Sie sind auf Seite 1von 160

Ausbildungsmodell

zur
Ausbildung von Fachkräften für
Arbeitssicherheit

Stand: 3. November 2011

Seite 1 von 160


VORWORT

Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben nach § 6 ASiG die Aufgabe, den Arbeitgeber beim Ar-
beitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen der Arbeitssicherheit einschließlich der
menschengerechten Gestaltung der Arbeit zu unterstützen. Damit sie ihre Aufgabe wahrneh-
men können, bedürfen sie einer speziellen Fachkunde, die durch die erfolgreiche Teilnahme an
einem anerkannten Ausbildungslehrgang erlangt werden kann. Grundlage für die Ausgestaltung
dieser Ausbildung sind die optimierten und fortgeschriebenen Inhalte des Referenzmodells von
HVBG und Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (gleichwertig BUK) ent-
sprechend den Vorgaben des Fachaufsichtsschreibens des Bundesministeriums für Arbeit
(BMA) vom 29. Dezember 1997. Durchgeführt wurde die Ausbildung bisher als CBT-
unterstützte Präsenzausbildung für den gewerblichen Bereich und als Fernlehrgang mit Prä-
senzanteilen für den öffentlichen Bereich.
Seither haben sich die Rahmenbedingungen jedoch gewandelt. Moderner Arbeitsschutz ist heu-
te integraler Bestandteil aller betrieblichen Aufgaben und Funktionen und wird ganzheitlich auf-
gefasst. Dieser Ansatz umfasst auch den Erhalt der individuellen gesundheitlichen Ressourcen
im Zusammenhang mit der Arbeit. Zum Ausdruck kommt dieses umfassende Präventionsver-
ständnis in der DGUV Vorschrift 2, wo Arbeitsschutz als von der Fachkraft für Arbeitssicherheit
und dem Betriebsarzt zu erbringende Gesamtleistung verstanden wird. Weiterentwickelt haben
sich aber auch die Lehr- und Lernmethoden der Erwachsenenbildung. In diesem Zusammen-
hang gewinnen zwei Aspekte besondere Bedeutung. Zum einen hat die Entwicklung der Fähig-
keit, komplexe Probleme in der Praxis kreativ und selbstorganisiert lösen zu können als Qualifi-
zierungsziel (sog. Kompetenzansatz) einen hohen Stellenwert. Demgegenüber ist die isolierte
Wissens- und Fähigkeitsvermittlung weniger wichtig. Zum anderen ist heute in der Erwachse-
nenbildung anerkannt, dass im Rahmen von Qualifizierung die Unterstützung eines selbstver-
antwortlichen Lernens zur Weiterentwicklung der Kompetenzen im Mittelpunkt stehen sollte.
Vor diesem Hintergrund entwickelt das vorliegende Ausbildungsmodell das bisherige Ausbil-
dungsmodell weiter und harmonisiert die bestehenden Ausbildungssysteme. Dabei wird auf die
bewährten Inhalte der bisherigen Ausbildung zurückgegriffen. Durch die Einrichtung einer inter-
netgestützten Lernplattform werden die bisher verwendeten DVD´s und Lehrbriefe mit den
Selbstlerninhalten ersetzt. Mehr in den Mittelpunkt gerückt ist die Entwicklung einer spezifi-
schen Handlungskompetenz der Fachkräfte für Arbeitssicherheit und der Aspekt des eigenver-
antwortlichen, lebenslangen Lernens. Didaktische Leitlinien gewährleisten, dass die Ausbildung
den Standards der Erwachsenenbildung entspricht.
Erarbeitet wurde das Ausbildungsmodell unter Mitwirkung der BAuA von der Projektgruppe
„Ausbildungsmodell“ des Unterausschusses für Qualifizierungsmaßnahmen nach § 23 SGB VII
(UA I) in Zusammenarbeit mit dem Beirat „Didaktik“ des DGUV-Ausschusses „Aus- und Weiter-
bildung“. Die Ausführungen zur Qualitätssicherung wurden von der Projektgruppe „Qualitäts-
standards“ des Qualitätsverbundes „Qualifizierung“ erarbeitet. Begleitet wurde die Ausarbeitung
von dem Projektbeirat „Weiterentwicklung der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit“ in
dem die betroffenen Kreise vertreten waren. Allen Mitwirkenden, insbesondere dem VDSI für
seine vielen Hinweise aus der Praxis, sei an dieser Stelle gedankt.

