
den Begriff der Erregbarkeit sehr gut bezeich
net, ohne doch diesen Begriff selbst ableiten
' , i zu können.

Aber da es für die Physiologie nicht genug ist, die


sen Begriff aufzustellen oder selbst abzuleiten
sondern da vielmehr auf eine Construction
desselben (d. h. Reduction auf Naturursachen)
gedacht werden mufs (wozu Brown selbst sich
unvermögend erklärte), so überlege man, wie
für den Organismus die Welt, mit der er iden
tisch ist ein äufsres (eineAuf's enwelt überhaupt)
werden könne, als durch Einflufs einer Kraft,
welche in Bezug auf jene Welt selbst ein*
älifsre ist, d. h. einer Kraft aus einer höhern
Ordnung, wo dann der Organismus nur gleich-
aam das Medium ist, durch welches entgegen
gesetzte Affinitätsordnungen sich berühren.
Es ist also nicht eine Thätigkeit des Organismus
selbst, sondern eine höhere, durch ihn selbst,
als Mittelglied wirkende Thätigkeit, die Uf-
sache seiner Erregbarkeit ist. Denn durch die
Einflüsse seiner Au Isen weit, (welche Brown
als die erregenden Potenzen nennt) kann nur
, . die Erregung (unter Voraussetzung der Erreg
barkeit) nicht aber die Erregbarkeit selbst er,
klärt werden. Jene erregenden Einflüsse sind
nur die negativen Bedingungen , nicht aber
die
i
'Л;
,1 die positive Ursache des Lebens fader tier
Erregung) selbst. -- Aber nachdem man als
erregende Potenzen alle Einflüsse der äufserti
Natur hînvveggenommen , bleibt als Ursache*
der Erregbarkeit nichts übrig als die Action ei
ner höhern Ordnung, für welche jene Na lur
selbst auch ein Aeufsres ist ; wodurch denii zu
gleich die im vorhergehenden Abschnitt anf-
gestellte dynamische Organisation, des Uni-
4. versüms , als einer unendlichen Involution ',
.wo System iu System dynamisch begriffe)» ist,
von einer neuen Seite als nothwendig darge-
than ist.

II.
Alle organische Thätigkeit (da sie Wirkung ei
ner Ursache ist, die nur unter der Bedingung der
Duplicität tha t ig ist) setzt Duplicität schon voraus.
Es bleibt also inimer noch die Frage übrig : wie*die-
se Duplicität ursprünglich in den Organismus
homme ? . . . " • .'. .
Und damit man nicht etwa glaube , am kürze
sten mit der blofsen Berufung auf das Daseyn ent
gegengesetzter Systeme in der Erscheinung des Orga
nismus abkommen zu können, mufs sogleich be
merkt werden, dafe diese selbst schon anstatt Ursa
che jener Duplicität , (welche Bedingung der Erreg
barkeit ist) , vielmehr Product derselben, also auch
Product der Erregbarkeit sind. Denn in der animali-
L 5 sehen
»cheе Natur geht alle Bilrlung von einem erregbaren
Punkt aus. Sensibilität ist da , ehe ihr Organ sich
gebildet hat, Gеhirn und Nerven anstatt Ursachen
der Sensibilität zuseyn, sind- vielmehr selbst schon"
ihr Product. — Die entgegengesetzten Systeme
(das irritable und das sensible), in welche der Orga
nismus zerfallt, sind nur das Çefiiste jener organi
schen Kraft, - nicht die-Kraft selbst. —; Davon nichts
eu sagen , dafs man jene entgegengesetzten Systeme,
in der Einen Hälfte der organischen Natur gar nicht
demonstriren harm, ohne ihr defshalb die allgemei
ne Eigenschaft alles Organischen , Erregbarkeit , ab
sprechen zu können. _ _->м, -r
Die Erregbarkeit ist also nicht vollständig er
klärt, ehe der erste Ursprung der organischen Du-
plicität erklärt' lsbr'-Л ;
1) Soviel ist ausgemacht! Alle organische Tha«
thigkeit stellt sich im Organismus als Object, dar.
Wa* also Çuelle aller organischen Thätigfeeit ist,
kann nicht wieder im Organismus als Object .erschei
nen. Nun ist aber die ursprüngliche Duplicität Be
dingung aller organischen Thätigkeit , Çuelle aller
Thätigkeit also die Ursache der Duplicität selbst; -

2) Es mufs also eine Ursache als wirkend im


Organismus gedacht werden, die nur 'als unmittel
bare Quelle andrer Thätigkeit erkannt wird , die also
ñnr durch Thätigkeit, nicht wie jede andre Thätig
keit durch und im Objecte erkennbar ist.

Eine
Eine Ursache aber, die nicht unmittelbar wieder
objectiv sich darstellt, sondern nur als Ursache einet
andern Thätigkeit erkannt wird, kann offenbar nur
eine m ihr Subject zurückgehende, d. h. negative
Ursache seyn. Aber eine negative Ursache ist nur
denkbar, als eine Ursache der Receptivität. .;

Ursache aller organischen Duplicität ist also die


Ursache, wodurch in den Organismus eine ursprüngli
che Receptivität kommt.

Eine solche Ursache, durch welche die Rece


ptivität des Organismus voraus bestimmt ist, lmifi
man doch wohl als Ursache alles Organismus anneh
men. Denn durch Receptivität für äufsrö Einflüsse
überhaupt kann ersieh von dem Unorganischen nicht
unterscheiden. Vielmehr dadurch allein unterschei
det sich das Lebende vom Todten, dafs dieses jedes'
Eindrucks empfanglich ist, jenem aber eine eigen-'
thümlichc Sphäre der Receptivität durch seine eigne
Natur zum Voraus bestimmt ist;' denn durch die
Sphäre seiner Receptivität ist dem Organismus auch
die Sphäre seiner Thätigkeit bestimmt. Die Sphäre
seiner Receptivität nmfs also bestimmt seyn durch
dieselbe Ursache , durch welche seine Natur über
haupt bestimmt ist. — • «

Die Ursache der — Sensibilität also Ursache al


les Organismus, und Sensibilität selbst Quell' und
Ursprung des Lebens! In alles Organische raufs also
auch der Funken der Sensibilität gefallen seyn, wennt
,. Sich
eich ihr r)asé,vti auch in der Natur nicht überall de,
mor-striren liifst, denn der Anfang der Sensibilität
nur ist der Anfang; des Lebens. — fVt<t sie in der
organischen Natur, obgleich ohne sie kein Organis
mus möglich ist, doch indemonstrabel seyn könne^
wird in der Folge klar werden. '- " . ." . ,

Aber wie ist denn Sensibilität Überhaupt derpon-


etrabel in der Natur? Die Ursache der Sensibilität
ist eine in ihr Subject zurückgehende Ursache , also
kaon sie nicht unmittelbar im Object èrkannt wtr>
den. Als Quelle aller andern ,organischen Thatigkeit,
kann sie nur durch Uiätigkeit erkannt werden. —

(Es braucht wohl — für die meisten Leser wenig


stens — nicht erinnert zu werden, dafs Sensibilität
mir ein ganz physikalisches Phänomen ists und dafs
es nur als solches hier in Betrachtung kommt.. —--.
Aber auch physikalisch angesehen , . ist Sensibilität
nicht etwas Aeufsres, was man im Organismus als
Object erkennen könnte> sondern etwas in das Sub
ject . des Organismus zurückgehendes , ja, dieses
6elbst erst copstituirendes -— mit. einem Worte das
Absolut- Innerste des Organismus selbst ; (und darum
mufs man sei) Uefsen, dafs ihre Ursache etwas ist,
Jas in der Natur überhaupt nie objectiv werden
kann, und so etwas mufs doch wohl in der Naiur
áeyn, wenn die Natur ein Product aus sich 6e!bst
5st«)
Auf Sensibilität wird nur geschlossen , well sie
überhaupt nichts aufser dem Subject des Organis
mus ist. Und woraus denn? — Etwa aus Sinnes
organen? — Aber woher weifst du denn, dafs sol
che Organe Bedingungen der Sensibilität sind? «~ь
Nur aus mnrer Erfahrung. Aber hier ist der Orga
nismus blofs als Object gegeben. Woran erkenust
du also im Organismus als Object die Sensibilität?
Dies ist die Frage. Du erkennst sie nur aus dem
• aufsern Effect , den du im Organismus als Object
siehst, erkennst also nicht sie selbst, sondern nur
ihre äufsre Erscheinung^.
*..'...
, Was also jene Ursache in Bezug auf ihr Subject
seye, kann wohl gesagt werden. Es ist eine Ursa
che, wodurch in ein ursprünglich Identisches Du-
plicltät kommt: Aber Duplicilät in einem ursp.riing-
glich Identischen (A — A) ist nicht möglich,
als , insofern die Identität seihst wieder Product der
Dupiicität wird, (wo denn A = A soviel heifst, als
A ist tlas Product, von sich selbst). Dupliciicir, oder
Sensibilität (denn beides ist gleichbedeutend) Itt also
im Organismus nur insofern er sein eigen Object
wird , die Ursache der Sensibilität also die Ursache
wodurch der Organismus sein eigen Object wird.

Aber mit dieser Antwort erfahren wir nicht mehr


als wir vorher wufsten. Denn im Organismus ist
Dnplicität, und; der Organismus ist sein eigen Çb-
ject, ist Eins und dasselbe.
Der
Ч , Der Sinn der Frage mufs also ein andrer seyn,
nämlich dieser, was die Ursache der Sensibilität ab-
etrahirt von ihrem Subject . ivas sie objectiv, oder
an sich seye? * . . ».
Die Frage so gestellt, ist offenbar, dafs diese
Ursache, als Ursache alles Organismus , ausserhalb
der Sphäre des Organismus selbst fallen mufs. Sie
kann aber eben so wenig in die Sphäre des Mechani
smus fallen, denn der Organismus kann dem Anorgi-
echen nicht untergeordnet seyn, Sie mufs also in «fi
ne Sphäre fallen, die Organismus und Mechanismus
(die beiden Entgegengesetzten) selbst wieder unter
sich begreift, und höher ist, denn beide. Aber iene
t
höhere Sphäre ist keine andre, als die Natur selbst,
insofern sie als schlechthin unbedingt , (als absolut
organisch) gedacht wird. Mit andern Worten also :
die Ursache der Sensibilität (öder was dasselbe ist,
der organischen Düplicität überhaupt) mufs in die
letzten Bedingungen der Natur selbst sich verlie
ren. — Sensibilität als Phänomen steht an der.Grän«
ze aller empirischen Erscheinungen , und an ihre
Ursache als das höchste ist in der Natur alles ge
knüpft. — (Man kann zu dieser Einsicht auch aпf
andrem Wege gelangen. — So nämlich wie der Or.
ganísmns Duplicität in der Identität ist , so ist es
auch die Natur; die Eine, sich selbst gleiche,
und doch auch sich selbst entgegengesetzte.- Da
rum mufs der Ursprung der organischen Duplicität
xn'ftdemUrsprung derDtiplicität in d erNatur überhaupt,
d. h. mit dem Ursprung der Natur selbst Eines seyn. i—
\ Aber
•Aber sollte ЧГепп wirklich гuЪЪ jene Duplicitäb
in der Identität nur in der organischen Natur er
kennbar seyn? — Wenn der Urspmng des Organ*-
emus mit dem t1er Natur selbst Eines ist, so ist a prio
ri einzusehen, dafsauchin der anorgischen oder viel,
mehr in der allgemeinen Natnr etwas derselben Ana,«
loges -vorkommen mufs. Aber in der allgemeinen,
Natur zeigt sich nichts der Art, als nur in den Er
scheinungen des Magnetismus —).
3) Sensibilität wird nur in andrer Thätigkeit er
kannt. Thätigkeit ist ihr Product (nicht ein Object,
in dem sie erlischt).: Es rnuGs also wiederum erklärt
werden, wie Sensibilität unmittelbar in Thätigkeit
übergehen könne?
In den Organismus kommt durch die ursprüng
liche Duplicilät eine ursprüngliche .Entgegensetzung.
Der Organismus ist sich selbst entgegengesetzt, abei;
damit es zum Product kpmroen könne ...muís er mit
eich selbst im Gleichgewicht stehen. In den Gleichr
gewichte.- (oder Indifferenz-) Punkt wird das fallen,,
wae wir bisher den Organismus als Object genannt,
haben, mit einem Wort das Product, So kommt
in den Organismus Ruhe, sein Zustand ist ein Zu
stand der Homogeneiüit , er ist eine eigne in sich ru-
hende, in sich beschiofsne Welt. ; (
Aber in diesem Gleichgewicht würde alle orga
nische Thätigkeit erlöschen , der Organismus würde
aufhören, sein eigen Object zrí seyn, denn er würde
sich in sich selbst verlieren.
Те
Jenes Gleichgewicht (der Zustand der Indifferenz)
rflufs also continuirlich gestört, aber auch contitmir-
lich wiederhergestellt werden. Ее fragt sich, wie?

Im Organismus selbst liegt kein Grund seines


Gestörtwefdens. Er müfste also aufser dem Orga-
nismus liegen. — (Al.s aufser dem Organismus lie
gend mufs aber alles nicht organisirte angesehen wer«
den, also z. B. auch die Flüssigkeiten, die in ihm
selbst cirkuliren — die sonach nicht zum Subject
des Organismus gehören, also z. B, auch nicht Sub
ject der Krankheit eeyn können — deren Existenz
übrigens erst in der Folge vollständig kann abgelei;
tet werden). —

Aber gestörtes Gleichgewicht ist in der Natur


erkennbar nur durch die Tendenz zur Wiederherstel
lung. So gewifs es also gestört wird, mufs auch ei
ne Tendenz zur Wiederherstellung desselben im Or
ganismas seyn. Aber diese Tendenz kann (wie alle
Thätigkeit) nur vom höhein Organismus ausgehen,
also mufs der höhere Organismus durch die Passivi
tät des niedrem zur Thätigkeit bestimmt werden kön
nen, diefs ist nicht anders möglich, als wenn durch
das Minus von Thätigkeit im Niedern, ein Plus von
Thätigkeit (d. h. Activitäi) im höhern bedingt ist.
Es fragt sich, wie diese Thätigkeit möglich sey?

4) Vorerst ist klar, daîs es eine Thätigkeit seyn


mufs, die in den Organismus als Object übergeht
— (die nicht wieder in ihn zurückgeht) — .Es ist,
mit
mit einem Wort , eine Thätigkeit nach aufsen. Aber
dafe es für den Organismus überhaupt etwas Aeufs-
res, d. h. etwas von ihm verschiednes gebe, ist
nur durch eine höhere Influenz möglich, für
welche die Aufsen weit des Organismus selbst ei
ne von ihr verschiedne, d. h. äufsre Welt ist. Aber
auf und durch den Organismus ist wirklich eine sol
che Influenz thätig. (oben S. 161) Diese Influenz
aber zeigt eich in der Erfahrung (in den elektischen
Phänomenen z. B.) als eine solche, die nur nnter der
Bedingung der Duplicität thätig ist (oben S. 162).
Sie wird also im Organismus nur unter Bedin
gung der Duplicität thätig .seyn. Duplicität wird
der organische Thätigkeitsquell seyn. Aber im Orga
nismus iet die Duplicität aufgehoben , er steht mit
sich selbst im Gleichgewicht, es ist in ihm Ruhe,
aber es soll in ihm Thätigkeit seyn. Diese kann
nur durch beständige Wiederherstellung der Duplici
tät hervorgebracht werden. - Aber, diese beftändige
v Wiederherstellung kann selbst nur durch ein Drittes
geschehen, und darum wird jene 'Ursache im Orga
nismus nur unter der Bedingung der Triplicität als
thätig erscheinen,

(Dadurch also wäre die nothwendige Triplicitat


im Galvanismus abgeleitet. Der dritte Körper in
der Galvanischen Kette ist nämlich nur darum noth-
ivçndig, damit der Gegensatz zwischen den beyden
andern erhalten werde. Denn awei Körper von ent
gegengesetzter Beschaffenheit, in Berührung ge-
M bracht,
bracht, setzen sich ganz nothwendig ins Gleichge
wicht unter einander und zeiget^ keine Electricität,
als bei der ersten Berührung und der nachher erfol
genden Trennung, (Diefe geht aus Vvita's neuem
Experimenten hervor, aus welchem erhellt, dafs um
Electricität überhaupt hervorzubringen die blofse Be
rührung und Trehnung zweier heterogener Leiter
nothwendig ist; aber der Electrophor ist fchon hinrei
chend, diefs zu beweisen). Die Aufgabe ist aber:
es sqU eine Verbindung von Körpern gefundeù wer
den , durch welche ohne wiederholte Berührung und
Trennung, also bei vollkomm n er Ruhe, (denn
der Organismus ist doch Ruhe in der Thätigkeit) —-
eine fortwährende Action bedingt ist, und diese
Aufgabe kann nur durch die Galvanische Kette ge
löst werden, denn in derselben ist durch ihr Ge«
schlf/ssenseyn selbst, und ihr Geschlossenbleib
eine fortwährende Action bedingt, weil %ron
drei Körpern ABC, keine zwei sich unter einander
ins Gleichgewicht setzen können , ohne durch den
dritten gestört zu werden, weil also zwisc
V- ' '" '.¡.-jipa
heterogenen Körpern überhaupt kein Gleichgev
möglich ist.

Da nun der Organismus nicht absolute lluhe


sondern nur Muhe in der Thätigkeit ist, so mufs
im Organismus auch jene Triplicität als beständig
vorhanden angenommen wertlen. Aber ist sie be
ständig vorhanden, so ist im Organismus Thätig
keit zwar, aber homogene gleichförmige Thätig
keit.
keít. Aber homogene, gleichförmige ThRtigkeit er*
scheint im Object (äufserlich) überhaupt als Ruhe.
Nun würde aber eine Thätigkeit poetulirt , die
in den Organismus ale Object übergeht, (3. 4.) d. h.
die eich durch eine äufsre Veränderung im Organi
smus darstellt. Jene Triplicität muTs also als nicht
beständig vorhanden im Organismus angenommen
werden.

Dieser Widerspruch läfst sirh nur so auflösen:


Jene Triplicität mufs beständig nur werden , (entste
hen und verschwinden, verschwinden und wieder
erstehen), nie seyn. Wie dieses continuirliche Wer
den und Verschwinden möglich ist, braucht hier
nicht untersucht zu werden (ohne Zweifel dadurch,
dafs der Eine Factor in ihr ein veränderlicher und
beständig veränderter ist.) — Beständig werdende
Triplicität also ist Bedingung jener Thätigkeit, de-
ren Möglichkeit unsre Aufgabe war.
5) Aber es ist noch eine andre Aufgabe: durch
welchen Effect (welche Veränderung) wird jene Thä
tigkeit im Organismus als Object sich darstellen?

Es ist eine Thätigkeit, deren ursprüngliche Be


dingung Duplicität ist. Eine Thätigkeit aber , de
ren Bedingung Duplicität ist, kann nur eine solche
seyn, die auf Intussusception geht, (weil die Bedin
gung der Intussusception nur Zweihett ist). Jene
Thätigkeit wird also äufserlich als eine Tendenz zur
Intussusception erscheinen. Aber keine Intussusce-
И) ption
ption ist möglich ohne Uebergang in Eine gemein
schaftliche Raumerfüilung, und dieser Uebergang
nicht ohne Verdichtung oder Vermindrung des Vo
lums. Jene Thätigkeit wird also äufserlich erschei
nen s als eine Thätigheit der Volumsverminderung,
der Effect selbst als Contraction.

{Den Mechanismus der Contraction zu. erklären,


iß: sehr viel ersonnen worden, was aber bey näheret
Betrachtung wieder in nichts sich auflöst. Die Mey-
nung, dafs mit jeder Contraction ein Uebergang .au»
duns' förmigem , in tropfbarflüssigen oder; nu»
flüssigem in festen Zustand und daher eine Verdich
tung vor sich gehe, hat zwar einiges für sich, näm
lich, dafs die Natur eben in solchen Uebergängen
gvofse Kraft zu zeigen pflegt — dafs das Thier und
die Pflanze objectiv angesehen, doch wirklich nichts
anders 6jnd, als ein cominuirlicher Sprung aus dem
flüssigen ins feste (so wie alle Organisationen , ala
Amphibien , zwischen das feste und das flüssige ur
sprünglich gestellt sind) — dafs mit dem Alter die
Starrheit der Bew egungsorgane zunimmt u. s. w. •—
Allein alle diese mechanischen Vorstellungsarten
bleiben weit unter der Wirklichkeit, eine Menge
Phänomene, die besonders derGal vanismus darreicht,
laffen sich daraus gar nicht begreifen. — Näher
der Wahrheit ist ohneZweifel de» sinnreichen Erasm.
Darwin's Vorstellungsart, (in seiner Zoonomie)
— insofern wenigstens , als eben bey den ele
ktrischen Phänomenen , so , wie bey denen der Irri-
tabi-
, , t ' N . I

tabilität ein Wechsel der Zusammenziehung und der


Wiederausdebnung statt findet, ein Wechsel der An
ziehung und Zurmckstoisung bemerkt wird , und
dafs eben hier auch die Wiederherstellung eines ho-
viogenen ZustandesB edingung der Wiederausdehnung
ift. —> Obgleich es gewifs ist. dafs beyde (wie die
Phänomene der Electricität und der Irritabilität über
haupt) nur analogisch, nur so mit einander vergli,
chen werden können , wie das Höhere mit dem Nie,
deren verglichen werden kann).
6) Aber die Tendenz jener Thätigkeit ist die In
tussusception , und ebendeswegen , weil jede Thä-
tigkeit in ihrem Produkt erlischt, würde tie in der
' Intussusception erlöschen. Es kann also nicht zuf
Intussusception kommen. — Es fragt sich, wie
iiefs möglich?
Nur auf folgende Art: Es mufste durch die
Tendenz zur Intussusception selbst, ihre Bedingung
wieder vernichtet werden. (Auf welche Art diefe
geschebe, ist hier wiederum nicht zu untersuchen,
Es könnte z. F.. dadurch geschehen , dafs der dritte
Körper in jenem Conflict, immer und nothwendig
ein ßüssiger wäre, der durch die Contraction selbst
fortbewegt würde. Denn alsdann würde durch jede
, Contraction ihre Bedingung selbst wieder aufgeho
ben — es wäre wieder blofse Duplicität und nicht
mehr Tripliciiät vorhanden).
Aber wird die Bedingung aufgehoben, so hört
auch das Bedingte , die Thätigkeit auf. Aber diefes
• - -i M 3 blo
I t i
blofee Aufhören der Thätigkeit kann nicht Urjache
der Wiederherstellung des vorigen Zustande des Or-
gane seyn. Es mufs vielmehr mit dem Aufhören
jener Action, welche Ursache der Contraction, eine
tutgegengesetzte Action eintreffen, welche Ursach»
dee entgegengesetzten Zustande des Organs wird. —
Diese Aktien niufs nicht eintreten können , so lange
eine entgegengesetzte ihr das Gleichgewicht hält, sie
mute aber hervortreten , so wie ihre entgegengesetz
te verschwindet, d. h. sie mufs eine immer gegen-
wärt ige, und in dem Subject des Organismus selbst
idete Aktion, sonach die Aktion der Duplicität

• -•Л, J$.''
t Ihre Wirkung ist die entgegengesetzte von der
Contraction, d. h. Wiederherstellung de» Volums,
oder Expansion.

Jene Thätigkeit also würde im Organismus als


Objekt durch, einen Wechsel von Contraction und
Expansion eich darstellen.

Anmerkung.
Es ist durch das bisherige nicht nur die Irrita»
bilität (im engern Sinn des Worts) überhaupt abge
leitet. Es sind auch die Bedingungen ihrer Mög
lichkeit angegeben.

a) Ihre letzte Bedingung die organische Du


plicität. Es erklärt sich daraus, warum die Ir
ritabilität an das Daseyn entgegengesetzter Sy
»teme
183
• »§• -i. V
». •. . • \
»teme (des Nerven - und Muskelsystemei in der
Erscheinung des Organismus geknüpft erscheint.
Erscheint sage ich , denn bis zum ersten Ur
sprung der Duplicität selbst reicht keine Erfah
rung. —« 4 Wie alles Sichtbare nur Darstellung
ist, eines Unsichtbaren , so repräsentirt jenes hö
here System nur dasjenige, was nie selbst zum
Objekt wird im Organismus. An jenem System
( dem der Nerven ) kann die organische Kraft
nur defswegen nicht als an ihrem Objekt äu-
fserlich sich darstellen , weil es selbst erst die
Brücke ist, über welche jene Kraft in die Siri-
nenwelt gelangt. (Der Organismus ein Mittel
glied zweyer Welten). Wie die Sonne durch
nach allen Richtungen geworfne Strahlen (dai
• Bild von ihr selbst) — die Richtung ihrer hö
hern Influenz nur bezeichnet, so sind die Ner
ven nur die Strahlen gleichsam jener organi
schen Kraft, durch welche sie ihren Uebergang
in die Au fsenweit andeutet. Darum auch, weil
sie ihr erstes Produkt sind, ist jene Kraft an die
Nerven wie gekettet und von ihnen nicht zu
trenneu. Aber darum auch, wreil die Ursache
des Lebens mit ihnen sich identiñeirt hat, ist es
'V^ttmgiSgUch, dafs sie an ihne« selbst äufserlicb —•
,si (etwa durch Contraction , welche seichte Vor
stellung jetzt allgemein zu werden anfängt) sich
darstellet'^ ^ * ч
-^1fl|ás ist denn nun nach dem bisherigen ei-
gentlich Sensibilität? Alle Nebenvorstellun-
All
• W .... .1^1 (
gen, die diesem Wort anhangen , müssen nun
ausgeschlossen werden, und darunter nichts als
der dynamische Thätigkeilsqucll gedacht werdent
den wir in denOrganismns so nothwendig, als in
die allgemeine Natur überhaupt setzen müssen.
Aber es gebt auch a us untrer Ableitung der Irri
bilität hervor, dafs Sensibilit ät wirklich sich in
Irritabilität als ihr Objekt verliert, dafs es sonach
unmöglich ist, zu sagen, was jene an sich seye,
da sie selbst nichts Erscheinendes ist. Denn nur
das Positive wird erkannt, auf das Negative
wird nur geschlossen. Aber Sensibilität ist
nicht selbst Thätigkeit , sondern Thätigkeits-
qitell , d. h. Sensibilität nur Bedingung aller
Irritabilität. Aber Sensibilität ist an sich nicht,
ist nur in ihrem Objekt, (der Irritabilität) er
kennbar, und darum freylich, mufs , wo die
se ist, auch jene беуп , obgleich, wo sie unmit
telbar in diese übergehet, eigentlich auch
diese erkennbar ist. — Wie übrigens Sensi
bilität in Irritabilität übergehe, ist eben da
durch erklärt, dafs sie nichts anders, als die or
ganische Duplicität selbst ist. Der äufsre Reiz
hat keine andre Function als diese Duplicität
wiederherzustellen. Aber sobald die Duplicität
.wiederhergestellt ist, sind auch alle Bedingun
gen zur Bewegung wiederhergestellt.

Aber ebeneo wie Sensibilität Bedingung der


Irritabilität , so hinwiederum Irritabilität Bedin
gung
'-- *• • ' . , i

Г »85
gung der Sensibilität , denn ohne Thätigkeit
nach aulsen auch keine in ihr Subject zurückge
hende Thätigkeit, Es wurde oben feftgeletzt,
dafs der Organismus als Object ohne ErreguHg
von aufsen in den Indifferenz'punkt falle. Alle
Erregung von aufsen aj60 geschiehet nur durch
die Störung jenes Indiffevenzzustandes. Aber die
ser Zustand der Indifferenz ist selbst nur ein
Product der Irritabilität. Denn die Thätigkeit,
deren Tendenz Homogeneität, ist eben jene, wel
che in der Irritabilität als eine Thätigkeit der In
tussusception sich offenbart. Irritabilität also,
oder vielmehr die Thätigkeit welche in ihr wirk
sam ist , ist hinwiederum zwar nicht positive,
aber doch negative Bedingung der Sensibilität.
Denn jede Sensation ist nur als Störung eines
homogenen Zustande denkbar.

(Daher, weil durch jede Erregung von Au


fsen eine homogene Thätigkeit gestört, und
gleichsam in entgegengesetzte zerlegt wird,
ist in jedem Sinn eine nothwendige Duali
tät , denn Sensation bedeutet mir von nun an
nichts anders als eben Störung des homoge
nen Zuetandes des Organismus. Daher für
den Gesichtssinn die Polarität der Farben,
der Gegensatz zwischen warmen und kalten,
» der am prismatischen Farbenbild objectiv
wird — (so wie es wohl gewifs ist, dafs auch
, im Hunter'sehen Versuch der negative Blitz
M 5 * nicht
nicht eine blofse Privation, sondern eine reel
le Entgegensetzung des andern ist, obgleich
in jeder Dualität aulser dem eigentlichen Ge-
gegeneatz noch ein Mehr und Weniger ist,
wie z. Б. die prismatichen Farben des Einen
Pols auch die dunklem Farben, der Eine
Pol des Magnets auch zugleich der schwächere
ist); — für den Gehörsinn die Dur- und
Molltöne, für den Geschmackssinn der saure
.und alkalische Gesehmack, (denn alle andre Ge-
echmacksarten , sind nur Mischungen dieser
beiden in verschiednen Verhältnissen). Für
den Geruchssinn existirt ohne Zweifel ein glei
cher Gegensatz, der nur deswegen nicht deut
licher ist, weil dieser Sinn überhaupt der dun
kelste (daher für Idcenassociationen geschick
teste) und (wegen seiner Undankbarkeit) am
wenigsten cultivirte ist. — Man kann diese
nothwendige Dualität in jedem Sinn gebrau
chen, als Unterscheidungsmerkmal des Sinnet
überhaupt. Daher verdient z. B. das Wärme
gefühl den Namen eines Sinnes nicht, weil
in ihm kein Gegensatz , sondern ein blofses
Mehr oder Weniger möglich ist. — (Gegen
satz nur da , wo Factoren in der Verbindung
eich nentralisiren , wie die entgegengesetzten
Farben des Prisma , der saure und alkalische
"Geschmack u. s. w.\ — Für den Geschleehis-
einn aber fällt sein Gegensatz nicht in ihn
selbst, sondern aufter ihm.)
Ist
Ist Irritabilität oder ihr Product vielmehr, ein
homogener Zustand, negative Bedingung der
Sensibilität , und jene nur dem niedrem Orga
nismus eigen, so ist erklärt, wie der Organismus
sich selbst das Medium äuferer Einflüsse wird,
(oben S. 159) und der Galvanismus endlich
macht es augenscheinlich, denn in ihm erscheint
das irritable System nur als die Bewaffnung des
sensibeln , als das Mittelglied , wodurch dieses
allein mit seiner Aufsenwelt zusammenhängt.
7) Aber Irritabilität, (wodurch das Organische
als innerlich bewegt erscheint) ist immer noch etwas
Innres, aber jene Thätigkeit mufs ganz zu einer äu-
Jsern werden, ganz im äufsem Producte sich dar
stellen , und wenn sie in ihm sich darstellt in ihm
.erlöfchen. Aber diese Thätigkeit, in dem sie gana
in das Product als ein Aeuferes übergeht, ist keine
andre, als die productive Thätigkeit selbst, (der
Bildungstrieb). Irritabilität mufs also unmittelbar
in Bildungstrieb oder Produetionskraft übergehen.
Aber womit fängt denn auch alle Bildung in der
organischen Natur an, als mit der Irritabilität, d.h.
mit einem Wechsel von Expansion und Contractions
Wodurch geschiehet die Metamorphose der Pflanzen,
als durch einen solchen Wechsel von Ausdehnung
und Zusammenziehung. (Göthe über die Metam.
der Pflanzen), und ist nicht eben dieser Wechsel bei
der Metamorphose des Insekte fast noch sichtbarer,
ab bei der der Pflanze ? - ,";
Aber
Aber wenn in der Produetionskraft die Irritabili
tät nur als auf ihrer äufsersten Stuffe — im unmit
telbaren Uebergange in ihr Object — erscheint, so
mufs wenn die Production je vollendet ist, die Irri
tabilität völlig erlölchen. Aber die Production mufs
vollendet werden , weil sie überhaupt eine endliche
Production ist. Soll sie also noch nach Vollendung
des Products fortdauren, so mufste sie in einer Riick-
eicht endlich, in andrer unendlich seyn. Es müTsteeine
innerhalb ihrer bestimmten Sphäre wenigstens un-
endliche Production — das Bestehen der Organisa
tion müfste ein beständiges Reproducirtwerden. mit
Einem Wort, die Produetionskraft müTst» Reprodu-
ctianskraft seyn.
g) Es fragt sich wie Produetionskraft in Reprodu-
etionskraft übergehe?
. \ г'-/*. ' У .,"¡V ,. л *яМЯН|
Es ist vorerst nicht anders denkbar, als durch
; ,-'»yiML'
ein beständiges Wiederanfachen'-der Irritabilität, und
(durch die Irritabilität^ der Produetionskraft. Die-
ees Wiederanfachen , ist, weil Bedingung aller Irrita
bilität Hcterogcneität ist , nicht möglich — als da
durch., dafs in dem Organismus eine immer erneu
erte Heterogeneität unterhalten wird, und das Mit
tel, diese Heterogeneität immer zu erneuern und zu
unterhalten — die Nutrition.

Der Zweck der Nutrition kann also weder der


allgemein angenommene eeyn : Wiederersatz der
durch Friction abgeschliffnen und abgenutzten Thei-
le,
le, noch selbst die Unterhaltung des chemischen Le-
bensprocesses ( wie der Flamme ) durch immer neu
zugeführtes Material.
Denn wie höchst unbeträchtlich jener Verlust
der festen Tbeile diuch Friction seyn könne, haben
andre schon gezeigt. Und wo ist denn z. B. die Fri
ction in der Pflanze, die denn doch auch der Nutri
tion bedarf? Und welche unyerhaltnifemiifeige Mit
tel zu diesem Zweck»! Und wenn man ferner fol
gendes erwägt — dafs mit der Reizbarkeit eigent
lich in jedem lebenden Wesen das Bedürfnifs der
Nahrung erhöht wird, dafs in gleichem Verhällnifs,
in welchem die Nutrition vermehrt ist, auch die Re
epiration schneller und häufiger wird, dafa jedes
Thier im' Zustand der Verdauung' am meisten reine
Luft verdirbt u. 8. f. — Wenn man dièfs erwägt,
so wird man weit eher auf den Gedanken geführt,
dafs der Zweck der Nutrition die beständige Wieder-
anfachung des Lehensprocesses seye.
» -Allein dafs der Lebensprocefs wirklich chemisch
seye, (denn dafs er der Tendenz nach chemisch ist be
haupten wir selbst, und erklären eben daraus den
oberflächlichen Schein , den die Argumente der che
mischen Physiologen haben) — ist durch nichts be
wiesen; man könnte vielleicht sagen, dafs jener
Procefs , der in der Irritabilität noch als ein Procefs
von höherer Art erscheint, in dem Nutritions — und
Assimilationsprocesse endlich (seiner Tendenz ge-
mäfs ) chemisch werde. Allein man wird für diese
. . Be.
190 - — -
Behauptung höchetena scheinbare Gründe aufbrin
gen können ; dagegen wird sie durch den blofsen An
blick widerlegt. Nicht als ob nicht die Produkte
der Nutrition und der Assimilation chemische Pro-
dukte wären , denn welches Naturprodukt ist nicht
chemisch, {nichtchemisch ist nur das, was gar nicht
mehr Naturprodukt, wa# erste Ursache ist, ist)
sondern weil da» Entstehen dieser Produkte im Or-
smae nicht durch einen chemischen Procefs er-
ar ist. — Dafs chemiserie, d. h. der chemi
echen Analyse fähige Produkte erzeugt werden , hat
wohl jeder Physiolog eingesehen , nicht aber, durch
welche Ursache sie eraeugt werden. ,
Ist aber das Leben kein chemischer Procefs, eo
kann auch der Zweck keiner Function , also auch
nicht der Nutrition, der chemische Procefs eeyn).
Der Zweck der Nutrition mufe also ein ganz
andrer seyn , nämlich folgender. Was durch sie in
den Organismus kommt, wirkt als erregende Potenz,
wirkt also nur indirect chemisch. Seine erregende
Kraft ist allerdinge bestimmt durch seine chemische
Qualität, defswegen aber nicht selbst chemischer Art,
to wenig die elektrische Kraft eines Körpers, weil sie
bestimmt ist durch seine chemische Beschaffenheit,
defswegen selbst chemischer Art ist. — Und selbst
die Art, wie es als erregende Kraft wirkt, ist physi
kalisch erklärbar, seit der Entdeckung , dafs die
Activitàî der Glieder in der galvanischen Kette'be-
»timmt ist durch ihre chemische Qualität. .
^ Der

i
191

Der Zweck der Nutrition aleo immer erneuerte


Erregung des Organismus , d, h. Bestimmung des
Organismus zu beständiger Seibetreproduktion (oben
St 1580 aber der Organismus ist selbst wieder ein
Ganzes von Systemen , jedes System in diesem Gan
ten hat seine eigne, besondre Function, es mufs al
so auch auf eigne Art erregt werden. Es muffen al
so aus dem homogenen Stoff so viele differente Pro»
dukte (als Erregungsursachen) entstehen, als es dif
ferente Systeme im Organismus giebt, (Secretion,)
aber umgekehrt auch das Entstehen dieser difieren-
ten Produkte ist bedingt durch das Daseyn der dif-
ferenten Systeme, und ihre eigenthümliche Thätig-
keit. Dieser Procefs laufe also in sich selbst zurück,
Nach seinem Zweck braucht nicht weiter gefragt zu
werden. Er ist selbst Zweck und unterhält und re-
producirt eich selbst.

Es sind in dieser Behauptung eigentlich zwei


Sätze enthalten , die einer besondern Betrachtung
bedürfen. Nämlich '

aj Es giebt im System des Organismus einzel


ne Systeme von eigenthümlicher ^.rregbarkeit.
Wir läugnen also die absolute Identität der Er
regbarkeit durch den ganzen Organismus, nicht
als ob wir läugneten dale, was auf ein Organ er
regend wirkt, auch auf den ganzen Organismus
erregend wirke , denn dafs sich jede Erregung
des Theils auf den ganzen Organismus fort
pflanzt,
pflanzt, geschieht nicht wegen der absoluten*
elntität der Erregbarkeit, sondern vermöge
des synthetischen Verhältnifsee der einzelnen Sy
steme des Organismus unter einander, in dem.
sie alle in wechselseitigem Causalitäteverhältnilii
gedacht werden müssen. Auch denken wir un»
unter der eigenthümlichen Erregbarkeit keine
dunkle Qualität. Die Erregbarkeit eines orga
nischen Systems ist bestimmt durch die (chemi
sche , besser dynamische') Qualität seiner Fa
ctoren , welche macht, dafs es nur durch eine
solche und keine andre Ursache erregt werden
kann , ( ebenso wie die Excitationskraft eines
Metalls in einer bestimmten Galvanischen Ket
te bestimmt ist, durch die chemische Qualität
der übrigen Factoren der Kette); so z. B.
die Erregungskraft der Galle für das System der
Leber, ist bestimmt durch die Qualität der übri
gen Factoren dieses Systeme. Es ist also hier
nichts unerklärbares, oder physicalisch unbe
stimmbares.

b) Dato nun aber diese eigenlhümliche Erreg


barkeit wieder Ursache einer eigenthümlichen
Secretionskraft seye , ist eine Behauptung , die
besonders, bewiesen zu werden verlangt. — Der
Beweis liegt im Vorhergehenden. Was ist Se
cretionskraft anderes als speeiiische Reprodu-
ctionskraft? ÂberReproduçtionskraft ist ja von
Irritabilität und ursprünglich nicht verschieden,
spe-
einsehe Irritabilität also =; specifischer Reprodu-
ctiónskraft. —- Und ist denn dieser Uebergang
ohne Beispiel in der organischen Natur? Alle
Aristeckungsgifte wirken nur auf die Irritabilität,
sie wirken noch überdiefs aufser ihrer allgemei
nen, erregenden, Kraft specißsch , die Irritabili-
-tät ist durch sie speciiisch afficirt — und da»
Product dieser specißsch a fficirten Irritabilität
ist homogen mit der afficirenden Ursache — ist
wieder dasselbe Gift. — So ift also fur die
Leber z. B. die Galle eine Art von С,i Magium ;
ist erregende ^Potenz für das Oigan und da
durch selbst wieder Ursache seiner Reproduction,
Es ist also hier ein Galvanismus, der sich
selbst reproducirt. Wie aber jener Uebergang
der specifischen Erregung in speciiische Repro-
ductionskraft geschehe, (denn dats er gefchieht
ist ausgemacht), ist bis jezt unerklärt bloe
defswegen, weil man überhaupt von jenem hö~
hern (dem Product, aber nicht der Hervorbrin
gung nach) chemischen Procefs, der eine Wir*
kung des Galvanismus ist, noch keine Begriffe
hat, und vorerst nur aus der Einwirkung dee
Galvanismus auf todte chemische Substanzen
(von der man übsrdiefs bis jetzt auch noch we
nig kennt) auf das höhere analogisch schlie-
fsen kann, *)
Da
~) Indets weifs man doeh von veränderten Secretionen,
.. .. Dá aber die Erregung im Object sieb als be
ständige Se! bstreproduci ion darstellt, so geht freilich,
auch die Erregung durch die erregenden Potenz eu
der Nutrition unvermeidlich in einen Ansatz
voa Masse durch Affimilation über. Denn da¡ die
Erregung Selbstreproductiou wird , so kann der
Ansatz der Masse nur durch Affimilatiön geschehen,
und nicht die ursprüngliche organische Form, son
dern nur das Volum verändert werdeü. r— (Noth-
weudigkeit des Wachstums , der zwey ten Stoffe der
organischen Reproductionskraft).
.f.-
Anmerkung.
Folgende Erklärungen sind nöthig.

a) Ich sage, der Ansatz sei eine unvermeid


liche Folge der Erregung. Nicht also Assimila«
tion noch Wachstum sind Zweck der Natur bei
- • der Nutrition .Zweck ist nur die Erregung selbst«
die beständige Wiederanfachungdes höhem Lc-
bensprocesses , und diefer Lebensprocefs ist
nicht wiederum Mittel zu etwa» anderm ; er ist
das Leben selbst. Ansatz von Masse mid Wachs
tum ist also nur ein unvermeidlicher Erfolg
jenes Procefses , und insofern etwas in Anse-
f hung- des Processes selbst zufälliges, also ob
gleich der Erfolg selbst nicht zu laagnen ist,
doch
z. B. dor lymphetischsfcroren Feuchtigkeit, in Wunden,
die dem Galvanismus unterworfen wurden.
lg5.
doch nicht als Zweck der Nutrition an
zusehen,
b) Es rnnfs wohl gemerkt werden, dafs пur
geleugnet wird, die Assimilation geschehe auf
chemische Art, nicht also, dafs ihr Product
chemisch, und der chemischen Amilyse fähig
ist. Es bleibe.n also dabei alle Entdeckungen der
Chemie in ihrem Wen he, z. B' ddfs der Mecha
nismus der Animalisation in der Trennung deе
Stickstoffs von den übrigen Stoffen besteht u. 8. w,
c) Endlich, ist damit eine neue Ansicht der
Function aller Flüssigkeiten im Organismus be
gründet, nämlich, ddfs sie zugleich erregende
Ursachen des Organismus, und der Stoff sind,
woraus er sich producirt und reproducirt —
Die um den klopfenden Punkt des Eye ausge
gebene Flüssigkeit ist zuglehh Stoff, und (als
erregende Potena) Ursache der Bildung; daher
zugleich mit dem Stillstand der Bildung auch je
ner Stoff erschöpft ist. — So ist im Blut, die-
есr mächtigen Ursache der Erregung, zugleich
die Triplicität aller Organe des Lehens erkennbar,
denn wenn der fadenartige Theil die Sub
stanz des Muskels enthält, so enthält, anale-
gisch zu scbliefsen der seröse die der Ner»en-
fiber, der globulöse eiuilich die des .Gehirns,
(wodurch die Accidentaliität dieser Organe, und
daTs sie ein Product der Ii raft mcht die Kraft
selbst sind vollends ganz klar winl>.
,Na 9)
4
g) Aber jene Kraft die in der Reproduction ale
thatig erscheint, ist eine ihrer Natur nach unendli
che Kraft, denn sie ist an die ewige Ordnung
des Universum» selbst geknüpft, und ist wirksam,
wo nur ihre Bedingungen gegeben sind. Aber ihre
Bedingungen sind im Organismus immer gegeben.
Sie muíste also immer fort produciren. Diese fort
gehende Production würde nun . .
Entweder auf das Product beschränkt seyn,
n'ièhb über dasselbe hinausstreben, d. h. es müfste,
fta die organische Form nicht uberschriiten werden
kann, ein unbegräuztes TVachs thum stattfmden.
Und ein solches unbegrenztes Wachsthum ist
auch wirklich in der Natur, bei Pflanzen und Thie-
ren insofern sie blos knospentragend sind, denn auch
alle Polypen in der Welt sind nur Knospen eines
ursprünglichen Stammes, (und unter diese Catego
rie reibt sicti ein grofser Theil der oben [S. 54]
angeführten Beispiele der'Geschlechtslosigkeit in der
Organischen Natur. —

: i Oder die Production würde über ihr Product


hinausstreben. Aber die Bedingung jener Kraft ist
Duplicilüt. Geht sie also weiter, so müfste im Pro
duct eine Duplicität seyn, dereirEiner Factor aufftr-
halb des Products fiele. ' ;

Wäre im Product keine .solche Duplicität, (deren


Einer Factor aufser ihm läge) so könnte die Pröda-
ctionskreft zwar weiter geben, aber sie könnte sich
nftr

i
nur in Producten darstellen, die (weil Bedingung
alles Organischen Duplicität) bei aller, Regelmäfsig-
keit doch unorganische Producta wären — und
diefs wären die Producto des sogenannte» Kunst*
triebs.

