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tu wien hochbau manfred berthold

einführung teil 2

hochbau

öffnungen entwicklung, systematik und konstruktion von fenster und türen


hülle fassade, curtain wall, structural glazing, raumhohe fenster
überspannen von räumen technologien von deckenkonstr., -aufbauten, -untersichten
begehbares dach terrassen, grün- und flachdach, aufbau und konstruktion
steiles dach binder- und tragwerkskonstruktionen, dachhaut
stiegen systematik und konstruktion
mehrschichtige konstruktionen trenn-, schutz-, verschleiss-, isolier- u.dämmschicht
modulare ordnung ausbau-, zwischenwand-, trennwandsysteme, variabilität u. flexibilität
v 270.003 - vo - hochbau einführung –

redaktion und gestaltung:ass prof arch dipl-ing dr techn manfred berthold

institut für architektur und entwerfen


abteilung hochbau 1 und entwerfen 253/4
technische universität wien

1. auflage - wien 1996


2. auflage - wien 1997
3. auflage - wien 1998
4. auflage - wien 1999 (neues layout)
5. auflage - wien 2001 (an den neuen studienplan angepaßt)
6. auflage - wien 2002 (mit internet links)
7. auflage - wien 2004 (mit cad zeichnungen)
8. auflage - wien 2008
cd-rom (version 1.0) - 2002
cd-rom (version 2.0) - 2004
cd-rom (version 3.0) - 2008

druck und verkauf:


grafisches zentrum an der tu wien
wiedner haupstr. 8-10, eg

© 2008 manfred berthold


anstelle eines vorworts

das vorliegende neu überarbeitete und an den neuen studienplan angepaßte skriptum und die zugehörige cd-rom zur
vorlesung “hochbaueinführung” stellt einen neuen versuch einer ausarbeitung des lehrstoffes dar und darf in dieser form
keineswegs als endgültig oder fertigbetrachtet werden. ich möchte mich an dieser stelle schon für die übersehenen und
eingeschlichenen fehler, die meistens erst nachfertigstellung und vorliegen der publikationen zum vorschein kommen,
entschuldigen.

das skriptum bzw. die cd-rom zur vorlesung “hochbau einführung” soll den student(inn)en des ersten semesters ar-
chitektur an der technischenuniversität wien eine einführung und einen überblick in die thematik des hochbaus bieten.
die unterlagen sind als begleitender studienbehelfzur unterstützung der vorlesung gedacht. anders als ein hochbaubuch
kann das skriptum einfacher und rascher auf entwicklungen derbautechnik und somit auf den aktuellen stand der tech-
nik und wissenschaft reagieren. so wurden etwa ca. 500 weblinks implementiert, welcheden student(inn)en interaktives
lernen unter einbeziehung relevanter informationen aus dem world wide webbieten. es ist geplant, jedesstudienjahr par-
allel zur vorlesung eine neuauflage und überarbeitung dieser cd-rom vorzunehmen. ich moechte an dieser stelle auch
unserensponsoren danken, ohne deren finanzielle unterstuetzung diese cd-rom nicht hätte produziert werden koennen
(nennung in alphabetischerreihenfolge)

aco bauelemente, akzo nobel coatings, alu könig stahl, alu richter, aquasol, cooperative leichtbeton, domico, eckelt
glas, forbo contel,fox holzfußböden, fries burgholzer & comp., grundmann beschlagtechnik, haberkorn abdichtungssys-
teme, knauf, lafarge perlmooser,pem buildings, pichler ziegelwerk, pittsburgh corning, prefa, purator wallner u. neubert
umwelttechnik, steinbacher dämmstoffe, velox,villas austria , wienerberger, ytong

ich bin für jede anregung, aber auch konstruktive kritik offen und dankbar. für diesbezügliche vorschläge und das thema
betreffende anmerkungen erreichen sie mich am institut für architektur und entwerfen, abteilung hochbau 1 und entwer-
fen an der technischen universitätwien, 1040, karlsplatz 13/2701 ,telefonisch unter der nummer (01) 58801-27017 und
per e-mail: berthold@h1arch.tuwien.ac.at

ich wünsche allen student(inn)en noch ein erfolgreiches studienjahr, besonders jenen, die mich so zahlreich in den
vorlesungen besuchen.es waren im schnitt über 300 hörer(innen), die sich zweimal wöchentlich in den viel zu engen
hörsaal drängten.

m. b.
ich möchte mich an dieser stelle auch namentlich bei jenen student/inn/en bedanken, die initiativ zur entstehung dieses
hochbau-skriptumsbeigetragen haben. die reihenfolge der namentlichen aufzählung wurde alphabetisch vorgenommen
und soll in keiner weise eine wertungdarstellen.

1. - 3. auflage: (1996 - 1999) andrea penkava, andreas schleicher, christine schmauszer, christoph gold, daniel rupprich,
doris gwinner,felicitas wolf, franz leuthner, gabriela navotny, georg siegel, hannes wieder, hermann stemberger, ingrid
fleckseder, iris hasenbichler, janospapp, jürgen bachner, karl koschek, lee richmond, lukas ciesielski, markus brand-
stätter, nicole bernsteiner, peter wallnöfer, philipp wegan,robert weil, sebastian soukup, sieglinde lurger, silke staniko,
veronica schey
4. auflage: (2000) elke rossbach, nicole holzinger, petronella punzhuber
5. auflage: (2001) andrea fiedler, elke rossbach, herbert priesner, karin wöhrenschimmel, kerstin haubenhofer, nicole
holzinger, sonja simader,thomas köstler, wolfgang mayr
6. auflage (2002) und cd-rom (version 1.0): alexander budasch
7. auflage (2004) und cd-rom (version 2.0): laura bürgermeister, andreas hampl, florian waldmayer, daniel schürr
8. auflage (2008) und cd-rom (version 3.0): daniel schürr, iris priewasser

für die cad-bilder:


kapitel 09: matthias moroder, franz moser, oliver macek, nicole zieger
kapitel 10: ines kostka, georg nothdurfter, caroline rath
kapitel 11:maryam akhlaghi-farsi, stefan glaser, andreas gruenwald, viola nicole hackermüller, claudia halwachs, stefan
huber, thomas melcher, ines neuberger, julia piontek, verena sander, sungur senul
kapitel 12: margarita schwarzmayr, andrea benditsch, anna lugbauer, walter grössl, buryak halyna, buryak olena,
kapitel 13: samar elagabani, yüksel elif, irene haselböck, azra kapic, hanife kütükde, roman lazewski, ardian lubeniqi,
neza lovse, erdinc özcaliskan, ulrich pont, franz rohm, wolfgang utz, miha veingerl, karol winiarczyk
kapitel 14: vlatko lazov, hanife kütükde, erdinc özcaliskan, wolfgang utz,
kapitel 15: gianfranco berardesca, yvonne biering, christian gigler, julia forster, august hinterwirth, blerim hoxhay, anna
kucer, thomas liska, thomas melcher, armin nicolussi, kathrin nogel, thomas pelzl, kathrin schiefer, daniel schürr, ger-
linde steininger, berkan yasatürk, sak zafer
kapitel 16: cornelia ernstbrunner, urs kaps, tanja koinegg, markus mirth, katharina reiner, laurenz vogel, gerlinde stein-
inger
vo 09 öffnungen

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vo 09 öffnungen entwicklung, systematik und konstruktion von fenster und türen

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1+2 3-5 6+7

9. öffnungen abb. 1 + 2 kragkuppelhäuser in apulien, soeder h., urformen der abendländischen bau-
kunst, du pont verlag,köln, 1964, s. 41
abb. 3 - 5 das iglu, prof. martin kubelik, baukunst, unterlagen zur vorlesung ws 1995/96
abb. 6 + 7 türe einer bantugrashütte, holzgitter u. läden d. dt. renaissance, ronner, h.,
öffnungen, baukonstruktionen im kontext des arch. entwerfens, birkhäuser, basel, boston,
berlin, 1991, s. 6 + 8

9.1 definition wirtschaftliche gesichtspunkte zu beachten. außen- und


innentüren gibt es in einer vielzahl von formen und mate-
fenster rialien. sie werden aus holz und holzwerkstoffen, alumini-
fenster beeinflussen durch form, gliederung und größe, um und stahl, kunststoff und glas - in einzel-oder serien-
durch lage, anordnung und baustoff entscheidend fassa- fertigung - hergestellt.
dengestaltung, baukörper und innenraum. beim fenster-
bau sind fragen der gestaltung, der konstruktion, der fer- 9.2 geschichtliches
tigungstechnik und der wirtschaftlichkeit (bei herstellung
und benutzung) besonders eng miteinander verflochten, die ersten menschlichen behausungen wie etwa die höh-
so daß jeweils die für den besonderen fall günstigsten lö- le, später das zelt oder die ersten einfachen hütten (z.
sungen gefunden werden müssen. b. die trullis in apulien), die sich in den verschiedensten
wesentlich ist neben der belichtung die psychologische kulturen in ähnlicher form entwickeltt haben, wiesen noch
bedeutung des tageslichtes für das wohlbefinden des keine fenster auf. (abb. 1 + 2)
menschen in wohn-und arbeitsräumen. der wechsel von
helligkeit und dunkel und der witterung, besonnung und es gab allerdings bauformen wie das iglu (abb. 3 - 5) oder
verschattung, insbesonders auch der kontakt mit der um- das dünn bespannte zelt, die zur gänze transluzent wa-
welt durch ausreichend ausblick, sind wichtig. ren. das heißt, das wandmaterial ließ das tageslicht zum
teil hindurch, sodaß es im inneren nicht gänzlich dunkel
türen war.
türen trennen und verbinden außen- und innenraum so-
wie räume mit unterschiedlicher nutzung. dementspre- auch türen nach unserem heutigen verständnis waren
chend unterscheidet man außentüren, innentüren und noch nicht vorhanden, wohl aber eine öffnung, durch die
sondertüren. (unter der bezeichnung “tür” versteht man diese schützenden behausungen betreten werden konn-
allgemein das komplette türelement, bestehend aus dem ten (abb. 6+7). aus dem bedürfnis nach schutz gegen
türblatt und einem fest mit der wand verbundenen türrah- witterung und äußere feinde entwickelten sich die ersten
men, auch türzarge genannt) von der zweckbestimmung verschlußmechanismen für diese öffnungen.1
werden lage, größe, form, material, oberflächenbehand-
lung und konstruktion des türblattes, die art der rahmen- das grundlegende problem im massivbau war, eine öff-
ausbildung und die eignung der beschläge beeinflußt. nung, also eine verletzung des baugefüges, zu überbrü-
daneben sind jedoch immer auch gestalterische und cken und den anforderungen entsprechend (konstruktiv,
1 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 6 ff.wien, 1989

1 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 6 ff.wien, 1989

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vo 09 öffnungen

klimawirksam, bedienungsfreundlich) zu verschließen. in historischer chronologie hat sich das fenster nach der
tür ent- wickelt, denn erst als die menschen tätigkeiten
die ersten türen nach unserem verständnis bestanden in ihren behausungen durchzuführen begannen, wurde
aus einem türblatt, das an einem steingewände mittels es notwendig, dafür auch die entsprechende belichtung
lederriemen und später metallbeschlägen angeschlagen vorzusehen.2 unklar ist aber, ob sich das dadurch entstan-
wurde. die erstellung des steingewändes, das fix mit dem dene fenster aus einer rauchabzugsöffnung in der decke
baukörper verbunden wurde, war dabei arbeit des stein- entwickelt hat, oder ob es aus der türe entstanden ist, in-
metzes (abb. 8). dem diese zweigeteilt ausgeführt wurde, und oberer und
unterer teil getrennt voneinander zu öffnen waren, wie das
in weiterer folge wurde dieses gewände ersetzt durch heute noch bei manchen stalltüren im alpinen raum der
einen holzrahmen (abb. 9), die türenherstellung und der fall ist.
einbau wurde zur tischlerarbeit. der stock bildete wie das
steingewände, später in verbindung mit schlössern, einen in einer frühen form war das fenster vor allem lüftungs-
ersten schutz gegen witterung aber auch fremde personen loch, wie sich an dem altisländischen wort für fenster -
von außen. vindauga (windauge) - aus dem sich das englische „win-
dow“ ableitet, erkennen läßt.
2 krontal, inst. f. gebäudelehre, tu wien, stud. anal. z. thema fenster, analysenr. 563, wien,ss
1993, s. 21

abb. 8+9 steingewände und holzzarge, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext- abb.10 villa moller, wien 18, starkfriedg. 19, ausstellungskatalog, a. loos, wien, alberti-
des architektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 102 na,1989, s. 187
abb.11 asiatisches wohnhaus, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext
desarchitektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 9

8+9

10 11

2 krontal, inst. f. gebäudelehre, tu wien, stud. anal. z. thema fenster, analysenr. 563, wien,
ss 1993, s. 21

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12 13 14

abb.12 villa von richard meier, r. meier, bibliographie, richard meier verlag, 1984, s. 30 abb.14 römisches, bürgerliches wohnhaus, ostia, rekonstr., mackendrick p., romssteinernes
abb.13 fassade der nuestra senora de las angustias in valladolid, schubert o., geschich- erbe, röm. archäologie in italien, f. a. brockhaus, wiesbaden, 1967, s. 257
tedes arock in spanien, paul neff verlag, esslingen a. n., 1908, s. 96

element finden wir bei dem zeitgenössischen architekten


das gotische wort „augaduro“ (augentüre), später durch richard meier. er hat allerdings die formensprache von loos
das lateinische „fenestra“ verdrängt, betont im gegensatz noch um die möglichkeiten der modernen technologie er-
dazu den optischen aspekt des fensters als öffnung in ei- weitert. so werden fenster zu glaswänden - raumhoch - und
ner außenwand, die den visuellen bezug zur außenwelt vermitteln auf diese weise das gefühl, daß das haus nicht
ermöglicht. von der landschaft abgegrenzt, sondern eins mit ihr ist und
in diese kontinuierlich übergeht. der brüstungs- oder para-
neben all den technischen anforderungen waren fenster petbereich, der als unterbau der fensteröffnung eine klare
und die tür aber auch immer objekte der gestaltung. zäsur zwischen außen- und innenraum schafft, fällt weg.
(abb. 12)
den gedanken des gestaltens finden wir bereits in der
jahrtausendealten chinesischen bautradition, die für das die fassade als ganzes war schon bald gegenstand gestalte-
fenster das wort jie jing kennt, was soviel wie „ausbor- rischer überlegungen. sie läßt sich als die balance zwischen
gen der landschaft“ bedeutet. die fenster werden bewußt aufforderung zum kontakt und zur distanz verstehen. das
gesetzt, die landschaft mit ihnen eingefangen und in die fenster bzw. die tür als mitte zwischen schutz nach außen
gestaltung einbezogen. das licht darf herein, der blick hi- und ort der kommunikation.
naus. (abb. 11)
die anforderungen, die an türen und fenster gestellt wer-
adolf loos, der sich in vielen seiner aufsätze, wie etwa den, sind also vielfältig und nicht nur technischer natur. ihre
„ornament und verbrechen“ oder „das luxusfuhrwerk“ ge- bewältigung fordert eine hochstehende technologie. das
gen die verwendung von ornamenten stellt3, benützt als fenster soll im gegensatz zur tür nicht nur einen klimatisch
element der gestaltung von fassaden vorwiegend das wirksamen abschluß nach außen bilden, sondern auch noch
fenster, das er in form, größe und anordnung zueinander einen ständigen bezug nach außen ermöglichen, was in der
variiert. er nennt die fenster „augen des hauses“. dieser fertigung noch zusätzliche schwierigkeiten mit sich brachte.
gedanke wird vor allem an der villa moller deutlich, die (abb. 13+14)
von loos in den jahren 1927 bis 1928 in wien gebaut wur-
de.4 (abb. 10) aufgrund mangelnder dichtheit bei einfachfenstern entwi-
ckelte sich im 17. jahrhundert in nordeuropa das kastenfen-
einen ähnlichen umgang mit dem fenster als gestaltungs- ster (siehe begriffsbestimmungen). allerdings war bei diesem
3 a. loos, sämtliche schriften, 1. band, herausgeber, f. glück, wien, 1962
fenster der äußere flügel nach außen zu öffnen. da dies in
4 ausstellungskatalog, adolf loos, albertina, wien, 1989, s. 187

3 a. loos, sämtliche schriften, 1. band, herausgeber, f. glück, wien, 1962


4 ausstellungskatalog, adolf loos, albertina, wien, 1989, s. 187

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mitteleuropa als unpraktisch empfunden wurde, entwickelte steme ermöglicht.5


sich dort etwa zur selben zeit das rahmenpfostenfenster.
da aber bei dieser fensterart wie beim kastenfenster die luft
zwischen den beiden fensterebenen, bedingt durch den re- entwicklung von glas und verglasung
lativ großen abstand, zirkulieren kann, kommt es zu einem glas als ein gemisch aus sand, soda, pottasche und kalk,
starken wärmeaustausch zwischen innen und außen. das auf eine temperatur von 1.000 - 1.400°c erhitzt werden
mußte, war zwar für die herstellung von ziergegenstän-
in dem bestreben, den abstand zwischen den beiden fen- den bereits 2.000 - 3.000 jahre vor unserer zeitrechnung
sterscheiben zu minimieren, entwickelte sich das verbund- im ägyptischen reich bekannt, als verschluß für mauer-
fenster. es stellte eine wesentliche verbesserung der dämm- öffnungen entdeckten es aber erst die römer. sie stellten
werte dar und wurde vor allem in den 60er jahren unseres scheiben von etwa 30 x 50 cm und 2 - 5 mm dicke mit
jahrhunderts vielfach angewendet. grünlicher oder bläulicher färbung im gußverfahren her,
die sie entweder direkt in die steinumrahmung versetzten
doch erst mit der entwicklung des isolierglases konnte oder zuvor in metallrahmen einkitteten.6
man zu einfachfenstern zurückkehren. so wurde dadurch
die herstellung wirtschaftlicher und effizienter fenstersy- 5 brandstätter c., tore, fenster, giebel, bildzeugnisse österreichischer kult

6 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 10 ff.

abb.15+16 flachglasherstellung ab dem 14. jh., mondglas zum transport verpackt + abb.17 prinsengracht in amsterdam, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontextdes
mondglasmacher, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des arch. entwerfens, arch entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 12
birkhäuser basel, boston, berlin, 1991,s. 12+24 abb.18+19 fenstertypen des 16. u. 17. jh., ronner h., öffnungen, baukonstruktionen imkon-
text des arch entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991

15 16

17 18 + 19

5 brandstätter c., tore, fenster, giebel, bildzeugnisse österreichischer kultur


6 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 10 ff.

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20 21

abb.20 geschäftsauslagen, london, 1829, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen imkon- abb.21 crystal palace, london, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext
text des architektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991,s. 16 desarchitektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 16

die römer hatten neben der sehr teuren und aufwendigen wie vor schlechten qualität und seines gleichzeitig hohen
methode des verglasens noch eine billigere methode ent- preises keine wesentlichen vorteile gegenüber dem da-
wickelt, um den konträren anforderungen möglichst ge- mals immer noch gebräuchlichen fensterleinen, dem statt
recht zu werden. dabei wurden leinwände (vellum) auf dessen verwendeten pergament, oder den außerdem üb-
holzrahmen aufgespannt und mit terpentinöl eingelassen. lichen tierhäuten. dadurch wurde zum beispiel an der zür-
dies gewährleistete eine gewisse transluzenz und gleich- cher ratstube das fensterleinen erst ab 1504 durch glas
zeitig eine gewisse winddichtheit. ersetzt.

war diese technik im damaligen rom bereits standard für in der gotik erfand man schließlich ein neuartiges system
bescheiden ausgeführte bürgerhäuser, so fand in den fol- zur flachglasherstellung, das sogenannte zylinderstreck-
genden jahrhunderten keine wesentliche technologische verfahren, das sich bis zum ende des 19. jahrhunderts
entwicklung statt. noch im 16. jahrhundert war diese tech- unter ständiger weiterentwick-lung bewähren sollte. dabei
nik in paris überaus gebräuchlich. wurde ein glaszylinder geblasen, der dann, nachdem er
bedingt durch die völkerwanderung im 5. jahrhundert und von boden und hals getrennt worden war, der länge nach
dem damit verbundenen untergang des weströmischen aufgeschnitten und auf einer ebenen unterlage ausgerollt
reiches, erlitt auch die kulturelle entwicklung in zentraleu- und geglättet wurde. (abb. 15)
ropa einen schweren rückschlag. dadurch geriet die glas-
herstellung in unseren breiten fast völlig in vergessenheit zeitlich nach dem zylinderstreckverfahren (etwa um 1400)
und so wurden glasscheiben als aufwendig hergestellte wurde in frankreich das mondglasverfahren erfunden. da-
butzenscheiben (dabei verband man kleine gläser mit hil- bei wurde die erhitzte glasmasse mit hilfe eines langen
fe von bleiprofilen in h-form zu großen scheiben) bis ins stabes zu einer runden scheibe geschleudert, welche
zeitalter der gotik fast ausschließlich an kirchen und herr- nach dem erkalten zu einer rautenförmigen scheibe ge-
scherhäusern verwendet. schnitten wurde. aufgrund der aufwendigen weiterverar-
beitung, hielt sich diese technik aber nur bis ins frühe 18.
in diesem zeitraum fand die kunst des glasmachens vor jahrhundert.7 (abb. 16)
allem durch die mönche des benediktinerordens europa-
weite verbreitung. zu beginn der neuzeit kam es europaweit mit der allmäh-
lichen religiösen emanzipation und der dadurch bedingten
1328 bildete sich schließlich in london die erste glaser- ausbreitung der geld- und marktwirtschaft zu einem wirt-
zunft. doch bot das damalige glas aufgrund seiner nach schaftlichen aufschwung, der die lebenshaltung des einzel-
7 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 10 ff., 11ff.

7 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 10 ff., 11ff.

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vo 09 öffnungen

nen stark beeinflußte. es entwickelte sich der sogenannte flügel getrennt war. die unteren drehflügel konnten nach
geldadel, der es dem angestammten adel gleichtun wollte innen oder nach außen schlagen, die obere parte konnte
und so verdrängte das begehrenswerte glas allmählich gekippt oder geklappt werden. (abb. 18+19)
das als ärmlich und wenig komfortabel geltende leinen in nordeuropa war es üblich, daß drehflügel nach außen
von den fenstern. es setzte ein trend zu immer reicherer schlagen, sodaß der flügel bei winddruck und schlagre-
befensterung der gebäude und zu immer größeren fen- gen an den stock gepreßt wurde und dadurch zusätzlich
sterflächen ein, dem nur durch den damaligen stand der abdichtete. abgesehen davon konnte das wasser unge-
technologie grenzen gesetzt waren. (abb. 17) hindert an der außenseite abrinnen ohne in den falz zu
dringen. dafür mußten die nach außen offenstehenden
bedingt durch diese große nachfrage kam es in der fen- fenster gegen den wind fixiert werden und wurden bei re-
sterherstellung zu einem großen entwicklungsschub und gen naß, was bei den damaligen holzfenstern kein unwe-
es entstanden im 16. und 17. jahrhundert eine vielzahl von sentlicher nachteil war.
verschiedenen fenstertypen. ausgehend von frankreich
entwickelte sich zum beispiel das sog. fenêtre croisée, in mitteleuropa war es im gegensatz dazu selbstverständ-
bestehend aus einem zweiflügeligen unteren fenster, das lich, daß drehflügel nach innen schlugen. dadurch bean-
durch einen horizontalen kämpfer vom kleineren oberen spruchten sie zwar bewegungsraum im fensterbereich,

abb.22 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischenentwer- abb.25 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s.269
fens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 18 abb.26+27 entwicklung der glasherstellung ab 1900, ronner h., öffnungen,baukonstruktio
abb.23+24 villa savoye, poissy und abb. 24 umbau des hauses church, ville-d’array, le nen im kontext des architektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel,boston, berlin,
corbusier, besset m., le corbusier, skira wasmuthverlag, 1987, s. 209 1991, s. 24

22 23 24

25 26 + 27

169
vo 09 öffnungen

28 29

abb.28-29 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990,
s.265 + 264

wurden andererseits aber nicht naß und konnten leicht 3 - 4geschoßig gebaut werden konnte.9
gereinigt werden.8
anfang des 18. jahrhunderts begannen die geschäfte in im letzten viertel des 19. jahrhunderts entwickelte sich in
paris und london - bedingt durch das ständig wachsende amerika, vor allem durch die schule von chicago, eine ar-
angebot an luxusartikeln - ihre waren verstärkt den kun- chitektur der großstadt und somit der ersten hochhäuser
den zu präsentieren, was große auslagenfenster notwen- (abb. 22). basierend auf dem noch jungen stahlskelettbau
dig machte. um 1834 enstand am londoner ludgate hill wurde dabei die fassade als fläche ihrer statischen trag-
ein geschäft mit einer für damalige verhältnisse revolutio- wirkung zunehmend entbunden. pfeiler aus stahlprofilen
nären glasfront, die sich über zwei stockwerke zog. (abb. übernahmen diese, und so wurde die fassade konstruktiv
20) freigespielt. sie wurde immer weiter geöffnet und verglast.
hier wurde der grundstein gelegt für die entwicklung der
1851 wurde anläßlich der weltausstellung in london der sogenannten curtain walls (vorhangfassade), bei der die
kristallpalast von j. paxton und dem bauunternehmer fox tragenden stützen nicht mehr in der fassadenebene, son-
errichtet (abb. 21). nachdem zuvor das zylinderstreckver- dern dahinter liegen. dadurch wurde es möglich fassaden
fahren wesentlich verbessert worden war, konnten paxton durchgehend zu verglasen, wie uns das bei amerika-
und fox ein scheibenformat von 126 cm x ca. 26 cm ver- nischen hochhäusern heute selbstverständlich ist.10
wenden. sie verbauten in knapp 6 monaten die damals
unvorstellbare fläche von 84.000 m2 glas, was in etwa le corbusier entwickelte diesen gedanken in den 20er
einem drittel der englischen glasproduktion entsprach. jahren unseres jahrhunderts weiter. gemeinsam mit pier-
re jeanneret schreibt er in den 5 punkten zu einer neu-
mit der industriellen revolution und dem damit verbun- en architektur über stützen: „an stelle der früheren fun-
denen ausbau des eisenbahn- und kanalnetzes wurde damente, auf welchen das gebäude ohne rechnerische
das glas in der herstellung wesentlich billiger und ließ sich kontrolle ruhte, treten einzelfundamente und an stelle der
leicht und schnell transportieren. dadurch wiederum stieg mauern einzelne stützen. diese stützen ordnen sich in
der absatz rapide an, was eine intensive entwicklung in bestimmten gleichen abständen an, ohne dabei auf die
technik und fertigung bedingte. die entwicklung des ge- innere anordnung des hauses rücksicht zu nehmen. sie
drehten stahlseiles ermöglichte 1857 die erfindung des steigen unmittelbar vom boden auf und heben das erdge-
safety elevators. dadurch kam es vor allem in den usa zu schoß empor.“ weiter schreibt er: „das fenster reicht von
einem enormen bauboom, da nun endlich auch höher als stütze zu stütze, es wird somit zum langfenster. das ge-
9 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 13 ff., 16 ff.

8 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 13 ff. 10 h. amanshauser, untersuchungen zu den schriften von adolf loos, vwgö, wien, 1985, s.191

8 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens, 9 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 13 ff. birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 13 ff., 16 ff.
10 h. amanshauser, untersuchungen zu den schriften von adolf loos, vwgö, wien, 1985,
s.191
170
vo 09 öffnungen

stelzte hochfenster verschwindet dadurch und ebenso die file in metall nachgeformt. durch eine rasante entwicklung
unangenehmen fensterpfosten und pfeiler. experimentelle in der holzbearbeitung, konnte das holzfenster aber im
versuche haben ergeben, daß ein so beleuchteter raum preis-leistungsverhältnis mithalten.
achtmal stärkere beleuchtungsintensität aufweist als der-
selbe mit hochfenster und gleicher fensterfläche. die ge- mit der entwicklung neuer technologien in der glasherstel-
samte geschichte der architektur dreht sich ausschließlich lung (walz- und zugverfahren) zu beginn dieses jahrhun-
um die raumöffnungen.“ über die freie fassadengestaltung derts wurde ein weiterer technologiesprung vollzogen. die
schreibt corbusier: „dadurch daß man den fußboden über qualität des erzeugten glases, und in der folge der fenster,
die tragpfosten hinauskragt, rückt man die ganze fassade konnte dadurch wesentlich verbessert werden.
über die tragkonstruktion hinaus. sie verliert so ihre tra- nach ende des ersten weltkrieges erfuhr die produktion
gende eigenschaft, und die fenster können in beliebiger des metallfensters einen enormen aufschwung. durch
länge weitergeführt werden, ohne direkte beziehung zur die forcierung der rüstungsindustrie während des krieges
inneren einteilung.“11 (abb. 23+24) hatte sich in der metallverarbeitung ein großes know-how
und potential gebildet, das mit ende des krieges freige-
um eine billige massenfertigung der für den hochhausbau setzt wurde. so fanden vermehrt metallröhren- und stan-
benötigten fenster zu ermöglichen, wurden die holzpro- genprofile nun auch in der europäischen fensterfertigung
11 u. conrads et. al., programme und manifeste zur architektur, verlag ullstein gmbh,frankfurt/
m., berlin, 1964

abb.30-31 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, abb.32-34verglasungsdetails
s.265 + 264

30

31 32 - 34

11 u. conrads et. al., programme und manifeste zur architektur, verlag ullstein bh,frankfurt/
m., berlin, 1964

171
vo 09 öffnungen

35 36 + 37

abb.35 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s.274 abb.36+37 dichtungsarten

verwendung, ohne daß allerdings, das dabei auftretende her - als fensterscheiben von vornherein keine perfekte
problem der wärmeleitung des metalles, die dadurch ent- durchsicht boten - nicht weiter auf- fällig, wenn diese
stehende kältebrücke, zufriedenstellend gelöst werden verschmiert oder staubig waren, so sind schlieren auf
konnte. dadurch konnte sich holz im vergleich zu dem in heutigen scheiben sofort zu bemerken und lassen uns
der herstellung billigen und unproblematischen metall in schnell zu putzlappen und reinigungsmitteln greifen. man
der fensterherstellung immer noch behaupten. könnte von einer „diktatur des putzlappens“ sprechen,
die, als ein auswuchs unseres strebens nach perfektion,
um 1950 wurde in der glasherstellung - mit der entwick- der oberflächlichkeit in unserem leben, dem wunsch nach
lung des float verfahrens - der derzeit letzte große ent- perfektem äußeren schein, vorschub leistet.
wicklungssprung gemacht. dabei wird die glasschmelze
mit ca. 1.000°c über ein flüssiges zinnbad geleitet. das wie auch immer, die technologie in der fensterherstellung
flüssige glas schwimmt auf dem ideal ebenen metall. am ist jedenfalls derzeit schon auf einem stand, der trotz en-
ende des zinnbades tritt das glasband mit einer tempe- ormer baurechtlicher auflagen dem planer und architekten
ratur von ca. 600°c aus und gelangt in einen kühltunnel. große gestalterische freiheiten einräumt.
nach dem erkalten erfolgt der zuschnitt in die gewünsch-
ten größen. der vorteil des floatverfahrens liegt im errei- 9.3 stand der technik
chen eines absolut planparallelen glases.12 (abb. 26+27)
9.3.1 grundelemente eines fensters
dieses herstellungsverfahren ermöglichte in der folge die die maße sind von der raumgröße, raumbelichtung, kon-
kostengünstige und wirtschaftliche herstellung des isolier- struktionsart und der architektonischen anforderung ab-
glases. dabei werden zwei oder mehrere glasscheiben - hängig.
durch einen entfeuchteten und evakuierten zwischenraum der lichteinfall bei aufenthaltsräumen soll mindestens ein
getrennt - miteinander verbunden. dadurch wird eine we- zehntel und bei untergeordneten räumen ein fünftel der
sentliche verbesserung der wärmedämmung erreicht, wo- bodenfläche betragen. bei einer raumtiefe von mehr als
bei bei modernen hochleistungsfenstern ein k-wert von 5 m müssen zusätzliche fensterflächen vorgesehen wer-
bis zu 1,3 erreicht werden kann. den.

andererseits steigert sich durch die immer perfekteren, blindstock


glatteren oberflächen das bewußtsein für und die abnei- dies ist ein rahmen, der unter bzw. vor dem stock ver-
gung gegen verschmutzungen dieser flächen. war es frü- setzt wird. er dient zur vermeidung von beschädigungen
12 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,
birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 24 ff.

12 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 24 ff.

172
vo 09 öffnungen

des stockes durch andere handwerker und verhindert das maß des flügels (abb. 29).
eindringen von baufeuchtigkeit in den eigentlichen stock- architekturlichte
rahmen. (abb. 25) man spricht von architekturlichte und meint dabei die nenn-
weite der freien außenwandfläche, die als öffnung noch un-
stock abhängig von einem fenster, zur verfügung steht. (abb. 30)
der stockrahmen ist jener teil, der fix mit dem angren-
zenden mauerwerk verbunden wird. das stockaußenmaß rohbaulichte
muß kleiner berechnet werden, als das der mauerlichte, sie beschreibt hingegen jene weite, die unverkleidet und un-
um einen exakten einbau zu ermöglichen. (abb. 28) verputzt die öffnungsgröße darstellt. die rohbaulichte (oder
mauerlichte) ist wichtig für den einbau des zukünftigen fen-
flügel sters. die fenstergröße muß auf jeden fall geringer sein als
der flügel ist der bewegliche teil des fensters, er wird mit- das rohbaumaß. dieses außenmaß des fensters wird als
tels bändern und scharnieren (je nach öffnungsart in ver- stockaußenmaß bezeichnet. bauungenauigkeiten - die von
schiedener ausführung) am stock beweglich verankert. der önorm als maßtoleranzen ± 1 cm akzeptiert werden und
das flügelmaß leitet sich indirekt vom stockmaß ab. je ein etwaiges einbauspiel ergeben - bilden somit das maxi-
nach ausbildung und anzahl der stockfalze ergibt sich das male fensteraußenmaß (-stockaußenmaß) oder bei vorhan-

abb.38 wetterschenkel aus holz, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag,1. abb.40 fensterbeschläge, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1.aufl.,
aufl., wien, 1990 wien, 1990, s. 279
abb.39 regenschutzschienen, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag,
1.aufl., wien, 1990, s. 275

38 82 + 83

39 40

173
vo 09 öffnungen

41 42

abb.41 plandarstellungssymbolik der öffnungsarten, fensterbeschläge, f. breis, e. drabek,et abb.42 anforderungen an fenster, e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen,
al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990 bauschadensverhütung im wohnungsbau, band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl.,
wiesbaden,berlin, 1989, s. 15

denem stockaußenmaß die minimale holzbaulichte. fensterverglasungen (z. b. bei kastenfenstern) wurde die
glasscheibe in den außenliegenden falz mit leinölkitt einge-
stocklichte legt. dieser leinölkitt versprödet und trocknet durch wech-
ist abhängig von der fensterkonstruktion und dem stock- selnde witterungseinflüsse wie regen, schnee und sonne
querschnitt und gibt die freie öffnung bei geöffnetem fenster aus, er wird brüchig und das wasser kann in den falzgrund
an. (abb. 31) eindringen. das bedeutet eine zerstörung der konstruktion.
auch außenliegende glasleisten waren ungünstig. dadurch,
glaslichte daß sie der witterung ausgesetzt werden, arbeitet (quillt und
die glaslichte hingegen spiegelt die freie glasfläche und den schwindet) das holz mehr und neigt zum verziehen, wo-
eigentlichen lichteinfall wider. sie wird z. b. in der steiermär- durch sie undicht wurden. durch die heutige technologische
kischen bauordnung auch als 1/10 der fußbodenfläche bei entwicklung sind aber bereits dichte verglasungen möglich,
aufenthaltsräumen angegeben, nicht wie in der wiener bau- durch versiegelungen, vorlegebänder, verklotzung und vor-
ordnung die architekturlichte als richtmaß für die wahl der gesehene entlüftungsnuten. (abb. 32-34)
fenstergröße herangezogen wird - was vielleicht vernünf-
tiger wäre. denn durch die herstellungstype des fensters dichtungsebene
kann noch keine aussage darüber getroffen werden, wieviel sie ist jene ebene, in der die dichtung rund um einen rah-
ein fenster wirklich belichtet. so finden wir des öfteren fen- men angebracht wird. sie darf nicht unterbrochen werden,
ster vor, die aufgrund eines stark überhöhten stock- bzw. flü- da sonst die wirksamkeit einer dichtung verlorengeht. man
gelquerschnittes eine im verhältnis zur architekturlichte eher unterscheidet zwischen flügel- und stockdichtung. bei einer
geringe glaslichte (ausschlaggebend für den eigentlichen flügeldichtung wird die dichtung in einem falz im flügel ein-
lichteinfall) aufweisen. dies kommt daher, daß fensterher- gesetzt. bei der stockdichtung erfolgt dies analog. bei hoch-
steller von der wc- bis zur terassenfenstertür den selben entwickelten fenstertypen werden stock- und flügeldichtung
fräseinsatz benutzen und dadurch gleiche querschnitte er- kombiniert, d. h. das fenster besitzt zwei dichtungsebenen.
zeugen. (abb. 31) dichtungen haben weiters die aufgabe, werkstoff- und verar-
beitungstoleranzen auszugleichen. beim einbau von stock-
fensterverglasung dichtungen müssen die dichtungsprofile um 10 % länger
die fensterscheibe wird mit einer glasleiste und entspre- zugeschnitten werden (gestauchte verarbeitung), damit sie
chender abdichtung am flügel eingesetzt. folgende vergla- bei kälteeinwirkung nicht aus den ecken herausgehen (abb.
sungen sind heute üblich: isolier-, sicherheits-, einschei- 35-37).
ben- und/oder mehrscheibenverglasung. bei früheren regenschutzschiene/wetterschenkel

174
vo 09 öffnungen

sie bilden die abdichtung am unteren anschlag eines fen- nungsarten gegeben. beschläge bestehen aus scharnieren,
sters gegen das eindringen von feuchtigkeit und wasser. schließbeschlägen, scheren, griffoliven (dienen zum öffnen
der wetterschenkel aus holz wird heute nicht mehr herge- des fensters), etc. (abb. 40)
stellt, da er (wie die glasleiste im außenfalz) der witterung
ausgesetzt ist und mit der zeit feuchtigkeit durchläßt. die re- symbolik/öffnungsarten:
genschutzschiene besteht meistens aus aluminiumprofilen, die verschiedenen öffnungsarten sind durch die vielfalt der
die auch noch zur entwässerung des falzbereiches dienen. fensterbeschläge möglich. diese palette reicht von ein-
sie werden an den stock verschraubt und seitlich mit pla- fachen dreh- und kippenbeschlägen bis zu komplizierten
stischen endkappen oder dauerelastischem kitt abgedichtet. schiebefenstern und hebeschiebefenstern. beim drehflügel
(abb. 38+39) unterscheidet man linke und rechte fenster. sind die bänder
auf der linken seite angeschlagen, spricht man von einem
linken fenster. (abb. 41)
aufgaben und anforderungen (abb. 42):
beschläge die aufgaben und anforderungen, die an fenster und türen
sie ermöglichen das öffnen und schließen des fensters. gestellt werden, sind sehr hoch. zu diesen gehören bei-
durch die vielfalt der beschläge sind die verschiedensten öff- spielsweise

abb.43+44 bilderrahmen, f. breis, e. drabek,et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., abb.48 leistenpfostenstockfenster, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag,
wien, 1990 1. aufl., wien, 1990
bb.46+47 pfostenstockfenster mit aufgesetztem wetterschenkel, f. breis, e. drabek, et abb.49 rahmenpfostenstockfenster, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2,bohmannverlag,
al.,der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990 1. aufl., wien, 1990, s. 305

43 + 44 45 46

47 48 49

175
vo 09 öffnungen

50 51 52

abb.50 b rahmenpfostenstockfenster, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2,bohmannver- abb.51+52 rahmenfenster-querschnitte, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-
lag, 1. aufl., wien, 1990, s. 305 verlag, 1. aufl., wien, 1990, s. 268/270

· witterungsschutz
· schlagregendichtheit schallschutzklassen
· schallschutz die ausführung der verglasung, anzahl der dichtungen
· einbruchschutz und die gewählte fensterkonstruktion bestimmen die er-
· lichteinfall reichbaren schallschutzklassen. diese erstrecken sich
· wärmeschutz von klasse 0 (mit einem dämmaß bis zu 24 db, undichte
· belüftung ausführung) bis zur klasse 6 (mehr als 50 db schalldäm-
· bedienungskomfort maß, kastenfenster mit getrenntem stock, dichtungen und
isolierverglasung).
witterungsschutz und schlagregendichtheit
hier wird gemeint, daß das außenliegende material vor wärmeschutz
witterungseinflüssen (vor allem wasser) geschützt wird. für den wärmeschutz sind sowohl die transmissions-wär-
dies erfolgt hauptsächlich durch den konstruktiven und meverluste (wärmeabgabe von wärmeren zu kälteren luft-
chemischen holzschutz. zu den kriterien für schlagre- bereichen) als auch die lüftungswärmeverluste wesent-
gendichtheit gehören fugendichtheit, richtig bemessene lich. deshalb stellen fenster im vergleich zur außenhaut
und eingebaute regenschutzschiene und eine konstruktiv eine schwachstelle dar. daher sollen fenster eine größe
durchdachte wassernase. die gebäudehöhe und die wind- von 30 % der außenhaut nicht übersteigen. der k-wert
belastung verschärfen die anforderungskriterien.13 spielt bei fenstern eine große rolle.

schallschutz k-wert
unter schallschutz versteht man alle baulichen und kon- bei einem fenster spielt der k-wert eine bedeutende rolle.
struktiven maßnahmen, die das eindringen des schalles der wärmedurchgangskoeffizient gibt die wärmemenge in
(lärm) in einen bauteil reduzieren. der schalldämmwert watt (w) an, die durch 1 m2 eines bauteiles hindurchgeht,
eines fensters ist abhängig von verschiedenen faktoren wenn der temperaturunterschied zwischen innen- und au-
wie ßenluft 1°k (kelvin) beträgt.
· gewicht der verglasung, je kleiner der k-wert, desto besser ist die wärmedämmung
· abstand der glasscheiben, (isoliereffekt). der wert wird durch messen oder errechnen
· randeinspannung der glasscheiben, ermittelt. die mindestanforderung an fenster beträgt 2,5
· fugenausbildung und w/m2k, durch den technischen fortschritt können bereits
· ausbildung des anschlusses stock an mauerwerk. werte bis zu 1,3 w/m2k erreicht werden.
13 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,band
5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

13 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im


wohnungsbau,band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

176
vo 09 öffnungen

a-wert rahmenfenster
unter dem a-wert versteht man die fugendurchlässigkeit, als weiterentwicklung des „bilderrahmens“ (abb. 43) zu
durch die der wärmeverlust durch fugen, fälze und mauer- einem einfachen stock, an dem ein flügel beweglich be-
anschlüsse verursacht wird. festigt wird, gab es die rahmenfenster (abb. 44+45). die
er gibt die luftmenge in m3/h an, die bei einem druckunter- konstruktionen sahen eine öffnungsrichtung nach außen
schied von 10 n durch eine fuge von 1 m länge strömt. je vor. beim öffnen des fensters nach außen treten aber fol-
kleiner der a-wert ist, desto dichter sind die fugen. er kann gende probleme auf
durch den einbau von dichtungen und qualitativ hochwer- · im erdgeschoß können vorbeigehende personen verletzt
tiger ausführung erheblich gesenkt werden.14 werden,
· reinigung wird erschwert,
a) fensterstockkonstruktionen: · eine feststelleinrichtung ist notwendig und
bilderrahmen · außerdem sind die flügel der windangriffsfläche ausge-
anfangs waren fensteröffnungen ähnlich wie bilderrah- setzt.
men. dies ergab eine sehr einfache form.
später wurden die flügel nach innen gesetzt. dies ergibt
e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,band
5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

abb.53 verbundfenster, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. abb.55-57 stumpfes und überfälztes türblatt, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2,boh-
aufl.,wien, 1990 mannverlag,1. aufl., wien, 1990, s. 204
\abb.54 breiten- und höhenmaße, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-ver-
lag,1. aufl., wien, 1990

54

53

55 56 + 57

14 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im


wohnungsbau,band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

177
vo 09 öffnungen

58 59

abb.58 falzausbildung: (a) falztiefe, (b) falzbreite, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, abb.59 plandarstellungssymbolik von türöffnungsarten, f. breis, e. drabek, et al., dertischler
bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s. 206

eine dichtheit am oberen anschlag, jedoch braucht der un-


tere anschlag eine zusätzliche maßnahme, um das was- rahmenpfostenstock (abb. 49+50)
ser abzuhalten, nämlich den wetterschenkel. hierbei handelt es sich um eine kombination aus dem ein-
fachen rahmenstock und dem pfostenstock. der äußere
pfostenstock (abb. 46+47) rahmen am oberen anschlag hat zugleich eine wasserna-
vier pfosten werden zu einem rechteck zusammengear- se ausgebildet. da der flügel innen sitzt, muß am unteren
beitet. das fenster sitzt eben in der fassade. der pfosten anschlag ein wetterschenkel angebracht werden.
beschreibt die tiefe der laibung. an beiden seiten werden
deckleisten angebracht, die versetzt angeordnet zum heutiges rahmenfenster (abb. 51+52)
pfostenstock einen falz ergeben, in den der fensterflügel diese fenster sind technisch sehr ausgereift. die entwick-
einschlägt. das eigentliche pfostenstockfenster besitzt nur lung erfolgte hauptsächlich in den letzten 30 - 40 jahren.
einen fensterflügel, der nach außen schlägt. durch eine angefangen von einfachfälzen hin zu doppelfälzen, eine
notwendige wärmedämmung, die bei einem flügel nicht dichtung hin zu zwei dichtungen, maueranschlüsse, ver-
gegeben ist, wurde an der innenseite angebracht, die glasungsarten (isolier- und wärmedämmverglasung) und
nach innen zu öffnen ist. da der außenflügel nach außen dimensionsstärken, gab es viele weiterentwicklungen.
schlägt, ist es notwendig am oberen anschlag zusätzlich
einen wetterschenkel mit wassernase anzubringen.

leistenpfostenstock (abb. 48) b) flügelrahmenkonstruktionen:


durch eine besondere behandlung des äußeren anschlags einfachfenster
kann auch der außenflügel nach innen geöffnet werden. das einfachfenster wird aus einem stockrahmen und
diese falzausbildung wird auch „geißfuß“ oder „quetsch- einem einfachen flügelrahmen mit einfach- oder isolier-
falz“ genannt. es wird die reinigung des außenflügels er- verglasung aufgebaut.
leichtert und auch feststelleinrichtungen sind nicht mehr
notwendig. da der außenflügel auch nach innen schlägt verbundfenster (abb. 53)
muß er kleiner ausgeführt werden als der innenflügel. die hintereinander angeordneten fensterflügel sitzen in
durch die öffnungsmöglichkeit beider flügel nach innen einem einfachen stockrahmen oder in einem distanzver-
wird es ermöglicht, die konstruktion in einen mauerfalz zu bundstock. der außenflügel ist am innenflügel befestigt,
setzten. dadurch wird der äußere flügel gleichzeitig vor der innenflügel wird am stock angeschlagen, die fenster-
der witterung geschützt. flügel sind durch verbundbeschläge miteinander verbun-

178
vo 09 öffnungen

den und besitzen einen gemeinsamen drehpunkt. wind, feuchte) bewirkt.

9.3.2 grundelemente einer tür man unterscheidet folgende arten von türblättern:
türblatt (abb. 54-57) · lattentüren
es wird mit bändern am stock befestigt und kann in den sie bestehen aus ungehobelten latten, die mit quer- und
verschiedensten variationen ausgeführt sein. es kann strebeleisten vernagelt werden.
stumpf oder gefälzt in den stock einschlagen werden. · brettertüren
beim stumpfen türblatt werden ungenauigkeiten in der durch die entwicklung der werkstoffbehandlung werden
ausführung zwischen türblatt und stock markant durch sie bereits aus gehobelten brettern mit eingegrateten
die augenscheinliche schattenfuge. durch die anordnung querbrettern vernagelt.
eines falzes würden diesbezügliche ungenauigkeiten ver- · vollbautüren
deckt. als innentüren entwickelten sich die sogenannten voll-
bautüren. sie bestehen aus mehreren zusammengelegten
fälzung und gehefteten leisten oder massivholzrahmen mit quer-
dies ist ein mehrfacher richtungswechsel der luftfuge, die friesen (hauptsächlich bei innentüren) .
eine zusätzliche abdichtung gegen außen hin (witterung, · rahmentüren

abb.60-62 f. breis, e. drabek,et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl.,wien, 1990, s. abb.63+64 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien,1990, s.
207 208

60 61 62

63 64

179
vo 09 öffnungen

65 66 67

abb.65 stahlzarge, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., abb.66-70 stahlzargen, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext
wien,1990, s. 209 desarchitektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 94

rahmentüren sind türblätter aus massivholzrahmen mit die drehflügeltür ist die konventionellste und eigentlichste
füllungen. sie werden als außentüren, hauseingänge usw. öffnungsart.
eingesetzt. die füllungen können aus verschiedenen plat- drehtür
tenwerkstoffen, aus massivholz oder glas sein. diese art die drehtür wird gerne als ersatz für einen windfang ein-
von türen ist für eingangstüren geeignet. gesetzt, da - ohne zwei türen hintereinander öffnen zu
mit den steigenden anforderungen an die dichtheit, kam müssen - ein eigenes abgeschlossenes raumvolumen
es zur entwicklung des falzes (abb. 58). dieser wurde auf entsteht, welches einen zuglosen übergang zwischen
den fensterflügel bzw. die tür händisch aufgehobelt. heute innen- und außenraum erlaubt. diese türart ist nicht als
wird dieser im zuge der maschinellen fertigung aufgefräst. fluchttür zugelassen und aus diesem grunde bei uns leider
die falzausbildung am stock pas-siert entweder ebenfalls zu unrecht zurückgedrängt worden. im amerikanischen
durch auffräsen oder durch aufdopplung. raum findet sie allerdings sehr häufige anwendung.

harmonikatür
beschläge die harmonikatür dient meist zur unterteilung von großen
die beschläge bestehen aus scharnieren, schließkästen räumen oder sälen. sie können auch schallhemmend mit
und türdrückern (beim türdrücker sollte darauf geachtet vertikal- und horizontaldichtungen ausgeführt werden.
werden, daß er neben der funktionalität auch gut in der
hand liegt). weiters kann man hier sonderformen anfüh- stockarten:
ren, wie z. b. panikbeschläge bei gesetzlichen fluchtwe- rahmenstock (abb. 60)
gen, wie sie bei öffentlichen einrichtungen erforderlich er besteht aus zwei senkrechten seitenteilen und dem obe-
sind. die ausführung kann in unterschiedlichen materi- ren waagrechten teil. unten wird als verbindung ein win-
alien und oberflächenbehandlungen erfolgen. kel- oder flacheisen verwendet. dieser rahmen ist nicht zu
verwechseln mit dem eines fensters, denn hier laufen die
öffnungsarten (abb. 59): rahmenfriese nicht rundum. diese art wird heute für haus-
auch bei den türen gibt es eine große anzahl von öff- türen verwendet. die entwicklung von rahmenstöcken bei
nungen. wir unterscheiden linke und rechte türen. bei ei- türen erfolgte ähnlich wie bei den fenstern. anfangs gab es
ner linken tür ist der anschlag der beschläge links. einfache rahmen, vergleichbar mit bilderrahmen, und mit
der zeit entwickelten sich die fälze, türblätter und maueran-
drehflügeltür schlüsse.

180
vo 09 öffnungen

öffnen der türen daher etwas unpraktisch ist. ähnlich des


pfostenstock (abb. 61) kastenfensters war durch die einführung von zwei türebe-
vier breite pfostenstücke werden als rahmen zusammenge- nen (in einer zeit ohne kunststoffquetschdichtungen) doch
arbeitet. er kann auch - wie der rahmenstock - unten mit eine gewisse winddichtheit gegeben.
einem winkel- oder flacheisen ausgesteift werden. als ab-
deckung der mauerfuge werden zier- und falzverkleidungen futterstock (abb. 63)
angebracht. verwendet werden sie als türstöcke für innen- der futterstock wird bei großen mauerdicken verwendet.
türen. der einbau erfolgt nach dem verputzen der wände. die futter-, zier- und falzverkleidungen decken die randab-
dies ist eine tischlermäßige konstruktion, wie sie auch heut- schlüsse und die türlaibung ab und bilden somit den falz
zutage hergestellt wird. für das türblatt. der futterstock ist eine hochentwickelte art
rahmenpfostenstock (abb. 62) eines türstockes, der auch eine dichtung eingearbeitet hat.
rahmen- und pfostenstock werden miteinander kombiniert. der blindstock wird vor dem verputzen eingebaut und da-
die anwendung erfolgt meistens bei doppeltüren. eine dop- nach kommt erst der futterstock darauf.
peltür hat zwei hintereinander liegende türblätter. doppel-
türen dieser art werden heute kaum bzw. nicht mehr an- holzzarge(abb. 64)
gewandt, da der abstand der türen relativ gering und das sie werden hauptsächlich als hausinnentüren eingesetzt.

abb.66-70 stahlzargen, ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext abb.73 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s.325
desarchitektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 94 abb.74 aluminiumfenster, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1.aufl.,
abb.71 einfachdrehkippfenster mit doppeldichtung und wien, 1990
zweischeibigerschallschutzisolierverglasung, önorm b5315, teil 2, profilnorm e4
abb.72 holzfensterquerschnitt

68 69 70

71 72 73 74

181
vo 09 öffnungen

75 76 77

abb.75-77 fugendichtheit und schlagregenschutz + wärem- und sonnenschutz + schall-


schutz, e.schild, r. oswald, et al., schwachstellen,bauschadensverhütung im wohnungsbau,
band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden,berlin, 1989, s. 18, 21, 22

sie können durch die anpassung der zierverkleidung unge- · anfällig für fäulnis und pilze
nauigkeiten ausgleichen. holzzargen werden im unterschied
zu stahlzargen erst nach abschluß der rohbauarbeiten ver- im allgemeinen kann man die nachteile des werkstoffes holz
setzt. zum einen durch konstruktionsmethoden und zum anderen
durch chemischen holzschutz ausgleichen
stahlzarge (abb. 65-70) konstruktiver holzschutz
metallprofile werden auf gehrung verschweißt und unten · richtiger einbau in das mauerwerk
werden die schenkel mit einer distanzschiene verbunden. · mauervorsprünge ausnützen
man unterscheidet zwischen eck- und umfassungszargen. · blindstöcke zur vermeidung von beschädigungen durch
stahlzargen sind im format genormt. unterschiede in der andere handwerker und eindringen von baufeuchtigkeit; der
planung und plandarstellung zu holz-zargen liegen bei- blindstock kann beim verputzen dazu verwendet werden,
spielsweise in der bemaßung (bei einer stahlzarge werden daß der putz eben zum blindstock angebracht wird
die achsmaße kotiert und die breite steht in die zeichnung) · richtige fugenausbildung zwischen rahmen und flügel
und in der herstellung (zuerst wird die stahlzarge fixiert und · regenwasser muß sicher nach außen abgeleitet werden
montiert, die innenwände werden danach gemauert). somit (wetterschenkel bzw. regenschutzschiene)
nimmt die stahlzarge im bauablauf eine wichtige rolle ein
und trägt zusätzlich zur aussteifung der angepaßten zwi- chemischer holzschutz
schenwände bei. · richtige pilz- und insektenvorbeugende grundierung mit fol-
gendem deckstrich (richtiges anbringen der lasuren)
· nachbehandlung ca. alle vier jahre15
9.3.3 fenstertypen / vor- und nachteile
holzfenster (abb. 71-72) kunststoffenster (abb. 73)
vorteile materialien für kunststoffenster sind pv-hart (problem bei
· preisgünstig der entsorgung und wiederverwertung), pv-kunststoffe und
· leicht bearbeitbar glasfaserverstärkte polyesterharze. ab einer bestimmten
· natürliches aussehen, material und wärme länge erhalten die profile metallarmierungen, um das ge-
· geringe wärmeleitung und -dehnung ringe e-modul auszugleichen. für fenster mit guter wär-
nachteile medämmung sind profile mit einem mehrkammeraufbau
· großer wartungsaufwand notwendig (die armierung erfolgt in der größten kammer).
· holz ist nicht dimensionsstabil (schwinden und quellen) kunststoffenster müssen an der oberfläche uv-beständige
15 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

15 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

182
vo 09 öffnungen

farbe erhalten, da sich sonst die farbtöne verändern und hier angeführt werden, z. b. zwei scheiben in verschie-
der kunststoff porös und dadurch zerstört wird. denen stärken, beschichtung des glases, gasfüllung des
vorteile glaszwischenraumes, richtige und fehlerfreie verarbeitung
· geringerer wartungsaufwand und einbau der glaselemente mit dem flügel. die verbin-
· geringere wärmeleitung dung der vorteile von verschiedenen materialien führt zu
· einfache bearbeitung kombinationen von z. b. holzfenstern in verbindung mit
nachteile aluminiumteilen (abb. 86)(holzkunststoffenster).
· geringer elastizitätsmodul (e-modul) und biegesteifigkeit vorteile
· metallverstärkungen sind notwendig · geringer wartungsaufwand
· große wärmedehnung (baukörper müssen meßdiffe- · großer e-modul und biegesteifigkeit
renzen aufnehmen können) nachteile
· große wärmeleitfähigkeit
aluminiumfenster (abb. 74) · hoher aufwand an energie für die entsorgung16
zur erreichung des schallschutzes und der wärmedäm-
mung sind allgemeine maßnahmen bei der verglasung a) schwachstellen bei fenster:
notwendig. isolier- und/oder wärmedämmverglasung kann es gibt in der konstruktion besondere schwachstellen, die
16 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

abb.78+79 konstruktiver holzschutz, e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, abb.80+81 leibung und schwelle, e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen,
bauschadensverhütung im wohnungsbau, band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., bauschadensverhütung im wohnungsbau, band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl.,
wiesbaden,berlin, 1989 wiesbaden,berlin,
1989, s. 80, 81

80

78 79

81

16 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

183
vo 09 öffnungen

82 83 84 85

abb.82+83 querschnitt, bodenanschluß einer schallschutztür bb.84 vertikaljalousien, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1.
aufl.,wien, 1990, s. 299
abb.85 rahmenladen mit jalousielamellen, f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2,bohmann-
verlag, 1. aufl., wien, 1990

durch heutige technologien behoben werden. es ist wich- dampfung der scheiben mit metallschichten wesentlich
tig, diese bereits in die planung miteinzubeziehen, da da- verbessern.
durch nachträgliche reparaturen (die meistens kostspie- · bei der planung von sonnenschutzmaßnahmen sollte der
lig und mühsam sind) von vornherein vermieden werden durch sonneneinstrahlung mögliche zusätzliche energie-
können. deshalb muß der planer wissen, wo und welche gewinn im winter berücksichtigt werden. verstellbare son-
arten von schwachstellen auftreten können. nenschutzvorrichtungen sind in dieser hinsicht günstiger
zu bewerten als sonnenschutzverglasungen.
folgende beispiele für die vermeidung von schwachstellen
können hier angeführt werden: schallschutz (abb. 77)
· die mindestwerte der luftschalldämmung müssen einge-
fugendichtigkeit und schlagregenschutz (abb. 75) halten werden.
· es sollten bereits die forderungen an den schlagregen- · der fensterflächenanteil an der außenwand ist möglichst
schutz und der fugendichtheit in der ausschreibung fest- klein zu halten.
gelegt werden. eine ermittlung der tatsächlichen windver- · der fugendurchgangskoeffizient (a-wert) sollte möglichst
hältnisse ist sinnvoll. klein sein.
· soll der luftaustausch über die falze des stock- und flü- · zwischenscheibenverglasungen sollten möglichst
gelrahmens erfolgen, so sollten die grenzwerte der fugen- schwer und mit unterschiedlichen scheibendicken, sowie
durchlässigkeit nicht wesentlich unterschritten werden. möglichst großen abstand ausgeführt werden (besonders
außerdem sind die werte des wärmeschutzes zu beach- gute werte erzielen gasgefüllte verglasungen).
ten. · die rahmen sollten den gleichen dämmwert wie die ver-
· dichtere anschlüsse (z. b. werden zusätzliche lüftungs- glasung aufweisen.
einrichtungen wegen der energieeinsparung oder des
schallschutzes benötigt). rolläden sind schwer und dicht abschließend herzustellen.
weiters sollten sie mit möglichst großem abstand vor der
wärme- und sonnenschutz (abb. 76) verglasung angeordnet werden.17
· fenster und fenstertüren sollten auf ihre notwendige zahl b) schwachstellen bei türen (abb. 78+79):
und größe beschränkt werden und einen möglichst gerin- ebenso bei türen - wie auch bei fenstern - werden ver-
gen wärmedurchgangskoeffizienten (k-wert) aufweisen. schiedene materialien und konstruktionsarten verwendet.
· die wärmedämmung von fenstern läßt sich durch füllung daher muß man bei türen genauso allfällige schwachstel-
des scheibenzwischenraumes mit gasen und/oder mit be- len berücksichtigen. hierbei muß angeführt werden, daß
17 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

17 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,


band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

184
vo 09 öffnungen

es wesentliche unterschiede zwischen haus- und innen- beanspruchung schützt. der wetterschenkel sollte auch
türen gibt (an haustüren werden strengere anforderungen eine wasserabreißnut eingearbeitet haben.
als an innentüren gestellt). haustüren werden in stärkeren anschluß an laibung und schwelle (abb. 80+81)
konstruktionen und qualitativ hochwertigerem material · zur besseren abdichtung sollte im unteren türbereich
ausgeführt. eine schwelle angeordnet werden (türschiene oder spe-
zialprofile). diese sollte so eingebaut werden, daß eine
türblatt einheitliche dichtungsebene mit der anschlagfläche des
· außentüren sollten durch bauliche maßnahmen vor wit- rahmens gebildet und das in den falzbereich eingedrun-
terungseinflüssen und den oft zu großen temperaturun- gene niederschlagswasser nach außen abgeleitet wird.
terschieden zwischen innen- und außenraum geschützt · ein übertreten von niederschlagswasser über die schwel-
werden, z. b. durch die anlage eines windfanges. lenaufkantung muß durch ein gefälle des äußeren boden-
· aufdoppelungen und aufdickungen sind so zu gestalten, belages oder durch gitterroste verhindert werden.18
daß auf dem türblatt anfallendes niederschlagswasser zu-
gig abgeführt wird (schräge kanten, nut nach oben). schallschutztüren (abb. 82+83)
· im unterten bereich sollte ein wetterschenkel vorgese- normale holztürblätter weisen für gehobene ansprüche ei-
hen werden, der die türschwelle vor übermäßiger wasser- nen zu niedrigen wert auf. eine erhöhte schalldämmung
18 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

abb.86+87 st. george’s school, wallasey, e. morgan, m. treberspurg, neues bauen mit
dersonne, springer-verlag, wien, new york, 1994, s. 184, 185

