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Wie der russische Winter Hitlers Wehrmacht zerrieb

In sibirischer Kälte musste die Wehrmacht im Winter 1941/42 den Rückzug antreten. Ihre
Führung hatte ohne Winterausrüstung den Sturm auf Moskau befohlen.

Der Untergang des Deutschen Reiches beginnt mit einem Flugblatt. Noch einmal wird den
Soldaten an der Ostfront die Bedeutung der finalen Operation eingehämmert. Der "Endsieg"
sei zum Greifen nahe. Jetzt kommt es darauf an: Die Schlacht um Moskau werde den Feind
"vernichtend treffen", teilt Hitler seinen Divisionen Anfang Oktober 1941 mit.

Vier Monate später ist die Schlacht entschieden . Und die Wehrmacht in der Defensive.
Sowjetische Granaten und der eisige Winter werfen die Armeen der Heeresgruppe Mitte
Hunderte Kilometer nach Westen zurück. Dabei dringt die Wehrmacht im Herbst noch bis in
die Vororte der russischen Hauptstadt ein.

Nachschub erreicht die Truppe nicht

Erst die einsetzende Schlamm-Periode stoppt den Vormarsch der Deutschen. Pausenloser
Regen prasselt auf die Soldaten nieder. Die Böden weichen auf, Wasser überspült die
Steppen. Der Angriff bleibt im Schlamm stecken. Im Divisionsbericht heißt es: "Die Männer
waren den Unbilden der Witterung nahezu schutzlos ausgesetzt." Die Front ist überdehnt, die
Lieferwege sind zu lang. Nachschub erreicht die kämpfende Truppe nicht mehr. Mit Beginn
der Kälteperiode spitzt sich die Situation weiter zu. Die Wehrmacht ist für Temperaturen von
bis zu minus 50 Grad Celsius unzureichend ausgerüstet.

Im Glauben an einen schnellen Sieg wurden die Soldaten zu Beginn der Offensive nicht mit
Winterausrüstung, Handschuhen, warmen Mänteln ausgestattet. Oder hatten die wenigen
warmen Kleider beim Vormarsch zurückgelassen. Zu Beginn des Feldzuges tönte die
deutsche Propaganda noch, dass der Krieg im Osten spätestens im August gewonnen
sei. Ende November, Anfang Dezember 1941 kann davon keine Rede mehr sein.

Wehrmachtssoldaten berichten in ihren Aufzeichnungen von grauenhaften Szenen, die sich


vor den Toren Moskaus abspielten. "Wir wussten nicht, wo sich die Front befand. Wir
knieten oder lagen im Schnee. Die Knie froren uns am Boden fest", heißt es darin. Auf

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offenem Feld campieren die Soldaten. Schnee, Frost und Eis töten mehr deutsche Soldaten
als die Kugeln des Gegners. Am 5. Dezember setzt Stalin zur Gegenoffensive an. Eine Million
Soldaten, ausgerüstet mit Winterkleidung, und 700 Panzer ziehen in die Schlacht.

Die sowjetische Führung hatte die Truppen im Osten des Riesen-Reiches gesammelt. Nach
dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor war Stalin klar, dass Tokio keinen
Zweifrontenkrieg führen wird. Trotz russischer Übermacht befiehlt Hitler, die Stellungen zu
halten, um jeden Preis. Versprochener Nachschub kommt bei der ausgezehrten Truppe nicht
an. Die Soldaten ernähren sich von eingefrorenen Kartoffeln.

Schützengräben können nicht mehr ausgehoben werden, der gefrorene Boden ist zu hart.
Schutzlos sind die Deutschen den Kugeln der Roten Armee ausgeliefert. Erstmals setzen die
Russen neue Raketenwerfer ein, sogenannte Katjuscha. Die feuern innerhalb weniger
Sekunden 16 Geschosse auf den Gegner ab. Die Deutschen sprechen in einer Mischung aus
Ehrfurcht und nackter Angst von "Stalinorgeln".

Hitler macht sich zum Oberbefehlshaber

Die Übermacht des Gegners und das klirrend kalte Winterwetter zehren die Wehrmacht
immer mehr aus. Die Verluste an Menschen und Material sind inzwischen nicht mehr
auszugleichen. Hitlers Generäle warnen vorm Zusammenbruch der Ostfront. Doch der
"Führer" bleibt hart: kein Zurückweichen, Hitler fordert fanatischen Widerstand. Am 19.
Dezember reißt er die militärische Führung des Heeres an sich. Zu spät. Die Angriffe der
Russen auf die überdehnte deutsche Front werden immer härter, die Wehrmacht muss
zurückweichen.

Am 15. Januar 1942 erkannte auch Hitler, dass er Moskau nicht einnehmen wird. Seine
Armeen traten zum Rückzug an. Der Mythos von der unbesiegbaren Wehrmacht zerbricht
vor Stalins Hauptstadt. Im russischen Winter geht Deutschland unter – doch der Krieg tobt
weiter, noch über drei Jahre. Bis zur endgültigen Niederlage.