Zusatz. . ,
Da wir uns auf diesen Gegenstand durch unsre
Untersuchungen geführt sehen, ist es doppelt nöthig
bei ihm zu verweilen , weil dieses Phänomen der
organischen Natur gerade aus unsrer Ansicht dersel
ben am wenigsten erklärbar scheintt >
Diese ganze Theorie setzt überall den Grund
satz voraus, dafs wir in der organischen Natur, so
wunderbar, d. h. bisher unerklärt ihre Erscheinun
gen auch seyn mögen, nichts anders als das Spiel
eines höhern zwar defswegen aber doch immer noch
aus Naturursachen und Naturkräften erklärbaren
Mechanismus erblicken. — Wie würde es um die
se ganze Theorie aussehen , wenn wir diese sonder
baren Productionen der organischen Natur, die so
vielen Philosophen einen Grad oder ein Analogen
der Vernunft wenigstens, vorauszusetzen schienen,
aus unsern Principien nicht könnten begreiflich ma
chen ?
Dafs die Erscheinungen der Irritabilität der Re-
productionskraft und selbst die der Sensibilität noch
auf Naturursachen gegründet seyen , Träumen wohl
alle ein , denn auch die , welche den Thiereu Vor-
N 3 . . " eteli
Stellungen geben , und zu eieren Behuf eine Seele,
nach deren Sitz sie fragen , glauben doch . dafs den
Vorstellungen gewisse organische Bewegungen ent
sprechen, und unternehmen sogar diese Bewegun
gen zu bestimmen. Aber der Kunsltrieb der Thierе
scheint ihnen etwas ober alle jene blos organischen
Kräfte hinausgebendes zu seyn. Wie könnte ich nun be
haupten, <lafs auch die Sensibilität ihre Ursache blos
und lediglich in der Natur habe, wenn ich nicht,
was ihr unmittelbarstes Product zu seyn scheint;
(den Kunsttrieb) auf natürliche Ursachen zurückfüh
ren kennte?
Der Weg dazu ist durch das vorhergehende ge
bahnt. Ich habe gezeigt wie eine und dieselbe Kraft
von der Sensibilität an erst in die Irritabilität, von
da in die Reproductionskraft, und von dieser (un
ter einer gewissen Bedingung) in den Kunsttrieb
sich verliere. Der Kunsttrieb hört also auf ein ílá^
sondrer und von den andern speeifisch verschiedner
Trieb zu seyn, er ist blofse Modification à es allge
meinen Bildungstriebs, und zuletzt freilich, wie
dieser selbst eine Modification der allgemeinen Urs.
che alles Organismus , der Sensibilität.
Aber nicht genüg , die Producte dieses Triebes
selbst bestätigen diese Ansicht noch weit evidenter
eis jene Analogie. Denn alle Producte dçs Kunet-
triebes haben das Eigne, dafs sie in ihrer Art voll
kommen , und lauter Meisterwerke sind. Iedes
Thier, das einen solchen Trieb hat, tritt mitsei-
. , -* »er
леr Kunst schon auf die Schaubühne, und wird un
fi , ' . .
territhtet geboren« Hier ist »ichts Halbes, unvoll
ständiges, oder was der Veibessrung bedürfte. ? Aber
so wie das Unvollkommne zugleich auch das Per
fectible ist , so ist das Vollkommne nothwendig zu- "
gleich das Imperfectible. —- Imperfectibilität also
Hauptcharacter aller thierischea Kunstproducte.

Aber dieser Eine Charak- r ist auch schon hin


reichend, allen Antheil eines Analogons, eines Grads,
oder einer Art von Vernunft an diesen Producten zu
verwerfen. Denn ~, '

a) Dafs in diesen Prod-ucten etwas der Wer-


nûnftigkeit Analoges ist, wird gar nicht geleug
nets denn das siebet jedes Auge. Aber daraus
auf ein Analogen von P'ernunft in dem Thier
selbst zu schliefsen , ist allzurasch geschlossen.
Denn dieselbe Analogie erblicken wir auch in
den regehnäisigen Bewegungen der Weltkörper,
und in aller organischen Production, und müfs-
*en mit demselben Grunde den Planeten eine
vernünftige Seele zuschreiben, die sie um die
Sonne treibt, oder glauben, dafs jede Thier"
und Pflanzen Seele auch sich selbst ihr Organ
baue.
t
b) Aber einen Grad der Vernunft, als Erklä«
rurigsgrund annehmen , wäre selbst unvernünf
tig. Nicht, als ob wir nicht wirklich die Thie
re in ihrer engern Sphäre durch ihren Instinkt
N 4 ebe>
eben Лаз und noch mehr ausrichten sähen , wae
wir in unsrer weitern durch die Vernunft aus
richten — sondern desfwegen, weil dieVernuft
schlechthin Eine ist , weil eie keine Grade zu-
läfst, und weil sie das Absolute selbst ist.
c) "Aber wenn auch keinen Grad — doch eine
Art der Vernunft! — Gleichwie nämlich die
menschliche Vernunft die Welt nur nach einem
gewissen Typus vorstellt, dessen sichtbarer Ab
druck die menschliche Organisation ist, so ist
jede Organisation Abdruck eines gewissen Sche
matismus der Weltanschauung, Gleichwie wir
wohl einsehen, dafs unsre Weltanschauung be-
Stimmt ist durch unsre ursprüngliche Beschränkt
heit, ohne dafs wir erklären können, warum
wir gerade so besehrankt i warum unsre Welt
anschauung gerade diese ist und keine andre.
60 können auch das Leben und das Vorstellen
der Thiere nur eine besondre obscbon unbe
greifliche Art von ursprünglicher Beschränktheit
seyn, und nur diese Art der Beschränktheit wür
de sie von uns unterscheiden."
Es war gewifs ein sinnvoller Traum, dafs die
todte Materie ei» Schlaf der vorstellenden Kräf
te, das Thierleben ein Traum der Monaden,
daä Vernunftleben endlich ein Zustand der all
gemeinen Erwachung seye. Und was ist denn
die Materie anders, als der erlosrhne Geist? In
Шг ist alle Duplicität aufgehoben , ihr Zustand
I

" "■, 20I

ein Zustand der absoluten Identität, und der


Ruhe. Im Uebergang aus der Homogeneity in
Duplicität dämmert 6chon eine Welt, rait der
Wiederherstellung der Duplicität geht die Welt
selbst auf. Und wenn die Natur nur der sicht
bare Geist ist, so mufs in ihr, (wie die Schön
heit in ihr hervprtritt , sobald der Mechanismus
der Naturgesetze es zuläfst) der Geist überhaupt
sichtbar werden, sobald die Identität der Mate
rie aufgehoben ist, durch welche er in sich selbst
zurück gedrängt wird. —
% • . —
Aber wozu hilft dieser Traum der Physik? —
Denn für sie bleiben die ТЫеrе, ihr Leben mag
nun ein Traumzustand der Monaden , oder ein
hlofses Spiel des Naturmechanismus seyn, nach
wie vor, selbstlose Objecte, denn nur was sich
selbst anschaut, tritt aus der Sphäre des blofs
Angeschauten heraus. Was nicht sich selbst aus
dieser Sphäre hinwegsetzt, bleibt ein in fremder
Anschauung Begriffenes, nach Gesetzen der Ma
terie zu Behandelndes und zu Erklärendes.
Es fallen also alle Arten , eich eine Vernünftig-
keit in den thierischen Handlungen zu denken , hin-.
we», und mit ihnen alle jene Erklärungen der Kunst
triebe, welche eine Ueberlegung, Möglichkeit emer
Erfahrung, einer Ueberlieferung u. s, w, unter den
Thieren voraussetzen.
Wir müssen behaupten, dafs sie zu allen ibren
Handlungen, also auch zu ihren l roductionen durch
N 5 eine
аo2 .. r—— •

eine blinde Nöthigung getrieben werden , und ее


kommt nur darauf an , die Art dieser Nöthigung zu
bestimmen.
.;. ,x*..-..*'Л!т^. -Л .'. С ^. -ti- V .' '..•.^иУ'-^д.Ж
a) Philosophen , die den Thieren alle Ver-
nünftigkeit absprechen, haben sie zu ihren
Handlungen überhaupt nicht nur, sonilern auch,
zu ihren Productionen durch das Gefühl der
Lust; treiben lassen. Sie vvufsten nicht, dafs
i Inftinkt
i„ . und Antrieb
. .durch
.• Gefühl - der - - •< Lust
; fr
nicht zusammen bestehen, und hoben im Grun
de allen Instinkt auf, indem sie .telbst in die
Ivatur die menschliche Niedrigkeit hineintrugen.
— Um nichts besser ist es, zu sagen, die Bie
ne z. B. werde durch ScI¡mcrz zum Bau ihrer
Z*llen getrieben, rfenn was durch Antrieb des
Schmerzens oder aus Noth geschieht, geschieht
auch nur kümmerlich und langsam , dagepen ; vil
„die Hurtigkeit von einer Kraft kommt, die
»ich selbst antreibt." Und ist denn in jenen îen
Productionen etwas Mühsame* , oder Stümper
haftes und mit Zwang entsprungenes erkenn
bar?
Ъ) Wir werden also behaupten, die Kunst
triebe der Thiere resultiren aus der Determina
tion ihrer physischen Kräfte in Ansehung der
Art ihrer Wirksamkeit — (mit Ausschlufs der
Seelenkräfte , welche Reimarus hier noch ein
gemengt hat; unci deren Extstens durch das
vorhergehende w" "
wir werden beuaupten: es seye physisch und
der Natur des Thiers nach unmöglich, dafs es
etwas anders producire, als das Regelmäfsige;
wir werden uns darauf berufen , dafs bei eben-
denjenigen Thierklassen , welche vor andera
Kunsttrieb haben, auch alle Werkzeuge der Be
wegung in Ansehung ihres Gebrauche so einge
schränkt sind , dafs das Werkzeug und sein Ge
branch Mines und dasselbe sind; dafs in der or
ganischen Natur überhaupt, weil in ihr alles
in's unendliche zusammenhängt, mit der Ver
änderung des Einen auch alles andre verandert
wird, sonach nichts disharmonisches, oder in
eich selbst widersprechendes in ihr und durch
sie entstehen kann; ferner darauf, dafs den
Thieren , die Kunsttrieb besitzen , dnrch die
Sphäre ihrer Irritabilität auch die ihrer Sensibi
lität bestimmt ist, was macht, dafs ein solches
Thier durch keine Sensation su Bewegungen ge
reizt werden kann , die unregelmäjsig: oder sei
ner innern. Natür nicht vollkommen angemes
sen wären — (was bei Thieren höherer Art, ^wo
der Runsttrieb auch verschwindet) wegeir^des
Uebergewichts der Sensibilität über die andern
organischen Kräfte schon eher möglich ist) —
Endlich darauf, dafs die Sensibilität dieser
Thiere einen unendlich engern Kreis hat, dafs
die verschiedne» Strahlen, in welche jene Kraft
in den höhern Organisationen sich spaltet , in,
ihnen nur in Einen Punkt zusammenlaufen,
\ . • uná
und 60 Ein Sinn den andern zu ersetzen , einer
den andern zu regieren scheint, wodurch ein
Shmenirrthum , (wenn es erlaubt ist, sich so
auszudrücken) oder vielmehr einMisgriff in den
thierischen Handlungen überhaupt unmöglich
wird , u. s. w.

Dais in dem Thier überhaupt eine productive


Kraft wirke,, wird bei dieser Erklärung: voraus
gesetzt, die /iufg abe ist nur, zu erklären, wa
rum diese Kraft nothwendig in einer bestimm
ten Form wirke, und nur durch regelmäfsige
Handlungen sich offenbare. Nun erhellt aber
aus den eben angeführten Gründen gar wohl,
dafs in den organischen Bewegungen eines sol
chen Thiers überhaupt Regelmäfsigkeit seyn
müsse, liichtaber, warum dieseEewegungen auch
äufserlich regelmäfsige, KunsLweiken analoge,
Producte hervorbringen, und es trifft auch uns
der Einwurf, den Mendelssöhn gegen Reimarus
vorgebracht hat, nämlich: wenn man auch in
den organischen Kräften eines Thiers eine ge
wisse Determination und Richtung voraussetzt,
so kann man sich denn doch z. Б. von einer
Richtung auf ein Sechseck (dergleichen die Bie
nen in ihren Wach6zeHen anlegen) oder auf
irgend eine andre regelmäfsige Figur keinen Be
griff machen. F-r
Ich antworte; es ist zugegeben , dafs in dem
Thier eine Kraft ist, die über ihr Product bin-
au*
ausstrebt; diese Kraft mufs Gonsumirt werden,
wie jede Kraft in der Natur, sie mufs, da sie
eine ursprünglich productive Kraft ist, auf ein
Product (à, h. auf ein Bestimmtes) gehen, indem,
sie erlischt. Abermitder^r t ihrer Wirksamkeit,
die nothwendig eine bestimmte ist, ist auch ihr
Product bestimmt, diese bestimmte Art der Wirk
samkeit.und dieses bestimmteProduct islEins und
dasselbe, ist gar nichts verschiednes. Das Product
liegt schon in jener Bestimmung der organischen
Kräfte, und das Product, das du siehst, ist
nur der sichtbare Ausdruck der Determinatiou
jener Kräfte.

„Aber zugegeben, dafs ' mit den organischen


Kräften auch ihr Product schon determinirt ist,
wie kommt denn in jene Kräfte gerade diese
regelmäfsige Determination — d'ufse Richtung
aufProduction eines SechsecVs z. JÍ. — Ich ant
worte: dieses Sechseck ist für die Natur kein
Sechseck. Es ist ein Sechseck nur für dich, der
du fragst, und der es in die Natur hinein
sieht. Der Fehler ist, dafs du nur aussprichst
was es ist, denn indem es nur durch, deinen
-Kopf geht, nimmt es den Schein der Vem ürf-
tigkeit an. . Der Natur war es gar nicht um das
Sechseck zu thura , so wenig als es ihr bei der
Schneeflocke darum zu thun ist. —

s „Aber
„Aber zugegeben , dafs diese Regelm'áfsígkeit
nur für mich existirt, warum producirt die Na
tur mm gsrade das für mich Regelmäfsige?" —
Diese Frage ist weitergreifend, die Antwort
mufs also auch einen höhern Standpunkt neh
men. — — Was du hier im Producte- des
îïunsttricbb siehst, in nur das letzte Werk der
selben Kraft, welche die Organisation selbst pro
ducirt hat, und die, nachdem dieses erste Pro
duct fertig ist, es nur noch als Instrument ih-
,rer bildenden Tendenz braucht. (Bei den mei
sten Insecten ist der Beweis klar, du siehst,
dafs dieses Insect, in welchem jener Trieb eben
thätig ist; bald aufhören wird zu seyn, (zu
siyn wenigstens, was es war; wenn es fortdau
ert, mule es verwandelt werden).

In den organischen Bildungen nun erblicken


wir nur solche Producte, in welchen sich alles
wechselseitig Mittel und Zweck ist. Für diese
Art der innern Vollkommenheit haben wir, weil
die organische Natur in Ansehung ihrer einzig
ist, keinen andern Namen, als den der orga
nischen, — JT o die organische Bildung ait
ihrer Grunze steht , und die organische Kraft
über diese G rünze hinausgeht , producirt sie
nicht mehr jene innere , sondern nur eine àiijs-
re Vollkomritcnlteit, — Diese äufsre Vollkom
menheit ist die geometrische , und diese er
blickst du in d« Natur überall, wo der Orga
nismue entweder auf seiner Gränze steht (wie
z. B. im Gehäuse der Schalthiere), oder, wo der
Mechanismus anfängt z. B. in den Bewegungen,
der Wellkörper, überhaupt in den Gesetzen al
ler Bewegung, in Anfahung welcher die Natur
der vollkommenste Geometer ist.
Die Frage geht also eigentlich auf die ganae
Natur, denn die Natur producirt diese äuTsre,
geometrische Vollkommenheit aus keinem andern
Grunde, als aus welchem sie jene innere orga-
nilche producirt. Dieser Grund aber ist kein
andrer , als eben die blinde Nothwendigkeit;
mit welcher die Natur überhaupt handelt. Wä
re in der Natur überhaupt Zufall — auch nur
Ein Zufall . — so wurdest du sie \i\ allgemeiner
Regellosigkeit erblicken. Weil aber alies, wai
in ihr geschieht , mit blinder Noth wendigkeit ge
schieht, so ist alles was geschieht oder was eut-
eteht, Ausdruck eines ewigen Gesetzes und ei
ner unverlezbaren Form. — Und darum er
blickst du in der Natur deinen eignen Verstand,
darum scheint sie dir für dich zu produciren.
Und darum nur hast du recht, in ihren regel
mäßigen Productionen ein Atmlogon der Frei
heit zu sehen , weil eben die unbedingte Noth
wendigkeit wieder zur Freiheit wird.
Aber die Erklärung bleibt noch immer zu
»ehr im dllgeuitinen stehen ; und wenn es nun
auch durch das alle* envie* гu wäre, dafs der
Kunst
:

Kunsttrieb (und mit ihm alle Handluftgen)


der Thiere durch blofse Naturktäfte bewirkt
sind , so fragt sich immer noch , wie sie be
wirkt werdets, und durch welche Naturiiräf-
te? •-• '

Aber wir brauchen auch nicht bei dieser


allgemeinen Erklärung stehen zu bleiben.
Da der Kunsttrieb (um auf diesen uns zu be
schranken) in der Coutinuität aller andern
organischen Kräfte hervortritt, da in ihn
nur die allgemeine Productionskraft sich ver
liert, — (was eben auch daraus klar ist, dafs
er in der Reihe der Organisationen erst da er
scheint f wo diese Kraft über die höhern ein
Uebergewicht zu erlangen anfängt, denn wa
rum sind die sensibelsten Thiere des Kunst
triebs beraubt, und umgekehrt das kunst
reichste Thier aufserhalb der Sphäre dieses
Triebs das eingeschränkteste in Ansehung sei
ner Sensibilität) , — da ferner dieser Trieb
eben da wo er am auffallendsten sich âu teert
nur den Uebergang zur Bietamorphose
macht, — so wird seine Ursache uns künf
tig nicht rälhselhafter seyn , als die der hö
hern organischen Functionen , und der Re-
productionskraft, und aller ihrer so mannig
fachen Erscheinungen auch, denn sind nicht
Knospen und Blüthen , ist nicht das Haus
derSchaalthiereein vollkommuereiKunstwerk,
»ls
als selbst die Zelle der Biene und haben nicht
alle diese Erscheinungen ihre gemeinschaftii-
liehe Ursache in der Natur?
Wenn es nun durch das bisherige erwiesen
ist, dafs der Kunsttrieb der Thiere (und analo
gisch eu schliefsen alle ihre Instinkte) blinda
Natnrwirkungen sind, brauchen wir uns um
alle weitere Einwürfe , sie mögen aus der
Erfahrung, oder aus den Vorurtheilen der ge
ineinen Ansicht hergenommen seyn, noch
weiter zu bekümmern? Nur einige derselben
sollen noch kurz beantwortet werden , weil
sie Gelegenheit zu andern Erläuterungen ge
ben.
Der Haupteinwurf, auf den sich alle andre
reduciren, die wir erwarten müssen, ist der,
dafs wir die Thiere zu blofsen Cartesischen
Maschinen herabsetzen, dafs uns .also auch
alle die siegreichen Argumente treffen , die
man gegen diesen Philosophen in ältern und '
neuern Zeiten vorgebracht hat. Ob durch
unsreTheoriedieThiere Wirklich zu Maschinen
werden, wird durch Analyse dieses Einwurfe
klar werden. Vorerst also fällt mit unsrer
Theorie allerdings das Daseyn von Vorsteb
hmgen (und allem was sie begleitet) in den
Thieren. Aber damit fällt zugleich,
a) die Ansicht der sogenanten Sinnesor
gane ale solcher, wodurch Vorstellungen er
weckt werden. — Davor haben wir uns
О so
lange wenigstens, "bis irgend ein Mensch
Jen Ursprung von Vorstellungen durch ei
nen äufserri Reiz dieser Organe überhaupt
verständlich macht, nicht zu fürchten, da
.wir lsugnen, dafs auch da, wo das Daseyn
der Vorstellungen gewifs ist, diese .Vorstel
lungen durch äuTsre Eindrücke entstehen.
Wir behaupten vielmehr, dafs eine durch
äufsern Reiz erregte Thätigkeit des Organs
nur das nothwcndig Coexistireude der Vor
stellung ist , weil diese Coexisterez allein
das Mittel ist , wodurch unser ursprüngli
cher Idealismus in Realismus verwandelt
wird , indem wir ohne dieselbe alles nur
in uns selbst anzuschauen glauben würden.
•Barum mufs in unsrer ursprünglichen pro-
ductjiven Anschauung das Ich uns schon
•materialisirt iL h. zum Object werden, das •
durch die aufsre Natur afficirt wird. Nun
ist е6 aber gewifs, dafs , was einer Vorstel
lung in ihrem Organ correspondirt , eine
veränderte Receptivität dieses Organs ist,
lîeim warum z. B. ist das Licht nur für
das Aug e Licht, nicht auch für den tcdten
, üiicper, und warum producirt das Auge (in
der Galvanischen Kette в. Ë. wo man doch
an keine materielle Lichtentwieklurig zu
denken hat?) einen Lichtzuetand, selbst
wenn die const vorhandneauTsreBedinÄUBa
dieses Znitands fehlt? ё
'•.r ' Na»

S
Nun ist aber die Veränderung , welche durch
äufsern Reiz im Organ hervorgebracht wird,
(die ich der Kurze halber Sensation nenne,
mit Ausschlufs aller Nebenbegriffe, die die
sem Wort sonst anhangen mögen) eine'inn
re, äufserlich schlechthin unerkennbare
Veränderung , oder wie wir es oben ausge
drückt haben: Sensibilität ist eine in ihr Sub
ject zurückgehende Thätigkeit. Erkennbat
ist sie im Object nur mittelbar in den Irri-
tabilitätsäufserungen , deren Quelle sie ist,
und bei vielen Thieren , ja selbst bei ein
zelnen Organen eines Thiers (den sogenann
ten unwillknhrlichen) verliert sie sich so
Unmittelbar in die äufsre Bewegung, dafs
sie von dieser gar nicht mehr zu unter
scheiden , also auch nicht mehr erkennbar
ist.

Nun würden wir allerdings die Thiere zu


Maschinen herabsetzen , wenn wir behau
pteten, dafs sie unmittelbar durch den äu-
feeru Impuls in Bewegung gc »etzt würden,
denn jeder blofs mechanische Impuls (wor
unter man hier alles was in gerader Linie
wirkt, also auch Attraction begreifen kann),
geht unmittelbar in seine Bewegung über.
Nun behaupte ich aber, dafs selbst da, wo die
Sensibilität unmittelbar sich in äufsre Be
wegungen verliert (d. h. wo die Bewegan-
0 2 gen
gen als ganz unwillkührlich erscheinen) sie
tloch nicht durch den äufsernlmpuls unmit
telbar Hervorg ebrächt , sondern durch Sensi
bilität (als allgemeinen dynamischen Bewe
gungsquell), vermittelt sind. Jede äufsre
Jira ft geht erst durch dieSensibilitälA/ndurcA,
ehe sie auf die Irritabilität wirkt, und Sen
sibilität ist ebendeswegen, der Lebensquell
selbst, weil durch sie allein das Organische
aus dem allgemeinen Mechanismus, (wo ei
ne Welle die andre forttreibt, und in wel-
* chem kein Stillstand der Kraft ist) hiuweg-
genommen ist, und dadurch eigner Grund
seiner Bewegung wird.

Es würden also die Thier» zu Maschinen


werden , wenn wir der absurden Meinung
der Caitesianer beistimmten, welche alle äu-
fsere ürregungsursachen durch Impuls oder
Attraction auf die Tbiere (in Massej wir
ken lasseu, denn alsdann könnten diese
Ursachen nur mechanisch, d, h. in gera
der Linie wirken. — Nun ist uns aber
Sensibilität, ^ibgleich wir alle аuГяrе Ursa
chen nur durch sie zum Organismus gelan
gen lassen , doch etwas nicht minder ia
Naturursachen gegründetes, obgleich wir
bekennen, dafe weil wir Sensibilität nur
als Çuell ayer organischen Thätigkeit
kennen, und weil durch sie als gemein-
schuft
**5
scliaftliches Medium alle Kräfte wirken,
sie für uns iii die letzten Bedingungen der
Natur überhaupt sich verliert, woraus man
zum Voraus einsehen kann, dafs Sensibi
lität wohl allgemeiner Thätigkeitsquell
in der Natur, und sonach eine Eigenschaft
nicht der einzelnen Organisation , son
dern der ganzen JVaLnr ist.
b) Was nach dieser Ansicht die sogenannten
willkührlicheri Bewegungen der Thiene Sey
en, von denen irían einen zweiten Einwurf
gegen uns nehmen wird, ist aws dem bis
herigen klar, und wird durch das folgende
noch deutlicher werden;
c) „Aber so beraubt doch diese Meinung cien
allergröfsten Theil der Natur des Lebens,
und versetzt ihn in das Beich des Tod-
ten." — Gesetzt es wäre so , so könnte
diese Folge nichts gegen erwie6ne Sätze be
weisen. — Aber ist es denn so? — Um
¿ie Sache nur von Einer Seite vorzustellen,
so haben wir den Kunstuieb mit der allge
meinen Productionskraft in Continuität ge
setzt. Aber diese Kb) ft ist auch vor allen
andern organischen Kräften dem allgemei.
nen Organismus unterworfen, (denn wie ist
es sonst erklärbar, dafs obechon im Thierrei
che — man kann sagen allgemein — getrenn-,
te Geschlechter producirt werden, doch ein
»0 3 Gleich-
r . . *
Gleichgewicht der beiden Geschlechter je
der Gattung erhalten wird — daTs über
haupt in Ansehung der Reproduction dei
Gattung — (bei der Menscheuspecies we
nigstens ist es gewifs) — eine solche auf-
fallende Regelmäfsigkeit bemerkt wird, daft
die Reproduction im organischen Natur
reich so fest an gewisse von allgemeinen
Veränderungen in der Natur begleitete Zei
tengeknüpft ist?) 1st es aber gewifs, dafsdie
Prodnctionskraft mit dem allgemeinen Or
ganismus aufs engste verflochten ist, so
.wird diefs auch von allen Trieben der Thie-
rе gehen — (welche allgemeine Naturverän-
drung glaubt man wohl, dafs z. B. dem Trieb
des Zugvogels coexistire , der zu derselben
Zeit, wo die Magnetnadel umkehrt, um
nach der entgegengesetzten Richtung ab-
«uweichen , den Flug nach einem andern
Himmelsstrich beginnt?) — Es mnfs von
allen Trieben gelten, denn sie sind alle hur
Modiiicationen des allgemeinen Bildnngs-
triebs, weil dieser allein eine Richtung
auf ein ünfsres Object bat. Aber es wird
noch, mehr von dem Kunsttrieb gelten,
und — so werden wir die Producte dieses
Triebs als Producto jener allgemeinen
bildenden Ursache, die durch die Organi-
eation nur als durch Mittelglieder auf die
Natur wirkt, und die ganase Natur in ei-
» nein
пет allgemeinen Organismut verknöpft, —
kurz, als Producte jener Ursache ansehen
können , die gleichsam die allgemeine Na-
tursecle ist, von der alles in Bewegung
gesetzt wird. *) Unsre Meinung also ist
nur die, dafs den Thieren kein einzelnes,
eignes und abgesondertes Lebca zukomme,
und wir opfern' ihr individuelles Leben nur
dem allgemeinen Leben der Natur auf.
lo) Es wird bei dem Kunsttrieb vorausgesetzt,
dafs er über das Product hinausgehe, ohne Daseyn
einer Duplicität, deren Eirier Factor aufserhafb des
Products fiele. Wäre nun aber im Product eine Du,
plicität, deren Einer Factor wirklich aufsevhalb des
Products iiele, so könnte er nut wieder in einem or
ganischen Product liegen, denn die Duplicität müfs-
te organischer Art seyn. Dieses . Product mufste
dem ersten in Ansehung dieses Einen Factors entge
gengesetzt seyn, aber eben deswegen in' Ansehung
der höheren Factoren des Organismus überhaupts
ihm gleich seyn. In Ansehung diese? Duplicitat,
von der in jedem Product nur der Eine Factor' ist,
müfsten beide den allgemeinen Charakter ihrer Ent-
wicklungstuffe einzeln unvollständig, beide zusam
men aber vollständig ausdrucken.
Aber Individuen, die- sich so zn eiuender verhaf
ten , sind Individuen von entgegengesetztem Ge-
O 4 schlecht
*} Esse cipibus partim divinen mentis st haustut
Aetheriot Aixere,
Virg.
schlecht (oben S, 51) Einer und derselben Gal.
tung.

(Es wäre jetzt also déducirt , was oben (S. 49)


nur postulirt werden tonnte , nämlich die allgemei
ne Sexualität in der organischen Natur, dip gleich
sam die äufserste Gränze des allgemeinen organischen
Gegensatzes ist), -t— Aber jene Kraft, deren einzige
Bedingung Dui)licität, ist wirksam, wo nur ihre
. Bedingungen gegeben sind. Ihre Bedingungen aber
eind gegeben, iiie wird also fortfahren zu wirken.
Was ihr Object war, wird Bedingung ihrer Möglich
keit, oder ihr Instrument; diefs sind die entgegenge-";
eetzten Geschlechter. Es fragt sich, was ihr Product
seyn werde?

Ihr Product ist eine neue Duplicität, d. h. sie


reproducirt in's Unendliche fort ihre Bedingung.
Wie also Sensibilität in die einzelne Organisation
komme, ist wohl zu begreifen. Das Individuum
dient nur als Leiter, an welchem jener Eine zün
dende Funke der Sensibilität in's unendlichе sich
fortpflanzt. Aber woher stammt zuletzt jene Kraft?
«— Durch den Akt der Fructification wird keines
wegs unmittelbar die Prod actions kraft erweckt, £1
ist die Sensibilität, die erst geweckt wird , und die
zunächst in Irritabilität, . endlich in Bildungstrieb
übergeht. Der flüssige Stoff ist nur erregende Ur~
sarhex auch wirkt in der Fructification wie es
scheint die Hufs* Berührung als eine Art von Con-
u
31J.
täginm, *) wodurch Sensibilität gewecTtt wird,
wie durch blofse Berührung des Magnets Polarität
hervorgebracht werden kann. , •

"So schliefst sich der Kreie der organischen Na


tur. Die Productionskraft ist die äufserste der or- -
ganischen Kräfte. 'Sensibilität kann sich in Irritabi
lität , Irritabilität in Productionskra ft sich verlieren,,
aber worein 60Ü endlich diese eich verlieren? Sie
müfste schlechthin erlöschen, wenn sie nicht in ih
ren Ursprung (die Sensibilität) zurückkehren könn
te. Aber dafs sie dahin zurückkehre, ist nur mög
lich dadurch , dsfs ihr Einer Factor aufserhalb ihre»¿,
Products fällt. Aber, dafs ihr Einer Factor aufser-
halb ihres Products fällt , geschieht selbst wieder nur
dadurch, dafs sie in keine andre Kraft, sondern tin-'
mittelbar in das Product selbst sich verliert. .
. • . t'\t$ . . '• ". •. í
Denn nun mufs das Product selbst in entgegen
gesetzte sich trennen. Ist es aber nur Ein Product,
das in den entgegesetzten Gèschlechtern sich trenut,
so ist auch die Production nur Eine. Aber die Pro
duction ist an verschiedne Individuen vertheilt. Die-
• ее Individuen müssen also selbst wieder einer hö
hern Ordnung unterworfen seyn , vermöge welcher
es unmöglich ist, dafs Ein Geschlecht entstehe, oh
ne dafs das andre zugleich entsteht (oder aUgememer
ausgedrüdit : vermöge welcher ein Gleichgewicht der
О s ent-

*5 Gründe fardiese Behauptung finden sieb »ehwi im'Har-


vey* ЬеrОЬхаМт Weck.
' ","

entgegengesetzten Geschlechter erhalten wird). *)


Der Grund dieser Ordnung kann nicht wieder in die
organische Natur selbst fallen, er mufs aufserhalb ih
rer Sphäre fallen, kann aber eben so wenig in die anor-
gische Natur fallen, also in die höhere Ordnung, die
beide vereinigt, oder in einen allgemeinen Organi
smus. So ist die organische Natur mit ihren beyden
Sufsersten Enden (der Sensibilität und der Produ-
ctionskraft) in eine allgemeine Natur verflochten,
die wir voreist nur postuliren können.

n) Für die jetzt abgeleitete organische Thätig-


keit liegt der Eine Factor schon aufserhalb des Pro
ducts, und dieser Eine Factor wird in ein neues Pro
duct übergetragen. Die Thütigkeit also dauert fort,
(denn sie reproducirt in's unendliche ihre Bedin
gung), nicht aber das Product, Dieses als Indivi
duum ist nur Mittel, die Gattung Zweck.

In der Reproduction der Gattung also erstirbt


die letzte organische Thätigkeit des Individuums,
denn in diese als das iiufserste verlieren sich alle
höheren Kräfte. — Die Tendenz gegen dieses äu-
feerete offenbart eich aber schon in den frühern Mo-
diii-

Da allgemein tust, (yvo wenigstens getrennte Geschleck


ter syicT), immer vier Individuen dazu gehöreu, um
die Gattung; zu reproduciren , so war es doch riel-
leicht nicht blofs es Spiel aufmerksam zu machen, wie
die ursprüngliche Dnplicitat erst auf Triplicitat (in
der Irritabilität} endlich auf Quadruplicität (Jx\ der Re-
NWvf BroductiouskrafQ fortschreitet.
«fr
dificationen der Productionskraft; denn ist nicht
der Kunsttrieb , (der in einigen Gattungen das Ae-
qui valent des Bildungstriebs ist, (oben S. 43) durch
die ganze Natur, vom Insekt bis zum Menschen her
auf nur Vorbote des erwachenden Bildungstriebs.
Die Insekten besitzen Kunsttrieb nur, ehe das Ge
schlecht entwickelt ist, so wie ihn die Arbeitsbiene
immer besitzt, weil es bei ihr nie zur Geschlechts-
entwicklung kommt. Sobald die Insekten ihre Me
tamorphosen durchgegangen sind, — und diese
lind nur Phänomene der Geschlechtsentwicklung,
erlischt in ihnen aller Kunsttrieb. — Aber auch der
Vogel bauet sein Nest , der Biber sein Haus vor der
Begattungszeit — etwa aus besondrer Vorsicht?
Nichts weniger. Es ist Ein und derselbe blinde
Trieb, der alle Handlungen der Thiere leitet. Der
Kunsttrieb ist also Modifikation des productiven
Triebs überhaupt , und das, was unmittelbar in den
Zeugungstrieb übergeht).

Mit vollbrachter Zeugung ist auch die letzte He-


terogeneität íh Thätigkeit übergegangen; und dio
Ursache, deren Tendenz Aufhebung aller Dualität
ist (und die eben deswegen nur unter Bedingung der
selben als thätig erscheint) ist durch nichts mehr ge
hemmt — Verschwinden aller Dualität ist daher
nothwnndig. — Aber ein Verschwinden aller Dua
lität ist nur — im chemisçhen Procefs, à. h. in
dem, was dem organischen Bildungstrieb in dc-ranor-
gischeu Welt entspricht.
HL
Und so wäre ein Theil wenigstens der oben S. 66
aufgestellten allgemeinen Aufgabe, eine dynami
sche S tuj fenfo lg e in. der Natur abzu
leiten, gelöst. Wenigstens die ersten Stuffen,
über welche die Natur allmälig vom organischen
zum unorganischen herabsteigt, sind uns bekannt,
und wir haben zunächst kein, andres Geschäft alt
das, jene Stufleufolge in der Natur ttlbst aufzuzei
gen. *)

Die Functionen des Organismus müssen sich


überhaupt entgegengesetzt seyu, sie schliefsen sich da
her in Einem und demselben lndividunm wechsel
seitig aus, indem sie entweder an verschiedne Orga
ne vertheilt, oder ganz durch einander verdrängt
wer-

*) Die Idee einer vergleichenden Physiologie findet man


schon in Blumenbachs Specimen pliysiologiae compara-
tac inter animalia calidi etfrigidi sanguinis, weiter a us-
geführt in der Rede über die Verhältnisse der organi
schen Kräfte vonHrn. Kielmeyer deienllanDtgedanken,-
dafs nämlich in der Reibe der Organisationen Sensibili
tät durch Irritabilität und wie Blumenbach und Som-
mering bewiesen haben, zuletzt von der Keprodu-
ctionskraft .verdrängt werde, aus Hertiers Ideen zur
Philos, der Gesch. der Menschheit, ister Theil
S. 117. — 126. finommen ist. Wie indefs Sensibi
lität durch Irritabilität und beide endlich durch das
Uebergewicht- - der Reproductionskraft
1 1 г. verdrängt
л . wer
den ist noch durch keinen dieser lieser Versuche
versuen erklärt
worden.
werden. Diefs ist gleich anfangs bewiesen worden,
(oben S. 63) > V
Aber es ist jetzt erst erklärbar , wie jene Fun
ctionen sich entgegengesetzt sind. Da nach untren
vorhergehenden Untersuchungen Sensibilität, Irri
tabilität und Productionskraft mit allen ihren Mo-
dilicationen eigentlich nur Eine Kraft sind , (4*
wenigstens jede niedrere Kraft mit der höheren Einen
Factor gemein hat) so folgt, dafs sie sich nur in An
sehung ihres Hervortretens oder ihres Erscheinens,
im Individuum oder in der ganzen organischen Na
tur- entgegengesetzt seyn können. Reuroductions-
-kraft ist auch Irritabilität und Sensibilität, und ver
drängt diese beiden nur in der Erscheinung, denn
das letzte eben , worein diese beiden sich verlieren,
ist die Reproductionskraft.

Indefs da jene Functionen des Organismus in


der Erscheinung wenigstens sich ausschliefsen , so
k.^ri der Beweis der Wirklichkeit einer solchen
dynamischen Stuften folge nur

theils aus den verschiednen Organen,

theils aus den verschiednen Zuständen dessel


ben Individuums (insofern nämlich in beiden
die Herrschaft der Einen Function die andre aus
schliefst,),
.•,,.. •
theils endlich aus der Verschiedenheit der Or
ganisationen eelbst und der coexistirenden Ver
schie-
e'se

echiedenheit in der Proportion der organischen


Functionen geführt werden; und wir werden un»
auch wirklich dieser dreifachen Beweisart bedienen.

Die Functionen d«s Organismus erscheinen als


eich unter einander ausschliefsend , und eich entge
gengesetzt. Alle möglichen Verhältnisse werden da
her, vermittelst einer Wechselbestiramung dieser
Functionen durch einander erschöpft werden,

A. JVechselbestimmung der Sensibilität uni


der Irritabilität. Sensibilität, und Irritabilität be-
. t
stimmen sich wechselseitig , insofern Sensibilität in
der Irritabilität als ihrer unmittelbarsten Erscheinung
hervortritt. Aber .
t'
1) beide, Sensibilität und Irritabilität müssen
Einen Factor wenigstens gemein haben ebendefswe-
gen, weil in die Eine die andre übergeht, und in
ihr nur als ihrem Object sich darstellt.
2) Ist die Irritabilität — dem Product, woirnn
Sensibilität am unmittelbarsten sich darstellt, und
erlischt jede Thätigkeit unmittelbar in ihrem Pro-
ducte , so mufs wie die Irritabilität in der Erschei
nung steigt, die Sensibilität fallen, und umgekehrt
in dem Уerhältnifs als die Sensibilität steigt, mujs
die Irritabilität in der Erscheinung fallen, (Die
letztere Einschränkung mufs immer hinzugefügt
werden, weil ursprünglich Irritabilität ohne •SensW
bilitat so wenig alt Sensibilität ohne Irritabilität
möglich ist).
B.
Б t weis.

Dieser kann geführt werden

a) aus den verschiednen Organen desselben


Individuums.

. aa) Da Sensibilität eine in ihr Subject zu


rückgebende Thätigkeit ist, so läfst sie sich
überhaupt nur unterscheiden im Gegensatz
gegen eine nach aufsen gehende Thätigkeit,
(Irritabilität). Wo also die Sensibilität in der
organischen Natur ein Uebergewicht erlangt,
inufs auch ein Organismus hervortreten , der
nur Sensibilität ist, d. h. dessen Function
nicht als Irritabilität (durch Thätigkeit nach,
aufsen) sich darstellt. Es wird dadurch er
klärt, was anderwärts gesagt worden ist, Sen
sibilität seye nur als das Negative der Irri
tabilität vorstellbar, Sensibilität als solche
wird dadurch unerkennbar , dafs sie sich un-
• mittelbar in die Irritabilität verliert, erkenn
bar als o nur dadurch, dafs sie ("oder dafs ver,
mittelst ihr die Erregung von aufsen) nicht
unmittelbar in äufsre Bewegungen übergeht-
Ist nun Sensibilität nur als das Negative det
Irritabilität vorstellbar, so mufs, wo ein Ue
bergewicht der Sensibilität ist, auch ein Or
ganismus seyn, der eine absolute Negation
der Irritabilität, (der Irritabilität gar nicht
unterworfen) ist , — »in solcher Organi
smus
. emus ist Леr des Gehirn- und Nervensystems.
(Wenn es eine Gradation der organischen
liiäfte gièbt, wie wir im Vorhergehenden
bewiesen haben , so mufs es auch eine Gra
dation der Organe geben. Und wenn der Or«
ganismus nur das zusammengezogne verklei
nerte Bild des allgemeinen Organismus ist,
so mufs auch im Weltorganismus eine solche
Gradation der Kräfte sich finden, wie wir nach
her sehen werden). "" . ,
* • •'
Das Gehirn , und seine Fortsetzung , die
Nerven haben sich ganz blofs die Sensibili
tät zugeeignet, aus ihnen also ist durch das
Uebergewicht der Sensibilität die Irritabilität
ganz verdrungen, denn die Meinung, dais
euch alle Nerveniunctionen Zusammenzie-
, hungen eeyen, hat kein Mensch noch be
wiesen, r
'V, ' .
bb) Umgekehrt, da Sensibilität nur als da*
Negative der Irritabilität vorstellbar ist, SO
mufs sie, wo sie unmittelbar in die Irritabi*
lität übergeht , absolut verschwinden. Nun
snufs aber dem Organismus, der nur Sensi
bilität ist, um ihm das Gleichgewicht zu hal
ten , ein Organismus coexistiren , der nur Ir
ritabilität ist , dieser Organismus ist der de»
Herzens und seiner Fortsetzungen, der Arte-
rien. Da dieser Organismus die Irritabilität,
» .eich ganz zugeeignet bat, so mufi durch das
Uebergewicht der letztern Sensibilität
aus ihm verdrängt werden. Hier, nämlich ei-
stirbt alle Sensibilität unmittelbar in den Be»
JJwegungen. Es findet gar kein Reßex mehr
Statt, und alle organische Thätigkeit iet nur
eine Thätigkeit nach aufsen. Aber diese
T.hâtigkèit nach aufsen ist selbst nur unter
Bedingung der Sen$:bilität möglich, Sensibi-'
. lität also ist da, nur dafs sie unmittelbar in
'der Irritabilität erliecht, und nur insofern
^kann das Herz z. B. ein un will kührliches Or-
gan noch mit einigem Sinn heifsen.
b) aus den verschied nen Zuständen desselben
Individuums z. B. Krankheiten , wo bei erhöh
ter Sensibilität alle Bewegungskraft erstor
ben ist, oder umgekehrt mit steigender Irritabi
lität die Sensibilität sinkt. Selbst der Zustand
des Schlafs gehört hieher, wo mit dem Sinken
der Sensibilität die Irritabilität des Herzens und
der Arterien steigt,
c) aus den verfchiednen Organisationen,
Wenn es aus dem vorhergehenden gewifs ist,
dafs Sensibilität fais das Negative der Irritabili
tät) an das Dascyn eines Organismus gebunden
ist, der äst Irritabilität gar nic,it unterworfen
ist, so sehen wir das Gehirn, als den Kern
gleichsam, us welchem em r Org u ismus her
vorquillt, am grölsten u.id vollkommensten or-
. - J? gani
irtbefm Mênschen, und abwärts von ihm,
in em immer kleineres Volum und unvoükoi
nere Organisation zusammenschwindend.
den Wallfiacharten schon ist es in Vergleichung
' mit ihrer übrigen Másse fast — o, umgeben'von
einem dicken ölichten Fluidum, daher die
Stumpfheit ihrer Sensibilitätsäufserungen. 1u
dem Geschlecht der Vögel bemerkt man wenig
Mannichfaltigkeit der Structur mehr, wenig Her
vorragungen , Concaviiäten und Wendungen.
' v . _ Bei den Reptilien (wo zuerst auch die Ner-
ven aufhören', Knoten (untergeordnete Gehirne}
zu zeigten , wird es ganz klein , und eben so bei
den Fischen , die doch in Ansehung der
к*
bilität noch unter jenen stehen , weil av
Gehirn durch seine Umgebungen unzugängli
cher wird, Bei den Insekten fängt es an ganz
problematisch zu werden, mit Gewifshelt er
kennt man nur noch das verlängerte Hifпmark
mit vielen Knoten versehen. Bei dem gröfsteu
Theil der Würmer wird es ganz indemnn3trabel,
lind bei den Zoophyten verschwindet zugleich
mit ihm auch alle äufsre Anzeige der Sensibilität.