86

87

18 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,


band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

185
vo 09 öffnungen

88 89 90

abb.88-90 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990,
s.299

von türen kann durch folgende punkte erreicht werden: diese lamellen können aus massiven beweglichen teilen
· erhöhung des türblattgewichts außen an den fenstern bestehen. man kann sie je nach
· zweischalige ausführung des türblattes bei biegeweicher sonnenstand drehen und die direkte sonneneinstrahlung
oberfläche wird somit unterbrochen. le corbusier konstruierte bereits
· besondere dichtung bei anschlägen und türschwellen-be- solche sonnenbrecher aus stahlbeton, welche auch kon-
reichen struktiv mit in die architektonische gestaltung einbezogen
wurden.
brandschutztüren vertikallamellen werden auch im rauminneren verwendet.
brandschutztüren müssen selbständig (automatischer hier bestehen sie aus leichten materialien wie z. b. stoff
türschließer) in das schloß fallen und in fluchtrichtung zu und sind ebenfalls beweglich montiert.
öffnen sein (hier wird meist zusätzlich ein panikbeschlag
angebracht. man unterscheidet drei brandschutzklassen: fensterläden
t30, t60 und t90 der fensterladen ist der einfachste und solideste schutz
t30 ... brandhemmend (30 min. widerstand bei feuer) gegen sonneneinstrahlung, kälte, regen und einbruch. sie
t60 ... hoch brandhemmend (60 min. widerstand bei feu- können aber auch als wichtiges architektonisches ele-
er) ment gelten.
t90 ... brandbeständig (90 min. widerstand bei feuer) unter den verschiedenen konstruktionsarten unterschei-
det man:
sonnenschutzeinrichtungen: · brettladen mit gratleisten
vordächer · brettladen mit anfaßleisten
der sonnenschutz kann bereits teilweise mit mauervor- · rahmenladen mit jalousiebrettchen (abb. 85)
sprüngen und vordächern abgedeckt werden. · rahmenladen mit füllung
bei einem vordach wird die steileinfallende sonnenein- · rahmenladen mit isolierter ausführung
strahlung abgehalten. anstatt eines massiven vordaches
sind auch bewegliche lamellen möglich. der vorteil liegt
darin, daß keine direkte sonneneinstrahlung möglich ist, jalousien (abb. 86-88)
das licht jedoch ungehindert durchscheinen kann (kein jalousien sind in erster linie sonnenschutzeinrichtungen.
zusätzlicher schatten durch ein massives vordach).19 sie bestehen aus aluminiumlamellen, die durch spezielle
verbindungsbänder zusammengehalten werden. die ein-
vertikallamellen (abb. 84) brennlackierten lamellen gibt es in vielen farben.
19 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

19 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

186
vo 09 öffnungen

vorteile · sind im geöffneten zustand nicht dem wetter ausgesetzt,


· guter sonnenschutz und
· bequeme regelung von ausblick und lichteinfall · sie weisen auch einen guten einbruchschutz auf.
· möglichkeit händischer oder elektrischer bedienung rolläden bestehen aus einzelnen aneinander gehängten
nachteile profilstäben (holz, kunststoff, leichtmetall oder stahl). die
· bei außen angebrachten jalousien geräusche und auch verbindung der profile erfolgt mittels gurten oder draht-
eventuelle beschädigung bei starkem wind bzw. blechklammern. bei kunststoffprofilen wird die ver-
· sind die jalousien zwischen den scheiben montiert, geht bindung der einzelnen elemente durch eine profilgebung
etwas vom wärmeschutz verloren und auch ein teil der glas- erreicht. sie werden außen vor dem fensterstock in nut-
lichte (durch die konstruktion der jalousienaufhängung) schienen geführt und über dem fenster im rollokasten auf
einer holz- oder blechwalze aufgerollt.
rolläden
im gegensatz zu normalen fensterläden haben sie fol- die bedienung erfolgt über einen gurt mit gurtwalze und
gende vorteile: gurtroller. für den aufgerollten rollobalken ist oberhalb des
· sie sind vom raum aus bedienbar, fensters im sturz der rollokasten vorzusehen. im raumin-
· sind im geöffneten zustand unsichtbar, neren muß ein revisionsdeckel angebracht sein um nach-

abb.91 schwundmaße des holzes, e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, abb.92 zur holzauswahl bei fenstern, e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen,
bauschadensverhütung im wohnungsbau, band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., bauschadensverhütung im wohnungsbau, band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl.,
wiesbaden,berlin, 1989, s. 32 wiesbaden,berlin, 1989, s. 31

91 92

187
vo 09 öffnungen

93 94 95

abb.93+94 eckverbindungen, einbohren der beschläge, f. breis, e. drabek, et al., dertischler abb.95 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien,1990, s.
2, ohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s. 291 293 + 328

trägliche reparaturen zu ermöglichen. der einbau solcher erzeugt.20


elemente kann vor oder nach dem verputzen mit blend- der sonnenschutz wurde so eingebaut, daß man unter
mauerwerk oder verkleidungskonstruktionen erfolgen. den scheiben freie sicht auf die landschaft hat.21

raff- und faltrollo herstellung


das sind dekorationsrollos aus dekorstoffen. sie können a) fensterherstellung
in verschiedensten variationen und faltenlegungen aus- die fensterfertigung passiert heute industriell in sog. fen-
geführt werden. sterstraßen. die manuelle fertigung ist im vergleich dazu,
außer eventuell bei sonderanfertigungen, nicht mehr ren-
markisen tabel.
markisen sind vorspringende, mit beweglichen mechanis-
men versehene und mit stoff bespannte sonnenschutzvor- holzfenster
richtungen. verwendung finden in erster linie lärchen-, tannen-, und
kiefernholz - also einheimische nadelhölzer - aber auch
neue entwicklungen eichenholz als einheimisches laubholz. vor allem lärchen-
sonnenschutz ist auch durch besondere prägung des holz zeichnet sich aufgrund seiner natürlichen holzinhalt-
glases möglich, z. b. durch einfärben, beschichten oder stoffe durch eine gute schädlings- und pilzresistenz aus.
bedrucken der gläser. dazu im folgenden zwei beispiele. holz ist ein lebender werkstoff, und man muß bei seiner
st. george‘s school (abb. 89+90) in wallasey (liverpool) verarbeitung auf seine eigenheiten rücksicht nehmen.
von edward morgan (abb. 91)
die ca. 70 m lange und ca. 8 m hohe südfassade ist zur
gänze verglast und wirkt als ein einziger riesiger kollektor. wichtiges kriterium für die qualität des fensters ist die sorg-
die fläche besteht aus zwei verglasungsebenen, im ab- fältige holzauswahl (abb. 92). dabei ist darauf zu achten,
stand von ca. 60 cm. im luftraum befinden sich rollos. daß eventuelle holzfehler, also unregelmäßigkeiten im
das gebäude wurde nie mit einer zusatzheizung aus- wuchs, stellen mit pilzbefall, oder große äste sowie kern-
gestattet. die benötigte energie kann zu 50 % über die holz - diese stellen die wachstumszonen eines baumes
sonnenfenster und die inneren speichermassen gewon- dar und weisen daher erhöhte schwind- und quellmaße
nen werden. weitere 34 % der erforderlichen heizwärme auf - beim zuschnitt wegfallen. die feinjährigkeit des ver-
stammen aus der abwärme der beleuchtungskörper. die wendeten holzes, das heißt die jahresringe stehen eng
restlichen 16 % werden von den schülern als abwärme 20 m. treberspurg, neues bauen mit der sonne, springer-verlag, wien, new york, 1994

21 h. w. bobran, i. bobran-wittfoht, handbuch der bauphysik, verlag vieweg, 7. aufl., 1995

20 m. treberspurg, neues bauen mit der sonne, springer-verlag, wien, new york, 1994
21 h. w. bobran, i. bobran-wittfoht, handbuch der bauphysik, verlag vieweg, 7. aufl., 1995

188
vo 09 öffnungen

und regelmäßig, ist ein weiteres wichtiges qualitätskriteri-


um. die materialauswahl ist also, anders als bei anderen die eckverbindungen (abb. 93+94) werden beim holz-
fensterarten, entscheidend für die lebensdauer des fen- fenster zimmermannsmäßig hergestellt. dabei werden
sters.22 schlitzzapfenverbindungen aufgefräßt. danach erfolgt das
ein- bzw. auffräsen der dichtung bzw. der falze und pro-
file sowie das einbohren der bänder. nach dem anschlie-
heute werden holzquerschnitte verleimt. es kommt da- ßenden verleimen der einzelnen rahmenteile werden die
bei zu einem gegenseitigen absperren der einzelnen oberflächen geschliffen, um in verbindung mit der an-
holzschichten, und dadurch zu einer verminderung des schließenden lackierung, die in zwei oder drei schichten
schwindens und quellens. dafür ist wiederum möglichst aufgetragen wird, einen witterungsbeständigen abschluß
holz desselben baumes zu verwenden, da dieses annä- zu bilden. schließlich werden die beschläge montiert und
hernd gleiche eigenschaften aufweist. aus diesen ver- die dichtungen eingebaut und zuletzt das glas eingesetzt.
leimten querschnitten, den sogenannten fensterkanteln, dabei muß die glasscheibe, die gegenüber dem glasfalz
werden dann die rahmenfriese zugeschnitten und ausge- etwas kleiner ausgeführt ist, in dem flügelrahmen verklotzt
hobelt.23 werden (abb. 95). auf diese weise wird gewährleistet, daß
22 h. w. bobran, i. bobran-wittfoht, handbuch der bauphysik, verlag vieweg, 7. aufl., 1995
die drehbeschläge im späteren gebrauch nicht ungleich-
23 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

abb 97 kunststoffenster im mehrkammernsystem mit stahlrohrarmierung, f. breis, e.drabek, abb.99+100 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990,s.
et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990, s. 325 213 + 214
abb.98 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien,1990, s.293
+ 328

96 97 98

99 100

22 h. w. bobran, i. bobran-wittfoht, handbuch der bauphysik, verlag vieweg, 7. aufl., 1995 23 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

189
vo 09 öffnungen

101 102 103

abb.101+102 möglichkeiten des maueranschlusses, ronner h., öffnungen,baukonstruktio abb.103 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischenentwer-
nen im kontext des architektonischen entwerfens, birkhäuser-verlag, basel,boston, berlin, fens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 67
1991, s. 106

mäßig belastet werden, und das fenster zu hängen und zu sion geschützt.
klemmen beginnt.
anders als beim aluminiumfenster ist bei kunststoffenstern
alufenster (abb. 96) eine zusätzliche oberflächenbehandlung notwendig, um
grundelement bei der fertigung von alu-fenstern sind alu- die außenliegenden kunststoffteile gegen eine verfärbung
miniumstangenpreßprofile, die für verschiedene fenster- - bedingt durch uv-strahlung - zu schützen.
typen speziell hergestellt werden. verwendet wird dafür mischformen:
eine aluminium-silizium-legierung, die neben ihrer wit- holzaluminium fenster (abb. 98)
terungsbeständigkeit bei unsachgemäßem einbau pro- bei dieser technologie werden die vorteile des alufensters
bleme verursachen kann. an der außenseite (witterungsbeständig, pflegeleicht) mit
den vorzügen des holzfensters an der innenseite (gut wär-
die eckverbindungen werden im gegensatz zum holz- medämmend, wohnlich) gekoppelt. das holzfenster wird
fenster ingenieurmäßig hergestellt. das heißt die geh- als tragende konstruktion ausgeführt, die aluprofile die-
rungen (ablängung der rahmenteile unter 45°) werden nen als verkleidung.
geklebt oder speziell geschweißt und zusätzlich noch mit aufgrund der höchst unterschiedlichen dehnungskoeffi-
metallwinkeln im inneren ausgesteift. zienten der beiden materialien wird die alukonstruktion
beweglich am holzrahmen montiert, um die unterschied-
bei alufenstern ist keine oberflächenbehandlung notwen- lichen längenveränderungen auszugleichen.24
dig. um den nachteil der hohen wärmeleitfähigkeit auszu-
gleichen, werden aluminiumfenster im mehrkammernsy- aluminiumkunststoffenster
stem gefertigt, das ähnlich dem isolierglas auf dem prinzip wiederum sitzt das aluminiumprofil außen und ist thermisch
isolierender luftpolster beruht. von dem darunterliegenden pvc-hart-profil entkoppelt. die
verbindung erfolgt allerdings kraft- und formschlüssig. mit
kunststoffenster (abb. 97) diesem profilpaket werden gute dämmwerte (k-wert von
ähnlich wie bei den aluminiumfenstern werden hier vorge- 1,9) erzielt.
fertigte grundprofile auf gehrung geschnitten und verklebt
oder verschweißt. allerdings müssen die profile aufgrund b) türenherstellung
ihrer geringen steifigkeit ab einer gewissen länge mit me- türen werden - mit ausnahme von brandschutztüren - viel-
tallarmierungen versehen werden. dabei werden metall- fach aus holz bzw. holzwerkstoffen gefertigt. dabei unter-
profile in den kunststoff eingegossen und damit vor korro- scheidet man vor allem nach vollbautüren und rahmen-
24 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

24 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990

190
vo 09 öffnungen

türen. · lastübertragung vom umgebenden bauwerk auf das fen-


ster und die tür durch federnde stützen oder schiebbare
vollbautüren (abb. 99) verbindungsmittel verhindern.
in einen massivholzrahmen werden dämmaterialien wie · herunterfließendes wasser soll durch umlaufende dich-
kork, wellpappe, röhrenspanplatten oder hartschaum ein- tungsebenen am eindringen gehindert werden.
gelegt und dieser dann beiderseits mit decklagen verklei- · wärmeverlust durch kontinuität der wärmedämmung ver-
det werden. dafür verwendet man üblicherweise hartfa- mindern.
serplatten, sperrholz- oder schicht- stoffplatten. · schalldurchgang durch hohe flächengewichte und durch
entkoppelung mindern.
vollbautüren finden als innentüren und wohnungsein- · fertigungstoleranzen ausgleichen (die toleranzen in der
gangstüren, eventuell als haustüren, verwendung. fensterfertigung bewegen sich im zehntelmillimeterbe-
reich, bei der rohbauerstellung liegen sie im zentimeter-
bereich), daher spielraum zwischen stockaußenmaß und
rahmentüren (abb. 100) rohbaulichte vorsehen.
sie bestehen aus einem rahmen, der aus holz aber auch · reihenfolge der montage von fenster, fensterbank, rolla-
aus me- tallen gefertigt wird. in diesen rahmen werden den, laibungsverkleidung usw. festlegen.
füllungen aus plattenwerkstoffen, massivholz oder glas · materielle verträglichkeit bedenken (aluminium und auch
eingesetzt. glas werden von frischem zement und folglich putz an-
gegriffen und beschädigt. daher muß für den einbau vor
die gestaltungsmöglichkeiten bei rahmentüren sind durch allem von aluminiumfenstern ein blindstock vorgesehen
die senkrechte und waagrechte türteilung sehr vielfältig. werden.)
· zeitpunkt der montage bedenken - koordination mit ar-
rahmentüren werden als innentüren und haustüren ver- beitsvorgängen, die das fenster direkt oder indirekt be-
wendet.25 treffen.26 (bauaustrocknung, grundputz, fertigputz, sowie
heizungsmontage, installationen, etc.)
einbau (abb. 101+102):
grundregeln · fensterreinigung (abb. 103), -reparatur, -ersatz berück-
· die lastübertragung von fenster und tür auf rohbau soll sichtigen, eventuelle hilfsmaßnahmen in der planung vor-
durch genügend befestigungspunkte sichergestellt wer- sehen.
den.
26 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,band
25 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 1989

25 f. breis, e. drabek, et al., der tischler 2, bohmann-verlag, 1. aufl., wien, 1990 26 e. schild, r. oswald, et al., schwachstellen, bauschadensverhütung im wohnungsbau,
band 5, bauverlag gmbh, 2. aufl., wiesbaden, berlin, 19

191
vo 09 öffnungen

die aufgabe des planers ist es also, eventuell auftretende ken und ein unbehinderter ausblick ins freie zu berücksich-
schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, in der planung zu tigen.
berücksichtigen und mit den ausführenden handwerkern
zu klären.27

9.4 zukunftsweisendes/utopisches
“gebäude von morgen” zeichnen sich dadurch aus, daß
sie ökologischen anforderungen folgen und im einklang
mit dem angebot der natur stehen. hierzu gehört, daß sie
im wesentlichen
-natürlich belichtet sind
-natürlich belüftet werden können,
-passive solargewinne nutzen
-gedämpfte temperaturschwingungen aufweisen
-kühllasten und wärmeverluste minimieren
türen, fenster und fassaden der zukunft sind so auszubil-
den, daß sie auf das außenklima und den wärmebedarf
des gebäudes reagieren können.
die nutzung der umweltenegie spielt eine immer größerwer-
dende rolle. beispielsweise soll die solarstrahlung zur raum-
heizung und raumausleuchtung sowie die außenluft - bei ge-
eigneten außenbediengungen - zur natürlichen raumlüftung
dienen. zukunftsweisende entwicklungen gehen in richtung
variabler wärme-, luft- und lichtdurchlässigkeit sowie indivi-
dueller eingriffsmöglichkeiten der nutzer. es wird versucht
die raumklimatischen faktoren, die zur beeinträchtigung der
behaglichkeit führen, dies sind insbesonders zugerschei-
nungen, thermischer diskomfort, mangelnde luftqualität und
fehlende fensterlüftungen, zu verbessern. bezüglich der vi-
suellen behaglichkeit sind ausreichende beleuchtungsstär-
27 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen

27 ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischen entwerfens,


birkhäuser verlag, basel, boston, berlin, 1991

192
vo 10 hülle

193
vo 10 hülle

vo 10 hülle fassade, curtain wall, structural glazing, raumhohe fenster

194
vo 10 hülle

195
vo 10 hülle

1 2 3

10. hülle abb.1 kolosseum in rom, elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980,s.
6
abb.2 jugendstilfassade 1904, elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh ver-
lag,1980, s. 6
abb.3 bmw münchen, elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980,s.11

10.1 definition umwelt.1

der begriff fassade kommt von dem lateinischen wort fa- 10.2. geschichte
cies und bedeutet gesicht.
auffällig ist, das im englischen, im französischen, im ita- die fassade war in vielen perioden der baugeschichte das
lienischen und im deutschen sich das wort fassade fast hauptanliegen der architekten, da sie macht und größe
gleichlautend ausbildet, was darauf schließen läßt, daß eines staates oder eines herrschers symbolisch zum aus-
diefassade als gesicht des hauses zentraleuropäisch aus- druck bringen konnte: durch gestaltungsmittel der symme-
gebildet worden sein muß. trie, der harmonie, durch die wucht massiver materialien
und kräftige gliederung einzelner bauteile. nur selten ka-
1908 definierte das konversations-lexikon noch folgender- men funktionelle und regionale charakteristika hinzu. die-
maßen: „fassade, schauseite, die äußere ansicht eines se auffasssung von fassaden-architektur erlebte im „fien-
gebäudes oder deren geometrisch gezeichnete darstel- de-siecle“, geprägt von der école des beaux arts in paris,
lung. da an zahlreichen gebäuden nur eine ansicht archi- ihren oft degenerierten höhepunkt. von hier bis zu den
tektonisch optisch zur wirkung kommen kann, nennt man reinen zweck- und staatsbauten der demokratie führte ein
diese, in welcher sich gewöhnlich der haupteingang be- langer weg der entwicklung.
findet, vorzugsweise fassade. die fassade ist gleichsam
der ausdruck des ganzen gebäudes und muß deshalb in entwicklung zum raumhohen fenster - die außenwand
streng organischer verbindung mit dem gebäude stehen.“ wird zu einer durchlässigen struktur
die architektur der bürgerlichen wohnhäuser war in der
der begriff „fassade“ wird aber auch auf andere vorstel- regel geprägt von schweren, massiven umschließungen.
lungen bezogen, z.b. „hinter der fassade versteckt sich...“ die öffnungen sind klein, oft winzig und meistens zweige-
oder in abwandlung des begriffs als „farce“. die hiermit teilt: ein oberer lichtdurchlässiger teil, fest verschlossen
zum ausdruck gebrachte negative einstellung zur fassade mit dünn geschabten tierhäuten und anderen lichtdurch-
beginnt mit dem aufkommen des funktionalismus. heute lässigen materialien, und ein unterer öffenbarer teil mit
definiert die baukonstruktionslehre als aufgabe der au- holzläden. oft ist das ganze fenster während des winters
ßenwand die erfüllung folgender forderungen: mit läden und im sommer mit einem gitterwerk verschlos-
schutz vor regen und wind, dämmung gegen lärm, kälte sen.
und hitze, speicherung der eigenwärme des innenraumes, erst nach und nach kommen holzrahmen mit runden, in
öffnungen zum einlaß von licht und luft, abschluß vor der bleiruten gefassten gläsern zum einsatz. glas ist selten
1 elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980, s.6

1 elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980, s.6

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vo 10 hülle

4 5 6

abb.4 - 6 lever building n.y.,fassadenausschnitt, fassadendetails glasbauatlas,


schittich,staib,
balkow, schuler, sobek, inst. f. int. architektur dokumentation gmbh, 1998, s. 38, 48

und kostbar und wird außer bei schloßbauten nahezu sonders in holland. die besteuerung von glas und fenster
ausschließlich in kirchen und klöstern verwendet. erst in england seit dem frühen 17. jahrhundert, in frankreich
in der gotik vergrößern sich nicht nur im kirchenbau, die die der türen und fenster, haben zu anderen formen der
öffnungen, indem etwa spitzbogenfenster in gruppen zu- außenwand geführt.2
sammengefasst werden. prinzipiell war es in der massiven
steinarchitektur jedoch schwierig, die wand mit größeren 10.3 stand der technik
öffnungen zu durchbrechen. die bedingungen des aus-
schließlich auf druck beanspruchbaren natursteins und allgemein
ziegels lassen nur begrenzten spielraum. anders dagegen das richtige verhältnis von öffnungs- und konstruktionsflä-
beim hölzernen fachwerkbau. die klare trennung des bau- chen oder gliedern ist heute ein wesentliches gestaltungs-
gefüges in tragende und nichttragende elemente machte problem. beide extreme, nämlich die voll verglaste und
die flächen zwischen der konstruktion frei für öffnungen. die gänzlich geschlossene außenwand, sind technisch
damit ist es möglich, innerhalb des rasters aus horizonta- möglich. zwischen diesen beiden extremen einer fassa-
len und vertikalen viele schmale fenster aneinanderzurei- denausbildung bestehen aber erhebliche unterschiede
hen und getrennt durch die holzpfosten ein frühes fenster- der physikalischen werte (vgl. k-werte). daraus ergibt sich
band zu erzeugen. in den aufblühenden städten des 16. im prinzip die aufwendigkeit großer glasflächen. dieses
jahrhunderts sind diese großzügig augelösten und ausge- negative bild verbessert sich jedoch erheblich bei einer
arbeiteten fassaden der rat- und zunft-, später auch der gezielten berücksichtigung aller baulichen, kostruktiven
wohnhäuser, zu einem charakteristikum geworden. auch und physikalischen aspekte der außenwand. zudem stellt
in der steinarchitektur versuchte man die wand soweit es die fensteröffnung, je nach lage, orientierung und funktion
ging zu öffnen. die enge stellung haus an haus etwa in des gebäudes, einen wert an sich dar - im hinblick auf die
den niederländischen städten machte es trotz der bau- im raum agierenden menschen und ihr wohlbefinden. die
weise in mauerwerk möglich, die außenwand in ein feines funkton der außenwand setzt die lösung folgender pro-
gerippe weniger tragender teile aufzuläsen, ausgefacht bleme voraus:
micht großen fenstern. durch diese großzügige öffnung
der front wird es möglich, licht in die tiefen schmalen räu- · statik: eigengewicht, deckengewicht, verkehrslast, er-
me zu holen. die außenwand ist so nicht mehr eine harte schütterung, winddruck, windsog,
trennung zwischen innen und außen, sondern ein element · wärmeschutz: kälte (frost), wärme (sonne), wärmedeh-
des übergangs , privates und öffentliches verbinden sich. nung, -speicherung und -dämmung
die ausformung dieser zone hat eine lange tradition, be- · feuchtigkeitsschutz: regen, schlagregen, hagel, dampf-
2 glasbauatlas, schittich, staib, balkow, schuler, sobek, inst. f. int. architekturdokumentation
gmbh, 1998, s. 17roswandowitsch, gerüste, s. 26

2 glasbauatlas, schittich, staib, balkow, schuler, sobek, inst. f. int. architekturdokumentati-


on gmbh, 1998, s. 17roswandowitsch, gerüste, s. 26

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vo 10 hülle

7 8

abb.7 verwaltungsgebäude der firma jespersen kopenhagen, glasbauatlas, schittich, staib, abb.8 verwaltungsgebäude der firma jespersen kopenhagen, glasbauatlas, schittich, staib,
balkow, schuler, sobek, inst. f. int. architektur dokumentation gmbh, 1998, s. 48 balkow, schuler, sobek, inst. f. int. architektur dokumentation gmbh, 1998, s. 48

diffusion, baufeuchte und grundfeuchte daß ästhetische qualität auch dadurch gefördert wird, daß
· schallschutz: luftschall (verkehrslärm), körperschall im die anforderungen, z.b. an wärme-, schall- und feuchtig-
bau keitsschutz u.a., gestiegen sind. die fassade wird wieder
· schutz gegen mechanische und chemische angriffe: ero- im wahrsten sinne des wortes „gefordert“.3
sion und korrosion
· gestaltung: proportionen, material und seine struktur, curtain walls - vorhangfassaden (abb. 4 - 8)
format und fugenausbildung, farbgebung und verschmutz- ohne zweifel ist die hinterlüftete vorhangfassade hinsicht-
tungsanfälligkeit. lich der wärmedämmung und hinterlüftung bauphysika-
lisch unübertroffen. die funktionalen vorteile ergeben sich
diese komplexe aufgabenstellung hat zur vorhangfasssa- durch vier komponenten, die diese konstruktion in sich
de geführt. nur hier wird konsequent zwischen tragender vereint:
primärstruktur und nichttragender sekundärstruktur unter-
schieden. die historischen entwicklungsphasen in der fas- - die dämmung
sadengestaltung können so dargestellt werden: - die unterkonstruktion inkl. befestigungsmittel
- die hinterlüftung
· lochfassade - die fassadenbekleidung
· skelettfassade
· bandfassade die befestigung der vorhangfassade ist grundsätzlich in
· vorgehängete außenhaut-fassade der tragschicht bzw. tragkonstruktion möglich, jedoch in
der wetterschale wesentlich einfacher. zu prüfen ist aber
die aktuelle forderung nach energiesparenden baukon- die resttragfähigkeit der wetterschale (schadensanalyse
struktionen führte u.a. zur wiederentdeckung der fassa- ist unbedingt notwendig). gerade bei den wbs-70- wohn-
de. hier spielt sich an der nahtstelle zwischen draußen bauten finden sich häufig starke risse in der wetterschale,
und drinnen, zwischen dämmen und speichern, kurz: zwi- durch die die feuchtigkeit zusätzlich zu undichten fugen
schen natur und zivilisation der entscheidende vergeu- ungehindert eindringen kann. das macht die hinterlüftete
dungs- bzw. sparprozeß ab, denn 40% unserer energie fassade besonders vorteilhaft, da der luftspalt zwischen
werden für heizung und lüftung gebraucht. damit wird dämmstoff und bekleidung den durch die außenwand
die fassade wieder „architektur“, nachdem sie diese ihre diffundierenden wasserdampf abführt und ebenso zum
hauptfunktion voraufgegangen zeitabschnitt des industri- austrocknen bzw. abführen von eventuell in die fugen ein-
alsierten bauens nahezu verloren hatte. es ist kein zufall, gedrungenem schlagregenwasser dient. die hinterlüftete
3 elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980, s.6 - 8tion gmbh, 1998,
s. 48

3 elemente des bauens, w. meyer-bohe, koch gmbh verlag, 1980, s.6 - 8tion gmbh, 1998,
s. 48

198
vo 10 hülle

abb.9 verlegemöglichkeiten bei faserzementtafeln, erhalten und gestalten, monika


holfeld,verlag f. bauwesen, 1996, s. 42

fassade vereint optimal die gewährleistung einer dauer- - unebenheiten der außenflächen, besonders der vor-
haften standsicherheit der vorhandenen wetterschale sprünge und plattenkanten,
und eines funktionsfähigen wetterschutzes. kein anderer - maßtoleranzen und lotabweichungen an leibungen der
wandaufbau erfüllt derzeit die steigenden anforderungen öffnungen,
an wärme-, feuchtigkeits-, schall- und brandschutz so wirt- - tatsächliche dicken von innenschale, wärmedämmung
schaftlich. durch die beflüftung der bekleidung ist die kon- und außenschale (sondierungsbohrungen) und der
struktion ausreichend feuchtigkeitssicher. das ergebnis ist - „innere“ zustand des sandwichelements (verbindung
eine stets trockene und damit funktionsfähige wärmedäm- zwischen außen- und innenschale), werden bei dieser
mung. wärmeverluste werden auf ein minimum reduziert fassadentechnik mit beseitigt.
und entsprechen bereits der neuen wärmeschutzverord-
nung, obwohl plattenbauten ja keine neubauten im eigent- die entscheidungskriterien für die unterkonstruktion wer-
lichen wortlaut sind. den bestimmt durch die vorhandenen bauphysikalischen
bedingungen sowie die einbaulage, bezogen auf rand-
die metallische unterkonstruktion gestattet bei platten- und höhenbereiche. wirtschaftlichkeit kann durch einen
bauten einen einfachen toleranzausgleich. das anbringen guten auslastungskoeffizienten erreicht werden, ohne das
der gerüstanker ist dort an der fassade vorzunehmen, wo die gestaltung darunter leidet. der planer sollte dem bau-
später problemlos nachgebessert werden kann. bei un- herren von vornherein eine optimale fassadengestaltung
klarheit über die bausubstanz sollten eine begutachtung anbieten, bei der gestaltung und kosten in einem vertret-
und/oder materialprüfung, wie dübelzugversuche, erfol- baren verhältnis stehen.
gen. die zusätzliche belastung des bauwerkes durch die
vorgehängte fassade ist im allgemeinen durch reserven der dämmstoff wird geklebt oder in kombination mecha-
der vorhandenen konstruktion abgedeckt. dennoch ist es nisch befestigt. als dämmstoff eignen sich schwer ent-
ratsam, bei hochhäusern eine überprüfung bis zum bau- flammbare materialien, für hochhäuser nur nichtbrenn-
grund vorzunehmen. eine entscheidung für das system bare materialien, wie beispielsweise mineralwolle.
der hinterlüfteten fassade bedeutet verbesserte wärme-
dämmung in verbindung mit bauphysikalischer sicherheit verschiedene bekleidungsmaterialien
und hohem anspruch an die gestaltung. mängel in der be- faserzement, holzzement, hinterlüftete putzfassade, zie-
tonqualität und der auführung der platten, wie gel, keramik, metall, aluminiumverbundplatte, schicht-
stoffplatten, naturstein und glas bieten eine vielzahl von
- äußere betonkorrosion, gestaltungsmöglichkeiten an. deren befestigung auf der

199
vo 10 hülle

10 11 12

abb.10 - 12 ziegelfassade, hintelüftung von platte zu platte, auf alu-unterkonstruktion,


aufholzunterkonstruktion, erhalten und gestalten, monika holfeld, verlag f. bauwesen,
1996,s. 46

unerkonstruktion erfolgt, sichtbar durch klemmen, schrau- zu 90% aus wiederaufbereitetem altglas besteht. vorteile lie-
ben, nieten, klammerbefestigung oder rückseitig, also gen in folgenden eigenschaften:
nicht sichtbar. - verschnittoptimiert,
- brandklassifiziert b1 nach din 4102,
fasernzementtafeln: - witterungsbeständig,
fasernzementtafeln bieten vielfältige gestaltungsmöglich- - geringes gewicht,
keiten, teils durch ihre weitgefächerte farbpalette, durch - unempfindlich gegen umwelteinflüsse,
unterschiedliche befestigungsarten, verschiedener plat- - ausgleich von bauwerksunebenheiten durch die unterkon-
tenformate, fugenausbildungen und schrägschnitte. durch struktion.
die aufteilung der tafeln erhält das gebäude plastizität. die aus schlußbeschichtung eignen sich insbesondere silikon-
verlegung nimmt dabei die gliederung von fenstern und harz- und organisch gebundene deckputze. nachteile dieses
türen, von fensterbänken und lisenen auf. zu gestaltungs- systems liegen im sehr hohen kostenaufwand und der ein-
elementen können beispielsweise offene fugen, verdeckte schränkung der einsetzbarkeit bis zur hochhausgrenze
fugen, sichtbare klemmbefestigungen werden. die mög- (22m). zudem ist die praxisbezogene umsetzung aufgrund
liche anordnung der tafeln von horizontal über vertikal bis der komplexen gewerbestruktur nicht unproblematisch.
hin zur stülpdeckung bei riesiger plattengrößenauswahl
bietet dem planer beste voraussetzung für eine gelun- ziegel:
gene gestaltung einer hinterlüfteten fassade. ziegelfassaden haben bewährte positive eigenschaften, wie
faserzemen istt eine sehr wirtschaftliche bekleidung, ein- - hohe lebensdauer,
setzbar für alle plattenbautypen. (abb. 9) - hohe qualität,
- „vandalismus“ - festigkeit (also geringe zerstörbarkeit),
holzzementtafeln: - auswechselbarkeit einzelner platten,
diese hochwertige fassadentafeln aus holzzement eignen - große akzeptanz bei den mietern,
sich für vorgehängte hinterlüftete fassaden auf holzunter- - hohe gestalterische qualität.
konstruktion. sie bestehen aus umweltverträglichem faser- fassadenplatten aus ziegeln und die dafür entwickelten befe-
zement - einsetzbar bis 22m, also bis zur hochhausgrenze. stigungsmittel bilden in verbindung mit der unterkonstruktion
aus aluminium oder holz und einer wärmedämmung aus mi-
hinterlüftete putzfassade: neralfaserplatten eine dauerhafte und damit wirschaftliche
diese fugenlose putzfassade eignet sich für holz- und holz-/ konstruktion. für die kleinformatige ziegelbekleidung bedarf
aluminiumunterkonstruktionen. basis ist die trägerplatte, die es zudem keiner bauaufsichtlichen zulassung. eine prüfung

200
vo 10 hülle

13

abb.13 ehemaliges arbeiterhotel, das durch eine aluminiumfassade ein attraktives


äußereserhält, erhalten und gestalten, monika holfeld, verlag bauwesen berlin, 1996, s. 52

der tragfähigkeit der dreischichtenplatte sollte dennoch - ausschluß von pilzbefall und veralgung,
durchgeführt werden. an gebäuden über 20m höhe wird die - sommerlicher wärmeschutz durch den hohen reflektions-
fassadenbekleidung auf eine alu-unterkonstruktion mon- grad glasierter oberflächen,
tiert. eine typenstatik bis 100m höhe ist abrufbar. an gebäu- - nichtbrennbarkeit,
den bis 20m höhe (bei geschlossenen wänden zum teil bis - geringes eigengewicht der gesamtkonstruktion.
100m) kann die montage auch auf einer holzunterkonstruk- befestigungen können sichtbar - nur mit klammern - oder
tion aus vertikalen grundplatten und horizontalen tragplat- nicht sichtbar erfolgen. eine zusätzliche nachsicherung der
ten erfolgen. die befestigung der fassadenplatten erfolgt an wetterschale mit konsol- und ankerelementen ist normaler-
vier punkten durch verdeckte alu-plattenhalter im 8-mm-ab- weise nicht erforderlich, sofern in die wetterschale keine zu-
stand vor den tragprofilen. die plattenhalter werden an den sätzlichen lasten z.b. aus biegebeanspruchung, eingeleitet
alu-tragprofilen unlösbar angeklipst bzw. an den traglatten werden. die unterkonstruktion wird vom anbieter grundsätz-
angeschraubt. sollte aus kostengründen eine komplette zie- lich objektbezogen rechnerisch nachgewiesen. die nicht
gelbekleidung nicht möglich sein, ist eine kombination mit brennbaren fassadenplatten sind steinzeugplatten, entwi-
anderen materialien, wie z.b. wärmedämmverbundsystem ckeln im brandfall keine rauchgase und sind somit baustoff-
durchaus eine gestalterisch ansprechende alternative. (abb. klasse a1. wenn die unterkonstruktion in metall, üblicherwei-
10 - 12) se aluminium, mit entsprechenden fassadendämmplatten
(ebenfalls baustoffklasse a1) aufgeführt ist, besteht bei
keramik: normgerechten hinterlüftungsquerschnitten keine begren-
keramikplatten werden in verschiedenen formaten und einer zung in der gebäudehöhe.
breiten farbpalette angeboten. die vorteile sind: keramikplatten werden leicht durch stoß und druck beschä-
- große farb- und materialbeständigkeit auch bei hoher digt. ein weiterer nachteil ist die einschränkung der gestal-
schadstoffbelastung der luft, tungsfreiheit durch die vorgegebenen formate (größtes for-
- ideale hinterlüftung durch offene fugen zwischen der be- mat: 1,20 x 1,20m).
kleidungsplatte.
von keramikfirmen werden weitere gute eigenschaften ge- aluminium:
nannt, die für eine keramikfassade sprechen, wie: fassadenplatten aus aluminium werden grundsätzlich auf
- keine rißbildung, aluminiumunterkonstruktion montiert. vertikale unterkon-
- erosion durch abwitterung ausgeschlossen, struktionen sind aus statischen und bauphysikalischen
- sehr geringer unterhaltungsaufwand (er beschränkt sich im überlegungen einer horizontalen anordnung vorzuziehen.
wesentlichen auf gelegentliche reinigung), bei vertikaler anbringung ist die unterkonstruktion nur ge-

201
vo 10 hülle

14 15 16 + 17

abb.14 - 17 fassadenausschnitt und fassadendetails von general motors technical center,


glasbauatlas, schittich, staib, balkow, schuler, sobek, inst. f. intern. architektur-dokumentati-
on gmbh, 1998, s. 48+49

schoßhoch zu montieren, bei horizontaler montage nach spruchsvolle hinterlüftete fassade. sie findet überwiegend
max. 4,0m zu trennen. die farbaluminiumfassaden-beklei- beim abgewandelten industriellen wohnungsbau anwen-
dung bietet: dung.die höhe der zu bekleidenden gebäude ist ohne
bedeutung für den einsatz der platte. sie ist auch in der
- montage auf allen zugelassenen aluminium-unterkonstruk- brandklassifizierung a2 - nicht brennbar - erhältlich. die alu-
tionen. miniumverbundplatte besteht aus zwei 0,5mm dicken alu-
- sie ist wirtschaftlich günstig. minium-deckblechen und einem kunstoffkern. die vorteile
gegen mechanische beanspruchung erweist sie sich als sind:
- bruchstabil - plane oberfläche,
- trümmersicher - einbrennlackiert
- abriebfest - gut zu formen durch biegen und abkanten,
gegen oberfächenbeanspruchung ist sie - großformatige platten bis 1,25 x 8,0m,
- korrosionsbeständig, - schwingungsdämpfend,
- meerwasserbeständig, - leicht, trotzdem schlag- und bruchfest,
- farb- und glanzbeständig, - einfach zu verarbeiten,
- feuchtigkeitsbeständig, - wetterfest, pflegeleicht, recyclebar.
- schmutzabweisend.
naturstein:
die ausdehnung durch temperaturunterschiede wird von der bei natursteinbekleidung gibt es beim einsatz im plattenbau
gewählten unterkonstrukion aufgenommen. bei der monta- erhebliche bedenken, weil durch das hohe gewicht der na-
ge sollte darauf geachtet werden, daß von oben nach unten tursteinplatten eine recht aufwendige verankerung erforder-
gebohrt und genietet wird. empfehlenswert ist es, die fassa- lich wird. drei verankerungsmöglichkeiten kommen in frage:
denplatten von der unterkonstruktion durch zwischenlagen - die verankerung mit einmörtelanker,
zu trennen, z.b. durch kunststoffklebeband. die befestigung - verankerung am schienensystem mit normalen ankern so-
erfordert unbedingt einen statischen nachweis. befesti- wie
gungsmöglichkeiten, die gleichzeitig gestalterisch wirken, - verankerung am schienensystem mit hinterschnittdübeln.
sind sichtbare, verdeckte oder auch unsichtbare. (abb. 13)
schichtstoffplatten:
aluminiumverbundplatten: die schichtstoffplatte eignet sich ebenfalls gut für den ein-
die aluminiumverbundplatte ist ein material für eine an- satz einer hinterlüfteten fassade. die befestigung kann so-

202
vo 10 hülle

18 19 20

abb.18 einkaufszentrum euralille frankreich, glasbauatlas, schittich, staib, balkow, abb.20 spielhalle kinbasha japan, glasbauatlas, schittich, staib, balkow, schuler, sobek,inst.
schuler,sobek, inst. f. intern. architektur-dokumentation gmbh, 1998, s. 46 f. intern. architektur-dokumentation gmbh, 1998, s. 46
abb.19 cartier-lagergebäude schweiz, glasbauatlas, schittich, staib, balkow, schuler,sobek,
inst. f. intern. architektur-dokumentation gmbh, 1998, s. 46

wohl auf holz- als auch auf alu-unterkonstruktion erfolgen. übernehmen. sie entstehen aus dem bestreben, durch einen
die anwendung dieser plattenbekleidung ist durch seine höheren grad an vorfertigung den anteil an handarbeit auf
baustoffklasse nur bis zur hochhausgrenze (22m) zugelas- der baustelle zu verringern.die vollflächig verglasten fassa-
sen. das material ist: den dieses gebäudes zeichnen sich ähnlich wie die später in
- umweltfreundlich, der gleichen technik verkleideten außenhaut des ibm tech
- im balkonbereich einsetzbar.
dank verschiedener plattenformate und befestigungsmög- structural glazing
lichkeiten bietet sich eine hohe gestalterische flexibilität an. die ab mitte der 60er jahre in den usa aufkommende tech-
bauphysikalisch werden die anforderungen an eine hinter- nik, außenverglasungen durch verklebung mit tragendem
lüftete fassade erfüllt. silicon zu befestigen (structural sealant glazing) und an-
dere innovative befestigungsarten ermöglichen es, dach
dichtungsprofile aus sythetischem kautschuk und fassaden eines begäudes mit einer gleichwertigen
einen ersten vollkommen vorfabrizierten curtain walls rea- glatten haut zu verkleiden. alle denkbaren geometrischen
lisiert eero saarinen am general motors technical center in formen können nun einheitlich umhüllt werden.
waren/michigan bei detroit (1949-56) (abb.17-20).hinsicht-
lich der fugendichtung stellt der bau eine besonderheit dar. konstruktion
saarinen verwendet erstmals synthetische dauerelastische durch die unmittelbare veklebung der glaselemente mit
kautschuk-profile (neoprene). die dichtlippe wird hier zum einem adapterrahmen, eingesetzt in die unterkonstrukti-
einsetzen der glasscheibe verformt und anschließend mit on, werden rahmen- und halterlose fassadenflächen er-
einem einsteckprofil gesichert. möglicht. die ringsumlaufende verklebung kann neben
dauerelastische dichtungen aus synthesekautschuk finden der zwängungsfreien lagerung der scheibe auch eine
im hochbau eine schnelle verbreitung und gehören ab mitte schalldämpfende sowie bei einigen anwendungen eine
der 60er jahre zum festen standard in der fassadentechno- thermisch trennende wirkung ermöglichen. die verklebung
logie. erfolgt grundsätzlich in der werkstatt unter genau vorge-
gebenen klimabedingungen. das verklebungsmittel muß
verglasungen mit integralprofilen hohen anforderungen im hinblick auf seine beständigkeit
in den 60er jahren kommen in amerika verschiedene vergla- gegenüber feuchte-, licht- und temperatureinflüssen so-
sungssysteme mit integralprofilen aus synthetischem kau- wie mikroorganismen gerecht werden. metallrahmen (ad-
tschuk auf den markt, die neben der dichtungsfunktion auch apeterrahmen) und glas werden als element gefertigt und
das anpressen der glasscheiben an die rahmenkonstruktion an der baustelle im allgemeinen in eine pfosten-/riegel-

203
vo 10 hülle

tragstruktur eingesetzt. die rahmenkonstruktion besteht die wahl der geeigneten glasart ist wichtig. bei ssg-fas-
aus stahl oder aluminium. stahl muß durch verzinken ge- saden werden häufig getönte oder verspiegelte gläser
gen rost geschützt werden. eingesetzt, damit die unterkonstruktion an den rändern
werden beide scheiben des isolierglases am rahmen ver- außenseitig nicht in erscheinung tritt.4
klebt, muß eine der verklebungen weicher sein als die
andere. ansonsten entstehen aufgrund der glasbewegun- die fassade als display (abb. 18 - 20)
gen infolge von temperatureinflüssen scherspannungen die möglichkeiten der emailbeschichtung, serigraphie und
im randverbund, die zum ablösen und zur undichtigkeit auch die möglichkeit bei laminaten dünnfilme mit fließkri-
des isolierglas-randverbundes führen können. die aus- stallen oder hologrammen zwischen den scheiben zu in-
schließlcihe befestigung der scheiben durch vekleben tegrieren, finden zunehmend eingang in die architektur.
ist in deutschland nur bei einbauhöhen der elemente bis medienfassaden mit bewegten bildern, eingeblendeten
zu 8m über gelände zulässig (abb.26/27 ). bei größeren schriftzügen, aufgedruckten informationen und sich ver-
einbauhöhen wird eine zusätzliche mechanische siche- ändernden farbeffekten entstehen. die gebäudehaut wird
rung gegen das herabfallen der scheiben gefordert. diese somit zum display, das informationen oder inhalte ver-
sicherung, die erst dann in kraft tritt, wenn die klebung mittelt, oder einfach nur zum banalen werbeträger. zahl-
versagt, kann als umlaufender halterahmen (abb.28/29 ) reiche impulse in diesem bereich gehen von jean nouvel
oder punktweise ausgebildet werden. aus. in seinem preisgekrönten wettbewerbsprojekt für den
eine sonderform zeigt abb.30/31.ein in den fugen durch- verlag dumont schauberg (1990)(abb.32) entwirft er eine
laufendes integralprofil übernimmt neben der mechani- gebäudehülle als überlagerung transparenter ebenen, die
schen sicherung auch die funktion der dichtung. sich durch tiefenwirkung und gegenlicht, reflexe und spie-
structural sealant glazing-systeme benötigen in deutsch- gelungen manifestieren. die glasfassaden materialisieren
land immer eine zulassung oder eine zustimmung im sich durch aufgedruckte buchstaben und zeichen und ma-
einzelfall durch das deutsche institut für bautechnik. un- chen das gebäude selbst zum symbol seiner bestimmung
abhängig von der verklebung muß das scheibeneigenge- als medienhaus.
wicht über klotzung auf die unterkonstruktion abgegeben häufiger als fassaden mit bewegten bildern ist das reine
werden. über die verklebung dürfen nur die windsoglasten bedrucken mit mustern und schriftzügen. neben dekora-
augenommen werden. bei der verwendung von isolierglas tiven zwecken kann es auch dem sonnen- oder schicht-
ist darauf zu achten, dass der randverbund der isolierg- schutz dienen. manchmal wird aber auch schlichtweg der
lasscheibe für structural sealant glazing geeignet und uv- name des bauherrn werbewirksam in überdimensionalen
beständig ist. lettern aufgebracht.

204
vo 10 hülle

eine weitere entwicklung ist die intelligente fassade: ende


der 70er jahre arbeitet mike davies zusammen mit richard
rogers partnership an einer glasstudie für die firma pilking-
ton in england. seine hierbei gewonnen vorstellungen von
einer modernen gebäudehülle faßt er 1981 in einem viel-
beachteten artikel „die zukunft der glasfassade“ zusam-
men. er entwickelte die idee einer dynamischen wand, die
je nach nutzeranspruch als sonnen- oder wärmeschutz
dient, wärmeenergie von gebäuden reflektiert oder in das
gebäude eindringen läßt und sich wechselweise öffnet
oder schließt.5

10.4 zukunftsweisendes / utopisches

mit der entwicklung neuer technologien, materialien und


immer besser werdenden computerprogrammen sind dem
architekten kaum grenzen gesetzt.
die realisierung des guggenheim-museums in bilbao wur-
de mit hilfe von “catia”, einem für die weltraumforschung
entwickelten computer-programm, ermöglicht. die planung
der komplexen außenformen und die raumdurchdringun-
gen im inneren wären ohne neuste computertechniken
wohl nicht möglich gewesen.

205
vo 10 hülle

206
vo 11 überspannen von räumen

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vo 11 überspannen von räumen

vo 11 überspannen von räumen technologien von deckenkonstr., -aufbauten, -untersichten

208
vo 11 überspannen von räumen

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vo 11 überspannen von räumen

1-3 4

11. überspannen von räumen abb.1 + 2 balkendecke, hochbau konstruktion, schmitt und heene, vieweg,11. aufl., s.
291,30
6abb.3 hohlplattendecke, hochbau konstruktion, schmitt und heene, vieweg, 11. aufl., s.
291
abb.4 pilzdecke, hochbau konstruktion, schmitt und heene, vieweg, 11. aufl., s. 303

11.1 definition cke, althochdeutsch decchi) und deckel... s. auch deck.


- abl.: deckung (15. jh., auch militärisch für „schutzwehr“
der begriff decke hat seine sprachlichen wurzeln im dach, und im sport für „verteidigung“)...1
da räume ursprünglich vom dach überdeckt waren. auch balkendecken (abb. 1 + 2)
heute versteht man allgemein unter einer decke zunächst balkendecken sind decken aus ganz oder teilweise vor-
den oberen abschluß eines raumes. genaugenommen gilt gefertigten balken ohne oder mit zwischenbauteilen, die
dies jedoch nur für ausgesprochene dachdecken. die de- in der spannrichtung der balken nicht mittragen (auch de-
cken aller übrigen geschoße haben zweifache bedeutung. cken aus unmittelbar nebeneinanderliegenden stahlbeton-
sie bilden jeweils für das untere geschoß die decke, und fertigteilen). sie sind die grundform der montagedecken.
für das darüberliegende den boden. mit ausnahme von
gewölben und schalen sind decken horizontale biege- plattenbalkendecken
tragwerke und als solche an die verwendung biegesteifer die querschnittsform der plattenbalkendecke entspricht
bauglieder gebunden und nur bei geringem eigengewicht einer typischen stahlbetonkonstruktion. der druckquer-
wirtschaftlich. die zahl der massivdeckenkonstruktionen schnitt besteht vorwiegend aus beton und enthält nur so-
ist sehr groß, aber sie unterscheiden sich nur sehr we- viel stahl, wie zum verbund mit dem zugquerschnitt und
nig voneinander und verfolgen gleiche statische und kon- für die querverteilung der lasten benötigt wird. der zug-
struktive ideen. querschnitt enthält dagegen nur wenig beton, aber den
hauptanteil der stahlbewehrung.
decken: das altgermanische verb (iterativ-intensiv-bil- auf diese weise wird eine günstige statisch wirksame bal-
dung) mittelhochdeutsch decken, althochdeutsch decken, kenhöhe und ein ausgewogenes verhältnis von tragver-
deechen, niederländisch dekken, englisch to thatch, mögen zu eigengewicht der decke erreicht. es gibt plat-
schwedisch täcka gehört mit verwandten wörtern in ande- tenbalkendecken mit nicht tragenden und mit längs- und
ren indogermanischen sprachen zu der indogermanischen quertragenden füllkörpern.
wurzel *[s]teg „decken“; vgl. z. b. griechisches stégein plattendecken werden auf geschlossener schalung mit
„[be]decken“, lateinische tegere „[be]decken“, lateinische vollem querschnitt örtlich betoniert oder als fertigteilele-
tegula „dachziegel“, lateinische toga „obergewand“. zu mente bis zu raumgröße versetzt. eine teilmontage mit
dieser wurzel gehört auch die wortgruppe von dach (ei- vorgefertigter armierter zugzone als verlorene schalung
gentlich „das deckende“). im deutschen wird „decken“ all- bietet den vorteil geringerer transportgewichte und erlaubt
gemein im sinne von „bedecken, verhüllen, schützen“... einfachere hebewerkzeuge als die vollmontage mit raum-
zu „decken“ sind gebildet decke (mittelhochdeutsch de- großen elementen. nach einer montageunterstützung wird
1 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989

1 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989

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vo 11 überspannen von räumen

5 6

abb.5 + 6 hochbau konstruktion, schmitt und heene, vieweg, wiesbaden, 1993, s. 305, 302

bei ihnen die druckzone örtlich aufbetoniert. hierbei handelt es sich um eine plattenbalkendecke aus
gasbetonelementen. verwendet werden sie hauptsächlich
im industrie- und geschäftsbau.
hohlplattendecken (abb. 3) dübeldecke (dippeldecke, diebeldecke) (abb. 8)
große spannweiten und hohe belastungen bedingen ent- diese decken bestehen aus dicht nebeneinander gelegten
sprechend dicke decken. zur verringerung des eigenge- balken, die unter sich durch dollen verbunden, „verdübelt“
wichtes, wie im brückenbau seit längerem üblich, werden sind. die decke wird von den seiten aus verlegt. der letz-
decken mit röhrenförmigen hohlräumen ausgeführt, die te, d. h. mittelste balken, erhält dann schräg von oben
sogenannten hohlplattendecken. her gerichtet dübel. die einzelnen balken, „dübelbäume“
genannt, werden entweder vollkantig rechteckig aus rund-
pilzdecken (abb. 4) stämmen geschnitten, oder was am häufigsten vorkommt,
pilzdecken sind platten, die unmittelbar auf stützen - mit es werden die flächen der aneinander gelegten balken
oder ohne verstärktem kopf - aufgelagert sind und mit den eben geschnitten. die durchmesser solcher rundstämme
stützen biegefest oder gelenkig verbunden sind. betragen 20 - 36 cm. nach einer alten zimmermannsre-
gel soll bei gewöhnlicher belastung, wie sie in wohnräu-
rapiddecken men vorkommt, die höhe des querschnitts gleich 1/30 der
die rapiddecke besteht aus lochziegeln, die mit flüssigem freiliegenden länge eines dübelbaumes sein. 3 m lange
beton ausgegossen werden. die decke ist ohne rippen und balken müssen mindestens 8 cm - längere 12 cm - aufla-
aufbeton nicht belastbar. sie kann in diesem zustand nur ger erhalten. bei 3 - 4 m langen bäumen wird eine flache
sich selbst tragen und muß zur aufnahme des flüssigen mauerlatte (rastlatte) verwendet, die 8 - 10 cm breit und
betons unterstellt werden. nur 4 - 5 cm hoch ist, und das gemeinsame auflager aller
nebeneinander liegenden dübelbäume bildet.2 (abb. 9)
fertigteildecken (füllkörperdecken) (abb. 6) bei längeren balken werden stärkere mauerlatten, soge-
ziegelkörperelemente werden in fertigteilträger einge- nannte „rastschließen“ verwendet, die bis 10 cm dicke
hängt. dabei ist diese deckenkonstruktion durch partielles (höhe) erhalten. dadurch, daß diese rastschließen in
unterstellen einfach herstellbar. zusätzlich ist dabei eine langen stücken durchgehen und an ihren enden mit dem
aufbeton-schicht notwendig, die den verbund der decke mauerwerk verankert werden, bilden sie einen wertvollen
gewährleistet. längsverband.
die montage von solchen dübelgebälken erfordert eine in
gasbetondielendecken (abb. 7) der ganzen länge der mauer fortlaufende ablagevorrichtung,
2 handbuch der holzkonstruktionen des zimmermanns, theodor böhm, springer-verlag,berlin,
1911

2 handbuch der holzkonstruktionen des zimmermanns, theodor böhm, springer-


verlag,berlin,
1911

211
vo 11 überspannen von räumen

7+8 9 10 11

abb.7 hochbau konstruktion, schmitt und heene, vieweg, wiesbaden, 1993,. 305 abb.10 anordnungen der rastschließen und rastladen, handbuch der holzkonstruktionendes
abb.8 dübelgebälk in grundriß und schnitten, handbuch der holzkonstruktionen zimmermanns, böhm, springer-verlag, berlin, 1911, s. 148
deszimmermanns, böhm, springer-verlag, berlin 1911, s. 149 abb.11 auswechslung bei schornsteinen in grundriß und schnitt, handbuch derholzkonstruk-
abb.9 querschnitte einiger dübelbäume, handbuch der holzkonstruktionen deszimmer- tionen des zimmermanns, böhm, springer-verlag, berlin, 1911, s. 148
manns, böhm, springer-verlag, berlin 1911, s. 146

sodaß beispielsweise eine zwei-stein-starke mauer, in der vormauerung oder durch ausnischung vermeiden die zu
von zwei seiten her dübeldecken je 12 cm tief eingreifen, auf große schwächung der mauer. zwischen dem hirnende
einen stein stärke geschwächt werden würde. die mauern der dübelbäume und dem mauerwerk muß stets ein luft-
müssen deshalb von vornherein stärker angelegt werden, raum von 1,5 - 2 cm verbleiben, der manchmal mit einem
wenn die anordnung derartiger dübelgebälke beabsichtigt trockenen dachziegel ausgesetzt wird, um die mauer-
wird. feuchtigkeit vom holz fernzuhalten. (abb. 10)
der hauptvorteil der dübeldecken besteht in ihrer großen bei schornsteinen wird eine auswechslung nötig (abb. 11),
widerstandsfähigkeit gegen feuergefahr. wenn, wie dies und zwar ist in wien bei dem dort verwendeten ziegelfor-
in österreich vorgeschrieben ist, auf die dübeldecke noch mat von 15 cm steinbreite eine annäherung des wechsels
eine überschüttung von sand oder lehm in 8 cm stärke an die außenfläche einer halbsteinstarken schornstein-
aufgebracht wird, und auf dieser erst der fußboden ver- wange bis auf 3 cm gestattet und üblich. der wechsel ist
legt wird, so ist eine solche decke gegen einen brand, der mit brustzapfen in den beiden dübelbäumen befestigt, die
über ihr ausbricht, völlig widerstandsfähig. von unten ist auf der rastlade aufliegen. ebenso sind die stichbalken mit
sie durch verputz ebenso leicht zu schützen, würde aber dem wechsel verzapft. die verzapfungen werden meist
auch ohne solchen einem - von unten her angreifenden noch durch klammern gehalten.
- feuer lange standhalten, weil der sauerstoff der luft die um die umständliche auswechslung zu sparen und bei
dicht aneinanderliegenden balken nicht allseitig umspülen größeren spannweiten dennoch schwache dübelbäume
kann. die decke würde im schlimmsten falle nur an der verwenden zu können, werden seit einigen jahrzehnten
unterfläche auf einige cm verkohlen. es ist deshalb z. b. dübeldecken hergestellt, bei denen die dübelbäume zwi-
in wien für diejenige decke, die das dach vom obersten schen die flanschen eiserner i-träger (traversen) eingelegt
bewohnten geschoß trennt, eine massivkonstruktion oder werden. die traversen in 2,5 - 3 m entfernung auf größe-
aber eine in der art ausgeführte dübeldecke vorgeschrie- ren quadern verlegt, dienen zugleich zur anbringung der
ben. die dübelbäume dürfen dabei nirgends mit den zum nötigen verankerungen.
eigentlichen dachverband gehörenden hölzern zusam-
menstoßen, sodaß ein brand des dachstuhls sicher von 11.2 geschichte
den darunter liegenden geschossen ferngehalten wird.
über dem dübelgebälk liegt hier eine lehmschicht und da- „haus“ ist wohl in vielen sprachen eines der meist be-
rauf ein ziegelpflaster.3 nutzten wörter. seine funktion ist es, wohnstätte und zu-
verschiedene anordnungen der rastschließen und rastla- flucht für den menschen zu sein; unter die bezeichnung
den durch trapezförmige gestalt der rastschließe, durch haus fallen paläste und burgen, stadthäuser und
3 handbuch der holzkonstruktionen des zimmermanns, theodor böhm, springer-verlag,berlin,
1911

3 handbuch der holzkonstruktionen des zimmermanns, theodor böhm, springer-


verlag,berlin, ad 4: ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986

212
vo 11 überspannen von räumen

12 13 14 15

abb.12 - 14 reproduktion von felszeichnungen aus den höhlen von val camonica, nachanati, abb.15 locmariaquer (frankreich), dolmen, 3. jt. v. chr., spiro kostof, geschichte derarchitek-
ettore camesasca stuttgart, 1993, band 1 tur, stuttgart, 1993, band 1

lehmhütten, landsitze und höhlenwohnungen (vgl. abb. 12 dicht aneinander gereihten häusern. die geschoße wur-
- 14); alles, was vier wände und ein dach besitzt ... den durch decken, welche aus deckenbalken (heutige
4
die urform der decke bzw. des dachs finden wir in der dippelbaumdecken) bestanden, getrennt.
steinzeit, etwa 400 000 v. chr. in terra amata in frankreich. auch die decken (bzw. dächer) der griechischen (abb.
die hütten wurden aus ästen oder jungen bäumen errich- 18), römischen usf. tempel bestanden aus holzbalkenkon-
tet die man dicht nebeneinander - wie eine palisade - in struktionen (hier ist anzumerken, daß diese tempel alle
den sand steckte und außen durch einen ring aus großen ursprünglich holzbauten waren. die uns heute erhaltenen
steinen befestigte. innen wurde die längsachse mit größe- steinernen tempel sind „rekonstruktionen“.)
ren pfosten besetzt, die halfen, das dach zu halten - auf die urform der decke bzw. des daches finden wir heute
welche weise, wissen wir nicht.5 noch in afrika in gebrauch als wohn- bzw. lebensraum,
die einfachste wohnstätte aber, die durch vorbedachte nämlich das zelt. (abb. 19)
konstruktion entsteht und nicht lediglich durch verwen-
dung einer natürlichen gegebenheit - wie z. b. die spalte zelt: das altgermanische substantiv mittelhochdeutsch,
in einer felswand -, ist die hütte. ihr ziel bestand darin, althochdeutsch zelt, mittelniederländisch telt, altenglisch
einen bestimmten raum abzugrenzen. der raum selbst teld, altislamisch tjald gehört zu einem noch in altenglisch
wurde sorgfältig gewählt, um vor allem die aufgabe des be-teldan „überdecken, umgeben“ bewahrten germa-
schutzes der erbauer zu erzielen. wo blätter oder baumä- nischen starken verb, dessen außergermanische bezie-
ste vorhanden waren, war die konstruktion denkbar ein- hungen unklar sind. „zelt“ bedeutet demnach eigentlich
fach; die äste wurden in die erde gesteckt und ihre spitzen „decke, hülle“.7
zusammengebunden. die hauptstreben konnten dann mit es besteht aus einem gerüst, gleich unseren tramen oder
kleinen zweigen, blättern oder gras bedeckt werden ...6 rippen, auf welches ein tuch bzw. stroh gelegt wird, was
in frankreich in der bretagne findet man neolithische wiederum unseren deckenschichten entspricht.
steingräber (abb. 15 + 16), die als geschlossene räume bei lehmhütten, die eine weiterentwicklung des zeltes
entworfen wurden. die grundform, „dolmen“ genannt, ist darstellen, besteht das dach ebenfalls aus mit stroh be-
aus dem 3. jt. v. chr. dies ist eine schlichte kistenähnliche deckten bambusrohren. der vorteil dieser skelettartigen
kammer mit mehreren senkrechten platten als wände und bauweise besteht darin, daß im brandfalle das dach sehr
einem mehr oder weniger flachen stein darüber, dem man leicht entfernt werden kann. außerdem bestehen klima-
die bezeichnung „decke“ sicherlich zuordnen kann. tische vorteile (zirkulation der luft).8
die erste stadt der welt, ur (abb. 17), in mesopotamien, die in den mehrgeschoßigen häusern, die man vorwiegend
im 2. jt. v. chr. entstand, bestand aus mehrgeschoßigen,
4 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986
in städten findet, werden keine skelettartigen deckensy-
5 spiro kostof, geschichte der architektur, stuttgart, 1993, band 1 7 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989

6 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986 8 gardi renè, auch im lehmhaus läßt’s sich leben - über traditionelles bauen

4 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986 7 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989
5 spiro kostof, geschichte der architektur, stuttgart, 1993, band 1 8 gardi renè, auch im lehmhaus läßt’s sich leben - über traditionelles bauen
6 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986

