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RWE

Bau-Handbuch
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13. Ausgabe
CD-ROM-Version
Vorwort zur 13. Ausgabe
Das RWE Bau-Handbuch bewährt sich seit 30 Jahren ter behandelt. Die Erfordernisse und Berechnungs-
als praxisorientiertes Standardwerk für energiespa- verfahren des Wärme-, Schall- und Feuchteschutzes
rende, funktionsgerechte Bau- und Haustechnik beim werden dargestellt; auf die aktuellen Themen Luft-
Neubau und bei der Modernisierung von Wohngebäu- dichtheit, Wärmebrücken und sommerlicher Wärme-
den. Für Architekten, Bauplaner und alle relevanten schutz wird ausführlicher als bisher eingegangen. Eine
Gewerke ist es ein Arbeitsbuch. In Schulen, Fach- Vielzahl konstruktiver Detaillösungen wird in über-
hochschulen, Hochschulen sowie für die Meisteraus- sichtlichen Zeichnungen dargestellt.
bildung wird es als Lehrmittel eingesetzt. Für jeden,
der sich mit Bauen und Modernisieren befassen will, Im Gebäudetechnischen Teil werden Elektroinstallati-
vermittelt das Bau-Handbuch die unterschiedlichen on, Warmwasserversorgung und Heizung – einschließ-
Fachgebiete in verständlicher Darstellung, so dass lich Brennwert-, Solar- und Wärmepumpentechnik –,
auch fachfremden Interessenten eine rasche Orien- Wohnungslüftung, haustechnische Wärmedämm-
tierung möglich ist. und Schallschutzmaßnahmen, Innenraumbeleuchtung
und solare Stromerzeugung in aktualisierter und er-
Die vorliegende Ausgabe baut auf dem bisherigen weiterter Fassung vorgestellt. In den neu konzipierten
hohen fachlichen Standard auf. Unter der Koordinati- und erweiterten Kapiteln über moderne Küchen und
on und Redaktion von Dr. Bernd Dietrich, der bereits Hausarbeitsräume sowie Bäder und WC wird die Pla-
an den vorangegangenen Ausgaben maßgeblich mit- nung und Geräteausstattung des Hauswirtschafts-
wirkte, haben neutrale Fachautoren die einzelnen und Sanitärbereichs erläutert.
Kapitel überarbeitet. Alle sind ausgewiesene Fach-
leute und mit den praktischen Anforderungen ihres Die zahlreichen, zwischen und in den einzelnen Fach-
Gebietes bestens vertraut. Die Vielfalt neuer deut- kapiteln bestehenden Querverweise und das um-
scher und europäischer Normen sowie die aktuelle fangreiche Stichwortverzeichnis erleichtern den
Energieeinsparverordnung (EnEV) haben umfangrei- Zugang zu der Wissensfülle des Bau-Handbuchs.
che Auswirkungen auf die planerischen, konstrukti- Die beiliegende CD-ROM enthält alle Texte, Bilder
ven und technischen Anforderungen und Details für und Tabellen der Druckfassung sowie ergänzende
die verschiedenen Komponenten des Baukörpers Informationen, z. B. den Wortlaut der EnEV. Farbig
und die technische Ausstattung von Wohngebäuden. hervorgehobene Links und ausgefeilte Suchfunktio-
Die 13. Ausgabe erscheint daher in stark erweitertem nen erschließen den Inhalt auf effiziente Weise.
Umfang mit 21 Hauptkapiteln auf nahezu 1000 Seiten Diese 13. Ausgabe wird erstmals durch den VWEW
sowie über 900 Grafiken und Tabellen. Energieverlag herausgegeben. Wir danken allen
Beteiligten für ihr besonderes Engagement. Den
Im Bautechnischen Teil werden – ausgehend von den Lesern wünschen wir einen hohen Informations-
Grundlagen energiesparenden Bauens, der EnEV- gewinn.
Anwendung und den Eigenschaften von wärmedäm-
menden Baustoffen – die Bauteile des Gebäudes, wie
Außenwände, Decken, Dächer, Trennwände und Fens- Im Februar 2004 Der Herausgeber

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Bautechnischer Teil

Gebäudetechnischer Teil
1 Grundlagen energiesparenden Bauens 12 Elektroinstallation

2 Energieeinsparverordnung EnEV 13 Haustechnische Wärmedämm-


und Schallschutzmaßnahmen

3 Wärmedämmstoffe 14 Wohnungslüftung/Dezentrale
Raumluftbehandlung

4 Fassaden und Außenwände 15 Warmwasserversorgung,


Elektrosysteme

5 Fenster und Außentüren 16 Heizsysteme


Wärmepumpenheizsysteme
Öl- und Gasheizsysteme
Elektroheizsysteme

6 Dächer 17 Sonnenenergie
Solarwärmesysteme
Netzgekoppelte Solarstromsysteme

7 Decken 18 Küche, Hausarbeitsraum


und deren Geräteausstattung

8 Raum- und Gebäudetrennwände 19 Bad, Dusche und WC

9 Luftdichtheit der Gebäudehülle 20 Innenraumbeleuchtung

10 Wärmebrücken 21 Gesetze, Verordnungen,


Normen, Verbände

11 Bauphysik Anhang
Wärmeschutz im Winter/im Sommer Stichwortverzeichnis
Feuchteschutz, Schallschutz Autorenverzeichnis
Bauproduktenormung, Baustoffkennwerte Benutzerhinweise/Lizenzbedingungen
energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Inhaltsübersicht

GRUNDLAGEN ENERGIESPARENDEN BAUENS

1 Bedeutung energiesparenden Bauens 5 Energiesparendes Bauen beim Altbau


S. 1/2 S. 1/20
5.1 Gründe für die energiesparende
2 Gesetzliche Anforderungen und
Bauerneuerung
Empfehlungen dieses Handbuchs S. 1/3
5.2 Bestandsanalyse
3 Hauptmerkmale energiesparenden 5.3 Vorgehensweise bei der energiesparenden
Bauens S. 1/4 Bauerneuerung
3.1 Einflussgrößen auf den Heizenergieverbrauch 5.4 Wirtschaftliche Bewertung der energie-
3.2 Gravierende Veränderung der Gebäude- sparenden Bauerneuerung
Wärmebilanz
6 Hinweise auf Literatur und
3.3 Baulicher Wärmeschutz
Arbeitsunterlagen S. 1/25
3.4 Kompaktheit des Gebäudes
3.5 Bedarfsgerechte und energiesparende Lüftung
3.6 Passive Solarenergienutzung
3.6.1 Bedeutung der Fensterorientierung
3.6.2 Bedeutung der Wärmespeichermasse
des Gebäudes
3.6.3 Bedeutung der Gebäudeorientierung
und -zonierung
3.7 Effiziente Bereitstellung der Wärme
3.7.1 Energiesparende Wärmeerzeugung
3.7.2 Verlustarme Wärmespeicherung
und -verteilung
3.7.3 Energiesparende Regelung
3.8 Einfluss des Nutzers auf den Energieverbrauch
4 Energiesparendes Bauen beim Neubau
S. 1/15
4.1 Anforderungen der Energieeinsparverordnung
4.2 Anforderungen bei Energiesparhäusern
unterschiedlicher Begriffsdefinition
4.2.1 Niedrigenergiehaus
4.2.2 Energiesparhaus 60 (Energiesparhaus 40)
4.2.3 Passivhaus
4.3 Mehrkosten von Energiesparhäusern

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Bedeutung energiesparenden Bauens

GRUNDLAGEN
Raumwärme
ENERGIESPARENDEN BAUENS 75 %

1 Bedeutung energiesparenden Bauens


Energiesparendes Bauen umfasst
– die Verringerung des Wärmebedarfs von Gebäuden und
– die Bereitstellung der für den reduzierten Bedarf
benötigten Wärme mit besonders energieeffizienten
technischen Systemen.

Energiesparendes Bauen hat eine große Bedeutung für


die Schonung der Energieressourcen, die Minderung der Licht
Emissionen und die Verringerung der Gefahr von Klima- 2%
veränderungen. Dies wird aus folgenden Zusammenhän- Hausgeräte Warmwasser
gen deutlich: 12 % 11 %
– Beim Energieverbrauch in Wohngebäuden spielt der 1-1 Anteil der Raumwärme- und Warmwasserbereitstellung
Anteil der Wärmeenergie die entscheidende Rolle: am privaten Endenergieverbrauch der Haushalte
86 % des Endenergieverbrauchs privater Haushalte (ohne Verkehr, Quelle: BMWI)
entfallen auf die Heizung und das Warmwasser, Bild 1-1.
Der Anteil für Hausgeräte und Licht ist wesentlich ge- Haushalte:
Raumwärme und Warmwasser
ringer als vielfach vermutet. 26 %
– Auch bezogen auf den gesamten Energieverbrauch in
Deutschland hat die für Heizzwecke in den privaten
Haushalten benötigte Energie einen erheblichen Anteil:
Haushalte:
Mit 26 % ist er fast so hoch wie der des gesamten Ver-
sonstige
kehrs, Bild 1-2. Energie
– Im Vergleich zum Energiebedarf für die Industrie, den 4%
Verkehr und die Stromerzeugung besteht bei der Wär-
meversorgung von Gebäuden ein relativ leicht zu er-
schließendes großes Einsparpotential: Zum Beispiel
kann mit der Niedrigenergiebauweise der Heizenergie-
verbrauch auf weniger als ein Drittel des durchschnitt- Industrie,
Gewerbe, Verkehr
lichen Verbrauchs im älteren Wohnhausbestand verrin- 28 %
Handel,
gert werden, Bild 1-3. Dienstleistungen
– Auch im Gebäudebestand kann durch die Kopplung 42 %
von ohnehin notwendigen Instandhaltungsmaßnah- 1-2 Aufteilung des gesamten Endenergieverbrauchs in
men mit einer Verbesserung des Wärmeschutzes und Deutschland (Quelle: BMWI)

1/2 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Gesetzliche Anforderungen und Empfehlungen

Wohnhausbestand zusätzlichen Investitionen für eine Verbesserung der


Anlagentechnik und des Wärmeschutzes aufgebracht
260 mkWh
2
Jahr Wärmeschutz V 82 werden müssen.

Wärmeschutz V 95 – Kurze Amortisationszeiten der Mehraufwendungen


im Vergleich zu nachträglichen, viel aufwändigeren
Niedrigenergiehaus Verbesserungen.
kWh
190 m2 Jahr – Erhöhung des Gebäude-Marktwerts durch über die
gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehende
160 mkWh
2
Jahr Energiesparmaßnahmen.
– Verbesserter Wohnkomfort durch
<120 ● größere thermische Behaglichkeit aufgrund höherer
<110
< 100 raumseitiger Temperaturen der Außenbauteile wäh-
< 85
< 80
rend der Heizzeit,
< 70
< 60
● sehr gute Raumlufthygiene bei Einsatz einer mecha-
< 56
< 49 nischen Be- und Entlüftung,
● Vermeidung von Feuchteschäden (Schimmelbil-
dung) aufgrund reduzierter Wärmebrücken und ge-
ringerer Luftundichtheiten sowie bedarfsangepass-
Einfamilienhaus, Reihenhaus Mehrfamilienhaus ter Lüftung.
freistehend
Durch energiesparendes Bauen beim Neubau und bei der
1-3 Jahres-Heizwärmeverbrauch von Wohnhäusern bei
Modernisierung des Gebäudebestands können alle am
mittlerem Verhältnis von wärmeübertragender
Umfassungsfläche A zu beheiztem Gebäudevolumen Ve Bau Beteiligten einen gewichtigen Beitrag zum Schutz un-
serer Umwelt und zur Erhöhung des Wohnwerts leisten.
dem Einsatz effizienterer Wärmebereitstellungstechni-
ken eine weitgehende Senkung des Heizenergiever- 2 Gesetzliche Anforderungen und
brauchs bei wirtschaftlich vertretbaren Kosten erzielt Empfehlungen dieses Handbuchs
werden.
Der Gesetzgeber hat mit den Wärmeschutzverordnungen
– Für die Nutzung dieses großen Einsparpotentials ste-
von 1977, 1984 und 1995 zunehmende Anforderungen
hen bewährte Baustoffe und ausgereifte Techniken zur
an die Begrenzung des Wärmedurchgangs von Bauteilen
Verfügung.
und des Heizwärmebedarfs von Neubauten gestellt. Seit
1984 wurden zusätzliche Anforderungen bei baulichen
Außer der Bedeutung energiesparender Gebäude für die
Erweiterungen und Modernisierungsmaßnahmen an Au-
Schonung der Brennstoffreserven und der Umwelt bieten
ßenbauteilen im Gebäudebestand erhoben. 1995 erfolgte
diese für ihre Eigner und Bewohner weitere Vorteile:
eine erhebliche Verschärfung der Wärmeschutzverord-
– Wirtschaftliche Planungssicherheit, da Belastungen nung; gleichzeitig begrenzte die Heizungsanlagenverord-
durch weiter steigende Energiepreise deutlich geringer nung den Schadstoffausstoß bestehender und neuer
ausfallen und in den nächsten 15 bis 30 Jahren keine Wärmeerzeuger.

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

Am 1. Februar 2002 trat die Energieeinsparverordnung – Wesentliche Einflussgrößen sind:


EnEV in Kraft, die den energiesparenden Wärmeschutz in
– Kompaktheit der Gebäudegestalt,
Verbindung mit einer energiesparenden Anlagentechnik
für neu zu errichtende und bestehende Gebäude regelt, – Wärmeschutz der Gebäudehülle,
siehe Kap. 2. Für Wohngebäude-Neubauten wird darin – in
Abhängigkeit von der Größe und Formgestaltung der – Vermeidung von Wärmebrücken,
Gebäude – die Einhaltung eines Jahres-Primärener- – Luftdichtheit der Gebäudehülle,
giebedarfs für Heizung und Warmwasser von 80 bis
140 kWh je m2 beheizter Nutzfläche gefordert. Hiermit ist – Art und Weise der Lüftung,
ein Höchstbedarf an erschöpflichen Energieressourcen – passive Sonnenenergienutzung durch südorientierte
festgelegt. Fenster und speicherfähige Massen der Innenbauteile,
Zur Veranschaulichung sei erwähnt, dass im Gebäude- – Zonierung des Gebäudes durch Nordorientierung der
bestand der Primärenergieverbrauch für Heizung und Räume mit zeitweise oder dauernd abgesenkter Innen-
Warmwasser zwischen 600 kWh/(m2 Jahr) bei ener- temperatur,
getisch besonders sanierungsbedürftigen Altbauten und
– Energieeffizienz der Wärmeerzeugung,
30 kWh/(m2 Jahr) beim Passivhaus liegt. Diese große
Spanne macht einerseits das enorme Einsparpotential – Verluste bei der Wärmespeicherung und -verteilung,
deutlich, andererseits wird ersichtlich, dass die Anforde-
– Verhalten der Bewohner hinsichtlich Raumtemperatu-
rungen der EnEV – als derzeit gültiger Mindeststandard
ren, Luftwechsel, Warmwasserverbrauch, passiver So-
für das energiesparende Bauen in Deutschland – dieses
larenergienutzung, Größe der internen Wärmegewinne,
Potential zwar zu einem beträchtlichen Teil nutzt, aber
Betriebsweise der Anlagentechnik.
noch eine erhebliche weitere Verringerung des Energie-
bedarfs möglich ist.
In den folgenden Abschnitten werden die Hauptmerk-
male energiesparenden Bauens durch Erläuterung
Dieses Handbuch enthält deshalb eine Vielzahl praxis-
wesentlicher Zusammenhänge bei den vorgenannten
orientierter Hinweise zur Realisierung eines über die An-
Einflussgrößen dargelegt; detaillierte Ausführungen fin-
forderungen der EnEV hinausgehenden baulichen und
den sich in den betreffenden Fachkapiteln.
technischen Niedrigenergiestandards, für den Einsatz
energiesparender Haustechniken und die Nutzung er-
neuerbarer Energien. 3.2 Gravierende Veränderung der Gebäude-
Wärmebilanz
3 Hauptmerkmale energiesparenden Energiesparendes Bauen führt zu einer einschneidenden
Bauens Veränderung des Wärmehaushalts eines Gebäudes.
Welche Ergebnisse erzielbar sind, zeigt in Bild 1-4 die
3.1 Einflussgrößen auf den Heizenergieverbrauch Gegenüberstellung der Jahres-Wärmebilanz eines durch-
schnittlichen Einfamilienhauses im Gebäudebestand mit
Der Heizenergieverbrauch eines Gebäudes wird durch der eines Niedrigenergie-Einfamilienhauses, dessen Heiz-
eine Vielzahl von Einflüssen bei der gestalterischen wärmebedarf auf nahezu nur ein Fünftel reduziert ist. An
sowie bau- und anlagentechnischen Planung, bei der den Wärmebilanzen werden folgende quantitative und
Bauausführung und bei der Gebäudenutzung bestimmt. qualitative Veränderungen deutlich:

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

Verluste Verlust- – Die nutzbaren Wärmegewinne aus Sonnenstrahlung


350 deckung 350 und aus der Wärmeabgabe von Personen/Geräten
kWh 100% kWh sind beim Niedrigenergiehaus geringer, weil in den
m2Jahr I 7,5% I Genutzte interne m2Jahr Übergangsmonaten nur noch ein kleinerer Anteil dieser
300 Wärme 300 Gratiswärme zur Raumbeheizung genutzt werden
Lüftung S Genutzte Sonnen-
23% S 12,5% einstrahlung kann. Ihre relative Bedeutung in der Wärmebilanz des
WR Wärmerückgewinn Niedrigenergiehauses nimmt jedoch beträchtlich zu.
250 aus Lüftung 250
– Die Heizungsanlage braucht im Niedrigenergiehaus
mit Lüftungswärmerückgewinnung nur noch weniger
200 200 als die Hälfte der gesamten Wärmeverluste auszuglei-
Verluste Verlust- chen. Sie erlangt den Charakter einer „Ergänzungs-
Trans- Heiz- deckung heizung“, die auf Änderungen der Raumtemperatur
150 mission 100% 150
wärme besonders schnell reagieren soll.
77% 80% WR 20%
Lüftung
100 38% I 15% 100 Fazit des Wärmebilanzvergleichs: Die wirkungsvolls-
te Strategie energiesparenden Bauens ist die Opti-
S 20% mierung des baulichen Wärmeschutzes zur Senkung
Trans-
50 mission Heiz- 50 der Transmissionswärmeverluste.
62% wärme
45%
0 0 3.3 Baulicher Wärmeschutz
Bestand Niedrigenergiehaus
1-4 Jahres-Heizwärmebilanzen eines Einfamilienhauses im Der Wärmeschutz der Gebäudehülle ist für Jahrzehnte
durchschnittlichen Bestand und eines Niedrigenergie- bei nur geringen Instandhaltungskosten gesichert; er ist
Einfamilienhauses die sicherste und nachhaltigste Maßnahme des energie-
sparenden Bauens. Diese Tatsache wird in der Energie-
einsparverordnung berücksichtigt, indem außer dem
– Der Transmissionswärmeverlust konnte durch einen maximal zulässigen Jahres-Primärenergiebedarf auch
sehr guten Wärmeschutz der wärmeübertragenden ein maximal zulässiger, auf die wärmeübertragende Um-
Außenbauteile auf ein Drittel des Wertes des konventi- fassungsfläche bezogener Transmissionswärmeverlust
onellen Hauses gesenkt werden. Der erhöhte Wärme- nicht überschritten werden darf (Kap. 2-4.3).
schutz der Außenbauteile stellt die wirksamste
Maßnahme zur Senkung des Jahres-Heizwärmebe- Der Transmissionswärmeverlust eines Bauteils wird
darfs dar. durch den U-Wert, ein Kürzel für „Wärmedurchgangs-
koeffizient U“, beschrieben. Der Wärmedurchgangs-
– Der Lüftungswärmeverlust wurde durch die Senkung koeffizient U beschreibt den Wärmestrom in Watt, der
des Luftaustauschs auf das hygienisch erforderliche bei einer Temperaturdifferenz von einem Grad (1 Kel-
Maß um ein Drittel verringert. Trotzdem ist sein vin) zwischen Innen- und Außenseite je m2 Bauteil-
prozentualer Anteil an den Gesamtverlusten deutlich fläche hindurchgeht. Seine Einheit ist W/(m2K). Je
gestiegen. Dadurch leistet Wärmerückgewinn aus der kleiner der U-Wert, umso geringer sind die Wärme-
Abluft beim Niedrigenergiehaus einen quantitativ in- verluste des Bauteils. Aus Bild 1-5 ist zu entnehmen,
teressanten Beitrag zur Wärmeverlustdeckung. wie anhand der U-Werte nach einer Faustregel der

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

U-Wert × 10 = Liter Öl je m 2 Bauteilfläche und Jahr oder missionswärmeverlustes deutlich. Gegenüber der reinen
m 3 Erdgas je m 2 Bauteilfläche und Jahr Mauerschale, deren U-Wert 2,2 W/(m2K) beträgt, wird bei
Wärmedämmdicken von 16 cm eine Verringerung der
Beispiele: Wärmeverluste auf 10 % des ursprünglichen Wertes
Außenwand 24 cm dick, U = 1,8 W/(m 2 K): erreicht. Eine mit nur geringen zusätzlichen Investitions-
aus schwerem Mauerstein 18 l Öl/(m 2 Jahr) oder kosten verbundene Verdoppelung der Dämmschichtdicke
18 m 3 Erdgas/(m 2 Jahr) von bisher üblichen 8 cm auf 16 cm bei energiesparender
Bauweise halbiert nahezu die Transmissionswärme-
Außenwand 17,5 cm dick, U = 0,24 W/(m 2K):
verluste der Außenwand. Eine weitere Verdoppelung der
aus schwerem Mauerstein 2,4 l Öl/(m 2 Jahr) oder
mit 15 cm Wärmedämmung 2,4 m 3 Erdgas/(m2 Jahr) Dämmschichtdicke auf 32 cm reduziert die Transmissi-
onswärmeverluste dagegen nur noch um zusätzliche
1-5 Faustregel für den Heizenergiebedarf je m 2 Bauteil- 25 % der bisher üblichen Dämmung.
fläche bei Außenwänden und Dächern
Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirksamkeit der
Wärmedämmung ist die Luftdichtheit der Gebäude-
Jahres-Heizenergiebedarf für an Außenluft grenzende
hülle. Diese Thematik wird ausführlich im Kap. 9 behan-
Bauteile errechnet werden kann.
delt.
In Bild 1-6 ist der Wärmedurchgangskoeffizient U einer
Unabdingbar beim energiesparenden Bauen ist weiterhin
einschaligen Wand mit Wärmedämm-Verbundsystem in
die Vermeidung von Wärmebrücken bzw. die Vermin-
Abhängigkeit von der Dicke der Wärmedämmschicht
derung ihrer Wirksamkeit. Die Auswirkung von Wärme-
aufgetragen. Die Darstellung macht die enorme Be-
brücken auf die Transmissionswärmeverluste sowie
deutung von Wärmedämmung zur Senkung des Trans-
Konstruktionsbeispiele für ihre Minimierung werden im
Kap. 10 beschrieben.
2,4
W
Mauerschale: Wärmedämmung:
Wärmedurchgangskoeffizient

m2 K
2,0 Rohdichte 1400 kg/m3 Rohdichte 15 kg/m3 3.4 Kompaktheit des Gebäudes
Wärmeleit- Wärmeleit-
fähigkeit 0,70 W/(mK) fähigkeit 0,04W/(mK)
1,6 Neben dem Wärmeschutz der einzelnen Bauteile hat die
1,5
17,5
0,5
s
2,0 Größe der wärmeabgebenden Oberfläche eines Gebäu-
1,2 des einen sehr großen Einfluss auf den Heizwärmebedarf.
Dies liegt daran, dass der Transmissionswärmeverlust
proportional mit den Oberflächen der wärmeübertragen-
0,8
Niedrigenergiehaus den Umfassungsbauteile zunimmt. Ein Gebäude kom-
pakter Gestalt, das im Verhältnis zu seinem beheizten
0,4
Bauwerksvolumen Ve eine kleine wärmeübertragende
Umfassungsfläche A aufweist, hat geringe Transmissi-
0 onswärmeverluste und ist somit energetisch besonders
0 4 8 12 16 20 24 28 cm 32
effizient. Außerdem sind niedrigere Baukosten zu er-
Dicke der Wärmedämmschicht s
warten. Deshalb ist das die Kompaktheit beschreibende
1-6 Wärmedurchgangskoeffizient U einer einschaligen A/Ve-Verhältnis eine wichtige Kenngröße für die energe-
Wand mit Wärmedämm-Verbundsystem tische Bewertung von Gebäuden.

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

Im Bild 1-7 sind die üblichen Bereiche des A/Ve-Verhält- etwa 50 %, der Bereich hoher bzw. niedriger Kompakt-
nisses verschiedener Wohnhauskategorien aufgeführt. heit jeweils etwa 25 % der Gebäude der jeweiligen Kate-
Dabei wurde der Bereich jeder Kategorie nach hoher, gorie. Beispielsweise hat ein Mehrfamilienhaus mit vier
mittlerer und niedriger Kompaktheit der Gebäudegestalt Vollgeschossen und einem A/Ve-Wert von 0,60 m2/m3 eine
unterteilt. Der Bereich mittlerer Kompaktheit umfasst geringe Kompaktheit. Gegenüber einem Wohnhaus der

1,2 Gebäude geringer Kompaktheit. Dieser Bereich um-


m2 fasst ca. 25 % der jeweiligen Wohnhauskategorie.
m3
Gebäude mittlerer Kompaktheit. Dieser Bereich um-
fasst ca. 50 % der jeweiligen Wohnhauskategorie.

1,0 Gebäude hoher Kompaktheit. Dieser Bereich um-


fasst ca. 25 % der jeweiligen Wohnhauskategorie.
Umfassungsfläche A zu Bauwerksvolumen Ve

0,93

0,8 0,77
0,78

0,64
0,65 0,65
0,6

0,57
0,51 0,51
0,53 0,52
0,43
0,39
1 Vollgeschoss plus Dachgeschoss

0,4 0,38
Freistehendes Einfamilienhaus

oder zwei Vollgeschosse

Reihen-Mittelhaus

Reihen-Mittelhaus

Mehrfamilienhaus

Mehrfamilienhaus
Reihen-Endhaus
Reihen-Endhaus

0,2
2 Vollgeschosse

3 Vollgeschosse

3 Vollgeschosse

4 Vollgeschosse
2 Vollgeschosse

3 Vollgeschosse

1-7 Bereiche des Verhältnisses A/Ve von Wohngebäuden

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

gleichen Kategorie mit einem A/Ve-Wert von 0,40 m2/m3, rate von 0,7 h –1 (ohne Nachweis der Luftdichtheit,
was mittlerer Kompaktheit entspricht, ist seine wärme- Fensterlüftung) bis 0,55 h–1 (mit Nachweis der Luftdicht-
übertragende Umfassungsfläche um 50 % je m3 Bau- heit, Abluftanlage), Kap. 2-6.2.
werksvolumen größer. Die Klassifizierung der A/Ve-Werte
nach Bild 1-7 ist ein nützliches Hilfsmittel, um die Kom- Die Fensterlüftung führt bei dauerhaft geöffneten bzw.
paktheit eines Wohnhausentwurfs festzustellen und sein gekippten Fenstern durch erhöhte Luftwechselraten zu
A/Ve-Verhältnis vergleichend zu bewerten. großen Lüftungswärmeverlusten. Bei Niedrigenergiehäu-
sern mit hohem Wärmeschutz und entsprechend niedri-
Ein kompakter Baukörper bedeutet die Vermeidung gen Transmissionswärmeverlusten kann sich hierdurch
kompliziert gegliederter Fassaden und Dächer, Erker, die Lüftung dominierend auf den Heizenergieverbrauch
Vorsprünge, Einschnitte und spitzer Winkel. Kom- auswirken.
paktheit des Baukörpers muss keineswegs zwangs-
läufig zu funktionellen und ästhetischen Einbußen Die heutige Wohnsituation führt jedoch häufiger dazu,
führen. So bieten außerhalb des wärmegedämmten dass Wohnungen unzureichend belüftet werden: Weder
Baukörpers angegliederte Gestaltungselemente wie bei Abwesenheit tagsüber noch nachts ist ein ausreichen-
Dachüberstände, Sonnenschutzeinrichtungen, Bal- der Luftwechsel sichergestellt. Die Folge sind Feuchte-
kone, Loggien, unbeheizte Glasanbauten, Fassaden- schäden und Schimmelpilzwachstum. Ausführlich werden
oder Dachbegrünungen vielfältige Möglichkeiten, ein die Grenzen der sog. freien Lüftung durch Undichtigkeiten
energiesparendes Gebäude interessant zu gestalten. und Öffnen der Fenster in Kap. 14-3 behandelt.

3.5 Bedarfsgerechte und energiesparende Lüftung Eine zuverlässige Einstellung des Luftwechsels auf
den Bedarf ist mittels Fenstern nicht möglich. Bedarfs-
Die Lüftung von Wohnungen ist aus hygienischen und ge- angepasstes Belüften einer Wohnung erfordert me-
sundheitlichen Gründen sowie zur Begrenzung der Raum- chanische Lüftungseinrichtungen.
luftfeuchte erforderlich. Sie dient der Abfuhr nutzungsbe-
dingter Gase und Geruchsstoffe, von Wasserdampf sowie Ein einfaches, auch in Niedrigenergiehäusern bewährtes
der Emissionen aus Baustoffen und Wohnungsmaterialien. System für die bedarfsangepasste Lüftung ist das me-
chanische Abluftsystem, bei dem ein Abluftventilator
Die neue DIN 4108-2 : 2003-7, die von den Bundeslän- über Abluftkanäle die verbrauchte Luft aus Bad, WC und
dern als baurechtlich verbindlich eingeführt wird, fordert Küche absaugt. Die Frischluft strömt über spezielle, z. T.
die Sicherstellung einer auf das Raumvolumen bezoge- selbstregulierende Zuluftdurchlässe in den Außenwän-
nen durchschnittlichen Luftwechselrate während der den der Wohn- und Schlafräume nach. Diese Art der
Heizperiode von 0,5 h–1, Kap. 14-2.3. Dabei darf der In- Luftführung hat in Räumen wie Wohn-, Kinder- und
filtrationsluftwechsel aufgrund von Luftundichtheiten von Schlafzimmer einen Luftwechsel zur Folge, der den mitt-
Außenbauteilen nicht angerechnet werden, da dieser bei leren Luftwechsel der Wohnung deutlich überschreitet.
ungünstiger Verteilung der Leckagen und austausch- Über die Schaltung des Abluftventilators in verschiedene
armer Wetterlage nicht sicher zur bedarfsgerechten Leistungsstufen oder das Öffnen bzw. Schließen von Zu-
Lüftung der gesamten Wohnung beiträgt. luftdurchlässen lässt sich jeder einzelne Raum, in den
Zuluftdurchlässe eingebaut sind, verstärkt bzw. verringert
Für den energetischen Nachweis nach EnEV ist der In- mit Außenluft belüften. Voraussetzung für die regulierte
filtrationsluftwechsel dagegen zusätzlich zu berücksich- Frischluftzufuhr ist eine gute Luftdichtheit der Gebäude-
tigen. Hier gilt eine energetisch relevante Luftwechsel- hülle, Kap. 9, damit die in Menge und Eintrittsort unkon-

1/8 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

trollierte Lüftung über Fugen weitgehend unterbleibt. Wintergärten und verglaste Vorbauten sind vom
Mechanische Abluftsysteme erfordern verhältnismäßig Wohnraum abgegrenzte bzw. der Außenwand des Ge-
geringe Investitions- und Betriebskosten und bieten bäudes vorgelagerte Räume, die ohne Beheizung ein
einen beachtlichen Lüftungsstandard. eigenes Klima entwickeln. Ihre Transparenz und die häu-
fig großzügige Begrünung bieten eine naturnahe Atmos-
Einen zusätzlichen Beitrag zur Energieeinsparung er- phäre mit im Vergleich zum Garten deutlich verlängerter
möglicht die Be- und Entlüftungsanlage mit Wärme- Aufenthaltsmöglichkeit. Sie leisten jedoch nur einen ge-
rückgewinn. Ein großer Teil der Wärme, die in der Abluft ringen Beitrag zur Heizenergieeinsparung. Die Ziele ener-
enthalten ist, wird hierbei auf die Frischluft übertragen giesparenden Bauens werden sogar verfehlt, wenn Win-
und dadurch der Lüftungswärmebedarf verringert. Eine tergärten oder Anlehnglashäuser mit Heizeinrichtungen
hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle ist hier wichtige ausgestattet werden, um sie ganzjährig wohnraumähn-
Voraussetzung für die energetische Effizienz der Lüf- lich nutzen zu können oder Pflanzen überwintern zu las-
tungsanlage, da für den Fugenluftwechsel die Wärme- sen.
rückgewinnung nicht wirksam wird. In Kap. 14-4 werden
die vorgenannten Lüftungssysteme ausführlich behan- Mit transparenter Wärmedämmung (TWD) vor einer
delt. dunkel eingefärbten Außenwand lässt sich Solarenergie
durch Erwärmung der Wand zeitlich verzögert im dahin-
ter liegenden Raum nutzen, Kap. 3-5, Kap. 4-18. Neben
3.6 Passive Solarenergienutzung den im Verhältnis zum Energiegewinn hohen zusätzlichen
Investitionskosten ist auch die schwierige Regelbarkeit
Am wichtigsten für die passive Solarenergienutzung sind der Wärmezufuhr ein Grund dafür, dass TWD beim Bau
zur Sonne hin orientierte Fenster bzw. Verglasungen. energiesparender Wohngebäude kaum eingesetzt wird.
Direkte und diffuse Sonneneinstrahlung in Räume kann
die Wärmeverluste eines Niedrigenergiehauses bis zu 3.6.1 Bedeutung der Fensterorientierung
einem Drittel mit solaren Wärmegewinnen ausgleichen.
Folgende Einflüsse spielen eine Rolle: Für die Einstrahlung von Sonnenenergie in einen Raum
– Orientierung, Größe und Gesamtenergiedurchlassgrad ist die Größe und Himmelsorientierung der Verglasung
der Fenster bzw. Verglasungen, sowie deren Gesamtenergiedurchlassgrad g maßge-
bend. Fenster weisen aber aufgrund ihres höheren Wär-
– Güte des Wärmeschutzes der transparenten und medurchgangskoeffizienten U w auch einen doppelt bis
opaken Bauteile, zehnmal so hohen Transmissionswärmeverlust wie gleich
– Wärmespeicherfähigkeit der Bauteile, große opake wärmegedämmte Flächen auf. Maßgebend
für eine Beurteilung der passiven Solarenergienutzung ist
– Anordnung der Räume unterschiedlicher Nutzung daher die Bilanz der Wärmegewinne und -verluste.
(Zonierung).
In Bild 1-8 ist als Ergebnis einer solchen Bilanzierung der
In den folgenden Abschnitten wird hierauf näher einge- Jahresheizwärmebedarf eines Mittelraumes schwerer
gangen. Bauweise für zwei unterschiedliche Wärmedurchgangs-
koeffizienten UAW der Außenwand in Abhängigkeit vom
Weitere Möglichkeiten zur passiven Solarenergienutzung Fensterflächenanteil dargestellt. Die Kurvenverläufe gel-
sind unbeheizte Wintergärten, angebaute Glashäuser ten für Wärmedurchgangskoeffizienten Uw der Fenster von
und transparente Wärmedämmungen. 1,6 und 1,0 W/(m2K) bei unterschiedlichen Orientierungen.

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

kWh Die Abmessungen des Raumes betragen 6 × 4 × 2,5 m in


m2 Jahr Fassadenbreite, Tiefe und Höhe.
Außenwand UAW = 0,4 W/(m2 K)
70 Die Endpunkte der Kurvenverläufe werden links durch
Jahres-Heizwärmebedarf

60 eine fensterlose Wand, rechts durch eine komplett ver-


glaste Wand bestimmt. Ein Vergleich der Verläufe führt zu
50
folgenden Ergebnissen:
40
– Die Wand mit der besseren Wärmedämmung (unteres
30 Teilbild) weist bei gleichem Fensterflächenanteil und
20 gleicher Verglasung – unabhängig von der Orientierung
10 der Fassade – den niedrigeren Raumwärmebedarf auf.
Ein besserer Wärmeschutz führt demnach zu größeren
0 Heizenergieeinsparungen als ein höherer Fensterflä-
0 20 40 60 80 % 100
chenanteil bei nur mäßiger Dämmung. Wärmedäm-
Fensterflächenanteil mung hat in unserem Klima Vorrang vor passiver
Sonnenenergienutzung.

kWh
– Bei sehr gutem Wärmeschutz der Wand tragen Fenster
m2 Jahr nur bei Südorientierung zu einer Senkung des
Außenwand UAW = 0,2 W/(m2 K) Heizwärmebedarfs im Vergleich zur fensterlosen Wand
70
Jahres-Heizwärmebedarf

durch passive Solarenergienutzung bei. Die Fenster


60 müssen hierfür ebenfalls einen sehr guten Wärme-
50 schutz (im Beispiel U w = 1,0 W/(m2K)) aufweisen.

40 Mit dieser Anforderung an einen niedrigen Uw-Wert


können auch sehr große südorientierte Fensterflächen
30 ohne nachteilige Auswirkungen auf den Heizwärmebe-
20 darf eingesetzt werden; in der warmen Jahreszeit er-
fordern sie jedoch wirksame Maßnahmen für den som-
10
merlichen Sonnenschutz, Kap. 2-4.7, Kap.11-10.
0
0 20 40 60 80 % 100 – Ost- und Westfenster führen bei guten Dämmeigen-
schaften für Flächenanteile bis etwa 40 % zu keiner
Fensterflächenanteil wesentlichen Verschlechterung der Energiebilanz.
Hieraus lässt sich ableiten, dass auch Niedrigenergie-
UW = 1,6 W/(m2K), Süd UW = 1,0 W/(m2K), Süd häuser mit größeren Fensterflächen nicht zwingend
UW = 1,6 W/(m2K), Ost/West UW = 1,0 W/(m2K), Ost/West nach Süden orientiert werden müssen, Abschn. 3.6.3.
UW = 1,6 W/(m2K), Nord UW = 1,0 W/(m2K), Nord – Nordfensterflächen sollten im Hinblick auf die Energie-
1-8 Jahres-Heizwärmebedarf eines Wohnraums in bilanz der passiven Solarenergienutzung möglichst
Abhängigkeit vom Fensterflächenanteil an der Fassade klein bemessen werden. Nach den Landesbauordnun-
für unterschiedliche Wärmedurchgangskoeffizienten gen muss das Rohbaumaß der Fensteröffnungen in
der Außenwand und der Fenster sowie unterschiedliche der Regel jedoch mindestens ein Achtel der Grund-
Orientierungen der Fenster fläche des Raumes betragen. In DIN 5034-4 werden

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

für Wohnräume noch größere Mindestfensterflächen spielt deren Speichermasse für die Höhe des Heiz-
empfohlen, um ein ausreichendes Tageslichtniveau energiebedarfs nur eine untergeordnete Rolle.
und eine angemessene Sichtverbindung nach außen
– Eine bessere Nutzung eingestrahlter Sonnenenergie
zu gewährleisten, Kap. 20-4. Für nordorientierte Fens-
durch das Speichervermögen der Bauteile setzt eine
ter gilt die Forderung nach geringen Wärmeverlusten Raumtemperaturregelung voraus, welche auf einen
(niedriger U w-Wert) in besonderem Maße.
Temperaturanstieg mit einer raschen Verringerung der
Heizleistung reagiert, Abschn. 3.7.3.
3.6.2 Bedeutung der Wärmespeichermasse
des Gebäudes – Auch eine schwere Bauweise gewährleistet in der
Heizperiode bei Abschaltung des Heizsystems eine
Für die passive Sonnenenergienutzung ist ein hohes ausreichende Raumtemperatur nur bis zu maximal
Wärmespeichervermögen der Innenbauteile sowie der 2 Tage.
raumseitigen Schichten der Außenbauteile von Vorteil: – Bei Fensterflächenanteilen größer 30 % können Über-
– Zur Wärmespeicherung tragen insbesondere schwere hitzungen des Gebäudes in längeren sommerlichen
raumseitige Bauteilschichten bis zu einer Tiefe von Schönwetterperioden auch mit schwerer Bauweise
8 bis 10 cm bei. nicht ohne den Einsatz eines Sonnenschutzes vermie-
den werden.
– Eine Überhitzung am Tag durch überschüssige Son-
neneinstrahlung wird gedämpft und die gespeicherte kWh
m2 Jahr 110
Wärme am Abend und in der Nacht wieder abgegeben
und zur Beheizung genutzt. leichte %
Jahres-Heizwärmebedarf
45 Bauweise
– Ein hohes Wärmespeichervermögen vergrößert den 105
nutzbaren Anteil der eingestrahlten Sonnenenergie 44
und verbessert durch die Dämpfung der Temperatur- schwere
43
schwankungen den thermischen Komfort an Heiztagen Bauweise
und insbesondere an strahlungsreichen Sommertagen. 42 100
– Allerdings darf die Bedeutung des Wärmespeicherver-
41
mögens für die Heizenergieeinsparung nicht über-
schätzt werden. Es kann nur die Wärmemenge aus der 40 95
Speichermasse genutzt werden, die bei Temperaturen 0 10 20 30 40 Wh/K
oberhalb der gewünschten minimalen Raumtempera-
tur aufgenommen wurde. Für die Sonnenenergienut- wirksame Wärmespeicherfähigkeit Cwirk
zung wird die Wärmespeicherung umso wirksamer, je 1-9 Einfluss des Wärmespeichervermögens des Gebäudes
größere Schwankungen der Raumtemperatur man zu- auf den Jahres-Heizwärmebedarf eines Einfamilien-
lässt. hauses
– Für das in Kap. 2-8, Bild 2-17 beschriebene Gebäude
ist der Einfluss der wirksamen Wärmespeicherkapazi- 3.6.3 Bedeutung der Gebäudeorientierung
tät auf den Jahres-Heizwärmebedarf in Bild 1-9 darge- und -zonierung
stellt. Die Verringerung des Wärmebedarfs zwischen
leichter und schwerer Bauart beträgt nur maximal 8 %. Aus Bild 1-8 kann man entnehmen, dass die nach Süden
Im Vergleich zur Wärmedämmung eines Gebäudes orientierte Fassade den geringsten Jahres-Heizwärme-

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

bedarf und somit die größten passiven Solarenergiege- Wenn der Schnitt des Grundstücks, der Bebauungs-
winne aufweist. Wenn es das Grundstück zulässt, sollte plan, die Verschattung durch Nachbargebäude, die
man das Gebäude daher mit seiner Hauptfront, das sind Aussicht in die Umgebung usw. eine Südorientierung
in der Regel das Wohnzimmer und andere Aufenthalts- nicht zulassen, bedeutet dies nicht, dass der Energie-
räume mit einem hohen Fensterflächenanteil, nach bedarf des Gebäudes stark ansteigt. Bauteile mit ho-
Süden orientieren. Der aus Bild 1-8 ersichtliche Unter- her Wärmeschutzwirkung ermöglichen für Wohnhäuser
schied des Heizwärmebedarfs zwischen Süd- und Nord- beliebiger Lage das Einhalten des Niedrigenergie-Stan-
orientierung eines Raumes ist bei Betrachtung des ge- dards.
samten Gebäudes jedoch deutlich geringer, da ein
Gebäude nicht nur Fenster auf einer Seite der Fassade Eine Zonierung des Gebäudes ist sowohl im Hinblick
aufweist. auf die passive Solarenergienutzung und Vermeidung
sommerlicher Überhitzungen als auch im Hinblick auf die
In Bild 1-10 ist wiederum für die in Kap. 2-8, Bild 2-17 Bündelung von nur selten oder mit niedrigerer Tempera-
beschriebene linke Doppelhaushälfte der Einfluss der tur beheizten Räumen sinnvoll. Aus energetischer Sicht
Gebäudeorientierung auf den Jahres-Heizwärmebedarf sollten die Grundrisse folgendermaßen geplant werden:
dargestellt. Der Anstieg des Wärmebedarfs beträgt bei
Abweichung der Hauptfassade von der Südorientierung – Kellerersatzräume, Treppenhäuser, Windfänge sowie
maximal 13 %. nur selten beheizte Räume, wie Hobbyraum oder Gäs-
tezimmer nach Norden,
– niedrig beheizte Räume wie Elternschlafzimmer und
kWh Küche nach Osten,
m2 Jahr 115 – Wohnzimmer, Kinderzimmer und andere Aufenthalts-
47 % räume nach Süden oder Westen.

110
Jahres-Heizwärmebedarf

46 Der Heizraum sollte möglichst im obersten Geschoss


zentral im Gebäude eingeplant werden. Dies ermöglicht
45 eine Nutzung der Wärmeverluste von Wärmeerzeuger
und Speicher zur Beheizung der anliegenden Räume und
44 105 reduziert die Wärmeverteilungsverluste der Heizungs-
und Warmwasserleitungen. Weiterhin werden Kosten bei
43
der Abgasführung eingespart.
42 100
41 3.7 Effiziente Bereitstellung der Wärme

40 95 Die Energieeinsparverordnung bezieht in die energeti-


Nord
r Ost Süd W
West Norrd sche Bewertung von Gebäuden auch deren Wärmever-
sorgungstechnik ein. Die DIN V 4701-10 ermöglicht die
Orientierung der Hauptfassade Ermittlung des Endenergiebedarfs (Öl, Gas, Strom) unter
1-10 Jahres-Heizwärmebedarf in Abhängigkeit von der Berücksichtigung der Verluste der Energiebereitstellung
Gebäudeorientierung für die linke Doppelhaushälfte im Gebäude. Zusätzlich wird der Primärenergiebedarf an
nach Bild 2-17 erschöpflichen Energieressourcen durch Berücksichti-

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

gung des Energieaufwandes für die Förderung, Umwand- schaftlich attraktiv. Durch Nutzung von Umweltwärme
lung und den Transport der Energie außerhalb des Ge- bestehen rund 75 % der bereitzustellenden Wärme für
bäudes bestimmt, Kap. 2-2, Kap. 2-6.4. Heizung und Warmwasser aus regenerativer Energie; die
restliche Wärme stammt aus der elektrischen Antriebs-
Ein Maß für die energetische Effizienz der Wärmeversor- energie. Dieser hohe Anteil an regenerativer Energie führt
gung ist die so genannte Anlagenaufwandszahl e p, die trotz der Primärenergiebewertung der Antriebsenergie
das Verhältnis vom Gesamtaufwand an Primärenergie dazu, dass Häuser mit Wärmepumpenheizung eine
zum Nutzwärmebedarf für Heizung und Warmwasser be- Anlagenaufwandszahl von nahezu 1 erreichen können
schreibt, Kap. 2-2, Bild 2-14. Wesentlichen Einfluss auf (Bild 2-14) und damit eine besonders hohe energetische
die Effizienz der Wärmeversorgung haben die Verluste bei Effizienz der Wärmebereitstellung aufweisen. Diese
der Wärmeerzeugung, bei der Wärmespeicherung und günstige Bewertung erreichen Wärmepumpen z. B. bei
Wärmeverteilung sowie bei der Regelung der Wärmebe- der Nutzung von Erdreich als Wärmequelle in Verbindung
reitstellung. Die Einbeziehung regenerativer Energie er- mit einer Niedertemperatur-Fußbodenheizung.
höht die Effizienz der Wärmebereitstellung. Im Folgenden
werden hierzu allgemeine Hinweise gegeben; detaillierte Mit dem Einsatz von Solarkollektoranlagen können
Informationen enthalten die Kap. 16 bis 17 und Kap. 12. etwa 50 bis 60 % der für die Warmwasserbereitung
benötigten Wärme aus Sonnenenergie bereitgestellt
werden. Bezogen auf den gesamten Wärmebereitstel-
3.7.1 Energiesparende Wärmeerzeugung
lungsbedarf (Definition siehe Bild 2-11) eines Niedrig-
energie-Einfamilienhauses entspricht das einem Anteil
Die erforderliche Heizleistung ist bei Niedrigenergie-
regenerativer Energie von rund 15 %. Dies erhöht die
häusern im Vergleich zum durchschnittlichen Wohnhaus-
energetische Effizienz der Wärmebereitstellung. Aller-
bestand um etwa den Faktor 3 reduziert: Ein Einfamilien-
dings liegt die Höhe des Beitrags in einem Bereich, der
haus benötigt meist weniger als 8 kW, ein Niedrigenergie-
auch mit anderen Maßnahmen der Effizienzverbesse-
Mehrfamilienhaus weniger als 3 kW je Wohnung.
rung, z. B. Verringerung der Wärmeverluste durch Instal-
lation der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage
Bei Heizkesseln führt der Einsatz der Brennwerttechnik
und der Verteilleitungen innerhalb der thermischen Ge-
zu einer höheren Energieausnutzung. Dabei wird ein Teil
bäudehülle, erreicht werden kann, Kap. 17-9. Der Einsatz
des im Abgas enthaltenen Wasserdampfes kondensiert
von Solarkollektoren sollte deshalb in ein Gesamtkon-
und die Kondensationswärme mit zur Heizwärmebe-
zept zur Effizienzverbesserung der Wärmeversorgungs-
darfsdeckung verwendet. Ein Wärmeverteilsystem mit
technik eingebunden werden.
niedriger Rücklauftemperatur erhöht die Wasserdampf-
kondensation und den Energiegewinn. Größere Solarkollektoranlagen für eine zusätzliche
Unterstützung der Heizung erreichen wegen der ungüns-
Gas-Brennwertkessel arbeiten überwiegend mit variab- tigen Einstrahlungsverhältnisse der Heizperiode einen
ler Brennerleistung (modulierender Betrieb), wodurch Deckungsanteil am Wärmebereitstellungsbedarf der
die Heizleistung des Wärmeerzeugers bis herab zu etwa Raumheizung von typischerweise nur ca. 10 %, wodurch
4 kW kontinuierlich an den momentanen Wärmebedarf der Anteil regenerativer Energie an der gesamten Wär-
angepasst werden kann und die Energieausnutzung im mebereitstellung beim Niedrigenergiehaus auf 20 bis
Teillastbetrieb zusätzlich gesteigert wird. 25 % ansteigt. Die Einsparung an Endenergie und Pri-
märenergie liegt in der gleichen Größenordnung.
Der niedrige Heizleistungsbedarf für Niedrigenergiehäu-
ser macht den Einsatz von Elektro-Wärmepumpen wirt-

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Hauptmerkmale energiesparenden Bauens

3.7.2 Verlustarme Wärmespeicherung unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Folgende


und -verteilung Maßnahmen tragen hierzu bei:
– Eine „mitdenkende“ Regelung des Wärmeerzeugers,
Die Verluste der Speicherung und Verteilung der Wärme
die das dynamische Temperaturverhalten des Gebäu-
in der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage kön-
des erfasst und die Heizwassertemperatur gleitend an
nen den Energiebedarf beträchtlich erhöhen. Folgende
den Bedarf anpasst sowie die Heizungsanlage voll-
Maßnahmen tragen zur Geringhaltung der Verluste bei:
ständig abschaltet, wenn kein Wärmebedarf vorhan-
– Installation der Anlagentechnik innerhalb des wärme- den ist.
gedämmten Gebäudebereichs. Die Oberflächenverlus- – Thermostatventile mit hoher Regelgenauigkeit zur
te von Wärmeerzeuger, Speicher und Verteilleitungen raumweisen Regelung/Abschaltung der Heizleistung.
tragen dann während der Heizperiode zur Beheizung
der angrenzenden Wohnräume bei. – Massearme Heizkörper mit geringem Wasserinhalt,
damit deren Wärmeabgabe nach Schließen des Heiz-
– Berücksichtigung kurzer Leitungswege für die Warm- wasserzulaufs schnell absinkt.
wasserversorgung bei der Grundrissplanung.
– Niedriges Temperaturniveau des Wärmeverteilsys-
– Vermeidung langer Leitungen in Außenwänden. tems. Warmwasser-Fußbodenheizungen ermöglichen
in Niedrigenergiehäusern Heizflächentemperaturen,
– Vermeidung von Überdimensionierungen bei Spei-
die während des größten Teils der Heizperiode nur we-
chern und Verteilleitungen.
nige Grad über der Raumtemperatur liegen. Hierdurch
– Dämmung der Leitungen mindestens nach den Anfor- tritt ein Selbstregeleffekt der Wärmeabgabe ein, wenn
derungen der EnEV, Kap. 13-2. durch freie Wärme die Raumtemperatur ansteigt.
– Betrieb der Heizung und Warmwasserversorgung mit
3.8 Einfluss des Nutzers auf den Energieverbrauch
möglichst niedrigen Temperaturen. Dies gilt insbeson-
dere, wenn sich die Installation der Anlagen außerhalb Die Bewohner üben einen erheblichen Einfluss auf den
der thermischen Gebäudehülle, d. h. im ungedämmten Heizenergieverbrauch aus. Beim Niedrigenergiehaus
Keller, nicht vermeiden lässt. sind aufgrund des niedrigen rechnerischen Bedarfs die
– Vermeidung bzw. zumindest zeitliche Begrenzung der Nutzereinflüsse besonders groß. Es können Unterschie-
Zirkulation von Warmwasser. de im Verbrauch bis zu mehr als dem Dreifachen zustan-
de kommen. Das Ziel eines niedrigen Heizenergiever-
brauchs kann nicht allein mit energieeffizienter Bau- und
3.7.3 Energiesparende Regelung
Haustechnik erreicht werden, sondern es erfordert von
den Bewohnern auch ein energiesparendes Verhalten.
Durch Wärmegewinne aus eingestrahlter Sonnenenergie
Ein nutzungsabhängiger Einfluss auf die Höhe des Ener-
und wechselnde innere Wärmequellen (Wärmeabgabe
gieverbrauchs entsteht insbesondere durch:
der Personen und Geräte) ist der geringe Wärmebedarf
von Niedrigenergiehäusern erheblichen Schwankungen – Die Höhe der Raumtemperatur. Da im Niedrigener-
unterworfen. Das heißt, die benötigte Heizleistung hängt giehaus eine Grundtemperierung bereits durch innere
nicht nur von der relativ langsam sich ändernden Außen- Wärmequellen und Sonneneinstrahlung erreicht wird,
temperatur ab, sondern in erheblichen Maße auch von führt eine Anhebung der mittleren Raumlufttemperatur
den schnellen Veränderungen dieser Wärmegewinne. Die der Wohnung über 20 °C zu einem beträchtlichen zusätz-
Heizung muss auf freie Wärme schnell reagieren, um lichen Heizenergieverbrauch von 10 bis 15 % je Grad.

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Neubau

– Die Höhe des Luftwechsels. Eine Verdoppelung des Sie fasst die früher gültige Wärmeschutzverordnung und
Luftaustauschs über den aus hygienischen Gründen die Heizungsanlagenverordnung zusammen und nennt
und zur Feuchteabfuhr erforderlichen Lüftungsbedarf die Normen, nach denen der Nachweis für die Einhaltung
erhöht ohne Wärmerückgewinn den Heizenergiever- der Anforderungen zu führen ist. Im Kapitel 2 wird die
brauch im Niedrigenergiehaus bis zu 50 %. EnEV ausführlich beschrieben.
– Die Akzeptanz der Sonneneinstrahlung in Räume.
Wenn aus Gründen des Sichtschutzes, der Blendung Anforderungen für die Einhaltung einer hinreichenden
oder der Vergilbung von Einrichtungsgegenständen Energieeinsparung nach EnEV werden bei neu zu errich-
die Sonneneinstrahlung in Räume durch Gardinen, Ja- tenden Gebäuden an den Jahres-Primärenergiebedarf
lousien oder Rollläden verringert wird, vermindert dies Q p´´ sowie an den auf die wärmeübertragende Umfas-
die passive Solarenergienutzung. sungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlust HT′
gestellt (Kap. 2-4, Bild 2-5 und Bild 2-6).
– Die Einschränkung der Beheizung bei längerer Abwe-
senheit bzw. Nichtnutzung von Räumen. Hilfreich ist
hierbei die Möglichkeit der Fernbedienung der Heizan- Der Primärenergiebedarf berücksichtigt alle Einflussgrö-
lage, um Einfluss auf deren Betrieb nehmen zu können. ßen für den Energiebedarf des Neubaus, wie Wärmedäm-
mung, Wärmebrücken, Luftdichtheit, Lüftung, Sonnen-
– Die Höhe des Warmwasserverbrauchs. Diese hängt energie, Heizung, Warmwasserversorgung, Hilfsenergie,
ab von der Anzahl und dem Alter der Bewohner, den Art der eingesetzten Energieträger. Durch die Bilanzierung
Lebensgewohnheiten und Komfortansprüchen. Bei ei- der energetischen Auswirkungen dieser Einflussgrößen
ner Verdoppelung des Warmwasser-Wärmebedarfs könnte der geforderte Grenzwert des Jahres-Primärener-
gegenüber dem standardisierten Bedarf lt. EnEV (25 giebedarfs im Extremfall durch einen Mindestwärme-
statt 12,5 kWh/(m 2 Jahr)) erhöht sich der Jahresge- schutz nach DIN 4108-2 in Verbindung mit einem beson-
samtenergieverbrauch im Niedrigenergiehaus um 10 ders effektiven Heizsystem eingehalten werden.
bis 20 %.
– Die Betriebsweise der Anlagentechnik. Hierzu ge- Diese wirtschaftlich und bauphysikalisch ungünstige
hören insbesondere im Einfamilienhaus persönliche Lösung verhindert die EnEV durch eine zusätzliche
Einflussnahmen auf die Systemtemperaturen für Hei- Anforderung an den auf die wärmeübertragende Umfas-
zung und Warmwasser, die Heizungsabschaltung, die sungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlust.
Warmwasserzirkulation und die Wartung der Anlage. Diese Anforderung entspricht einem nach oben begrenz-
– Die verursachergerechte Erfassung und Abrech- ten mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten der Gebäu-
nung des Heizenergieverbrauchs in Häusern mit dehülle. Hierdurch wird sichergestellt, dass der bauliche
mehr als einer Wohnung motiviert zum sparsamen Um- Wärmeschutz, der in der Wärmeschutzverordnung ’95
gang mit Energie. festgelegt war, nicht unterschritten werden kann, son-
dern um etwa 5 % zu verbessern ist.