, So wie nrin das Gehirn durch die ganze orga


nische Welt herab alimählich abnimmt und zu
letzt verschwindet, eben so ist es mit den äu-
fsern Organen der Sensibilität. Das Auge z. B.
erhält sich herunter bis auf die Insekten , und
tritt sogar bei einigen Geschlechtern, dem der
" «fr . Vö
- . • S97

Vögel г. В. vollkommner hervor. Bei den In


sekten fängt die Srrüctur des Auges an ihre Re-
gelmäfsigkeit zu verlassen, denn hier erscheint
es bald sehr grofs und bald sehr klein, jetzt ist
es Ein Augenähnliches Organ nur, und jetzt
auf Einmal mehrere hundert , in die jener Sinn
eich ausbreitet. Bei den 'meisten, Würmern wenn
eie auch Augen haben , sind sie wenigstens be
deckt. Bei den Polypen ist kein Organ mehr
demonstrabel , obgleich sie das Licht zu suchen
scheinen.
Durch welches Medium jene Eine Kraft , die
Ursache der Sensibilität ist , in verechiedne
Strahlen sich spähe, ist migewifs; indefs be
lehrt die abnehmende Mannich faltigkeit im Ban
des Gehirns, das zunehmende UebergewichtEines
Sinns über alie andre, und die endliche Con
traction aller Sinne in Einen homogenen Sinn
(wie bei'm Polypen) dafs jene Kraft abwärts vorn
Menschen an immer gleichförmiger zu werden
, anfängt, und zuletzt in völlig unwillkürlichen
Bewegungen verschwindet.
Aber wenn so die Sensibilität durch die ganze
©rganische Natur, allmälich fällt, so mufs nach dem
aufgestellten Gesetz in gleichem Verhältnifs die Irri-
xitahilitätsteigeu. Aber wo die Sensibilität absolut ver
eco windet, geschieht es nur defs wegen, weil sie unmit
telbar in Bewegungen sich verliert , in- welchem Fall
éie Bewegungen umuillkührlich genannt werden, ob-
V » ' gleich

t
.i
gleich für -den wahren Physiologen der Begriff einer
willkuhrlichcn Bewegung еin sinnloser Begriff ist.
Denn die Bewegung des Herzen* erscheint zwar als
v.nwiilhührKch , nicht als Ob nicht auch diese Bewe
gung, wie alle organische durth Sensibilität vermit
telt v/äre , senilem weil hier die Sensibilität unmit
telbar in ihren Effect sich verliert, und wir statt
der .Ursache nvnc die Wirkung erblicken. Dagegen
erscheinen andre BeveeguHgeu wilUxïthrlich , weil sie
¿еrch keinen ^bestimmten Reiz (z, B. den des Bluts«
wodurch das Herz bewegt wird) sondern nur durch
die Summe dvr unabiäfsig wirkenden ¡Reize (dee
laichte -uittl andrer ellgemeiner Ursachen) hervorge
bracht werden. Denn ña diese Reize continuirlick
fortwirken, ohne dafs Jeder einzelne in Eewegnngen
übergienge, — (woran manallein Sensibilität erkennt,
•Делu SeKsibHität ist nichts anders, als das Negative
»1er Irritabilität), so-mufs dadurch endlich eine Sum
ma von JJewegungskraft -entstehen, über welche der
Organismus disponiren zu hünnen scheint, da ibm
doch ihr Verbrauch eben so nolhwendig 1st, als iu
tlern sogenannt HnwillkührHchen. Daher scheint zu
gleich mit der Erschöpfung jener Summe von Rei
ten, weiche auf Anstrengungen erfolgt, /untl die Er
müdung beriet,)—eo wie dem au fgestell bt nGesetz gan»
gemUfs auch durch überhandnehmende Irritabilität der
tmwitlkuhrlichen Organe(die durch berauschende Mit-
tel hervorgebracht wird) — auch die Sensibilität bu er-
töfchen (im Schlaf), obgleich, dafs die Seas ibilität
nicht erlischt, aus dem (uouaterbrochnen) Träumen
асу

des Sch'a's (auf das man auch bei Thieren


aus. manchen Bewegai gea während dieses Znstan
des schliffsen mufs), und dafs aie fais Lebenatiueli)
überhaupt nicht, als nur mit dem Leben seibat er
löschen "bann, gewifs ist.
äi " 1 Ду .irfflfept .MC- 'ЩпВВРИ^- • ,•',
Diese Berichtigung des Begriffs von willïmbrli-
cher und u.iwillkührlicher Belegung vorausgesetzt,
eo nmfs , wo die Sensibilität in der organischen Na
tur fi.llt, statt ihrer die Irritabilität allein hervortre
ten , d. h. die Sensibilität mufs ganz in der Irritabili
tät verloren seyn , nach der gewöhnlichen Sprache,
die Bewegungen müssen i m mW unwillkuhrlicker
weiden. ,
, « i .
Und so ist es auch. In den Pflanzen werden-
zwar die Säfte durch Reizbarkeit der Gefäfae umge
trieben , aber nur in wenigen Spuren und nur bei
einigen Pflanzen,, z. B. dem Iledysarum gyrans,
bei andern nur in gewissen Zuständen, z. B, im Mo
ment der vollständigen Geschlechtsentwicklung,
zeigt sich etwas der sogenannt willkührlichen Bewe
gung ähnliches. Denn auch die Bewegung der Mi
mosa pudica, derDionaea museipula u. a. da sie auf
einen bestimmten äufsem Beiz (gewöhnlich BerüTt-
rurigi erfolgen, sind nur alsunwillkürliche Bewe
gungen anzusehen (und damit wäre auch Леr Streit
über die Sensibilität der Pflanzen geschlichtet. Sen
sibilität (als allgemeine Ursache des Lebens) mnfe
auch den Pflanzen zukommen. Aber sie mufs auch
in der organischen Natur in dem VethäUniis als da»
P 3 Ueber-
s3o "" -

Uebergewicht der untergeordneten Kräfte zunimmt,


indemonstrabel werden, weil sie nur da vorausge
setzt wird, wo sie nicht unmittelbar in Bewegungen
erstirbt).

Aber eben so ist es In den untersten Klassen des


Thierreiche, denn auch hier ziehen sich alle Bewe-
gungen .in einen so engen Kreis , und in solche Rе;
gelmäfsigkeit zusammen, dafs auch der letzte
Schein derWillkühr verschwindet. — Wo dieSensibili-
tät ailmablich eich tbarer hervortritt, in der Klasse der
Insekten z. B. und der Amphibien werden die Bewe
gungen minder einförmig regelmäfsig und mannich-
faitiger, (man erinnre sich, daTs manche Insekten
alle möglichen Arten von Bewegungen in sich vef-
einen), aber immer noch behauptet die Irritabilität
ihre Unabhängigkeit von der Sensibilität , da selbst
nach Zerstörung des ganzen Organismus in einzel
nen Organen ihre Aeufsemngen fortdauren, und die
geringe Vulnerabilität dieser Thiere die eingeschränk
te Herrschaft der Sensibilität beweiset. Endlich mit
zunehmender Vulnerabilität nimmt auch die Upter-
ordnung der Irritabilität unter die Sensibilität zu, je
doch so , dafs zu gleicher Zeit (wie in den beweg
lichsten Thieren, den Vögeln und den meisten warm
blütigen, deren Irritabilität zugleich mit der Sensfo-
lität weicht) die Schnelligkeit, Mannichfaltigkeit und
Kraft der Bewegung zunimmt. Allmählich nur nimmt
auch die Beweglichkeit ab, aber nur auf dem Gipfel
aller Organisation tritt Sensibilität in absoluter Unab-
r hau- ;
Jiängigbeit von den untergeordneten Kräften als
Beherrscherin des ganzen Organismus hervor.

Es ist also durch 'allgemeine Induction bewißsen,


dafs durch die ganze organische iVßiz/r wie die Irr
ritabilität steigt, die Sensibilität fällt;
und wie die Sensibilität steigt, die Jrritabi-
tut fällt.

Aber Sensibilität verliert eich mittelbar dur^h


Irritabilität, und Irritabilität verliert eich unmittei-
bаr in die äufserste Grenze der organischen Kra/t,
auf welcher organische und anorgische Welt eich
»cheidet — die Jieproductionskraft.
B. Pfechselbestiimmung der Sensibilität und
der Beprodnctionshraft. Wenn die Sensibilität
in die lleproductionshraft erst durch die Irritabilität
eich verliert, so mufs, in demselben Verhältnifs, in
welchem Irritabilität über Sensibilität das Ueberge-
wicht erlangt, die Prodnctionshraft steigen,- und
to ist es auch, denn vom Menschen abwärts sehen
wir sie durch das Geschlecht der vierfufsjgen Thiere,
der Vögel u. s. w. bis herab zu Amphibien und Fischen
im Steigen [begriffen;, indem sebon die zum Theil
langsamer werdende Nutrition die Abnahme der Irri
tabilität, die Mannichfaltigkeit eigenthumli&her S.3-
. cretionen ("der animalischen Gifte z. B. n. a.) eine
verärfderte Assimilationshraft , endlich bold die Grö-
fse der producirten Individuen, bald ihre vollkonnu
auf den tiefern Stuffen unermefslich werdende An-
zahl, das Uebergewicht der Productionskraft in die-
eem Theil der Natur verkündigt. Wo die Zeu-
gungskraft in Ansehung ihrer Intensität wieder ab
nimmt (bei den Inaecten) tritt das Schauspiel der
Metamorphosen , und mit ihm der Knnsttrieb her
vor, und wo auch dieser erlischt, tritt an seine
Stelle ein unbegrenzter Erstattungstrieb. — Aber in
gleichem Verhältnifs sinkt auch die Sensibilität.

С Wechselbestimmung der Irritabilität und


der Productionskraft. Wo selbst die Irritabilität
kaum in völlig unwillkürlichen Bewegungen übrig
ist, mufs für die Erscheinung von allen organischen
Kräften, nur noch die äufserste, die Reproductiona-
braft übrig bleiben. Es mufs daher in jedem Orga
nismus ein drittes System syen, was' man das repro
ductive nennen kann , und zu welchem alle Organe
der , Nutrition , Secretion und Assimilation gehö
ren. — Warum ist das reizbare Herz kein.Se-
ereiionsorgan , wohl aber die träge Leber? Ferner,
¡Blumenbach ünd Sömmeri?ig haben bewiesen , daf»
nur diejenigen Theile, die vom Gehirn unabhängig
sind, und dafs alle Theile nur solcher Thiere sich
wieder er sttzen, die gar kein oder ein höchst unvoll-
kommnes Gehirn haben. Diefs heifst allgemeiner
ausgedrückt, soviel: die Reproductionskraft in al
ler ihrer Vollkommenheit tritt erst da hervor, wo
Irritabilität und Sensibilität entweder schon er
loschen , oder dem Erlöschen wenigstens nahe
eiud »)
'" * '^^лШНШял^- " <•
»ind. *) Und diese 'Stuffe der organischen Natur
ist durch das Geschlecht der Zoophyten und der
Pflanzen (von denen jeder einzelne Theil mit allen
andern gleichartig , und fast aiie Heterogeneiur
verschwunden ist) bezeichnet«

Folgesätze*

les bisherige zusammengefafst ergiebt eich


''folgendes als Resultat:
„Der Organismus um erregbar zu seyn, mutis
mit sich selbst im Gleichgewicht s ehen , in diesen
.Gleichgewichtspunkt fällt der Organismus als Object.
Stünde der Organismus nicht mit sich selbst im
Gleichgewicht, so könnte dieses Gleichgewicht nicht
gestört wei den , es wäre im Organismus kein dyna
mischer Thätigkeitsquell, es wäre in ihm keine San-
sibilität. Aber eben deiswegen weil Sensibilität nur
Störimg des organischen Gleichgewichts ist , ist sie
nur in der continuirlichen Wiederherstellung des
Gleichgewichts erkennbar. Diese Wiederherstellung
zeigt sich durch die Irritahilitätserscheinungen ; die
ursprünglichsten Factorcn der Erregbarkeit sind also
Sensibilität und Irritabilität , die nothwendig cöexi-
P 5 eti-
*) Freilich ist.dieRfeproductionskraft nicht durch die Ab
wesenheit der Nerven bedingt, (denn sonst könnten
z. B. die Nsid«i nicht Reproductionen zeigen), son
dern durch d,s Sinken der Sensibilität bis zu einem,
bestimmten Grade, den man durch Erfahrung erfor
schen тиГз, und der selbst mit dem Daseyn dir
<». . Nerven noch besteht.

tu.-,
»tiren. Aber weil rías Product jeder Wiederherstel
lung immer wieder der Organismus selbst ist, so er
scheint sie auf der tiefsten Stuffe als beständige
Selbstreproductioii des Organismus , ihre Ursache
als Reproductionskraft; dajs sie aber als solche er
scheint, ist zuletzt nur durch die Influenz einer hö
bern Ordnung, durch die der Organismus gegen die
Einflüsse seiner unmittelbaren Aufsenwelt geschüzt
•und gleichsam gewaffnet ist. (d. h. nur aus der
Erregbarkeil) begreiflich."
Daraus nun fliefsen unmittelbar folgende Sätze:
Wenn im Organismus eine Gradation der Kräf
te ist, wenn Sensibilität in Irritabilität, Irritabile '
in Reproductionskraft sich darstellt , und die ni
«rere Kraft nur taie Erscheinung der höhern ist.
so wird es irr der Natur so viele Stuffen de,
Organisation überhaupt geben , als es verschiedne
Sbuffcn der Erscheinung jener Einen Kraft giebt.
Die Pflanze ist, was das Thier ist, und das niedre
re Thier ist, was das höhere ist. In der Pflanze
wirkt dieselbe Kraft , die im Thier wirkt, die Stuf-
fe ihrer Erscheinung nur liegt tiefer. In der Pflanze
bat sich schon ganz in Reproductionskraft verlorens
was bei dem Amphibium noch als Irritabilität, und
bei'm höheren Thier als Sensibilität unterschieden
wird , und umgekehrt — —
V >'
Es ist also Eine Organisation, die
durch alle diese Stu ffe tt herab allmäh
lich bis in die Pflanze sich verliert,
: л und
und Eine ununterbrochen wirkende
Ursache, die von der Sensibilität des
er s ten Th iers an bis in die Reproduet'U
onskraft der letzten Pf lànte s ich ver
liert.

tVäre in dieser Evolution nirht jeJer Punkt, wo


dieKraftProductionskraft wird,i:othwendig auch der
Punkt wo die Kraft sich spaltet {oben S. 217)10 würde
in der Natur nichts als Pflanze und Reproductions-
kraft seyn, denn nur dadurch; dafa jene Kraft, als '
Productionsbraft,- an entgegengesetzte Individuen
»ich vertheilen mufs, wird es möglich, dafs sie in'e
Unendliche fort ihre Bedingung reproducire und mit
dieser ihr Product. t
'" ' - .• 4
• .s - Statt der Einheit des Products also, welche
wit oben suchten, und die wir eben wegen der Tren
nung in entgegengesetzte Geschlechter (die alle wei
tere Bildung desselben Products unterbricht) nicht
annehmen konnten (obenS, 58.) haben wir nun eine
Einheit der Kraft der Hervorbringung durch die
ganse organische Natur. Es ist nicht Ein Product
zwar, aber doch Eine Kraft, die wir nur auf
verschiednen Staffen der Erscheinung gehemmt er
blicken. Aber diese Kraft tendirt ursprünglich nur '
gegen Ein Product; die Kraft ist auf verschiednen
Stuffen gehemmt, hei fst also eben soviel, als: jene«
Line Product ist auf verschiednen Stuffen gehemmt
— und , was nothweudig darau» folgt , dafa ¡alie
diese auf verschiednen Stuften gehemmte Produc
ts nur Emern Product gleich gehen.

Und so wäY es denn wohl Zeit, auch in der


anorgischen Natu- jene Stufenfolge aufzuzeigen,
und den Gedanken- zu rech t fertigen , d a fs die orga
nischen Kräfte, Sensibilität*. Irritabilität und Bil
dung*trieb alle nur Zweige Einer Kraft Seyen,'
eben to ohne Zweifel , wie im Eicht , in der Electri-
ertät u. s. iv; nnr Eine Kraft als in ihren^ver-
schiednen ErScheinmigen hervortritt. *)

Wenn in der organischen Natur nur der allge


meine Organismus , gleichsam sich contrahirf , eo
müssen in der allgemeinen Natur wenigstens die
Analoga aller jener organischen Kräfte vorkommen.
Und so wäre

l) das Eicht das was m der allgememen.


Natur der Ursache des B il dungs triers in
der organischen Natur entspricht. Und wenn
das Licht letzte Ursache, alles chemischer/Pro-
cesses ist (oben 5. 139) so wäre der Bildunge
trieb selbst (wie das Organische von dem-jmor-
gischen überhaupt.) nur die höhere Pcteft&de*
chemischen Processes, und so, da alle unor
ganische Bildung doch nur chemisch geschieht,
*?s., ' ' V. -¿¿ " '.•.Ä"wäi*

•5 v. г. w. s. 297.
wiV es -Eine Action, die allen Naturbildungen
ihre Regelmäfäigkeit giebt. *)

Unter dieser Action ist nun schlechterdings


nichts materielles zu denken , so wenig als un
ter dem Licht selbst. Sie selbst ist schlechthin
nicht materiell, nur ihre unmittelbaren Producto
.sind es. Wäre das Licht ihr Product, so war'
es Materie, in dem Sinn wie überhaupt etwas
Materie ist. Denn da alle Materie Raumerfül
lung, d. h. Action von bestimmtem Grad ist,
so ist insofern alle Materie immateriell. Aber
v-4Wïa9 Licht ist nicht ihr Product, sondern nur
ihr Phänomen. Das Licht, d. h. das, was
wir Licht nennen ist überhaupt nicht Materie,
selbst nicht eine werdende , (im Werden begriff-
• sjfc he Materie) es ist vielmehr das ^Verden selbst;
Lichtwerdung das unmittelbarste Symbol der
»ttie ruhenden Schöpfung. — Da das Licht kei
ne» höhern Lichts bedarf, und da es eigentlich
das ist, was die äufserste Gränze unsrer Sensi
bilität bezeichnet, kann es nicht mehr selbst
Object, d- h, Materie seyn. , Inders versteht sich
von selbst, dafs jenem Werden^- Аы wir Liehe
nennen, irgend ein Substrat, ateo irgend eine
5;;* Materie su Grunde liegen mufs. Aber, waе
/ Ï" •t' '" чИ-дН'••д'- wir
Г " > N*J¿ , -' ML .-
*) Einflufs des Lichts auf Crystallbildung. Prevost's neu*
I^icluversuche ? — Allgemeine mit dem reichlichem
Zuflufs des Lichts gleichzeitige Bewegung iu der or-
iLKl gsniäcktn Natur u. i, w.
mir Licht nennen ist nicht jenes Substrat, son
dern das f'Verden selbst.
,, « .
(Es entsteht natürlich die Frage,' wie diese
Ansicht des Lichts mit den chemischen Wir
kungen desselben, so wie mit den optischen
Phänomenen , die eine Materialität des Lichte
beweisen sollen, sich reime?
> ;
Was •.
a) die chemischen Wirkungen des Lichts
bertifit, so reduciremsie sich alle auf die des-
oxydirende Eigenschaft des Lichte. Der
" Grund dieser Eigenschaft mufs also in dem
Verhältnifs des Lichts zum Sauerstoff gesucht
werden. Welches ist nun dieses Verhäh-
.nift^*>: 'v.
Da das Licht im chemischen Processe her
vortritt, wie der Sauerstoff als Mittelglied des
Processes verschwindet, so mufs der Sauerstoff
das Vermittelnde der entgegengesetzten Affini-
tätssphären (der Erde und der Sonne) seyn,.-— So
lauge beide getrennt sind , und nur mittelbar
sich berühren , d. h. so lange jenes Mittel
glied (das beide diremirt) noch vorhanden ist,
ist auch Dualität und mit ihr Electricität.
Sobald das Mittelglied aufgehoben ist, und
die entgegengesetzten Affinitätsspharen in ein
ander übergehen , — das Phänomen jene»
Uebergangs ist die im Licht 'selbst gleich
sam sich öffnende Sonne — ist alle Dua-
, .. w . ,-.»..•., liUt
Xität aufgehoben, und der chemische Pro cef»
beginnt.

Da nun das Licht nur Phänomen des ver.


schwindenden Sauerstoffs ist, (was gleichsam
an sfine bulle tntt), so mufs umgekehrt auch
der Sauerstoff wieder Phänomen des ver«
schwindenden Lichts oder das seyn , was an
die Stelle des Lichtes tritt. Der Sauerstoff
ist den beiden Aflinitätssphäreu gemeinbch«ti"t-
lieh entgegengesetzt, eben weil er beide
trennt und beide vermittelt. Das Licht also
muís verschwinden, wo sein Gegensatz wie
der hervortritt, und so als — desoxydirendes
Mittel ("gleichsam als verbrennlicher Körper)
zu wirken scheinen. Aber das Ljcht, d. h.
das was wir Licht nennen, desoxydirt nicht,
sein Verschwinden coexistât nur der Desoxy
dation.
Das Lieht desoxydirt nicht , sondern die
Action, deren Phänomen es ist. Aber es ist
allgemeines Gesetz dieser Action, dais sie auf
das negative positiv , auf das positive negativ
wirkt, (z. B. der oxydirte Körper istnegativ-
electrisch , positiv ist der nichtoxydirte^. Al
to deeoxydirt sie nicht, sondern sie! macht
positiv electrisch. Ob dieser Desoxydation
ein Verbrennen des Lichtsubstrats coexistiré
ist eine andre Frage. — Ei'geht mit der An
nahme еLaer eolcheu desoxydirendeu< Ursache
•- • ' ein
ein Licht auf, über manches bisher Räthsel-
selhafte. z.B. die ivi Ganzen genommen im
mer sich gleich bleibende Quantität des Sauer
stoffs in der Atmosphäre , die nur daraus er
klärbar ist, dafs eine allgemeine gleichförmig
wirkende Ursache ein Gleichgewicht des nega
tiven und positiven Zustandes erhält, und so
verhindert , dafs die Materie weder in dieses
noch in jenes Extrem sich verliere. Jeue all
gemeine Action wirkt auf das positive oxydi-
rend wie auf das negative desoxydirend , und
beide Wirkungen coexistlren in der Natur
ebenso beständig, wie positive und negativa

, Was aber

b)Tdle optischen Phänomene betrifft, die ei«


т. с Materialität des Lichts anzeigen sollen , so
finden wir um so weniger nöthig , uns dar
auf einzulassen , je weniger jene Phänomene,
(z. B. liefraction u. a.) selbst ausgemachter
Natur sind, und je gewisser es ist, dafs fast
kein Satz unsrer Optik eine unzweifelhafte
Existenz hat.

Aber'dieselbe Thätigkeit, welche auf emer


tiefern Stuffe als Bilduugstrieb erscheint, er
scheint auf einer höhern als Irritabilität, denn
dafs beide in ihrem Princip identisch, ist schon
dadurch gevvifi, dafs beider Bedingung Hetero-
ge-
\
241

geneität ist, und so würde nan, um weiter


'fortzuschliefsen. / *
2) die Elect r ici tut das seyn , was
der Irritabilität in der Anfsenwelt ent
spricht. Es wird wohl verstauet seyn,statt aller
au dem Beweise die Galvanischen Erscheinungen
anzuführen. Denn
a) dafs die Galvanischen Erschemungen
mit den electrischen dem letzten Princip nach
identisch eeyen ', ist gewifs , obgleich Galva-
nismus und Electricität selbst vçrschiedne Er
scheinungen sind, denn durch den Galvani-
emus wird die Electricität gleichsam zu einer
höhern FnHCiion erhoben. Die Electricität
fordert nur Duplicität , und erscheint nur in
der Berührung, und Trennung heterogener
Körper. Der Galvanismus äber fordert als
Bedingung Triplicität; und ist in geschlols-
ner Kette, und in-der Ruhe selbst thätig. Aber
eben so ist es mit jener Action , insofern sie
Ursache der Irritabilität ist, denn jene Action,
weil ihre Bedingungen (Triph'cität) im orga
nischen Körper immer gegenwärtig sind, *)
Kann nie' ruhen, aber ihre Thäiigkeit ist eine
gleichförmige; zur Ae ilserung durch Contra
ction gelaugt sie eben so wie zur Aenfserung
, ' durch
) Man lese Fontana's treffliche microscopische Beobach
tungen über den ties Muskels in seinen Unterst*
chungen über die Natur thierischer h.örper,.
(larch EkctrlcitSt, mïr durch ein neœes Schlie-
, Тип oder Trennen der Kette. Die Thntigkeit in
der Galvanischen Kett* also ist nicht selbst
Electricität, (wenigstens nicht, was man bis
her unter Electricität verstanden) wohl aber
. -durch Electricität bedingt. Es ist die zur
gleichförmigen Thätigkeit gleichsam erhobne
Electricität, eine in еin System von Körpern
gleichsam eingeschlossne , und nur in diesem
Umkreis, und auf nichts aufser ihm wirkende
Action. *) . .

Aber
b) daft deshalb das Agens bei den Irritabi-
litätsäufserungen selbst Electricität seye, folgt
nicht, .{so wenig als aus dem vorhergehenden
folgt, dafs das Licht selbst Agens des Bil-
dungetriebs seye). Electricität ist nur das,
was .jener höhern (organischen) Aktion in der
allgemeinen Natur entspricht. Jene organi
sche Action ist selbst auch wieder eine köhe-
ю Potenz der Galvanischen Action. Selbst
die Contractionen Ves in die_ Galvanisch«
Kette eingeschlofsnen Organs -scheinen nicht
unmittelbare Wirkungen der in dieser Kette
thätigen Veränderung zu se_yn. — Electrici
tät ist in Bezug auf Irritabilität eine^anz
.äufsre Erscheinung, (die nur um«r der Form
* -de*
) Dsher ist ;et begreiflich , èmXi Ыж Blectremetet sie »в-
aeigt, noch anzeigen kann, л _-
«45
»les Galvaniimus eine scheinbar innre ThStig-
lkeit wird, weil sie hier nur innerhalb der
Kette, in welche sie eingeschlossen ist, wirk«
eam ist). — Dagegen ist die Ursache der Irri-
tabilitätserscheinnngen eine absolut innre an
das Organische absolut gefesselte Action. *)
Electricität also ist nur als ein späterer Ab
kömmling jener organischen Kraft anzusehen,
.welche als Ursache des Bildungstriebe und
der Irritabilität nur in ihrem Producte mittel'
bar erkennbar ist, und nur erst da unmittel-
bar sich, darstellt, wo alle» Organisch» auf
hört. . . ,

Indets ist die Action , die Ursache der Irr!«


labilität ist, an dieselben Bedingungen wie
die Electricität geknüpft, und dadurch lösen
eich eine Menge bisher unaufgelöster lläthsel.
Es ist gewifs vorerst, dafs auch in diesem,
höhern Procefs wie in dem electrischen der
Sauerstoff (als Mittelglied entgegengesetzter
Affinitätssphären) das mittelbar . Bestimmen»
dt »eyn mufb; dafs er, (weil sonst der che,
Q 2 mi»

) Dsrs nicht Electricität selbst, deren erste Letter etwe


die Nerven wären , Urssche der Irritabilität seyav
könne, ist schon durch Hailers Einen Grund wider«
legt , dafs Electricität an und filr sich keine Kraft
ist, die (jimgeben von leitenden Substanzen alles
Art) als »ingesckloissn » den .Narval, gedacht wars
den kan». , , '
mische Procefs unvermeidlich wäre) nicht un-
' mittelbar in diesen РroсеTэ eingreifen darf,
sondern nur durch einen dritten Körper, der
gleichsam sein Repräsentant ist, in ihn ein
wirkt. Dieser dritte Körper ist im thierischen
Lebensprocefs das Blut, das allein unmittelbar
den Saueretolf berührt, und im Lebensprocefs
nur als sein Repräsentant -auftritt. Weil da*
Blut als flüssiger Körper fortbewegt' wird, und
als Substanz von variabler Qualität überhaupt
. durch jede Contraction verändert (desoxydirt
wird) erfüllt es auch allein die oben (S. 179,)
aufgestellte Bedingung des dritten Factors
im Galvanischen Lebensprocefs , nämlich
dafs er durch seine Verär.dcrlichheit ein be
ständiges Werden und Wiederau fhüren der
Triplicität möglich mache. Ohne jene Be
rührung würde der Lebensprocefs bald stille
stehen, weil seine Bedingung, immer erneu
erte Heterogeneität, ohne dieselbe fehlte. Da
gegen, indem durch die Nutrition (welche
bei Thieren durch verbrennliche Stoffe se. С?
schieht) einerseits, und die Respiration (wel
che die Blut in eine exydirte Flüssigkeit *) -
ver-
) üebrigens wirkt das Blut, im thieriechen Körper ,U
Substanz von variabler Qualität überhaupt, <U es
durch die Irritabilit;itsäufserungen selbst wieder det-
»xyUirt wird, (ohne Zweifel, weil ilmen die Nutri-
• . i- tioa
verwandelt,)andrerseits dieBedingung alles ele»
ctrischeu Processes, (nämlich ein entgegenge
setztes Verhälfnifs seiner Factoren zum Sau
erstoff beständig reproducirt wird * auch der
Lebensprocefs , (als ein electrischer höherer
Art) immer neu angefacht werden mufs.

Aber so wie durch die organische Natur


die Irritabilität abnimmt, und mit ihr jener
electrische Procefs, so werden auch die Be
dingungen jenes Processes allmählich ver
schwinden. Die Pflanze hat nur insofern
überwiegende Pieproductionskraft , als die Ir
ritabilität in ihr schon völlig gesunkeu ist,
und da dicPf anze nur als Reproductionskraft
besteht, so v ird ihr Leben (und also auch
der Grad von Irritabilität, der allein mit ih>
rem Leben d. h. mit dieser bestimmten Pro-

tinn coexistirt"). Merkwürdig ist in dieser Rücksicht


insbesondre der Gegensatz, der am auffallendsten in
¿,en Zusammenziehungen des Herzens existirt. Wen»
der rechte Thcil des Herzens durch das тoт ganzen
Körper zurückkommende , d. h. grofsentheils schon
dusoxydirte Blut zur Contraction bestimmt wird, so
ist e» dagegen das unmittelbar von den Lungen kom
mende, d. h. noch reichlich mit Sauerstoff versehene
Blut, was den linken Theil zur Zusammenziehung
reizt, und so scheint das Blut, dieser lar familiaris im
Galvmiismus des Lebensprocesses seine Qualität nach
der Qualität der übrigen Factorcu in der jedesmalige*
Kette umändern zu müssen. ,,
portion der organischen Kräfte besteht) geför
dert werden, durch alles was die Irritabilität
retardirt. Die Bedingungen ihres Lebenspro«
cesses werden daher schon als die entgegenge
setzten vors denen , des thierische» erschei
nen. Die Pilante wird nur negativ gulmai-
»irbar seyn. '
.•,[. ..•.: . - . \..I . '
(Der Galvanismns, sagt man, erstreckt sich
nicht über das Pflanzenreich. Warum nicht?
Ir wird пчr der negative des thierischen Gal-
V nismus, in der Pflanze. Es ist auffallend,
dafs die Reizbarkeit, so weit sie der Pflanze
SuRommt, gefördert wird durch Substanzen,
welche im elcctrî sehen Conflict alle negativ
sind , wie Metallhalkc, Wasser, Salpeter, Sab
petersäure, Schwefelsäure, Salze aller Art
u. s. f. Denn dafs hierbei nicht sowohl der
Sauerstoff dieser Substanzen , wie man ge
wöhnlich glaubt, als ihre negativ- electrisclic
Beschaffenheit wirksam ist, erhellt daraus,
dafs der Schwefel %. B. dieselbe Wirhung wie
die Säuren äufsert. — Nun sind ebendies«
Körper alle, sobald sie aufhören, tropfbar
flüssig zu seyn, (zum Beweis, dafs es nicht
ihre chemische Qualität ist, die sie wirksam
macht) unwirksam im thierischen Galvani
smns. — Dagegen ist es höchst auffallend,
dafs eben solche Körper, welche im thierischen
Galvanismos die wirksamsten- sind, Opium
z. E., Kohlenstoff (nach Ingtnhowsz) und ge-
.wifs auch Metall» die Heilbarkeit der Pilan-
zen deprimiicn).

Aber wie die Irritabilität sinkt durch die


organische Natur, »o nimmt auch mit ihr die
Respiration (d. h. der Einflufs des Sauerstoffs
auf den Organismus) und mit dieser die Cir
culation ab. Jene iet bei den Thieren, wo
die Irritabilité tsäufaerungen mit grofser Schnel
ligkeit, und in kurzen Zeiträumen auf ein
ander erfolgen — (den Vögem z. B. in de
nen durch blasenartige mit den Lungen zu-
sarnmenhängendeOrgane die Luft bis in die hoh
len und marklosen Gebeinen der Flügel dringt)
— die auegebreitetste, und obgleich all
mählich matter und langsamer geschieht
sie doch regelmäfsig auf dieselbe Art bis zu
den Fischen , (mag ihnen nun das Wasser in,
den Riemen statt der Luft dienen nach Vicq*
Azyr, oder mögen sie nach andern die im
Wasser selbst befmdliche Luft emathmen),
aber eben hier ändert auf einmal auch das
ganze Irriiabiliiätssystem eich um, es ver*
schwindet der Eine Ventrikel des Herzen*
und das Blut kehret aus dem Herzen nicht
mehr durch eine besondre Hole zu den Lun
gen zurück. Bei den Insekten verschwinden
die Lungen , und statt ihrer erscheinen Luft-
ksnäle. Aber hei ihnen, so wie bei den Wü*-
Q 4 m«-

4
merarten 1st auch das Herz nur noch eine
- Reihe von Knoten, die sich einer nach dem
andern langsam zusammenziehen , und was
man ihr Blut nennt, ist kalt und ohne Far
be. Endlich in den Polypen ist keine Spur
nrehr von Respiration, (obgleich sie voraus
gesetzt werden mufs) , aber bei ihnen ver
schwindet auch alle Spur von Herz , oder
Gefäfsen. — Mit den Pflanzen endlich, d.
b. wo die Irritabilität am tiefsten sinkt wird
die Respiration zu einer Exspiration der rei
nen Luft, und der Sauerstoff der bei den Thie-
ren die der Nutrition entgegengesetzte Fun
ction hat, wird ihnen, wie Jngenkousz ge
zeigt hat (mittelbar oder unmittelbar) zuc
- Nahrung selbst. „ .

Es erhellt nun aus all' dem zusammenge


nommen, wie der Sauerstoff als Beetim-
mungsgrund im dynamischen Procefs der
Erde seine Herrschaft durch die ganze Na
tur erstreckt, und wie man in gewissem Sin
ne mit Girtanner sagen könne , er seye das
Princip der Irritabilität. Er ist es eben so,
wie er Princip der Electricität ist. Es klärt
eich aber auch die Täuschung in manchen
Argumenten für und wider diese Meinung
auf. — Man • kann im Allgemeinen sagen,
dafe das Thier im Gegensatz gegen die Pflan
ze in positiven Lebenszustand seye, (der Be
> weis
*, .i •.<.... *.
weis ist die beständige Sauerstoff -Zersetzung
bei jenem , und der Zustand der Reduction
bei dieser.) Da ¡nun Oxydation überall den
' negativen Zustand herbeiführt, da sie die
phlogisiische Erregbarkeit ¡herabstimmt (die
. yi.Wärmecapacität vermehrt) wie die eleetrisehe,
und das negativ - elecirische für den Organi
smus auch ein negativer Reiz ist, so ist be
greiflich , wie der Sauerstoff' die organische
Recepiivität, d.h. die Erregbarkeit des Thiers
vermehrt , und eben dadurch (indirect) Ursa
che der vermehrten Thätigkeit wird , *) und
wie umgekehrt die dem Sauerstoff entgegen-
> gesetzten (positiv - electrischen) Substanzen
den positiven Zustand erhöhen, oder indirect
• ,("durch Erschöpfung der Erregbarkeit) herab
stimmen; wie dagegen in der Pflanze, (deren
Lebenszustand der negative von jenem ist)
die negativen Reize ufiabläfsig wirken fhabi-
:. , t .' Q 5 « .\ ' -*ЦrЖ1

*) Da mit dem Mangel an Respiration augenblicklich


das Leben erlischt, so ist jener dem Leben contraire
Einflufs der Luft eigentlich das die Lebensthätigkeit
beständig Retardireude, was- durch Vermehrung der
Erregbarkeit verhindert,, dafs die Erregung nicht in
einem Moment iJir Minimum erreiche, (weil jeder
. Reiz die Erregbarkeit minder.) Der Sauerstoff oder
»ein Repräsentan t das arterielle Blut ist also bestän
dig das negative Glied in der Gal iranischen Kette des
Lebens, (Jas, was in der die Reizbarkeit des einzel
nen Organs erhol senden Hette der negativ - eleetrisehe
Horner ist,)
tuell werden) müssen, wie die Priante an die
Erde (als verbrannte Substanz) gefesselt scyn
mufs, wie alles desoxydirende, (Licht, ver-
brennliche Substanzen u. 8. w.) ihre Erregbar
keit im Moment erschöpft , und wie dagegen
negativ - electrieche Körper allein,, indem sie
ihre schwache Erregbarkeit erhalten , ihr»
Thätigkeit indirect erhöhn.

Aber die Irritabilität ist selbst nur der Ein*


Factor der Erregbarkeit. Jene äufsre Ursache
der Erregbarkeit, (die wir oben abgeleitet haben)
bringt zwar die Erscheinungen der Erregbarkeit
Cd. h. die Irritabilitätsäufeerungen) hervor, aber
nur unter Bedingung einer ursprünglichen Du-
plicität, oder was dasselbe ist, der Sensibilität
im Organismus. (S. oben S. 169.)

So werden wir auf eine noch höhere Ursache


in der Aufsenwelt getrieben , die sich zur Ele-
ctricität ebenso verhalten mufs , wie Sensibili
tät zu Irritabilität. Denn die höchste in der Na
tur wirkende Ursache, die wir his jetzt kennen,
eben jene allgemeine dynamische Action setzt
als Bedingung ihrer Thätigkeit schon ein dyna
misches Aufser einander, d, h. eine ursprüngli
che Duplicität voraus, Es mufs also übe - die
ser Ursache eine höher« (als allgemeiner dy
namischer Thätigkeitequ ell) vorausgesetzt wer
den. .

. - Uni
Und so wird *)

3) der allgemeine Magnetismus das seyn,


was der Sensibilität in der Aufsenwelt ent
spricht, oder, dieselbe letzte Ursache , welche
in der allgemeinen Natur Ursache des allgemei
nen Magnetismus ist, wird Ursache der Sensi
bilität in der organischen Natur seyn, denn

a) 60 wie in der organischen Welt Sensibi


lität an der Grän -e aller Erscheinungen steht,
eo in der allgemeinen Natur das, was der Sen»
eibilität entspricht. Es mnfs für die allgemei-
j•
ne Natur eben das seyn, was die Sensibilität
-,
for die organische ist, d. h. allgemeiner dy»
ntsmischer Thätigkeitsquell , und so wie der
Stnsibilitätalle organische Kräften unte.geord
net sind , so dem ihr entsprechenden alle dy
namischen Kräfte des Universums.

b) In dem wat der Sensibilität


null in der ganzen nicht - organischen Natur
allein eigentlich Identität in der Duplicität
und Duplizität in der Identität seyn, (was
anders sagt der Ausdruck Polarität ?) Denn
eben diefs ist das Unterscheidende alles Or
ganismus, Aber ist nicht eben diese Identi
tät

*) Dabis fem das nothwendige EVaaeyai <2es Magnetismus


in der Natur nicht wie das des Lichts und dor Elecyi'
eität abgeleitet ist, so macht auch das folgende vereist
*uf blofs hyoothmíche Wabdtaii Anspruch.
tat in der Dnplicität, und Duplicität in der
Identität der Charakter des gaw.cn Univer-
enms, denn, wenn dieses die absolute Tota
lität ,v ist, die alles In sich begreift, so ist es,
da es kcin'Object aufser sich hat, sich, selsbt
Object, und gegen eich." selbst gekehrt. Die
Gegensalze fallen' in das' Innre de, Univer
sums , aber alle diese Gegensätze sind doch
nur verschiedne Formen, in welche der Eine,
in unendlichen Verzweigungen über die gan,
же Natur sich ausbreitende, Ur - Gegensatzsich
verwandelt - «*- .und so ist da? Universum in
seiner absoluten Identität doch "nur das Pro
duct Einer absoluten Duplicität. • . , *

Aber auch den ursprünglichsten Zustand der


Natur müssen wir uns als einen Zustand der allge
meinen Identität, und Homogeneität (gleichsam als
emen allgemeinen Schlaf der Natur) denken. —
Denn die ersten und höchsten Ursachen , die wii
bis jetzt kennen, sind thätig nur unter Bedingung
der Duplicität, und setzen sie schon voraus. Die
Action der Schwere setzt wenigstens ein mechani
sches-, die allgemeine dynamische Action noch ein
höheres, dynamisches, Aufsereinander voraus, Wel
ches wird die Ursache seyn, die, höher als alle je
nen untergeordneten, der eigentliche Çuell ihrer Thä-
tigseit geworden ist?
Welches auch diese Ursache sey, so sehen wir
doch fioviel ein :
Was
— Wes Quell aller Thätigkeit ist. ist (weil Th ä«
tigkeit allein das erkennbare ist) selbst nicht mehr>-
objectir- erkennbar, (wie es die Sensibilität im Or
ganismus nicht ist). Es ist etwas absolut Nicht- ob
jectives, Aber absolut - obfectiv kann nur das seyn,
was selbst Ursache alles Objectiven , d. h. Ursache
der Natur selbst ist.

Aber was ist denn der Organismus , als die cpn-


centrirte Natur selbst, oder der all « emeine, Or*a-
7i iл mus' im Zustand seiner höchsten Contraction?
Es mufs also eine Identität der letzten Ursache an-
genommen werden , wodurch (als durch eine ge-
meinschaftliche^Naluraee'e) organische und anor-,
gische, d. h. die allgemeine Natnr beseelt ist. Die-
eelbe Ursache abo, welche den ersten Funken der.
Heterogeneität in die Natur geworfen hat, hat in sie
anch den ersten Keim, des Lebens geworfen, und
was Thätigkgitsqiuü in dsr Natur überhaupt ist,
ist auch LebeпsqucU in der Nalur.

Dieselbe Ursache, welche verhindert , dafs die


Extreme der Natur in einander übersehen, und das
Universum in Eine Homogeneität /.usammensch win
den , dieselbe verhindert auch das Erlöschen des Or
ganismus und seinen Uebergang in den Zustand der
Identität. Wie durch die absolute Duplici^ät alle,
10 ist durch die organische Duulicität (eine blofse
Modification vou joner) die organische Thätigkeit
bedingt.
V ' ' •* . .
Es
Es wird also eine g em eins eh of tli the
Ursache der allgemeinen und der orga
nische it Duplicitäc postulirt. Das allge
meinste, die gesammte Natur umfassende, eben
deswegen höchste Problem, ohne dessen Auflösung
durch alles bisherige nichts erklärt ist, ist dieses:

Welches ist der allgemeine Thätigkeitsquell


in der Natur? Welche Ursache hat in der Na
tur das erste dynamische jlujsereinander (wo~
von das mechanische eine blofse Folge ist) her
vorgebracht? Oder welche Ursache hat zuerst
in die allgemeine Ruhe der Natur den Keim z ir
Bewegung , ¿72 die allgemeine Identität Duplici-
tät, in die allgemeine Hjpmogeneitüt dey Natur
den ersten Funken der Heterogeneität geworfen ?

Anhang zum vorhergehenden Abschnitt.


Durch den vorhergehenden Abschnitt ist diе ob eu
(S. 66) aufgestellte Aufgabe, Von der wir vorhet-
gesagt, dafs in ihr leicht alle Problem» der Natur
philosophie vereinigt seyn dürften, in ihrer ganzen
Allgemeinheit aufgelöst.

Allein es ist durch die Aw*' < Hung jener Stufen


folge organischer Kräfte, aufser der Ansicht, web
che dadurch für Aie ganze organische Natur gege
ben ist, noch eine andre für das organische Indivi«
dnum gegeben, die hier, weil in dieser Ansicht al
le einzelnen Züge der vorhergegangenen Theorie
sich sammlen, anhangsweise nachgehohlt werden
mufs, zugleich um dadurch den Punkt zu bezeich
nen, mittelst dessen, ein andrer höchstwichtiger
Theil der Naturlehre mit den allgemeinen Principien
der Naturphilosophie zusammenhängt,

So wie nämlich in der ganzen organischen Na,


tur eine Stuffenfolge der Functionen statt hat, so
auch im Individuum, und das Individuum ist selbst
nichts anders als der sichtbare Ausdruck einer be~
stimmten Proportion der organischen Kräfte. Ge
stalt, und alles, woran das Individuum erkannt
wird, ist selbst nur Ausdruck jenes höhern dynami
tchen Verhältnisses , denn wie selbst die Struktur
eich nach jenem höhern Verhältnils bequeme, und ei
ne Verändrung in diesem eine Verändrung in jener
nach sich ziehе , ist durch mehrere Beispiele gezeigt
worden.