213
vo 11 überspannen von räumen

16 17 18

abb.16 essé (frankreich), galeriegrab, 3. jt. v. chr., spiro kostof, geschichte der abb.18 samos (griechenland), der zweite heratempel, mitte des 7. jh. v. chr, mutmaßlicher-
architektur,stuttgart, 1993, band 1 aufriß, spiro kostof, geschichte der architektur, stuttgart, 1993, band 1
abb.17 ur, hof eines hauses, rekonstruktionszeichnung, spiro kostof, geschichte derarchi-
tektur, stuttgart, 1993, band 1

steme verwendet, sondern eine art von dippelbaumde- · decken im industriebau


cken; die unbearbeiteten holzbalken werden dicht anei- · decken im wohnungsbau
nander gelegt. diese holzdecken können zu den ersten · innendecken (wohnungstrenndecken)
deckensystemen der baugeschichte gezählt werden.9 · außendecken (decken über offenen durchfahrten und
in unserem kulturraum finden wir die ersten holzdecken- dgl.)
konstruktionen im kirchenbau.
tragevermögen
„... und wie die erde in einem teil der welt die winterkühle · decken für verkehrslasten, für nutzlasten
bewahrt, so erhält sie auch die wärme des sommers in · decken, die erschütterungen (z.b. maschinen) standhalten
einem anderen teil, ... so kann also, je nach den klima- müssen
tischen bedingungen, ein haus einige fuß unter, als auch aussteifvermögen
einige fuß über der erde errichtet sein. die bewohner der · flächenstabile deckenscheiben
halbinsel kamtschatka verbanden sogar bis vor wenigen · flächenlabile deckenscheiben
jahrzenten beide lebensweisen; sie wohnten im winter un-
ter der erde und im sommer in baumhäusern.“ 10 statisches system ihrer trag- und aussteifglieder bzw. -
schichten
11.3 stand der technik · balkendecken
· plattendecken
generelle unterscheidungsmöglichkeiten bei decken · plattenbalkendecken
will man verschiedene deckensysteme miteinander ver- · rippendecken
gleichen, so muß man zunächst den bereich ihrer aufga-
ben abgrenzen. so werden z. b. für produktions- und la- baustoffe ihrer trag- und aussteifglieder bzw. -schichten
gerbauten der industrie häufig decken für hohe nutzlasten · holzdecken
oder dynamische beanspruchung gefordert, während ihr · massivdecken
schall- und wärmeschutz eine weniger wichtige rolle spie-
len. dagegen können in laboratorien, kliniken, büros, the- herstellungsart ihrer trag- und aussteifglieder bzw. -schich-
atern, etc. schall- und wärmeschutzforderungen die kon- ten
struktion wesentlich beeinflussen. · örtlich hergestellte decken
· teilmontagedecken
verwendungszweck und -ort · vollmontagedecken
9 bernhard rudofsky, architektur ohne architekten, residenz-verlag, 1989

10 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986

9 bernhard rudofsky, architektur ohne architekten, residenz-verlag, 1989


10 ettore camesasca, geschichte des hauses, westberlin, 1986

214
vo 11 überspannen von räumen

19 20 21

abb.19 darstellung eines windschutzschirmes, ettore camesasca, geschichte des hauses, abb.21 das boardman-haus mit frühkolonialem rahmen, josef ertl, das große buch vom
westberlin, 1986 holz, schuler verlagsgesellschaft, münchen, 1976, s. 68
abb.20 amerikanischer travois, transportgestell der nordamerikanischen tiefland-
indianer,josef ertl, das große buch vom holz, schuler, verlagsgesellschaft, münchen, 1976,
s. 135

· schwach rückwerfende decken


dämmvermögen
· schalldämmende decken (luftschall, trittschall) lichtdurchlässigkeit (sonderfall)
· wärmedämmende decken · dunkle dachdecken (z. b. aus stahlbeton)
· helle dachdecken (z. b. aus glas)
sperrvermögen
· naßdecken schichten einer decke
· trockendecken mit der zeit haben sich die verschiedensten aufgabenbe-
reiche für die decke entwickelt. daraus resultiert der „ar-
feuersicherheit tenreichtum“ der deckenkonstruktionen. doch nicht nur in
· feuerhemmende decken der konstruktion unterscheiden sich die verschiedenen
· feuerbeständige decken decken, sondern sie unterscheiden sich auch in ihrem in-
neren aufbau.
gehschicht je nach ihrem vorwiegenden aufgabenbereich unterschei-
· abnutzungsbeständig det man bei einer decke verschiedene schichten, deren
· abnutzungsunbeständig zahl und aufeinanderfolge je nach zweck verschieden
· fußkalt sind.
· fußwarm häufig kann jede schicht mehrere aufgaben gleichzeitig
· schallhart erfüllen oder andere ergänzen. man ist bestrebt, mög-
· schallweich lichst viele der erforderlichen eigenschaften in der trag-
schicht und in der gehschicht zu vereinen. die tragschicht
unterschicht hat im gebäude aussteifende funktionen. sie wirkt als plat-
· ebene deckenunterschicht te (übertragung der lasten auf die auflager) und als schei-
· gewölbte deckenunterschicht be (aussteifung des gebäudes gegen horizontale kräfte,
· gegliederte deckenunterschicht verringerung der knicklänge der wände).
· verputzte deckenunterschicht bei der ableitung der aufliegenden lasten horizontal über
· verkleidete deckenunterschicht den raum zu den auflagern entstehen zwei kräftepaare,
die vor ableitung gebunden werden müssen. gewölbe
lichtrückwurfvermögen können nur druckspannungen aufnehmen. die bindung
· stark rückwerfende decken der kräfte erfolgt daher außerhalb der konstruktion (zug-

215
vo 11 überspannen von räumen

22 23 + 24 25

abb.22 gerades, halbkreisförmiges tonnengewölbe, frick, knöll, neumann,baukonstruktions abb.24 anschluß der kappen an gurtbogen, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre
lehre 1, 1975 1,1975
abb.23 anschluß der kappen an i-träger, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre abb.25 beispiel der einfachsten decke, ludwig klasten, handbuch derhochbaukonstrukti-
1,1975 onen, 1876,6. abschnitt

band, strebepfeiler, etc.). darüberliegenden fußboden aus 2 bis 4 cm starken bret-


bei ebenen tragwerken kann diese bindung durch zug und tern hergestellt, wobei die balken ,6 bis 1,2 m von mitte
druck innerhalb der konstruktion stattfinden.11 zu mitte voneinander entfernt gelegt werden. solche de-
cken haben pro quadratmeter ein eigengewicht von ca.
gewölbe 60 kg. die vorstehend erwähnte decke ist aus dem grun-
gewölbe: das substantiv mittelhochdeutsch gewelbe, alt- de unvollkommen, weil sie die warme oder kalte luft des
hochdeutsch giwelbi ist eine bildung zu ... wölben ... es darunterliegenden raumes durchläßt und weil der schall
bezeichnet zunächst die gewölbte decke, d. h. die „ca- durch dieselbe so leicht fortgepflanzt wird, daß alle be-
mera“ im römischen steinbau, dann auch den mit einer wegungen auf dem oberen fußboden zu hören sind. dies
gewölbedecke versehenen raum.12 wird sogar noch verstärkt, wenn man die untere seite der
gewölbe sind bogenförmig gekrümmte steinerne mas- balken verschalt, berohrt und verputzt, da der hohle raum
sivdecken (abb. 22 + 23), deren einzelne steine sich ge- zwischen den balken als resonanzkasten wirkt. zur dämp-
genseitig so verspannen, daß sie, fast ausschließlich auf fung des schalls müssen die hohlen räume zwischen den
druck beansprucht, den raum überdecken und die last balken ganz oder teilweise ausgefüllt werden und zwar
in schräg gerichteten auflagerdrücken auf die widerlager- mit solchen materialien, die schlechte wärmeleiter sind (z.
mauern übertragen. der gewölbebau hat mit zunehmender b. lehm, kalkschutt, steinkohlengrus, kohlenasche).14
erkenntnis der aufwirkenden kräfte seit dem altertum eine holzdecken sind neben gewölben die ältesten decken-
entwicklung erfahren, die in dem gotischen kreuzgewölbe konstruktionen. ihre nachteile sind geringer schallschutz,
(abb. 24) mit der zerlegung in starke, tragende rippen und geringe feuersicherheit, anfälligkeit gegen fäulnis und
schwächere, füllende kappen und in verbindung mit einem schädlinge sowie das fehlen einer lastverteilenden druck-
klar durchdachten strebensystem ihren abschluß gefun- platte zur verteilung von einzellasten auf mehrere balken.
den hat. eine weiterentwicklung bilden in gewissem sinn so müssen sie eine feuerhemmende unterschicht und
die sehr dünnwandigen stahlbetonschalen, die in folge eine ebensolche beschüttung von 8 cm stärke erhalten.
der monolithischen eigenschaften des werkstoffs größere außerdem ist die anwendung von holzdecken in allen lan-
spannweiten zulassen. als geschoßdecken sind gewölbe desbauordnungen eingeschränkt. so sind sie über kellern,
durch die ebenen massiven decken verdrängt worden.13 durchfahrten, räumen zur erzeugung und lagerung von
brennbaren stoffen und großen heizräumen verboten.15
11.3.1 skelettartige deckensysteme aus holz nach wie vor bieten holzbalkendecken im wohnungsbau
die einfachste aber auch unvollkommenste decke (abb. gegenüber anderen decken den vorteil günstiger preise,
25) eines raumes wird aus hölzernen balken mit einem
11 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991
unbegrenzter anpassungsfähigkeit, geringen gewichts,
12 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989 14 ludwig klasten, handbuch der hochbaukonstruktionen, 1876, 6. abschnitt

13 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 15 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

11 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991 14 ludwig klasten, handbuch der hochbaukonstruktionen, 1876, 6. abschnitt
12 duden, etymologie der deutschen sprache, mannheim, 1989 15 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991
13 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
216
vo 11 überspannen von räumen

26 27 28 29

abb.26 deckenbalkenlage, a giebelbalken, b streichbalken, c wandbalken, dzwischenbal- abb.29 raumfachwerk-flugzeug. josef ertl, das große buch vom holz, schuler verlagsgesell-
ken, stichbalken, f wechsel. frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1,1975 schaft, münchen, 1976, s. 144/145
abb.27 + 28 details der dachbalkenlage im schnitt

trockenen einbaus sowie guter wärme- und schalldämm- holzschutz


fähigkeit im verein mit wenig kostspieligen dämmaßnah- eingebautes holz muß vor fäulnis, tierischen schädlingen
men. und vor entflammen geschützt werden.
der holzschutz unterscheidet vorbeugung und bekämp-
holzarten fung. die insbesondere für neubauten in betracht kom-
für zimmererarbeiten werden hauptsächlich nadelhölzer menden vorbeugenden maßnahmen sind baulicher oder
verwendet (z. b. kiefer (sehr harzreich, daher dauerhaft), chemischer art.
weißtanne, fichte, lärche). hölzer mit größeren querschnit- zu den baulichen maßnahmen zählen u. a. die wahl der
ten (balken, dachverband) bestehen meist aus kiefern- zweckentsprechenden holzart, trockenhalten und belüften
oder fichtenholz. hölzerner bauteile sowie auflagerung, bemessung, verbin-
dung und oberflächengestaltung der hölzer.
mängel und fehler des holzes die chemischen schutzmaßnahmen werden gegen verfär-
nachteilig ist die neigung des holzes zum quellen oder ben, pilzbefall, tierische holzzerstörer und gegen leichte
schwinden (bei wasseraufnahme bzw. -abgabe), zum rei- entflammbarkeit angewandt.
ßen (bei ungleichmäßigem austrocknen von kern- und
splintholz) und zum werfen (ungleichmäßiges quellen entwerfen einer holzbalkenlage (abb. 26 - 28)
oder schwinden von schnittholz mit einer kernholz- und die balkenlage ist der tragende teil einer hölzernen de-
einer splintholzseite). cke.
trocken- und schwindrisse, von außen nach innen verlau- beim entwerfen einer balkenlage trägt man in den festge-
fend und kaum zu vermeiden, beeinträchtigen die holzfe- stellten gebäudegrundriß zuerst alle notwendigen balken
stigkeit nur wenig. dagegen wird die tragfähigkeit durch ein. auf dem zimmerplatz wird dann aus unterfütterten
kernrisse, von innen nach außen gehend, bedeutend ver- brettern ein sog. schnürboden hergerichtet, die wände,
mindert. auch ringschäle, das sind in der richtung der jah- schornsteine, treppenhäuser und dgl. angerissen und pro-
resringe verlaufende risse, sowie blitzrisse und frostrisse beweise verlegt. dann reißt der zimmermann an allen bal-
sind für erstklassiges holz unzulässig. ken die mauerkanten an, schneidet bzw. stemmt die ver-
gesunde, fest verwachsene äste sind kein fehler, beein- bindungen der hölzer und bringt die fertig abgebundene
trächtigen jedoch die tragfähigkeit des bauholzes, und balkenlage an den bau. dort werden zuerst, hart an den
zwar bei zugbeanspruchung mehr als bei druckbeanspru- wänden, die „streichbalken“ verlegt. (da die streichbalken
chung. nur die last eines halben balkenfeldes zu tragen haben,
können sie in ihrer breite schmäler als die zwischenbalken

217
vo 11 überspannen von räumen

30 + 31 32 33 + 34 35 + 36

abb.30 einmauerung der balkenköpfe, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 abb.33 balkenanker, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
abb.31 tramauflagerung auf imprägniertem lärchenklötzel mit ventilation, abb.34 giebelanker, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
hochbaukonstruktionslehre 1, riccabona, manz-verlag, 1993 abb.35 gerader balkenstoß mit spitzkammer auf 36,5 cm dicker mauer, frick,
abb.32 tramauflagerung mit ventilation von außen (falsch!), hochbaukonstruktionslehre 1, knöll,neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
riccabona, manz-verlag, 1993 abb.36 zugfester balkenstoß mit laschen, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre
1,1975

gehalten werden. wegen der gefahr der schwammbildung kastln“. (abb. 31)
sind sie etwa 2,5 cm von der wand entfernt zu verlegen.) völlig falsch ist die belüftung des balkenkopfes von au-
zwischen den streichbalken werden die sogenannten ßen! durch das ventilationsgitter gelangen auch schmutz
„haupt-“ oder „zwischenbalken“ verlegt, für deren abstän- und vor allem feuchtigkeit und nässe in das auflager, was
de sich ein maß von 70 bis 85 cm als statisch günstig zu einer irreparablen schädigung des balkenkopfes - und
erwiesen hat. zur aussteifung des wandgefüges muß die damit der ganzen konstruktion - führt. (abb. 32)
decke zugfest mit den umfassungswänden verankert wer-
den. die anker sollen ca. alle 2 m angeordnet werden. bei balkenanker (abb. 33)
wänden, die mit der balkenlage gleichlauten, müssen die die balkenlage muß eine wirksame verankerung gegen-
anker mindestens drei balken erfassen. die anker sind in überliegender außenwände ergeben. zu diesem zweck
vollen wänden oder unter fensterpfeilern anzubringen.16 wird bei geschoßbalkenlagen etwa jeder vierte balken an
balkenauflager den enden durch stahlanker mit dem mauerwerk zugfest
bei ziegelwänden sind die balken auf eine volle waag- verbunden.
recht abgeglichene ziegelschicht, bei hohlblocksteinwän- man unterscheidet zwischen balkenankern, die bei trä-
den auf die ringverankerung aufzulegen. der balkenkopf men normal zum mauerwerk zur verwendung kommen,
(besser noch der gesamte balken) sind mit einem aner- und giebelankern (abb. 34), die man verwendet, wenn die
kannten holzschutzmittel zu streichen und trocken zu ver- träme parallel zum mauerwerk liegen.
mauern (abb. 30). zum schutz gegen aufsteigende feuch- (siehe auch „balkenlage mit details“.)
tigkeit liegt der balken auf einem dachpappestreifen. das
mauerwerk soll mindestens 2 bis 3 cm entfernt bleiben. balkenstöße (abb. 35)
dieser hohlraum ist mit dem luftraum der balkenfache zu über die ganze gebäudetiefe durchlaufende balken (bal-
verbinden. es empfiehlt sich, zwischen balkenkopf und ken auf drei oder mehr stützen) sind anzustreben, weil sie
äußerem mauerteil zur vermeidung von tauwasser eine statisch günstig sind und holz sparen helfen. das stoßen
wärmedämmplatte (z. b. leichtbauplatte) einzuschieben. von balken ist jedoch oft nicht vermeidbar.
eine gute belüftung des balkenkopfes wird auch durch für zugbeanspruchungen müssen die stöße gegebenen-
eine umhüllung mit falzbautafeln erreicht. geschlossene falls durch laschen und bolzen gesichert werden.17
asphaltpappekappen sind nicht zweckmäßig, weil sie die (abb. 36)
lüftung behindern.
eine weitere art, das faulen zu verhindern ist das ausklei- schornsteinwechsel (abb. 37 - 39)
den der auflager mit lärchenbrettern, sogenannten „tram- schornsteine, ebenso wie treppenöffnungen zwingen oft
16 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991
17 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

16 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991 17 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

218
vo 11 überspannen von räumen

37 38 + 39 40 41 + 42

abb.37 balkenauswechslung am schornstein, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre1, abb.41 alte kreuzstakung, heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991
1975 abb.42 verspannung durch flacheisenbänder, heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen,
abb.38 + 39 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 ravensburg, 1991
abb. 40 unter- bzw. überzug, hochbaukonstruktionslehre 1, riccabona, manz-verlag, 1993

dazu, deckenbalken auszuwechseln. das geschieht bei tion der „kreuzstakung“ (abb. 41) sorgte einigermaßen für
holzbalkendecken in einfacher weise durch einzapfen des das zusammenwirken der einzelnen balken.
unterbrochenen balkens (stichbalken) in einen wechselbal- durch kreuzweise verspannung mit flacheisenbändern
ken, der seinerseits in die benachbarten durchlaufenden (abb. 42) lassen sich aber bessere resultate erzielen. di-
balken eingezapft ist. „balkenschuhe“, stahlblechkonsolen ese maßnahme ist besonders dann notwendig, wenn die
vermindern den arbeitsaufwand und die schwächung des balken zu schwach gewählt sind und federn.18
holzquerschnitts. die balkenhölzer müssen mindestens 5
cm von der außenkante der schornsteinwange entfernt bearbeitungen von holzbalken
bleiben. der zwischenraum kann durch leichtbeton oder vor allem bei hallen und ähnlichen gebäuden, bei denen
auch durch in lehmmörtel verlegte dachsteinschichten große flächen zu überspannen sind, werden holzbalken
ausgefüllt werden. verwendet, die aus mehreren holzlatten zusammengeleimt
(siehe auch „balkenlage mit details“.) (abb. 43), bzw. -geklebt sind. dadurch kann man nicht nur
größere durchmesser für größere massen erreichen, son-
unter- bzw. überzüge (abb. 40) dern auch größere längen oder aber andere formen, wie z.
große spannweiten können durch die einführung von b. bögen, t-stützen oder balken, die am kopf abgeschrägt
querbalken unterteilt werden. diese können als unterzüge sind.
(tram aufgekämmt) oder überzüge (tram mit schraubbol- methoden zur verleimung bzw. zur verklebung sind unter
zen verhängt) ausgebildet werden und werden an geeig- anderem das versetzen der hölzer oder das verwenden von
neten stellen durch säulen abgestützt. nut- und feder- latten. (abb. 44 - 46)

versteifte tramdecken verbindungen von holzbalken


eine versteifte tramdecke ermöglicht eine lastverteilung das verleimen bzw. verkleben hat den vorteil, daß keine zu-
auf mehrere träme und verhindert ein anknicken hoher sätzlichen knotenelemente benötigt werden und daß eine
träme. sie ist für hohe belastungen geeignet. direkte kraftübertragung stattfindet. die nachteile sind, daß
ein nachteil aller holzbalkendecken ist das fehlen einer der querschnitt kleiner und damit die lastenübertragung ge-
lastverteilenden druckplatte, sodaß die wirkung von ein- ringer wird und daß die bearbeitung mehr zeit in anspruch
zellasten nicht über mehrere balkenfelder verteilt werden nimmt und damit teurer ist.
kann und die decke leicht in schwingung gerät. außerdem das verleimen bzw. verkleben wird auch als „tischlermäßige
tragen holzbalkendecken aufgrund ihrer struktur nur we- holzverbindung“ bezeichnet. (abb. 47)
nig zur aussteifung des baugefüges bei. die alte konstruk- das „ingenieurmäßige“ (abb. 48) verbinden von holzbalken
18 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

18 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

219
vo 11 überspannen von räumen

43 + 44 45 - 47 48 49 + 50

abb.43 verleimen von brettern zu bögen bei einem radius größer 6 m (wegen bruchgefahr) abb.48 verspannung durch flacheisenbänder, hochbaukonstruktionslehre 1,
abb.44 leimen von t-stückenabb. 45 versetzte hölzer riccabona,manzverlag, 1993
abb.46 nut und feder abb.49 aufbau einer tramdecke, hochbaukonstruktionslehre 1, riccabona, manz-ver-
abb.47 versatz, tischlermäßige holzverbindung lag,1993
abb.50 aufbau einer tramdecke mit versenkter sturzschalung, hochbaukonstruktionslehre 1,
riccabona, manz-verlag, 1993

(z. b. durch winkeleisen, u. ä.), hat vor allem den vorteil der terschicht (bei stuckdecken etc.) und erzielt somit einen
kostenersparnis. es ist jedoch darauf zu achten, daß sich besseren schallschutz.
zwischen dem balken und der eisenverbindung keine tiere,
pilze, etc. einnisten können (entstehung von z. b. pilzen zwischendecken (abb. 52 + 53)
durch verhinderung der natürlichen belüftung). konstruktiver die ausführung einer zwischendecke ist entscheidend für
holzschutz ist unbedingt erforderlich. die wärmedämmfähigkeit der holzbalkendecke. für die
schalldämmung ist sie in der heute üblichen ausführung
11.3.2 arten und aufbau einer decke jedoch nur von geringer bedeutung.
tramdecke die zwischendecke bestand früher aus sogenannten sta-
die normale tramdecke (abb. 49) erhält über den trämen ken, die mit strohlehm umwickelt waren und fast die gan-
eine sturzschalung, auf welcher 8 cm beschüttung aus tro- ze balkenhöhe einnahmen. auf den lehmschlag kam nach
ckenem, keimfreiem material aufgebracht werden (schlacke, dem austrocknen noch eine etwa 3 cm dicke, trockene
sand, blähton etc.). bei holzböden werden in die beschüttung sandschicht als sattes auflager für den fußboden. diese
polsterhölzer eingelegt, auf die der blindboden aufgenagelt sogenannten „wickelböden“ besaßen gute dämmfähig-
wird. bei massivböden wird über die beschüttung eine pvc- keiten, hatten jedoch ein hohes gewicht und erforderten
folie gelegt und ein estrich aufgebracht. auf die unterschicht unwirtschaftliche balkenquerschnitte.19
wird ein geeigneter putzträger aufgebracht (siehe kapitel inzwischen ist erwiesen, daß lehm - dessen feuchtigkeits-
„putzdecke“). gehalt auf der baustelle schwer prüfbar ist - infolge sei-
die tramdecke mit versenkter sturzschalung (abb. 50) erspart ner chemischen zusammensetzung die pilzentwicklung
4 cm an konstruktionshöhe. auf zwei seitlich an den trämen fördert und deshalb als deckenfüllung für holzdecken mit
befestigten leisten wird die sturzschalung zwischen die trä- halbtrockenen balken unbrauchbar ist.
me versenkt eingelegt. über dem tram müssen aus gründen die einschubdecke (abb. 54) ist die gebräuchlichste zwi-
der feuersicherheit 4 cm ver- schüttung verbleiben. schendecke, weil sie hinreichend schallschutz bietet. rau-
he gesäumte bretter von 18 mm dicke liegen auf seitlich
fehltramdecke (abb. 51) an die balken genagelten latten. das gesamte deckenholz
bei der fehltramdecke trägt der haupttram die fußboden- soll vor dem einbau mit einem holzschutzmittel gestrichen
konstruktion, der unabhängig davon verlegte, etwa 3/4 werden. die mindestens 8 bis 10 cm hohe auffüllung be-
starke fehltram reicht etwa 5 cm tiefer nach unten und steht aus trockener kesselschlacke oder getrocknetem
trägt die unterschicht. die konstruktion ist teuer, verhin- sand. dichtes auffüllen mit glaswolle oder schlackenwolle
dert aber eine übertragung von schwingungen auf die un- ergibt leichte, warme decken, die aber noch einer zusätz-
19 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

19 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

220
vo 11 überspannen von räumen

51 52 + 54 54 - 56

abb.51 aufbau einer fehltramdecke, hochbaukonstruktionslehre 1, riccabona, manz-ver- abb.54 einschubdecke mit auffüllung aus schlackenboden (sperrschicht: falzpappe),
lag,1993 frick,knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
abb.52 + 53 zwischendecke, heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991 abb.55 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975
abb.56 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

lichen schalldämmung bedürfen.


anstelle der einschubbretter können auch leichtbauplat- 11.3.3 skelettartige deckensysteme in stahl-holzkon-
ten (gipsdielen, holzwolle-leichtbauplatten), bimsdielen struktion (abb. 57 - 60)
oder bimsbetonhohldielen verwendet werden.20 der wunsch nach massiver überdeckung der räume ist
einschubdecke mit 7 cm dicken gipsdielen bzw. 11,5 cm schon sehr alt. in der romantik wurden die ursprünglichen
dicken bimsbalken o. ä. und entsprechend schwerer auf- holzbalkendecken aus gründen der sicherheit vor feuer,
füllung. die einschubplatten verbessern die tragfähigkeit schwamm und ungeziefer und wegen ihrer beschränkten
des balkens (abb. 55) lebensdauer infolge alterung fast ausnahmslos durch ge-
wölbe ersetzt.
putzdecken (abb. 56) für den wohnungsbau waren diese gewölbekonstruktionen
die putzdecke, die in der renaissance entstand, stellt auf wegen ihrer großen bauhöhe und des hohen baustoff- und
der holzbalkendecke immer einen fremdkörper dar. sie arbeitsaufwandes ungeeignet. erst mit der möglichkeit der
verbessert aber die wärme- und schalldämmung sowie errichtung von stahlbetondecken wurden massive decken-
die feuersicherheit der decke und trägt durch ihr lichtrück- konstruktionen im wohnungsbau verwendet, trotzdem sie
wurfvermögen zur besseren raumausleuchtung bei. eine reihe von nachteilen aufweisen, wie u. a. das geringe
bei ihrer konstruktion gilt es vor allem, die starre, une- körperschall- und wärmedämmvermögen.
lastische putzscheibe von der balkenlage zu lösen, um die vorteile solcher deckenkonstruktionen in skelettbau-
putzrisse, die durch das arbeiten der holzbalken leicht weise sind, daß sie vor allem bei gerippebauten aus stahl
entstehen, zu vermeiden. je weniger berührungspunkte bzw. stahlbeton, eine aussteifende wirkung besitzen, so-
zwischen putzschlacke und balkenlage bestehen, um so daß man ihre durchlaufwirkung über mehrere felder aus-
rißfreier wird die putzdecke bleiben. nützen kann, und sodaß sie - trotz geringer bauhöhe -
man nagelt auf die balkenunterseite längslaufende lätt- großen belastungen standhalten.
chen von 10 x 20 mm querschnitt und quer zu diesen in die vorher genannten nachteile wie z. b. das geringe
abständen von 25 cm dachlatten von 24 x 28 mm. gleich- schall- und wärmedämm-vermögen können leicht durch
laufend zu den deckenbalken werden dann die putzträ- einen geeigneten aufbau der dämm- und gehschichten
ger befestigt. als putzträger haben sich hauptsächlich vermieden werden.21
doppelte rohrmatten, holzstabgewebe, rippenstreckmetall mittlerweile änderte sich aus verschiedenen gründen
und ziegeldrahtgewebe bewährt. holzwolleleichtbauplat- manches in der verwendung der herkömmlichen materi-
ten erfordern keine lattung. sie werden unmittelbar auf alien. ziegelsteine und bauholz werden in besserer quali-
den deckenbalken befestigt.21 tät hergestellt.
20 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

21 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

20 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 21 heinrich schmitt, hochbaukonstruktionen, ravensburg, 1991

221
vo 11 überspannen von räumen

57 + 58 59 + 60 61 + 62

abb.57 - 59 trägerkonstruktion aus eisen und holz, ludwig klasen, handbuch abb.60 + 61 breymann, baukonstruktionslehre, 2. teil, holz, j. m. gebhart-verlag, leip-
derhochbaukonstruktionen, 1876 zig,1900, s.142
abb.62 schematische darstellung der grundformen von plattendecken, frick, knöll,neumann,
baukonstruktionslehre 1, 1975

tramtraversendecke (abb. 61)


am ende des 18 jh., in einer zeit in welcher sich die ver- die kombination aus den materialien stahl und holz fand in
wendung von glas anstelle von papier für die fenster form der tramtraversendecke im vorigem jahrhundert oft
durchsetzte, gab es in frankreich die zunft der „châses- anwendung. die günstigen eigenschaften des stahls nut-
siers“, deren aufgabe darin bestand, die fenster mit öl- zend, wurden die größeren spannweiten mit zusammen-
papier zu bespannen, sowie die dächer mit schiefer und gesetzten i-profilträgern überbrückt, während durch die
ziegeln anstelle von stroh zu decken. wo immer möglich, holzträme das zwischenfeld der stahlträger in einer art se-
wurden eisen und gußeisen verwendet (für die fenster- kundärkonstruktion gespannt wurden. der untere flansch
und türbeschläge, für einfriedungen und geländer, mitun- eines solchen stahlträgers wurde zugleich als auflager für
ter auch für tragende konstruktionen). die holzträme genutzt. dadurch konnten einerseits größe-
re spannweiten bei geringeren deckenkonstruktionshöhen
die decken der meisten häuser wurden in der regel von hergestellt werden. darüberhinaus war durch den einsatz
verschieden angeordneten holzbalken getragen. in sei- der stahlkonstruktion auch eine höhere sicherheit gegen
nem handbuch von 1802 vergleicht rondelet das schmie- fäulnis - da die träme nicht auf den mauern, sondern auf
deeisen mit dem holz und kommt zu dem schluß, daß den trägerflanschen auflagen - gegeben.
ersteres sehr wohl das letztere ersetzen könne. es liegt im weiteren konnten auch kamindurchführungen leichter
jedoch auf der hand, daß eisen in form von balken mit bewerkstelligt werden. ebenfalls ein vorteil der tramtraver-
rechteckigem querschnitt nicht geeignet ist, an die stelle sendecke ist insofern gegeben, als daß die errichtung von
des holzes zu treten, weil das größere gewicht nicht durch zwischenwänden direkt auf den traversen, ohne zusätzliche
eine größere festigkeit kompensiert wird. deckenverstärkung, möglich ist.
im jahre 1789 erprobt n. goulet ein system in einem haus aus brandschutzgründen sind stahlträger zu ummanteln. im
der rue des marais, vor allem mit dem ziel, brände zu ver- vorigen jahrhundert geschah dies durch überschüttung, bzw.
hüten. er füllt die zwischenräume zwischen den eisenträ- durch eine verputzte deckenunterkonstruktion. dabei wur-
gern mit kurzen bögen aus hohlziegeln aus. de auf abgehängten putzträgern aus schilfrohrmatten der
im 19. jh. werden die versuche, eisen für deckenkonstruk- kalkmörtel aufgebracht. es mußte sorge getragen werden,
tionen zu verwenden, wieder aufgenommen. zu einer be- daß der deckenputz nicht mit den eisenträgern in berührung
friedigenden lösung gelangt man jedoch erst 1836, als mit kommt, da sonst der träger durch rosten, ausblühen, etc. in
der industriellen herstellung von doppel-t-trägern aus ei- mitleidenschaft gezogen würde.
sen begonnen wird.22 ein schon sehr früh erkanntes problem bestand ebenfalls in
der schallfortpflanzung innerhalb des eisenträgers.
22 leonardo benevolo, geschichte der architektur des 19. und 20. jahrhunderts, 1964

22 leonardo benevolo, geschichte der architektur des 19. und 20. jahrhunderts, 1964

222
vo 11 überspannen von räumen

63 + 64 65 + 66 67 + 68 69 + 70

abb.63 decke aus betoneisen-balken, deutsche bauzeitung, 6. nov. 1901 abb.68 schematische darstellung der grundform von balkendecken, frick, knöll, neumann,
abb.64-67 (von oben) deckenauflager (stahlbetonplatte), deckenziegel für stahlsteindecken, baukonstruktionslehre 1, 1975
lasstahlbetondecke mit anschluß an außenwand in höhe einer stahlbetondecke, pilzdecke, abb.69 massivbalkendecke mit bewehrten hohlziegelbalken, frick, knöll, neumann,
links ohne, rechts mit stützkopf; frick, knöll, neumann, baukonstr.lehre 1, 1975 baukonstruktionslehre 1,1975
abb.70 massivbalkendecke mit fachwerkartigen stahlleichtträgern, frick, knöll, neumann,
baukonstruktionslehre 1, 1975

ton oder ziegelsplittbeton auf eine holz- oder stahltafel-


plattendecken (abb. 62) schalung geschüttet und entweder in einer richtung oder
platten sind ebene flächentragwerke, die quer zu ihrer kreuzweise mit rundstahl - oder häufiger mit betonmatten
ebene belastet sind. sie können linienförmig oder auch - bewehrt. die deckenstärke ergibt sich aus belastung,
punktförmig gelagert sein. je nach ihrer statischen wir- spannweite, art der bewehrung und dem eigengewicht.
kung werden einachsig oder zweiachsig gespannte plat- die platten werden ein- oder zweiachsig gespannt. vier-
ten unterschieden.23 seitig gelagerte rechteckplatten sind als zweiachsig ge-
die unübersehbare vielzahl von einzelformen der massiv- spannt auszubilden.
decken läßt sich innerhalb von zwei formengruppen, näm- stahlbeton-plattendecken werden auch aus raumgroßen
lich den platten und den balken, ordnen und so in bezug fertigplatten oder aus vorgefertigten stahlbetondielen her-
auf wirtschaftlichkeit und eignung für bestimmte aufgaben gestellt. im letzteren falle besteht die platte aus der fertig-
miteinander vergleichen. platte und einer ortbetonschicht.

decke aus betoneisenbalken (system siegwart) (abb. stahlsteindecken (abb. 65)


63) stahlsteindecken sind plattendecken. ihre mindestaufla-
zur ersparung der bei betoneisen-decken sonst erforder- gertiefe entspricht denjenigen der platten. die decken eig-
lichen schalung, sowie zur vermeidung des mit der her- nen sich für den fertigteilbau und für stützweiten, bei de-
stellung der decke an ort und stelle verbundenen zeit- nen stahlbeton-volldecken nicht mehr wirtschaftlich sind.
verlustes, hat der architekt siegwart in luzern, nach der
schweizer bauzeitung eine neue decke konstruiert, die glasstahlbetondecken (abb. 66)
aus nebeneinander verlegten hohlen betonbalken be- glasstahlbetondecken ermöglichen die abdeckung und
steht, die mit rundeisen bestückt sind. die bauweise bietet belichtung von hofkellern, lichtschächten u. ä. die beton-
den vorteil, daß man bei herstellung der balken in der fa- gläser müssen unmittelbar in den beton eingebettet sein,
brik sowohl hinsichtlich der güte des materials, als auch sodaß ein verbund zwischen glas und beton gewährleistet
der sorgfalt der ausführung eine weit schärfere aufsicht ist.
führen kann, als bei der herstellung am bau selbst mög-
lich wäre.24 pilzdecken (abb. 67)
pilzdecken werden meist über räumen angewandt, die
stahlbeton-vollplatten (abb. 64) sehr großflächig, aber leicht überschaubar sein sollen und
die stahlbeton-vollplatte wird aus kiesbeton, bimsbe- deren decken daher nur gewissermaßen punktförmige un-
23 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

24 dt. bauzeitung, 6. nov. 1901

23 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975


24 dt. bauzeitung, 6. nov. 1901

223
vo 11 überspannen von räumen

71 + 72 73 - 76 77 78

abb.71 + 72 plattenbalkendecke (stahlbewehrung nicht gezeichnet), frick, knöll, neumann, abb.76 auswechslung eines stahlbeton-fertigbalkens, frick, knöll, neumann,
baukonstruktionslehre 1, 1975 baukonstruktionslehre 1, 1975
abb.73 stahlbeton-rippendecke, frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 abb.77 vom caementum zum spannbeton, beiträge zur geschichte des betons, band 1,
abb.74 stahlbeton-rippendecke aus fertigteilen, frick, knöll, neumann,baukonstruktionslehre teila, dr. gustav haegermann, bauverlag gmbh, wiesbaden, berlin
1, 1975 abb.78 wand- und deckenverkleidungen in holz, detail bücherei, georg d. w.
abb.75 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 callwey,münchen, 1968

terstützungen bei geringer konstruktionshöhe zulassen. hen.


die ehemals außerhalb der deckenplatte liegenden pilz- die ziegelbalken erhalten bei ihrer herstellung die erfor-
kopfähnlichen stützkopfverstärkungen sind nicht erforder- derliche, in beton eingebettete bewehrung. die zwischen-
lich, wenn die sicherheit gegen durchstanzen rechnerisch bauteile können statisch mitwirken, oder sie beteiligen
nachgewiesen wird.25 sich nicht an der lastaufnahme.
das balken- und damit das deckengewicht kann durch
balkendecken (abb. 68) verwendung von stahlleichtträgern weiter vermindert wer-
balken sind überwiegend auf biegung beanspruchte stab- den.
förmige träger beliebigen querschnitts.
balkendecken sind deckenbalken mit zwischenbauteilen, plattenbalkendecken (abb. 71 + 72)
die in der längsrichtung der balken nicht mittragen, oder wirtschaftlicher als eine vollplatte ist bei größeren stützwei-
aus balken ohne solche zwischenbauteile (z. b. aus un- ten und lasten die plattenbalkendecke. bei ihr wird der be-
mittelbar nebeneinander verlegten stahlbetonfertigbal- ton der zugzone auf das notwendige maß vermindert und
ken) bestehen. die erforderliche zugbewehrung in balken zusammenge-
faßt. die plattenbalkendecke besteht aus rechteckbalken
massivbalkendecken (abb. 69 + 70) und monolithisch mit ihnen verbundenen platten, die als
die suche nach massivdecken, die ohne schalung herge- beidseitig über die balken ragende kragplatten oder als
stellt werden können, hat zu decken geführt, die von mehr durchlaufplatten ausgebildet werden können.26
oder weniger dicht nebeneinanderliegenden vorgefertig-
ten massivbalken getragen werden. diese massivbalken stahlbeton-rippendecken (abb. 76 - 79)
können u. a. die form von stahlbetonbalken, profilierten die druckplatte der stahlbeton-rippendecke erhält nur eine
stahlbetonträgern mit steg und flansch oder von stahlbe- einfache querbewehrung zur sicherung der quersteifigkeit,
ton-hohlbalken, von ziegelhohlbalken oder von stahlleicht- die zugbewehrung liegt in den längsrippen, die minde-
trägern haben. von vorteil ist die meist hohe tragfähigkeit stens 5 cm breit sein müssen. die stahlbeton-rippendecke
dieser decken und die geringe baufeuchtigkeit. nicht zu besteht statisch aus t-balken, die quersteif untereinander
unterschätzen sind jedoch transport- und montagekosten verbunden sind.
bei dicht verlegten massiven stahlbeton-fertigbalken. der unterschied zwischen einer stahlbeton-rippendecke
sehr weit verbreitet sind decken mit fertigbalken, die aus und einer stahlsteindecke, die ihr äußerlich ähnelt, besteht
- auf mannigfache art geformten - spezialhohlziegeln mit darin, daß bei der stahlbeton-rippendecke unter verwen-
zwischenbauteilen aus großförmigen hohlziegeln beste- dung von hochwertigem stahl mit hochwertigem beton die
25 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 26 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

25 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975 26 frick, knöll, neumann, baukonstruktionslehre 1, 1975

224
vo 11 überspannen von räumen

79 80 + 81

abb.79 wand- und deckenverkleidungen in holz, detail bücherei, georg d. w. abb.80 + 81 heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 12.
callwey,münchen, 1968 aufl.,braunschweig, wiesbaden, 1993

entsprechenden zulässigen spannungen voll ausgenützt geln. schon vitruv beschreibt genau, wie solch ein mar-
werden dürfen. morersatz angefertigt zu werden hat.
stahlbeton-rippendecken können mit statisch mitwir-
kenden zwischenbauteilen hergestellt werden. genau genommen sind solche verkleidungen der gewölbe
stahlbeton-rippendecke aus stahlbeton-fertigteilen mit der beginn der deckenuntersichten. im prinzip bleibt diese
rippendecken-füllkörpern: der fugenmörtel der besonders art der konstruktion von deckenuntersichten ohne gröbere
geformten stoßfuge gewährleistet die druckübertragung bautechnische veränderung auch bis in die renaissance
zwischen den füllkörpern. querbewehrung in der druckzo- erhalten. in dieser epoche wurden die baumeister der
ne (abb. 78). absolutistischen herrscher mit dem problem konfrontiert,
daß von den geschoßdecken der größeren räume ihrer
schornsteinwechsel (abb. 79) schlösser die neuaufgebrachten stuck-deckenteile he-
wechselbalken für auswechslungen von balken bei schorn- runterfielen und die deckenuntersicht risse aufwies. und
steinen etc. sollen möglichst dadurch vermieden werden, weil der kunde könig ist, entwickelten die hofbaumeister
daß schornsteine zwischen den balken hochgeführt wer- auch ein wirklich revolutionäres deckensystem, mit wel-
den. sind wechsel notwendig, so ist der stichbalken auf chem diesen problemen beizukommen war, und zwar
der seite des wechsels abzustützen und der wechselbal- die fehltramdecke. dieses technische erneuerung wurde
ken an ort und stelle zu bewehren und zu betonieren. die nicht mehr übertroffen, bis die stahlbetondecke mit ihrem
endhaken des stichbalkens müssen herausragen oder schichtenaufbau entwickelt wurde.
freigelegt sein. die bewehrung des wechselbalkens ist je-
weils zu berechnen. der fertigbeton soll mit mindestens 30 deckenverkleidungen und hängedecken sind schichten,
mm betonlänge in den wechselbalken einbinden. welche aus einer unterkonstruktion und einer flächenbil-
denden untersicht bestehen. bei deckenverkleidungen ist
11.3.4 deckenuntersichten die unterkonstruktion unmittelbar an den tragenden bau-
wie schon erwähnt haben die römischen architekten teilen verankert, bei hängedecken wird die unterkonstruk-
gerne mit beton ihre tragwerke gebaut (siehe pantheon) tion abgehängt. wie bereits angeführt wurde, entwickelten
(abb.77) ,aber die betonoberfläche genügte ihren ästhe- sich die untersichten aus ästhetischen gründen und kön-
tischen ansprüchen - welche noch immer durch das helle- nen seit ihrer trennung vom tragenden querschnitt auch
nistische schönheitsideal geprägt waren - nicht. deshalb schall- und wärmetechnische aufgaben übernehmen. ein
verkleideten sie, wo es nur ging, den beton mit marmor nicht unwesentlicher punkt ist auch die aufnahme der
(dieser war besonders beliebt), marmorersatz oder zie- hausinstallation ohne komplizierten konstruktionen von

225
vo 11 überspannen von räumen

82 + 83 84 + 85 86 + 87 88

abb.82 heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 12. aufl., braunschweig, abb.83 - 88 prospektmaterial der firma owa
wiesbaden, 1993

deckenschlitzen oder -durchbrüchen ausführen zu müs- dige konstruktion wurde bis ins beginnende 20. jh. ausge-
sen. führt, später wurden die deckenuntersichten nur mehr glatt
verputzt. da die tragkonstruktion eine holzbalkendecke war,
es sind folgende teile der konstruktion zu unterscheiden mußte als haftgrund eine schilfmatte auf die holzbalkende-
· verankerungselemente cke aufgebracht werden. in der mitte des 20. jh. wurde die
sind teile, welche die abhänger oder deckenverkleidung sogenannte rabitzdecke entwickelt, welche schon eine ab-
direkt mit dem tragenden bauteil verbinden. hängung von der geschoßdecke zuließ und nicht mehr direkt
· abhänger daran montiert werden mußte. heute werden für stuckde-
sind teile, welche die verankerungselemente mit der un- cken vorgefertigte gipselemente erzeugt, welche nur mehr
terkonstruktion verbinden. mittels klebemasse an der decke aufgebracht, gespachtelt,
· unterkonstruktion geschliffen und gestrichen werden.
sind teile, die die untersicht tragen.
· untersicht gipskartonplattendecken
sind teile, die den raumseitigen abschluß bilden. wegen ihres geringen gewichtes und der leichten bearbeit-
· verbindungselemente barkeit sind sie heute eine sehr beliebte methode zur her-
sind teile, die die verankerungselemente, abhänger, un- stellung abgehängter decken, vor allem, wenn keine sicht-
terkonstruktionen und untersicht verbinden. bare felderteilung oder struktur gewünscht wird.
als unterkonstruktion können lattungen aus holz oder me-
hinsichtlich der verwendeten oberflächenmaterialien kann tallkonstruktionen verwendet werden. die stöße der platten
man untersichten in folgende gruppen unterteilen werden bandagiert und verspachtelt.
· flächige decken
putz-, stuck-, gips- und gipskartonplatten-decken elementdecken
· elementdecken mineralfaserdecken
mineralfaser-, metall-, holz- und kunststoffdecken mineralfaserplatten, 15 oder 20 mm dick, werden in verschie-
denen oberflächenstrukturen mit werkseitiger beschichtung
flächige decken angeboten. sie werden hauptsächlich im objektbereich ein-
putz-, stuck- und gipsdecken gesetzt. die plattengrößen sind alle genormt, da sie mit den
wie bereits angeführt, sind die stuckdecken eine der älte- leuchtenmaßen und den maßen für lüfter etc. übereinstim-
sten untersichten. sie erlebten schon in der renaissance in men müssen. die aufhängung erfolgt mittels vorgefertigter
den palästen des adels ihre blüte. diese sehr arbeitsaufwen- unterkonstruktionen aus blech. werden die platten nur ein-

226
vo 11 überspannen von räumen

gelegt, bleiben die tragprofile als rahmen sichtbar. sind die fil werden die blechplatten eingeklemmt. die kasetten sind
platten genutet, werden sie unsichtbar. daher leicht abnehmbar und jederzeit zerstörungsfrei wie-
derverwendbar.
metalldecken
diese werden nach den gleichen prinzipien hergestellt, wie paneeldecken
parallele aluminium-tragschienen werden von der decke abgehängt, in welche die u-förmig gebogenen bleche (paneele) eingeklemmt werden. die paneelbreiten liegen zwischen 3 und 30 cm, die längen reichen bis 6 m.

mineralfaserdecken. die harte, aber federnde oberfläche


wirkt als vorsatzschale. sie soll in jedem fall mit schallschutz- lamellen und rasterdecken
materialien hinterlegt werden. metalldecken wurden im be- für lamellendecken werden paneele senkrecht in aus-
reich der u 2-haltestellen in wien verwendet. es handelt sich stanzungen von tragschienen geklemmt.
um eine konstruktion aus gelochten metallpaneelen, welche für rasterdecken wird ein vorgefertigter steckraster mittels
natürlich mit schall-absorbierendem material hinterlegt wur- drahthaken oder aufhängebügeln an tragprofile gehängt. die
den, um die geräuschbelästigung der wartenden fahrgäste stöße der einzelelemente der kassettierungen werden durch
durch die einfahrenden u-bahnen gering zu halten. eingelegte oder überschobene kupplungen gesichert.
kassettendecken
ein grundträger wird auf hängeeisen abgehängt und auf die- kunststoffdecken
sen ein tragprofil im rechten winkel befestigt. in das tragpro- sie sind eigentlich die neuentwicklung auf dem sektor der

abb.89 - 96 prospektmaterial der firma owa abb. 97+99 wand- und deckenverkleidungen in holz, detail bücherei, georg d. w. callwey,
münchen, 1968

89 + 90 91 92 + 93 94 + 95 96

97 98 99

227
vo 11 überspannen von räumen

deckenuntersichten und werden genauso als paneel-, ra- che untersicht das ergebnis einer tramdecke mit einer sturz-
ster- oder kassettendecken angeboten. sie bieten jedoch schalung also das tragsystem der zimmerdecke bildete.
den vorteil, in jeder form - und sei es gebogen - ausgeführt holzdecken sind auch in paneel-, lamellen-, kassetten- und
werden zu können. auch jede kombination dieser elemente rasterdeckenausführung erhältlich.
mit wandverkleidungen ist möglich. darum wurden auch für
die aufenthaltsbereiche der haltestellen der u 3 in wien sol- akustikdecken
che elemente in schallabsorbierender ausführung gewählt. prinzipiell können alle abgehängten deckenuntersichten als
sie werden in verschiedenen formen und teilungen erzeugt. akustikdecken ausgeführt werden. diese konstruktion kann
verbunden werden die einzelnen elemente mit drahtklam- schall zwar nicht abwehren - dazu fehlt ihr die notwendige
mern, die auch zur aufhängung an die tragkonstruktion die- masse. aber die raumakustik wird auch von der reflexion,
nen. schalldämpfung und schallabsorption wesentlich beeinflußt,
und bei diesen faktoren kann eine richtig konstruierte aku-
holzdecken stikdecke großen einfluß nehmen. wenn die vorsatzschale
abgehängte zwischendecken aus holz sind eigentlich eine biegeweich, hinterlüftet und nicht als geschlossene ober-
reminiszenz an die gute alte zeit, als man sie noch nicht als fläche ausgeführt werden kann, die befestigung an der de-
zwischendecke hat einziehen müssen, sondern als eine sol- cke auch beweglich gelagert und nicht starr ist, hinter der

abb.100-103 wand- und deckenverkleidungen in holz, detail bücherei, georg d. w. callwey,


münchen, 1968

100

101 102 103

228
vo 11 überspannen von räumen

konstruktion ein schallabsorbierendes material aufgebracht


wird und die schallreflexion durch die gestaltung der decke
gesteuert wird, dann kann nur mehr eine unfachmännische
montage den erfolg - also eine ansprechende raumakustik
- zunichte machen.
11.4 zukunftsweisendes / utopisches

ein ziel für die weiterentwicklung von decken und decken-


systemen wird, unter zuhilfenahme neuer materialien, die
konstruktion in ultradünnbauweise sein, die unter anderem
eine vergrößerung der spannweite möglich machen würde.
zugleich müßte man aber die schwingungsanfälligkeit redu-
zieren.

229
vo 11 überspannen von räumen

230
vo 12 begehbares dach

231
vo 12 begehbares dach

vo 12 begehbares dach terrassen, grün- und flachdach, aufbau und konstruktion

232
vo 12 begehbares dach

233
vo 12 begehbares dach

1+2 3 4

12. begehbares dach abb.1-4 ehore camesasca, geschichte des hauses, berlin, 1986, s. 16, 31, 62

12.1 definition tischen glaubens überliefert. imhotep gereichte dieses


bauwerk zu großem ruhme, sodaß auch die griechischen
im etymologischen wörterbuch findet man unter „dach“ baumeister ihn als gottheit hoch achteten und verehrten.
bzw. „decke“ folgendes: die umfänglichen forschungen und rekonstruktionen die-
dach: das altgermanische wort, mittelhochdeutsch dach, ser baulichen anlagen lassen erstmals den rückschluß auf
althochdeutsch dah, niederländisch dak, englisch thatch, ebene dachkonstruktionen zu. als besonders aufschluß-
schwedisch dak gehört zu der wortgruppe von decken. es reich für das heranreifen archetypischer wohnhaus- und
ist eng verwandt z. b. mit dem griechischen tègos „dach, dachformen im mediterranen kulturkreis können indes-
haus“ und mit der keltischen sippe vom kymrischen to sen jene frühen handwerker- und künstlersiedlungen gel-
„dach“ und bedeutet eigentlich „das deckende“, das de- ten, welche im zusammenhang mit diesen grandiosen kul-
ckende schützende dach ist eine urform des hauses. so turbauten entstanden sind.3
kann das wort sinnbildlich für „haus“ stehen („ein gast- ihre dachflächen waren zu terrassen ausgebaut, auf denen
liches dach; unter dach und fach bringen“). schon mit- während der heißen sommernächte die familien schliefen.
telhochdeutsch ist der übertragene gebrauch für „bede- als zweckmäßige erweiterung des hauses waren sie bei
ckendes, oberstes, schirmendes“ (dazu „obdach“ und den bewohnern hoch geschätzt. angesichts der engen be-
neuhochdeutsch „dachverband, -gesellschaft“) und für bauung erfolgte die belichtung in die weißgeschlemmten
„schädeldecke“, wozu die umgangssprachliche redensart innenräume über sparsam angeordnete öffnungen, wel-
„jemanden eins aufs dach geben“ etc.1 che in die dachdecken eingebracht waren.
otto wagner bezeichnet in solchem zusammenhang das
dach, die schützende decke, als die erste menschliche über das für und wider von flachdachausführungen
bauform: das dach war eher als die stütze, eher als die albrecht dürer riet 1518 in einem gutachten über die ein-
wand, selbst eher als der herd.2 deckung einer klosterkirche zu einem flachen dach:
· da man das dach doch nicht so hoch brauche, denn man
12.2 geschichte schütte kein korn darauf,
· da es leichter sei und keinen winddruck auszuhalten
das flache dach als archetypus (abb. 1 - 4) habe,
die geschichtsschreibung verbürgt den großen imhotep · da es dem feuer weniger nahrung gäbe und
als den ideenreichen architekten der 2700 v. chr. entstan- · weil es geringere unterhaltskosten verlange, als ein ho-
denen nekropole von sakkara, grabanlage des pharao hes, steiles dach.4
djoser. sie ist uns als ein- drucksvolles zeugnis altägyp- nach dem erscheinen der dachpappe 1840 schrieb kurz
1 duden, etymologie, herkunftswörterbuch der deutschen sprache, band 7, 1963
3 john romer, sie schufen die königsgräber, münchen, 1986

2 otto wagner, unbegrenzte großstadt, beginn der modernen architektur, 1976 4 vedag-buch, 1931, s. 22

1 duden, etymologie, herkunftswörterbuch der deutschen sprache, band 7, 1963 3 john romer, sie schufen die königsgräber, münchen, 1986
2 otto wagner, unbegrenzte großstadt, beginn der modernen architektur, 1976 4 vedag-buch, 1931, s. 22

234
vo 12 begehbares dach

5 6

abb.5+6 s. giedion, raum, zeit, architektur, die entstehung einer neuen tradition, stuttg-
art1965, s. 214

darauf g. linke in seinem buch „der bau flacher dächer“: grundriß, die kubischen grundformen der baukörper, die
außer den konstruktiven und ökonomischen vorteilen der horizontalität als gliederungsprinzip und das dach als ho-
flachdächer geben die daraus hervorgehenden edleren rizontaler gebäudeabschluß.6
verhältnisse der äußeren form und die oft überraschung
gewährende kombination im plan schon allein ein hin- archetypische formen
reichendes motiv, sich ihrer ausschließlich zu bedienen, neu-mexico (abb. 7 + 8)
ohne den in unserem oft unfreundlichen klima um so tiefer seit alters her haben die menschen an den unterschied-
empfundenen annehmlichkeiten der offenen, mit freund- lichsten orten der welt ihre häuser mit flachen dächern
lichem grün umgebenen balkone und plattformen (ter- abgeschlossen - vorausgesetzt das klima ließ es zu. wie
rassen) zu gedenken, welche letztere dem oft räumlich in den meisten fällen dürfte auch bei den pueblo-indianern
beschränkten familienleben in den größeren städten ei- im südwesten der usa die erhebliche einsparung an kost-
nen unschätzbaren gewinn gewähren. kurz, es bedarf nur barem holz gegenüber dem geneigten dach eine wesent-
eines freien um-sich-schauens, um mit liebe eine sache liche rolle gespielt haben. aber auch die anderen vorteile
anzuerkennen die unbedingt einen fortschritt in unserer des flachdaches, wie die erweiterung des lebensbereiches
architektur bezeichnet und in der tat, ohne hierbei einem auf die dächer, die möglichkeit der uneingeschränkten ad-
flachdachdogmatismus zu huldigen, eine öffentliche wohl- dierbarkeit sowie des späteren aufstockens sind konse-
tat zu werden beginnt.5 quent genutzt. die pueblos befinden sich in einer perma-
nenten bauphase. ausgehend von einer grundeinheit wird
chicago und das flache dach
in der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts wird chicago zu einem zentrum des neuen bauens. das prinzip der eisenskelettkonstruktion führt zu neuen gebäudetypen, zum hochhaus und zum großflächigen hallenbau. in diese entwicklung tritt die folgenreiche entdeckung des bitumens, welches als abfallprodukt bei der veredelung des erdöls anfällt. mit ihm wird die wichtigste konstruktive und ökonomische voraussetzung für das flache dach erreicht. an die stelle der wasserabführenden geneigten dachflächen treten als gebäudeabschluß kräftige gesimse, attiken oder ein zurückgesetztes, oberes geschoß unter einem weit auskragenden flachen dach, wie es louis sullivan 1899 beim schlesinger and mayer department store (abb. 5) verwirklicht. das dach wird für technisch notwendige aufbauten, für dachgärten und nicht selten als der zweckmäßige ansatz für spätere erweiterungen genutzt.
jeder weitere raum erst dann hinzugefügt, wenn er benö-
frank lloyd wright, schüler sullivans, verwirklicht mit den tigt wird. aber auch der unterhalt der gebäude und beson-
neuen konstruktionen des stahls und des stahlbetons ders der dächer erfordert während der feuchten jahres-
neue räumliche konzepte. 1902 entsteht das yahara boat zeit ständige reparaturarbeiten und bindet die bewohner
clubhouse (abb.6). ein weit auskragendes, flaches dach an ihre unterkunft. ein großer vorteil des hauptbaustoffes
unterstreicht die horizontalität des bauens und gibt ihm lehm ist, daß er direkt aus der umgebung genommen und
charakteristischen ausdruck. selbst ohne einsatz von werkzeugen mit der bloßen hand
wright findet zu einer formensprache, welche nahezu al- verarbeitet werden kann. das läßt auch immer wieder
les vorwegnimmt, was zwei jahrzehnte später in europa kleine änderungen wie das kurzfristige zumauern von fen-
als syntax und vokabular der klassischen moderne von steröffnungen während der kalten wintermonate zu. die
der geschichtsschreibung für die architektur der 20er jah- flachen dächer dienen als verkehrs- und erschließungs-
re in anspruch genommen wird: der offene und fließende wege sowie für alle möglichen aktivitäten des täglichen
5 g. linke, der bau flacher dächer, braunschweig, 1840 6 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

5 g. linke, der bau flacher dächer, braunschweig, 1840 6 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

235
vo 12 begehbares dach

lebens. an festtagen sind sie eine willkommene tribüne, kant- oder rundhölzern werden reisig, zweige und rinden
um den tänzern im hof zuzusehen. alle flachdächer der kreuzweise verlegt, darüber folgt eine 30 - 50 cm dicke
pueblo-indianer werden als neuer, künstlicher boden und lehmschicht. diese erhält als schutz vor direkter sonnen-
somit als allgemeinbesitz betrachtet. einstrahlung und vor beschädigung durch begehen und
abschwemmen eine lose schieferschüttung, die von zeit
anatolien zu zeit mit steinwalzen festgedrückt wird.
ausgrabungen in anatolien lassen den schluß zu, daß es
dort bis zum ende des 2. jh. v. chr. nur flachdächer gab. hunza
bereits vor etwa 8000 jahren zeigt die zentralanatolische das haus der hunzukutz im karakorum entstand vermutlich
stadt catal hüyük (abb. 9 + 10) eine struktur, wie wir sie aus der jurte, die bei nomadenvölkern vom iran bis in die
noch heute bis hinein nach afghanistan und im norden mongolei verbreitet ist. bei beiden handelt es sich um ein-
indiens finden. die siedlung besteht aus einraumhäu- raumwohnungen mit einer zentralen öffnung im dach, die
sern mit einer geräumigen öffnung im dach, welche zur zur belichtung, belüftung und als rauchabzug dient und die
erschließung und als rauchabzug dient. vom dachaufbau bei bedarf geschlossen werden kann. in hunza erfolgt über
nehmen die archäologen an, daß er dem heute in der ge- diese auch die erschließung, sodaß die außenwände aus
gend üblichen sehr ähnlich war. auf der konstruktion aus bruchsteinmauerwerk vollkommen geschlossen sind. das

abb.7 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, abb.9+10 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
köln,1992, s.19 1992, s. 20 + 21
abb.8 ehore camesasca, geschichte des hauses, berlin, 1986, s. 216

9 10

236
vo 12 begehbares dach

relativ trockene klima ließ die ausbildung einfacher flach- erwecken - gerade im zusammenhang mit der diskussion
dächer zu, die an den steilen berghängen oft die einzigen um ökologisches bauen - das interesse von architekten
ebenen flächen im freien darstellen. sie werden für alle mög- und wissenschaftlern. auch heute noch leben viele men-
lichen hausarbeiten, gelegentlich auch zum dreschen von schen in wohnungen, die ausgehend von zentralen, vor-
getreide und zum schlafen in den heißen sommernächten weg ausgehobenen höfen in die lößschicht eingegraben
genutzt. sind, wobei der darüberliegende, natürlich gewachsene
die begehbaren flachdächer der 900 jahre alten burg von boden als anbaufläche weitgehend erhalten bleibt. wei-
altit haben ebenso wie die dächer der wohnhäuser keine tere vorteile dieser seit etwa 6000 jahren existierenden
brüstung. lediglich am rand gibt es eine kleine, wulstartige bauweise sind die kosten- und energieersparnis bei der
aufkantung, die die wände vor herabrinnendem wasser herstellung, da nur baumaterialien aus der umgebung ver-
schützt.7 wendet werden, die energieeinsparung im unterhalt und
eine temperaturausgleichende wirkung in einer zone ex-
china tremer klimaunterschiede. letzteres führt dazu, daß es im
im trockenen norden und westen chinas gibt es seit alters winter 10 grad wärmer und im sommer 10 grad kälter ist
her die unterschiedlichsten bautypen von flachen dächern. als im freien.
vor allem die höhlenhäuser im lößgürtel am gelben fluß eine der einfachsten möglichkeiten der ausbildung eines
7 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.11-16 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
1992, s. 21, 24, 25, 28, 29

14 + 15

11 + 12

13 16

7 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

237
vo 12 begehbares dach

flachdaches zeigen häuser in turfan (abb.13). hier, etwa lm jemen gibt es vier traditionelle haustypen, deren ge-
100 m unter meeresniveau, ist die luft so trocken, daß meinsames merkmal, neben der verwendung der in der
die seltenen regenfälle meist verdunsten, bevor sie die umgebung vorhandenen materialien, das begehbare dach
erde erreichen. deshalb muß den problemen der dach- ist. sie unterscheiden sich vor allem durch größe, material
abdichtung keine aufmerksamkeit geschenkt werden. so und bauart ihrer außenmauern, während die konstrukti-
paßt sich die nur wenige zentimeter dicke, mit stroh und on von decken und dächern ähnlich ist. fast immer führt
reisig bewehrte lehmschicht wie eine folie der balkenlage vom obersten stockwerk eine steile treppe auf das flache
aus geschälten pappelstämmen an. dort, wo ein oberlicht dach, welches zum wäschetrocknen und für hausarbeiten
benötigt wird, ist nur die dachschicht unterbrochen, eine verwendet wird. als brüstung dienen die nach oben ver-
spezielle randaufkantung gibt es nicht. daneben gibt es längerten außenmauern (abb. 14 - 16), aber oft werden
aus gründen der holzersparnis und wegen des guten tem- auch die innenwände über dach geführt und so die ter-
peraturausgleiches in den extrem heißen sommern und rasse unterteilt. als oberste dichtschicht wird ein zuvor
kalten wintern, gewölbte dächer aus lehmziegeln, die an vergorenes lehm-kalk-asche-gemisch auf das dach und
ihrer oberseite horizontal abgeschlossen sind. die brüstungsmauern aufgetragen. dieses ist im abgebun-
denen zustand weitgehend wasserfest. das dach erhält
jemen ein leichtes gefälle nach außen, wo das wasser über höl-

abb.17-21 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
1992, s.30, 31, 34, 36

17 18

19 20 + 21

238
vo 12 begehbares dach

zerne wasserspeier abgeleitet wird.8 gras. üblicherweise werden die häuser mit einem weißen,
wasserabweisenden und desinfizierenden kalkanstrich
südeuropa versehen, der sich bis in die gassen fortsetzt. dieser muß
wegen den sonst zu feuchten klimabedingungen und der jährlich im frühjahr erneuert werden. da auch die oberste
früher fast überall ausreichenden holzvorkommen sind lehmschicht alle zwei bis drei jahre ausgebessert werden
traditionelle flachdachbauten in europa auf teile spaniens muß, greift man heute immer häufiger zu beton, welcher
und die griechischen inseln (kykladen) beschränkt. die ty- allerdings nicht die klimaausgeichende wirkung des lehms
pischen kykladenhäuser (abb. 17 + 18) liegen meist an besitzt.
steilen berghängen. die dächer sind als terrassen ausge-
bildet, um die fläche wirtschaftlich zu nutzen. ln den heißen 15. - 19. jahrhundert
sommermonaten wird hier tagsüber gewohnt und nachts während das flachdach im mittelmeerraum, in asien und
geschlafen. der dachaufbau ist einfach. über der balken- amerika schon immer verwendet wurde, war es in mit-
lage aus zypressen- oder zedernsparren befinden sich tel- und nordeuropa lange ohne bedeutung. erst in der
dicht aneinandergelegte zweige oder schilfrohre. über der renaissance zeichnet sich der ausgeprägte wunsch nach
dazwischenliegenden lehm-schotterschicht folgt als deck- einem horizontalen gebäudeabschluß ab. leonardo da
schicht eine weitere lage lehm, manchmal auch erde und vinci macht sich ebenso gedanken zu dessen ausführung,
8 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.22+24+25 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller abb.23 a. ronner h., öffnungen, baukonstruktionen im kontext des architektonischenentwer-
verlag,köln, 1992, s. 40, 41, 42 fens, birkhäuser-verlag, basel, boston, berlin, 1991, s. 18

24

22

23 25

8 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

239
vo 12 begehbares dach

wie alberti, der auf die ideen vitruvs zurückgreift. (abb. 19 überdeckt. da das holzzementdach preisgünstig ist, gute
- 21) wärmedämmeigenschaften hat und eine gegenüber dem
auch bei den repräsentationsbauten des barock ist der steildach größere feuersicherheit besitzt, breitet es sich in
wunsch nach einem horizontalen gebäudeabschluß er- der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts in den deutschen
kennbar. aus der zeit um 1700 sind die ersten dachgä- großstädten rasch aus. auch der dachgarten gewinnt in
rten nördlich der alpen bekannt, bleiben aber einzelnen der romantik an bedeutung.9
schlössern vorbehalten, da der aufwand für dicke iso-
lier- und entwässerungsschichten und für die teuren dich-
tungsmaterialien kupfer, blei und teer enorm ist. ab etwa die jahrhundertwende
1780 finden sich in den utopisch-kühnen entwürfen der der nächste wesentliche impuls in der entwicklungs-
revolutionsarchitekten boullée und ledoux (klare, geome- geschichte des flachdachs geht von der einführung der
trischen formen) zumeist untergeordnete flachdachteile. stahlbetonbauweise aus. sie bietet nicht nur einfache
den entscheidenden durchbruch stellt 1839 die entwick- möglichkeiten zur herstellung ebener dächer und decken,
lung des holzzementdaches durch samuel häusler dar. auf sondern verlangt auch nach einer neuen, dem material
einer holzschalung werden mehrere lagen öl- oder pack- entsprechenden architektur. am radikalsten in der dama-
papier mit pech oder teer verklebt und mit sand oder kies ligen zeit ist der junge französische architekt tony garnier
9 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.26 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln, abb.30+31 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller
1992, s. 42, 44, 45, 46, 47 verlag,köln, 1992, s. 42, 44, 45, 46, 47
abb.27+28 eigene skizzen

27

26

28 29 + 30

9 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

240
vo 12 begehbares dach

mit seinen entwürfen für die cité industrielle (abb. 22), ei- zur anwendung kommen. nach dem großen brand von
ner idealstadt für 35.000 einwohner, an denen er ab 1901 1871 dehnt sich die stadt dank eines beispiellosen wirt-
arbeitet und die 1904 das erste mal ausgestellt sowie schaftsbooms explosionsartig aus. dabei führen der preis
1917 veröffentlicht werden. sein versuch, den geeigneten und die knappheit des bodens zu einer extrem dichten
ausdruck für das neue material stahlbeton zu finden, führt be- bauung, die durch das ausnutzen der grundstücke bis
zu durchgehenden fensterbändern, glaswänden, pfeilern zum rand und durch die entwicklung in die höhe gekenn-
und weit auskragenden vordächern. gemeinsames merk- zeichnet ist, wodurch sich automatisch kubische baukör-
mal aller häuser ist das flache dach, das teilweise als ter- per ergeben. die meisten gebäude sind reine nutzbauten,
rasse genutzt wird. am schnellsten jedoch setzt sich das die vor allem aus wirtschaftlichen gründen, auch wegen
flache dach im industriebau durch, denn dieser wird als der brandsicherheit, oben mit einem flachen deckel abge-
reiner zweckbau angesehen, bei dem die wirtschaftlich- schlossen sind. dieser bietet ausreichend platz für die neu
keit und nicht so sehr das aussehen zählt. auftretenden haustechnischen installationen. ermöglicht
wird die ausbildung der flachdächer aber erst durch die
die schule von chicago (abb. 23) entwicklung der bitumenpappe, - die - als abfallprodukt
in der zweiten hälfte des 19. jahrhunderts ist es ameri- bei der destillation von erdöl - in amerika seit mitte des
ka, vor allem chicago, wo flachdächer in breitem rahmen jahrhunderts anfällt.

abb.31-36 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
1992, s. 47, 48, 52, 53

31 34

32 35

33 36

241
vo 12 begehbares dach

daniel hudson burnham‘s reliance-building (abb.24) von otto wagner


1894 zeichnet sich durch leichtigkeit und transparenz aus. 1894 fordert otto wagner in seinem buch „moderne archi-
hier wird die auskragende platte des flachen daches erst- tektur“ eine neue, von historischem ballast befreite bau-
mals gestalterisch eingesetzt. kunst: „unser gefühl muß uns aber heute schon sagen,
daß die antikisierende horizontallinie, die tafelförmige
frank lloyd wright durchbildung der fläche, die größte einfachheit und ein
er hat entscheidend zur entwicklung des modernen flach- energisches vortreten von konstruktion und material bei
daches beigetragen, indem er die ideen der schule von chi- der künftigen, fortgebildeten und neuerstehenden kunst-
cago von den geschäfts- und bürohäusern der großstadt form stark dominieren werden.“11 beim postsparkassen-
auf die kleinen bauten der „suburbs“ überträgt. schon sehr amt (abb. 26) werden die flach (ca. 10°) geneigten holzze-
früh zeigen sich in seinem werk die unterschiedlichsten mentdächer hinter balustraden versteckt. auch die kirche
ansätze für die entstehung von flachdächern, von der be- am steinhof erhält einen waagrechten, als bekiestes
nutzbaren dachterrasse über die rein gestalterisch einge- holzzement-flachdach ausgebildeten, oberen abschluß,
setzte, auskragende stahlbeton-platte bis zu einfachen der es der kuppel erlaubt, ihre ganze monumentalität zu
kuben.10 entfalten.