4 Energiesparendes Bauen beim Neubau Mit der EnEV wurden somit die baulichen Anforderungen
für den Neubau im Vergleich zur WSVO ’95 kaum ver-
4.1 Anforderungen der Energieeinsparverordnung schärft, obwohl bereits seit Jahren Gebäude mit erheb-
lich höherem Wärmeschutz Stand der Technik sind und
Der Mindeststandard für energiesparendes Bauen wird auch aus wirtschaftlichen Gründen ein besserer Wärme-
durch die Energieeinsparverordnung EnEV festgelegt. schutz angestrebt werden sollte. Im Folgenden wird auf

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Neubau

die verschiedenen Varianten solcher Energiesparhäuser Bauteile Wärmedurchgangskoeffizient


eingegangen. U in W/(m 2K)

Außenwände, die an
0,20 … 0,30
4.2 Anforderungen bei Energiesparhäusern Außenluft grenzen
unterschiedlicher Begriffsdefinition
Außenwände, die an
 0,30
Erdreich grenzen
Durch verschiedene Förderprogramme mit daran ge-
knüpften erhöhten Anforderungen wurde bereits seit
längerem eine über die gesetzlichen Mindestanforderun- Dächer, Dachschrägen  0,15
gen hinausgehende energiesparende Bauweise und
Decken unter nicht
Anlagentechnik vorangebracht. Auch verschiedene In-  0,15
ausgebauten Dachräumen
teressengruppen, z. B. von Ingenieuren, Versorgungs-
unternehmen, Bauträgern, haben standardisierte Anfor- Kellerdecken und Decken
 0,30
derungsniveaus für energiesparende Gebäude entwickelt gegen unbeheizte Räume
und hierfür eigene Begriffe geschaffen.
Wände gegen unbeheizte
 0,35
Räume
Für den Planer und den interessierten Bauherrn ist es
schwierig, die Anforderungen für verschiedene Begriffe
Fenster  1,30
wie Niedrigenergiehaus, Niedrigstenergiehaus, Nullener-
giehaus, 3- oder 6-Liter-Haus usw. zu unterscheiden und
zu vergleichen. 1-11 Richtwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten von
Bauteilen für Niedrigenergiehäuser
Um einen Überblick zu verschaffen, sind in Bild 1-12 die
gängigsten Begriffe für Energiesparhäuser und deren
Hauptmerkmale aufgelistet. Auch die für den Konformi-
tätsnachweis anzuwendenden Rechenverfahren sind an- hen Kompaktheit den Niedrigenergiehaus-Standard,
gegeben. auch für die neu definierten Begriffe Niedrigenergiehaus
(RAL) und Niedrigenergiehaus (HEA) erfüllen.
Nachfolgend werden die häufig verwendeten Begriffe
Niedrigenergiehaus, Energiesparhaus und Passivhaus In manchen Niedrigenergiehäusern wurden auch mecha-
näher erläutert. nische Lüftungsanlagen eingebaut, die bei der Nach-
weisführung nach WSVO ’95 durch einen verminderten
4.2.1 Niedrigenergiehaus Lüftungswärmebedarf berücksichtigt wurden. Lüftungs-
anlagen minimieren bei korrekter Planung, Ausführung
Der Niedrigenergiehaus-Standard wurde in den letzten und Bedienung den Lüftungswärmebedarf bei gleichzei-
Jahren durch einen um 25 bis 30 % verminderten Heiz- tiger Gewährleistung eines hygienisch notwendigen Luft-
energiebedarf gegenüber den Anforderungen der WSVO wechsels, Kap. 14.
’95 definiert. Bei den meisten Objekten der 90er Jahre
wurde dieses Ziel durch einen verbesserten Wärme- Verbunden mit einer Lüftungsanlage ergeben sich erhöhte
schutz der Gebäudehülle erreicht. Als Richtwerte für die Anforderungen an die luftdichte Ausführung des Gebäu-
Planung sind in Bild 1-11 Wärmedurchgangskoeffizienten des. Nach DIN 4108-7 darf bei 50 Pa Differenzdruck ein
U angegeben, die bei Gebäuden einer mittleren bis ho- Luftwechsel von 3,0 h–1 bei Fensterlüftung und 1,5 h –1 bei

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Neubau

Begriff Hauptanforderung an Rechen- Grenzwert Bemerkungen/


verfahren Nebenanforderungen

Niedrigenergie- Heizwärmebedarf Wärmeschutz- 25 bis 30 % Erreichbar durch erhöhten


haus Verordnung ’95 unter Q H′ , max Wärmeschutz und/oder
(WSVO ´95) (WSVO ’95) der WSVO ’95 Lüftungsanlage

Niedrigenergie- Transmissionswärmeverlust Energie- 30 % unter dem – Luftdichtheit n 50  1,0 l/h


haus einspar- H T′ , max der – mech. Lüftungsanlage
(RAL) verordnung EnEV – effiziente Heizanlage
(EnEV) – Überprüfung verlangt

Niedrigenergie- Primärenergiebedarf für Energie- 15 % unter Wert Empfehlung: H ′ T 30 %


haus Heizung und Warmwasser einspar- Q p′ ′ , max der unter H T′ , max der EnEV
(HEA) inkl. Hilfsenergie verordnung EnEV
(EnEV)

Ultra- Primärenergiebedarf für Heizung DIN 4108-6, Primärenergie- 34 kWh Prim entspricht dem
Niedrigenergie- inkl. Hilfsenergie DIN 4701-10 bedarf  34 Primärenergiebedarf von
haus, kWh/(m 2 Jahr) 3 Litern Heizöl
3-Liter-Haus

Energiespar- Primärenergiebedarf für Heizung Energie- Q p  60 Grenzwerte müssen zum


haus 60 und Warmwasser einspar- kWh/(m 2 Jahr) Erhalt zinsgünstiger KfW-
(Energiespar- inkl. Hilfsenergie verordnung (Q p  40 Kredite eingehalten werden
haus 40) (EnEV) kWh/(m 2 Jahr))

Passivhaus Raumwärme-, Warmwasser-, Passivhaus- Heizwärme- – Luftdichtheit n 50  0,6 l/h


Hilfsenergie-, Haushaltsstrom-, Projektierungs- bedarf Q h  15 – Abluft-Wärmerück-
Primärenergiebedarf Paket (PhPP) kWh/(m 2 Jahr) – gewinnung > 75 %
– wärmebrückenfrei

Nullheizenergie- Endenergiebedarf für keine fossilen – Heizung erfolgt mit


haus Heizung und Warmwasser Energieträger – Solarkollektoren und
– Saisonspeicher
– Hilfsenergie
–  5 kWh/(m 2 Jahr)

Nullenergiehaus Endenergiebedarf für keine fossilen – Heizung erfolgt mit


Heizung, Warmwasser, Energieträger – Solarkollektoren und
Hilfsenergie, Haushaltstrom – Saisonspeicher
– Strom mit Photovoltaik

1-12 Begriffe für Energiesparhäuser unterschiedlichen Standards mit ihren wichtigsten Kenngrößen

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 1/17


1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Neubau

vorhandener Lüftungsanlage nicht überschritten werden. 4.2.2 Energiesparhaus 60 (Energiesparhaus 40)


Empfohlen wird bei Gebäuden mit mechanischer Lüftung
sogar eine Luftwechselrate n50 von höchstens 1,0 je Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, stellt zinsgüns-
Stunde, Kap. 9-3.3. tige Kredite zur Verfügung, wenn der Jahresprimärener-
giebedarf nicht mehr als 60 kWh je m2 beheizter Gebäu-
Diese Forderungen werden in der Praxis häufig nicht denutzfläche AN beträgt. Der Jahres-Primärenergiebedarf
erreicht. Dies liegt sowohl an einer unvollständigen Qp′ ′ ist nach der Energieeinsparverordnung zu ermitteln,
Detailplanung der Bauteilanschlüsse als auch an einer un- siehe Kapitel 2-6.4. Von der KfW wird nicht vorgeschrie-
fachgemäßen Bauausführung, da viele Baubeteiligte die ben, ob der Einfluss der Wärmebrücken auf den Wärme-
Notwendigkeit der Luftdichtheit zur Energieeinsparung und schutz des Gebäudes nach Beiblatt 2 zur DIN 4108 oder
Verhütung von Bauschäden noch nicht verinnerlicht haben. durch Einzelberechnung zu reduzieren ist. Durch die Be-
rechnung des Primärenergiebedarfs nach EnEV ist aber
Zur Sicherstellung eines guten Wärmeschutzes über die gewährleistet, dass eine Schwächung des Wärmeschut-
gesamte Gebäudehülle müssen bei Niedrigenergiehäu- zes der Gebäudehülle korrekt berücksichtigt wird. Eben-
sern Wärmebrücken vermieden bzw. in ihrer Wirkung so wirkt sich aus, ob die immer zu empfehlende Überprü-
weitestgehend gemindert werden. Auch dies erfordert fung der Luftdichtheit durch einen Blower-Door-Test
eine sorgfältige Detailplanung durch den Architekten, er- vorgenommen wird oder nicht, Kap. 2-6.2, Kap. 9-2.
forderlichenfalls unter Hinzuziehung eines Bauphysikers,
nicht zuletzt um Feuchte und Schimmelbefall durch den Da die EnEV einen Maximalwert des Primärenergiebe-
bei Wärmebrücken vorhandenen Wärmeabfluss zu ver- darfs je nach Gebäudetyp von ca. 80 bis 140 kWh/
meiden, Kap. 10. (m2 Jahr) zulässt, sind die Anforderungen des KfW-Pro-
gramms mit maximal 60 kWh/(m2 Jahr) für die verschie-
Für eine energieeffiziente Heizung und Warmwasser-
denen Wohnhauskategorien unterschiedlich streng. Legt
bereitung empfiehlt sich der Einsatz eines Brennwertkes- man eine mittlere Kompaktheit zugrunde, muss der nach
sels oder eine Wärmepumpe in Verbindung mit einem
EnEV maximal zulässige Jahres-Primärenergiebedarf um
Niedertemperatur-Wärmeverteilsystem, Kap. 16. Die An- folgende Prozentbeträge verringert werden:
lagentechnik sollte zur Verringerung der Wärmeverluste
innerhalb der wärmegedämmten Gebäudehülle unterge- – frei stehendes Einfamilienhaus 50 bis 60 %,
bracht werden, siehe z. B. Bild 2-19, Bild 17-48.
– Reihenendhaus 40 bis 50 %,
Ob die Investition für die Erteilung eines RAL-Gütezei- – Reihenmittelhaus 35 bis 40 %,
chens der Gütegemeinschaft NEH e. V. sinnvoll ist oder
die Kosten für die Einschaltung eines Bauphysikers ver- – Mehrfamilienhaus kleiner 40 %.
wendet werden, der außerdem auch den Schall- und
Feuchteschutz des Gebäudes optimiert und kontrolliert, Die Anforderung an ein Energiesparhaus 60 bzw. 40 sind
muss der Bauherr entscheiden. daher erheblich strenger als beim Niedrigenergiehaus.
Dies beruht auf der Feststellung, dass Investitionsmehr-
Die Anforderungen an das Niedrigenergiehaus nach RAL kosten der unter Abschn. 4.2.1 behandelten Niedrigener-
sind zum Teil höher als die an das Niedrigenergiehaus giehäuser sich durch die eingesparten Energiekosten
nach HEA. Bietet ein Bauträger oder Planer ein Niedrig- innerhalb deren Lebensdauer amortisieren. Der Staat
energiehaus an, sollte der Kaufinteressent sich immer er- unterstützt Bauherren mit dem KfW-Programm, um die
kundigen, welche Niedrigenergiehaus-Definition Grund- Markteinführung von Gebäuden mit noch niedrigerem
lage der Werbeaussage ist. Energiebedarf und geringeren CO2-Emissionen zu er-

1/18 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Neubau

leichtern, auch wenn diese Maßnahme ohne Förderung


Bauteile Wärmedurchgangskoeffizient
vorerst noch nicht wirtschaftlich sind.
U in W/(m 2K)

4.2.3 Passivhaus Außenwände, die an


0,08 … 0,15
Außenluft grenzen
Aufgrund der Feststellung in Musterbauvorhaben, dass Außenwände, die an
Nullheizenergie- oder Nullenergiehäuser nur mit einem  0,15
Erdreich grenzen
immensen technischen Aufwand und den damit verbun-
denen Investitionskosten bei unserem Klimaverhältnis- Dächer, Dachschrägen 0,06 bis 0,15
sen realisierbar sind, wurde der Standard für Passivhäu-
ser entwickelt. Sie haben nur noch einen sehr geringen Decken unter nicht
 0,15
Heizwärmebedarf von unter 15 kWh/(m² Jahr) und er- ausgebauten Dachräumen
reichen – in Abhängigkeit vom Gebäudetyp und der ein-
Kellerdecken und Decken
gesetzten Anlagentechnik – einen Jahres-Primärenergie- gegen unbeheizte Räume
0,10 bis 0,15
bedarf von 20 bis 40 kWh/(m2 Jahr) für Heizung, Lüftung
und Warmwasserversorgung. Wände gegen unbeheizte
 0,15
Räume
Das Passivhaus basiert auf der grundlegenden Prämisse,
dass durch die Berücksichtigung aller Hauptmerkmale Fenster  0,80
energiesparenden Bauens, insbesondere einer sehr
guten Wärmedämmung der Gebäudehülle und einer Lüf- 1-13 Richtwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten von
tungsanlage mit hoch effizienter Wärmerückgewinnung, Bauteilen für Niedrigenergiehäuser
der verbleibende sehr geringe Heizwärmebedarf durch
eine zusätzliche Erwärmung des Luftvolumenstroms der gangskoeffizienten einen hohen Gesamtenergiedurch-
ohnehin vorhandenen Lüftungsanlage gedeckt werden lassgrad aufweisen, um den Wärmebedarf des Gebäudes
kann. Die durch den Verzicht auf eine gesonderte Wär- zu einem großen Teil über passive Solarenergienutzung
meverteilungsanlage eingesparten Investitionskosten zu decken.
können zur Kompensation eines Teils der Mehrkosten für
die zusätzliche Wärmedämmung und die aufwändigere Die wärmedämmende Hülle soll nahezu wärmebrücken-
Technik der Lüftungsanlage verwendet werden. frei sein, d. h. der auf die Außenmaße bezogene Wärme-
brückenverlustkoeffizient Ψ (Kap. 10-4.3) darf nicht grö-
Das Anforderungsniveau an die Wärmedämmung der ßer als 0,1 W/(mK) sein.
opaken Bauteile sowie der Fenster ist erheblich höher als
bei Niedrigenergiehäusern, kann aber mit marktüblichen Die Lüftungsanlage muss eine hoch effiziente Abluftwär-
Produkten und Konstruktionen erreicht werden. Richt- me-Rückgewinnung und einen niedrigen Stromverbrauch
werte für die Wärmedurchgangskoeffizienten der Außen- haben; ihr Wärmerückgewinnungsgrad sollte mehr als
bauteile sind Bild 1-13 zu entnehmen. 75 % betragen. Es empfiehlt sich, bei der Zuluft eine Vor-
erwärmung durch im Erdreich verlegte Lüftungskanäle
Die Fenster erfordern einen wärmegedämmten Rahmen einzuplanen. Dieser Erdreichwärmetauscher kann im
mit einer hoch effizienten 3-fach-Verglasung und einem Sommer auch zur Kühlung der Frischluft verwendet wer-
wärmebrückenminimierten Randverbund, Kap. 5-12. Die den. Verbunden mit der hoch effizienten Lüftungsanlage
Verglasung muss bei einem niedrigen Wärmedurch- ist die Sicherstellung einer besonders großen Luftdicht-

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 1/19


1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

heit der Gebäudehülle mit einem maximal zulässigen Die höheren Energiestandards von 3-Liter-Häusern und
Leckageluftwechsel n50 von 0,6 h –1 erforderlich. Passivhäusern haben Mehrkosten bei der Bauerstellung
von 10 bis 20 % zur Folge. Diese Mehrkosten werden
Passivhäuser gewährleisten durch nahezu auf Raumluft- sich innerhalb der Nutzungsdauer nur bei besonders
temperatur angehobene innere Oberflächentemperatu- ungünstiger Entwicklung der Energiepreise amortisieren.
ren und durch komfortable Lüftung ein sehr behagliches Für die Umwelt wird bei derartigen Gebäuden jedoch
Raumklima bei minimalem Energieverbrauch. Architek- eine immense Reduzierung der CO2-Emissionen erreicht.
tonisch ist eine besonders kompakte Bauform zu beach-
ten; Gestaltung, z. B. durch außerhalb der thermischen Null-Heizenergiehäuser erfordern aufgrund ihres großen
Hülle angebrachte Elemente, und Bauweise sind auch Technikaufwands Mehrkosten von etwa 500 €/m2 und
beim Passivhaus variabel. sind daher aus wirtschaftlicher Sicht für den Bauherrn
nicht zu empfehlen.

4.3 Mehrkosten von Energiesparhäusern


5 Energiesparendes Bauen beim Altbau
Die Erstellungskosten identischer Gebäude variieren
u. a. abhängig vom regionalen Standort des Gebäudes 5.1 Gründe für die energiesparende
und der momentanen Auslastung der Baubetriebe in Bauerneuerung
einer großen Bandbreite. Hinzu kommen stark unter-
schiedliche Baupreise von Häusern gleichen Energiever- Von den ca. 34 Mio. Wohnungen in Deutschland sind
brauchs, aber unterschiedlicher Baumaterialien. Weiter- rund ¾ älter als 25 Jahre. Für diese Wohnungen wird
hin kann man z. B. unterschiedlicher Meinung sein, ob mehr als 90 % der gesamten Heizenergie verbraucht.
eine vergrößerte Fensterfläche nach Süden dem energie- Der Zubau neuer, energieeffizienter Wohnungen beträgt
sparenden Bauen zuzurechnen ist oder als Gestaltungs- jährlich kaum mehr als 1 %. Damit wird klar: Das größte
element und als Wohnwertverbesserung in die Kos- Potential zur Senkung des Heizenergieverbrauchs liegt
tenbetrachtung nicht mit eingeht. Die nachfolgenden im Gebäudebestand und nur durch umfangreiche Maß-
Angaben zu den relativen Mehrkosten verschiedener En- nahmen im Gebäudebestand kann die für Heizzwecke im
ergiesparhäuser, die auf der Abrechnung ausgeführter Wohnungssektor benötigte Energie insgesamt gesenkt
Gebäude beruhen, variieren deshalb innerhalb der ge- werden.
nannten Prozentbereiche.
Der Gesetzgeber verpflichtet deshalb in der Energieein-
Die Mehrkosten für in Niedrigenergiebauweise erstellte sparverordnung die Hauseigentümer zu energiesparen-
Mehrfamilienhäuser betragen 0,5 bis 3 %. Ein- und Zwei- den Maßnahmen, wenn Modernisierungs- oder Sanie-
familien-Niedrigenergiehäuser erhöhen die Erstellungs- rungsarbeiten an den Außenbauteilen vorgenommen
kosten um etwa 2 bis 5 %. Sie bewegen sich somit in werden, siehe Kap. 2-5.1. Bei besonders wirtschaftlichen
dem Kostenrahmen, der üblicherweise für unterschied- Maßnahmen, wie der Dämmung der obersten Geschoss-
liche Innenausstattungen der Häuser akzeptiert wird. Die decke oder dem Ersatz alter, uneffizienter Heizkessel,
Mehrinvestitionen für Niedrigenergiehäuser sollten werden die Hauseigentümer zur Nachrüstung bis zum
daher von jedem Bauherrn erbracht werden, da die 31. Dezember 2006 verpflichtet, siehe Kap. 2-5.2.
Energieeinsparung und die Reduktion der CO2-Emis-
sionen mehr als 25 % betragen und die Maßnahmen Im Rahmen der normalen Ersatz- und Erneuerungszyklen
sich innerhalb deren Lebensdauern amortisieren. bei Gebäuden, z. B. beim Außenputz, bei den Fenstern,

1/20 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

bei der Dacheindeckung, ist mit wirtschaftlich vertret- kWh


baren Mehrkosten von 20 bis 30 % zu den ohnehin anfal-

56 m2
m2 Jahr
lenden Sanierungsaufwendungen sogar eine über die

107 m2
148 m2
Forderungen der EnEV hinausgehende Verbesserung 500

2
321 m2 208 m

115 m 2
88 m2
des baulichen Wärmeschutzes möglich. Auch die ther-

Jahres-Heizwärmebedarf
mische Wohnbehaglichkeit wird hierdurch zusätzlich 400

240 m2
gesteigert.

77 m2

108 m2
Mittelwert

300 m2 144 m2
Bei den im Turnus von 12 bis 20 Jahren erforderlichen Er- 300 260 kWh/(m2 Jahr)
neuerungsmaßnahmen bei der Anlagentechnik kann

272 m2
195 m2

250 m2

146 m2 90 m2
durch Wahl besonders energieeffizienter Produkte der 200

130 m2
Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser beträcht-

101 m2
m2
lich gesenkt werden. Gas-Brennwertgeräte ermöglichen

218 m2
häufig auch mit den vorhandenen Wärmeverteilungssys- 100

1204
temen des Gebäudebestands eine zusätzliche Senkung
der Verluste bei der Wärmeerzeugung, Kap. 16. 0
1900 1920 1940 1950 1980 2000
Die alte Bausubstanz aus den Nachkriegsjahrzehnten
wird inzwischen vielfach an die nächste Generation wei- Baujahr
tergegeben. Die damalige Grundrissgestaltung sowie 1-14 Jahres-Heizwärmebedarf von Altbauten in Abhängig-
Bau- und Haustechnik entsprechen in keiner Weise den keit vom Baualter
heutigen Anforderungen. In der Regel werden diese Ge-
bäude weitgehend umgebaut, sodass auch Außenbautei- kWh
le und technische Anlagen erneuert werden müssen. Bei m2 Jahr

1936
derart umfangreichen Maßnahmen sollte ein Konzept für
die Energieeinsparung Berücksichtigung finden. Mit ver- 500

1900
1910
1910
tretbaren Mehrkosten – vergleichbar mit den Mehrauf-
Jahres-Heizwärmebedarf

1967
wendungen für Energiesparhäuser beim Neubau – wird
400
der energetisch sanierte Altbau den Anforderungen der

1939

1935
1919

1922
nächsten Jahrzehnte gerecht.
1918
Mittelwert
300 260 kWh/(m2 Jahr)
1955
1920

5.2 Bestandsanalyse

1960
1928
1966

200

1981
1950

Der Energiebedarf des Wohnungsbestands ist im Mittel 1973


1926

1980
mehr als doppelt so hoch, wie es heute vom Gesetzgeber 100
1978

beim Neubau zugelassen wird. Die Bilder 1-14 und 1-15


zeigen den berechneten Jahres-Heizwärmebedarf eines 0
Teils von mehreren Hundert Ein- und Mehrfamilienhäu-
0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 m2/m3
sern unterschiedlichen Baualters sowie verschiedener
Gestalt und Nutzfläche, die vom Autor einer Bestands- A/Ve
analyse unterzogen wurden. Aus Bild 1-14 ist erkennbar, 1-15 Jahres-Heizwärmebedarf von Altbauten in Abhängig-
dass der spezifische Jahres-Heizwärmebedarf um einen keit vom A/Ve-Verhältnis

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 1/21


1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

Mittelwert von 260 kWh/(m2 Jahr) stark variiert und eine


Abhängigkeit von der Gebäudenutzfläche nicht klar fest-
zustellen ist. In Bild 1-15 wurde der Jahres-Heizwärme- Wand
bedarf der gleichen Gebäude über deren A/Ve-Verhältnis
aufgetragen. Die theoretisch zu erwartende Zunahme Fenster
des Jahres-Heizwärmebedarfs mit steigendem A/Ve-Ver- Dach
hältnis ist zwar tendenziell vorhanden, verschiedene Dachdecke
Gebäude fallen aber aus dem Trend heraus. Dies liegt
daran, dass die Altbauten bereits in unterschiedlicher Boden
energetischer Qualität erstellt und zum Teil im Laufe der Kellerdecke
Zeit bereits durch unterschiedliche Maßnahmen energe-
tisch verbessert wurden. 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 W/(m2K)
Wärmedurchgangskoeffizient U
Deshalb können allgemeine Empfehlungen zur Energie- 1-16 Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenbauteilen
einsparung über die in Abschn. 5.1 gegebenen Hinweise im Bestand
hinaus bei der Bauerneuerung nur eingeschränkt gege-
ben werden. Es empfiehlt sich, jedes Gebäude zunächst
einer gründlichen Analyse zu unterziehen. Eine bloße se nachträglich, meist im Vergleich zu heutigen Anforde-
Einstufung nach Gebäudetyp mit den technischen Kenn- rungen nur mäßig gedämmt.
werten der Bauzeit ermöglicht zwar volkswirtschaftliche
Hochrechnungen auf zukünftige Energieeinsparpotentia- Mit den Wärmedurchgangskoeffizienten und den aus
le, sie kann jedoch nicht Grundlage für das Energiespar- Plänen oder vor Ort aufgenommenen Bauteilabmessun-
konzept eines konkreten Hauses sein. gen wird der Jahres-Heizwärmebedarf ermittelt. Um den
Einfluss der einzelnen Bauteile auf den gesamten Wär-
Die Flächen der Einzelbauteile sollten orientierungsab- meverlust der Gebäudehülle abschätzen zu können,
hängig aufgenommen und die Bauteilaufbauten mit ihren empfiehlt sich die Ermittlung der anteiligen Wärmever-
Schichtdicken und Materialien festgestellt werden. Die luste. In Bild 1-17 ist die Verteilung der Transmissions-
energetisch relevanten Merkmale der Anlagentechnik, wärmeverluste von vier Beispielgebäuden dargestellt.
z. B. Bauart, Dimensionierung und Zustand der Wärme- Auch hieran wird deutlich, dass jedes Gebäude mit sei-
erzeugungsanlage, Leitungsführung und Wärmeschutz nen Abmessungen und Bauteilaufbauten aufzunehmen
der Verteilleitungen, Dimensionierung und Betriebstem- ist, um den Handlungsbedarf und die Auswirkungen einer
peratur der Heizflächen, Höhe des bisherigen Energie- energiesparenden Bauerneuerung konkret einschätzen
verbrauchs, sind zu erfassen. zu können.

Mit diesen Angaben können zunächst die Wärmedurch- Anhand der energierelevanten Merkmale der vorhan-
gangskoeffizienten der Außenbauteile ermittelt werden. denen Wärmeversorgungstechnik können auch hier die
Bild 1-16 zeigt die Bandbreite und Verteilung der U-Werte Prioritäten für den Sanierungsbedarf objektabhängig
von untersuchten Gebäuden. Insbesondere bei den definiert werden. Mit den Berechnungsverfahren der
Fenstern ist erkennbar, dass Einfachverglasungen über- DIN V 4701-10 zur energetischen Bewertung der Anla-
wiegend bereits durch 2-Scheiben-Isoliergläser mit ei- gentechnik, Kap. 2-6, sind quantitative Bewertungen der
nem Wärmedurchgangskoeffizienten von  3,0 W/(m2K) Verbesserungspotentiale bei den Systemkomponenten
ersetzt wurden. Auch Wände und Dächer wurden teilwei- möglich.

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energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

Dach Boden Dach Boden


U = 0,7 W/(m2K) U = 0,9 W/(m2K) U = 2,4 W/(m2K) U = 1,7 W/(m2K)
24 % 16 % 39 % 17 %

Fenster Wand Fenster Wand


U = 3,0 W/(m2K) U = 1,7 W/(m2K) U =5,2 W/(m2K) U = 1,6 W/(m2K)
12 % 48 % 14 % 30 %

freistehendes Einfamilienhaus, 1967 Reihenhaus, einseitig angebaut, 1910


A/Ve = 1,55 m2/m3, AN = 115 m2, Qh’’ = 355 kWh/(m2 Jahr) A/Ve = 0,97 m2/m3, AN = 148 m2, Qh’’ = 417 kWh/(m2 Jahr)

Dach Boden Dach Boden


U = 0,7 W/(m2K) U = 0,7 W/(m2K) U = 1,4 W/(m2K) U = 1,4 W/(m2K)
24 % 17 % 20 % 10 %

Fenster Wand Fenster Wand


U = 3,0 W/(m2K) U = 0,8 W/(m2K) U = 2,7 W/(m2K) U = 1,1 W/(m2K)
25 % 34 % 19 % 51 %

Reihenhaus, beidseitig angebaut, 1978 Mehrfamilienhaus, 1920


A/Ve = 0,62 m2/m3, AN = 272 m2, Qh’’ = 111 kWh/(m2 Jahr) A/Ve = 0,46 m2/m3, AN = 1204 m2, Qh’’ = 154 kWh/(m2 Jahr)

1-17 Anteiliger Transmissionswärmeverlust der Außenbauteile für 4 Beispielgebäude

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 1/23


1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

5.3 Vorgehensweise bei der energiesparenden – gegenseitige Abhängigkeit der Maßnahmen beachten
Bauerneuerung (z. B. neue Fenster in zu sanierender Außenwand),

Auch Altbauten können mit entsprechendem bau- und – Möglichkeiten der Übernahme von Teilarbeiten in
anlagentechnischem Aufwand zu Energiesparhäusern Eigenleistung prüfen.
gemäß Bild 1-12 modernisiert werden. Aufgrund gege-
bener Einschränkungen in Teilbereichen der Altbausub- Diese Analyse ermöglicht die Aufstellung einer Prioritä-
stanz müssen die Wärmedämmschichten in anderen tenliste. Zuerst sollten sanierungsbedürftige Bauteile der
Bereichen dicker und/oder die anlagentechnische Erneu- Gebäudehülle, um zusätzliche Folgeschäden zu vermei-
erung noch effizienter ausgeführt werden, um den glei- den, instand gesetzt und mit einem auch zukünftigen
chen Jahres-Primärenergiebedarf wie bei Neubauten zu Anforderungen genügenden Wärmeschutz ausgestattet
erreichen. werden. Wenn es der finanzielle Rahmen erlaubt, sind
weitere Bauteile mit anteilig hohen Transmissionswärme-
Insbesondere bei denkmalgeschützten Gebäuden ist – verlusten energetisch zu verbessern.
neben der bei Altbauten energetisch teils ungünstigen
Gebäudegestalt – eine Vielzahl von Einschränkungen vor- Nach Durchführung der baulichen Sanierungsmaßnah-
handen: z. B. die Fenstergröße, die Fassadenansicht, der men ist die überdimensionierte Heizungsanlage gegen
Dachüberstand usw. Dadurch ist die Ausführung von bau- eine an den verringerten Wärmebedarf angepasste An-
lichen Energiesparmaßnahmen nur eingeschränkt mög- lage mit hohem Nutzungsgrad auszutauschen. Falls eine
lich. Bei denkmalgeschützten Gebäuden, aber auch bei Sanierung der Gebäudehülle noch nicht ansteht, ist der
anderen Gebäuden, an denen energiesparende Maßnah- Austausch eines veralteten, meist überdimensionierten
men nicht mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand durch- Kessels auch vorab sinnvoll, da eine spätere Verringerung
geführt werden können, besteht die Möglichkeit, sich von des Wärmebedarfs sich bei modernen Kesseln mit vari-
den gesetzlichen Vorgaben der EnEV befreien zu lassen. abler Brennerleistung nicht nachteilig auswirkt, Kap. 16.

Zur Klärung der Rangfolge energetischer Sanierungs-


5.4 Wirtschaftliche Bewertung der energie-
maßnahmen bei einem bestehendem Gebäude empfiehlt
sparenden Bauerneuerung
sich folgende Vorgehensweise:
– Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenbauteile be- Der Bauherr ist bei der Bauerneuerung zur Einhaltung
stimmen, der in der Energieeinsparverordnung vorgegebenen
maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten entsprechend
– anteilige Transmissionswärmeverluste der Bauteile er-
Bild 2-7 verpflichtet. Darüber hinaus ist es ihm freige-
mitteln,
stellt, dickere Wärmedämmschichten zwecks weiterer
– Zustand der Heiz- und Warmwasserbereitungungs- Reduzierung der Wärmeverluste einzusetzen.
anlage untersuchen und deren Verlustanteile über-
schlägig ermitteln, Aus wirtschaftlicher Sicht ist es immer sinnvoll und
kostengünstig, eine energetische Verbesserung der
– für ohnehin geplante Erneuerungsarbeiten den anzu-
Gebäudesubstanz mit ohnehin anstehenden Instand-
strebenden energetischen Standard definieren,
haltungsarbeiten, einer Sanierung oder einer Modernisie-
– Konzept für zusätzliche energetische Verbesserungen rung zu verbinden. Wenn die Kosten für die Baustellen-
unter Berücksichtigung von Kosten- Nutzen-Kriterien einrichtung, die Gerüstbauarbeiten, die Abnahme der
erarbeiten, Verkleidung von Wänden und Decken, den Neuverputz

1/24 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


energie sparenden
Grundlagen

Bauens
1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

von Fassaden usw. den Instandhaltungskosten zuge- [4] Ebel, W., u. a.: Der zukünftige Heizwärmebedarf
schlagen werden, ergeben sich für die nachträglichen der Haushalte. Institut Wohnen und Umwelt GmbH,
Wärmedämmmaßnahmen Mehrkosten gegenüber den Darmstadt, 1996.
ohnehin notwendigen Sanierungsaufwendungen in der
Größenordnung von 10 bis 50 %. [5] Eicke-Hennig, W., u. a.: Planungshilfe Niedrigen-
ergiehaus. Hessisches Ministerium für Umwelt,
Energie, Jugend, Familie und Gesundheit (Hrsg.),
Dies wird durch Bild 1-18 bestätigt, in dem für die wich- Wiesbaden, 1996.
tigsten wärmeübertragenden Bauteile die Kosten der
Instandhaltung und die Mehrkosten für einen wirtschaft- [6] Feist, W.: Das Niedrigenergiehaus, Neuer Standard
lichen Wärmeschutz angegeben sind, der dem Neubau- für energiebewusstes Bauen. C. F. Müller Verlag,
standard entspricht. Heidelberg, 1997.
[7] HEA: Handbuch Niedrigenergiehaus mit Energie-
einsparverordnung EnEV. HEA e. V. beim VDEW
6 Hinweise auf Literatur und (Hrsg.), Frankfurt, 2003.
Arbeitsunterlagen
[8] IWU: Wohnen in Passiv- und Niedrigenergiehäu-
[1] Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser: Proto- sern, Endbericht. Institut Wohnen und Umwelt
kollbände. Passivhaus Institut (Hrsg.), Darmstadt, GmbH, Darmstadt, 2003.
1997-2003. [9] Rouvel, L.; Elsberger, M.: Gebäude und Behei-
zungsstruktur in Deutschland / Kosteneffizienz von
[2] Balkowski, M.: Handbuch der Bauerneuerung / An- Einsparpotentialen. Lehrstuhl für Energiewirtschaft
gewandte Bauphysik für die Modernisierung von und Kraftwerkstechnik, Technische Universität
Wohngebäuden. Müller Verlag, Köln, 2003. München, 1997.
[3] Bine Informationsdienst: Informationen und Litera- [10] Schulze Darup, B.: Energieeffiziente Wohngebäu-
turliste. www.bine.info. de. TÜV Verlag, Köln, 2002.

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1 Grundlagen energiesparenden Bauens Energiesparendes Bauen beim Altbau

Kosten in € je m 2 Bauteilfläche,
Wärmedämmmaßnahme
inkl. Montage und 16 % MwSt

Dämm- Einfamilienhaus Mehrfamilienhaus


schicht-
dicke Mehr- Mehr-
(λ = 0,04 Instand- kosten Instand- kosten
W/(mK)) haltung Wärme- haltung Wärme-
cm schutz schutz

Außenwand
Vorhangfassade: Polystyrol(EPS)-/ Mineralfaser(MF)- Dämmplatten,
12 – – 90 – 110 15 – 25
Hinterlüftung, Außenverkleidung
Wärmedämm-Verbundsystem (Thermohaut): EPS-/MF-Dämmplatten
12 50 – 60 25 – 35 50 – 70 15 – 25
auf Altverputz, gewebearmierter Neuverputz
Innendämmung: EPS-/MF-Dämmplatten, Dampfsperre, Deckschicht 6 30 – 40 15 – 20 30 – 40 15 – 20
Kerndämmung: Einblasen von Dämmstoff in Luftschicht zweischaliger
12 40 – 50 25 – 35 30 – 40 –
Außenwände

Keller
Kellerdecke: Unterseite mit EPS-Dämmplatten bekleben 6 0 15 – 20 0 15 – 20
Keller dämmen: Wände beheizter und Decken kalter Räume mit
6 10 – 15 15 – 20 10 – 15 15 – 25
EPS-Dämmplatten, Dampfsperre und Deckschicht versehen
Erdgeschoss-Fußboden erneuern: EPS-Trittschalldämmplatten,
5 15 – 35 5 – 10 25 – 35 5 – 10
schwimmender Estrich

Geneigtes Dach
MF-Dämmstoff in Dachschrägen und Kehlbalken winddicht einbauen,
20 80 – 100 20 – 30 90 – 110 20 – 30
Aufdoppelung, Dampfsperre (bei Neueindeckung)
Dämmung MF zwischen und unter den Sparren, winddicht, Dampfsperre
20 20 – 30 15 – 25 20 – 30 15 – 25
(bei Ausbau oder neuer Innenverkleidung)
Zusatzdämmung MF in Schrägen und Kehlbalken (bei Neueindeckung) 12 70 – 90 15 – 20 80 – 100 10 – 15
Aufsparrendämmung PUR (λ = 0,03 W/mK) mit Dampfsperre und Holz-
14 80 – 90 30 – 50 90 – 110 30 – 50
schalung (bei Neueindeckung)

Obergeschossdecke
Dachbodenfläche mit EPS-Dämmplatten belegen (begehbar) 20 0 25 – 35 0 25 – 35

Fenster U in
W/(m2 K)
Neue Fenster mit 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung 0,8 300 – 400 50 – 100 300 – 400 50 – 100
Ersatz vorhandener Isolierverglasung durch 2-Scheiben-Wärmeschutz-
1,3 0 100 – 150 0 100 – 150
verglasung

1-18 Maßnahmen für einen dem Neubau angepassten Wärmeschutz von wärmeübertragenden Bauteilen im Gebäudebestand

1/26 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Inhaltsübersicht

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
ENERGIEEINSPARVERORDNUNG – EnEV

1 Einführung S. 2/3 5 Anforderungen an bestehende Gebäude


S. 2/12
2 Die wesentlichen Neuerungen der EnEV
5.1 Anforderungen bei Änderung von
im Überblick S. 2/3
Außenbauteilen
2.1 Erweiterung der Energiebilanz
5.2 Nachrüstverpflichtungen bei Anlagen und
2.2 Neue Systematik der Anforderungen zur
Gebäuden
Energieeinsparung
2.3 Neue ganzheitliche Betrachtung bei der 6 Berechnungsverfahren für den
energetischen Gebäudeplanung EnEV-Nachweis S. 2/16
2.4 Beschreibung der energetischen Effizienz mit 6.1 Überblick über die Verfahren
Aufwandszahlen 6.2 Berechnung des Heizwärmebedarfs zur
2.5 Dokumentierung des Energiebedarfs energetischen Bewertung der Bautechnik
2.6 Ausweitung der ordnungsrechtlichen 6.2.1 Berechnungsbasis und wesentliche Einfluss-
Vorschriften für die energetische Sanierung größen
des Gebäudebestands 6.2.1.1 Transmissionswärmeverluste der Wärme-
brücken
3 Anwendungsbereiche und flankierende
6.2.1.2 Luftdichtheit und Luftwechselrate
Normen S. 2/6
6.2.1.3 Aneinanderreihung von Gebäuden
4 Anforderungen an neu zu errichtende 6.2.2 Vereinfachtes Verfahren/Heizperiodenbilanz-
Gebäude S. 2/8 verfahren
4.1 Abhängigkeit der Anforderungen von der 6.2.3 Ausführliches Monatsbilanz-Verfahren
Gebäudekenngröße A/Ve 6.3 Jahres-Warmwasserwärmebedarf
4.2 Hauptanforderung: Begrenzung des Jahres- 6.4 Berechnung des End- und Primärenergie-
Primärenergiebedarfs bedarfs
4.3 Nebenanforderung: Begrenzung des 6.4.1 Berechnungssystematik
spezifischen Transmissionswärmeverlusts 6.4.2 Energetische Bewertung der Anlagentechnik
4.4 Ausnahmeregelungen bei den Anforderungen mit dem Diagrammverfahren
an Gebäude mit normalen Innentemperaturen 6.4.3 Energetische Bewertung der Anlagentechnik
4.5 Anforderungen an Gebäude mit niedrigen mit dem Tabellenverfahren
Innentemperaturen 6.4.4 Energetische Bewertung der Anlagentechnik
4.6 Anforderungen an Gebäude mit geringem mit dem detaillierten Verfahren
Volumen 6.4.5 Energetische Bewertung elektrischer
4.7 Anforderungen an den sommerlichen Speicherheizungen
Wärmeschutz

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/1


2 Energieeinsparverordnung Inhaltsübersicht

7 Vorgehensweise beim EnEV-Nachweis


S. 2/31
8 Auswirkungen unterschiedlicher
Maßnahmen an einem Praxisbeispiel S. 2/33
8.1 Anforderungen an die Bautechnik für den
Referenzfall Gas-Niedertemperaturkessel
8.2 Energiebilanzierung des Referenzfalls
8.3 Wärmeerzeugung und -verteilung innerhalb
der wärmegedämmten Gebäudehülle
8.4 Einfluss des Wärmebedarf-Berechnungs-
verfahrens sowie des Luftdichtheits- und
Wärmebrückennachweises
8.5 Auswirkungen der Wärmeerzeugungs- und
Lüftungstechnik
8.6 Besonderheiten bei Reihenhausbebauung
8.7 Niedrigenergiehaus im Vergleich zum Gebäude
nach der Energieeinsparverordnung
9 Energiebedarfsausweis S. 2/43
9.1 Einführung
9.2 Aufbau und Inhalt des Energiebedarfs-
ausweises
9.3 Energiebedarf und Energieverbrauch
10 PC-Programme für den EnEV-
Nachweis S. 2/47
11 Hinweise auf Literatur und
Arbeitsunterlagen S. 2/50
Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und
energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden (Ener-
gieeinsparverordnung – EnEV) vom 16. November
2001
Text der Verordnung befindet sich nur auf der CD-ROM,
S. 2/51

2/2 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Die wesentlichen Neuerungen der EnEV im Überblick

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
ENERGIEEINSPARVERORDNUNG – EnEV Die Energieeinsparverordnung – EnEV

1 Einführung 2 Die wesentlichen Neuerungen der EnEV


im Überblick
In der Bundesrepublik Deutschland wird durch das Be-
heizen von Gebäuden rund ein Drittel der gesamten CO 2- 2.1 Erweiterung der Energiebilanz
Emissionen verursacht. Das Klimaschutzprogramm der
Bundesregierung sieht bis zum Jahr 2005 eine Vermin- Mit der WSVO ’95 wurde die Berechnung des Jahres-
derung der CO2-Emissionen um 25 % gegenüber dem Heizwärmebedarfs durch Bilanzierung der Wärmeverlus-
Stand von 1990 vor. Wesentliche Elemente dabei sind die te infolge von Transmission und Lüftung sowie der nutz-
Reduzierung des Energieverbrauchs im Gebäudebestand baren internen und passiv-solaren Wärmegewinne einge-
und die Verringerung des zusätzlichen Energiebedarfs führt.
von Neubauten.
Die EnEV geht über den bisher vorgeschriebenen Nach-
Bereits bei der Verabschiedung der Wärmeschutzverord- weis des Heizwärmebedarfs hinaus, indem für zu errich-
nung ’95 (WSVO ’95) wurde angekündigt, bis zum Ende tende Gebäude mit normalen Innentemperaturen zusätz-
der Dekade eine zusätzliche Verschärfung der Anforde- lich eine Berechnung des Jahres-Heizenergiebedarfs und
rungen für Neubauten auf den Niedrigenergiehaus-Stan- des dafür benötigten Jahres-Primärenergiebedarfs ver-
dard (Senkung des Jahres-Heizwärmebedarfs um weite- langt wird, Bild 2-1. Im Vergleich zur WSVO ’95 sind bei
re 25 bis 30 %) und eine Ausweitung der energetischen dieser erweiterten Bilanzierung zusätzlich zu berücksich-
Modernisierungsanforderungen für den Gebäudebestand tigen:
unter Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte vorzu-
nehmen. Mit der am 1. Februar 2002 in Kraft getretenen – der Wärmebedarf für die Warmwasserbereitung bei
„Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und Wohngebäuden,
energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden (Energie- – die Verluste der Anlagentechnik bei der Wärmebereit-
einsparverordnung – EnEV)“ wurden diese Forderungen stellung,
in geltendes Recht umgesetzt.2004 soll eine „Reparatur-
novelle“ zur EnEV verabschiedet werden, die lediglich – der elektrische Hilfsenergiebedarf der Anlagentechnik
den Bezug auf die Normen aktualisiert, an den Anforde- (Pumpen, Brenner, Regler usw.),
rungen der Verordnung aber nichts ändert.
– die energetischen Auswirkungen von mechanisch be-
triebenen Lüftungsanlagen,
Bei der EnEV wurden die bisherige Wärmeschutzverord-
nung und die Heizungsanlagenverordnung zusammen- – die anlagentechnisch genutzte regenerative Wärme
gefasst und ihre Methodik sowie die Anforderungen (z. B. durch Wärmepumpen oder Solarkollektoren),
weiterentwickelt. Dadurch besteht nunmehr ein öffent-
lich-rechtlicher Auftrag, nicht nur den Wärmeschutz von – die Verluste, die außerhalb des Gebäudes für die
Gebäuden, sondern auch die Energieeffizienz der Anla- Förderung, die Umwandlung und den Transport der zu
gentechnik zu verbessern. liefernden Energie (Öl, Gas, Strom) auftreten.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/3


2 Energieeinsparverordnung Die wesentlichen Neuerungen der EnEV im Überblick

2.2 Neue Systematik der Anforderungen zur


Primärenergiebedarf Qp Energieeinsparung
Bedarf an erschöpflichen
Ressourcen (Erdgas, Erdöl,
Kohle, Kernbrennstoff) für Die WSVO ’95 gab für Gebäude mit normalen Innen-
die Bereitstellung der
Endenergie Verluste der
temperaturen Grenzwerte für den maximal zulässigen
Energiebereit- Jahres-Heizwärmebedarf vor (Ausführliches Verfahren).
stellung Alternativ durften für Wohngebäude mit bis zu zwei
(Förderung, Aufberei-
tung, Umwandlung, Vollgeschossen und nicht mehr als drei Wohneinheiten
Transport) maximale Wärmedurchgangskoeffizienten der Bauteile
Heizenergie- und
nicht überschritten werden (Vereinfachtes Verfahren).
QE = Qh + Qw + Qt - Qr
Warmwasserenergie- QE Die neue Hauptanforderung der EnEV besteht für alle
bedarf Gebäudegrenze
zu errichtenden Gebäude mit normalen Innentem-
zu kaufende Endenergie
(Öl, Gas, Strom) für peraturen in der Begrenzung des maximal zulässigen
Heizung und Warmwasser Jahres-Primärenergiebedarfs.
einschl. Hilfsenergie optional:
(Strom) Regenerative ➯ Hierdurch entsteht ein direkter Bezug zum Energie-
Qr Energiegewinne
der Anlagentechnik ressourcenverbrauch eines Gebäudes.
(Solarenergie, Umwelt-
wärme, Bioenergie) Mit einer ebenfalls neuen Nebenanforderung wird
der spezifische, auf die wärmeübertragende Umfas-
sungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust
begrenzt.
Energieverluste der
Qt Anlagentechnik
(Wärmeerzeugung, ➯ Dieser entspricht physikalisch einem maximal zuläs-
-speicherung, -ver- sigen mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten der
teilung, -übergabe
einschließl. des Hilfs- Gebäudehülle. Mit dieser Anforderung soll sicherge-
energiebedarfs für stellt werden, dass der bauliche Wärmeschutz nicht
Pumpen, Ventilatoren,
Heizwärme- und Regelung) unter den mit der WSVO ’95 erreichten Standard
Warmwasserwärme- Qh + Qw absinkt.
bedarf
Nutzwärme zur Aufrecht-
erhaltung der Raum- und
Warmwassertemperatur 2.3 Neue ganzheitliche Betrachtung bei der
energetischen Gebäudeplanung

Qp Gesamtaufwand Die EnEV berücksichtigt und bewertet durch die Erweite-


Anlagen-Aufwandszahl ep = =
Q +Q Nutzen rung der Energiebilanz alle Wege zur Senkung des Ener-
h w
gieverbrauchs bei Neubauten:
Anmerkung: In der EnEV und den flankierenden Normen
werden für die gleichen Begriffe z. T. unter- – den baulichen Wärmeschutz,
schiedliche Symbole verwendet, z. B. – die Effizienz der Anlagentechnik,
Q statt QE , Q tw statt Q w, Q P statt Qp.
– die Nutzung regenerativer Umweltwärme,
2-1 Systematik und Begriffe der Energiebilanzierung, – die primärenergetische Effizienz der Wärmeversor-
dargestellt am schematischen Energieflussbild gung.

2/4 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Die wesentlichen Neuerungen der EnEV im Überblick

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Dies führt zu einer neuen Denkweise bei der Planung der ➯ Sie stellt das Verhältnis vom Aufwand an (nicht erneu-
energetischen Aspekte eines Gebäudes: erbarer) Energie zum energetischen Nutzen dar und
entspricht somit dem Kehrwert des Nutzungsgrades
– Es kann weitgehend frei entschieden werden, (z. B.: Nutzungsgrad 0,5 entspricht Aufwandszahl 2).
durch welche Kombination von baulichen, anlagen-
technischen und versorgungstechnischen Maßnah- Die wichtigste Kennzahl der EnEV ist die primärenergie-
men die vorgegebene Begrenzung des Primärener- bezogene Anlagen-Aufwandszahl e p:
giebedarfs erreicht wird.
ep = Qp / (Qh + Qw)
– Es werden verstärkte Anreize zur Realisierung einer
besonders energiesparenden Anlagentechnik und zum Sie beschreibt das Verhältnis des Gesamtaufwands am
Einsatz erneuerbarer Energien gegeben. Bedarf erschöpflicher Primärenergie Q p (Erdgas, Erdöl,
– Es steht in der Verbindung mit den regelnden Nor- Kohle, Kernenergie) zum Nutzwärmebedarf für Heizung
men und PC-Programmen für den EnEV-Nachweis Q h und Warmwasser Qw, Bild 2-1. Als wichtigste Kenn-
ein differenziertes Instrumentarium zur Verfügung, zahl ermöglicht die Anlagen-Aufwandszahl e p einen
unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die güns- direkten, dimensionslosen Vergleich der Gesamteffi-
tigste Kombination von Gebäudegestaltung, Wär- zienz bzw. des relativen Aufwandes an Primärenergie
meschutz, Wärmebereitstellungstechnik und Art unterschiedlicher Gebäude mit ihrer zugehörigen
der Energielieferung auszuwählen. Technik und Energieversorgung. Die Primärenergie-
Aufwandszahl sollte unter Berücksichtigung wirtschaft-
– Darüber hinaus ermöglicht dieses Instrumentarium, licher Erfordernisse möglichst klein sein. Je mehr sich e p
Gebäude über die gesetzlich vorgegebenen Grenzwer- der Zahl 1 nähert, umso energieverlustärmer ist das Sys-
te hinaus energetisch zu optimieren und qualifizierte tem. Bei der Wärmeversorgung mit erneuerbaren Ener-
Angaben über die zusätzliche Verringerung des Ener- gien kann sogar eine Aufwandszahl kleiner als 1 erreicht
giebedarfs zu machen. werden, Bild 2-14.

Statt des bisherigen Denkens in Sparten fördert die EnEV


eine gewerkeübergreifende Gesamtbetrachtung der 2.5 Dokumentierung des Energiebedarfs
energetischen Aspekte des Gebäudes, was zu zahl-
reichen Änderungen bei der Planung und Umsetzung Für Neubauten mit normalen Innentemperaturen sowie
führt. Ganzheitlich geplante Gebäude erreichen die Ener- bei wesentlichen Änderungen bestehender Gebäude
giesparziele kostengünstiger. wird ein Energiebedarfsausweis („Energiepass“) vorge-
schrieben. In ihm sind als energiebezogene Merkmale
2.4 Beschreibung der energetischen Effizienz mit anzugeben:
Aufwandszahlen
– der Jahres-Primärenergiebedarf,
In der Anlagentechnik ist es üblich, die energetische Effi-
zienz eines Systems mit dem Wirkungsgrad (Verhältnis – der Endenergiebedarf nach einzelnen Energieträgern,
der abgegebenen zur aufgenommenen Leistung) oder – der spezifische Transmissionswärmeverlust als auf
dem Nutzungsgrad (Verhältnis der abgegebenen zur auf- die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene
genommenen Energie) zu beschreiben. Die EnEV führt Kenngröße sowie
als neue Effizienzkennzeichnung die sog. Aufwands-
zahl e ein. – die Anlagen-Aufwandszahl e p.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/5


2 Energieeinsparverordnung Anwendungsbereiche und flankierende Normen

Damit ergibt sich eine größere Transparenz bei der 3 Anwendungsbereiche und flankierende
Bewertung der energetischen Qualität von Gebäuden in- Normen
klusive derer Wärmeversorgungstechnik und eine zu-
sätzliche Entscheidungshilfe für Käufer bzw. Mieter. Die EnEV stellt Anforderungen an zu errichtende Gebäude
mit normalen und an solche mit niedrigen Innentempera-
2.6 Ausweitung der ordnungsrechtlichen turen einschließlich ihrer Heizungs-, raumlufttechnischen
Vorschriften für die energetische Sanierung und zur Warmwasserbereitung dienenden Anlagen. Ein
des Gebäudebestands Überblick über die Anwendungsbereiche der Verordnung
ist Bild 2-2 zu entnehmen.
Für den Gebäudebestand sieht die EnEV neue Nachrüst- Die EnEV beinhaltet nicht mehr die Rechenverfahren
verpflichtungen zur Senkung des Heizenergieverbrauchs zur Bestimmung der Kenngrößen, wie spezifischer
und verschärfte energetische Anforderungen an be- Transmissionswärmeverlust, Jahres-Heizwärmebedarf,
stimmte Modernisierungsmaßnahmen vor, Abschn. 5. Jahres-Primärenergiebedarf u. a. Vielmehr nimmt sie

Anforderungen an neu zu errichtende Gebäude EnEV Anforderungen an bestehende Gebäude EnEV

왘 Neu zu errichtende Gebäude mit normalen Innentem- 왘 Einbau, Ersatz oder Erneuerung wärmeübertragender
peraturen, wie Wohngebäude, Büro- und Verwaltungs- Einzelbauteile bestehender Gebäude §8
gebäude, Schulen, Krankenhäuser u. a. §3 왘 Bauliche Erweiterung (größer als 30 Kubikmeter)
왘 Neu zu errichtende Gebäude mit niedrigen Innentem- bestehender Gebäude, wie Anbau, Aufstockung oder
peraturen von mehr als 12 °C und weniger als 19 °C Ausbau bisher nicht beheizter Räume §8
wie Betriebsgebäude, Lager u. a. §4
왘 Ersatz von Heizkesseln, die vor dem 1. Oktober 1978
왘 Gebäude mit geringem Volumen (kleiner als 100 eingebaut oder aufgestellt wurden §9
Kubikmeter) §7
왘 Nachrüstung der Wärmedämmung von Heizungs- und
왘 Dichtheit des Gebäudes (Luftundurchlässigkeit der Warmwasserleitungen in unbeheizten Räumen §9
Außenhülle des Gebäudes) §5
왘 Nachrüstung der Wärmedämmung von nicht begeh-
§9
왘 Sicherstellung eines aus gesundheitlichen Gründen baren, aber zugänglichen obersten Geschossdecken
§5
notwendigen Mindestluftwechsels 왘 Beibehaltung bzw. Erhöhung der energetischen Quali- § 10
왘 Einhaltung des Mindestwärmeschutzes wärmeüber- §6 tät der Außenbauteile bei deren Veränderung
tragender Bauteile zur Vermeidung von Bauschäden
왘 Reduzierung des Einflusses von Wärmebrücken zur
Vermeidung von Bauschäden sowie Reduzierung des §6 Anforderungen an die Anlagentechnik EnEV
Jahres-Heizwärmebedarfs
왘 Sicherstellung eines energiesparenden sommerlichen §3 왘 Sachgerechte Bedienung, Wartung und Instand-
Wärmeschutzes haltung der Heizungs- und Warmwasseranlagen § 10
왘 Ausweise über Energie- und Wärmebedarf sowie § 13 왘 Ausführung und Inbetriebnahme von Heizkesseln § 11
Energieverbrauchskennwerte 왘 Steuerung der Verteilungseinrichtungen von Zentral-
heizungen beim Neubau und im Bestand § 12
왘 Schaltung von Zirkulationspumpen, Begrenzung
der Wärmeabgabe von Speichern, Leitungen und
Armaturen § 12

2-2 Übersicht über die Anwendungsbereiche der EnEV

2/6 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anwendungsbereiche und flankierende Normen

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Bezug auf nationale und internationale Normen und entsprechend EnEV muss der Planer sicherstellen,
Regelwerke, Bild 2-3, die teilweise erst als Vornorm vor- dass die von ihm angewendeten Rechenverfahren
liegen und in Zukunft ergänzt, überarbeitet oder ersetzt und Kenngrößen „Stand der Technik“ sind und die
werden. Die Umsetzung der EnEV ist daher nicht auf verwendete Software der aktuellen Fassung ent-
einen festgelegten Zeitraum angelegt. Beim Nachweis spricht.

DIN V 4108-6 DIN V 4701-10


Berechnung des Jahres- Ermittlung der Kennwerte zur
Heizwärme- und Heizenergie- energetischen Bewertung
bedarfs mit den Randbedin- heiz- und raumluft-
gungen für Deutschland technischer Anlagen

DIN EN 673 DIN EN 832


Ermittlung der Wärme- Wärmetechnisches Verhalten
VDI 3807
Energieverbrauchswerte
durchgangskoeffizienten von Wohngebäuden,
für Gebäude
von Verglasungen Berechnung des Heizenergiebedarfs

DIN EN 410 DIN 4108 Bbl 2


Gesamtenergie-
durchlassgrad Energieeinsparverordnung Planungsbeispiele
Wärmebrücken
von Verglasungen

DIN EN ISO 10077 DIN 4108-2 DIN EN ISO 6946


Ermittlung der Wärme- Mindestwärmeschutz. Zulässige Sonnen- Ermittlung der Wärme-
durchgangskoeffizienten eintragskennwerte bei der Berechnung durchgangskoeffizienten
von Fenstern des sommerlichen Wärmeschutzes opaker Bauteile

DIN EN ISO 13789


DIN EN 13829 Wärmeübertragende
Anforderungen an die
Umfassungsfläche A
Dichtheit des Gebäudes
und Gebäudevolumen Ve

2-3 Nationale und internationale Normen, die Berechnungsgrundlage der EnEV sind (Stand September 2003)

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/7


2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an neu zu errichtende Gebäude

4 Anforderungen an neu zu errichtende A/Ve-Wertes um 0,1 m2/m3 senkt bei gleichem Dämm-
Gebäude standard den Heizwärmebedarf um ca. 5 kWh/(m2 · a),
und der Einsatz an Baustoffen und Dämmmaterial nimmt
außenflächenproportional ab.
4.1 Abhängigkeit der Anforderungen von der
Gebäudekenngröße A/Ve

Anforderungen für die Einhaltung einer hinreichenden


Energieeinsparung werden bei neu zu errichtenden Ge-
bäuden an den Jahres-Primärenergiebedarf sowie an
Freistehende Einfamilienhäuser
den auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche be-
zogenen Transmissionswärmeverlust gestellt. Wie bei
der WSVO ’95 werden die neuen Anforderungen zur Be-
grenzung des Energiebedarfs abhängig vom Verhältnis
Reihen-/Doppelhäuser
A wärmeübertragende Umfassungsfläche
=
Ve eingeschlossenes Gebäudevolumen

festgelegt. Umfassungsfläche und Gebäudevolumen


sind nach DIN EN ISO 13789 aus den Außenmaßen des Mehrfamilienhäuser
Gebäudes zu ermitteln.

A/Ve ist ein Kennwert für die Kompaktheit des Gebäudes, 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2
siehe Kap. 1-3. Sie hängt ab von der Art und Größe des 2 3
Verhältnis A/Ve in m /m
Gebäudes, Bild 2-4, sowie von der Gliederung der
Außenwandflächen, wie Vor-/Rücksprüngen, Loggien, 2-4 Bereiche von A/Ve für verschiedene Gebäudearten
Erkern und Dachgauben. Mit wachsendem A/Ve nimmt
die Kompaktheit ab. Ein weniger kompaktes Gebäude
4.2 Hauptanforderung: Begrenzung des Jahres-
weist bei gleichem Volumen eine größere wärmeüber-
Primärenergiebedarfs
tragende Umfassungsfläche und daher bei gleicher
Bautechnik höhere Baukosten und einen höheren
Transmissionswärmeverlust auf. Die wesentlichste neue gesetzliche Anforderung der
EnEV ist die Begrenzung des Jahres-Primärenergiebe-
Dieser höhere Verlust ließe sich nur durch einen stark darfs. In Anhang 1, Tabelle 1 der EnEV werden maximal
erhöhten Aufwand beim Wärmeschutz und anderen zulässige Höchstwerte als Funktion des Verhältnisses
Maßnahmen der Energieeinsparung kompensieren. Die A/Ve angegeben. Diese Grenzwerte des Jahres-Primär-
EnEV lässt deshalb unter dem Gebot der Wirtschaft- energiebedarfs wurden insbesondere aufgrund der Er-
lichkeit von energieverbrauchsreduzierenden Maß- gebnisse von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen an
nahmen einen mit dem A/Ve-Verhältnis ansteigenden verschiedenen Modellgebäuden festgelegt. Die maximal
Primärenergiebedarf zu. Dennoch empfiehlt es sich, zulässigen Werte basieren auf Berechnungen, bei denen
nicht zuletzt unter dem Aspekt der Energieeinsparung, die Amortisationszeiten der baulichen und anlagentech-
Gebäude möglichst kompakt, d. h. mit wenig Außen- nischen Mehraufwendungen, die gegenüber den bis-
flächengliederung zu konzipieren. Eine Verringerung des herigen Standards notwendig werden, auch bei ungüns-

2/8 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an neu zu errichtende Gebäude

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
tigster Gebäudegeometrie in der Regel nicht mehr als kWh
25 Jahre betragen. m2 Jahr
140

Jahres-Primärenergiebedarf Qp’’,max
Bezugsgröße für den Primärenergiebedarf ist bei
Wohngebäuden die Gebäudenutzfläche A N und bei 120
Nichtwohngebäuden das beheizte Brutto-Gebäude-
volumen Ve. Wie bei der WSVO ’95 ist die standardisierte 100
Gebäudenutzfläche für Wohngebäude nach der Formel
80

Maximaler
A N = 0,32 · Ve (A N in m2)
60 Qp’’, max = 50,94 + 75,29 · A/Ve + 2600/(100 + AN)
zu ermitteln. Sie stimmt in der Regel nicht mit der nach
DIN 277-1 zu berechnenden Wohnfläche überein. Für 40
Wohngebäude wird der Jahres-Primärenergiebedarf mit
20
Q p″ , in kWh/(m2 · a), für Nichtwohngebäude mit Q p′ in
kWh/(m3 · a) gekennzeichnet. Im Folgenden werden die 0
Anforderungen für Wohngebäude näher behandelt; für 0 0,20 0,40 0,60 0,80 1,00 m2/m3
Nichtwohngebäude wird auf Anhang 1, Tabelle 1 der
EnEV verwiesen. Umfassungsfläche A zu Bauwerksvolumen Ve

AN = 100 m2
In Bild 2-5 sind die maximal zulässigen Grenzwerte des
AN = 250 m2
Jahres-Primärenergiebedarfs Q p″ für Heizung, Warm-
wasser und Lüftung inklusive Hilfsenergie für Wohn- AN = 5000 m2
gebäude grafisch dargestellt. Wegen des in diesen überwiegend elektrische Warmwasserbereitung
Grenzwerten enthaltenen Primärenergieanteils für Warm- 2-5 Maximale Werte des auf die Gebäudenutzfläche A N
wasser unterscheidet die EnEV zwischen zentraler bezogenen Jahres-Primärenergiebedarfs für Wohn-
(überwiegend brennstoffbeheizter) und dezentraler elek- gebäude in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve
trischer Warmwasserbereitung. Da bei der zentralen
Warmwasserbereitung die auf die Nutzfläche bezogenen
Wärmeverteilverluste mit zunehmender Größe der Nutz- 4.3 Nebenanforderung: Begrenzung des
fläche anteilig abnehmen, wird von der EnEV auch der spezifischen Transmissionswärmeverlusts
maximal zulässige Primärenergiebedarf mit zunehmen- Neben der Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfs
der Nutzfläche entsprechend reduziert. wird durch eine Nebenanforderung zusätzlich der spezi-
fische, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche
Der zulässige Primärenergiebedarf bei dezentraler elek- bezogene Transmissionswärmeverlust durch höchstzu-
trischer Warmwasserbereitung berücksichtigt den höhe- lässige Werte begrenzt. Bild 2-6 zeigt die Begrenzung für
ren Primärenergiefaktor der Stromerzeugung, Bild 2-12. Wohngebäude.
Da jedoch die beträchtlichen Wärmespeicher- und
-verteilverluste der zentralen Versorgung entfallen, liegt Der spezifische Transmissionswärmeverlust ergibt sich
der maximal zulässige Primärenergiebedarf bei elektri- aus der Summe der Transmissionswärmeverluste der
scher Warmwasserbereitung lediglich ca. 15 kWh/(m 2 · a) Außenbauteile, dividiert durch die wärmeübertragende
höher. Umfassungsfläche A des Gebäudes. Dieses Verhältnis

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2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an neu zu errichtende Gebäude

entspricht physikalisch einem mittleren Wärmedurch- sind die bezogen auf die Nutzfläche höheren Verluste
gangskoeffizienten der Gebäudehülle. Die Transmis- der Anlagentechnik bei kleineren Gebäuden mit größe-
sionswärmeverluste der Außenbauteile werden aus den rem A/Ve-Verhältnis.)
Wärmedurchgangskoeffizienten U der Außenbauteile,
den auf die Außenmaße bezogenen Flächen und den Die Nebenanforderung zur Begrenzung des Transmis-
Temperatur-Korrekturfaktoren nach Anhang 1 Nr. 2.7 sionswärmeverlusts stellt sicher, dass der bauliche
EnEV ermittelt. Bei der Berechnung der Wärmedurch- Wärmeschutz, der in der Wärmeschutzverordnung ’95
gangskoeffizienten sind die Bemessungswerte der Bau- festgelegt war, nicht verschlechtert wird. Somit ist
stoffe und Bauteile zu verwenden, Kap. 11-28. Die auch bei besonders energieeffizienter Anlagentechnik
Außenmaße der wärmeübertragenden Bauteile und die und starker Nutzung erneuerbarer Energien ein guter
gesamte wärmeübertragende Umfassungsfläche A des baulicher Wärmeschutz des Gebäudes gewährleistet.
Gebäudes sind nach DIN EN ISO 13789 zu ermitteln. Allerdings bedeutet diese Nebenanforderung, die
lediglich das bauliche Wärmeschutzniveau der WSVO ’95
W
festschreibt, dass durch die EnEV der bauliche Niedrig-
m2 · K
energiestandard, der eine Absenkung des Jahres-
Transmissionswärmeverlust HT’

1 Heizwärmebedarfs gegenüber den Anforderungen der


Maximaler spezifischer

WSVO ’95 um weitere 25 bis 30 % erfordert, nicht zwin-


0,8 gend vorgeschrieben wird. Nur bei Gebäuden, die auf-
grund einer wenig effizienten Wärmeversorgung die
0,6 Hauptanforderung zur Begrenzung des Primärenergiebe-
darfs nicht erfüllen würden, muss durch eine zusätzliche
0,4
Verbesserung des Wärmeschutzes der Heizwärmebedarf
0,2 HT’ = 0,3 + 0,15/(A/Ve) deutlich unter das Niveau der WSVO ’95 abgesenkt
werden.
0
0,00 0,20 0,40 0,60 0,80 1,00 m2/m3 Im Gegensatz zur Heizungstechnik schafft der Wärme-
schutz Fakten für Generationen. Beim Neubau kann ein
Umfassungsfläche A zu Bauwerksvolumen Ve
erhöhter Wärmeschutz entsprechend dem baulichen
2-6 Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeüber- Niedrigenergiestandard mit vertretbarem Mehraufwand
tragende Umfassungsfläche A bezogenen zusätzliche Energieeinsparungen für eine lange Zukunft
Transmissionswärmeverlusts von Wohngebäuden sichern. Nach Fertigstellung des Gebäudes sind diese
in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve nur mit wesentlich höherem baulichen und finanziellen
Aufwand zu erreichen. Deshalb empfiehlt es sich, über
die Anforderung der EnEV hinaus den baulichen
Im Gegensatz zur Anforderung an den Primärenergie-
Niedrigenergiestandard zu realisieren.
bedarf nimmt der maximal zulässige spezifische Trans-
missionswärmeverlust mit zunehmenden A/Ve-Verhältnis
ab, d. h. weniger kompakte Gebäude erfordern einen er- 4.4 Ausnahmeregelungen bei den Anforderungen
höhten Wärmeschutz. Obwohl der auf die Umfassungs- an Gebäude mit normalen Innentemperaturen
fläche A bezogene Transmissionswärmeverlust zu redu-
zieren ist, nimmt er bezogen auf die Gebäudenutzfläche Werden Ein- und Zweifamilienhäuser mit Niedertempe-
AN zu. Dies trägt zum Anstieg des zulässigen Primärener- raturkesseln ausgestattet, deren Systemtemperatur 55/
giebedarfs bei. (Eine andere Ursache für diesen Anstieg 45 °C überschreitet, darf bei monolithischen Außen-

2/10 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an neu zu errichtende Gebäude

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
wandkonstruktionen der maximal zulässige Jahres-Pri- 4.5 Anforderungen an Gebäude mit niedrigen
märenergiebedarf um 3 % erhöht werden. Diese Rege- Innentemperaturen
lung ist befristet auf eine Dauer von fünf Jahren ab dem
1. Februar 2002 (EnEV Anhang 1 Absatz 2.1.3). Gebäude mit niedrigen Innentemperaturen sind Gebäu-
de, die entsprechend ihrem Verwendungszweck nur auf
Temperaturen zwischen 12 und 19 °C für mindestens vier
Für die nachfolgenden Beheizungsarten des Gebäudes
Monate im Jahr beheizt werden. Wie in der WSVO ’95
muss kein Nachweis für die Einhaltung des Jahres-Pri-
werden für derartige Gebäude lediglich die Transmis-
märenergiebedarfs erbracht werden (EnEV § 3 Absatz 3):
sionswärmeverluste limitiert. Im Anhang 2, Tabelle 1
der EnEV werden Höchstwerte des spezifischen, auf
– Wärmeversorgung zu mindestens 70 % durch Kraft- die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen
Wärme-Kopplung, Transmissionswärmeverlusts HT′ in Abhängigkeit vom
A/Ve-Verhältnis angegeben. Gegenüber Gebäuden mit
– Wärmeversorgung zu mindestens 70 % durch erneuer- normalen Innentemperaturen sind die Anforderungen ab-
bare Energien mittels selbsttätig arbeitender Wär- geschwächt; im Vergleich zur WSVO ’95 ergibt sich für
meerzeuger, z. B. automatische Holzheizungen, diesen Gebäudetyp eine Verschärfung um lediglich eini-
ge Prozent. Anforderungen an den höchstzulässigen
– Beheizung überwiegend durch Einzelfeuerstätten für Jahres-Primärenergiebedarf werden nicht gestellt.
einzelne Räume oder Raumgruppen (z. B. Kachelöfen
zentral im Gebäude mit Luftklappen zu den angrenzen- Gebäude unterschiedlicher Nutzung (z. B. Mehrfamilien-
den Räumen), haus mit Werkstatt im Erdgeschoss) können entsprechend
der Begriffsdefinitionen der EnEV aus Gebäudeteilen mit
– Wärmeerzeugung mit Geräten, für die noch keine Re- normalen und niedrigen Innentemperaturen bestehen. Bei
geln der Technik vorliegen. der Nachweisführung ist wie folgt vorzugehen [3]:
– Eine Mittelwertbildung der einzelnen Temperaturzonen
Für Einzelfeuerstätten und Wärmeerzeuger, für die keine ist nicht zulässig.
Regeln der Technik vorliegen, gelten höhere Anforderun- – Die Systemgrenze der Temperaturzonen ist so festzu-
gen an den baulichen Wärmeschutz: Der spezifische, auf legen, dass alle beheizten Räume einbezogen sind.
die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene
Transmissionswärmeverlust darf 76 % der in Bild 2-6 – Die Nachweise erfolgen für die einzelnen Gebäudeteile
angegebenen Werte nicht überschreiten. getrennt nach den Anforderungen für Gebäude mit
normalen und niedrigen Innentemperaturen. Bei der
Behandlung der Trennflächen zwischen den verschie-
Wenn ein neuer Gebäudeteil mit einem Volumen von
denen Temperaturzonen sind die Temperatur-Korrek-
mehr als 100 m³ errichtet und dieser mit der im beste-
turfaktoren entsprechend Anhang 1 Nr. 2.7 EnEV zu
henden Gebäude bereits vorhandenen Heizungsanlage
berücksichtigen.
versorgt werden soll, darf auf den Nachweis für die
Einhaltung des Jahres-Primärenergiebedarfs verzichtet – Aufgrund der höheren Anforderungen für Gebäude mit
werden, wenn der spezifische, auf die wärmeübertragen- normalen Innentemperaturen kann der Nachweis für
de Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärme- das Gesamtgebäude auch unter Zugrundelegung nor-
verlust ebenfalls 76 % des jeweiligen Höchstwertes nach maler Innentemperaturen für die Gebäudeteile mit
Bild 2-6 nicht übersteigt [3]. niedrigen Innentemperaturen erfolgen.