Jede Organisation besteht nur in dieser bestimm


ten Proportion und weder difseits noch jenseits der
selben. Dafs die Proportion überhaupt eine bestimm'
te ist, macht eine Abweichung von ihr möglich,
und dafs die ganze Existenz der Organisation durch
diese Proportion begränzt ist, macht, dafs eine Ab
weichung davon mit der Exiiteua des ganzen Pro
duct!
dum unverträglich ist — mit|Einerr) Worte beydes
zniammen macht die Organisation der Krankheit
fähig. , ,

Der Begriff der Krankheit ist ein völlig relati


ver Begriff , denn erstens hat er nur Sinn für das
organische Naturproduct; im Begriff der Krankheit
nämlich denkt man nicht nur den Begriff der Abwei
chung von irgend einer Regel, Ordnung oder Propor
tion , sondern auch, dafs die Abweichung mit der
Existenz des Products, als solchen nicht bestehe;
die letztereBestimmung vollendet eigentlich, den Be
griff der Krankheit. — Aber der Begriff der Krank
heit ist relativ innerhalb dieser Sphäre selbst wieder.
Mit diesem Grad von Irritabilität z. B. bei welchem
die Pflanze krank ist, würde der Polype vielleicht
eichon gesund sey'n. Mit diesen) Grad der Irritabili
tät, bei welchem du dich krank fühlst,' würde sich
eine tieferstehende Organisation trefflich befinden.-—
Zur beständigen Reproduction eines bestimmten Or
ganismus gehört auch nur ein bestimmter Grad der
Erregbarkeit. Wäre der Grad der Erregbarkeit nicht
für jedes Individuum ein relativer, so könnte man
sie (als intensive Gröfse), als in's Unendliche abneh
mend, durch unendlich viele Zwischengrade dem
Zero sich nähernd denken. Aber es gehört ein be
stimmter Grad der Erregbarkeit dazu, um diese be
stimmte Organisation gegen das Ankämpfen der äu-
fsern Natur zu erhalten , nt¡d ihren contrairen Ein
flüssen entgegen zu reproduciren, '.•
Dieie
Diefs vom Begriff ner Krankheit. — Bei der ur
sprünglichen Construction des Begriffs selbst müs
sen folgende Principien vorausgesetzt werden,
1) Dafs Krankheit durch dieselben Ursachen
hervorgebracht wird, durchweiche dieLeberuerachei-
wung selbst hervorgebracht ist.
3) Dafs die Krankheit dieselben Factoren haben
niufs, wie das Leben.
Nun besteht aber das Wesen alles Organismus
darum, dafs er keine absolute Thätigkeit sey , (der«
gleichen z. B. mit dem Begriff der Lebenskraft ge-
dacht wird , sondern eine durch Receptivität -ver
mittelte Thätigkeit , denn das Bestehen des, Organs«
bffiui ist nicht ein Seyn, sondern ein beständiges
Jieproducirtwerden. Nun würde aber die orgamsche
Thätigkeit in ihrem Product sich erschöpfen , so wie
im todten Object die Thätigkeit au ihrem Product
eich erschöpft, das organische Bestehen wäre also
ein Seyn, wenn nicht äufsre, contraire Einflüsse
das Erschöpfen der^organischen Thätigkeit an ihrem
Product verhinderten, und das organische zu be
ständiger Selbstreproduction bestimmten.
Der Organismus, als solcher, kann daher nur
unter dem beständigen Eintlufs äufsrer Kräfte be
stehen , und das Wesen des organischen besteht in
einer Ileceptivität, durch welche Thätigkeit, und in
einer Thätigkeit, welche durch Receptivität bedingt
ist, welches beides ш dem synthetischen Begrnf tier
Erregbarkeit zusammengefaßt werden mufs. Diese
läfst sich also nicht denken, ohne eine ursprüngliche
Duplicitäi in dem Organismus zu setzen. Denn der
Qrgantsmus ist erregbar, oder reproducir* , dem äu-
fsern Andrang entgegen , sich selbst , heifst : der Or
ganismus ist sein eigen Object; aber dafs*^,:
höre,' sein eigen Object zu seyn, ist nur '
beständige Wiederherstellung der urspr
Duplicität in ihm, (wodurch sein Zurücksinken
ip absolute Homogeneítht, der Tod, verhindert
wird) möglich. Jene beständige Wiederherstellung,
nnn , welche die organische Tbätigkeit verhindert,
iu ihrem Product sich zu verlieren , ist die Function
chjr äufaern Ursachen, d. h. der Reize,
Die Facturen, (innern Bedingungen) des Le
bens sind also im Begriff der Erregbarkeit enthalten,
'»«ine Ursachen aber in dem ununterbrochenen Ein-
fiuf» àujsrir Kräfte.
Nun laTst sich aber nicht denken , wie der Or
ganismus durch àufsre Reize nicht, zerstört, son
dern zur.Selbstreproduciion bestimmt werde, als durch
den Einflnfs eir>er höhern änlsern Ursache, welche
Ursache nicht wieder von seiner unmittelbaren Au
fsenwelt, sondern von eiqer höhern dynamischen
Ordnung, welcher jene selbst unterworfen ist , aus
gehen mufs. Bei der Construction der Lebenser-
scheiimng unterscheiden wir also die erste Ursache
der Erregbarkeit, von den Ursachen der Erre
gung, Denn die** — (iirowns erregende l'oieufeen)
—' . \'. S59
bringen die Erscheinung der Erregnng hervor, nur >
unter Bedingung der Erregbarkeit. —-
Es mnls also eine von den erregenden Potenzen
Unabhängige Ursache der Erregbarkrit (die mit
telbar auch Ursache der Erregung ist) angenommen,
es mufs insofern die ursprüngliche Selbstständig
keit der Erregbarkeit vorausgesetzt tverdeu.
Nun wird aber die Erregbarkeit nur h> der Erre«
gung erkannt. Erkannt also auch nur, i.xsofern sie
durch die erregenden Potenzen bestimmt wird, nicht in
ihrer Selbstständigkeit , denn in ihrer Seil istständig.,
keit, oder in ihrer Unabhängigkeit von den erregen
den Poteuzen, istsie todt, ohne Aeufserung. —
Ist aber die Erregbarkeit für die Erschei
nt un g nur durch die erregenden Potenzenbestimmt,
so ist sie, (obgleich ursprünglich von ihnen unab
hängig) doch durch nichts veränderlich, alf die er
genden Potenzen. — Wird angenommen , sie ver
halte sich umgekehrt wie die Intensität des Reizes, so
kann sie nicht erhöht werden, als durch Vermin-
drung , nicht herabgestimmt, als durch Vermehrung
des Reizes,
Aber die Erregbarkeit enthält die Factoren wie
des kebene, so auch der KranlJieit. Der Sitz der
Krankheit mufs also die Erregbarkeit, ihre Möglich
keit mufs bedingt seyn durch die Veränderlichkeit
der Erregbarkeit. Aber die Erregbarkeit ist verän
derlich nur durch die erregenden Poteuzeu. Die
R a Ur.
рбо ' - —ттш

tfrsache der Krankheit kann also euch nicht i?i der


Erregbarkeit' liegen , insofern sie selbststündig ist,
sondern nur in ihrem fUrhüllnifs zu den erregenden
Potenzen. '

(Es folgt unmittelbar ans diesem Satz-, daTs auE


die Erregbarkeit auch nicht gewirkt werden kann,
als durch tlas Mittelglied der Erregung , dafs die
Çaelle der Erregbarkeit wicht unmittelbar afficirt
werden ttann, sondern nur mittelbar durch die
Ursachen der Erregung: — Die noch herrschende
Theorie sieht in der Theorie die Erregbarkeit all
etwas Stlbststäudiges an , hebt aber diese Selbst,
etändigktit in der Praxis auf, indem sie auf die Er
regbarkeit unmittelbar wirken zu копuей glaubt,
welches -die eigentliche Bedeutung ihrer besänftiget!,
tlexi ,siärk enden ,und andrer sneeiiischeu Mittel ist. Die-
ee Thet/vie betrachtet die Erregbarkeit alá etwas ncx.h
innerhalb der Sphäre nn-srer medicinischen Mittel lie
gendes, als etwas durch die Einflüsse -dieser unsrer
Aufsemveit unmittelbar veränderliches. Aber die
.JZrrezbarJieit UeglMV.jserh.alb der dynamischen Sphä
re, in welche die Mittel fallen, die in unsrer Ge
walt stehen, sie mufs gedacht werden, als eise sol
che, die keiner Verwamhschaft der Erde unterwor
fen ist, und durch keine Latenz der Erde unmittel
bar afficirt werden kann. Der Beweis für jenen
Satz läfst sich also -aas Gründen der hohem Physik
führen.) _ . .. . >. . ■ ^
- • E»
абЧ

Es wird behauptet, bis zum er Erregbar


keit selbst reiche keine Einwirkung von- anfsen.
Veränderlich also sey' nicht die Ursache der -Erreg
barkeit selbst, sondern nur die Ursachen der Erre
gung. ^ Nun wird aber ferner behauptet, dafs durcK
hlofse Veranderung dieser Ursachen- auch die Erreg*
barkeix. selbst verändert werde*

Der Beweis ist folgender :


Die Ursache der Erregbarkeit, welche es auch-
seye, mu fs gedacht werden, als eine selbstständige Ur
als eine Ursache, die von sich selbst thätig ist, wo
nur ihre Bedingungen gegeben sind, diefs ist im vor
hergehenden bewiesen worden. Nun existiren aber
wirklich solche selbstständige Ursachen in der Natur,
die von selbst thätig sind, wo nur ihre Bedingungen,
gegeben oder verarfstaket werden , ja deren, Thäpig'
heitsgr ad sogar bestimmt ist durch den Grad, in
welchem ihre BeHingungfn gegeben sind. Solche
Ursachen sind z.B. Licht, Electricltät.u. s. w. derer*
(Quelle zu afficiren zwar nicht deren Bedingungen,
aber zu veranstalten in unsrer Gewalt ist. Die Ut-
sache der Erregbarkeit mufs aUo gedacht werden
gleich der Ursache des Lichts., als eine solche ,. wel
che für uns veränderlich ist nur dadurch , dafs ihre;
Bedingungen es sind. Denn ve-ist, wie d\ese, eine
Ursache, deren Princip nicht mehr m' die dynami
sche Sphäre der J£rde , sondern in eine höhere fällt,
wie oben bewiesen worden, d. h. sie fcteine selbst*
»täadig* Ursache, Dèr Unterschied beider Ureachen
ist nur der, daffi'ene allgemeinen Ursachen, bei
dieser Organsiation des Universum»* wenigstem
nicht erschöpft werden können. Dagegen ist dir Er
regbarkeit eine bestimmte für jedes organische ludw
▼iduum, und eine bestimmte für jeden Moment sei«
lier Existenz. Ihre Quelle ist also nicht unerschöpf
lich. Dadurch also, dafs die Bedingungen , ui.ier
welchen jene Ursache als thätig erscheint, d, b.
die erregenden Potenzen vermehrt werden , wird
nothwendig die Erregbarkeit vermindert, nnd um
gekehrt, nur dadurch, dafs jene Bedingungent
d. h. die Reize vermindert werden, kann die Erreg-
barkeit erhöht werden.

Es ist also erklärt, wie durch das Mittelglied


der Erregung die Erregbarkeit selbst afficirt werden
kann, ohne dafs es nöthig wäre, sie als eine unmit
telbar veränderliche Gröfsf anzusehen, oder an ein
hypothetisches Substrat der Erregbarkeit zu denken,
dem man wohl gar chemische Verwandtchaften giebt,
die man wieder nicht kennt, und auf die man che
mische Mittel wirken läfst, deren Wirkungsart гозП
abermals nur durch aufs Gerathewohl angestellte
Erfahrungen kennt. Nun war' es , jenem Satze un
beschadet, möglich sogar,, dafs die Ursache der Er
regbarkeit selbst nie gekannt wäre, denn wir ken
nen die Bedingungen ihrer Erscheinung, die sich
»uf dem Weg der Erfahrung und des Experiments
rens erforschen lassen, und in.unsrer Gewali stehen,
und durch deren Veräadrung die Erregbarkeit selbst
ändert, dutch welche alsMittelglied also die letzte Quel-
le des Lebens selbst afficirt werdep kann, nicht blind
lings und auf Gevathewobl , sondern nach bekannten
und bestimmten Gesetzen.

Bisher haben wir die Erregbarkeit angenommen,


als einen einfachen Begriff. Es wurde angenom
men, sie rеуе veründerlich durch das Mittelglied der
Erregung, könne herabgestimmt werden durch Et-
höhung, erhöht durch Herabstimraung des Rèizeé,
Daraus folgt aber, dafs die Erregbarkeit imtiveVr
im i umgekehrten Verhftltnifs des Reizes, der Uetfc
also auch der Intensität seiner Wirkung nach betrach
tet im umgekehrten Verhältnifs mit der Erregbarkeit
stehe; denn vermindern kann er die Erregbarkeit
nur durch das Mittelglied der Erregung, (fr fnüfi al
so (bei gleicher absoluter Intensität,) desto mehr errè-
gen , je höher die Erregbarkeit steht. Da a!sö aiif
eine hohe Erregbarkeit derselbe Rfche weit Stärket
wirkt, als auf eine geringe, so nimmt .die. relativ*
Intensität' der Reize zu in geradem Verhiiltnifs mit
der Erregbarkeit, und umgekehrt, sie verlieren ah
relativer Intensität in demselben Ver'.ültnifs , wie
die Erregbarkeit sinkt. *) Aber die Erregbarkeit
R 4 ist

*) Man hat gegen Broitm eingewendet, es seve nach sei


ner Construction des Lebens aus îïeiz und Erregbar-
. •• keit kein rom Mittelgrad der Efregnng abweichen
der Grad der Erregung möglich, and zwar aus dem
Grund
ist durch nichts bestimmt als die erregendenPolenzen;
»ie ist nur das, was die Reize aus ihr machen. Sie
kann aj#0 nur erhöht werden , dadurch, dafs ihr
Beize entzogen werden. Aber in gleichem Verhält-
nifs, als ihr Reize entzogen werden, nimmt die re
lative Intensität der übrigen zn , das Product
ist als 0\das s elb e und unverändert. Eben
eo wenig kann die Erregbarkeit herabgestimmt wer
den, anders als durch Erhöhung der Reize. Aber
in gleichem Verhältnifs nimmt die relative Lt»
tensität der übrigen ab , das Product ist also
abermals unverändert.
' ' . . J~
Es ist also gewifs, dafs, die Erregbarkeit alt
einfachen Begriff angenommen , keine Veränderlich
keit im Product der Erregung gedacht werden kann,
aber eine solche mufs seyn, weil durch die Veränder
lichkeit dieses Mittelglieds allein die Erregbarkeit
selbst veränderlich ist.

Die Erregbarkeit kann also kein einf acher


Factor seyn.
Wird

Grnnd, weil der Eine Factor nicht steigen könne,


ohne dafs der andre falle und umgekehrt, welcher
letztere Grund, so allgemein ausgedrückt, ganz falsch
ist. Denn man nehme als veränderlichen Factor die
Erregbarkeit an , so ist der Satz falsch , weil nach
dem obigen die Erhöhung der relativen Intensität der
Reize mit der Erhöhung der Erregbarkeit parallel
geht.
Wird sie als einfach angenommen , so kann nur
zwischen Erregbarkeit und Reiz Disproportion sey.n,
aber eine solche ist unmöglich, weil man der Er;
regbarkeit nichts nehmen kann, ohne es dem Reiz,
und dem Reiz nichts, ohne es der Erregbarkeit zu
geben. Es müssen also im Begriff der Erregbarkeit
selbst noch twei Factoren versteckt liegen , und die
se müssen es seyn, welche eine Disproportion in der
'Mrregung möglich machen. Diese Factoren, und
ihr Vethältnifs müssen bestimmt werden.
a) Es ist durch den ganzen Verlauf unsrer Wis-
»enschaft bewiesen worden, dafs im synthetischen
Begriff der Erregbarkeit die beiden Factoren der Sen
sibilität und der Irritabilität vereinigt gedacht wer
den. — Es mufs wiederhohlt bemerkt werden,
dafs unter Sensibilität nichts verstanden wird , als
die organische Receptivität , insofern sie das ver-
rnittelnde der organischen Thätigkeit ist. Unter Ir
ritabilität aber wir<l hier, wie in diesem ganzen
Werke, nicht die blofse Fähigkeit , gereizt zu wer
den, (welches freilich die ursprüngliche Bedeutung
«les Worte jtt), sondern wie ein inveterirter Sprach
gebrauch ] es erlaubt, die organische Thätigkeit
ielbstt insofern sie durch Receptivität vermit~
tele ist, (das organische Reactiorisvermögen) ge,
dacht.
, • by Diese beiden Faetoren sind sich selbst un
ter einander ent gegengesetzt, — Es ist durch eine-
allgemeine laduclion aus der dynamischen Stuffeo-
B. 5 fol
$66 , * ,

((sIge Леr organischen Natur bewiesen worden . ëatt,


"wie der Eine dieser Fadorenfüllt, der andere steigt
lind umgekehrt. •, . ¡ .
Aber was von der organischen Natur überhaupt
gilt, gilt auch vom organischen Individuum (oben).
£.( wird also auch im Individuum ein solches weck»
jelseitiges Fallen und Steigen dieser beiden Fado-
vеп star t finden können. . .«

с) Es zeigt sich aber bei Betrachtung der organi


schen Natur, dafs die Sensibilität nicht »m's Un
endliche einten darf, wenn ein Grad von Irritabi
lität übrig bleiben soll. Wir sehen z. B. i
zenreich, wo nur bei wenigen Individuen n
schwache Spur von Sensibilität ist, zugleich
auch die Irritabilität weichen, ,, .'•

F-s giebt also eine gewisse Grunzе, ÍH«*íá^í


welcher allein das Gesetz gilt, dafis die Irritab
steigt , ivit die Sensibilität fällt. Wird diese С
ze überschritten , sinkt die S e 71 sibil i t ät фu
einen gewissen Punkt, so steigt der entgeget
setzte Factor nicht mehr, soridemetfäUttuglticii
mit ihr. . '¡... f|)j
Dieses Gesetz ist zu erklären auf fo
Alle organische Thätigkeit ist eine durch Г
vermittelte, laut des ersten Grundsatzes aller orga
nischen Naturlehre. Nun sind sich aber Receptivi-
tät und Thätigkeit enrgegengesetzt, eine ist die Ne
gative der andern. Je höher also die Receptivität,
de-
desto geringer die Thätigkeit und umgekehrt. Abet
da alle organische Thätigkeit selbst keine absolute,
»onrlerr^ nur eine durch Receptivität bedingte ist, só
mufs ein gewisset Grad i>ori Receptivität
übrig bleiben, damit ein Grad von Thätigkeit
übrig bleibe. Jnnerhalb einer gewissen Gränze frei
lich geht das Steigen der Thätigkeit dem Sinken der
Receptivität gleich, unterhalb dieser Gränze einken
beide gemeinschaftlich.

(Diefe ist jenes wunderbare Verhältnifs entge.


gengesetzter Factoren, zwischen welchem das or
ganische Leben gleichsam balancirt, ohne aus ihm
je heraustreten zu dürfen ; ein Verhältnifs, das Joh.
Brown zuerst geahndet , obschon nie vollständig
sich entwickelt hat. Es ist merkwürdig zu sehen,
wie durch die Beobachtung dieses Verhältnisses in
der Erfahrung sein ganzes Gedankensystem die ihm
eigenthürnliche Richtung erhielt. ,,Ich sah," sagt
er , f.daTs die Zunahme der Stärke und der Erregung
gleiche Schritte halten bis zu einem gewissen Punkt
hin, endlich aber kommt ein Zeitpunkt, wo die
Stärke und die Erregung nicht mehr gleiche Schritte
halten , und wo die Stärke in indirecte Schwäche
übergeht." Die Entdeckung dieses Verhältnisses ist
einer der tiefsten Griffe in die organische Natur.
Denn das Individuum nicht nur, sondern die gaa-
ze organische Natur schwankt zwischen jenen Gren
zen. — Auf der höchsten Stuffe hat die Sensibilität
da» entschiedne Uebergewicht, aber hier geschehen
auch
J

268

auch die irritabiHtá'tsaufserungen mît gröfsrer Leich


tigkeit zwar, aber geringerer Energie, als auf der
Sluffe, wo mit allmählich sinkender Sensibilität, je
nes Uebergewicht der nach aufscn gehenden Kräfte
in den athenischen Naturen des Löwen z. B. und seiner
Mitkönige unter den Thieren hervortritt. Engerund
enger wird abwäVts in der organischen Welt die Re,
ceptivität, und das Uebergewicht der Irritabilität
wird nur noch an der Ausdauer ihrer Erscheinungen
erkannt. Zuletzt verschwindet die Sensibilität für
die Erscheinung ganz , die Receptivität ist nahe
dem Nullpunkt, aber eben hier treten auch jene
asthenischen Naturen , die Pßanzen , hervor , тЦ
welchen jene Gränze echon überschritten ist,
innerhalb welcher das Sinken der Receptivität und
das Steigen der Thätigkeit gleichen Schritt halten.
Die Pflanzen sind in indirect- asthenischem Zustand,
in asthenischem , weil ihre Existenz nur mit den
tiefsten Graden der Irritabilität eich verträgt , in in-
direct - asthenischen , weil ihre Receptivität hier
schon unterhalb der Gränze steht, oberhalb welcher
ihr Sinken noch mit dem Steigen der organischen
Thätigkeit parallel geht), . .. iéè^
4 " ••-ni, * v >*

In den eben aufgestellten drey Sätzen e


Bedingungen einer möglichen Construction
regbarkeit , und durch sie auch der Erregung ale e
неr veränderlichen Gröfse enthalten.
Wird durch Erhöhung dea Reizes die ganze Er
regbarkeit vermindert (nach Brown), so verliert das
Produkt (die Erregung) an der Erregbarkeit wieder,
was es an den Heizen gewinnt, es bleibt also das
selbe und unverandert. Wird durch- Erhöhung des
Reizes nur die Sensibilität (Receptivität) vermin-
deit, so gewinnt (innerhalb der oben angegebenen
Gtänze wenigstens) die Irritabilität (oder Energie)
d. h. der eigentliche Factor der Sthenie gewinnt,
was der entgegengesetzte der Asthenie verliert.

Umgekehrt, wird durch Vermindrung des Rei


zes die ganze Erregbarkeit erhöht, so wächst dem.
Product an derErregbarkeit wieder 7,11, was es an dea
Reizen verliert. Wird durch Herabstivnmung dee
Reizes nur die Sensibilität erhöht , so wird in glei
chem Verhältnifs, und nach einem allgemeinen Ge
setze der organischen Natur die Irritabilität sinken, d.
h. es wirdAsthenie entstehen,

Allgemein also : das Gesetz , dafs die Erregbar


keit sich umgekehrt verhalte, wie der Reiz, gilt
nicht von der ganzen Erregbarkeit , sondern nur von
ihrem Einen Factor, der Seusibilitat.

Durch diese Trennung der Erregbarkeit kommt


in eiе, und durch sie in die Erregung Veränderlich
keit. Das Totalpracluct der Erregung , (die Erre
gung als Ganzes befrachtet), ist allerdings unver
änderlich, und mufs es sogar sejn, damit ihre
einzelnen entgegengesetzten Facturen ver und er-
uU lieh
lieh seyn können. Man setze, der Reiz eteU'
gevon 40o plötzlich auf 60e, io wird dieReceptivität
(— 40 r ) um 20o sinken müssen. Aber die Receptivität
¡St das Umgekehrte der organischen Energie, also
wird diese, durch das Sinken der Receptivität um
20° s nothwendig um eben soviel erhöht werden , (u.
е. f. bis auf jene Granne, die für jedes Individuum
»ine bestimmte ist). Nun hat man also die Recepti
vität к 20° > die Energie, oder die Thäiigkeit nach
aufsen ES 60. (das Ganze der Erregbarkeit also — 80);
nennt man nun die Wirkung auf die Receptivität,
Sensation (in der oben erklärte» Bedeutung) — die
au? die; Energie, Irritation, urfd beide zusammen
Erregung, so hat man die Sensation —20, die Irti-
tation = 60, das Ganze der Erregung also — go. Hier
ist also die Erregung als Totalproduct unveränder
lich , und raufs es sogar seyn , damit die einzelnen
Factoren steigen und fallen können. Es ist also ein
theilweises Setzen der Erregung nothwendig; jemehr
Erregung nach innen, desto weniger Erregung nach
aufsen und umgekehrt. So ist das Ganze immer
sich selbst gleich , aber innerhalb dieses Ganzes ist
Disproportion möglich.

. -ï
Durch

.i
! ■ 27 t

Durch diese Construction der Erregbarkeit un¿


Erregung alt veränderlicher Gröfeen sind alle Bedin
gungen zur Construction der Krankheit, als einer
Naturerscheinung gegeben. Folgendes sind die
Hauptsätze, worauf diese Construction sich zurück
bringen läfst.

l) In einem "Zustand ohee Affection von anfsen


(wenn eich ein solcher denken liefse) würde Sensibili
tät und Irrita'bilität gar nicht unterscheidbar seym
In jeder Affection trennen sich beide. Da nun
Krankheit wie di» Lebenserscheinung selbst nurdurch
Affection von anfsen, schnell oder allmählich , her
beigeführt wird, so sind es auch diese beiden Fact oren,
die in jeder KranUicit sich trennen.

3t) Durch jede Affection von anisen, d. h. durch,


Vermehrung des Reizes wird die Sensibilität herab-
.gestimmt, es ist also nothwendig , dafs in gleichem
Verh'ahnifs (bis zu einer gewissen Gränze) die Irrita
bilität , und zwar der Energie nach steige.

(Es wird also behauptet,' dafs die Gröfse der


" Irritabilität (das Reactionsvermögcn) geschätzt wer
den müsse, nicht nach der Leichtigkeit, sondern
der Stärke seiner Aeufsrangen. Denn die Leichtig
keit der Bewegungen steht in geradem Verhältriif»
mit der Sensibilität wie auch die Erfahrung in un-
zühlicheu Beispielen zeigt; dagegen die Stärke ("in
nerhalb der bekannten Grenze wenigstens), immer
i<a umgekehrten Verhähnifs mit dec Sensibilität
steht.
sieht. Wegen des hohen Grade der Sensibilität iet
das Rind z. B. sehr leicht, d. h. durch geringe Rei
ze, aber auch nur zu kraftlosen Bewegungen be
stimmbar. Immer mehr nimmt die organische Träg,
heitskraft uberhand , aber nun werden auch — in
gleichem Verhähnifs mit der sinkenden Sensibilität
— die Bewegungen kraftvoller, energischer. — Oder
man betrachte den Unterschied der Geschlechter, oder
den klimatischen der Völker, oder endlich die Zu
nahme der nach aufseis gehenden Kräfte in der Na
tur, welche auch in einem gewissen (umgekehrten)
Verhälmifs der Sensibilität geschieht).

3) Als Princip der Construction aller Krankheit


rnnfs der Satz aufgestellt werden: die beiden Facto-
reu der Erregbarkeit sind sich entgegengesetzt', so
dafs innerhalb einer gewissen Gränze , die für jedes
organische Individuum eine bestimmte ist, und die
man durch Erfahrung erforschen mufs, die .Irritabi
lität, oder "die Energie steigt , ivie die Sensibilität
oder die Heceptivität fällt, und umgekehrt , und
durah die ves wechselseitige Siiiken und Fallen der
beiden Factorcn der Erregbarkeit ist alle Krankheit
bedingt.

Nach Brown ist die Krankheit durch Dispropor


tion zwischen ,Kein und Erregbarkeit bedingt, (es ist
aber gezeigt worden, dafs eine solche undenkbar
eeye) , — nach una, durch dies .freilich mittelst der
. un
unablässigen oder der plötzlichen Wirkung des Rei
zes hervorgebrachte, Disproportion zwischen den
Factoren der Erregbarkeit selbst. Nach Brown
ist der Reiz selbst mit Factor der Krankheit, nach
uns blofs Ursache^

4) Dadurch nur , dafs die beiden Factoren dei


Erregbarkeit als beweglich und in ein umgekehrte»
Verhältnifs gesetzt werden, ist die Möglichkeit einer
Disproportion in den Organismus gebracht — es ist
die Möglichkeit gezeigt, wie die Energie , oder der
Factor der Sthenie erhöht werde , während die Ле-
ceptivität oder der Factor der Asthenie herabge-
etlmmt wird und umgekehrt. Aber es ist damit noch
nicht erklärt, wie das Steigen des Einen und Sin-
hen des andern Factors Krankheit hervorbringe?
— Gesetzt auch Brown hätte Sthenie und Asthenie
v/irklich construirt — ist denn Sthenie und Asthenie
Krankheit? Es ist immer noch die Frage, wie diese
beiden — Krankheit werden ?

Denn Krankheit ist nur da, wo der Organismu»


als Object verändert wird. So lange nicht der Or
ganismus ab Object ein andrer erscheint, ist »r
nicht krank. Die Frage ist also die: wie eine Di»,
proportion in den Factoren der Erregbarkeit Verän
derungen im Organismus, als Object hervorbrin
ge? —

Der Organismus als- Object fällt nur in jene be-


etimrnte Proportion der Factoren der Erregbarkeit,
S ' dem»
denn durch Receptivität und Thätigkeit ist der gan
ze Kreie des Organismus beschlossen. Da die gan
ze Mannichfaltigkeit der organischen Natur selbst in
Ansehung der Structirr durch das Sinken und Stei
gen jener höheren Factorea des Lebens bedingt ist,
•60 ist begreiflich , wie nach demselben 'Mechanismus
auch die ganze Organisation — und selbst die Stru-
Ctur des Individuums verändert werden kann. Jedes
Individuum bedarf zu seiner Existenz (welche
nichts anders, als-ein beständiges Reproducirtwer-
den ist) emes gemissen Grades von Receptivität
und tines mit demselben im umgehehrten ftrhält-
nifs stehenden Grades der Energie. Es versteht
»ich, dafs hier eine gewisse Breite zugegeben wer
den mufs, innerhalb welcher jenes Wechselspiel der
beiden Factoren keine Veränderung im Object des
Organismus hervorbringt. Ein diese Gränze über
schreitender Grad des Einen oder andern ist unver
träglich mit der Existenz des ganzen Products, und
diese Unverträglichkeit mit der Existenz des gan
zen Products ist es, was als Krankheit gefühlt
wird. -
.i

5) Dît Krankheiten müssen eingttheilt werden
in Krankheiten der erhöhten Sensibilität (Ileceplivt-
Mt) und herabgestimmten Irritabilität (Wirkungs-
vermögens) auf der Einen, und in Krankheiten der
herabgestimmten Sensibilität und .erhöhten Irritaba
litut auf der andern Seite. Eine dritte filasse be-
greift diejenigen, wo das Steigen der Irritabilität
. » nicht
' »75
nicht mrhr dem Sinken der Sensibilität parallel geht*
die Krankheiten der indirecten Schwäche dea Rea«
ctionsvermögens. Da der Sensibilität alle organ i-
»chen Functionen untergeordnet sind, und Krank,
heit nur durch (indirecte) Affection der letzten Quel
le des Lebens selbst möglich ist so ist, insofern der
Sitz aller Krankheiten die Sensibilität , (in dem oft
bestimmten Sinne des Worts, da es nichts bedeutet,
als das Vermittelnde aller organischen Thätigkeit^.

Aber da die Sensibilität überhaupt nicht un


mittelbar, sondern nur mittelbar in ihrem Object
(den Irritabilitätsäufserungen) und ein Herabstim
men jener nur an einem Erhöhen dieser erkennbar
ist, und umgekehrt, so sind die Krankheiten auf
der ersten Stuffr ihrer Erscheinung alle Kraukiiei-
ten, der Irritabilität.

Aber durch die höhern Factoren des Lebens und


der Krankheit sind auch alle Reproductionserschei-
üungeu bestimmt. Einè Veränderung im Verhältlt
nifs derselben mnfs also bis auf die Reproduct ions-
kraft sich fortpflanzen. Erst nachdem die Krank
heit von ihrem ursprünglichsten Sitz der Sensibili
tät durch die Irritabilität auf die Repr »ductionskraft
»ich fortgepflanzt hat, nimmt sie einen scheinbar-
specifschen Charakter an, und — so entspringt
aus zwei ursprünglichen Grundkrankheiten die gan
ze Mannichfaltipkeit der Krankheitsformeu. Die Ir
ritabilität ist nicht durch alle Syauuae des Organi-
S % паял
iram dieselbe , (dem Grade nach ; ihre'IdenfitSt sagt
nur, dafs; sie nicht andere, ale gleichmäßig, erhöht
oder hersbgestimmt werden kann, Nun geht aber
Irritabilität in dem Verhältnifs wie sie| dem Grade
nach herabgestimmt wird in Reproduction6kraft , (z.
B. in Secretionskrafi) über ("obert S. 237) also ohne
alle specifische Affection der Irritabilität (wovon der
JÑervenpatholog träumt) }iai¡n eine auch blofs gra
duelle Veränderung derselben veränderte Reprodu
ctions -., veränderte Secretionserscheiuungen z. B,
hervorbringen. •

Der gemeine Stumpfsinn' practischer Aerzfe er


blickf die Krankheit nur auf dieser tiefsten Stuffe
ihrer Erscheinung in dem Verderbnifs der Säfte z.
B. , (Humor ulpathologie) welches aber selbst schon
Krankheit voraussetzt. *)

r 6) Ale Prineip aller Heilkunde mnfs der Salz


aufgestellt werden, dafs, auf die Reproductionskraft
nur mittelst ¿er höhern.Factoren , denen sie unter
geordnet ist, auf die Sensibilität aber (die letzte
Lebensquelle), nur durch das Mittelglied der Irritabili
tät gewirkt werden kann, dafs also dieIrritabilität das
tintige Mittelglied ist-, wodurch auf den Organi-
. 6mus ^
»J Selbst bei jeder Ansteckung ([welcher Begriff auch mit
für das organisckeNaturproduct Sinn hat"), geschieht
«was höheres, als der gemeine Humoralpatho-
log ahndet, Юаь Product ist ein homogenes, -die
Affection des Bildungsmek» also dieselbe wie beifcö-
bern Oferiliontu.
smi/J überhaupt .gewirkt werden kann, dafs auf sie also
auch alleankere Kräfte gerichtet werden müssen. Jfi»
aber durch die Irritabilität auf die letzte Quelle aller
Bewegungen gewirkt werden könne, ist nur durch da»
' timgekehrte Verhältnifs begreiflich, in welchem aie
mit der Sensibilität steht.
Л л ..
Aber die Bedingungen des Processes rТеr Irrita
bilität sind bekannt, und können erfahrungsmä-
fsig erforscht werden ,- (seine Bedingungen sind,
obgleich er selbst nicht chemisch, doch identisch
mit denen desr chemischen , wie mit denen des ele-
ctrischen Processes); also läfst sich, den Grund
satz, dafs nur durch das Mittelglied der "Erregung auf
die Lebenequelle gewirkt werden kann , vorausge-
eetzt, erwartèn , dafs, wenn die Erregungstheorie
erst, auf Grundsätze der Physikt zurückgeführt
ist, Heilkunde auch auf sichre Principien, ihre
Ausübung aber auf unfehlbare Kegeln zurückgebracht
seye. . >: . ;, "

All gemeine Anmerkung.

Der Begriff der Krankheit, wie der des Leben»,


treibt uns nothwendig auf die Annahme einer physi
schen Ursache, die, aufser dem Organismus, den
Grund seiner Erregbarkeit nnd mittelbar durch sie
aller in ihm vorgehenden Veränderungen enthält.
Denn, wie könnten wir glauben , dafs die Organisa-
S3. tio*
tíon den еnreichenden Grund ihre» Lehens und ih
rer Fortdauer in sieh selbst habe, da wir sie in An
sehung aller Verändrungen , insbesondre der krank
haften, abhangig erhlicken von einer aufsern gleich
förmig wirkenden und nur mittelst ihrer ßedingun-
gen Yeränderlichen Kraft, die ununterbrochen auf die
erste Leben#quelle organisifter Körper wirken mets *)
und die das Leben der allgemeinen Natur . (wie ее
»ich durch allgemeine Veränderungen darstellt) eben.
60 zu unterhalten scheint, wie sie das inviduelle
Leben jedes organischen Wesens unterhält.

Wenn wir nun im Vorhergehenden nachsehen,


welche Kräfte den organischen in der allgemeinen
Natur als entsprechend aufgestellt worden, so fin
den wir eben diejenigen, die nach allgemeiner Ueber-
einhunft als die Ursachen jener NaturVerärulerungen
angesehen werden müssen , und deren Zusammen
hang mit den Leberiserscheimmgen die Naiurlehrer
jederzeit theils geahndet, theib wirklich behauptet
haben.
к
t
Aber alle diese Behauptungen und darauf ge
bauten Theorien von den physischen Ursachen dee
Lebens, (deren Urheber im Grunde weiter gesehen,
als die, welche das Leben in Krregbarkeit setzen,
welche weiter au erklären sie Air unmöglich "der
•> über«

' *} Stbnífrr «W P«ns-'bilitit ab Lebensprincip in der or-


gauweheu j4aiur.'
/

" -. " • . »79

überfli'ifáig halten), drückt, aufserdem, dafs noch


keiner das Leben aus ihnen wirklich ccsnstruirt,'
ein Grnndmangel , dieser nämlich , dafs ihnen allen
der Hauntcharakter aller Theorie, die innre Noth«
9k
wendigkeit abgeht. Diesem Mangel kann nicht an
ders abgeholfen werden , als dadurch , dafs man aus
der Möglichkeit einer Natur' überhaupt das noth-
wendige Daseyn jener Ursachen in der Natur, und
aus der Möglichkeit eines Organismus überhaupt
das nothwendige Daseyn der Bedingungen, unter
welchen sie allein wirksam sind, im Organismus
demonstrirt , welches alles wir im vorhergehenden
geleistet zu haben glauben. Denn nicht nur haben
•wir bewiese«, dafs die Bedingungen, unter welchen
jene Ursachen tbätig sind, im Organismus, kraft
seines Wesens und seiner Natur, dadurch schon,
dafs er Organismus ist, liathwendig sind, sondern
wir haben auch das Daseyn jener Ursachen selbst,
und ihre ununterbrochne Wirksamkeit in derall-
gemeineh Natur als durch das Daseyn einss Uni
versums überhaupt bedingt aufgestellt, und —, so
den Organismus und das Leben, selbst der unschein
barsten Pflanze, vermittelst ihrer letzten Ursa
che an die ewige Ordnung der Natur selbst ge-
knüpft.

IV. 4 Ci

Die höchste Funktion des Organismus (Sensibi


lität) treibt uns auf dieFrage nach dem eisten Ursprung
S 4 der
der allgemeinen Heterogeneif ät (oben S. 254)- Und
in der organischen Welt ist Bildungstrieb, was in der
anorgischen chemischer Procefs ist.

Aber auch die Bedingung des chemischcnVrocti-


ees ist eine allgemeine Heterogeneitüt , und er hat
insofern gleiche Bedingungen mit derReproduciioni-
kraft. Die Auflösung jener Aufgabe, ist also zu
gleich als eine Theorie des chemischen Pro
cesses, und umgekehrt die Theorie des chemischen'
Processes als eine Autlösung jenes Problems an
zusehen. /

Allgemeine Theorie des chemischen


Processes.

. Begriff des chemischen Processes,


Щ
§. I.

Die Ursache, welche wir im Vorhergehenden alt


in Irritabilität und Reproductionskraft wirksam er
kannten , wurde charakterisirt als eine solche, die
unter, der Bedingung der Duplicität als t^hätig er
scheint
scheint. Aber eine Ursache, deren Thätigheit durch
Duplicität bedingt ist, kann nur eine solche' seyn,
die auf Intussusception geht* weil diese ohne awey
Körperindividuen , die in Ein identisches Subject
Übergehn, nicht denkbar ist. Die Tendenz jener
Ursache xnufs also die Intussusception, und wenn
Intussusception nur im chemischen Procefs ist,
rnufs sie Ursache alles chemischen Processes seyn.«

§. ».
•s Es exietirt also zwischen organischer und anor-
gischer Natur eine gleiche Abstuffung , .wie in der
organischen Natur selbst zwischen den höhern und
niedrem Kräften. In der anörgischen Natur hat
sich schon in Electricität verloren, was in der or
ganischen Irritabilität, und schon in den chemi
schen Procefs, was in der organischen Reproductious-
kraft ist.

§. 3.
' Die Ursache des chemischen Processes tendirt
gegen Aufhebung aller Dualität. Es mufs also in
dem chemischen Procefs absolute Intussusception
eeyn , d, h. Uebergang zweier heterogener [Körper
in eine identische Raumerfüllung.*) Eine identische
Raumerfüllung entsteht aber nicht, wo ein Körpur
rmr durch den andern verbreitet ist, denn eine sol-
S 5 . che

Die ehemische Scheidung ist immer nur das Cot*Ut»i,


rende der chemischen Verbindung.
SS3 t v

che Verbreil img würde immer noch ewei Körper


rig lassen, sondern nur, wo die Imlividualität
i einzelnen absolut aufgehoben und. ein neoer
er als gemeinschaftliches Product gebildet wird.

Intussusception ist also mechanisch schlechthin


, unmöglich, so etA-a, wie der Atomistiker die Auf
lösung sich vorstellt, nach dessen Begriffen sie irr-
mer nur partiell ist, d. h. nur bis auf die kleinsten
Theile der festen Körper, die in dem AuflösungsmitteJ,
einander unendlich nahe, verbreitet sind, sich er
streckt. Abgesehen davon, dafs diese Theorie auf
dem Begriff der Materie als eines blofsen Aggregate'
von Tbeilen, deren Zusammenhang durch keine
-physische Kraft überwindlich ist, beruht, (denn \va-
• rum anders sollte die Kraft des Auüösungsmiiteis
ihre Gränze haben?) — abgesehen ferner von den
unnatürlichen Vorstellungen, bu welchen der Be
griff einer mechanischen Auflösung führt, so kann
doch eine sokhe, da sie nur die Oberßaehen trifft,
schlechterdings nicht Intussusception heifsen, lind
wenn sie weiter gehen 6oll, ist sie nicht mehr mt-
chamsch denkbar,

§• 5-
Vielmehr da die Uudurchdringlichkeit der Ma
terie nur als Stillsland der Expansion und Contra
ction gedacht werden kann, so kann keine Durch-
dringlichkeit als nur durch Wiederherstellung jenes
Wech
_ . 1 - »83

Wechsels (d. h. durch gestörtes Gleichgewichts der ex


pansiven und compressivenKiaftederMaterie) gedacht
werden. Denn da zwo Materien sich nicht durch
dringen können , ohne eine Materie iu werden, so
nmfs jede einzelne gleichsam aufhören , Materie,
d. h. eine gleichförmige Raumerfüllung zu eeyn, die
Materie tnufs in den Zustand des ursprünglichem
ff er d ens zurückversetzt werden.

Vorausgesetzt aber, dafs chemischer Procefa


nur da ist, wo heterogene Körper absolut in ein
ander übergehen , so entsteht die Frage, wie ein sol
ches absolutes in einander Uebergehen mathematisch
construire werden könne? — Allein diese Frage ge
hört in den formellen 'rheil der Naturphilosophie
-.^)der die allgemeine Mechanik, wo tie auch ihr* Be
antwortung linden wird.

W §. 7.

Ans diesem Begriff des chemischen Processes


folgt aber von selbst , dafs, da in demselben eine voll-
kommne Durchdringung vorgeht, die Ursache des
selben nicht wieder eine dem chemischen Pocefs
(der F.rde wenigstens) selbst unterworfne Ursache
und da Körpei individuen derselben Sphäre für ein-
ai der nothvver.dig ein (mechanisches Aufsereinan,
der bilden, eine Ursache aus einer böhem Sphäre
eeyn
eeyn mnfe, für welche Substanzen der niedrem nicht,
wie für einander undurchdringlich, sondern pcnetra-
bel *) sind.

; _ ' ; \ ' Б. -.;V - > '


. . . »i ; .
Materielle Bedingungen des chemischen Pro-
. cesses. ...

• ' ' f 8. .

Die erste Folge aus den abgeleiteten Grundsä


tzen ist, dafs der chemische Procefs nur zwischen
heterogenen Körpern (denn nur wo Heterogeueiiät,
ist Duplicität) ,' möglich ist, u'nd'dafs, wen» es ei
ne Intussusception zwischen hom'ogenen Körpern
giebt, eine solche nicht chemischer Art seyn kann.
Die erste Aufgabe einer Theorie des chemischen
Processes ist also : die Heterogeneiiät, welche Bedin
gung desselben ist in der Natur abzuleiten.

§• 9- Ш

' Vorertt " versteht eich , datgf da jede Heteroge-


neität- noth wendig eine bestimmte, dieser Begriff
aber ein blofser Verhältnifsbegriff ist, es gewisse
fixirte Beziehungspunkte aller Qualität geben mufe,
dais sonach der chemische Procefs nothwendig ein
Ье-
t
*~) Baader über das yytîiagmiiischc Quadrat, oder die
vier YVeitgegendcn in der Natur. 1793. —'eine Sclrrift;
ron der späterhin weiter die Rede seyn wird.
begrenzter ist, d. h. ein äufserstes hat, über da» er
nicht hinauskann. Denn hätte der chemische Pro
cefs* nicht ein solches Aeufserstes, durch das erbe
gränzt wird, so hätte er auch keinen Punkt von dem.
er anfangen könnte. Aber dafs der chemische Pro
cela irgendwo anfängt, macht allein bestimmte che?
mische Producte möglich. Fienge er nirgends an
und stünde er nirgends. stille , so würde ein allge
meines Verfliefsen • aller Qualitäten in einander statt
finden, d. h. es würde überhaupt keine bestimmte
Qualität in der Natur vorkommeu.

• - * '*» '
% 10.
Wie mn der chemische Procefs im Universum
überhaupt ein begränzter werde, ist durch imsre
Theorie der Weltbildimg vorerst erklärt, insofern
nämlich nach derselben die Organisation in Gravi-
tationssysteme zugleich eine dynamische (abo auch
chemische) Organisation des Universums ist, und
durch die allgemeine Schwerkraft eiue gewisse Gran
iee der allgemeinen Evolution bestimmt ist.