Seite 2 von 160


Gliederung

Einführung 7

I. Grundlagen für die Ausbildung von Fachkräften für Arbeitssicherheit 9

1. Anforderungsprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit 9


1.1. Präventionsverständnis 9
1.2. Rolle und Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit 10
1.3. Anforderungen an die Tätigkeit 12
1.4. Kompetenzen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit 14
1.5. Aktualisierung, Spezialisierung und Erweiterung der Kompetenzen nach
der Ausbildung 15

2. Leitlinien für die Gesamtausbildung 15

3. Didaktische Grundlagen der Ausbildung von Fachkräften für


Arbeitssicherheit 15
3.1. Kompetenzorientierung bei der Gestaltung der Qualifizierung 16
3.2. Orientierung an der Ermöglichungsdidaktik - selbstverantwortliches Lernen 17

3.3. Arbeitsweltbezogene Vorgehensweise als Struktur bestimmendes Merkmal 17


3.4. Auswahl von Methoden und Medien, die das aktive und selbstgesteuerte
Lernen durch die Person des Lernenden unterstützen 18

II. Die Kompetenzentwicklung von Fachkräften für Arbeitssicherheit 20

1. Die Ausgestaltung der Ausbildung 22


1.1. Allgemeine Grundsätze 22
1.2. Der Lernprozess 23

2. Aufbau und Ablauf der Ausbildung 24


2.1. Ausbildungsziel 24
2.2. Rahmenbedingungen 24
2.3. Ausbildungsstufen 25
2.3.1 Ausbildungsstufe I – Grundausbildung 25
2.3.2 Ausbildungsstufe II – Vertiefende Ausbildung 26
2.3.3 Ausbildungsstufe III – Branchenspezifische Ausbildung 26
2.4. Lernfelder 26
2.4.1 Lernfeld 1: Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben
der Fachkraft für Arbeitssicherheit 27

Seite 3 von 160


2.4.2 Lernfeld 2: Arbeitssystem und betriebliche Organisation 28
2.4.3 Lernfeld 3: Beurteilung von Arbeitsbedingungen 28
2.4.4 Lernfeld 4: Arbeitssystemgestaltung 28
2.4.5 Lernfeld 5: Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche
Aufbau- und Ablauforganisation 28
2.5. Elemente der Ausbildung 29
2.5.1. Selbstlernphasen (selbst organisiertes Lernen) 29
2.5.2. Seminare (Präsenzphasen) 30
2.5.3. Reflexion 31
2.5.4. Lernbegleitung 31
2.6. Lernerfolgskontrollen 32

III. Ausbildungsplan (Curriculum) 34

1. Ausgangsqualifikation 34

2. Die „Haltung“ als grundlegendes Element des Kompetenzerwerbs 34

3. Lernfeld 1: Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der


Fachkraft für Arbeitssicherheit 35
3.1 Outcome 35
3.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen 35
3.3 Kompetenzen 36
3.4 Themen 38
3.5 Struktur des Lernfeldes 39
3.6 Kompetenzmessung 40

4. Lernfeld 2: Arbeitssystem und betriebliche Organisation 40


4.1 Outcome 40
4.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen 40
4.3 Kompetenzen 41
4.4 Themen 43
4.5 Struktur des Lernfeldes 44
4.6 Kompetenzmessung 45

5. Lernfeld 3: Beurteilung von Arbeitsbedingungen 46


5.1 Outcome 46
5.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen 46
5.3 Kompetenzen 47
5.4 Themen 49

Seite 4 von 160


5.5 Struktur des Lernfeldes 50
5.6 Kompetenzmessung 51
5.6.1 Reflexionen 52
5.6.2 Lernerfolgskontrollen 52

6. Lernfeld 4: Arbeitssystemgestaltung 52
6.1 Outcome 52
6.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen 52
6.3 Kompetenzen 53
6.4 Themen 55
6.5 Struktur des Lernfeldes 57
6.6 Kompetenzmessung 58
6.6.1 Reflexion 58
6.6.2 Lernerfolgskontrollen 58

7. Lernfeld 5: Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche


Aufbau- und Ablauforganisation 59
7.1 Outcome 59
7.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen 59
7.3 Kompetenzen 59
7.4 Lerninhalte 61
7.5 Struktur des Lernfeldes 63
7.6 Kompetenzmessung 63
7.6.1 Reflexionen 63
7.6.2 Lernerfolgskontrolle 64

8. Zeitlicher Überblick und Ablauf der Ausbildung 64

IV. Qualitätssicherung 66
1. Umsetzung des Ausbildungsmodells 66
2. Organisation und Durchführung 67
3. Qualitätssicherung und Fortentwicklung der Ausbildung 67

Anlagen:
Anlage 1: Leitlinien für die Gesamtausbildung
Anlage 2: Didaktische Leitlinien für die zukünftige Qualifizierung von
Fachkräften für Arbeitssicherheit
Anlage 3: Aufgabenprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit
Anlage 4: Mindestanforderungen an Lernplattformen

Seite 5 von 160


Anhänge:
Anhang 1: Konzeption für den Einsatz einer Lernplattform im Rahmen des
internetgestützten Präsenzlernens in der zukünftigen Qualifizierung
von Fachkräften für Arbeitssicherheit
Anhang 2: Aus der beruflichen Qualifikation und der Berufserfahrung
voraussetzbare Ausgangsqualifikationen (Kompetenz – Ist) im
Vergleich zu der mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
angestrebten Kompetenz (Kompetenz – Soll)
Anhang 3: Katalog der Kompetenzen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit -
Gesamtübersicht

Hinweis:
Zu besseren Lesbarkeit wird eine einheitliche Bezeichnung für die männliche und weibliche
Form verwendet.

