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RECHTSGEBIETE STANDPUNKTE 24.

Juni 2014

Schuldenbefreiung durch
Privatinsolvenz- Planverfahren: Neu
ab 01.07.2014
Von: Carsten Lange Rechtsanwalt (Sanierungsrecht und Insolvenzrecht)

Im vergangenen Jahr wurden Reformen des Insolvenzrechtes


beschlossen. Einige dieser Gesetzesänderungen treten zum
01.07.2014 in Kraft.
Hierzu gehört die Möglichkeit, in allen laufenden und zukünftigen
Verbraucherinsolvenzverfahren eine Schuldenbefreiung durch ein
Privatinsolvenz - Planverfahren zu erreichen. Die Wirkung des
Planes ist, dass mit rechtskräftiger Annahme und Erfüllung des
Insolvenzplanes die Restschuldbefreiung des Schuldners eintritt (§
227 Abs. 1 InsO).
Durch einen Insolvenzplan kann somit die Verfahrensdauer bis zur
Entscheidung über die Restschuldbefreiung verkürzt werden, die
sich gemäß § 300 InsO auf fünf Jahre bzw. drei Jahre (bei
Mindestbefriedigung der Insolvenzgläubiger i.H.v. 25 % in den
Insolvenzverfahren "ohne Insolvenzplan") beläuft. Für den
Insolvenzplan und seiner Annahme bedarf es eines
Abstimmungstermins.
Abstimmungsberechtigt sind die in diesem Termin anwesenden
Gläubiger, so dass der Schuldner, der den Plan vorlegt, vor diesem
Abstimmungstermin entsprechende Überzeugungs- und
Mobilisierungsarbeit bei seinen Gläubigern leisten muss. Die
erforderliche Mehrheit ist erreicht, wenn die Mehrheit der

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abstimmenden Gläubiger - hinsichtlich der Personenanzahl und
Forderungshöhe (sogenannte Kopf- und Summenmehrheit) - dem
Insolvenzplan in jeder der Abstimmungsgruppen zustimmt. Dabei ist
eine Aufteilung der Insolvenzgläubiger in Gruppen nicht erforderlich
und kann ein sogenannter "Ein-Gruppenplan“ vorgelegt werden,
wenn weder Absonderungsberechtigte noch Arbeitnehmer
vorhanden sind.
Die Vorteile eines Insolvenzplanes liegen, neben der vorgenannt
bereits erwähnten Möglichen, Verkürzung der Verfahrensdauer
unter anderem in den beiden folgenden Aspekten:

• €Auch wenn die erforderlichen Mehrheiten nicht erreicht


worden sind, gilt die Zustimmung einer Abstimmungsgruppe
als erteilt, wenn die Mehrheit der abstimmenden Gruppen dem
Plan zugestimmt hat (also z.B. zwei Gruppen von drei
Gruppen) und die Angehörigen der betreffenden Gruppe
weder durch den Insolvenzplan schlechter gestellt werden als
sie ohne Plan stünden und angemessen am wirtschaftlichen
Wert beteiligt sind (§ 245 InsO - sogenanntes
Obstruktionsverbot). 


• €Der Insolvenzplan hat eine "Universalwirkung“, indem er


auch gegenüber den nicht anmeldenden und nicht
teilnehmenden Gläubigern gilt (§§ 254 – 254b InsO). 


Aber auch die Risiken, die ein Privatinsolvenzverfahren mit sich


bringt, sind mit in die Abwägung einzubeziehen, ob es sinnvoll ist,
als Insolvenzschuldner den Weg einer Planinsolvenz zu gehen.
Diesbezüglich sind zu erwähnen: 


• Die gesetzliche Regelung beinhaltet, dass Verbindlichkeiten


aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung

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(sogenannte Deliktforderungen) von der Restschuldbefreiung
nicht umfasst werden (§ 302 Nr. 1 InsO). Die Gläubiger von
Deliktforderungen können im Insolvenzplan nicht mit einer
Quote bedacht werden, da sie infolgedessen mit einer
Insolvenzplan-Umsetzung schlechter stünden als in einem
Insolvenzverfahren ohne Insolvenzplan. Es kann dabei
zwischen Schuldner und Gläubiger strittig sein, ob eine
Forderung aus vorsätzlicher unerlaubter Handlung besteht.
Sollte diese Thematik nicht außergerichtlich geklärt werden
können, bedarf es diesbezüglich einer klageweisen
Auseinandersetzung und bis zur rechtskräftigen Klärung kann
ein Plan nicht eingereicht werden.

• Wenn einem Insolvenzschuldner nicht mit an Sicherheit


grenzender Wahrscheinlichkeit alle seine Gläubiger bekannt
sind, ist das Ziel, über einen Insolvenzplan eine
Schuldenbefreiung zu erhalten, erheblich gefährdet. Die
Ansprüche eines sogenannten vergessenen Gläubigers
verjähren in einem Jahr ab Fälligkeit der Forderung und
rechtskräftigem Beschluss über die Bestätigung des
Insolvenzplanes (§ 259b InsO). Das Gefährdungspotenzial ist
daher zeitlich begrenzt. Dieser nicht teilnehmende Gläubiger
kann aber gemäß § 255 InsO verlangen, die Auszahlung zu
erhalten, die ihm nach dem Insolvenzplan zusteht. Wenn den
Insolvenzgläubigern ein Fixbetrag von dritter Seite angeboten
wird, muss dieses potentielle Volumen vergessener Gläubiger
berücksichtigt werden. Denn dieser Gläubiger, der am
Insolvenzplanverfahren nicht teilgenommen hat, kann einen
Antrag nach § 255 Absatz 1 S. 2 InsO beim Insolvenzgericht
auf Hinfälligkeit des Planes stellen, nachdem er gegen den
Schuldner fruchtlos eine zweiwöchige Nachfrist auf anteilige
Befriedigung gesetzt hat. Dies gilt allerdings nur dann, wenn
seine Forderung zuvor rechtskräftig festgestellt ist.


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Im Ergebnis ist festzuhalten, dass mit dem Planverfahren in der
Privatinsolvenz eine weitere Möglichkeit für Privatpersonen
geschaffen ist, eine Schuldenbefreiung zu erreichen. Der Weg dahin
ist aber kein Selbstläufer und beinhaltet Störeinflüsse durch die
Gläubiger, die es zu berücksichtigen gilt. Für diesbezügliche
Erläuterungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Carsten Lange


Rechtsanwalt


Fachanwalt für Insolvenzrecht


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