§. II.
Wie aber der chemische Procefs des einzelnen
Weltkörpers (z. B. der Erde) begranzt werde , mufs
aufgezeigt werden können, durch Aufzeigung der
Hemmungspunkte, bei welchen alle Evelution der
Eide stillsteht.
• .Da das' Gehemmtseyn etwas lediglich Negati
ves ist, so mufe auch von jenen Hemmungspunkten
eine lediglich negative Darstellung möglich seyu.
Sie werden bezeichnet styn durch das,, dessen Zu
sammensetzung keine chemische Potenz dieser be
stimmten Sphäre überwältigen kann, d. h. durch das
Indeconaponible. Nun ist aber, dem obigen zu fol
ge (S. 33.) das Indecomponible in der Natur über
haupt nur dadurch möglich, dafs es zugleich das
compouibelste ist, denn sonst würde die Materie in
lauter Extreme sich verlieren. Aber ¿as Componibel-
ete erkennt man nur daran., dafs es einzeln nicht —
(sondern nur in Verbindung mit andern) — dar
stellbar ist4 Der eigentliche Begriff für ienes Nega
tive, ist also der Begriff der Nicktdarstelibarkeit,
und nichts mehr und nichts weniger ist uuter dem
Begriff des Stoffs zu denken.

i- и-

In dem Begriff des Stoffs kann also nicht der


Begriff eines Einfachen gedacht werden. Was für
die Chemie Stoff ist, ist Materie, wie j ede andret
mir dais es eine in höherm Grade componible, eben
deswegen nicht einzeln darstellbare Materie Ist. —
Es zeigt sich damit zugleich, dafs der Begriff des
Einfachen in der Natur überhaupt ein Scheinbegriff
ist. Da ein mechanisch Einfaches (wie der Atom
bei
des mechanischen Physikers) undenkbar ist; so
Könnte nnr ein dynamisch -s- Einfaches , etwas das
nicht mehr Product, sondern lediglich produetip
ist, gedacht warden. Ein solches ist oben (S. 17.)
durch den Begriff der einfachen Action bezeichnet
worden, und da in der Natur ein unendliches Pro
duct sich evolvirt, so kann man, wenn die Evolution
als wiiklich vollendet gedacht wird, sich als die Ele
mente der Natur nur eine unendliche Mannichfaitig-
keit einfacher Aclionen denken. Allein es kommt in
der Natur nicht zur absoluten Evolution, die- Vor
aussetzung ist also falsch, also auch das daraus
geschlossne, es existirt in der Natur kein einfaches,
und, weil in's Unendliche alles Product ist, auch
nicht das dynamisch - Einfache, oder das rein Pro
ductive. Die ursprünglichsten Hemmnugspunkte
in der Natur sind also auch nicht durch einf
Aclionen, sondern durch reelle Prodncre bezeic
die sich (wenigstens an dioser Stelle der Natur) nicht
weiter evolviren können, und die einfachen Actionen
sind nur die idealen Factoreo der Materie. •*'-

Im Begriff des Stoffs wird das Compouibetste-


gedacht (§. 12.)• Aber jede Composition fordert zwei
Factoren. Es nu'ifste also in der Natur ein Compo
nibles entgegengesetzter Art exisiiien. Ее fragt
sich, wie dies möglich seye?

0.15.

;
I
Das absolut - componible , (was eben defswe«
gen zugleich tlas Inàecomponïble ist) soll den Рro-
cefs der Erde begränzen. Er [müfste also nach ent
gegengesetzten Richtungen begränzt seyn.

Wir können une vorerst keine Gränze denken,


als dilK der Evolution der Erde überhaupt. Es ist
ein absolut - Hemmendes in den Qualhätsbestim-
mungen der Erde, dieses Hemmende überhaupt ist
das einzige wahre unzerlegbare, chemisch unüber
windliche. Was also einzelne Substanzen, die an
dieser Gränze stehen, unzerlegbar macht , ist nicht
ihre Einfachheit, sondern jenes negative Princip
der Erde, was ihnen allen gemeinschaftlich sich mit
theilt, und das man dem ursprünglichen Begriff sei
ner Erfinder gemäfs , das Phlogiston (E*dprincip .
d. h. , da Erde nur das Sinnbild des Unzerlegbaren
ist, vorzugsweise das Unzerlegbare^ nennen kann,

:. §• 17-

Da dieses negative als das Qualitätsßesfim-


mende auch als Ursache der chemischen Trägheit
der Körper angesehen werden mufs, so wird wo die
ses negative Princip das Uebergewicht erlangt, das rein
Indecompûnible hervortreten— (in denMetallea z.B.)
-Da
. — s «89
Da aber das ïndecomponible nur ab Componi
bles in der Natur exietiren kann , so wird ein jenen»
Princip entgegenwirkendes positives Princip anf die
.Natur wirken müssen , das, weil durch jene» negati
ve zugleich die Gestalt hxirt ist, sich als ein aller
Gestalt feindseliges (eben defswegen im Conflict mit
den negativen Kräften der Erde der Gestaltung giui-
»tiijes) Princip sich darstellen wird. (Wärme). Aber
dieses Princip wird ein nur durch fremde (.positive)
Influenz (das Licht) gewecktes Princip seyn.

N . Anmerkung. Es erklärt eich aus dem Vor,


hergehenden von selbst, warum dieses positive .
Princip auf diejenigen Theile der Natur am
itärksten wirkt, wo das negative Princip der
Erde das gröfste Uebergewicht erlangt, warum
also die Wärmecapacität, z. B. der Metalle die
geringste ist, warum sie in gleichem Verhältnis
mit der Oxydation zunimmt, warum endlich
durch jeden chemischen Procefs solcher Körper
ihre Cohäsionskraft zerstört, und indem ihr
absolutes Gewicht vermehrt, ihr epecifischeе
vermindert wird, warum umgekehrt, durch
vermehrte Colusión auch die chemische Fun
ction eines Körpers verändert wird , (warum z,
Б. Eis positiv ■ electrisch wird, und das Licht
schwacher bricht, alt Wasser u. ».w.

T §• 18.
Aber diesem Indecomponibeln mufs aus dem
oben angegebnen Grunde ($. 14.) ein Indecorhponi-
bles (oder Componibles) andrer Art entgegenstehen.
Welches dies seye, wird au» den folgenden Betrach
tungen klar werden-
• , -' . . *-

ß. 19.
Wenn jedes chemische Product ein gemein
schaftliches aus heterogenen ist , eojoaüseen dieFa-
ctoren des Products sich in Bezug auf das Product
entgegengesetzt seyn. Nun ist aber alle Materie der
Erde eigentlich nur Ein ,Factor Eines höheren Pro
ducts , was aue der oben aufgestellten Theorie der
allgemeinen Weltbildung nothwendig folgt. Denn
wenn das Universum durch ein unendliches Zerfal
len Eittеs Urproducts in immer neue Factoren eich
gebildet hat, so kann jeder einzelne Factor nur— Ei
nem, und was zu ihm gehört, (alle Materie der Er
de z. B.) mufs unter sich homogen seyn. Aber di*
Bedingung des chemischen Processes ist JJeteroge-
neität. — Sind also alle Materien der Erde =: Einer
Materie (ihre Verschiedenheit blofs eine Verschieden
heit der Varietät), so ist zwischen ihnen auch keine
reelle Entgegensetzung, also auch kein chemischer
ProceGs möglich.
«91

Soll ein chemischer. РroсеTз möglich seyn , so


nrnfs der Eine Factor desselben eipe Materie seyn,
die aller Materie der Erde gemeiaschaftlich entge
gengesetzt ist, und in Bezug auf welche alle Mate
rie der Erde nur Einem Factor gleich gilt, Ist es
nur dieser Eine aller Materie der Erde entgegenge
setzte Factor, der allen chemiechen Procefs mög-
lieh macht, so mufs auch zwischen Materien der
Erde kein chemischer Procefs möglich seyn , als nur
ein durch jenen Einen beständigen Factor vermittel
ter, d. h. nur insofern, als irgend ein Körper aus
der Verwandtsehafissphäre der Erde Repräsentant
jenes Principe ist. •

§. 21.

Jenes Principnmfs also Mittelglied aller chemi


schen Affinität und alles chemischen Processes, und
eben deswegen auch idealer Beziehangspunitt aller
Qualitätsbestimmung seyn.

Da jener Eine Factor aller Materie der Erde ge


meinschaftlich entgegengesetzt istt so wird er zwar
mittelbar oder unmittelbar in jeden dynamischen
Procefs der Erde eingreifen , aber er kann ebendefs-
wegea nicht wieder Product aus der Verwandtschaft»-
T 3 »phäre

i
sphSre tier Erde, er mufá Product der hbhern Ver-
wandtschafrssphäre , d. h. ein Product der Sonne
icyo .und insofern ist die Sonne (oder vielmehr die
Relation der Erde %u ihr) letz te Ursache alles chemi
schen Proceeie* der Erde.

Ее feiet voп- selbst, dafs dieses Princip, da es


kein Product der Erde ist, auch durch keiwe Snb-
etanz der Erde rtducibel , also ein absolut -unzerleg«
bans, eben defswegen aber zugleich ein schlechthin
componibles seyn mule.

§. 24.
Welche Materie der Erde jenes Product sere,
ist ans dtn im vorhergehenden aufgestclltenSätzen von
der chemischen Influenz der Sonne bekannt. Das
noihwendige Daseyn eines solchen Principe ist als
Bedingung alles chemiechen Processes hier a priori
abgeleitet, und in der Erfahrung stellt es sich ale
dasjenige dar, was nnsre Chemie den Sauerstoff
nennt. Welches aber die Function dieses Principe
im dynamischen Proçefs эёуе, wird aus dem folgen
den к1аr werden. -
. V .. ... . ~/
. . . -fc Ч?лл
Ее konnte entweder nur das mittelbar- oder Йае
unmittelbar - Bestimmende im dynamieclren Procefe
der
der Erde eeyn. Im ersten Fall imifste ein Körper
vermöge »eines Verhältnisses zu ihm a!s sein lieprä-
seutaitt auftreten ; es ist oben abgeleitet worden,
difs diefs im electrischen Procefs geschieht. Im an
dern Fall würde der Saunrstoff in den Procefs selbst
eingreifen entweder mittelbar durch einen Körper,
mit dem er siebs identi£çirt>, oder unmittelbar. Im
letztern Fall, da er nur das Mittelglied ist, was die
beiden entgegengesetzten Afönitätssphäreu der Erde
und .der Sonne trennt, müfsie »obald es verschwin
det, die b obere Amnitiitesphäre, welche, £x Дт öegen-
iütz gegen die Erde repräaentirt, selbst in ihrem Phä
nomen, dem Lieht (als Sonnej hervortreten, d.,h.
es müfsie ein Verbrennwigsprocefs statt ihiden. *—
Wie ein Erdkörper Sclbstfpell des .Limits (¿isich^er
Sonne) werden Könne, läfst sich gar nicht anders
begreifen', als durch diese Aufhebung oder OeiTnung
eines Mittelglieds, wodurch beide Affmiiätssphären
getrennt »iud,

-. .'• f. 26. ..>

Der Sauerstoff ist also Bedingung, des elec^i-


»chen Processes , weil Electricität
. -s nur
'fît unter iiedin-
n..u iiT,'¡í Ь
gung der Trennung entgegengesetzter A/finua^ss|)h.;.,-
ren möglich, und der Sauerstoffnnr das Trennende
> ist. Er ist Bedingung des Verbrennungsprocessei,
weil dieser einen Uebergang beider in einander vorausr
»ietzt. Aber, kein Pcbcrgarig. ohne rеп^адзд Hei-
vtoffj*®*** ¿té ta^sftitewt
... T 3
294
nur dafs dieser Gegensatz, der bei jenem ein vermit
telter ist, bei diesem ein unvermittelter wird.

tf. 27.

Da rmn der Sauerstoff gegen die Erde nurjdie


höhere Affmitätssphäre repräsenfirt, so hat er im
Verbrennungsproeefs im Grnnde dieselbe Function,
die der positive Körper im electrischen Procela hat.
Denn so wie dieser nur Repräsentant des Sauerstoffs
ist, so jener nur Repräsentant einer höhern Affini
tät, (der Erde zur Sonne). Und so wie das be
stimmende im electrisrheh Procefs nur der Sauerstoff
ist. so ist es im Verbrennungsproeefs nur die höhe«
те Affinität dtíi Sonne.

§..J8-

Da nun diese höhere Affinität im Verbrennungs-


processe ale Licht sich offenbart i so wie sie im ele-
ctriachen Procefs (ehe er in Verbrennungsprosefe
übergehen kann) erst als Sauerstoff hervortreten
xnufs, so kann man sagen, dafs der Sauerstoff selbst
wieder nur Repräsentant eines höbern Principe, und
zwar des Lichtes stye.
. , . ..(. :.,.:..

§• 39t - I; ...
Und dafs der Sauerstoff allen Substanzen der Er
de gemeinschaftlich entgegengesetzt ist d. h. dafs
al
' 255
alle mit Him verbrennen, während er mit keiner
andern verbrennt, ist selbst nur dadurch möglich,
dafs er kein höheres in dem Verwaudschaftsbrei»
der Erde hat, womit er verbrennt, Es ist notbwen-
rlig, dafe die absolut unverbrennliche Substanz in
Bezug auf еin höheres System entweder eine ver
brannte sey, oder die im höchsten Grad verbrennli-
che des untergeordneten Systems. Alle Substanzen
der Erde verbrennen also , indem sie sich mit dem
Sauerstoff verbinden , mittelbar durch ihn mit eb
nem höhern Princip,

So treibt uns der Verbremrangsprocefs auf eine


in's Unendliche zurüchgehendeHeterogeneität, denn
welches wird endlich im Universum das absolut nn-
verbrennliche seyn , mit dem zuletzt alles , und das
mit nichts mehr verbrennt? — Man sieht leicht,
dafs diese Kette durch beständige Vermittlung in'e
Unendliche zurückreicht und dafs so, da aller chemi
sche Procefs reducibel ist auf den Verbrennungspro-
cefs, jeder chemische Procefs bedingt ist durch die
letzten Factoren des Universums , deren Uebergehen
in einander die absolute Homogeneitat herbeiführen
würde-

Die chemischen Erscheinungen also, eben |t


wie die organischen treiben uns auf die Frage nach
T 4 dem
*9б

»lim letzten Ursprung aller Duplicität. Der Eine


Factor des chemiechen Processes fällt immer aufser
halb des einzelnen Products (s. B. der Erde), er
lallt in ein höheres Product ; aber für den chemischen
Procefs dieser höheren Sphäre fällt sein Einer , un
veränderlicher Factor wieder in eine höhere Ordnung
und so in's Unendliche.

Es 1st also Ein allgememer Dualismus, der


durch die ganze Natur geht, und die einzelnen Ge
gensätze, die wir im Universum erblicken, sind nui
Spröfslinge jenes einen Urgcgensatzes , zwischen
welchen das Universum selbst fällt.

Aber was hat denn jenen Urgegensatz selbst her


vorgerufen, hervorgerufen aus der allgemeinen Iden
tität der Natur?, Denn ist die Natur die absolute
Totalität, so kann ihr auch nichts entgegengesetzt
aeyn , denn alles fällt in ihre Sphäre und nichts au-
fserhalb derselben. Es ist unmöglich, dafs dieses
(von aufsen) Unbegrenzte sich in ein Endliches fiir
.die Anschauung verwaudle, als nur insofern es sich
selbst Object, d. h. in seiner Unendlichkeit end
lich wird,' •.

Jener Gegensatz also mufs angenommen wer


den, als entsprungen aus allgemeiner Identität. Da
durch sehen wir uns getrieben auf eine Ursache, die
Heterogeneität nicht mehr voraussetzt, sondern
"felbst hervorbringt. .' \•

Aber
Aber Heterogeneität hervorbringen helfet: Du«
plicität in der Identität ¡.chairen. Aber Düplicität iet
auch nur in der Identität erhenubar. Die Identität
m ufe' also aus der Düplicität selbst wieder hervorge
hen.
Aber Einheit in der Entzweiung ist nur da,
wo das Heterogene sich anzieht, und Entzweiung
in der Einheit nur, wo das Homogene sich zurück«
stöfst. Beides ceexistirt nothwendig, das Homog«-
ne flieht sich nnr, insofern das Heterogene eich sucht,
und das Heterogene sucht sich nur, insofern das
Homogene sich flieht. Aber dieses Hervorbringen
dee Heterogenen aus dem Homogenen, und dee Ho
mogenen aus dem Heterogenen erblichen wir am ur
sprünglichsten in den Erscheinungen des Magnc~
tismus. Die Ursache des all g eme i 71 en Ma
grietismus wäre also auch die Ursache der all
gemeinen Heterogeneität in der Homogeneitqt und
Лег Homogeneität in der Heterogeneität,

Da Heterogeneität Quell der Thätigkeit und der


Bewegung ist, 10 wäre die Ursache des allgemeinem
Magiuetismus auch letzte Ursache aller Thätigkeit in
der Natur, der ursprüngliche Magnetismus also für
die allgemeine Natur, was die Sensibilität für die or
ganische ist — dynamischer ThätigkeiUquell : denn
im Gebiet des Mechanismus siebt man die Bewegung
еus der Bewegung entspringen. Aber was ist denn
1er erste Çudl aller Bewegung? es kann nicht w\c-
*tr Bewegung »eyo. Es mufs das entgegengesetzte
T 5 vim
*9Q
von Bewegung seyn. Bewesung mufs ans Ruhe
hervoKiueílen. So wie im chemischen Pi ocefs , wo
nicht der bewegte Körper den ruhenden oder beweg
ten, sondern der ruhende den ruhenden bewegt.
Eben so im Organismus, wo keine Bewegung un
mittelbar wieder Bewegung hervorbringt, sondern
wo jede ftewe¿nng vermittelt ist durch Лике (durch
Sensibilität).

Vergleicht man nun die oben (S. 25) aufge


stellten Merkmale dessen, was der Sensibilität in der
allgemeinen Natur entsprechen soll, so findet 6ich fol
gende Uebereinstimmung.

a) Dafs der Magnetismus eben so wie die Sen


sibilität an derGriinze der organischen, an der Gren
ze der allgemeinen Naturerscheinungen stehe, d. h.
dafs keine Naturerscheinung existire, aus welcher
er abgeleitet werden könnte, wird jeder zugeben.
Denn die einzigen Erscheinungen , aus welchen ihn
abzuleiten jemand versucht werden könnte, die ele
ktrischen , haben aufser der Wirkung durch Verkei
lung mit den magnetischen nichts gemeinschaftli
ches , und diese eben ist der höhere Factor im ele-
ctrischen Procefs — übrigens kann man zwar jeder
magnetischen Erscheinung eine electrische, nicht aber
jeder electrischen eine magnetische entgegenstellet.
Diefs.unddafs zwar jeder magnetischeKörperelectristh
nicht aber jeder electrische magnetisch ist.ibew cht,
dafs dtr Magnetismus eine ihrer Ausdehnung шсЬ
. viel

'
viel cingeschränktereKra ft,und dafs eben deswegen der
Magnetismus nicht sowohl der Electricität, als die
Electricität dem Magnetismus untergeordnet ist.

b) Dafs im Magnetismus , dem allgemeinen so


wohl als dem spcciellen einzelner Substanzen ,• fdie
aus jenem allgemeinen herausantreten scheinen) die
.ursprünglichste Identität in der Duplicität, und um
gekehrt seye, (welches der Charakter der ganzen Na
tur ist) ist zu klar, um weitläuftig bewiesen zu wer
den.

Diese Identität der Sensibilität und des Magne


tismus in Ansehung ihrer Ursache vorausgesetzt, so
mnfs drr Magnetismus ebenro wie die Sensibilität
das Jiestimmende aller organischen Kräfte, das Be
stimmende aller dynamischen Kräfte seyn.

Um diesen Satz aur vollen Evidenz zu erheben,


bedarf es nur des Beweises, dafs in der allgemeinen
Natur nicht nur dieselbe Gradation der Kräfte, wie
in der organischen sey, (denn diefs ist schon gewiis)
sondern auch , dafs diese Gradation in der allgemei
ner) und der organischen Natur derselben Propor
tion, und denselben Gesetzen folge.
,.• .. .. Щ-
- Für die Gradation der Kräfte in der organischen
Natur fand sich (oben Abechn. III.) folgende Pro
portion.

Womit die Natur in der organischen Welt a in


freigebigsten umgegangen ist, ist die Reprodu
ctions
etionekraft. Sparsamer schon, doch noch sehr
reichlich hat sie die Irritabilität ansgeiheilt , aber
am sparsamsten das höchste, die Sensibilität. ¡,

Aber, was ist denn auch der organischen


Welt sparsamer ausgestreut, als- die magnttiieht
Kraft, die wir nur an wenigen Substanzen wahrneh
men? Die Zahl in hohem Grade electrischer Kör
per mehrt sich schon aufserordenllich , Und es ist
kein Körper der absolut unelettrisch wäre , wie kei
ne Organisation absolut in irrita bei ist. Dagege.11 die
chemische Eigenschaft allen Körpern (vielleicht auch
in einem gewissen, noch nicht entdeckten umge
kehrten Verhältnif» ihrer electrischen) eigen ist.

Ferner, jeder magnetische Körper ist auch e\e-


ctrisch , und chemisch, so wie keine Organisation",
der Sensibilität zu Theil wurde, der Irritabilität
oder Reproductionskraft entbehrt. Aber nicht jeder
eJectrische Körper ist auch magnetisch, so wie nicht
jede Organisation, die Spuren von Irritabilität zeigt,
auch Sensibilität hat,
•:•,. • ->. - '. , • v. . ... '•
Aber Reproductionskraft ist,. auch JrirUabUität,
Irritabilität auch Sensibilität, In der Pílanze z. J3.
hat»Sich war für die Er.scJitimmg schon in Reproilu-
ctionskraft verloren, was beim Thier nôch Irritabi
lität ist, und bei'm ,niedrem Thier für tJit Erschei
nung nur in Irritabilität, was bei'm höhern noch als
Sensibilität unterschieden wird. Aber ebenso hat
Bich bei'm chemischen Tx'ófperJ'ür die Erschcimfng
schon
schon in chemischen Procefí veilóren , was ber*m
electrischen noch Electricität, und bei'm electrischen '
in Electricität, was beim magnetischen noch- Ma
gnetismus ist. Aber der Magnetismus ist so allge
mein in der allgemeinen Natur, als die Sensibili
tät in der organischen, die auch der Pflanze zu-
koramt. Aufgehoben ist er in einzelnen Substanzen
nur für die Erscheinung ; in den unmagnetischen
Substanzen verliert »ich (bei der Berührung) unmit,
ttlhar in Electricität, was bei den magnetischen noch
als Magnetismus unterschieden wird , *) so wie bei
den Pflanzen unmittelbar in Zusammenziehungen sich
verliert, was bei'm Thier noch als Sensation unter-
*ebicden wird.' ,•;-}.: ,. A4- .Jw.'. -ajix
. . ' . JlS&lWid••:- С. л" '"
Es fehlt also nur an den Mitteln, um den Ma
gnetismus der sogenannten unmagnetischen Substan-
zn tu erkennen, **) und zu verhindern, dafs sich
. ', . nicht

Merkwürdig ist, dafs, was Лет chemischen Proceft


oder der Elecfricität günstig ist die magnetische
Kraft schwächt, FP'ärmex.B. Es ist zwar nicht wahr,
... j dafs oxydirtes Eisen aufhört vom Magnet gezogen
' . vi werden. Aber auch der nur oberflächlich oxydit-
te (.rostende} Magnet verliert an Kraft. — Electxi-
tche Funken können ihm diese Kraft rauben, (demi
ob" sie die magnetischen Pole umkehren ist noch un-
gewifs}.
..?*) Nur für wenig*, aber denn doch für diese bedarf es
der Erinnerung, dafs überhaupt nicht von diesem
-i " • ¿«.:u sije
-oit t "

nicht in Electricität oder chemischen Procefs verleirt,


was auf der höbern Stufte als. Magnetismus er-,
scheint. ,;,*•>,.!',., 1

feieht man ferner auf den Mechanismus jene«


Stuffenfolge, so wie, sie für die organische Natur
bestimmt wurde, so ergiebt sich folgendes :

t (Es ist Eine Ursache, die eich allmäblig aus (fer


Einen Function in die andre verliert. Sensibilität
geht in Irritabilität über, diefs ist nicht möglich, als
wenn beide Jiineu Factor wenigstens gemein ha
ben. Aber ist diefs nicht so? — In der Erschei
nung ist es. das System der Nerven, die Organe bei
der zugleich sind. Wo der höhere Factor der Sen
sibilität (das Gehirn) allmäblig verschwindet, und
der niedrere allmählig das Uebergewicht erlangt,
fîrigt auch Sensibilität an , in Irritabilität sich zu
verlieren. (Daher das Sommering' sehe Gesetz, dafs
die Sensibilität düs umgekehrte Verhaltnifs der Ner
ven zum Gehirn beobachtet). , . r.

Aber ebenso müssen auch Irritabilität und Reprodu-


ctionskraft Einen Factor wenigstens gemein haben,
denn wie könnte sonst jene in diese übergehen? Aber
so ist es auch. Der Eine Factor der Irritabilität, je
ner Wechsel von Expansion und Contraction ist auch
Be-

îpecielbn (einzeln - erkennbaren} , sondern vorn ur-


ipsflagUeken Magnensmus -die Rede хrят-, mit dem
• , -jener frorlicit um durch uuiendjicii viele Zwischen
glieder zwa¡»ineuhai>£t.
' ■ 303

Bedingung der Reproduct.ionskraft , und eben da.


wo Irritabilität in Reproducti.onskraft übergeht, sieht
man auch tien Einen Factor der Irritabilität — den
höhem — verschwinden? — Es ist allgemeine»
Gesetz, dafs die Reproductionskraft einzelner Thei-
le z. B. das umgekehrte Verbfiltnifs ihrer Abhängig
keit von den Nerven beobachtet. Soll also Irritabi-
lität Reproductionskraft werden, so mnfs ihr höhe-
rer Factor verschwinden, und umgekehrt, wo von
der Irritabilität nur der niedrere Factor noch übvig
ist — (Contractiliiät, z. B. im Zellgewebe) .— wird
sie zur Reproductionskraft. ; ,g

Es kann also als allgemeines Gesetz für diese


Stuffenfolge aufgestellt werden: die höhere Function
verliert sich in die untergeordnete , dadurch, dafs
ihr hberer Factor verschwindet, und der nie
drere fröherer Factor der untergeordneten Kraft
wird.
• ' - • '-'>.'. .

Dieses Gesetz übergetragen auf die dynamische


Stuffenfolge in der allgemeinen Natur, so ist der
Magnetismus das Ileterogeneität hervorbringende,
durch Vertheilung wirkende (wie es vielleicht das Ge
hirn ist). Und was in den Irritabilitätserscheinun-
gen jener Wechsel von Contraction und Expansion
ist. das ist in den Electricitätserscheinun^en deii
Wechsel von Anziehung und Zunicksicifomig. Die
Anziehung geschieht vermöge des hohem Factors
der
der Electricität (der Wirkung' durch Vertheilung). die
Zurückstofsnng vermöge des niedrem Factors, näm
lich der Mitth'eilung homogener Electricität. (Und
wer weifs denn, ob- nicht eine ähnliche Aufeinander
folge der Vertheilung mittelst des Gehirns, und der Mit-
theilung homogener Electricität durch die Ner
ven die Erscheinungen der Contraction und Expan
sion des Organs hervorbringt?) Aber eben jen&r
PPechselvon ExpansionundContraction ist auchße-
dingung'der Möglichkeit alles chemischen Processes.
Denn nur vermöge einesWechsele expansiver und com-
pressiver Kräfte, können zwei verschiedue Körper in
Eine identische Raumerfüllung übergehen. Nun setz*
man aber, dafs jener höhere Factor (der f'Vechsel
von Ausdehnung und Znsammenziehuug) verschwin
de, so wird die Bewegung entweder in Contraction,
(mit Bildung fester Körper, CrystaJlhation u. s. w.)
oder in Expansion (mit Bildung Jlnssig er Körper)
stillstehen, — und' das Caput mortaum ist •
gleichförmige rtaumerfüllung = todter gâterie

Es eind also die letzten Regungen der organi


schen Kraft, die wir in den chemischen Bewegun
gen der Körper erblicken, und es ist Eine Kraft, die
den zusammengcseUtestenThierkörper wie den chemi
schen contrahirt.

Wenn nun allgemeine Analogien überhaupt bewei


sen deKraft haben, so ist kein Zweifel, dafs demMagns-
tismus dieselbe Function für die allgemeine Natur
eu
zugeschrieben werden muís , die wir Леr unbekann
ten Ursache der Sensibilität für die organische zu
schreiben. Durch den 'Magnetismus ist zuerst alle
Dualität in die Natur gekommen. Da nun die all
gemeine Dualität in den Organismus nur als in ihre
engste Sphäre eich zurückzieht, (daher ihre kraft
vollen und concentrirten Wirkungen) so- ist die letz
te Ursache aller Dualität für den Organismus diesels
be > wie für die allgemeine "Natur.

Da der allgemeine Organismus im Weltsystem


nur im Znstand seiner gröfsten Expansion- erscheint,
so wird der Magnetismus das dem Universum In
wohnende seyn, was macht, dafs wie, im einzelnen-
Organismus , jede Wirkung auf den Theil auf da»
Ganze sich fortpflanzt. Die Eindrücke, die das
Universum in der allgemeinen Wechselwirkung be,
etändig erhallt, verlieren sich — (obgleich das un-
unterbtochne Fallen der Weltkörper gegen gewisse?
Mittelpuncte eine durch die allgemeine Sensibi
lität vermittelte Bewegung seyn mag) — in Bewegun
gen , die nur an reagirenden Substanzen erkenn
bar sind.. — Aber warum ist die Magnetnadel sen
sibel für jede beträchtliche Naturveränderung, für da*,
electrische Licht, das am entgegengesetzten Pol leuch
tet, oder einen vulkanischen Ausbruch der andern He
misphäre? — Wo also ein Glied in der groTsen dyna-
mischen Organisation gestört wird, rcagirk das Gan
ze ; ein Lichtgewitter, das jetzt in der Sonne auf
steigt, kann binnen acht Minuten bei uns einschla-
U gen,
gen, sagt Lichtenberg', Aber was ist das sogenann
te Anzünden eines Feuers andere, als ein solches Ein
schlagen des Lichtgewitters der Sonne? — ,

Es ist nach dem bisherigen wohl nicht zweifel


haft , dafs der Magnetismus für die allgemeine Na
tur dieselbe Function hat, wie die Sensibilität fiir die
organische Natur. Dafs er Ursache ,ler allgemei
nen Heterogeneität, und so das bestimmende in al
ler durch Heterogeneität bedingten T.hätigkeit seye,
ist bewiesen, nicht aber gezeigt, wie er es ist, Diefs
mufs aber gezeigt werden.. t>.
¡ ... .. .t.. •. , . ._ •
Begreiflich ist, wie durch den Magnetismus ein
ursprünglicher Gegensatz in die Natur gekommen
ist. Aber die Frage ist : wie aus diesem Einen ur
sprünglichen Gegensatz alle einzelnen Gegensätze
in dar Natur sich entwickelt habvi ?

(Denn diefs eigentlich ist nnsre Behauptung,


— Es seilte hier a priori abgeleitet werden, wa»
anderwärts *) durch Induction bewiesen worden ist,
dafs es Ein und derselbe allgemeine Dualismus ist,
der von der magnetischen Polarität an durch die
ilcctrischen Erscheinungen endlich selb ft in die che
mischen Heterogeneitüten sich verliert, und'zu-
ц 'letzt

*) von der Wel£*eele. ,i


letzt in der organischen Natur wieder zum Vor-
schein kommt. — Die Frage ist also : wie iener Ei
ne Gegensatz in so mannigfaltige Gegensätze sich
ausgebreitet habe?

Wenn der Magnetismus in die Natur den ersten


i Gegensatz gebracht hat, so war dadurch 'zugleich
der Keim einer unendlichen Evolution, der Keim
jenes unendlichen Zerfallens in immer nente Produ-
cte in's Universum gelegt. Diese Evolution, die
oben postulirt worden ist, als vollendet — oder auch
als immerfort geschehend — angenommen, so ist
eben dadurch jener ursprüngliche Gegensatz als fort-
daurend, die Factoren, die sich in ihm trennten, als
in's Unend^che getrennt und immer wieder sich tren
nend gesetzt. Woran 6oll aber da6 Fortwirken jener,
Heterogeneität nicht voraussetzenden sondern her
vorbringenden, Ursache in der Natur erkannt wer
den? Wir kennen heine Jlervorbringnng von Hete
rogeneität, als durch das, was Vertheilvng genannt
wird. Ist also das Universum evolvirt , so wird jene
Ursache der Heterogeneität durch von Product zu Pro
duct sich fortpflanzende f^ertheilung die allgemeine
Heterogeneiiät unterhalten. Diese Venheilung , .die
wechselseitig ausgeübt wird, wird nicht nur Beding
gung der Gravitation in jedem System, sondern. auch
— das allgemein Bestimmende des dynamischen
Processes seyn.

U 2 Durch
I . -' *
" *
505
Durch jede Wirkung durch Vertheilnng werden
entgegengesetzteKräfte geweckt. Diese aber,da siesich
das Gleichgewicht nahen, bringen einen Indifferenz-
austaud hervor, und in dieêem Zustand der Indiffe
renz befindet sich eigentlich alle IVtaterie der Erde,
ehe sie der Einwirkung des (speciellen) Magnetismus
ausgesetzt, oder in electrischen oder chemischen
Conflict gebracht wird. Jener Zustand der Indiffe
renz wird erscheinen als ein Zu3tand der Homoge-
ueität. Aber ein solcher homogener Zustand existirt
auch in jeder dynamischen Sphäre in Ansehung ihrer
Qualitäten; (denn wie die Materie der Erde, somufe
die' Materie jeder andern Sphäre als unter sich ho
mogen gesetzt werden Dieser h&mogene Zustand,
ist aher nicht ein Zustand absoluter Homogeneitär,
er istnureinZustahd der Indijferénz. Nur dfese bestän
dige Einwirkung von aufsen durch Vertheilung, indem
eie diesen homogenen Zustand der Qualität nnterhält,
macht aucheine Aufhebung des Indiffcrenzzustandes,
d.h. den dynamischen und insbesondre den chemischen
Procefs möglich. Denn jeder Körper, der dem che
mischen Procefs unterworfen wird, mufs in sich
selbst entzweit werden; ohne diese Entzweiung im
Homogenen selbst, lafst sich keine Aullösung —.
läfst sich jenes Wechselspiel von Expansion und
Contraction, ohne welches kein chemischer Procefs
möglich ist, gar nicht denken, Uro den chemischenPro«
cefsconstruiren zu können, mufs jene oben vorausge,
setzte Homogeneitäc der Qualität selbst noch in Du-
plicität aufgelöst werden. Sie| ist nur magnetische
V

Indifferenz. Damm mnfs der Magnetismus als alt-


gemein und nur für die Erscheinung aufgehoben
gesetzt werden. Könnte also jene Einwirkung von
aufsen aufhören, so würden die Substanzen der Er»
de im dynamischen Procela völlig unthätig seyn,
wie das Eisen (magnetisch) unthätig ist, ehe der Ma
gnet darauf gewirkt hat — es wäre also auch keine
Qualitätsdifferenz erkennbar. — (Diese allgemeine
Wirkung durch Verlheilung kann aber nuranalogisch
verglichen werden, mit der, die wir den Magnet
ausüben sehen. Denn dieser erweckt immer wieder
dieselben Pole — in's Unendliche fort, denn er. selbst
und jede Substanz , auf die er wirkt, ist begriffen
in der allgemeinen Sphäre des Erdmagnetismus. Je
ner also kann keine Polarität mittheilen, noch die-
<e eine empfangen, die nicht homogen wäre mit
der allgemeinen Polarität der Erde. Dagegen ist die
Erde z. B. aufser der Sonne, daher mufs der Ma
gnetismus der Sonne eine von ihm verschiedne Po
larität aufser sich wecken).

Die Einwirkung der Sonne durch Vertheitung


bringt zwar in der dynamischen Sphäre der Erde Po
larität hervor, aber das Product dieser Polarität ist eltt
allgemeiner Indifferenzzusia'nd ; (der allgemeine Imlif-
ferenz/>MttAistellt sich alsMittelpunkt Леr Schwere dar )
Im Universum ist zwar eine allgemeine ríeterogeneí-
tät, aber jedes einzelne Productistunlersioh homogen.!
Soll ein dynamischer Procefseeyn, (dessen Bedingung
DUferenz), so mufs die Materie ans dem Indlffereni-
V J . punht
punkt gesetzt werden. Es fragt. sich wodurch? —
Wird 'etwa das höhere Product auf das unterge
ordnete nur durch Vertheilung wirken ? — Es
ist noch eine andre Wirkungaart möglich — durch
Mittheilung. , Wenn nun zwischen Sonne und Erde
wirklich eine Mittheilung stattfindet, (wovon das
Licht wenigstens das Phänomen ist), so wird die
Sonne, der Erde dadurch etwas Homogenes mitthei
len , wie ein electrisirter Körper dem nicht electrisir-
ten homogene Electricität mittheilt. — Durch diese
Mittheiiuug also kommt in das untergeordnete Pro.
duct Ilcterogeneität, und mit ihr die Bedingung des
electrischen und chemischen Processes,

Jeder dynamische Procefs beginnt nur fnit dem


Conflict des ursprünglich Heterogenen, fVo das
Homogène sein Heterogenes berührt, wird es aus
dem Indi.fferenzpunck gesetzt (die dynamische Träg
heit in ihm gestört), Homogeneität ist durch die
ganze Natur nur Ausdruck eines . Indifferenz-
zitstaudes, weil Homogeneität nur aus Hetefo-
gene*itat hervorgehen kann. Dadurch wird der dy
namische Procefs gegründet, der nicht eher stillste'
hen, kann , als mit der absoluten Intussusception
des Heterogenen, d. h. nut der absoluten Aufhebung
seiner Bedingung.
Es ist also 'Eine Ursache , . die in die Natur
den ursprünglichsten Gegensatz gebracht hat, diese
Ursache körnten wir durch die (unbekannte) Ursa
che des ursprünglichen Magnetismus bezeichnen.
' . Durch
Durch diese Ursache ist eine im Universum
inJs Unendliche sich erstreckende W irkung durch
Уertheilung, durch diese ein Indifferenzzu
stand für jedes einzelne Product , durch diesen In
differenzzustand die Möglichkeit einer Differenz
im Homogenen, dadurch dicM ö g I i chkeit eines dy
namischen Processes (wohin 'auch fier Lebenspro-
cefs gehört) und insbesondre des chemischen, als ei
ner Auflösung des Heterogenen im Heterogenen be
dingt.
Die Wirklichkeit des dynamischen Proces
ses für jedes einzelne Product ist bedingt durch
ЛИ t theilung, welche im Universum ili,s Unendli
che statt hat, und deren allgemeines Üicdhim für
den uns bekannten Theil des Universums das Li cht
ist.
In den bisher vorgetragenen Sätzen sind nicht
nur die Bedingungen- der Construction jedes dyna
mischen Processes enthalten, sondern auch abge
leitet, wie durch Linen urspnim>!ichen Gegensatz
alle andre Gegensätze, selbst die in den chemischen
Heterogeneitäten eich hervorthun, best imrtft sind.

S V. i
Die dynamische Organisation dos Universums
ist abgeleitet; nicht aber das Gerüste derselben. Je
ne Organisation setzt eine Evolution des Universums
aus Einem ursprünglichen Product, ein Zerfallen
dieses Products in immer neue Pioducte voraus.
U 4 Der
Der Grnnd dieses unendlichen Zerfallens seil in die
Natur durch Eine ursprüngliche Dualität gelegt wor
den seyn , und diese Entzweiung mufs augesehen
werden, als entstanden in einem ursprünglichen
Identischen, welches aher nicht denkbar ist, wenu
nicht jenes Identische als eine absolute Involution,
als ein dynamisch unendliches*) gesetzt wird denn
alsdann war in das Product mit Einem Zwie
spalt eine unendliche Tendenz zur Entwicklung ge-
• worfen. — Diese unendliche Tendenz wird für
die Anschauung eine Tendenz zur Evolution mit
unendlicher Geschwindigkeit seyn. In dieser Evolu
tion würde also nichts unterschieden werden, d.h.
kein Moment der Zeit wäre auf bestimmte Art er
füllt, wenn nicht in dieser Reihe ein Retardirendes
wäre , was jener Tendenz das Gleichgewicht hielte.
Die Evolution der Natur mit endlicher Gesehwindig-
keit setzt also als letzte Factoren eine accelerirende
und retardirende Kraft voraus, die beide an sich un
endlich, und nur wechselseitig durch einander
begränzt sind. Vermöge der wechselseitiger Ein-
schrän-
*} Das dynamisch - Unendliche wird hier entgegengesetzt
dem mechanisch - Unendlichen, d. h. dem unendli
chen ^uyjwinantfer. — In einem andern Sinne wird iie
^ 'dynamische Unendlichkeit von dem organischen, und
.wehl auch dem Kmistproduct prädicin, insofern, wenn
ein solches durch Zusammensetzung ("mechanisch")
entstehen sollte, hein Aпfait" der Zusammensetzung
gefunden werden könnte, weil 'jedes Einzelne ein
unendliches andres, imd alles andre .jenes einzelne
voraussetzt,
315

Einschränkung dieser Kräfte wird es in keinem ge


gebenen Moment (der Zeit) zur absoluten Evolution
kommen.
Käme es zur absoluten Evolution , so würde
die Natur nichts als ein absolutes Aufsereinander
darbieten. Da nun das absolute AufsereiHander nur
der absolute Raum ist, so führt die aecelerirende
Kraft in ihrer Uneingeschränktheit gedacht auf die
Idee des unendlichen Raums.
, Wäre dagegen die retardirende Kraft uneinge
schränkt , so würde für die Anschauung nur ein ab-
eolutes Ineinander , d. h. der Punkt entstehen , wel
cher als blofse Gränze des Raums Sinnbild der Zeit
in ihrer Unabhängigkeit vom Raum ist.
Die Natur kann keines von beiden seyn; sie ist
ein Âufsereinander in dem Ineinander , und ein In
einander im ÄufsereirMnder — vorerst also ein in
der Evolution nur Begr/£fenc r — zwischen absoluter
Evolution und Involution Schwebendes.

Da die Tendenz zur Evolution eine ursprüng


lich unendliche ist, nach der Voraussetzung, so mufs
sie gedacht werden, als eine Kraft, die in unendlich
kleiner Zeit einen unendlich grofsen Raum erfüllen
würde. Läfst man nun den Raum in's unendli
che steigen, oder die Zeit ins unendliche fallen, so
hat man indem einen Fall — , im andern Î. , d'. h. ¿as
* о
unendlichgrofse.

. . Die
зч. . '
Die retardirende Kraft also als die entgegenge
setzte mufs gedacht werden, als diejenige, welche
. die expansive eine endliche Zeit hindurch in einem
endlichen Raum erhält. .

Keine von beiden Kräften würde für sich eine


reale Raumerfüllung , znstandebringen. Könnte
die Expansivkraft in unendlichkleiner Zeit einen un-
eudlichgrofsen Kaum durchlaufen, so würde sie
in keinem Theil des Raums auch nur einen Moment
weilen, den Raum also nirgends erfüllen. Ie
mehr das Gegengewicht der retardirenden Kraft
steigt, desto längere Zeit hindurch wird die expan
sive Tendenz in jedem Punkt des Raums weilen,
den Raum also in höherem Grade erfüllen.. — So
sind verschiedne Dichtigkeitsgrvde möglich.

Die Materie ist also nicht sowohl Raumerfüllung,


als ein Ravmerfüllen, und zwar ein Erfüllen mit
bestimmter Geschwindigkeit, Denn da das Mnafs
der Einen jener Kräfte der erfüllte Raum, das der
andern die erfüllte Zeit ist , so ist ihr Verhältnifs
S
— — = С und die verschiednen Dichtigkeitsgrade nur
versclfcedne Geschwindigkeiten-der Raumerfüllung.

Das absolut -Elastische ist, was mit unendlicher


Geschwindigkeit, das absolut Dichte was mit unend
licher Tardität den Raum erfüllt; keines von bei
den, existirt № der Natur. r«

:• - Durch
Durch die beiden abgeleiteten Kräfte ist zwardie
endliche Geschwindigkeit der Evolution überhaupt
abgeleitet, d. h. es ist erldärt, wie die Natur für je
den einzelnen Moment der Zeit ein bestimmtes Pro
duct ist, nicht aber wie sie es für jeden Moment des
Raums ist. ^ber die Evolution soll nicht nur mit
endlicher Geschwindigkeit geschehen, sie mufs
schlechthin gehemmt — d. h. an bestimmten Punk
ten gehemmt werden, denn sonst würde (bei' end
licher Geschwindigkeit) die Evolution zwar nur in
tmendlicher Zeit vollendet söyn , aber die Evolution
wäre fortgehend, die Natur ein unendlich wan
delbares, zwar für jeden Moment der Zeit, aber
nicht für alte Zeit fixirtes und bestimmtes Pro
duct. , •
Die Kraft also, worauf eine absolute Glänze
der Evolution, eine Bestimmtheit des Products für
jeden Moment des Raums in die Natur kommt, mufs
eine von der Kraft, welche nur die Geschwindigkeit
der Evolution und die Bestimmtheit des Products
für jeden Moment der Zeit bestimmt, verschiedene
und unabhängige Kraft seyn.
Es ist aber keine Kraft , durch welche eine ur
sprüngliche Gränze in den Raum gesetzt würde, als
die allgemeine Schwerkraft. Es mufs also zu je
nen beiden Kräften diese ais die dritte, wodurch
erst die Natur ein permanentes und für alle Zeit
fixirtes Product wird, hinzugefügt werden.