10 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992 11 otto wagner, moderne architektur, wien, 1898

abb.37-40 w. zink, vom flachdach zum dachgarten, stuttgart, 1976, s. 113

37 38 + 39

40

10 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992 11 otto wagner, moderne architektur, wien, 1898

242
vo 12 begehbares dach

le corbusier (abb. 28) dort wo keine frostgefahr besteht, ... „12


kaum ein architekt der moderne hat die verwendung von trotz mancher technischer mängel, die aus den noch un-
flachdächern und deren nutzung so entschieden propa- genügenden möglichkeiten und erfahrungen seiner zeit
giert, wie le corbusier. der dachgarten ist eine wesentliche resultieren, sind le corbusiers flachdächer überzeugende
forderung in seinen fünf punkten für eine neue architektur. beispiele für seine thesen. (abb. 29)
in dem aufsatz „unterhaltung mit einem dachdeckermei-
ster“ argumentiert er: „... man muß zu einer grundsätz- die frühe moderne
lich anderen lösung gelangen; es ist nötig, daß das dach in der sowjetunion greifen die konstruktivisten tatlin und
nach innen geneigt wird, daß es den schnee während des tschernichow die neue formensprache auf. (abb. 30)
ganzen winters ruhig trägt, und daß das schmelzwasser,
das unter der einwirkung der zentralheizung entsteht, in frankreich sind es robert mallet-stevens und andré lurcat
durch ein abflußrohr verschwinden kann, das nicht mehr (abb. 31), die der moderne zum durchbruch verhelfen, in
außerhalb des hauses, sondern im inneren, womöglich italien guiseppe terragni. (abb. 32)
in der mitte, liegt - d. h. dort, wo es am wärmsten ist -
und daß dieses ablaufrohr von der nach innen geneigten als beispiel aus der tschechoslowakei von jaromir krejcars
dachfläche bis in den kanal am fuße des hauses gelangt, (villa am fluß) (abb. 33)
12 jos bosman, le corbusier und die schweiz, zürich, 1987

abb.41+42 rheinzink, anwendung im hochbau

41 42

12 jos bosman, le corbusier und die schweiz, zürich, 1987

243
vo 12 begehbares dach

wässerung werden bereits gebaut.


mies van der rohes entwurf für ein bürogebäude aus stahl- eine sonderstellung nehmen sicherlich die puristisch ein-
beton von 1922 (abb. 34) fachen, ganz auf die ästhetische wirkung zielenden de-
tails eines mies van der rohe ein, der versucht, mit einem
konstruktionen der frühen moderne minimum an aufkantung am dachrand auszukommen.
bis zum beginn der 20er jahre bleibt das holzzementdach 1927 erscheint die frankfurter norm für kleinwohnungs-
dominierend, auch wenn als tragkonstruktion anstelle der bauten, die sich ausführlich mit flachdachkonstruktionen
holzschalung auf balken immer mehr der eisenbeton ver- befaßt und als eine der ersten richtlinien hierzu angese-
wendung findet. die wärmedämmung ist äußerst knapp hen werden kann.13
bemessen, oft auch innen angebracht. es kommen über-
wiegend korkplatten zum einsatz. als dachdichtung fin- 12.3 Stand der Technik
den neben dem holzzementaufbau gußasphalt und auch
dachpappen verwendung. die entwässerung erfolgt bis 1945 bis heute
zum beginn der zwanziger jahre noch überwiegend nach in den 50er jahren setzt sich das flache dach schlagartig
außen, wobei das dach ein leichtes gefälle (2 - 3 %) nach durch. ludwig mies van der rohe realisiert bei der 1953 in
einer richtung erhält. aber auch dachflächen mit innenent- chicago fertiggestellten crown hall erstmals die idee eines
13 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.43+44 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller
verlag,köln, 1992, s. 101 + 102

43 44

13 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

244
vo 12 begehbares dach

außenliegenden tragwerks. das flache dach schwebt ge- holzzementdach (abb. 38)
wissermaßen, von vier großen geschweißten vollwandbin- mitte des 19. jahrhunderts fand das holzzementdach vor
dern aus stahl abgehängt, über dem darunterliegenden allem in österreich, im deutschen reich und in holland
raum, der stützenfrei und somit vollkommen flexibel und große verbreitung. die dachabdichtungen bestanden aus
universal nutzbar bleibt. einer 35 mm dicken gespundeten holzbohlenlage, auf die
das büro behnisch und partner nutzt bei vielen seiner bau- dichtungsschichten aus holzzement mit übereinanderge-
ten die möglichkeit der freien, nicht orthogonalen grund- klebten papierlagen aufgebracht wurden. darüber kam
rißgestaltung, die das flachdach bietet. auskragende eine beschüttung aus lehmigem sand von 5 cm und da-
dachränder zeichnen sich durch eine besondere leichtig- rauf eine kiesschicht gleicher dicke. diese deckschichten
keit aus. boten einen genügenden schutz und eine entsprechende
der japaner tadao ando behandelt die dächer seiner bau- isolierschicht für die dachabdichtung. holzzement war
ten wie die fünfte fassade, was zu einer wohl überlegten eine mischung von steinkohlenteer, pech und mindestens
gliederung derselben führt.13 (abb. 37) 5 % schwefel. diese giftige zusammensetzung wurde von
wurzeln nicht angegriffen. die entwässerung erfolgte über
12.3.1 aufbau und konstruktion einen saumstreifen, mit aufgelösten kiesleisten in zink-
historische entwicklung blech.

abb.45+46 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,
köln, 1992, s. 102

45

46

245
vo 12 begehbares dach

basis und schutzschicht entwickelt. ab da wurden flach-


preßkiesdach (kiespappedach) (abb. 39) dachkonstruktionen entsprechend den bauphysikalischen
dieses dach bestand aus einer doppelten pappedeckung anforderungen ausgebildet.
mit einem satten anstrich aus holzzementmasse oder
auch aus heißer asphaltbitumenmasse, auf die eine ca. umkehrdach
1,5 cm dicke schicht aus vorgewärmtem kies mit 8 mm ein weiterer bedeutender schritt war die entwicklung des
größtkorn-durchmesser aufgewalzt wurde. diese dichtung umkehrdaches, das durch die extrudierte polystyrol-hart-
mußte ungefähr alle 10 jahre erneuert werden. schaumplatte ermöglicht wurde. die entwicklung des um-
kehrdaches setzte bei uns 1968 ein, ausgeführt wurde
wärmegedämmtes flachdach (abb. 40) das erste umkehrdach 1951 in den usa.
in den 30er jahren gewinnt dann das bitumengedichtete 12.3.2 anforderungen an das flachdach
flachdach an bedeutung. dabei werden erstmals wärme- dichtheit
dämmschichten aus kork eingebaut. die sorgfältige und gewissenhafte ausführung ist ent-
in den 60er jahren wird der konventionelle flachdachauf- scheidend für die dichtheit eines flachdaches, was nur
bau mit ausgleichsschicht, dampfsperre, dämmschicht, durch den einsatz von fachkräften möglich ist. es müssen
entspannungslage, dreilagiger dachhaut auf bituminöser alle konstruktionslösungen und ausführungsdetails vor

abb.47+48 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,
köln, 1992, s. 142, 106

47 48

246
vo 12 begehbares dach

arbeitsbeginn klargestellt sein. weiters müssen auch die dach vermieden wird.
äußeren voraussetzungen wie wetter, temperatur, bau-
stellenbedingungen zur einwandfreien ausführung gege- beständigkeit
ben sein. es müssen die vorhin genannten funktionen über die gefor-
derte nutzungsdauer ohne einschränkungen erhalten blei-
wärmedämmung ben.
im einschalig gedichteten dach ist die wärmedämmung im
konstruktionsaufbau integriert, es ist zwischen wirtschaft- kontrolle, reparatur und entsorgung
lichem und konstruktivem wärmeschutz zu unterscheiden. wegen der notwendigkeit einer instandhaltung über eine ge-
dämm-, dicht- und sperrschichten sind nach bauphysika- forderte bestandsdauer muß die konstruktion kontrollierbar
lischen grundsätzen zu bemessen und aufeinander abzu- und reparierbar sein. schadstellen müssen erkennbar und
stimmen. zugänglich sein, schadhafte teile müssen leicht austausch-
bar sein, ohne dabei die gesamtkonstruktion zu beeinträch-
brandschutz tigen. die entsorgung nicht mehr verwendbarer dichtungs-
für das flachdach wird gefordert, daß in erster linie eine bahnen oder dämmstoffe ist teuer, da sowohl bituminöse
brandausbreitung bzw. brandweiterleitung über das flach- stoffe als auch kunststoffe sondermüll sind. diese kosten

abb.49-53 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
1992, s. 107

49 50 51

52 53

247
vo 12 begehbares dach

sind in längerfristige wirtschaftlichkeitsüberlegungen mitein-


zubeziehen. 12.3.3 idealtypische lösungen
das nicht durchlüftete dach
beanspruchungen beim flachen dach spielt das nichtdurchlüftete dach in sei-
das (flach)dach ist extremen wetterbelastungen ausge- ner konventionellen ausführung hinsichtlich tradition und
setzt. uv-strahlen können dichtungs- und dämmaterialien häufigkeit eine ähnlich dominierende rolle wie das durch-
abbauen. regen kann über längere zeit durch feucht- lüftete dach bei steilen dachformen.
aggressive medien die abdichtung belasten. windbe-
lastungen (sog) führen speziell an bauwerkskanten zu dichtschicht über dämmschicht liegend (abb. 44 - 46)
belastungsspitzen. schnee, eis, hagel ergeben nicht nur in der übersichtlichsten form des nicht durchlüfteten ein-
beanspruchungen durch frost, sondern können auch me- schaligen flachdaches besteht die tragschicht aus einer
chanische belastungen verursachen. am ungeschützten stahlbeton- oder spannbetondecke, auf welche zum her-
flachdach können temperaturen von -30°c bis +80°c auf- stellen eines gefälles ein asphalt- oder zementestrich auf-
treten. außerdem werden flachdächer durch das begehen gelegt ist. gefälleestriche sollen, wie schichten, welche die
bzw. befahren, durch auflasten oder bewegungen der un- abdichtung tragen, ein gefälle von mindestens 2 % herstel-
terkonstruktion mechanisch beansprucht. len, an ihrer dünnsten stelle jedoch nicht unter 4 cm dick

abb.54-56 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln,
1992, s. 112, 142, 114

48

54

55 56

248
vo 12 begehbares dach

sein. um tauwasseransammlungen zu vermeiden, bedarf


es der anordnung einer entsprechend dimensionierten dämmschicht über dichtschicht (umkehrdach) (abb. 47 +
dampfbremse über dem gefälle, ehe das dämmaterial 48)
aufgelegt wird. es empfiehlt sich, zwischen dampfbremse immer wieder kam es zu schäden an konventionellen
und dämmstoff eine trennlage (z. b. pe-folie) einzufügen, nichtdurchlüfteten flachdächern. sie stellten sich meist so
um beschädigungen bei der verlegung bzw. reibung zwi- dar, daß das dach seine wasserdichtigkeit verlor. man er-
schen den schichten auszuschließen. vor dem auflegen kannte, daß viele schäden mit der exponierten lage der
der dachhaut wird die wärmedämmung ebenfalls mit einer dachhaut zusammenhängen (uv-strahlung, etc.). aus sol-
trennlage abgedeckt. dieser trennlage, die in den flach- chen überlegungen resultierende sonderformen basieren
dachrichtlinien als dampfdruckausgleich eingeführt wird, auf der als umkehrdach bezeichneten grundform, deren
werden unterschiedliche und zum teil komplexe aufgaben schichtenaufbau soweit wie möglich an die bauphysika-
zugedacht. die darüberliegende dachhaut selbst kann aus lischen anforderungen angepaßt wurde. wesentliches
bituminösem material oder aus kunststoffbahnen beste- merkmal ist die durch den darüberliegenden dämmstoff
hen. geschützte dachhaut. dieser aufbau ist nur möglich, wenn
wie jedes dach bedarf auch dieses einer sicherung gegen der dämmstoff verrottungsfest, frostbeständig, trittfest,
abdecken durch windsogkräfte (kies, etc.).14 maßgenau, formbeständig und gegen feuchtigkeit unemp-
14 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.57+58 dachbegrünung, klaus ohlwein, bauverlag gmbh, wiesbaden und berlin, 1984,s.
27, 84
abb.59+60 vom flachdach zum dachgarten, walter zink, forum verlag, stuttgart, 1976, s.148
+ 149

57 58

59 60

14 hatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

249
vo 12 begehbares dach

findlich ist. das umkehrdach wird in amerika seit 1951 ge- peraturganges weitgehend geschützt ist, fallen auch ver-
baut. in mitteleuropa konnte dieser dachaufbau erstmals schiedene alterungserscheinungen weg. daher kann für
1966 fuß fassen. die abdichtung eines umkehrdaches eine, im vergleich
zum konventionellen dach, eher günstige lebensdauer-
das einfache umkehrdach (abb. 49 - 53) prognose gestellt werden.
die grundform bleibt stets die einlagige wärmedämmung als schutzschicht eignen sich kies und begehbare ele-
auf der abdichtenden dachhaut. dabei wird eine z. b. aus mente (betonplatten auf stelzlagern). wird darauf geachtet,
polystyrol-extruder-hartschaum-platten mit allseitigem daß die dämmung nicht durch eine durchgehende feucht-
stufenfalz bestehende dämmung mit versetzten fugen bodenauflage massiv behindert wird, lassen sich auch, z.
lose verlegt. die platten und ihre möglichst dichten stö- b. von kiesfeldern unterbrochene, gärtnerisch nutzbare
ße müssen (mit kies oder diffusionsoffenen gehbelägen) schutzschichten aus humusiertem material einsetzen.
überdeckt und so gegen mechanische beanspruchung, plusdach - duodach - kompaktdach (abb. 54)
uv-strahlen, windsog und aufschwimmen gesichert wer- zwei umkehrdach-abkömmlinge sind unter den bezeich-
den, wobei der ablauf zur entwässerungsebene (meist nungen plusdach und duodach bekannt. das wesentliche
dachhaut) nicht behindert werden darf. da die dachhaut konstruktive merkmal des plusdaches besteht darin, daß
durch die dämmung vor den einflüssen des außentem- das typische feuchteunempfindliche umkehrdämmaterial,

abb.61-63 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag,köln, abb.64+65 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller
1992, s. 119 verlag,köln, 1992, s. 122

61 - 63 64 + 65

250
vo 12 begehbares dach

mit dazwischenliegender abdichtung, also im gegensatz ausgeführt, bei der ein großer teil der gesamtdicke des
zur sonst geltenden verlegeregel für solches material, als dämmstoffes aus kostengünstigerem, bei konventionellen
zweite dämmstofflage zum einsatz kommt. das plusdach dächern verwendetem material besteht.15
wird vor allem zur sanierung von altbauten eingesetzt. mit
einer derartigen aufstockung lassen sich in vielen fällen
bedeutende verbesserungen der wärmedämmfähigkeit das durchlüftete dach (abb. 55 + 56)
erzielen. bei nur geringem undichtwerden der dachhaut kann der
beim duodach wird für umkehrdächer entwickeltes dämma- schaden gering oder sogar zu vernachlässigen sein, wenn
terial zweilagig eingesetzt. im gegensatz zum plusdach die vom wassereinbruch betroffene zone laufend durch-
hat es seinen haupteinsatzbereich nicht beim sanieren lüftet wird und überdies die wiederaustrocknung, neben
schadhafter konventioneller flachdächer, sondern es wur- verdunstung, durch seitliches wiederauslaufen des was-
de als von vornherein vorzusehende, weiter verbesserte sers aus dem gebäude unterstützt wird. beim steildach
variante des einfachen umkehrdaches konzipiert. werden diese schutzfunktionen in einfacher weise von
einem durchlüfteten dachaufbau übernommen.
vorzugsweise wird in österreich - unter der bezeichnung
kompaktdach - eine variante des duodaches geplant und auch flache dächer können, zum erreichen der gleichen
15 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

abb.66+67 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, abb.68 altas flache dächer, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln,
köln, 1992, s. 122 1992, s. 122

66 + 67 68

15 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

251
vo 12 begehbares dach

bauphysikalischen zusatzschutzfunktionen, als dächer die obere scheibe ist die dichtschicht, die untere die
mit unterlüfteter dachhaut ausgeführt werden. durch eine dampfsperrschicht, und der luftzwischenraum wirkt als
unterhalb der dichtschicht frei mit der außenluft kommu- dämmschicht. sprossen und rahmen übertragen die last
nizierende durchlüftungszone erhält der darunterliegende nach unten ...
teilaufbau des durchlüfteten flachdaches den charakter ... oder (beim hängenden glasdach) nach oben auf trans-
eines umkehrdaches ohne dichtfunktion; damit entfällt das parente tragsysteme.
tau- wasserproblem. voraussetzung dafür ist jedoch, daß
der frei durchlüftete dachquerschnitt ausreichend groß das hoch beanspruchte flachdach
ist, zumal als antrieb zum durchlüften, anders als beim grundsätzlich lassen sich alle nicht transparenten flach-
steildach, keine thermik, sondern nur die windbedingte dachkonstruktionen auch für außergewöhnliche oder be-
luftdruckdifferenz zwischen windzu- und windabgekehrter sonders hohe beanspruchungen einsetzen (oberseitig als
gebäudeseite zur verfügung steht.16 teich- oder beckenboden genützte flachdächer, begrünte
dächer, verkehrstechnisch genutzte dächer, etc.).
das glasdach diese möglichkeiten werden auch zunehmend genutzt,
alle dachfunktionen müssen von transparenten schichten zumal begrünte flachdächer heute als klima- und wohn-
über-nommen werden. lichkeitsverbessernde elemente in großstädten angese-
16 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

45 48

69

16 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

252
vo 12 begehbares dach

hen werden. das verkehrstechnisch genutzte dach


landeflächen, parkdecks, straßen und plätze können bei-
das begrünte dach (abb. 57 - 63) spiele für solche verkehrstechnisch hoch beanspruchten
begrünung ersetzt (kies-)auflast, erfordert aber einen wur- dächer sein. dementsprechend sind die fähigkeit zur auf-
zelschutz für die dichtschicht und erhält zum abführen des nahme und zum abtragen der damit verbundenen lasten,
regenwassers eine drainage aus filterschicht und drain- dauerhaftes erhalten der dämm- und dichtfunktion und
schicht. körperschalltechnisches trennen der verkehrsfläche von
den abstrahlungsfähigen innenflächen des gebäudes die
so entsteht ein den natürlichen bodenverhältnissen ähn- hauptaufgaben eines hierfür geeigneten dachaufbaues.
liches system aus grund-, schicht- und oberflächenwas- große lasten erfordern oben eine zusätzliche tragschicht.
ser. im falle eines umgekehrten dachaufbaues muß drainiert
und eine diffusionsoffene tragschicht gewählt werden.17
zu den bisher behandelten grundelementen - tragschicht,
dämmschicht und dichtschicht - tritt beim gründach die 12.4 zukunftsweisendes / utopisches
wurzelschutzschicht, die stets über der dichtschicht anzu-
ordnen ist, hinzu. durch die rasante entwicklung von neuen gelartigen sub-
grundsätzlich sind unter der wurzelschutzschicht alle bis- stanzen, ergibt sich die vision eines “sich selbst abdich-
her beschriebenen grundformen des dachaufbaues denk- tenden” flachdaches, das aber bei tockenem wetter eine
bar. weil die wurzelschutzschicht zusammen mit ihrer me- luftzirkulation ermöglicht. dies wäre so denkbar: eine gel-
chanischen schutzschicht aber selbst eine ausgeprägte schicht, die bei wasserkontakt aufquellen und damit ab-
dampfbremswirkung besitzt, finden vor allem das konven- dichten würde, bei trockener luft durch schrumpfung, aber
tionelle nicht durchlüftete dach und das durchlüftete dach eine geringen luftaustausch ermöglichen würde.
für begrünungen anwendung.
in einer funktion, welche mit der dampfsperre im konven-
tionellen nicht durchlüfteten dach vergleichbar ist, treten
beim begrünten dach zwei weitere schichten hinzu, die
drainschicht und die filterschicht. diese beiden schichten
sichern in vielen fällen erst die volle funktionstüchtigkeit
des daches als gärtnerisch nutzbare fläche.

17 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

17 flachdachatlas, v. busse, waubke, grimme, mertins, rudolf müller verlag, köln, 1992

253
vo 12 begehbares dach

254
vo 13 steiles dach

255
vo 13 steiles dach

vo 13 steiles dach binder- und tragwerkskonstruktionen, dachhaut

256
vo 13 steiles dach

257
vo 13 steiles dach

1 2 3

13. steiles dach abb.1 r. wormuth, grundlagen des hochbaus 1, konstruktion, osnabrück, 1977, s. 15
abb.2+3 phelps, der blockbau, a. bruder, 1942, wiederauflage 1981, s. 80

13.1 definition de dieser zelte aus ästen und fellen zu beschweren. sie
wurden in der nähe von ahrensberg (schleswig-holstein,
dächer werden nach ihrer neigung in steildächer (>40°), brd) gefunden.
mäßig steile dächer (>5° und <40°) und flachdächer lappenkaten aus schweden
(<5°).1 die abbildungen 2, 3 und 4 sind winterkaten. bei 2 und 3
13.2 geschichtliches ist der sodenbelag der dachneigung angepaßt, bei 4 hin-
gegen liegen die sodenstücke waagrecht und sichern zu-
ursprünglich bestanden die menschlichen wohnungen, gleich einen belag von birkenrinde. während hier, entspre-
wie heute noch bei manchen naturvölkern nur aus einem chend dem wesen der dachhaut, die das dach bildenden
dach, das unmittelbar auf dem boden stand (dachhütte) stangenhölzer eng aneinandergereiht stehen müssen,
und aus ästen, flechtwerk, fellen u. a. hergestellt war. rücken sie bei den sommerkaten (abb. 5 und 6) weit aus-
der wohnraum war dabei häufig in die erde vesenkt. die einander. das behängen mit rentierhäuten, die hier den
ursprüngliche form ist ein dreibein und dann ein zelt mit dachbelag bilden, erlaubt diese leichte gefügeart.3
kreisförmigem grundriß.
skansen, schweden
heutiges lappenzelt dies ist eine originalgetreu wiederaufgebaute, ursprüng-
dies ist die unterkunft der mit den rentierherden ziehenden liche lappenhütte, die die schweden katorna, die finnen
hirten. das gerüst aus birkenästen wird fest in den boden kota nennen. ihr gerüst aus ästen ist kegelförmig, mit
gerammt. die eingerollte, wasserdichte zeltplane kann einem rauchloch in der mitte. eine schicht aus erde, bir-
leicht mit dem ski-doo (motorschlitten) transportiert wer- kenrinde oder rasen sorgt für die dichtigkeit. eine kon-
den. sie ersetzt die tierfelle, die bis vor kurzem der einzige zentrische krone aus astwerk garantiert die stabilität. mit
schutz gegen den schneesturm waren.2 hilfe eines kleinen, stufenförmig behauenen baumstamms
solche bauten finden sich auch heute noch in skandina- kann das rauchloch geöffnet oder geschlossen werden.
vien als kate (oder kota) der lappen.3 man unterscheidet dies ist die älteste form der dauernd bewohnten unter-
hier die mit rentierhäuten belegten sommerkate und die kunft in skandinavien.4
mit soden (rasenstücken oder torf) gedeckten winterka- bei diesen grundrissen gab es jedoch das problem des
te. sie sind aus zu einem kegel gegeneinandergeneigten eingangsbereichs, und so entwickelte sich die giebelwand
birkenstangen gebaut. zeugnis für die lange tradition der und dadurch das langhaus.
katen geben 14 jahrtausendealte, kreisrund angeordnete
steine, die möglicherweise dazu gedient haben, die wän-
1 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, vieweg, 1988, s. 474 3 phelps, der blockbau, a. buder 1942, wiederauflage 1981, s. 80

2 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s. 30 4 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s. 32 + 33

1 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, vieweg, 1988, s. 474 3 phelps, der blockbau, a. buder 1942, wiederauflage 1981, s. 80
2 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s. 30 4 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s. 32 + 33

258
vo 13 steiles dach

4 5 6 7

abb.4-6 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s. 32, 33 abb.7 klöckner, alte fachwerkbauten, callway, 1991, s. 13

seurasaari, finnland als man mit zunehmendem seßhaftwerden dazu überging,


hütte aus mit der axt behauenen stangen. sie sieht primi- von wänden umgebene hütten - das wort „wand“ kommt
tiv aus und wird heute noch als schutz für eine feuerstel- vom früher als wand verwendeten flechtwerk,8 das aus
le benutzt. sie kann kuzzeitiger unterschlupf am tag oder stangen bestand, um die gras, äste o. ä. gewunden waren
abstellraum für werkzeug sein. das schloß ist einfach, nur - und später gemauerte häuser oder blockhäuser zu er-
die speicher, wo der „schatz“ des hofes (kleidung bzw. ge- richten, entstand das eigentliche, auf dem haus ruhende
schirr) aufgehoben wurde, hatten ein richtiges schloß. in dach, das je nach klima, den vorhandenen baustoffen,
solchen hütten wurde auch heimlich schnaps gebrannt.5 etc. unterschiedliche formen erhielt und es entwickelten
sich traditionen. während im mittelmeerraum flache bzw.
es gibt zwei urformen oder urstrukturen, die das kernge- gering geneigte dächer üblich waren - man denke nur
rüst fast aller hütten und häuser auf orthogonaler grund- an die dächer der griechischen und römischen tempel -,
fläche bis weit in die neuzeit hinein bestimmt haben: das herrschte bei mittel- und nordeuropäischen völkern von
gestell und das gespärre.6 anfang an das steildach vor. dies zeigt sich deutlich bei
als gestell werden zwei im abstand voneinander veran- einraumhäusern römischer und germanischer tradition.
kerte senkrechte elemente (pfosten, ständer) bezeichnet,
die durch ein waagrechtes element (balken) zu einem rofendächer mit firstbalken sind typisch für die bäuerlichen
joch verbunden sind. bei frühen dachkonstruktionen gibt herdhäuser römischer herkunft.9 der firstbalken, ein mas-
es das firstgestell, wo der waagrechte balken zum first- siver baumstamm, spannt sich frei von giebel zu giebel.
balken (firstpfette) wird. die rofen werden daran angelehnt die rofen, schwere rund- oder kanthölzer, liegen in flacher
oder an astgabeln aufgehängt. (abb. 4 - 6) neigung und großen abständen auf firstbalken und außen-
mauer, darüber liegt ein stangenrost für die dachdeckung.
bei einem gespärre werden zwei im winkel zueinander aus diesen dächern entwickelten sich die pfettendächer.
stehende hölzer - die sparren - am kopf verbunden und an der ausdruck „rofen“ wird auch heute noch manchmal für
den fußpunkten fest verankert. die freien sparrenenden die sparren beim pfettendach verwendet.
können sich dabei überkreuzen und in die so gebildete
schere kann ein firstholz gelegt werden. solche gespärre aus elliptischen häusern entstehen die sparrendächer ger-
ergeben hintereinandergeordnet das grundgerüst für hüt- manischer tradition. ihr tragendes element vom dachhaus
ten, die kein störendes holz in der mitte haben. her ist der sparren. sie steigen als freitragendes element
hütten aus pfostengespärren7 vom schwellenkranz zum first auf, wo sie paarweise mitei-
5 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s.32 + 33
nander verbunden sind. die gespärre beschränken sich auf
6 klöckner, alte fachwerkbauten, callwey, 1991, s. 13 + 14 8 müller, vogel, dtv-atlas zur baukunst band 1, 1990, s. 41

7 klöckner, alte fachwerkbauten, callwey, 1991, s. 15 9 müller, vogel, dtv-atlas zur baukunst band 1, 1990, s. 41

5 bresson, frühe skandinavische holzhäuser, beton-verlag, 1981, s.32 + 33 8 müller, vogel, dtv-atlas zur baukunst band 1, 1990, s. 41
6 klöckner, alte fachwerkbauten, callwey, 1991, s. 13 + 14 9 müller, vogel, dtv-atlas zur baukunst band 1, 1990, s. 41
7 klöckner, alte fachwerkbauten, callwey, 1991, s. 15

259
vo 13 steiles dach

8 9 10

abb.8+9 klöckner, alte fachwerkbauten, callway, 1991, s. 14 abb.10 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 10

den mittleren teil des daches unter dem first. die beiden wal- das „erste haus“ an der küste von nizza
me bestehen aus radial angeordneten rundhölzern, die am daß die menschen vorgeschichtlicher zeit in höhlen ge-
firstpunkt mit dem jeweils letzten sparrenpaar verbunden lebt haben, ist indessen eine seit langem feste vorstel-
sind. leichte, horizontale stangenhölzer tragen die dachhaut lung unseres geschichtsbewußtseins. der vorgefundene
aus schilf. (abb. 9) unterschlupf, den die natur bereitstellte, war die nahelie-
gendste form des wetterschutzes. viele solcher unterkünf-
das römische rofendach und das germanische sparrendach te aus der frühzeit der menschheit sind während der ver-
bilden feste bautraditionen bis ins 19. jahrhundert hinein. gangenen jahrzehnte entdeckt worden. die anfänge der
ab dann führen mathematische berechnung, neue baustoffe behausung sind also nicht identisch mit den anfängen der
und werkzeuge - z. b. das sägegatter - zu neuen konstrukti- architektur. erst der schritt zur künstlichen herstellung der
onen. auch wurden die großen waldgebiete immer mehr ge- behausung, der letzlich von der identität des menschen
rodet, wodurch holz als baustoff immer knapper und teurer mit der natur fortführte, markiert den beginn des wohn-
wurde. auch diese entwicklung führte zu holzsparenden baus. um auf wanderschaft nicht abhängig zu bleiben vom
konstruktionen. vorgefunden, natürlichen wetterschutz, der höhle, mußten
weite gebiete des mittelmeerraumes sind heute nahezu die jäger- und sammlerhorden der vorzeit an jedem ande-
waldlos, da beispielsweise die spanier und venezianer ren ort, an den sie gelangten, eine unterkunft haben. sie
viel holz zum schiffsbau benötigten. für den bau ihrer stadt errichteten sich selbst ein dach und wohnten für eine be-
brauchten die venezianer noch dazu hunderttausende ei- grenzte zeit, solange sie etwa in der umgebung nahrung
chenstämme, die sie in den lagunenboden einrammten. fanden, in einem künstlich hergestellten „haus“.12
dafür plünderten sie die wälder dalmatiens. schiffszim-
merleute waren es gewohnt viel holz zu verbauen. allein noch vor einigen jahrzehnten herrschte die allgemeine
für ein mittleres kriegsschiff aus holz mußten etwa 3.000 auffassung, daß es der „homo sapiens“ gewesen sein
bäume gefällt werden. die dabei gemachten konstruktiven müsse, der als erster diesen bedeutenden schritt zur
erfahrungen haben offensichtlich auch haus- und dach- selbstgebauten behausung getan habe. seit den archäolo-
formen sowie konstruktionen beeinflußt.10 (abb. 10 - 12) gischen funden von h. de lumley im jahr 1966 an der küste
die bezeichnung „dachstuhl“ ist seit dem 15. jahrhundert des mittelmeeres bei nizza wissen wir jedoch, daß die an-
gebräuchlich.11 „stuhl“ ist in technischen belangen allge- fänge des bauens über alle erwartungen hinaus jahrhun-
mein die bezeichnung für ein gestell, auf dem etwas an- derttausende zurückliegen. bereits der „homo erectus“,
deres ruht (vgl. glockenstuhl, webstuhl) der dem „homo sapiens“ vorausging, baute schutzhütten.
erste fossile funde des „homo erectus“ sind 1,3 millionen
10 büren, funktion & form, birkhäuser, 1985, s. 13

11 kluge, etymologisches wörterbuch der deutschen sprache, de gruyte, 1989 12 von der urhütte zum wolkenkratzer, klotz heinrich, berlin, 1991, s. 5 + 7

10 büren, funktion & form, birkhäuser, 1985, s. 13 12 von der urhütte zum wolkenkratzer, klotz heinrich, berlin, 1991, s. 5 + 7
11 kluge, etymologisches wörterbuch der deutschen sprache, de gruyte, 1989

260
vo 13 steiles dach

11 12

abb.11+12 müller, vogel; dtv-atlas zur baukunst, band 1, 1990, s. 40

jahre alt, die erste gebaute hütte dieses menschen etwa war keine hütte für eine kleinfamilie, sondern für eine grö-
400.000 jahre alt. ßere gruppe, die hier für eine kurze zeit aufenthalt fand.
mit diesem ausgrabungsergebnis ist erwiesen, daß nach
seit de lumleys ausgrabung können wir also sagen, die heutiger kenntnis die frühform der menschlichen behau-
architektur sei 400.000 jahre alt. wie nun hat diese unter- sung erklärlicherweise kein griechischer primitivtempel
kunft der altsteinzeit ausgesehen? de lumley fand auf der war, auch keine kreisförmige jurte, sondern eine art ast-
freigelegten grabungsebene spuren einer ehemals vor- zelt, das sich wie ein auf den boden gesetztes satteldach
handenen hütte, deren hölzerner aufbau sich im laufe der ausnimmt.
jahrtausende aufgelöst hatte. die sorgfältig freigelegten architektur der naturvölker
30 cm breiten, verfärbten löcher im boden gaben den hin- arktische zonen
weis, daß hier beträchtlich dicke pfosten standen, die ein in den arktische zonen lebten die lappen-, tschuktschen-
wetterdach aufrecht hielten. möglicherweise haben zwei und korjaken-völker.
oder mehr pfosten das dach von innen abgestützt. ob zwei
schwere astgabeln einen firstbalken getragen haben, ließ die lappen sind halbnomadisches - ursprünglich nur jagd
sich nicht feststellen. daß jedoch schräg gestellte äste von und fischfang betreibendes - volk von rentierzüchtern der
beiden seiten zu einem dach zusammengefügt worden wa- europäischen arktischen zonen (norwegen, schweden,
ren, steht außer zweifel. zwei noch erhaltene große steine finnland und udssr). als behausung dient vorwiegend die
waren zum schutz gegen den winddruck und gegen das zelthütte, die während der sommerzeit und bei den no-
abgleiten der äste seitlich herangerollt worden und hielten madengruppen in den beiden hauptarten, konisch oder
das wetterdach aufrecht. möglicherweise waren laubäste stumpfkegelförmig mit runder grundfläche (kohte) und
oder felle über den aufbau ausgebreitet worden, um zu- konisch mit innerer bogenstangenstruktur bei elliptischem
sätzlichen wind- und regenschutz zu gewährleisten. grundriß (goatte), verwendet wird. ersteres hat einen
durchmesser von ungefähr 4 m und eine struktur, die aus
de lumley fand auf einem ausgrabungsgelände von 120 m2 einer gabelstütze, auf der die außenträger ruhen, besteht.
in einer paläolithischen erdschicht in 15 bis 21 m tiefe auf in der mitte befindet sich die feuerstelle und gegenüber
unterschiedlichen ebenen mehrere solcher hütten, insge- dem eingang die vorratskammer. oben ist eine öffnung
samt einundzwanzig. die maße der unregelmäßig ovalen für den rauchabzug belassen. die innenstruktur des goat-
hütte betrugen etwa 6 x 12 m, also groß genug, um einer te besteht aus zwei parallelen holzbögen - die aus vier
gruppe von ungefähr fünfzehn menschen unterkunft zu zusammengefügten, durch drei pflöcke verbundenen bo-
bieten.13 der erste uns bekannte wohnort der menschheit genstangen gebildet sind, auf diesen ruhen die weiteren
13 von der urhütte zum wolkenkratzer, klotz heinrich, berlin, 1991, s. 5 + 7

13 von der urhütte zum wolkenkratzer, klotz heinrich, berlin, 1991, s. 5 + 7

261
vo 13 steiles dach

13 + 14 15 16

abb.13+14 lappen, gerüst einer zelthütte, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen,belser abb.16 haider, haus mit frontpfahl, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belserver-
verlag,stuttgart, s. 68, 70 lag, stuttgart, s. 228
abb.15 zeltgerüst von tschukstschen, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen,belser
verlag, stuttgart, s.72

stangen. die bedachung besteht aus wolltüchern, stoffen die korjaken sind ein volk von fischern und rentierzüchtern,
oder rentierfellen. der fußboden ist mit birkenreisig be- welches das nördliche gebiet der halbinsel kamtschatka
deckt. (abb. 13) (udssr) besiedelt. die gruppe lebt entlang der küste in klei-
nen, aus halbunterirdischen häusern bestehenden sied-
eine ausnahme des goatte, die als winterbehausung oder lungen. das traditionelle haus ist ein großer oktogonaler,
als lagerraum verwendet wird, weist ein aus zwei ge- halbunterirdischer bau (länge ca. 15 m, breite 12 m, höhe
kreuzten bogenpaaren bestehendes gerüst auf, dessen bis zu 7 m) mit holzgerüst und doppeltem eingang, seit-
oberer teil durch zwei kreuzbalken auseinandergerückt lich für die sommerzeit, an der spitze für den winter. der
wird und auf dem schräg einige pfähle liegen. der belag ist obere eingang dient auch als rauchfang. die zelthütte der
doppelt, eine rindenschicht wird außen von rasenstücken nomaden ist der zelthütte der tschuktschen sehr ähnlich.
überlagert, der eingang ist durch eine holzlade geschlos- (abb. 17)
sen.14 der bau mit quadratischem grundriß gleicht von au- nordamerikanische zonen
ßen einem pyramidenstumpf. in den waldgebieten haben in die nordamerikanischen zonen lebten die haida-, noot-
die winterblockhütten niedere wände und ein stumpfpyra- ka- und kwakiutl-völker.
midenförmiges walmdach: in der mitte bleibt eine viere-
ckige öffnung für den rauchabzug. haida-völker sind fischerstämme, die die königin-charlot-
te-insel (british columbia, kanada) und die südspitze des
die tschuktschen sind ein volk von rentierzüchtern der äu- alexander-archipels (alaska, usa) bewohnen. eine in der
ßersten nordostspitze sibiriens (udssr). entlang den nord- ersten hälfte des 19. jh. durchgeführte volkszählung im ort
küsten war bei den fischern eine halbeingetiefte behau- nistints auf der insel anthony ergab eine bevölkerung von
sung gebräuchlich. die behausung der nomaden besteht mehr als 300, auf zwanzig häuser verteilte personen.14 der
aus einem komplexen doppelkegelförmigen zelt mit zwei aus stämmen und brettern bestehende bau weist ein nur
konzentrischen strukturen. die höhere innere stützt den leicht geneigtes satteldach auf. ein „totempfahl“ ist häufig
obersten teil der überdachung, die stumpfkegelförmige in die mitte der ebenfalls verzierten fassade eingelassen
äußere ist fest mit der ersteren verbunden. das stangen- - der zugang erfolgt dann durch eine im pfahl selbst ange-
gerüst ist mit zwei tüchern aus zusammengenähten ren- brachte öffnung (abb.16). das innere besteht aus einem
tierfellen verkleidet. im inneren befindet sich gegenüber einzigen raum, der mehrere familien unter dem dach
dem eingang ein ofen, der aus einem mit rentierfellen ver- beherbergt. in der mitte eines aus dem boden ausgeho-
schlossenen holzgehäuse besteht. (abb. 13 + 14) benen rechteckigen platzes befindet sich die feuerstelle,
rund um diese sind auf einer abstufung die sitzplätze und
14 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 343 - 346

14 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 343 - 346v

262
vo 13 steiles dach

17 18 + 19 20

abb.17 zeltgerüst von koriaken (ussr), enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser- abb.19 quakiutl haus, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag, stuttgart,s.
verlag, stuttgart, s. 72 230
abb.18 nootka, struktur eines hauses, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser- abb.20 sciapuno, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag, stuttgart, s.56
verlag, stuttgart, s. 230

lagerstätten angebracht. durch zwei - untereinander mit zwei längsbalken verbun-


denen - querbalken zusammengehalten wird. (abb. 19)
die nootka sind auch fischerstämme, die im südwestlichen
teil der insel vancouver (kanada), angesiedelt sind. die südamerika
häuser sind den strand entlang gereiht, die ausmaße kön- in südamerika lebten die yanoama-, tukano- und arauka-
nen 30 m in der länge und 12 m in der breite erreichen.15 ner-völker.
die struktur stützt sich auf zwei große, an den seiten des
vordereingangs befindliche zedernpfosten, die durch ei- die wetterdächer der yanaoma zeigen anzeichen der ent-
nen querbalken, der den firstbalken trägt, verbunden sind. wicklung eine pultdaches. die yanoama sind ein indianer-
dieser ruht rückseitig auf einem einzigen skulptierten stamm, der am orinoco zwischen brasilien und venezuela
pfahl. die struktur der wände besteht aus zwei, parallel lebt.
zum ersten, liegenden balken, die vier - an den bauecken
befindliche pfosten - verbinden. es ist ein mehrfamilien- die großformatigen wetterdächer der yanoama heißen
haus. ( abb. 18) tapiri. man findet bei ihnen während der zeit der wande-
die kwakiutl bewohner lebten in dem küstengebiet von rung provisorische unterstände, die „tapiri“, die als schräg
britisch columbia (kanada). entlang der meeresküste be- gestellte schirme aufrecht gehalten werden und für eine
stehen die dörfer aus erbauten häusern, die nur jahres- familie schutz bieten. für die dauer ihrer seßhaftigkeit er-
zeitlich bewohnt sind, doch auch während der schlech- richten die yanoama dörfer, für die sie ovale lichtungen
ten jahreszeit, wenn es der fischfang erfordert, verlassen in den urwald schlagen und an deren rand die unterkünf-
werden. eine breite straße, die häufig von einem holz- te, nämlich große, von hohen baumstämmen getragene
gerüst getragen wird und mit über den strand überhän- dächer, errichteten. diese kreisförmig angeordneten, zum
genden plattformen versehen ist (die als versammlungs- dorfplatz hin offenen pultdächer können zu langen, seg-
ort im freien dienen), verbindet die häuserfronten. außer mentbogenförmigen bedachungen anwachsen, unter de-
den üblichen „totempfählen“ der nordwestamerikanischen nen mehrere familien nebeneinander leben.15
stämme haben die kwakiutl eine verfeinerte kunstform bei
ihren wohnstätten angewandt. sie haben komplexe male- ihre mehrfamiliensiedlungen, „sciapuno“ genannt, ver-
reien, wie den walfisch, den donnervogel, den raben u. a., einen bis zu hundert personen unter ihren dächern. der
die die ganze fassade bedecken. das haus aus stämmen durchmesser eines sciapuno ist unterschiedlich, von
und brettern weist eine innenstruktur auf, die sich auf ein ungefähr 30 bis zu 100 m. der hier angegebene grund-
doppeltes vorderes und hinteres pfostenpaar stützt, das riß eines „sciapuno“ faßt ingesamt achtunddreißig fami-
15 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 343 - 346

15 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 343 - 346

263
vo 13 steiles dach

21 - 23 24 + 25

abb.21-23 sciapuno, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag,stuttgart, s. abb.24 tukano, gemeinschaftshütte, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser
55 verlag,stuttgart, s. 133
abb.25 araukaner, gemeinschaftshütte, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen,belser
verlag, stuttgart, s. 104

lien, die ohne trennwände nebeneinander leben und die toda sind ein hirtenvolk, das auf den nilgiribergen und im
ausschließende privatheit der kleinfamilie nicht kennen. südlichen dekkan (indien) lebten. das dorf (mand) um-
(abb. 20 - 22) faßt wenige einfamilienwohnstätten, oft nur zwei bis drei.
zu jedem dorf gehört ein steinerner zaun zur bewachung
tukano sind jagd und feldbau betreibende stämme, die im der büffel.16 die gebäude bestehen aus einem schlanken,
gebiet des rio vaupes (ostkolumbien) wohnen.16 als woh- strohbedeckten kegeldach, das aus sich verjüngenden
nung dient eine große gemeinschaftshütte mit fast qua- schilfringen errichtet und ungefähr 4 m hoch ist. die wohn-
dratischem grundriß (ungefähr 29 x 28 m, höhe rund 10 stätte hat eine rechteckige anlage. das traggerüst besteht
m), die mit einem strohbedeckten satteldach versehen aus zwei bis fünf leicht abgeflachten spitzbögen aus eng
ist. die tragstruktur besteht aus sechs, durch balken ver- geknoteten schilfbündeln - auch die waagrechten ele-
bundene, parallele pfahlreihen an der kleineren achse, mente sind aus schilf. die bedachung ist aus waagrech-
während der firstbalken auf dachbindern ruht, da die mitt- ten, flachziegelartigen strohstreifen. (abb. 26)
lere stützenreihe fehlt.
naga sind bauernvölker, die in den gebirgigen gebieten
araukaner sind ein bauernvolk im andengebiet des zen- assams und nordbirmas lebten. die siedlung kann bis zu
tralen nordchile. die traditionelle wohnstätte ist eine einige hundert hütten umfassen. das dorf der lhota-naga
große gemeinschaftshütte (ruka), die dreißig bis vierzig befindet sich gewöhnlich auf einem - einen straßenab-
personen aufnehmen kann. die anlage ist unterschiedlich, schnitt beherrschenden - kamm, auf dem die wohnstät-
je nach den verschiedenen gruppen. sie kann rechteckig, ten angeordnet sind, die an den beiden endpunkten durch
rechteckig mit doppelapsis oder polygonal sein. die struk- tore abgegrenzt sind.17 die wohnstätte der naga-gruppen
tur besteht aus balken, schilfrohr oder brettern, und die ist häufig auf pfählen erbaut, die lhota haben eine ganz
flächen des strohbedeckten daches reichen - die wände aus bambus errichtete mehrfamilienhütte mit leicht er-
verdeckend - bis zum boden. bei der fensterlosen art wird höhtem fußboden und halbkreisförmig konvexer straßen-
die belüftung durch die unverschlossene tür ermöglicht, fassade. im inneren hat jede familiengruppe ihre eigene
ein loch dient oben als rauchabzug.16 (abb. 24 + 25) feuerstelle. die wohnstätten der ao weisen ein dach auf,
das, sowohl vorne - wo es von einem achsenpfahl und von
südostasien fächerartig geneigten, eine laube bildenden seitenpfählen
in südostasien lebten viele völker im bereich von indien, getragen wird - als auch an den seiten stark vorragt. jene
indonesien, malaysia und madagaskar. der lhota (ca. 4 x 12 m) haben ein stark erhöhtes dach,
das von eingekerbten pfosten getragen wird und das eine
16 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 355 17 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 345 + 346

16 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 355 17 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 345 + 346

264
vo 13 steiles dach

26 27 + 28 29 + 30 31

abb.26 toda dorf, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag, stuttgart, s.28 abb 29 andamanen-wetterdach, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belserverlag,
abb.27+28 naga-hütten, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag,stuttgart, stuttgart, s. 41
s. 29 abb.30 semang lagerzelt, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser
verlag,stuttgart, s. 44
abb.31 batak haus, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag, stuttgart,s.
194

obere terrassen-veranda bildet. das haus der ao-krieger windschirmart besteht aus drei senkrecht in den boden
hat eine halbrunde und vorspringende fassade, deren gesteckten bambusrohren, die von gabelstangen gestützt
oberteil, eine halbkegelförmige dachfläche bildend und und oben durch einen waagrechten stock verbunden wer-
mit stroh verkleidet ist. der untere teil mit der tür in der den. dieser wird gegen die vorderseite hin mittels rotang-
mitte ist aus bambus. die häuser der häuptlinge haben lianen gespannt gehalten, wodurch man eine bedachung
eine leicht konvexe, aus tafeln bestehende vorderwand. in der form eines zylinderviertels erreicht. bei einer an-
die giebelbalken ragen am first kreuzend vor, die ein - un- deren art sind die schilfrohre direkt zusammengebunden
ter den nagagruppen stark verbreitetes - zwei große hör- und - einen kugelausschnitt bildend - gebogen. die beda-
ner darstellendes motiv trägt. (abb. 27 + 28) chung besteht aus palmblättern. (abb. 30)

auf den andamanen inseln, in der nähe von indien, lebten batak sind ein volk von ackerbauern aus dem nördlichen
die andamanesen-völker. die verbreitetste wohnstätte zentral-sumatra in indonesien. die anlage der siedlung ist
ist ein windschirm mit oder ohne plattform, der ein ab- rechteckig, mehr oder weniger länglich, mit einem zentra-
fallendes - von vier pfählen getragenes und mit blättern len platz versehen, an dessen seiten sich die mehrfamili-
bedecktes - wetterdach bildet. das aus wetterdächern be- enhäuser, die sonderbauten, die reislager und die häuser
stehende lager umfaßt rund fünfzehn unterstände, die um anreihen.17 die rechteckige, erhöhte wohnstätte (baga) ist
einen elliptischen platz für die tänze angeordnet sind. an ein holzbau, der oft reich mit skulpturen und malereien,
einem endpunkt bleibt ständig das feuer angefacht.17(abb. mit geometrischen und blumenmotiven verziert ist und in
29) form eines umgedrehten pyramidenstumpfes ausgewei-
tete wände aufweist. das strohbedeckte satteldach hat
semang sind ein volk von jägern und sammlern der halb- eine starke zentrale einsattelung und fällt - zum besse-
insel malakka in die nähe von westmalaysia.17 das la- ren schutz - schräg auf die kurzen seiten ab. über einen
ger hat eine rundanlage mit dem feuer in der mitte und mit einer leiter erreichbaren fronteingang betritt man den
ringsum die familienunterkünfte. das lager wird auf einer längsgang. jede baga beherbergt vier bis acht familien.
waldlichtung angelegt und umfaßt eine gruppe mehr oder die bedachung der gebäude zeichnet sich durch ihren
weniger komplexer, kreisförmig oder oval um einen platz variantenreichtum aus. häufig findet man ein walmdach,
angeordneter unterkünfte. die unterkunft besteht aus einer kompliziert durch untergeordnete, pyramidenförmige
schrägen wand aus verflochtenen zweigen und blattwerk, dachflächen und äußerst spitze giebel. (abb. 31)
die mit lianen und gabelstützen befestigt wird. normaler-
weise hat die lagerstätte eine einfachere struktur. eine bauervölker wie die toraduja bauten schon satteldach-ge-

265
vo 13 steiles dach

32 33 + 34 35

abb.32 toraduja-modell eines hauses, enrico guidoni, arch. der primitiven kulturen, belser- abb.35 suzhou-see tempel, v. gruen, geschichte der architektur, molden verlag, mün-
verlag, stuttgart, s. 195 chen,1973, s.4
abb.33+34 maori-großes versammlungshaus (whare) aus dem späten 19. jh., enricoguido-
ni, arch. der primitiven kulturen, belser verlag, stuttgart, s. 195

bäude. dieses volk ist in den inneren regionen der insel epae) angewandt werden. auf dem dachfirst erhebt sich
celebes (indonesien) angesiedelt. besonders sorgfältig eine skulptur (teko-teko). das haus wird in verkleinertem
ausgeführt ist das haus für die männerversammlungen, maßstab bei den von einem oder von vier verzierten pfäh-
feste und zeremonien (lobo).18 die saadang toradja haben len gestützen lebensmittellagern (pataka) nachgebaut.19
als traditionelle wohnstätte ein langes gemeinschaftshaus, (abb. 33 + 34)
mit stark erhöhtem und an den endpunkten vorragendem
satteldach, das oft auch von außerhalb des baues stehen- china und japan
den pfählen getragen wird. äußerst reich ist die dekorati- die geschichte der chinesischen baukunst läßt sich fast
on, die oft alle sichtbaren teile mit geometrischen motiven 4.000 jahre zurückverfolgen. archäologische ausgra-
und mit rituellen büffelhörnern bedeckt. (abb. 32) bungen der letzten zeit im gebiet des gelben flusses ha-
ben eine typische ansiedlung aus der frühesten bronze-
maori, ein volk, das aus der nördlichen insel neuseelands zeit zutage gefördert. die chinesische architektur hat um
kommt, baute schon hütten aus baumstämmen und stroh, ca. 10000 - 5000 v. chr. begonnen. man fand spuren von
die wie ein satteldach aussehen. die wohnstätte (wha- höhlenbewohnern aus dieser zeit, besonders südwestlich
re) hat eine rechteckige struktur mit satteldach und eine von peking. aus der zeit um 5000 v. chr. fand man über-
durch verlängerungen der seitenwände und des daches reste von behausungen in nordchina und im tal des gelben
abgegrenzte vorderveranda.19 bei der einfachsten art ist flusses (banpo). während der shang-dynastie (ca. 1700 -
es eine hütte aus baumstämmen und stroh, während die 1122 v. chr.) entstanden aus lehm gebaute festungsstäd-
wohnsitze der vornehmen und häuptlinge sowie die ver- te, und eine klare unterscheidung zwischen sakralbauten
sammlungshäuser eine solide bretterstruktur, reihen von und wohnhäusern prägte sich aus. in der provinz henan
inneren stützpfosten - die abwechselnd aus verflochtenem liegen die bedeutendsten ortschaften zhengzhou (1600
schilf und aus verzierten holzplatten bestehen - und an der - 1400 v. chr.) und anyang (1400 - 1100 v. chr.) dieser
fassade sehr reich dekorierte wände aufweisen. große, zeit, während der sich die chinesische dachkonstruktion
bemalte und mit schnitzereien versehene tafeln bedecken entwickelte.20
die dachflächen, die hausecken sowie pfosten und trag- die chinesische dachkonstruktion (abb. 36 + 37)
balken der tür. die frontseite ist häufig auch mit einem klei- es fällt auf, daß dreieckige rahmen fehlen. also mußte
nen fenster ausgestattet. eine rituelle ordnung bestimmt man den vertikalen druck auf die säulen durch vermehrte
den gebrauch der verschiedenen architektonischen deko- stützpunkte unter dem sparrenwerk abfangen. wenn man
rationsarten, die bei den geformten wand-paneelen (pou- den innenraum vergrößern wollte, mußte man mehr säu-
pou), den giebeln (maihi), türen (pare) und schwellen (pa- len einbauen.
18 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 5

19 arch. der primitiven kulturen, enrico, belser verlag, stuttgart, s. 210 - 220 20 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 195 + 356

18 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 5 20 arch. der primitiven kulturen, enrico guidoni, belser verlag, stuttgart, s. 195 + 356
19 arch. der primitiven kulturen, enrico, belser verlag, stuttgart, s. 210 - 220

266
vo 13 steiles dach

36 37

abb.36+37 chinesische dachkonstruktion, v. gruen, geschichte der architektur, moldenver-


lag, münchen, 1973, s. 5

.
beim archaischen plan überspannten traufen und stützen selten große bäume gab, die sich als stabile konstrukti-
nur einen schmalen raum. onsteile verwenden ließen, setzten die architekten aus
.
eine zunehmende säulenzahl wirkte sich innen störend sparsamkeitsgründen die pfosten auf einem rechteckigen
aus. grundriß weit auseinander.21
.
mit einem trägersystem vergrößerte man den raum und bald nach der einführung des buddhismus fand die chine-
verstärkte gleichzeitig die stützwirkung. die kragbalken sische holzbaukunst eingang in andere länder, und zwar
(tou-kung), die die traufstützen und dachstuhlbalken tru- in der form des sakralbaus. sie trat zunächst in korea auf,
gen, wurden zwei- oder dreistufig übereinander gestaf- und nahm von dort ihren weg nach japan.
felt, wobei ein unterer kragbalken zum träger ähnlicher
kragstücke wurde. die chinesisches bautradition drang in korea ein. die ko-
.
ab dem 8. jahrhundert kamen sparrenköpfe hinzu, die reanischen holzpagoden buddhistischer tempel machen
durch die kragstücke stießen und selbst wieder, weiter den einfluß chinesischer vorbilder deutlich. für den ele-
entfernt von der traufsäule, ein system von kragstücken ganten schwung der dächer gibt es einen technischen, ei-
trugen. nen ästhetischen und einen symbolischen grund. bei die-
sem exemplar aus dem 17. jahrhundert demonstriert die
wie sollte man ein gebälk errichten, das ein dach abstüt- fließende linie der sparren, wie perfekt die konstruktion
zen konnte, und dessen ständerwerk sich zu einer wand ausgeführt wurde. als einzige holzpagode aus der li-dyna-
ausbauen ließ? die paläste und die tempel wurden voll- stie (17. jahrhundert) basiert die fünfstöckige pagode des
kommen auf holzsäulen erbaut, die in einer linie mit dem tempel von popchu-sa auf chinesischen und koreanischen
strohdach ausgerichtet wurden. die holzsäulen ruhten auf vorbildern. die pagode des popchu-sa-tempel (abb. 39)
stein- oder bronzeplatten und waren oben durch querbal- hat den gleichen baustil wie die fünfstöckige pagode am
ken verbunden. die dächer waren normalerweise gegie- suzhou-see aus china.
belt, ihr first verlief längseits. größere räume besaßen in-
nen noch eine zusätzliche reihe von holzpfeilern entlang seit uralten zeiten basiert das koreanische haus auf einer
der längsachse, um eine allzu starke belastung der quer- holzkonstruktion, deren ständer auf steinen ruhen (plin-
balken durch das schwere dach abzufangen. then), die in eine plattform aus stampflehm eingelassen
sind. das fachwerk ist mit wurflehm ausgefüllt, das dach
ziegelsteine wurden in der frühzeit nicht verwendet, statt mit ziegeln oder stroh gedeckt. beim dach variieren form,
dessen wurden die wände und fundamente aus festge- schräge und größe des vorsprungs den klimatischen be-
stampfter erde errichtet. da es im inneren chinas nur dingungen entsprechend von region zu region. es schirmt
21 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 7 + 9