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2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an bestehende Gebäude

4.6 Anforderungen an Gebäude mit geringem 5 Anforderungen an bestehende Gebäude


Volumen
Da insbesondere im älteren Gebäudebestand ein großes
Für neu zu errichtende Gebäude mit einem beheizten Energieeinsparpotenzial liegt, sieht die EnEV im Ver-
Gebäudevolumen unter 100 m3 muss der Nachweis für gleich zur WSVO ’95 verschärfte Wärmeschutzan-
die Unterschreitung der Höchstwerte des Jahres-Primär- forderungen beim Umbau und der Sanierung von
energiebedarfs nicht erbracht werden. Derartig kleine Gebäuden vor. Darüber hinaus führt sie Nachrüstver-
Gebäude erfüllen die Anforderungen der EnEV, wenn ihre pflichtungen bei alten Heizungsanlagen und obersten
Wärmedurchgangskoeffizienten die maximal zulässigen Geschossdecken ein.
Höchstwerte nach Abschn. 5.1 für die Änderung von
Gebäuden nicht überschreiten. Weiterhin müssen die An-
5.1 Anforderungen bei Änderung von
forderungen der EnEV an heizungstechnische Anlagen
Außenbauteilen
sowie Warmwasseranlagen erfüllt werden, Abschnitt 4
der EnEV.
Die EnEV gibt für Außenbauteile bestehender Gebäude,
sofern solche Bauteile erstmalig eingebaut (z. B. zusätz-
4.7 Anforderungen an den sommerlichen liche Fenster), ersetzt oder erneuert werden, maxima-
Wärmeschutz le Werte der Wärmedurchgangskoeffizienten U vor,
Bild 2-7.
Die EnEV fordert in § 3 für Gebäude mit einem Fenster-
flächenanteil von mehr als 30 % den Nachweis des ener- Ausgenommen davon sind kleinflächige Modernisie-
giesparenden sommerlichen Wärmeschutzes entspre- rungsarbeiten. Die Anforderungen an die maximal zu-
chend DIN 4108-2. Darin werden maximal zulässige lässigen Wärmedurchgangskoeffizienten gelten nicht
Sonneneintragskennwerte vorgeschrieben, die ein be- bei:
hagliches Raumklima im Sommer - ohne den Einsatz von
Klimaanlagen mit zusätzlichem Energiebedarf – sicher- – Änderungen an Außenwänden, Fenstern, Fenstertüren
stellen. und Dachflächenfenstern, wenn deren Anteil an der
gesamten Bauteilfläche gleicher Himmelsrichtung
kleiner als 20 % ist,
Der Nachweis nach DIN 4108-2 ist für „kritische“ Räume
bzw. Raumbereiche durchzuführen, deren auf die Grund- – der Sanierung von Bodenplatten, Kellerdecken, obers-
fläche bezogener Fensterflächenanteil – in Abhängigkeit ten Geschossdecken oder Dachflächen, wenn der zu
von Neigung und Orientierung der Fenster – mehr als sanierende Anteil kleiner als 20 % der jeweiligen ge-
7 bis 15 % beträgt, siehe Kap. 11-10. samten Bauteilfläche ist.

Ein behagliches sommerliches Raumklima lässt sich im Ein Vergleich der maximal zulässigen Wärmedurch-
Wohnungsbau am kostengünstigsten durch die Einpla- gangskoeffizienten in Bild 2-7 mit den bisher geltenden
nung von Rollläden, die als Sicht- und Einbruchschutz Anforderungen der WSVO '95 zeigt, dass die Anfor-
von den Nutzern ohnehin gewünscht werden, realisieren. derungen nicht oder nur minimal erhöht wurden. Bei der
Insbesondere auch bei Dachflächenfenstern ist ein außen Dämmung von Außenwänden bedeutet dies in der Praxis
liegender Sonnenschutz erforderlich. Nach DIN 4108-2 eine Vergrößerung der Dämmstoffdicke um etwa 1 cm
kann bei Ein- und Zweifamilienhäusern dann auf den auf – abhängig von der vorhandenen Bausubstanz –
sommerlichen Wärmeschutznachweis verzichtet werden. 6 bis 8 cm.

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2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an bestehende Gebäude

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Zeile Bauteil max. Wärmedurch-
gangskoeffizient
U max 1) in W/(m 2 · K)

1a Außenwände (bei Ersatz und erstmaligem Einbau von Außenwänden, Anbringen einer innenseitigen 0,45
Verschalung oder Verkleidung, neuer Ausfachung in einer Fachwerkwand)

1b Außenwände (bei außenseitiger Bekleidung, Verschalung, Mauerwerks-Vorsatzschalen, Einbau einer 0,35


Dämmschicht, Außenputz-Erneuerung bei Wänden mit U > 0,9 W/(m 2 · K))

2a Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster (bei Ersatz und erstmaligem Einbau sowie zusätz- 1,7 2)
lichem Vor- oder Innenfenster)

2b Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster (bei Ersatz der Verglasung, außer bei Sonder- 1,5 3)
verglasung Zeile 3a bis e)

2c Vorhangfassaden (bei Ersatz und erstmaligem Einbau sowie Ersatz der Füllung) 1,9 4)

3a Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster mit Sonderverglasungen 5) (bei Ersatz und erst- 2,0 2)
maligem Einbau sowie zusätzlichem Vor- oder Innenfenster)

3b Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster (bei Ersatz der Sonderverglasung 5) ) 1,6 3)

3c Vorhangfassaden mit Sonderverglasungen 5) (bei Ersatz und erstmaligem Einbau sowie Ersatz 2,3 4)
der Füllung)

4a Steildächer (bei Ersatz, erstmaligem Einbau, neuer Bekleidung oder Verschalung, Einbau von Dämm- 0,30
schichten u. Ä., von Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen sowie bei Decken, Wänden und
Dachschrägen, die beheizte Räume gegen die Außenluft abgrenzen)

4b Flachdächer (bei Ersatz, erstmaligem Einbau oder Erneuerung von Dachhaut, Bekleidung, Einbau 0,25
von Dämmschichten u. Ä. über beheizten Räumen)

5a Wände und Decken gegen unbeheizte Räume und gegen Erdreich (bei außenseitiger Bekleidung 0,40
oder Verschalung, Anbringen von Feuchtigkeitssperren oder Drainagen sowie bei Anbringen von
Deckenbekleidungen auf der Kaltseite)

5b Wände und Decken gegen unbeheizte Räume und gegen Erdreich (bei Ersatz, erstmaligem 0,50
Einbau, innerseitiger Bekleidung oder Verschalung an Wänden, neuen Fußbodenaufbauten auf der
Warmseite oder Einbau von Dämmschichten)
1)
Wärmedurchgangskoeffizient des Bauteils unter Berücksichtigung der neuen und der vorhandenen Bauteilschichten; für die Berech-
nung opaker (nicht durchscheinender) Bauteile ist DIN EN ISO 69460 zu verwenden.
2)
Wärmedurchgangskoeffizient des Fensters; aus technischen Produkt-Spezifikationen entnehmen oder nach DIN EN ISO 10077-1 er-
mitteln.
3)
Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung; aus technischen Produkt-Spezifikationen entnehmen oder nach DIN EN 673 ermitteln.
4)
Wärmedurchgangskoeffizient der Vorhangfassade; nach anerkannten Regeln der Technik zu ermitteln.
5)
Sonderverglasungen sind Schallschutzverglasungen mit einem bewerteten Schalldämmmaß von R w,R  40 dB, Isolierglas-Sonderauf-
bauten zur Durchschusshemmung, Durchbruchhemmung u. a. sowie Brandschutzgläser mit einer Einzelelementdicke von mindestens
18 mm.

2-7 Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bei erstmaligem Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen
(Gebäude mit normalen Innentemperaturen)

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2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an bestehende Gebäude

Wird im unbeheizten Keller die Decke zum beheizten nahmen für den bestehenden Putz. Wird allerdings der
Erdgeschoss gedämmt bzw. beim beheizten Keller die Altputz abgeschlagen, sind die Anforderungen der EnEV
Dämmung von außen angebracht, darf nach EnEV ein entsprechend Zeile 1b in Bild 2-7 – z. B. durch das
Wärmedurchgangskoeffizient von 0,4 W/(m2 · K) gegen- Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems – einzu-
über 0,5 W/(m2 · K) nach WSVO ’95 nicht überschritten halten.
werden. Dies entspricht je nach Wärmeleitgruppe (WLG)
Wird in Sichtfachwerk-Außenwänden eine neue Ausfa-
der Wärmedämmung einer Erhöhung der Dicke um 1 cm
chung eingesetzt, müssen die Anforderungen an den
bis 2 cm. Bei bisher ungedämmten Bauteilen aus Beton
Wärmedurchgangskoeffizienten entsprechend Zeile 1a in
beträgt die Mindest-Dämmstoffdicke 6 cm bei Verwen-
Bild 2-7 eingehalten werden. Sind die zu erneuernden
dung einer Wärmedämmung der WLG 025 (beidseitig
Fassadenbereiche der Schlagregenbeanspruchungs-
Aluminium-kaschiertes PUR), bis zu 10 cm bei Verwen-
gruppe II oder III nach DIN 4108-3 zuzuordnen, muss
dung einer Wärmedämmung der WLG 040 (z. B. Poly-
außen eine schlagregendichte Bekleidung oder ein ge-
styrol, Mineralfaser oder Schaumglas).
eigneter Außenputz aufgebracht werden. In diesem Fall
Bei Ersatz der Verglasung in noch intakten Fenster- sind die strengeren Anforderungen entsprechend Zeile
rahmen muss Wärmeschutzglas mit einem Bemessungs- 1b mit einem maximalen Wärmedurchgangskoeffizienten
wert des Wärmedurchgangskoeffizienten kleiner 1,5 W/ von 0,35 W/(m2 · K) einzuhalten.
(m2 · K) verwendet werden. Die folgenden Ausnahmeregelungen gelten, ohne dass
Bei der Erneuerung der Dachhaut von Flachdächern ein gesonderter Befreiungsantrag entsprechend § 17 der
sind die Anforderungen nach Zeile 4b in Bild 2-7 einzu- EnEV gestellt werden muss:
halten, vorausgesetzt die neue Dachhaut stellt auch oh- – Bei einer Kerndämmung von vorhandenem zweischali-
ne den verbleibenden alten Dachaufbau eine eigenstän- gem Mauerwerk gilt die Anforderung als erfüllt, wenn
dig funktionsfähige Dachabdichtung dar. Wird aber nur der Hohlraum vollständig mit Wärmedämmstoff verfüllt
zu Regenerierung einer mehrlagigen Bitumenabdichtung wird.
eine neue Lage Bitumenbahn aufgebracht, müssen die
Anforderungen der EnEV an den Wärmeschutz nicht be- – Bei der Erneuerung von Außentüren darf der Wärme-
rücksichtigt werden. durchgangskoeffizient maximal 2,9 W/(m 2 · K) betra-
gen.
Die Energieeinsparverordnung stellt keine Anforderungen
an Decken, die beheizte Räume nach unten gegen Au- – Bei einer Zwischensparrendämmung im Steildach
ßenluft abgrenzen; dies sind z. B. Tordurchfahrten oder unter Beibehaltung einer vorhandenen innenseitigen
über das darunter liegende Geschoss auskragende Räu- Bekleidung gelten die Anforderungen als erfüllt, wenn
me. Da die bauphysikalischen Beanspruchungen größer die höchstmögliche Dämmstoffdicke eingebaut wird.
sind als bei Decken gegen unbeheizte Räume, ist bei der
– Bei der Erneuerung des Fußbodenaufbaus im beheiz-
Bauteilerneuerung eine nachträgliche Wärmedämmung
ten Raum sind die Anforderungen erfüllt, wenn der
der Decken gegen Außenluft zur Vermeidung von
neue Fußbodenaufbau mit der höchstmöglichen
Bauschäden und unbehaglicher Fußkälte zu empfehlen.
Dämmstoffdicke (WLG 040) ausgeführt wird, so dass
Der Wärmedurchgangskoeffizient sollte 0,40 W/(m2 · K)
keine Anpassung der Türhöhen notwendig ist.
nicht überschreiten.
Putzreparaturen mit zusätzlichen Farb- oder Putzbe- Anstelle der Erfüllung von Bauteilanforderungen bei den
schichtungen sind keine Putzerneuerungen im Sinne von Wärmedurchgangskoeffizienten nach Bild 2-7 gilt die
Anhang 3 Nr. 1. e) EnEV sondern Instandsetzungsmaß- EnEV ebenfalls als erfüllt, wenn der Jahres-Primärener-

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2 Energieeinsparverordnung Anforderungen an bestehende Gebäude

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
giebedarf und der spezifische Transmissionswärmever- 5.2 Nachrüstverpflichtungen bei Anlagen und
lust die für Neubauten geltenden Grenzwerte (EnEV, An- Gebäuden
hang 1, Tabelle 1, Anhang 2, Tabelle 1) um nicht mehr als
40 % überschreiten. D. h. bei Umbau oder Sanierung Unabhängig von den Anforderungen an die Verbesserung
ist alternativ zum Bauteilnachweis auch ein Nachweis des Wärmeschutzes bei einer Sanierung oder Mo-
für das Gesamtgebäude möglich, wie er für Neubauten dernisierung entsprechend Abschn. 5.1 fordert die EnEV
gefordert wird, wobei im Vergleich zu diesen die Anforde- eine Nachrüstung besonders wirtschaftlicher Maß-
rungen reduziert sind. nahmen bei Anlagen und Bauteilen innerhalb der nächs-
ten Jahre. Ausgenommen von der Nachrüstungspflicht
Dieser erweiterte Nachweis ist insbesondere bei umfang- sind Eigentümer selbst genutzter Wohngebäude mit
reicheren energetischen Sanierungen sinnvoll. Weiterhin nicht mehr als 2 Wohnungen, die das Gebäude schon vor
lassen sich durch örtliche Gegebenheiten vorhandene dem 1. Februar 2002 bewohnten. Wird die Immobilie
Zwänge (z. B. nicht ausreichende Fußbodenaufbauhöhe allerdings verkauft, so muss der neue Eigentümer – auch
beim Boden gegen Erdreich), die eine Ausführung nach wenn er das Gebäude selbst bewohnt – die geforderten
Bild 2-7 nur mit unwirtschaftlichen Maßnahmen ermög- Nachrüstungen innerhalb von 2 Jahren nach Erwerb
lichen, durch zusätzliche Dämmung z. B. des Daches bzw. zum Ablauf der in der EnEV genannten Fristen aus-
oder der Außenwände ausgleichen. Man sollte aber führen.
immer darauf achten, dass trotz der reduzierten Anforde-
rungen an den spezifischen Transmissionswärmeverlust Die Nachrüstungsverpflichtung umfasst folgende
der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 für jedes Maßnahmen:
Einzelbauteil an jeder Stelle eingehalten wird.
– Wenn die oberste Geschossdecke zwar nicht begeh-
bar, aber zugänglich ist, muss sie bis zum 31. Dezem-
Zur Anwendung der Wärme- und Energiebedarfsberech- ber 2006 so gedämmt werden, dass der Wärmedurch-
nung für einen EnEV-Nachweis im Gebäudebestand ist gangskoeffizient der Geschossdecke nicht größer als
allerdings anzumerken, dass die Berechnungsverfahren 0,30 W/(m2 · K) ist. Dies entspricht einer Dämmstärke
der DIN V 4108-6 und DIN V 4701-10 mit ihren für von 12 cm bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 W/
Neubauten definierten Randbedingungen bei Altbauten (m 2 · K). Es ist durchaus wirtschaftlich sinnvoll, auch
zu wenig realistischen Ergebnissen führen können. Bei begehbare und nur zu Lagerzwecken selten genutzte
einem niedrigeren baulichen Wärmeschutz ist die Decken von nicht ausgebauten Dachgeschossen ent-
normierte Heizgrenztemperatur von nur 10 °C mit einer sprechend zu dämmen.
entsprechenden Heizperiode von nur 185 Tagen zu
gering, so dass ein unrealistisch niedriger Wärmebedarf – Heizkessel mit Öl- oder Gasfeuerung, die vor dem
berechnet wird. Außerdem gibt es keine technischen 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufgestellt wurden,
Regeln, mit der die bestehende Gebäudetechnik im müssen bis zum 31. Dezember 2006 außer Betrieb
Altbau zutreffend energetisch bewertet werden kann genommen und durch moderne, schadstoffarme Ge-
(z. B. Erzeuger-Aufwandszahl, Verteilverluste und Hilfs- räte ersetzt werden. Die Frist verlängert sich bis zum
energiebedarf einer älteren Heizanlage). 31. Dezember 2008, wenn der Brenner nach dem
1. November 1996 eingebaut wurde oder bei der jähr-
Wenn das beheizte Gebäudevolumen eines bestehenden lichen Überprüfung nach Bundes-Immissionsschutz-
Gebäudes um zusammenhängend mehr als 30 m3 erwei- Verordnung (BImSchV) die zulässigen Abgasverlust-
tert wird, muss für den neuen Gebäudeteil ein Nachweis grenzwerte nicht überschritten werden. Ein Ersatz ist
wie für zu errichtende Gebäude geführt werden. nicht erforderlich, wenn diese alten Kessel bereits

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

Niedertemperatur-Heizkessel oder Brennwertkessel dicken – abweichend von früheren Verordnungen und


sind oder die Nennwärmeleistung mehr als 400 kW Normen – auf den Innendurchmesser der Rohre be-
beträgt. ziehen, siehe auch Kap. 13-2.3.
– Wenn sich Wärmeverteilungs- und Warmwasser-
leitungen sowie Armaturen in nicht beheizten Räumen
befinden und zugänglich sind (dies ist üblicherweise 6 Berechnungsverfahren für den
bei einer Verteilung in unbeheizten Kellern der Fall), EnEV-Nachweis
müssen sie bis zum 31. Dezember 2006 entsprechend
der Tabelle in Bild 2-8 wärmegedämmt werden. Dabei 6.1 Überblick über die Verfahren
ist zu beachten, dass sich die angegebenen Mindest-
Wie bereits in Abschn. 3 erwähnt, nimmt die EnEV Bezug
auf verschiedene, überwiegend neue nationale und inter-
nationale Normen, in denen auch die Berechnungsver-
Zeile Art der Leitungen/Armaturen Mindestdicke fahren für den EnEV-Nachweis enthalten sind.
der Dämm-
schicht 1) Ausgangsbasis für die Rechenvorschriften ist die
1 Innendurchmesser bis 22 mm 20 mm – DIN EN 832 „Wärmetechnisches Verhalten von Ge-
2 Innendurchmesser über 22 mm bis 30 mm
bäuden – Berechnung des Heizenergiebedarfs; Wohn-
35 mm gebäude“.

3 Innendurchmesser über 35 mm bis gleich Innen- Mit den entsprechenden deutschen Rahmenbedingun-
100 mm durchmesser gen liegen hierzu die Vornormen
4 Innendurchmesser über 100 mm 100 mm – DIN V 4108-6 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung
5 Leitungen und Armaturen nach Zeilen die Hälfte der in Gebäuden – Berechnung des Jahresheizwärme- und
1 bis 4 in Wand- und Deckendurch- Mindestdicken des Jahresheizenergiebedarfs“ und die
brüchen, im Kreuzungsbereich von nach Zeilen
Leitungen u. a. 1 bis 4 – DIN V 4701-10 „Energetische Bewertung heiz- und
raumlufttechnischer Anlagen – Heizung, Trinkwasser-
6 Bei neuer Verlegung von Leitungen der die Hälfte der erwärmung, Lüftung“ vor.
Zentralheizung zwischen Wohnungen Mindestdicken
nach Zeilen
1 bis 4
Die Berechnungsalgorithmen dieser umfangreichen Nor-
men sind im Detail sehr komplex und schwer überschau-
7 Leitungen nach Zeile 6 im Fußboden- 6 mm bar. Durch den Einsatz von PC-Nachweisprogrammen,
aufbau die auch zusätzliche Rahmenbedingungen aus weiteren
1) Die Mindestdicke bezieht sich auf ein Dämmmaterial mit einer flankierenden Normen enthalten, wird die Berechnung
Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m · K). Wird Material einer ande- und Nachweisführung wesentlich erleichtert, Abschn. 10.
ren Wärmeleitfähigkeit verwendet, muss die Dämmschichtdicke
so angepasst werden, dass keine Verkleinerung des Wärme- Die EnEV und die o. g. Normen lassen Berechnungen mit
durchlasswiderstands auftritt.
unterschiedlichem Detaillierungsgrad zu. Bild 2-9 ver-
2-8 Mindestdicken der Dämmschicht von Wärmevertei- mittelt einen Überblick über die verschiedenen Verfahren
lungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen in und deren Anwendung. In den folgenden Abschnitten
nicht beheizten Räumen finden sich hierzu weitere Erläuterungen.

2/16 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Jahres-Heizwärmebedarf Q h, q h = Qh/A N
DIN V 4108-6

Methode Bilanzierung der Wärmeverluste des Gebäudes infolge Transmission (Q T) und Lüftung (QV) sowie der nutzbaren
internen (Q i) und solaren (Q s) Wärmegewinne:
Q h = Q T + Q V – η(Q i + Qs)
η: Ausnutzungsgrad der Wärmegewinne

Vereinfachtes Verfahren/Heizperiodenbilanz- Ausführliches Verfahren/Monatsbilanzverfahren


verfahren EnEV, Anhang 1, Tabelle 2 DIN V 4108-6

Bilanzierungsbasis Heizperiode von 185 Tagen mit einer Heizgrenztempe- Summe der monatlichen Bilanzen der Wärmeverluste
ratur von 10 °C und einer Gradtagszahl von 2900 Kd. und -gewinne. Variabler monatlicher Ausnutzungsgrad
Standardisierter Ausnutzungsgrad der Wärmegewinne der Wärmegewinne.
η = 0,95.

Anwendung Vorzugsweise in Vorplanungsphase in Verbindung mit Für differenzierte Bewertung aller den Wärmebedarf
dem Diagrammverfahren zur grafischen Ermittlung des beeinflussenden Merkmale von Gebäuden. Zertifizier-
End- und Primärenergiebedarfs. tes PC-Berechnungsprogramm unumgänglich.

Vorteil Ergebnisse ohne Detailrechnung schnell verfügbar. Universelles Verfahren. Höhere Genauigkeit.
Berechneter Wärmebedarf in der Regel niedriger als
mit dem Vereinfachten Verfahren.

Nachteil Anwendungseinschränkungen. Vereinfachende Rand- Höherer Bearbeitungsaufwand.


bedingungen führen in der Regel zu erhöhten Bedarfs-
werten.

Jahres-Warmwasserwärmebedarf Q w, q w = Q w/A N

Wohngebäude Standardisierter Bedarf q w = 12,5 kWh/(m 2 · a), EnEV, Anhang 1, Abs. 2.2

Nichtwohngebäude Warmwasserwärmebedarf ist nicht zu berücksichtigen.

2-9 /1 Berechnungsverfahren zur EnEV und deren Anwendung im Überblick:


1. Wärmebedarfsberechnung

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/17


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

Jahres-Heizenergiebedarf (Endenergiebedarf) QE, q E = QE/A N


Jahres-Primärenergiebedarf Qp, Q p″ = Q p/A N
DIN V 4701-10

Methode Q E: Bilanzerweiterung durch Berücksichtigung der Energieverluste und der Energiegewinne (regenerative
Energie, Wärmerückgewinn) der Anlagentechnik sowie des elektrischen Hilfsenergiebedarfs.
Q p: Berücksichtigung der Vorkette der Energielieferung mit dem Primärenergiefaktor f p: Q p = Q E · fp

Grafische Ermittlung Rechnerische Ermittlung

Diagrammverfahren Tabellenverfahren Detailliertes Verfahren

Basis Diagramme für vorgegebene Anla- Berechnung des End- und Primärenergiebedarfs nach DIN V 4701-10,
gen, aus denen für den zuvor Abschnitt 4 aus Kennwerten der einzelnen Anlagenkomponenten mit
ermittelten Wärmebedarf in Abhän- Hilfe von Berechnungsblättern des Anhangs A oder zertifizierten PC-
gigkeit von der Gebäude-Nutz- Programmen.
fläche der Energiebedarf q E
und die Anlagen-Aufwandszahl ep Kennwerte für Standard-Anlagen- Kennwerte für konkrete Anlagen-
abgelesen werden kann. Der komponenten aus Anhang C.1 bis komponenten der Hersteller und
Primärenergiebedarf Qp ergibt sich C.4 ggf. einer gebäudespezifischen,
mit Q p = ep · (q h + q w) · AN . nicht standardisierten Anlagen-
planung.

Vorteile und Ergebnisse ohne Detailrechnung Im Vergleich zum Diagrammverfah- Berechnung von Nicht-Standard-
Anwendung direkt verfügbar. Besonders geeig- ren Variationsmöglichkeit der anlagen in einer detaillierten Aus-
net für schnelle vergleichende Anlagenkonfiguration. Größere führungsplanung mit besonders
Bewertungen in der Vorplanungs- Transparenz über die Auswirkungen energieeffizienten Produkten.
phase. Diagramme verfügbar für einzelner anlagentechnischer Maß-
6 gängige Standard-Anlagen im nahmen.
Anhang C.5 der DIN V 4701-10 und
für weitere Standard-Anlagen im
Beiblatt 1 zur Norm. Auch produkt-
spezifische Diagramme der
Hersteller werden bereitgestellt.

Nachteile Begrenzte Anzahl der Anlagen. Kennwerte der Standard-Anlagen- Anlagendetails müssen bekannt
Keine Variationsmöglichkeit der komponenten der Norm orientieren sein. Hoher Berechnungsaufwand,
Anlagenkonfiguration. Den Dia- sich am unteren energetischen wenn die Kennwerte aus Produkt-
grammen der Norm liegen Stan- Durchschnitt des Marktniveaus und Planungsdaten selbst ermittelt
dard-Anlagenkomponenten mit und führen zu höheren Bedarfs- werden müssen.
höheren Bedarfsergebnissen ergebnissen.
zugrunde.

2-9/2 Berechnungsverfahren zur EnEV und deren Anwendung im Überblick:


2. Endenergie- und Primärenergiebedarfsberechnung

2/18 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
6.2 Berechnung des Heizwärmebedarfs zur 6.2.1.1 Transmissionswärmeverluste der
energetischen Bewertung der Bautechnik Wärmebrücken

6.2.1 Berechnungsbasis und wesentliche Bei Gebäuden mit hohem Wärmeschutz können die
Einflussgrößen Wärmeverluste über Wärmebrücken einen hohen Anteil
der Gesamt-Transmissionswärmeverluste erlangen; sie
Wie bei der WSVO ’95 wird der Jahres-Heizwärmebedarf dürfen deshalb nicht mehr vernachlässigt werden.
(Qh) durch Bilanzierung der Wärmeverluste des Gebäu-
des infolge Transmission (QT) und Lüftung (Q V) sowie der Der Einfluss der Wärmebrücken auf den Jahres-Heiz-
nutzbaren internen (Qi) und solaren (Qs) Wärmegewinne wärmebedarf kann lt. EnEV, Anhang 1 Nr. 2.5 in unter-
berechnet, siehe Gleichung in Bild 2-9/1. Die EnEV schiedlicher Detaillierung berücksichtigt werden:
detailliert die Bilanzierung durch
– Werden bei der Planung die Wärmebrücken nicht im
– Berücksichtigung von Wärmebrücken bei der Er-
Detail dargestellt, wie dies bisher in der Regel bei der
mittlung der Transmissionswärmeverluste, Abschn.
Vergabe einer schlüsselfertigen Bauausführung üblich
6.2.1.1,
war, sind die Wärmebrücken durch einen pauschalen
– Berücksichtigung eines um 0,1 h–1 niedrigeren Luft- Zuschlag von UWB = 0,10 W/(m2 · K) auf den mittleren
wechsels bei der Ermittlung der Lüftungswärmever- Wärmedurchgangskoeffizienten der gesamten wärme-
luste, wenn die luftdichte Ausführung der Gebäude- übertragenden Umfassungsfläche zu berücksichti-
hülle nachgewiesen wird, Abschn. 6.2.1.2. gen.

Bei der Berechnung der Transmissionswärmeverluste – Wenn vom Entwurfsverfasser die Wirkung der Wärme-
werden für die Wärmedurchgangskoeffizienten statt der brücken entsprechend den Planungsbeispielen der
in der Vergangenheit verwendeten k-Werte nach neuen DIN 4108 Bbl. 2 reduziert und dies im Detail dar-
europäischen Regeln zu bestimmende U-Werte verwen- gestellt wird, erfolgt ein nur halb so hoher Zuschlag
det, deren Größe sich geringfügig von den k-Werten von U WB = 0,05 W/(m2 · K) auf den mittleren Wärme-
unterscheidet. durchgangskoeffizienten der gesamten wärmeüber-
tragenden Umfassungsfläche. Dieses Verfahren ist
Der Wärmebedarfsbilanzierung liegen normierte Randbe- zu empfehlen, da auf diese Weise nicht nur der
dingungen hinsichtlich des Klimas (Außentemperaturen, Energieverbrauch reduziert, sondern auch sicher-
Sonneneinstrahlung, Heizdauer) und der Nutzer (Innen- gestellt wird, dass bei üblicher Wohnungsnutzung
temperaturen, Nachtabsenkung, Luftwechsel, nutzbare keine Tauwasserschäden auftreten.
solare und interne Wärmegewinne) zugrunde, die nur
bedingt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Wärmever- – Weiterhin kann auch ein genauer Nachweis des Ein-
brauch ermöglichen, Abschn. 9.3. flusses der Wärmebrücken nach DIN V 4108-6 in Ver-
bindung mit weiteren anerkannten Regeln der Technik
durchgeführt werden. Dieser Nachweis über Wärme-
brücken-Verlustkoeffizienten Ψe erfordert relativ viel
Zeitaufwand, da u. a. die Länge jeder einzelnen Wär-
mebrücke erfasst werden muss, Kap. 10-4.5. Er lässt
sich wirtschaftlich nur bei der Planung von Energie-
spar- oder Passivhäusern vertreten.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/19


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

Der Einfluss der Wärmebrücken darf für ein Gebäude nur n = 0,6 h –1 mit Nachweis der Luftdichtheit bei
einheitlich mit einem der drei vorgenannten Verfahren Fensterlüftung (n50  3,0 h –1) und
berücksichtigt werden. Kann ein Detail z. B. nicht nach Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinn
DIN 4108 Bbl. 2 verbessert werden, weil es dort nicht (n50  1,5 h –1),
dargestellt ist, muss für alle Wärmebrücken mit dem pau-
schalen Zuschlag von ∆U WB = 0,10 W/(m2 · K) gerechnet n = 0,55 h –1 mit Nachweis der Luftdichtheit bei Ab-
werden. Deshalb empfiehlt sich für diesen Fall trotz des luftanlagen (n 50  1,5 h –1).
größeren Planungsaufwands eine detaillierte Berechnung
mittels Wärmebrückenverlustkoeffizienten. Der Wärmerückgewinn von Lüftungsanlagen wird
beim EnEV-Nachweis nicht durch eine Verringerung
der Lüftungswärmeverluste bzw. des Jahres-Heiz-
6.2.1.2 Luftdichtheit und Luftwechselrate
wärmebedarfs berücksichtigt, sondern geht als Bei-
Während in der WSVO ’95 nur pauschal darauf hingewie- trag der Anlagentechnik in eine Verringerung des
sen wurde, dass die Gebäudehülle luftdicht auszuführen Jahres-Heizenergiebedarfs und der Anlagen-Auf-
ist, ist heute durch die DIN V 4108-7 deren Ausführung wandszahl ein, Abschn. 6.4.
genormt, siehe Kap. 9-3.2. Auch das Verfahren zur Über-
prüfung der Luftdichtheit mittels einer Blower-Door ist Wie die Berechnungen an einem Beispielgebäude zei-
durch die neue DIN EN 13829 definiert, Kap. 9-2. Die gen, Abschn. 8, ist es durchaus sinnvoll, generell einen
EnEV schreibt keinen Luftdichtheitstest vor. Beim Luftdichtheitsnachweis durchführen zu lassen, da durch
Einsatz mechanischer Lüftungsanlagen darf jedoch die Reduzierung der Luftwechselrate zur Berechnung
eine reduzierte Luftwechselrate bzw. ein Wärmerück- des Jahres-Heizwärmebedarfs um 0,1 h –1 der Jahres-
gewinn nur angerechnet werden, wenn die Dichtheit primärenergiebedarf um etwa 10 kWh/(m 2 · a) sinkt. Bei
des Gebäudes nachgewiesen wird. Gebäuden mit einer konventionellen Anlagentechnik
können die Kosten für den Blower-Door-Test durch Ein-
Beim Nachweis der Luftdichtheit mit dem Blower-Door- sparungen bei der Bau- und/oder Anlagentechnik mehr
Test darf die volumenbezogene Luftdurchlässigkeit, das als ausgeglichen werden. Mit dem Test ist auch gleich-
ist die gemessene Luftwechselrate n50 bei 50 Pa Druck- zeitig die Überprüfung der handwerklichen Ausführung
differenz, einen Wert von der luftdichten Gebäudehülle verbunden.

n50 = 3,0 h –1 bei Gebäuden ohne raumlufttechnische


6.2.1.3 Aneinanderreihung von Gebäuden
Anlagen (Fensterlüftung) bzw.
n50 = 1,5 h –1 bei Gebäuden mit raumlufttechnischen Bei der Berechnung des Jahres-Heizwärmebedarfs von
Anlagen aneinander gereihten Gebäuden werden die Gebäude-
nicht überschreiten. trennwände zwischen Gebäuden mit normalen Innentem-
peraturen als nicht wärmedurchlässig angenommen. Die
Für die Berechnung der Lüftungswärmeverluste sind laut Gebäudetrennwand gehört somit nicht zur wärmeüber-
DIN V 4108-6 folgende standardisierte Luftwechsel- tragenden Umfassungsfläche des Gebäudes. Werden
raten n anzusetzen: Reihenhäuser von einem Bauträger gleichzeitig erstellt,
darf beim EnEV-Nachweis die gesamte Gebäudezeile als
n = 0,7 h –1 ohne Nachweis der Luftdichtheit (redu- ein Gebäude behandelt werden. Dies hat – bei Einhaltung
ziert im Vergleich zur WSVO ’95, wo des maximal zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs
n = 0,8 h –1 galt), der gesamten Häuserzeile – für die Nutzer zur Folge,

2/20 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
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Energieein-
dass die Reihenendhäuser einen höheren tatsächlichen laren Wärmegewinne Qi und Q s. Der Ausnutzungsfaktor
spezifischen Jahres-Primärenergiebedarf, der über dem 0,95 bedeutet, dass die internen und solaren Wärmege-
maximal zulässigen Wert bei einem Nachweis für das winne unabhängig von der Schwere der Bauweise wäh-
Einzelgebäude liegt, aufweisen als die Mittelhäuser. Die rend der Heizperiode zu 95 % genutzt werden. Der Heiz-
Bauaufsichtsbehörde kann nach Ermessen davon ab- gradtagzahlfaktor 66 ergibt sich aus einer Heizgradzahl
weichend den Nachweis für jedes einzelne Gebäude ver- von 2900 Kd entsprechend einer Heizgrenztemperatur
langen. von 10 °C. Im Vergleich zur Berechnung des Jahres-
Heizwärmebedarfs nach der WSVO ’95, bei der die Heiz-
Ist nach Bebauungsplan eine Zeilenbebauung vor- gradzahl 3500 Kd betrug, wurde der Heizgradtagzahlfak-
geschrieben, die gleichzeitige Errichtung der Nachbar- tor von 84 auf 66 reduziert. Das Berechnungsergebnis
bebauung allerdings nicht sichergestellt, müssen die verringert sich jedoch nicht in entsprechendem Maße, da
Trennwände wenigstens entsprechend dem Mindest- aufgrund der Berücksichtigung der Wärmebrücken ein
wärmeschutz nach den anerkannten Regeln der Technik höherer spezifischer Transmissionswärmeverlust einzu-
ausgeführt werden. setzen ist und die Wärmegewinne aufgrund der kürzeren
Heizperiode und neuer Berechnungsregeln niedriger
Bei Trennwänden zwischen Gebäuden unterschiedlicher sind. Bei üblichen Wohngebäuden ergibt sich gegenüber
Nutzung und somit unterschiedlicher Innentemperatur der WSVO '95 ein um ca. 5 bis 10 % kleinerer Jahres-
muss die Gebäudetrennwand bei der Berechnung des Heizwärmebedarf. Der Rechenaufwand bei Anwendung
Jahres-Heizwärmebedarfs als wärmeübertragendes Bau- des Vereinfachten Verfahrens entspricht ungefähr dem,
teil berücksichtigt werden. Der geringere Wärmefluss der für den Nachweis nach Wärmeschutzverordnung ’95
gegenüber dem einer Außenwand wird durch den Tem- notwendig war.
peratur-Korrekturfaktor bei der Berechnung berücksich-
tigt. Das Vereinfachte Verfahren ist mit dem in Bild 2-10
genannten Anwendungseinschränkungen verbunden.
6.2.2 Vereinfachtes Verfahren/ Es eignet sich insbesondere für orientierende
Heizperiodenbilanzverfahren Berechnungen im Vorentwurfsstadium und erlaubt
zusammen mit dem grafischen Verfahren (Diagramm-
Für das Heizperiodenbilanzverfahren der DIN 4108-6 verfahren) oder Tabellenverfahren zur Bewertung der
werden in Anhang 1, Tabelle 2 der EnEV die Randbe- Anlagentechnik bei EDV-Anwendung einen schnellen
dingungen für den Nachweis des Jahres-Heizwärmebe- Vergleich verschiedener bau- und anlagentechni-
darfs Qh spezifiziert. Dieses „Vereinfachte Verfahren“ scher Planungskonzepte. Die Ergebnisse liegen im
der EnEV darf bei Wohngebäuden, deren Fenster- Vergleich zu den detaillierten Verfahren auf der siche-
flächenanteil nicht mehr als 30 % beträgt, angewen- ren Seite. Dies erfordert allerdings einen höheren
det werden. Es bilanziert den Jahres-Heizwärmebedarf Aufwand für die Bauausführung.
Q h für eine Heizperiode von 185 Tagen entsprechend
dem Referenzklima von Deutschland mit der Gleichung
6.2.3 Ausführliches Monatsbilanz-Verfahren
Qh = 66 · (H T + HV) – 0,95 · (Qi + Qs)
Im Vergleich zum Vereinfachten Verfahren, welches
aus den nach Anhang 1, Tabelle 2 zu ermittelnden spezi- Wärmeverluste und -gewinne über die gesamte Heiz-
fischen Werten des Transmissionswärmeverlustes H T, periode bilanziert, lässt sich mit dem Monatsbilanz-
Lüftungswärmeverlustes HV sowie der internen und so- Verfahren nach DIN V 4108-6 das wärmetechnische Ver-

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

halten des Gebäudes detaillierter und somit realitäts-


왘 Das Verfahren ist nur für Wohngebäude zulässig. näher beschreiben. Der Jahres-Heizwärmebedarf wird
왘 Der Fensterflächenanteil darf nicht mehr als als 30 % aus der Summe der monatlichen Bilanzen der Wärmever-
betragen. luste und -gewinne ermittelt. Alle in Bild 2-10 genannten
Einschränkungen des Vereinfachten Verfahrens können
왘 Die Wärmebrücken müssen entsprechend der Vorgaben entfallen. Damit ermöglicht das Monatsbilanz-Verfahren
der DIN 4108 Bbl. 2 in ihrer Wirkung begrenzt werden. Der
eine wesentlich differenziertere Bewertung aller den Wär-
geringere Wärmeverlust durch eine bessere Detailausbil-
dung kann nicht berücksichtigt werden.
mebedarf beeinflussenden Merkmale von Gebäuden.

왘 Das Nettovolumen V, d. h. das beheizte Luftvolumen wird Der Bilanzierung liegen monatliche Außentemperaturen
aus dem Bruttovolumen unabhängig vom Gebäudetyp und monatliche Sonneneinstrahlungen auf die unter-
nach der Gleichung V = 0,8 · Ve ermittelt. Dies führt in den schiedlich orientierten Gebäudeflächen entsprechend
meisten Fällen bei Ein- und Zweifamilienhäusern zu größe- dem Referenzklima Deutschlands nach DIN V 4108-6,
ren Lüftungswärmeverlusten gegenüber einer Berechnung
Tabelle D.5 zugrunde. Der monatliche Ausnutzungsgrad
mit dem Monatsbilanzverfahren, Abschn. 6.2.3.
der internen und solaren Gewinne wird aus dem von der
왘 Der Einfluss unterschiedlicher Bauweise (schwere Massiv- Schwere der Bauweise abhängigen Gewinn/Verlust-Ver-
oder leichte Holzständerwerk-Bauweise) auf den Aus- hältnis für den jeweiligen Monat bestimmt.
nutzungsgrad der internen und passiv-solaren Wärme-
gewinne wird nicht berücksichtigt. Das belüftete Nettovolumen V zur Berechnung der
왘 Der Einfluss unterschiedlich großer Bodenplatten bzw.
Lüftungswärmeverluste wird im Monatsbilanzverfahren
deren Stirnseitendämmung auf den Transmissionswärme- aus dem Bruttovolumen nach folgenden Vorgaben er-
verlust wird nicht berücksichtigt. mittelt:
왘 Die passiv-solaren Wärmegewinne von Fenstern werden V = 0,76 · Ve für Wohngebäude bis zu 3 Vollge-
nur entsprechend einer Orientierung in den Haupthimmels- schossen,
richtungen berücksichtigt. Dachflächenfenster werden nur
bei einer Neigung unterhalb 30 Grad mit einem höheren
V = 0,80 · Ve für größere Wohngebäude und Gebäude
Solargewinn berücksichtigt; oberhalb 30 Grad sind die
Wärmegewinne denen senkrechter Fenster gleichzusetzen.
anderer Nutzung.

왘 Passiv-solare Wärmegewinne unbeheizter Wintergärten, Es ist aber auch zulässig, das exakte beheizte Luftvo-
transparenter Wärmedämmung u. a. können in ihrer Wir- lumen über die Summierung der Nettovolumina aller
kung auf den Jahres-Heizwärmebedarf nicht berücksich- Räume zu berechnen. Dies kann insbesondere bei klei-
tigt werden. neren Gebäuden zu einer Verringerung des Luftvolumens
왘 Der Einfluss der solaren Absorption von opaken, d. h. und der Lüftungswärmeverluste führen.
nicht transparenten oder transluzenten Flächen auf die
Transmissionswärmeverluste wird nicht ermittelt. Aufgrund der differenzierten Berechnung kann sich
mit dem Monatsbilanz-Verfahren ein deutlich niedri-
왘 Der Einfluss der Verschattung auf die solaren Wärmege- gerer Jahres-Heizwärmebedarf als mit dem Verein-
winne wird in der Bilanzierung nicht berücksichtigt.
fachten Verfahren ergeben. Für die Bauausführung
bedeutet dies, dass mit weniger bautechnischem
2-10 Einschränkungen der Berechnung des Jahres- und/oder anlagentechnischem Aufwand der maximal
Heizwärmebedarfs mit dem Vereinfachten Verfahren zulässige Jahres-Primärenergiebedarf eingehalten
(Heizperiodenbilanzverfahren) werden kann. Die dadurch eingesparten Investitions-

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
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kosten betragen ein Vielfaches der Mehrkosten, die Stelle genormter Erfahrungswert, z. B. für Sporthallen,
durch das Erstellen des Nachweises nach dem Mo- zugrunde gelegt werden.
natsbilanz-Verfahren gegenüber dem Vereinfachten
Verfahren entstehen. Mit der neu eingeführten energetischen Berücksichti-
gung der Warmwasserversorgung wird der Tatsache
Rechnung getragen, dass bei hohem Wärmeschutz des
6.3 Jahres-Warmwasserwärmebedarf Gebäudes der Jahres-Warmwasserwärmebedarf im
Verhältnis zum Heizwärmebedarf 15 bis 20 % beträgt.
Der Jahres-Warmwasserwärmebedarf ist der Nutzwär- Beim End- und Primärenergiebedarf nimmt für zentrale
meinhalt des jährlich an den Zapfstellen benötigten Warmwasserversorgungssysteme diese anteilmäßige
Warmwassers. Er wird durch Nutzereinflüsse, d. h. die Bedeutung weiter zu, da die beträchtlichen ganzjährigen
Anzahl der zu versorgenden Personen und deren Ver- Wärmespeicher- und Verteilverluste der Warmwasserver-
brauchsgewohnheiten bestimmt. Dadurch kann seine sorgung, die in der gleichen Größenordnung wie der
Größe sehr unterschiedlich sein. Als durchschnittlicher Warmwasser-Nutzwärmebedarf liegen, den Energie-
Jahres-Warmwasserwärmebedarf in einem Mehrperso- bedarf stärker erhöhen als die Speicher- und Verteilver-
nenhaushalt gelten luste der Heizung (Bild 2-18).

400 kWh/(Person · Jahr)

entsprechend einem durchschnittlichen Warmwasserbe-


darf bei 50 °C Bezugstemperatur von rund

24 Liter/(Person · Tag)

Legt man als durchschnittliche Gebäudenutzfläche A N


je Person 32 m 2 zugrunde, so ergibt sich hieraus ein
durchschnittlicher Jahres-Nutzwärmebedarf für die
Warmwasserbereitung von 12,5 kWh/(m 2 · Jahr).
Diesen Betrag definiert die EnEV als pauschalen
Jahres-Warmwasserwärmebedarf qw für Wohnge-
bäude.

Bei einer Nutzfläche von 40 m2 je Person, das ist die


durchschnittlich verfügbare Wohnfläche in Deutschland,
entspricht die pauschale Festlegung der EnEV allerdings
einem Warmwasserbedarf von 30 Liter/(Person · Tag) bei
50 °C bzw. einem Jahres-Warmwasserwärmebedarf von
500 kWh/(Person · Jahr). Dieser hohe Bedarf liegt über
dem tatsächlichen Durchschnittsverbrauch.

Bei Nichtwohngebäuden (Büro-, Schulgebäude u. Ä.)


ist der wesentlich geringere Warmwasserwärmebedarf
nicht zu berücksichtigen bzw. es kann ein an anderer

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

6.4 Berechnung des End- und Primärenergiebedarfs


Qp Primär-
energie
6.4.1 Berechnungssystematik
Verluste
Förderung,
Die Berechnung des End- und Primärenergiebedarfs Umwandlung,
erfolgt auf Basis der DIN V 4701-10, in der die ver- Transport

Berechnung des Energiebedarfs in Verfahrensschritten


schiedenen Verfahren zur energetischen Bewertung Gebäudegrenze QE End-
unterschiedlicher Techniken der Heizung, Warmwasser- energie
bereitung und Lüftung beschrieben sind. Der
Berechnung liegt die im erweiterten Energieflussbild von Qr Qg Verluste
Wärme-
Bild 2-11 schematisch dargestellte prinzipielle Systematik Regenera-
erzeugung
tive Energie
zugrunde.
Wärmebereit-
Der zuvor für das Gebäude festgestellte Wärmebedarf Qh stellungsbedarf Qs Verluste
und Qw (Abschn. 6.2 und 6.3) wird zum Teil durch die auf Wärme-
der linken Seite des Flussbildes angegebenen Wärme- speicherung
gewinne vermindert: Qd Verluste
Wärme-
– Q h,w , Heizwärmegutschrift der Warmwasserbereitung, verteilung
das ist der Teil der Wärmeabgabe der Warmwasseran- Raumgrenze
Qc,e
Verluste
lage, der innerhalb der thermischen Gebäudehülle Wärmeübergabe
während der Heizperiode zur Raumerwärmung bei- an Räume
Beitrag Q
trägt, mech. Lüftung h,l
zur Wärme-
bedarfs-
– Q h,l , Beitrag einer ggf. vorhandenen mechanischen deckung
Lüftung durch Wärmerückgewinn mit Wärmetauscher/ Heiz- Qh,w
Wärmepumpe oder durch ein Zuluft-Heizregister, wärmegut-
schrift
Warmwasser-
– Q r, Beitrag einer ggf. vorhandenen Anlage zur Nutzung bereitung

regenerativer Energie aus der Umwelt.


Qh + Qw Nutzenergie
Die auf der rechten Seite des Flussbildes angegebenen Wärmebedarf
Heizung + Warmwasser
technischen Systemverluste Qt der Anlagenkompo-
nenten und die Verluste der Energiebereitstellung außer- Energiebilanzgleichungen:
halb des Gebäudes erhöhen den Energiebedarf. Die
Endenergie QE = Qh + Qw + Qt - Qh,w - Qh,l - Qr
technischen Systemverluste Qt setzen sich zusammen
aus Techn. Systemverluste Qt = Qc,e + Qd + Qs + Qg
Primärenergie Qp = QE · fp (fp: Primärenergiefaktor)
– Q c,e (control, emission), Verluste infolge nichtidealer
Raumtemperaturregelung (z. B. Thermostatventile be-
grenzter Regelgenauigkeit) und Verluste der Wärme- 2-11 Schematisches Energieflussbild zur Berechnung des
abgabe (z. B. aufgrund von Heizkörpern vor Außen- End- und Primärenergiebedarfs der Wärmebereit-
wänden), stellung (ohne elektrische Hilfsenergie)

2/24 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


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nung – EnEV
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– Q d (distribution), Verluste der Wärmeverteilsysteme für Die Berechnungsmethodik ist folgende:
Heizung, Warmwasser und Lüftung, die nicht zur
Wärmebedarfsdeckung beitragen (z. B. Rohrleitungen Ausgehend vom Wärmebedarf wird der Energiebedarf in
im unbeheizten Gebäudebereich), Verfahrensschritten, Bild 2-11, berechnet. Für den End-
energiebedarf qE der Wärmebereitstellung gilt die prinzi-
– Q s (storage), Verluste der Wärmespeicherung (z. B. pielle Bilanzierungsformel
Verluste eines Warmwasserspeichers außerhalb der
Heizperiode oder im unbeheizten Gebäudebereich), qE = (qh – q h,w – q h,l + q c,e + qd + qs) · e g.

– Q g (generation), Verluste der Wärmerzeugung, d. h. Demnach werden die Wärmeverluste q c,e , q d und qs ad-
Betriebs-, Bereitschafts- und Regelungenauigkeits- ditiv zum Wärmebedarf qh berücksichtigt (Verfahrens-
verluste der/des Wärmeerzeuger/s (z. B. Heizkessel- schritte 1 bis 3). Die Summe in der Klammer stellt den
verluste). Wärmebereitstellungsbedarf der/des Wärmeerzeuger/s
dar, siehe Bild 2-11. Die Verluste q g der Wärmeerzeugung
Der Primärenergiebedarf Qp ergibt sich aus dem End- (Verfahrensschritt 4) werden nicht durch einen zusätzli-
energiebedarf QE mit Hilfe des Primärenergiefaktors fp: chen Summanden, sondern durch Multiplikation der be-

Q p = Q E · fp .

Die Primärenergiefaktoren, Bild 2-12, quantifizieren die


Verluste der Energielieferung außerhalb des Gebäudes
(Förderung, Aufbereitung, Umwandlung, Transport).
Energieträger Primärenergiefaktor fp

Die Berechnung der Anlagentechnik erfolgt getrennt Brennstoffe Heizöl EL 1,1


für die einzelnen Systeme in der Reihenfolge Warm-
wasserbereitung, mechanische Lüftung, Heizung. Erdgas H 1,1
Hierdurch können die Wärmemengen der Warmwasser- Flüssiggas 1,1
bereitung und Lüftung, die eine Gutschrift für die Hei-
zung darstellen, berücksichtigt werden. Werden ver- Steinkohle 1,1
schiedene Bereiche des Gebäudes mit unterschiedlicher Braunkohle 1,2
Anlagentechnik versorgt (z. B. unterschiedliche Wär-
meerzeuger für Warmwasser), so sind die Teilsysteme Holz 0,2
einzeln zu berechnen. Nah-/Fernwärme fossiler Brennstoff 0,7
aus Kraft-Wärme-
Wegen der Abhängigkeit vieler Kenngrößen von der Ge- Kopplung (KWK) erneuerbarer Brennstoff 0,0
bäudenutzfläche A N erfolgt die Berechnung des Energie-
bedarfs nicht in absoluten Werten Q, sondern in den flä- Nah-/Fernwärme fossiler Brennstoff 1,3
aus Heizwerken
chenbezogenen Werten q*). erneuerbarer Brennstoff 0,1

Strom Strom-Mix 3,0


*) Hinweis: In der DIN V 4701-10 werden die flächenbezogenen Energie-
mengen pro Jahr mit q bezeichnet. Die EnEV verwendet allerdings für
den flächenbezogenen Primärenergiebedarf die Bezeichnung Q p″ , d. h. 2-12 Primärenergiefaktoren fp nach DIN V 4701-10,
q p = Q p″ . Tabelle C.4-1

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

reitzustellenden Wärme mit der Erzeugeraufwandszahl für Hilfsenergie zusammengefasst werden. Hieraus ergibt
eg erfasst, Bild 2-15. Sie ist das Verhältnis der dem sich mit ep = q p/(q h + q w) die primärenergiebezogene
Wärmeerzeuger zugeführten Endenergie zur bereitge- Gesamt-Anlagenaufwandszahl e p. Sie ermöglicht einen
stellten Wärme (Kehrwert des Erzeuger-Nutzungsgra- dimensionslosen Vergleich der energetischen Effizienz
des). der Wärmeversorgung von Gebäuden.

Bei Anlagen mit mehr als einem Wärmeerzeuger (z. B.


Warmwasserbereitung mit Solaranlage plus Zusatzhei- Der vorstehend gegebene methodische Überblick lässt
zung) sind deren Anteile αg an der Wärmebereitstellung bereits erkennen, dass die energetische Bewertung der
mit der zugehörigen Erzeugeraufwandszahl zu multipli- Anlagentechnik recht komplex und im Detail nur für den
zieren und zur Ermittlung des gesamten Endenergiebe- Fachplaner durchschaubar ist. Wohngebäude, die in der
darfs der Wärmebereitstellung zu addieren. Summe das größte Bauvolumen darstellen, werden meist
mit deutlich geringerer Planungstiefe errichtet als andere
Die Nutzung regenerativer Energie Q r wird bei der beheizte Gebäude. Die DIN V 4701-10 enthält deshalb
Wärmeerzeugung durch eine Erzeugeraufwandszahl vereinfachte Verfahren, standardisierte Anlagenkenn-
kleiner als 1 (Wärmepumpen), 0,2 (Holz als Brennstoff) werte und Berechnungsformblätter, die die Planung er-
bzw. 0 (Solaranlagen) für den Wärmebedarfs-Deckungs- heblich erleichtern und auch für den qualifizierten Hand-
anteil des regenerativen Systems berücksichtigt. Der End- werksmeister anwendbar sind. Im Folgenden wird hierauf
energiebedarf verringert sich hierdurch entsprechend. näher eingegangen.

Der 5. Verfahrensschritt ist die Berechnung des Primär-


energiebedarfs der Wärmebereitstellung. Hierzu wird
der Endenergiebedarf mit dem Primärenergiefaktor des
betreffenden Energieträgers multipliziert: qp = qE · fp*). 6.4.2 Energetische Bewertung der Anlagentechnik
Bei mehr als einem Wärmeerzeuger sind deren Anteile mit dem Diagrammverfahren
an der Endenergiebereitstellung mit dem zugehörigen
Primärenergiefaktor zu multiplizieren und daraus durch
Addition der Gesamt-Primärenergiebedarf der Wärme- Für dieses einfachste Nachweisverfahren sind die End-
bereitstellung zu ermitteln. ergebnisse der energetischen Berechnungen von typi-
schen kompletten Heizanlagen inkl. Warmwasserbe-
Die Ermittlung des nutzflächenbezogenen elektri- reitung in Diagrammform dargestellt. Auch für Anlagen-
schen Hilfsenergiebedarfs qHE wird in einem parallelen varianten mit zusätzlicher mechanischer Lüftung bzw.
Rechengang durchgeführt, bei dem die Hilfsenergien der solarer Warmwasserbereitung/Heizungsunterstützung
einzelnen Prozessabschnitte addiert werden. Durch liegen Diagramme vor. In Abhängigkeit des zuvor für das
Multiplikation mit dem Primärenergiefaktor für Strom Gebäude ermittelten Jahres-Heizwärmebedarfs qh und
ergibt sich der primärenergetisch bewertete Hilfsenergie- der beheizten Gebäude-Nutzfläche AN kann die primär-
bedarf. energiebezogene Anlagen-Aufwandszahl ep, der flächen-
bezogene Primärenergiebedarf qp und der flächenbezo-
Der gesamte Jahres-Primärenergiebedarf qp der Anla- gene Endenergiebedarf qWE,E für die Wärmebereitstellung
gentechnik kann nunmehr aus dem Primärenergiebedarf (Energieinhalt des Gas-, Öl-, Strombedarfs ohne Hilfs-
der Wärmebereitstellung und dem Primärenergiebedarf energie) abgelesen werden (grafische Ermittlung). Der
elektrische Hilfsenergiebedarf ergibt sich aus einer
*) Siehe Fußnote auf S. 25. Tabelle in Abhängigkeit der Nutzfläche A N.