"i • Erst
Em von diesem Standpunkte aus kann die Na
tur als Product angesehen werden , welche» Stand
punkt Kaut in seinen metaphysischen Anfangsgrün
den der Natur • Wissenschaft genommen hat.

Was wir accelerirende Kraft genannt haben,


entspricht Kants Repulsiv - oder Expansivkraft,
was wir retardirende Kraft nennen, seiner Attra-
ctiv- Kraft, mit dem Unterschied, dafs Kant unter
der letztern anch die Schwerkraft begreift, und so
mit zwei Kräften die Construction der Materie vol
lendet glaubt. — Vollendet

1) inwiefern er auch alle Qualitätsdifferenz,


als tedncibel auf ein. variables Verhältnis jener
Kräfte anzusehen scheint, was zwar die Mechanik,
welche die Materie überhaupt nur als Raumerfullung
kennt, nicht aber die höhere Dynamik anerkennt —
(nach jener mülbie, wenigstens durch dynamische г.
В. chemische Veränderung des ursprünglichen Ver
hältnisses jener Kräfte, jede Materie in jede andere
verwandelbar eeyu. Aber alle Qualität ist bestimmt
durch etwas weit höheres als den blofsen Dichiig-
Ueiisgrad. S. oben),

2) inwiefern Kant das, was er Attractirkraft


nennt, und was in seiner Construction der Materie
das Dichtigkeitsbcstimmende ist, als identisch an
nimmt mit der Schwerkraft, welche Identität aber
schon eben darum unmöglich ist, weil die Attractiv
krift
kraft jedes Körpers zu seiner blofeen Construction
schon verbraucht wird. (S, oben, S. no) *)
V. i'\
— (Dieser Grund gilt auch gegen die Constru
ction der chemischen Wirkungen,aus jenen beidenKräf-
ten. Auch im chemischen Conflict kann die Substanz
nur mit einer nach aufsen gehenden Kraft wirken, aber
jene beidenKräfte sind nur immanente aufConstruction
ihres Products gehende Kräfte). —

Der transcendental Beweis jener beiden Kräfte,


der Schwerkraft und der retardirenden, als von ein
ander unabhängiger Kräfte iet kurz folgender :

Es mufs für jedes Endliche eineGränze der Welt


anschauung geben; diese ursprüngliche Beschränkt«
heit ist für die intellectuelle Welt eben das , was für
die phyfifche Welt die Schwerkraft ist , das was das
Individuum an ein bestimmtes System von Dingen
feffelt und ihm seine Stelle im Universum anweist.
Nun ist aber die Weltanschauung bestimmt noch in
nerhalb eines bestimmten Systems in Ansehung jedes
eíi zelnen Objects. Dadurch kommt Beschränktheit
in die Beschränktheit. Aber das einzelne Object, da
ihm seine Stelle im Universum durch die Schwer
kraft
*3 Andere, tiefgedachte Grilnde gegen die Identität beider
Kräfte finden sich in Hrn. Baaders oben angeführter,
für die ganze dynamische Philosophie höchst wich
tiger Schrift, welche dem Verfaffer zu spät zu Ge
eicht kam , um früher Gebrauch von ihr zu ma
chen,
Israft schon bestimmt ist, kann weitet bestimmt
werden nur hvAnsehung des Grades, mit -welchem es
den Raum erfüllt. Aber der Grad seiner R.iumer-
fiillurig ist nrr bestimmbar durch die Form der Zeit
durch das umgekehrte VerhSltnifs der Zeit," in wel
cher der Raum erfüllt wird , zum erfüllten Räume,
Die Exiftenz des Objects fiir die Zeit ist also be
schränkt durch eine Kraft, die mit der Schwerkraft
so wenig identisch ist, als die Zeit mit dem Raum.
Aber umgekehrt auch durch diese Kraft (die reiardi-
rende) wird nur die Geschwindigkeit der Raumerfül
lung vermindert, nicht aber die Évolution selbst ge
hemmt; das letztere mufs durch eine von ihr ver
schiedene Kraft geschehen. ' . .
\ ,i .
Nun ist aber, da beide Kräfte negativer Natur
d. h. beschränkende. Kräfte sind, zum Voraus zu er«
warten, dafs beide in irgend einem Verhältnifs zu
einander liehen , eine die andere beftinunen werde.
Folgendes ist von selbst klar:

Je gröfser das Uebergewicht der retardirenden.


Kraft, desto langsamer die Evolution. Je weiter
also die Evolution fortschreitet,- desto mehr mufs
aLlmählig die retardirende Kraft, abnehmen. Nun
mufs aber jedes Natururoduct, um ein Res tí myites
zu seyn, an einem bestimmten Punkte der Evolution,
gehemmt werden. Rían setze, das Product werde
gehemmt bei einem Punkt, wo .die retardirende Kiaft
noch ein grofses Uebergewicht hat, so mufs an die-
. . : * eem
»em Punkte die expensive Tendenz stärker wirken,
(weil sie sich umgekehrt verhält wie der liaum in.
dem sie sich apabreitet). Um ihr das Gleichgewicht'
au halten, mufs also die Schwerkraft auf diejenige.
Theile der Natur am stärksten wirken, wo diere-,
tardircnde Kraft noch das gröfste Uebergewicht
fyat. , ,*k.--. r • ,. 4 üsb
. • . .. •. . \' . • •
.. Der Körper von gröfserer Masse liegt dem dy-\
namischen Centrum an sich näher als der von gerin-;
gerer. Die Masse also ist bestimmt durch die Schwer-:
kraft, nicht wie man insgemein sagt, die Schwere
seyejder Masse proportional. — Ist denn die Masse ei
ne au sich bekannte Gröfse? Bekannt etwa durch die
Menge ihrer Theile? Aber diese Menge i^t unendlich.
Es is-t also keine Bestimmung der Masse durch
die Menge ihrer Theile möglich , es giebt also kei
nen BestÎHimnnssgrund der Masse aulser der Wir-
kung dei' Schwerkraft, Das Product ist tin Bestimm
tes für jeden Moment der Zeit, aber es wirkt nicht
attiser sich, es erfüllt nur seine Sphäre, die Schwer«
kraft erst giebt ihm die dem Grad seiner IIa umerftil-
lung proportionale Tendenz nach aufsen, welcher
Grad selbst erst dadurch ein iixirter und als solcher
erkennbarer wird.
> • " . . . , ' /, i ;
DieMateriemanifestirt sich nur durch dieSchwe-
rе, eine imponderable Materie mag seyn , aber sie.
marufest.irt sich v.icht. Darum auch wird die Ein
heit einer Materie nur erkannt durch die Emheit ih
rer
5£0 *" "■t—

ter Schwere, eine Menge ron Materie organisirt sich


zur Einheit dadurch, dafs sie sich einen gemeinschaft
lichen Schwerpunkt giebt. — Kant setzt das We-
»en der Starrheit darein, dafs die Theile nicht an
einander verschoben werden höhnen , ohne so fort
getrennt zu werden , das heifst mit andern Worten,
dafs der Theil keine vom Ganzen unabhängige Be
wegung hat. Im Flüssigen sondert sich der Theil vom
Ganzen durch sein blofses Gewicht, der Grund die-
ees Unterschieds liegt darin, dafs der flüssige Körper
keinen gemeinschaftlichen Schwerpunkt hat und je
des Theilchen seinen Schwerpunkt [freiwillig sich
bildet. (Daher die freiwillige Annahme der Kugel
gestaltin der Tropfenbildung.) — Einheit des Schwer
punkts ist also das, was die Materie zu Einer or
ganisirt, das Bildende, Bindende, das Bestimmende
aller Gestaltung. *)

Die beiden Kräfte, die expansive und retardiren-


de, sind die Kräfte der Evolution selbst, die Schwer
kraft setzt die Evolution schon voraus , die Schwer
kraft kann also Bedingungen haben , sie kann z. B,
erst bei einem gewissen Grade der allgemeinen Evo
lution sich einiinden; wenn sie bedingt ist, so wird
■ie durch das ursprünglichste Wechsel verhältnifs im
Universum, d. h. jene allgemeine, wechselseitig
ausgeübte Wirkung durch (magnetische) Vertheilung
be
*) Baader i. d. ». Sehr.
bedingt геуп, und obgleich sie itrspriinglichJSiVie ist,
wird sie in dem Verbältnifs als das Universum eich
evolvirt , in mannichfaltige Schwerkräfte, als ein*
zelne Stralen , sich spalten. So macht diese Kraft
gleichsam das verbindende Mittelglied der Kräfte,
welche die Natur als Gerüste, und derjenigen, wei-
eie ale dynamische Organisation unterhaken.

Erst nachdem durch die höhern dynamischen


Kräfte der Schauplatz gleichsam gesichert ist, kön
nen die blos mechanischen Besitz ergreiffen, die Be
trachtung dieser Kräfte und ihrer Gesetze fällt nicht
mehr in die Gränzen der Naturphilosophie, di*
nichts anders als höhere Dynamik ist, und deren
Geist sich in demPrincip avisdrückt, das Dynamische
als das einzig Positive und Ursprüngliche, das Me
chanische nur als das Negative und Abgeleitete des
Dynamischen anzusehen.

Es wurde vorausgesetzt, die Natur »ey EntWi


ckelung aus Einer ursprünglichen Involution. Die-
•ae Involution kann aber nach dem Obigen nichts Re
elles seyn: Sie kann also nur als Act vorgestellt wer
den, als absolute Sy tit he s i s, welche nur ideell
ist, und gleichsam den Wendepunkt der Transcenden
tal- und der Naturphilosophie bezeichnet.

• V *
Verbes ser ungen.

S. 3 '2¡. 5 - "f. u, •} 1 Comma vor und,


— 7 _ 1§ _ Punkt — die.
— 7 — i5 — — Wissenschaften.
— 7 — ,3 — talphilosnphie.
— 8 — 1 v. o. — bildungskraft.
— n ' , 11 v. u. —- Maafs
— 48' gestört.
— 75 — 8 ' '. statt Decomposition lies : Trenunng.
100 — 14 v. o. —r statt hreislinien lies : krumme Linien.
, — 103 . bei m. . .
— no — 4 — — System. *
—- 1Ü3. — g . v. u, Statt hie lies fit, '
— 12g — Ç) v. О. gemeinschaftlicher
— 123 *- Ч — — durch,
— 120 — 5 — — nach: die fetze: verhältnifsmäfsig.
— 150 — 15 — ,— statt er lies der erste.
•— 156 ff. lies überall Verwandtschaft,
— 150 — Iv. u. — statt : als verbrannte betrachtet , lits :
— erbrannt wird.
—' 166 — 9 v- °. —. um.
— lg2 — 12 — sonach — Duplicitiit deleudum.
»flO — 7 — — deleatur ht,
J 192 — 2 — Identität. _ .
196 — if v.u. statt 54. lies 45.
227 — i — — genannt
> 247 — i'4 vi 0. — Gebeine.'
•— mindert..
— 6 v. u.
—• 49243 - 5- v. 0. — statt, absolut -objectiv, lies : absolut
nicAt-objectiv
— 260 — 8 v. u. — die Ursache'ier Erregbarkeit,
«r- 261 — 10 — — eiu Comma nach : nicht, del. nach i
Bedingungen.
— 2g3 — i v. o. — Olei-hgervicht,
— goo — 4 v- o. — statt organischen lies : unorganischen,
— 5'5 -s s3 v. u. — statt worauf lies : wodurch.
Andere minder bedeutende Druckfehler wird der gen.
Leser selbst bemerken.

' ,
Einleitung
zu seinem
Entwurf eines Systems
i der

Naturphilosophie,

Oder:

.Ueber den Begriff

der speculativen Physik ч

.und die innere Organisation eines System«


dieser Wissenschaft.

Von

F. W. J. S che Hing.

Jena und Leipzig, ф


bey Christian Ernst Gabler.
ir . -,
ï 7 9 $>•
Was wir Naturphilosophie nennen ist eine
im System des Wissens nothwendige Wissen
schaft.

Die Intelligenz ist auf doppelte Art, entweder


blind und bewufetloe, oder frey und mitBewufstfeyn
productiv; bewufstloe productiv in der Weltan
schauung , mit Bewufstfeyn in dem Erschafle»a einer
ideellen Welt,
Die Philosophie hebt diesen Gegensatz auf, da,
durch , dafs sie die bewufstlose Thätigkeit als ur
sprünglich identisch und gleichsam aus derselben
Wurzel mit der bewufsten entsprossen annimmt:
diese Identität wird von ihr unmittelbar nachgewie
sen in einer, entschieden zugleich bewufsten und
bewufstlosen, Thätigkeit, welche in den Produktio
nen des Genies sich äufsert; mittelbar, aufser Лет
'Bewufstseyn in den Nat urproducten , insofern in
A ih-
i .. 1 > -
Ihnen allen die voIlkomrrienMe Verschmelzung det
Ideellen mit dem Reellen wahrgenommen, wird.

Da die Philosophie die bewufetloie, oder , wie


sie auch genannt werden kann, reelle Thätigkeit
als identisch setzt mit der bewufsten oder ideellen,
so wird ihre Tendenz ursprünglich darauf gehen,
das Reelle überall auf das Ideelle zurückzuführen,
wodurch das entsteht, was man Transcendentalphi-
losophie nennt. Die Regelmäfsigkeit in allen Be
wegungen der Natur, die erhabne Geometrie z. B. ,
welche in den Bewegungen der Himmelskörper aus-,
geübt wird , wird nicht daraus erklärt, dafs die Na
tur die vollkommenste Geometrie, sondern umge
kehrt daraus, dafs die vollkommenste Geometrie
das Producirende der Natur ist, durch welche Er-
klärungsart das Reelle selbst in die ideelle Welt ver
setzt wird , und jene Bewegungen in Anschauungen,
die nur in uns selbst vorgehen, und denen nicht»
aufser uns entspricht, verwandelt werden. Oder
dafs die Natur da, wo .sie ganz sich selbst überlassen
ist, in jedem Uebergange aus flüssigem-in festen Zu
stand freywillig gleichsam regelmäfsige Gestalten
hervorbringt, welche Regelmäfsigkeit in den Cry-
etalliaationen höherer Art, den organischen, sogar noch
Zweckmässigkeit zu werden scheint, oder dafs wir
im Thierreich, diesem Product blinder Natur- Kräf
te, Handlungen , die mit Bewufstseyn geschehenen
an Regelmäfsigkeit gleichkommen, oder selbst äufse-
re in ihrer Art vollendete Kunstwerke entstehen se
hen

> *.-
hen — "dies alles wird daraus erklärt, dafs ее eine
bcwufstlose , aber der bewufsten ursprünglich ver
wandte Productivität ist, deren blofsen Reflex wir in
der Natur sehen, und die auf dem Standpunkt der
natürlichen Ansicht als ein und derselbe blinde Trieb
erscheinen mufs , der voп der Crystallisation an bis
herauf zum Gipfel organischer Bildung, (wo er auf
der einen Seite durch den Kunsttrieb wieder zur
blofsen Crystallisation zurückkehrt), nur auf ver-
echiednen Stufen wirksam ist.
Nach dieser Ansicht, da die Natur nur der
sichtbare Organismus unsres Verstandes ist, kann
die Natur nichts andres als das Regel- und Zweck-
mäfsige produciren , und die Natur ist gezwungen.
es zu produciren. Aber kann die Natur nichts ala
das Regelmässige produciren, und producirt sie es
mit Nothwendigkeit, so~folgt, daf* siçh auch in der
als selbstständig und reell gedachten Natur und dem
Verfaältnifs ihrer Kräfte wiederum der Ursprung sol
cher regel- und zweckmässigen Producte als nothwen
dig- mufs nachweisen lassen, dafs also das Ideelle
auch hinwiederum aus dem Reellen entspringen und
aus ihm erklärt werden mufs,

' Wenn es nun Aufgabe der Transcendentalphilo-


eophie ist, das Reelle dem Ideellen unterzuordnen,
so ist es dagegen Aufgabe der Naturphilosophie, das
Ideelle aus dem Reellen zu erklären; beyde Wissen
schaften sind also Eine, nur durch die entgegenge
setzten Richtungen ihrer Aufgaben eich ünterschei-
A i ' den'
dende Wissenschaft ; da ferner beyde Richtungen
nicht, nur gleich möglich, sondern gleich noth wen
dig sind, so kommt auch beyden im System des
Wilsens gleiche Nothwendigkeit zu,

y ' §.ït ... - - •;

Wissenschaftlicher Charakter der Naturphi


losophie. "• :. '* •

Die Naturphilosophie als das entgegengesetzte


der Transcendentalphilosophie ist von der letzterе
hauptsächlich dadurch geschieden, dafs sie die Na
tur (nicht zwar in so fern siePro<|luct, aber in sofern
sie produetiv zugleich und Product ist) als das
Selbstständige setzt, daher sie am kürzesten als
der Spinozismus der Physik bezeichnet werden
kann. Es folgt von selbst daraus, dafs in dieser
Wissenschaft keine idealistischen Erklärungsarten
stattfinden , dergleichen die Transcendentalphiloso
phie wohl geben kann, da ihr die Natur nichts an
ders als Organ des Selbstbewufstseyns und alles in
der Natur nur darum nothwendig ist, weil nur durch
eine solche Natur das Selbstbewufsrseyn, vermittelt
werden kann, welche Erklärungsart aber für die
Physik und unsere mit ihr auf gleichem Standpunkt
stehende Wissenschaft so sinnlos ist, als die ehe
maligen teleologischen Erklärungsarten , und die
Einführung einer allgemeinen Finalität der Ursachen
in die dadurch entstaltete Naturwissenschaft. Denn
je
( .

N —— 5

jede idealistische Erklärungsart aus ihrem eigen-


thümlichen Gebiet in das der Naturerklärung her
übergezogen, artet in den abentheuerlichsten tJnsinn
aus , wovon die Beyspiele bekannt sind. Die erste
Maxime aller wahren Naturwissenschaft , alles auch
aus Natur - Kräften zu erklären, wird daher von
unsrer Wissenschaft in ihrer gröfsten Ausdehnung
angenommen, und selbst bis auf dasjenige Gebiet
ausgedehnt, vor welchen alle Naturerklärung bi»
jetzt stillezustehen gewohnt ist, z. B. selbst auf
diejenigen organischen Erscheinungen, welche ein
Analogon der Vernunft vorauszusetzen scheinen.
Denn gesetzt, dafs in den Handlungen der Thiere
wirklich etwas ist, was ein solches Analogon vor
aussetzt, so würde, den Realismus als Princip ange
nommen, nichts weiter daraus folgen, als dafs auch
das, was wir Vernunft nennen, ein blofscs Spiel
höherer uns nothwendig unbekannter Naturkräfte
ist. Denn da alle» Denken zuletzt auf ein Produci-
ren und Reproduciren zurückkommt, so ist nichts un
mögliches in dem Gedanken, dafs dieselbe Thätigkeit,
durch welche die Natur in jedem Moment sich neu
reproducirt, im Denken nur durch das Mittelglied des
Organismus reproductif sey, (ungefähr eben so, wie
durch die Einwirkung und das Spiel des Lichts die
von ihm unabhängig existirende Natur wirklich im
materiell und gleichsam zum zweytenmal geschaffen
wird), wobey esnatürlich ist, dafs, was die Gränze un
seres Anschauungs vermögen» macht, auch nicht mehr
in die Sphäre unserer Anschauung selbst fallen kann.
A3 / fi. Ш.
s. III.

Die Naturphilosophie ifi speculative Physik.


Unsere Wissenschaft ist dem bieberigen zufolge
ganz und ' durchein realistisch, sie ist also nichts
anders als Physik, sie ist nur speculative Pby-
iik; der Tendenz noch ganz dasselbe, was die Syste
me der alten Physiker lind was in neuem Zeiten
das Syetem des Wiederherstelle™ der Epicurischen
Philosophie, /* Sages mechanische Pbysik ist,
durch welche nach langem wissenschaftlichem Schlaf
der speculative Geist in der Physik zuerst wieder
geweckt worden ist. Es kann hier nicht umständ
lich bewiesen werden , (denn der Beweis dafür fällt
selbst in die Sphäre unserer Wissenschaft^, dafs auf
dem mechanischen oder atomistischen Wege, der
voп le Sage und seinen glücklichsten Vorgängern
eingeschlagen worden ist, die Idee einer specula
tive Physik nicht zu realisiren ist. Denn da das
erste Problem dieser Wissenschaft, die absolute Ur
sache der Bewegung, (ohne welche die Natur nichts
in sich ganzes und beschlossenes ist"), zu erforschen,
mechanisch schlechterdings nicht aufzulösen ist,
weil mechanisch ins unendliche fort Bewegung
nur aus Bewegung entspringt, so bleibt für die
wirkliche Errichtung- einer speculation Physik
nur Ein Weg offen, der dynamische mit der Voraus
setzung, dafs Bewegung nicht nur aus Bewegung,
sondern selbst aus der Ruhe entspringe, dafs also auch
in der Ruhe der Natur Bewegung sey , und dafs alle
me
mechanisch» Bewegung die blofs secundäre und abge
leitete der einzig primitiven und ursprünglichen eeye,
die schon aus den ersten Factoren der Construction ei
ner Natur überhaupt (den Grundkräften) hervor
quillt. ' • "
Indem wir dadurch deutlich machen , wodurch
unser Unternehmen sich von allen ähnlichen bisher
gewagten unterscheidet haben wir zugleich den
Unterschied der speculativen Physik yon der so ge
nannten empirischen angedeutet; welcher Unter
schied sich hauptsächlich darauf reducirt, dafs jene
einzig und allein mit den ursprünglichen Be-
wegungsureachen in der Natur , also allein mit den
dynamischen Erscheinungen , diese dagegen , weil
sie nie auf einen letzten Bewegungs- Quell in der Na
tur kommt, nur mit den secundaren Bewegungen
und selbst, mit den ursprünglichen nur als mecha
nischen (also auch der mathematischen Construktion
fähigen) sich beschäftigt, da jene überhaupt auf das
innere Triebwerk und. 4das, was an der Natur
nicht • objertiv ist, diese hingegen nur auf die
Oberfläch* der Natur, und das, was an ihr objectiv
und gleichsam Aussenseite ist, sich richtet.

Von der Möglichkeit einer fpeculativen Phy-


A sik.
Da unsere Untersuchung nicht sowohl auf
«lie Naturerscheinungen selbst als auf ihre letzten
A 4 Grün
8 —
Gürnde gerichtet, und unser Geschäft nicht sowohl
diese aus jenen , als jene aus diesen abzuleiten ist,
so ist unsere Aufgabe keine andere als die: Eine
Naturwissenschaft im strengeten Sinne des Worte
aufzustellen , und um zu erfahren ob eine speculati,
vе Physik möglich sey, müssen wir wiesen, waj
zur Möglichkeit einer Naturlehre als Wissenschaft
gehöre.
',4/'•.
a) Der Begriff des Wiesens wird hier in seiner
strengsten Bedeutung genommen , und dann ist es
leicht einzusehen, dafs man in diesem Sinne des
Worts eigentlich nur von solchen Objekten wissen
kann , von welchen man die Principien ihrer Mög
lichkeit einsieht, denn ohne diese Einsicht ist meine
ganze Kenntnife des Objects, z, B. einer Maschi
ne, deren Construction mir unbekannt ist, ein blo-
fses Sehen , d. h. ein blofses Ueberzeugtseyn von
»einer Existenz , dagegen der Erfmder dieser Ma
schine das vollkommenste Wissen von ihr hat, weil
er gleichsam die Seele dieses Werks ist, und weil
»ie in seinem Kopfe präexistirt hat. ehe er sie in der
Wirklichkeit darstellte.

In die innere Construction der Natur zu blicken


wäre nun freylich unmöglich, wenn nicht ein Eingriff
durch Freyheit in die Natur möglich wäre. Die Na
tur handelt zwar offen und frey, aber sie handelt nie
isolirt, sondern unter dem Zuströmen einer Menge
von Ursachen, die erst ausgeschlossen werden müssen,
um

I
— 9
um ein reines Resultat zu erhalten. Die Natur mufe
also gezwungen werden , unter bestimmten Bedin
gungen 4 die in ihr gewöhnlich entweder gar nicht,
oder nur durch andere modificirt existiren , zu han-
dein. — Ein solcher Eingriff in die Natur hei fs t
Experiment. Jedes Experiment ist eine Frage an die
Natur, auf welche zu antworten sie gezwungen
wird. Aber jede Frage enthält ein verstecktes Ur-
theil a priori; jedes Experiment, das Experiment
ist, ist Prophezeiung; das Experimentiren selbst
ein Hervorbringen der Erscheinungen. — Der er
ste Schritt zur Wissenschaft geschieht also in der
Physik wenigstens dadurch , dafs man die Objekte
dieser Wissenschaft selbst hervorzubringen anfängt.

b) Wir wissen nur das selbsthervorgebrachte,


das Wissen im strengsten Sinne des Worts ist also
«in reines Wissen a priori. Die Construction ver
mittelst des Experiments ist noch immer kein abso
lutes Selbsthervorbringen der Erscheinungen. Ее
ist nicht davon die Rede, dafs vieles in der Natur
wissenschaft comparativ a priori gewufst werden
kann , wie z. B. in der Theorie der elektrischen,
magnetischen, oder auch der Licht- Erscheinungen
ein so einfaches in jeder Erscheinung wiederkehren«
des Gesetz ist , dafs der Erfolg jedes Versuchs vor-
hergesagt werden kann ; hier folgt mein Wbsen
unmittelbar aus dem bekannten Gesetz , ohne Ver
mittelang besonderer Erfahrung Aber woher
kommt mir denn das Gesetz selbst? Es ist davon
А 5 die
die Rede, dafs alle Erscheinungen in Einem absolu,
ten und nothwendigen Gesetze zusammenhangen,
aus welchem sie alle abgeleitet werden können, kurz,
dafs man in der Naturwissenschaft alles, was man
weifs, absolut a priori wisse. Dafs nun das Ex
periment niemals auf ein solches Wissen führe, ist
daraus einleuchtend , dafs es nie über die Natur-
kräfte, deren es sich selbst als Mittel bedient , hin-
auskommen kann.

Da die letzten Ursachen der Naturerscheinun


gen selbst nicht mehr erscheinen , so mofe man
entweder darauf Verzicht thun, sie je einzusehen,
oder man mufs sie schlechthin in die Natur setzen,
in die Natur hineinlegen. Nun hat aber , was wir
in die Natur hineinlegen, keinen andern als den
"Werth einer Voraussetzung, (Hypotheee) und die
darauf gegründete Wissenschaft mufs ebenso hypo
thetisch seyn , wie das Princip selbst. Dies wäre
nur in Einem FalJe zu vermeiden, wenn nämlich
jene Voraussetzung selbst nnwillkührlich und eben
#o noth wendig wäre als die Natur selbst. Angenom
men z. B. was angenommen werden mufs, dafs der
Inbegriff der Erscheinungen nicht eine blofse Welt,
fondern nothwendig eine Natur, d. h. dafs dieses
Ganze nicht bloe Produkt, sondern zugleich pro
duktiv $ey, so folgt, dafs es in diesem Ganzen nie
mals zur absoluten Identität kommen kann, weil
diese ein absolutes Uebergehen der Natur, in so fern
sie produktiv ist, in die Natur als Produkt d. h.
; ein*
eine absolute PLube herbeyführen würde; jenes Schwe
ben der Natur zwischen Produktivität und Pro
dukt wird also als eine allgemeine Duplicität der
Principien wodurch die, Natur in beständiger Thätig-
keit erhalten und . verhindert wird, in ihrem Pro
dukt sich zu erschöpfen, erscheinen müssen, all
gemeine Dualität als Princip aller Naturerklärung aber
so no.thwendig seyn als der Begriff der Natur selbst.

Diese absolute Voraussetzung mufs ihre Noth


wendigkeit in sich selbst tragen , aber sie mufs noch
überdies auf empirische Probe gebracht worden,
denn ivoferne nicht aus dieser Voraussetzung alle
Naturerscheinungen sieh ableiten lassen , wenn im
ganzen Zusammenhange der Natur eine einzige Er
scheinung ist, die nicht nach jenem Princip notk-
wendig ist, oder ihm gar widerspricht , so ist die
Voraussetzung eben dadurch schon als Falsch er-
Klßrt , und hört von diesem. Augenblick an auf, alt
Princip zu gelten.
~i . '.><'•- >
. -t Durch diese Ableitung aller Naturerscheinun
gen eben aus einer absoluten Voraussetzung ver
wandelt sich unser Wissen in eine Construktion
der Natur selbst d. h. in eine Wissenschaft Леr Na
tur a priori. Ist also jene Ableitung selbst möglich,
welches nur durch die That selbst bewiesen werden
kann, so ist auch Naturlehre als Naturwissenschaft,
es ist eine rein speculative Physik möglich , wel
ches zu beweisen war.
I

Anmerkung. Es würde dieser Anmerkung


nicht bedürfen, wenn nicht die noch immer
herrschende Verwirrung an sich deutlicher Be
griffe einige Erklärung hierüber nothwendig
' machte.

Der Satz : die Naturwissenschaft müsse alle


ihre Sätze a priori ableiten können, ist zum
Theil so verstanden worden : Die Naturwissen
schaft müsse der Erfahrung ganz und gar ent
hehren und ohne alle Vermittelung der Erfah
rung ihre Sätze aus sich selbst herausspinnen
. können, welcherSatz so ungereimt ist, dafs selbst
Einwürfe dagegen Mitleid verdienen. — Wir
wissen nicht nur dies oder jenes, sbndern ivir wis
sen ursprünglich überhaupt nichts als durchEr-
fahrung,vnd mittelst derErfahrung,vmà insofern
besteht unser ganzesWissen aus Erfährungsaä-
tzien. Zu Sätzen a priori werden diese Sätze nur
dadurch, dafs man sich ihrer als nothwendiger
bewufst wird, und so kann jeder Satz, sein
Inhalt sey übrigens , welcher er wolle, zu jener
Dignität erhoben werden , da der Unterschied
zwischen Sätzen a priori und a posteriori nicht
etwa wie mancher eich eingebildet haben mag,
ein ursprünglich an den Sätzen selbst haftender
Unterschied, sondern ein Unterschied ist, der
blos in Absicht auf unser Wissen und die Art
unseres Wiesens von diesen Sätzen gemacht
wird, so dafs jeder Satz , der für mich blos hi-
...

atorisch. ist, ein Erfahrungeeatz, derselbe aber,


sobald ich unmittelbar oder mittelbar die Ein
sicht in еeine innere Nothwendigkeit erlange, ein
Satz a priori wird. Nun mufs es aber überhaupt
möglich feyn, jedes ursprüngliche Naturpbäno-
men als ein schlechthin nothwendiges zu erken
nen , denn wenn in der Natur überhaupt kein
Zufall, so kann auch kein ursprüngliches Phä-
nomen der Natnr zufällig seyn, vielmehr schon
darum, weil die Natur ein System ist, mufs es
für alles, was in ihr geschiehet, oder, zu Stan
de kommt, einen nothwendigen Zusammen
hang in irgend einem die ganze Natur zusam
menhaltenden Princip geben. — Die Einsicht in
diese innere Nothwendigkeit aller Naturerschei
nungen wird freylich noch vollkommner, sobald;
man bedenkt, dafs es kein wahres System giebt,
das nicht zugleich ein organisches Ganzes ware.
Denn wenn in jedem organischen Ganzen sich
alles wechselseitig trägt und unterstützt, so
mufste diese Organisation als Ganzes ihren
Theilen präexistiren , nicht das Ganze konnte
aus den Theilen , sondern die Theile mufsten
aus dem Ganzen entspringen. Nicht also
wir kennen die Natur, sondern die Natur
ist a priori, i. h. alles einzelne in ihr ist
zum Voraus bestimmt durch das Ganze oder
durch die Idee einer Natur überhaupt. Aber
ist die Natur a priori, so mufs es auch möglich
seyn, sie als etwas, das a priori ist, zu erken-
nen,
>4
nen, und (lies eigentlich ist: der Sinn unserer
Behauptung.

Eine solche Wissenschaft verträgt wie jede


tlas Hypothetische nicht, noch, das bloe wahr
scheinliche, sondern sie geht auf das evidente
- und gewisse. Nun mögen wir zwar wohl ge-
wife seyn , dafs jede Naturerscheinung, Sey es"
. auch durch noch so viele Zwischenglieder, zu
sammenhängt mit den' letzten Bedingungen
einer Natur; die Zwischenglieder selbst aber
können uns unbekannt seyn und noch in den
Tiefen der Natur verborgen liegen. Diese Zwi
schenglieder aufzufinden, ist das Werk der ex-
perimentirenden Nachforschung. Die specula
tive Physik hat nichts zu thun als den Mangel
dieser Zwischenglieder aufzuzeigen *) ; da aber
jede neue Entdeckung uns in eine neue Unwis
senheit zurückwirft, und indem der eine Kno
ten sich löfst, ein neuer sich schürzt, so ist be
greiflich, dafs die vollständige Entdeckung aller
Zwischenglieder im Zusammenhang der Natur, >
dafs

*) So wird ei z. B. durch Jen ganzen Verlauf unterer


Untersuchung sehr klar werden, dafs, um die dynami-
ichc Organisation des Universums in allen ihren Thei-
len evident zu machen , uns noch jenes Ctntral - Phäno
men fehlt, von dem sehen ßaco spricht, das sicher in
der Natur liegt, aber noch nicht durch Experimente au*
ihr herausgehoben ist.
dafe aleo auch unsere Wissenschaft selbst eine
unendliche Aufgabe ist. — Nichts aber hat den
ins unendliche gehenden Progressue dieser Wis
senschaft mehr aufgehalten, ab die WÍUkühr
in Erdichtungen,, womit so lange der Mähgel'
an gegründeter Einsicht verborgeu werden soll
te. Dieses Fragmentarische urisrer Kenntnisse
leuchtet erst dann ein, wenn man das blos hy
pothetische vom reinen Ertrag der Wissenschaft
absondert, und darauf ausgeht , jene Bruchstü
cke des grofsen Ganzen der Natur wieder in
einem System ?u sammlen. Es ist daher be
greiflich, dafs speculative Physik (die Seele
des wahren Experiments) von jeher die Mutter
aller grofsen Entdeckungen in der Natur gewe
sen ist.

§. Vi

Von einem System der speculativen Physik


überhaupt.

Bis jetzt ist die Idee einer speculativen Phy-


»ik abgeleitet und entwickelt worden; ein ande
res Geschäft ist, zu zeigen, wie diase Idee reali-
eirt und wirklich ausgeführt werden müsse.

DerVerfasser würde sich hierüber geradezu aufden


Entwurf eines Systems der Naturphilosophie berufen,
wenn er nicht Ursache hätte , zu erwarten, dafs vie
le
le selbst von denen, welche jenen Entwurf ihrer Auf
merksamkeit werth halten können, zum voraus mit ge
wissen Ideen daran kommen werden , welche er
eben nicht vorausgesetzt hat, noch vorausgesetzt
wissen will,

' Was die Einsicht in die Tendenz jenes


Entwurfs erschweren kann , ist (abgerechnet die
Mängel der Darstellung) hauptfächlich folgendes:

'l) Dafs mancher, vielleicht durch das Wort Na


turphilosophie geleitet, transcendentale Ableitungen
von Naturphänomenen, dergleichen in verschiedenen
Bruchstücken anderwärts existiren , zu finden hofft,
und überhaupt die Naturphilosophie als einen Theil
der Transcendentalphiloeophie ansehen wird, da
sie doch eine ganz eigene von jeder andern gana
verschiedene und unabhängige Wissenschaft bildet.

2) Dafs die bis jetzt verbreiteten Begriffe von


dynamischer Physik von denjenigen, welche der
Verfasser aufstellt, sehr verschieden , und mit ihnen
zum Theil im Widerspruch sind. Ich rede nicht
von den Vorstellungsarten, welche sich mehrere, de
ren Geschäft eigentlich das ЫоTsе Experiment ist,
hierüber gemacht haben ; z. B. wo es dynamisch
erklärt seyn soll, wenn man ein galvanisches Flui-
dum läugnet, ftatt dessen aber gewisse Schwingun
gen in den Metalien annimmt; denn diese, wenn
sie merken , dafs sie von der Sache nichts verstan
den , werden von selbst zu ihren ehemaligen , für
sie
»îe gemachten Vorstellungen zurückkehren. Ich rede
von Vorstellungsarten , welche durch Kant in philo
sophische Köpfe gebracht worden sind, und welche
eich hauptsächlich darauf reduciren , dafs wir in der
Materie nichts als Raumerfülluhg mit bestimmtem
Grade, in aller Differenz. der Materie also auch blo-
fse Differenz der Raumerfüllung ( d. h. der Dichtig
keit), in allen dynamischen (qualitativen) Verände
rungen also auch bloTse Veränderungen im Verhält-
nifs der Repulsif -und- Attractiv- Kräfte erblicken.
Allein nach "dieser Vorstellungsart werden alle Phä
nomene der Natur nur auf ihrer tiefsten Stufe er
blickt, und die dynamische Physik dieser Philoso
phen fängt eben da an , wo sie eigentlich aufhören
sollte. So ist es freylich gewifs, dafs das letzte Re
sultat jedes dynamischen Processes ein veränderter
Grad der Raumerfüllung d. h. eine veränderte Dich
tigkeit ist; da nun der dynamische Procefs der Na
tur Einer, und die einzelnen dynamischen Processe
nur verschiedene Zerfällungen des einen Grundpro-
cesses sind, so werden selbst die magnetischen und
electrischen Erscheinungen au* diesem Standort an
gesehen nicht Wirkungen von bestimmten Materien,
gondern Veränderungen des Bestthens der Materie
selbst, und da dieses von der Wechselwirkung der
Grundkräfte abhängt, zuletzt Veränderungen im
Verhältnisse der Grundkräfte selbst seyn. Wir läug-
nen nun freylich gar nicht, dafs diese Erscheinungen
auf der äufeersten Stufe ihrer Erscheinungen Verän
derungen im Verhaltnils der Grundkräfte seyen; wir
B laug
läugnen nur, dais diese Veränderungen sonst nichts
Seyen, vielmehr sind wir überzeugt, dafs dieses so
genannte dynamische Princip als Erklärungsgrand
aller Naturerscheinungen allzu oberflächlich und
dürftig ist, um die eigentliche Tiefe und die Man-
nichfaltigkeit natürlicher Erscheinungen, zu, erreichen,
da vermöge desselben in der That keine qualitative
Veränderung der Materie als solche (denn die Dich-
tigkeitsyeränderung ist nur das äufsere Phänomen
einer höhem Veränderung) construirbar ist. Den
Beweis für diese Behauptung zu führen¡, liegt uns
nicht ob» ehe ron der entgegengesetzten Seite durch
die That selbst jenes Erklärungsprincip als die Natur
erschöpfend gerechtfertigt, und die grofse Kluft zwi
schen, jener Art von dynamischer Philosophie und
den empirischen Kenntnissen der Physik z. B. in
Ansehung der sio, \erschied»nen, Wirkungsart der
Grundstoffe ausgefüllt ist, welches ww abier, gerade'
xu zu tagen, für uqmög/ich halbe». •

Es möge uns, alsp ver.&ta,ttet: seyn , an die Stell»


der bisherigen dynamischen Vorstellungsart ohne
weiteres die unsrige. zu setzen, wgbey es ohne Zwei
fel von selbst klar werden wird , wodurch diese von
jener eich unterscheide , und durch welche von bey-
den die Naturlehre am gewissesten zu» Naturwissen
schaft erhoben werden könne.

$.VI.
Innere Organisation des Systems der specu
la tiven Physik.

»t
Der Untersuchung über dal Princip der specu
latively Physik müssen Untersuchungen über den Un
terschied des Speculativen und des Empirischen
überhaupt vorangehen. Es kommt hierbey haupt
sächlich auf die Ueberzeugung an, dafs zwischen
Empirie und Theorie ein solcher vollkommner Ge
gensatz ist , dafs es kein drittes geben kann , worin
beyde zu vereinigen sind, dafs also der Begriff ei
ner Erfahrungsiüissemchaft ein Zwitterbegtiff ist,
bei dem sich nichts zusammenhängendes , oder der
»ich vielmehr überhaupt nicht denken läfst. Was
reine Empirie ist , ist -nicht Wissenschaft, und um
gekehrt, was Wissenschaft ist, ist nicht Empirie.
Dieses soll nicht etwa zur Herabsetzung der Empi
rie, sondern dazu gesagt seyn, um sie in ihrem wah
ren und eigenthümlichen Lichte darzustellen. Rei
ne Empirie, ihr Object sey welches es wolle, ist
Geschichte ( das absolut entgegengesetzte der Theo-
rie), und umgekehrt, nur Geschichte ist Em
pirie. *)
* В 2 Die

*~) Dafs nur jene warmen Lobpreiser der Empirie, die


lit auf Kotten der Wissenschaft erheben, dem Begriff
du

\
HO ,^ ———
Die Physik als Empirie ist nichts als Samm
lung von Thatsachen , von Erzählungen des beob
achten, des unter natürlichen oder veranstalteten Um
ständen geschehenen. In dem, was man jetzt Phy
sik nennt, läuft Empirie und Wissenschaft bunt
durch einander, und eben deswegen ist sie weder
jenes noch dieses, ф ,
Unser Zweck ist eben, in Ansehung dieses Ob.
jects Wissenschaft und Empirie wie Seele und Leib
zu scheiden, und indem wir in die Wissenschaft
nichts aufnehmen, was nicht einer Construction
a priori fähig ist , die Empirie von aller Theorie zu
entkleiden und ihrer ursprünglichen Nacktheit wieder
zugeben.
Der Gegensatz zwischen Empirie und Wissen
schaft beruht nun eben darauf, dafs jene ihr Object
im Seyn als etwas fertige» und zu Stande gebrach
tes; die Wissenschaft dagegen das Object im Wer-
tZew und als ein erst zu Stande zu bringendes betrach
tet. Da die Wissenschaft von nichts ausgehen kann,
was Product d. h. Ding ist, so mufs ei« von dem un.
be-

der Empirie treu uns nicht ihre eigenen TJrtheile und


das in die Natur hineingesohlofsne , den Objecten auf
gedrungene ffir Empirie rerkaufen wollten, denn so vie
le auch davon reden zu können glauben, so gehört
doch wohl etwas mehr dazu, als viele sich einbilden,
das Geschehene aus der Natur rein herauszusehen, und
treu so Wie es gesehen worden, wiederzugeben.
\ . '. -s

' . .' * .'-


. •" \ .
, . i
bedingten aufgehen ; die erste Untersuchung, der
epeculativeu Physik ist die über das unbedingte
der Naturwissenschaft.

.2.. ,
Da diese Untersuchung im Entwurf aus . den
höchsten Principien geführt wird, 60 kann das fol
gende nur als Erläuterung jeher Untersuchungen
angeschen werden.
Da alles, von dem man sagen bann, dafs es ist,"
bedingter Natur ist, so kann nur das Seyn selbst"- .
tlas unbedingte seyn. Aber da das einzelne Seyn
als ein bedingtes eich nur als bestimmte Einschrän
kung der productiven Thätigkeit (des einzigen
und letzten Substrats aller Realität) denken bist,
so ist das Seyn selbst dieslbe productive Thätig
keit in ihrer Uneingeschränktheit gedacht. Fnr die
Naturwissenschaft ist also die Natur ursprünglich
nur Productivität , und von dieser als ihiem Prin-
cip mufs die Wissenschaft ausgehen.
Insofern wir das Ganze der Objecte nur als den
Inbegriff des Seyns kennen , ist tms dieses Ganze
eine blofse Welt, d. h. ein blofsee Product. Ее
wäre freylich unmöglich, in der Naturwissenschaft
eich zu einem höhern Begriff als dem des Seyns zu
erheben, wenn nicht, alles Beharren (was im Begriff
des Seyn» gedacht wird) täuschend und eigentlich
ein conti [iuirlicb.ee und gleichförmiges Wiederenb
stehen wäre.
. В S Ь-
1 Insofern wir das Ganze der Objecte nicht blo»
als Product , sondern nothwendig zugleich ale
productiv setzen , erhebt es sich für uns zur Natur,
und diese Identität des Products und der Pro-
duetivität und nichts anders ist selbst im gemei
nen Sprachgebrauch durch den Begriff der Natur
bezeichnet«
Die Natur als blofees Product (natura4 naturaU)
nennen wir Natur als Ôbject (auf diese allein
geht alle Empirie). Die Natur als Productivité
(natura naturalis) nennen wir Natur als Subject
Çauf diese allein geht alle Theorie).

Da das Object nie unbedingt ist , so mufs et


was schlechthin Nichtobjectives in die Natur ge
setzt werden, dieses absolut Nichtobjective ist
eben jene ursprüngliche Productivität der Natur.
In der gemeinen Ansicht verschwindet sie über dem
Product; in der philosophischen verschwindet
umgekehrt das Product über der Productivität.