21 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 7 + 9

267
vo 13 steiles dach

38 39 40

abb.38 traggebälk an einem japanischen tempel aus dem 13. jh. in kamakura, v. gruen, abb.40 koreanische haus, v. gruen, geschichte der architektur, molden verlag, mün-
geschichte der architektur, molden verlag, münchen, 1973, s. 6 chen,1973, s. 9
abb.39 popchu-sa-temple, v. gruen, geschichte der architektur, molden verlag, mün-
chen,1973, s.7

das haus gegen kalte winter und heiße sommer ab. die nen hölzer waren zusammengebunden und mit rinde und
hohen säulen und das solide, aber nachgiebige fachwerk gras abgedeckt.
bieten den schutz gegen taifune und erdbeben.
eine zweite einwanderung (ebenfalls über korea) brachte
traditionelles koreanisches haus die yayoi ins land. gravuren auf bronzgegenständen und
das holzgebälk und die lehmwände des hauses werden tongefäßen etwa aus dem 2. - 5. jh. n. chr. und haus-
durch das überhängende dach gegen sonne und regen mininaturen aus ton sind die frühesten überlieferten dar-
geschützt. auf dem lande findet man strohdächer, in der stellungen japanischen architektur. ein gegenstand, der in
stadt dagegen graue dachziegel. die baumaterialien (holz, einer anlage bei nara ausgegraben wurde, hat einen ein-
stroh, lehm und kiesel) werden aus ästhetischen gründen fachen giebel mit stark nach außen geneigten ortgängen
gewählt und sind in allen provinzen des landes reichlich und vorsprüngen an beiden firstenden.
vorhanden. 22(abb. 40)
ein bild desselben haustyps auf einem bronzegegenstand
japan verdankt china viel, was die basis und den aufbau der gleichen zeit hat eine plattform unterhalb des daches,
seiner zivlisation angeht. die ersten spuren von woh- außerdem sind bei dieser „werkplan“-artigen darstellung
nungen stammen etwa aus der zeit von 8000 v. chr. im die sparren freigelegt. der sparren wurde verlängert über
kalten klima jener tage suchten die menschen zuflucht in die firstplatte hinaus, die selbst an den giebelseiten von
höhlen und an orten, die ebensolchen schutz boten, lebten pfosten gestützt waren.23
sie auch weiterhin bis zum frühen jomon.23 als das klima
sich erwärmte, wurde eine neue art der behausung üblich, die rückseite eines bronzespiegels aus dem 5. jh., der in
und zwar das halb eingegrabene haus, das als unterkunft sumida bei kara gefunden wurde, zeigt vier hausformen
für viele jahre gedacht war. die ersten bewohner der japa- (zeichnung) des frühesten japanischen bauwerks. (abb.
nischen inseln, die vom norden und von zentralasien über 41)
korea nach japan kamen, hausten in primitiven hütten, die a) dies ist ein bauwerk auf langen stützen, es ist ein häupt-
über flachen, rechteckigen gruben mit tiefen von 60 - 90 lingshaus mit einem eingang in der giebelwand und um-
cm errichtet waren. vier pfähle oder kleine bäume standen laufendem balkon, beides über eine rampenartige treppe
in vertiefungen am inneren rand der grube und stützten zu erreichen.
tragbalken, auf denen die dachkonstruktion ruhte. b) hier handelt es sich um ein bauwerk auf stützen, das
im allgemeinen sah eine solche hütte wie ein längliches als kornspeicher verwendet wird.
zelt aus, mit einem kleinen satteldach darüber. die einzel- c) das dritte bauwerk besteht nur aus einem erdgeschoß,
22 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 7 + 9 23 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 1 + 10

22 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 7 + 9 23 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 1 + 10

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vo 13 steiles dach

41 42 43 + 44

abb.41 hausformen, william alex, arch. der japaner, otto maier verlag, ravensburg, 1965,s. abb.43 erste ise-schrein-baumstämme und baumrinde bilden das material dieser
46 hütte,william alex, arch. der japaner, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 47
abb.42 ise naiku schrein, william alex, arch. der japaner, otto maier verlag, ravens- abb.44 ise naiku schrein, william alex, arch. der japaner, otto maier verlag, ravens-
burg,1965, s.47 burg,1965, s. 44

wobei sein zweck unbekannt ist.


d) hier ist ein halb-eingegrabenes haus zu erkennen. alle 20 jahre wurden sie abgerissen und gleich daneben
wieder aufgebaut. obgleich die neu errichteten tempel mit
gegen ende der yayoi periode wurden skizzen und ton- den alten identisch waren, wurden sie in der vorstellungs-
modelle in der nähe von haniwa gefunden. aus der entde- welt der japaner keine nachbildungen, sondern „ise“ er-
ckung verschiedener tonmodelle von haniwa-häusern in stand neu. (abb. 43 + 44)
gräbern wird eine menge an infomationen über die haupt-
tendenzen in der architektur der frühgeschichte vermittelt. ungefähr zwischen dem 3. und 5. jahrhundert sind der
mit ihrer hilfe entdeckte man, daß es damals schon mög- ise naiku-schrein und auch 3.000 andere schreine ver-
lich war, dachsparren ohne tragende wände am gebälk zu bessert worden mit hilfe besserer verwendung des bau-
befestigen und walm -oder sattelwalmdächer zu bauen.24 materials. das baumaterial von ise ist der hinoki-baum,
.
ein haniwa-haus mit 4 kleinen angebauten pavillons - eine japanische, weiße zypressenart, die durchwegs zu
wahrscheinlich ein wohnhaus mit vorratskammern. pfosten, trägern, riegeln und brettern, verarbeitet wird.25
.
die haniwa-häuser mit katsuogi - mit gekreuzten runden die oberfläche ist glatt gehobelt, ohne nachbehandlung.
sparren-enden auf dem first - waren wohnhäuser. die ur- die dächer, die den starken regenfällen in japan stand-
sprüngliche bedeutung dieser gekreuzten enden läßt sich halten müssen, werden mit sanft geschwungenen strei-
nicht mehr feststellen, denn zur sicherung der sparrenen- fen aus hinoki-rinde gedeckt und dann zugeschnitten. der
den oder des deckungsmaterials an dem firstbalken sind baum wird offensichtlich in die architektur übernommen,
sie in wirklichkeit nicht notwendig. aber vielleicht war das wie man die runden stützen deuten kann, die direkt im
damals noch nicht erwiesen. sie wurden später ein kenn- boden ruhen, während die querbalken eine rechteckige
zeichen für kaiserliche bauten oder shinto-schreine. (abb. form haben.
42) die bauweise von ise, genannt shimmei, findet man auch
bei allen anderen bedeutenden schreinen in ganz japan.
zwischen dem 2. und 5. jahrhundert, bauten die japaner mit dem buddhismus übernahm japan auch die chine-
schreine - gebäude für ihre religion (shinto). der erste ise- sischen prinzipien der holzbauweise. im fernen osten wird
schrein ist ise naiku oder innener schrein genannt und ist die schönheit eines gebäudes vor allem durch das maje-
der sonnengöttin amaterasuo-mi-kami geweiht. der erste stätische dach bestimmt, dessen weite auskragung durch
ise-schrein ist im 2. jahrhundert gebaut worden mit ein- ein konsolensystem abgestützt werden muß. in horyuji,
fachen pfählen oder langen bäumstämmen und stützenden einem buddhistischen tempel, ruht der ungewöhnlich brei-
querbalken, auf denen die dachkonstruktion ruhte.25 te dachvorsprung auf einer archaischen stützkonstruktion
24 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 9

25 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 48 - 49

24 geschichte der architektur, v. gruen, molden verlag, münchen, 1973, s. 9 25 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 48 - 49

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vo 13 steiles dach

45 + 46 47 + 48 49 + 50

abb.45-48 konsolsysteme in japan, william alex, arch. der japaner, otto maier abb.49+50 dachkonstruktion, william alex, arch. der japaner, otto maier verlag,ravensburg,
verlag,ravensburg, 1965, s. 49 1965, s. 50

- die es bei den chinesischen steintempeln schon nicht genden element. die späteren systeme beruhen auf ver-
mehr gab - bei der die konsolen alle in einer ebene und feinerungen der folgenden elemente: dem auflager (daito)
längseits liegen und die form einer wolke bilden. der vor- auf der säule, der konsole (oder den armen der konsole)
sprungswinkel des daches stellte ein äußerst schwieriges und dem darauf aufgeblatteten kleinen auflager (makito).
gewichtsproblem dar. in einem technisch ausgefeilteren diese struktur bildet den hira mitsudo.27
system werden die im 45°-winkel angebrachten konsolen .
der demitsudo-system ist der erste schritt. er hat auf dem
gewöhnlich von rechtwinkelig ausgreifenden konsolen un- auflager zwei ineinander eingepaßte konsolen (parallel
terstützt, die hier aber fehlen. deswegen wurden hier zu- zur wand, die andere quer dazu), die auf ihren enden und
sätzlich konsolen rechts von den säulen angebaut, die an dem schnittpunkt kleine auflager tragen.
den ecken sehr eng nebeneinanderstehen.26 .
das degumi-system entsteht in einem schritt und zwei la-
der tempel von horyuji ist der älteste holzbau der welt. gen, indem man auf die enden der querkonsolen eine die
er ist am anfang des 7. jahrhunderts gebaut worden und waage wahrende konsole blattet (hakari hijiki) und darauf,
entstammt aus der koreanischen bautradition. parallel zur wand, eine seitenkonsole (sane hijiki) ohne
auflager anbringt.
japan wird oft von erdbeben heimgesucht, deshalb gilt das .
das futatesaki-system entsteht in zwei schritten und drei
besondere interesse schon immer der stabilisierung von lagen. es verfügt meistens über einen kleinen hebelarm
gebäuden. bis zum mittelalter geschah das hauptsächlich (odaruki) - eine zweite waagkonsole kann hinzukommen,
mit hilfe von pfetten, bei den wänden war es eine art bal- in die eine seitenkonsole ohne auflager eingepaßt ist.
ken (kashiranuki), der die oben eingekerbten säulen mit- .
das mitesaki-system entsteht in drei schritten. über dem
einander verband. weniger gebräuchlich waren auch trä- auflager sind zwei sich kreuzende konsolen ineinanderge-
ger (nageshi) mit zapfen an den enden, die in die ständer paßt (erster schritt), darüber liegt eine querkonsole (zwei-
eingelassen wurden. danach wurde es üblich, die eckpfei- ter schritt), die mit einer waagkonsole verfugt ist (dritter
ler zu stabilisieren, indem man die kashiranuki kreuweise schritt), mit einem hebelarm und einer zweiten waagkon-
übereinanderlegte. und schließlich wurden die äußeren sole darauf.
säulen durch mehrfach diagonal verlaufende kashiranuki
verbunden. querschitte, die die entwicklung des gewinns an raum
zeigen (abb. 49 - 52)
die üblichsten konsolsysteme in japan (abb. 45 - 48) als der tempel dann aber für die gläubigen zugänglich
das früheste system besteht aus einer konsole in form wurde, benötigte man mehr platz, wobei die säulenord-
eines schiffsrumpfes zwischen der säule und dem zu tra- nung und die dachkonstruktion verändert wurden.26
26 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 50 27 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 18

26 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 50 27 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 18

270
vo 13 steiles dach

51 52 53

abb.51 dachkonstruktion, william alex, arch. der japaner, otto maier verlag, ravens- abb.53 kathedrale von chatres, günter binding, das dachwerk, dt. kunstverlag, mün-
burg,1965, s. 50 chen,1991, s. 16
abb. 52 dachwerkkonstruktionen, günter binding, das dachwerk, dt. kunstverlag,
münchen,1991, s. 18

die konstruktion des dachwerks wird auf dem zimmer-


.
bei der dachkonstruktion war es am einfachsten, eine platz, der zulage, hergerichtet. die fertigen stücke werden
überdachte vorhalle oder einen zusätzlichen umgang zusammengesetzt und mit abbundmarken (buchstaben,
(magobisashi) - eine art veranda - anzufügen. zeichen, seit dem 16. jh. vorrangig römische ziffern) ver-
.
später schufen die japaner für die gläubigen einen gejin sehen, wieder auseinandergenommen, auf die baustelle
durch asymmetrie, indem sie ein dach erfanden, das aus gefahren und dort in wenigen tagen mit hilfskräften aufge-
zwei übereinandergelagerten gebälksystemen bestand, stelllt (gerichtet, aufgeschlagen).29
was den raum verdoppelt.
.
die endgültige lösung verfügt über eine extrem ver- zur besseren erfahrung der vielfältigen konstruktiven er-
feinerte dachpartie mit allen technischen raffinements des scheinungen an mittelalterlichen dachwerken ist es not-
zenshuyo zukuri. man wählte in dieser zeit mehr und mehr wendig, diese zu einer beschränkten zahl räumlich-ge-
statt des länglich-rechteckigen plans einen quadratischen bundener typen zu verdichten.
und schließlich wurde das ganze dach im erdgeschoß beim einfachen, zunächst recht flach geneigten pfetten-
durch ein pultdach erweitert.28 dach (rofendach) liegt die dachhaut anfangs direkt auf den
längslaufenden pfetten, die unmittelbar in die giebelwände
gewissenhaft kopierten die japaner die chinesische archi- eingebunden sind, auf. bei größerer dachneigung hängen
tektur - ein hölzernes stützwerk, errichtet auf einer ter- rofen einzeln oder paarweise an einer von firstsäulen ge-
rasse, auf ausgestampfter erde mit eine verkleidung aus tragenen oder auf den giebelspitzen liegenden firstpfette
steinen, ein walm- oder fußwalmdach, das auf überein- und ruhen auf dem wandrähm. im laufe der entwicklung
anderliegenden dachsparren ruht und von einem konsol- übernimmt eine von den deckenbalken getragene oder auf
system und auf steinsockeln stehenden säulen getragen die längsmauern gelegte dachschwelle oder fußpfette die
wird. aufgabe des wandrähms. die rofen (auch fälschlich spar-
ren genannt) gehören nicht zur dachkonstruktion, sondern
zu dachhaut. sie sind auf pfetten aufgeklaut und bringen
13.3 stand der technik nur senkrechte kräfte auf die unterkonstruktion auf. um
bei rofenlängen von über 5 m notwendige zwischenaufla-
das dach als oberer abschluß eines bauwerks gegen wit- ger herzustellen, werden zwischenpfetten eingefügt, die
terungseinflüsse ist ein die erscheinung des gebäudes we- bei größeren spannweiten von säulen unterstützt werden.
sentlich mitbe- stimmender bauteil, der aus der konstruk- hieraus ergibt sich der stehende stuhl (oder bock), dessen
tion (dachwerk) und der deckung (dachhaut) besteht. pfetten zugleich eine sichere längsverbindung der dach-
28 architektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 50 29 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 17 + 24

28 chitektur der japaner, william alex, otto maier verlag, ravensburg, 1965, s. 50 29 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 17 + 24

271
vo 13 steiles dach

54 + 55 56 57 58

abb.54 legende des st. denis, günter binding, das dachwerk, dt. kunstverlag, mün- abb.56 verbindung der sparren, verschlitzter sparren, doppelte versatzung. günterbinding,
chen,1991, s. 17 das dachwerk, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 24
abb.55 verbindung des kehlbalkens: verblattung, verzapfung, günter binding, dasdachwerk, abb.57 kehlbalkendach von stehenden bzw. legendem stuhl, günter binding, dasdachwerk,
dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 24 dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 21
abb.58 kehlbalkendach mit zweiteiliger hängesäule, günter binding, das dachwerk, dt.
kunstverlag, münchen, 1991, s. 20

konstruktion gewährleisten. längsverbände besonderer fen. ebenfalls eine im bestand seltene pfettenkonstruktion
art finden sich mit durchlaufenenden schwellen, angeblat- zeigt die legende von st. denis in der pariser nationalbibli-
teten mittelriegeln und firstpfetten, untereinander verstrebt othek aus dem 14. jh., wo man deutlich die firstpfette und
und kreuzverstrebt. schließlich wird die firstpfette von den die rofen, die wie sparren in die fußpfette gezapft sind,
liegenden stühlen unmittelbar aufgenommen, wobei diese sehen kann.30
zugleich zum tragen der zwischenpfetten benutzt werden.
auch wird die firstpfette von einer aus streben gebildeten die im kirchenbau übliche dachkonstruktion ist das spar-
schere getragen, die in england den krummholzdachstüh- rendach mit kehlbalken. bei einer sparrenlänge von mehr
len entspricht. statt der firstpfette kann unter dem first ein als 4,50 m und bei einer raumweite von über 6 - 7 m ist
kleiner kehlbalken oder eine zange eingeschoben werden eine unterstützung der sparren in ihrer mitte, wo die durch-
- so entsteht eine kombination mit dem kehlbalkendach. biegung am größten ist, erforderlich. sie erfolgt entweder
durch streben, die auf halber länge an den sparren und im
das pfettendach ist in seiner einfachen ausbildung eine drittelpunkt an den binderbalken angeblattet sind oder -
urtümliche form des dachgerüstes und reicht bis in die seit der mitte des 12. jh. durch waagrechte spreizen - den
anfänge des hausbaus zurück. es bestimmt das antike, kehlbalken, die mit sparren gerade, hakenförmig verblat-
römische dach. dieses mit schweren ziegeln (tegulae) ge- tet, versetzt oder seit der 2. hälfte des 13. jh. auch ver-
deckte und daher recht flach geneigte dach wurde von zapft sind. die verzapfung findet erst im 14. jh. allgemei-
dicken pfetten getragen, die von giebel zu giebel reichten ne verbreitung.30 der kehlbalken überträgt bei einseitiger
und dort ihre auflager hatten. auf den pfetten lagen mit belastung einen teil der last auf den gegenüberliegenden
geringem abstand die rofen. sie trugen teilweise bretter sparren und bildet dadurch eine gegenkraft zur dortigen
und das lehmbett für die ziegel. aus der römischen tra- belastung durch die dachhaut oder den winddruck. die
dition sind die italienischen dachwerke des mittelalters freie länge der kehlbalken kann durch kopfstreben ver-
erwachsen. ringert werden. an graten und kehlen der dächer sind die
auch in frankreich haben diese vorstufen zur pfetten- grat- oder kehlsparren zu finden. (abb. 55 - 56)
konstruktion geführt, wie es das glasfenster st. julien
l‘hospitalier im nördlichen chorumgang der kathedrale von die paarweise gegeneinander gelehnten und im first
chartres (abb. 53) um 1220/25 zeigt: rähmbalken, die als - durch scherzapfen oder einfache blattung und holznä-
fußpfette vor die giebelfront vorgezogen sind, und eine gel - kraftschlüssig verbundenen und sich so gegensei-
firstpfette, die von eine säule und einer strebe gestützt tig stützenden sparren (gespärre) stehen am dachfuß auf
wird, tragen die weit über die fußpfette vorstehenden ro- den traufwänden in einem festen, vertikal und horizontal
30 das dachwerk, günter binding, dt. künstlerverlag, münchen, 1991, s. 17 - 25

30 das dachwerk, günter binding, dt. künstlerverlag, münchen, 1991, s. 17 - 25

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vo 13 steiles dach

59 60 61

abb.59+60 sindelfingen, kirche st. martin 1132, günter binding, das dachwerk, abb.61 mit ziegeln eindecktes halbsteiles dampfdurchlässiges bulgarisches stalldach
dt.kunstverlag, münchen, 1991, s. 25

unverschiebbaren auflager.30 die dadurch wie bei einem terstützt, die untereinander durch waagrechte, in längs-
sprengwerk entstehenden schubkräfte wurden im fach- richtung verlaufende balken (stuhlrähm), verbunden sind
werkbau durch einen ankerbalken mit zapfenschloß ge- (stuhlwand). sie sind mit diesen durch kopfbänder oder
genseitig gesichert. später legt man zu diesem zwecke ei- streben versteift und stehen entweder direkt auf den bin-
nen balken (binder-balken) auf, mit dem die sparrenfüße derbalken bzw. die kehlbalken ruhen auf schwellen.31
verblattet oder häufig mit versatz verblattet sind. anfangs entweder wird der stuhl in der mitte (einfach stehender
waren sie mit schlitzzapfen verbunden. stuhl) oder je einer in der nähe des knotenpunktes zwi-
das überstehende ende (vorholz) des binderbalkens am schen sparren und kehlbalken (doppelt stehender stuhl)
sparrenfuß wird durch den aufschiebling gedeckt, der nicht errichtet. um einen freien dachraum zu schaffen und die
verzimmert, sondern nur durch vernagelung gesichert ist. binderbalken zu entlasten, wird die dachlast durch den in
so entsteht ein unverschieblicher, sich „sperrender“ drei- der 1. hälfte des 15. jh. eingeführten liegenden stuhl auf
ecksverband. die längsaussteifung (windverband) wird die seite abgeleitet. (abb. 57 + 58)
zunächst nur durch die dachschalung erreicht. frühestens
seit dem späten 13. jh. sorgen schräg zur trauflinie unter beim hängewerk sind die säulen zugfest mit dem binder-
die sparren genagelte latten (windrispen, etwa 3 x 5 cm) balken oder einem unter dem binderbalken verlaufenden
für längssteifigkeit. unterzug (hängebalken) verbunden.31 die lasten werden
über die streben abgeleitet, die teil eines liegenden stuhles
mit der kreuzstrebe, die in den einzelnen gebinden an die sein können, oder die säulen hängen direkt am gespärre
sparren angeblattet ist und einen oder mehrere kehlbal- bzw. an den kehlbalken. im laufe der entwicklung werden
ken überblattet, wird seit der mitte des 13. jh. (freiburg ab die hängesäulen in der längsrichtung miteinander ver-
1256) eine wichtige neuerung eingeführt. die kreuzverstre- bunden und verstrebt. das hängewerk übernimmt die de-
bung bringt einmal eine unverschiebbare dreiecksteifig- ckenlast und dient zur querschnittsverringerung bei bin-
keit. sie stützt die sparren zusätzlich zum kehlbalken und derbalken. hier wird in das letzte satteldachgebinde eine
unterstützt den freigespannten kehlbalken, ohne last auf mittelsäule (kaiserstiel) eingefügt, an die sich gratsparren
den binderbalken abzugeben. damit stellt die kreuzstrebe anschmiegen können.
eine sinnvolle weiterentwicklung der sparrenstreben dar.
im gesamten nordeuro-päischen raum ist die kreuzstrebe die frühesten dachwerke des 12. jh. sind gekennzeich-
zur aussteifung von sparrendächern verwendet worden. net als sparrendächer, bei denen in unterschiedlicher
bei spannweiten von über 7 m werden die kehlbalken seit weise versucht wird, die durchbiegung der freigespannten
der ersten hälfte des 14. jh. von säulen (stuhlsäulen) un- sparren - durch verstrebungen auf den binderbalken oder
31 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 20 + 23 + 25

31 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 20 + 23 + 25

273
vo 13 steiles dach

62 63 64

abb.62-64 frick, knöll, neumann, weinbrenner, baukonstruktion teil 2, teubner, 1983, s.13

durch einfügung von kehlbalken (auch in der kombination werks abhängig und aus tabellen ersichtlich. bei der be-
beider arten) -, zu verhindern. messung des tragwerks ist zu berücksichtigen, daß alle
diese belastungen auch gleichzeitig auftreten können.
zu den frühesten sicher datierten dachwerken zählt das
dachwerk der stiftskirche st. martin in sindelfingen (abb. funktion
59 + 60). die im abstand von 103 cm aufgestellten und dächer haben die aufgabe, die darunterliegenden gebäu-
6,00 m frei gespannten gebinde mit einer dachneigung de vor einflüssen von außen zu schützen. dies sind ins-
von 43° bestehen aus hochkant-gestellten binderbalken besondere feuchtigkeit (regen und schnee), wind, kälte
(31/20 cm), die den mauerschwellen (20/26 cm) überge- und wärme. sie sind so auszubilden, daß sie sowohl diese
kämmt sind und 68 cm über die außenflucht überstehen. funktion - in der jeweils geforderten art - er- füllen, als
dort sind zwischen die auf der unterseite abgeschrägten auch durch diese einflüsse nicht selbst beschädigt wer-
balkenenden windbretter aufgeschoben. die sparren sind den.
(21/16 cm) an die binderbalken mit scherzapfen befestigt außerdem dienen dächer auch als gestaltungselement
und oben verblattet. auf halber sparrenlänge sind streben und sollen dem ästhetischen anspruch des gebäudes ge-
(17/13 cm) angeblattet und leicht schräg auf die drittel- recht werden.
punkte der binderbalken geführt und mit diesen ebenfalls die wichtigste statische aufgabe ist die bindung der
verblattet. ab 1132 entwicklte sich das dachwerk (abb. 76) schrägwirkenden kräfte und ihre umwandlung in vertikale
in dem die schräggestellten streben („stützen“) senkrecht auflagerlasten. der schub entsteht dabei aus der ablei-
stehen. sie sind an den binderbalken angeblattet und in tung vertikaler kräfte über schräge bauteile und, je nach
die sparren gezapft. diese konstruktion ist mit 1167 datiert dachneigung, aus den windkräften.
und hat eine dachneigung von 45°.32 auflagerkräfte von dachkonstruktionen33 (abb. 63)
a flachdächer
belastung b vertikale auflagerkräfte bei pfettendächern
die belastung, die ein dach tragen muß, setzt sich aus c vertikale und horizontale auflagerkräfte bei sparrendä-
dem eigengewicht der dachhaut und des tragwerks sowie chern
den von außen angreifenden lasten zusammen.
von außen angreifende lasten sind windbelastungen formen (abb. 64)
(druck und sog), schnee- und eislasten (dachrinnenbe- die form eines daches wird u. a. durch seine funktion, den
reiche). (abb. 62) grundriß des gebäudes und lokale traditionen bestimmt.
deren werte sind von der geographischen lage des bau- auch die jeweilige dachneigung und deckung muß hierbei
32 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 20 + 23 + 25 33 frick, knöll, neumann, weinbrenner, baukonstruktionslehre teil 2, teubner 1993, s. 14

32 das dachwerk, günter binding, dt. kunstverlag, münchen, 1991, s. 20 + 23 + 25 33 frick, knöll, neumann, weinbrenner, baukonstruktionslehre teil 2, teubner 1993, s. 14

274
vo 13 steiles dach

65 66 67 68

abb.65+66 frick, knöll, neumann, weinbrenner, baukonstruktion teil 2, teubner, 1983, s.13 abb.67 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 34
abb.68 technisierung des bauens, s. 5

berücksichtigt werden. die grundkonzeption der zimmermannsdächer leitet sich


von den alten deckungsmaterialien - der stroh-, schindel-,
mansarddach oder ziegel- deckung ab. alle diese alten deckungen
es ist benannt nach dem französichen baumeister j. har- werden nach dem prinzip der übereinandergreifenden
douin-mansart (1646 - 1708).34 durch die steilere neigung schuppen ausgeführt und benötigen darum eine horizon-
im unteren bereich wird der nicht nutzbare raum in den tal laufende schalung oder latten als träger der einzelnen
zwickeln verkleinert und dadurch ein brauchbarer wohn- schuppenreihen. bei der üblichen stärke dieser dachlatten
raum im dachgeschoß geschaffen. soll bei der eindeckung noch ein mensch darauf stehen
können, weshalb sie in abständen von <= 80 cm unter-
stützt werden müssen.35 dies geschieht durch sparren, die
grabendach deshalb immer von der traufe zum first laufen. die sparren
dieses dach ist in salzburg häufig zu sehen. dabei wird werden je nach ihrer länge einmal oder mehrmals unter-
den giebeln eine fassade vorgeblendet. stützt. aus der art der unterstützung bzw. kraftableitung
ent-wickelten sich zwei konstruktionen der zimmermanns-
neben der dachform ist auch die richtige wahl der dach- dächer, nämlich
neigung wichtig. sie ergibt sich nicht nur durch gestalte- · sparren- und kehlbalkendächer
rische und nutzungsorientierte überlegungen, sondern · pfettendächer
auch durch das vorherrschende klima. so soll z. b. die die einheit aus zwei gegenüberliegenden sparren und
vorherrschende flache dachneigung in alpinen gebie- den zu ihnen gehörenden tragenden konstruktionen nennt
ten vermeiden, daß der schnee vom dach rutscht, denn man gespärre. ein gespärre in dem alle auftretenden kräf-
er dient als zusätzliche wärmedämmung, und störende te selbst abgeleitet werden, ist ein vollgespärre. eines,
schneehaufen unter der traufe werden vermieden. auch aus dem kräfte auf ein anderes gespärre abgeleitet wer-
gibt es gebiete, in denen bestimmte dachneigungen auf den, heißt leergespärre.
grund des ensembleschutzes vorgeschrieben sind.
sparrendachstuhl
konstruktionen das statische system besteht aus zwei balken (sparren),
das dach besteht aus der tragenden konstruktion, dem die in einer ebene paarweise gegeneinander geneigt und
dachstuhl, über den die auftretenden belastungen (kräf- am firstpunkt gelenkig miteinander verbunden sind. die
te) auf das mauerwerk geleitet werden, und der dachhaut übrigen zwei auflager (fußpunkte) müssen für vertikal-
(dachdeckung, unterkonstruktion). und horizontalkräfte frei drehbar, aber unverschieblich
34 meyers enzyklopädisches lexikon, 1972 35 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, viewag, 1988, s. 474

34 meyers enzyklopädisches lexikon, 1972 35 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, viewag, 1988, s. 474

275
vo 13 steiles dach

69 + 70 71 72 73 74

abb.69-74 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 495

gehalten sein. die sparren bilden mit dem bundtram ein wirtschaftlich und es sollte ein kehlbalkendach ausgeführt
stabiles dreieck (statisch bestimmtes dreigelenksystem). werden.
diese sind träger der dachhaut und zugleich konstruktiver übliche querschnitte sind für
teil und werden nicht nur auf biegung, sondern auch durch · sparren ca. 8/12 bis 12/18 cm
längskräfte, auf druck und bei sehr steilen dächern (wind) · windrispe 6/12 cm
eventuell sogar auf zug beansprucht. deshalb müssen
ihre querschnitte stärker bemessen werden als bei pfet- einfaches sparrendach mit walm
tendächern. sie leiten selbst alle kräfte in den fußpunkten entlang der grate werden gratsparren angeordnet, auf ihnen
- und nur dort - in die bundträme, die decke und das mau- liegen die kürzeren schiftsparren (schifter) auf. die gratspar-
erwerk ab. jedes gespärre ist ein hauptgespärre. da mit ren treffen am first im anfallspunkt mit dem anfallsgespärre
abnehmender dachneigung die auftretenden horizonatl- (das erste vollgespärre) zusammen. auf der walmseite wird
kräfte immer größer werden, werden sparrendächer nur der horizontalschub der schifter (walmschifter) durch stich-
als steile dächer (>= 35°) ausgeführt. sie bilden innerhalb balken aufgenommen, die mit dem ersten bundtram bzw.
des umrisses einen freien dachraum. deckenbalken zugfest verbunden sind.

zur aussteifung des dachstuhls in längsrichtung dienen di- kehlbalkendach


agonal verlaufende pfosten (windrispen). (abb. 69 + 70) wächst die sparrenlänge über 4,5 m hinaus, so werden die
ist die unter dem dachgeschoß liegende deckenkonstruk- gespärre durch kehlbalken ausgesteift. über einen hori-
tion in der lage den im gespärre auftretenden schub auf- zontalen riegel (kehlbalken), der zwei gegenüberliegenden
zunehmen, kann diese die funktion des bundtrams über- sparren paarweise miteinander verbindet, entsteht ein ge-
nehmen, auf den somit verzichtet werden kann (bessere genseitiges auflager. der sparren wird zu einem durchlauf-
begehbarkeit des dachraumes). träger auf drei stützen (spannweite ca. 8 - 12 m).
ausführungsvarianten des first- bzw. fußpunktes beim übliche querschnitte sind für
sparrendach · sparren ca. 8/16 bis 14/20 cm
· kehlbalken 8/8 bis 14/14 cm (meist jedoch auf zwei quer-
einfaches sparrendach schnitte aufgeteilt)
die sparrenlänge ist beim einfachen sparrendach auf
max. 4,5 m beschränkt. daraus ergibt sich eine maximale wächst die länge der belasteten kehlbalken über ca. 4,5 m,
gebäudetiefe von ca. 6 m. bei darüber hinausgehenden dann unterstützt man sie durch einen rähm (in firstrichtung
abmessungen würden die notwendigen querschnitte un- laufender balken). so entsteht der einfach (zweifach-, drei-

276
vo 13 steiles dach

75 + 76 77 + 78 79 80

abb.75 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 495 abb.78-80 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 497
abb.76+77 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s.56

fach-) stehende kehlbalkenstuhl. er trägt keine dachlast, statische bedeutung für die standsicherheit des stuhls. er
sondern nur die last aus dem kehlgebälk. es besteht auch liegt auf pfetten auf, diese wieder auf der stuhlkonstruk-
die möglichkeit, die kehlbalken mit seitlich angenagelten tion. die sparrenlagen der beiden dachseiten sind vonei-
brettern am dachfirst aufzuhängen. nander unabhängig, da sich die sparren der beiden sei-
kehlbalken, die nur von den sparren gehalten und nicht un- ten am first nicht gegenseitig abstützen, sondern auf der
terstützt werden, nennt man hahnenbalken. sind mehrere firstpfette aufliegen und daher nicht verbunden werden
kehlbalken übereinander angeordnet, ist der oberste meist müssen. (wenn es möglich ist, sollten sie dennoch am
ein hahnenbalken. auf ihm saß im stall der hahn (auch kat- firstpunkt verbunden werden. dies widerspricht zwar der
zenbalken genannt - wahrscheinlich ist die katze hinaufge- definition des pfettendaches, sichert jedoch die sparren
klettert, um den hahn zu fressen). gegen eventuell auftretende windsogspitzen.) über den
traufen liegen die sparren auf den fußpfetten auf. muß der
kehlbalken-walmdach sparren auf grund seiner länge (> 5 m) öfter unterstützt
auf grund der länge der sparren wird es auch nötig, die werden, geschieht dies durch mittelpfetten. die pfetten
gratsparren und die schifter zusätzlich zu stützen. da die werden, sofern sie nicht am mauerwerk aufliegen, von
gratsparren und walmschifter kein direktes gegenüber ha- stuhlsäulen getragen, über die die kräfte auf das bauwerk
ben, gegen das sie sich abstützen können, legt man stiche abgeleitet werden.
über die wenigstens drei nächsten kehlbalken und verdübelt es gibt voll- und leergespärre (in einem vollgespärre sind
oder verschraubt sie. neben den sparren auch alle notwendigen stuhlsäulen
angeordnet). die länge des sparrens und die art der ab-
pfettendachstuhl stützung der pfetten ist grundlage für die einteilung der
im gegensatz zu den meisten ausdrücken des holzbaus, pfettendächer.
die germanischen ursprungs sind, leitet sich der begriff pfettendächer sind im prinzip flachgeneigte dächer (£ 30°
der „pfette“ aus dem lateinischen ab. „patena“ bedeutete ohne abstrebung), die wenig freien dachraum aufweisen
ursprünglich „krippe“, im mit- tellateinischen dann „first- (stuhl).
baum“.36 man beachte die ählichkeit zwischen einfachen die einfachsten formen sind im steinbau das mauerpfet-
krippen und pfettendachkonstruktionen! bei den dach- tendach und im blockbau das blockpfettendach, bei de-
stühlen bezeichnet man seit der sprachlichen umformung nen die pfetten nur auf den giebelmauern aufliegen.
alle parallel zum dachfirst verlaufenden hölzer, auf denen
die sparren aufliegen, als „pfetten“. stehender stuhl
der sparren ist nur träger für die dachhaut, er hat keine wird die spannweite der pfetten zu groß, müssen sie alle
36 kluge, ehymologisches wörterbuch der deutschen sprache, de gruyter, 1989

36 kluge, ehymologisches wörterbuch der deutschen sprache, de gruyter, 1989

277
vo 13 steiles dach

81 82 83 + 84 85

abb.81-85 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 475 - 486

3,5 bis 4,5 m unterstützt werden. das geschieht beim ste- diese mittelpfetten unterstellt.
henden stuhl mittels vertikal stehender pfosten, den stuhl- dabei liegt der untere sparrenteil beidseitig, also zweimal
säulen. diese sind sowohl mit der pfette als auch mit dem auf, während der obere teil frei auskragt und nur durch
darunterliegenden deckenbalken verbunden. den gegenüberliegenden sparren gehalten wird. erfah-
auf massivdecken stehen sie stumpf auf und werden mit rungsgemäß soll die stützweite für beidseitig aufliegende
eisenlaschen gesichert. der deckenbalken bzw. die decke sparren nicht größer als 4,50 m sein. ist keine firstpfette
müssen in der lage sein, die last zu tragen. meist wird es vorhanden, darf der obere sparrenteil höchstens 2,50 m
notwendig sein, sie so anzuordnen, daß sich im darunter- lang sein; anderenfalls ist nochmals ein hahnenbalken
liegenden geschoß in unmittelbarer nähe eine tragende einzuziehen.
zwischenmauer bzw. ein unterzug befindet. bei gebäude- beim „dreifach stehenden stuhl“ sind sowohl mittelpfetten
tiefen von < 6 m kann ein bundtram ausreichen, auf dem als auch eine firstpfette vorhanden, die durch stuhlsäulen
die streben stehen. unterstützt werden.
zur entlastung der stuhlsäule und zur aussteifung werden je länger die sparren werden, desto mehr pfetten müssen
kopfbänder (bzw. fußbänder) angeordnet (ausladung ca. angeordnet werden. daraus ergeben sich aufwendige,
1 m). vielfach verstrebte, mehrfache stühle.
zur besseren windsteifigkeit können in den vollgespärren
die zwei sparren - sofern sie sich gegenüberliegen - mit abgestrebter stehender stuhl
der stuhlsäule mit „zangen“ verbunden werden. steilere pfettendachstühle (um 40° neigung) müssen zur
die anzahl der stuhlsäulen in einem vollgespärre und de- aufnahme der windkräfte zusätzliche streben erhalten.
ren ausbildung ist für die bezeichnung der stuhlart aus- diese streben laufen in etwa parallel zum sparren und
schlaggebend. sind mit dem bundtram zug- und druckfest verbunden. da-
durch ergeben sich auf beiden seiten stabile dreiecke, die
einfach stehender stuhl druck- und sogkräfte aufnehmen können. eine verbindung
steht im dachquerschnitt nur ein pfosten, so spricht man der beiden seiten durch zangen ist nicht mehr notwendig,
von einem „einfach stehenden stuhl“. im normalfall wird wird jedoch meistens ausgeführt.
dann die firstpfette unterstützt. sprengwerk
ist für die stuhlsäulen keine lastableitung auf tragende
zweifach-, dreifach stehender stuhl (abb. 79 + 80) mittelmauern möglich, werden diese lasten über streben
wird der sparren länger als ca. 5 m, werden mittelpfetten zu den möglichen auflagern geleitet. die säule muß dafür
angeordnet. beim „zweifach stehenden stuhl“ werden nur beidseitig abgestrebt werden und wird mit einem schwe-

278
vo 13 steiles dach

86 87 + 88 89 + 90 91

abb.86-89 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 483 - 486 abb.90+91 kress, der zimmerpolier, otto maier verlag, 1942, s. 307, 133

bezapfen mit 2 - 3 cm spiel ausgeführt, um sicherzuge- das geschieht mit hilfe des oben beschriebenen spreng-
hen, daß trotz kleiner formveränderungen (setzungen) im werks. der bundtram wird an den als hängesäulen aus-
system der bundtram bzw. die decke nicht belastet wer- gebildeten stuhlsäulen aufgehängt. hier dürfen die stuhl-
den. anders ausgedrückt werden die sprengwerksbinder säulen natürlich nicht abgeschnitten werden. das für die
von vornherein um einige zentimeter überhöht - oder wie aufnahme der oberen dachlast vorhandene sprengwerk
man auch sagt - gesprengt. ist für die untere gebälkslast ein hängewerk. gegebenfalls
beim „doppelten sprengwerk“ zur unterstützung der mit- kann so auch die decke unter dem dachgeschoß, z. b.
telpfetten wird zur aufnahme der horizontalen kräfte am bei großen spannweiten, am sprengwerk des dachstuhles
oberen strebenende, zwischen den beiden stuhlsäulen, abgehängt werden.
ein spannriegel angeordnet. mögliche spannweiten
die hängesäule dient beim reinen sprengwerk unterhalb · einfaches hängewerk bis ca. 8 m
des sprengwerkknotens nur zur führung des pfostens. di- · doppeltes hängewerk in trapezform bis ca. 14 m
ese kann auch durch zangen gewährleistet und die stuhl- · dreifaches hängewerk (aus drei dreieckshängewerken
säule unterhalb der angreifenden kopfbänder abgeschnit- zusammengesetzt) bis ca.18 m
ten werden.
da nun ein eventuell vorhandener bundtram nicht mehr bockstuhl
auf durchbiegung, sondern nur mehr auf zug durch die ist nur eine tragende mittelmauer vorhanden, kann ein
sprengwerkstreben belastet wird, kann dieser - sofern die bockstuhl verwendet werden. hier stehen die stuhlsäulen
decke oder ein zugband diese kräfte aufnehmen können schräg in die mitte des dachraumes, wo sie sich in einem
- auf zwei bundtramschuhe reduziert werden. diese kon- punkt - in nähe der darunterliegenden mauer treffen. da-
struktion, die „wiener dachstuhl“ genannt wird, ist zwar re- durch, daß die streben in etwa in richtung der angreifen-
lativ aufwendig, verschafft jedoch viel freien dachraum. den windkräfte liegen, können diese besonders gut abge-
leitet werden. eine nutzung des dachraumes ist dadurch
dachstuhl mit doppeltem sprengwerk, querlaufendem jedoch nur schwer möglich.
kehlgebälk (zangengebälk) und binder mit einem spren-
griegel.37 liegender stuhl
ähnlich dem sprengwerk funktioniert der liegende stuhl,
hängewerk jedoch sind hier keine senkrechten stuhlsäulen - auch
ist die freie (nicht unterstützte) länge des bundtrams > 6 m, nicht ansatzweise - vorhanden. schräg nach außen lau-
muß dieser an der stuhlkonstruktion aufgehängt werden. fende streben sind direkt mit den pfetten verbunden. wird
37 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 108

37 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 108

279
vo 13 steiles dach

92 93

abb.92 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 608 abb.93 gebundene reetdeckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer,r.
müller, 1991, s. 93

eine solche konstruktion bei mittelpfetten verwendet, ist stahltragwerke


auch hier ein spannriegel nötig. statt holz wird hier stahl zur konstruktion verwendet, wodurch
größere spannweiten und ein besserer brandschutz erreicht
doppelt liegender dachstuhl38 werden können. da sich stahl im brandfall auf grund der
a stuhlsäule hohen temperaturen jedoch verformt, sollten die stahlprofile
b zangen z. b. mit brandschutzplatten ummantelt werden.
c spannriegel
d pfette39 binder
auf grund des großen holzaufwandes mit traditionellen kon-
pultdach struktionen bei großen spannweiten z. b. bei hallenkonstruk-
die pfettendachkonstruktionen können sinngemäß auch tionen, werden hier holzelemente so zusammengefaßt, daß
bei pultdächern verwendet werden. man erhält „halbe“ der kräfteverlauf bzw. der querschnitt optimiert wird.
dachstühle, die firstpfette kann eventuell auf dem mauer-
werk aufgelegt werden. fachwerkbinder
der binder besteht aus einem fachwerk von zug- und druck-
pfettenwalmdach stäben.
hier sind die pfetten - außer natürlich die firstpfette - als
pfettenkränze auf allen hausseiten umlaufend ausgeführt. vollwandbinder
auf ihnen liegen neben den normalen sparren auch die vollwandbinder sind binder, die aus vollwandigen stegen
schiftersparren und in den eckpunkten die gratsparren aus brettern oder platten bestehen, die zwischen gurte in
auf. kasten- oder i-form genagelt oder geleimt werden.

sonderformen geleimte brettschichtträger (hetzerträger)


geneigte massivdächer (sargdeckel) hier werden träger durch verleimen übereinanderliegender,
soll der dachraum ausgebaut werden, wird auf grund des dünner brettern (£ 30 mm) erzeugt. durch versetzen der
besseren brandschutzes und des wärmespeichervermö- stöße können so binder von fast beliebiger länge erzeugt
gens statt eines holztragwerks oft ein sargdeckel ausge- werden.
führt. hierbei handelt es sich um geneigte stahlbetonplat-
ten, auf denen die dachhaut aufgebracht wird. sparrenpfettendach
die bezeichnung „sparrenpfette“ besagt, daß dieser bauteil
38 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 133

39 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 133

38,39 kress, der zimmerpolier, o. maier, 1942, s. 133

280
vo 13 steiles dach

94 95 96

abb.94 genähte reetdeckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer,
r.müller, 1991, s. 93
abb.95+96 phelps, der blockbau, a. buder, 1942, wiederauflage 1981, s. 103 + 98

die funktionen des sparrens und der pfette in sich vereinigt. bracht wird. an ihr wird die deckung befestigt. sollte jedoch
sparrenpfetten verlaufen parallel zur traufe auf den bindern bei dieser einfachen art wasser durch die fugen gelangen,
und tragen die dachhaut (schalung oder platten). sie werden tropft es direkt in den dachraum bzw. auf die zwischen den
normal zur binderoberkante angeordnet. sparren liegende wärmedämmung. um dies zu vermeiden,
kann eine zweite wasserableitende ebene eingeführt wer-
dachhaut den, über die erstens wasser zur traufe abrinnen kann und
die dachhaut ist die schicht, die dem gebäude den eigent- zweitens die dachhaut von der traufe zum first hin hinter-
lichen schutz vor einflüssen von außen (oben) bietet. in wel- lüftet wird, wodurch wiederum eingedrungene feuchtigkeit
chem ausmaß das dach davor schützen kann, hängt von durch den luftzug abtransportiert wird. für die ausführung
der gewählten deckungsart und dem aufbau - auch der ein- dieser ebene gibt es zwei möglichkeiten - das unterdach
zelnen schichten - der dachhaut ab. die moderne industrie und die unterspannbahn.
produziert für jeden zweck geeignetes ma- terial. die wahl des aufbaus und besonders der deckungsart ist
die vorrangigste aufgabe der dachhaut ist der schutz vor ein- auch von der neigung des daches abhängig, denn nicht je-
dringender feuchtigkeit. dieser wird erstens von der dachde- des deckungsmaterial kann bei jeder dachneigung verwen-
ckung selbst erreicht und zweitens durch etwaigen abtrans- det werden. je flacher nämlich die dachneigung ist, desto
port bereits eingedrungener feuchtigkeit (hinterlüftung). wie langsamer rinnt das wasser ab und desto dichter müssen
dicht die dachhaut jedoch wirklich wird, hängt von der wahl die fugen zwischen den elementen der dach- deckung
der deckung, dem schichtaufbau und der genauigkeit bei sein bzw. desto aufwendiger müssen die schichten unter der
der ausführung ab. deckung ausgeführt werden.
die aufgabe des wärmeschutzes wird, wenn dieser gefordert
ist, durch einbindung von wärmedämmungen in den aufbau auch aus konstruktiven gründen kann nicht jede deckung
erfüllt. bei jeder dachneigung ausgeführt werden.
das dach als gestaltungselement wird wiederum von der
deckungsart bestimmt. in manchen gebieten ist eine be- unterdach
stimmte art der deckung aufgrund des ensembleschutzes ein unterdach besteht aus einer zusätzlichen schalung und
sogar vorgeschrieben. einer darauf befestigten lage dachpappe oder kunststoffo-
lie. diese schalung wird auf die sparren genagelt. darauf
aufbau kommt die dachpappe bzw. die kunststoffolie und eine kon-
der einfachste aufbau besteht aus einer lattung (latten ca. terlattung, das sind latten - ca. 5/8 cm -, die parallel zu den
3/5 cm) bzw. schalung, die normal zu den sparren aufge- sparren liegen und die hinterlüftung und das abrinnen der

281
vo 13 steiles dach

97 + 98 99 100 + 101 102 + 103

abb.97 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 132 abb.102 spließdeckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r.müller,
abb.98-101 müller, vogel, dtv-atlas zur baukunst band 1, 1990, s. 42 1991, s. 122
abb.103 doppeldeckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r.müller,
1991, s. 121

feuchtigkeit ermöglichen. käme sofort die normal zu den (die deckung darf weder vom dach rutschen, noch durch
sparren liegende lattung auf die schalung, könnte weder die den bei wind entstehenden sog abgehoben werden.)
feuchtigkeit abrinnen, noch könnte es zu einem luftzug von · gebundene deckungen
der traufe zum first kommen. die einzelnen elemente sind auf eine lattung oder scha-
auf diese konterlattung kommt nun wieder normal dazu die lung genagelt, geschraubt oder angebunden.
lattung bzw. schalung und darauf die deckung. · auf eigengewicht haltende deckungen
das gewicht der einzelnen elemente bzw. des mitwir-
kenden verbandes ist so groß, daß sie durch den sog nicht
unterspannbahn davonfliegen. sie können jedoch durch größere kräfte -
statt einer holzschalung können auch nur bahnen aus fa- z. b. dachdecker - abgehoben werden. solche deckungen
serverstärkter dachpappe oder glasfaserverstärktem kunst- werden aber an den kritischen randbereichen meist doch
stoff für die zweite ebene verwendet werden. sie werden als gebundene deckung ausgeführt.
zwischen sparren und konterlattung befestigt. soll beim
nachträglichen dachausbau eine solche zweite ebene ge- einteilung nach verlegungsart
schaffen werden, ohne das dach abzudecken, kann die un- (die so zusammengefaßten deckungen werden jeweils
terspannbahn auch mit leisten an der sparrenseite zwischen nach den selben prinzipien verlegt.)40
den sparren befestigt werden.
halmdeckung40
deckungsarten als material wird reet (schilfrohr) oder stroh verwendet. die
es gibt zahlreiche dachdeckungsarten und viele arten die- mögliche dachneigung liegt zwischen 90° und 45° (sturm-
se einzuteilen und zusammenzufassen. sicher bei 90° - 50°; bei dieser neigung kann der wind
nicht unter die halme greifen, sondern er drückt sie an).
einteilung nach beschaffenheit der materialien die halmbündel werden mit draht auf dachlatten genäht
· weiche deckungen bzw. gebunden. die deckung gilt jedoch als leicht ent-
z. b. holzschindeln, schilf, stroh, gräser; sie sind brennbar flammbar. auf genügend abstand zu anderen dächern -
und daher in verbautem gebiet nicht zulässig sowohl bei weicher als auch bei harter deckung - muß
· harte deckung geachtet werden.
z. b. ton, keramik, beton, blech; sie sind nicht brennbar
schuppenartige deckungen (abb. 97 - 103)
einteilung nach art der verbindung zur unterkonstruktion schuppenartige deckungen setzen sich aus „kleinen“ ele-
40 k, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 90

40 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 90

282
vo 13 steiles dach

104 + 105 106 + 107 108 + 109

abb.104 kronendeckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r.müller, abb.106-109 spitzenwinkelplattendeckung, rechteckdoppeldeckung, deckung mit schup-
1991, s. 121 penplatten, schuppenplatte, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer,
abb.105 deckung mit doppelmuldenfalzziegeln, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: r.müller, 1991, s. 104, 106-108
geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 134

menten zusammen. die weiter oben liegenden schuppen durch die anzahl der lagen übereinander und durch ihren
überdecken so weit wie möglich die fugen, die zwischen abstand zueinander so auszuführen, daß sie auch wieder
den darunterliegenden schuppen bleiben. die größe der trocknen können. bei ungünstigen klimatischen verhältnis-
überdeckung ist von der dachneigung abhängig. sie muß sen und gebäudelagen, bei geringer dachneigung (< 18°),
bei flachen dächern größer sein als bei steilen dächern, umweltbelastungen und wenig witterungsbeständigen holz-
auf denen das wasser schneller abrinnt. arten ist ein vorbeugender chemischer holzschutz notwen-
schuppenartige dachdeckungen sind auf grund des hohen dig.
fugenanteils regensicher, jedoch nicht wasserdicht. treib- scharschindeln werden auf eine lattung oder schalung gena-
wasser, stauwasser, tauwasser und flugschnee können gelt. für neigungen von 17° bis 22° können legschindeln ver-
zusätzliche maßnahmen wie z. b. ein unterdach notwen- wendet werden. sie werden nicht befestigt, sondern durch
dig machen. durch die überdeckung halten sich die ziegel schräg zu den reihen verlaufenden schwerstangen gehal-
jedoch auch gegenseitig. ten. diese werden mit flachen steinen beschwert und am ort-
gang befestigt. ene steilere dachneigung ist nicht möglich,
holzschindeldeckung41 da sonst die steine vom dach rollen würden.
dachneigungen
· scharschindeln 2lagig 72° - 90° mönch- und nonnendeckung42 (abb. 99)
· scharschindeln 3lagig 22° - 90° als material wird gebrannter ton verwendet. die mögliche
· legschindeln 17° - 22° dachneigung liegt zwischen 90° und 40° (90 - 105 kg/m2
gewicht).
als materialien bei der holzschindeldeckung kommen fich- diese sehr alte deckungsart aus zwei unterschiedlichen
ten-, tannen-, kiefern-, lärchen-, buchen-, eichen- oder ze- dachziegeln, der konkaven „nonne“, die an ihrer nase in
dernholz zum einsatz. empfohlene dachschindelarten sind der lattung eingehängt wird und dem konvexen „mönch“
eiche, lärche, gelbzeder und rot-zeder. der die fuge zwischen zwei „nonnen“ überdeckt, wird
holzschindeln sind brettchen, die früher mit der hand ge- meist nur in der denkmalpflege verwendet. das gewicht
spalten, heute meist gesägt werden. die gesägten schindeln der deckung ist sehr groß.
sind jedoch feuchtigkeitsempfindlicher als die gespalteten,
da beim sägen die fasern zerschnitten werden. die ge- vorgänger dieser deckung sind der griechische marmor-
spaltenen schindeln haben daher eine längere lebensdauer. und römische tonziegel.
es gibt sie in vielfältigen formen und größen.
da die schindeln feuchtigkeit aufnehmen, ist die deckung biberschwanz und wiener tasche
41 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 95 42 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 116 + 132

41 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 95 42 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 116 + 132

283
vo 13 steiles dach

110 111 112

abb.110 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 112 abb.112 dichtung mit dichtprofilen und preßleiste, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas:
abb.111 glasfalz, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991,s. geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 143
143

als material kommt gebrannter ton - heute auch beton -


zum einsatz. jeder ziegel hat auf seiner rückseite neben-
einander zwei nasen. früher hatten auch diese ziegel nur doppeldeckung
eine nase, jedoch war diese seine schwachstelle, denn hier ist mindestens eine dachneigung von 30° erforderlich.
sie neigte zum abreißen, wodurch der ziegel dann vom auch bei der doppeldeckung hängt jede ziegelreihe an ei-
dach rutschte. ner eigenen latte, jedoch ist der abstand zwischen den lat-
dieser einfache ziegel mit langer tradition kann auf mehre- ten so gering, daß an jeder stelle des daches mindestens
re arten verlegt werden. zwei ziegel übereinander liegen. an den latten liegen dann
· trocken drei steine übereinander. jede zweite reihe ist gegenüber
die ziegel werden nur mit ihren nasen an die latten ge- den anderen um eine halbe ziegelbreite versetzt, sodaß
hängt (einige werden mit sturmklammern befestigt), bei auch die längsfugen überdeckt werden. die letzte reihe
größerer dachneigung auf die lattung genagelt bzw. mit am first wird mit einem sonderziegel (anschlußziegel) in
draht angebunden. kronendeckung ausgeführt.
· ganz in mörtel für diese deckung braucht man doppelt so viele ziegel und
die ziegel werden satt in mörtel eingebettet. latten wie für die einfachdeckung.
· teilweise in mörtel
die ränder der dachflächen an first, orten und traufen, so- kronendeckung (abb. 104)
wie bei kaminen und dachfenstern werden mindestens die kronendeckung erfordert eine mindestdachneigung
zwei-ziegel-breit in mörtel verlegt. von 30°. hier hängen an jeder latte zwei reihen ziegel. die
· querfugen werden von innen verstrichen erste reihe hängt mit den nasen an der latte, die zweite
um einen halben stein versetzt auf der darunterliegenden
einfaches ziegeldach (spließdeckung) ersten reihe. wiederum liegen immer mindestens zwei zie-
es ist bei dieser deckung mindestens eine dachneigung gel übereinander, auf den latten aber vier.
von 40° erforderlich. das einfache ziegeldach wird nur für hier braucht man doppelt so viele ziegel wie bei der ein-
untergeordnete zwecke verwendet, da es nur in geringem fachdeckung, jedoch genauso viele latten, die aber das
maß dicht ist. jede ziegelreihe hängt an einer eigenen lat- doppelte gewicht tragen müssen. durch die reduktion der
te. die obere schicht überdeckt die untere. die längsfuge lattenzahl ergibt sich eine holzeinsparung gegenüber der
zwischen zwei nebeneinanderliegenden ziegeln wird nicht normalen doppeldeckung bei gleicher dachdichtheit.
überdeckt und daher mit einem unter der fuge liegenden
spließ aus holz, zinkblech oder kunststoff abgedichtet. falzziegel

284
vo 13 steiles dach

113 114 115

abb.113+114 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991,s. 164 abb.115 lieferform und zuschnitt von kupferwalzmaterial für die band- undtafeldachde-
ckung, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller

durch die anordnung von ineinandergreifenden fälzen an dachneigungen


den fugen, werden diese dichter. falzziegel werden in ein- · rechteck, spitzwinkel einfach 90° - 30°
fachdeckung verlegt. es gibt sie sowohl nur mit seitenfalz · bogenschnitt, schuppe einfach 90° - 25°
(z.b. strangfalzziegel) als auch mit rundumverfalzung. · rechteck doppelt 90° - 25°
· schuppe doppelt 90° - 22°
bitumenschindeldeckung44
schiefer-, schiefergranulat-, faserzementdeckung43 als material wird eine trägereinlage (z. b. glasvlies, roh-
material filzpappe) mit bitumen getränkt und beschichtet und mit
· schiefer: tonschiefer, gespalten mineralischem granulat oder schiefersplitt bestreut. bi-
· schiefergranulat: schiefergranulat, bindemittel, minera- tumenschindeln werden aus den so erzeugten bitumen-
lische zuschlagstoffe bahnen herausgestanzt. bitumen ist ein erdöldestillat. bei
· faserzement: verbundstoff aus zement und fasern zur der destillation von erdöl werden nacheinander die leich-
aufnahme der zugkräfte (früher wurden dafür gesund- ten destillate (benzine, petroleum), die mittleren destillate
heitsschädliche asbestfasern verwendet (eternit), heute (diesel- bzw. heizöl), dann die schweren destillate (ma-
nur mehr zellstoffasern) schinen- und schmieröle) und schließlich bitumen gewon-
nen.
die platten werden in mehreren formen hergestellt
· rechteck-/quadrat-platten bitumenschindeln werden in doppeldeckung im verband
· spitzwinkel-platten (spitzwinkelschablonen) (halbversatz) auf eine schalung genagelt. dabei muß das
· bogenschnitt-platten dritte gebinde das erste überdecken und ihre schlitze
· schuppen-platten (deutsche deckung) müssen fluchtrecht übereinander liegen. an der obersei-
te der schindeln befinden sich selbstklebestreifen oder -
rechteck- und spitzwinkelplatten werden auf einer lattung punkt, durch die sich die einzelnen lagen untereinander
parallel zur traufe, bogenschnitt- und schuppen-platten mit auf grund ihres eigengewichts und der erwärmung durch
steigendem gebinde - steigung in windrichtung, abhängig sonneneinstrahlung verkleben. sollte es dafür zu kalt sein,
von der dachneigung - auf einer schalung verlegt. ist die verklebung durch künstliche erwärmung sicherzu-
rechteck-, bogenschnitt-, schuppen-platten werden in ein- stellen.
fach- oder doppeldeckung ausgeführt und genagelt, spitz-
winkel-platten nur in einfachdeckung. die dachneigung beträgt zwischen 85° - 15° und ist ab-
hängig vom abstand des firstes zur traufe. bei verlegung
43 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 101 44 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 101

43 schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 101 44 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 101

285
vo 13 steiles dach

116 117 + 118

abb.116 abtreppung für die kupferbandabdeckung, dachneigung mind. 3°, schunk,finke, abb.117+118 querverbindungen doppelter und einfacher querfalz, schunk, finke, jenisch,
jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 172 oster,
dachatlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 172

über 85° dachneigung entsteht an den klebestellen kei- mit dichtungen eingeklemmt werden. die dachneigung ist
ne ausreichende verklebung, da das auflagergewicht der abhängig von der konstruktion, kann aber maximal zwi-
schindeln nicht mehr wirksam wird. schen 90° und 10° liegen.

wellplattendeckung46
materialien (faserzement, bitumen mit zellulosefasern aus
plattenartige deckungen altpapier)
glasdeckung45 · faserzementwellplatten
materialien jede platte muß an mindestens an vier stellen mit der un-
· einfachglas mit drahtnetzeinlage terkonstruktion verschraubt sein. die möglichen dachnei-
einfachglas ohne drahtnetzeinlage kann nur mit ein- gungen liegen zwischen 90° und 10°. sie sind abhängig
schränkungen für dachverglasungen verwendet werden, von der dachtiefe.
weil im bruchfall die teile herabstürzen würden. · bitumenwellplatten
· verbundsicherheitsglas die platten werden auf eine lattung oder schalung auf
mehrere scheiben werden mit dazwischenliegenden fo- jedem zweiten wellenberg genagelt. die dachneigungen
lien (oder ähnlichem) zu einer scheibe zusammengefaßt. sind abhängig vom abstand des firstes zur traufe und kön-
auch windschutzscheiben von autos sind aus verbundsi- nen zwischen 90° und 7° liegen.
cherheitsglas. beide wellplattenarten werden einfach mit überdeckung
· isolierglas verlegt. es ist darauf zu achten, daß nur auf den wellen-
mehrere scheiben werden so zusammengefaßt, daß zwi- bergen genagelt oder geschraubt wird, damit die löcher
schen ihnen ein hermetisch abgeschlossener zwischen- aus der wasserabführenden ebene gehoben werden, und
raum bleibt. dieser kann z. b. mit edelgas gefüllt sein und daß die nägel oder schrauben mit dichtungen ausgestat-
dient als wärmedämmung. bei verlegung im dachbereich, tet sind.
muß die innenscheibe aus einfachglas mit drahtnetzeinla-
gen oder verbundsicherheitsglas bestehen. metallplattendeckung
als materialien kommen hier hauptsächlich aluminiumle-
für dachverglasungen sollen die scheibenformate nicht gierungen, verzinkter oder verzinkter und beschichteter
größer als 100 x 300 cm sein. stahl - selten kupfer oder nichtrostender stahl - zum ein-
bei der glasdeckung werden die sparren durch wärmege- satz. die dachneigungen betragen 90° - 5° und sind ab-
dämmte metallprofile ersetzt, zwischen die die glasplatten hängig vom abstand zwischen first und traufe.
45 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 135, 149,159 46 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 135, 149,159

45 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 135, 46 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 135,
149,159 149,159

286
vo 13 steiles dach

119 - 121 122

abb.119-121 haftearten, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas: geneigte dächer, r.müller, abb.122 ausbildung des doppelstehfalzes, schunk, finke, jenisch, oster, dachatlas:geneigte
1991, s. 173 dächer, r. müller, 1991, s. 173

kupfer 0,017
die platten gibt es mit unterschiedlichen profilformen, sie nichtrostender stahl 0,016
werden auf die unterkonstruktion geschraubt. für die ver- verzinkter stahl 0,012
schraubung gelten die selben regeln wie bei wellplatten. zink 0,022

bandartige deckungen bei einer bandlänge von 10 m kommt es je nach material bei
metallbanddeckung47 einer temperaturdifferenz von 100 k - bei sonnenbestrah-
bei der metallbanddeckung werden als materialien alu- lung kann sich ein blechdach sehr stark aufheizen - zu einer
minium und aluminiumlegierungen, blei, kupfer, nichtro- längenänderung der bahn von 1,2 cm bis 2,9 cm, die die
stender stahl, verzinkter stahl und zink eingesetzt. die konstruktion aufnehmen muß.
möglichen dachneigungen liegen zwischen 90° und 5°
- besser zwischen 90° und 7°, da es sonst bei kleinen · aluminium und aluminiumlegierungen
unebenheiten zur pfützenbildung kommen kann. dieses sie bilden eine hauchdünne oxidationsschicht, die das metall
stehende wasser kann durch wind aufgetrieben werden vor witterungseinflüssen schützt. diese schicht wird jedoch
und an den längs- und querverbindungen durch kapillares von den aggressiven bestandteilen in der luft - vornehmlich
saugen in die konstruktion gelangen. verdunstet regen- schwefeloxide - angegriffen und es kommt zur korrosion. da-
wasser auf der dachfläche, bleiben die gelösten, aggres- her wird aluminium für eine lange standdauer auch in eloxal-
siven stoffe zurück und können die dachhaut schädigen. qualität oder beschichtet und einbrennlackiert angeboten.
geringfügige mengen aluminium, die durch den regen vom
bei metalldeckungen jeglicher art ist darauf zu achten, dach gewaschen werden, bedeuten für den menschen und
daß nur aufeinander abgestimmte metalle miteinander in seine umgebung keine gefahr. hohe aluminiumkonzentrati-
kontakt kommen, da sich sonst das in der spannungsreihe onen im boden können jedoch das wurzelwerk der pflanzen
unedlere metall abbauen würde. schädigen.
außerdem sind die unterschiedlich großen ausdehnungen bauübliche dicken: 0,7 und 0,8 mm
von dachdeckung und unterkonstruktion bei temperatur- bandbreite: 600, 800, 1000 mm
veränderungen zu beachten. bandlänge: >= 30 m

wärmeausdehnung in mm/m * k · blei und bleilegierungen


aluminium 0,024 blei bildet eine silbergraue, natürliche oberflächenschutz-
blei 0,029 schicht (patina). da blei sehr weich ist, kann es sehr gut an
47 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 165

47 schunk, finke, jenisch, oster, dachastlas: geneigte dächer, r. müller, 1991, s. 165

287
vo 13 steiles dach

123 124

abb.123 doppellagige dachbahnendeckung auf holzschalung bahnenparallel zur traufe abb.124 strumpappdach auf holzschalung ohne rinne, schmitt, heene,hochbaukonstruktion,
mitvorgehängter rinne, schmitt, heene, hochbaukonstruktion, 1988, s. 653 1988, s. 653

krumme formen angepaßt werden. blei hat gesundheitsschä- bauübliche dicken: 0,7 und 0,8 mm
digende eigenschaften. deshalb muß nach dem umgehen bandbreite: 500, 600, 700, 800, 1000 mm
mit blei und bleilegierungen vor allem auf hygiene geachtet bandlänge: >= 30 m
werden. geringe mengen, die der mensch hauptsächlich mit · nichtrostender stahl
der nahrung aufnimmt, gelten als unbedenklich und werden unter einwirkung von sauerstoff bildet sich eine passiv-
zu 90 % wieder ausgeschieden. schicht, durch die sich die farbe jedoch nicht ändert. un-
bauübliche dicken: 2 mm behandelter nichtrostender stahl bleibt silbrig-glänzend. in
bandbreite: 10 bis 1250 mm salzhaltiger meeresluft und industrieatmosphäre ist jedoch
bandlänge: <= 30 m auf einen entsprechenden anteil an legierungsbestandteilen
zu achten, da es sonst zu lochfraß kommen kann. abtra-
· kupfer gungsbestandteil des nichtrostenden stahles ist hauptsäch-
kupfer bildet eine natürliche oberflächenschicht (patina), die lich eisen. dieses metall ist für menschen lebensnotwendig.
das metall gegen atmosphärische angriffe sehr gut schützt. es wird vom boden über die pflanzliche nahrungungsmittel-
durch die schutzschicht verändert sich die farbe von rotbraun aufnahme dem körper zugeführt.
über dunkelbraun nach grün. die durch abwaschungen des bauübliche dicken: 0,5 mm
regens vom dach gelösten kupfermengen bedeuten für den bandbreite: 800, 1000, 1250, 1500 mm
menschen und seine umgebung keine gefahr. bandlänge: >= 20 m
bauübliche dicken: 0,7 mm
bandbreite: 500, 600, 670, 700, 800, 1000 mm · verzinkter stahl
bandlänge: >= 30 m an der atmosphäre bildet sich eine schutzschicht, die eine
farbveränderung von silbrig-grau nach mattgrau bewirkt.
· zink eine weiterbehandlung des verzinkten stahlblechs ist jedoch
auf der zunächst walzblanken oberfläche bildet sich an der nach spätestens 2 bis 3 jahren notwendig, wenn der abwit-
atmosphäre eine festhaftende deckschicht. dadurch kommt terungsprozeß abgeschlossen ist, da die verzinkung bei den
es zu einer farbveränderung von silbrig-blank nach matt- heutigen umwelteinflüssen nur einen temporären korrosi-
graublau. zink ist ungiftig und wird vom menschen in gerin- onsschutz darstellt. zink und eisen, die hauptelemente des
gen mengen täglich benötigt. abtragungsbestandteile, die in verzinkten stahlblechs sind in den vorkommenden mengen
den boden gelangen, sind deshalb nicht unerwünscht, um unschädlich. die bestandteile, die durch abtragung in den
die tägliche zinkversorgung über die nahrungsmittelaufnah- boden gelangen, erreichen keinen gesundheitsschädlichen
me sicherzustellen. grenzwert.