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

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Energieein-
Für sechs Standard-Anlagen sind diese Diagramme im Niedertemperaturkessel
Anhang C.5 der DIN V 4701-10 enthalten. Bild 2-13 zeigt mit gebäudezentraler Trinkwassererwärmung
ein Beispiel hiervon. Für weitere Anlagenkonfigurationen
Heizung: Übergabe: Radiatoren mit Thermostatventil 1K
wurden die Diagramme im Beiblatt 1 zu Norm veröffent- Verteilung: Max. Vorlauf-/Rücklauftemp. 70°C/55°C,
licht. Auch Hersteller, insbesondere von Wärmeerzeu- horiz. Verteilung außerhalb der thermischen Hülle,
vertikale Stränge innenliegend, geregelte Pumpe
gern, veröffentlichen Diagramme, bei denen die norm- Erzeugung: Niedertemperaturkessel außerhalb der thermischen Hülle
konformen Kennwerte ihrer eigenen Produkte (z. B.
Warmwasser: Speicherung: indirekt beheizter Speicher außerhalb der thermischen
Wärmeerzeuger-Aufwandszahl) in der Berechnung be- Hülle
rücksichtigt wurden. Verteilung: horizontale Verteilung außerhalb der thermischen Hülle,
mit Zirkulation
Erzeugung: zentral, Niedertemperaturkessel
Vorteile des Diagrammverfahrens:
2,30
– Das Ergebnis der energetischen Anlagenbewertung ist
auf kürzestem Wege und ohne Detailrechnung direkt 2,20
verfügbar.
– In Verbindung mit dem Vereinfachten Verfahren zur 2,10
Ermittlung des Jahres-Wärmebedarfs (Abschn. 6.2.2)
ermöglicht das Diagrammverfahren in der Vor- 2,00

Anlagen-Aufwandszahl ep
planungsphase eine schnelle Bewertung der ener-
getischen Auswirkungen unterschiedlicher bau- und 1,90
40 qh in kWh/(m2· a)
anlagentechnischer Varianten.
50
– Das Verfahren eignet sich für den öffentlich-recht- 1,80 60
70
lichen EnEV-Nachweis, wenn die Anlagentechnik in 80
90
der dem Diagramm zugrunde gelegten und somit vor- 1,70
gegebenen Konfiguration ausgeführt wird.
1,60
Nachteile des Diagrammverfahrens:
1,50
– Das Ergebnis gilt ausschließlich für die jeweils
beschriebene Anlagenkonfiguration. Einzelne System-
1,40
parameter, wie Kennwerte der Komponenten, Verlege-
art der Verteilleitungen, Systemtemperatur, können
1,30
nicht verändert werden. Da nur eine begrenzte Anzahl
von Diagrammen zur Verfügung steht, können nicht
alle Varianten abgedeckt werden. 1,20
100 200 400 600 m2 1.000
– Den Anlagenkonfigurationen der Norm liegen beheizte Nutzfläche AN
Standardkomponenten zugrunde, deren energetische
Qualität dem unteren Marktdurchschnitt entspricht.
Hierdurch ergeben sich höhere Aufwandszahlen und 2-13 Beispiel für ein Diagramm der Anlagen-Aufwandszahl
Bedarfswerte. Von den Herstellern werden deshalb ep aus DIN V 4701-10, Anhang C.5, in Abhängigkeit
nach Vorgaben der Norm eigene Diagramme mit den von der Gebäudenutzfläche A N sowie mit dem Jahres-
Kennwerten ihrer Produkte entwickelt. Heizwärmebedarf q h als Parameter

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

– Da das Diagrammverfahren nur Endergebnisse der Der Anhang C.1 bis C.4 der DIN V 4701-10 enthält die
energetischen Bewertung ausweist, vermittelt es kein Kennwerte für Standardprodukte in Tabellenform. Die
Verständnis über die Zusammenhänge des Zustande- Berechnung mit diesen Standard-Kennwerten wird „Ta-
kommens dieser Ergebnisse. Lediglich durch Vergleich bellenverfahren“ genannt. Die meisten der Kennwerte
von Diagrammvarianten ähnlicher Anlagenkonfigura- sind in Abhängigkeit von der beheizten Nutzfläche AN
tion (z. B. Wärmeerzeugung und -verteilung außer- angegeben. Hierdurch wird der Einfluss der Anlagen-
halb/innerhalb der wärmegedämmten Gebäudehülle) größe berücksichtigt. Die Berechnung erfolgt am zweck-
können die Auswirkungen bestimmter Maßnahmen mäßigsten mit einem PC-Programm, Abschn. 10.
verglichen werden.
Bild 2-15 zeigt als Beispiel einen Auszug aus Tabellen
Bild 2-14 zeigt eine Zusammenstellung von Anlagen-Auf- über standardisierte Aufwandszahlen eg der Wärmeer-
wandszahlen aus Diagrammen des Beiblatts 1 der DIN V zeugung.
4701-10. Sie gelten für Beispielgebäude mit Nutzflächen
AN von 150 und 500 m2 bei einem Jahres-Heizwärme- Vorteile des Tabellenverfahrens:
bedarf qh von 60 kWh/(m2 · a). Es wird deutlich, dass
durch effizientere Techniken die Aufwandszahl erheblich – Im Vergleich zum Diagrammverfahren besteht die
reduziert werden und somit die primärenergiebezogene Möglichkeit einer Veränderung der Anlagenkonfigu-
Effizienz der Wärmeversorgung eines Gebäudes deutlich ration.
verbessert werden kann. Besonders günstig schneidet – Die einzelnen Schritte der Berechnung ermöglichen
die Erdreich/Wasser-Wärmepumpe ab, bei der durch eine Beurteilung der energetischen Auswirkungen ein-
Umweltwärmenutzung trotz der Primärenergiebewertung zelner Komponenten oder Teilsysteme (z. B. Heizung,
der elektrischen Antriebsenergie eine Aufwandszahl von Warmwasserbereitung).
etwa 1 erreicht wird.
Nachteile des Tabellenverfahrens:
Da die nutzflächenbezogenen Wärmeverluste mit zuneh-
mender Größe der Nutzfläche AN abnehmen, ergeben sich – Zur Bestimmung der Kennwerte müssen Details der
für die größere Nutzfläche niedrigere Aufwandszahlen. Anlagentechnik bekannt sein.
– Die Standard-Kennwerte der Norm orientieren sich am
unteren energetischen Durchschnitt des Marktniveaus.
6.4.3 Energetische Bewertung der Anlagentechnik Wie beim Diagrammverfahren ergeben sich dadurch
mit dem Tabellenverfahren entsprechend höhere Aufwandszahlen und Energie-
bedarfswerte.
Mit dem Tabellenverfahren der DIN V 4701-10 besteht die
Möglichkeit, Anlagen, für die keine Diagramme aufberei-
tet sind, rechnerisch zu bewerten. Hierzu müssen die 6.4.4 Energetische Bewertung der Anlagentechnik
Kennwerte der einzelnen Systemkomponenten (Wärme- mit dem detaillierten Verfahren
erzeuger, Wärmeverteil- und Wärmeabgabesystem,
Komponenten der Warmwasserbereitung, Lüftung, Wegen des vorgenannten Nachteils empfiehlt sich bei
Solartechnik) eingegeben und über die Berechnungs- Einsatz hochwertiger Anlagenkomponenten die Ver-
blätter des Anhangs A der Norm entsprechend der wendung produktspezifischer Kennwerte, die von den
unter 6.4.1 beschriebenen Berechnungsmethodik mitein- Herstellern nach den Vorgaben der Norm zu ermitteln
ander verknüpft werden. sind. Auch eine Kombination herstellerspezifischer

2/28 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
AN
500 m2 150 m2

1) NT-Kessel + TW-Speicher außerhalb therm. Hülle,


04 1,54 1,84
HK 70/55°C, mit Zirkulation, Fensterlüftung

2) wie 1), jedoch BW- statt NT-Kessel 16 1,44 1,70

3) wie 2), jedoch BW-Kessel + TW-Speicher innerhalb 18 1,35 1,49


therm. Hülle

4) wie 3), jedoch ohne Zirkulation 20 1,30 1,40

5) wie 3), jedoch statt Fensterlüftung


27 1,19 1,33
Lüftungsanlage mit 80 % Wärmerückgewinn

6) wie 2), jedoch zusätzlich mit solarer


31 1,15 1,25
Warmwasserbereitung

7) Erdreich/Wasser-Wärmepumpe + TW-Speicher außer-


halb therm. Hülle, FBH 35/28 °C, ohne Zirkulation, 51 0,92 1,1
Fensterlüftung
0 0,5 1 1,5 2
NT Niedertemperatur HK Heizkörper
BW Brennwert FBH Fußbodenheizung
Anlagen-Aufwandszahl ep
TW Trinkwasser 04 Anlage Nr. 04 usw. im Beiblatt 1 zur DIN V 4701-10

2-14 Primärenergiebezogene Anlagen-Aufwandszahlen e p von Anlagenvarianten aus dem Beiblatt 1 der DIN V 4701-10 für
Beispielgebäude mit Nutzflächen AN von 150 und 500 m 2 bei einem Jahres-Heizwärmebedarf qh von 60 kWh/(m 2 · a)

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2 Energieeinsparverordnung Berechnungsverfahren für den EnEV-Nachweis

Wärmeerzeuger-Aufwandszahl e g

Heizkessel
Elektrowärmepumpe
(außerhalb der wärmegedämmten Hülle)

Elektrowärme

Solaranlage
temperatur

temperatur
Konstant-

Nieder-
Brennwert Erdreich/Wasser Abluft/Wasser

Heiztemperaturen, °C alle alle 70/55 55/45 35/28 55/45 35/28 55/45 35/28 alle alle

AN = 100 m 2 1,38 1,15 1,08 1,05 1,00

Heizung 300 m 2 1,27 1,12 1,06 1,04 0,99 0,27 0,23 0,30 0,24 1,0 0,0

2
1000 m 1,20 1,10 1,05 1,02 0,99

AN = 100 m 2 1,82 1,21 1,17


Warm-
wasser- 300 m 2 1,56 1,17 1,13 0,27 0,29 1,0 0,0
bereitung
1000 m 2 1,36 1,14 1,10

2-15 Aufwandszahlen eg der Wärmeerzeugung / Tabellenwerte der DIN V 4701-10 (Auszug)

2/30 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Vorgehensweise beim EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Kennwerte für einzelne Komponenten und von den bei der Gas-Brennwerttechnik die maximal mögliche
Normwerten für andere ist zulässig. Für die Berechnung Energieausnutzung bereits erreicht ist. Außerdem soll mit
stehen wie beim Tabellenverfahren die Berechnungsblät- der Sonderregelung in den nächsten Jahren die Weiter-
ter des Anhangs A der Norm zur Verfügung, die auch in entwicklung wirtschaftlich einsetzbarer kombinierter
den PC-Berechnungsprogrammen eingesetzt werden. Systeme mit Wohnungslüftung und Wärmerückgewinn,
die von der Elektrizitätswirtschaft bereits in der Vergan-
Das detaillierte Verfahren ermöglicht nach den Vorgaben genheit gefördert wurde, unterstützt werden.
des Abschnitts 5 der Norm auch die eigene Berechnung
von Kennwerten aus zertifizierten Produktdaten oder die
Berücksichtigung gebäudespezifischer Details der Anla-
genplanung. 7 Vorgehensweise beim EnEV-Nachweis
Durch die Anwendung des detaillierten Verfahrens für Die EnEV stellt Anforderungen sowohl an die bautechni-
besonders energieeffiziente Anlagenkomponenten sche als auch an die anlagentechnische Ausführung ei-
können die Ergebnisse für den Energiebedarfsaus- nes zu errichtenden Gebäudes. Die Anforderungen an die
weis verbessert bzw. die Anforderungen mit weniger Bautechnik sind erfüllt, wenn der zulässige Höchstwert
aufwändigen baulichen Maßnahmen erfüllt werden. des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfas-
sungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts
6.4.5 Energetische Bewertung elektrischer H T′ , max unterschritten wird, Bild 2-6. Der maximal zuläs-
Speicherheizungen sige Jahres-Primärenergiebedarf Q p ″ , max des Gebäudes
legt die Mindestanforderung an die Anlagentechnik unter
Bei Gebäuden, die überwiegend (größer oder gleich Berücksichtigung der vorhandenen Bautechnik fest, Bild
80 % der gesamten Heizleistung) durch elektrische Spei- 2-5. Daraus resultiert, dass beim EnEV-Nachweis neben
cherheizsysteme beheizt werden und mit einer mechani- dem in ähnlicher Form schon in der WSVO ’95 vorhande-
schen Lüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet nen Nachweis des baulichen Wärmeschutzes ein zweiter
sind, darf lt. EnEV, Anhang 1, Abs. 2.1.2 bei der Berech- Nachweis für die effiziente Bereitstellung des für das
nung des Jahres-Primärenergiebedarfs mit einem Pri- Gebäude notwendigen Wärmebedarfs für Heizung und
märenergiefaktor für Strom von 2,0 – entgegen dem Wert Warmwasser erfolgen muss. Die Methodik des EnEV-
der DIN V 4701-10 von 3,0 – gerechnet werden. Diese Nachweises ist in Bild 2-16 dargestellt. Es unterteilt die
Sonderregelung ist befristet bis zum 31. Januar 2010. Vorgehensweise – jeweils für Bau- und Anlagentechnik –
in die Arbeitsschritte „planen“, „ermitteln“ und „nachwei-
Sie beruht zum einen auf dem Hintergrund, dass mit ei- sen“.
nem Primärenergiefaktor für Strom von 3,0 für die Spei-
cherheizung ein unwirtschaftlich hoher Aufwand beim Nach Fertigstellung des Gebäudeentwurfs, aus dem die
baulichen Wärmeschutz getroffen werden müsste, um geometrischen Kenngrößen des Gebäudes ermittelt wer-
den zulässigen Primärenergiebedarf nicht zu überschrei- den, muss das Konzept für den Wärmeschutz geplant
ten. Zum anderen wird sich über die lange Lebensdauer werden. Neben den Wärmedurchgangskoeffizienten der
der Gebäude der Primärenergiefaktor für Strom durch Außenbauteile ist auch das Konzept für die Wärmebrü-
weitere Effizienzverbesserungen der Kraftwerke (z. B. ckenreduzierung sowie die Luftdichtheit der Gebäude-
höhere Energieausnutzung durch Kraft-Wärme-Kopp- hülle festzulegen. Aus den Kennwerten wird der mittlere
lung) und durch den wachsenden Anteil regenerativer spezifische Wärmedurchgangskoeffizient der wärme-
Stromerzeugung wesentlich verringern, während z. B. übertragenden Umfassungsfläche HT′ ermittelt und mit

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/31


2 Energieeinsparverordnung Vorgehensweise beim EnEV-Nachweis

Methodik des EnEV-Nachweises


planen ermitteln nachweisen
Anforderungen EnEV

Bezugsgrößen EnEV
Gebäudeentwurf A, Ve, A/Ve, AN,V Spez. Transmissions- Jahres-Primär-
Wärmeverlust energiebedarf
HT’,max Qp’’,max

Wärmeschutz verbessern / Gebäudeentwurf ändern

nein
Konzept Spezifischer
Wärmeschutz Transmissions- HT’≤ HT’,max
(inkl. Konzept Wärmeverlust
Wärmebrücken- HT’
reduzierung
und Luftdichtheit) ja

Heiz-Wärmebedarf Neben- Haupt-


Qh, Qw anforderung anforderung
DIN V 4108-6 erfüllt erfüllt

ja
Konzept
Anlagentechnik Primär-
(Heizung, Warm- energiebedarf
wasserbereitung, Qp’’ Qp’’≤ Qp’’,max
Lüftung, Umwelt-/ DIN V 4701-10
Solarwärme)
nein
Planungskonzept ändern

2-16 Schritte zur Erfüllung des EnEV-Nachweises

2/32 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
dem nach EnEV in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve er- Änderungen ist wiederum eine Berechnung des spezifi-
mittelten maximal zulässigen Wert HT′ , max verglichen. schen Wärmedurchgangskoeffizienten H T′ durchzufüh-
Wird die Anforderung erfüllt, kann der Jahres-Heiz- ren und zu überprüfen, ob der maximal zulässige Wert
wärmebedarf als Grundlage für den Nachweis des nun unterschritten wird.
Jahres-Primärenergiebedarfs berechnet werden.
Nach jeder Korrektur bei der Ermittlung des spezifischen
Im nächsten Planungsschritt ist das Konzept der Anla- Wärmedurchgangskoeffizienten H T′ der wärmeüber-
gentechnik festzulegen. Hierfür kann nunmehr – ausge- tragenden Umfassungsfläche muss anschließend wieder
hend vom Jahres-Heizwärmebedarf – der Heizenergie-/ überprüft werden, ob der zulässige Höchstwert für den
Endenergiebedarf und der Jahres-Primärenergiebedarf Jahres-Primärenergiebedarf nicht überschritten wird.
für Heizung und Warmwasser nach DIN V 4701-10 ermit-
telt werden. Wird der in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve
ermittelte maximal zulässige Jahres-Primärenergiebedarf Die Praxis der letzten Jahrzehnte zeigt, dass über die
nicht überschritten, ist der EnEV-Nachweis erbracht; das Gestaltung und Bautechnik des Gebäudes meistens fes-
geplante Gebäude erfüllt in Kombination von Gestaltung, te Vorstellungen beim Architekten und/oder Bauherrn
Bau- und Anlagentechnik die Anforderungen der Ener- vorliegen. Da die Anforderungen an die Bautechnik bei
gieeinsparverordnung. der EnEV nur minimal höher sind als bisher von der
WSVO ’95 gefordert, wird sich der Planer beim EnEV-
Wird der zulässige Höchstwert für den Jahres-Primär- Nachweis primär mit Varianten bei der Auswahl und der
energiebedarf überschritten, muss das gesamte Pla- Aufstellung der Anlagentechnik für Heizung und Warm-
nungskonzept des Gebäudes überdacht werden, da wasser beschäftigen müssen. Ein Einblick in die große
nicht nur durch eine effizientere Anlagentechnik, sondern Bandbreite der Einflüsse durch die gewählte Anlagen-
auch durch eine Verbesserung des baulichen Wärme- technik wird im Abschn. 8 gegeben.
schutzes oder durch Änderungen an der Gestaltung des
Gebäudeentwurfs eine Verringerung des Jahres-Primär-
energiebedarfs erreicht werden kann. Nach Festlegung
der geplanten Änderungen muss erneut der Jahres-Pri-
märenergiebedarf ermittelt und mit dem maximal zulässi-
gen Wert verglichen werden, bis dieser unterschritten
wird.
8 Auswirkungen unterschiedlicher
Falls der Primärenergiebedarf deutlich den maximal zu- Maßnahmen an einem Praxisbeispiel
lässigen Betrag unterschreitet und eine Kostenminimie-
rung des Wärmeschutzes angestrebt wird, ist dieser zu Da durch die Energieeinsparverordnung sowohl die
reduzieren und anschließend erneut der Nachweis für die Bautechnik als auch die Anlagentechnik zum Heizen,
Einhaltung von H T′ , max zu führen. Lüften und Warmwasserbereiten energetisch bewertet
werden, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die
Wird der geforderte Grenzwert H T′ , max nicht unterschrit- Anforderungen an den Jahres-Primärenergiebedarf
ten, muss entweder der Gebäudeentwurf energetisch zu erfüllen. Nachfolgend wird am Beispiel eines in
günstiger (z. B. durch Vermeidung von Vor- und Rück- Bild 2-17 dargestellten Reihenendhauses aufgezeigt,
sprüngen in der Fassade) gestaltet werden oder der Wär- welche Auswirkungen unterschiedliche Maßnahmen
meschutz der Außenbauteile erhöht werden. Nach den auf das Berechnungsergebnis haben.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/33


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

Nordansicht Südansicht

Das in Auftrag der Allbau AG in Essen vom Architektur-


Schnitt büro Trappmann Partner in Bielefeld entworfene Reihen-
haus hat eine Grundfläche von 6,135 m × 10,615 m. Es
ist unterkellert, hat 2 Vollgeschosse und ein ausgebautes
Dachgeschoss mit Dachterrasse. Entsprechend EnEV
hat das Gebäude folgende geometrischen Kennwerte:
– beheiztes Gebäudevolumen Ve = 572 m3
– Kompaktheit A/Ve = 0,60 m –1
– Nutzfläche AN = 183 m2
Für den Referenzfall der Parameterstudie wurde ange-
nommen, dass die Beheizung der Wohnräume über
einen im unbeheizten Keller stehenden Gas-Nieder-
temperaturkessel, Auslegungstemperatur 70/55 °C, mit
beigestelltem, indirekt beheiztem zentralen Trinkwasser-
speicher erfolgt. Das Heizungs- und Trinkwasser (inkl.
Zirkulation) wird horizontal außerhalb der thermischen
Hülle verteilt. Die Wärmeübergabe erfolgt durch Radia-
toren im Außenwandbereich mit Thermostatventilen von
1 K Regelgenauigkeit.

2-17 Beschreibung des untersuchten Doppel-/Reihenendhauses

2/34 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
8.1 Anforderungen an die Bautechnik für den – 17,5 cm Kalksandstein-Mauerwerk mit einem Wärme-
Referenzfall Gas-Niedertemperaturkessel dämmverbundsystem von 20 cm Dicke mit einem
Dämmstoff der WLG 035,
Für das Beispielgebäude werden nach Anhang 1 Abs. 1
der EnEV folgende Grenzwerte zur Einhaltung der Anfor- – zweischaliges Mauerwerk (24 cm + 11,5 cm) mit einer
derungen der Energieeinsparverordnung ermittelt: Kerndämmung aus 16 cm Wärmedämmung der
WLG 035; das tragende Mauerwerk muss eine Wär-
HT′ , max = 0,55 W/(m2 · K), meleitfähigkeit von höchstens 0,21 W/(m 2 · K) aufwei-
Qp″ , max = 105 kWh/(m2 · a) sen,
bzw. Qp″ , max = 118 kWh/(m2 · a)
bei überwiegend elektrischer – Leichtbauweise mit 12 cm Wärmedämmung der
Warmwasserbereitung. WLG 035 zwischen den Holzständern und 8 cm
Wärmedämmverbundsystem der WLG 035.
Der Nachweis einer ausreichenden Energieeinsparung
erfolgt im Referenzfall mit dem Vereinfachten Verfahren Der als Nebenanforderung der EnEV für das Beispielge-
(Heizperiodenbilanzverfahren) zur Berechnung des Jah- bäude maximal zulässige, auf die wärmeübertragende
res-Heizwärmebedarfs und dem Diagrammverfahren Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmever-
(Anhang C.5.1, Anlagensystem 1 der DIN V 4701-10) zur lust H T′ , max beträgt 0,55 W/(m 2 · K). Um im vorliegenden
Ermittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs. Um den Referenzfall mit der nur mäßig effizienten Heiz- und
zulässigen Maximalwert des Primärenergiebedarfs von Warmwasserbereitungsanlage die Hauptanforderung zur
105 kWh/(m 2 · a) nicht zu überschreiten, ist bei der Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfs zu erfül-
zugrunde gelegten, energetisch nur mäßig effizienten len, ergibt sich mit den vorgenannten Wärmedurch-
und außerhalb der thermischen Hülle aufgestellten Heiz- gangskoeffizienten der Bauteile ein wesentlich niedri-
und Warmwasserbereitungsanlage ein sehr hoher gerer spezifischer Transmissionswärmeverlust von nur
Wärmeschutz der Gebäudehülle erforderlich. Folgende 0,32 W/(m 2 · K).
Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenbauteile sind
notwendig:
8.2 Energiebilanzierung des Referenzfalls
Kellerdecke U = 0,22 Wh/(m 2 · K),
Dächer U = 0,12 Wh/(m2 · K), Da die Anwendung des Diagrammverfahrens ohne Zwi-
Wände U = 0,17 Wh/(m 2 · K), schenschritte vom Heizwärmebedarf direkt zur Auswei-
Fenster U = 1,3 Wh/(m 2 · K), sung des End- und Primärenergiebedarfs führt, wird
Gesamtenergiedurchlassgrad g = 0,65 nicht deutlich, wie das Ergebnis im Einzelnen zustande
kommt. Mit dem Tabellenverfahren ist es dagegen mög-
lich, aus den Kennwerten der Anlagenkomponenten die
Dies bedeutet, dass die Kellerdecke 14 cm und das Dach einzelnen Zwischenergebnisse der Energiebilanzierung
28 cm Wärmedämmung der Wärmeleitgruppe WLG 035 darzustellen.
aufweisen müssen. Um einen Wärmedurchgangskoef-
fizienten U = 0,17 W/(m2 · K) der Wände zu erreichen,
Bild 2-18 zeigt für den Referenzfall des Beispielge-
können u. a. folgende Ausführungen gewählt werden:
bäudes die detaillierten Energiebilanzen der Heizung
– monolithisches Mauerwerk mit einer Dicke von 48 cm und Warmwasserbereitung sowie der elektrischen
und einer Wärmeleitfähigkeit von 0,09 W/(m2 · K), Hilfsenergie.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/35


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

HEIZUNG WARMWASSER
Wärme Hilfs- Wärme Hilfs-
energie energie
Primärenergie
60
kWh Endenergie
m2 · Jahr
50 Gesamt-
Primärenergie-
Wärmebedarf bedarf
40 105 kWh/(m2 · a)

Primärenergie
Jahresenergiebedarf

Endenergie
30

20

Wärmebedarf
10
Primär-
energie Primärenergie
Endenergie Endenergie
0

Heizwärmegutschrift Verluste Verluste


Warmwasser Verteilung Wärmeerzeugung

Verluste Verluste Verluste


Übergabe Speicherung Energiebereitstellung

2-18 Detaillierte Energiebilanzierung für den Referenzfall (siehe Bild 2-17) des Beispielgebäudes

2/36 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Die Ergebnisse lassen erkennen, dass bei der Deckung der spezifische Transmissionswärmeverlust H T′ von 0,32
des Wärmebedarfs für Heizung und Warmwasser er- auf 0,48 an. Die Wärmedämmung der Gebäudehülle kann
hebliche Verluste entstehen, die insbesondere auf die allein durch Verlegung der Heizungs- und Warmwasser-
Aufstellung der für 70/55°C ausgelegten Heizungsanlage bereitungsanlage in den wärmegedämmten Bereich auf
mit Niedertemperaturkessel und beigestelltem Trink- ein wirtschaftliches Maß verringert werden, weil nunmehr
warmwasserspeicher im unbeheizten Keller zurückzu- ein großer Teil der ursprünglichen Verluste der Wärme-
führen sind. Es wird z. B. nahezu die dreifache Menge an speicherung und -verteilung für die Raumerwärmung
Energie benötigt, um den Warmwasser-Wärmebedarf zu genutzt wird.
decken.

Diese hohen Verluste haben zur Folge, dass zur Be- Bei Beibehaltung der Wärmedurchgangskoeffizienten
grenzung des gesamten Primärenergiebedarfs auf der Fenster hat dies zur Folge, dass die Wärmedurch-
maximal 105 kWh/(m2 · a) der Heizwärmebedarf auf lasswiderstände aller opaken Bauteile um 3,0 (m 2 · K)/W
43 kWh/(m2 · a) abgesenkt werden muss, d. h. die Bau- reduziert werden können. Für das Beispielgebäude ist
technik muss einem sehr guten Niedrigenergiehaus- nun ein Wärmedurchgangskoeffizient der Wand von
Standard entsprechen. 0,35 W/(m 2 · K), des Dachs von 0,19 W/(m2 · K) sowie der
Kellerdecke von 0,60 W/(m 2 · K) zulässig. Legt man eine
Wärmedämmung der WLG 040 zugrunde, können durch
die Verlegung der Anlagentechnik in den beheizten
8.3 Wärmeerzeugung und -verteilung innerhalb der Bereich bei dem Gebäude etwa 36 m 3 Dämmmaterial
wärmegedämmten Gebäudehülle eingespart werden. Gleichzeitig steigt bei identischen
Außenabmessungen die nutzbare Wohnfläche um etwa
Eine erhebliche Reduzierung der Verluste und damit 10 m2 an. Es ist daher nicht nur aus energetischer Sicht,
verbunden des Jahres-Primärenergiebedarfs lässt sondern insbesondere auch unter wirtschaftlichen
sich durch die Aufstellung der Heizungs- und Warm- Gesichtspunkten sinnvoll, die Anlagentechnik und die
wasserbereitungsanlage sowie deren Verteilung in- Verteilung im beheizten Bereich unterzubringen.
nerhalb des beheizten Gebäudevolumens erreichen.
Würde bei dem untersuchten Gebäude die Anlagentech-
nik im beheizten Dachgeschoss installiert, hätte dies eine
Reduzierung des Jahres-Primärenergiebedarfs für Hei- 8.4 Einfluss des Wärmebedarf-Berechnungs-
zung und Warmwasserbereitung um etwa 22 kWh/(m 2 · a) verfahrens sowie des Luftdichtheits- und
zur Folge. Wärmebrückennachweises

Diese Reserve kann für eine Reduzierung der Wärme- Die EnEV ermöglicht in Verbindung mit der DIN V 4108-6
dämmung des Gebäudes genutzt werden, so dass der zwei unterschiedliche Berechnungsverfahren für den
zulässige Maximalwert des Primärenergiebedarfs von Jahres-Heizwärmebedarf, das Heizperioden- und das
105 kWh/(m2 · a) wieder eingehalten wird. In Bild 2-19 Monatsbilanz-Verfahren, Abschn. 6.2.2, 6.2.3. Weiterhin
sind die für Heizung und Warmwasser zusammengefass- berücksichtigt sie durch Reduzierung der Lüftungs-
ten Bilanzen der Wärmebereitstellung und des Hilfsener- wärmeverluste einen Nachweis der Luftdichtheit mittels
giebedarfs der beiden anlagentechnischen Varianten ein- Blower-Door-Test. Auch der Einfluss der Wärmebrücken
ander gegenübergestellt. Der zulässige auf die Transmissionswärmeverluste kann in unter-
Heizwärmebedarf steigt von 43 auf 62 kWh/(m 2 · a) und schiedlicher Detaillierung behandelt werden. Die Auswir-

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/37


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage


außerhalb der wärme- innerhalb der wärme-
gedämmten Gebäudehülle gedämmten Gebäudehülle
(Referenzfall)
100 Primärenergie
kWh
m2 · Jahr Endenergie Gesamt-
80
15 Primärenergie-
bedarf
32 Warmwasser- 105 kWh/(m2 · a)
Jahresenergiebedarf

wärmebedarf
60
62

Heizwärmebedarf
40 43

20

0
Hilfs- Wärme Heizung und Warmwasser Hilfs-
energie energie

Verluste Anlagentechnik Verluste Energiebereitstellung

Wärmebedarf Primärenergiebedarf für Hilfsenergie

2-19 Auswirkung der Unterbringung der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlage auf den zulässigen Heizwärmebedarf

2/38 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
kungen auf den Jahres-Primärenergiebedarf werden an de gelegt. Der Jahres-Primärenergiebedarf reduziert sich
dem Beispielgebäude unter Beibehaltung der in Bild 2-17 dadurch gegenüber dem Referenzfall um etwa 8 %
genannten Anlagentechnik des Referenzfalls aufgezeigt, (Bild 2-20, Variante 2).
Bild 2-20.
Erfolgt die Ermittlung des Jahres-Heizwärmebedarfs mit
Auch nach Einführung der Energieeinsparverordnung dem Monatsbilanzverfahren, so ergibt sich ein gegen-
sind Luftdichtheitstests nicht vorgeschrieben. Trotzdem über dem Heizperiodenverfahren (Referenzfall, Vari-
empfiehlt sich die Durchführung eines Blower-Door-Tests ante 1) ein um etwa 2 % niedrigerer Primärenergiebedarf
und die Sicherstellung der Luftdichtheit der Gebäude- (Variante 3). Der Unterschied fällt hier relativ gering aus,
hülle (n50  3,0 h –1 bei Fensterlüftung, Abschn. 6.2.1.2). kann aber bei Gebäuden, bei denen die in Bild 2-10
Hierdurch wird bei der Berechnung der Lüftungswärme- genannten Einschränkungen sich stärker auswirken,
verluste ein Luftwechsel von 0,6 h–1 statt 0,7 h –1 zugrun- deutlich größer sein.

1) Referenzfall, Heizperiodenbilanz-Verfahren,
Wärmebrückennachweis entspr. DIN 4108 Bbl. 2

maximal zulässiger Primärenergiebedarf


2) Heizperiodenbilanz-Verfahren mit Dichtheitsnachweis

3) Monatsbilanz-Verfahren, Wärmebrückennachweis
entspr. DIN 4108 Bbl. 2

4) Monatsbilanz-Verfahren, ohne Nachweis der


Wärmebrücken

5) Monatsbilanz-Verfahren, Wärmebrücken detailliert


∆U = 0,02 W/(m2 · K)

6) Monatsbilanz-Verfahren, Wärmebrückennachweis
entspr. DIN 4108 Bbl. 2 und Dichtheitsnachweis

7) Monatsbilanz-Verfahren, Wärmebrückennachweis
detail. ∆U = 0,02 W/(m2 · K) und Dichtheitsnachweis
kWh
0 20 40 60 80 100
m2 Jahr
Primärenergiebedarf

2-20 Einfluss des Heizwärmebedarf-Berechnungsverfahrens sowie des Luftdichtheits- und des Wärmebrückennachweises
auf den Jahres-Primärenergiebedarf

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/39


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

Ohne Nachweis der Reduzierung von Wärmebrücken aller Außenbauteile um 8 cm reduziert werden, ohne dass
(Wärmebrückenkorrekturwert UWB = 0,1 W/(m2 · K) der maximal zulässige Primärenergiebedarf überschritten
statt 0,05 W/(m2 · K), Abschn. 6.2.1.1) steigt mit dem wird. Für einen Wärmedurchgangskoeffizienten der
Monatsbilanzverfahren der Jahres-Primärenergiebedarf Wand von 0,26 W/(m2 · K) kann somit auch eine 36,5 cm
(Variante 4) um 7 % gegenüber Variante 3 an, so dass er dicke monolithische Außenwand ausgeführt werden. Er-
deutlich über dem maximal zulässigen Betrag liegt. Ent- mittelt man mit diesen Wärmedurchgangskoeffizienten
sprechend muss der Wärmeschutz weiter verbessert den Heizwärmebedarf nach WSVO ’95, so liegt dieser mit
oder eine effizientere Anlagentechnik gewählt werden. 55 kWh/(m2 · a) um 27 % unter dem zulässigen Wert von
75 kWh/(m2 · a). Das Gebäude entspricht dem Niedrig-
Bei Minimierung der Wärmebrücken mit einem detaillier- energiehaus-Standard, d. h. die Anforderungen der WSVO
ten Nachweis über die einzelnen Wärmebrückenverlust- ’95 werden um mindestens 25 % unterschritten.
koeffizienten auf U = 0,02 W/(m 2 · K) liegt der Jahres-
Primärenergiebedarf um 6 % unter dem maximal zulässi-
gen Wert (Variante 5). Erfolgt zusätzlich ein Nachweis der
Luftdichtheit mit der Blower-Door, beträgt der Unter- 8.5 Auswirkungen der Wärmeerzeugungs- und
schied sogar 15 %. In Bild 2-21 erkennt man die deutli- Lüftungstechnik
che Reduzierung der rechnerisch in Ansatz zu bringen-
den Wärmeverluste bei Durchführung eines detaillierten Ausgehend vom Referenzfall (Bild 2-17, Bild 2-20 Varian-
Wärmebrücken- und Luftdichtheitsnachweises. te 1) wird nunmehr für das Reihenendhaus unter Bei-
behaltung des hohen bautechnischen Wärmeschutzes
Bei Sicherstellung der Luftdichtheit und einem detaillier- aufgezeigt, wie sich unterschiedliche Anlagen zur Hei-
ten Wärmebrückennachweis kann die Dämmstoffdicke zung, Warmwasserbereitung und Lüftung auf den

Lüftungswärmeverlust
ohne Luftdichtheitsnachweis
Reduzierung durch Dichtheitsnachweis

Transmissionswärmeverlust
ohne Wärmebrückennachweis
Reduzierung durch Wärmebrücken-
nachweis entspr. DIN 4108 Bbl. 2
Reduzierung durch
detaillierten Wärmebrückennachweis

0 20 40 60 80 100 W/K 120


Lüftungs- bzw. Transmissionswärmeverlust

2-21 Einfluss des Luftdichtheits- und des Wärmebrückennachweises auf die Wärmeverluste des Beispielgebäudes

2/40 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
berechneten Jahres-Primärenergiebedarf auswirken. Reduzierung des Jahres-Primärenergiebedarfs auf 60 %
Bild 2-22 zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher des Wertes des Referenzfalls eines Gas-Niedertempera-
Systeme bei Anwendung des Diagrammverfahrens der turkessels erreicht (Variante 4).
DIN V 4701-10.
Die elektrische Speicherheizung lässt sich in Kombina-
Der Ersatz des Niedertemperaturkessels mit einer Aus- tion mit einer Lüftungsanlage und einer dezentralen elek-
legungstemperatur von 70/55 °C durch einen Gas- trischen Warmwasserbereitung realisieren, Abschn.
Brennwertkessel mit einer Auslegungstemperatur von 6.4.5. Der Jahres-Primärenergiebedarf liegt hierbei um
55/45 °C führt zu einer Verringerung des Jahres-Primär- nur 2 % über dem des Referenzfalls. Da von der EnEV
energiebedarfs um 7 % (Variante 2). Befindet sich der (Anhang 1, Tabelle 1) für die elektrische Warmwasser-
Brennwertkessel innerhalb der thermischen Hülle und er- bereitung ein höherer maximal zulässiger Jahres-Primär-
folgt zusätzlich die Be- und Entlüftung des Gebäudes energiebedarf vorgegeben wird, könnte der Wärme-
nicht über Fensterlüftung, sondern durch eine zentrale schutz des Gebäudes ähnlich reduziert werden wie bei
Lüftungsanlage mit einem Wärmerückgewinn von 80 % Einsatz eines Gas-Brennwertkessels in der Variante 2.
(Variante 3), reduziert sich der Jahres-Primärenergie-
bedarf um 32 % gegenüber der Referenzanlage. 8.6 Besonderheiten bei Reihenhausbebauung

Bei Einsatz einer Erdreich-Sole-Wasser-Wärmepumpe Bei Reihenhäusern ist es zulässig, den Nachweis für die
zur Heizung (Auslegungstemperatur 35/28 °C) und ge- Energieeinsparverordnung anstelle für die Einzelgebäude
bäudezentralen Wassererwärmung wird eine weitere für die gesamte Häuserzeile zu führen, Abschn. 6.2.1.3.

1) Referenzfall, Gas-Niedertemperaturkessel 70/55 °C mit


gebäudezentraler Trinkwassererwärmung

Primärenergiebedarf
maximal zulässiger
2) Gas-Brennwertkessel 55/45 °C mit gebäudezentraler
Trinkwassererwärmung

3) Gas-Brennwertkessel 55/45 °C innerhalb thermischer


Hülle und Lüftungsanlage mit 80 % Wärmerückgewinn

4) Sole-Wasser-Wärmepumpe mit kombinierter


Trinkwassererwärmung

5) Speicherheizung und Lüftungsanlage mit 80 %


Wärmerückgewinn
kWh
0 20 40 60 80 100
m2 Jahr
Jahres-Primärenergiebedarf
2-22 Einfluss unterschiedlicher Anlagentechniken auf den Jahres-Primärenergiebedarf des Beispielgebäudes

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/41


2 Energieeinsparverordnung Auswirkungen unterschiedlicher Maßnahmen an einem Praxisbeispiel

Bild 2-23 zeigt im Vergleich zum bisherigen Referenzfall Primärenergiebedarfs an die maximal zulässigen Werte
(Variante 1) der separaten Betrachtung eines Reihenend- heranreichen. Der Käufer eines Reihenhauses sollte da-
hauses die Auswirkungen auf den Jahres-Primärenergie- her immer darauf achten, ob ein Einzelnachweis für sein
bedarf je Gebäude bei Ausführung der Berechnung für Gebäude geführt wurde, da dann die bautechnischen
ein Mittelhaus, ein Doppelhaus sowie für Häuserzeilen Anforderungen strenger sind und somit auch die ener-
aus 3 bzw. 5 Gebäuden. getische Qualität des Gebäudes besser ist. Außerdem
entspricht dann das Rechenergebnis dem tatsächlichen
Der maximal zulässige Primärenergiebedarf variiert ent- Bedarf seines Hauses und nicht dem Durchschnitt einer
sprechend den unterschiedlichen Beträgen des Verhält- zentral beheizten gesamten Häuserzeile.
nisses A/Ve und der Gebäudenutzfläche A N. Der berech-
nete Primärenergiebedarf nimmt bei Variante 2 aufgrund
des geringeren Heizwärmebedarfs eines Mittelhauses 8.7 Niedrigenergiehaus im Vergleich zum Gebäude
ab. Bei Variante 3 bis 5 ergibt sich eine zunehmende Ver- nach der Energieeinsparverordnung
ringerung des berechneten Primärenergiebedarfs, weil
die DIN V 4701-10 mit größer werdender Gebäudenutz- Als Niedrigenergiehäuser wurden in den letzten Jahren
fläche geringere Wärmeerzeugungs-, Wärmespeicher- Gebäude bezeichnet, deren Jahres-Heizwärmebedarf 25
und Wärmeverteilverluste einer zentralen Heizung und bis 30 % unter dem maximal zulässigen Wert nach der
Warmwasserbereitung zugrunde legt. WSVO ’95 liegt.

Bei der Berechnung als zusammenhängendes Gebäude Das in Bild 2-17 beschriebene Beispielgebäude wurde im
(Variante 3 bis 5) könnte im Vergleich zur separaten Jahr 2001 als Niedrigenergiehaus angeboten. Das
Berechnung (Variante 1 und 2) der Wärmeschutz so weit Mauerwerk inklusive dem Keller besteht aus Porenbeton
reduziert werden, bis die Balken des berechneten mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,10 W/(m · K). Ein Gas-

1) Doppelhaushälfte bzw. Reihenendhaus

Primärenergiebedarf
maximal zulässiger
2) Reihenmittelhaus

3) Doppelhaus

4) Reihenhauszeile (3 Gebäude)

5) Reihenhauszeile (5 Gebäude)

kWh
0 20 40 60 80 100
m2 Jahr
Jahres-Primärenergiebedarf

2-23 Einfluss der Nachweisdurchführung auf den Jahres-Primärenergiebedarf des Reihenhaus-Beispielgebäudes

2/42 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Energiebedarfsausweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Brennwertkessel im Keller befindet sich innerhalb des 9 Energiebedarfsausweis
wärmegedämmten Gebäudevolumens.
9.1 Einführung
In einem weiteren Bauabschnitt wurden diese Häuser
auch im Jahr 2002 unverändert erstellt. Dazu wurde bei In § 13 der Energieeinsparverordnung wird dem Bau-
gleicher Bau- und Anlagentechnik wie im 1. Bauabschnitt herrn eines zu errichtenden Gebäudes mit normalen
der Nachweis nach Energieeinsparverordnung für das Innentemperaturen die Verpflichtung auferlegt, die
Reihenendhaus mit folgenden Ergebnissen geführt. Die wesentlichen Ergebnisse der nach der Verordnung gefor-
Ergebnisse sind in Bild 2-24 zusammengefasst. derten Berechnungen im so genannten Energiebedarfs-
ausweis zusammenfassend darzulegen. Dieser Ausweis
In Abweichung vom Referenzgebäude nach Bild 2-17 gilt in allen Bundesländern; sein Inhalt ist in der „All-
führt die Einbeziehung des Kellers in das gedämmte gemeinen Verwaltungsvorschrift zu § 13 der Energie-
Gebäudevolumen zu einem kleineren A/Ve und somit zu einsparverordnung (AVV Energiebedarfsausweis)“, Bun-
einem geringeren maximal zulässigen Jahres-Primär- desanzeiger vom 7. März 2002, festgelegt. Für Gebäude
energiebedarf Qp″ , max und einem größeren spezifischen mit niedrigen Innentemperaturen muss ein Wärme-
Transmissionswärmeverlust H T′ , max. Ein Vergleich des bedarfsausweis erstellt werden. Für Gebäude mit ge-
nach EnEV zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs und ringem Volumen von maximal 100 m3 nach § 7 EnEV
spezifischen Transmissionswärmeverlustes mit den Be- brauchen Energie- und Wärmebedarfsausweise nicht
rechnungsergebnissen macht deutlich, dass das auf der ausgestellt zu werden.
Basis der WSVO ’95 auf dem Baumarkt angebotene
Niedrigenergiehaus einen wesentlich besseren Wärme- Weiterhin muss für bestehende Gebäude mit normalen
schutz und einen deutlich niedrigeren Primärenergie- Innentemperaturen, die wesentlich geändert werden, ein
bedarf aufweist, als es nach den Anforderungen der Energiebedarfsausweis erstellt werden. Wesentliche
EnEV erforderlich wäre. Der eingangs definierte Niedrig- Änderungen sind die Erweiterung des beheizten Ge-
energiestandard wird für das Beispielgebäude mit den bäudevolumens um mehr als 50 % bzw. die Ausführung
Anforderungen der EnEV nicht erreicht. von mindestens 3 bautechnischen Maßnahmen (Außen-
wand, Fenster, Dach oder Keller) in Verbindung mit der
Erneuerung des Heizkessels innerhalb eines Jahres.
Qp″ in H T′ in
kWh/(m 2 · a) W/(m2 · K)
Der Energiebedarfsausweis ist nicht nur der Baubehörde
maximal zulässiger Wert nach 98,6 0,58 vorzulegen; sowohl Käufer als auch Mieter einer Immo-
EnEV bilie haben ein Einsichtsrecht.
Heizperiodenverfahren 84,7 0,40

Monatsbilanzverfahren 78,1 0,36 9.2 Aufbau und Inhalt des Energiebedarfsausweises


Monatsbilanzverfahren mit 71,9 0,36
Luftdichtheitsnachweis Der Energiebedarfsausweis für zu errichtende Gebäude
gliedert sich in die 3 Abschnitte:
2-24 Jahres-Primärenergiebedarf Qp″ und spezifischer
Transmissionswärmeverlust H T′ des Beispiel- I. Objektbeschreibung
Reihenendhauses als 2001 gebautes Niedrigenergie- II. Energiebedarf
haus III. Weitere energiebezogene Merkmale.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/43


2 Energieeinsparverordnung Energiebedarfsausweis

Die AVV Energiebedarfsausweis schreibt die Inhalte vor, Der Berechnung liegt ein synthetisches Klima eines mitt-
das angegebene Muster für die Darstellung ist allerdings leren deutschen Standorts, ein normiertes Nutzerverhal-
nicht verbindlich. In Bild 2-25 wird anhand des Beispiel- ten und eine normierte Betriebsweise der Anlagentechnik
gebäudes von Bild 2-17 mit der Anlagentechnik des zugrunde. Bereits durch den Klimaeinfluss des Standor-
Referenzfalls eine mögliche Gestaltung des Energie- tes – in der DIN 4108-6 Anhang A sind die Klimadaten für
bedarfsausweises gezeigt. 15 Referenzregionen in Deutschland aufgeführt – variiert
die Gradtagzahl der Heizperiode von –12 bis +42 % des
Den Energiebedarfsausweisen können Anlagen beigefügt in der EnEV vorgegebenen Wertes von 2900 Kd. Zusätz-
werden, welche insbesondere die Angaben in den lich können jahresbedingt die Außenlufttemperaturen
Abschnitten II und III dokumentieren. Dies können z. B. und die Sonneneinstrahlung erheblich von den Mittel-
das Prüfzeugnis über eine durchgeführte Dichtheits- werten abweichen. Innentemperaturen, Luftwechsel,
messung oder die Berechnungsblätter für die ener- Warmwasserverbrauch, interne Wärmegewinne und die
getische Bewertung der Anlagentechnik nach DIN V Betriebsweise der Anlagentechnik (z. B. Systemtempe-
4701-10 sein. raturen, Heizungsabschaltung, Warmwasserzirkulation,
Wartung) hängen von den Bewohnern ab. Allein durch
Zeitlich befristete Ausnahmeregelungen, die bei der Be- diese Nutzereinflüsse kann sich der Energiever-
rechnung des mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten brauch gleicher Häuser am gleichen Standort bis zum
HT′ bzw. des Jahres-Primärenergiebedarfs Qp″ zu einem Faktor 3 unterscheiden, obwohl sich bei statistischen
Überschreiten der zulässigen Höchstwerte führen, Auswertungen zeigte, dass der Mittelwert einer größeren
müssen im Energiebedarfsausweis aufgeführt werden. Anzahl von Ergebnissen gut mit dem Rechenwert über-
Beim Nachweis für ein Gebäude mit elektrischer Spei- einstimmt.
cherheizung und kontrollierter Wohnungslüftung mit
Wärmerückgewinn muss z. B. sowohl der Rechenwert Erhöhte Energieverbrauchswerte können auch auf Män-
mit einem Primärenergiefaktor 2,0 als auch das Ergebnis gel bei der Bauausführung zurückzuführen sein. Deshalb
mit einem Primärenergiefaktor 3,0 mit Hinweis auf die empfiehlt sich eine unabhängige Kontrolle der Um-
Ausnahmeregelung der EnEV angegeben werden. setzung der Planungsvorgaben, die der Berechnung des
Energiebedarfs zugrunde liegen. Wegen der vorge-
nannten Einflüsse muss im Energiebedarfsausweis ein
9.3 Energiebedarf und Energieverbrauch Hinweis auf die eingeschränkte Übertragbarkeit der
Rechenwerte auf reale Verbrauchswerte aufgeführt sein.
Ziel des Energiebedarfsausweises ist es, dem Käufer Erst durch zusätzliche Berechnungen, bei denen klima-
oder Mieter eines Gebäudes die Möglichkeit zu geben, und nutzerbedingte Korrekturen im Rechenverfahren
die energetische Qualität verschiedener Immobilien zu berücksichtigt werden, ist es prinzipiell möglich, Be-
vergleichen. Aufgrund der unter normierten Randbe- darfs- und Verbrauchswerte besser in Übereinstimmung
dingungen berechneten Ergebnisse darf jedoch nicht zu bringen.
erwartet werden, dass der Endenergiebedarf – im Ener-
giebedarfsausweis wird er inkl. Hilfsenergiebedarf an-
gegeben – dem tatsächlichen Energieverbrauch, z. B.
von Erdgas, entspricht. Als „Prognosewert“ für den zu
erwartenden jährlichen Heizenergieverbrauch ist der
berechnete Heizenergiebedarf deshalb kaum ge-
eignet.

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2 Energieeinsparverordnung Energiebedarfsausweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Energiebedarfsausweis nach § 13 Energieeinsparverordnung (EnEV)
I. Objektbeschreibung

Gebäude/-teil Haus 3 mit unbeheiztem Keller Nutzungsart Wohngebäude


PLZ, Ort 45257 Essen-Kupferdreh Straße, Hausnummer
Baujahr 2002 Jahr der baulichen Änderung

Geometrische Angaben
Wärmeübertragende
Umfassungsfläche A 342 m2 Bei Wohngebäuden:
Beheiztes Gebäudevolumen Ve 572 m2 Gebäudenutzfläche A N 183 m2
Verhältnis A/Ve 0,60 m–1 Wohnfläche (Angabe freigestellt) 158 m2

Beheizung und Warmwasserbereitung


Art der Beheizung Niedertemperaturkessel 70/55 °C Art der über Niedertemperaturkessel 70/55 °C
im Keller außerhalb der thermischen Warmwasser- indirekt beheizter Speicher außerhalb
Hülle, Verteilung horizontal bereitung der thermischen Hülle,
außerhalb der thermischen Hülle, Verteilung außerhalb thermischer
Radiatoren vor Außenwänden, Hülle, mit Zirkulation
Thermostatventile 1K
Art der Nutzung Anteil erneuerbarer
erneuerbarer Energien Energien % am Heizwärmebedarf

II. Energiebedarf

Jahres-Primärenergiebedarf
Zulässiger Höchstwert Berechneter Wert
105,17 kWh/(m 2 · a) 105,17 kWh/(m 2 · a)

Endenergiebedarf nach eingesetzten Energieträgern Energieträger 1 Energieträger 2


Gas Strom
Endenergiebedarf (absolut) 16204 kWh/a 477 kWh/a
Endenergiebedarf bezogen auf
Nicht-Wohngebäude das beheizte Gebäudevolumen kWh/(m 2 · a) kWh/(m 2 · a)
Wohngebäude die Gebäudenutzfläche A N 88 kWh/(m 2 · a) 3 kWh/(m 2 · a)
die Wohnfläche
(Angabe freigestellt)
kWh/(m 2 · a) kWh/(m 2 · a)

Hinweis:
Die angegebenen Werte des Jahres-Primärenergiebedarfs und des Energiebedarfs sind vornehmlich für die überschlägig vergleichende
Beurteilung von Gebäuden und Gebäudeentwürfen vorgesehen. Sie wurden auf der Grundlage von Planunterlagen ermittelt. Sie erlauben
nur bedingt Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch, weil die Berechnung dieser Werte auch normierte Randbedingungen
etwa hinsichtlich des Klimas, der Heizdauer, der Innentemperaturen, des Luftwechsels, der solaren und internen Wärmegewinne und des
Warmwasserbedarfs zugrunde liegen. Die normierten Randbedingungen sind für die Anlagentechnik in DIN V 4701-10 : 2001-02 Nr. 5
und im Übrigen in DIN V 4108-6 : 2000-11 Anhang D festgelegt. Die Angaben beziehen sich auf Gebäude und sind nur bedingt auf
einzelne Wohnungen oder Gebäudeteile übertragbar.

2-25 Energiebedarfsausweis für das Reihenendhaus nach Bild 2-17 mit einer Anlagentechnik entspr. dem Referenzfall

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2 Energieeinsparverordnung Energiebedarfsausweis

III. Weitere energiebezogene Merkmale

Transmissionswärmeverlust
Zulässiger Höchstwert Berechneter Wert
0,55 W/(m 2 · K) 0,32 W/(m 2 · K)
Anlagentechnik
Anlagenaufwandszahl e p
1,88
✓ Die Wärmeabgabe der Wärme- und Warmwasserverteilungsleitungen wurde nach Anhang 5 EnEV begrenzt

Berücksichtigung von Wärmebrücken
❑ pauschal mit 0,10 W/(m 2 · K) ✓ pauschal mit 0,05 W/(m 2 · K) bei
❑ ❑ mit differenziertem Nachweis
Verwendung von Planungsbeispielen
nach DIN 4108 Bbl. 2: 1998-08
❑ Berechnungen sind beigefügt
Dichtheit und Lüftung
✓ ohne Nachweis
❑ ❑ mit Nachweis nach Anhang 4 Nr. 2 EnEV

❑ Messprotokoll ist beigefügt


Mindestluftwechsel erfolgt durch
✓ Fensterlüftung
❑ ❑ mechanische Lüftung ❑ andere Lüftungsart

Sommerlicher Wärmeschutz
❑ Nachweis nicht erforderlich, weil ✓ Nachweis der Begrenzug des Sonnen-

der Fensterflächenanteil 30 % nicht eintragskennwertes wurde durchgeführt
überschreitet
❑ Berechnungen sind beigefügt ❑ das Nichtwohngebäude ist mit Anlagen
nach Anhang 1 Nr. 2.9.2 ausgestattet.
Die innere Kühllast wird minimiert.

Einzelnachweise, Ausnahmen und Befreiungen


❑ Einzelnachweise nach § 15 (3) ❑ eine Ausnahme nach § 16 EnEV ❑ eine Befreiung nach § 17 EnEV wurde
EnEV wurden geführt für wurde zugelassen. Sie betrifft erteilt. Sie umfasst

❑ Nachweise sind beigefügt ❑ Bescheide sind beigefügt

Verantwortlich für die Angaben

Name M. Balkowski Datum 13. Mai 02


Funktion/Firma Institut Bau Energie Umwelt Unterschrift
Anschrift Auf den Rotten 17 ggf. Stempel/
Firmenzeichen
51789 Lindlar

2-25 (Fortsetzung)

2/46 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung PC-Programme für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
10 PC-Programme für den EnEV- geringerem Aufwand zum Ziel, ohne dass er sich mit den
Nachweis schwer überschaubaren Algorithmen und Tabellen der
begleitenden Normen auskennen muss.
Nur bei Nachweisen für zu errichtende Gebäude mit dem
vereinfachten Heizperioden- und Diagramm-Verfahren Aufgrund der Vielzahl von Berechnungsverfahren zur
und bei Änderung von Außenbauteilen bestehender Ge- EnEV und der unterschiedlichen Anforderungen der Pla-
bäude bzw. bei Errichtung von Gebäuden mit geringem ner an die Detaillierung der Berechnungen sollte man vor
Volumen sind die Berechnungen wirtschaftlich noch mit dem Kauf eines PC-Programms das benötigte Anforde-
dem Taschenrechner ausführbar. In der Praxis werden rungsprofil festlegen und sich gezielt nach einem Pro-
aber auch für diese Nachweise und für die ausführliche- gramm mit dem benötigten Leistungsumfang erkundigen.
ren Verfahren überwiegend PC-Programme eingesetzt Als Hilfe hierfür dient die in Bild 2-26 zusammengefasste
werden. Diese Programme führen den Planer mit viel Checkliste.

Verfahren Ermittlung der Wärmedurchgangskoeffizienten


Gebäude 앪 ohne Programmunterstützung
앪 Neubau 앪 mit Rechenalgorithmen
앪 Altbau 앪 mit internen Baustoff- und Bauteiltabellen
앪 mit normalen Innentemperaturen 앪 mit erweiterbaren Baustoff- und Bauteiltabellen
앪 mit niedrigen Innentemperaturen Wärmebrückendetaillierung
Heizwärmebedarf 앪 ohne
앪 Heizperiodenbilanzverfahren 앪 mit Planungsbeispielen aus DIN 4108 Bbl 2
앪 Monatsbilanzverfahren 앪 mit produktspezifischen Wärmebrücken-Verlust-
Endenergie- und Primärenergiebedarf koeffizienten
앪 Diagrammverfahren 앪 mit integrierten Wärmebrückenkatalogen
앪 Tabellenverfahren Heizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung
앪 Detailliertes Verfahren 앪 mit freier Eingabe
Wärmeschutz Winter und Sommer 앪 mit Daten aus DIN V 4701-10
앪 ohne 앪 mit Daten aus DIN V 4701 Bbl 1
앪 mit Vorgaben und Algorithmen aus DIN 4108-2 앪 mit Herstellerangaben

Daten-Grundlage, -Eingabe und -Verarbeitung Daten-Ausgabe


Massenermittlung 앪 nur auf Bildschirm
앪 ohne Programmunterstützung 앪 mit Drucker
앪 mit integrierten Formularen 앪 mit Drucker inkl. Energiebedarfsausweis
앪 aus CAD-Zeichnungen 앪 mit Drucker inkl. Bauteil- und Anlagenskizzen

2-26 Checkliste zur Festlegung des Anforderungsprofils an ein PC-Programm zur EnEV

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/47


2 Energieeinsparverordnung PC-Programme für den EnEV-Nachweis

Zur Absicherung der korrekten Umsetzung der sehr um- Wie schon während der Gültigkeitsdauer der WSVO ’95
fangreichen Algorithmen aus der DIN V 4108-6, DIN V werden verschiedene Programme für die praktische An-
4701-10 u. a. ist beabsichtigt, die Software zu zertifizie- wendung zur Verfügung gestellt. Um einen besseren
ren. Entsprechende Grundlagen werden in den Normen- Überblick über deren Leistungsfähigkeit und Anwen-
ausschüssen erarbeitet. Ob die Verwendung zertifizierter dungsbereich zu ermöglichen, wurde in Bild 2-27 eine
Programme zur Vorlage des Energiebedarfsausweises Aufteilung in unterschiedliche Kategorien vorgenommen.
verpflichtend sein wird, ist Angelegenheit der Länder und
wird im Baurecht geregelt.
Die Energieeinsparverordnung beinhaltet nicht die Re-
Unabhängig von der Frage, ob die Qualität der Software chenverfahren im Detail, sondern nimmt Bezug auf eine
durch eine Zertifizierung besser wird, ist bei der Er- Vielzahl nationaler und internationaler Normen. Diese
stellung der Nachweise entscheidend, ob der Nutzer die werden in unregelmäßigen Abständen ergänzt, überar-
Daten korrekt ermittelt und eingibt. Daher sollte der beitet oder ersetzt. Die sich dadurch ergebenden Ände-
Anwender die Ergebnisse eines neu angewandten PC- rungen bei den Rechenalgorithmen und Kennwerten
Programms immer auf Plausibilität prüfen. Hilfreich ist müssen auch in die Software eingearbeitet werden. Es ist
es, sich mit den regelnden Normen zu beschäftigen, eine daher notwendig, dass die Programmanbieter Updates
Vielzahl unterschiedlicher Projekte zu berechnen und erarbeiten. Der Nutzer der Programme sollte sich daher
diese mit den vereinfachten Verfahren per Hand oder mit- über die Leistungsfähigkeit des Programmanbieters in-
tels eines einfachen Tabellenkalkulationsprogramms zu formieren und zusätzliche Kosten für die Updates ein-
überprüfen. kalkulieren.

2/48 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung PC-Programme für den EnEV-Nachweis

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Art der Software Leistungsfähigkeit, Anwendungsbereich

Dimensionierungshilfen Von Baustoffherstellern kostenlos zur Verfügung gestellte Programme, die für typisierte Wohngebäude die
zur EnEV Wärmeschutz-Dimensionierung der Außenbauteile angeben, mit denen die EnEV erfüllt wird.
Diese Programme eignen sich für Vorentwurf und Entwurf, wenn die Bauart (z. B. Porenbeton) vom Auftrag-
geber vorgegeben ist. Ein Nachweis nach EnEV lässt sich damit nicht führen.