Jene Identität der Productivität und des Pro


ducts" im ursprünglichen Begriff der Natur wird
ausgedrückt durch die gewöhnlichen Ansichten der
Natur als eines Ganzen , das von sich selbst die Ur
sache zugleich und die Wirkung und in seiner
(durch alle Erscheinungen hindurchgehenden) Du-
plicität wieder identisch ist. Femer stimmt mit
diesem Begriff überein die Identität des Ideellen und
Beeilen , die im Begriff jedes Naturproducts ge-
- dacht
' -~- ,5
dacht wird , tmd in Ansehung welcher allem auch
die Natur der Kunst entgegen gesetzt "werden kann.
Denn wenn in der Kunst der Betriff dër That , der
Entwurf der Ausführung vorarigeh't, so sind in
der Nàtnr Vielmehr Begriff und That gleichzeitig
und Eins , der Begriff geht unmittelbar in das Pro
duct über und läfet sich nicht von ihm trennen.
Diese Identität wird aufgehoben durch die em
pirische Ansicht, welche in der Natur nur die Wir
kung erbiickt, ^obgleich wegen der beständigen Aus
schweifung der Empirie in das Feld der Wissen
schaft selbst in der blos empirischen Physik Maxi-
men gehört werden, die einen Begriff von der Na
tur als Subject voraussetzen, wie z. B.: die Natur
wählt den kürzesten Weg; die Natur ist ьраrsащ
in Ursachen, und verschwenderisch in Wirkun
gen); dieselbe wird aufgehoben durch die Specula
tion, welche in der Natur nur die Ursache er
blick*. , ... •

Nur von der Natur als Object kann шв sagen,


dafs siet-rt, nicht von der Natur als Subject, denn
diese ist das Seyn oder die Productivität selbst.- '. 4.
Diese absolute Productivität Soll in eine em
pirische Natur übergehen. Im, Begriff der absoluten
Productivit-ät Wird rîèr Bègriff einer ideellen Un
endlichkeit gedacht. Die ideelle "Unendlichkeit soll
*u einer «rhpirlsenen werden,
i B 4 Aber
Aber empirische Unendlichkeit ist ein unend
liches Werden. — Jede unendliche Reihe ist nichts
all Darstellung einer intellectuellen oder ideellen
Unendlichkeit. Die ursprünglich unendliche Reihe
(das Ideal aller unendlichen Reihen) ist die. worinn
unsre intellectuelle, Unendlichkeit sich evolvirt, die
Zeit. Die Thätigkeit, welche diese Reihe unter
hält, ist dieselbe, welche unser Bewufstseyn unter
hält; das Bewnfetseyn aber ist stetig. Die Zeit
also, ab Evolution jener Thätigkeit kann nicht
durch( Znsammensetzung erzeugt werden. Da
nun alle andern unendlichen Reihen, nur Nachah
mungen der ursprünglich - unendlichen Reihe, der
Zeit, sind, so kann keine unendliche Reihe anders
als stetig seyn. Das Hemmende in der ursprüngli
chen Evolution (ohne welches diese mit unendlicher
Geschwindigkeit geschehen müfste) , ist nichts an
ders als die ursprüngliche Reßexion; die Nothwen-
digkeit der Reflexion, auf unser Handeln in jedem
Moment (die beständige Duplicität in der Identität)
ist der geheime Kunstgriff, wodureh unser Daseyn
Dauer, erhält, -— Die absolute Continuität existirt
also nur für die Anschauung, nicht aber für die
Jießexiert, Anschauung und Reflexion sind sich
entgegengesetzt. Die unendliche Reihe ist stetig
für die productive Anschauung , unterbrochen und
zusammengesetzt für die Reflexion. Auf diesem
TViderspnuch zwischen Anschauung und Reflexi
on beruhen jene Sophismen , womit die Möglich
keit aller Bewegung bestritten wird, und welche
durch
—' 25

~durch die productive Anschauung in jedem Moment


gelöst werden. Für die Anschauung z.B. geschieht
die Wirkung der Schwerkraft mit vollkommner
Continuität; für die Reflexion ruck - 'und stofswei-
ee Daher sind alle Gesetze der Mechanik wodurch
das, was eigentlich nnr Object der productiven An
schauung ist, Object der Reflexion wird , eigentlich
nur Gesetze für die Reflexion. — -Dalier die er
dichteten Begriffe der Mechanik; die Zeitatomen,
in welchen die Schwerkraft wirkt, das Gesetz,
dafs das Moment der Sollicitation unendlich klein
ist , weil sonst in endlicher Zeit eine unendliche Ge-
(chwindigkeit erzeugt würde u. s. f. Daher endlich,
dafs keine unendliche Reihe in der Mathematik
wirklich als stetig, sondern nur ala ruck -und stoTi-
weise fortrückend vorgestellt werden kann.

Diese ganze Untersuchung über den Gegensatz


zwischen der Reflexion und der Productivité der
Anschauung dient nur, um den allgemeinen Satz
daraus abzuleiten, dafs in aller Productivité und
nur in ihr absolute Continuität sèy . welcher Satz
wichtig ist für die Betrachtung der ganzen Natur,
da z. B. das Gesetz, dafs in der Natur kein Sprung,
dafs eine Continuität der Formen in ihr'eey u. s. w.
auf die ursprüngliche Productivität der Natur ein
geschränkt wird, in welcher allerdings Continuität
еeyn mufs , während auf dem Standpuncte der Re
flexion in der Nalur alles gesondert und ohne C»n-
tinuilät, gleichsam neben einander gestellt, ersebei-
Б 5 neu
аб , '.' '

nen irmfe, daher wir beyden Recht geben müssen,


sowohl denen, welche die Continuität in der Na
tur, z.B. der organischen behaupten, als denen,
welche sie läugnen, nach der Verschiedenheit dès
Standpuncts, auf welchem sich be) de befinden, womit
dann zugleich der Gegensatz zwischen dynamischer
und atomistischer Physik abgeleitet ist, indem,
wie sich bald zeigen wird, beide еich nur dadurch
unterscheiden, dafs jene auf dem 8tandpunct der
Anschauung, diese auf dem der Reßcxion steht.

, 4.
Diese allgemeinen Grundsätze vöransgesetit
können wir sicherer üü' uaserrh 'Zieche gelangen
.und den inneru Organismus ans er» Systeme ausein
anderlegen. , ;
a) Im Begriff des Werdens wird der Begriff der
Allmäligkeit gedacht. Aber eine absolute Produkti
vität wird empirisch sich darstellen als ein Werden
mit unendlicher Geschwindigkeit, wodurch fur die
Anschauung nichts reelles entsteht.
(Da die Natur als uMendliche Prbcractivität ei
gentlich als in unendlicher Evolution begriffen ge
dacht werden mnfs, so ist das Bestehen, das Ruhen
der Naturproducte (der organischen z-B.) nicht ais
ein absolutes Ruhen, sondern nur als eine Evolution
'mit unendlichhleirter Geschwindigkeit oder mit un
endlicher Tardität vorzustellen. Aber bis jetxt iit
nicht einmal die Evolution mit endlicher geschweige
< .s denn
denn mit unendlichkleiner Geschwindigkeit con
struirt). /

b) Dafs die Evolution der Natur mit endlicher Ge


schwindigkeit geschehe und eo Object der Anschau
ung werde , ist nicht denkbar ohne ein ursprüng
liches Gohemmtseyn der Productivität.

c) Aber ist die Natur absolute Productivität,


so kann der Grund dieses Gehemmtseyns nicht au
fser ihr liegen. Die Natur ist ursprünglich mqf
Productivität, es kann also in dieser Productivität
nichts bestimmtes seyn, (denn alle Bestimmung
ist Negation) , also kann es auch durch sie nicht zu
Producten kommen. — Soll es zu Productcn kom
men , so mufs die Productivität aus einer unbe
stimmten eine bestimmte> d. h. sie mnfs als reins
Productivität aufgehoben werden. Läge nun der
Bestimmungsgrund der Productivität aufser der Na
tur, so wäre die Natur nicht ursprünglich ab
solute Productivität. — Es soll allerdings in die Na
tur Bestimmtheit d. h. Negativität kommen, aber
diese Negativität mufs von einem höhern Standpunk
te angesehen wieder Positivität seyn. \

d) Aber fallt der Grund jenes Gehemmtseyns


in die Natur selbst, so hört die Natur auf, reine
Identität zu seyn. (Die Natur, insofern sie nut
Productivität ist, ist reine Identität, und es läfst
»ich in ihr schlechterdings nicht» unterscheiden,
i- Soll'
Soll in ihr èt\va6 unterschieden werden , so mufs in
ihr die Identität aufgehoben weiden," die Natur
mufs nicht Identität sondern Duplicität seyn.

Die Natur mufs ursprünglich sich selbst Object


werden , diese Verwandlung des reinen Subjects kl
ein Selbst * Object ist ohne ursprüngliche Ent»
zweyung in der Natur selbst undenkbar.

Diese Dnplicitätläfst sich aloo nicht weifer physi


kalisch ableiten, denn ale Bedingung aller Nat ur über
liaupt, ist sie Princip aller physikalischen Erklärung,
und alle physikalische Erklärung kann nur darauf
gehen, alle Gegensätze, die in derNatur erscheinen, auf
jenen ursprünglichen Gegensatz im Innern der Natur,
der selbst nicht mehr erscheint, zurückzu führen. —
- Warum ist kein ursprüngliches Phänomen der Na
tur ohne jene Dualität, wenn nicht in der Natur
ins unendliche fort alles eich wechselseitig Subject
und Object, und die Natur ursprünglich schon Pro
duct und produciiv zugleich ist. —-

. . e) Ist die Natur ursprünglich Duplicität, so


müssen schon in der ursprünglichen Productivität
der Natur entgegengesetzte Tendenzen liegen ( Der
positiven Tendenz mufs eine andere, die gleichsam
antiproduetiv, die Production hemmend ist , entge
gengesetzt werden; nicht als die verneinende , son
dern als, die negative, die reell entgegengesetzte der
ersten). Nur dann ist in der Natur des Begränzt*
»eyns unerachtet keine Passivität, wenn auch das
Be
Begrenzende wieder positiv und ihre ursprüngliche
Duplicität ein Widerstreit reell entgegengesetzter Ten
denzen ist. ' '

f) Damit es zumProduct komme, müssen diese


entgegengesetztenTendenzen zusammentreffen. Aber
da sie als gleich gesetzt werden , (denn es ist kein
Grund , sie als ungleich zu setzen), so werden sie, -
wo sie zusammentreffen , sich wechselseitig an ein
ander vernichten , das Product ist also =: o, und es
kommt abermals nicht zum Product.

Dieser unvermeidliche obgleich bisher eben


nicht sehr bemerkte Widerspruch; (nämlich, dais
das Product nur durch die Concurrenz entgegenge.
eetzter Tendenzen entstehen kann, diese entgegen
gesetzten Tendenzen aber sich wechselseitig vernich
ten ) , ist nur auf folgende Art auflöfsbar :

Es ist schlechterdings Yc'mJßestehen einesProducts


denkbar, ohne ein , beständiges Reproducirtwerden.
Das Product mufs gedacht werden als in jedem Mo-
ment vernichtet у und in jedem Moment mu repro-
ducirt. Wir sehen nicht eigentlich das Bestehen des
Products, sondern nur das beständige Reproducirt
werden. • .

(Es ist ohne Zweifel sehr begreiflich, dafs dieReihe


I — I +1 unendlich gedacht weder a i noch.
— o ist. Aber tiefer Hegt der Grund warum diese
Reihe unendlich gedacht r ß ist. Es ist Eine abso
lute
lute Grofse(:s i) die in dieser Reihe, immer vernich
tet, immer wiederkehrt, und durch dieses Wieder
kehren nicht sich selbst aber doch das Mittlere zwi
schen sich selbst und dem Nichts produ'cirt — Die
Natur als Object ist das in einer solchen unendlichen
Reihe zu Stande kommende und — einem "Bru,ch der
ursprunglichen Einheit , wozu die nie aufgehobene
Duplicität den Zähler abgiebt).

g) Ist das Bestehen des Products ein beständi


ges Ileproducirtwerden , so ist auch .alles Beharren
nur in der Natur als Object, in der Natur als Sub
ject ist nur unendliche Thätigkeit,

Das Product ist ursprünglich nichts als ein blo-


fser Punkt, blofse Gränze, erst indem die Natur ge
gen diesen Punkt ankämpft, wird er zur erfüllten
Sphäre, zum Product gleichsam erhoben. (Man
denke sich einen Strom, derselbe ist reine Identität,
wo er einem Widerstand begegnet, bildet sich ein
Wirbel, dieser Wirbel ist nichts Feststehendes, son
dern in jedem Äugenblick Verschwindendes, in jedem
Augenblick wieder Entstehendes. — In der Natur
ist ursprünglich nichts zu unterscheiden; noch
sind gleichsam alle Producte aufgelöst und unsicht
bar in der allgemeinen Productivität. Erst wenn
die Hemmungspunkte gegeben sind, werden sie all-
mfhlig abgesetzt, und treten aus der allgemeinen
Identität hervor. — An jedem solchem Punkt
bricht sich der Strom (die Productivität wird vernich
tet),
tet), aber in jedem Moment kommt eine neue Welle,
welche die Sphäre erfüllt).
Die Naturphilosophie hat nicht das Productive
der Natur zu erklären , denn wenn sie dieses nicht
ursprünglich in die Natur setzt, so wird sie es nie
in die Natur bringen. Zu erklären hat sie das Per
manente. Aber dafs etwas in der Natur permanent
werde, ist selbst nur aus jenem Ankämpfen der
Natur gegen alle Permanenz erklärbar. Die Produ
cto würden als blofse Punkte erscheinen, wenn die
Natur nicht durch ihr Andringen selbst ihnen Um
fang und Tiefe gebe, und die Producte selbst würden
nur einen Moment dauren , wenn die Natur nicht in
jedem Moment gegen sie andränge,

h) Jenes Scheinproduct , das in jedem Moment


reproducirt wird, kann nicht ein wirklich unendli
ches Product seyn , denn sonst würde die Producti-
vität sich in ihm wirklich erschöpfen; gleichwohl
bann es auch kein endliches Product seyn , denn es
ist die Kraft der ganzen Natur, die sich darein er-
giefst. Es müfste also endlich und unendlich zu
gleich seyn, es müfste nur scheinbar endlich aber
in unendlicher Entwicklung seyn.

Der
32 '

«Der Punct. wo dieses, Product ursprünglich


hinfällt, ist der allgemeine Hemmungspunct der
Natuü^der Punct, voп wo aus alle Evolution der
Natur beginnt. Aber dieser Punct liegt in der Na
tur, so wie sie evolvirt ist, nicht da oder dort, son
dern überall, wo ein Product ist,
\ Jenes Product ist ein endliches, aber da die un
endliche Prpductivität der Natur in ihm sich concen-
trirt, mufs es den Trieb zur unendlichen Entwicke-
lung haben. — Und so gelangten wir allmählig und
durch alle bisherigen Zwischenglieder zur Constru
ction jenes unendlichen Werdens, der empirischen
Darstellung einer ideellen Unendlichkeit.

Wir erblicken in dem , was man Natur nennt


(d. h. in fieser Sammlung einzelner Objecte) nicht
das Urproduct selbst sondern seine Erolution , (da
her der Hemmungspunct nicht einer bleiben kann). -—
Wodurch diese Evolution wieder absolut gehemmt
ist, was geschehen mufs, wenn es zu einem fixir-
ten Prodnct kommen soll , ist noch nicht erklärt. —
Aber durch jenes Product evolvirtj sich eine ur
sprüngliche Unendlichkeit, diese Unendlichkeit kann
nie abnehmen. DieGröfse, welche ia einer unendli
chen Reihe sich evolvirt, ist in jedem Punct' der
Linie noch unendlich , also wird die Natur in jedem
Punct der Evolution noch unendlich seyn.

Es. ist nur Ein ursprünglicher Hemmongspuncl;


•der Productivität, aber es können unzählige Hem-
. • mungs
——— 33
mungspuncte der Evolution gedacht werden. Jeder
solcher Punct ist uns durch ein Product bezeichnet,
aber in jedem Punct der Evolution ist die Natur
noch unendlich, also ist die Natur in jedem Pro
duct noch unendlich, und in jedem üegt der Keim
eines Universums. *)
(Wodurch der unendliche Trieb im Product ge
hemmt, ist noch unbeantwortet. Jene ursprüngli
che Hemmung in der Productivity der Natur, er
klärt nur, warum di^ Evolution mit endlicher Ge
schwindigkeit, nicht aber, warum sie mit unend
lichkleiner geschieht).
i) Das Product evolvirt sich in's unendliche. In
dieser Evolution kann also nichts vorkommen , wae
nicht noch Product (Synthesis) wäre, und was nicht
in neue Factoren zerfallen könnte, deren jeder wieder
seineFactoren hat.
Selbst durch eine in's Tinendliche fortgesetzte
Analysis also könnte man in der Natur auf nichts
kommen, was absolut einfach wäre.
Ю
*) Ein Reisender nach Italien macht die Bemerkung-,
dafs an dem grofsen Obelisk zu Rom die ganze Welt
geschichte iich demonstriren läfet; — so an jedem Na-
turproduct. Jeder Mineralkörper ist ein Fragment
der Geschichtsbücher der Erde. Aber was ist die Er
de ? — Ihre Geschichte ist verflochten in die Geschich
te der ganzen Natur, und so geht vom Fossil durch die
ganze anorgische und organische Natur herauf bis znr
Geschichte des Universums — Eine K«tte.
С .
. i
к) Denkt man eich aber die Evolution als
vollendet, (obgleich sie nie vollendet seyn кап rЛ , so
könnte die Evolution nicht stillestehen bey etwas,
das noch Product ist, sondern nur bey dem rein
productive?!. ,
Ее entsteht xlie Frage, ob ein Letztee der Art,
das nicht mehr Substrat, sondern Ursache alles Sub-
etrats , nicht mehr Product, sondern absolut pro-
ductiv ist, in der Erfahrung — nicht vorkomme,
denn dies ist undenkbar, sondera zum wenigsten
»ich nachweisen lasse ?
1) Da es den Character des unbedingten trügt,
mühte, es sich darstellen als etwas, das, obgleich
selbst nicht im Raum , doch Princip aller Raumer-
fallung ist. - fS. den Entwurf S. 15.)
Was den Wwam erfüllt, ist nicht die Materie, denn
die Materie ist der erfüllte Raum selbst. Was also
den Raum erfüllt, kanp nicht Materie seyn. Nur
was ist, ist im Raum, nicht das Seyn selbst.
Es ist von selbst klar, dafs von dem, was
nicht im Raum ist, auch keine positive äufsere An
schauung möglich ist. Es müfste also wenigstens
negativ darstellbar seyn. Dies geschieht auf folgen
de Art.
Was im Raum ist, ist als solches mechanisch
und chem isch zerstörbar. Was weder mechanisch noch
chemisch zerstörbar ist, müfste aUojenseits dos Rau
mes liegen. Etwas dier Artabeyietmudei letzte Grund
alles
\
\

aller Qualität, denti obgleich »ine Qualität durch" die


andere ausgelöscht werden kann, so geschieht et
doch nur in einem dritten Product С, zu dessen Bit*
dung und Unterhaltung Л und Б, (die entgeg'enge-'
aetzten Factoren von C) fortwirken müssen.
Aller dieses unzerstörbare, was nur ale reine .
Intensität denkbar ist, ist als Ursache alles Sub
strats zugleich das Princip aller Theilbarkeit in'»
unendliche, (Ein Körper ins unendliche getheilt, er
füllt mit seinem kleinsten Theil noch in deuselbem
Grade den Raum).
Was also rein productif ist, ohne Product
zu seyn. ist nur der letzte Grund der Qualität. Abet
jede Qualität ist eine bestimmte, die Productivität
aber ursprünglich unbestimmt. In den Qualitäten
erscheint also die Productivität schon ab gehemmtt
und da sie in ihnen überhaupt am ursprünglichsten
erscheint, erscheint sie in ihnen am ursprünglich'
aten gehemmt.

Hier ist der Punct, wo unsere Vorstellungtarf


▼on den Vorstellungsarten der insgemein so genann
ten dynamischen Physik sich trennt«
Unsere Behauptung ist kurz gesagt diese i Wä%
re die unendlichе» Evolution der Natur volleitdit,
(was- unmöglich ist) , sb würd»' sl* Zerfallen in ur-
C л sprang'
sprüngliche und einfache Jetionen; oder wenn es
erlaubt ist, so sich auszudrücken, in einfache Pro-
duetivitäten. Unsére Behauptung ist also nicht:
Es gebe in der Natur solche einfache Actionen , son
dern nur sie seyen die ideellen Erklärungsgründe der
Qualität; diese Entelechien lassen sich nicht wirklich
aufzeigen , sie existiren nicht. Zu beweisen ist also
hier nicht mehr, als behauptet wird , nämlich dafs
solche ursprüngliche Productivitäten gedacht wer
den müssen als Erklärungsgründe aller Qualität.
Dieser Beweis ist folgender :
Dafs nichts, was im Raume ist d. h. dafs über
haupt nichts mechanisch einfach sey, bedarf keines
Beweises. Was also wahrhaft einfach ist, kann
nicht im Raum sondern mufs jenseits des Raumes
gèdacht werden. Aber jenseits des Raums gedacht
wird nur die reine Intensität. Dieser Begriff der
reinen Intensität wird \ ausgedrückt durch den Be
griff der Action. — Nicht das Product dieser Action
ist einfach, wohl aber die Action selbst abstrahirt
vom Product , und diese mufs einfach seyn , damit
das Product ins unendliche theflbar, sey. Denn
wenn auch die Theile dem Verschwinden nahe sind,
mufs die Intensität noch bleiben. Und diese reine In
tensität ist das, was selbst bey der unendlichen
Theilung das Substrat erhält.

Wenn also Atomistik die Behauptung ist, wel


che etwas Einfaches als ideellen Erklärungsgrund
der Qualität behauptet, so ist unsere Philosophie
Atomistik. Aber da sie das Einfache m'etwas setzt,
das mir productiv ist, ohne Product zu seyn, 'so ist
sie dynamische Atomistik. • . "'

So viel ist klar, dafe wenn man ein absolutes


Zertrennen der Natur in ihre Factoren annimmt, das
letzte, was übrig bleibt, etwas seyn rnufs, was aU
lern Zertrennen absolut widersteht, d. h. das Einfa,
-che. Aber das Einfache läfst sich nur . dynamisch
denken , und als solches ist es gar nicht im Ravvic,
es ist also auch keine Anschauung davon möglich
als durch sein Product. Es ist für dasselbe auch
kein Maafs gegeben, als eein Product. Denn rein
gedacht ist es der blofse Ansatz, zum Product* (wie
der Punkt nur Ansatz zur Linie ist), mit einem Wort ,
reine Entelechie. Aber was picht an sich selbst, son
dern nur in seinem Producta erkannt wird, wird
schlechthin empirisch erkannt. Mufs also jede ur
sprüngliche Qualität als Qualität, (nicht etwa als
Substrat, dem die Qualität blofs inhärirt) gedacht
werden als reine Intensität, reine Acti&n, so sind
Qualitäten überhaupt nur , das absolut empirische
unserer Naturkenntnifs , wovon keine Construction
möglich ist, und in Ansehung welcher der Natur
philosophienichts übrig bleibt, als der Beweis, dafs
sie die absolute Gtänze ihrer Construction sind.
Die Frage nach dem Grund der Qualität setzt
"die Evolution der Natur als vollendet, d. h. sie setzt
etwas blofs gedachtes voraus , und kann daher
auch nur durch einen ideellen Erklärungsgrund be-
" С 3 ant
antwortet werden. Jene Frag» nimmt den Stand
punkt der Reflexion (auf das Product), da die ächte
Dynamik immer auf dem. Standpunkt der Ansckau-
tmg bleibt,—«

(Eemufa aber hier sogleich bemerkt werden, dafs


wenn der Erklärungsgrund der Qualität als ein ideel
ler vorgestellt wird, nur von der Erklärung der Quali
tät, in so fern sie absolut gedacht wird, dieftede ist.
Ее ist nicht die Rede von der Qualität, insofern sie
z, B, im, dynamischen Processe sich zeigt. Für die
Qualität, insofern sie relativ ist, giebt es allerdings
einen Erklärung» - und Bestimmungegrund ; die Qua«
lität ist dann bestimmt durch die entgegengesetzte,
mit der sie in Conflict gesetzt ist , und diese Entge
gensetzung ist selbst wieder bestimmt durch eine
höhere Entgegensetzung , und so ins unendliche
zurück; so , dafs, wenn jene allgemeine Organisa
tion »ich auflösen könnte, auch alle Materie In
dynamische Unthätigkeit , d, h. absoluten Mangel
der Qualität zurücksinken würde. (Die Qualität ist
eine höhere Potenz der Materie, zu der sie sich
selbst wechselseitig erbebt)-. Es wird iе der Folg«
bewiesen , dafs der dynamische Procefs ein be
grenzter sey für jede einzelne Sphäre, weit nur da
durch feste Beziebungspunkre für die Qualitäube-
etimmung, entstehen. Jene Begränzung des dyna>
mischen Processes , d. h. die eigentliche. Qualität*«
Bestimmung geschieht durch keine andere Kraft,
als durch welche die Evolution der Natur überhaupt
¿ si . schlecht
schlechthin begränzt wird , und diesel negative ist
das einzige in den Dingen unzerlegbare durch
nichts überwältigte. -— Die absolute' Relativität al
ler Qualität läfst sich aus dem electrischen Verhält-
nifs der Körper beweisen, da derselbe Körpert wel
cher mit jenem positiv, mit diesem negativ ist, und
umgekehrt. Nun, möchte es aber künftig wohl bey
dem Satz (welcher auch schon im Entwurf liegt)
bleiben : Alte Çumlität Ut Électrieïtât , und umge
kehrt die Electricität eines jförperr ist auch seine
Qualität (denn alle Qualitätsdifferenz ist gleich der
Electricitätsdift'erenz und alle Qualität ist reducibel
auf Kleci-ricität.) — Alles, was für uns senèibèl ist, (sen
sibel im engern Sinne des Worts, wie Farben, Ge
schmack u. e. w.) ist ohne Zweifel für uns sensibel
nur durch Electricität , und das einzig unmittelbar
sensible möchte wohl die Electricität . seyn *) , wor
auf schon die allgemeine Dualität jedes Sinne*
(Entw. S. 185;) führt, da in der Natur eigentlich
nur Eine Dualität ist. Im Galvanismus reducirt die
Sensibilität als Reagens alle Qualität der Körper,
für welche sie Reagens ist, auf Eine ursprüngliche
Differenz. Alle Körper, die in einer Kette überhaupt
den Geschmackе - oder den Gesichts - Sinn afficiren,
. , . . i- C4-, ihre
*yVebà hkgi seheta ¿tas. G«h*£enncit der Sin,netátfectíen
í/irch Galvanismus: ,,'Köifnre das. electrische Fluiduпt
nicht die unmittelbare Ursaiche eines jeden Geschmack*
aeyn ? Könnte ei nicht die Ursach» der Sensation aller
andern Sinne eeyn,?," , ,
ihre Differenz seyâonstnochso grofs, sind alle entwe-
der alcalisch, oder sauer, erregen negativen oder posi
tiven Blitz und hier immer erscheinen sie in einer hö
bern, als der bhrfs chemischen Potenz thätig.
Die Qualität absolut gedacht ist inconstructibel,
W*il Qualität überhaupt nichts absolutes ist, und
es überhaupt keine andere Qualität giebt, als die,
welche Körper wechselseitig,, in Bezug auf einander
Beigen,' und alle Qualität - etwas ist, vermöge
dessen der Körper gleichsam Uber sich selbst geho
ben wird.

Alle bisher unternommene Construction Леr


(Qualität redncirt sich auf die beyden Versuche : Qua
litäten durch Figuren auezudrücken, also für jede
ursprüngliche Qualität eine eigenthümliche Figur
in der Natur anzunehmen, oder aber die Qualität
durch analytische Formeln (wo Attractiv - und Re-
pulsiv - Kraft die negativen und positiven Gröfsen
dazugeben) auszudrücken. Wegen der Nichtigkeit
auch dieses Versuchs kann man eich am kürzesten
auf die Leerheit der ihm gemäfsen Erklärungen be
rufen. Daher wir uns hier auf die einzige Anmer
kung einschränken , dafs durch die Construction
aller Materie aus den beyden Grundkräften zwar ver-,
schiedene Dichtigkeitsgrade, nimmermehr aber ver-
echiedene Qualitäten als Qualitäten construirt wer
den , denn obgleich alle dynamischen (qualitativen)
Veränderungen auf ihrer tiefsten Stuffe als Verände
rungen der Grundkräfte erscheinen, so erblicken wir
' ,' auf
auf jener Stuffe dreh nur das Product des Processes,
nicht den Procefs selbst, und jene Veränderungen
sind das zu Erklärende , der Erklärungsgrund also
mufs ohne Zweifel in etwas höherm gesucht, wer
den),— , . - ., , ü ; и

Es ist nur ein ideeller Erklärungsgrund der Qua


lität möglich, weil dieser Erklärungsgrund selbst
etwas blofs ideelles voraussetzt. Wer nach dem letz
ten Grund der Qualität fragt , setzt sich in den An
fangspunkt der Natur zurück. Aber wo ist dieser
Anfangspunkt, und besteht nicht alle Qualität eben,
darinn, dafs die Materie durch die allgemeine Ver- '
kettung verhindert wird, in ihre Ursprünglichkeit
zurückzukehren? . •. , „
Von jenem Punkte aus, wo Reflexion und An,
»chauuhg sich trennen, welche Trennung aber selbst,
nur unter Voraussetzung der vollendeten Evolution
möglich ist, trennt sich diePhysik in die beyden ent
gegengesetzten Richtungen, in welche sich diebeydea.
Systeme, das atomistische und das dynamische ge- /
theilt haben.
Das dynamische System läugnet die absolute
Evolution der Natur, und geht von der Natur als
Synthesis (= der Natur als Subject) zu der Natur als
Evolution (=3 der Natur als Object), das atomistische
System geht von der Evolution als dem ursprüngli
chen zu der Natur als Synthesis; jenes vom Stand«
punkt der Anschauung zu dem der Reflexion, dieses
vom Standpunkt der Reflexion zu dem derAnschauung.
С 5 . Bey-
Beyde Richtungen sind gleich möglich. Ist mir Hie
Analysis richtig, so muís sich durch die Analysie wie
der dieSynthesis, so wie durch dieSynthesis auch wie
der dieAnalysie linden lassen. Aber ob die Analysis rich
tig ist, erkennt man nur daran, dafs man von ihr wie
der auf dieSynthesis kommt. DieSynthesis ist und
bleibt also das absolut vorausgesetzte.
( • . • ( ,4 t . - s . ' . t , « j . ' ;
pie Aufgaben des einen Systems kehren sich
fn dem andern gerade um ; was der a torn i s tischen Phy
sik' Ursache der Zusammensetzung de? Natur ist, ist
áer dynamischen dasHemmende der Evolution, Jene er
klärt dieZusammenietzung der Na t ur durchCo haston s-
ftraft, wodurch doch niemals wahre Corrtinuität in sie
kommt; diese erklärt umgekehrt dieCohasion durch
die ContinuitiU der Evolution. (Alle Continuität ist
ursprünglich nur in der Produktivität^)

Seyde Systeme gehen von etwas blofs Ideellen


aus. Die absolute Synthesis ist eben so gut blofs
ideell als die absolute Analysis. Das Reelle fmdet
eich erst in der Natur als Product, aber <lie Namr;
weder als absolute Involution noch als absoluteEvo-
luiion gedacht, 1st das Product', das Product ist
das zwischen beydeu Extremen' Begriffene.

Die erste Aufgabe für beyde Systeme ist, das Pro


dukt d. b. das worjnn jene Entgegengesetzten reell
werden, zu constrniren. Beyde rechnen mit blofs
ideellen öröfscn, st) lange das Product nicht constru
is ist; die Richtungen nur, in welchen sie dazu
\ > '
gelangen , eînd sich entgegengesetzt. Beyde Syste
me haben, sofern sie blofs mit ideellen Facturen za
thun haben , gleichen Werth, und eines ist die Pro
be des andern. — Was in den Tiefen der producti-
ven Natur verborgen ist, mufs in der Natur als Na
tur als Product widerstrahlen, und so mufs das ato-
mistische System der beständige Reflex des dynami
schen eeyn, Es ist in dem Entwurf absichtlich ron
beyden Dichtungen die der atomistischen Physik get
wählt worden. Es wird zum Verständnife unsrer
Wissenschaft nicht wenig beitragen > wenn wir, wat
dort im Product gezeigt worden ist, hier in der Pro*
duetivittit aufzeigen,

.• . . : \\ .

. ' V

.v - m) In dir' reinen Bröduetibität. der Natur ist


sehlechterdings nichts unterscheidbares jenseits der
Entzweiung i nur die in sich selbst entzweite Pro~
duetivität giebt das Product, ,

Da die absolute Productivität nur auf das Pro'


duciren an sicH , nicht auflas Produciren eines Bé,
stimmten geht, so wird die, Tendenz der Natur,
vermöge welcher es in ,ihr zum Product kommt, die
negative der Productivität seyñ'.
So wenig in der Natur , insofern sie reell ist,
Productivität ohn» Product seyn kann, eo wenig
e ,.• • Pro
Product ohne Productivit.lr. Die Natur bann beiden
Extremen nur sieh ''annähern , und es mufs auf
gezeigt werden, dafs sie beyden sich annähert.
a) Die reine Productivity geht ursprünglich
auf- Gestaltlosigkeit. . .
.. Wo die Natur in Gestaltlosigkeit sich verliert,
erschöpft sich die Productivität in ihr. (Diefs ist
es, was man durch' das Latentwerden ausdrückt)-.1—
Umgekehrt, wo die Gestalt überwindet , wo also die
Productivität begränzt- wird,- tritt die Productivität
hárvor j sie erscheint nicht etwa als (darstellbares)
Product, sondern als Productivität, obgleich ine
Product übergehende, wie in den Erscheinungen der
Wärme. (Der Begriff imponderabler Materien ist
nur ein symbolischer Begriff),

ß) Geht die Productivität auf Gestaltlosig


keit, so ist sie, objectiv angesehen, das absolut Gt-
staltlose. - <• vr."4- , .. -i.- .

(Man hat die Kühnheit des atomistischen Sy


stems nur wenig begriffen. ' — Die in ihm herr
schende Idee eines absolut formlosen , nirgend»
als bestimmte Materie darstellbaren , ist nichts an
ders als Symbol der , der Productivität sich an
nähernden, Naturv™- Je näher der Productivität,
desto näher der Gestaltlosigkeit.
} 4 . ,
7) Die Productivität erscheint als Producti
vität nur wo ihr Gränzen gesetzt werden. _ >
Was
V

-Was überall und in allem ist, ist ebendefawe-


gen nirgends. ,7— Fixirt wird die Productivität nur
durch die Begränzung. — Die Electricität existirt
erst in dem Moment, wo die Gränzen gegeben sind,
und es ist ehre" Armseligkeit der Vorstellungsart^
in ihren Phänomenen etwas anders- als Phänomene
der (begränzten) Productivität zu suchen. — DieBe- , /
dingung des Lichts, ist ein Gegensatz im electrischen
und galvanischen, wie im chemischen Proccfs, und
selbst das Licht , das ohne nnser Zuthuu uns
kommt, (das -Phänomen der von der Sonne ringsum
ausgeübtenProductivität) setzt jenen Gegensatz vor
aus. *) ' " ' > _ • ' '

5) Nur die begränzte Productivität giebt den


Ansatz zürn Product. (Die Erklärung des Products -
Vnufs mit dem Entstehen des festen Puñete anfangen,
wo der Ansatz beginnt. — Die Bedingung aller
Gestaltung ist Dualität. (Diefs ist der tiefere
Sinn in Kant's Construction der Materie aus entge
gengesetzten Kräften). ,. ' '
Die
Es ist den -vorhandnen Experimenten nach wenig
stens nicht unmöglich, Licht - und Electricitätsprschei-
nungen als Eines anzusehen, da im prismatischen Bild
"die Farben als einander entgegengesetzt, und das in
der Regs! in die Mitte fallends weifse Licht als der
Indifferenzpunct wenigstens betrachtet werde« kann :
und der Anatogie nach wird inan eben diese Constru
ction der Lichtersckeimnigen für die ächte zu, halten
versucht, . ¡
Die electrischen Erscheinungen sind das allge
meine Schema für die Construction der Materie
überhaupt. . ~'
t) In der Natur kann es weder гur reinen Pro
ductivité noch zum reinen Puoduct kommen.

Jene iet absolute Negation alles Products , die»


sesNegation aller Productivität. ' ';,
(Annäherung zu jener ist das absolut Decompo-
nible, zu diesem das absolut Indecomponible der
Atomistik. Jenes kann nicht gedacht werden ohne
zugleich das absolut Incomponible, dieses nicht, oh
ne zugleich das absolut Componible zu seyn).

Die Natur wird also ursprünglich das Mittlere


aus beyden seyn, und so gelangen wir zum Begriff
einer auf dem Uebcrgang iris Product begriffnen
Productivität , oder eines Products , das ins un
endliche productiv ist. —- Wir halten uns an die
letztere Bestimmung.
Der Begriff des Producte (des fixirten) und des
Prpductiven (des freien) ist sich entgegengesest. —
Da das von uns postuKrte schon Product ist, to
kann es, wenn es productiv ist, nur auf bestimmte
Art productiv seyn. Aber bestimmte Productivität ist
(active) Gestaltung. Jenes dritte mufste also im
Zustand der Gestaltung seyn.

Aber das Product soll in's unendliche produ


ctiv seyn , (jener Uebergang soll nie abselut gesche
hen) ;
hen); es wird aleo zwar in jedem Moment aw f be
stimmte Art productiv seyn , »lieProductivität wird
bleiben - nicht aber das Product,

(Eft könnte die Frage entstehen, wie hier nur


überhaupt еin Uebergang von Gestalt in Gestalt
möglich sey, wenn keine Gestalt fixirt ist. Allein
dafs ее zu momentanen Gestalten hemme, ist schon,
dadurch möglich gemacht, dafs die Evolution nicht
mit unendlicher Geschwindigkeit geschehen kann, w»
also allerdings für jeden Moment wenigstens die Ge
stalt eine bestimmte ist.)

Das Product wkd erscheinen, als ш unendli


cher Metamorphose begriffen.

(Auf dem Standpunkt der Reflexion als beständig -


auf dem Sprung vom Flüssigen ins Feste, ohne doch,
je die gesuchte Gestalt zu treffen. — Organisatieneu,
die nicht im grobem Element laben , leben wenig
stens auf dem tiefen Grund des Lnftmeers — riele
gehen durch Metamorphosen aus dem Einen Element
ins andre über, und was seheint das Thier, des s «и
Lebensfunotionen fast alle in Contractionen beste
hen anders zu seyn, als ein solcher Sprung?) '

Die Metamorphose wird nicht regellos gesche


hen können. Denn sie œufs innerhalb des ursprüng
lichen
lieben Gegensatzes bleiben und ist dadurch in 6rän>
zen eingeschlossen. *)

(Diese Regelmäfsigkcit wird sich durch nichts


anders, als eine innere Verwandtschaft der GestaU
ten ausdrücken , welche Verwandschaft wieder nicht
denkbar ist ohne einen Gruudtypus , der allen zu
Grunde liegt — vnd den sie unter mannichfaltigen
Abweichungen zwar, aber doch alle ausdrücken.)

Aber auch mit einem solchen Product haben


wir nicht was wir suchten, ein Product das, in's un
endliche produetiv, dasselbe bleibt. Dafs das Pro
duct dasselbe bleibt, scheint undenkbar, weil es oh«
ne absolutes Hemmen , Aufheben der Produetiv ität
nicht denkbar ist. — Das Product müfste gehemmt
werden, wie die Productivität gehemmt wurde;
denn es ist immer noch produetiv; gehemmt durch
Erítziveiung und daraus resultirende üegränzung.
Aber es müfste zugleich erklärt werden , wie das
productive Product auf einzelnen Bildungsstuffen
gehemmt werden könne , ohne dafs es aufhöre pro
duetiv zu seyn, oder wie durch die Entzweiung
selbst die Fortdauer der Productivität gesichert
seye?

Wir

*3 Daher, wo derGegensatz aufgehoben oder verrückt wird,


die Metamorphose unregelmäfsig wird. — Denn was
ist auch Krankheit, als Metamorphose?
Wir haben den Leser auf diesem Wege bis fcut
Aufgabe dee 4ten Abschnitts des Entwurfs geführt, und
überlassen ihm, die Auflösung nebst den Folgesätzen
die sie herbeyführt, dort selbst txl suchen. —>- Wit'
suchen vorher noch anzudeuten , wie das abgeleite
te Product vom Standpunct der Reßexion aus erschei
nen müsse?s I
Dae Product ist die Synthesis , in welcher die
entgegengesezten Extreme sich berühret, die durch
das absolut Decomponible auf der einent und das
Indecoraponible auf der andern Seite bezeichnet
»ind. —- Wie in die von ihm vorausgesetzte absolute
Discontinuität Continuitát kommes versucht der Ato-
jnistiker durch Cohaesione - , plastische Kraft u. s. w.
xu erklären. Vergebens , denn Çonlinuitât ist nfli
die Productivitkt selbst.
Die Mannichfaltigheit det Gestalten, welche jene»
Product in der Metamorphose annimmt, wurde erklärt
durch die Verschiedenheit der Entwicklungsstuffen,
so dafs mit jeder Entwicklungsstufe eine eigenthümll,
che Gestalt parallel geht. -— Der Atomistiker setzt in
die Natur gewisse Grundgestahen, und da in ihr
alles nach Gestalt strebt, und alies , was nur sich
gestaltet, auch seine eigenthümliche Gestalt hats во
müssen die Gл ndgeetalten, aber freylich hur als
angedeutet in der Natur, nicht als actu vorhandent
»«gegeben werden.
Auf dem Standpunct der Reflexion müfe das
Werden jenes Product! emheitieü al» ein be&tsuidí-í
Î? • i '. '- , gel

gee Streben der ursprünglichen Actionen nach Pro
duction einer bestimmten Gestalt, und beständige
Wiedervernichtung jener Gestalten.

So würde das Product nicht Product einer einfa


chen Tendenz seyn — es wäre nur sichtbarerAusdruck
einer innern Proportion, eines innern Gleichgewichts
der ursprünglichen Actionen , welche sich wechselsei
tig weder auf abaoluteGestaltlosigkeit reduciren, noch
auch wegen des allgemeinen Conflicts eine be
stimmte und nxirioGestalt producirán lassen,

; ¡ Bis h.ieher, (so lange wir blofe mit ideellen


Factoren zu thun hatten), waren entgegengesetzte
Richtungen der Untersuchung möglich, von jetzt
an, da wir ein reelles Product in seinen Entwicklungen
su verfolgen haben, giebt es nur Eine Richtung.

m) Durch die unvermeidliche Trennung der


Productivität in entgegengesetzte Richtungen auf je
der einzelnen Entwicklungsstufe wird das Prodncl
selbst in einzelne Producte getrennt , durch welche
aber ebendeswegen nur verschiedne Entwicklungs
stufen bezeichnet sind..
Dafs diefs so seye. läfst sich utweder in den
Productes selbst aufzeigen , welches geschiebt,
wenn man sie in Ansehung ihrer Gestaltung unter
einander vergleicht, und eine Continuität der Bil
dung aufsucht, welche Idee, weil Continuität nie
in den Producttn (für die Reflexion) , sondern im
mer пur in der Productivität ist , eich nicht voll
kommen realieiren läfst.

Um die Continuität in der Productivität zu fin


den nrafe die Stuffenfolge jenes Uebergangs der Pro
ductivität ill's Product genauer aufgestellt werden,
ale bisher geschehen ist. — Dadurch dafs die Pro-
ductivität begränzt wird (S. oben) wird vorerst nur
der Ansatz zum Product, nur der feste Punct für
die Productivität überhaupt gegeben. — Es mufe
gezeigt werden, wie die Productivität allmählig sich
materialisirt, und in immer fixirterc Producte sich
verwandelt, welches dann eine dynamische Stujfeii-
folge in der Natur geben würde, und was auch
der eigentliche Gegenstand der Orundaufgabe des
ganzen Systems ist.
(Zum voraus mag folgendes als Erläuterung
dienen. — Es wird vorerst eine Entzweiung der
Productivität gefodert, die Ursache, wodurch diese
Entzweiung bewirkt wird, bleibt vorerst ganz aus
der Untersuchung. — Durch die. Entzweiung ist
vielleicht ein Wechsel von. Contraction und Expan
sion bedingt. Dieser Wechsèl ist nicht etwas in
der Materie, sondern die Materie selbst, und die
erste StuSe derin's Product übergehendenProductivi-
tät. — Zum Product kann es nicht kommen als
durch Stillstand jenes Wechsels , durch ein drittes
also , was jenen Wechsel selbet ßxirt, und so wäre
die Materie auf der tiefsten Stuffe — (in der erstenVo-
tenz) — angeschaut, jener Wechsel in Ruhe oder im
D a Gleich
Gleichgewicht angeschaut, so wie umgehehrt wieder
durch Aufhebung jenes dritten die Materie zur
höhern Potenz erhoben werden könnte. — Nun
war' es ja möglich, dais jene so eben abgeleiteten
Producte auf ganz versthieduen Stufferi) der Mate
rialität, oder jenes lieberganges stünden , oder daf»
diese rerechiednen Stuffen in dem Einen sich mehr,
oder weniger unterscheiden liefsen , als in dein an
dern — es wäre also dadurch eine dyuamisehe Stuf
fenfolge jener Producte wirklich aufzuzeigen).
n) Bey der Auflösung der Aufgabe selbst blei
ben wir vorerst , unbekannt wohin sie uns führe, in
der bisher genommenen Richtung.

Es sind einzelne (individuelle) Producte in die


Natur gebracht; aber in diesen Producten soll sich
immer noch die Productivität, als Productivität,
unterscheiden lassen. Die Productivität soll noch
nicht absolut übergegangen seyn in's Product. Das
Bestehen des Products soll eine beständige Selbstre-
production seyn.
Es entsteht die Aufgabe, wodurch jenes abso
lute Uebergehen — Erschöpfen der Productivität
im Product verhindert —• oder wodurch sein Beste
hen eine beständige Selbstreproduction werde?