288
vo 13 steiles dach

125 126 127

abb.125-127 rütznmacher bernd, grasdach, callwey verlag, münchen, 1984, s.14, 58,85

bauübliche dicken: 0,6 und 0,63 mm · einfachstehfalz


bandbreite: 600, 660, 800, 1000, 1524, 1650 mm · winkelstehfalz für dachneigungen 90° - 25° (in schneer-
bandlänge: >= 20 m eichen gebieten 90° - 35°)
metallbänder werden normal zur traufe verlegt. die bandrän- · doppelstehfalz (heute üblich und meistausgeführt, auch
der werden aufgekantet und durch verfalzen oder überde- bei blei-deckung möglich)
cken mit gekanteten metallstreifen miteinander verbunden.
nach art dieser längsverbindung unterscheidet man zwi- leistendeckung
schen stehfalzdeckung und leisten-deckung für kupfer, le- die leistendeckung ist durch quadratische oder konische
giertes zinn, aluminium, nichtrostenden stahl und verzinkten holzleisten, an die die seitlichen aufkantungen der metall-
stahl. blei wird in wulsttechnik verarbeitet. die längsverbin- bänder schräg oder gerade anschließen, gekennzeichnet.
dungen liegen immer oberhalb, notwendige querverbin- die obere leistenabdeckung wird mit der leistenkappe her-
dungen (falze, überlappungen) unterhalb der wasserführen- gestellt, die die aufkantungen über-lappt.
den ebene. bei den querverbindungen würde sich sonst das · belgische leiste
wasser stauen. sie wird durch hafter gesichert und gilt als nur bedingt
außerdem müssen die querverbindungen in der lage sein, regensicher. sie ist für dachneigungen zwischen 80° und
die längenänderungen der bänder auf grund von tempera- 7° geeignet.
turänderungen aufzunehmen. · deutsche leiste
querverbindungen können auch durch löten oder schweißen · deutsche leiste mit rechtwinkligem umkanten der falze
erreicht werden. diese verbindungen können jedoch keine nach unten
längenänderungen aufnehmen.
wulstdeckung:
die bänder werden mit haftern, die auf die schalung gena- für bleideckungen gibt es zwei arten von längsverbin-
gelt und in die fälze eingefalzt werden, befestigt. auch hier dungen:
ist darauf zu achten, daß fest- oder schiebehafter so gewählt · hohlwulst
werden, daß die nötige ausdehnung gewährleistet ist. sie ist nur für nicht begehbare (steil geneigte) dächer ge-
eignet.
stehfalzdeckungen · holzwulst
es gibt unterschiedliche arten von fälzen. die wahl der art diese verbindung ist notwendig, wenn das dach begehbar
wird durch die dachneigung und gestalterische überle- (flach geneigt) ist.
gungen bestimmt.

289
vo 13 steiles dach

128 129 130

abb.128 rütznmacher bernd, grasdach, callwey verlag, münchen, 1984, s.14, 58,85 abb.129+130 ohlwein, dachbegrünung, bauverlag wiesbaden denn berlin, 1984, s. 22,99,
104

grasdächer
mit jedem gebäude, das wir errichten, verdrängen wir
bahnenartige deckungen vegetationsflächen. diese können dann nicht mehr ihre
bitumen48 ökologische funktion er- füllen. das hat zur folge, daß
als materialien werden bitumendachbahnen mit glasvlies in städten die luft wärmer, trockener und staubiger wird.
oder gewebe verwendet. diese deckung wird fast nur mehr grasdächer bergen die möglichkeit in sich, das klima wie-
bei freistehenden dächern oder ungedämmten nebenge- der zu verbessern. außerdem leisten sie auch als schall-
bäuden ausgeführt. die erste lage wird auf eine schalung schutz und wärmedämmung gute dienste.
genagelt. diese schalung sollte am besten mit nut und fe- heute sind es meist flachdächer, die bepflanzt werden,
der ausgeführt sein, damit sich die einzelnen bretter nicht aber auch dächer mit neigungen bis zu 20° können pro-
verwerfen können.die anzahl der lagen, die nun unterei- blemlos bepflanzt werden. es gibt zwei arten von bepflan-
nander mit heißbitumen verklebt werden, hängt von der zungen. bei der extensiven dachbepflanzung verwendet
dachneigung ab. man anspruchslose, niedrigwachsende pflanzen, denn die
dachneigungen substratschicht, die auf das dach aufgetragen wird, ist nur
· unter 5° dünn. bei der intensiven bepflanzung ist letztere dicker,
mehr als 3lagige abdichtung, wobei die deckschicht eine kann daher mehr nährstoffe und wasser speichern und
bitumenspachtelung mit kieseinlage oder eine lose kies- größere, anspruchsvollere pflanzen ernähren. trotzdem
schüttung erhält. ist diese art der bepflanzung wartungs- und pflegebedürf-
· 5° bis 8° tiger als die extensive bepflanzung und daher ungeeignet
eine 2lagige abdichtung, wobei die obere schicht mit fa- für geneigte dächer.
briksmäßiger oberflächenbehandlung (beschieferung) er-
hält. bei jeder dachbepflanzung sind mehrere schichten auf
· über 8° das dach aufzubringen - nährboden, filter, dränung,
eine 2lagige abdichtung, wobei alle bahnen senkrecht zur schutzlage, wurzelschutz, trennlage und dachdichtung.
traufe verlegt werden müssen. die gesamtdicke dieser schichten beträgt bei der exten-
siven bepflanzung 4 - 20 cm, bei der intensiven bepflan-
erhöhte sturmsicherheit erreicht man durch eine diago- zung mindestens 17 cm. bei der wahl der pflanzen ist
nale, kreuzweise drahtverspannung oberhalb der ersten besonders darauf zu achten, daß diese mit dem gerin-
ebene. gen wurzelraum und den starken schwankungen bei der
nahrungs- und wasserversorgung zurechtkommen, da die
48 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, vieweg, 1988, s. 653

48 schmitt, heene, hochbaukonstruktion, vieweg, 1988, s. 653

290
vo 13 steiles dach

aufgeschüttete schicht nicht genügend möglichkeit zum


speichern von wasser und nahrung bietet. faktum ist, daß sich bis dato am aussehen und der funktion
eines daches nicht viel geändert hat, wenngleich natürlich
schichten der grasdächer die materialien einer ständigen innovation unterworfen sind.
filterschicht dabei sticht einem dieser bereich geradezu ins auge, be-
die filterschicht wird angelegt, um das durchsickern von hu- merkt man doch, daß es schäden durch witterungseinflüße
mus aus der nährbodenschicht zu verhindern. die filter müs- (insbesonders nässe) schon seit lebzeiten gibt und noch im-
sen jedoch so angelegt werden, daß sie wasser und wurzeln mer präsent sind. zu recht drängt sich einem die frage auf,
im gleichen maße durchlassen wie die nährbodenschicht. inwieweit und wohin sich die technologie diesbezüglich ent-
wickeln wird. ist nicht gerade die natur dafür prädestiniert,
dränschicht sie als vorbild zu nehmen? man denke an ein spinnennetz,
die dränschicht dient zum möglichst raschen ableiten von das einem gewitter ohne weiteres stand hält, an dem regen-
überschüssigem wasser. sie besteht meist aus grobporigen tropfen einfach abperlen. oder wird man sich eher darauf
stoffen mit großem gesamtporenvolumen. diese schichte konzentrieren, high-tech baustoffe zu entwickeln, die durch
sollte jedoch nicht nur wasser ableiten, sondern auch die sensorische abtastung darüber infomieren, daß ein schaden
fähigkeit besitzen, es bis zu einem gewissen maß, zu spei- droht, bevor das ausmaß dessen zu groß wird?
chern. für die pflanzen ist es auch von vorteil, wenn ihnen
die dränschicht einen zusätzlichen durchwurzelungsraum
bietet.

schutzlagen - dachdichtung und wurzelschicht


die pflanzenwurzeln gefährden die dichtung des daches. sie
muß auf jeden fall geschützt werden, denn durchdringen die
wurzeln diese schicht, tritt wasser in die unterkonstruktion
ein. die dadurch entstehenden schäden sind nur schwer
zu kontrollieren und wieder rückgängig zu machen. daher
wird über der dachdichtung eine wurzelschutzschicht aufge-
bracht. diese ist meist aus pvc oder spezialbitumenbahnen.

13.4 zukunftsweisendes/utopisches

291
vo 13 steiles dach

292
vo 14 stiegen

293
vo 14 stiegen

vo 14 stiegen systematik und konstruktion

294
vo 14 stiegen

295
vo 14 stiegen

1 2 3

14. stiegen abb.1 rundhütte, heinrich klotz, von der urhütte zum wolkenkratzer, münchen, 1991, s. 33
abb.2 zikkurat, werner müller, gunther vogel, dtv-atlas zur baukunst, 10. aufl., münchen,
1994,s. 98
abb.3 ägyptischer totentempel, werner müller, gunther vogel, dtv-atlas zur baukunst, 10.
aufl., münchen, 1994, s. 120

14.1 definition benutzer werden beim hinauf- und hinabsteigen räumliche


zusammenhänge erschlossen, kombiniert mit dem visuellen
treppe: höhenüberwindender bauteil, bestehend aus minde- reiz sich ständig wandelnder perspektiven. so wird mit der
stens drei aufeinanderfolgenden stufen. treppe ein architektonischer akzent gesetzt, dessen bau-
stufe: 1) absatz, bef. in der treppe. 2) bildlich: unterteilung, liche ausformulierung von großer bedeutung für die qualität
bef. einer rangfolge des gesamten gebäudes ist.
steigung: lotrechtes maß von der trittfläche einer stufe zur zu allen zeiten war die treppe ein indikator für den tech-
trittfläche der folgenden stufe nischen entwicklungsstand und die kulturelle, soziologische
auftritt: waagrechtes maß von der vorderkante einer trep- und auch politische situation einer gesellschaft.
penstufe bis zur vorderkante der folgenden treppenstufe in in den ursprüngen des bauens war sie ein bloßes hilfsmit-
der laufrichtung gemessen. tel zur überwindung von höhen, eine steighilfe in form einer
steigungsverhältnis: verhältnis von steigung zu auftritt; die- sogenannten einbaumstiege. sie bestand nur aus einem en-
ser quotient ist ein maß für die neigung einer treppe. tasteten baumstamm, in den stufenförmige kerben hinein-
lauflinie: gedachte linie, die den üblichen weg der benutzer gearbeitet wurden. die einbaumstiege wurde unter anderem
einer treppe angibt. in den nördlicheren gebieten europas verwendet. sie stellte
den zugang zu speichern dar, welche auf pfählen in einigem
14.2 geschichte abstand zum boden errichtet wurden, um so das speichergut
vor kleintieren zu schützen. historische funde lassen vermu-
als zentraler verkehrsknoten, vertikale verbindung zwischen ten, daß diese form der stiege schon in der mittelsteinzeit
ebenen, als raum bildendes element und einzig aus einer das erste mal aufgetreten ist. theorien besagen, daß in den
funktion heraus dreidimensionales bauteil ist die treppe für steinzeitlichen rundhütten (abb. 1) auf zypern teilweise be-
sich schon ein stück architektur. sie ist eine eigenständig reits zwischengeschoße eingezogen waren, welche man
zu gestaltende einheit, welche es sorgfältig in den organis- über senkrecht stehende steigebäume erreichte.1
mus eines gebäudes einzufügen gilt, ein bauteil, das über ein beispiel ganz besonderer art stellt die mittelsteinzeitliche
die konstruktive ausführungsplanung hinaus das entwerfe- stadt catal hüyük dar. die häuser waren hier direkt aneinan-
rische und gestalterische können des architekten fordert. an dergebaut, dächer und terrassen stellten die verkehrswege
kaum einem element am bau wird das zusammenspiel von dar. der eingang in die wohnräume befand sich auf dem dach.
form und funktion so deutlich wie an der treppe. ihre beson- hier spielen die vertikalen verbindungswege also eine ganz
derheit ist, daß sie nicht nur der erschließung dient, sondern besondere rolle. vermutlich verwendete man hier leitern zur
auch das erlebnis der aufstrebenden bewegung bietet. dem überwindung der höhenunterschiede. die frage nach dem
1 otto steinhöfel, holztreppen, d. w. callwey, münchen, 1960, s. 9, 51

1 otto steinhöfel, holztreppen, d. w. callwey, münchen, 1960, s. 9, 51

296
vo 14 stiegen

4 5 6 7

abb.4 griechischer tempel, werner müller, gunther vogel, dtv-atlas zur baukunst, 10. abb.6 kolosseum, werner müller, gunther vogel, dtv-atlas zur baukunst, 10. aufl., mün-
aufl.,münchen, 1994, s. 154 chen,1994, s. 56
abb.5a+b römischer tempel, werner müller, gunther vogel, dtv-atlas zur baukunst, 10. abb.7 stiegenläufe, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11.
aufl.,münchen, 1994, s. 248 aufl.,braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 313

sinn einer solchen bauweise läßt sich ganz einfach damit


beantworten, daß dieses dichte stadtgefüge schutz vor wil- in griechischen theatern ergeben immer zwei stufen der auf-
den tieren und auch vor rivalisierenden nachbargemeinden gänge eine sitzstufe. die breite müsse immer mehr als die
bot. die leitern konnten natürlich ohne großen aufwand ent- höhe betragen, und eine vom unteren zum oberen ende ge-
fernt werden und damit wurden auch die verbindungswege spannte schnur müsse alle spitzen der sitzreihen berühren,
unterbrochen.2 meinte vitruv.
in weiterer folge entwickelten sich dann blockstufen aus holz römische tempel (abb.5) sind nur noch von der vorderseite
und stein. zuerst hatten solche stiegen nur rein funktionelle über eine treppenanlage erreichbar. da sich der römische
aufgaben, doch schon in den frühen hochkulturen kam es tempelbau wahrscheinlich auf das megaron zurückführen
bereits zu einer monumentalisierung dieser bauteile. bei- läßt, ist hier die betonung einer richtung deutlich im vorder-
spiele dafür findet man vor allem im religiösen bereich. grund und wird meist auch noch durch einen vorgelagerten
in mesopotamien gab es riesige freitreppenanlagen, die ein platz betont. da in der römischen architektur zum ersten mal
dominantes element der zikkurats darstellten. sie hatten vor in großem umfang mehrgeschoßige gebäudekomplexe ent-
allem symbolischen charakter und sollten den unterschied stehen, spielt die funktion der treppen eine entscheidende
zwischen irdischem und göttlichem betonen. die höhe sol- rolle. vor allem in römischen theatern werden treppen so-
cher zikkurats (abb.2) war jedoch auch eine prestigefrage. wohl funktionell als auch konstruktiv zu einem sehr wich-
auch bei den ägyptischen tempelanlagen (abb. 3) findet man tigen bauelement. (abb. 6)
treppenrampen, die ganz dieser architektur entsprechend, im laufe der geschichte tritt die funktionalität von treppen
sehr großzügig angelegt waren. sie dienten religiösen pro- immer mehr in den vordergrund. im barock kommt es noch
zessionen. trotz solch monumentaler treppenanlagen darf einmal zu einer gewaltigen übersteigerung der treppenanla-
man jedoch nicht vergessen, daß die größe der stufen doch gen. es erfolgt vor allem eine überbetonung der in der trep-
sehr strengen größenordnungen unterworfen ist, da ihr im- pe wirksamen bewegungsenergien.
mer das menschliche schrittmaß zugrunde gelegt werden heute gibt es für stiegen eine noch nie dagewesene viel-
muß, um ihre funktion zu gewährleisten. falt an konstruktions- und gestaltungsmöglichkeiten. trotz
die griechen stellten ihre tempel (abb. 4) auf einen umlau- des technischen fortschrittes, den uns rolltreppen und lifte
fenden treppenkranz, was wohl ihrer liebe für symmetrie brachten, sind stiegen aus unserem alltäglichen leben nicht
zuzuschreiben ist. hier liegt die standfläche der ringhalle wegzudenken.4
über dem gelände. die betonung des göttlichen erfolgt also
wiederum einfach dadurch, indem man es von der umge-
bung abhebt.3
2 heinrich klotz, von der urhütte zum wolkenkratzer, prestel-verlag, münchen, 1991, s. 39 - 42

3 dtv-atlas zur baukunst, werner müller, gunther vogel, dtv, münchen, 1994, s. 98, 99, 155,56,57 4 baukunst, vitruv, artemis verlag, zürich und münchen, 1987, s. 134, 135, 210 - 214

2 heinrich klotz, von der urhütte zum wolkenkratzer, prestel-verlag, münchen, 1991, 4 baukunst, vitruv, artemis verlag, zürich und münchen, 1987, s. 134, 135, 210 - 214
s.39-42
3 dtv-atlas zur baukunst, werner müller, gunther vogel, dtv, münchen, 1994, s. 98, 99,
155, 56, 57
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8 9 10

abb.8 links-, rechtsstiege heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11. aufl., abb.9 stiegenformen, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 15
braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 314 abb.10 stiegenführung, willibald mannes, technik des treppenbaus, stuttgart, 1979, s. 6

deutung sind. eine einläufige, gerade stiege wäre zwar die


14.2 stand der technik billigste methode, sie erfordert jedoch ein langes treppen-
haus, da zur lauflänge noch ein an- und austrittspodest hin-
einteilen von stiegen zukommen. diese podeste sollten mindestens so lang wie
stiegen werden nach unterschiedlichsten kriterien einge- die stiegenhausbreite sein. durch abgewinkelte oder, besser
teilt. noch, gewendelte stiegen kann das treppenhaus raumspa-
man unterscheidet nach der anzahl der durch podeste ge- render geplant werden, da die an- und austrittspodeste in
trennten stiegenläufe (abb.7) den gangbereich fallen. ihre herstellung ist jedoch aufwen-
· einläufige diger und daher kostenintensiver.6
· zweiläufige wendeltreppen, gewendelte stiegen (abb. 11)
· drei- und mehrläufige stiegen durch das verziehen von stufen erhält man einen allmäh-
lichen übergang von einer gehrichtung in eine andere. da
nach der lage der freiwange oder der drehrichtung (abb.8) das steigungsverhältnis von außen nach innen abnimmt,
· linksstiegen wurde festgelegt, das die höhen und breiten auf der gehlinie
· rechtsstiegen maßgebend sind. diese befindet sich 45 cm vom äußeren
rand entfernt. die wiener bauordnung schreibt für die laufli-
nach ihrer funktion nie eine mindeststufenbreite von 28 cm, und für die spindel
· hauptstiegen (sie verbinden aufenthaltsräume mit dem 13 cm vor. für das entwerfen und konstruieren von gewen-
ausgang) delten stiegen können rechnerische oder verschiedene gra-
· nebenstiegen (sie stellen keine fluchtwege dar, z. b. keller- phische methoden zur anwendung kommen.
und dachbodenstiegen
vorschriften
nach ihrer form (abb. 9) die vorschriften für stiegen weichen in den bauvorschriften
· geradläufige stiegen der einzelnen bundesländer in einigen fällen geringfügig von
· gewendelte stiegen den werten der önorm ab.
· bogenstiegen oder wendeltreppen5
fluchtwege
stiegenführung (abb. 10) kein punkt eines aufenthaltsraumes darf mehr als 40 m von
die anordnung und der verlauf einer stiege müssen sehr der aus- trittsstufe einer stiegenanlage entfernt sein. der
gut überlegt werden, da sie für den grundriß von großer be- abstand wird in der länge des tatsächlichen fluchtweges ge-
6 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,1988, s.
5 franz schuster, julius hoffmann verlag, treppen aus holz, stein und eisen, stuttgart, 1943,s. 15 320

5 franz schuster, julius hoffmann verlag, treppen aus holz, stein und eisen, stuttgart, 6 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
1943,s. 15 1988, s.320

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vo 14 stiegen

11 12 13

abb.11 heinrich schmitt, andreas heene, hochbau-konstruktion, 11. aufl., braunschweig, abb.13 blockstiege, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau-konstruktion, 11. aufl.,
wiesbaden, 1988, s. 313 braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 321
abb.12 steigungsverhältnis, gerhard leder, hochbau-konstruktionen band 4, treppen, 1987,
s. 11

messen. durchschnittliche menschliche schrittlänge von 63 cm. da


man mit einem schritt auf der treppe 2 höhen und 1 auftritt
stiegenbreiten überwindet, lautet die formel:
· mindestbreiten für wohnhäuser
önorm b5371 schrittregel: 2h + a = 63
hauptstiege 1,20 m; bequemlichkeitsregel: a - h = 12
nebenstiege 1,00 m sicherheitsregel: a + h = 46
wbo
hauptstiege 1,20 m (bis zu zwei geschoßen) so kann man auch für senkrechte leitern einen sprossen-
nebenstiege 1,00 m (10 cm zwischen handläufen) abstand von 31,5 cm errechnen, da man in diesem fall die
auftrittsbreite mit null annimmt. weitere steigungsverhält-
· mindestbreiten innerhalb von wohnungen nisse, die sich aus dieser formel ableiten, sind zum beispiel
önorm b5371 21/21, 17/29 (optimales steigungsverhältnis; es lassen sich
hauptstiege 0,90 m; alle drei regeln anwenden) oder 12/39 cm. die bauordnung
nebenstiege 0,80 m schreibt jedoch eine mindeststufenbreite von 26 cm und
wbo eine maximale stufenhöhe von 18 cm vor, um eine sichere
0,90 m (10 cm zwischen handläufen) begehbarkeit der stiege zu gewährleisten.8

bei größeren menschenmengen müssen die stiegenbrei- brandbeständigkeit


ten vergrößert werden. darüber hinaus schreibt die wiener wenn stiegen mehr als zwei geschoße miteinander verbin-
bauordnung ab einer menschenmenge von 100 personen den, müssen sie brandbeständig (f90) ausgebildet sein. die
eine verbreiterung der stiege um 1 cm pro person vor und wiener bauordnung schreibt zusätzlich die unbrennbarkeit
ab 300 personen muß eine zweite hauptstiege angeordnet aller decken-, wand-, boden- und stufenbeläge vor. alle an-
werden.7 deren stiegen sind brandhemmend (f30) auszuführen.

steigungsverhältnis (abb. 12) bauformen


die bequemlichkeit einer treppe ist hauptsächlich von ihrem blockstiege (abb. 13)
steigungsverhältnis abhängig - verhältnis zwischen stufen- im anfangsstadium wurden für die blockstufen halbierte
höhe und auftritt. stämme verwendet, die mit der geraden seite nach oben
als grundlage zur ermittlung dieses verhältnisses dient die verlegt wurden. in der weiteren entwicklung lagerte man
7 önorm b5371, wiener bauordnung (wbo)
a 8 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 315,wbo

7 önorm b5371, wiener bauordnung (wbo) 8 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
1988, s. 315,wbo

299
vo 14 stiegen

14 15 16 17

abb.14 aufgesattelte stiege, willibald mannes, treppen-technik, stuttgart, 1988, s. 14, 15 abb.16 eingeschobene stiege, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11.
abb.15 aufgesattelte stiege, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 61 aufl., braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 322
abb.17 eingestemmte stiege, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11.
aufl., braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 323

keilstufen auf schrägen balken auf. durch aufklauungen er- nen auch mehrere materialien miteinander kombiniert wer-
reichte man schließlich auch eine verbundtragwirkung. diese den. so können zum beispiel tragholme und knaggen aus
konstruktion ist heute aufgrund des hohen materialbedarfs stahl ausgebildet werden.
nicht mehr üblich. durch die bearbeitung der träger entstand allein für die stufenbefestigung bieten sich eine vielzahl von
eine andere konstruktion.9 formalen und konstruktiven möglichkeiten an. man kann
auch setzstufen verwenden und die untersicht verkleiden,
die aufgesattelte stiege (abb. 14 + 15) um eine durchsicht zu verhindern, oder aber durch freilas-
bei dieser konstruktion werden die tragholme stufenförmig sen dieser bereiche stiegen sehr filigran gestalten.10
zuge- schnitten und die trittbretter werden einfach aufgelegt
und befestigt. durch diese bearbeitung des trägers kommt eingeschobene und halbgestemmte stiegen (abb. 16)
es zu einem erheblichen verlust der tragwirkung durch die diese konstruktion wird heutzutage nur noch selten ausge-
große querschnittsverminderung im oberen bereich. die führt. da diese stiegen sehr steil sind, werden sie nur für
mindeststärke der tragholme sollte 6 cm betragen und die untergeordnete zwecke verwendet. bei der eingeschobenen
querschnittshöhe des unbearbeiteten trägerteils sollte 15 stiege werden zuerst zwei wangen auf den unteren podest-
cm nicht unterschreiten. balken aufgeklaut und an den oberen podestbalken ange-
lehnt. in diese wangen wurden zuvor schwalbenschwanz-
heute werden einfach holzkeile auf einen träger aufgeleimt, förmige nuten eingeschnitten in welche die 4 - 5 cm starken
anstatt die form aus einem großen querschnitt herauszu- trittstufenbretter eingeschoben werden. die trittstufen müs-
schneiden oder es werden zangenkonstruktionen bzw. sen einen überstand haben um ein sicheres begehen zu
knaggen verwendet. bei tragholmen aus brettschichtholz ermöglichen. es gibt keine setzstufen, will man daher ein
ist es überhaupt sinnvoll, ecken auszuschneiden und um- durchsehen durch die treppe vermeiden, so kann man die
geklappt wieder auf den holm zu leimen. die stufen können unterseite auch verschalen und nach aufbringen eines putz-
aber auch auf konisch geschnittenen konsolen aufliegen trägers verputzen.
und die ganze konstruktion wirkt dadurch leichter. man kann bei der halbgestemmten stiege werden die trittstufen vor
auch den holm dadurch schmäler wirken lassen, indem man dem zu- sammenfügen der wangen in ausgestemmte nuten
die hinteren stufenecken ausklinkt. gesteckt. die wangen laufen ober- und unterhalb der trittstu-
die aufgesattelte stiege eignet sich nicht für wendelungen, fen ca. 5 cm breit ohne nuten durch.
sie bietet jedoch formal eine fülle von gestalterischen mög- beide konstruktionen eignen sich nur für gerade läufe.11
lichkeiten, da die tragholme nach innen verschoben werden
können, sodaß die einzelnen stufen auskragen und es kön- die eingestemmte stiege (abb. 17)
10 treppen-technik, willibald mannes, deutsche verlagsanstalt, stuttgart, 1988, s. 14, 15

9 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,1988,
s. 321 11 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden, 1988,s. 321, 322 - 328

9 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden, 10 treppen-technik, willibald mannes, deutsche verlagsanstalt, stuttgart, 1988, s. 14, 15
1988, s. 321 11 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig,
wiesbaden, 1988,s. 321, 322 - 328
300
vo 14 stiegen

18 19

abb.18 aufgehängte stufen, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 46 abb.19 brettschichtholzstiege, willibald mannes, treppen-technik, stuttgart, 1988, s. 20

sie ist die am häufigsten ausgeführte konstruktionsart für werden. der unterste geländersteher ist der antrittspfosten,
holzstiegen. bei den eingestemmten stiegen sind die tritt- der dem geländer halt gibt. er muß fest mit der freiwange
und setzstufen in die wangen eingestemmt. sie werden in verbunden und außerdem noch auf seiner unterlage befe-
ihrer vollen dicke 15 - 20 mm tief in die wangen eingelassen. stigt sein. an allen treppenenden und zwischenpodesten
die setzstufen werden in die trittstufen von unten eingenutet muß das geländer wiederum durch einen antrittspfosten ge-
und verhindern so ein durchsehen zwischen den stufen. die halten werden.
oberkante der setzstufe, die in die trittstufe eingeführt wird, um einen ästhetischen übergang der wangen bei podesten
erhält eine leichte überhöhung zur idealen unterstützung der zu erhalten, werden krümmlinge verwendet. diese verbinden
trittstufe am ort der größten durchbiegung. beim nageln der die geraden teile der freiwange miteinander und lehnen sich
stiege werden die trittstufen vorgespannt, um ein knarren gleichzeitig an den podestbalken, mit welchem sie durch
der stufen zu vermeiden. bleibt die unterseite der treppe zwei schraubenbolzen verbunden sind. bei gewendelten
sichtbar, so können anstelle von nägeln messingschrauben holzstiegen setzt sich die gesamte wange und auch das ge-
oder geschmiedete nägel verwendet werden. länder aus geraden teilen und krümmlingen zusammen.12
durch die verbindung der wangen, mit den tritt- und setz-
stufen entsteht eine konstruktion von hoher steifigkeit, die aufgehängte stufen (abb. 18)
auftretende lasten gut verteilt. diese konstruktion gestattet durch die aufhängung von stufen kann bei stiegen eine
auch eine wendelung der stiege. leichte, fast schwebende wirkung erzielt werden. die hänge-
da die trittstufen einer größeren abnutzung ausgesetzt sind, stangen übernehmen oft auch gleichzeitig die funktion des
werden sie meist aus buchen- oder eichenholz hergestellt. geländers und es können auch handläufe an ihnen befe-
das verwendete holz muß vollkommen trocken sein, um ein stigt werden. als aufhängungen können eckige oder runde
werfen oder schwinden der einzelnen teile zu verhindern. formrohre, genauso verwendet werden, wie seile oder ein-
die freiwangen sind über die ganze stiegenlänge frei ge- zeldrähte. ihre form ist ausschlaggebend für die befestigung
spannt, und müssen daher etwas stärker bemessen werden von handläufen und für die detailausbildung am unteren
(6 - 8 cm). die höhe der wangen richtet sich nach dem stei- ende. die hängestangen werden entweder durch die stufen
gungsverhältnis. ober- und unterhalb der stufen müssen sie hindurchgeführt oder direkt am kopfende oder im abstand
auf jeden fall 5 cm breit ohne nuten durchlaufen. die wangen davon angeordnet.
müssen miteinander verschraubt werden. dafür verwendet wichtig bei solchen konstruktionen ist die horizontale aus-
man entweder lange stiegenschrauben, die über die ganze steifung der aufgehängten stufen. es können entweder die
stufenbreite gehen, oder zwei kurze stiegenschrauben die hängestangen gegeneinander verstrebt werden, oder es
auf beiden seiten in die wange und die trittstufe eingelassen werden jeweils zwei stufen an einer stange befestigt.13
12 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
1988,s. 321, 322 - 328

13 13: treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 46

12 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
1988, s. 321, 322 - 328
13 treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 46

301
vo 14 stiegen

20 21 22

abb.20 stufenformen, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 84 abb.22 stahltreppen, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 26, 27
abb.21 werksteinstiegen, franz schuster, treppen aus holz, stein und eisen, stuttgart, 1943,
s. 15

über l = 1,20 m 3
materialien cm
stiegen aus brettschichtholz (abb. 19) setzplatten 2
auch für stiegen aus brettschichtholz gibt es heute schon cm
verschiedenste konstruktionsmöglichkeiten. es gibt sogar keilstufen
stiegen bei denen alle teile aus brettschichtholz gemacht sie sind aus kunst- oder naturstein und werden auf mörtel-
werden. streifen versetzt. während der bauzeit müssen holzlauftrep-
sie werden fast immer als aufgesattelte stiege ausgeführt. pen angebracht werden, um ein begehen zu ermöglichen.
man kann sie in der ausführung wie normales holz behan-
deln, es gibt jedoch auch eine menge konstruktionen, die winkelstufen
auf die eigenheiten des brettschichtholzes eingehen. man winkelstufen werden wie keilstufen in mörtel versetzt. sie
kann zum beispiel l-förmige stufen auf einem tragholm befe- werden entweder direkt auf die laufplatte oder auf vorbeto-
stigen, sodaß sie wie ein abgewinkeltes, in sich verleimtes nierte stufenkeile aufgebracht und stellen die billigste art der
faltwerk wirken. schon durch die art der verleimung kann stufenherstellung dar.
man verschiedenste effekte erzielen. stiegen aus brett-
schichtholz eignen sich jedoch aufgrund ihrer struktur eher keramische stufen
für gerade und podeststiegen.14 stufen aus keramischem material haben eine speziell aus-
gebildete trittkante mit rutschfesten rillen.15
stahlbetonstiegen
ortbetonstiegen fertigteilstiegen
sie bestehen im wesentlichen aus einer stahlbetonlaufplatte die vorteile der fertigteilstiegen liegen, wie bei allen ande-
und aufgesetzten stufenprofilen aus kunst- oder naturstein. ren fertigbauteilen auch, darin, daß eine rasche verlegung
bei der ausbildung der stufen unterscheidet man: (abb. 20) auf der baustelle möglich ist und daß durch die vorfertigung
eine größere maßgenauigkeit erreicht werden kann. diese
tritt- und setzplatten systeme sind in den meisten fällen auch kostengünstiger.
zuerst werden unbewehrte stufenkeile auf die stahlbeton- heute finden vor allem folgende konstruktionen anwendung
laufplatte betoniert. danach werden die tritt- und setzstufen · die gesamte laufplatte wird als ganzes versetzt. hier sind
mit mörtel versetzt. die einzelnen teile sehr groß, was vor allem beim transport
mindestdicken der trittplattenplatten: bis l = 1,20 m 2 und beim einbau zu beachten ist.
cm · 1 - 3 längsbalken werden wie laufplatten verlegt und auf
14 treppen-technik, willibald mannes, deutsche verlagsanstalt, stuttgart, 1988, s. 20 15 treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 85

14 treppen-technik, willibald mannes, deutsche verlagsanstalt, stuttgart, 1988, s. 20 15 treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 85

302
vo 14 stiegen

23 24 25

abb.25 spartreppen, willibald mannes, treppen-technik, stuttgart, 1988, s. 132


abb.23 stahltreppen, klaus pracht, treppen, stuttgart, 1986, s. 26, 27
abb.24 freitreppe, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11. aufl.,
braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 333

diese werden dann stufenplatten montiert. hier sind die fer- werden, was sich vor allem im industriebau als großer vorteil
tigteile klein. erwiesen hat. bei industriestiegen verzichtet man meistens
· es gibt auch längsträger mit stufenprofil, die nebeneinan- auf die anordnung von setzstufen. die trittstufen werden aus
der verlegt werden, bis die gewünschte stufenbreite erreicht riffelblech oder gitterrosten hergestellt.
ist. die verbindung erfolgt mittels schraubenbolzen oder heutzutage findet man stahlstiegen jedoch auch in ge-
durch ortbetonverguß. dieses system ist eine rohstiege und schäftslokalen und einfamilienhäusern, da sie aufgrund ih-
wird daher mit tritt- und setzstufen oder winkelstufen ver- rer geringen materialstärken sehr „leicht“ wirken.
kleidet.16 während jedoch stahlstiegen im industriebau meist reine
stahlkonstruktionen sind, werden bei solchen stiegen eher
werksteinstiegen (abb. 21) mischkonstruktionen verwendet, das heißt, daß nur noch
sie werden in der werkstatt hergestellt und bestehen aus die tragkonstruktion aus stahl hergestellt wird, die trittstufen
granit, basalt, marmor, kalkstein oder sandstein. außerdem sind jedoch meist aus holz oder auch mit teppich verklei-
gibt es noch bewehrte und unbewehrte betonwerksteine, det.
welche mit einem vorsatzbeton mit besonderen zuschlag-
stoffen versehen werden. für stahlstiegen bieten sich folgende konstruktionen an
werksteine können freitragend, eingespannt oder auf lauf- · wangenstiegen
platten montiert werden. die freie kraglänge beträgt maximal · stiegen mit holmen
1,50 m. · aufgehängte stiegen
wendeltreppen aus werkstein können als spindeltreppen mit für wangen verwendet man starke bleche, kastenprofile oder
offener spindel ausgeführt werden, in diesem fall werden die andere profilbleche, für holme werden i-träger und kasten-
stufen einge- mauert und sind freitragend. bei spindeltrep- profile verwendet.
pen mit voller spindel werden die stufenenden trommelför- stahlstiegen hatten oft keine schöne untersicht und wurden
mig ausgearbeitet, übereinandergesetzt und anschließend früher daher oft mit putz auf streckmetall verkleidet. heute
vergossen. sind sie meist unverkleidet und werden als architektonisches
element verwendet.17
stahlstiegen (abb. 22 + 23)
stahlstiegen werden, da sie relativ günstig herzustellen freitreppen - hauseingangsstiegen
sind, oft als untergeordnete stiegen in werkstätten, lagerhal- da solche stiegen aus wetterbeständigem, hartem gestein
len und industriebauten verwendet. sie können auch ohne bestehen müssen, werden sie hauptsächlich aus beton-
große materialeinbußen abmontiert und wieder aufgestellt werkstein oder kunststein hergestellt. ihre oberfläche muß
17 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
16 treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 97 1988,s. 333, 334, 343

16 treppen, klaus pracht, deutsche verlagsanstalt gmbh, stuttgart, 1979, s. 97 17 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden,
1988, s. 333, 334, 343

303
vo 14 stiegen

26 27 28 29

abb.26 geländer, franz schuster, treppen aus holz, stein und eisen, stuttgart, 1943, s. 18, abb.28 handläufe, willibald mannes, treppen-technik, stuttgart, 1988, s. 27
19, 49 abb.29 handläufe, franz schuster, treppen aus holz, stein und eisen, stuttgart, 1943, s. 43
abb.27 befestigungen, heinrich schmitt, andreas heene, hochbau konstruktion, 11. aufl.,
braunschweig, wiesbaden, 1988, s. 346

rutschsicher sein und auftretendes wasser muß abfließen vorbeitastet und dann soweit wie möglich nach hinten auf
können. der vorteil von kunststein liegt darin, daß er in der die erste stufe auftritt. hier ist die stolpergefahr natürlich be-
regel billiger ist und daß er bewehrt werden kann, wodurch sonders groß. dieses problem läßt sich lösen, indem man
man größere freitragende längen erhält. weiters können die die stufe an der das bein vorbeigleiten muß an dieser stelle
querschnitte kleiner gewählt werden und die löcher für das schmäler hält. die stiege muß dann jedoch immer mit dem
einlassen der geländersteher können schon während der gleichen bein zuerst begangen werden. um den verschnitt
herstellung ausgespart werden. zu verringern, stellt man am besten immer zwei stufen aus
einer platte her.19
freitreppen (abb. 24)
die stufen werden in einem kies- oder mörtelbett verlegt, geländer und handläufe (abb. 26, 27, 28, 29)
oder in eine stampfbetonschichte eingebettet. wangenmau- handläufe sind bei mehr als drei stufen vorgeschrieben. ab
erwerk muß in frostfreier tiefe gegründet werden. einer breite von 2 m (in wien 1,20 m) müssen sich an bei-
den seiten der stiege handläufe befinden. die vorgeschrie-
hauseingangsstiegen bene stiegenbreite darf durch handläufe oder geländer um
bei solchen stufen ist auf eine sorgfältige gründung zu nicht mehr als 10 cm vermindert werden. entlang von stie-
achten, damit sie sich nicht vom bau lösen. wenige stufen genhauswänden werden handläufe ca. alle 1,50 m durch
setzt man am besten auf eine kragplatte oder kragarme aus handgriffstützen gehalten, die in das mauerwerk eingelas-
stahlbeton. weiter ausladende treppen müssen frostfrei ge- sen werden. zur herstellung von handläufen werden meist
gründet werden. die gehsicherheit von hausein-gangstrep- metalle, holz oder kunststoff verwendet.
pen ist vor allem im winter durch schnee und eis bedroht, treppengeländer müssen mindestens 0,90 m, bei treppen
darum wählt man für die stufen eine etwas geringere höhe mit mehr als 12 m absturzhöhe mindestens 1,10 m hoch
und eine etwas verbreiterte auftrittsfläche. das wasser wird sein.
durch ein geringes gefälle abgeleitet, bei stiegenläufen par- in gebäuden, in denen mit der anwesenheit von kindern zu
allel zur hauswand wird das wasser außerdem noch nach rechnen ist, sind geländer so zu gestalten, daß ein überklet-
außen abgeleitet, um eine durchfeuchtung des mauerwerks tern des geländers durch kleinkinder erschwert wird.
zu verhindern.18 füllungen aus engmaschigen gittern und glas sind erlaubt
spartreppen (abb. 25) (nur draht-, sichereits- oder acrylglas zulässig). waagrechte
steil angelegte treppen bereiten beim begehen - besonders stäbe dürfen bis zu einer höhe von 60 cm lediglich einen ab-
beim abwärtsgehen - schwierigkeiten, da sich das abwärts- stand von maximal 2 cm aufweisen, darüberliegende stäbe
gleitende bein an der stufenvorderkante der zweiten stufe 12cm.
18 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden, 1988,s. 333, 334, 343 19

18 schmitt und heene, hochbau konstruktion, viehweg & sohn, braunschweig, wiesbaden, 19 treppen-technik, willibald mannes, deutsche verlagsanstalt, stuttgart, 1988, s. 132
1988, s. 333, 334, 343

304
vo 14 stiegen

auch bei senkrechten stäben darf der abstand nicht weniger lichen holz- bzw. stahlbetonstiegen um nichts nachstehen.
als 12 cm betragen. vorallem im innenraumbereich ergeben sich dadurch neue
der handlauf wird von geländerstehern, die im abstand von gestaltungsmöglichkeiten für den architekten, da er solche
durchschnittlich 1,20 m bis maximal 1,50 m einzeln auf den innentreppen als blickfang im raum einsetzen kann und die
stufen oder seilich in der laufplatte befestigt sind, unter- treppe dadurch nicht nur als verbindungsglied zw. den ge-
stützt schossen fungiert, sondern auch als verschönerungsele-
folgende konstruktionen werden angewandt (abb. 35): ment.
· die steher werden in gebohrten oder ausgelassenen lö-
chern versetzt und mit kunstharz vergossen.
· die befestigung erfolgt durch einlegen von schweißgründen
in die laufplatte, an welche die steher später angeschweißt
werden können.
· dübel werden eingebohrt und die steher werden an die
laufplatte angeschraubt.
da geländer auf eine horizontale belastung von 1 kn/m be-
rechnet werden müssen, können sich aufgrund der momen-
tenwirkung sehr hohe befestigungskräfte ergeben. erfolgt
die befestigung durch schrauben mit einem vertikalen ab-
stand von 10 cm, so erhält jede schraube eine auflagerkraft
von einer tonne. stiegengeländer können jedoch auch als
volle brüstungen ausgeführt werden. man erhält sie durch
hochziehen der wangen und sie müssen mindestens 60 cm
hoch sein, in 1 m höhe befindet sich der handlauf. der zwi-
schenraum kann mit gitterstäben ausgefüllt sein, deren ma-
ximalabstand nicht mehr als 12 cm betragen darf.

14.3 zukunftsweisendes / utopische

der trend neuartiger treppen geht zu leichten glas- und


stahlkonstruktionen die in ihrer festigkeit den herkömm-

305
vo 14 stiegen

306
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

307
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

vo 15 mehrschichtige konstruktionen trenn-, schutz-, verschleiss-, isolier- u.dämmschicht

308
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

309
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

15.1. definition zerlegt in ihre einzelnen schichten - diese beschriebenen


funtionen zu erfüllen. (abb. 6)
der zweck einer konstruktion - neben ihrer funktion als
konstruktion an sich - ist ihre beständigkeit, benutzbar- schichten
keit und bewohnbarkeit, das richtige maß an hygiene, der schichten bestehen aus unterschiedlichen materialien. ei-
gewünschte komfort und die behaglichkeit, die eine kon- nerseits bestehen sie aus solchen, denen die geforderten
struktion bietet. das angestrebte ziel unserer wohnkultur eigenschaften immanent sind (z. b. holz) und materialien,
ist lebensqualität. die durch behandlung verbesserte oder durch produktion
unsere ureigenste schutzschichte stellt die menschliche haut dar. betrachtet man sie als erste haut, ist unsere bekleidung die zweite und die architektur die dritte haut.
erzielte eigenschaften aufweisen (z. b. holzwerkstoffe).
alle drei formen setzen eine unterkonstruktion, ein gestell früher gab es keine aufsplittung in verschiedene schich-
voraus, das gemäß unserem knochenskelett beim bauen ten. mit der zeit haben die schichten eine immer weitere
in seiner urform aus ständern, säulen oder pfeilern be- differenzierung erfahren. um den heutigen anforderungen
stand. an die wärmedämmung gerecht zu werden, müßten die
genauso wie unsere eigene haut einen mechanischen-, ziegelwände eines römischen hauses mind. 1,4 m stark
flüssigkeits- und strahlenschutz darstellt und der tempe- sein, da die damaligen häuser nur einschichtig waren. in
raturregelung dient, haben wände, decken und dächer - beton ausgeführt würde sich eine wandstärke von mind.

15. mehrschichtige konstruktionen abb.1+2 haus schröder in utrecht 1924, arch. gerrit thomas rietveld, verleger geiselmannrein-
hard, heft 1, mai 1988, s. 38
abb.3 nationale-nederlande office building, el croquis 74/75, frank ghery 1991-95, s. 206
abb.4 schmetterlingschuppen - bionik - patente der natur, wwf, 1991, s. 138 - 139

1 2

3 4

310
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

5 6

abb.5 dachschindel - bionik - patente der natur, wwf, 1991, s. 138 - 139 abb.6 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesba-
den,12.auflage, 1993, s. 31

5 m ergeben, um mit dieser einen homogenen schicht dazu gehören im hochbau mehrschalige deckenaufbau-
sämtliche funktionen wie wärmedämmung, witterungs- ten, fußböden und deckenuntersichten.
und regenschutz sowie statik gewährleisten zu können. sie sind systeme der trennung von elementen und dienen
so wäre die proportion von tarafläche zu bruttogeschoß- zur verbesserung der technischen eigenschaften, werden
fläche ca. 1:1. dies würde klar eine überdimensionierung aber auch den ästhetischen anforderungen an tragkon-
bedeuten, sowohl aus statischer als auch aus funktion- struktionen gerecht. und zwar dann, wenn eine einzelne
sökonomischer sicht. solche wandstärken sind folglich schicht den gestellten anforderungen nicht gerecht wer-
mit den heutigen anforderungen unvereinbar. aus dieser den kann, weil die einschalige konstruktion, um das glei-
überlegung heraus ging man dazu über, mehrere schich- che profil zu erfüllen, überdimensioniert werden müßte
ten zusammenzubauen, wobei jede einzelne schichte und diese funktionen in keiner relation von wirtschaftlich-
optimal die ihr gestellte aufgabe übernehmen kann, was keit und leistungsfähigkeit des materials zur konstruktion
eine reduktion der wandstärke bedingt. steht.

erdschichten waren und sind besonders vielfältige schich- die wichtigkeit und sonderstellung von aufbauten im bau-
ten. sie dienen als baugrund, baumaterial und als fußbo- wesen läßt sich schon beim betrachten des wortes „fuß-
den oder bei unterirdischem dasein als dach. boden“ erkennen. es handelt sich hier um den einzigen
bauteil mit dem der mensch ständig in kontakt ist. darum
schichten unterliegen einer mehr oder weniger begrenzten hat er auch eine unzahl von anforderungen, die abhän-
lebensdauer. man spricht von beständigkeit und wider- gig von verwendungszweck, benutzer, einsatzbereich und
standsfähigkeit im gegensatz zu verrottbarkeit und zer- preis variieren, zu erfüllen und ist somit auf die jeweilige
fall. situation abzustimmen.
man fertigt schichtöffnungen und schichtdurchbrüche.
ein beispiel für ein bauwerk mit „begehbaren schichten“ anforderungen
stellt der soziale wohnbau, brunnenstraße im 23. bezirk sollen dämm- und sperreigenschaften (wärme-, schall-
in wien dar. der wohnbau, der 62 wohnungen umfaßt, die dämmung, dampffeuchtigkeitsperre) einer deckentra-
zwischen 61 und 106 m2 haben (architekt helmut richter, gekonstruktion höheren anforderungen genügen, als
auftraggeber österreichisches siedlungswerk wien), wur- es der tragende querschnitt allein vermag, so muß man
de im herbst 1990 fertiggestellt.1 (abb. 7 - 10) das dämm- und sperrvermögen der decke durch geeig-
nete leichte zusatzschichten (fußbodenaufbau und un-
mehrschalige systeme tersichten) erhöhen. vom gesichtspunkt der schalltechnik
1 domus 729, 7/8, 1991

1 domus 729, 7/8, 1991

311
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

aus stellt eine decke eine oder mehrere schalen dar, wo-
bei eine schale konstruktiv us mehreren schichten beste- bis ins 20. jh. hinein gehören bogen- und gewölbekonstruk-
hen kann.2 tionen aus natürlichen und gebrannten steinen zu den weit
verbreiteten deckentragwerken. und bei genauerer betrach-
15.2. geschichte tung dieser deckenkonstruktion erkennt man, daß hier der
erste ansatz der trennung von elementen auftritt. hier wird
geschichte und entwicklung mehrschaliger systeme die tragende, gekrümmte konstruktion mit sand aufgefüllt,
einer der ersten böden war schlicht und einfach die gras- um eine ebene nutzfläche zu schaffen und in diese schüttung
narbe, welche auch bei den pfahlhütten am schwarzafrika- wird die aus polsterhölzern und auflagerlatten bestehende
nischen kontinent über einen rost aus ästen und stangen fußbodenunterkonstruktion schwimmend und somit unab-
gelegt wurde. (abb. 12) hängig von der tragkonstruktion eingebettet. auf die unter-
bei den frühformen des stabbaues wurden die ständer un- konstruktion wurde dann die verschleißschicht aus brettern
mittelbar in den boden gesetzt. bei späteren konstruktionen aufgenagelt und so war der mehrschalige aufbau gegeben.
finden sich bodenschwellen, auf denen die dachtragenden als verschleißschicht wurden auch steinplatten oder ziegel
innenpfosten ruhen. die wandpfosten stehen am rand des verwendet, welche direkt in den sand gelegt wurden, was
schwellenrostes. (abb. 11) aber das prinzip der mehrschaligkeit hervorstreicht.
2 schmitt u. heene, hochbau konstruktion: die bauteile und das gefüge, grundlagen des heutigen bauens, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden, 12.auflage, 1993

abb.7-10 wohnbau brunnerstraße, helmut richter, domus 729, 7/8, 1991

7 8

9 10

2 schmitt u. heene, hochbau konstruktion: die bauteile und das gefüge, grundlagen
desheutigen bauens, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden, 12.auflage, 1993

312
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

11 12

abb.11 das große buch vom holz, schuler verlagsgesllschaft, münchen, 1973 abb.12 geshichte des hauses, ettore camesasca, verlag das europäische buch, 1986

menten bei fußbodenkonstruktionen trugen die römischen


bei der gewölbekonstruktion des pantheon in rom (abb. 13 architekten mit der entwicklung der hypocausten heizung
- 15) handelte es sich bis in die neuzeit um die größte kup- und des estrichs bei.
pel, die gebaut wurde. die römischen architekten arbeiteten bei den hypocausten heizungen handelt es sich um eine
bereits mit dem baustoff beton in verschiedenen dichteklas- der ersten fußbodenheizungen. in einem „heizhaus“ wur-
sen (je nach höhe und somit belastung des pantheon nahm de zentral für das gesamte gebäude warmwasser und
die dichte des betons und somit das gewicht ab). außerdem wasserdampf erzeugt. von dort wurde der wasserdampf
verkleideten die römer diese betonkonstruktion aus ästhe- mittels mehrschaliger fußbodenkonstruktion durch die
tischen gründen mit ziegelblendwerk und schufen somit gewünschten gebäudebereiche geführt. anwendung fand
eine der ersten zweigeteilten konstruktionen. ein klassischer diese konstruktion haupsächlich in thermen, palästen und
zweischaliger aufbau wurde noch nicht geschaffen, denn das villen.
blendwerk wurde direkt - ohne dazwischenliegende trenn-
oder gleitschicht - mit der betonkonstruktion verbunden. vitruv befaßte sich bereits mit dem problem der „estrich
vergleicht man den k-wert, den der mauerteil im oberen drit- verfertigung“. ist der bretterne boden vollendet, so be-
tel der kuppel des pantheon aufweist, mit dem einer neuzeit- streue man ihn mit spreu, um das holzwerk vor des kalkes
lichen beton-deckenkonstruktion, so spricht das für sich: ätzkraft zu schützen. sodann verfertige man darauf die un-
· pantheon (bei einer mauertiefe von ca. 1 m, ziegelsteine terlage aus steinen, die nicht kleiner als hand- völlig sein
im mörtelbett) dürfen. nachdem die unterlage gemacht, überziehe man
k-wert 0,882 w/m2k sie mit einem mengsel von ziegelschutt und kalk. wenn
· betondeckenkonstruktion (0,2 m stahlbeton mit 0,05 m diese masse ausgebreitet ist, so lasse man sie von ihrer
wärmedämmung und 0,05 m estrich) zehn leuten mit hölzernen handrammen fleißig stamp-
k-wert 0,612 w/m2k fen, damit sie fest werde; man höre jedoch nicht eher mit
würden wir heute die gleichen anforderungen an histo- stampfen auf, als bis sie nicht mehr als drei viertel der
rische konstruktionen stellen, so wäre beispielsweise anfangs gehabten dicke behält. hierüber verbreitet man
beim pantheon eine schalldämmung nur durch eine über- sodann den kern, der aus einer mischung von drei tei-
höhung der konstruktionstärke möglich. das hätte jedoch len ziegelmehl zu zwei teilen kalk besteht; und richte es
statische konsequenzen, da dieses zusätzliche gewicht also ein, daß der ganze estrich nicht dünner als sechs zoll
die konstruktion belasten würde. werde. endlich auf den kern lege man, nach schnur und
richtscheit, mit aller genauigkeit das pflaster aus viel- oder
einen nicht unwesentlichen beitrag zur trennung von el- würfelförmigen platten. nachdem diese eingesetzt worden

313
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

sind, und beim einsetzen das gefälle erhalten haben, so den ästhetischen ansprüchen des damaligen zeitgeistes
reibe man sie so ab, daß trotz der fugen die ganze ober- gerecht zu werden, mit stuckuntersichten versehen. um
fläche glatt und eben sei. nachdem das pflaster abgerie- das problem der rißbildung und des herabfallens von stu-
ben, geschliffen und poliert, so siebe man marmorstaub ckteilen der deckenuntersicht durch schwingungen aus
darüber oder gebe ihm eine decke von kalk oder sand. dem wege zu gehen, entwickelten die baufachleute der
damaligen zeit auch für balkendecken einen mehrscha-
die häufigste ausführungsweise für die decken mehrge- ligen aufbau.
schoßiger gebäude ist über viele jahrhunderte hinweg die
konstruktion von gewölbekonstruktionen im kellerbereich die dauerhaftigkeit der deckenkonstruktionen aus holz
(wegen der feuchtigkeitsgefährdung von holzdecken) und hängt wesentlich von der einwirkung von feuchtigkeit und
in den übrigen geschoßen der einbau einer holzbalkende- dem befall durch pilze und insekten ab. feuerstellen zum
cke. diese kombination vermochte nahezu allen damals heizen und kochen sowie offenes licht zur beleuchtung
gestellten anforderungen gerecht zu werden und wurde der räume führten naturgemäß häufiger zu bränden. aus
bis in das erste drittel des 20. jh. in dieser weise ausge- diesen gründen sind die holzdecken bei uns in verruf ge-
führt. raten. die aus dieser zeit stammenden feuerverordnungen
in der renaissance und im barock wurden die decken, um haben bis heute in unseren bauordnungen niederschlag

abb.13+14 architektur der römer, j. b. wardperkins, belser verlag, stuttgart, 1975


abb.15 pantheon - hugh honour, john flemming: weltgeschichte der kunst, prestel, 4.
auflage,münchen, 1992, s. 168

14

13 15

314
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

16 17

abb.16 kornspeicher - rudofsky bernard, architektur ohne architekten, residenzverlag,salzb abb.17 farnsworth house,http://rubens.anu.edu.au/htdocs/surveys/modarch/bydate/dis-
urg,1989, bild 90 play00178.html

gefunden. house in old westbury, long island, new york, bei dem man
vom ausgehenden 19. jh. bis ca. 1930 wurden decken- die verbindung zweier „klassischer“ systeme erkennen
konstruktionen für größere spannweiten und höhere la- kann. er kombiniert die amerikanische leichtbauweise in
sten aus walzstahlträgern mit i-profil hergestellt. die zwi- holz mit der - dem fabrikenbau entlehnten - i-profil-stahl-
schenräume bestehen aus etwa 12 cm dick gemauerten, träger deckenkonstruktion.
flachen kappengewölben von ca. 120 cm spannweite, die
an der oberkante mit lehm, sand, schlacke oder mörtel 15.3 stand der technik
aufgefüllt werden. diese konstruktionsart entspricht der
typischen wiener gründerzeitdecke. 15.3.1 nutzen
eine aktuelle tendenz und zugleich doch zum teil nur wie-
im geschäftshaus- und industriebau folgen den gemau- deraufgegriffene thematik ist die nutzung von wind, son-
erten kappen flache stahlbetondecken, welche auf die ne, regenwasser, pflanzenwuchs bzw. grünflächen (dä-
stahlträger aufgelegt werden. cher), abwärme etc., also elementen, vor denen man sich
normalerweise schützt.
mies van der rohe hat bei der konstruktion des farnsworth
house (1945 - 1950) in plano (illinois) eine ähnliche bau- nutzung des windes
weise wie man sie im industriebau finden konnte, auf ein ein historisches beispiel stellen die kornspeicher (espigu-
einzeles einfamilienhaus angewandt. er kombiniert i-pro- eiros, horreos) dar. sie wurden auf exponierter stelle ge-
fil-stahlträger als primärtragsystem mit vorgefertigten be- baut, um den wind zur lüfung auszunützen.3 (abb. 16)
tonplatten als sekundärtragsystem - welche in die i-trä-
ger eingehängt bzw. aufgelegt werden - und erzielt damit ein abstecher ins tierreich zeigt uns, daß die termiten gut-
einen völlig frei zu gestaltenden innenraum. auf die durchdachte und für sie lebensnotwendige lüftungssysteme
fertigbetonplatten wird eine harte dämmschale aufgelegt, konstruieren können, die von region zu region unterschied-
darauf eine schicht blähbeton - welche auch die installati- lich aus rippen und röhren ausgebildet sind. besonders im
onen aufzunehmen hat - und anschließend arabischen raum finden sich häuser, die im traditionellen -
zementestrich (mit fußbodenheizung) aufgebracht. als und das heißt den klimatischen bedingungen angepaßten
verschleißschicht kommt ein travertin steinbelag zum ein- stil - die gleichen materialien (lehm), bauformen (nur we-
satz. (abb. 17) nige, kleine öffnungen) und lüftungssysteme besitzen -
wie die termiten es vormachen. windfänge (auf arabisch
ein projekt aus dem jahre 1971 von richard meier ist das „malgaf“) leiten den kühleren wind ins gebäudeinnere hi-
3 architektur ohne architekten, rudofsky bernhard, residenzverlag, salzburg, 1989