Tabellenkalkulations- Teilweise kostenlos im Internet verfügbare Programme, die einen Nachweis nach EnEV für Wohngebäude
programme zur EnEV mit dem Vereinfachten Verfahren und/oder dem Monatsbilanzverfahren ermöglichen. Die Massenermittlung
und Ermittlung der Wärmedurchgangskoeffizienten muss gesondert erfolgen. Die Anlagentechnik wird über
das Diagramm- oder Tabellenverfahren für Standardanlagen berücksichtigt. Die detaillierte Ermittlung von
Wärmebrücken, der Nachweis für das sommerliche Raumklima usw. ist im Regelfall nicht möglich.
Derartige Programme eignen sich, um im Entwurfsstadium für kleine Wohngebäude alle für den Energiebe-
darfsausweis notwendigen Daten zu ermitteln.

Baustoffhersteller- Von diversen Baustoffherstellern mit unterschiedlicher Bedienerfreundlichkeit angebotene Programme, mit
EnEV-Programme denen alle notwendigen Berechnungen für einen Nachweis nach EnEV für Wohngebäude erstellt werden
können inkl. Massenermittlung und der Verwendung von Bauteilkatalogen des jeweiligen Herstellers. Die
detaillierte Wärmebrückenberechnung ist nur mit Standardanschlüssen des Herstellers möglich. Die Anlagen-
technik von Standardanlagen wird mittels Diagramm- oder Tabellenverfahren berücksichtigt. Der Ausdruck
eines Energiebedarfsausweises ist im Regelfall möglich.
Soll das Gebäude entsprechend den Empfehlungen eines festgelegten Baustoffherstellers errichtet werden,
bieten diese Programme eine preiswerte Möglichkeit (etwa 50 €), alle notwendigen Berechnungen und Nach-
weise für Wohngebäude zu erstellen.

Unabhängige Diese Programme mit unterschiedlicher Bedienerfreundlichkeit können alle für einen Nachweis nach EnEV
EnEV-Programme notwendigen Berechnungen im Detail durchführen. Teilweise ist auch eine Schnittstelle zu CAD-Programmen
vorhanden, so dass die Massen direkt aus der Zeichnung entnommen werden können. An die einzelnen
Programmschritte sind Datenbanken, die auch mit eigenen Kennwerten ergänzt werden können, gekoppelt.
Alle Arten von Gebäuden und Berechnungsverfahren der Bau- und Anlagentechnik können berücksichtigt
werden. Verbunden damit ist u. a. auch ein Ausdruck der detaillierten Berechnungen über die Einhaltung der
Anforderungen an das sommerliche Raumklima oder die Ermittlung der primärenergiebezogenen Gesamt-
Anlagenaufwandszahl mit herstellerspezifischen Produktkennwerten der Einzelkomponenten.
Derartige Programme eignen sich für Bauphysikbüros, die evtl. in Verbindung mit dem Haustechnikbüro
verschiedenste Gebäude unterschiedlicher Nutzung bis zur Detailplanung bearbeiten. Eine längere Einar-
beitungszeit ist zu erwarten, um korrekte Berechnungen sicherzustellen. Die Kosten der Programme beginnen
etwa bei 200 €.

Unabhängige Neben allen Variationsmöglichkeiten beim Nachweis nach EnEV bieten diese Programme weitere Berechnun-
EnEV-Programme gen und Nachweise an, die mit wenigen zusätzlichen Eingaben möglich sind. Dies sind u. a. der Nachweis
plus Zusatzmodule des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2, der Nachweis des Feuchteschutzes nach DIN 4108-3, die
detaillierte Berechnung von Wärmebrücken, die Ermittlung der jährlichen Emissionen oder eine dynamische
Wirtschaftlichkeitsberechnung zur Bewertung von Sanierungsmaßnahmen im Gebäudebestand. Je nach
Software-Anbieter können diese Zusatzprogramme auch einzeln erworben und über eine Schnittstelle an das
EnEV-Programm angekoppelt werden.
Diese Programme eignen sich für Bauphysiker und/oder Energieberater, die eine ganzheitliche Betrachtung
des Gebäudes durchführen. Die Kosten der Programme liegen etwa zwischen 200 € und 2000 €.

2-27 Leistungsfähigkeit und Anwendungsbereiche von PC-Programmen zur EnEV

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2 Energieeinsparverordnung Hinweise auf Literatur und Arbeitsunterlagen

11 Hinweise auf Literatur und [10] Hauser, G.; Maas, A.: Konzept der neuen Energie-
Arbeitsunterlagen einsparverordnung. Fassadentechnik (2001), Heft 4
[11] Hauser, G.; Maas, A.: Die Energieeinsparverord-
[1] Beuth Kommentare Energieeinsparverordnung: nung – Konzept zur Berechnung des Jahres-
Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden, Heizwärmebedarfs nach DIN V 4108-6. DIN-Mittei-
Kommentar zu DIN V 4108-6. Beuth-Verlag GmbH, lungen 80 (2001), Nr. 10
Berlin (2002), www.beuth.de
[12] Schock, T.: Neue Energieeinsparverordnung –
[2] Beuth Kommentare Energieeinsparverordnung: Kompaktdarstellung und 40 Praxisbeispiele; Bd. 1
Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechni- Wohnungsbau. Bauwerk Verlag, Berlin (2001)
scher Anlagen, Kommentar zu DIN V 4701-10.
[13] Hegner, H.-D.; Vogler, I.: Energieeinsparverordnung
Beuth-Verlag GmbH, Berlin (2001), www.beuth.de
EnEV – für die Praxis kommentiert. Ernst & Sohn
[3] Auslegungsfragen zur Energieeinsparverordnung: Verlag für Architektur und technische Wissenschaf-
Deutsches Institut für Bautechnik DIBt, Berlin, ten GmbH und Co. KG, Berlin (2002)
www.dibt.de

[4] AVV Energiebedarfsausweis: Allgemeine Verwal-


tungsvorschrift zu § 13 der Energieeinsparverord-
nung, www.bmvbw.de/download

[5] Informationen zur Energieeinsparverordnung:


www.enev-online.de, www.gre-online.de,
www.EnEV.de

[6] Online-Dienst mit Normensammlung zur Energie-


einsparverordnung: www.enev-normen.de

[7] Wolff, D.; Jagnow, K.; Horschler, F.: Die neue


Energieeinsparverordnung 2002: Kosten- und
verbrauchsoptimierte Gesamtlösungen. Fach-
verlag Deutscher Wirtschaftsindustrie, Köln (2002),
ISBN 3-87156-499-0, www.dwd-verlag.de

[8] Fisch, M. N.; Krüger, E. W.: Energetische Gebäude-


planung, Energieeinsparverordnung in der Praxis.
Rudolf-Müller-Verlag, Köln (2001), ISBN 3-48101-
699-9, www.rudolf-mueller.de

[9] Hegner, H.-D.: Die Energieeinsparverordnung –


das neue Instrument und seine Auswirkungen.
GRE-inform Nr. 26 (2001). BAUCOM Verlag, Böhl-
Iggelheim

2/50 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Verordnung
über energiesparenden Wärmeschutz
und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden
(Energieeinsparverordnung – EnEV *)

Vom 16. November 2001

Auf Grund des § 1 Abs. 2, des § 2 Abs. 2 und 3, des § 3 § 3 Gebäude mit normalen Innentemperaturen
Abs. 2, der §§ 4 bis 6, des § 7 Abs. 3 bis 5 und des § 8 des § 4 Gebäude mit niedrigen Innentemperaturen
Energieeinsparungsgesetzes vom 22. Juli 1976 (BGBl. I
§ 5 Dichtheit, Mindestluftwechsel
S. 1873), von denen die §§ 4 und 5 durch Artikel 1 des Ge-
setzes vom 20. Juni 1980 (BGBl. I S. 701) geändert worden § 6 Mindestwärmeschutz, Wärmebrücken
sind, verordnet die Bundesregierung: *) § 7 Gebäude mit geringem Volumen

Abschnitt 3
Bestehende Gebäude und Anlagen
Inhaltsübersicht
§ 8 Änderung von Gebäuden
§ 9 Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden
Abschnitt 1
§ 10 Aufrechterhaltung der energetischen Qualität
Allgemeine Vorschriften

§ 1 Geltungsbereich Abschnitt 4
§ 2 Begriffsbestimmungen Heizungstechnische Anlagen, Warmwasseranlagen
§ 11 Inbetriebnahme von Heizkesseln
Abschnitt 2 § 12 Verteilungseinrichtungen und Warmwasseranlagen
Zu errichtende Gebäude
Abschnitt 5
Gemeinsame Vorschriften, Ordnungswidrigkeiten
*) Die §§ 3 bis 7 und 8 Abs. 3 und die Anhänge 1, 2 und 4 dienen der Umsetzung
des Artikels 5 der Richtlinie 93/76/EWG des Rates vom 13. September 1993 § 13 Ausweise über Energie- und Wärmebedarf, Energie-
zur Begrenzung der Kohlendioxidemissionen durch eine effizientere Energie-
nutzung – SAVE – (ABl. EG Nr. L 237 S. 28), § 13 dient der Umsetzung des verbrauchskennwerte
Artikels 2 dieser Richtlinie. § 11 Abs. 1 bis 3 und § 18 Nr. 1 dienen der Um- § 14 Getrennte Berechnungen für Teile eines Gebäudes
setzung der Richtlinie 92/42/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Wir-
kungsgrade von mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickten § 15 Regeln der Technik
neuen Warmwasserheizkesseln (ABl. EG Nr. L 167 S. 17, L 195 S. 32), geän-
dert durch Artikel 12 der Richtlinie 93/68/EWG des Rates vom 22. Juli 1993
§ 16 Ausnahmen
(ABl. EG Nr. L 220 S. 1). § 17 Befreiungen
Die Verpflichtungen aus der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren auf § 18 Ordnungswidrigkeiten
dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften
für die Dienste der Informationsgesellschaft (ABl. EG Nr. L 204 S. 37), ge-
ändert durch die Richtlinie 98/48/EG des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 20. Juli 1998 (ABl. EG Nr. L 217 S. 18), sind beachtet worden.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/51


2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

Abschnitt 6 2. Betriebsgebäude, soweit sie nach ihrem Verwendungs-


Schlussbestimmungen zweck großflächig und lang anhaltend offen gehalten
werden müssen,
§ 19 Übergangsvorschrift 3. unterirdische Bauten,
§ 20 Inkrafttreten, Außerkrafttreten
4. Unterglasanlagen und Kulturräume für Aufzucht, Vermeh-
rung und Verkauf von Pflanzen,
Anhänge 5. Traglufthallen, Zelte und sonstige Gebäude, die dazu be-
stimmt sind, wiederholt aufgestellt und zerlegt zu wer-
Anhang 1 Anforderungen an zu errichtende Gebäude mit den.
normalen Innentemperaturen (zu § 3)
Auf Bestandteile des Heizsystems, die sich nicht im räumlichen
Anhang 2 Anforderungen an zu errichtende Gebäude mit Zusammenhang mit Gebäuden nach Absatz 1 befinden, ist nur
niedrigen Innentemperaturen (zu § 4) § 11 anzuwenden.
Anhang 3 Anforderungen bei Änderung von Außenbautei-
len bestehender Gebäude (zu § 8 Abs. 1) und bei
Errichtung von Gebäuden mit geringem Volumen §2
(§ 7) Begriffsbestimmungen
Anhang 4 Anforderungen an die Dichtheit und den Min-
destluftwechsel (zu § 5) Im Sinne dieser Verordnung
Anhang 5 Anforderungen zur Begrenzung der Wärmeabga-
1. sind Gebäude mit normalen Innentemperaturen solche
be von Wärmeverteilungs- und Warmwasserlei-
Gebäude, die nach ihrem Verwendungszweck auf eine
tungen sowie Armaturen (zu § 12 Abs. 5)
Innentemperatur von 19 Grad Celsius und mehr und jähr-
lich mehr als vier Monate beheizt werden,
2. sind Wohngebäude solche Gebäude im Sinne von Num-
Abschnitt 1 mer 1, die ganz oder deutlich überwiegend zum Wohnen
genutzt werden,
Allgemeine Vorschriften
3. sind Gebäude mit niedrigen Innentemperaturen solche
Gebäude, die nach ihrem Verwendungszweck auf eine
§1 Innentemperatur von mehr als 12 Grad Celsius und weni-
Geltungsbereich ger als 19 Grad Celsius und jährlich mehr als vier Monate
beheizt werden,
(1) Diese Verordnung stellt Anforderungen an 4. sind beheizte Räume solche Räume, die auf Grund be-
stimmungsgemäßer Nutzung direkt oder durch Raumver-
1. Gebäude mit normalen Innentemperaturen (§ 2 Nr. 1 und
bund beheizt werden,
2) und
5. sind erneuerbare Energien zu Heizungszwecken, zur
2. Gebäude mit niedrigen Innentemperaturen (§ 2 Nr. 3)
Warmwasserbereitung oder zur Lüftung von Gebäuden
eingesetzte und im räumlichen Zusammenhang dazu
einschließlich ihrer Heizungs-, raumlufttechnischen und zur
gewonnene Solarenergie, Umweltwärme, Erdwärme und
Warmwasserbereitung dienenden Anlagen.
Biomasse,
(2) Diese Verordnung gilt mit Ausnahme des § 11 nicht für 6. ist ein Heizkessel der aus Kessel und Brenner bestehen-
de Wärmeerzeuger, der zur Übertragung der durch die
1. Betriebsgebäude, die überwiegend zur Aufzucht oder zur Verbrennung freigesetzten Wärme an den Wärmeträger
Haltung von Tieren genutzt werden, Wasser dient,

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
7. sind Geräte der mit einem Brenner auszurüstende Kes- (2) Der Jahres-Primärenergiebedarf und der spezifische,
sel und der zur Ausrüstung eines Kessels bestimmte auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene
Brenner, Transmissionswärmeverlust sind zu berechnen
8. ist die Nennwärmeleistung die höchste von dem Heiz-
kessel im Dauerbetrieb nutzbar abgegebene Wärme- 1. bei Wohngebäuden, deren Fensterflächenanteil 30 vom
menge je Zeiteinheit; ist der Heizkessel für einen Hundert nicht überschreitet, nach dem vereinfachten
Nennwärmeleistungsbereich eingerichtet, so ist die Verfahren nach Anhang 1 Nr. 3 oder nach dem in Anhang
Nennwärmeleistung die in den Grenzen des Nennwär- 1 Nr. 2 festgelegten Nachweisverfahren,
meleistungsbereichs fest eingestellte und auf einem 2. bei anderen Gebäuden nach dem in Anhang 1 Nr. 2 fest-
Zusatzschild angegebene höchste nutzbare Wärme- gelegten Nachweisverfahren.
leistung; ohne Zusatzschild gilt als Nennwärmeleistung
der höchste Wert des Nennwärmeleistungsbereichs, (3) Die Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfs
9. ist ein Standardheizkessel ein Heizkessel, bei dem die nach Absatz 1 gilt nicht für Gebäude, die beheizt werden
durchschnittliche Betriebstemperatur durch seine Aus-
legung beschränkt sein kann, 1. mindestens zu 70 vom Hundert durch Wärme aus Kraft-
Wärme-Kopplung,
10. ist ein Niedertemperatur-Heizkessel ein Heizkessel, der
kontinuierlich mit einer Eintrittstemperatur von 35 bis 40 2. mindestens zu 70 vom Hundert durch erneuerbare
Grad Celsius betrieben werden kann und in dem es Energien mittels selbsttätig arbeitender Wärmeerzeuger,
unter bestimmten Umständen zur Kondensation des in
den Abgasen enthaltenen Wasserdampfes kommen 3. überwiegend durch Einzelfeuerstätten für einzelne
kann, Räume oder Raumgruppen sowie sonstige Wärme-
erzeuger, für die keine Regeln der Technik vorliegen.
11. ist ein Brennwertkessel ein Heizkessel, der für die
Kondensation eines Großteils des in den Abgasen ent- Bei Gebäuden nach Satz 1 Nr. 3 darf der spezifische, auf die
haltenen Wasserdampfes konstruiert ist. wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Trans-
missionswärmeverlust 76 vom Hundert des jeweiligen
Höchstwertes nach Anhang 1 Tabelle 1 Spalte 5 nicht über-
Abschnitt 2 schreiten.
Zu errichtende Gebäude
(4) Um einen energiesparenden sommerlichen Wärme-
schutz sicherzustellen, sind bei Gebäuden, deren Fenster-
§3 flächenanteil 30 vom Hundert überschreitet, die Anforderun-
Gebäude gen an die Sonneneintragskennwerte oder die Kühlleistung
nach Anhang 1 Nr. 2.9 einzuhalten.
mit normalen Innentemperaturen

(1) Zu errichtende Gebäude mit normalen Innentemperatu-


ren sind so auszuführen, dass §4
Gebäude
1. bei Wohngebäuden der auf die Gebäudenutzfläche bezo- mit niedrigen Innentemperaturen
gene Jahres-Primärenergiebedarf und
2. bei anderen Gebäuden der auf das beheizte Gebäude- Bei zu errichtenden Gebäuden mit niedrigen Innentempe-
volumen bezogene Jahres-Primärenergiebedarf sowie raturen darf der nach Anhang 2 Nr. 2 zu bestimmende
der spezifische, auf die wärmeübertragende Umfas- spezifische, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche
sungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust die bezogene Transmissionswärmeverlust die Höchstwerte in
Höchstwerte in Anhang 1 Tabelle 1 nicht überschreiten. Anhang 2 Nr. 1 nicht überschreiten.

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

§5 die Wärmedurchgangskoeffizienten der Außenbauteile die in


Anhang 3 Tabelle 1 genannten Werte nicht überschreiten.
Dichtheit, Mindestluftwechsel

(1) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die


wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Abschnitt 3
Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend dem Stand Bestehende Gebäude und Anlagen
der Technik abgedichtet ist. Dabei muss die Fugendurch-
lässigkeit außen liegender Fenster, Fenstertüren und Dach-
flächenfenster Anhang 4 Nr. 1 genügen. Wird die Dichtheit §8
nach den Sätzen 1 und 2 überprüft, ist Anhang 4 Nr. 2 einzu- Änderung von Gebäuden
halten.
(1) Soweit bei beheizten Räumen in Gebäuden nach § 1
(2) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der
Abs. 1 Änderungen gemäß Anhang 3 Nr. 1 bis 5 durchgeführt
zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche
werden, dürfen die in Anhang 3 Tabelle 1 festgelegten
Mindestluftwechsel sichergestellt ist. Werden dazu andere
Wärmedurchgangskoeffizienten der betroffenen Außen-
Lüftungseinrichtungen als Fenster verwendet, müssen diese
bauteile nicht überschritten werden. Dies gilt nicht für Än-
Anhang 4 Nr. 3 entsprechen.
derungen, die
1. bei Außenwänden, außen liegenden Fenstern, Fenster-
§6 türen und Dachflächenfenstern weniger als 20 vom
Mindestwärmeschutz, Wärmebrücken Hundert der Bauteilflächen gleicher Orientierung im
Sinne von Anhang 1 Tabelle 2 Zeile 4 Spalte 3 oder
(1) Bei zu errichtenden Gebäuden sind Bauteile, die gegen
2. bei anderen Außenbauteilen weniger als 20 vom Hundert
die Außenluft, das Erdreich oder Gebäudeteile mit wesent-
der jeweiligen Bauteilfläche
lich niedrigeren Innentemperaturen abgrenzen, so auszu-
führen, dass die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes betreffen.
nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten
werden. (2) Absatz 1 Satz 1 gilt als erfüllt, wenn das geänderte Ge-
bäude insgesamt den jeweiligen Höchstwert nach Anhang 1
(2) Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der Tabelle 1 oder Anhang 2 Tabelle 1 um nicht mehr als 40 vom
Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahres- Hundert überschreitet.
Heizwärmebedarf nach den Regeln der Technik und den im
jeweiligen Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen (3) Bei der Erweiterung des beheizten Gebäudevolumens
so gering wie möglich gehalten wird. Der verbleibende um zusammenhängend mindestens 30 Kubikmeter sind für
Einfluss der Wärmebrücken ist bei der Ermittlung des spezi- den neuen Gebäudeteil die jeweiligen Vorschriften für zu
fischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche errichtende Gebäude einzuhalten. Ein Energiebedarfsaus-
bezogene Transmissionswärmeverlusts und des Jahres- weis ist nur unter den Voraussetzungen des § 13 Abs. 2 aus-
Primärenergiebedarfs nach Anhang 1 Nr. 2.5 zu berücksich- zustellen.
tigen.
§9
§7 Nachrüstung
Gebäude mit geringem Volumen bei Anlagen und Gebäuden

Übersteigt das beheizte Gebäudevolumen eines zu errich- (1) Eigentümer von Gebäuden müssen Heizkessel, die mit
tenden Gebäudes 100 Kubikmeter nicht und werden die flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden
Anforderungen des Abschnitts 4 eingehalten, gelten die und vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufgestellt
übrigen Anforderungen dieser Verordnung als erfüllt, wenn worden sind, bis zum 31. Dezember 2006 außer Betrieb

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
nehmen. Heizkessel nach Satz 1, die nach § 11 Abs. 1 in (2) Energiebedarfssenkende Einrichtungen in Anlagen
Verbindung mit § 23 der Verordnung über kleine und mittlere nach Absatz 1 sind betriebsbereit zu erhalten und bestim-
Feuerungsanlagen so ertüchtigt wurden, dass die zuläs- mungsgemäß zu nutzen. Satz 1 gilt als erfüllt, soweit der
sigen Abgasverlustgrenzwerte eingehalten sind, oder deren Einfluss einer energiebedarfssenkenden Einrichtung auf den
Brenner nach dem 1. November 1996 erneuert worden sind, Jahres-Primärenergiebedarf durch anlagentechnische oder
müssen bis zum 31. Dezember 2008 außer Betrieb genom- bauliche Maßnahmen ausgeglichen wird.
men werden. Die Sätze 1 und 2 sind nicht anzuwenden,
wenn die vorhandenen Heizkessel Niedertemperatur-Heiz- (3) Heizungs- und Warmwasseranlagen sowie raumluft-
kessel oder Brennwertkessel sind, sowie auf heizungs- technische Anlagen sind sachgerecht zu bedienen, zu war-
technische Anlagen, deren Nennwärmeleistung weniger als ten und instand zu halten. Für die Wartung und Instandhal-
4 Kilowatt oder mehr als 400 Kilowatt beträgt, und auf Heiz- tung ist Fachkunde erforderlich. Fachkundig ist, wer die zur
kessel nach § 11 Abs. 3 Nr. 2 bis 4. Wartung und Instandhaltung notwendigen Fachkenntnisse
und Fertigkeiten besitzt.
(2) Eigentümer von Gebäuden müssen bei heizungstechni-
schen Anlagen ungedämmte, zugängliche Wärmevertei-
lungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen, die sich Abschnitt 4
nicht in beheizten Räumen befinden, bis zum 31. Dezember
2006 nach Anhang 5 zur Begrenzung der Wärmeabgabe Heizungstechnische Anlagen,
dämmen. Warmwasseranlagen
(3) Eigentümer von Gebäuden mit normalen Innentem-
peraturen müssen nicht begehbare, aber zugängliche
§ 11
oberste Geschossdecken beheizter Räume bis zum 31. De- Inbetriebnahme von Heizkesseln
zember 2006 so dämmen, dass der Wärmedurchgangs-
koeffizient der Geschossdecke 0,30 Watt/(m2 · K) nicht über- (1) Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brenn-
schreitet. stoffen beschickt werden und deren Nennwärmeleistung
mindestens 4 Kilowatt und höchstens 400 Kilowatt beträgt,
(4) Bei Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Woh- dürfen zum Zwecke der Inbetriebnahme in Gebäuden nur
nungen, von denen zum Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser eingebaut oder aufgestellt werden, wenn sie mit der CE-
Verordnung eine der Eigentümer selbst bewohnt, sind die Kennzeichnung nach § 5 Abs. 1 und 2 der Verordnung über
Anforderungen nach den Absätzen 1 bis 3 nur im Falle eines das Inverkehrbringen von Heizkesseln und Geräten nach
Eigentümerwechsels zu erfüllen. Die Frist beträgt zwei Jahre dem Bauproduktengesetz vom 28. April 1999 (BGBl. I
ab dem Eigentumsübergang; sie läuft jedoch nicht vor dem S. 796) oder nach Artikel 7 Abs. 1 Satz 2 der Richtlinie 92/
31. Dezember 2006, in den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 42/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Wirkungsgra-
nicht vor dem 31. Dezember 2008, ab. de von mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen be-
schickten neuen Warmwasserheizkesseln (ABl. EG Nr. L 167
S. 17, L 195 S. 32), geändert durch Artikel 12 der Richtlinie
§ 10 93/68/EWG des Rates vom 22. Juli 1999 (ABl. EG Nr. L 220
Aufrechterhaltung S. 1), versehen sind. Satz 1 gilt auch für Heizkessel, die aus
Geräten zusammengefügt werden. Dabei sind die Parameter
der energetischen Qualität
zu beachten, die sich aus der den Geräten beiliegenden EG-
Konformitätserklärung ergeben.
(1) Außenbauteile dürfen nicht in einer Weise verändert
werden, dass die energetische Qualität des Gebäudes ver- (2) Soweit Gebäude, deren Jahres-Primärenergiebedarf
schlechtert wird. Das Gleiche gilt für Anlagen nach dem nicht nach § 3 Abs. 1 begrenzt ist, mit Heizkesseln nach
Abschnitt 4, soweit sie zum Nachweis der Anforderungen Absatz 1 ausgestattet werden, müssen diese Niedertempe-
energieeinsparrechtlicher Vorschriften des Bundes zu be- ratur-Heizkessel oder Brennwertkessel sein. Ausgenommen
rücksichtigen waren. sind bestehende Gebäude mit normalen Innentemperatu-

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

ren, wenn der Jahres-Primärenergiebedarf den jeweiligen oder Fernwärmeversorgung angeschlossen sind, gilt die
Höchstwert nach Anhang 1 Tabelle 1 um nicht mehr als 40 Vorschrift hinsichtlich der Verringerung und Abschaltung der
vom Hundert überschreitet. Wärmezufuhr auch ohne entsprechende Einrichtungen in
(3) Absatz 1 ist nicht anzuwenden auf den Haus- und Kundenanlagen als erfüllt, wenn die Vorlauf-
temperatur des Nah- oder Fernheiznetzes in Abhängigkeit
1. einzeln produzierte Heizkessel, von der Außentemperatur und der Zeit durch entsprechende
2. Heizkessel, die für den Betrieb mit Brennstoffen ausge- Einrichtungen in der zentralen Erzeugungsanlage geregelt
legt sind, deren Eigenschaften von den marktüblichen wird.
flüssigen und gasförmigen Brennstoffen erheblich abwei-
chen, (2) Wer heizungstechnische Anlagen mit Wasser als
Wärmeträger in Gebäude einbaut oder einbauen lässt, muss
3. Anlagen zur ausschließlichen Warmwasserbereitung, diese mit selbsttätig wirkenden Einrichtungen zur raum-
4. Küchenherde und Geräte, die hauptsächlich zur Behei- weisen Regelung der Raumtemperatur ausstatten. Dies gilt
zung des Raumes, in dem sie eingebaut oder aufgestellt nicht für Einzelheizgeräte, die zum Betrieb mit festen oder
sind, ausgelegt sind, daneben aber auch Warmwasser für flüssigen Brennstoffen eingerichtet sind. Mit Ausnahme von
die Zentralheizung und für sonstige Gebrauchszwecke Wohngebäuden ist für Gruppen von Räumen gleicher Art
liefern, und Nutzung eine Gruppenregelung zulässig. Fußboden-
heizungen in Gebäuden, die vor dem Inkrafttreten dieser
5. Geräte mit einer Nennwärmeleistung von weniger als Verordnung errichtet worden sind, dürfen abweichend von
6 Kilowatt zur Versorgung eines Warmwasserspeicher- Satz 1 mit Einrichtungen zur raumweisen Anpassung der
systems mit Schwerkraftumlauf. Wärmeleistung an die Heizlast ausgestattet werden. Soweit
(4) Heizkessel, deren Nennwärmeleistung kleiner als die in Satz 1 bis 3 geforderten Ausstattungen bei bestehen-
4 Kilowatt oder größer als 400 Kilowatt ist, und Heizkessel den Gebäuden nicht vorhanden sind, muss der Eigentümer
nach Absatz 3 dürfen nur dann zum Zwecke der Inbetrieb- sie nachrüsten.
nahme in Gebäuden eingebaut oder aufgestellt werden,
wenn sie nach anerkannten Regeln der Technik gegen (3) Wer Umwälzpumpen in Heizkreisen von Zentralheizun-
Wärmeverluste gedämmt sind. gen mit mehr als 25 Kilowatt Nennwärmeleistung erstmalig
einbaut, einbauen lässt oder vorhandene ersetzt oder er-
setzen lässt, hat dafür Sorge zu tragen, dass diese so
§ 12 ausgestattet oder beschaffen sind, dass die elektrische
Leistungsaufnahme dem betriebsbedingten Förderbedarf
Verteilungseinrichtungen selbsttätig in mindestens drei Stufen angepasst wird, soweit
und Warmwasseranlagen sicherheitstechnische Belange des Heizkessels dem nicht
entgegenstehen.
(1) Wer Zentralheizungen in Gebäude einbaut oder einbau-
en lässt, muss diese mit zentralen selbsttätig wirkenden Ein- (4) Wer in Warmwasseranlagen Zirkulationspumpen ein-
richtungen zur Verringerung und Abschaltung der Wärmezu- baut oder einbauen lässt, muss diese mit selbsttätig wirken-
fuhr sowie zur Ein- und Ausschaltung elektrischer Antriebe den Einrichtungen zur Ein- und Ausschaltung ausstatten.
in Abhängigkeit von
(5) Wer Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen
1. der Außentemperatur oder einer anderen geeigneten sowie Armaturen in Gebäuden erstmalig einbaut oder vor-
Führungsgröße und handene ersetzt, muss deren Wärmeabgabe nach Anhang 5
2. der Zeit begrenzen.
ausstatten. Soweit die in Satz 1 geforderten Ausstattungen (6) Wer Einrichtungen, in denen Heiz- oder Warmwasser
bei bestehenden Gebäuden nicht vorhanden sind, muss der gespeichert wird, erstmalig in Gebäude einbaut oder vor-
Eigentümer sie nachrüsten oder nachrüsten lassen. Bei handene ersetzt, muss deren Wärmeabgabe nach anerkann-
Wasserheizungen, die ohne Wärmeübertrager an eine Nah- ten Regeln der Technik begrenzen.

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Abschnitt 5 Transmissionswärmeverlust, in einem Wärmebedarfsaus-
weis zusammenzustellen. Absatz 1 Satz 2 bis 4 gilt entspre-
G em e in sa m e Vors ch ri ft en , chend.
Ordnungswidrigkeiten (4) Der Energiebedarfsausweis nach den Absätzen 1 und 2
oder der Wärmebedarfsausweis nach Absatz 3 ist den nach
§ 13 Landesrecht zuständigen Behörden auf Verlangen vorzu-
Ausweise über Energie- legen und Käufern, Mietern und sonstigen Nutzungsberech-
und Wärmebedarf, Energieverbrauchskennwerte tigten der Gebäude auf Anforderung zur Einsichtnahme zu-
gänglich zu machen.
(1) Für zu errichtende Gebäude mit normalen Innentem- (5) Soweit ein Energiebedarfsausweis nach den Absätzen
peraturen sind die wesentlichen Ergebnisse der nach dieser 1 oder 2 nicht zu erstellen ist, können insbesondere die
Verordnung erforderlichen Berechnungen, insbesondere die Eigentümer von Wohngebäuden, die zur verbrauchsab-
spezifischen Werte des Transmissionswärmeverlusts, der hängigen Abrechnung der Heizkosten nach der Verordnung
Anlagenaufwandszahl der Anlagen für Heizung, Warm- über die Heizkostenabrechnung verpflichtet sind, den
wasserbereitung und Lüftung, des Endenergiebedarfs nach Käufern, Mietern, sonstigen Nutzungsberechtigten und
einzelnen Energieträgern und des Jahres-Primärenergie- Miet- und Kaufinteressenten den Energieverbrauchskenn-
bedarfs in einem Energiebedarfsausweis zusammenzu- wert zusammen mit den wesentlichen Gebäude- und
stellen. In dem Ausweis ist auf die normierten Bedingungen Nutzungsmerkmalen gemäß Absatz 6 Satz 2 mitteilen. Ener-
hinzuweisen. Einzelheiten über den Energiebedarfsausweis gieverbrauchskennwerte im Sinne dieser Vorschrift sind die
werden in einer Allgemeinen Verwaltungsvorschrift der Bun- witterungsbereinigten Energieverbräuche für Raumheizung
desregierung mit Zustimmung des Bundesrates bestimmt. in Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche des Ge-
Rechte Dritter werden durch den Ausweis nicht berührt. bäudes und Jahr. Für die Witterungsbereinigung des Ener-
(2) Für Gebäude mit normalen Innentemperaturen, die we- gieverbrauchs ist das in VDI 3807: Juni 1994 1) angegebene
sentlich geändert werden, ist ein Energiebedarfsausweis Verfahren anzuwenden. Die für die Witterungsbereinigung
entsprechend Absatz 1 auszustellen, wenn im Zusammen- erforderlichen Daten sind den Bekanntmachungen nach Ab-
hang mit den wesentlichen Änderungen die erforderlichen satz 6 zu entnehmen.
Berechnungen in entsprechender Anwendung des Absat- (6) Als Vergleichsmaßstab für Energieverbrauchskennwer-
zes 1 durchgeführt worden sind. Einzelheiten, insbesondere te nach Absatz 5 gibt das Bundesministerium für Verkehr,
bezüglich der erleichterten Feststellung der Eigenschaften Bau- und Wohnungswesen im Einvernehmen mit dem
von Gebäudeteilen, die von der Änderung nicht betroffen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Bun-
sind, werden in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift nach desanzeiger durchschnittliche Energieverbrauchskennwerte
Absatz 1 Satz 3 geregelt. Eine wesentliche Änderung liegt und deren Bandbreiten, die den topographischen Unter-
vor, wenn schieden in den einzelnen Klimazonen Rechnung tragen,
1. innerhalb eines Jahres mindestens drei der in Anhang 3 sowie die für die Witterungsbereinigung erforderlichen
Nr. 1 bis 5 genannten Änderungen in Verbindung mit dem Daten bekannt. Bei der Bekanntmachung durchschnittlicher
Austausch eines Heizkessels oder der Umstellung einer Energieverbrauchskennwerte ist sachgerecht nach den
Heizungsanlage auf einen anderen Energieträger durch- wesentlichen Gebäude- und Nutzungsmerkmalen zu unter-
geführt werden oder scheiden.

2. das beheizte Gebäudevolumen um mehr als 50 vom (7) Die Ausweise nach den Absätzen 1 bis 3 und die
Hundert erweitert wird. Energieverbrauchskennwerte nach Absatz 5 sind energie-
bezogene Merkmale eines Gebäudes im Sinne der Richtlinie
(3) Für zu errichtende Gebäude mit niedrigen Innentem- 93/76/EWG des Rates vom 13. September 1993 zur Be-
peraturen sind die wesentlichen Ergebnisse der Berechnun-
gen nach dieser Verordnung, insbesondere der spezifische,
auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Veröffentlicht im Beuth-Verlag GmbH, Berlin.

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2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

grenzung der Kohlendioxidemissionen durch eine effiziente- oder anderer Rechtsvorschriften zur Umsetzung von
re Energienutzung (ABl. EG Nr. L 237 S. 28). Richtlinien der Europäischen Gemeinschaften, deren Re-
gelungen auch Anforderungen zur Energieeinsparung
umfassen, mit der CE-Kennzeichnung versehen sind und
§ 14 nach diesen Vorschriften zulässige und von den Ländern
Getrennte Berechnungen bestimmte Klassen- und Leistungsstufen aufweisen,
oder
für Teile eines Gebäudes
2. bei denen nach bauordnungsrechtlichen Vorschriften
Teile eines Gebäudes dürfen wie eigenständige Gebäude über die Verwendung von Bauprodukten auch die Ein-
behandelt werden, insbesondere wenn sie sich hinsichtlich haltung dieser Verordnung sichergestellt wird.
der Nutzung, der Innentemperatur oder des Fensterflächen-
anteils unterscheiden. Für die Trennwände zwischen den
Gebäudeteilen gelten Anhang 1 Nr. 2.7 und Anhang 2 Nr. 2 § 16
Satz 3 entsprechend. Soweit im Einzelfall nach Satz 1 ver-
fahren wird, ist dies für dieses Gebäude in den Ausweisen Ausnahmen
nach § 13 Abs. 1 bis 3 deutlich zu machen.
(1) Soweit bei Baudenkmälern oder sonstiger besonders
erhaltenswerter Bausubstanz die Erfüllung der Anforderun-
§ 15 gen dieser Verordnung die Substanz oder das Erschei-
nungsbild beeinträchtigen und andere Maßnahmen zu einem
Regeln der Technik unverhältnismäßig hohen Aufwand führen würden, lassen
die nach Landesrecht zuständigen Behörden auf Antrag
(1) Das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Woh- Ausnahmen zu.
nungswesen kann im Einvernehmen mit dem Bundes-
ministerium für Wirtschaft und Technologie durch Be- (2) Soweit die Ziele dieser Verordnung durch andere als in
kanntmachung im Bundesanzeiger auf Veröffentlichungen dieser Verordnung vorgesehene Maßnahmen im gleichen
sachverständiger Stellen über anerkannte Regeln der Umfang erreicht werden, lassen die nach Landesrecht
Technik hinweisen, soweit in dieser Verordnung auf solche zuständigen Behörden auf Antrag Ausnahmen zu. In einer
Regeln Bezug genommen wird. Allgemeinen Verwaltungsvorschrift kann die Bundesregie-
rung mit Zustimmung des Bundesrates bestimmen, unter
(2) Zu den anerkannten Regeln der Technik gehören auch welchen Bedingungen die Voraussetzungen nach Satz 1 als
Normen, technische Vorschriften oder sonstige Bestimmun- erfüllt gelten.
gen anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Gemein-
schaft oder sonstiger Vertragsstaaten des Abkommens über
den Europäischen Wirtschaftsraum, wenn ihre Einhaltung § 17
das geforderte Schutzniveau in Bezug auf Energieein-
sparung und Wärmeschutz dauerhaft gewährleistet. Befreiungen

(3) Soweit eine Bewertung von Baustoffen, Bauteilen und Die nach Landesrecht zuständigen Behörden können auf
Anlagen im Hinblick auf die Anforderungen dieser Verord- Antrag von den Anforderungen dieser Verordnung befreien,
nung auf Grund anerkannter Regeln der Technik nicht mög- soweit die Anforderungen im Einzelfall wegen besonderer
lich ist, weil solche Regeln nicht vorliegen oder wesentlich Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in
von ihnen abgewichen wird, sind gegenüber der nach Lan- sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen. Eine unbil-
desrecht zuständigen Behörde die für eine Bewertung erfor- lige Härte liegt insbesondere vor, wenn die erforderlichen
derlichen Nachweise zu führen. Der Nachweis nach Satz 1 Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer, bei
entfällt für Baustoffe, Bauteile und Anlagen, Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb ange-
messener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht
1. die nach den Vorschriften des Bauproduktengesetzes erwirtschaftet werden können.

2/58 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
§ 18 vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung der Bauantrag
gestellt oder die Bauanzeige erstattet ist. Auf genehmi-
Ordnungswidrigkeiten
gungs- und anzeigefreie Bauvorhaben ist diese Verordnung
Ordnungswidrig im Sinne des § 8 Abs. 1 Nr. 1 des Ener- nicht anzuwenden, wenn mit der Bauausführung vor dem
gieeinsparungsgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahr- Inkrafttreten dieser Verordnung begonnen worden ist. Auf
lässig Bauvorhaben nach den Sätzen 1 und 2 sind die bis zum
31. Januar 2002 geltenden Vorschriften der Wärmeschutz-
1. entgegen § 11 Abs. 1 Satz 1, auch in Verbindung mit verordnung vom 16. August 1994 (BGBl. I S. 2121) und der
Satz 2, einen Heizkessel einbaut oder aufstellt, Heizungsanlagen-Verordnung in der Fassung der Bekannt-
2. entgegen § 12 Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 Satz 1 eine machung vom 4. Mai 1998 (BGBl. I S. 851) weiter anzu-
Zentralheizung oder eine heizungstechnische Anlage wenden.
nicht oder nicht rechtzeitig ausstattet,
3. entgegen § 12 Abs. 3 nicht dafür Sorge trägt, dass Um-
wälzpumpen in der dort genannten Weise ausgestattet
oder beschaffen sind oder § 20
4. entgegen § 12 Abs. 5 die Wärmeabgabe von Wärme- Inkrafttreten, Außerkrafttreten
verteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen
nicht oder nicht rechtzeitig begrenzt. (1) § 13 Abs. 1 Satz 3, § 15 und § 16 Abs. 2 dieser Ver-
ordnung treten am Tage nach der Verkündung in Kraft.
Im Übrigen tritt diese Verordnung am 1. Februar 2002 in
Abschnitt 6 Kraft.
Schlussbestimmungen
(2) Am 1. Februar 2002 treten die Wärmeschutzver-
ordnung vom 16. August 1994 (BGBl. I S. 2121), geändert
§ 19 durch Artikel 350 der Verordnung vom 29. Oktober 2001
Übergangsvorschrift (BGBl. I S. 2785), und die Heizungsanlagen-Verordnung in
der Fassung der Bekanntmachung vom 4. Mai 1998 (BGBl. I
Diese Verordnung ist nicht anzuwenden auf die Errichtung S. 851), geändert durch Artikel 349 der Verordnung vom
und die Änderung von Gebäuden, wenn für das Vorhaben 29. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2785), außer Kraft.

Der Bundesrat hat zugestimmt.

Berlin, den 16. November 2001

Der Bundeskanzler
Gerhard Schröder

Der Bundesminister
f ü r W i r t s c h a f t u n d Te c h n o l o g i e
Müller

Der Bundesminister
f ü r Ve r k e h r, B a u - u n d Wo h n u n g s w e s e n
Kurt Bodewig

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2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

A nh a n g 1
Anforderungen an zu errichtende Gebäude mit normalen Innentemperaturen (zu § 3)

1. H ö c h s t w e r t e d e s J a h r e s - P r i m ä r e n e r g i e b e d a r f s u n d d e s s p e z i f i s c h e n Tr a n s m i s s i o n s -
wärmeverlusts (zu § 3 Abs. 1)

1.1 Tabelle der Höchstwerte


Tabelle 1

Höchstwerte des auf die Gebäudenutzfläche und des auf das beheizte Gebäudevolumen
bezogenen Jahres-Primärenergiebedarfs und des spezifischen, auf die wärmeübertragende
Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve

Spezifischer, auf die wärmeüber-


Jahres-Primärenergiebedarf tragende Umfassungsfläche bezogener
Transmissionswärmeverlust
Q p′ in kWh/(m3 · a)
Q p″ in kWh/(m 2 · a) bezogen auf das
Ver- H T′ in W/(m 2 · K)
bezogen auf die Gebäudenutzfläche beheizte
hältnis
Gebäudevolumen
A/Ve
Wohngebäude mit Nichtwohn- Nichtwohn-
überwiegender gebäude mit einem gebäude mit einem
Wohngebäude
Warmwasserberei- andere Gebäude Fensterflächen- Fensterflächen-
außer solchen nach Spalte 3
tung aus elektri- anteil  30 % und anteil > 30 %
schem Strom Wohngebäude

1,2 2 3 4 5 6

 0,2 66,00 + 2600/(100 + AN) 88,00 14,72 1,05 1,55

0,3 73,53 + 2600/(100 + AN) 95,53 17,13 0,80 1,15

0,4 81,06 + 2600/(100 + AN) 103,06 19,54 0,68 0,95

0,5 88,58 + 2600/(100 + AN) 110,58 21,95 0,60 0,83

0,6 96,11 + 2600/(100 + AN) 118,11 24,36 0,55 0,75

0,7 103,64 + 2600/(100 + A N) 125,64 26,77 0,51 0,69

0,8 111,17 + 2600/(100 + A N) 133,17 29,18 0,49 0,65

0,9 118,70 + 2600/(100 + A N) 140,70 31,59 0,47 0,62

1,2 126,23 + 2600/(100 + A N) 148,23 34,00 0,45 0,59

 1,05 130,00 + 2600/(100 + A N) 152,00 35,21 0,44 0,58

2/60 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
1.2 Zwischenwerte zu Tabelle 1
Zwischenwerte zu den in Tabelle 1 festgelegten Höchstwerten sind nach folgenden Gleichungen zu ermitteln:
Spalte 2 Q p″ = 50,94 + 75,29 · A/Ve + 2600/(100 + AN) in kWh/(m 2 · a)
Spalte 3 Q p″ = 72,94 + 75,29 · A/Ve in kWh/(m 2 · a)
Spalte 4 Q p′ = 9,9 + 24,1 · A/Ve in kWh/(m 3 · a)
Spalte 5 H T′ = 0,3 + 0,15/(A/Ve) in W/(m 2 · K)
Spalte 6 H T′ = 0,35 + 0,24/(A/Ve) in W/(m 2 · K)

1.3 Definition der Bezugsgrößen


1.3.1 Die wärmeübertragende Umfassungsfläche A eines Gebäudes in m2 ist nach Anhang B der DIN EN ISO 13789 : 1999-10,
Fall Außenabmessung*), zu ermitteln. Die zu berücksichtigenden Flächen sind die äußere Begrenzung einer
abgeschlossenen beheizten Zone. Außerdem ist die wärmeübertragende Umfassungsfläche A so festzulegen, dass
ein in DIN EN 832 : 1998-12 beschriebenes Ein-Zonen-Modell entsteht, das mindestens die beheizten Räume ein-
schließt.
1.3.2 Das beheizte Gebäudevolumen Ve in m 3 ist das Volumen, das von der nach Nr. 1.3.1 ermittelten wärmeübertragenden
Umfassungsfläche A umschlossen wird.
1.3.3 Das Verhältnis A/Ve in m –1 ist die errechnete wärmeübertragende Umfassungsfläche nach Nr. 1.3.1 bezogen auf das
beheizte Gebäudevolumen nach Nr. 1.3.2.
1.3.4 Die Gebäudenutzfläche AN in m 2 wird bei Wohngebäuden wie folgt ermittelt: A N = 0,32 Ve

2. R e c h e n v e r f a h re n z ur E r m i t t l un g d e r We r t e d e s z u e r r i c h t e n d e n G e b ä ud e s
(zu § 3 Abs. 2 und 4)

2.1 Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs


2.1.1 Der Jahres-Primärenergiebedarf Qp für Gebäude ist nach DIN EN 832 : 1998-12 in Verbindung mit DIN 4108-6 : 2000-
11 und DIN V 4701-10 : 2001-02 zu ermitteln. Der in diesem Rechengang zu bestimmende Jahres-Heizwärmebedarf
Q h ist nach dem Monatsbilanzverfahren nach DIN EN 832 : 1998-12 mit den in DIN V 4108-6 : 2000-11 Anhang D
genannten Randbedingungen zu ermitteln. In DIN V 4108-6 : 2000-11 angegebene Vereinfachungen für den Be-
rechnungsgang nach DIN EN 832 : 1998-12 dürfen angewandt werden. Zur Berücksichtigung von Lüftungsanlagen
mit Wärmerückgewinnung sind die methodischen Hinweise unter Nr. 4.1 der DIN V 4701-10 : 2001-02 zu beachten.
2.1.2 Bei Gebäuden, die zu 80 vom Hundert oder mehr durch elektrische Speicherheizsysteme beheizt werden, darf der
Primärenergiefaktor bei den Nachweisen nach § 3 Abs. 2 für den für Heizung und Lüftung bezogenen Strom für die
Dauer von acht Jahren ab dem Inkrafttreten dieser Verordnung abweichend von der DIN 4701-10 : 2001-02 mit 2,0
angesetzt werden. Soweit bei diesen Gebäuden eine dezentrale elektrische Warmwasserbereitung vorgesehen wird,
darf die Regelung nach Satz 1 auch auf den von diesem System bezogenen Strom angewandt werden. Die Re-
gelungen nach Satz 1 und 2 erstrecken sich nicht auf die Angaben nach § 13 Abs. 1. Elektrische Speicherheizsysteme

*) Alle zitierten DIN-Normen sind im Beuth-Verlag GmbH, Berlin, veröffentlicht.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/61


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

im Sinne des Satzes 1 sind Heizsysteme mit unterbrechbarem Strombezug in Verbindung mit einer lufttechnischen
Anlage mit einer Wärmerückgewinnung, die nur in den Zeiten außerhalb des unterbrochenen Betriebes durch eine
Widerstandsheizung Wärme in einem geeigneten Speichermedium speichern.

2.1.3 Werden Ein- und Zweifamilienhäuser mit Niedertemperaturkesseln ausgestattet, deren Systemtemperatur 55/45 °C
überschreitet, erhöht sich bei monolithischer Außenwandkonstruktion der Höchstwert des zulässigen Jahres-Primär-
energiebedarfs Q p″ in Tabelle 1 jeweils um 3 vom Hundert. Diese Regelung gilt für die Dauer von fünf Jahren ab dem
1. Februar 2002.

2.2 Berücksichtigung der Warmwasserbereitung bei Wohngebäuden


Bei Wohngebäuden ist der Energiebedarf für Warmwasser in der Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs zu
berücksichtigen. Als Nutz-Wärmebedarf für die Warmwasserbereitung Q W im Sinne von DIN V 4701-10 : 2001-02 sind
12,5 kWh/(m 2 · a) anzusetzen.

2.3 Berechnung des spezifischen Transmissionswärmeverlusts


Der spezifische Transmissionswärmeverlust H T ist nach DIN EN 832 : 1998-12 mit den in DIN V 4108-6 : 2000-11
Anhang D genannten Randbedingungen zu ermitteln. In DIN V 4108-6 : 2000-11 angegebene Vereinfachungen für
den Berechnungsgang nach DIN EN 832 : 1998-12 dürfen angewandt werden.

2.4 Beheiztes Luftvolumen


Bei den Berechnungen gemäß Nr. 2.1 ist das beheizte Luftvolumen V nach DIN EN 832 : 1998-12 zu ermitteln. Ver-
einfacht darf es wie folgt berechnet werden:

V = 0,76 Ve bei Gebäuden bis zu 3 Vollgeschossen

V = 0,80 Ve in den übrigen Fällen.

2.5 Wärmebrücken
Wärmebrücken sind bei der Ermittlung des Jahres-Heizwärmebedarfs auf eine der folgenden Arten zu berücksich-
tigen:

a) Berücksichtigung durch Erhöhung der Wärmedurchgangskoeffizienten um U WB = 0,10 W/(m 2 · K) für die gesamte
wärmeübertragende Umfassungsfläche,

b) bei Anwendung von Planungsbeispielen nach DIN 4108 Bbl. 2 : 1998-08 Berücksichtigung durch Erhöhung der
Wärmedurchgangskoeffizienten um U WB = 0,05 W/(m 2 · K) für die gesamte wärmeübertragende Umfassungs-
fläche,

c) durch genauen Nachweis der Wärmebrücken nach DIN V 4108-6 : 2000-11 in Verbindung mit weiteren aner-
kannten Regeln der Technik.

Soweit der Wärmebrückeneinfluss bei Außenbauteilen bereits bei der Bestimmung des Wärmedurchlasskoeffizienten
U berücksichtigt worden ist, darf die wärmeübertragende Umfassungsfläche A bei der Berücksichtigung des Wärme-
brückeneinflusses nach Buchstabe a, b oder c um die entsprechende Bauteilfläche vermindert werden.

2/62 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
2.6 Ermittlung der solaren Wärmegewinne bei Fertighäusern und vergleichbaren Gebäuden
Werden Gebäude nach Plänen errichtet, die für mehrere Gebäude an verschiedenen Standorten erstellt worden sind,
dürfen bei der Berechnung die solaren Gewinne so ermittelt werden, als wären alle Fenster dieser Gebäude nach
Osten oder Westen orientiert.

2.7 Aneinander gereihte Bebauung


Bei der Berechnung von aneinander gereihten Gebäuden werden Gebäudetrennwände
a) zwischen Gebäuden mit normalen Innentemperaturen als nicht wärmedurchlässig angenommen und bei der
Ermittlung der Werte A und A/Ve nicht berücksichtigt,
b) zwischen Gebäuden mit normalen Innentemperaturen und Gebäuden mit niedrigen Innentemperaturen bei der
Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten mit einem Temperatur-Korrekturfaktor F u nach DIN V 4108-6 :
2000-11 gewichtet und
c) zwischen Gebäuden mit normalen Innentemperaturen und Gebäuden mit wesentlich niedrigeren Innentempe-
raturen im Sinne von DIN 4108-2 : 2001-03 bei der Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten mit einem
Temperatur-Korrekturfaktor F u = 0,5 gewichtet.
Werden beheizte Teile eines Gebäudes getrennt berechnet, gilt Satz 1 Buchstabe a sinngemäß für die Trennflächen
zwischen den Gebäudeteilen. Werden aneinander gereihte Gebäude gleichzeitig erstellt, dürfen sie hinsichtlich der
Anforderungen des § 3 wie ein Gebäude behandelt werden. § 13 bleibt unberührt.
Ist die Nachbarbebauung bei aneinander gereihter Bebauung nicht gesichert, müssen die Trennwände mindestens
den Mindestwärmeschutz nach § 6 Abs. 1 aufweisen.

2.8 Fensterflächenanteil (zu § 3 Abs. 2 und 4 und zu Anhang 1 Nr. 1)


Der Fensterflächenanteil des gesamten Gebäudes f nach § 3 Abs. 2 und 4 ist wie folgt zu ermitteln:
Aw
f=
Aw + A AW
mit
Aw Fläche der Fenster
A AW Fläche der Außenwände.
Wird ein Dachgeschoss beheizt, so sind bei der Ermittlung des Fensterflächenanteils die Fläche aller Fenster des
beheizten Dachgeschosses in die Fläche Aw und die Fläche der zur wärmeübertragenden Umfassungsfläche ge-
hörenden Dachschrägen in die Fläche A AW einzubeziehen.

2.9 Sommerlicher Wärmeschutz (zu § 3 Abs. 4)


2.9.1 Als höchstzulässige Sonneneintragskennwerte nach § 3 Abs. 4 sind die in DIN 4108-2 : 2001-03 Abschnitt 8 fest-
gelegten Werte einzuhalten. Der Sonneneintragskennwert des zu errichtenden Gebäudes ist nach dem dort ge-
nannten Verfahren zu bestimmen.
2.9.2 Werden Gebäude mit Ausnahme von Wohngebäuden nutzungsbedingt mit Anlagen ausgestattet, die Raumluft unter
Einsatz von Energie kühlen, so dürfen diese Gebäude abweichend von Nr. 2.9.1 auch so ausgeführt werden, dass die
Kühlleistung bezogen auf das gekühlte Gebäudevolumen nach dem Stand der Technik und den im Einzelfall wirt-

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/63


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

schaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich gehalten wird. Dabei sind insbesondere die Maßnahmen
zu berücksichtigen, die das unter Nr. 2.9.1 angegebene Berechnungsverfahren zur Verminderung des Sonnen-
eintragskennwertes vorsieht.

2.10 Voraussetzungen für die Anrechnung mechanisch betriebener Lüftungsanlagen (zu § 3 Abs. 2)
Im Rahmen der Berechnung nach Nr. 2 ist bei mechanischen Lüftungsanlagen die Anrechnung der Wärmerück-
gewinnung oder einer regelungstechnisch verminderten Luftwechselrate nur zulässig, wenn
a) die Dichtheit des Gebäudes nach Anhang 4 Nr. 2 nachgewiesen wird,
b) in der Lüftungsanlage die Zuluft nicht unter Einsatz von elektrischer oder aus fossilen Brennstoffen gewonnener
Energie gekühlt wird und
c) der mit Hilfe der Anlage erreichte Luftwechsel § 5 Abs. 2 genügt.
Die bei der Anrechnung der Wärmerückgewinnung anzusetzenden Kennwerte der Lüftungsanlagen sind nach aner-
kannten Regeln der Technik zu bestimmen oder den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen der verwendeten
Produkte zu entnehmen. Lüftungsanlagen müssen mit Einrichtungen ausgestattet sein, die eine Beeinflussung der
Luftvolumenströme jeder Nutzeinheit durch den Nutzer erlauben. Es muss sichergestellt sein, dass die aus der Abluft
gewonnene Wärme vorrangig vor der vom Heizsystem bereitgestellten Wärme genutzt wird.

3. V e r e i n f a c h t e s V e r f a h r e n f ü r W o h n g e b ä u d e ( z u § 3 A b s . 2 N r. 1 )
Der Jahres-Primärenergiebedarf ist vereinfacht wie folgt zu ermitteln:
Q p = (Q h + Q w) · e p
Dabei bedeuten
Q h der Jahres-Heizwärmebedarf
Q w der Zuschlag für Warmwasser nach Nr. 2.2
ep die Anlagenaufwandszahl nach DIN V 4701-10 : 2001-02 Nr. 4.2.6 in Verbindung mit Anhang C.5 (grafisches
Verfahren); auch die ausführlicheren Rechengänge nach DIN V 4701-10 : 2001-02 dürfen zur Ermittlung von e p
angewandt werden.

Der Einfluss der Wärmebrücken ist durch Anwendung der Planungsbeispiele nach DIN 4108 Bbl. 2 : 1998-08 zu
begrenzen.

Die Nr. 2.1.2, 2.6 und 2.7 gelten entsprechend.

Der Jahres-Heizwärmebedarf ist nach Tabelle 2 und 3 zu ermitteln:

2/64 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Tabelle 2
Vereinfachtes Verfahren zur Ermittlung des Jahres-Heizwärmebedarfs

Zeile Zu ermittelnde Größen Gleichung Zu verwendende Randbedingung

1 2 3
Jahres- Q h = 66 (H T + H V) – 0,95
1
Heizwärmebedarf Q h (Q s + Q i)
Spezifischer Trans- Temperatur-Korrekturfaktoren Fxi
H T =  (F xi U i Ai) + 0,05 A 1)
missionswärmeverlust H T nach Tabelle 3
2 bezogen auf die
HT
wärmeübertragende H T′ =
A
Umfassungsfläche
ohne Dichtheitsprüfung
H V = 0,19 Ve
Spezifischer Lüftungs- nach Anhang 4 Nr. 2
3
wärmeverlust mit Dichtheitsprüfung
H V = 0,163 Ve
nach Anhang 4 Nr. 2
Solare Einstrahlung:
Orientierung  (IS ) j, HP
Südost bis Südwest 270 kWh/(m 2 · a)
Nordwest bis Nordost 100 kWh/(m 2 · a)
4 Solare Gewinne Qs Q s =  (Is) j,HP  0,567 g i A i2) übrige Richtungen 155 kWh/(m 2 · a)
Dachflächenfenster mit 225 kWh/(m 2 · a)
Neigungen < 30 ° 3)
Die Fläche der Fenster A i mit der Orientierung j
(Süd, West, Ost, Nord und horizontal) ist nach den
lichten Fassadenöffnungsmaßen zu ermitteln.
5 Interne Gewinne Qi Q i = 22 AN AN: Gebäudenutzfläche nach Nr. 1.3.4

1)
Die Wärmedurchgangskoeffizienten der Bauteile U i sind nach DIN EN ISO 6946 : 1996-11 und nach DIN EN ISO 10077-1 :
2000-11 zu ermitteln oder sind technischen Produkt-Spezifikationen (z. B. für Dachflächenfenster) zu entnehmen. Bei an das
Erdreich grenzenden Bauteilen ist der äußere Wärmeübergangswiderstand gleich Null zu setzen.
2) Der Gesamtenergiedurchlassgrad g i (für senkrechte Einstrahlung) ist technischen Produkt-Spezifikationen zu entnehmen oder
nach DIN EN 410 : 1998-12 zu ermitteln. Besondere energiegewinnende Systeme, wie z. B. Wintergärten oder transparente
Wärmedämmung, können im Vereinfachten Verfahren keine Berücksichtigung finden.
3)
Dachflächenfenster mit Neigungen  30 ° sind hinsichtlich der Orientierung wie senkrechte Fenster zu behandeln.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/65


2 Energieeinsparverordnung Anhang 1 EnEV

Tabelle 3
Temperatur-Korrekturfaktoren Fxi

Wärmestrom nach außen über Bauteil i Temperatur-Korrekturfaktoren F xi

Außenwand, Fenster 1
Dach (als Systemgrenze) 1
Oberste Geschossdecke (Dachraum nicht ausgebaut) 0,8
Abseitenwand (Drempelwand) 0,8
Wände und Decken zu unbeheizten Räumen 0,5
Unterer Gebäudeabschluss:
– Kellerdecke/-wände zu unbeheiztem Keller
0,6
– Fußboden auf Erdreich
– Flächen des beheizten Kellers gegen Erdreich

2/66 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 2 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
An h a ng 2
Anforderungen an zu errichtende Gebäude mit niedrigen Innentemperaturen (zu § 4)

1. Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezo-


g e n e n Tr a n s m i s s i o n s w ä r m e v e r l u s t s

Tabelle 1
Höchstwerte in Abhängigkeit vom Verhältnis A/Ve
A/Ve 1) Höchstwerte HT′
in m –1 in W/(m 2 · K) 2)
 0,20 1,03
0,30 0,86
0,40 0,78
0,50 0,73
0,60 0,70
0,70 0,67
0,80 0,66
0,90 0,64
 1,00 0,63

1) Die A/Ve-Werte sind nach Anhang 1 Nr. 1.3 zu ermitteln.


2) Zwischenwerte sind nach folgender Gleichung zu ermitteln:
H T′ = 0,53 + 0,1 · Ve /A in W/(m2 · K)

2. Berechnung des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezo-


g e n e n Tr a n s m i s s i o n s w ä r m e v e r l u s t s H T′
Der spezifische, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogene Transmissionswärmeverlust H T′ ist aus
dem spezifischen Transmissionswärmeverlust H T zu bestimmen, der nach DIN EN 832 : 1998-12 in Verbindung mit
DIN V 4108-6 : 2000-11 zu berechnen ist. Bei der Berechnung von HT dürfen die Temperatur-Reduktionsfaktoren
nach DIN V 4108-6 : 2000-11 verwendet werden. Bei aneinander gereihten Gebäuden dürfen die Gebäudetrennwände
als wärmeundurchlässig angenommen werden.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/67


2 Energieeinsparverordnung Anhang 3 EnEV

Anhang 3
Anforderungen bei Änderung von Außenbauteilen bestehender Gebäude (zu § 8 Abs. 1)
und bei Errichtung von Gebäuden mit geringem Volumen (§ 7)

1. Außenwände
Soweit bei beheizten Räumen Außenwände
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) Bekleidungen in Form von Platten oder plattenartigen Bauteilen oder Verschalungen sowie Mauerwerks-Vorsatz-
schalen angebracht werden,
c) auf der Innenseite Bekleidungen oder Verschalungen aufgebracht werden,
d) Dämmschichten eingebaut werden,
e) bei einer bestehenden Wand mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten größer 0,9 W/(m 2 · K) der Außenputz er-
neuert wird oder
f) neue Ausfachungen in Fachwerkwände eingesetzt werden,
sind die jeweiligen Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten nach Tabelle 1 Zeile 1 einzuhalten. Bei einer
Kerndämmung von mehrschaligem Mauerwerk gemäß Buchstabe d gilt die Anforderung als erfüllt, wenn der
bestehende Hohlraum zwischen den Schalen vollständig mit Dämmstoff ausgefüllt wird.