Es ist schlechthin undenkbar, wie die übeiall


gegen das Product tendirende Thätigkeil verhin
dert werde ganz darinе uberzugehen, wenn nicht
ditrch äußere Einßüsse jener Uebergang verhindert,
und
und das Product, wenn еs bestehen toll, in jedem
Moment genüthigt wird , sich neu zu produciren.
' . 1
Nun ist aber bis jetzt noch keine Spur einer dem
Product, (der organischen Natur) entgegengesetzten
Ursache aufgefunden —• eine solche Ursache kann
also vorerst blofs poetulirt werden, (Wir glaub
ten in jenem Product die ganze Natur sich erschö
pfen zusehen, und bemerken erst hier, dafs, um
jenes Product zu begreifen , 6chon etwas anders vor
ausgesetzt werden , und ein neuer Gegensatz in die
Natur kommen mufs.

, , Die Natur war uns bisher absolute Identität irt


der Duplicität — hier kommen wir auf einen Ge
gensatz, der innerhalb jener Identität wieder stattfin
den soll. — Jener Gegensatz mufs in dem abgelei
teten Product selbst sich aufweisen lassen,, wenn
er überhaupt abzuleiten ist). t i
Das abgeleitete Product ist eine nach avfsen ge
hende Thätigkeit — diese läfst sich als solche
nicht unterscheiden, ohne eine von aupen nach,
innen gehende (auf eich selbst gerichtete} Thätig-,
keit in demselben Product , und diese Thätigkeit
läfst sich wiederum nicht denken, wenn 6ie nicht
von aufsen zurückgedrängt (reflectirt) wird:

In den entgegeng esetzten Richtungen, die durch-


diese Entgegensetzung entstehen , liegt das Prineip
jür die Construction aller iLebensersbheinungen —
jene entgegengesetzten Richtungen aufgehoben, bleibt
D 3 da»
64
das Leben entweder als absolute Thâtigkeit , oder
als absolute Receptivität zurück , da ее ursprüng
lich nur als die vollkommenste ff'echselbestim-
mung der Receptivität und der Thâtigkeit mög
lich ist.

Wir verweisen den Leser dcfehab auf den Ent


wurf selbst, und machen ihn hier nur aufmerksam
auf die höhere S tuffe der Construction, welche wir
hier erreicht ha.ben.

Wir haben oben (g)) das Entstehen eines Pro-


duets überhaupt erklärt durch ein Ankämpfen der
Natur gegen den ursprünglichen Hemmungspunkt,
wodurch dieser Punkt zur erfüllten Sphäre erhoben
wird , und s-o Permanenz erhält. — Hier, da wir
ein Ankämpfen einer äufsern Natur nicht gegen ei
nen blofsen Punkt, sondern gegen ein Product ab
leiten, erhebt sich für uns jene erste Conetructioa
zur zweiten Potenz gleichsam , wir haben ein dou
blâtes Product , (und so möchte sich denn in der
Folge wohl zeigen, dafs die organische Natur über
haupt nur die höhere Potenz der anorgischen ist,
und dafs sie eben dadurch über diese sich erhebt,
dafs in ihr auch das, was schön Product ist, wieder
Product wird.)
• ' - ''(.'.' N >
Da das Product, welches wir als das ursprüng
lichste abgeleitet haben uns selbst auf eine ihm ent
gegengesetzte Natur treibt, so ist klar, dafs unsre
Construction der Entstehung eines Products über-
, . '-. haupt

r
. /
.' • ' " ' 1 ' *

haupt unvollständig war, und dt f» wir unserer Auf


gabe — (die Aufgabe der ganzen Wissenschaft ist:
-das Entstehen eines fixirten Products zu construi
re») — > bei weitem noch nicht Genüge geleistet
haben. •• < ¡

Ein productives Product kann als solches nur


unter dem Einflute äuleerer Kräfte bestehen, weil
nur dadurch die Productivität unterbrochen, im Pro-
duct zu erlöschen rerhindert wird! — Für diese
lufseren Kräfte mufs es nun wieder eine eigenthüm-
liche Sphäre geben; jene Kräfte müssen in einer
Welt liegen , die nicht productivo ist. Aber diese
Welt mufs ebendeswegen eine in jeder Rücksicht
fixirte und unveränderlich bestimmte Welt seyn. Die
Aufgabe, wie es in der Natur zum Product komme,
ist also durch alles Bisherige nur einseitig aufgelöst.
„Das Product wird gehemmt durch Entzweiung der
Productivität auf jeder einzelnen Entwicklungsstuf-
fe." Aber diefe gilt nur für das productive Product,
aber hier ist die Rede von einem nichtprodueti-
ven Product.

Der Widerspruch, dem wir hier begegnen, ist


nur dadurch aufzulösen , dafs ein allgemeiner Aus
druck für die Construction eines Products überhaupt,
fabgesehen davon , ob es produetiv ist , oder aufge
hört hat, es zu seyn) gefunden, wird.

D 4 Da
í
56 ; -.
* *
*
Da die Existenz einer Welt, die nicht proâuttiv
(unorganisch) iet, vorerst blofs postulirt wird , um
die productive zu erklaren, so können auch die
Bedingungen einer solchen nur hypothetisch aufge
stellt werden, und da wir dieselbe vorerst überhaupt
nur aus dem Gegensatz gegen. die productive kennen,
so müssen auch jene Bedingungen nur aus diesem
Gegensatz abgeleitet werden. —~ (Ji,a erhellt daraus
von selbst, was auch im Ea,tw.wf erinnert ist , dafs
• auch dieser zweite Abschnitt, wie der erste, durch
gängig blofs hypothetische Wahrheit hat, weil we
der die organische noch die anorgische Natur erklärt
ist, ohne die Construction beider auf einen gemein
schaftlichen Ausdruck gebracht zu haben, welches
.aber erst durch den synthetischen Theii möglich
. ist. -r- Dieser mufs auf die höchsten und allge
meinsten Principien für die Construction einer _ZW
tur überhaupt fuhren, daher wir auch den Leser,
dem es um Kenntuifs mwee Systems ,zu thun ist.
ganz auf denselben verweisen müssen. Die hy
pothetische Deduction einer anorgischen Welt und
ihrer Bedingungen können vyir hier um so eher
übergehen , da sie im Entwurf hinlänglich ausge
führt 1st. und eilen zu der allgemeinsten upd höch
sten Aufgabe unsrer Wissenschaft,

" * *
^ . ,

Die
Die allgemeinste Aufgabe der epoculativen Phy
sik läfst sich jetzt eo ausdrücken : die Construction
1 organischer und anorgischer Producte auf èinen
gemeinschaftlichen Ausdruck zu bringen.

Wir können nur die Hauptsätze jener Auflösung


und auch von diesen hauptsächlich 'nur jene her
ausheben, die im Entwurf selbst (3ter Hauptabsch.J
nicht vollständig ausgeführt worden sind.

. .' . • A. : .•' • ••

Wir stellen hier gleich zu Anfang als Princip


auf. dafe, da das organische Product das Product
in der zweiten Potenz ist, die organische Con
struction des Products wenigstens Sinnbild der u г,
sprung lichen Construction alles Products
seyn mufs. i.

a) Damit die Productivität nur überhaupt an


einemjPünkte iixirt werde , müssen Grämen gege
ben seyn. Da Gränzen die Bedingung der ersten
Erscheinung sind, so kJnn die Ursache, wodurch
Gränzen hervorgebracht werden, nicht mehr erschei
nen, sie geht in da* Innre der Natur Ode,r des jedes-
maligen Products zurück.

In der organischan Natur wird diese Begren


zung der Productivität gegeben durch das, was wir
Sensibilität nennen, und was gedacht werden mufs,
als erste Bedingung der Construction des organi
schen Products, (Entw. S. 169).
D 4 b) Der
b) Der unmittelbare Effect der begrenzten Fro-
ductivität ist ein fVechsel von Contraction und
Expansionen der schon gegebenen, und wie
wir jetzt wissen , sum zweitenmal gleichsam con-
etruirten Materné. í
c) Wo dieser Wechsel stilleeteht, geht die Pro
ductivität in'e Product, und wo er wieder hergestellt
.wird, dasPj-oduct in Productivität über. —;. Denn
da das Product in'e Unendliche productiv bleiben
soll, so müssen sich imProduct /еле drei Stuffen der
Productivität unterscheiden lessen ; der ab-
solute Uebergang der letztern in'e Product ist der
Untergang des Products selbst.

d) So wie diese drei Stuffen ira Individuum un


terscheidbar sind, so müssen ^sie in der ganzen
organischen Natur unterscheidbar seyn, und die
Stuffenfolge der Organisationen ist nicht* anden
als eine Stuffenfolge der Productivität selbst. —
(Die Productivität erschöpft sich bis su dem Grade
с im Prod. A , und kann mit dem Producte B nur
da anfangen, wo es mit A aufhörte, d. h. mit dem
Grade d, und so herab bis zum Versbhwinàtn aller
Productivität. — Kennte man den absoluten
Grad der Productivität, der Erde z. B. (dem
durch ihr Verbältnifs zur Sonne bestimmt ist),
so wäre die Gränze der Organisation auf ihr da
durch genauer zu bestimmen, ab durch die
unvollständige Erfahrung, — die schon darum un-
vollsändig seyn mufs, weil die Catastrophen der
, Na
Natur ohne Zweifel die äufsersten Glieder der Ket
te verschlungen haben. — Die eigentliche Natur
geschichte , die nicht die Product» , sondern die
Natur selbst zum Object hat, verfolgt die, .Einе
der Freiheit sich gleichsam wehrende Productivität
durch alle Wendungen und Krümmungen hin-
durch bis zu dem Punkt, wo sie im Product zu er
sterben endlich gezwungen ist).

Auf jener dynamischen Stuffenfolge im Indivi.


duum wie in der ganzen organischen Natur be-
. ruht die Construction aller organischen Erschei
nungen. (Entw. S. 220 —- 279). ' ¡ - >

Diese Sätze zur Allgemeinheit erweitert , führen


auf folgende Grundsätze einer allgemeinen Theorie
der Natur. '
a) Die Productivität soll ursprünglich begränzt
werden. Da jenseits der begrünzten Productivi
tät reine Identität ist, so kann die Begrenzung
nicht gegeben werden durch ,eine schon vorhand-
ne Differenz, also durch eine in der Productivität
selbst entstehende Entgegensetzung , auf welche,
als erstes Postulat wir hier zurückkommen.

b) Diese Differenz , rein gedacht, ist die erste


Bedingung aller Thätigkeit, die Productivität
wird zwischen Entgegengesetzten (den ursprung-
liehen Gränzen) angezogen und zurückgestofsen,
in
in diesem Wechsel von Expansion and Contra,
ction entsteht n04hweildig ein Gemeinschaftliches,
aber nur im Wechsel bestehendes. Soll es
aufser dem Wechsel bestehen . so mufs der Wech
sel selbst fixirt werden. — Das Thätige im
Wechsel ist die in sich selbst entzweite Producti-
vität.

с) Es fragt sich :
«) Wodurch jener Wechsel überhaupt fixirt
werden könne? — Er kann nicht fixirt werden
durch irgend etwas , das im Wechsel selbst als
Glied begriffen ist, .also durch ein Drittes.

ß) Aber dieses Dritte raufe eingreifen können


in jenen ursprünglichen Gegensatz; aber au-
Jser jenem Gegensatz ist nichts — es mufs also
ursprünglich schon in demselben begriffen seyn,
als etwas , was durch den Gegensatz , und wo
durch hinwiederum der Gegensatz vermittelt
ist. Denn sonst ist kein Grund, warum es in
jenem Gegensatz ursprünglich begriffen seyn
sollte.

Der Gegensatz ist Aufhebung der Identität. Aber


die Natur ist ursprünglich Identität. — Es wird al
so in jenem Gegensatz wieder ein Streben nach
Identität seyn müssen. Dieses Streben ist bedingt
durch den Gegensatz, denn wäre^kein Gegen
satz, so wäre Identität, absolute Ruhe und
auch kein Streben nach Identität. — Wäre
hinwiederum nicht in dem Gegensatz wieder
Identität , so könnte der Gegensatz selbst nicht
fottdauren.
Identität aus Differenz hervorgegangen
ist Indifferenz , jenes Dritte also ein Streben
nach Indifferenz* das durch die Differenz selbst,
und wodurch hinwiederum diese bedingt ist. —
(Die Differenz ist als Differenz gar nicht
aufzufassen, und ist nkhte für die Anschauung,
als durch ein Drittes , was sie erhält — worau
der Wechsel eelbst haftet).

Jenes Dritte als» ist das Einzige, was in je


nem ursprünglichen Wechsel das Substrat ist,
— Das Substrat aber setzt den Wechsel ebenso
gut wie der Wechsel das Substrat voraus — und
es ist hier kein Erstes und kein Zweites , son
dern Differenz und Streben nach Indifferenz ist
der Zeit nach schlechthin Eines und zugleich.

Keine Identität der Natur ist absolut, »on»


dem alle nur Indifferenz.
t• -N
Da jenes Dritte selbst den ursprünglicher^
Gfgensatz voraussetzt , so kann dadurch nicht
der Gegensatz eelbst absolut aufgehoben wer,
den . die Bedingung der Fortdauer des Drit
ten ist die beständige Fortdauer des Gegensa-
tx.es , so wie umgekehrt . , dafs der Gegensatz
fortdauert durch die Fortdauer des dritten be
dingt ist.
Aber
6* . ——

Aber wie soll denn der Gegensatz als fort-


daurend gedacht werden ? - '

Wir haben Einen ursprünglichen Gegensatz


еwischen dessen Gränzen die ganze Natur fal
len toll; aetzen wir, dafs dieFactoren jenes Oe»
_ .. gensatzes wirklich in einander übergehen, oder
in irgeud einem dritten absolut zusammentreffen
können , so ist der Gegensatz aufgehoben , und
mit ihm jenes Streben, und damit alle Thätig-
keit der Natur. — Dafs aber der Gegensatz
fortdaure, ist nur dadurch denkbar, dafs er
unendlich ist — dafs die äufsersten Glänzen
in's unendliche. auseinandergehalten werden,
so dafs immer nur vermittelnde Glieder der
Synthesis, nie die letzte und absolute Synthn-
sis selbst produeirt werden kann, wobey es
nie zum absoluten , sondern immer nur zu re
lativen Indifferenzpuncten kommt ; und jede
entstandne Indifferenz einen neuen, noch un
aufgehobnen, Gegensatz übrig läfst, dieser wie
der in Indifferenz übergeht, welche abermals
den ursprünglichen Gegensatz nur zumTheil auf
hebt. Durch den ursprünglichen Gegensatz
und das Streben nach Indifferenz kommt ein
Product zu Stande , aber das Product hebt den
Gegensatz nur zum Theil sut, durch das Auf
heben dieses Theils, d. h. durch das Entstehen
de» Products selbst, entsteht also ein vom auf
gehobnen verschiedner nouer Gegensatz , durch
die-

\
diesen ein rom ersten verschiednes Product, aber
auch dieses lafst den absoluten Gegensatz un-
aufgehoben , es Wird also abermals Dualität
und durch diese ein Product entstehen , und
so in'e Unendliche fort.

Mau setze, durch das Product A werden


die Gegensitze с und d vereinigt, aber aufser
halb jener Vereinigung noch fällt der Gegensatz
b und e. Dieser hebt eich auf in B, aber auch
dieses Product lafst den Gegensatz a und f un
aufgehoben — sçtzt man, dafs a und f die äu-
fеersten G ran z en bezeichnen, so wird die Ver
einigung von diesen eben das Product seyn,
an dem еб nie kommen kann.

Zwischen den Aeufsersten a und f liegen die


Gegensätze с und d, b und e, aber die Reihe
dieser Zwischengegensätzo ist unendlich, all*
diese Zwischengegensätze sind begriffen in dem
Einen absoluten Gegensatz. — In dem Pro
duct A wird ron a nur с und von f nur d auf
gehoben , was von a übrig bleibt, heifse b, was
von f , e, so werden diese zwar kraft des abso
luten Strebens nach Indifferenz wieder vereinigt,
aber sie lassen einen neuen Gegensatz unaufgeho
ben — und so bleibt zwischen a und f eine
unendliche Reihe mittlerer Gegensätze und das
Product, worum jene sich absolut aufheben, ist
nie , sondern wird nur. ; ,

Die-
. \ 1
Diese in's unendliche fortgehende Bildung
ist so vorzustellen. — Der ursprüngliche Ge
gensatz müfste in dem Urproduct A-sich aufhe
ben. Das Product müfste in den Indiffereni-
punct von a und f fallen, aber di der Gegen
satz ein absoluter iet, der nur in einer unend
lich fortgesetzten (nie wirhlichen) Synthesis auf
gehoben werden kann, so mufs A gedacht wer
den als der Mittelpunct einer unendlichen Peri
pherie, (deren Durchmesser die unendliche Li«
nie a f). Da in dem Product, von a und f nur
с und d vereinigt sind , so entsteht in ihm die
neue Entzweiung b und e, das Product wird
also sich nach entgegengesetzten Richtungen
trennen , in dem Punct , wo das Streben
nach Indifferenz das Uabergewicht erlangt, wird
b und e zu einem neuen , von dem ersten ver«
schiednen Product zusammentreten — abet
zwischen a und f liegen noch unendlich viele
Gegensätze; der Indifferenz punct B ist also
Mittelpunct einer Peripherie, die in der ersten
begriffen, aber selbst wieder unendlich ist, u.
е. f.

Der Gegensatz von bund ein В wird unterhat


ten durch A, weilesihnHеi>em'еi££läfst, so wird
der Gegensatz in С durch B unterhalten , weil
B von a und f abermals nur einen Theil aufhebt.
Aber der Gegensatz in С wird durch В unterhal
ten, nur insofern Á den Gegensatz in В unter»
hält
halt — was also mus jenem Gegensatz in С
und B resultirt, wird verursacht durch den
gemeinschaftlichen Einflufs von A, so dal* В
und С , und die unendlich vielen Producte , die -
noch zwischen a und f als Mittflglieder fal
len .— in Bezug anf Anur£iе Product sind. —
Die Differenz , welch* nach der Vereinigung
von с und d in А , übrig bleibt , ist nur Eine,
in welche dann wieder B , С u. s. w. sich thei-
len. \
Aber die Fortdauer des Gegensatzes ist für
jedes Product Bedingung des Strebens nach In
differenz, also wird durch A ein Streben nach
Indifferenz in B und durch B in С unterhal
ten. — Aber der Gegensatz , den A unaufgeho
ben läfet, ist nur Einer, also ist auch jene
Tendenz in B, in С und so in'e Unendliche
fort nur bedingt und unterhalten durch A.

Die so bestimmte Organisation ist keine andre


als die Organisation des Universums in Gravi-
tationsfvsteme. — Die Schwerkraft ist еí'h-
fach, aber ihre Bedingung ist Duplicität. —
Indifferenz geht пur aus Differenz hervor. —
Die aufgehobne Dualität ist die Materie, inso
fern sie nur Masse ist.

Der absolute IndÜTerenzpunct existirt nir


gends , sondern ist auf mehrere einzelne gleich-
»am vertheilt. —- Das Universum , das sich
E vom
vom Centrum gegen die Peripherie bildet, sucht
den Punct, wo auch die äufsersten Gegensätze
der Namr eich aufheben; die Unmöglichkeit
dieses Aufhebens sichert die Unendlichkeit de»
Universums.
Von jedem Product A wird der nichtaufge-
boßn'e Gegensatz aui ein neues B übergetragen;
jene» wird dadurch Ursache der Dualität und
' der Gravitation für "-B. (Jenes Uebertragtii
ist das, was man Wirkung durch Vertheilung
nennt, deren Theorie erst von diesem Punct
aus Licht erhält). — So . unterhält z. B. die
Sonne, weil eie'rmr relative Indifferenz ist, so
weit ihre Wirkungssphäre reicht , den Gegen
satz , welcher Bedingung der Schwere auf djen
untergeordneten Weltkörpern ist. , ,

Die Indifferenz wird in jedem Moment aufge


hoben, und in jedem ,Moment wiederherge
stellt. Daher wirkt die Schwere in den ruhen
den Körper, wie in den bewegten. — Da»
allgemeine Wiederherstellen der Dualität nnd
das Wiederaufheben in jedem Moment kann
nur als Nisus gegen ein drittes erscheinen ; die
ses dritte ist, abstrahirt von der Tendenz,
pichte , also blos idealisch , (nur die Bichtung
bezeichnend)- — ein Punct. Die Schwere ist
für jedeq Totalproduct nur Eine , und so auch
der relative Indifferenzpunct nur Einer, Der In-
differenzpunct des einzelnen Körpers bezeichnet
nur
nut die Richtungslinie seiner Tendenz gegen
den allgemeinen Indifferenzpunct ; (Liier jener
Punct ale der Einzige betrachtet werden kann,
worinn die Schwere wirkt, 50 wie das, wo
durch die Körper allein Bestand für uns erlan
gen, nur jene Tendenz nach aufsenist. *)
Da* vertikal« Fallen gegen diesen Punct ist
nicht eine einfache sondern eine zusammenge
setzte Bewegung, und es ist zu verwundern,
dafs man diefs nicht eher eingesehen.
Die Schwere ist nicht etwa proportional der
Masse, (denn was ist diese Masse als ein Ab-
atractum der specifischen Schwere, das ihr nun
hypostasirthabi?) sondern umgekehrt die Masse
eines Körpers ist nur Ausdruck des Momente,
womit der Gegensatz in ihm sich aufhebt.
o) Durch das Bisherige ist die Construction der
Materie im. Allgemeinen vollendet , nicht aber die
der specifischen Differenz der Materie.

Was alJe Materie 'von B С u. s, f. in Bezug


auf A unter eich gemein hat, ist die durch A nicht
aufgehobne Differenz, welche in B und С aber*
mais
über das pythagoreische Quadrat. 1798.
Auegenommen den denkenden Verf. einer Recension
neiner Schrift von der Wdlsed* in den Würzb. ge!.
Ani. der einzigen , die ich bis jetzt über diese Sektiit
kennt; ,'..-«- . 0N .
male nur zum Theil eich aufhebt — also auch
die durch jene Differenz vermittelte Schwere.

Wae also Б und С von A unterscheidet, ist dis


durxh Л nicht aufgehobne Differenz , welche Be
dingung der Schwere für В und С wird. — Eben
so, was С von В unterscheidet, (wenn С ein B
untergeordnetes Product ist), ist die durch B
nicht aufgehobne Differenz , welche auf С wie
der übergetragen wird. Die Schwerkraft ist also
nicht für den höheren und subalternen Welt
körper dieselbe , und es ist so viel Mannigfaltig
keit in den Centraikräften der Attraction, alе in
ihren Bedingungen, (vgl. den Entw. S. 119,)

Wodurch in den Producten А, В, C, welche, so


fern sie einander entgegengesetzt werden , absolut
homogene Producte vorstellen , wieder eine Diffe
renz einzelner Producte möglich ist, ist, dafe ein
verschiedenes Verhältnifs der Factoren in der Auf
hebung möglich ist, so dafs in X z.B. der positive
Factor, in Y der negative das Uebergewicht hat,
(was den Einen Körper positiv, den andern nega
tiv- electrisch macht. — Alle Differenz nur Diffe
renz der Electricität).

e) Dafs die Identität der Materie nicht absolute


Identität, sondern nur Indifferenz seye, ist be
weisbar nur aus der Möglichkeit der Wiederaufhe
bung der Identität, und den Phänomenen, welche
sie begleiten. — Es sey uns erlaubt , jenes Wie
der
deraufheben, und die darauf reeüUirenden Phäno
mene der Kürze halber unter dem Ausdruck: dyna
mischer Procefs zu begreifen, wobei es, wie sich
versteht, noch ganz unentschieden bleibt, ob et- ,
was der Art überall wirklich eeye.
Es wird nun gerade so viele Stuffen des dyna
mischen Precesses geben, als es Stuffen des U*-
iergangs aus Differenz in Indifferenz giebt.

«) Die erste Stuffe wird bezeichnet eeyn durch


Objecte, in welchen das Wiederentstehen und
Wiederaufheben des Gegensatzes in jedem Mo
ment selbst nochObject der Wahrnehmung ist.

Daе ganze Product wird in jedem Moment neu


' reproducrrt, d. h. der Gegensatz, der in ihm
sich aufhebt, entsteht in jedem Augenblick aufs
neue, aber dieses Wiederentstehen der DiiFereus
verliert sich unmittelbar in die allgemeine Schwe
re; jenes Wiederentstehen kann also nur wahr
genommen werden an einzelnen Objecten , wel
che unter sich zu gravitiren scheinen , ,indem
wenn dem Einen Factor des Gegensatzes sein
entgegensetzter (in einem andern) angeboten
. wird, beyde Factoren gegeneinander schwer wer
den, wo also die allgemeine Schwere nicht aufge
hoben , sondern innerhalb der allgemeinen eine
specielle statt findet. —- Solche zwei Producta
sind in Bezug auf einander die Erde und die
Magnetnadel, in welcher das beständige Wie-
£ 4 der
/

'7ö

deraufheben ¿fe* Indifferenz an der Gravitation


gegen die Pole, das beständige Zurücksinken in
Identität ander Gravitation gegen den allgemei
nen Indifferenzpmikt unterschieden wird; —
Hier wird also nicht das Object, sondern da»
Reproducirtwerden des Objects selbst Object.
•ß) Auf der ersten Stuffe erscheint in der Iden
tität des Products wieder seine Duplicität,- auf
der zweiten Stuffe wird der Gegensalz selbst
»ich trenner\, und an verschiedne Körper ( К
und B) vertheilen. Dadurch, dafs der Eine Fa
ctor des Gegensatzes in A, der andere in B ein
relatives Uebergewicht erlangt, wird nach dem
selben- Gesetze wie bei «) eine Gravitation der
Factoren gegen einander und dadurch nene In
differenz entstehen, welche, wenn das relative
Gleichgewicht in jedem wiederhergestellt ist, in
Zurückstofsung ausschlägt. N— (Wechsel von
Anziehung und Zurückstofaung , zweite Siuffe,
.auf welcher die Materie erblickt wird) — Ele-
clricität. - , , ,. .. , . .

y) Auf der zweiten Stuffe hatte der Eine Fa-


ttöt des Products nur ein relatives Ueberge
wicht, auf der dritten wird er ein absolutes er
langen — durch die zwei Körper A und B wird
der ursprüngliche Gegensatz wieder vollkom
men repräsentirt -— die Materie wird auf die
erste Stuffe des Werdens zurucktehren/'

Ï Auf

.- .
4 >' - '

Auf der ersten Stujfe ist noch reine' Drffe-


rwiZb obе Substrat^ auf der zweiten Stuffe
sind es die emfachen Fastoren zweier Fnodu-
.cter, die sich entgegengesetzt sind, auf der
dritten sind es die Pr od и este selbst, the
, eich entgegengesetzt sind; hier .ist die Diffe
renz in der dritten Potenz.
, Wenn zwei Products einander absolut entge
gengesetzt Sind, so rnufs in jedem einzelnen
die ' Indifferenz der 'Schwere, (durch welche
es allein ist), aufgehoben werden, und sie müs
sen gegeneinander gravitiren. (Auf der zweiten
Stuffe war nur ein wechselseitiges Gravitiren der
Factoren gegen einander — hier ist ein Gravi~
tiren der Producte. — Dieser Procefs also
greift zuerst auch das Indifferente des Pro
ducts an.rd. h. die Producte selbst lösen
bich auf. :...-' K.'„
:•; 'U ' - -
Wo gleiche Differenz ist, ist auch gleiche In
differenz, die Differenz der Producte also kann
auch nur mit einer Indifferenz der Producte en
den. (Alle bisher abgeleitete Indifferenz war
nur Indifferenz substratloser oder wenigstens
einfacher Factoren. — Hier ist die Rede von
i - einer Indifferenz der Producte). Jenes Streben
wird nicht ruhen , ehe ein gemeinschaftliches
Product da ist. Das Product, indem es sich
bildet, geht von beiden Seitea durch alle Mittel-
• glieder, die zwischen den beiden Proctecten lie-
£ 5 gen
:

gen hindurch, bis »s den Punkt findet, bei wel


chem es der Indifferenz unterliegt und das Pro
duct fixh-t wird.
Allgemeine Anmerkung. Vermöge der ersten
Construction Wird das Product, als Identi
tät aufgestellt, ("diese Identität löst sich zwar
wieder in einen Gegensatz auf, der aber nicht
mehr ein an Producten haftender Gegensatz,
Sündern ein Gegensatz in der Productivity
selbst ist. — Das Product also als Product
ist Identität. — Aber auch in der Sphäre
der Producto entsteht wieder Duplicität auf
der zweiten Stuffe , und erst auf der dritten
wird auch die Duplicität der Producte wieder
Identität der Producte. —- Es ist also auch
hier ein Fortgang von Thesis zur Antithesis
und von da zur Synthesis. •— Die lezte Syn
thesis dfcr Materie, — schliefst sich in dem
chemischen Procefs, soll sie noch weiter zu
sammengesetzt werden , so mufs auch dieser
Kreis wieder sich öffnen.

Wir müssen es unsern Lesern selbst überlassen,


zu ermessen, auf welche Schlüsse die hier
vorgetragenen Principien führen, und welcher
allgemeine Zusammenhang durch sie in die
Naturerscheinungen gebracht werde, — Um
jedoch Eine Probe eu geben, so ist, wenn
in dem chemischen Procefs das Band der
Seiwere sich löst, die Erscheinung des Lichts,
" —=т . - .73
welche den chemischen Procefs in »einer grö fi
ten Vollkommenheit (ale Verbrennungs - Pro-
cefs) begleitet , eine sonderbare Erscheinung,
welche weiter verfolgt bestätigt , was im
Entw. S. 146. gesagt wird : „die Action dee
Lichts mufs mit der Action der Schwere, wel
che die Centraikörper ausüben , in geheimem
Zusammenhang stehen." — Denn, wird nicht
jene Indifferenz der Schwere in jedem Mo
ment aufgelöst, da ja die Schwere als immer
thätig, ein beständiges Aufheben der Indif
ferenz voraussetzt ? — So bewirkt also die
Sonne durch die auf die Erde ausgeübte Ver-
theilung ein allgemeines Auseinandergehen der
Materie in den ursprünglichen Gegensatz
(und dadurch die Schwere). lenes allgemei
ne Aufheben der Indifferenz ist es , was uns
(belebten) als Licht erscheint, wo also^jene
Indifferenz sich auflöst (im chemischen Pro-
cefs), da mufs uns Licht erscheinen. — Nach
dem vorhergehenden ist es Ein Gegensatz,
der vom Magnetismus an durch die Electri-
cität endlich in die chemischen Erscheinun
gen eich verliert. Im chemischen Procefs näm
lich wird das ganze Product -t- E oder — E,
(der positiv - electrische Körper ist bei absolut
unv erb rannten immer auch der verbrennliche-
.re, dagegen das absolut Unverbrennliche Ur
sache aller еe^ai/w-electrischen Beschaffenheit
ist,) und wenn ее erlaubt ist, Einmal die Sache
um
74 —:—i

umzukehren, was sïml denn die Körper selbst


ale verdichtete (gehemmte) Electricität? !—
•Im chemischen Procefs löst eich der ganze
' . Körper in -t- E oder — E auf. Das Licht
ist überall Erscheinung des positive?i Factors
- im ursprünglichen Gegensatz , wo daher der
Ge^eneatz hergestellt wird, ist für uns Licht,
' weil überhaupt nur der positive Factor ange-
eclránt', and der negative nur empfunden
wird. — Ist nun der Zusammenhang der
täglichen und jährlichen Abweichung der
Magnetnadel mit dem Licht begreiflich —
und . wenn in jedem chemiechen Procefs der
' Gegensatz sich löst,— begreiflich, àztsïJLicht
Ursache und Anfang alles chemischèn Pro-
cefses ist?
'' .f) Der dynamische Procefs ist nichts anders
alf die zweite Construction der Iklaterie , und »o
.viele Stujjen des dynamischen Procefses es giebt.
so viele Sluffen in der ursprünglichen Con-
, struct ion der Materie.
Dieser Satz ist der umgekehrte des Satzes e)
.. Was im dynamischen Procefs am Product wahr
genommen wird, geschieht, jenseits des Product»
i rait den einfachen Factoren aller Dualität.
Der erste Ansatz zur ursprünglichen Produ
ction ist die Begränzung der Produktivität durch
den ursprünglichen Gegensatz , der als Gegensatz
(und aïs Bedingung aller Construction) nur noch

i
ira Magnetismus unterschieden wird; die zweyte
Stufte der Production ist der fVechsel von Expan
sion und Contraction, der als solcher nur noch,
.'in der Electriciiat sichtbar wird; die dritte Stufte
endlich ist der Uebergang jenes Wechsels in Indif
ferenz , det als eolcher nur noch in den chemi
echen Erscheinungen erkannt wird.

Magnetismus, iElectricität und chemisoJier


Procefs sind die Categorien der ursprünglichen
Construction der Natur — diese entzieht sich uns
und liegt jenseits der Anschauung, jene sind das da-
'vvon zurückbleibende, feststehende, fixirle — die
allgemeinen Schemate der Construction der Materie,

Und — um hier den Kreis in dem Puñete wie


der zu schliefen , von dem er anfieng, wie in der
organischen "Nátur m der Stuffehfolge der Sensibi
lität, der Irritabilität, und des Biläungstriebs in
jedem Individuum das Geheimnifs der Production
der ganzen organischen Natur liegt, so liegt in
der Stuffepfolge des Magnetismus der Electric'ifät
und des chemischen Procefses . so wie sie auch
am einzelnen Körper unterschieden werden kann,
das Geheimnifs der Production der Natur aus sich
selbst. . -"'

C. '

Wir sind jetist der Auflösung unsrer Aufgabe,


die Construction der organischen und auorgischen
. Na
Natur auf einen gemeinschaftlichen Ausdruck zu
bringen , näher gerückt.
Die anorgische Natur ist das Product der er
sten , die organische da% Product der zweiten Po.
tenz — (so wurde oben festgesetzt; es wird sich
bald zeigen, dafs eje Product einer noch hohem Po
tenz ist); — darum erscheint diese in Bezug auf
jene zufallig, jene in Bezug auf diese nothwendig. Diе
anorgische Natur kann ihren Anfang nehmen aus
einfachen Factoren , die organische nur aus Produ-
eten, die wieder zu Factoren werden. Darum wird
eine anorgische Natur überhaupt, erscheinen als
von jeher gewesen , die organische als entstanden.

Iu der organischen Natur kann es zur Indiffe


renz auf dem Wege nicht kommen, auf welchem es
in der anorgiecheu dazu kommt, weil das Leben
eben in dem beständigen Verhindern, dafs es zur
Indifferenz komme, besteht, wodurch freilich nur ein
Zustand herauskommen kann, der der Natur gleich
kam abgezwungen ist.
Durch die Organisation wird die Materie, die
-durch den chemischen Procefs, schon zum zweiten
mal zusammengesetzt ist, noch einmal zurückver
setzt in den Anfangspunct der Bildung; (der oben
beschriebne Kreis noch einmal geöffnet), ее ist
kein Wunder, dafs die immer wieder in die Bildung
zuriickgeworfne Materie endlich als das vollkom
menste Product wiederkehre.
Die-
Dieselben StuIfen, welche die Production der
Natur ursprünglich durchläuft, durchläuft auch die
Production des organischen Products, nur dafs dieeo
auf der ersten Siujfe schon mit Producten der ein
fachen Potenz wenigstens anfängt. — Auch die or-'
ganischc Production beginnt mit Begränzung, nicht
der ursprünglichen ProducriVität , sondern der Pro-
duetivität, eines Products , auch die organische Bil
dung geschieht durch den Wechsel von Expansion
und Contraction, wie die ursprüngliche, aber es
ist ein Wechsel, der nicht in der einfachen Pro»
duetivität, sondern in der zusammengesetzten statt
hat.

ь Aber im chemischen Proeefs ist das alles auch,


und im chemischen Procefs kommt es dexh zv.r Ih-
differenz. Der Lebensprocels remis also wieder dis?
höhere Potenz des chemischen, seyn, und wenn das
Grundschema von jenem Duplicität, wird, das Sche
ma von diesem TripUcitüt seyñ müssen. Aber das
Schema der Triplicität ist das des galvanischen Pro
cesses,. {Hitter's Beweis etc. 172), also steht der
galvanische Proeefs, (oder, der Proeefs der Erre
gung? eine Potenz höher als der chemische und das
dritte, was diesem fehlt und was jener hat, verhin
dert, dafs es zur Indifferenz im organischen Product
komme. *) „
Da

*) Dieselbe Ableitung ist ichon im Entw. S. 177. gege


ben, —- VV*s die dynamischt Action муе, welche
u&ek
Da es die Erregung zur Indifferent im einzel
nen Product nicht kommen läfst, und der Gegensatz
doch da ist, (denn noch immer folgt uns jener ur
sprüngliche GegensatB'*) , so- bleibt der Natur nichts
übrig, als Trennung der Factören in verschiedmn
Producten. —'• Diе.. Bildung des einzelnen' Products
kann ebendefs wegen keine vollendete Bildung, und
das Product kann nie , aufhören , productif ztt
jeyn **) — Der Widerspruch in der Natur ist ;der,
daTs das Product productiv (d. h. Product der drit
ten Potenz eeyn), und dafs doch daе Product als
Product der dritten Potenz , in Indifferenz ü berge-
hen selb - . -i

nach d»m Entwurf auch Ursache der Erregbarkeit ist,


ist jezt wohl klar genug. Es ist die allgemeine Action
die überall durch Aufhebung der Indifferenz bediujl
ist, und die zulezt gegen Intussusception (_ Indifferenz
der Producto}, telidirt, wo sie, nicht wie im Pxocet*
der Erregung beständig daran verhindert wird.
*) Der Abgrund von Kräften, in den wir Ыеr hinabsenen
öffnet sich schon durch die Eine Frage : welchen Gnm4
in der e/itenConstruetion unserer Erde es wohl haben mi>
ge, dafs keine Erzeugung neuer Individuen anders ai»
wnter Bedingung entgegengesetzter Potenzen auf ih»
möglich ist ? Vergl. eine Aeufserur.g von Kant über diesen
Gegenstand ; in seiner Anthropologie. л
* *) Es kommt in dem Producteur Indifferenz der ersten
und selbst der zweiten Potenz, (e* kommt t. B. durch.
Diesen Widerspruch sucht die Natur dadurch
zu lösen , daTs sie selbst die Indifferenz durch
Productivität vermittelt, aber auch diefs gelingt
nicht, denn der Act der Productivität ist nur der
zündende Funke eines neuen Erregungsprocesses ;
das Product dqr ' Produktivität ist eine neue Pro
ductivität. — In diese als ihr Product geht пuл
.freilich die Productivität des Individuums über,
das Individuum hört also schneller oder langsamer
auf, produetiv zu seyn , aber eben damit hört es
auch auf. Product der dritten Potenz zu seyn , und
den Indifferenzpunct erreicht die Natur mit ihm
erst, nachdem es zu einem Product der zweyten
Potenz herabgekommen ist. *) '

Und nun das Resultat von dem allem? — Die


Bedingung des organischen , (wie des anorgischen)
Products ist Dualität. Allerdings, aber organisches
productives Product ist es nur dadurch, dttfs die
Differenz nie Indifferenz wird: '•. ",•• •

. •" - - ".. . " ' Ее


' '' , . . . ? . t'
die Erregung selbst zu einem Ansatz von Masse, und
selbst zu chemischen Producten , aber zur , Indifferenz
der dritten Potenz kann es nicht kommen;, ,weil diese
selbst ein widersprechender Begriff ist, i
*3 Aus welchen Widersprüchen das Leben hervorgehe,
und dafs es überhaupt nur ein gesteigerter Zustand
gemeiner Naiurkräfte seye, zeigt nichts mehr, als der
Widerspruch der Natur in dem, was 'fie durch die
F Ge-
Ее ist aleo unmöglich , die Construction des or
ganischen und anorgischen Products auf einen ge-
mein-

Geschlechter zu erreichen versucht, ohne es erreichen


zu können. — Die Natur hafst das Geschlecht, und
WO es entsteht , entsteht es wider ihren "Willen. Die
Trennung der Geschlechter ist ein unvermeidliches
Schicksal, dem sie, nachdem sie einmal organisch ist,
sich fugen mufs, und das sie nie verwenden kann. —
Durch jenen Hafs gegen die Trennung selbst sieht sie
sich in den Widerspruch verwickelt, dafs sie, was ihr
zuwider ist, auf,s sorgfältigste ausbilden und auf den
Gipfel der Existenz fuhren mufs , als ob es ihr darum
zu thun wäre, da sie doch immer nur nach der Rüca-
kehr in die Identität der Gattung verlangt, welche aber
an die Çnie aufzuhebende) Duplicität der Geschlechter,
als an eine unvermeidliche Bedingung gefesselt ist. —
Dafs sie das Individuum nur gezwungen und der Gat
tung wegen ausbildet, erhellt daraus, dafs ihr, wo sis
in einer Gattung das Individuum länger erhalten m
wollen tcheint ([obgleich diefs nie der Fall ist), dage
gen die Gattung unsichrer wird, indem sie die Ge
schlechter weiter anscinander halten und gleichsam
vor einander flüchten mufs. In dieser Region der Na
tur ist der Verfall des Individuums minder sicht
barschnell, als da wo die Geschlechter sich ааЪеr
sind , wiе in der schnell hinwelkenden Blume , wo sie
bey ihrem Entstehen schon in den Einen Kelch , wie
in das Brautbett gefafst sind, wo aber ebendefsWegen
euch die Gattung gesicherter ist.

Die Natnr ist Jas trägste Thier, und verwünscht


die Trennung, weil diefe allein ihr den Zwang der
Thätigkeit auferlegt; sie ist sur th.itig mn jenes
Zwangs
meinschaftlichen Ausdruck zu bringen, und die Auf
gabe ist unrichtig,' also auch die Auflösung unmög
lich. Die Aufgabe setzt voraus, organisches und
anorgisches Product eeyen sich entgegengesetzt, da
doch jenes nur die höhere Potenz von diesem und
nur durch die höhere Potenz der Kräfte hervorge,
bracht ist, durch welche auch dieses hervorgebracht
wird. — Sensibilität ist nur die höhere Potenz des
Magnetismus. Irritabilität nur die höhere Potenz
der Electricität, Bildungstrieb nur die höhere Potenz
des chemischen Processes. — Aber Sensibilität und
Irritabilität, und Bildungstrieb sind alle nur begrif
fen in jenem Einem Procefe der Erregung, (Der Gal-
vaniemus aiEcirt sie alle). *) Aber sind sie nur die
höhern Functionen des Magnetismus , der Electrici
tät u. s. w. t so mufs es auch für diese wieder eine
»solche höhere Synthesis in der Natur geben, **)
welche aber ohne Zweifel nur in der Natur, inso-
F a ., -i fern

Zwangs , loa zu werden, — Die Entgegengesezten müs


sen ewig sich fliehen, um sich ewig zu suchen, und
sieb ewig suchen , um sich nie zu finden ; nur in diesem
Widerspruch liegt der Grund aller Thätigkeit der
Natur.
*D Seine Wirkunjf auf Pieproductionskraft Cto wie Rück
wirkung besondrer Zustände dieser Kraft auf galvani
sche Erscheinungen) , ist noch weniger beachtet, als
wohl nothig und nützlich w^re. S. den Entw. S. 195.
**) Vergl. oben die Anm. S. 14.
fern sie als Ganze» betrachtet absolut organisch ist,
gesucht werden kann. _

Und dies ist denn auch das Resultat, auf wel-


ehesjede ächte Naturwissenschaft führen mufs, dafs
nämlich der Unterschied zwischen organischer und
anorgischer Natur nur in der Natur als Object sеуе,
,und dafs die Natur als ursprünglich -productiv über
beiden fchwebe.

Es ist noch Eine Bemerkung übrig, die wir ma


chen können , nicht so sehr ihree eignen Interesses
we^en , als um das zu rechtfertigen , was wir oben
über das Verbältnifs unsere Systems zu dem bisher
" sogenannten dynamischen gesagt haben. — Wenn
man nämlich fragt, als was jener ursprüngliche, in
dem Product^aufgehobne , .oder vielmehr fixirte'bt-
gensatz in dem Product auf dem Standpunkt der
Reflexion sich zeigen werde, so kann man, was man
durch Analysis davon in dem Product findet, nicht bes
ser bezeichnen, als durch Expansiv - und Attractiv-
\ (oder retardirende) Kraft, wozu denn doch immer
noch die Schwerkraft, als das dritte hinzukommen
mufs, wodurch jene Entgegengesetzten erst das
werden , was sie sind.

« Indefs gilt diese Bezeichnung nur für den Stand


punkt der Reflexion oder der Analysis, und kann
zur Synthesis gar nicht gebraucht werden und so
x - • hört
hört unser System gerade da auf, wo Kant's und
seiner Nachfolger dynamische Physik anfängt, näm«
lieh Iiei dem Gegensatz wie er in dem Product
eich vorfin deity

Und hiermit übergiebt der Verfasser diese An


fangsgründe einer specnlativen Physik den denken
den Köpfen des Zeitalters, indem er sie bittet, in die
ser — keine geringen Aussichten eröffnenden Wissen
schaft gemeine Sache zu machen, und was ihm
an Kräften, Kenntnisseh, oder äufsern Verhältnissen
abgeht, durch die ihrigen zu ersetzen.
Im Entwurf »ind noch folgende Druckfehler
übersehen worden.
Voir. S. П. Z. a. 1. das System selbst.
Ipi Druckfehlerverzeichnifs Z. 19. statt wird liest sind.