3 architektur ohne architekten, rudofsky bernhard, residenzverlag, salzburg, 1989

315
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

nunter. die von oben angesaugte luft enthält zudem fast transfers. das haus wird von der sonne „durchschienen“.4
keinen staub.6 (abb. 22)
das ziel der termiten - auch das der bewohner der ein-
fachen lehmbauten in mali und das unserer modernen kli- - „villa girasole“, ein wohnhaus in marcellise bei verona
matechnik - ist ein gemeinsames, nämlich ein optimales (erbaut vom italienischen ingenieur angelo invernizzi, der
raumklima. architekt war ettore fagiouli) - bauzeit 1929 - 1935.
dieses wohnhaus stellt in diesem zusammenhang ein ex-
nutzung der sonne trembeispiel dar. die ausrichtung des gebäudes „korreli-
- doppelwohnhaus in pullach, oberbayern (architekt tho- ert“ mit den himmelsrichtungen. das stahlbetonhaus mit
mas herzog) dieses gebäude weist ein besonderes en- metallverkleidung folgt dem lauf der sonne. auf mächtigen
ergiekonzept auf. der grundriß wurde in der weise or- stahlrädern, elektrisch angetrieben, rotiert ein teil des
ganisiert, daß alle aufenthaltsräume an die südfassade hauses.5 (abb. 18 - 21)
angeschlossen sind und so bei flachstehender sonne
im winter bis zur (weitgehend geschlossenen) rückseite 15.3.2 schutz
des gebäudes im norden direkte solare gewinne erzielen. unter schutz werden vorbeugende maßnahmen zum
somit entfällt das problem des gebäudeinternen wärme- schutz des gebäudes vor schädlichen und gefährlichen
4 thomas herzog bauten 1978-1992, werkbericht, verlag hatje, deutschland 1993

5 franz hart, stahlbauatlas, geschoßbautead 5: häuser 5/1994

abb.18+19 villa girasole, wohnhaus in marcellise bei verona, italien, häuser 5/1994, s. 28 abb.20+21 villa girasole, http://www.archinform.de/projekte/4123.htm
- 34

18 19

20 21

4 thomas herzog bauten 1978-1992, werkbericht, verlag hatje, deutschland 1993


5 franz hart, stahlbauatlas, geschoßbautead 5: häuser 5/1994

316
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

22 23

abb.22 doppelwohnhaus in pullach - thomas herzog bauten 1978 - 1992, werkbericht, abb.23 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-
verlaggerd hatje, deutschland 1993, s. 61 den, 12.auflage, 1993, s. 31

einwirkungen verstanden. die bezeichnung lux [lx = lm/m2] und nimmt mit dem qua-
man unterteilt in drat der entfernung ab.
.
schutz vor äußeren einwirkungen: die lichtstrahlung in einer bestimmten richtung ergibt die
schallschutz (luftschall, körperschall, trittschall), schutz lichtstärke [candela - cd]. die natürliche belichtung durch
vor chemischem angriff, korrosionsschutz, brandschutz, direkte sonnenstrahlung erreicht eine maximale beleuch-
erdbebenschutz, witterungsschutz (schutz vor wasser, tungsstärke von ca. 100.000 lx. im vergleich dazu herr-
wasserdampf, frost und schnee, vor sog und wind, vor schen bei klarer mondnacht ca. 5 lx.
temperaturwechsel und blitzschutz), wärmeschutz, schutz die globalstrahlung ist die summe aus direkter, diffuser
vor in der luft enthaltene schadstoffe, schutz vor mikoor- und reflektierter sonnenstrahlung. während die direkt-
ganismen, schutz vor schädlingen. strahlung nur aus einer richtung auf die bestrahlte fläche
trifft, kommt die diffusstrahlung aus allen richtungen. die
.
schutz vor inneren einwirkungen: diffusstrahlung besteht zum teil aus der in der atmosphäre
schutz vor wasser (sanitärinstallation, warmwasserhei- gestreuten oder an wolken reflektierten strahlung, zum teil
zung), schutz vor zu hohem feuchtigkeitsgehalt der raum- beruht sie auf reflexionen der terrestrischen (= erdgebun-
luft und mancher bauteile, schutz vor erschütterungen und denen) umgebung.7
lärm, schutz vor feuer und explosion. (abb. 23)
dämmung, isolierung und der schutz vor verschleiß zäh- sonnenschutzmaßnahmen müssen die außenflächen, ins-
len zu maßnahmen im konstruktiven bereich. besondere die fenster, vor zu starker sonneneinstrahlung
sonnen-, licht- und strahlenschutz werden in der architek- abschirmen um aufheizung und blendung innerhalb des
tur als konstruktive maßnahme im außenbereich verstan- gebäudes zu verhindern. eine weitere aufgabe ist die sta-
den. bilisierung des innenraumklimas, z.b. durch den einbau
a. sonnenschutz einer luftkühlung oder klimaanlage, das bauen mit wärme-
als konstruktive schutzmaßnahme im außenbereich. speichernden massen im gebäudeinneren, die zwechmä-
sonnenstrahlen wirken psychisch und physisch auf das ßigstee orientierung des bauwerks, die anzahl, orientie-
befinden des menschen ein. sonnenschein kann er- rung und größe seiner fenster, die art des baugefüges und
wünscht und anregend, mit wachsender stärke aber auch die fassadenausbildung.
belästigend, schädigend und gefährdend wirken.6
beispiele für sonnenschutzmaßnahmen
die beleuchtungsstärke einer flächeneinheit [m ], die ei- 2 .
arab world institute in paris von 1987 (architekt jean nou-
nen gleichmäßigen lichtstrom [lumen - lm] empfängt, hat vel)
6 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden,12.
auflage, 1993n, münchen, 1993, s. 267 7 mensch, umwelt, behaglichkeit, inst. f. hoch-u. industriebau, o.univ.prof. h. gamerith, tu-graz

6 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesba- 7 mensch, umwelt, behaglichkeit, inst. f. hoch-u. industriebau, o.univ.prof. h. gamerith,
den,12. auflage, 1993n, münchen, 1993, s. 267 tu-graz

317
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

an der südfassade des institutes befindet sich ein vari- änderungsfähigkeit von gebäuden, licht und sonne auf-
abler teil, gemäß dem konstruktionsprinzip einer blende. zuzeigen. die fassade ist so gestaltet, daß sie von den
eine photoelektrische zelle ermöglicht es, die intensität hausbenützern entsprechend ihrer lichtbedürfnisse und
des einfallenden lichtes zu regeln. die blende öffnet oder den vorherrschenden witterungsverhältnissen modifiziert
schließt sich je nach helligkeit des tageslichtes.8 (abb. 24 werden kann. (abb. 28)
- 27)
- doppelwohnhaus pullach in oberbayern (architekt tho- auf andere art und weise als die menschen lösen die ter-
mas herzog, partner: michael volz und michael streib) miten die klimaregulierung ihrer bauten. in australien ist
hier erfolgt die verschattung im süden durch rankpflanzen die hitze das zentralproblem. kompaßtermiten richten da-
an dafür vorgesehenen gittern und durch lamellen unter her ihre bis fünf meter hohen und drei meter breiten hügel
der äußeren dachverglasung. die erdgeschoßfassade genau nach norden aus, sodaß die mittagssonne nur die
wird durch den auskragenden balkon verschattet.9 schmalseite aufheizen kann.10

.
wohnbau frauenfelderstraße 14/kainzgasse im 17. bezirk b. schutz vor verschleiß
in wien (architekt/in hzene diether und schreieck martha) als schutzmaßnahme im konstruktiven bereich.
dieser wohnbau ist bezüglich der anpassungs- und ver- unter verschleißfestigkeit versteht man die widerstandsfä-
8 jean nouvel, quaderns d’arquitectura i urbanisme, 1989, olga ortega y asociados, madrid

9 doppelwohnhaus in pullach, thomas herzog bauten 1978-1992, werkbericht, verlag hatje 10 bionik-patente der natur, herausg. in zusammenarbeit mit wwf, 1991

abb.24-26 jean nouvel, quaderns d’architectura i urbanisme, 1989, olga ortega y asociados, abb.27 eigenes photo: wohnbau frauenfelderstr. 14/kainzgasse 17.bez., wien, schreieck-
madrid, s. 38ff martha
u. henke dieter

24

25 26 27

8 jean nouvel, quaderns d’arquitectura i urbanisme, 1989, olga ortega y asociados, madrid 10 bionik-patente der natur, herausg. in zusammenarbeit mit wwf, 1991
9 doppelwohnhaus in pullach, thomas herzog bauten 1978-1992, werkbericht, verlag hatje

318
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

28 29

abb.28+29 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 81 + 86

higkeit gegenüber beanspruchung, man spricht auch von schläge, durch einen möglichst steifen beton, der jedoch
abriebfestigkeit. vollständig verdichtet werden muß.

die beschichtung und die oberflächenbehandlung stellen „betonangreifende wässer, böden und gase, beurteilung
einen wesentlichen faktor dar, sowohl was die reibungs- und chemische analyse“ heißt die önorm b3305 zur be-
beanspruchung betrifft als auch den chemischen angriff urteilung chemischer angriffe von beton. vorsicht ist ge-
(korrosion). boten bei u. a. sulfathältigem wasser („gipswasser“) und
ebenso bedeutend ist die materialspezifische härte, die stark verunreinigtem grundwasser. (besonders gefährlich
häufigkeit der beanspruchung und die intensität. sind künstliche düngemittel, fruchtsäfte, milch, abgase
böden, stiegen, arbeitsflächen, türgriffe und dergleichen aus kohlen- und ölfeuerungen!)
verlangen entsprechend widerstandsfähige materialien als schutz bei sehr starkem chemischen angriff werden
(z. b. hochgebrannte keramiken zeigen ausreichend wi- beschichtungen aus kunstharz oder bituminösen stoffen,
derstand gegenüber verschleiß, daher werden klinker dichtungsstoffe, verkleidungen (z. b. aus fliesen mit ag-
vielfältig für fußböden eingesetzt). gressivbeständiger fugenmasse) und ebenso dichtungs-
schürzen aus lehm eingesetzt.11
natursteine und künstliche steine wie beton weisen eine zu den korrosionsgefährdeten materialien zählen auch
relativ hohe abriebfestigkeit auf. es gibt auch einen beton metalle, stahl (eisenkohlenstoff-verbindung), natursteine
mit hohem widerstand gegen mechanische angriffe laut und kunststoffe.
önorm b4200, teil 10. der beton wird besonders abriebfest
durch verwendung von besonders verschleißfestem zu- c. feuchtigkeitsschutz
schlag (z. b. aus granulit, quarzit, diabes, basalt, porphy- der größte teil der bauschäden ist auf die einwirkung von
rit etc.). für außergewöhnlich hoch beanspruchten beton feuchtigkeit zurückzuführen. diese gefährdet den bestand
kann die verwendung von sonderstoffen (z. b. hartguß- der bauteile und setzt deren wärmeschutzwirkung erheb-
schrott, siliziumkarbid oder korund) anstelle eines teiles lich herab. feuchtigkeit in räumen macht diese für den auf-
der natürlichen zuschläge vorteilhaft sein. (abb. 29 + 30) enthalt ungeeignet (ein nasses raumklima macht krank).
ebenfalls eine besondere abriebfestigkeit kann durch be- gebäudeteile und einrichtungsgegenstände werden durch
ton mit wenig zementleim (w/z höchstens 0,5, zement- feuchtigkeit angegriffen und mitunter auch zerstört. es
gehalt höchstens 350 kg/m3) und besonders sorgfältiger kommt zur bildung von schimmel und zu ausblühungen:
verdichtung erzielt werden, d. h. durch eine möglichst carbonat-, clorit-, nitrat- oder sulfatausblühungen (gips-
grobe sieblinie, durch möglichst großes größtkorn der zu- treiben).
11 zement und beton, 28 auflage, 1994, österreichischer betonverein, j.c. könig &
ebhart, 1994/9

11 zement und beton, 28 auflage, 1994, österreichischer betonverein, j.c. könig &
ebhart,1994/95

319
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

feuchtigkeitsschutzmaßnahmen müssen daher die unmit- .


im bauwerk entstehende feuchtigkeit:
telbaren schädlichen einwirkungen von wasser und feuch- nutzwasser, tauwasser
tigkeit auf bauteile und baustoffe abwehren und verhüten.
weiters dienen sie zur ergänzung und erhöhung des wär- niederschlagsfeuchtigkeit
meschutzes.12 das sind regen und schnee, die unmittelbar auf das bau-
werk auf-treffen.
feuchtigkeitsarten
wasser und feuchtigkeit können in folgenden formen dem oberflächenwasser
bauwerk schaden: (abb. 31) durch regen und andere niederschläge - auch schmelz-
.
feuchtigkeit, die von außen an das bauwerk andringt wasser - entstandenes wasser, das auf der erdoberfläche
niederschlagsfeuchtigkeit, oberflächenwasser, sickerwas- abfließt bzw. versickert.
ser, bodenfeuchtigkeit, grundwasser, schichtenwasser,
druckwasser sickerwasser
in die erde sickerndes oberflächenwasser, zwischen ge-
.
im bauwerk enthaltene feuchtigkeit: neigten oder senkrechten erdschichten (geschieben), und
baufeuchtigkeit, dauerfeuchtigkeit in die tiefe sickerndes grundwasser.
12 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/
wiesbaden,12.auflage, 1993

abb.30+31 riccabona, baukonstruktionslehre1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage abb.32 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-
1992,s.76 den,12. auflage, 1993, s. 32 u. 41

31

30 32

12 1schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/


wiesbaden,12.auflage, 1993

320
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

33 34

abb.33 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereinezü- abb.34 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der fach-
rich et al., zürich, 1993, s.48 vereine zürich et al., 1993, s. 42

bodenfeuchtigkeit tauwasser
im erdreich enthaltene feuchtigkeit, die aus dem grund- das ist jene feuchtigkeit, die sich auf und in bauteilen
wasser hochgesaugt oder durch regen und andere nie- oder anderen gegenständen sowie in luft als wasser nie-
derschläge (oberflächenwasser) verursacht wird. (abb. 32 derschlägt, wenn ihre temperatur unter den taupunkt ab-
+ 33) kühlt.

grundwasser der taupunkt


das die hohlräume der lockeren erdschichten und gesteine es ist die temperatur, bei welcher der vorhandene (abso-
voll ausfüllende wasser. unter grundwasser befinden sich lute) feuchtigkeitsgehalt der luft bei abkühlung zum sätti-
undurchlässige erdschichten, die das tiefere absinken gungsgehalt wird (relative luftfeuchtigkeit 100%). wird die
des grundwassers verhindern. wo das grundwasser an luft unter den taupunkt abgekühlt, so scheidet sie wasser
die erdoberfläche tritt entsteht quellwasser. in tropfenform aus (tau, wasserdampfniederschlag).
schichtenwasser falls die taupunkttemperatur (abb. 34) von irgendeiner
grundwasser in mehreren erdschichten übereinander oberfläche unterschritten wird, entsteht oberflächenkon-
(grundwasserstockwerke), die durch undurchlässige erd- densat. erfolgt die unterschreitung im inneren einer kon-
schichten getrennt sind. struktion, so sprechen wir von kernkondensat.13

druckwasser maßnahmen zum feuchtigkeitsschutz


grundwasser, schichtenwasser oder oberflächenwasser,
das auf bauteile im boden einen druck ausübt. isolierung
...

unter isolierung versteht man trennung und abdichtung.


baufeuchtigkeit isolierungen verhindern den zutritt oder abfluß von wasser
das ist jene feuchtigkeit, die mit den baustoffen und durch in flüssigem oder gasförmigem zustand (wasserdampf).
das bauen (mauern, betonieren, putzen) in die bauteile wasser kann auf verschiedene art und weise abgeleitet
hineingelangt. werden:
· schuppenartig,
brauchwasser (nutzwasser) · bahnenartig/folienartig,
gebrauchswasser in naßräumen wie küchen, bädern und · horizontal innerhalb der konstruktion und eingebaut, etc.
toiletten, spritzwasser, putzwasser. (abb. 35)
13 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürichet al.,
zürich, 1993

13 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürichet
al., zürich, 1993

321
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

richtung, das bedeutet aber auch stabilität in nur einer rich-


betroffen sind u. a. keller-, wand- und dachbereiche. die tung; glasgewebebahnen sind in beide richtungen stabil).
anwendung erstreckt sich über präventive (vorbeugende) ebenso werden schweißbare bahnen (quell- schweißen)
abdichtungen bis zu ihrem nachträglichen einsatz bei adap- aus thermoplastischen kunststoffen eingesetzt.
tierung, umbau und sanierung. unter zusatz von dichtungsmitteln können auch unmittel-
bar wasserundurchlässige baustoffe wie sperrmörtel oder
baustoffe für abdichtungen sperrbeton (mineralische abdichtung) hergestellt werden.
die isolierung erfolgt als konstruktiver bauschutz und durch sie sind aber durch risse gefährdet und erfordern besondere
einsatz entsprechender materialien (v. a. bitumen, kunst- vorkehrungen an arbeitsfugen und anschlußstellen.
stoffe und mineralische abdichtungen). ebenheit, staubfrei-
heit (abspritzen) und vor-anstrich sind die voraussetzungen abdichtungsmaterialien müssen folgende anforderungen er-
für isolierungen. füllen:
als material für die ausführung von abdichtungsarbeiten ver- · wasserdichtheit
wendet man bituminöse stoffe und bahnen, gegebenenfalls · wasserunlöslichkeit
mit einlagen von metallfolien oder glasfaservlies (bei glas- · beständigkeit gegen chemische und mechanische angriffe
vliesbahnen gehen die fasern der vlieseinlage nur in eine · uv-beständigkeit im freien

abb.35 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba- abb.37 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-
den,12. auflage, 1993, s. 45 den,12. auflage, 1993, s. 47
abb.36 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-
den,12. auflage, 1993, s. 34

35

36 37

322
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

38 39

abb.38+39 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/


wiesbaden,12. auflage, 1993, s. 46

· elastizität und anschmiegsamkeit .


heißbitumen
kann ohne zusätze verarbeitet werden (je heißer, umso
.
bitumen dünnflüssiger)
bitumen ist ein umwandlungsprodukt des erdöls (zerfließt .
gefüllertes bitumen
bei gewisser krafteinwirkung). bitumen wird durch beimengung von füllstoffen (z.b. quarz-
asphalte sind natürliche oder künstliche gemische von bi- mehl, schiefermehl, etc) zäher gemacht und kann somit di-
tumen mit mineralstoffen. teer ist ein produkt der trockenen cker aufgetragen werden. dadurch erhöhung der dichtheit
destillation organischer stoffe (steinkohle), dabei ist teer das und wetterbeständigkeit.
destillat, während pech den jeweiligen destillatonsrückstand
darstellt (braunschwarz und zähflüssig. erweicht bei wärme .
mastix (abb.37)
und wird bei kälte spröde). (abb. 36) ist extrem gefüllertes bitumen (nur 12 bis 22% bitumen-
gehalt).
arten von bituminösen abdichtungen .
asphalt
.
destillationsbitumen ..
naturasphalt (40% bitumen)
geblasenes (oxidiertes) bitumen wird bei 160 - 260° mit luft ..
gußasphalt (< 10% bitumen; der rest sind füllstoffe)
und mineralölen vermischt. .
kunststoffvergütetes bitumen
.
geblasenes bitumen die eigenschaften von bitumen werden durch das einar-
ist stark uv-empfindlich, muß daher geschützt werden. beiten von thermoplasten erheblich verbessert (z.b. witte-
.
kaltbitumenanstriche rungsbeständigkeit , wasserdampfdurchlässigkeit, verfor-
werden als staubbindende voranstriche für alle bituminösen mung, erweichungspunkt, etc)
abdichtungen verwendet: .
spachtelmassen
..
lösungsmittelbitumen durch beigabe von latex werden elastizität und alterung
bitumen wird mit lösungsmittel (z.b.benzin) kalt verarbeitbar verbessert. durch einbetten von glasgewebematten auch
gemacht. wegen der giftigen dämpfe und feuergefahr nur für für druckhaltende dichtungen geeignet.
außenanwendungen geeignet.
..
bitumenemulsion .
kunststoffe
bitumen wird mit emulsionen kalt verarbeitbar gemacht (wie sind künstlich hergestellte organische verbindungen.
lösungsmittelbitumen). keine giftigen dämpfe, längere trock- kunststoffe werden heute aus erdöl hergestellt, sie sind
nungszeit. werden auch als mörtelzusätze und anstrichmit- ein gemisch aus kohlenwasserstoffen.
tel eingesetzt. gegenüber anorganischen werkstoffen sind sie leichter,

323
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

leiten keinen elektrischen strom und können außerdem · polyvinylchlorid (pvc)


mit beinahe beliebigen materialeigenschaften hergestellt ist schwer entflammbar, uv-beständig und sehr gut be-
werden. allerdings sind sie organisch nicht oder nur sehr ständig gegenüber wasser und verdünnten säuren, basen
schwer abbaubar und weisen hohe wärmedehnungen oder salzlösungen. die bekanntesten erzeugnisse aus
auf. pvc (meist weich-pvc) sind fußbodenbeläge, dichtungse-
lemente, fugenbänder für den betonbau, etc.
man unterteilt kunststoffe in thermoplaste, duroplaste und angewendet bei: terrassen, flachdach, alle abdichtungen,
elastomere: auch gegen druckwasser. der einsatz von pvc ist ökolo-
.
thermoplaste gisch und gesundheitlich gesehen v. a. im bezug auf sein
bestehen aus kettenförmigen großmolekülen (makromole- recycling sehr in frage zu stellen.
külen). ihre wesentlichen eigenschaften sind verformbar- · polyethylen (pe) und polypropylen (pp)
keit durch wärme (sie erweichen bei hohen temperaturen diese gelten als umweltfreundliche folien.
und schmelzen und verspröden bei tiefen temperaturen) · polyisobutylen (pib)
und schweißbarkeit.14 ist ein thermoplast auf butylbasis.
angewendet bei: flachdach, dachterrassen (abb. 39 + 40)
zu den thermoplasten zählen u. a.: · polyacrylsäureester
14 karsten, bauchemie, verlag c.f. müller karlsruhe, 9.auflage, karlsruhe, 1992

abb.40-43 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden=, 4. auflage,


1992, s.83

40

41 42

14 karsten, bauchemie, verlag c.f. müller karlsruhe, 9.auflage, karlsruhe, 1992

324
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

43

abb.43 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der fach-
vereine zürich et al., 1993, s. 40

davon abgeleitet ist acrylglas, unter dem markennamen .


elastomere
plexiglas bekannt. dies sind kunststoffe mit elastischen eigenschaften, die
· polyamide (pa) und lineare polyurethane (pur)14 durch lockere vernetzung von kettenmolekülen erhalten
.
duroplaste werden, “synthetischer kautschuk”.14
dies sind kunststoffe, die aus räumlich vernetzten groß-
molekülen bestehen. zu ihnen zählen u.a.:
sie sind daher bei jeder temperatur hart und nicht auflös- · silikonkautschuk
bar. deshalb nicht löslich und nicht schweißbar. als dichtstoff (zählt zu den elastomeren) angewendet
· polychloropren oder „chloroprenkautschuk“
zu ihnen zählen: für abdichtungsprofile, -bahnen und als „kunstgummikle-
· ungesättigte polyesterharze (up) ber“ angewendet
davon abgeleitet sind „2-komponenten-reaktionskunst- · polysulfid-polymere, v. a. polysulfid-kautschuk (sr)
stoffe“ - glasfaser- bzw. glasgewebeverstärkt sog. „gfk- als dauerelastischer fugendichtstoff
kunststoffe“.14
angewendet bei: dächer, balkone, becken und behälter. .
mineralische dichtungsmaterialien
· vernetzte polyurethane (pur) sind nicht elastisch, sondern spröde. sie können deshalb
desmodur-desmophen als zweikomponentenlack für be- nur dort angewendet werden, wo nicht mit setzungen,
ton und stahl; auch als kunststoffschaum (moltopren) auf- schwinden, temperaturdehnungen, etc mit kleinen rißbil-
gespritzt als abdichtung und wärmedämmung. dungen zu rechnen ist. daher werden mineralische dich-
· epoxidharze (ep) tungsmaterialien vorwiegend im kellerbereich angewen-
es sind gieß- und injektionsharze. sie sind kombinationen det. sie sind für aufenthaltsräume ungeeignet.
von epoxidharzen oder polyurethanen mit bituminösen
stoffen, insbesondere spezialsteinkohleteere und haben an mineralischen dichtungsmaterialien stehen u.a. zur
sich als fugendichtstoffe bewährt.14 da gute haftung, un- verfügung:
verrottbar und hohe temperaturbeständigkeit (-50 bis .
dichtbeton (sperrbeton) (abb.41 + 42)
+130°c). wird durch dichtungsmittel oder erhöhte zementzugabe
angewendet bei: v.a.naßräumen, abdichtungen des kel- wasserdicht gemacht. angewendet bei stahlbetonbauten,
lerbereiches, terrassen, balkone, behälter, etc. deren bewehrung eine einlage horizontaler mauerwerksab-
· silicon dichtungen nicht erlaubt.
.
dichtmörtel (sperrmörtel)

325
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

feiner zementmörtel mit beigabe spezieller dichtungsmit- dampfbremsen weisen einen widerstand von rd größer
tel. oder gleich 2 m2hpa/mg und dampfsperren einen rd von
angewendet für vertikalabdichtungen bei unzugänglich- größer oder gleich 200 m2hpa/mg auf.
keit der mauer von außen. auch zur nachträglichen ab- unter der lufdichtigkeitsschicht wird eine, warmseitig der
dichtung in verbindung mit einer guten horizontalen mau- wärmedämmung verlegte, luftdichte schicht verstanden.
erwerksabdichtung auch innen anwendbar. die luftdichtigkeitsschicht ist bei stößen, an angrenzende
.
dichtungsschlämmen bauteile und bei durchdringungen dicht anzuschließen
fabriksmäßig gemischte fertigmörtel. und dauerhaft zu dichten. lose überlappungen sind nicht
zulässig.
dampfbremsen, dampf(diffusions)sperre und luft-
...
die dampfiffusionssperre muß den dämmstoff auf der war-
dichtig-keitsschichten men seite abschließen, nach bauphysikalischen und kli-
die definition für dampfdiffusionsbremsen laut önorm matischen bedingungen dimensioniert werden und einen
b2260-2 lautet folgendermaßen „schichte, die eine was- höheren dampfdiffusionswiderstand aufweisen als die
serdampfdiffusion (und damit eine schädliche kondensat- außenliegenden bauteilschichten. sie muß an durchdrin-
bildung) im bauteilinneren begrenzt“. (önorm b2260-2, s. gungen, übergängen und anschlüssen dicht angeschlos-
2) sen werden.

abb.44+45 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
fach vereine zürich et al., 1993, s. 40 + 42

44 45

326
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

46

abb.46 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-


den,12. auflage, 1993, s. 39

die dampfdiffusionssperre darf nur auf ausreichend festem zwei untereinander nicht verträglichen materialien.
und trockenem untergrund aufgebracht werden, der frei
von verunreinigungen (z. b. schmutz, ruß, staub, öl, fett, bahnenförmige schutzlagen
trennmittel) und frei von losen teilen sein muß. grobe werden direkt über der abdichtung verlegt, schützen diese
ungleichmäßigkeiten müssen ausgeglichen werden. vor vor mechanischer beanspruchung, z. b. beim aufbringen
aufbringung der dampfdiffusionssperren müssen beton- von schutz- und nutzschichten.
flächen grundiert und stahlflächen korrosionsgeschützt
werden (önorm b2260-2, s. 5). (abb. 43) gleitlagen
ermöglichen voneinander unabhängige bewegungen einzel-
dampfbremsen, -sperren und luftdichtigkeitsschichten ner schichten (der flachbedachung).
sind von wesentlicher bedeutung man bedenke den einfluß von ausgleichs-, schutz-, trenn-
· zur vermeidung von erhöhten lüftungswärmeverlusten und gleitlagen auf das diffusionsverhalten.15 eine möglich-
und zug- lufterscheinungen keit zur anbringung einer feuchtigkeitssperre ist ein zwei-
· zum erreichen der geforderten luftdichtigkeit und lagiger aufbau bei 10 - 15 cm überlappung mit spezieller
· zur vermeidung von feuchtigkeitsausscheidungen infol- randlösung. die zweite möglichkeit erfordert bei mehreren
ge dampfdiffusion und luftströmung. (abb. 44) schichten übereinander - ebenfalls mind. 10 cm überlap-
.
zur provisorischen abdichtung im bauzustand durch bil- pung notwendig - eine versetzte mittige anordnung.
dung einer “wasserdichten wanne”. (abb. 44)
im allgemeinen übernimmt eine einzelne schicht sowohl verklebungsarten
die funktion einer dampfbremse/-sperre als auch einer die verklebung von bitumenbahnen untereinander und auf
luftdichtigkeitsschicht.15 dem unbedingt glatten und staubfreien untergrund kann
auf drei verschiedene arten erfolgen.
ausgleichslage, trennlage, schutzlage, gleitlage
...

(abb. 45) .
bürstenstrichmethode
ausgleichslagen heißes bitumen wird mit einer bürste oder einem besen
gleichen rauhe oder unebene stellen und überzähne der auf die unterlagsfläche aufgetragen und die pappe darauf
unterkonstruktion aus. verklebt. die gefahr bei dieser methode ist, daß das bitu-
men zu rasch abkühlt und die aufgebrachten bahnen nicht
trennlagen mehr vollflächig verklebt werden.
dienen als zwischenlage zur dauernden trennung von angewendet für alle abdichtungen im kellerbereich, v.a.
15 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der fachvereine,
zürich et al., 1993

15 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der fachver-
eine, zürich et al., 1993

327
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

vertikale flächen. bitumen nicht zu wenig (schlechte verklebung) oder zu


viel (verbrennen der bahn, ablösung von zuviel bitumen
.
gieß- und einrollmethode und beinträchtigung der dichtungswirkung) erhitzt werden
die rollen der dichtungsbahn werden mit einem festen darf.
kern versehen. vor der aufgerollten dichtungsbahn wird
flüssiges bitumen auf die unterlage ausgegossen (mind. abdichtungsarten
1,5 kg/m2) und die bahn langsam in die flüssige bitumen- nach der beanspruchung durch das wasser werden drei
masse eingepreßt, bis das bitumen auf beiden seiten her- arten von abdichtungen unterschieden:
vorquillt. sichere methode für alle horizontalen flächen. .
abdichtung gegen bodenfeuchtigkeit
saugwasser, haftwasser und kapillarwasser in nicht bün-
.
flämmethode digen böden, welches auch bei starken regenfällen nicht
das erforderliche bitumen ist auf der bitumenpappe be- aufstauen kann.
reits aufgebracht. durch das erhitzen wird das bitumen .
abdichtungen gegen nicht drückendes wasser
verflüssigt und mit dem untergrund verklebt. diese metho- niederschlags-, sicker- oder brauchwasser, das auf die
de ist für alle vertikalen flächen und für kleinere arbeiten abdichtung keinen oder nur vorübergehend einen einen
geeignet. gewissenhaftes arbeiten ist notwendig, da das geringen hydrostatischen druck ausübt.

abb.47 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,1992, abb.48 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-
s.89 den,12. auflage, 1993, s. 41

7 8

47 48

328
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

49

abb.49 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba-


den,12.auflage, 1993, s.43

.
abdichtung gegen drückendes wasser dabei über die gesamte geometrie des kellerbodens bzw.
fundamentplattenbereichs.
.
drainagierung die isolierung ist auf ebenem, glattem und staubfreiem un-
wasser, die in hanglagen und durch undurchlässigen bö- tergrund durchlaufend in einer ebene aufzubringen. Sämt-
den gegen die abdichtung drücken, müssen durch eine liche hochzüge oder richtungswechsel in der isolierebene
drainagierung abgeleitet werden, z.b. mit der ringdraina- sind tunlichst zu vermeiden und wenn, dann möglichst au-
ge. nur dann ist die vertikale abdichtung voll funktions- ßerhalb des gebäudegrundrisses auszuführen.
tüchtig. (abb. 47 + 48) so wird zumeist in einem ersten arbeitsvorgang die isolie-
rung unter dem aufgehenden mauerwerk eingebaut, um
.
abheben vom bodenniveau (le corbusier) darauffolgend im inneren grundrißbereich die gesamte flä-
das abheben des gebäudes vom boden stellt seit jeher eine che abzudichten. dabei ist im besonderen auf die sorgfältige
geeignete strategie der feuchtigkeitsverhinderung dar. ne- ausführung der isolierung zu achten. diese kann unmittel-
benbei sei bemerkt, daß dadurch auch schädlinge (mäuse, bar durch aufbringen einer schutzbetonschichte vor mecha-
käfer) abgehalten werden. nischen beanspruchungen durch den bauablauf geschützt
werden. im äußeren grundrißbereich wird dann ausgehend
.
betonklassen größer b 300 wählen von dem überlappungsbereich der horizontalen isolierung
gründungen sind entscheidend für den bau. „grundlos kann die vertikale isolierung an der außenwandfläche hochge-
man nicht bauen.“ ebenso maßgebend ist eine adäquate zogen. diese bauweise erzielt einer rundumführende isolie-
ausbildung der fundamente mit den entsprechenden iso- rung, die gegen die feuchtigkeit des bodens, 15 cm (spritz-
lierschichten, die durch schutzbeton (minderwertiger beton) wasser) über das anschließende gelände geführt wird.
oder wärmedämmung auf der oberseite vor angriff und zer-
störung bewahrt werden sollen. durch die dichte der sperre im bereich der stöße der isolierbahnen sind überlappungen
der isolierung wird das fundament mit der zeit kaputt (nach von mindestens 10 cm anzuordnen. im anschlußbereich der
ca. 100 jahren), da die feuchtigkeit vom fundament aufge- horizontalen zur vertikalen isolierung kann durch einführen
nommen wird und dort schaden anrichtet. eines keiles ein 45 grad (anstatt 90 grad) mit einer gerin-
geren beanspruchung des knickbereiches der isolierbahnen
.
fundamentausbildung mit horizontaler und vertikaler erzielt werden.
isolierung
generell unterscheidet man zwischen horizontaler und ver- in dieser konstruktion wird davon ausgegangen, daß sämt-
tikaler isolierebene. die horizontale dichtungsebene geht liche über der isolierebene vorhandene aufbauten vor feuch-

329
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

tigkeit geschützt werden. die darunter befindlichen unterkon- folgend werden diese sogenannten unterböden zumeist aus
struktionen (u-beton, fundament, etc.) werden aber vollends beton hergestellt. dieser unterbeton (u-beton) dient dann als
durchfeuchtet und sind somit ungeschützte konstruktionen, unterkonstruktion der feuchtigkeitsisolierung und war schon
die der erdfeuchtigkeit, der chemischen belastung des heut- den römern bekannt. (abb. 50 + 51)
zutage oft übersäuerten bodens völlig ausgeliefert.
.
grundwasserwannen
.
horizontale (flächen)abdichtung unter fußböden da grundwasserwannen schwierig zu gestalten sind, bemüht
nicht saugfähige materialien in bereichen mit erdberührung man sich schon bei der planung, den grundriß der wanne
erfordern den einbau sperrender schichten, um das durch- einfach zu gestalten und knicke im abdichtungsgrund zu
dringen von feuchtigkeit hintanzuhalten. dies erfolgte auf ver- vermeiden. um eine einwandfreie und dauerhafte abdich-
schiedene art und weise mit unterschiedlichen technischen tung zu gewährleisten muß sorgfältig gearbeitet werden;
entwicklungen. so stellt - geschichtlich betrachtet - das ein- denn eine nachträgliche behebung von schäden ist manch-
führen von bindigem boden und das verdichten desselben mal überhaupt nicht, oder nur unter hohen baukosten mög-
eine möglichkeit dar. eine weitere war die herstellung einer lich. die abdichtungsarbeiten sollten deshalb von fachfirmen
lage hart gebrannter ziegel, die horizontal am boden ver- ausgeführt werden.
mauert wurden (vgl. keramikbeläge). heutigen ansprüchen die abdichtung kann nur senkrecht zu ihrer ebene gerichtete

abb.50+51 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/


wiesbaden,12. auflage, 1993, s.39 + 40

50 51

330
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

52 53

abb.52+53 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/


wiesbaden,12. auflage, 1993, s.43

kräfte aufnehmen. 16 zusammenhang ausgeführt werden. erfordert keinen ar-


die abdichtungsmaßnahmen sind bis mindestens 30 cm beitsraum außerhalb der bauwerksgrundfläche.
über den höchsten grundwasserstand zu führen. nachteile:
die abdichtung sollte möglichst von außen, von der seite des diese innenabdichtung gilt aber nur als notlösung. nach fer-
wirkenden wasserdruckes, angebracht werden. so kann das tigstellung ist ein ausbessern etwaiger schäden nicht mehr
druckwasser sie gegen den massiven baukörper pressen. möglich, da die abdichtungshaut an die schutzwand geklebt
ist und beim abreißen derselben zerstört wird.
..
außenabdichtung außerdem drückt das grundwasser durch den fußboden
bei der außenabdichtung wird die abdichtungshaut von au- bzw. kellerwände auf die dichtung und versucht sie von der
ßen auf das kellermauerwerk geklebt. (abb. 49) klebeunterlage abzuheben. die dichtung muß daher immer
vorteile: durch einen innentrog eingespannt werden. (abb. 53)
ausbesserungsarbeiten an der dichtungshaut können auch dieser innentrog besteht aus einer genügend schweren soh-
nacträglich erfolgen. die abdichtung ist von außen auf das le und den trogwänden aus mauerwerk, stampf- oder stahl-
kellermauerwerk aufgeklebt und somit kann die schutzwand beton. die sohle belastet die dichtungshaut gegen den von
ohne beschädigung der dichtung abgetragen werden. unten andrängendenwasserdruck. die trogwände spannen
außerdem bewirkt der wasserdruck durch das anpressen die seitliche abdichtungshaut ein.
eine vergrößerte haftung der abdichtungshaut auf den kel-
lerwänden bzw. dem klebeuntergrund. die abdichtung wird meist in mehreren lagen nackter, oder
nachteile: feinbe-sandeter dichtungsbahnen auf den festen untergrund
gefährdeter stoß zwischen sohlen- und wandabdichtung. es aufgeklebt. die mehrlagige bituminöse abdichtungshaut bie-
ist eine größere baugrube erforderlich, weil der stoß über tet gegenüber einlagigen dichtungen aus thermoplastischen
die gebäudeflucht hinausgreift. kunststofffolien den vorteil höherer sicherheit gegen aus-
..
innenabdichtung führungsungenauigkeiten, obgleich das bituminöse mate-
wird in fällen angewendet, in denen ein steigen des grund- rial selbst weniger widerstandsfähig gegen mechanische
wasserstandes eine nachträgliche abdichtung des keller- einwirkungen ist. die längsstöße mehrlagiger abdichtungen
mauerwerks erforderlich macht. die abdichtung wird von müssen dabei um eine halbe bahnbreite versetzt werden,
innen auf eine schutzwand (die man als erste errichtet) auf ebenso sind die querstöße versetzt anzuordnen. generell
das kellermauerwerk aufgeklebt. (abb. 52) sind auch bei mehrlagigen dichtungen die stöße der bahnen
vorteile: mit 10 cm überdeckung zu verlegen.
dichtungshaut kann in engen bagruben in geschlossenem
16 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden,12. auflage, 1993, s.43

16 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesba-


den, 12. auflage, 1993, s.43

331
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

sämtliche durchbrechungen der abdichtungen (rohrdurch- spricht von schwindfugen, - rissen, dehnungsfugen, -rissen,
führungen, leitungen, etc.) sind mit tellerankern und flan- setzungsfugen, -rissen, auflagerfugen, betonierfugen und
schabdichtungen sorgfältig auszuführen. mörtelfugen.
vorgemauerte schutzwände sind in glatter oberfläche auszu- bei durchdringungen entstehen ebenfalls potentielle
führen (verspachteln) und müssen dünn und elastisch sein schwachstellen, ebenso bei hohlräumen oder rohr- und lei-
(1/2-stein stark), um den erd-, und wasserdruck gleichmäßig tungsdurchführungen.
auf die abdichtungshaut übertragen zu können.
werden grundwasserwannen durch einen statischen ver-
an stellen wo schicht an schicht stößt, kommt es zur fu- bund im kellerdeckenbereich (kastenartig) geschlossen,
genausbildung (boden an boden, boden an wand, wand an sprechen wir auch von kastenfundamenten. diese können
wand und wand an decke). durch ihr formaktives verhalten noch höheren erd-, bzw.
durch unterbrochene arbeitsabläufe entstehen arbeitsfugen. wasserdrücken standhalten.
durch arbeiten des materials und baugrundes - schwinden,
verbunden mit volumsabnahme und quellen einherge- d. wärmeschutz
hend mit volumszunahme - bilden sich ebenfalls fugen und unter “wärmeschutz im hochbau” versteht man alle maß-
risse aus, die entsprechend versorgt werden müssen. man nahmen zur verringerung des wärmeflusses zwischen dem

abb.54-58 schöck isokorb, schöck bauteil gesmbh., infomappe, 1993, s. 16+18+77

54 55

56 57 58

332
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

59

abb.59 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der fach-
vereine zürich et al., 1993, s. 31

raum- und dem ausßenklima einerseits und zwischen räu- polystyrol-hartschaum als dämmstoff, bewehrung in die-
men unterschiedlicher temperaturen andererseits. sem bereich mit edelstahl
der wärmeschutz spielt bei den jahreszeitlichen witterungs- · verankerung
wechseln und dem menschlichen wohlbefinden eine große durch angeschweißten betonstahl mit gleichem tempera-
rolle. die negativen einflüsse sowohl zu starkem wärmeent- turausdehnungs-koeffizienten (wie beton).20
zuges (niedrige temperaturen mindern das wohlbefinden
und führen zu krankheiten) als auch zu starker wärmezu- wärmedämmung
fuhr (hohe temperaturen führen zu leistungsabfall und ge- aus der önorm b2260-2 beschrieben als „dämmarbeiten
fährden ebenso die gesundheit) vom menschen selbst, von an und in bauten und bauteilen (werkvertragsnorm)“ kann
einrichtungen und lagergütern, sowohl auch in gewissem man u. a. folgende definitionen entnehmen: (abb. 60 +
maße auch von der baukonstruktion müssen ferngehalten 61)
werden. · dämmung
zu große temperaturschwankungen führen bei vielen bau- ist die zusammenfassende bezeichnung für unterkon-
teilen zu erheblichen zusätzlichen materialspannungen struktion, dämmstoff, zwischenlage und bekleidung.
und formveränderungen, die in weiterer folge zur ursa- · dämmstoff
che von schäden an innen- und außenbauteilen werden ein bestandteil der dämmung, der in der regel zur wärme-
könnte (kondenswasserbildung).17 dämmung und/oder schalldämmung und/oder branddäm-
mung verwendet wird.
durch den einbau eines schöck isokorb-dämmelement · zwischenlage
wird der temperaturunterschied zwischen decken- und dies ist der schutz des dämmstoffes gegen mechanische,
wandoberfläche minimiert.18 bei angenommener außen- chemische und physikalische beanspruchung.
temperatur von minus 15°c und raumtemperaturen von
plus 20°c können mit dem schöck isokorb oberflächen- · bekleidung, mantel
temperaturen von mehr als 17°c erreicht werden.19 es ist ein teil der dämmung, welcher die dämmstoffe ge-
lösungen dieser art gibt es für außeneckelemente, türen, gen mechanische beschädigungen und andere äußere
durchlaufende decken, deckenkonsolen und gesimse, einflüsse schützt.
fensterbrüstungen und attiken, wandkonsolen, wand-
scheiben, etc. (abb.54 - 58) eine dämmung bewirkt eine verzögerung - sie kann aber
nichts vollkommen abhalten (wichtig ist es, die nacht zu
· verwendete materialien
17
wiesbaden, 12.auflage, 1993
schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/
überbrücken, denn am nächsten tag erscheint hoffentlich
18 schöck isokorb, schöck bauteil gesmbh, infomappe, 1993

19 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich etal., 1993 20 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden, 12.auflage, 1993

17 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/ 19 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich
wiesbaden,12.auflage, 1993 etal., 1993
18 schöck isokorb, schöck bauteil gesmbh, infomappe, 1993 20 schmitt u. heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/
wiesbaden,12.auflage, 1993
333
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

wieder die sonne). · abfälle oder recyclingstoffe


es ist ein poröser stoff mit einer niedrigen rohdichte. zellulosefasern, hobelspäne etc.
dämmung ist bedingt durch luftkissen - die poren sind so · mineralische rohstoffe
geringfügig in der größenordnung, daß kein austausch, steinwolle, glaswolle
keine zirkulation stattfinden kann. (im gegensatz dazu · kunststoffherstellung
sind baustoffe mit dichtem gefüge gute wärmeleiter.) polystyrol, pur-hartschaum, etc.
dämmung dient als abschirmung (kälte, schall). mit ge- · blähton, blähbims, blähglimmer
zielter wärmedämmung möchte man geringe transmissi-
ons- und lüftungswärmeverluste erzielen, da wärmeener- die konstante temperatur der innenräume wird im winter
gie das bestreben hat, sich möglichst rasch nach allen durch die verzögerung des wärmeabflusses nach außen und
seiten hin auszubreiten. (abb. 59) durch den ersatz der abgeflossenen wärme durch eine hei-
zung oder durch sonneneinstrahlung (nach innen) erreicht.
materialien mit dämmender wirkung sind: im sommer dagegen verhindert eine entsprechende wärme-
· biogene rohstoffe dämmung ein übermäßiges erhitzen bei geringer speicher-
holz, kork, kokosfaser, baumwolle, flachs, schafwolle, masse eines dach- oder wandaufbaues (barackenklima).
etc.

abb.60+61 önorm b2260-2, s. 12

60

61

334
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

62 63

abb.62+63 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine,
zürich et al., zürich, 1993, s.43

in der praxis ergibt sich häufig die frage, ob man bei raumluft und außenluft).
mehrschichtigen konstruktionen die wärmedämmung au-
ßen oder raumseits anbringen soll. bauphysikalisch sind der wärmedurchgangskoeffizient, k-wert (u-value) ist ein
außendämmungen mit hinterlüfteten fassadenverklei- maß für die wärmeverluste mit der einheit w/m²k. sie gibt
dungen gegen schlagregen am günstigsten, denn dadurch an, welche wärmemenge in w im beharrungszustand
kommen die wärmespeichernden eigenschaften der sta- stündlich durch 1 cm² des bauteils übertragen wird, wenn
tisch wirkenden baustoffe voll zur geltung. die raumfeuch- zwischen der beiderseits angrenzenden luft ein unter-
tigkeit kann von innen nach außen durchdiffundieren und schied von 1°c besteht.22
nach außen abtrocknen. die fassadenverkleidung schützt die wärmedämmung eines bauteils ist umso besser, je
vor den außenniederschlägen. feuchtigkeitssperrende au- kleiner der k-wert ist. im bezug auf den energieverbrauch
ßenputze und außenverkleidungen soll man vermeiden, ist es gut, wenn sein betrag unter 1 liegt, bereits 1 an sich
denn sie führen zur versottung der mauern und decken.21 ist weniger wünschenswert.
wiens bauordnung vom 1. oktober 1993 schreibt für ge-
wärmedämmungen werden im keller-, wand- und dachbe- bäude allgemein (ausgenommen klein-, reihen- und som-
reich vor durchfeuchtung (auch vor tauwasserausbildung) merhäuser) folgende wärmedurchgangskoeffizienten (k-
und damit einhergehendem dämmverlust durch sperr- werte) vor:
schichten geschützt, falls sie nicht selbst dampf- und was- · für außenwände 0,5 w/m2k (sowohl für eine nicht erdbe-
serunempfindlich -sprich geschlossenporig - ausgebildet rührte als auch für eine erdberührte wand),
sind (teuer) (z. b. extrudierte polystyrolhartschaumplatten · für fenster 1,9 w/m2k
beim umkehrdach). · für türen 1,7 w/m2k
bei dauerbeheizten keller-wohnräumen darf die außen- · für innenwände als trennwände 0,9 w/m2k
liegende wärmedämmung entfallen, wenn die kellerau- · für decken 0,4 w/m2k für decken gegen kellerräume,
ßenwände aus „wärmedämmendem“ mauerwerk errichtet geschäftsräume, lagerräume, garagen sowie erdberührte
werden. fußböden in wohnungen, aufenthaltsräumen, badezim-
mern und aborten.
in diesem zusammenhang wichtige größen: ansonsten gilt für decken der k-wert von 0,2 w/m2k (mit
wärmedurchgangskoeffizient bzw. k-wert ausnahmen).
der wärmedurchgang kennzeichnet die wärmeübertra-
gung eines bauteils unter berücksichtigung der wärme- wärmebrücken (fälschlicherweise oft als kältebrücken
durchlässigkeit und der wärmeübergänge (z.b. zwischen bezeichnet)
22 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/
21 koll franz, baustoffe und ihre verarbeitung, leopold stocker verlag, graz 1983 wiesbaden, 12.auflage, 1993

21 koll franz, baustoffe und ihre verarbeitung, leopold stocker verlag, graz 1983 22 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag, braunschweig/
wiesbaden,12.auflage, 1993

335
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

in regelquerschnitten eines ebenen bauteils laufen die oberflächen-temperatur (tauwasserbildung).


wärmestromlinien senkrecht und die isothermen (linien · sie verursachen unschöne und mauerzerstörende ruß-
gleicher temperatur) parallel zu den bauteilbegrenzungen pilzbedingungen.
(abb. 62). · sie können durch kältere oberflächen kondensat- bzw.
wärmebrücken sind stellen in bauteilen, an denen die schimmelpilzbildung auslösen.24
wärmestromlinien nicht senkrecht zu den begrenzungs-
flächen, sondern infolge komplizierter geometrie, unter- häufig vorkommende problemstellen sind:
schiedlicher wärmeleitfähigkeiten der baustoffe oder we- · gut wärmeleitende bauteile, welche die wärmedämm-
gen luftundichtigkeiten (leckstellen) gekrümmt verlaufen. schicht durchdringen (z. b. stahlbetonkragplatten)
sie sind schwachstellen des gebäudes und entstehen auf- · auskragende rippen (z. b. attikamauern)
grund vermeidbarer oder unvermeidbarer konstruktiver · wechsel der wärmedämmebene im bereich von tragenden
oder geometrischer voraussetzungen.23 wänden (z. b. sockel-ausbildung)
· durchdringung oder beeinträchtigung der wärmedämm-
· wärmebrücken verändern lokal den wärmedurchgang schicht mit befestigungsmitteln (z. b. fassadenanker)
gegenüber den angrenzenden regelquerschnitten. · reduktion der wärmedämmschichtdicke im bereich von
· sie vermindern in den meisten fällen örtlich die innere bauteilübergängen (z. b. fensteranschläge)
23 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich
etal., 1993 24 brockhaus, naturwissenschaften und technik, hamburg, 1983, 5.bd.

abb.64+66 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine,
zürich et al., zürich, 1993, s.43

64

65

66 10

23 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich
etal., 1993
ad 24: brockhaus, naturwissenschaften und technik, hamburg, 1983, 5.bd.
336
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

67 68 69

abb.67-69 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
fachvereine zürich et al., 1993, s.87

aussenwand, fenster, dach, etc.) muss vielen anforde-


konkrete beispiele: rungen gerecht werden (v.a. wärme-, feuchte-, schall-
.
gebäudeecke (geometrische wärmebrücke) schutz).
bei einer gebäudeecke stellt die vergrößerte außenober- die einzelnen schichten der bauteile müssen bei den über-
fläche den grund für die absenkung der inneren ecktem- gängen bzw. details so zusammengeführt werden, dass
peratur dar. dies führt zu einem erhöhten wärmeabfluß. die jeweiligen bauteilanforderungen auch beim übergang
(abb. 63) nicht in frage gestellt sind, und sich so eine kontinuierliche
gesamtleistung der baukonstruktion (z.b. wärmeschutz,
.
sandwichelement mit stahlanker (konstruktive wärme- luftdichtigkeit, schall- und feuchtigkeitsschutz,...)
brücke) ergibt.
bei einem sandwichelement mit stahlanker (abb. 64) ver-
fälschen die stahlbolzen die wärmestromlinien nicht nur in beispiele verschiedener konstruktionsdetails
horizontaler, sondern auch in vertikaler richtung. wärme- beschreibungen zu den abbildungen:26
brücken sind unerwünscht und sollten wenn möglich ver-
mieden werden. infolge der erhöhten wärmeverluste der außenwand im erdreich (abb. 72)
befestigungsanker trockneten die entsprechenden stellen e1 innenwärmedämmung mit verkleidung
einer nassen betonfassade schneller aus und heben sich e2 innenwärmedämmung mit vormauerung
als helle flecken deutlich von der nassen oberfläche ab. e3 zweischalenmauerwerk
(abb. 65) e4 außen- bzw. perimeterdämmung
e5 stahlbeton ohne wärmedämmschicht
.
konvektive wärmebrücken
entstehen durch unkontrollierte konvektion wie bei le- außenwand über terrain (abb. 68)
ckagen in der konstruktion, fugenundichtigkeiten etc. be- a1 außenwärmedämmung verputzt (kompaktfassa-
rechnungen sind aufgrund komplizierter strömungsver- de)
hältnisse nicht möglich, jedoch durch infrarotaufnahmen a2 außenwärmedämmung mit hinterlüfteten beklei-
qualitativ sichtbar zu machen.25 (abb. 66) dung
a3 zweischalensichtmauerwerk
a4 zweischalenmauerwerk verputzt
bauteilübergänge a5 innenwärmedämmung mit vormauerung
die konstruktive durchbildung der gebäudehülle (sockel, a6 innenwärmedämmung mit verkleidung
25 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich etal., 26 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
1993 fachvereinezürich et al., 1993

25 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürich 26 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
etal.,1993 fachvereinezürich et al., 1993

337
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

a7 homogenes mauerwerk (z. b. backsteinverband-


mauerwerk, gasbetonmauerwerk o. ä.) steildach (abb. 69)
a8 leichtbaukonstruktion in holzbauweise (z. b. holz- s1 kaltdach mit wärmedämmschicht zwischen der trag-
ständerkonstruktion) kon-struktion
a9 leichtbaukonstruktion in stahlbauweise s2 kaltdach mit wärmedämmschicht zwischen und un-
ter der tragkonstruktion
decken- bzw. bodenkonstruktion (abb. 71) s3 warmdach mit sichtbarer tragkonstruktion
b1 stahlbetondecke mit oben (bodenüberkonstruktion) s4 warmdach mit verkleideter tragkonstruktion
aufgebrachter wärmedämmschicht s5 warmdach mit blecheindeckung (z. b. doppelfalz-
b2 stahlbetondecke mit oben (bodenüberkonstruktion) blechdach)
und unten (deckenuntersicht) aufgebrachter wärmedämm- s6 warmdach über stahlbau-unterkonstruktion
schicht s7 warmdach über stahlbeton-unterkonstruktion
b3 stahlbetondecke mit oben (bodenüberkonstruktion)
aufgebrachter wärme- und trittschalldämmschicht flachdach (abb. 74)
b4 holzbalkendecke mit wärmedämmschicht zwischen f1 warmdach mit begehbarer nutzschicht (stellvertre-
den holzbalken tend für warmdächer mit/ohne schutz- und nutz-

abb.70-74 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
fachvereine zürich et al., 1993

70

73

71

72 74

338
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

75-79 80

abb.75-80 schöck tronsole, schöck bauteil gesmbh, infomappe, 1993, s. 16

schicht sowie verbunddächer) .


luftschall
f2 duodach ist der in der luft sich ausbreitende schall.
f3 umkehrdach .
körperschall
f4 kaltdach mit wärmedämmschicht zwischen der trag- ist der in festen stoffen sich ausbreitende schall
kon-struktion .
trittschall
ist eine form des körperschalles, der beim begehen z.b.
e. schallschutz einer decke entsteht und durch die weitergabe im bauteil
schall besteht aus mechanischen schwingungen und wel- in den darunterliegenden räumen zu hören ist.
len eines elastischen mediums, die vom menschen im fre-
quenzbereich von ca. 16 hz bis 16000 hz wahrgenommen trittschallschutz
werden. schallausbreitung geht als wellenbewegung vor sich wiens bauordnung vom 1. oktober 1993 schreibt ein tritt-
(ein angeregtes teilchen beginnt um seine ursprüngliche schallschutzmaß von 10 db für decken über und unter
lage zu schwingen und stößt in folge an die benachbarten wohnungen vor.
teilchen, die nun ihrereseits in gleicher weise zu schwingen da der normtrittschallpegel von den deckenkonstruktionen
beginnen). schall ist demnach nicht die fortbewegung der häufig nicht erreicht wird, sind zusätzliche trittschalldäm-
teilchen, sondern lediglich weitergabe einer rhythmischen mende maßnahmen in der fußbodenkonstruktion oder in
bewegung. einer abgehängten decke zu treffen.
schalldruck ist der wechseldruck, der durch die schallwel- eine verbesserung der trittschalldämmung wird durch
le in gasen oder flüssigkeieten erzeugt wird, und der sich weichfedernde bodenbeläge (wie teppiche), holzböden
mit dem statistischen druck (z.b.dem atmosphärischen auf federnden dämmunterlagen oder auf lagerhölzern er-
duck der luft) überlagert.27 zielt. die weichen, federndne schichten im bodenaufbau,
der schallpegel ist streng genommen eine dimensions- verhindern ein weiterleiten der schallwelle, da sie sich nur
lose größe. die einheit dezibel (db) - zur erzielung einer in festen stoffen ausbreitet.
fließenden sprechweise - wird einfach angefügt. die loga- weitere maßnahmen für den trittschallschutz sind schwim-
rithmische definition reduziert den riesigen bereich der mende estriche, die entkoppelung von böden und decken
hörbaren intensität von etwa 13 zehnerpotenzen auf eine und der einsatz von produkten wie cat-step.
skala mit 130 db-stufen.28 (abb. 81 + 82) diese konstruktiven maßnahmen sind aber nur dann wirk-
sam, wenn keine unterbrechungen der trenndämmschich-
im bauwesen unterscheidet man zwischen luftschall, kör- ten (schallbrücken) auftreten.
perschall und trittschall:
27 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürichet al.,

28 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürichet al., gesmbh, infomappe, 1993
1993

27 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba- 28 moor hans, physikalische grundlagen, bau und energie, verlag der fachvereine zürichet
den,12.auflage, 1993 al., 1993

339
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

in der önorm b8115, teil 2 wird als mindestforderung für 83)


treppen und treppenpodeste ein trittschallschutzmaß tsm · unterboden (auch unterkonstruktion) und
von 13 db empfohlen. für einen erhöhten schallschutz wird · verschleißschicht (auch belag).
ein tsm von mindestens 18 db vorgeschrieben. fußböden dienen der verbesserung technischer eigen-
der schallschutz in wohngebäuden ist ein wichtiger faktor schaften der tragkonstruktion (decke) wie trittschall-, wär-
für die gesundheit und das wohlbefinden des menschen. medämmung, brandschutz, verschleißfestigkeit, feuchtig-
oft wird vor allem zu hohe schallübertragung aus dem keitsschutz, pflegeleichtigkeit, geringe statische aufladung,
treppenhaus in benachbarte räume als besonders störend fußwärme, etc. diese verbesserungsmaßnahmen werden
empfunden. beispiel für eine maßnahme ist der einbau teilweise von der fußbodenkonstruktion und teilweise vom
von tronsolen.29 (abb. 75 - 80) fußbodenbelag übernommen.
über diesen technischen fragen ist nicht zu vergessen,
15.3.3 beispiel eines mehrschaligen systems: daß die fußböden jeden raum in seiner architektonischen
fußböden wirkung ganz wesentlich beeinflussen und daß die reihen-
werden auf der tragenden deckenkonstruktion bzw. im folge der fußböden beim betreten eines bauwerkes nicht
untersten geschoß auf dem unterlagsbeton aufgebracht. belanglos ist. ein fußboden kann durch seine gliederung
man unterscheidet dabei zwischen zwei schichten (abb. einem raum den maßstab geben oder durch sein material
29 schöck tronsole, schöck bauteil, gesmbh, infomappe, 1993

abb.81+82 schmitt und heene, hochbau konstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/


wiesbaden, 12.auflage, 1993, s. 122 + 125

7 8

81 82

29 schöck tronsole, schöck bauteil gesmbh, infomappe, 1993

340
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

83 84

abb.83 schmitt u. heene, hochbaukonstruktion, friedr. vieweg verlag,braunschweig/wiesba- abb.84 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz
den, 12. auflage, 1993 verlagsbuchhandlung, 1992, s.239

und durch seine farbe den charakter eines raumes be- geringe wärmeableitung, ohne fußkälteempfinden für den
stimmen. ein fußboden wirkt außerdem auch akustisch, benutzer (wohn- und aufenthaltsräume)
denn durch den bodenbelag (verschleißschicht) kann der · trittschallverhalten
nachhall und die klangfarbe eines raumes ganz entschei- dämpfend, klangweich, resonanzfrei (wohnbereich)
dend variieren. · elektrische leitfähigkeit
nicht leitend, isolierbar, stromunfallsicher (büro-, edv-räume,
anforderungen an die unterkonstruktion: laborbereich)
- wärmedämmung · pflege
rohdecken weisen zumeist keine guten dämmeigenschaften möglichst pflegeleicht ohne viel zeitaufwand bei geringen
auf und deshalb muß diese aufgabe von der fußbodenunter- kosten (allgemein)
konstruktion übernommen werden. · anschaffungskosten
anforderungen an verschleißschichten: preisgünstig, in wirtschaftichen grenzen (allgemein)
· aussehen · verlegedauer
farbe, material, struktur, design, entsprechend dem raum- kurzfristig bei geringer wartezeit bis zur ingebrauchnahme
zweck (ökonomie)
· verschleißbeständigkeit
abriebfest, staubfrei, strapazfähig, hart, formbeständig (all- a. unterböden
gemein) estriche
...