2. F e n s t e r, F e n s t e r t ü r e n u n d D a c h f l ä c h e n f e n s t e r
Soweit bei beheizten Räumen außen liegende Fenster, Fenstertüren oder Dachflächenfenster in der Weise erneuert
werden, dass
a) das gesamte Bauteil ersetzt oder erstmalig eingebaut wird,
b) zusätzliche Vor- oder Innenfenster eingebaut werden oder
c) die Verglasung ersetzt wird,
sind die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 2 einzuhalten. Satz 1 gilt nicht für Schaufenster und Türanlagen aus Glas.
Bei Maßnahmen gemäß Buchstabe c gilt Satz 1 nicht, wenn der vorhandene Rahmen zur Aufnahme der vor-
geschriebenen Verglasung ungeeignet ist. Werden Maßnahmen nach Buchstabe c an Kasten- oder Verbundfenstern
durchgeführt, so gelten die Anforderungen als erfüllt, wenn eine Glastafel mit einer infrarot-reflektierenden Beschich-
tung mit einer Emissivität ε n  0,20 eingebaut wird. Werden bei Maßnahmen nach Satz 1
1. Schallschutzverglasungen mit einem bewerteten Schalldämmmaß der Verglasung von R w, R  40 dB nach DIN EN
ISO 717-1 : 1997-01 oder einer vergleichbaren Anforderung oder
2. Isolierglas-Sonderaufbauten zur Durchschusshemmung, Durchbruchhemmung oder Sprengwirkungshemmung
nach den Regeln der Technik oder
3. Isolierglas-Sonderaufbauten als Brandschutzglas mit einer Einzelelementdicke von mindestens 18 mm nach DIN
4102-13 : 1990-05 oder einer vergleichbaren Anforderung
verwendet, sind abweichend von Satz 1 die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 3 einzuhalten.

2/68 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 3 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
3. Außentüren
Bei der Erneuerung von Außentüren dürfen nur Außentüren eingebaut werden, deren Türfläche einen Wärme-
durchgangskoeffizienten von 2,9 W/(m 2 · K) nicht überschreitet. Nr. 2 Satz 2 bleibt unberührt.

4. Decken, Dächer und Dachschrägen

4.1 Steildächer
Soweit bei Steildächern Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen sowie Decken und Wände (einschließlich
Dachschrägen), die beheizte Räume nach oben gegen die Außenluft abgrenzen,
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) die Dachhaut bzw. außenseitige Bekleidungen oder Verschalungen ersetzt oder neu aufgebaut werden,
c) innenseitige Bekleidungen oder Verschalungen aufgebracht oder erneuert werden,
d) Dämmschichten eingebaut werden,
e) zusätzliche Bekleidungen oder Dämmschichten an Wänden zum unbeheizten Dachraum eingebaut werden,
sind für die betroffenen Bauteile die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 4 a einzuhalten. Wird bei Maßnahmen nach
Buchstabe b oder d der Wärmeschutz als Zwischensparrendämmung ausgeführt und ist die Dämmschichtdicke
wegen einer innenseitigen Bekleidung und der Sparrenhöhe begrenzt, so gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die
nach den Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird.

4.2 Flachdächer
Soweit bei beheizten Räumen Flachdächer
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) die Dachhaut bzw. außenseitige Bekleidungen oder Verschalungen ersetzt oder neu aufgebaut werden,
c) innenseitige Bekleidungen oder Verschalungen aufgebracht oder erneuert werden,
d) Dämmschichten eingebaut werden,
sind die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 4 b einzuhalten. Werden bei der Flachdacherneuerung Gefälledächer
durch die keilförmige Anordnung einer Dämmschicht aufgebaut, so ist der Wärmedurchgangskoeffizient nach DIN
EN ISO 6946 : 1996-11, Anhang C zu ermitteln. Der Bemessungswert des Wärmedurchgangswiderstandes am
tiefsten Punkt der neuen Dämmschicht muss den Mindestwärmeschutz nach § 6 Abs. 1 gewährleisten.

5. Wände und Decken gegen unbeheizte Räume und gegen Erdreich


Soweit bei beheizten Räumen Decken und Wände, die an unbeheizte Räume oder an Erdreich grenzen,
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) außenseitige Bekleidungen oder Verschalungen, Feuchtigkeitssperren oder Drainagen angebracht oder erneuert,

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/69


2 Energieeinsparverordnung Anhang 3 EnEV

c) innenseitige Bekleidungen oder Verschalungen an Wände angebracht,


d) Fußbodenaufbauten auf der beheizten Seite aufgebaut oder erneuert,
e) Deckenbekleidungen auf der Kaltseite angebracht oder
f) Dämmschichten eingebaut werden,
sind die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 5 einzuhalten. Die Anforderungen nach Buchstabe d gelten als erfüllt,
wenn ein Fußbodenaufbau mit der ohne Anpassung der Türhöhen höchstmöglichen Dämmschichtdicke (bei einem
Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,04 W/(m · K) ausgeführt wird.

6. Vo r h a n g f a s s a d e n
Soweit bei beheizten Räumen Vorhangfassaden in der Weise erneuert werden, dass
a) das gesamte Bauteil ersetzt oder erstmalig eingebaut wird,
b) die Füllung (Verglasung oder Paneele) ersetzt wird,
sind die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 2 c einzuhalten. Werden bei Maßnahmen nach Satz 1 Sonderverglasun-
gen entsprechend Nr. 2 Satz 2 verwendet, sind abweichend von Satz 1 die Anforderungen nach Tabelle 1 Zeile 3 c
einzuhalten.

2/70 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 3 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
7. Anforderungen
Tabelle 1

Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten


bei erstmaligem Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen

Gebäude nach Gebäude nach


§ 1 Abs. 1 Nr. 1 § 1 Abs. 1 Nr. 2
Zeile Bauteil Maßnahme nach
maximaler Wärmedurchgangskoeffizient Umax1)
in W/(m 2 · K)
1 2 3 4
1a allgemein 0,45 0,75
Außenwände
1b Nr. 1 b, d und e 0,35 0,75
2a Außen liegende Fenster,
Fenstertüren, Nr. 2 a und b 1,7 2) 2,82)
Dachflächenfenster
1b Verglasungen Nr. 2 c 1,5 3) keine Anforderung
1c Vorhangfassaden allgemein 1,9 4) 3,04)
3a Außen liegende Fenster,
Fenstertüren,
Nr. 2 a und b 2,0 2) 2,82)
Dachflächenfenster
mit Sonderverglasungen
1b Sonderverglasungen Nr. 2 c 1,6 3) keine Anforderung
1c Vorhangfassaden mit Nr. 6 Satz 2 2,3 4) 3,04)
Sonderverglasungen
4a Decken, Dächer und Nr. 4.1 0,30 0,40
Dachschrägen
1b Dächer Nr. 4.2 0,25 0,40

5a Decken und Wände Nr. 5 b und e 0,40 keine Anforderung


gegen unbeheizte Räume
1b oder Erdreich Nr. 5 a, c, d und f 0,50 keine Anforderung

1) Wärmedurchgangskoeffizient des Bauteils unter Berücksichtigung der neuen und der vorhandenen Bauteilschichten; für die
Berechnung opaker Bauteile ist DIN EN ISO 6946 : 1996-11 zu verwenden.
2)
Wärmedurchgangskoeffizient des Fensters; er ist technischen Produkt-Spezifikationen zu entnehmen oder nach DIN EN ISO
10077-1 : 2000-11 zu ermitteln.
3)
Wärmedurchgangskoeffizient der Verglasung; er ist technischen Produkt-Spezifikationen zu entnehmen oder nach DIN EN
673 : 2001-1 zu ermitteln.
4) Wärmedurchgangskoeffizient der Vorhangfassade; er ist nach anerkannten Regeln der Technik zu ermitteln.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/71


2 Energieeinsparverordnung Anhang 4 EnEV

Anhang 4
Anforderungen an die Dichtheit und den Mindestluftwechsel (zu § 5)

1. A n f o r d e r u n g e n a n a u ß e n l i e g e n d e F e n s t e r, F e n s t e r t ü r e n u n d D a c h f l ä c h e n f e n s t e r
Außen liegende Fenster, Fenstertüren und Dachflächenfenster müssen den Klassen nach Tabelle 1 entsprechen.

Tabelle 1
Klassen der Fugendurchlässigkeit von
außen liegenden Fenstern, Fenstertüren und Dachflächenfenstern

Klasse der Fugendurchlässigkeit


Zeile Anzahl der Vollgeschosse des Gebäudes
nach DIN EN 12 207-1 : 2000-06
1 bis zu 2 2
2 mehr als 2 3

2. Nachweis der Dichtheit des gesamten Gebäudes


Wird eine Überprüfung der Anforderungen nach § 5 Abs. 1 durchgeführt, so darf der nach DIN EN 13 829 : 2001-02
bei einer Druckdifferenz zwischen Innen und Außen von 50 Pa gemessene Volumenstrom – bezogen auf das beheizte
Luftvolumen – bei Gebäuden
– ohne raumlufttechnische Anlagen 3 h –1 und
– mit raumlufttechnischen Anlagen 1,5 h –1
nicht überschreiten.

3. Anforderungen an Lüftungseinrichtungen
Lüftungseinrichtungen in der Gebäudehülle müssen einstellbar und leicht regulierbar sein. Im geschlossenen Zustand
müssen sie der Tabelle 1 genügen. Soweit in anderen Rechtsvorschriften Anforderungen an die Lüftung gestellt
werden, bleiben diese Vorschriften unberührt. Satz 1 ist nicht anzuwenden, wenn als Lüftungseinrichtungen selbst-
tätig regelnde Außenluftdurchlässe unter Verwendung einer geeigneten Führungsgröße eingesetzt werden.

2/72 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


2 Energieeinsparverordnung Anhang 5 EnEV

nung – EnEV
sparverord-
Energieein-
Anhang 5
Anforderungen zur Begrenzung der Wärmeabgabe von
Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen (zu § 12 Abs. 5)

1. Die Wärmeabgabe von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen ist durch Wärmedämmung
nach Maßgabe der Tabelle 1 zu begrenzen.

Tabelle 1
Wärmedämmung von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen

Mindestdicke der Dämmschicht,


Zeile Art der Leitungen/Armaturen bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit
von 0,035 W/(m · K)
1 Innendurchmesser bis 22 mm 20 mm
2 Innendurchmesser über 22 mm bis 35 mm 30 mm
3 Innendurchmesser über 35 mm bis 100 mm gleicher Innendurchmesser
4 Innendurchmesser über 100 mm 100 mm
Leitungen und Armaturen nach den Zeilen 1 bis 4 in ½ der Anforderungen der Zeilen 1 bis 4
Wand- und Deckendurchbrüchen, im Kreuzungsbereich
5
von Leitungen, an Leitungsverbindungsstellen, bei
zentralen Leitungsnetzverteilern
Leitungen von Zentralheizungen nach den Zeilen 1 bis 4, ½ der Anforderungen der Zeilen 1 bis 4
die nach Inkrafttreten dieser Verordnung in Bauteilen
6
zwischen beheizten Räumen verschiedener Nutzer verlegt
werden
7 Leitungen nach Zeile 6 im Fußbodenaufbau 6 mm

Soweit sich Leitungen von Zentralheizungen nach den Zeilen 1 bis 4 in beheizten Räumen oder in Bauteilen zwischen
beheizten Räumen eines Nutzers befinden und ihre Wärmeabgabe durch freiliegende Absperreinrichtungen be-
einflusst werden kann, werden keine Anforderungen an die Mindestdicke der Dämmschicht gestellt. Dies gilt auch für
Warmwasserleitungen in Wohnungen bis zum Innendurchmesser 22 mm, die weder in den Zirkulationskreislauf
einbezogen noch mit elektrischer Begleitheizung ausgestattet sind.
2. Bei Materialien mit anderen Wärmeleitfähigkeiten als 0,035 W/(m · K) sind die Mindestdicken der Dämmschichten
entsprechend umzurechnen. Für die Umrechnung und die Wärmeleitfähigkeit des Dämmmaterials sind die in Regeln
der Technik enthaltenen Rechenverfahren und Rechenwerte zu verwenden.
3. Bei Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen dürfen die Mindestdicken der Dämmschichten nach Tabelle 1 in-
soweit vermindert werden, als eine gleichwertige Begrenzung der Wärmeabgabe auch bei anderen Rohrdämmstoff-
anordnungen und unter Berücksichtigung der Dämmwirkung der Leitungswände sichergestellt ist.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 2/73


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3 Wärmedämmstoffe Inhaltsübersicht

WÄRMEDÄMMSTOFFE

Wärmedämm-
1 Einführung S. 3/2

stoffe
2 Definition S. 3/2
3 Kennzeichnung und Eigenschaften S. 3/2
3.1 Wärmeleitfähigkeit
3.2 Anwendungstyp
3.3 Baustoffklasse
4 Rohstoffe S. 3/4
4.1 Übersicht
4.2 Ökologische Aspekte
5 Produkte S. 3/6
5.1 Herstellungs-/Lieferformen
5.2 Hinweise zu den Datenblättern von Wärme-
dämmstoffen mit bauaufsichtlicher Zulassung
5.3 Hinweise zu den Datenblättern von
Transparenten Wärmedämmungen TWD

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 3/1


3 Wärmedämmstoffe Kennzeichnung und Eigenschaften

WÄRMEDÄMMSTOFFE

1 Einführung 2 Definition
Um die in den vergangenen Jahren gestiegenen Anforde- Nach DIN 4108 „Wärmeschutz im Hochbau“, Kap. 21-2,
rungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle (Kap. 2) werden Materialien als Dämmstoffe bezeichnet, deren
zu erreichen, erhalten Konstruktionen mit einer zusätzli- Wärmeleitfähigkeit kleiner oder gleich 0,10 W/(mK) ist.
chen Wärmedämmschicht einen immer größeren Stellen-
wert im Bauwesen. Die besten am Markt vorhandenen Materialien weisen
eine Wärmeleitfähigkeit von 0,025 W/(mK) auf. Die meis-
Die Wärmedämmwirkung der hierzu verwendeten Dämm- ten im Bauwesen eingesetzten Dämmstoffe haben eine
stoffe beruht vor allem auf der geringen Wärmeleitfähig- Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/(mK) oder 0,035 W/(mK).
keit von Luft, die so in den Poren eines Grundstoffes
eingeschlossen ist, dass sie sich dort praktisch nicht
mehr bewegen kann. Deshalb ist es möglich, Wärme- 3 Kennzeichnung und Eigenschaften
dämmstoffe mit annähernd gleicher Wirksamkeit aus den
unterschiedlichsten Grundstoffen herzustellen. Dämmstoffe dürfen nur dann eingesetzt werden, wenn
sie bauaufsichtlich zugelassen sind. Hier gibt es für viele
Den größten Marktanteil bei den Dämmstoffen haben Dämmstofftypen Stoffnormen, die die Anforderungen an
Produkte aus Mineralfasern mit 57 % und Polystyrol- die Produkte festlegen. Gibt es keine Norm für ein Pro-
hartschaum mit 29 % (GDI-Statistik 2001). Durch das dukt, so muss dessen Eignung für eine bauaufsichtliche
gestiegene Umweltbewusstsein der Bevölkerung gewin- Zulassung beim Deutschen Institut für Bautechnik in
nen aber auch so genannte alternative oder ökologische Berlin nachgewiesen werden.
Produkte wie Zellulose und Schafwolle zunehmend
Marktanteile. Zur Sicherstellung dieser Eigenschaften wird eine Güte-
überwachung bei der Produktion vorgeschrieben.
Der gesamte Marktanteil dieser Produkte beträgt etwa
4 %. Dämmstoffe aus Zellulosefasern sind mit einem Die Hersteller sind verpflichtet, ihre Produkte durch die
Anteil von unter 1% am Gesamtdämmstoffmarkt Markt- folgenden Mindestangaben auf jeder Verpackungseinheit
führer der so genannten alternativen oder ökologischen zu kennzeichnen:
Produkte.
– Wärmeleitfähigkeit,
Nach der Durchführung diverser Demonstrationsvorha- – Anwendungstyp,
ben sind inzwischen auch transparente Wärmedämm-
stoffe zur Wärmedämmung von massiven Außenwänden – Baustoffklasse,
bzw. als transluzenter (durchscheinender) Ersatzstoff für
– Hersteller,
Verglasungen marktreif verfügbar. Neben der wärme-
dämmenden Wirkung von im Material eingeschlossenen – Güteüberwachungsstelle.
Luftporen oder vertikalen Luftschichten ermöglichen die
transparenten Wärmedämmstoffe auch die Nutzung der Wärmedämmstoffe ohne diese Mindestangaben und
Sonneneinstrahlung zur Reduzierung des Heizwärme- ohne bauaufsichtliche Zulassung dürfen im Bauwe-
bedarfs. sen nicht eingesetzt werden.

3/2 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


3 Wärmedämmstoffe Kennzeichnung und Eigenschaften

3.1 Wärmeleitfähigkeit fähigkeitsgruppen eingeteilt. Diese Wärmeleitfähig-


keitsgruppen (WLG) werden bei der Kennzeichnung des

Wärmedämm-
Die Wärmeleitfähigkeit λ von Wärmedämmstoffen ist im Materials auf dem Beipackzettel mit angegeben; „WLG

stoffe
Wesentlichen abhängig von 040“ bedeutet z. B., dass das Material eine Wärmeleit-
– der Wärmeleitfähigkeit des Grundstoffs, fähigkeit von 0,040 W/(mK) besitzt. Eine Übersicht der
Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit der häufigsten
– der Anzahl, Anordnung und Größe der Poren, Wärmedämmstoffe ist Bild 3-1 zu entnehmen.
– der Rohdichte,
– der Feuchtigkeit des Wärmedämmstoffs.
An- Kurz- Anwendungsbeispiele
wendungs- zeichen
Die Wärmeleitfähigkeit eines Wärmedämmstoffs variiert gebiet
in engen Grenzen in Abhängigkeit vom Hersteller, von Decke, DAD Außendämmung von Dach oder Decke,
der Produktionscharge und der Feuchtigkeit. Zur Verein- Dach Dämmung unter Deckungen
heitlichung wurden daher für jeden Wärmedämmstoff DAA Außendämmung von Dach oder Decke,
normierte Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit λ Dämmung unter Deckungen
eingeführt, die bei Berechnungen des Wärmeschutzes zu DUK Außendämmung des Daches,
verwenden sind. Entsprechend den in Stufen von 0,005 Umkehrdach
W/(mK) angegebenen Bemessungswerten der Wärme- DZ Zwischensparrendämmung, nicht
leitfähigkeit werden die Wärmedämmstoffe in Wärmeleit- begehbare oberste Geschossdecke
DI Innendämmung der Decke (unterseitig)
oder des Daches
0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 W/(mK) DEO Innendämmung der Decke unter Estrich
Dämmstoff
ohne Schallschutzanforderung
WLG 020 040 060
DES Innendämmung der Decke unter Estrich
Baumwolle mit Schallschutzanforderung
Blähton
Flachs Wand WAB Außendämmung hinter Bekleidung
Holzweichfaser WAA Außendämmung hinter Abdichtung
Holzwolle
Kalziumsilikat WAP Außendämmung unter Putz
Kork WZ Kerndämmung
Mineralfaser
WH Dämmung von Holzrahmen- und
Perlite
Polystyrol expandiert (EPS) Holztafelbauweise
Polystyrol extrudiert (XPS) WI Innendämmung
Polyurethan
WTH Dämmung zwischen Haustrennwänden
Schafwolle mit Schallschutzanforderung
Schaumglas
Vermikulit WTR Dämmung von Raumtrennwänden
Zellulosefaser Perimeter PW Außerhalb der Abdichtung liegende
Dämmung von Wänden gegen Erdreich
0,02 0,04 0,06 0,08 0,10 W/(mK)
PB Außerhalb der Abdichtung liegende
WLG 020 040 060 Dämmung unter der Bodenplatte gegen
Erdreich
3-1 Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit und
zugehörige Wärmeleitfähigkeitsgruppen von 3-2 Typ-Kurzzeichen zur Kennzeichnung der Anwendungs-
Wärmedämmstoffen gebiete von Wärmedämmungen

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 3/3


3 Wärmedämmstoffe Rohstoffe

3.2 Anwendungstyp In den Landesbauordnungen sind die Brandschutzanfor-


derungen für bauliche Anlagen festgelegt. Diese Anfor-
Die Anforderungen an den Wärmedämmstoff unterschei- derungen werden primär durch die Brennbarkeit der
den sich häufig nach seinem Einsatzgebiet. Bei der verwendeten Baustoffe bestimmt. Leichtentflammbare
Dämmung von geneigten Dächern zwischen den Sparren Baustoffe (Baustoffklasse B3), z. B. Papierzellulose,
werden beispielsweise keine Anforderungen an die dürfen im Bauwesen nur verwendet werden, wenn sie
Druckfestigkeit gestellt. Wird dagegen die Bodenplatte werkseitig in Verbindung mit anderen Baustoffen
gedämmt, wird das Material durch den Estrich und die mindestens zu normal entflammbaren Baustoffen (Bau-
spätere Nutzung druckbeansprucht. Es wurden daher stoffklasse B2) verarbeitet wurden.
Kurzzeichen für den Anwendungstyp („Typ-Kurzzei-
chen“) eingeführt, deren Bedeutung und Verwendung im
4 Rohstoffe
Bauwerk Bild 3-2 zu entnehmen sind.
4.1 Übersicht
Weiterhin dürfen in Bereichen lang anhaltender Feuchtig-
keitsbelastung (Perimeterdämmung Kap. 4-16.3, Um- Die am Markt erhältlichen Wärmedämmstoffe haben die
kehrdach, Kap. 6-5.3) nur für diesen Anwendungsfall unterschiedlichsten Zusammensetzungen. Es gibt nur
zugelassene Wärmedämmstoffe eingesetzt werden. wenige Produkte, die vollständig aus einem Rohstoff
hergestellt sind, wie zum Beispiel Perlite (Perlitgestein
aus erstarrter Lavamasse). Die meisten Materialien benö-
3.3 Baustoffklasse tigen zur Herstellung Zusätze wie Treibmittel oder
Flammschutzmittel. Die in Bild 3-4 wiedergegebene
In der DIN 4102 „Brandverhalten von Baustoffen und Untergliederung der Dämmstoffe nach Rohstoffbasis
Bauteilen“ werden die Baustoffe bezüglich ihrer Brenn- basiert daher nur auf dem primären Rohstoff des Wärme-
barkeit klassifiziert. Man unterscheidet nichtbrennbare dämmstoffs, der bis zu 30 % Zusätze aus anderen Roh-
Materialien der Baustoffklasse A und brennbare Materi- stoffgruppen beinhalten kann.
alien der Baustoffklasse B. Die weitere Differenzierung
Man unterscheidet anorganische und organische
dieser Baustoffklassen beinhaltet Bild 3-3.
Dämmstoffe, wobei diese sich noch einmal in syntheti-
sche und natürliche Rohstoffe unterteilen lassen.
Baustoffklasse Bedeutung Neben den in Bild 3-4 angegebenen Dämmstoffen gibt es
A1 Nichtbrennbare Baustoffe ohne brennbare noch eine Vielzahl weiterer Materialien, die aber keinen
Bestandteile relevanten Marktanteil haben und deshalb im Folgenden
auch nicht betrachtet werden. Weiterhin wurden keine
A2 Nichtbrennbare Baustoffe mit geringem Anteil Materialien aufgenommen, die in Deutschland keine Zu-
brennbarer Bestandteile
lassung des Instituts für Bautechnik in Berlin nachweisen
B1 Schwer entflammbare Baustoffe können.
B2 Normal entflammbare Baustoffe
4.2 Ökologische Aspekte
B3 Leicht entflammbare Baustoffe
Ökologie ist die Lehre von den Beziehungen des Men-
3-3 Baustoffklassen schen zu seiner Umwelt. Der Begriff „ökologischer Bau-

3/4 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


3 Wärmedämmstoffe Rohstoffe

stoff“ hingegen ist nicht definiert. Die Bewertung von – Zusammensetzung der Grundstoffe,
Wärmedämmstoffen muss deshalb anhand von einzelnen
– Gesundheitliche Kriterien,

Wärmedämm-
Kriterien vorgenommen werden, wobei ökologische

stoffe
Kriterien mitberücksichtigt werden sollten: – Verfügbarkeit der Grundstoffe (Ressourcenschonung),

– Wärmedämmwirkung, – Wiederverwertbarkeit (Recycling),


– Energieaufwand bei der Herstellung,
– Bauphysikalische Eigenschaften,
– Energieaufwand für den Transport zum Hersteller und
– Verarbeitbarkeit, Verarbeiter,
– Haltbarkeit (Lebensdauer), – Wirtschaftlichkeit.

DÄMMSTOFFE

anorganisch organisch

synthetische Rohstoffe natürliche Rohstoffe synthetische Rohstoffe natürliche Rohstoffe

Kalziumsilikat Blähton Polystyrol, expandiert (EPS) Baumwolle

Mineralfaser Perlite Polystyrol, extrudiert (XPS) Flachs

Schaumglas Vermikulit Polyurethan (PUR) Holzweichfaser

Holzwolle

Kork

Schafwolle

3-4 Untergliederung der Wärmedämmstoffe nach Rohstoffbasis Zellulosefaser

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 3/5


3 Wärmedämmstoffe Produkte

Es gibt keine Regelwerke, welche die ökologische Starre Platten eignen sich zur Dämmung von Wänden
Qualität eines Wärmedämmstoffs beschreiben und sowie als Wärmedämmung unter druckbelasteten
festlegen. Die Bewertung der Wichtigkeit einzelner An- Decken oder Trittschalldämmung unter Estrichen. Die
forderungen und die Gesamtbewertung bleibt daher weicheren Matten werden bei der Zwischensparren-
jedem Anwender überlassen. dämmung im geneigten Dach und bei der Schall- und
Wärmedämmung von leichten Wand- und Deckenkons-
Vergleicht man den energetischen Aufwand (Primärener- truktionen verwendet. Dünne Filze eignen sich zur Redu-
gieaufwand) für Herstellung, Transport und Einbau zierung des Trittschalls unter Trockenestrichen und zur
verschiedener Dämmstoffe mit der durch den Einsatz er- wärme- und schalltechnischen Trennung von Bauteilen.
zielbaren Heizenergieeinsparung, so amortisiert sich aus
energetischer Sicht jeder Dämmstoff in spätestens zwei
Jahren. Es ist daher – unabhängig vom Material – 5.2 Hinweise zu den Datenblättern von Wärme-
ökologisch immer sinnvoll, das Gebäude gut wärme- dämmstoffen mit bauaufsichtlicher Zulassung
zudämmen.
Nachfolgend werden auf 16 Datenblättern die gebräuch-
lichsten Wärmedämmstoffe in alphabetischer Reihen-
5 Produkte folge dargestellt. Ein zusätzliches Datenblatt behandelt
das Vakuumisolationspaneel. Im Textteil werden u. a. die
Herstellung, die Zusammensetzung und spezielle Ver-
5.1 Herstellungs-/Lieferformen arbeitungshinweise beschrieben.

Wärmedämmstoffe werden im Hochbau als loses Mate- Es folgen die bauphysikalischen Kennwerte. Dieses sind
rial in Form von Granulat, Flocken oder Wolle und in – die Wärmeleitfähigkeit λ,
zusammenhängenden Flächen als Platten, Matten und
Filze angeboten. Die Form des Materials bestimmt neben – die Baustoffklasse,
dem bauphysikalischen Verhalten bezüglich Druck, – die Rohdichte,
Feuchtigkeitsresistenz, Wärmedämmwirkung u. a. die
Einsatzmöglichkeiten des Wärmedämmstoffs im Hoch- – die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl µ,
bau. – die angebotenen Materialdicken bei Platten und Mat-
ten.
Schüttungen der meist mineralischen Granulate werden
zur Wärmedämmung von Flachdächern und Holzbalken- Bei dem angegebenen Materialpreis für 10 cm Dämm-
decken sowie zur Kerndämmung von Außenwänden ver- schichtdicke handelt es sich um einen Richtpreis inklusi-
wendet. In Form von Flocken wird Zellulose auf der Bau- ve Mehrwertsteuer. Mittels dieses Richtpreises können
stelle angeliefert und zwischen zwei dichten Schalen grobe Kalkulationen vorgenommen werden. Vor einer
eingeblasen. Gut geeignet ist die Einblasdämmung für Bauausführung sollten jedoch immer konkrete Angebote
die Dämmung von geneigten Dächern zwischen den eingeholt werden, da die Preise regional und in Abhängig-
Sparren und in Holzbalkendecken. keit vom Hersteller, Lieferanten und von der Bezugsmen-
ge stark schwanken. Die angegebenen mittleren Richt-
Dämmstoffwolle wird insbesondere zum Ausstopfen preise für eine Wärmedämmschicht mit einem Wärme-
von Hohlräumen – z. B. zwischen Fensterrahmen und durchgangskoeffizienten U von 0,4 W/(m2K) ermöglichen
Mauerwerk – verwendet. den Kostenvergleich der verschiedenen Dämmstoffe

3/6 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


3 Wärmedämmstoffe Produkte

untereinander bei identischer Wärmedämmwirkung 5.3 Hinweise zu den Datenblättern von


(Materialpreise ohne zusätzliche Verbundschichten). Transparenten Wärmedämmungen TWD

Wärmedämm-
stoffe
Bei den Dämmstoffdicken für unterschiedliche Wärme- Neben der Vielzahl opaker Wärmedämmstoffe gibt es
durchgangskoeffizienten U handelt es sich um Werte für auch transparente Wärmedämmstoffe. Die einfachsten
den reinen Dämmstoff zuzüglich der inneren und äußeren TWD-Materialien sind mehrschichtige transparente
Wärmeübergangswiderstände einer nicht hinterlüfteten Stegplatten. Effizienter bezüglich des energetischen
Außenwand bzw. eines nicht hinterlüfteten Dachs. Bei der Nutzens sind Platten in Kapillarstruktur aus verschie-
Berechnung des Wärmeschutzes etwa von Wand- oder denen Materialien (Polymethylmethacrylat – PMMA,
Dachkonstruktionen ist zusätzlich zu berücksichtigen, Polycarbonat – PC, Glas). Die wichtigsten Kennwerte
dass sich durch statisch notwendige Grundkonstruktio- werden im Anschluss an die Datenblätter der opaken
nen in der Dämmebene – wie z. B. Dachsparren in einem Dämmstoffe wiedergegeben. Konstruktive Details zur
Dach mit Zwischensparrendämmung – eine Verringerung Anwendung dieser Materialien sind in Kap. 4-18 darge-
des Wärmeschutzes ergeben kann, während die Anbrin- stellt.
gung weiterer Bauteilschichten (z. B. Verkleidungen) eine
leichte Erhöhung des Wärmeschutzes bewirkt. Aus den Neben den Stegplatten und den TWD-Kapillarplatten gibt
Dämmstoffdicken für verschiedene U-Werte lassen sich es noch TWD-Wabenstrukturen und TWD-Material auf
die notwendigen Konstruktionsdicken der Bauteile bei der Basis von Aerogelen. Bei Letzterem handelt es sich
vorgegebener Wärmedämmwirkung abschätzen. um eine mikroporöse Silikatstruktur, in der ca. 90 % Luft
unbeweglich eingeschlossen ist. Dieses Material wurde
Wird der Wärmedämmstoff in unterschiedlichen Wärme- bisher jedoch lediglich für einige Forschungsvorhaben
leitfähigkeitsgruppen angeboten, so ist die Wärmeleit- produziert. Es wird derzeit am Markt nicht angeboten.
fähigkeit mit dem größten Marktanteil im Fettdruck
dargestellt. Auf das Material dieser Wärmeleitfähigkeit Die Datenblätter Transparente Wärmedämmung enthal-
beziehen sich dann Richtpreise und angegebene Dämm- ten abweichend von den anderen Datenblättern als
stoffdicken für verschiedene Wärmedurchgangskoeffizi- Kennwert zur Beschreibung der passiven Solarenergie-
enten U. nutzung den Gesamtenergiedurchlassgrad g, der in
Kap. 5-3.2 und 5-6.2 näher beschrieben wird.
Nachfolgend werden stichpunktartig die wichtigsten An-
wendungsbereiche des jeweiligen Wärmedämmstoffs
aufgelistet. In zwei Piktogrammen wird dargestellt, bei
welchen Bauteilen im Massiv- bzw. Holzbau der betref-
fende Wärmedämmstoff eingesetzt werden kann. Es wird
in dieser Darstellung nicht unterschieden, in welcher
Ebene des Bauteils der Wärmedämmstoff liegt. Ist z. B.
die Dachschräge fett hervorgehoben, so ist aus der Dar-
stellung nicht ablesbar, ob das Material zur Dämmung
unter, zwischen und bzw. oder auf den Sparren verwen-
det werden kann.

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3 Wärmedämmstoffe Baumwolle

Baumwolle Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 oder B2
Als Grundstoff von Baumwollmatten, -filzen oder als
loses Material wird natürliche Baumwolle verwendet. Rohdichte: 20 bis 60 kg/m3
Durch Borsalz als Zusatzstoff wird erreicht, dass Baum-
Wasserdampfdiffusions-
wolle als schwer entflammbares Material im Bauwesen
widerstandszahl µ: 1 bis 2
eingesetzt werden kann. Es gibt bisher keine Anhalts-
punkte dafür, dass der Einsatz von Pestiziden beim An- Materialdicke: 5 bis 18 cm
bau zu einer späteren Belastung der Raumluft durch den Materialpreis für 10 cm: ca. 15,– €/m2 (Platten)
eingebauten Dämmstoff führen könnte. Trotzdem sollte
der Hersteller durch ein entsprechendes Prüfzertifikat Materialpreis für
bestätigen können, dass sein Produkt frei von Pestizid- U = 0,4 W/(m2K): ca. 15,– €/m2 (Platten)
rückständen ist.
Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 8 cm
Dämmmaterialien aus Baumwolle haben eine gute Wär-
medämmwirkung und sind der Wärmeleitfähigkeitsgrup- bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 10 cm
pe WLG 040 zugeordnet. durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 13 cm
U von 0,2 W/(m2K): 20 cm
Bei einem Zusatz von etwa 2 % Borat als Flamm-
schutzmittel ist der Dämmstoff in die Baustoffklasse B2
Anwendungsbereiche
einzuordnen. Es wird aber auch Material mit einem höhe-
ren Anteil von Boraten (4–5 %) angeboten, das der Bau-
Außenwand: zwischen den Holzständern
stoffklasse B1 entspricht.
Dach: geneigtes Dach zwischen den
Dämmmatten werden sowohl in geneigten Dächern als Sparren; leichtes Flachdach
auch zur Innendämmung eingesetzt. Im konstruktiven zwischen den Balken
Holzbau können Baumwollmatten bei bauphysikalisch
Massivdecke: Trittschalldämmung
richtigem Schichtaufbau zur Dämmung von Wänden und
Decken verwendet werden. Perimeterdämmung: –

Als Alternative zur Dämmung mit Matten kann auch mit Trennwand/-decke zwischen den Ständern bzw.
loser Einblaswolle zwischen den Dachsparren bzw. in- (Leichtbau): Balken
nerhalb anderer tragender Holzkonstruktionen und deren
Beplankung gedämmt werden.

Außerdem werden Dämmfilze aus Baumwolle mit einer


Dicke von 2 bis 20 mm von den Herstellern als Trittschall-
dämmung angeboten. Aufgrund der relativ großen dyna-
mischen Steifigkeit des Materials ist im Einzelfall zu
überprüfen, ob die gesetzlichen Anforderungen an die
Trittschalldämmung eingehalten werden. Massive Bauteile Holzkonstruktionen

3/8 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


3 Wärmedämmstoffe Blähton

Blähton Wärmeleitfähigkeit λ: 0,10–0,16 W/(mK)


Baustoffklasse: A1 (nicht brennbar)

Wärmedämm-
Schüttungen aus Blähton bestehen aus expandiertem
> 550 kg/m3

stoffe
Ton, der aus einem Gemisch unterschiedlicher Mineralien Rohdichte:
zusammengesetzt ist. Wasserdampfdiffusions-
widerstandszahl µ: 3
Blähton hat mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,10 W/(mK)
für einen Wärmedämmstoff eine vergleichsweise schlech- Materialdicke: –
te Wärmedämmwirkung. Materialpreis für 10 cm: ca. 10,– €/m2
Als Wärmedämmung unter Nassestrichen bzw. zwischen Materialpreis für
den Balken von Holzbalkendecken hat sich das Material U = 0,4 W/(m 2K): ca. 25,– €/m2
seit Jahrzehnten bewährt.
Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 19 cm
Das Material entspricht aufgrund seiner vollständig mi-
neralischen Zusammensetzung der Baustoffklasse A1. bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 24 cm
durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 32 cm
Bei einer Rohdichte von 550 bis 1500 kg/m3 ergibt sich U von 0,2 W/(m 2K): 49 cm
für Blähton-Schüttungen eine Schüttdichte von 300 bis
800 kg/m 3. Anwendungsbereiche

Außenwand: –
Dach: nicht belüftetes Flachdach
Massivdecke: unter Estrich
Perimeterdämmung: –
Trennwand/-decke zwischen Balken von
(Leichtbau): Holzdecken

Massive Bauteile Holzkonstruktionen

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3 Wärmedämmstoffe Flachs

Flachs Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04 W/(mK)


Baustoffklasse: B2 (normal entflammbar)
Der Markt bietet Matten und Platten an, deren Grund-
stoff die Kurzfasern von Flachspflanzen sind. Durch Rohdichte: 20 bis 160 kg/m3
Zugabe von Borverbindungen, Wasserglas und Ammoni- Wasserdampfdiffusions-
umphosphat werden bezüglich Brandschutz und Ver- widerstandszahl µ: 1 bis 2
rottungsresistenz Kennwerte erreicht, die eine bauauf-
sichtliche Zulassung ermöglichen. Damit das Material in Materialdicke: 3 bis 16 cm
Matten oder Platten verfestigt werden kann, werden bis Materialpreis für 10 cm: ca. 20,– €/m2
zu einem Anteil von etwa 5 bis 7 % Polyesterfasern als
Materialpreis für
„Stützfasern“ eingearbeitet.
U = 0,4 W/(m2K): ca. 20,– €/m2
Das Material hat gute wärmedämmende Eigenschaften
und ist der Wärmeleitfähigkeitsgruppe WLG 040 zuge- Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 8 cm
ordnet. bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 10 cm
Durch die Zugabe von Flammschutzmitteln wird die Bau- durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 13 cm
stoffklasse B2 erreicht. U von 0,2 W/(m2K): 20 cm

Einsatzmöglichkeiten sind die Dämmung geneigter Anwendungsbereiche


Dächer, die Außendämmung bei hinterlüfteter Vorsatz-
schale und die Dämmung von Trennwänden und Decken Außenwand: hinterlüftete Außendämmung;
im Holzbau. zwischen den Holzständern
Dach: geneigtes Dach über, unter
Es werden auch Dämmfilze zur Trittschalldämmung
und zwischen den Sparren
angeboten, wobei im Einzelfall zu überprüfen ist, ob der
damit unterlegte schwimmende Estrich den gesetzlichen Massivdecke: –
Anforderungen an den Trittschallschutz genügt. Perimeterdämmung: –
Trennwand/-decke zwischen den Holzständern
(Leichtbau): bzw. Holzbalken

Massive Bauteile Holzkonstruktionen

3/10 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


3 Wärmedämmstoffe Holzweichfaser

Holzweichfaser Wärmeleitfähigkeit λ: 0,035–0,045–0,07 W/(mK)


Baustoffklasse: B2 (normal entflammbar)

Wärmedämm-
Als Rohstoff wird Restholz aus Sägewerken verwendet.

stoffe
Es wird zu Hackschnitzeln zerkleinert und anschließend Rohdichte: 110 bis 450 kg/m 3
zerfasert. Unter Zugabe von Wasser wird ein Faserbrei Wasserdampfdiffusions-
hergestellt, aus dem durch Pressung und Trocknung widerstandszahl µ: 5 bis 10
Platten hergestellt werden. Eine Verbindung der einzel-
Materialdicke: 2 bis 8 cm
nen Fasern untereinander erfolgt ausschließlich durch
holzeigene Harze. Materialpreis für 10 cm: ca. 25,– €/m2
Materialpreis für
Je nach Hersteller und Rohdichte werden Wärmeleitfä- U = 0,4 W/(m 2K): ca. 30,– €/m2
higkeiten von 0,035 bis 0,07 W/(mK) erreicht. Abhängig
von der jeweiligen Wärmeleitfähigkeit hat der Dämmstoff
eine gute bis mäßige Wärmedämmwirkung. Für die meis- Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 9 cm
ten Anwendungsgebiete ist Material der Wärmeleitfähig- bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 11 cm
keitsgruppe WLG 045 am Markt erhältlich. durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 15 cm
U von 0,2 W/(m 2K): 22 cm
Der Dämmstoff erfüllt ohne weitere chemische Zusätze
die Anforderungen der Baustoffklasse B2. Anwendungsbereiche
Die Wärmedämmung von Wänden kann durch Innen- Außenwand: Innendämmung und hinter-
dämmung oder von außen – auch bei hinterlüfteten lüftete Außendämmung
Fassaden – mittels Holzweichfaserplatten verbessert
werden. Zur Dämmung von geneigten Dächern und Dach: geneigtes Dach über, unter
Flachdächern ist das Material ebenso verwendbar. und zwischen den Sparren;
Flachdach
Für Unterdächer und hinterlüftete Außenwände müssen Massivdecke: Trittschalldämmung unter
bituminierte Verbundplatten eingesetzt werden. Estrich
Auch alle Außen- und Innenbauteile im Holzbau können Perimeterdämmung: –
durch Holzweichfaserplatten wärme- und schalltech- Trennwand/-decke zwischen den Holzständern
nisch den gesetzlichen Vorschriften entsprechend (Leichtbau): bzw. Holzbalken
ausgeführt werden.

Durch die im Vergleich zu anderen Stoffen gleicher Wär-


meleitfähigkeitsgruppe relativ hohe Rohdichte und
große spezifische Wärmekapazität des Rohstoffs Holz
lässt sich auch der sommerliche Wärmeschutz bei
Leichtbauweise entscheidend verbessern.

Speziell modifizierte Platten mit einer dynamischen Stei-


figkeit von 30 bis 40 MN/m2 sind als Trittschall-Dämm-
platten für schwimmende Estriche erhältlich. Massive Bauteile Holzkonstruktionen

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3 Wärmedämmstoffe Holzwolle

Holzwolle Wärmeleitfähigkeit λ: 0,065–0,09 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 (schwer entflammbar)
Leichtbauplatten aus magnesit- oder zementgebundener
Holzwolle werden seit Jahrzehnten im Bauwesen ver- Rohdichte: 360 bis 460 kg/m3
wendet. Durch das mineralische Bindemittel wird dieser Wasserdampfdiffusions-
Dämmstoff schwer entflammbar, durch Zusatz von widerstandszahl µ: 2 bis 5
Bittersalz wird die Beständigkeit gegen Verrottung
erreicht. Materialdicke: 1,5 bis 10 cm
Materialpreis für 10 cm: ca. 25,– €/m2
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,065 bis 0,09 W/(mK)
weisen Holzwolle-Leichtbauplatten eine relativ Materialpreis für
schlechte Wärmedämmwirkung auf. Daher werden sie in U = 0,4 W/(m2K): ca. 60,– €/m2
den letzten Jahren zunehmend als Mehrschicht-Leicht-
bauplatten im Verbund mit Polystyrol-, Polyurethan- Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 17 cm
oder Mineralfaserplatten eingesetzt. bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 21 cm
Der Dämmstoff erfüllt aufgrund des verwendeten minera- durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 29 cm
lischen Bindemittels die Anforderungen der Baustoff- U von 0,2 W/(m2K): 44 cm
klasse B1; Mehrschicht-Leichtbauplatten mit Polystyrol
oder Polyurethan werden der Baustoffklasse B2 (normal Anwendungsbereiche
entflammbar) zugeordnet.
Außenwand: Wärmedämm-Verbundsystem
Anwendungsbereiche der Holzwolle-Leichtbauplatten
Dach: unter den Sparren
sind die Außenwanddämmung (Wärmedämm-Verbund-
system Kap. 4-11.4), die Dämmung von Wärme- Massivdecke: unter der Kellerdecke
brücken im Bereich von Betonstützen und -stürzen so- Perimeterdämmung: –
wie die Dämmung geneigter Dächer unter den Sparren.
Trennwand/-decke unter der Zwischendecke;
Aufgrund ihrer schalldämmenden und auch schallabsor- (Leichtbau): als Trennwandbeplankung
bierenden Eigenschaften werden Holzwolle-Leichtbau-
platten auch zur Herstellung biegeweicher Vorsatzscha-
len (z. B. zur Verbesserung der Luftschalldämmung
von Wänden) und abgehängter Akustikdecken (als
Rasterdecken in Büro- oder Versammlungsräumen) ein-
gesetzt.

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3 Wärmedämmstoffe Kalziumsilikat

Kalziumsilikat Wärmeleitfähigkeit λ: 0,05–0,06–0,07 W/(mK)


Baustoffklasse: A2 (nichtbrennbar)

Wärmedämm-
Wärmedämmplatten aus Kalziumsilikat sind steife mine-

stoffe
ralische Platten, deren Grundstoffe Kalk, Quarzsand Rohdichte: 200 bis 300 kg/m 3
und Wasser sind. Einige Anbieter geben Zellulose als
Wasserdampfdiffusions-
Zuschlagstoff hinzu.
widerstandszahl µ: 2 bis 6
3
Bei einer Trockenrohdichte von 200 bis 300 kg/m er- Materialdicke: 2 bis 10 cm
reichen sie mäßige Wärmeleitfähigkeiten von 0,05 bis
0,07 W/(mK). Materialpreis für 10 cm: ca. 80,– €/m2
Materialpreis für
Wegen der fast vollständig mineralischen Bestandteile U = 0,4 W/(m 2K): ca. 120,– €/m 2
entspricht der Dämmstoff der Baustoffklasse A2.

Aufgrund ihrer Materialstruktur von offenen Poren und Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 11 cm
Kapillaren haben die Platten ohne zusätzlichen Anstrich bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 14 cm
oder Beschichtung einen großen Wasseraufnahmekoeffi- durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 19 cm
zienten. Der unbehandelte und unbeschichtete Wärme-
U von 0,2 W/(m 2K): 29 cm
dämmstoff kann deshalb zeitweise auftretende Feuch-
tigkeit gut zwischenspeichern und trocknet nach
Abklingen der Feuchtigkeitsbelastung rasch wieder aus. Anwendungsbereiche
Die chemische Zusammensetzung des Materials verhin-
dert Schimmelpilzwachstum weitgehend. Außenwand: Innendämmung,
Wärmedämm-Verbundsystem
Kalziumsilikat-Platten werden insbesondere zur nach- Dach: –
träglichen Wärmedämmung von Mauerwerk raum-
seitig auf die Wände aufgebracht. Massivdecke: –
Perimeterdämmung: –
Trennwand/-decke –
(Leichtbau):

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3 Wärmedämmstoffe Kork

Kork Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04/0,045–0,06 W/(mK)


Baustoffklasse: B2 (normal entflammbar)
Kork in Form von Schüttungen oder gepressten Plat-
ten ist ein seit Jahrhunderten eingesetzter Wärmedämm- Rohdichte: 80 bis 500 kg/m3
stoff. Man unterscheidet Natur- oder Recyclingkork- Wasserdampfdiffusions-
schrot, expandiertes Korkschrot und Backkork. widerstandszahl µ: 5 bis 10
Materialdicke: 1 bis 20 cm
Bei Naturkorkschrot wird die geschälte Rinde von Kork-
eichen, die in südlichen Ländern wachsen, zermahlen. Materialpreis für 10 cm: ca. 20,– €/m2 (Platten)
Recyclingkorkschrot besteht aus zermahlenen Fla- Materialpreis für
schenkorken. Bei expandiertem Korkschrot wird der U = 0,4 W/(m2K): ca. 25,– €/m2 (Platten)
geschrotete Naturkork mit Wasserdampf auf ein Mehr-
faches seines Volumens ausgedehnt. Backkork wird als
Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 9 cm
Block im Druckbehälter hergestellt, indem überhitzter
Wasserdampf das Granulat bis auf das 10fache des Aus- bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 11 cm
gangsvolumens ausdehnt und die im Kork vorhandenen durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 15 cm
Naturharze das Granulat an der Oberfläche verbinden. U von 0,2 W/(m2K): 22 cm

Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,06 W/(mK) Anwendungsbereiche


weist er eine gute bis mäßige Wärmedämmwirkung auf.
Hat das Material eine bauaufsichtliche Zulassung erhal- Außenwand: Innen-, Kern-, Außendämmung;
ten, so wird es der Baustoffklasse B2 zugeordnet; der Wärmedämm-Verbundsystem
Zusatz von Flammschutzmitteln ist hierzu nicht nötig. Dach: geneigtes Dach zwischen,
unter und über den Sparren;
Im Massivbau werden Korkplatten zur Innen-, Kern- und Flachdach
Außendämmung von Außenwänden angeboten. Es sind
auch bauaufsichtlich zugelassene Wärmedämm-Ver- Massivdecke: Trittschalldämmung,
bundsysteme erhältlich. Aufgrund der Druckfestigkeit unter Estrich
können Korkdämmplatten auch zur Wärme- und Tritt- Perimeterdämmung: –
schalldämmung unter Estrichen verwandt werden. Trennwand/-decke als Schüttung zwischen den
(Leichtbau): Holzständern und Holzbalken
Im Holzbau ist die Dämmung mit Kork in Form von
Platten oder als Schüttung für alle Außenbauteile, die
nicht einer Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt sind,
möglich.

Auch Trennwände als Metall- oder Holzständerwände


können durch das Einstellen von Korkplatten mit einem
ausreichenden Schall- und Wärmeschutz versehen wer-
den.

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3 Wärmedämmstoffe Mineralfaser

Mineralfaser Wärmeleitfähigkeit λ: 0,035/0,04–0,07 W/(mK)


Baustoffklasse: A1 bzw. A2 (ohne Kaschierung)

Wärmedämm-
Platten, Matten, Einblas- oder Stopfwolle aus Mineral-

stoffe
fasern (Glas- oder Steinfasern) machen fast 60 % des Rohdichte: 8 bis 500 kg/m3
Dämmstoffumsatzes in Deutschland aus. Sie bestehen Wasserdampfdiffusions-
zu mehr als 90 % aus mineralischen Rohstoffen wie widerstandszahl µ: 1 bis 2
Sand, Kalkstein, Glas usw. Als Bindemittel und zur
Materialdicke: 3 bis 22 cm
Staubbindung werden Phenolformaldehydharz und
Mineralöl zugesetzt. Materialpreis für 10 cm: ca. 5,– bis 20,– €/m2
(schwere Platten)
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 bis 0,040 W/(mK)
Materialpreis für ca. 5,– bis 20,– €/m2
gehört das Material zu den gut wärmedämmenden Stof-
U = 0,4 W/(m 2K): (schwere Platten)
fen. Es wird auch Material mit einer höheren Dichte ange-
boten, das Wärmeleitfähigkeiten von bis zu 0,07 W/(mK)
besitzt und hauptsächlich zu Schalldämmzwecken Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 8 cm
eingesetzt wird. bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 10 cm
durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 13 cm
Mineralfaserdämmstoffe entsprechen wegen ihrer mine- U von 0,2 W/(m 2K): 20 cm
ralischen Grundsubstanz bezüglich des Brandverhaltens
der Baustoffklasse A1 oder A2.
Anwendungsbereiche
Die Platten und Matten werden für besondere Anwen-
Außenwand: Innen-, Kern-, Außendämmung;
dungsfälle auch mit verschiedenen Kaschierungen an-
Wärmedämm-Verbundsystem
geboten, die ihre Wärmeleitfähigkeit nicht beeinflussen.
Das Brandverhalten kann sich aber verändern, so dass Dach: geneigtes Dach über, unter
die kaschierten Mineralfaserprodukte teilweise dann der und zwischen den Sparren;
Baustoffklasse B1 oder B2 entsprechen. Flachdach
Massivdecke: Trittschalldämmung,
Frei von Krebsverdacht, z. B. aufgrund von Staubent- unter Estrich
wicklung bei der Verarbeitung, sind diejenigen Mineral-
faserprodukte, die einen Kanzerogenitätsindex (KI) von Perimeterdämmung: –
40 einhalten oder überschreiten. Trennwand/-decke zwischen den Holz- oder Me-
(Leichtbau): tallständern bzw. Holzbalken
Die Einsatzgebiete von Mineralfasern im Massivbau sind
vielfältig: Innen-, Kern- und Außendämmung von Außen-
wänden, als hinterlüftete Fassade sowie Wärmedämm-
Verbundsysteme; alle Arten der Dämmung geneigter und
flacher Dächer und als Wärme- oder Trittschalldämmung
unter schwimmenden Estrichen.

Im Holz- und Ständerwerksbau werden Mineralfaser-


produkte zur Schall- und Wärmedämmung aller Innen-
und Außenbauteile eingesetzt. Massive Bauteile Holzkonstruktionen

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3 Wärmedämmstoffe Perlite

Perlite Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04–0,05–0,07 W/(mK)


Baustoffklasse: A1 (ohne Zusätze)
Grundstoff der im Bauwesen eingesetzten Perlite ist Per-
litgestein als erstarrte Lavamasse. Das darin einge- Rohdichte: 80 bis 300 kg/m3
schlossene Wasser wird bei Temperaturen von über Wasserdampfdiffusions-
1000 °C zu Wasserdampf und bläht das gemahlene widerstandszahl µ: 3 bis 5
Rohperlit auf das 15- bis 20fache seines Volumens auf.
Materialdicke: –
Dieses Produkt kann ohne jegliche Zusätze z. B. als Materialpreis für 10 cm: ca. 15,– €/m2 (Schüttung)
Trockenschüttung in Holzbalkendecken verwendet Materialpreis für
werden. Für andere Anwendungsfälle (bei möglicher U = 0,4 W/(m2K): ca. 20,– €/m2 (Schüttung)
Feuchteeinwirkung) wird das Rohprodukt durch Hydro-
phobierung (Wasserabweisendmachung) oder Bituminie-
Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 10 cm
rung einsatzfähig.
bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 12 cm
Das Material weist mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 16 cm
bis 0,07 W/(mK) eine gute bis mäßige Wärmedämmwir- U von 0,2 W/(m2K): 25 cm
kung auf.
Anwendungsbereiche
Als mineralisches Produkt ohne Zusätze entspricht es
der Baustoffklasse A1, bei Zugabe von Bitumen o. Ä. der Außenwand: Kerndämmung
Baustoffklasse B2. Dach: Gefälledämmung im Flachdach
Perlite-Schüttungen werden im Massivbau zur Kerndäm- Massivdecke: Trittschalldämmung unter
mung von Außenwänden, als Gefälledämmung von Estrich
Flachdächern und unter schwimmenden Estrichen Perimeterdämmung: –
verwandt. Auch zur Dämmung von Holzbalkendecken
eignen sich Perlite-Schüttungen. Trennwand/-decke zwischen den Holzbalken
(Leichtbau):
Es werden auch Perlite-Dämmplatten angeboten, die
aus expandiertem Perlitgestein unter Zugabe von Kunst-
harzen oder Bitumen als Bindemittel gepresst werden.
Einige Hersteller mischen auch organische oder anorga-
nische Fasern bei.

Perlite-Dämmplatten werden zur Zwischensparrendäm-


mung im geneigten Dach oder bei der Flachdachdäm-
mung eingesetzt. Aufgrund der relativ hohen Druck-
festigkeit werden die Platten auch unter Estrichen zur Massive Bauteile Holzkonstruktionen
Bodendämmung verwendet.

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3 Wärmedämmstoffe Polystyrol, expandiert

Polystyrol, expandiert (EPS) Wärmeleitfähigkeit λ: 0,035/0,04 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 (schwer entflammbar)

Wärmedämm-
Expandiertes Polystyrol (EPS), als Rohprodukt der be-

stoffe
kannten weißen Dämmstoffplatten, entsteht durch die Rohdichte: 15 bis 30 kg/m3
Polymerisation von Styrol unter Hinzufügung geringer Wasserdampfdiffusions-
Mengen des Treibmittels Pentan. Durch Vorschäumen, widerstandszahl µ: 20 bis 100
Zwischenlagern und Ausschäumen entstehen aus dem
Materialdicke: 2 bis 20 cm
Rohmaterial Polystyrol-Hartschaumplatten. Die Platten
werden am Markt als block-, platten- oder bandge- Materialpreis für 10 cm: ca. 5,– €/m2
schäumtes Material auch unter dem Begriff Styropor Materialpreis für
angeboten. U = 0,4 W/(m 2K): ca. 5,– €/m2
Der Dämmstoff besitzt mit einer Wärmeleitfähigkeit von
0,035 bis 0,040 W/(mK) eine gute Wärmedämmwirkung. Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 8 cm
Polystyrol-Hartschaumplatten sind aufgrund ihrer Aus- bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 10 cm
rüstung mit Flammschutzmittel (in der Regel Brom- durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 13 cm
wasserstoff) als schwer entflammbares Material in die U von 0,2 W/(m 2K): 20 cm
Baustoffklasse B1 einzustufen.
Anwendungsbereiche
Um Schäden durch Nachschwinden zu vermeiden, soll-
te das Material vor der Verarbeitung ausreichend abgela- Außenwand: Innen-, Kern-, Außendämmung;
gert sein und es sollten Fugen eingeplant werden. Bau- Wärmedämm-Verbundsystem
physikalisch sind Platten mit umlaufendem Falz und bei
mehrlagigem Aufbau die Anordnung von versetzten Dach: geneigtes Dach über, unter
Fugen zu empfehlen. und zwischen den Sparren;
Flachdach
Die Platten eignen sich zur Innen-, Kern- und Außendäm- Massivdecke: Trittschalldämmung,
mung von Wänden. Auch alle Arten der Dämmung von unter Estrich
geneigten Dächern sowie belüftete und nicht belüftete
Flachdachdämmungen können mit EPS-Hartschaum- Perimeterdämmung: –
platten ausgeführt werden. Trennwand/-decke –
(Leichtbau):
Platten mit höherer Rohdichte sind auch ausreichend
druckfest, um für die Dämmung von Parkdecks einge-
setzt zu werden.

Durch die Elastifizierung der Platten mittels Be- und


Entlastung in mechanischen Pressen lassen sich auch
Platten geringer dynamischer Steifigkeit herstellen, die
zur Trittschalldämmung und Dämmung zwischen Gebäu-
detrennwänden verwandt werden können.

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3 Wärmedämmstoffe Polystyrol, extrudiert

Polystyrol, extrudiert (XPS) Wärmeleitfähigkeit λ: 0,03/0,035/0,04 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 (schwer entflammbar)
Geschmolzenes Polystyrol wird mit Kohlendioxid als
Treibmittel aufgeschäumt. Zum Teil werden auch noch Rohdichte: 25 bis 45 kg/m3
halogenisierte FCKW als Treibmittel eingesetzt. Der mit- Wasserdampfdiffusions-
tels Extrusionsverfahrens hergestellte Polystyrol-Extru- widerstandszahl µ: 80 bis 250
derschaum (XPS) besitzt eine durchgehend homogene
und vollkommen geschlossene Zellstruktur. Materialdicke: 2 bis 12 cm
Materialpreis für 10 cm: ca. 20,– €/m2
Dies bedeutet, dass das Material praktisch kein Wasser
aufnimmt, verrottungsfest ist und eine überdurch- Materialpreis für
schnittliche Druckfestigkeit aufweist. Verbunden sind U = 0,4 W/(m2K): ca. 20,– €/m2
diese Eigenschaften mit einer sehr guten bis guten Wär-
medämmwirkung von 0,030 bis 0,040 W/(mK). Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 7 cm
Durch Zusatz von Flammschutzmitteln (meist bromierte bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 9 cm
Kohlenwasserstoffe) wird die Baustoffklasse B1 erreicht. durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 12 cm
U von 0,2 W/(m2K): 17 cm
Das Material ist nicht UV-beständig und ist daher immer
mit einer geeigneten Abdeckung zu versehen. Anwendungsbereiche
Wärmedämmplatten aus Polystyrol-Extruderschaum eig-
Außenwand: Innen-, Kern-, Außendämmung;
nen sich aufgrund der Zellstruktur nicht nur für die Innen-,
Wärmedämm-Verbundsystem
Kern- und Außendämmung von Außenwänden, sondern
ermöglichen auch die Wärmedämmung der Kellerwände Dach: geneigtes Dach über oder
bzw. der Bodenplatte von außen (Perimeterdämmung). unter den Sparren; Flachdach,
Weiterhin wird das Material zur Aufsparrendämmung von auch als Umkehrdach
geneigten Dächern und zur Flachdachdämmung einge- Massivdecke: unter der Bodenplatte
setzt. Aufgrund der Feuchtigkeitsunempfindlichkeit und
Druckfestigkeit können diese Platten auch bei Umkehr- Perimeterdämmung: an Wand und Boden
dächern, d. h. bei Flachdächern mit der Wärmedämmung Trennwand/-decke –
über der Abdichtungsebene, verwendet werden. (Leichtbau):

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3 Wärmedämmstoffe Polyurethan

Polyurethan (PUR) Wärmeleitfähigkeit λ: 0,025/0,03/0,035 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 bzw. B2

Wärmedämm-
Dämmstoffe aus Polyurethan-Hartschaum werden mit

stoffe
Hilfe von Katalysatoren und Treibmittel (Pentan) aus dem Rohdichte: 30 bis 100 kg/m3
Rohstoff Erdöl hergestellt. Durch eine chemische Reak- Wasserdampfdiffusions-
tion mit großer Wärmeentwicklung geht die flüssige widerstandszahl µ: 30 bis 100
Grundsubstanz in Gasform über und man erhält nach
dem Abkühlen erstarrten Polyurethanschaum. Materialdicke: 1 bis 14 cm
Materialpreis für 10 cm: ca. 15,– €/m2
Der Schaum ist in der Regel geschlossenzellig. Er hat
duroplastischen Charakter und weist eine gute Bestän- Materialpreis für
digkeit gegen Chemikalien und Lösungsmittel auf. U = 0,4 W/(m 2K): ca. 10,– €/m2

Polyurethan-Hartschaum ist das Dämmmaterial mit der


Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 6 cm
niedrigsten Wärmeleitfähigkeit. Mit diffusionsdichten
Deckschichten gehört es zur Wärmeleitfähigkeitsgruppe bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 7 cm
WLG 025, ohne Deckschicht oder mit diffusionsoffenen durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 10 cm
Deckschichten zur WLG 030 bzw. WLG 035 und hat da- U von 0,2 W/(m 2K): 15 cm
mit eine sehr gute Wärmedämmwirkung.
Anwendungsbereiche
Polyurethan-Hartschäume lassen sich durch den Zusatz
von Flammschutzmitteln, die meist aus Phosphorsäure- Außenwand: Innen-, Kern-, Außendämmung;
estern bestehen, in den Baustoffklassen B1 und B2 her- Wärmedämm-Verbundsystem
stellen.
Dach: geneigtes Dach zwischen,
Das Material ist gegen Pilze und Mikroben beständig und unter und über den Sparren;
deshalb verrottungs- und fäulnisfest. Toxische Ausga- Flachdach
sungen sind nicht bekannt. Massivdecke: unter Estrich und Rohdecke
PUR-Dämmplatten werden im Bauwesen insbesondere Perimeterdämmung: –
dann eingesetzt, wenn bei möglichst geringen Material- Trennwand/-decke –
dicken ein hoher Wärmeschutz erreicht werden soll. (Leichtbau):
Das Material kann zur Innen-, Kern- und Außendämmung
von Außenwänden – evtl. mit Kaschierung oder im Ver-
bund mit Deckschichten – verwendet werden. Auch die
Dämmung geneigter Dächer unter, zwischen oder über
den Sparren sowie die Flachdachdämmung sind Einsatz-
möglichkeiten von PUR-Hartschaumplatten.

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3 Wärmedämmstoffe Schafwolle

Schafwolle Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04 W/(mK)


Baustoffklasse: B2 (normal entflammbar)
Schafschurwolle und zum geringen Teil auch Recycling-
wolle bilden den Grundstoff von Schafwolldämmstoffen. Rohdichte: 15 bis 60 kg/m3
Diesen werden teilweise Borate für den Flammschutz Wasserdampfdiffusions-
und chemische Mittel gegen den Schädlingsbefall zu- widerstandszahl µ: 1 bis 2
gesetzt. Um ein Auffasern der Matten zu verhindern,
werden von einigen Herstellern Stützfasern aus Polyester Materialdicke: 2 bis 22 cm
bei der Mattenherstellung mit eingewebt. Materialpreis für 10 cm: ca. 25,– €/m2
Da Schafe oft mit Insektiziden behandelt werden, können Materialpreis für
Rückstände davon auch in der Wolle enthalten sein. Der U = 0,4 W/(m2K): ca. 25,– €/m2
Hersteller sollte die Rückstandsfreiheit seiner Ware
garantieren können. Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 8 cm
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 W/(mK) handelt es bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 10 cm
sich um ein gut wärmedämmendes Material. durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 13 cm
U von 0,2 W/(m2K): 20 cm
Um die Baustoffklasse B2 zu erreichen, geben einige
Hersteller ihrem Produkt Borate als Flammschutzmittel Anwendungsbereiche
zu.
Außenwand: Innen- sowie hinterlüftete
Neben der Dämmung von geneigten Dächern, Trenn-
Außendämmung; zwischen
wänden, Zwischendecken und Fassaden eignet sich das
den Holzständern
Material auch zur Ausführung von Akustikdecken. Schaf-
wollplatten haben einen hohen Schallabsorptionsgrad Dach: geneigtes Dach zwischen
und weisen keine lungengängigen Fasern auf. und unter den Sparren
Massivdecke: –
Die Zusammensetzung der zugelassenen Schafwoll-
produkte der verschiedenen Hersteller ist sehr unter- Perimeterdämmung: –
schiedlich. Bei der Bewertung des Materials sollte der Trennwand/-decke zwischen den Ständern
Anwender daher vom Hersteller die genaue Zusammen- (Leichtbau): bzw. Balken
setzung unter Angabe der Art und des Anteils der
Zusatzstoffe erfragen. Die unterschiedliche Zusammen-
setzung führt zu den großen Preisdifferenzen der
verschiedenen Anbieter.

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3 Wärmedämmstoffe Schaumglas

Schaumglas Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04–0,06 W/(mK)


Baustoffklasse: A1 (ohne Kaschierung)

Wärmedämm-
Schaumglas entsteht durch das Aufschäumen einer

stoffe
Glasschmelze unter Zusatz von Kohlenstoff als Treibmit- Rohdichte: 105 bis 165 kg/m 3
tel. Bei den für diesen Prozess notwendigen, sehr hohen Wasserdampfdiffusions-
Temperaturen bildet sich aufgrund der Freisetzung von widerstandszahl µ: dampfdicht
Kohlendioxid eine Vielzahl kleiner Glaszellen, in denen
das Gas hermetisch eingeschlossen bleibt. Dies führt Materialdicke: 4 bis 13 cm
dazu, dass Schaumglas absolut dampfdicht und Materialpreis für 10 cm: ca. 40,– €/m2
wasserdicht ist.
Materialpreis für
Mit Wärmeleitfähigkeiten von 0,04 bis 0,06 W/(mK) weist U = 0,4 W/(m 2K): ca. 40,– €/m2
Schaumglas eine gute bis mäßige Wärmedämmwirkung
auf. Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 8 cm
bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 10 cm
Als anorganisches Material ist Schaumglas unbrennbar
und wird der Baustoffklasse A1 zugeordnet. Mit Papier durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 13 cm
oder Bitumen kaschierte Schaumglasplatten sind als U von 0,2 W/(m 2K): 20 cm
normal entflammbarer Baustoff der Baustoffklasse B2
zugelassen. Anwendungsbereiche

Mit Werten von 400 bis 1700 kN/m 2 weist das Material Außenwand: Innen- und Kerndämmung
eine sehr hohe Druckfestigkeit auf.
Dach: Flachdach
Aufgrund seiner Materialeigenschaften und seines relativ Massivdecke: unter Estrich und Bodenplatte
hohen Preises wird Schaumglas hauptsächlich zur
Perimeterdämmung: an Wand und Boden
Perimeterdämmung, zur Dämmung unter Estrich oder
Bodenplatte sowie zur Flachdachdämmung verwendet. Trennwand/-decke –
Auch bei besonderen Anforderungen an den Brand- (Leichtbau):
schutz sind unkaschierte Platten aus Schaumglas ein
geeignetes Material zur Wärmedämmung.

Von der Industrie werden auch besonders druckfeste


Platten in Steinmaßen und Breiten angeboten, die als
unterste Steinreihe bei Wänden über unbeheizten Räu-
men oder Tordurchfahrten die Wärmebrückenwirkung
minimieren.

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3 Wärmedämmstoffe Vakuumisolationspaneel

Vakuumisolationspaneel (VIP) Wärmeleitfähigkeit λ: 0,004/0,006/0,010 W/(mK)


Baustoffklasse: A2
Das physikalische Prinzip der Vakuumdämmung wird
bei der Herstellung von Vakuumisolationspaneelen ange- Rohdichte: ca. 160 kg/m3
wandt. In einer luft- und diffusionsdichten Hülle wird Wasserdampfdiffusions-
unter Verwendung eines Füllmaterials als Abstandhalter widerstandszahl µ: dampfdicht
Vakuum erzeugt. Damit werden Wärmeleitfähigkeiten,
Materialdicke: 2,0 bis 3,6 cm
die etwa um den Faktor 10 kleiner sind als bei her-
kömmlichen Wärmedämmstoffen, erreicht. Materialpreis für 150,– bis 250,– €/m 2
2,0 bis 3,6 cm Dicke: (inklusive Abdeckung)
Bei der Verwendung von VIP ist besonders darauf zu
Materialpreis für 150,– bis 200,– €/m 2
achten, dass
U = 0,26 W/(m2K): (inklusive Abdeckung)
– die Hülle der Paneele nicht beschädigt wird,
– die Wirkung der Wärmebrücke im Randverbund der Dämmstoffdicke 0,29 W/(m2K): 2,0–2,6 cm
Hülle minimiert wird, bei einem Wärme- 0,26 W/(m2K): 2,2–2,8 cm
– Fugen und Durchdringungen der Vakuumisolations- durchgangskoeffizienten 0,23 W/(m2K): 2,6–3,0 cm
paneele dauerhaft dampfdicht geschlossen sind. U von 0,18 W/(m2K): 2,8–3,6 cm

Aufgrund der sehr guten Wärmedämmung der dünnen Anwendungsbereiche


Paneele ist deren Einsatz insbesondere bei der wärme-
technischen Modernisierung des Gebäudebestands zu Außenwand: Innen-, Kern- und Außen-
empfehlen, wenn der vorhandene Platz für die Verwen- dämmung; Wärmedämm-
dung herkömmlicher Baustoffe nicht ausreicht. Mit VIP Verbundsystem
ist z. B. eine Außendämmung bei Grenzbebauung oder
Dach: –
bei Gebäuden mit geringem Dachüberstand möglich.
Auch die Dämmung unter einer Fußbodenheizung lässt Massivdecke: unter Estrich bei geringer
sich bei geringer Aufbauhöhe den heutigen Anforderun- Aufbauhöhe, insbesondere bei
gen entsprechend ausführen. der Bauerneuerung
Perimeterdämmung: –
Im Neubau werden im Brüstungsbereich zwischen Glas-
oder Aluminiumabdeckungen eingebettete Vakuumisola- Trennwand/-decke –
tionspaneele eingesetzt, deren Bauteildicke der Dicke (Leichtbau):
der Verglasung entspricht. Der Wärmedurchgangskoef-
fizient des opaken Brüstungselements beträgt bei einer
Bauteildicke von 20 bis 30 mm nur ca. 0,25 W/(m2K).

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3 Wärmedämmstoffe Vermikulit

Vermikulit Wärmeleitfähigkeit λ: 0,07 W/(mK)


Baustoffklasse: A1 (ohne Zusätze)

Wärmedämm-
Vermikulit, auch Blähglimmer genannt, wird aus natürli-

stoffe
chem Glimmerschiefer hergestellt. Durch schockartiges Rohdichte: 100 bis 220 kg/m 3
Erhitzen wird das interkristalline Wasser zwischen den Wasserdampfdiffusions-
einzelnen Glimmerschichten ausgetrieben. Es entsteht widerstandszahl µ: 3 bis 4
ein Granulat mit dem etwa 20fachen Volumen des
Ausgangsstoffes. Materialdicke: –
Materialpreis für 10 cm: ca. 10,– €/m2
Die wärmedämmenden Eigenschaften sind bei einer
Wärmeleitfähigkeit von 0,07 W/(mK) nur mäßig. Materialpreis für ca. 20,– €/m2
U = 0,4 W/(m 2K):
Das mineralische Material ist nicht brennbar und in der
Baustoffklasse A1 eingruppiert. Dämmstoffdicke 0,5 W/(m 2K): 13 cm
Eingesetzt wird es ohne Zuschlagstoffe als Ausgleichs- bei einem Wärme- 0,4 W/(m 2K): 17 cm
schüttung von Böden bei der Altbausanierung. Bei der durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m 2K): 23 cm
Montage ist darauf zu achten, dass sich das Material um U von 0,2 W/(m 2K): 34 cm
ca. 5 % setzt. Ab 5 cm Schichtdicke muss das Material
verdichtet werden. Anwendungsbereiche

In Verbindung mit einer druckverteilenden Platte kann es Außenwand: –


auch zur Flachdachsanierung eingesetzt werden. Dazu
wird das Vermikulit-Granulat im Wärmeverfahren vom Dach: Flachdach
Hersteller mit Bitumen umhüllt. Das Material ist weiterhin Massivdecke: –
rieselfähig, ergibt aber nach der Verdichtung einen
Perimeterdämmung: –
kompakten Belag. Durch den Zusatz von Bitumen ist das
Material normal entflammbar entsprechend der Baustoff- Trennwand/-decke als Ausgleichsschüttung
klasse B2. (Leichtbau): in Decken

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3 Wärmedämmstoffe Zellulosefasern

Zellulosefasern Wärmeleitfähigkeit λ: 0,04/0,045/0,05 W/(mK)


Baustoffklasse: B1 oder B2
Der im Bauwesen zugelassene Zellulosedämmstoff wird
aus Altpapier von Tageszeitungen hergestellt. Das Roh- Rohdichte: 35 bis 75 kg/m3
material wird zerfasert und gemahlen. Durch die Bei- Wasserdampfdiffusions-
mischung von 15–20 % Borsalzen und Borsäure als widerstandszahl µ: 1 bis 2
Brandschutzmittel und zum Schutz vor Schädlingsbefall
erreicht das Material die Baustoffklasse B2, als Spezial- Materialdicke: –
produkt eines Herstellers die Baustoffklasse B1. Materialpreis für 10 cm: ca. 10,– €/m2 (Einblasmat.)

Zweifel über die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Materialpreis für


verwendeten Borsalze und Borsäure – insbesondere im U = 0,4 W/(m2K): ca. 10,– €/m2 (Einblasmat.)
Hinblick auf das Einatmen von oder den längeren Haut-
kontakt mit hiermit imprägnierten Teilchen – konnten bis- Dämmstoffdicke 0,5 W/(m2K): 8 cm
her von Fachleuten nicht endgültig ausgeräumt werden. bei einem Wärme- 0,4 W/(m2K): 10 cm
Die Entsorgung von Altmaterial ist ungeklärt, da
durchgangskoeffizienten 0,3 W/(m2K): 13 cm
Borverbindungen zu den Wasser gefährdenden Stoffen
gehören und eine Endlagerung auf der Deponie daher U von 0,2 W/(m2K): 20 cm
nicht problemlos möglich ist.
Anwendungsbereiche
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,05 W/(mK)
weist der Dämmstoff gute bis mäßige wärmedämmende Außenwand: zwischen den Holzständern
Eigenschaften auf. Dach: geneigtes Dach zwischen den
Sparren; leichtes Flachdach
Zum größten Teil wird das Material als Einblasdämmung zwischen den Balken
bis zu einer Dicke von 300 mm in Dächern und Decken
eingesetzt. Für die Wanddämmung werden die Zellulose- Massivdecke: –
fasern leicht angefeuchtet und auf die Beplankung Perimeterdämmung: –
angespritzt. Weiterhin werden von einigen Herstellern
steife Platten aus Zellulosefasern angeboten. Trennwand/-decke zwischen den Ständern
(Leichtbau): bzw. Balken
Bei der Verarbeitung von Zellulosefasern ist geeigneter
Atemschutz zu tragen, da die gesundheitliche Relevanz
der hierbei freigesetzten Faserstäube bis heute nicht
geklärt ist.

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3 Wärmedämmstoffe Transparente Wärmedämmung

Transparente Wärmedämmung mit durchlässigem Putz (Wärmedämm-Verbundsystem) er-


Kapillarstruktur reicht.

Wärmedämm-
stoffe
Die Röhrchen sind für die langwellige Wärmestrahlung
Transparente Wärmedämmung (TWD) besteht heute in (Wellenlänge 4–250 µm) weitgehend undurchlässig. Da
der Regel aus Kapillarplatten mit einer Vielzahl senkrecht der Röhrchendurchmesser wesentlich kleiner als die
zur Oberfläche orientierter dünnwandiger Röhrchen. Die Länge ist, wird Luftbewegung verhindert. Die Röhrchen
Röhrchen werden entweder aus Glas oder hochtranspa- reduzieren daher gleichzeitig den Wärmetransport durch
rentem Kunststoff (Polycarbonat oder PMMA) gefertigt. Konvektion und Strahlung.
Den größten Marktanteil haben Kunststoffröhrchen, die
durch Verschweißen der Schnittkanten zu einer Einheit Der Wärmedurchgangskoeffizient U verbessert sich mit
verbunden werden. Die Röhrchendurchmesser betragen zunehmender Dicke der Platte, während die hohe Durch-
wenige Millimeter. lässigkeit für Solarstrahlung (Wellenlänge 0,3–3 µm),
bedingt durch die nahezu verlustfreie Reflexion an den
40-120 mm Röhrchenwänden, nur geringfügig abnimmt.

max. 100 cm
3-4 mm Wärmeleitfähigkeit λ: ca. 0,10 W/(mK)
Gesamtenergie-
durchlassgrad g (10 cm): ca. 0,8 (mit Deckscheibe)
Rohdichte: 30 kg/m 3
Wasserdampfdiffusions-
widerstandszahl µ: 1
max. 160 cm

Temperaturbeständigkeit: bis 90 °C bei PMMA


bis 120 °C bei Polycarbonat
UV-Beständigkeit: sehr gut bei PMMA
eingeschränkt bei PC
Materialdicke: 4 bis 12 cm
Materialpreis für 10 cm: ca. 60,– €/m2
(Kapillarplatten)

3-5 Aufbau und Abmessungen von Transparenter Wärme- Anwendungsbereiche


dämmung mit Kapillarstruktur
Vor schweren Außenwänden zur passiven Solarenergie-
Die TWD-Kapillarstrukturen müssen vor Verschmutzung, gewinnung.
Feuchtigkeit und mechanischer Beschädigung geschützt
werden. Dieser Schutz wird durch Glasscheiben Als transluzenter (durchscheinender) Ersatz für Vergla-
(Paneelbauweise) oder durch das Aufbringen von licht- sungen.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 3/25


3 Wärmedämmstoffe Transparente Wärmedämmung

Transparente Wärmedämmung mit Zur Vermeidung von Überhitzungen im Sommer ist kein
Stegplatten gesonderter Sonnenschutz notwendig, da die Steg-
platten bei höher stehender Sonne einen Großteil der
Ein preiswertes System für transparente Wärmedäm- direkten Solareinstrahlung reflektieren.
mung (TWD) ist die Anordnung von zwei hintereinander
liegenden Dreifach-Stegplatten. Die transparenten
Stegplatten aus Polycarbonat werden mittels Dichtungen Wärmeleitfähigkeit λ: ca. 0,08 W/(mK)
in einen Kunststoffrahmen eingebaut und vor die Gesamtenergie-
schwarz beschichtete Wand montiert. durchlassgrad g (7 cm): 0,35 bis 0,55
Rohdichte: –
50 - 80 mm
Wasserdampfdiffusions-
widerstandszahl µ:
60
-1
00 3
cm Temperaturbeständigkeit: bis 120 °C
UV-Beständigkeit: gut durch Beschichtung
Materialdicke: 7 cm
Materialpreis für 7 cm: ca. 40,– €/m2

Anwendungsbereiche
max. 400 cm

Vor schweren Außenwänden zur passiven Solarenergie-


gewinnung.

Als transluzenter (durchscheinender) Ersatz für Vergla-


sungen.

3-6 Aufbau und Abmessungen von Transparenter Wärme-


dämmung aus Stegplatten

Bei einer Systemdicke von ca. 70 mm betragen die


Standardgrößen der Module 100 cm × 100 cm, 100 cm ×
275 cm bzw. 200 cm × 275 cm; es sind aber auch Son-
deranfertigungen in 1-Meter-Rasterbreite und beliebiger
Höhe möglich. Die Module sind witterungsstabil, UV-ge-
schützt, hagelsicher und beständig gegen Schlag- und
Stoßbelastung.

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4 Fassaden und Außenwände Inhaltsübersicht

FASSADEN UND AUSSENWÄNDE

FASSADEN 11 Außendämmung einschaliger tragender


Außenwände S. 4/28
1 Einführung S. 4/3 11.1 Vorbemerkung
11.2 Einfluss auf die Schalldämmung
2 Gliederung der Fassade S. 4/3 11.3 Luftdichtheit

Fassaden und
Außenwände
3 Farbgebung für die Fassade S. 4/3 11.4 Wärmedämmung mit Mehrschicht-
Leichtbauplatten
4 Beanspruchungen der Fassade S. 4/3 11.5 Wärmedämm-Verbundsysteme
4.1 Gebäudelage und Beanspruchung der
Fassade 12 Innendämmung einschaliger tragender
4.2 Schlagregen-Beanspruchungsgruppen Außenwände S. 4/33
der Fassade 12.1 Vorbemerkung
12.2 Einfluss auf die Schalldämmung
5 Schalldämmung der Fassade S. 4/6 12.3 Luftdichtheit
12.4 Vorteile der Innendämmung
AUSSENWÄNDE 12.5 Nachteile der Innendämmung

6 Einführung S. 4/8 13 Zweischalige Außenwände mit


Wärmedämmschicht und
7 Anforderungen S. 4/8 Hinterlüftung S. 4/35
7.1 an den Wärmeschutz 13.1 Vorbemerkung
7.2 an den Schallschutz 13.2 Einfluss auf die Schalldämmung
7.3 an die Luftdichtheit 13.3 Luftdichtheit
13.4 Zweischalige Wände mit leichter Außenschale
8 Materialien des Mauerwerkbaus S. 4/10
13.5 Zweischalige Wände mit schwerer Außen-
8.1 Steine, Blöcke, Elemente
schale
8.2 Mauermörtel
8.3 Außenputze 14 Kerndämmung in schweren Wänden S. 4/41
8.4 Mauerwerksabmessungen 14.1 Vorbemerkung
14.2 Einzelheiten zum konstruktiven Aufbau
9 Übersicht und Kenndaten der
Außenwandkonstruktionen S. 4/13 15 Außenwände in Leichtbauweise S. 4/42
9.1 Übersicht 15.1 Vorbemerkung
9.2 Kenndaten der Außenwandkonstruktionen 15.2 Einzelheiten zum konstruktiven Aufbau
10 Übergangsbereiche tragender Außen- 16 Außenwände gegen Erdreich S. 4/44
wände aus massivem Mauerwerk S. 4/22 16.1 Vorbemerkung
10.1 Vorbemerkung 16.2 Belastung der Wände durch Erdfeuchtigkeit
10.2 Anforderungen und Wasser
16.3 Außendämmung einer Wand gegen Erdreich

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/1


4 Fassaden und Außenwände Inhaltsübersicht

16.4 Innendämmung einer Wand gegen Erdreich


17 Alte Außenwandkonstruktionen S. 4/46
17.1 Vorbemerkung
17.2 Nachträgliche Wärmedämmung von Fachwerk
17.3 Nachträgliche Wärmedämmung von
Natursteinmauerwerk
17.4 Anforderungen an den Wärmeschutz bei bau-
lichen Änderungen bestehender Gebäude
17.5 Übersicht über die wärmetechnischen
Verbesserungsmöglichkeiten vorhandener
Außenwände
18 Transparente Wärmedämmung S. 4/51
18.1 Vorbemerkung
18.2 TWD als Solarwand
18.3 TWD als Tageslichtsystem
18.4 TWD-Glaspaneele
18.5 Transparentes Wärmedämm-Verbundsystem

4/2 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Beanspruchungen der Fassade

FASSADEN UND AUSSENWÄNDE

FASSADEN 3 Farbgebung für die Fassade

Hinsichtlich der Farbgebung besteht bei Putzen prak-


1 Einführung
tisch keine Beschränkung. Allerdings sollte beachtet

Fassaden und
Außenwände
werden, dass dunkelfarbige oder rauhe Oberflächen ei-
Die Fassade besteht aus den Außenwänden sowie den nen hohen Anteil der Sonnenstrahlung absorbieren und
damit verbundenen Bauteilen, insbesondere Fenstern in Wärme umwandeln. Dadurch entsteht bei solchen Flä-
und Verkleidungen. Sie vermittelt den äußeren Eindruck chen eine erhebliche, thermisch bedingte Bewegung.
eines Gebäudes und wird daher vom Architekten beson- Diese Bewegung lässt sich durch Wahl heller Fassaden-
ders sorgfältig gestaltet. Form, Gliederung, Farbe und oberflächen merklich verringern. Der Reflexionsgrad der
Material sind die wichtigsten Elemente der Fassadenge- Farbe wird durch den Hellbezugswert (HBW) beschrie-
staltung. Fassaden können ein Gebäude in die Umge- ben. Der Hellbezugswert gibt an, wie weit der Farbton
bung eingliedern oder aus ihr hervorheben. Zusätzlich zu vom Schwarz- (=0) bzw. Weißpunkt (=100) entfernt ist. Im
dem hohen Anspruch an ihre Gestaltung muss jede Fas- Hinblick auf möglichst geringe thermische Bewegungen
sade den Belastungen durch die Witterung standhalten, ist ein Hellbezugswert von mindestens 50 günstig. Auch
denn eine weitere Aufgabe ist der Schutz des Gebäudes leuchtende Farben müssen eine ausreichende UV-Be-
und seiner Bewohner. Dazu gehört beispielsweise die ständigkeit aufweisen, da sich sonst Beschattungen auf
Abschirmung von Außenlärm genauso wie der Schutz der Dauer durch Farbverschiebungen abzeichnen. Grund-
Innenräume sowie der wärmegedämmten und luftdichten sätzlich sollten alle Fassadenflächen so beschaffen sein,
Gebäudehülle (Kap. 9) vor der Witterung. dass sie durch Regen und Wind hinreichend gereinigt
werden. Wesentlich ist auch die Anpassung der Farbge-
bung einer Fläche an die erwartete Lebensdauer. So ist
2 Gliederung der Fassade z. B. eine modische Farbgebung für eine Metallkonstruk-
tion mit einer Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren nicht
sehr zweckmäßig. Dagegen können bei einfachen Putz-
Die Gliederung der Südfassade soll für die in der Regel anstrichen mit einer Lebensdauer von drei bis acht Jah-
größere Anzahl großflächiger Fenster und die Gliederung ren durchaus gewagte Farbtöne gewählt werden.
der Nordfassade für die geringere Anzahl kleinerer Fens-
ter ein ausgewogenes Flächenverhältnis ergeben. Durch
Farbe und Material können z. B. horizontale Fensterbän-
der betont, durch gleichmäßige Putz- und Steinrasterflä- 4 Beanspruchungen der Fassade
chen dagegen kann ein ruhiges Bild erreicht werden.
Auch der Materialwechsel und eine eventuelle Teilbegrü- Die Fassade wird durch die Witterung weniger bean-
nung können gliedernd wirken. sprucht als das Dach. Allerdings ist die Beanspruchung
von der Orientierung der Wand abhängig. Eine weitere
Wichtig ist für alle Entscheidungen, dass die verwende- besondere Beanspruchung der Wand entsteht durch die
ten Materialien den auftretenden Schlagregenbeanspru- Unterbrechung der Wandscheibe mit Fenster- und Tür-
chungen und thermisch bedingten Belastungen durch öffnungen sowie durch den Materialwechsel bei Stürzen,
Sonnenbestrahlung u. a. gewachsen sind. Rollladenkästen, Deckeneinbindungen und Ringbalken.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/3


4 Fassaden und Außenwände Beanspruchungen der Fassade

Der Niederschlag als Regen beansprucht zwar die West- überstände, Balkonplatten, vorgeschaltete Laubengän-
seite stark, andere Seiten (Nord oder Ost) dagegen nur ge, Laubbäume und Büsche sind dazu geeignet.
wenig. Die Selbstreinigung durch Regenwasser ist daher
je nach Fassadenausrichtung unterschiedlich. Die unterschiedliche Alterungsgeschwindigkeit der
verschiedenen Fassadenmaterialien und -bauteile er-
schwert nicht nur Amortisationsberechnungen! Da bei
An der Süd- bis Westseite sind die Fensteranschlüsse an
Fassaden auch für die Sanierung einzelner Teile oder ein-
das Mauerwerk und der Sockelbereich (Spritzwasser)
zelner Verschmutzungsflächen ein Gerüst erforderlich ist,
besonders stark belastet. Der Unterhaltungsaufwand ist
entstehen erhebliche Vorbereitungskosten für die durch-
größer und die Fugenabdichtungen müssen hier in kür-
zuführenden Arbeiten. Deshalb kann die Wahl einer teu-
zeren Abständen erneuert werden.
reren Fassade langfristig die preiswertere Lösung sein.
Nachstehend sind Erfahrungswerte für die mittlere Le-
Die Wasserbeanspruchung lässt sich durch einen größe- bensdauer einiger Bauteile und Materialien genannt:
ren Dachüberstand und die fachgerechte Ausbildung von
Wassertropfnasen an Fensterbänken und Abdeckungen Außenwandputz
verringern. Notwendig sind auch Fassadenoberflächen, (Kalkzementmörtel, Edelputz) 20 bis 60 Jahre
die auf die Beanspruchungen abgestimmt sind. Putze, Brettverschalungen imprägniert 25 bis 30 Jahre
Vormauerungen und Verkleidungen müssen die wärme-
Fensterläden (Holz) 20 bis 30 Jahre
dämmende Schicht und die raumumhüllende Schale aus-
reichend schützen. Gitter und Geländer (Eisen, verzinkt) 40 bis 50 Jahre
Fallrohre (Zinkblech) 20 bis 40 Jahre
Die unterschiedliche thermische Bewegung einzelner
Fallrohre (Kupferblech) 100 Jahre
Wandschichten und Bauteile ist ein viel zu wenig be-
achtetes Problem im Bauwesen. Die Einbindung von Außenanstrich auf Putz (Mineralfarbe) 3 bis 8 Jahre
Materialien mit hohem Ausdehnungskoeffizienten (z. B.
Außenanstrich auf Holz (Ölfarbe) 3 bis 5 Jahre
Metall und Kunststoff) in Materialien mit geringer thermi-
scher Ausdehnung (Mauerwerk, Putz) führt zu Spannun- Fenster (Weichholz) 30 bis 50 Jahre
gen. Gerade an der Südseite werden große Fenster zwi- Dichtungsmassen (Silikonkautschuk) 10 bis 15 Jahre
schen massive Wandscheiben eingebunden. Fehlen hier
dauerelastische Anschlussfugen, sind Risse und Putzab- Dichtungsmassen (Acrylatdispersion) 10 bis 15 Jahre
platzungen zu erwarten. Von solchen Schadstellen geht
durch Schlagregeneinwirkung oft eine schnelle Fassa-
4.1 Gebäudelage und Beanspruchung der Fassade
denzerstörung aus. Thermische Baubewegungen lassen
sich durch eine auf der kalten Seite der Wand – also auf Die geschützte oder freie Lage eines Gebäudes hat einen
der Außenseite – angeordnete Wärmedämmschicht auf erheblichen Einfluss auf die Beanspruchung der Fassade.
ein unkritisches Maß verringern. In diesem Fall führt eine Bei freier Lage kann im Sommer eine starke thermische
Wärmedämmung zur Vermeidung von Bauschäden. Bei Beanspruchung durch Sonneneinstrahlung und eine
Altbauten lassen sich viele Bauschäden mit thermischen entsprechende Beanspruchung durch Schlagregen ent-
Ursachen nur durch eine Außendämmung sanieren. stehen. Im Winter führt die Windbelastung bei undichten
Gebäuden zu einem erheblichen unkontrollierten Luft-
Auch eine „gezielte“ Beschattung kann die Fassadener- wechsel durch Fugen und Leckagen in der Gebäude-
wärmung im Sommer erheblich verringern. Große Dach- hülle. Das Belüften von Wohnräumen über teilgeöffnete

4/4 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Beanspruchungen der Fassade

Fenster hat einen überhöhten Luftwechsel zur Folge. Bei- trocknung der Fassade, die eine Algen- und Moosbil-
des führt zu einem unnötig hohen Lüftungswärmeverlust dung weitgehend verhindert.
und damit zu einem erhöhten Heizenergiebedarf (Erdgas,
Heizöl, Strom etc.). Ein Vorteil der freien Lage ist der grö- In geschützter Lage ist der Windangriff am Gebäude ge-
ßere Selbstreinigungseffekt sowie die schnellere Aus- ringer. Lüftungswärmeverluste durch Fugen- und Lecka-
geluftwechsel sowie durch unkontrollierte Fensterlüftung
sind entsprechend reduziert. Bedingt durch die gegen-

Fassaden und
Außenwände
seitige Beschattung der Gebäude ist an den Heiztagen
bei niedrigem winterlichen Sonnenstand ein geringerer
Wärmegewinn durch Sonneneinstrahlung in die Wohn-
räume zu erwarten. Ein höherer Heizenergiebedarf
gegenüber einem nicht verschatteten Gebäude ist die
Folge.

4.2 Schlagregen-Beanspruchungsgruppen
der Fassade

Regenwasser kann durch den Staudruck bei Wind über


Spalte, Risse und andere Fehlstellen sowie durch Ka-
pillarwirkung in tiefere Wandschichten gelangen. Die
Durchfeuchtung einzelner Wandschichten, insbesondere
der Wärmedämmschicht, erhöht den Wärmeverlust der
Wand erheblich und beschleunigt die Alterung.

Entsprechend dem Standort des Gebäudes ist die Schlag-


regen-Beanspruchungsgruppe nach der Übersichtskarte
in Bild 4-1 zu bestimmen. Lokale Abweichungen können
auftreten und sind im Einzelfall zu berücksichtigen. Die
Schlagregenbeanspruchung der Außenbekleidung von
Wänden wird entsprechend der zu erwartenden Belas-
tung nach DIN 4108-3 in drei Beanspruchungsgruppen
eingeteilt:

– Beanspruchungsgruppe I / geringe Schlagregen-


beanspruchung

Gebäude in Gebieten mit Jahresniederschlagsmengen


unter 600 mm sowie bei besonders windgeschützten
Lagen in Gebieten mit größeren Niederschlagsmengen
4-1 Übersichtskarte zur Schlagregenbeanspruchung in der sind der Beanspruchungsgruppe I zuzuordnen. Geeig-
Bundesrepublik Deutschland nach DIN 4108-3 net sind Außenputze ohne Nachweis des Schlagregen-

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4 Fassaden und Außenwände Schalldämmung der Fassade

schutzes oder einschaliges Sichtmauerwerk von min- Die Putzarten werden nach ihren Wasseraufnahmekoeffi-
destens 31 cm Dicke. zienten w, nach ihren wasserdampfdiffusionsäquivalen-
ten Luftschichtdicken sd und nach dem Produkt aus bei-
– Beanspruchungsgruppe II / mittlere Schlagregen- den Größen eingeteilt (DIN 4108-3):
beanspruchung
– Wasserabweisend sind Putze mit w ≤0,5 kg/(m 2h 0,5),
Die Anforderungen der Beanspruchungsgruppe II gel- s d ≤2,0 m und w · sd ≤2,0 kg/(mh0,5). Solche Putze sind
ten für Gebäude in Gebieten mit Jahresniederschlags- mehrlagig, wobei dem regenabweisenden Oberputz
mengen von 600 mm bis 800 mm sowie bei besonders ein Hydrophobierungsmittel zugesetzt wird. Die Eig-
windgeschützten Lagen in Gebieten mit größeren als nung wasserabweisender Putze muss nachgewiesen
diesen Niederschlagsmengen. Auch Hochhäuser und werden.
Häuser in exponierter Lage in Gebieten, die aufgrund – Wasserhemmend sind Putze mit 0,5 < w < 2,0 kg/
der regionalen Regen- und Windverhältnisse einer ge- (m2h 0,5) und einer speziellen Zusammensetzung, die
ringen Schlagregenbeanspruchung zuzuordnen wären, wasserhemmende Eigenschaften gewährleistet. Ent-
müssen den Anforderungen der Beanspruchungs- sprechende Putzsysteme sind zweilagige Kalk- und
gruppe II genügen. Gefordert werden Außenputze, Kalkzementmörtel mit einer mittleren Dicke von 20 mm
die wenigstens wasserhemmend sind. Zulässig sind und Kunststoffputze.
außerdem einschaliges Sichtmauerwerk von mindes-
tens 37,5 cm Dicke oder Außenwände mit im Dick-
oder Dünnbett angemörtelten Fliesen oder Platten. 5 Schalldämmung der Fassade
– Beanspruchungsgruppe III / starke Schlagregen- Die Fassade – bestehend aus opaker Wand und transpa-
beanspruchung rentem Fenster – hat auch die Aufgabe, den Außenlärm
zu dämmen.
Mit einer starken Beanspruchung durch Schlagregen
ist in Gebieten mit Jahresniederschlagsmengen über Dazu muss die Fassade eine gewisse Schalldämmung
800 mm sowie in windreichen Gebieten mit geringeren aufweisen, für die in DIN 4109 je nach Außenlärmpegel
Niederschlagsmengen (z. B. Küstengebiete, Mittel- Anforderungen genannt sind. Der maßgebliche Außen-
und Hochgebirgslagen, Alpenvorland) zu rechnen. Wei- lärmpegel ist für ein betrachtetes Wohnhaus in Ab-
terhin müssen Hochhäuser und Häuser in exponierten hängigkeit von der Verkehrsbelastung zu ermitteln, Kap.
Lagen, die aufgrund der regionalen Regen- und Wind- 11-24.3.2. Aus ihm ergibt sich das „Erforderliche
verhältnisse einer mittleren Schlagregenbeanspru- Schalldämm-Maß erf. R’w,res“ der Fassade. Es beträgt
chung zuzuordnen wären, den höheren Anforderungen in Wohngebieten meist 30 bis 35 dB. Wenn an eine Au-
entsprechen. Hierfür werden Kunstharz- oder wasser- ßenfassade erhöhte Schallschutzanforderungen gestellt
abweisende Putze nach DIN 18558 gefordert, deren werden, Kap. 11-25, so ist das erforderliche Schall-
Eignung entsprechend DIN 18550 nachgewiesen ist. dämm-Maß erf. R’ w,res um 5 dB zu erhöhen. Bei starker
Weiterhin können zweischaliges Verblendmauerwerk Verkehrsbelastung kann ein erforderliches Schalldämm-
mit und ohne Luftschicht, Wände mit hinterlüfteter Maß der Fassade bis zu 50 dB notwendig sein.
Außenwandbekleidung, Holz-Leichtbauwände mit vor-
gesetzter Bekleidung oder mit 11,5 cm dicker Mauer- Im Beiblatt 1 zu DIN 4109 sind sowohl für Außenwand-
werks-Vorsatzschale – beide mit Luftschicht – einge- konstruktionen als auch für Fenster, wie sie im Woh-
setzt werden. nungsbau eingesetzt werden, „Bewertete Schalldämm-

4/6 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Schalldämmung der Fassade

Maße R’w“ aufgeführt. Eine Fassade erfüllt die Anfor- Das bewertete Schalldämm-Maß R’ w einschaliger massi-
derungen der DIN 4109, wenn ihr aus beiden Werten ver Wände kann Bild 4-4 entnommen werden, das be-
„Resultierendes Schalldämm-Maß R’w,res“ gleich oder wertete Schalldämm-Maß R w der Fenster ist wie in
größer als das erforderliche Schalldämm-Maß ist. Kap. 5-6.3 angegeben zu ermitteln. Bei planerischen

Fenster Resultierendes Schalldämm-Maß R’ w,res der Fassade in dB bei Außenwänden

Fassaden und
Außenwände
mit einem bewerteten Schalldämm-Maß R’ w in dB von

bewertetes Fensterflächen-
Schalldämm- anteil in % 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62
Maß R’w in dB

25 15 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33 33
20 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32
25 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31 31
30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30 30

30 15 37 37 37 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38
20 36 36 36 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37
25 35 35 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36 36
30 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35 35

32 15 39 39 39 39 39 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40
20 38 38 38 38 38 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39
25 37 37 37 37 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38 38
30 36 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37 37

35 15 40 41 41 42 42 42 42 42 43 43 43 43 43 43 43 43 43 43 43 43
20 40 40 40 41 41 41 41 41 41 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42
25 39 40 40 40 40 40 40 40 41 41 41 41 41 41 41 41 41 41 41 41
30 39 39 39 39 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40 40

37 15 41 42 42 43 43 44 44 44 44 44 45 45 45 45 45 45 45 45 45 45
20 41 41 42 42 42 43 43 43 43 43 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44
25 41 41 41 41 42 42 42 42 42 43 43 43 43 43 43 43 43 43 43 43
30 40 41 41 41 41 41 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42 42

40 15 42 43 44 44 45 45 46 46 47 47 47 47 48 48 48 48 48 48 48 48
20 42 43 43 44 44 45 45 45 46 46 46 46 46 47 47 47 47 47 47 47
25 42 43 43 43 44 44 45 45 45 45 45 46 46 46 46 46 46 46 46 46
30 42 42 43 43 44 44 44 44 44 45 45 45 45 45 45 45 45 45 45 45

Beispiel: Für ein Gebäude an einer verkehrsreichen Straße mit einem erforderlichen Schalldämm-Maß der Fassade
von 40 dB und einem Mauerwerk mit einem bewerteten Schalldämm-Maß von 50 dB ergibt sich:
Bei 15 % Fensterflächenanteil muss das bewertete Schalldämm-Maß des Fensters mindestens 32 dB, bei Fenster-
flächenanteilen bis 30 % mindestens 35 dB betragen.

4-2 Resultierendes Schalldämm-Maß R’ w,res der Fassade für verschiedene Fensterflächenanteile und Schalldämm-Maße von
Fenster und Wand

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/7


4 Fassaden und Außenwände Anforderungen an Außenwände

Entscheidungen ist zu beachten, dass das „Resultie- 7 Anforderungen an Außenwände


rende Schalldämm-Maß R’w,res“ der Fassaden im
Wesentlichen durch die Fenster bestimmt wird, weil 7.1 Anforderungen an den Wärmeschutz
diese in der Regel die wesentliche Schwachstelle in
der Schalldämmung der Fassade darstellen, Bild 4-2. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) stellt für neu zu
errichtende Gebäude keine Anforderungen an die
Wärmedurchgangskoeffizienten der einzelnen Außen-
AUSSENWÄNDE bauteile. Der Nachweis eines Energie sparenden
Wärmeschutzes erfolgt über den spezifischen, auf die
6 Einführung gesamte wärmeübertragende Umfassungsfläche bezo-
genen Transmissionswärmeverlust HT′ des Gebäudes in
Durch Außenwände entstehen 25 bis 40 % der jährlichen Abhängigkeit von A/Ve, Kap. 2-4.3. Dieser entspricht
Transmissionswärmeverluste der Gebäudehülle. Im Ge- physikalisch dem mittleren Wärmedurchgangskoeffizien-
gensatz zu den Fenstern führt Sonneneinstrahlung bei ten der Außenhülle des Gebäudes. Damit diese auf die
Außenwänden – gemittelt über alle Orientierungen – nur gesamte Gebäudehülle bezogene Anforderung der EnEV
zu einer Energieeinsparung von etwa 2 % der Transmis- durch eine bauphysikalisch und wirtschaftlich sinnvolle
sionswärmeverluste für helle und bis zu 5 % für dunkle Abstimmung des Wärmeschutzes der verschiedenen
Oberflächen. Daher ist eine deutliche Verringerung des Außenbauteile erfüllt wird, empfiehlt es sich, für
Wärmeverlusts von Außenwänden nur durch einen ver- Außenwände von Wohngebäuden die in Bild 4-3 an-
besserten Wärmeschutz erreichbar. Eine Ausnahme bil- gegebenen Richtwerte der Wärmedurchgangskoeffi-
den Außenwände mit transparenter Wärmedämmung, zienten UAW einzuhalten. Der Wert von 0,30 W/(m2K)
Abschn. 18, die auch noch zusätzliche Wärmegewinne sollte bei Gebäuden, deren wärmeübertragende Außen-
durch Sonneneinstrahlung ermöglichen. fläche groß ist im Verhältnis zum eingeschlossenen Bau-
werksvolumen (z. B. frei stehende Einfamilienhäuser,
Von den Anforderungen an eine Außenwand, die von der Reihen-Endhäuser bei versetzter Bebauung), nicht über-
Tragfähigkeit über den Brandschutz bis zum Wärme- schritten werden. Für Reihen-Mittelhäuser oder Mehr-
schutz reichen, wird nachstehend vorrangig der Wärme- familienhäuser ist in der Regel ein Wärmedurchgangs-
und Feuchteschutz behandelt. koeffizient der Außenwände von 0,40 W/(m2K) zur
Einhaltung der Anforderung der EnEV an den Transmissi-
onswärmeverlust HT′ ausreichend.

Gebäude nach Gebäude nach


Energieeinsparverordnung (EnEV) Passivhausstandard

Außenwände, die an Außenluft grenzen UAW  0,30 … 0,40 W/(m 2K) U AW  0,08 … 0,12 W/(m 2K)
Außenwände, die an Erdreich grenzen U AW  0,30 … 0,40 W/(m 2K) U AW  0,15 W/(m2K)

4-3 Empfohlene Richtwerte UAW der Wärmedurchgangskoeffizienten von Außenwänden für Wohngebäude

4/8 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Anforderungen an Außenwände

Unabhängig von der Einhaltung des maximal zulässigen 65


Primärenergiebedarfs nach EnEV, Kap. 2-4.2, sollten die dB Bewertetes Schalldämm-Maß R'w
angegebenen Richtwerte des Wärmedurchgangskoeffizi- einschaliger Bauteile
60 (flankierende Bauteile: > 300 kg/m2)
enten U AW – aufgrund der Lebensdauer der Gebäudehülle
von mehr als 50 Jahren – aus wirtschaftlichen Gründen
nicht überschritten werden. Eine Erhöhung der Wärme- 55
dämmstoffdicke bei der Bauerstellung um einige

Fassaden und
Außenwände
Zentimeter erhöht die Gesamtkosten der Außenwand 50
nur geringfügig. Eine nachträgliche, durch weiter
gestiegene Energiekosten notwendige Verbesserung 45
des Wärmeschutzes ist dagegen nur mit erheblichem
bautechnischen Aufwand und entsprechenden Kos-
40
ten realisierbar.

35
Der Passivhaus-Standard mit einem Jahresheizwärme-

90
100

150

200

250
300

400

500
600
700
800
900
1000
bedarf von etwa 15 kWh/(m2a), Kap. 1-4.2.3, benötigt als
zukunftweisender Standard erheblich besser wärmege- 2
dämmte Außenwände. Diese Bedingung wird von flächenbezogene Masse in kg/m
Außenwänden mit einem Wert des Wärmedurchgangsko- 4-4 Bewertetes Schalldämm-Maß R’ w (Rechenwerte) von
effizienten U AW gleich oder kleiner 0,08 bis 0,12 W/(m2K) verputzten, einschaligen, biegesteifen Wänden und
in der Regel erfüllt, Bild 4-3. Außerdem sollte die Gebäu- Decken in Abhängigkeit von der flächenbezogenen
degestalt einer hohen Kompaktheit entsprechen; Vor- Masse
und Rücksprünge in der Fassade sind zu vermeiden.

7.2 Anforderungen an den Schallschutz 7.3 Anforderungen an die Luftdichtheit

Die äußere Gebäudehülle ist nicht nur wärme- und


Die Außenwand als Teil der Fassade hat auch die Aufga- schalldämmend, sondern auch luftdicht auszuführen,
be, den Außenlärm zu dämpfen, Abschn. 5. Kap. 9. Dadurch werden unnötige Lüftungswärmeverlus-
te vermieden, die sich sonst durch das unkontrollierte
Das bewertete Schalldämm-Maß R’ w einfach aufgebau- Ausströmen warmer Raumluft durch Undichtigkeiten der
ter Wände kann der DIN 4109 unmittelbar entnommen Gebäudehülle (Leckagen, undichte Fugen) ergeben wür-
werden. Für den Fall einer einschaligen Außenwand sind den. Deshalb schreibt die Energieeinsparverordnung die
die entsprechenden Werte in Bild 4-4 wiedergegeben. Realisierung einer dauerhaft luftundurchlässigen Schicht
Für mehrschichtige Wände ist das bewertete Schall- für die gesamte wärmeübertragende Umfassungsfläche
dämm-Maß nach den Berechnungsverfahren aus DIN des Gebäudes vor (Kap. 2, § 5 EnEV).
4109 zu ermitteln. Im Regelfall kann für Wände aus zwei
Mauerschalen mit einer Masse von 150 kg/m2 oder mehr In der DIN 4108-7 „Luftdichtheit von Bauteilen und An-
und durchgehender Trennfuge ein um 12 dB höheres schlüssen“ werden folgende Grenzwerte für die bei 50 Pa
Schalldämm-Maß R’ w gegenüber einer gleich schweren Differenzdruck gemessene volumenbezogene Luftwech-
einschaligen Wand angesetzt werden. selrate n 50 angegeben:

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/9


4 Fassaden und Außenwände Materialien des Mauerwerkbaus

n50 ≤ 1,5 h –1 bei Gebäuden mit ligem Mauerwerk ohne Wärmedämmschicht zu erfüllen
raumlufttechnischen Anlagen sind.
n50 ≤ 3,0 h –1 bei Gebäuden mit
natürlicher Lüftung (Fensterlüftung) 8.1 Steine, Blöcke, Elemente
Diese Grenzwerte werden auch von der EnEV (Anhang 4 Leichtziegel. Dem Ton werden Polystyrolschaumkugeln
Nr. 2) genannt, wenn für das Gebäude ein Nachweis der oder Sägespäne zugesetzt; die Masse wird geformt, ge-
Luftdichtheit mit dem Blower-Door-Messverfahren er- trocknet und gebrannt. Die dabei ausgebrannten Hohl-
folgt. räume bilden Luftporen, deren Anzahl die Rohdichte und
Wärmeleitfähigkeit beeinflusst. Es werden auch Fertig-
Bei massivem Mauerwerk wird die Luftdichtheit in der stürze, U- und L-Steine hergestellt.
Regel mit einem durchgehenden Innenputz erreicht, bei
Mauerwerk in Leichtbauweise muss sie durch den Ein- Porenbeton-Plansteine. Aus einer Mischung von ge-
bau einer luftdichten Schicht sichergestellt werden. Die mahlenem Sand, Kalk, Zement, einem Porenbildner (z. B.
einfachste Möglichkeit hierzu besteht darin, die Dampf- Aluminiumpulver) und Wasser wird der Stein geformt und
bremse (PE-Folie, armierte Baupappe u. a.) als luftdichte dampfgehärtet. Die Blocksteine haben eine fischgräten-
Schicht auszuführen. Dazu müssen die überlappenden artig aufgerauhte, Planblöcke und Platten dagegen eine
Bahnen geeignet miteinander verklebt und die Anschlüs- glatte Oberfläche. Durch Dosierung des Treibmittels
se am Rand des Bauteils ebenfalls dauerhaft luftdicht werden Rohdichte und Wärmeleitfähigkeit gesteuert. Es
ausgeführt werden, Kap. 9. werden auch Fertigstürze hergestellt.

Sowohl im Massiv- als auch im Leichtbau ist die Luft- Leichtbetonsteine. Ausgangsmaterial sind verschie-
dichtheit des Bauteils in der Fläche meist einfach herzu- dene Leichtzuschläge wie Naturbims, Blähglimmer,
stellen, kritisch sind dagegen in der Regel die Anschlüs- Hüttenbims, Blähton, Ziegelsplitt und Holzspäne. Als
se an andere Bauteile wie z. B. Fenster und Türen. Bindemittel wird Zement verwendet. Wegen der Anfangs-
Beispiele für die luftdichte Ausführung solcher Anschlüs- schwindung dürfen zur Mauerung nur ausreichend ab-
se finden sich in Kap. 9, Abschn. 4.3. gelagerte Steine verwendet werden. Gemauert wird
grundsätzlich mit Leichtmörtel. Es werden auch U- und
L-Steine hergestellt.
8 Materialien des Mauerwerkbaus
Kalksandsteine. Ausgangsmaterialien sind Kalk und
Zur Herstellung von Mauerwerk werden Steine, Blöcke Sand. Der geformte Stein wird dampfgehärtet. Die
und Elemente (Platten) verwendet, die sich hinsichtlich Schalldämmwirkung ist durch die hohe Dichte der Mau-
des Materials, der Dichte, der Wärmeleitfähigkeit und ersteine sehr hoch. Bedingt durch die hohe Wärmeleitfä-
Form erheblich unterscheiden. Die Rohdichte üblicher higkeit wird Außenmauerwerk aus Kalksandstein stets
Mauersteine des Wohnungsbaus und die zugehörige durch eine Wärmedämmschicht ergänzt. Es werden auch
Wärmeleitfähigkeit von Mauerwerk sind aus Bild 4-5 zu U-Steine hergestellt.
ersehen. Aufgeführt sind in dieser Tabelle auch die
Wärmedurchgangskoeffizienten U einer 36,5 cm dicken Leichtbetonelemente. Ausgangsmaterialien sind vor-
Außenwand. Durch einen Vergleich dieser Werte mit den wiegend Blähton und Bims. Hergestellt werden bewehr-
Werten nach Bild 4-3 wird ersichtlich, dass die Anforde- te, raumhohe Elemente bzw. Platten. Um einen hinrei-
rungen der Energieeinsparverordnung auch mit einscha- chend hohen Wärmeschutz zu erreichen, sind Elemente

4/10 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Materialien des Mauerwerkbaus

geringer Wärmeleitfähigkeit und großer Wanddicke für 8.2 Mauermörtel


den Mauerbau zu verwenden.
Die Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit von Mau-
Bemessungswerte der Wärmeleitfähigkeit, wie sie in erwerk, wie sie z. B. in DIN 4108 Teil 4 genannt sind,
der DIN 4108 Teil 4 oder in Einzelzulassungen aufgeführt berücksichtigen Normalmörtel und eine Mörtelschicht-
sind, gelten für Mauersteine bzw. Mauerwerk mit Normal- dicke der Lager- und Stoßfugen von 10 mm. Da die
feuchte. Mauerwerk kann nach der Errichtung eine we- verschiedenen Mörtelarten unterschiedliche Wärmeleit-

Fassaden und
Außenwände
sentlich höhere Feuchte aufweisen. Bis zur Austrock- fähigkeiten aufweisen, kann durch Verwendung entspre-
nung, die ein bis zwei Jahre dauern kann, treten erhöhte chender Mörtel bzw. dünnerer Mörtelfugen eine Verbes-
Wärmeverluste auf. serung des Wärmeschutzes erreicht werden. Aufgrund
der erhöhten Anforderungen an den Wärmeschutz wer-
den bei der Ausführung von monolithischem Mauerwerk
zunehmend Leichtmauermörtel nach DIN 1053 Teil 1

Wärmeleitfähigkeit in W/(mK)
(Wärmedurchgangskoeffizient in W/(m 2K) bei 36,5 cm Wanddicke)
bei Rohdichten von

900 kg/m 3 800 kg/m 3 700 kg/m 3 600 kg/m 3 500 kg/m3 400 kg/m 3

Leichthochlochziegel W (DIN 105 T2) 0,36 0,33 0,30


(0,82) 1) (0,76) (0,70)

Leichthochlochziegel2) bei 0,24 – 0,33 0,21 – 0,30 0,21 – 0,26


Verwendung von Normalmörtel (0,58 – 0,76) (0,51 – 0,70) (0,51 – 0,62)

Leichthochlochziegel2) bei 0,21 – 0,27 0,18 – 0,27 0,17 – 0,24


Verwendung von Leichtmörtel LM 36 (0,51 – 0,64) (0,45 – 0,64) (0,43 – 0,58)

Leichthochlochziegel2) bei 0,18 – 0,27 0,16 – 0,21 0,13 – 0,18


Verwendung von Leichtmörtel LM 21 (0,45 – 0,64) (0,40 – 0,51) (0,27 – 0,45)

Porenbeton-Plansteine (DIN 4165) 0,27 0,23 0,20 0,17 0,15


(0,64) (0,56) (0,49) (0,43) (0,38)

Porenbeton-Plansteine2) 0,21 0,18 0,14 – 0,16 0,09 – 0,13


(0,51) (0,45) (0,36 – 0,40) (0,24 – 0,33)

Vollblöcke aus Naturbims, 0,31 0,28 0,24 0,22


Länge bis 490 mm (DIN 18152) (0,72) (0,66) (0,58) (0,54)

Vollblöcke aus Naturbims 2) 0,18 – 0,27 0,15 – 0,24 0,14 – 0,21 0,11 – 0,18
(0,45 – 0,64) (0,38 – 0,58) (0,36 – 0,51) (0,28 – 0,45)

1)
Die Klammerwerte sind Wärmedurchgangskoeffizienten U in W/(m2K). 2)
Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik e. V., Berlin.

4-5 Wärmeleitfähigkeit von Mauerwerk unterschiedlicher Rohdichte sowie zugehörige Wärmedurchgangskoeffizienten U bei
einer Wanddicke von 36,5 cm

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/11


4 Fassaden und Außenwände Materialien des Mauerwerkbaus

eingesetzt. Leichtmauermörtel enthalten porige Zuschlä- 8.3 Außenputze


ge ohne Quarzsandzusatz. Sie werden durch ihre Wär-
meleitfähigkeit gekennzeichnet. So steht LM 36 für Außenputze werden in der Regel in mindestens zwei
Leichtmauermörtel mit einem für die Praxis maßgeben- Lagen (Unter- und Oberputz) auf das rohe Mauerwerk
den Wert der Wärmeleitfähigkeit von 0,36 W/(mK) und aufgebracht. Sie müssen selbstverständlich witterungs-
LM 21 entsprechend für eine Wärmeleitfähigkeit von 0,21 beständig sein. Ohne besonderen Nachweis gelten
W/(mK). Demgegenüber besitzt Zementmörtel (Nor- Außenputze, wie sie in DIN 18 550 beschrieben sind, bei
malmörtel, NM) mit 1,4 W/(mK) eine sehr hohe Wärme- einer mittleren Gesamtdicke von 20 mm und mehr als
leitfähigkeit. Auch bei Leichtmörtel beträgt die Mörtel- wasserhemmend, Abschn. 4.2.
schichtdicke der Lager- und Stoßfugen 10 mm.
Für wasserabweisende Putze müssen die Eigenschaf-
Bei besonders maßhaltigen Plansteinen reicht eine Kle- ten der Zusätze nachgewiesen werden. Bei Mauerwerk
befuge aus Dünnbettmörtel von etwa 2 mm Dicke aus. aus Leichtsteinen ist Leichtmörtel zu verwenden. Im Re-
Bei bestimmten Steinen kann auf eine Verklebung ganz gelfall schreibt der Hersteller der Steine den zu verwen-
verzichtet werden. Die dadurch erzielte Verringerung der denden und vom gleichen Werk zu beziehenden Mörtel
Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks beträgt 0,02 bis 0,05 (Werkmörtel) vor.
W/(mK).
Wärmedämmputze werden in der Regel als Unterputz in
Durch eine besondere Ausbildung der Stoßfuge von
Verbindung mit einem wasserabweisenden Oberputz ein-
Leichtziegeln und Bims-Blöcken kann die zur Vermaue-
gesetzt. Unter Verwendung von Zuschlägen niedriger
rung notwendige Mörtelmenge reduziert werden. Bei
Rohdichte werden dafür Putzmischungen mit einer Wär-
zusätzlicher Verzahnung der Steine in der Stoßfuge ist
meleitfähigkeit bis zu maximal 0,2 W/(mK) hergestellt. Sie
keine Vermörtelung der Stoßfuge erforderlich.
müssen mindestens 20 mm dick sein.
Handelt es sich nicht um Mauerwerk nach DIN 4108
Teil 4, so ist vom Lieferanten ein Prüfzeugnis mit einer Neben mineralisch abbindenden Putzen werden Kunst-
Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautech- harzputze als Oberputze mit organischen Bindemitteln
nik e.V., Berlin, vorzulegen. In diesem Prüfzeugnis muss hergestellt. Die Schichtdicke des Kunstharzputzes rich-
der Hersteller, das Steinformat, die Steinausbildung (Ver- tet sich nach der Korngröße des Größtkorns oder der
zahnung, Hohlräume usw.), die Steinrohdichte, der zu gewünschten Oberflächenstruktur. Ihr Einsatz erfolgt
verwendende Mauermörtel u. a. angegeben sein. Nur bei vorwiegend in Verbindung mit Wärmedämm-Verbund-
einer Ausführung des Mauerwerks nach den Angaben im systemen, Abschn. 11.5.
Prüfzeugnis kann mit der Wärmeleitfähigkeit aus diesem
Zeugnis gerechnet werden. Die Putze für Kellerwandmauerwerk (unter Erdreich)
müssen aus Mörteln mit hydraulischem (d. h. zementhal-
Für Kellerwände von Wohngebäuden sind zementhaltige tigem) Bindemittel bestehen. Außenwandputze müssen
Mörtel vorgeschrieben. Gleiches gilt für Außenwand- bis 30 cm über Erdreich ausreichend wasserabweisend
dicken unter 24 cm und eine Gebäudehöhe, die mehr als sein (DIN 18195 Teil 4). Unter Erdreich wird eine zusätz-
zwei Vollgeschosse umfasst. liche Abdichtung der Putzoberfläche erforderlich.

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

8.4 Mauerwerksabmessungen 1 2 3
20 °C
Der Festlegung der Mauerlänge und -höhe sollte das
Format der Mauersteine einschließlich der Fugendicke
zugrunde gelegt werden. Das Normalformat (NF) beträgt
24 cm × 11,5 cm × 7,1 cm und das Fugenmaß 1 cm. Es
werden auch Plansteine für Dünnbettmörtel angeboten, 10 °C

Fassaden und
Außenwände
die eine Lagerfuge von 2 mm aufweisen. Die Festlegung
von Abmessungen im Steinmaß ist wirtschaftlich
sinnvoll, um Zusatzarbeiten zu vermeiden! Eine trotz-
dem notwendige Steinteilung sollte durch Sägen erfol-
gen, damit der gleichmäßige Fugenanteil beibehalten FROST
0 °C
werden kann.