· wasserbeständigkeit mit dem estrich wird es möglich, eine ebene, dichte, mehr-
wasserfest und dicht, fäulnisfrei (sanitär- und laborbereich) schalige fußbodenkonstruktion auszuführen. heute werden
· begehbarkeit die meisten fußbodenbeläge auf einem estrich als unterbo-
tritt- und rutschsicher, trittelastisch (flure) den aufgebracht, da er vorteile wie die entkopplung bei der
· farbbeständigkeit trittschalldämmung und eine höhere masse und somit bes-
lichtecht (ästhetischer anspruch) sere luftschalldämmung garantiert.
· chemikalienbeständigkeit
unempfindlich gegen säuren, laugen, alkohol, fette (labor- estriche sind laut önorm b2232 fugenlose unterbodenkon-
und krankenhausbereich) struktionen, deren oberfläche entweder unmittelbar begeh-
· hygienische anforderungen bar ist oder als unterlage für verschiedene beläge dient.
geschlossene oberfläche, leichte reinigung (allgemein)
· fußwärme nach der unterlage und der verbindung des estrichs mit der-

341
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

selben werden drei arten von estrichen (abb. 84) unterschie- ren baulichen hindernissen oder finanziellen problemen, zur
den: verbesserung der trittschall- und wärmedämmung entspre-
· schwimmender estrich, chende kork- oder teppichböden direkt auf eine tragkon-
· verbundestrich und struktion oder verbundestrich aufzubringen.
· trockenestrich.
der wandverputz muß vor beginn der estricharbeiten fertig-
bei schwimmenden- und verbundestrichen unterscheiden gestellt sein und bis mind. 2 cm unter die estrichoberkante
wir auch noch nach dem materialaufbau zwischen: reichen. heutzutage werden auch estriche verwendet, wel-
zement-, gips-, magnesium-, lehm-, anhydrit- asphaltestri- che durch beigabe von kunstharzen eine gewisse elastizität
chen. erhalten, also nicht mehr so leicht brechen und selbst schon
ein höheres schalldämmaß aufweisen. darum können sol-
estriche müssen glatt und ebenflächig sein und durchge- che kunstharz-zement-estriche nur mehr in dicken von etwa
hend die gleiche stärke aufweisen. gefälleausbildungen 3 cm auf einer harten dämmatte mit einer dicke von 0,5 cm
dürfen nicht im estrich, sondern müssen im unterlagsbeton aufgebracht werden, ohne risse zu bekommen oder das
oder durch einen gefällebeton hergestellt werden. schalldämmaß zu beeinflussen.
ebenso legitim ist es, bei zu geringer raumhöhe oder ande-

abb.85 schmitt u. heene, hochbaukonstruktion: die bauteile und das gefüge, grundlagendes abb.86+87 schwachstellen - schäden, ursachen, konstruktions- undausführungsempfehlun
heutigen bauens, friedr. vieweg verlag, braunschweig/wiesbaden, 12. auflage, 1993 gen,band 4, innenwände, decken und fußböden, schild, oswald,rogier, schweikert, schnap-
pauff, bauverlag, wiesbaden und berlin, 1980, 2.auflage, s. 100+ 101

85

86 87

342
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

88

abb.88 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz


verlagsbuchhandlung, 1992, s.245

.
schwimmende estriche durch oberflächenrütteln verdichtet und mit der langen latte
sind estriche, der frei beweglich auf trennschichten, be- abgezogen. frühestens drei tage nach der herstellung darf
schüttungen oder dämmschichten aufgebracht und von al- der estrich betreten werden. außerdem soll der estrich kei-
len anderen bauwerksteilen vollkommen getrennt werden. nen plötzlichen und zu großen temperaturschwankungen (7
(abb. 85) tage) ausgesetzt sein (nicht unter +5°c). er sollte möglichst
als trennschicht wird pae-folie oder bitumenpapier verwen- lange feucht gehalten werden, um rißbildungen und aufwöl-
det. winkeldämmstreifen verhindern das aufschwimmen bungen zu vermeiden. schwimmende estriche sind nur in
beim einbringen des estrichmaterials. geschlossenen räumen zulässig. (abb. 86 + 87)
wichtig bei der herstellung ist, daß der untergrund eben, tro- eine weiterentwicklung stellt der nivellierestrich dar. hier
cken, fest und homogen ist. bei unebenheiten, welche mehr wird in eine aus folienmaterial vorgeformte wanne das est-
als 1/3 der estrichdicke ausmachen, ist eine beschüttung richgut in dünnflüssigem zustand gepumpt. der estrich wird
(sand, blähbeton, splitt, etc.) oder einen ausgleichsbeton von selbst eben und waagrecht, kein glätten und abziehen
herzustellen, bei nicht homogenem untergrund ist der est- ist mehr erforderlich. (abb. 88)
rich zu bewehren.
schwimmende estriche dienen hauptsächlich der verbesse- .
verbundestriche
rung der körperschall- und trittschalldämmung von decken sind estriche, die kraftschlüssig (direkt) auf und mit dem un-
(2schaliger aufbau). terbeton (decke) verbunden sind.
da infolge des schwindens des estrichs spannungen entste-
schon die römer kannten eine zur heutigen methode der est- hen, muß der unterbeton eine erhöhte qualität aufweisen.
richverarbeitung sehr ähnliche konstruktionsmethode. zur estriche müssen gleichmäßig dicht und dick sein. sie sind
vermeidung von schallbrücken und unterschreitungen der vor rascher austrocknung zu schützen.
estrichdicke sind heizungs- und andere installationsrohre in verbundestriche werden hauptsächlich in industrie- und ge-
einer beschüttung unterhalb der dämmschicht zu verlegen. werbebetrieben eingesetzt und dienen zur erhöhung der
durch den estrich führende rohre, säulen sowie türstöcke verschleiß- und abriebfestigkeit der bodenkonstruktion. ver-
müssen mit dämmaterial umwickelt werden. bundestriche weisen keine wärmeschutz- oder trittschallver-
bessernden eigenschaften auf.
wenn leichte trennwände auf einen schwimmenden estrich
gestellt werden, muß dieser getrennt werden, um die schall- bituminöse estriche
übertragung zwischen den räumen zu verhindern. das est- sind einschichtige estriche aus einem gemisch von bitumen
richgut wird möglichst trocken (erdfeucht) aufgebracht, und zement als bindemittel, sand und splitt als füllstoff.

343
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

sie wurden ende des vorigen jh. - zunächst nur für straßen hauptvorteil, nämlich seinen günstigen preis, in den hinter-
- entwickelt, fanden dann aber auch als fußbodenkonstruk- grund treten. ein weiterer vorteil der bituminösen estriche
tionen verwendung. durch beigabe von zuschlagstoffen wie ist die sofortige benutzbarkeit nach dem auftrag bzw. dem
sand, kies oder splitt in abgestimmten verhältnissen und erhärten.
den mehrschaligen aufbau von bituminösen estrichen kön- .
trockenestrich
nen die unterschiedlichsten anforderungen bzw. beanspru- spanplatten werden auf einen rost von polsterhölzern oder
chungen ideal erfüllt werden. auf einen streublindboden aufgebracht. die polsterhölzer
in industrie- und gewerbeobjekten wird diese art von estri- (4/8 cm) werden parallel zu den wänden auf die trittschall-
chen gerne verwendet weil er keine eigene verschleißschicht dämmung im abstand von ca. 60 cm verlegt und punktweise
benötigt, elastisch, fugenlos (leicht zu reinigen), wasserab- mittels distanzklötzen in die waage gebracht. sie werden un-
weisend, rutschsicher und preiswert ist. ter den stößen der spanplatten durch polsterholzzuschnitte
in querrichtung ergänzt. darauf werden spanplatten mit nut
zu beachten ist jedoch, daß bituminöse estriche nicht von und feder verlegt. statt der querliegenden polsterholzzu-
haus aus hitzebeständig, säure-, benzin- oder ölfest sind. schnitte kann über die polsterhölzer ein streublindboden
diese eigenschaften sind nur mit speziellen zuschlag-stoffen verlegt werden. darauf werden spanplatten verschraubt. auf
und applikationsverfahren möglich. dieser nachteil läßt den die spanplatten kann nun ein beliebiger belag aufgebracht

abb.89+90 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden),4.auflage,


manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.249 + 250

89 90

344
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

91 92

abb.91 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz abb.92 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s.72
verlagsbuchhandlung, 1992, s.251

werden. diese art von estrich ist für naßräume nicht geeig- dem arbeiten des holzes mindestens 1 cm betragen. (abb.
net. eine weitere möglichkeit, einen trockenestrich auszu- 90)
führen, ist mittels gipskartonplatten, welche auf polystyrol- b. verschleißschichten
hartschaum-dämmplatten (styropor) aufgebracht und dann sind die sichtbaren obersten verschleißschichten der fußbo-
verspachtelt werden. (abb. 89) denkonstruktion. ihre eigenschaften richten sich besonders
nach den jeweiligen benutzerbedürfnissen.
am beginn der 80er jahre wurden dann sogenannte installa-
tionsböden (abb. 91) entwickelt, um im fußboden den groß- steinbeläge
...

teil aller haustechnischen installationen zu führen, ohne natursteinböden


aufwendige auslässe, schlitze, leerverrohrungen, etc. in natürliche steine werden als bodenbeläge für höhere bis
der decke berücksichtigen zu müssen. das system besteht hohe beanspruchung verwendet, wo kein wert auf fußwär-
aus einer tragplatte und höhenverstellbaren distanzfüßen. me gelegt wird. je nach verwendetem stein reicht auch heu-
es ist für jede rohdecke geeignet, da unebenheiten durch te noch die anwendung von den einfachsten böden für la-
einfache schraubendrehung von oben ausgeglichen wer- gerhallen bis zum anspruchsvollsten marmorboden. in sehr
den. die elastische lagerung der distanzfüße sorgt für einen warmen gegenden trägt ein natursteinboden zur kühlung
ausreichenden trittschallschutz. vorteilhaft bei trockenestri- eines raumes bei, in gemäßigten klimazonen wird der stein-
chen ist, daß keine baufeuchte entsteht (aufgrund ihrer her- fußboden als zu kalt empfunden. als unangenehm beim
stellung) und sich damit die bauzeit verkürzt, die systeme begehen wird die mangelnde federung des natursteines
leichter waagrecht verlegt werden können, sowie daß sie vermerkt. es stellen sich schnell ermüdungserscheinungen
teilweise leichter zu transportieren sind. ein, man wird „pflastermüde“. sie sind unbrennbar, pflege-
leicht, jedoch bergen sie die gefahr geringer trittsicherheit
blindboden
...
bei nässe (polierte platten). allen natursteinplatten gemein
der blindboden ist eine unterkonstruktion aus holz, welche sind jedoch die schlechten schall- und wärmedämmeigen-
als unterlage für einen gehbelag dient. sie besteht aus 22 schaften. natursteinplatten oder natursteinpflaster kommen
mm dicken ungehobelten weichholzbrettern, welche auf pol- für bodenbeläge in naturstein zur verwendung.
ster-hölzer genagelt werden. die polsterhölzer (4/8 cm, aus
fichten-, kiefern- oder tannenholz) werden im abstand von natursteinplatten
ca. 60 cm in eine beschüttung schwimmend oder auf dämm- diese werden hauptsächlich im gebäudeinneren verwendet,
stoffstreifen auf der rohdecke verlegt. weil ihre dünne dimensionierung zwar ressourcenschonend
der abstand von den fertig verputzten mauern muß wegen ist und das produkt preisgünstig macht, im freien jedoch

345
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

nicht dem wetter- und frostangriff sowie der zerstörung cm bei dicken von 1,3 bis 4,0 cm am markt angeboten. die
durch die umweltverschmutzung standhalten würde. die preise für ein und dasselbe material können aber trotzdem
bekanntesten steinsorten sind marmor, travertin, solnho- um bis zu 100 % variieren wenn eine bestimmte größe, ober-
fer (abb. 92), jurakalkschiefer, muschelkalk, basalt, granit, fläche und herkunftsorte gewünscht werden. die oberfläche
sandstein und schiefer. als marmor gilt jeder schleif- und des steins kann bruchrauh oder gesägt sein, man kann sie
polierbare kalkstein. alle kalksteine sowie schiefergesteine schleifen oder polieren.
gehören zur gruppe der sedimentgesteine, granit zur grup-
pe der rudimentgesteine und basalt zur gruppe der eruptiv- verlegt werden alle natursteinplatten auf einem festen unter-
gesteine. wobei hier angemerkt wird, daß die gruppe der grund, meist estrich, in einem ca. 3 cm starken mörtelbett mit
rudimentgesteine zu den härteren steinarten zu zählen sind einem fugenabstand von ca. 3 mm. nachdem das mörtelbett
und die sedimentgesteine zu den weniger harten steinarten. mit den steinplatten vollkommen abgebunden hat, müssen
daraus folgt, daß die abnützbarkeit je nach verwendeter die fugen mittels mörtel ausgeschlämmt werden. um verfär-
steinsorte und auch hier wiederum je nach herkunft unter- bungen bei allen kalksteinarten zu vermeiden ist bei diesen
schiedlich ist. steinsorten nur reiner kalkmörtel zum ausschlämmen zu
verwenden.
sie werden in verschiedenen größen von 15/15 cm bis 70/70 optische wirkungen verschiedenster art werden mittels ver-

abb.93+94 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s.74 abb. 95 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz
verlagsbuchhandlung, 1992, s.274 + 258

93

94 95

346
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

96 97 98

abb.96 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz abb.97+98 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 83 +84
verlagsbuchhandlung, 1992, s.259

schiedenen verlegearten wie römischem verband, scha-


renpflaster, quadratischem diagonalverband und quadra- die römer mit ihren kenntnissen über die eigenschaften und
tischem verband erzielt. (abb. 94 + 95) möglichkeiten von gewissen tonerden, kalk und deren ver-
bund mit kies und ziegelmehl entwickelten den ersten kunst-
natursteinpflaster stein, nämlich beton. bei betonsteinen unterscheidet man
die bedeutung des natursteinpflasters ist durch das vordrin- auch prinzipiell zwischen platten- und pflastersteinen.
gen der betonsteinarten zurückgegangen, weil das pflastern
viel handarbeit erfordert und somit lohn- und kostenintensiv was nachher kommt, weiß jeder, der die neugestalteten
ist. pflasterdecken haben jedoch den vorteil, daß sie unemp- marktplätze, hauptplätze, fußgeherzonen und sonstiges ver-
findlich sind, leicht eingebaut und wieder versetzt werden schönertes öffentliches gut im schlimmsten fall täglich bege-
können. hen und ertragen muß. die betonindustrie hat sich ausgetobt
durch unterschiedliche größen und verschiedenes steinma- und angehenden wie auch bereits ausgebildeten architekten
terial können plätze mit mustern belegt und so gegliedert eine vielzahl von verschiedenen typen, formen, farben und
werden. als pflastersteine eignen sich besonders natur- oberflächen zur verfügung gestellt. diese betonsteine wer-
steine wie granit, basalt, syenit, porphyr oder diabas, da sie den hauptsächlich für bauaufgaben im freien, wie terrassen,
sich besonders gut spalten lassen und aus der gruppe höfe, parkplätze, fußgängerzonen, marktplätze, verkehrsbe-
der rudimentgesteine stammen. die abmessungen der pfla- ruhigte zonen, etc. verwendet, weil er strapazierfähig, leicht
stersteine bewegen sich zwischen 16/16/25 cm und 4/4/4 zu verlegen, und durch die möglichkeit der farb- und formge-
cm. natursteinpflaster wird bei leichter beanspruchung nur bung nach wahl zur strukturierung von oben genannten bau-
auf eine kiesschüttung, bei schwerer beanspruchung auf aufgaben die teureren und aufwendiger zu verarbeitenden
mechanisch verdichteter schotterschüttung oder auf beton natursteinstöckel und -platten ersetzt. (abb. 97 + 98)
verlegt. (abb. 93) auf die kies- oder betonunterlage wird in
jedem fall eine ca. 5 cm dicke sandschüttung aufgebracht am anfang dieses jahrhunderts ermöglichte die technische
und die pflastersteine werden mit hilfe von wasser bis zur entwicklung einen kunststein, der sich bis in die 60er jah-
standfestigkeit eingeschlagen. re unseres jahrhunderts von keinem flur, stiegenhaus, bad
oder sonstigem naßraum genausowenig wegleugnen läßt
kunststeine wie von terrassen, garagen, büros und vielem mehr. gemeint
kunststeinplatten werden aus langsam bindendem zement ist der terrazzo. dieser wunderstein der technik besteht im
und reinem sand bzw. sichtkörnung geformt und unter ho- prinzip nur aus gemahlenen, zementgebundenen steinma-
hem druck gepreßt. (abb. 96) terialien, welche nach der verlegung geschliffen und poliert

347
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

werden. je nach art des verwendeten steinmaterials gab es wärme und schalldämpfung. unbedingt notwendig ist eine
somit verschiedene färbungen und strukturierungen. verlegt versiegelung dieses ma- terials, da durch den kunstharzan-
werden diese kunststeinplatten wie die natursteinplatten im teil die härte dieses produktes geringer ist, als bei naturstein
mörtelbett. sie müssen nach dem verlegen ebenfalls mit oder anderen kunststeinen.
mörtel ausgeschlämmt werden.
keramische beläge
anfang der 80er jahre dieses jahrhunderts brachte die fir- sie werden aus feinkeramischen bodenfliesen oder aus
ma du pont die ersten kunststeine, welche aus gemahlenen grobkeramischen bodenplatten (klinkerplatten und spaltklin-
natursteinen und kunstharzlösungen erzeugt wurden, auf kerplatten) hergestellt. alles keramische material wird bei
den markt. dieses material wird in stärken bis max. 1 cm hohen temperaturen gebrannt. je höher die brenntempera-
erzeugt und wird entweder direkt auf einen estrich oder auf turen, desto dichter ist das gefüge und desto größer auch
eine trägerplatte geklebt und dann wie ein tafelparkettboden die widerstandsfähigkert gegen chemische einwirkungen
zusammengesetzt. dieses material läßt sich mit hartmetall- und gegen physikalische einwirkungen, ausgenommen stoß
bestückten werkzeugen wie holz bearbeiten, fugen werden und schlag. keramische bodenbeläge sind pflegeleicht, un-
mittels hitze verschmolzen und dann poliert bis sie unsicht- brennbar, verschleißfest und außerdem in vielfältigen far-
bar sind. weitere vorteile sind eine gewisse elastizität, fuß- ben, oberflächen und formaten erhältlich. (abb. 99 - 101)

abb.99+100 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 76 +77

99 100

348
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

101 102

abb.101 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), abb.102 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s.75
4.auflage,manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.260

de bestehen aus ton oder ton mit zuschlägen, der bei ca.
feinkeramische bodenfliesen 1200 grad bis zur sinterung gebrannt wird. die allgemeinen
diese werden aus ton, quarz, feldspat und ähnlichen mine- eigenschaften sind ähnlich denjenigen der keramischen bo-
ralischen rohstoffen her-gestellt. sie werden unter hohem denplatten, jedoch eignen sich die klinker- und spaltplatten
druck in stahlformen gepreßt und bei temperaturen von ca. infolge ihrer größeren dicke auch für stärkeren gewerblichen
1200° bis zur sinterung gebrannt. keramische bodenfliesen verkehr. sie sind widerstandsfähiger gegenüber schlag und
sind für leichten und mittleren fußgängerverkehr sowie für stoß. der abrieb ist jedoch, da sie poröser sind, größer als
leichten gewerblichen verkehr geeignet. sie weisen eine au- bei den keramischen bodenfliesen. auch die wasseraufnah-
ßerordentlich hohe dichte auf und sind daher sehr hart und me ist höher. die oberfläche wird glatt oder profiliert zwecks
abriebfest, jedoch spröde und empfindlich gegenüber stoß- gleitschutz hergestellt.
und schlagbeanspruchungen. (abb. 99) klinkerplatten werden einzeln gepreßt, spaltplatten dagegen
als doppelplatten in einer strangpresse geformt. sie haben
wegen ihrer wasserdichte werden sie überwiegend für naß- deshalb auf der unterseite durchgehende stege und werden
räume und räume mit besonderen hygienischen anforde- nach dem brennen durch eine mechanische vorrichtung
rungen verwendet. die heute am häufigsten verwendete oder durch einen leichten hammerschlag in einzelplatten
verlegeart ist im dünnklebebett auf einem schwimmenden gespalten.
estrich, da mit dieser konstruktion der zur verklebung not-
wendige ebene untergrund geschaffen wird und durch die die verlegung erfolgt im ca. 2 cm starken mörtelbett mit fu-
mehrschaligkeit des estrichs auch auf den schallschutz be- gen in der breite von 5 bis 10 mm, welche nach abbinden
dacht genommen wird. außerdem ist die abbindezeit und des mörtelbettes mit fugenmasse oder zementmörtel aus-
somit der zeitpunkt der benützbarkeit viel früher erreicht. der geschlämmt werden.
fugenabstand kann je nach gestaltungsvariation zwischen grobkeramische bodenfliesen können auf die gleiche verle-
2 und 12 mm gewählt werden. bei schmäleren fugen ist es geart wie natursteinplatten im römischn verband, scharen-
möglich, daß die fugenmasse nicht vollständig bzw. komplett pflaster, quadratischen diagonalverband und quadratischen
in die fuge gedrückt werden kann, bei größeren fugen wird verband erzielt. diese verlegetechniken finden ebenso bei
beim trockenvorgang die fugenmasse wegen der großen feinkeramischen bodenfliesen anwendung.
oberfläche und der damit verbundenen spannung reißen.
klinkerpflaster
grobkeramische bodenfliesen sie wurden früher als belag in ländlichen bauten oder für
hierzu zählen die klinkerplatten und die spaltplatten. bei- flure, eingänge, fußwege und radwege verwendet, sind je-

349
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

doch heute nur mehr selten in verwendung. der belag ist geringe pflege wenn die oberfläche richtig versiegelt ist.
nicht sehr abriebfest, hat an- sonsten aber ähnliche eigen- holz ist ein naturprodukt mit all seinen vor- und nachteilen.
schaften wie die anderen keramischen materialien. (abb. die vorteile liegen in der leichten bearbeitbarkeit und in dem
102) schönen und lebendigen aussehen, der größte nachteil ist
das „arbeiten“ des holzes. es quillt und schwindet bei ver-
änderung der holzfeuchtigkeit.
holzbeläge
...
als faustregel sind folgende veränderungen der dimensi-
sie werden aus naturholz hergestellt, das maschinell zu onen zu berücksichtigen:
verlegefertigen teilelementen verarbeitet wird und nach ent- · in faserrichtung 1 %
sprechender oberflächenbehandlung seine natürliche struk- · radial 5 %
tur und farbtönung beibehält. das erklärt die bevorzugte ver- · tangential 10 %
wendung von holzbelägen speziell in wohnräumen, wo der
bodenbelag den gesamteindruck des raumes wesentlich be- schiffböden
stimmt. die arten von holzfußböden reichen vom einfachen bestehen aus gespundeten weichholzbrettern (an je einer
schiffboden bis zum kunstvollen tafelparkett. holzfußböden längs- und querkante ist eine nut bzw. eine feder angefräst),
gelten als fußwarm, elektrisch nicht leitend und erfordern welche direkt auf polsterhölzern verlegt werden. die polster-

abb.103-106 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden),4.auflage,


manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.252 + 253

104

103

105 106

350
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

107 108

abb.107+108 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 65+ 66

hölzer werden entweder in eine beschüttung eingebettet sein. (abb. 104)


oder werden mittels dämmstreifen auf die massivdecke ge-
legt, die gefache zwischen den polsterhölzern werden mit stabparkettböden
dämmplatten aufgefüllt, um die schall- und wärmedämmung vorwiegend werden sie aus gespundeten harthölzern im
zu erhöhen. (abb. 103) max. format von 7/45 cm erzeugt. stabparkett wird auf einen
blindboden verlegt, durch die nut genagelt oder auf die mas-
parkettböden sivdecke in eine asphaltschicht gelegt. durch die entwick-
haben sich über jahrhunderte bewährt und geben auch heu- lung leistungsfähiger kleber können heutzutage stabpar-
te noch einen anspruchsvollen und repräsentativen fußbo- kettböden auch auf schwimmende estriche geklebt werden.
den ab. parketthölzer müssen aus gesundem holz herge- beim stabparkettboden ist eine vielzahl von verlegearten
stellt und im gegensatz zu schiffböden nicht nur an der luft, möglich (fischgrät-, scharen-, diagonalverband, etc.). (abb.
sondern auch künstlich ge- trocknet und klimatisiert sein. 105 + 106)
der feuchtigkeitsgehalt der fertigen parkett-hölzer darf 7 %
nicht unter- und 12 % nicht überschreiten, da dieser feuch- tafelparkettböden
tigkeitsgehalt die beste standfestigkeit von parkettböden sie sind für anspruchsvolle räume am besten geeignet.
nach der verlegung gewährleistet. durch die verwendung von unterschiedlichen hölzern in ver-
die hölzer müssen in der länge und breite parallel, rechtwin- schiedenen abmessungen und formen lassen sich vielfäl-
kelig, an der oberfläche scharfkantig, gerade bearbeitet und tige muster und durch zwischengeschaltete friese sehr ein-
gehobelt sein. alle parkettböden werden nach dem verle- drucksvolle wirkungen erzielen.
gen abgezogen oder glatt geschliffen, die oberfläche wird die einzelnen parkettafeln sind verlegeeinheiten, die mas-
versiegelt oder gewachst. versiegeltes parkett bedarf keiner siv oder furniert angefertigt werden. bei furnieranfertigung
weiteren pflege mehr und wird durch kehren sowie feuchtes muß die stärke der furniere min. 6 mm betragen. ein vorteil
aufwischen gereinigt. gewachstes parkett muß mit verschie- der links und rechts furnierten tafeln (abgesperrten tafeln) ist
denen wachsprodukten gepflegt werden. (abb. 107 + 108) ihre standfestigkeit, das heißt sie „arbeiten“ nur mehr ganz
gering und relativ gleichmäßig. die quadra-tischen platten in
parkettriemenböden max. größe von 80/80 cm sind allseits genutet und werden
bestehen aus harthölzern, welche in maßen von max. 8/98 beim verlegen mit federn untereinander verbunden.
cm gespundet werden, werden parkettriemen auf polsterhöl- die verschleißschicht muß aus fehlerfreien harthölzern her-
zer mit wechseldem stoß verlegt. die verlegerichtung sollte gestellt sein, der darunter befindliche träger kann aus weich-
immer über die kurze raumseite bzw. diagonal zum raum holz oder plattenwerkstoff gefertigt sein. (abb. 109)

351
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

tafelparkettböden werden auf drei verschiedene arten ver- fertigparkettböden


legt: dies sind parkettriemen-, stabparkett- oder mosaikparkett-
.
nagelung auf blindboden (wie brettelboden) böden die miteinander maschinell so verbunden werden,
.
verklebung auf asphalt daß sie eine größere verlegeeinheit in riemenform ergeben.
.
schwimmende verlegung an ihren kanten sind sie mit nut und feder versehen. (abb.
111)
mosaikparkettböden die abmessungen betragen 100 - 140 mm in der breite, 450
kleine holzstäbe bis 25 mm breite, in längen bis 165 mm - 1200 mm in der länge und 18 - 24 mm in der dicke.
und in einer dicke von mindestens 8 mm werden zu qua-
dratischen würfeln zusammengesetzt, die würfel in tafeln ein weiterer vorteil neben der schnelleren verlegung ist ihre
gefaßt. die mosaikstäbe werden mittels deckpapier an der fertig versiegelte oberfläche. nur wenn eine komplett ge-
unter- und oberseite zu tafeln von 50/50 cm zusammenge- schlossene (versiegelte) oberfläche gewünscht wird, muß
halten. das deckpapier wird nach der verlegung entfernt. nach erfolgter verlegung ein zwischenschliff gemacht und
mittels spezialkleber wird das mosaikparkett mit dem estrich danach der boden noch einmal versiegelt werden, um die
verklebt. (abb. 110) fugen zwischen den einzelnen riemen zu schließen.

abb.109+111 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden),4.auflage, abb.110 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s.67
manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.254 + 255

110

109 111

352
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

112 113 114

abb.112-114 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 68 +69
+ 71

holzpflasterböden (holzstöckelböden) eingesetzt werden sollen. da bei dieser art der verlegung
es ist zwischen holzpflaster aus einzelnen klötzen und hirn- die extremsten quellmaße (radial und tangential) auftreten
holz- platten zu unterscheiden. holzpflaster besteht aus und sich beim „arbeiten“ des massivholzes enorme kräfte
scharfkantigen holzklötzen, die aus besäumten pfosten entwickeln, welche „hügellandschaften“ am fußboden oder
oder kanthölzern so geschnitten sind, daß nach der verle- beschädigungen vom angrenzenden mauerwerk hervorru-
gung die hirnflächen als lauffläche dient. verwendet werden fen können. (abb. 112 + 113)
hauptsächlich kiefern-, iärchen-, buchen- und eichenholz
zur holzstöckelherstellung. korkplatten
...

korkplatten bestehen aus korkschrot, der mit kunstharzkle-


holzstöckelpflaster eignen sich für alle belastungen bis zum ber gemischt und unter druck und hitze gepreßt wird. sie
schwersten gewerblichen verkehr. sie werden auf zwei ar- eignen sich nur für den wohnbereich da die abriebfestigkeit
ten verlegt, bei der preßverlegung werden die holzklötze mit gering ist. sie haben jedoch gute wärmedämmeigenschaften
der unterseite und den halben stoßseiten in klebemasse ge- und eine sehr geringe wärmeableitung, sind also besonders
taucht und auf dem unterboden satt aneinandergeklebt, bei fußwarm.
der lättchenverlegung werden die klötze in dichtgesetzten kork verbessert die trittschalldämmung einer 14 cm dicken
reihen mit etwa 4 mm dicken fugenlättchen verlegt und die stahlbetondecke in dem maße, daß die in der norm ge-
fugen dann mit vergußmasse ausgegossen. forderten werte ohne schwimmenden estrich zu erreichen
sind.
hirnholzplatten bestehen aus nadelholzklötzen, die durch
elastische verbindungsnägel (wellennägel) oder mittels ge- die verlegung erfolgt mit spezialklebern auf festem unter-
webebahn reihenweise zu platten verklammert sind. die ab- grund, meist estrichen. (abb. 114) korkplatten werden werk-
messungen der platten betragen 40/40 cm und sind 4/5/6 seitig versiegelt hergestellt, ansonsten müssen die platten
cm dick. die hirnholzplatten werden wegen der schub- und nach dem verlegen versiegelt werden, um dem wenig ab-
zugkräfte grundsätzlich in klebemasse verlegt. das verle- riebfesten und stark saugenden material den notwendigen
gen der hirnholzplatten erfordert weniger zeitaufwand als schutz zu geben.
das von holzpflaster. die oberfläche ist eben, einheitlich und
weist nur enge fugen auf. linoleumbeläge
...

dies war der erste fußbodenbelag, der in bahnen hergestellt


besondere vorsicht und verständnis für das material ist not- wurde (1844 von walton erfunden). da linoleum dauerhaft in
wendig, wenn hirnholzplatten oder stöckel im wohnbereich der benützung und ohne schwierigkeiten zu pflegen ist, hat-

353
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

te der belag über viele jahrzehnte eine besondere bedeu- be aus jute aufgebracht, beim korklinoleum wird nicht jute
tung als bodenbelag für wohnungen und büros. erst durch als unterlagsgewebe verwendet, sondern eine gebundene
die entwicklung von gummibeläge und speziell der preislich korkschrotmasse (korkment). deshalb wird beim korklinole-
günstigen sowie relativ strapazierfähigen pvc-beläge sind um die trittschalldämmung und die fußwärme erheblich ver-
dem linoleum ernsthafte konkurrenten erwachsen, wel- bessert. sehr widerstandsfähig gegen öle und fette, jedoch
che diesen fußbodenbelag immer mehr in den hintergrund nicht gegen längere beanspruchung von wasser, säuren
drängten, auch bedingt dadurch, daß seine herstellung sehr und laugen.
zeitaufwendig und somit teuer ist.
verlegt wird linoleum auf ebenem untergrund, also estrichen.
linoleum ist ein gemisch aus oxidiertem leinöl, harzen und (abb. 115 + 116) bei der verlegung auf schwimmenden estri-
füllstoffen, welches auf jutebahnen aufgewalzt wird und an- chen ist darauf zu achten, daß sich keine feuchtigkeit mehr
schließend langsam ausreifen muß. prinzipiell unterscheidet im estrich befindet, weil sich sonst die linoleumbahnen aus-
man zwei arten: dehnen und das juteuntergewebe von der linoleummasse
· linoleum und· korklinoleum. löst.

normales linoleum wird einschichtig auf ein unterlagsgewe- ein vorteil des linoleums ist, daß es kein elektrischer leiter

abb.115+116 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 102+
103

115 116

354
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

117 118

abb.117 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 105 abb.118 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4.auflage,manz
verlagsbuchhandlung, 1992, s.273

und somit nicht elektrisch aufladbar ist. außerdem wirkt terschieden


es durch den linoxynanteil bakterientötend. die dicken des · einschichtbeläge mit homogener gummiqualität und
normalen linoleum bewegen sich zwischen 2 und 6 mm bei · mehrschichtbeläge aus nutz- und und trägerschicht.
bahnenbreiten von 2 m und rollenlängen von 20 bis 30 me- bei einschichtbelägen muß die dicke min. 2 mm und bei
tern. mehrschichtbelägen muß die nutzschicht min. 1 mm betra-
gen. hergestellt werden bahnen in der breite bis 1,5 m und
korklinoleum unterscheidet sich vom normalen linoleum platten in den abmessungen 23/23 cm bis 100/100 cm.
durch das gröbere korkmehl, das für diesen belag als füll- um eigenschaften wie lichtechtheit und beständigkeit gegen
stoff verwendet wird und ihm eine höhere elastizität sowie wasser und chemikalien zu erreichen, sind der kautschuk-
eine bessere wärme-, trittschalldämmung und fußwärme masse bei der produktion geeignete zuschlagstoffe beizu-
verleiht. die dicken für korklinoleum bewegen sich zwischen mengen. der belag wird auf einen estrich, welcher vorher
3,5 und 6,7 mm. gespachtelt werden sollte, um eine glatte oberfläche zu er-
korklinoleum und normales linoleum wird auf sauberem und zeugen, aufgeklebt. (abb. 117) zur pflege von gummibelä-
trockenem estrich mit einer zwischenlage unterlagspappe gen eignen sich besonders wachsemulsionen oder lösungs-
geklebt. wichtig ist, daß die unterlagspappe auch aufgeklebt mittelfreie reinigungsmittel.
wird, um aufwölbungen des belages zu vermeiden. dieser
belag sollte mit bohner- oder selbstglanzwachsen gepflegt pvc-beläge
...

werden. sie werden aus polyvinylchlorid, weichmachern, füllstoffen


und farbpigmenten hergestellt.
gummibeläge
...

durch die entdeckung der vulkanisationstechnik von kau- unterschieden wird hier zwischen
tschuk wurde in diesem jahrhundert die möglichkeit ge- · einschichtbelägen und mehrschichtbelägen aus gleichem
schaffen, aus dem rohprodukt kautschuk unter zusatz von material,
schwefel sowie farb- und füllstoffen einen weiteren bahnen- · mehrschichtenbeläge aus nutz- und trägerschichten (aus-
belag für den fußgeherverkehr zu erzeuge. gummibeläge genommen sind hierträgerschichten aus kork, filz, schaum-
weisen eine anzahl von günstigen eigenschaften wie ela- stoffen, etc.),
stizität, rutschsicherheit, fußwärme, dichtheit auf und sind · ein- und mehrschichtenbeläge auf trägerschichten aus
außerdem elektrisch nicht leitend. kork, filz oder schaumstoffen und
· verschweißte pvc-folien mit hohem pvc-anteil, die über filz-
im allgemeinen werden zwei arten von gummibelägen un- oder schaumstoffunterlagen von wand zu wand verspannt

355
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

werden. schichten fest verbunden sein können (gruppe c) werden


diese eigenschaften wesentlich ver-bessert.
der grad der verschleißfestigkeit hängt vom pvc-anteil ab.
reines pvc ist am widerstandsfähigsten, jedoch teuer und die grundstoffe werden mit weichmachen aufbereitet, damit
nicht maßhaltig. darum werden dem pvc füllstoffe beige- man das material “weicher” oder “härter” einstellen kann und
setzt. dadurch die verschleißfähigkeit, elastizität, schmutzemp-
die einschichtbeläge mit hohem pvc-anteil und geringem findlichkeit und die schall- dämmung beeinflussen kann.
füll- stoffanteil sind daher am strapazierfähigsten, aber die dicken für die gruppen a und b staffeln sich von 1,5 und
auch am teuersten. die mehrschichtenbeläge aus nutz- und 3,0 mm, und bei mehrschichtenbelägen muß die nutzschicht
trägerschichten (ausgenommen trägerschichten aus kork, min. 20% der gesamtdicke, bei dickeren belägen min. 0,5
filz, schaumstoffen etc.) haben nur eine dünne nutzschicht mm betragen.
aus pvc mit geringem füllstoffanteil und stark gefüllte un-
terschichten. deshalb sind diese beläge billiger. die tritt- pvc beläge sollten auf einem glatten, ebenen, trockenen
schalldämmung, das schallschluckvermögen und die wär- und dichten untergrund also einem gespachtelten estrich
medämmung sind auf grund der geringen dicke der beläge aufgeklebt werden. (abb. 120) der belag kann in den stö-
sehr gering. durch weiche unterlagen, mit denen die nutz- ßen verschweißt werden. die schweißschnüre werden in die

abb.119 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 97

119

356
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

120

abb.120 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden),


4.auflage,manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.263 + 265

v-förmigen ausgeschnittenen fugen eingearbeitet, so kön-


nen auch die sockelleisten angeschweißt werden und ein teppichböden bestehen aus einer trägerschicht (gewebe
geschlossener, wasserdichter belag entsteht, welcher für in das der pol eingearbeitet wurde) und einer florschicht
räume mit feuchtigkeitsanfall besonders geeignet ist. (abb. (schicht an der oberseite des teppichs, welche vom pol ge-
119) bildet wird) und werden mit einem kompaktschaumrücken
versehen.
die folien von gruppe d werden raumweise verschweißt und
an den raumwänden auf im untergrund befestigten leisten der große vorteil der teppichbeläge besteht darin, daß sie
genagelt. die nagelstellen werden durch sockelleisten ab- einen sehr guten trittschallschutz abgeben. dadurch kann
gedeckt. man in der regel weitere schallschutzmaßnahmen wie einen
schwimmenden estrich einsparen, den teppich unmittelbar
als abschließenden gedanken möchte ich noch einbringen, auf einen verbundestrich verlegen und so sehr wirtschaft-
daß zwar der werkstoff pvc dem architekten sehr viele mög- liche lösungen erzielen. (abb. 121 + 122)
lichkeiten bei einem guten preis/leistungsverhältnis bietet
(was bei öffentlichen aufträgen heutzutage ja das um und durch die entwicklung der kunstfasern sind auch jegliche
auf zu sein scheint), aber wenn es um die frage der ge- bedenken
fährlichkeit der grundprodukte des pvcs (salzsäure) sowie hinsichtlich der strapazierfähigkeit von teppichböden von der
der chemischen reaktion bei der herstellung und über ein hand zu weisen und der einsatzbereich dieser böden weitet
recycling von verschließenden pvc bzw. angebote der pvc sich vom ursprünglichen wohnbereich über gaststätten, bü-
erzeugenden industrie dieses zu entsorgen geht, hat sich ros, geschäften bis hin zu öffentlichen gebäuden rasant aus.
scheinbar noch niemand wirklich gedanken zum thema pvc zunehmend werden sogar schalterhallen, kirchen und ähn-
belag gemacht. liche objekte mit textilen bodenbelägen ausgestattet.
unterscheidung der auslegeware nach der herstellungsart
teppichbeläge
...
· webteppiche (auch als bouclé-teppiche bezeichnet)
sind textile beläge, die den raum ganz bedecken (im gegen- · nadelflorteppiche
satz zu abgepaßten teppichen oder läufern). · flockenteppiche
sie werden durch mechanische verfahren in sehr langen und · teppiche nach einem spezialnadel-verfahren (filzteppiche)
breiten bahnen hergestellt und werden von wand zu wand
gelegt, sodaß ein zusammenhängender, den ganzen fußbo- unterscheidung der auslegeware hinsichtlich der oberfä-
den bedeckender belag entsteht (auslegeware). chenstruktur

357
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

schlingencharakter künstliche fasern


· bouclé beim webteppich · zellulose
· schlingenflor nadelflorteppich nadelflorteppich · polyamid
schnittcharakter · polyacryl
· velours beim webteppich · polyester
· schnittflor beim nadelflorteppich
· veloursähnliche oberfläche bei allen einige teppicharten
flockenteppiche · nadelfilze
· filzähnliche oberfläche bei teppichen nach spezial-nadel- bestehen aus einem mechanisch, durch nadeln, verfestigten
verfahrenunterscheidung der auslegeware hinsichtlich des faservlies. das vlies wird auf walzen transportiert und durch
polmaterials stachelwalzen
natürliche fasern vernadelt. die anzahl der nadelungen bestimmt die härte
· wolle des materials. nadelfilze sind sehr strapazfähig. sie weisen
· haare keine richtung auf und sind daher für treppen, in rollstuhl-
· kokos und arbeitsbereichen, etc. gut geeignet
· sisal · tuftingteppiche

abb.121+122 fußböden, walter henn, verlag georg d. w. callwey, münchen, 1964, s. 106+
107

121 122

358
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

123 124 125

abb.123 riccabona, baukonstruktionslehre 1 (keller, wände, decken, böden), 4. auflage, abb.124+125 rundschreiben 15 der ges. für technische biologie und bionik, saarbrücken,
manz verlagsbuchhandlung, 1992, s.263 + 265 1995, s.3+4

sie bestehen aus einem träger, dem der pol mittels nadeln umgewandelt wird.
eingearbeitet wird. durch nadelstangen wird das polmaterial
eingestochen, mittels greifer festgehalten und zur fixierung transparente wärmedämmstoffe zeichnen sich durch zwei
mit latex verfestigt. (abb. 123) charakteristische merkmale aus:
· webteppiche .
geringer wärmedurchlaßwiderstand
diese bestehen aus einer kett- und schußfadengrundschicht .
große lichtdurchlässigkeit - im gegensatz zu den konven-
in welche das polmaterial eingearbeitet wird. jede noppe ist tionellen, opaken wärmedämmstoffen. (abb. 127)
ein knoten. teure methode, jedoch alle muster möglich.
beinahe alle solarthermischen energiesysteme benöti-
15.4 zukunftsweisendes/ futuristisches gen eine transparente wärmedämmung. diese schicht hat
die aufgabe, das element, welches die sonnenstrahlung
transparente wärmedämmung in wärme umwandelt (absorber) thermisch möglichst gut
in unseren breiten orientiert man sich im hinblick auf von der umgebung zu isolieren. dabei soll diese schicht
hochbautechnologien wieder vermehrt an konstruktions- aber sowohl das direkte als auch das diffuse sonnenlicht
prinzipien und lebensweisen in der natur. ein beispiel im möglichst vollständig bis zum absorber durchlassen. mit
behandelten bereich stellt dafür die transparente bzw. waben- oder kapillarstrukturen können besonders gün-
transluzente wärmedämmung (twd) dar. ihr prinzip be- stige verhältnisse zwischen dem solaren gewinn und
ruht auf einer kombination der porenlüftung von termiten- dem thermischen verlust erreicht werden. die geradlinige
bauten und der art und weise wie eisbärenfelle strahlen, ausbreitung des sonnenlichtes wird in diesen materialien
reflektieren bzw. absorbieren. die spezielle anordnung von jedoch behindert, weshalb kein hindurchsehen möglich
lüftungskanälen mit porösen wänden in termitenbauten er- ist. sie sind deshalb für die anwendung in solarsystemen
möglicht eine temperaturregelung und einen kontrollierten geeignet, bei denen keine klare, transparente schicht er-
luftwechsel. dadurch kann die sonnenenenergie besser forderlich ist. 31
genutzt werden, da einem überhitzen entgegengewirkt
wird.30 (abb. 124 + 125) material
erst vor wenigen jahren wurde von biologen entdeckt, daß die heute verbauten twd-materialien sind auf wärmedäm-
eisbären, die eine dunkle haut besitzen, das tageslicht mung und strahlungstransmission optimiert. dabei setzt
durch die haare ihres weißen felles wie durch glasfasern eine gute energetische transparenz keinewegs optische
auf ihre körperoberfläche lenken, wo dann die kurzwel- durchsichtigkeit voraus.
lige, sichtbare strahlung in langwellige wärmestrahlen
30 rundschreiben 15 der gesellschaft für technische biologie und bionik, saarbrücken,1995

30 rundschreiben 15 der gesellschaft für technische biologie und bionik, saarbrücken,1995

359
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

verwendet werden: .
kapillarstruktur oder waben
.
glas oder transparente kunststoffolien wabenstrukturen aus transparenten kunststoffen (polycar-
.
durchscheinende schaumkunststoffe (polycarbonat, bonat und polymethylmethacrylat) haben sich in einigen
acrylat) anlagen bewährt und gelten heute als das twd-material
.
durchscheinendes granulat (silicate oder aerogele) schlechthin. parallele, zum absorber senkrecht angeord-
.
lichtdurchlässige mineralfaser nete röhrchen unterdrücken den konvektiven wärmetrans-
aufgrund des strukturellen aufbaus der twd-stoffe unter- port vollständig und lassen das sonnenlicht möglichst
scheidet man in folgende hauptkategorien: (abb. 130 + ungehindert durch. der wärmedämmeffekt kommt durch
131) die geringe wärmeleitfähigkeit der ruhenden luft in diesen
.
absorberparallele struktur röhrchen zustande.
dazu gehören meist mehrschichtige glas-, kunststoff- k-wert: 1,0 - 1,1 w/m²k (polycarbonat-waben)
scheiben und folien. zusätzliche verbesserungen des wär- k-wert: 0,8 w/m²k (polycarbonat-kapillaren)
medämmwertes lassen sich mit spezialglasfüllungen (z.b.
argon, krypton) erzielen. .
kammerstruktur
k-wert: bis 0,7 w/m²k kammerstrukturen (z.b aus polycarbonatschaum) weisen in
sich eine höhere festigkeit auf als kapillar- oder wabenstruk-

abb.126 http://www.energie.ch/themen/bautechnik/twd abb.127 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
fachvereine zürich et al., 1993, s. 129

126 127

360
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

128 129

abb.128 http://www.energie.ch/themen/bautechnik/twd/ abb.129 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag der
fachvereine zürich et al., 1993, s. 129.

turen. fahr. die kapillarröhrchen müssen dann allerdings durch


eine anliegende äussere glasscheibe verschlossen sein.
.
homogene struktur eine präzise dimensionierung der bauteile bringt bei der
dazu gehören die aerogele. (abb. 135) das sind glasschaum- kompakten bauweise auch den gewünschten effekt: ie
stoffe mit äußertst kleinen poren. aerogele können in form temperaturen in der konstruktion sind über den absorp-
von platten oder kügelchen mit einigen millimetern durch- tionsfaktor des absorbers und die wärmeleitfähigkeit der
messer hergestellt werden. durch elektronische steuerung speicherwand „regelbar“.
kann der lichteinfall variiert werden, d.h aerogel kann trans- die beschattungseinrichtung ist aus gründen der wartung
parent oder opak sein. 31 ausserhalb des glases intelligenter plaziert; sie ist im mit-
k-wert: 0,5 (!) w/m²k telländischen klima unerlässlich.32

aufbau einer twd-konstruktion zu beachten


die wichtigsten funktionselemente (zur abb.128 + 129)) .
mit steigendem k-wert der wand hinter dem twd-materi-
1. solarglas al, also mit steigender wärmeleitfähigkeit, verbessert sich
2. transparente wärmedämmung der solare wirkungsgrad der fassade. vollziegelsteine,
3. absorber kalksandsteine und beton eignen sich besser als poren-
4. aluminiurnrahrnen, isoliert beton oder andere „leichte“ wände.
5. sonnenschutz .
die besten resultate erzielen twd-wände in kalten und
6. opake wand sonnigen regionen. mit wachsender heizsaison steigt der
nutzbare anteil.
das twd-material selbst muss mindestens einseitig ge- .
beste spezifische energiewerte bringen südorientierte
schlossen sein, um die konvektion in längsrichtung der twd-anwendungen, aber auch unbeschattete ost- und
kapillarröhrchen zu unterbinden. bei neuen konstrukti- westfassaden weisen positive energiebilanzen auf.
onen liegt der absorber am kunststoff an, sodass dieser .
zwischen strahlungsaufkommen und raumseitiger wär-
seitliche verschluss der röhrchen konstruktiv sehr einfach menutzung liegen, je nach material und bautiefe der mau-
möglich ist. der direkte kontakt von absorber und twd-ma- er, zwischen 3 und 12 stunden. bei direkter nutzung von
terial bedeutet aber für den kunststoff eine latente überhit- solarenergie durch fenster und türen fehlt sehr oft ein ge-
zungsgefahr. ein luftraum zwischen absorber und kunst- eigneter speicher, was zur überhitzung des raumes und
stoff, wie dies bei den ersten zu schlechter ausnutzung des solargewinnes führen kann.
twd-konstruktionen der fall war, vermindert diese ge- diesbezüglich schneidet die twd-wand besser ab und die
32 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag derfachvereine
31 http://www.energie.ch/themen/bautechnik/twd/ zürich et al., 1993, s.87

31 http://www.energie.ch/themen/bautechnik/twd/ 32 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag derfachvereine
zürich et al., 1993, s.87

361
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

wärme wird zudem relativ zeitpräzise am abend und in der .


umgebungsverschattung
nacht angeliefert. .
standort
.
die transparente wärmedämmung ist rund dreimal teurer .
interne wärmequellen
als eine opake. aus den mehrkosten den spezifischen .
wärmeschutzstandard
kwh-preis zu errechnen, ist allerdings eine absurde argu- .
rohdichte der aussenwand
mentationslinie. eher müsste eine zusätzlich notwendige .
transmission durch das twd-material
oder erwünschte wärmedämmung als vergleichsbasis .
verschattungssystem
herhalten. . transparente wärmedämmungen sind für do- .
innentemperatur-profil.
it-yourself nicht geeignet. der grund liegt - unter anderem
- an der überhitzungsproblematik. bei temperaturen um beispiele
120°c schmilzt der kunststoff. das bekannteste twd-objekt ist ohne zweifel die
.
jugendbildungsstätte kloster in windberg, niederbayern
auswirkungen auf den ertrag der twd-konstruktion ha- (architekt thomas herzog)
ben das gästehaus dieser jugendbildungsstätte ist eines jener
.
rahmenanteil der twd-konstruktion beispiele, an denen man das starke ineinandergreifen,
.
gebäudeorientierung der in diesem skriptum getrennten kapitel, im bezug auf

abb.130+131 marko ragonesi, bautechnik der gebäudehüllen, bau und energie, verlag
derfachvereine zürich et al., 1993, s. 128

130 131

362
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

132 133 134

abb.132-134 thomas herzog bauten 1978 - 1992, werkbericht, verlag gerd


hatje,deutschland, 1993, s. 67

energiehaushaltung - im wahrsten sinn des wortes - er-


kennen kann. .
das bereits des öfteren erwähnte doppelwohnhaus in
für die gestaltung des grundrisses war die dauer der be- pullach, oberbayern (architekt thomas herzog):
nutzung der einzelnen raumarten und das dann erforder- in die südseite integriert sind bauteile mit transluzenter
liche temperaturniveau von besonderer bedeutung. will wärme-dämmung, welche dahinterliegende, schwarz ge-
man energie sparen, muß man auch die zeitdauer der strichene betonfertigteile abdecken. diese 10 cm starken
nutzung in die überlegungen einbeziehen. deshalb sind massiven wandplatten heizen sich tagsüber auf und ge-
räume, die über stunden hin genutzt sind, von solchen, ben - zeitlich verzögert - in den abend- und nachtstunden
die nur kurzzeitig genutzt werden, getrennt und sind aus die wärme zur rauminnenseite hin ab.
anderen materialien konstruiert. die begrenzenden wän-
de wirken als innere speichermasse, wobei der südlichen
wand außen eine transluzente wärmedämmung (twd) vor-
geschaltet ist, in voller fläche über zwei geschosse auf die
gesamte gebäudelänge.33

beim schnitt mit dem energiesystem werden folgende


punkte beschrieben: (abb. 132 - 134)
a mechanische lüftungsanlagen mit wärmerückge-
winnung, jeweils über den naßzellen
b kamin
c warmwasserspeicher
d längsverteilung aller installationen
e röhrenkollektoren
f schrank- und installationszone
g niedertemperaturheizkörper
h lüftung über fenster
i transluzente wärmedämmung und sonnenschutz
a naßzellen, treppenraum, technik
b flur
c schlafräume
33 thomas herzog ebauten 1978 - 1992, werkbericht, verlag hatje, deutschland 1993

33 thomas herzog ebauten 1978 - 1992, werkbericht, verlag hatje, deutschland 1993

363
vo 15 mehrschichtige konstruktionen

364
vo 16 modulare ordnung

365
vo 16 modulare ordnung

vo 16 modulare ordnung ausbau-, zwischenwand-, trennwandsysteme, variabilität u. flexibilität

366
vo 16 modulare ordnung

367
vo 16 modulare ordnung

1 2 3

16. modulare ordnung abb.1 hans koepf, baukunst in fünf jahrtausenden, verlag kohlhammer, stuttgart, 1990, s.33
abb.2 ernst neufert, bauordnungslehre, bauverlag, wiesbaden, berlin, 1965, s. 59
abb.3 paul von naredi-rainer, architektur & harmonie, du mont, köln, 1995, s. 193 ff.

16.1 definition tiker. in der renaissance wurde der goldene schnitt als die
„göttliche proportion“ 2 bezeichnet. die faszination des gol-
modul leitet sich vom lateinischen modulus „kleines maß, denen schnittes liegt nicht nur in der ästhetischen qualität,
modell“ ab. in der baukunst der antike und der renais- sondern auch in seiner mathematischen eigenschaft der
sance diente der halbe untere durchmesser einer säule sukzessiven, bis ins unendliche fortsetzbaren teilbarkeit
als verhältnismaß für den zu errichtenden bau. der modul in beiden richtungen (innere und äußere teilung) (abb. 3).
war in 30 „partes“ unterteilt.1 in zahlen ausgedrückt wäre der „sectio aurea“ - im maß-
stab 1:1 - 618. 4
16.2 geschichte
der humanismus in der architektur
interkolumnium
in der antike finden wir die wesentlichen maßverhältnisse beim tempelbau. sie haben mit der leistungsfähigkeit des materials zu tun. da steinbalken als überlager (architrave) dienten, die wegen ihrer materialtechnischen eigenschaften - der geringen biegezugfestigkeit - nur bedingt als überlager einsetzbar waren. so entstanden aus materialtechnischen und konstruktiven gründen vernünftige maße, die den abstand zweier säulen, die frei zu überbrücken waren (interkolumnium), angaben. dieser konstruktionsmodul wurde durch das verhältnis des unteren säulendurchmessers zu den säulenabständen festgelegt (abb. 1 + 2). dieses verhältnis konnte variieren die meisten verhältnisse waren 1:1 3/5 und 1:1 2/5. es herrscht die fünferteilung im nenner vor z. b. bei den propyläen in athen 1:2 3/5, beim parthenon 1:1
2

/5.2
vitruv, der römische architekt und ingenieur im 1. jh. v. chr.
beschäftigte sich in seinem dritten buch über die architek-
fuß tur mit den proportionen der menschlichen gestalt für ihn
der fuß und die elle waren die gebräuchlichsten antiken war der menschliche körper die vollendete harmonie. er
werkmaße. am verbreitetsten waren im dorischen gebiet schrieb: „..., daß sich ein wohlgebildeter mann mit ausge-
der pheidonische oder dorische fuß von 32,7 cm, im ioni- streckten händen und füßen in die vollkommenen geome-
schen gebiet zunächst der altionische oder samische fuß trischen figuren des kreises und quadrates einfügt“.5
von 34,95 cm, sowie die samische elle von 52,45 cm. die bereits der führende theoretiker der frührenaissance, fran-
elle beträgt das anderthalbfache des entsprechenden fu- cesco di giorgio (1439 - 1501/2), befaßte sich mit dieser
ßes. ab dem 5. jh. breitete sich zusehends der solonische aussage (abb. 4). leonardo da vinci (1452 - 1519) inter-
fuß oder attische fuß von 29,4 cm aus, der um 594 v. chr. pretierte den text von vitruv etwas genauer (abb. 5). auch
von solon für attika eingeführt wurde, sich aber nicht ge- cesare cesariono widmete sich diesem problem (abb. 6).
gen den dorischen fuß durchsetzte.3 er stellte die behauptung auf, daß man mit der vitruviani-
schen figur alles in der welt proportionieren könne. er sag-
der goldene schnitt te „commensurare“ und meinte damit das gemeingültige
euklid definierte als erster den goldenen schnitt. dieses maß, die harmonie des weltganzen.
teilungsverhältnis teilt eine „gegebene strecke in zwei es ist interessant zu sehen, daß jeder dieser renaissance-
ungleiche abschnitte, deren kleinerer sich zum größeren künstler die aussage von vitruv verschieden interpretierte.
verhält wie dieser zur ganzen strecke“. mit diesem tei- der kreis und das quadrat stehen immer in einem ande-
lungsverhältnis beschäftigten sich viele architekturtheore-
1 pevsner, honour, fleming, lexikon der weltarchitektur, prestel verlag, münchen, 1992, s.432
ren verhältnis zueinander. der mensch hat zwar immer die
2 ernst neufert, bauordnungslehre, bauverlag, wiesbaden, berlin, 1965, s. 59, 40 4 paul von naredi-rainer, architektur & harmonie, du mont, köln, 1995, s. 185, 193ff

3 gottfried gruben, die tempel der griechen, hirmer verlag, münchen, 1986, s. 447 5 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv, münchen,1990, s. 20

1 pevsner, honour, fleming, lexikon der weltarchitektur, prestel verlag, münchen, 1992, 3 gottfried gruben, die tempel der griechen, hirmer verlag, münchen, 1986, s. 447
s.432 4 paul von naredi-rainer, architektur & harmonie, du mont, köln, 1995, s. 185, 193ff
2 ernst neufert, bauordnungslehre, bauverlag, wiesbaden, berlin, 1965, s. 59, 40 5 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv,
münchen,1990, s. 20
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vo 16 modulare ordnung

4 5 6 7 8

abb.4 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv, abb.6-8 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv,
münchen, 1990, s. 182, 183, 13, 179 münchen, 1990, s. 182, 183, 13, 179
abb.5 pevsner, honour, fleming, lexikon der weltarchitektur, prestel verlag, münchen,
1992,s. 40

gleiche, dem quadrat entsprechende, größe, erhält aber geordnet und somit müßten auch die maßverhältnisse in
eine andere standfläche. bei der skizze von di giorgio der baukunst die ordnung des weltalls umfassen und zum
steht der mensch „auf“ dem kreis und dem quadrat, bei ausdruck bringen. der bereits erwähnte francesco di gior-
da vinci besitzt er zwar die gleiche standfläche, doch der gio demonstriert dieses durch eine in einen kirchengrund-
kreis ist wesentlich größer. cesariono hingegen stellt den riß eingezeichnete menschliche figur (abb. 8).
menschen nur auf die seite des quadrates, umschreibt andrea palladio (1508 - 1580) beschäftige sich unter an-
aber dieses mit dem kreis. derem mit dem verhältnis der höhe von räumen zu ihrer
„alles ist zahl“ 6 - dieses pythagoräische dogma war für die länge und breite. er suchte nach regeln für die wechsel-
re- naissancekünstler ein leitmotiv. sie hatten die über- seitigen beziehungen der drei dimensionen, die die ge-
zeugung, daß das weltall und die ganze schöpfung ein stalt eines raumes ausmachen, wobei sich die proportio-
mathematisches und harmonisches gebilde seien. einer nen natürlich auf das ganze gebäude beziehen sollen.
der wichtigsten renaissancearchitekten war leon batti- seine ansicht ist in folgenden worten ausgedrückt: „... in
sta alberti (1404 - 1472). die idealen formen für eine re- allen bauwerken müssen die teile zusammenstimmen und
naissancekirche sind außer dem kreis das quadrat, das solche maßverhältnisse haben, daß jedes einzelne maß
sechseck, das achteck, das zehneck und das zwölfeck. dazu dienen kann, das ganze und gleichermaßen alle an-
sie sind alle durch den kreis bestimmt (abb. 7). albertis deren teile damit zu messen“.
leidenschaft war der kirchliche zentralbau. die schönheit
der idealen kirche besteht „in der planvollen anordnung palladio gibt drei verschiedene proportionen der höhe zur
und verschmelzung der proportionen aller teile eines ge- breite und länge an:
bäudes, und zwar derart, daß jeder teil seine absolut fest- · ein raum ist 6 fuß breit, 12 fuß lang und 9 fuß hoch
stehende form und größe hat und nichts hinzugefügt oder => c - a = b - c
weggenommen werden kann, ohne die harmonie des gan- · ein raum ist 4 fuß breit, 9 fuß lang und 6 fuß hoch
zen zu zerstören. diese übereinstimmung der verhältnis- => a : c = c : b
se und wechselbeziehungen zwischen allen teilen, diese · ein raum ist 6 fuß breit, 12 fuß lang und 8 fuß hoch
organische geometrie soll zwar in jedem bau herrschen, => (c - a)/a = (b - c)/b 7
aber ganz besonders in jedem kirchenbau.“
ein gebäude sollte die proportionen des menschlichen der modulor (abb. 9 - 13)
körpers widerspiegeln. in der renaissance wurde die an- der modul, wie er heute verstanden wird, geht auf le cor-
sicht vertreten, daß der mensch das ebenbild gottes sei. busiers modulor zurück.8
die maße seines körpers seien durch göttlichen willen le corbusier war wohl der bekannteste architekt, der sich
7 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv,
münchen,1990,s. 89

6 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv, münchen,1990, s. 20, 12, 15, 89 8 pevsner, honour, fleming, lexikon der weltarchitektur, prestel verlag, münchen, 1992, s.432

6 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv, 7 rudolf wittkower, grundlagen der architektur im zeitalter des humanismus, dtv,
münchen,1990, s. 20, 12, 15, 89 münchen,1990,s. 89
8 pevsner, honour, fleming, lexikon der weltarchitektur, prestel verlag, münchen, 1992,
s.432
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vo 16 modulare ordnung

9 10 11

abb.9-11 le corbusier, der modulor, dva, stuttgart, 1995, s. 137, 39, 44

über „das maß“ gedanken gemacht hat. in seinem 1949 definiert, die das licht im vakuum während des zeitinter-
erschienenen buch „der modulor - darstellung eines in valles von 1/299.792.458 s durchläuft. man hat also die
architektur und technik allgemein anwendbaren harmo- vakuumslichtgeschwindigkeit als naturkonstante festge-
nischen maßes im menschlichen maßstab“ (abb. 9) ver- legt und definiert die länge über die zeit.10
sucht le corbusier einen neuen optischen maßstab zu fin- eine weitere definition des meters zeigt, daß der meter
den. er sucht nach einer ordnung in der architektur: „um keine einfach zu bestimmende bzw. zu ermittelnde ein-
gut zu komponieren, braucht man nur wenige elemente. heit ist. der meter ist gleich 1/650.763,73 wellenlängen
es genügen sechsundzwanzig buchstaben, um zehntau- der sich im leeren raum ausbreitenden strahlung, die dem
sende von wörtern in fünfzig sprachen zu schreiben. die übergang zwischen dem niveau 2p10 und dem niveau 5ds
ganze arithmetik wird mit hilfe von zehn ziffern geschrie- des kryptonatoms 86 entspricht.11 man kann also sagen,
ben, die musik mit sieben notenzeichen. das jahr hat vier daß der meter nur eine ziffer ist, eine abstrakte ziffer, un-
jahreszeiten, zwölf monate, und tage mit vierundzwanzig fähig in der architektur ein intervall (maß) darzustellen.
stunden. mit stunden, tagen, monaten und jahren stel- schon frühere kulturen bauten nach genauen maßen,
len wir die programme unserer unternehmungen auf. al- verfügten über werkzeuge, die an die menschliche per-
les dies ist die frucht der miteinander verbundenen kos- son geknüpft waren: „diese werkzeuge besaßen namen
mischen und menschlichen ordnung. die ordnung ist der wie elle, finger, daumen, fuß, spanne, schritt usw. diese
eigentliche schlüssel des lebens“.9 maße waren wesentliche teile des menschlichen körpers
laut le corbusier habe der meter keinen bezug zum men- und daher von vorhinein geeignet, als maßhilfsmittel für
schen: „für den bau von hütten, häusern und tempeln, zu die zu erbauenden hütten, häuser und tempel zu dienen“.
menschlichen zwecken, scheint der meter seltsame und eigentlich werden „diese werkzeuge“ seit dem beginn der
fremde maße eingeführt zu haben, die, wenn man sie ge- menschheit verwendet: „da sprach gott zu noah ... so
nau betrachtet, sehr wohl beschuldigt werden können, die sollst du die arche bauen: dreihundert ellen lang,