Tragende Wände aus Mauersteinen haben Dicken von


11,5 cm, 15 cm, 17,5 cm, 20 cm, 24 cm, 30 cm, 36,5 cm
und 49 cm (ohne Putz). Für Planblöcke und Betonschei- -10 °C
ben betragen die Dicken 17,5 cm, 20 cm, 25 cm, 30 cm 1.5 36.5 2.0
und 36,5 cm. Alle Wände sind im Regelfall beidseitig ver- 40.0
putzt, wobei die Dicke des Innenputzes bei dem meist Innen Maße in cm Außen
verwendeten Gipsputz 1 bis 1,5 cm beträgt (Außenputz,
Abschn. 8.3). 1 Innenputz
2 Leichtmauerwerk
3 Außenputz
9 Übersicht und Kenndaten der Außen-
4-6 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk
wandkonstruktionen

9.1 Übersicht Mauerwerksart: Leichtmauerwerk

Nachstehend werden häufig verwendete Außenwand- Eigenschaften: Guter winterlicher Wärmeschutz bei
konstruktionen des Wohnungsbaus im schematischen Wanddicken von 36,5 cm und mehr. Verbesserung des
Querschnitt dargestellt und ihre wichtigsten Eigenschaf- Wärmeschutzes durch Einsatz von Leichtmörtel, Steinen
ten beschrieben. Unterschieden wird zwischen ein- und mit trockener Stoßfuge oder Planblöcken mit Dünnbett-
zweischaligen Wänden, wobei z. B. eine einschalige mörtelfuge, Abschn. 8.2. Mittlerer sommerlicher Wärme-
schutz; Verbesserung möglich durch schwere Innen-
Wand aus mehreren Schichten bestehen kann. So stellt
bauteile. Starke thermische Bewegung im Mauerwerk;
Mauerwerk mit Wärmedämmung eine einschalige Wand Verwendung angepasster Putze erforderlich. Bewehrun-
mit zwei Schichten dar. gen im Übergangsbereich unterschiedlicher Putzunter-
gründe und Vermeidung von Mischmauerwerk verhindern
An die Übersicht der Außenwandkonstruktionen schließt Putzrisse. Guter Schlagregenschutz durch angepasste
sich die umfassende Tabelle 4-15 an, die wichtige Kenn- Putze. Ausgleich des winterlichen Tauwasseranfalls
daten der in den Abbildungen 4-6 bis 4-14 dargestellten durch Verdunstung im Sommer. Es verbleibt kein Wasser
Bauteile für unterschiedliche Wanddicken enthält. im Bauteil.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/13


4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

1 2 3 4 5 1 2 3
20 °C 20 °C

10 °C 10 °C

FROST FROST
0 °C 0 °C

-10 °C -10 °C
1.5 24.0 0.4 15.0 0.6 14.0 15.0 7.0
41.5 36.0
Innen Maße in cm Außen Innen Maße in cm Außen

1 Innenputz 4 Wärmedämmung 1 Stahlbeton


2 Leichtes bis schweres 5 Armierte Beschichtung 2 Wärmedämmung
Mauerwerk 3 Stahlbeton
3 Ansetzkleber

4-7 Einschalige Wand mit Außendämmung 4-8 Einschalige Wand mit Kerndämmung

Mauerwerksart: Leichtes bis schweres Mauerwerk Wandart: Sandwichelement aus Beton

Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz im Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz im
Winter bei Wärmedämmdicken von 10 cm und mehr. Winter bei Wärmedämmdicken von 10 cm und mehr.
Mittlerer bis guter sommerlicher Wärmeschutz durch Mittlerer bis guter sommerlicher Wärmeschutz durch
schweres tragendes Mauerwerk. Die geforderte Trag- schwere Innenschale. Die Kerndämmung schützt die
fähigkeit der Wand bestimmt die Dicke des Mauerwerks. tragende, innere Wandbauplatte vor thermischer Bewe-
Durch die Außendämmung werden Wärmebrücken in der gung. Die Außenverblendung muss durch Bewegungs-
Gebäudehülle weitgehend vermieden und das tragende fugen in kürzeren Abständen geteilt werden. Ausgleich
Mauerwerk vor thermischen Bewegungen geschützt. des sehr geringen winterlichen Tauwasseranfalls in der
Ausgleich des winterlichen Tauwasseranfalls in der Wärmedämmschicht durch Verdunstung im Sommer. Es
Wärmedämmschicht durch Verdunstung im Sommer. Es verbleibt kein Wasser im Bauteil.
verbleibt kein Wasser im Bauteil.

4/14 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

1 2 3 4 5 1 2 3 4 5
20 °C 20 °C

10 °C 10 °C

Fassaden und
Außenwände
FROST FROST
0 °C 0 °C

-10 °C -10 °C
1.2 15.0 0.5 24.0 2.0 1.5 15.0 6.0 1.0
42.7 23.5
Innen Maße in cm Außen Innen Maße in cm Außen

1 Gipskartonplatte 4 Leichtes bis schweres 1 Gipskartonplatte 4 Wärmedämmung


2 Wärmedämmung Mauerwerk 2 Dampfsperre 5 Armierte Beschichtung
3 Ansetzkleber 5 Außenputz 3 Gedämmte Holz-Rahmen-
Konstruktion

4-9 Einschalige Wand mit Innendämmung 4-10 Einschalige Leichtbauwand

Mauerwerksart: Leichtes bis schweres Mauerwerk Wandart: Rahmenkonstruktion


Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz im Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz im
Winter bei Wärmedämmdicken von 10 cm und mehr. Winter bei Wärmedämmdicken von 10 cm und mehr. Der
Geringer sommerlicher Wärmeschutz durch kleine sommerliche Wärmeschutz muss durch schwere Innen-
Wärmespeichermasse raumseitiger Bauteilschichten. bauteile erreicht werden. Im Fertighausbau werden
Wärmebrücken an Decken und einbindenden Zwischen- tragende Rahmen mit Ausfachungen ausgeführt. Die
wänden sind nicht vermeidbar. Es muss mit starken Wärmedämmung in den entstehenden Gefachen wird
thermischen Bewegungen im tragenden Mauerwerk ge- meist durch eine weitere Wärmedämmschicht auf der
rechnet werden. Bei Einplanung einer ausreichend Außenseite des Tragrahmens ergänzt. Raumgewinn ent-
dampfbremsenden Wärmedämmschicht oder einer innen steht durch eine geringe Wanddicke. Die Dampfsperre
liegenden Dampfbremse erfolgt ein Ausgleich des wird durch geeignete Verklebung der einzelnen Bahnen
winterlichen Tauwasseranfalls in der Wärmedämmschicht und entsprechende Anschlüsse an andere Bauteile als
durch Verdunstung im Sommer. Es verbleibt kein Wasser Luftdichtung ausgeführt. Die Außenhaut kann aus
im Bauteil. großformatigen oder kleinschuppigen Elementen be-
stehen; ein vorgehängter und hinterlüfteter Bewitte-
rungsschutz führt zur zweischaligen Leichtbauwand. Im
Winter entsteht kein Tauwasseranfall.

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

1 2 3 4 5 1 2 3 4
20 °C 20 °C

10 °C 10 °C

FROST FROST
0 °C 0 °C

-10 °C -10 °C
1.5 17.5 10.0 4.0 11.5 1.5 17.5 15.0 11.5
44.5 45.5
Innen Maße in cm Außen Innen Maße in cm Außen

1 Innenputz 3 Wärmedämmung 1 Innenputz 3 Wärmedämmung


2 Leichtes bis schweres 4 Luftschicht 2 Leichtes bis schweres 4 Außenschale
Mauerwerk 5 Außenschale Mauerwerk

4-11 Zweischalige Wand mit Wärmedämmschicht, 4-12 Zweischalige Wand mit Kerndämmung
Hinterlüftung und schwerer Außenschale
Mauerwerksart: Leichtes bis schweres Mauerwerk Wandart: Leichtes bis schweres Mauerwerk
Eigenschaften: Mittlerer bis guter Wärmeschutz im Winter, Eigenschaften: Guter Wärmeschutz im Winter, wenn die
wenn die mögliche Wärmedämmdicke von bis zu 11 cm mögliche Wärmedämmdicke von bis zu 15 cm ausge-
ausgeschöpft wird. Mittlerer bis guter sommerlicher Wär- schöpft wird. Mittlerer bis guter sommerlicher Wärme-
meschutz in Abhängigkeit der Schwere der Innenschale. schutz je nach Schwere des tragenden Mauerwerks
Der Abstand zwischen Innen- und Außenschale darf nach (Verbesserung durch schwere Innenbauteile möglich).
DIN 1053-1 höchstens 15 cm betragen. Die Wärmedäm- Die Wärmedämmung schützt die tragende innere Schale
mung und die hinter der Außenschale notwendige durch- vor thermischer Bewegung. Die Außenschale muss in
gehende Luftschicht von mindestens 4 cm Dicke führen zu kurzen Abständen durch Dehnungsfugen geteilt werden.
einem dicken Mauerwerkspaket. Das tragende Mauerwerk Ausgleich des winterlichen Tauwasseranfalls in der
ist durch die Wärmedämmung vor thermischen Bewegun- Wärmedämmschicht durch Verdunstung im Sommer. Es
gen geschützt. Die thermische Bewegung der Außen- verbleibt kein Wasser im Bauteil.
schale muss durch Dehnungsfugen u. a. aufgefangen
werden. Im Winter fällt kein Tauwasser in der Wand an.
Bei leichter Außenschale kann eine dickere Wärmedämm-
schicht vorgesehen werden, Abschn. 13.4.

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

1 2 3 4 5 6 7 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
20 °C 20 °C

Fassaden und
Außenwände
10 °C 10 °C
1.5 20.0 10.0 1.5 10.0 24.0 2.0
31.5 37.5
Innen Maße in cm Außen Innen Maße in cm Außen

1 Innenputz 5 Drainschicht 1 Innenputz 6 Zementputz


2 Stahlbeton 6 Filterschicht 2 Dampfsperre 7 Außenwandabdichtung
3 Außenwandabdichtung 7 Erdreich 3 Wärmedämmung 8 Drainschicht
4 Wärmedämmung 4 Ansetzkleber 9 Filterschicht
5 Mauerwerk 10 Erdreich

4-13 An Erdreich grenzende Wand mit Außendämmung 4-14 An Erdreich grenzende Wand mit Innendämmung
Wandart: Schweres Mauerwerk oder Stahlbeton Wandart: Schweres Mauerwerk oder Stahlbeton
Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz wäh- Eigenschaften: Guter bis sehr guter Wärmeschutz wäh-
rend des ganzen Jahres (Erdreichtemperatur ≈ 10 °C) bei rend des ganzen Jahres (Erdreichtemperatur ≈ 10 °C) bei
Wärmedämmdicken von 8 cm und mehr. Das große Wär- Wärmedämmdicken von 8 cm und mehr. Bei nur zeit-
mespeichervermögen raumnaher Wandschichten trägt weise beheizten Räumen im Kellerbereich ist die Innen-
zur „Glättung“ hoher sommerlicher Außentemperaturen dämmung vorteilhaft: Sie führt zu kürzeren Aufheizzeiten
in den Räumen bei. Bei außen liegender Wärmedämmung als eine Außendämmung und ist bei nachträglicher Wär-
werden Wärmebrücken durch einbindende Decken und medämmung kostengünstig und einfach ausführbar. Bei
Wände vermieden. Sorgfältige Abdichtung der Wand der Innendämmung von Wänden ist im Regelfall eine
gegen Eindringen von Feuchtigkeit ist erforderlich. Im Dampfsperre erforderlich. Lediglich Dämmplatten mit
Winter fällt kein Tauwasser in der Wand an, auch tritt im hohem Wasserdampfdiffusionswiderstand können ohne
Sommer und Winter auf der Wandoberfläche kein Dampfsperre verlegt werden. Bei sorgfältig verlegter
Kondenswasser auf. Dampfsperre fällt kein Tauwasser in der Wand an und im
Sommer und Winter tritt auf der Wandoberfläche kein
Kondenswasser auf.

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

9.2 Kenndaten der Außenwandkonstruktionen Dämmstoffstärken betragen dagegen nur wenige Euro
pro m2 und cm. Preisstand ist Herbst 2002. Die ange-
In der Übersichtstabelle Bild 4-15 werden die wichtigsten gebenen Werte schließen die Mehrwertsteuer nicht
wärmetechnischen Kenndaten der Außenwände nach Bild ein.
4-6 bis Bild 4-14 genannt. Für jede Außenwand wurde
die Dicke derjenigen Wandschicht variiert, die für ➆ Der Wärmeverlust (Transmissionswärmeverlust) be-
den Wärmeschutz maßgebend ist. Der sich ergebende zieht sich auf einen m 2 Außenwandfläche und den
Wärmedurchgangskoeffizient U kann durch Vergleich mit Gradtagzahlfaktor F Gt = 66 nach DIN V 4108-6, der
den Anforderungen nach Bild 4-3 bewertet werden. Die beim vereinfachten Verfahren (Kap. 2, Abschn. 6.2.2)
weiteren Angaben wie Richtpreis, Wärmeverlust und für den öffentlich-rechtlichen Nachweis anzuwenden
Heizenergiekosten ermöglichen eine wirtschaftliche ist.
Bewertung der verschiedenen Außenwandkonstruktio-
nen. Sie sind auf einen m2 Wandfläche bezogen. ➇ Den auf die Transmissionswärmeverluste bezogenen
Heizenergiekosten liegt ein Heizöl- bzw. Erdgaspreis
Die Hinweiszeichen ➀ bis ➇ in Tabelle Bild 4-15 bedeu- von 0,40 Euro je Liter bzw. m 3 und ein Jahresnutzungs-
ten: grad einer Gas- oder Ölheizung von 0,85 (entspricht
einer Anlagenaufwandszahl von 1,3, Kap. 2, Kap. 16)
➀ Bildnummer der Wandkonstruktion nach Abschn. 9.1. zugrunde. Wesentlich geringere Heizenergiekosten
werden beim Einsatz einer Elektrowärmepumpe er-
➁ Betrachtete Außenwand. Die Wandschicht, deren reicht, die Umweltwärme zur Heizwärmebereitstellung
Dicke variiert wird, ist durch halbfetten Druck hervor- nutzt, Kap. 16.
gehoben.

➂ Dicke der zu variierenden Schicht.

➃ Gesamtdicke der Wand.


– Je dicker eine Außenwand ist, umso größer ist bei
festgelegten Außenabmessungen des Gebäudes
der Verlust an Wohnfläche.
– Je dicker eine Außenwand ist, umso größer ist bei
festgelegter Wohnfläche die Außenabmessung des
Gebäudes und damit der umbaute Raum.
➄ Der Wärmedurchgangskoeffizient U ist die wichtigste
Größe zur Beurteilung des winterlichen Wärmeschut-
zes einer Außenwand. Je kleiner U ist, umso geringer
sind die Wärmeverluste.

➅ Die Richtpreise beziehen sich auf einen m2 Außen-


wandfläche ohne Berücksichtigung von Stürzen,
Deckeneinbindungen usw. Die Bandbreite der Richt-
preise begründet sich primär aus regionalen Preisun-
terschieden der Anbieter. Die Mehrkosten für dickere

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

➀ ➁ ➂ ➃ ➄ ➅ ➆ ➇
Bild Betrachtete Außenwand Schicht- Gesamtdicke U-Wert Richtpreis1) Wärme- Heizenergie-
Nr. dicke cm W/(m2K) verluste kosten
€/m2
cm kWh/(m2 Jahr) €/(m2 Jahr)
4-6 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk
Außenputz 2,0 cm 30 33,5 0,45 130 30 1,40
Leichthochlochziegel 0,7 2) + LM 21 (Z) 3) 36,5 40,0 0,38 bis 25 1,19
49 52,5 0,29 200 19 0,90

Fassaden und
Innenputz 1,5 cm

Außenwände
Außenputz 2,0 cm 30 33,5 0,61 120 40 1,90
Leichthochlochziegel 0,7 + NM (Z) 4) 36,5 40,0 0,51 bis 34 1,59
Innenputz 1,5 cm 49 52,5 0,39 180 26 1,22
Außenputz 2,0 cm 30 33,5 0,45 110 30 1,40
Porenbeton-Plansteine 0,4 36,5 40,0 0,38 bis 25 1,19
Innenputz 1,5 cm 140
Außenputz 2,0 cm 24 27,5 0,45 110 30 1,40
Porenbeton-Plansteine 0,4 (Z) 5) 30 33,5 0,37 bis 24 1,15
Innenputz 1,5 cm 36,5 40,0 0,31 160 20 0,97
Außenputz 2,0 cm 30 33,5 0,64 100 42 2,00
Bims-Block 0,5 36,5 40,0 0,54 bis 36 1,68
Innenputz 1,5 cm 49 52,5 0,41 140 27 1,28
Außenputz 2,0 cm 24 27,5 0,55 110 36 1,72
Bims-Block 0,5 (Z) 6) 30 33,5 0,45 bis 30 1,40
Innenputz 1,5 cm 36,5 40,0 0,38 140 25 1,19

4-7 Einschalige Wand mit Außendämmung


Deckputz 1,0 cm 4 30,5 0,54 130 36 1,68
Wärmedämmputz WLG 070 7) 6 32,5 0,47 bis 31 1,47
Leichthochlochziegel 0,7 24,0 cm 8 34,5 0,41 180 27 1,28
Innenputz 1,5 cm
Armierte Beschichtung 0,6 cm 8 28,0 0,42 140 28 1,31
Polystyrol-Hartschaum WLG 040 10 30,0 0,35 bis 23 1,09
Ansetzkleber 0,4 cm 12 32,0 0,29 200 19 0,90
Kalksand-Steine 1,8 17,5 cm 15 35,0 0,24 16 0,75
Innenputz 1,5 cm 20 40,0 0,19 13 0,59
Armierte Beschichtung 1,0 cm 8 34,9 0,38 150 25 1,19
Mineralfaser WLG 040 10 36,9 0,32 bis 21 1,00
Ansetzkleber 0,4 cm 12 38,9 0,28 210 18 0,87
Leichtbeton-Hohlblocksteine 1,2 24,0 cm 15 41,9 0,23 15 0,72
Innenputz 1,5 cm 20 46,9 0,18 12 0,56
Armierte Beschichtung 1,0 cm 4 30,9 0,46 150 30 1,44
Holzfaser WLG 045 6 32,9 0,38 bis 25 1,19
Ansetzkleber 0,4 cm 8 34,9 0,33 210 22 1,03
Leichthochlochziegel 0,7 24,0 cm 10 36,9 0,29 19 0,90
Innenputz 1,5 cm

Erläuterungen zu 1) bis 10) siehe Tabelle III.


Erläuterungen zu ➀ bis ➇ siehe Text in Abschn. 9.2.

4-15 Wärmetechnische Kenndaten, Preise und Heizenergiekosten wichtiger Außenwandkonstruktionen, Tabelle I

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4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

➀ ➁ ➂ ➃ ➄ ➅ ➆ ➇
Bild Betrachtete Außenwand Schicht- Gesamtdicke U-Wert Richtpreis1) Wärme- Heizenergie-
Nr. dicke cm W/(m2K) verluste kosten
€/m2
cm kWh/(m2 Jahr) €/(m2 Jahr)
4-8 Einschalige Wand mit Kerndämmung
Beton 7,0 cm 8 29,0 0,44 110 29 1,37
Polystyrol-Hartschaum WLG 040 10 31,0 0,36 bis 24 1,12
Beton 14,0 cm 12 33,0 0,31 150 20 0,97
15 36,0 0,25 17 0,78
20 41,0 0,19 13 0,59
4-9 Einschalige Wand mit Innendämmung
Außenputz 2,0 cm 8 35,7 0,38 120 25 1,18
Leichtbeton-Hohlblocksteine 1,2 24,0 cm 10 37,7 0,32 bis 21 1,00
Ansetzkleber 0,5 cm 12 39,7 0,27 160 18 0,84
Polystyrol-Hartschaum WLG 040 15 42,7 0,23 15 0,72
Gipskartonplatte 1,2 cm 20 47,7 0,18 12 0,56
4-10 Einschalige Leichtbauwand
Armierte Beschichtung 1,0 cm 4 + 15 8) 21,5 0,21 150 14 0,66
Polystyrol-Hartschaum WLG 040 6 + 15 23,5 0,19 bis 13 0,59
Gedämmte Holz-Rahmenkonstruktion 15,0 cm 8 + 15 25,5 0,18 180 12 0,56
Luftdichtung und Dampfbremse 0,03 cm
Innenbeplankung 1,5 cm
Vorhangfassade 4,0 cm 4 + 15 8) 28,0 0,22 170 15 0,69
Hinterlüftung 2,0 cm 6 + 15 30,0 0,20 bis 13 0,62
Bitumen-Holzfaserplatte 2,0 cm 8 + 15 32,0 0,18 200 12 0,56
Gedämmte Holz-Rahmenkonstruktion 15,0 cm
Zellulose WLG 045
Dampfbrems-/Konvektionsschutzpappe 0,05 cm
Gipskarton 1,0 cm
4-11 Zweischalige Wand mit Wärmedämmung und Luftschicht
Kalksand-Vollsteine 2,0 9) 11,5 cm 8 42,0 0,37 230 24 1,15
Luftschicht 4,0 cm 10 44,0 0,31 bis 20 0,97
Polystyrol-Hartschaum WLG 035 280
Kalksand-Lochsteine 1,8 17,5 cm
Innenputz 1,0 cm
Bekleidungsplatte 10) 0,5 cm 8 31,5 0,37 140 24 1,15
Luftspalt bzw. Tragkonstruktion 4,0 cm 10 33,5 0,31 bis 20 0,97
Mineralfaser WLG 035 12 35,5 0,26 200 17 0,81
Beton 18,0 cm 15 38,5 0,21 14 0,66
Innenputz 1,0 cm
Vormauerziegel 1,4 9) 11,5 cm 8 42,0 0,27 240 18 0,84
Luftschicht 4,0 cm 10 44,0 0,24 bis 16 0,75
Mineralfaser WLG 035 300
Porenbeton-Plansteine 0,4 17,5 cm
Innenputz 1,0 cm

Erläuterungen zu 1) bis 10) siehe Tabelle III.


Erläuterungen zu ➀ bis ➇ siehe Text in Abschn. 9.2.
4-15 Wärmetechnische Kenndaten, Preise und Heizenergiekosten wichtiger Außenwandkonstruktionen, Tabelle II

4/20 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Übersicht und Kenndaten der Außenwandkonstruktionen

➀ ➁ ➂ ➃ ➄ ➅ ➆ ➇
Bild Betrachtete Außenwand Schicht- Gesamtdicke U-Wert Richtpreis1) Wärme- Heizenergie-
Nr. dicke cm W/(m2K) verluste kosten
€/m2
cm kWh/(m2 Jahr) €/(m2 Jahr)
4-12 Zweischalige Wand mit Kerndämmung
Vormauerziegel 1,4 11,5 cm 8 38,5 0,38 210 25 1,19
Blähperlit WLG 045 10 40,5 0,33 bis 22 1,03
Leichthochlochziegel 0,8 17,5 cm 12 42,5 0,29 250 19 0,90

Fassaden und
Außenwände
Innenputz 1,5 cm 15 45,5 0,24 16 0,75
Kalksand-Vollstein 2,0 11,5 cm 8 38,5 0,36 200 24 1,12
Polystyrol-Hartschaum WLG 035 10 40,5 0,30 bis 20 0,94
Kalksand-Vollstein 1,8 17,5 cm 12 42,5 0,26 240 17 0,81
Innenputz 1,5 cm 15 45,5 0,21 14 0,66
4-13 An Erdreich grenzende Wand mit Außendämmung
Polystyrol-Extruderschaum WLG 035 8 29,5 0,39 150 26 1,22
Abdichtung 10 31,5 0,32 bis 21 1,00
Beton 20,0 cm 12 33,5 0,27 200 18 0,84
Innenputz 1,5 cm
4-14 An Erdreich grenzende Wand mit Innendämmung
Abdichtung 8 35,5 0,41 150 27 1,28
Zementputz 2,0 cm 10 37,5 0,34 bis 22 1,06
Vollziegel 1,8 24,0 cm 12 39,5 0,29 200 19 0,90
Mineralfaser WLG 040
Dampfsperre 0,03 cm
Putz und Putzträger 1,5 cm

1) Alle Preise ohne Mehrwertsteuer.


2)
Rohdichteklasse (RDK) 0,7 entspricht einer Rohdichte von 651 bis 700 kg/m3 .
3)
Mauerwerk mit Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik e. V., Berlin. Vorgeschrieben ist die Verwendung von Leichtmörtel LM 21.
Der für die Praxis maßgebende Wert der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks beträgt 0,15 W/(mK).
4)
Mauerwerk mit Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik e. V., Berlin. Vorgeschrieben ist die Verwendung von Normalmörtel.
Der für die Praxis maßgebende Wert der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks beträgt 0,21 W/(mK).
5) Mauerwerk mit Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik e. V., Berlin.
Der für die Praxis maßgebende Wert der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks beträgt 0,12 W/(mK).
6)
Mauerwerk mit Einzelzulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik e. V., Berlin.
Der für die Praxis maßgebende Wert der Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks beträgt 0,15 W/(mK).
7)
Wärmeleitfähigkeitsgruppe 070 entspricht einer Wärmeleitfähigkeit von 0,070 W/(mK).
8)
Wärmedämmung in den Gefachen des Holzständerwerks.
9) Zweischalige Außenwand mit schwerer Außenschale, Abschn. 13.5.
10) Zweischalige Außenwand mit leichter Außenschale, Abschn. 13.4.
Erläuterungen zu ➀ bis ➇ siehe Text in Abschn. 9.2.
4-15 Wärmetechnische Kenndaten, Preise und Heizenergiekosten wichtiger Außenwandkonstruktionen, Tabelle III

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4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

10 Übergangsbereiche tragender Außen-


wände aus massivem Mauerwerk

10.1 Vorbemerkung 1

Jede tragende Außenwand hat Anforderungen an die 2


Tragfähigkeit, den Wärme- und Schallschutz u. a. zu er-
füllen. Diese Anforderungen lassen sich bei der „unge- 3
störten“ Außenwand, Bilder 4-6 bis 4-14, ohne Ein- 4
schränkung einhalten. In den Übergangsbereichen, z. B. 5
im Bereich der Einbindung von Decken sowie der Öffnun-
gen für Fenster und Türen, können dagegen abgegrenzte 6
Bauteilzonen entstehen, die einen erhöhten Wärmestrom
an die äußere Umgebung ableiten und ungleichen ther-
mischen Spannungen ausgesetzt sind. Diese Bereiche 7
erhöhten Wärmeverluststroms – als Wärmebrücken be- 1
kannt, Kap. 10 – vergrößern den Heizwärmeverbrauch ei-
2
nes Hauses um bis zu 15 %, wenn keine bautechnischen
Maßnahmen zur Begrenzung des Wärmeverluststroms 8
getroffen werden.

Im folgenden Abschnitt werden bau-, schall- und wärme-


1 Innenputz 5 Randdämmstreifen
technische Anforderungen an kritische Bauteilbereiche 2 Ziegelmauerwerk 6 Stahlbetondecke
bei einschaligen Außenwänden aus massivem Mauer- 3 Trittschalldämmung 7 Leichtziegel L-Schale
werk (Bild 4-6) genannt und Maßnahmen aufgezeigt, die 4 Schwimmender Estrich 8 Außenputz
diesen Forderungen entsprechen.
4-16 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
L-Schale als Deckenauflager
10.2 Anforderungen

Im Bereich der Einbindung von Decken, Rollladenkästen Die Leichtziegel-L-Schale, auf der die Decke aufliegt, ist
und Fensterstürzen soll die Wärmedämmung der Außen- zusätzlich wärmegedämmt. Dadurch erreicht dieser
bauteile nicht geringer sein als in der ungestörten Wand. Bereich fast die gleiche Wärmedämmwirkung wie ein
Außerdem soll die gesamte Außenfläche, die den Putz- 36,5 cm dickes Leichtziegelmauerwerk. Die Formteile
untergrund darstellt, möglichst aus dem gleichen Stein- werden im Steinraster geliefert. Die Materialgleichheit
material bestehen. Dadurch werden Spannungen durch von L-Schale und Mauerwerk verhindert ungleiche ther-
ungleiche thermische Bewegungen vermieden. In Bild mische Bewegungen im Putzuntergrund und damit ther-
4-16 wäre z. B. die L-Schale materialgleich mit dem ver- mische Spannungen im Putz.
wendeten Mauerstein auszuführen. Wenn die Außenfläche
von Mauerwerk wie in Bild 4-18 durch eine Wärmedämm- Die Bilder 4-16 bis 4-26 zeigen für kritische Außenwand-
fläche unterbrochen wird, muss diese als Putzträger aus- bereiche Maßnahmen zur Reduzierung von Wärmebrü-
gebildet sein. Außerdem ist der Außenputz im Übergangs- cken und Vermeidung von bautechnischen Fehlstellen
bereich der verschiedenen Materialien zu armieren. auf.

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4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

1
1

2 2

Fassaden und
3

Außenwände
3
4 4

5 5
6
6
1
7 1
7
8 8

2 2

9 9

1 Innenputz 6 Stahlbetondecke 1 Innenputz 6 Stahlbetondecke


2 Mauerwerk 7 Wärmedämmung 2 Mauerwerk 7 Wärmedämmung mit
3 Trittschalldämmung 8 Abstellstein 3 Trittschalldämmung Putzträgeroberfläche
4 Schwimmender Estrich 9 Außenputz 4 Schwimmender Estrich 8 Armierung
5 Randdämmstreifen 5 Randdämmstreifen 9 Außenputz

4-17 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk – 4-18 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
Deckenabschluss mit Abstellstein Deckenabschluss mit anschließender Wärme-
dämmschicht

Die zwischen Decke und Abstellstein angeordnete Wär- Die stirnseitige Wärmedämmung der Geschossdecke wird
medämmung vermindert die Wirkung der durch die ver- vor dem Betonieren der Decke in die Schalung eingelegt.
ringerte Mauerwerksdicke an dieser Stelle entstehenden Die mit einer Putzträgeroberfläche versehene Wärmedäm-
Wärmebrücke. Die Materialgleichheit von Abstellstein mung erstreckt sich über die Deckendicke, kann aber auch
und Mauerwerk verhindert ungleiche thermische Be- zur weiteren Reduzierung des Wärmebrückeneinflusses an
wegungen im Putzuntergrund und damit thermische die darüber und darunter liegende Steinlage übernommen
Spannungen im Putz. Der Deckenabschluss mit Abstell- werden. Bedingt durch den Materialwechsel im Putzunter-
stein und Wärmedämmung wird als „verlorene Schalung“ grund ist mit thermischen Spannungen im Putz zu rech-
ausgeführt. nen. Daher muss der Putz hier zusätzlich armiert werden.

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4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

1 1

2 2
3 3
4 4
5 5

6 6

7 7
1 1
8 7
9 8
9
10
11
10

1 Innenputz 6 Stahlbetondecke 1 Innenputz 7 Leichtziegel D-Schale


2 Ziegelmauerwerk 7 Leichtziegel D-Schale 2 Mauerwerk 8 Armierung
3 Trittschalldämmung 8 Armierung 3 Trittschalldämmung 9 Fertig-Rolladenkasten
4 Schwimmender Estrich 9 Wärmegedämmter 4 Schwimmender Estrich 10 Zusatzdämmung
5 Randdämmstreifen Leichtziegel-Rolladenkasten 5 Randdämmstreifen 11 Außenputz
10 Außenputz 6 Stahlbetondecke

4-19 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk – 4-20 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
Wärmegedämmter Leichtziegel-Rollladenkasten Wärmegedämmter Fertig-Rollladenkasten

Der Leichtziegel-Rollladenkasten ist auf der Raumseite Fertig-Rollladenkästen werden nach Maß gebaut. Es gibt
wärmegedämmt. Die Wärmeschutzwirkung des Roll- verschiedene Fabrikate mit unterschiedlicher Ausbildung
ladenkastens soll etwa der Wärmeschutzwirkung der der Wärmedämmung. Die Wärmeschutzwirkung des
ungestörten Wand entsprechen. Der zusätzlich erfor- Rollladenkastens soll etwa der Wärmeschutzwirkung der
derliche wärmegedämmte Rollladendeckel ist ggf. zu- ungestörten Wand entsprechen. Rollladenkasten und
sammen mit dem Fenster zu fertigen und einzubauen. Mauerwerk bestehen aus verschiedenen Materialien.
Problematisch ist bei allen innen liegenden Rollladen- Deshalb ist der Putz auf der Außenfläche der Wand zu
kästen der erforderliche luftdichte Abschluss zum armieren.
Gebäudeinneren.

4/24 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

2
1

Fassaden und
Außenwände
3
3 4
4
5
5 6
1
6
7
7 8
9
8
9 10

1 Innenputz 6 Stahlbetondecke 1 Innenputz 6 Stahlbetondecke


2 Mauerwerk 7 Leichtziegel D-Schale 2 Mauerwerk 7 Wärmedämmung
3 Trittschalldämmung 8 Leichtziegel U-Schale 3 Trittschalldämmung 8 Abstellstein
4 Schwimmender Estrich 9 Außenputz 4 Schwimmender Estrich 9 L-Stein
5 Randdämmstreifen 5 Randdämmstreifen 10 Außenputz

4-21 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk – 4-22 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
Wärmegedämmter U-Stein als Fenstersturz Einsatz eines L-Steins im Bereich des Fenster-
sturzes

Der Fenstersturz ist als wärmegedämmte U-Schale aus- Der Fenstersturz besteht aus einem L-Stein und einem
gebildet. In Verbindung mit einem wärmegedämmten Normalstein. Er kann wie bei Bild 4-17 mit einer dicken
Abstellstein entsteht – bei Materialgleichheit von Mauer- Wärmedämmschicht ausgelegt werden. Bei Material-
stein, Fenstersturz und Abstellstein – ein gleichmäßiger gleichheit von Fenstersturz und Mauerwerk entsteht ein
Materialuntergrund für den Außenputz. gleichmäßiger Untergrund für den Außenputz.

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4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

1
1

3
2
4

5 3
4

6 5
7 6
1 7
8
9 8

1 Innenputz 6 Stahlbetondecke 1 Ringbalken 5 Mauerwerk


2 Mauerwerk 7 Armierung 2 U-Schale 6 Stahlbetondecke
3 Trittschalldämmung 8 Wärmedämmung mit 3 Innenputz 7 Leichtziegel D-Schale
4 Schwimmender Estrich Putzträgeroberfläche 4 Wärmedämmung 8 Außenputz
5 Randdämmstreifen 9 Außenputz

4-23 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk – 4-24 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
Einsatz von Wärmedämmplatten im Bereich des Ringbalken bei nicht ausgebautem Dachraum
Fenstersturzes

Der Fenstersturz aus Zuschnitten von Wärmedämmplat- Im nicht ausgebauten Dachraum kann der Ringbalken aus
ten mit Putzträgeroberfläche erfordert eine Armierung einer ungedämmten U-Schale mit eingegossenem Beton
und einen Kantenschutz im Putzabschluss. sowie der statisch erforderlichen Armierung bestehen.

4/26 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Übergangsbereiche tragender Außenwände aus massivem Mauerwerk

1 1
2
3
2
4
3

Fassaden und
Außenwände
5 4
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9 9
10 10
3 3
1 1
8 6

11 11

1 Innenputz 7 Randdämmstreifen 1 Innenputz 7 Randdämmstreifen


2 Ringbalken 8 Mauerwerk 2 Ringbalken 8 Armierung
3 Wärmedämmung 9 Stahlbetondecke 3 Wärmedämmung 9 Stahlbetondecke
4 L-Stein 10 Abstellstein 4 Trittschalldämmung 10 Abstellstein
5 Trittschalldämmung 11 Außenputz 5 Schwimmender Estrich 11 Außenputz
6 Schwimmender Estrich 6 Mauerwerk

4-25 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk – 4-26 Einschalige Wand aus massivem Mauerwerk –
Wärmedämmung des Ringbalkens durch Ringbalken mit außen liegender Wärmedämmung
Einsatz eines L-Steins

Bei dem beheizten Dachgeschoss liegt die Wärmedäm- Im Dachgeschoss ist eine Wärmedämmung des Ring-
mung zwischen Ringbalken und L-Stein. Mit dem L-Stein balkens erforderlich, um eine Wärmebrücke an dieser
wird ein gleichmäßiger Steinuntergrund für den Außen- Stelle zu vermeiden. Wärmedämmplatten mit Putz-
putz erreicht. Die Dachdämmung ist an die Dämmschicht trägeroberfläche lassen sich wirtschaftlich bei Ring-
des Ringbalkens anzuschließen. balken einsetzen, die in ihrer Form erheblich verspringen.
Die Dachdämmung ist an die Dämmschicht des Ring-
balkens anzuschließen.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/27


4 Fassaden und Außenwände Außendämmung einschaliger tragender Außenwände

11 Außendämmung einschaliger tragender 11.3 Luftdichtheit


Außenwände
Wie bei einschaligen und einschichtigen tragenden Au-
11.1 Vorbemerkung ßenwänden wird die Luftdichtheit auch bei außen
gedämmten massiven Wänden in der Regel durch den
Die innen liegende massive Schale übernimmt die tragen- Innenputz sichergestellt. Auf die luftdichte Ausführung
de, die außen liegende Dämmschicht die Wärmeschutz- der Anschlüsse an andere Bauteile ist zu achten, Ab-
funktion, Bild 4-7. Die tragende Schicht sollte aus Mate- schn. 7.3 bzw. Kap. 9-4.3.
rial großer Rohdichte bestehen. Dadurch ergibt sich eine
hohe Tragfähigkeit bzw. eine geringe notwendige Wand-
dicke. Außerdem wird eine gute Wärmespeicherfähigkeit 11.4 Wärmedämmung mit Mehrschicht-
erreicht und der Schallschutz verbessert. Besonders ge- Leichtbauplatten
eignet sind Materialien wie Beton und Kalksandstein.
Mehrschicht-Leichtbauplatten bestehen aus zwei dün-
Die außen liegende Wärmedämmung schützt die massive nen Holzwolle-Leichtbauplatten mit einer dazwischen
Schale vor thermischer Belastung und trägt den witte- liegenden Dämmschicht. Die Kernschicht aus Polystyrol
rungsabweisenden Putz. Da zwischen Putz und Wärme- oder Mineralfaser bestimmt die Wärmedämmwirkung der
dämmschicht bei Sonnenbestrahlung ein Wärmestau Mehrschicht-Leichtbauplatten, Bild 4-27.
entstehen kann, der zu starken thermischen Spannungen
führt, muss der Außenputz armiert sein. Mehrschicht-Leichtbauplatten dürfen zur Außenwand-
dämmung nur in Plattendicken ab 50 mm eingesetzt wer-
11.2 Einfluss auf die Schalldämmung den. Sie müssen beim Einbau lufttrocken sein – auf eine
feuchtigkeitsgeschützte Lagerung ist zu achten. Die zu-
Die Verbesserung der Wärmedämmung durch eine Au- lässige Einbauhöhe beginnt 30 cm über dem Gelände
ßendämmung, bestehend aus Wärmedämmschicht und (DIN 18195 Teil 4).
Putz als Witterungsschutz, beeinflusst die Schalldäm-
mung der gesamten Außenwand. Je nach dynamischer Leichtbauplatten werden bei Betonbauten als verlorene
Steifigkeit des Wärmedämmmaterials, der flächenbezo- Schalung anbetoniert. Insbesondere bei der Gebäudesa-
genen Masse des Putzes und der Verklebungsart der nierung werden Mehrschicht-Leichtbauplatten auf mas-
Wärmedämmung ergibt sich eine Verbesserung oder Ver- sivem Mauerwerk angedübelt, wobei Unebenheiten des
schlechterung des Schallschutzes um bis zu 4 bis 6 dB. Untergrunds vorher auszugleichen sind. Der sofortige
Außendämmsysteme mit Wärmedämmmaterial geringer Spritzbewurf der Platten soll deren Wasseraufnahme
dynamischer Steifigkeit wie Mineralwolle oder elasti- unterbinden und dient als Haftverbesserung für den
fiziertes Polystyrol, dicken mineralischen Außenputzen Unterputz.
und teilweiser (d. h. nicht vollflächiger) Verklebung der
Dämmplatten führen zu einer Erhöhung des Schall-
schutzes. 11.5 Wärmedämm-Verbundsysteme

Wenn aufgrund der Lage des Gebäudes Anforderungen Die Komponenten eines Wärmedämm-Verbundsystems
an den Schallschutz bestehen, ist vom Planer ein ent- werden von dem jeweiligen Hersteller genau aufeinander
sprechendes Außendämmsystem auszuschreiben und abgestimmt. Eine Kombination der Komponenten ver-
vom ausführenden Unternehmer ein Nachweis über die schiedener Systeme ist daher nicht zulässig. Die Bau-
Schalldämmung der gesamten Außenwand zu erbringen. ausführung sollte erfahrenen Firmen übertragen werden.

4/28 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Außendämmung einschaliger tragender Außenwände

Tragende Schale Wärmedämmstoff U-Wert der Gesamtwand in W/(m2K)


bei einer Leichtbauplattendicke von

Material Wärmeleitfähigkeit
W/(mK) 7,5 cm 10 cm 12,5 cm 15 cm

Fassaden und
Außenwände
24 cm Normalbeton Mineralfaser 0,045 0,57 0,43 0,35 0,29
(ρ = 2.400 kg/m3) Polystyrol-Hartschaum 0,040 0,51 0,39 0,31 0,26
Polystyrol-Hartschaum 0,035 0,45 0,34 0,27 –

24 cm Kalksandstein-Mauerwerk Mineralfaser 0,045 0,49 0,38 0,32 0,27


(ρ = 1.200 kg/m3) Polystyrol-Hartschaum 0,040 0,44 0,34 0,28 0,24
Polystyrol-Hartschaum 0,035 0,40 0,31 0,25 –

24 cm Ziegel-Mauerwerk Mineralfaser 0,045 0,50 0,39 0,32 0,27


(ρ = 1.600 kg/m3) Polystyrol-Hartschaum 0,040 0,46 0,36 0,29 0,25
Polystyrol-Hartschaum 0,035 0,41 0,32 0,26 –

24 cm Hohlblock-Mauerwerk Mineralfaser 0,045 0,53 0,41 0,33 0,28


(ρ = 1.400 kg/m3) Polystyrol-Hartschaum 0,040 0,47 0,36 0,30 0,25
Polystyrol-Hartschaum 0,035 0,43 0,33 0,27 –

4-27 Wärmedämmwirkung von Mehrschicht-Leichtbauplatten bei einschaligen tragenden Außenwänden

Im Wesentlichen werden zwei verschiedene Gruppen von nend für dieses System ist die nun aufzutragende
Wärmedämm-Verbundsystemen unterschieden. mineralisch gebundene Spachtelmasse mit ein-
gebettetem Armierungsgewebe. Die Beschichtung
– Bei der ersten Gruppe werden Hartschaumplatten mit schließt wieder mit einer Putzschicht ab.
Klebe- oder Spachtelmasse beschichtet und auf die zu
dämmende Wand geklebt. Je nach Untergrund kann Für das Verdübeln von Mineralfaserplatten ist bei Häu-
eine zusätzliche mechanische Befestigung mit Dübeln sern über 8 m Höhe ein statischer Nachweis erforderlich
erforderlich sein. Die auf die Wärmedämmung aufzu- und dem Bauantrag beizulegen. Ein solches System ist
tragende Schicht besteht bei diesem System aus einer nicht brennbar (Baustoffklasse A2 nach DIN 4102) und
Kunststoff-Spachtelmasse mit eingebettetem Armie- für Gebäude beliebiger Höhe zugelassen. Wärmedämm-
rungsgewebe. Eine Putzschicht wählbarer Körnung Verbundsysteme mit Polystyrol-Hartschaumplatten – sie
und Struktur schließt das Verbundsystem ab. sind schwer entflammbar (Baustoffklasse B1 nach DIN
4102) – dürfen bis zur Hochhausgrenze (≤ 22 m) einge-
– Bei der zweiten Gruppe können Hartschaum-, Kork-, setzt werden.
Mineralschaum- oder Mineralfaserplatten zur Wärme-
dämmung verwendet werden. Auch Mineralfaser- Bei jedem Verbundsystem ist als Armierung ein alkali-
platten werden auf die Wand geklebt, sie sind jedoch beständiges Glasseidengewebe mit einer Maschenweite
immer mit Dübeln zusätzlich zu befestigen. Kennzeich- von 5 mm in die Kunststoff- bzw. mineralisch gebundene

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/29


4 Fassaden und Außenwände Außendämmung einschaliger tragender Außenwände

Spachtelmasse einzulegen. Putzschichten hoch bean- Bauteile sind Betonplatten, Aluminiumfensterbänke u. a.


spruchter Flächen im Bereich von Hauseingängen u. a. Zum Vergleich seien einige Längenausdehnungskoeffi-
können mit Panzergewebe zusätzlich armiert werden. zienten genannt:
Um bei Sonnenbestrahlung eine übermäßige Erwärmung
Polystyrol-Hartschaum 0,07 bis 0,08 mm/mK
des Putzes auszuschließen, sollten helle Putzfarben mit
einem Reflexionsvermögen für Sonnenstrahlung größer Stahl/Beton 0,01 bis 0,012 mm/mK
als 50 % bevorzugt werden, Abschn. 3. Einige Hersteller Aluminium 0,024 mm/mK
bieten als äußeren Abschluss des Wärmedämm-Ver-
bundsystems auch Flachverblender und Profil-Gestal- Hartholz 0,005 mm/mK
tungselemente an. Die Wärmedämmwirkung von Verbundsystemen ist für
unterschiedliche Dicken und Wärmeleitfähigkeiten der
Bei Polystyrol-Hartschaumplatten führen Temperaturän- Dämmschicht aus Bild 4-29 zu ersehen. Mit diesen
derungen zu erheblichen Längenänderungen. Daher sind Systemen ist der Wärmedämmstandard für Niedrig-
diese Platten an Materialien mit erheblich abweichenden energiehäuser preiswert erreichbar. Die Bilder 4-29 bis
Längenausdehnungskoeffizienten elastisch und auf Dauer 4-32 zeigen konstruktive Anschlussdetails solcher
fugendicht anzuschließen. Beispiele für entsprechende Systeme.

Tragende Schale Wärmeleitfähigkeit der U-Wert der Gesamtwand in W/(m2K)


Wärmedämmschicht bei einer Wärmedämmschichtdicke von

W/(mK) 8 cm 10 cm 12 cm 14 cm 16 cm 20 cm

24 cm Normalbeton 0,0451) 0,47 0,39 0,33 0,29 0,26 0,21


(ρ = 2.400 kg/m3) 0,0402) 0,42 0,35 0,30 0,26 0,23 0,19
0,0353) 0,38 0,31 0,26 0,23 0,20 0,17
0,0304) 0,33 0,27 0,23 0,20 0,18 0,14

24 cm Kalksandstein-Mauerwerk 0,045 0,41 0,35 0,30 0,26 0,24 0,20


RDK = 1,4 0,040 0,37 0,32 0,27 0,24 0,21 0,18
(ρ = 1.400 kg/m3) 0,035 0,34 0,28 0,24 0,21 0,19 0,16
0,030 0,30 0,25 0,21 0,19 0,17 0,14

17,5 cm Kalksandstein-Mauerwerk 0,045 0,47 0,39 0,33 0,29 0,26 0,21


RDK = 2,0 0,040 0,42 0,35 0,30 0,26 0,23 0,19
(ρ = 2.000 kg/m3) 0,035 0,38 0,31 0,26 0,23 0,20 0,17
0,030 0,33 0,27 0,23 0,20 0,18 0,14

24 cm Hohlblock-Mauerwerk 0,045 0,43 0,36 0,31 0,27 0,24 0,20


RDK = 1,4 0,040 0,39 0,33 0,28 0,25 0,22 0,18
(ρ = 1.400 kg/m3) 0,035 0,35 0,29 0,25 0,22 0,19 0,16
0,030 0,31 0,26 0,22 0,19 0,17 0,14
1) Korkplatte 3) Polystyrol-Extruderschaumplatte oder Mineralfaserplatte
2) 4)
Polystyrol-Hartschaumplatte oder Mineralfaserplatte Polyurethan-Hartschaumplatte

4-28 Wärmedämmwirkung von Wärmedämm-Verbundsystemen

4/30 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Außendämmung einschaliger tragender Außenwände

1
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Fassaden und
3

Außenwände
2
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12
12
13 13
14 14
15
15
1 Außenputz 9 Stahlbetondecke 1 Außenputz 9 Wärmedämmung
2 Zwischenanstrich 10 Horizontale Abdichtung 2 Zwischenanstrich 10 Sockelanstrich
3 Armierungsschicht 11 Sockelschiene 3 Armierungsschicht 11 Horizontale Abdichtung
4 Wärmedämmplatten 12 Erdreich 4 Wärmedämmplatten 12 Erdreich
5 Innenputz 13 Drainschicht 5 Innenputz 13 Drainschicht
6 Schwimmender Estrich 14 Vertikale Abdichtung 6 Schwimmender Estrich 14 Abdichtung
7 Trittschalldämmung 15 Mauerwerk 7 Trittschalldämmung 15 Mauerwerk
8 Wärmedämmung 8 Stahlbetondecke
4-29 Wärmedämm-Verbundsystem – 4-30 Wärmedämm-Verbundsystem –
Abschluss des Systems an der Sockeloberkante Abschluss des Systems im Erdreich

Das Verbundsystem überdeckt den Bereich der Einbin- Durch die Überdeckung des Bereichs der Kellerdecken-
dung der Kellerdecke um mindestens 50 cm. Durch die einbindung mit Sockeldämmplatten und durch die
Überdeckung und die Wärmedämmung der Kellerdecke Wärmedämmung der Kellerdecke zum unbeheizten Keller
zum unbeheizten Keller wird die Wärmebrückenwirkung wird eine Wärmebrückenbildung weitestgehend ver-
des Kellerdeckenanschlusses stark reduziert. mieden.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/31


4 Fassaden und Außenwände Außendämmung einschaliger tragender Außenwände

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13

1 Dämmung 8 Mauerwerk
1 Innenputz 6 Eckschutzschiene 2 Sparren 9 Dämmplatten
2 Mauerwerk 7 Armierung 3 Lattung 10 Traufabschluß
3 Fensterrahmen 8 Zwischenanstrich 4 Pfette 11 Armierungsschicht
4 Fugendichtband 9 Außenputz 5 Stahlbetondecke 12 Zwischenanstrich
5 Fassadendämmplatten 6 Lüftungsprofil 13 Außenputz
7 Innenputz
4-31 Wärmedämm-Verbundsystem –
Anschluss der Fensterlaibung 4-32 Wärmedämm-Verbundsystem – Traufabschluss
Der obere Abschluss des Außendämmsystems muss ab-
Zum Ausgleich der unterschiedlichen thermischen Längen- gedeckt werden, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu
änderungen von Holz-Blendrahmen und Polystyrol-Hart- verhindern. Die Unterlüftung des Daches darf durch
schaumplatte wird das Fenster elastisch, z. B. mittels diesen Abschluss nicht eingeschränkt werden. Der
geeigneten Fugendichtbandes, angeschlossen. Ein Glei- lückenlose Anschluss der Außendämmung an die
ches gilt auch für Fensterbänke. Nicht im Bild dargestellt Dämmung der obersten Geschossdecke (bzw. der Dach-
ist die Ausführung des luftdichten Anschlusses Mauerwerk schräge bei ausgebautem Dachgeschoss) reduziert die
– Fensterblendrahmen auf der Fensterinnenseite. Wärmebrückenwirkung an dieser Stelle.

4/32 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Innendämmung einschaliger tragender Außenwände

12 Innendämmung einschaliger tragender 12.4 Vorteile der Innendämmung


Außenwände
Es ist eine zusätzliche Dämmung von einzelnen Räumen
eines Gebäudes, z. B. von Sauna- oder Kühlräumen,
12.1 Vorbemerkung möglich. Wichtig ist eine Berechnung des Dampfdiffusi-
onsverlaufs, um durch die zweckmäßige Anordnung und
Die Wärmeschutzwirkung einer bestimmten Wärme- Bemessung der Dampfbremse (die als luftdichte Schicht

Fassaden und
Außenwände
dämmschicht ist unabhängig davon, ob diese Schicht ausgebildet werden muss, Kap. 9) Kondensation von
auf die innere oder die äußere Fläche der tragenden Wasserdampf in der Wand zu verhindern.
Schale aufgebracht wird. Aus anderen bauphysikali-
schen Gründen ist die Innendämmung jedoch weniger Innendämmung ist auch geeignet für unregelmäßig be-
günstig. Sie ist vorwiegend für die nachträgliche Däm- heizte Räume wie Versammlungsräume. Sie trägt in
mung von Außenwänden oder die Dämmung von Einzel- Verbindung mit Luftheizsystemen zur raschen Raum-
räumen zu empfehlen. erwärmung bei.

Außerdem stellt Innendämmung bei Gebäuden mit erhal-


12.2 Einfluss auf die Schalldämmung tenswerter Fassade eine preisgünstige Methode zur
nachträglichen Verbesserung des Wärmeschutzes dar,
Abschn. 17.
Eine Innendämmung mit Gipskarton-Hartschaum-Ver-
bundplatten führt zu einer Verschlechterung der Schall-
dämmung der Außenwand um bis zu 5 dB. Weiterhin wird 12.5 Nachteile der Innendämmung
durch die verstärkte Schalllängsleitung der wärmege-
dämmten Wände die Luftschalldämmung zwischen über- Die tragende Mauerschale ist den wechselnden Außen-
und nebeneinander liegenden Räumen – und Wohnungen temperaturen unmittelbar ausgesetzt und führt daher
– deutlich verringert. große thermische Bewegungen aus – Bewegungsfugen
sind einzuplanen. Außerdem friert diese Schale im Winter
Wenn die Innendämmung dagegen als biegeweiche durch, deshalb dürfen in der Außenwand keine Wasser-
Schale aus Gipskarton und Mineralfaserdämmstoff her- leitungen verlegt werden. Im Bereich der Decken- und
gestellt wird, verbessert sich im Regelfall die Luftschall- Zwischenwandeinbindungen entstehen Wärmebrücken,
dämmung um 10 dB und mehr. die durch eine zweckmäßige Anordnung von Dämm-
stoffstreifen zu entschärfen sind, Bilder 4-33 bis 4-35. Im
Hinblick auf das sommerliche Raumklima wird durch die
12.3 Luftdichtheit nicht mehr nutzbare Wärmespeichermasse der tragen-
den Mauerschale die temperaturausgleichende Wirkung
Bei innen gedämmten Wänden ist es sinnvoll, die in der der Wand reduziert.
Regel ohnehin erforderliche Dampfbremse durch geeig-
nete Verklebung der einzelnen Bahnen und entsprechen-
de Randanschlüsse als luftdichte Schicht auszuführen,
Abschn. 7.3. Die Anschlüsse an andere Bauteile müssen
ebenfalls so geplant und ausgeführt werden, dass eine
durchgehende luftdichte Schicht entsteht (siehe auch
Kap. 9).

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/33


4 Fassaden und Außenwände Innendämmung einschaliger tragender Außenwände

2 1

50 cm
5
6
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8
3 2
9 3
4
50 cm
2

5
3

1 Außenputz 6 Trittschalldämmung 1 Mauerwerk 4 Wärmedämmung


2 Mauerwerk 7 Stahlbetondecke 2 Dämmkeil 5 Außenwand
3 Wärmedämmung 8 Abstellstein 3 Gipskartonplatte
4 Gipskartonplatte 9 Dämmstreifen
5 Schwimmender Estrich
4-33 Einschalige Wand mit Innendämmung – 4-34 Einschalige Wand mit Innendämmung –
Lage der Dämmstreifen im Bereich der Lage der Dämmung im Einbindebereich einer
Deckeneinbindung tragenden Innenwand
Notwendig ist eine geschlossene Dämmung im Bereich Ein 50 cm breiter Wärmedämmputzstreifen oder eine
des Stoßes von Decke und Außenwand. An der Unterseite Keilplatte aus Wärmedämmmaterial hebt die ungünstigen
der Decke soll ein Dämmstreifen (z. B. eine Mehrschicht- Auswirkungen der konstruktiven Wärmebrücke weit-
Leichtbauplatte) in den Deckenrand eingelegt werden. Bei gehend auf.
nachträglicher Ausführung der Innendämmung sind Keil-
platten mit der Unterseite des Deckenputzes zu verkleben.

4/34 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Zweischalige Außenwände mit Wärmedämmschicht und Hinterlüftung

13 Zweischalige Außenwände mit


Wärmedämmschicht und Hinterlüftung
1
13.1 Vorbemerkung

Zweischalige Außenwände mit Wärmedämmschicht und

Fassaden und
Außenwände
Hinterlüftung bestehen aus der inneren tragenden Schale,
der Wärmedämmschicht, dem von der Außenluft durch-
strömten Luftspalt und der äußeren Schale, Bild 4-11.
Die innere tragende Schale – meist mittlerer bis schwerer
Bauart – trägt mit ihrer Wärmespeicherfähigkeit zur
Glättung der sommerlichen Raumtemperatur bei. Eine
geschlossenporige Dämmschicht wirkt ausschließlich
wärmedämmend, eine offenporige dagegen wärmedäm-
mend und schallschluckend zugleich. Das Wärmedämm-
2 material muss bei Gebäudehöhen bis zur Hochhausgren-
3
ze (≤22 m) lediglich schwer entflammbar (Baustoffklasse
4
B1) sein. Bei Gebäuden größerer Höhe muss das Dämm-
material nichtbrennbar sein (Baustoffklasse A2 bzw. A1).
5
Der durchströmte Luftspalt verhindert einen Feuchte-
6 transport von der Wandaußenfläche in das Wandinnere.
Die Außenschale kann leichter oder schwerer Bauart
sein.

7 13.2 Schalldämmung

1 Mauerwerk, Innenwand 4 Wärmedämmung Eine leichte Außenverkleidung in Verbindung mit einer


2 Ankereisen 5 Dämmplatte weich federnden Wärmedämmschicht stellt ein bautech-
3 Gipskartonplatte 6 Mauerwerk, Außenwand nisch einfaches Schalldämm-System dar. Durch die zur
7 Außenputz Hinterlüftung notwendigen Fugen in der Außenschale
wird die Wirkung aber teilweise wieder aufgehoben, so
dass gegenüber der Schalldämmung der tragenden
Wand die Schalldämmung des Gesamtsystems nur um
4-35 Einschalige Wand mit Innendämmung – 3 bis 5 dB erhöht ist.
Lage der Dämmung im Einbindebereich einer
nichttragenden Innenwand Bei schweren Außenschalen, wie Vormauerungen aus
Ziegel oder Kalksandstein, ergibt sich eine Verbesserung
Nichttragende leichte Wände werden mit Ankereisen be- des Schalldämm-Maßes von 5 bis 8 dB gegenüber dem
festigt und durchgehend mit eingelegten Dämmplatten Schalldämm-Maß einer einschaligen Wand mit gleicher
von der Außenwand getrennt. Gesamtmasse.

Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite 4/35


4 Fassaden und Außenwände Zweischalige Außenwände mit Wärmedämmschicht und Hinterlüftung

13.3 Luftdichtheit Der Wärmedämmstoff wird in die untere Lage so ein-


gefügt, dass in senkrechter Richtung ein Luftspalt von
Bei zweischaligem Mauerwerk mit massiver Innenschale mindestens 20 mm Dicke entsteht, Bilder 4-36 bis 4-38.
wird die Luftdichtheit in der Regel durch den Innenputz Bei dieser Verlegeart verringert der Holzanteil die Wär-
erreicht. Wichtig ist die luftdichte Ausführung der medämmwirkung gegenüber einer nicht unterbrochenen
Anschlüsse an andere Bauteile, Abschn. 7.3 bzw. Kap. Dämmschicht um 5 bis 10 %. Jede Holzunterkonstruk-
9-4.3. tion ist vor dem Einbau mit einem geeigneten Holzschutz-
mittel zu behandeln (DIN 68800). Für Außenschalen
werden auch Unterkonstruktionen aus Metall angeboten.
13.4 Zweischalige Wände mit leichter Außenschale Alle vorerwähnten Unterkonstruktionen können auch mit
Abstandshaltern an die Innenschale angeschlossen
Die Außenschale kann aus Zement-, Ziegel- oder Schie- werden.
ferplatten, eloxiertem Aluminiumblech oder lackiertem
Stahlblech, Kunststoff oder Massivholz bestehen. Für Die Einheit „Bekleidung, Unterkonstruktion, Wärme-
kleinere Wohnhäuser mit ungleichmäßiger Unterbre- dämmung“ kann bei Wohnhäusern mit höchstens zwei
chung der Wand durch Fensteröffnungen werden klein- Geschossen normal entflammbar (Baustoffklasse B2)
formatige Platten (≤0,4 m2) verwendet. Diese Platten sind sein. Bei Reihenhäusern ist im Bereich der Haustrenn-
mittels Nut und Feder zu verbinden oder schuppenartig wand zusätzlich ein 100 cm breiter Streifen aus nicht-
überdeckend zu verlegen. Nach den Landesbauordnun- brennbaren Baustoffen vorzusehen. Wohnhäuser, die
gen sind leichte Außenschalen bei Gebäuden mit mehr drei bis fünf Geschosse umfassen, erfordern für die
als zwei Vollgeschossen genehmigungspflichtig. erwähnte Einheit schwer entflammbare Materialien (Bau-
stoffklasse B1). Für Haustrennwände gilt das Gleiche wie
Die Unterkonstruktionen für Außenschalen werden über- für Reihenhäuser.
wiegend aus Holz gefertigt. Eine solche Konstruktion be-
steht im Regelfall aus zwei Holzlagen, die waagerecht
und senkrecht verlegt werden.

4/36 Gesamtinhalt Kapitelinhalt Stichworte Startseite


4 Fassaden und Außenwände Zweischalige Außenwände mit Wärmedämmschicht und Hinterlüftung

1 1
2
2 4
7

15 cm
3
3
4 5
5 8
30 cm

6 6

15 cm

Fassaden und
Außenwände
7 13
12
8
9 9
10 10
11
11
30 cm

4
15

12 4
Beheizter
Kellerraum
13
14

1 Innenputz 9 Schwimmender Estrich


2 Mauerwerk 10 Trittschalldämmung 1 Innenputz 8 Insektenschutzgitter
3 Abdichtung 11 Stahlbetondecke 2 Mauerwerk 9 Schwimmender Estrich
4 Wärmedämmung 12 Wärmedämmung, wasserabweisend 3 Abdichtung 10 Trittschalldämmung
5 Lattung 13 Kiesschicht 4 Wärmedämmung 11 Stahlbetondecke
6 Konterlattung 14 Erdreich 5 Lattung 12 Wärmedämmung, wasserabweisend
7 Außenschale 15 Stoßschutzabdeckung 6 Konterlattung 13 Stoßschutzabdeckung
8 Insektenschutzgitter 7 Außenschale

4-36 Zweischalige Wand mit leichter Außenschale – 4-37 Zweischalige Wand mit leichter Außenschale –
Ausbildung der Zuluftöffnung Ausbildung des Luftspalts im Bereich von
Balkonplatten, Fenstern u. a.
Die Vorhangfassade darf erst 30 cm über dem Erdniveau Die im Luftspalt strömende Luft ist an Fenstern, Balkon-
beginnen. Bis zu dieser Höhe muss die Außenwandfläche platten u. Ä. entweder umzuleiten oder über Entlüftungs-
gegen Spritzwasser abgedichtet und die Wärmedämm- öffnungen ins Freie zu führen. Über Balkonplatten,
schicht ausreichend wasserabweisend sein. Die Dicke Terrassen u. Ä. muss die Abdichtung der Innenschale
des Luftspalts muss im Öffnungsquerschnitt und inner- hinter der Bekleidung mindestens 15 cm hoch sein.
halb der Wand mindestens 20 mm betragen. Die Zu-
luftöffnung ist mit einem „Insektenschutzgitter“ zu ver-
schließen.

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4 Fassaden und Außenwände Zweischalige Außenwände mit Wärmedämmschicht und Hinterlüftung

13.5 Zweischalige Wände mit schwerer Außenschale


1
2 Schwere Außenschalen werden als Sichtmauerwerk aus
frostbeständigen Vormauersteinen oder als verputzte
Mauerschalen ausgeführt. Eine Außenschale muss min-
3 destens 11,5 cm dick sein, wenn sie in höchstens 12 m