Seite 6 von 160


Einführung
Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte sind die zentralen Funktionsträger im inner-
betrieblichen Arbeitsschutzsystem. Ihre Bestellung wird durch das Arbeitssicherheitsgesetz ver-
bindlich vorgegeben. Sie haben die Aufgabe, den Arbeitgeber bei der Erfüllung seiner gesetzli-
chen Pflichten im Arbeitsschutz1 zu unterstützen. Die Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte
und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV Vorschrift 2) beschreibt und konkretisiert diese
Aufgaben. Es sind „Leistungspakete“, die die Fachkraft für Arbeitssicherheit im Zusammenwir-
ken mit dem Betriebsarzt auf Grundlage einer Vereinbarung mit dem Unternehmer zu erbringen
hat. Um diese Aufgaben erfüllen zu können benötigen die Fachkräfte für Arbeitssicherheit die
erforderliche Fachkunde gem. DGUV Vorschrift 2. Diese umfasst alle Fragen des Arbeitsschut-
zes einschließlich der menschengerechten Gestaltung der Arbeit. Diese muss durch die erfolg-
reiche Teilnahme an einem anerkannten Ausbildungslehrgang nachgewiesen werden.
Der Einstieg in die systematische Ausbildung erfolgte 1979. Mit Fachaufsichtsschreiben des
Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung vom 29. Dezember 1997 wurden Grundsätze
für die Ausbildung nach dem Arbeitssicherheitsgesetz festgelegt, die zur Ausarbeitung einer
von allen betroffenen Kreisen getragenen Ausbildungskonzeption geführt haben. Auf dieser
Grundlage erfolgt seitdem die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit, allerdings in zwei
unterschiedlichen Systemen. So wird im gewerblichen Bereich eine seminaristische mit einem
computer-based-training (CBT) unterstützte Ausbildung durchgeführt. Demgegenüber wird im
öffentlichen Bereich die Ausbildung nach der Methode des lehrbriefgestützten Fernlernens
durchgeführt und durch Präsenzphasen ergänzt.
Seither haben sich die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen
jedoch gewandelt. Neue Arbeitsfelder und neue Arbeitsprozesse sind entstanden, während an-
dere an Bedeutung verloren haben. Themen wie die demographische Entwicklung, soziale Be-
ziehungen, betriebliches Gesundheitsmanagement oder die psychischen Belastungen im Ar-
beitsleben gewinnen zunehmend an Bedeutung. Durch die DGUV Vorschrift 2 sind die von der
Fachkraft für Arbeitssicherheit zu erbringenden Leistungen klar beschrieben, wobei die konkrete
betriebliche Umsetzung in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt zu erfolgen hat. Aber auch im
Bereich der Didaktik und Methodik gibt es Weiterentwicklungen, die das Ausbildungsmodell
berücksichtigt. Diese bestehen im Wesentlichen in einer Betonung der Entwicklung der erfor-
derlichen Handlungskompetenzen sowie des selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Ler-
nens im Sinne des lebenslangen Lernens.
Die unterschiedliche Durchführung der Ausbildung, die neuen Rahmenbedingungen sowie die
Entwicklungen in der Erwachsendidaktik machen eine Harmonisierung und Weiterentwicklung
der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erforderlich. Die vorliegende, auf Grundlage
des Fachaufsichtsschreibens des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von 1997 ausge-
arbeitete, Ausbildungskonzeption bildet das neue Fundament für die einheitliche Ausbildung zur
Fachkraft für Arbeitssicherheit. Sie harmonisiert die bisherige Ausbildung im gewerblichen Be-
reich mit der des öffentlichen Bereichs und entwickelt sie weiter. Sie hat den Anspruch,

- den Erwerb der spezifischen Handlungskompetenz in den Mittelpunkt der Ausbildung


zu stellen, um so die betriebliche Wirksamkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit
zu stärken,

- die Ausbildung an die Anforderungen aus der Praxis zu orientieren,

- moderne Lehr- und Lernkonzepte der Erwachsenen-Didaktik zur Förderung eines


nachhaltigen Kompetenzerwerbs zu berücksichtigen,

1
Arbeitsschutz: Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit.

Seite 7 von 160


- die Ausbildung mit der Weiterbildung zu verzahnen und

- definierte Qualitätsstandards zu entwickeln und zu beachten.


Das der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit bisher zu Grunde liegende „Anforde-
rungsprofil“ wurde fortgeschrieben. Hierbei wurde dem Gedanken Rechnung getragen, dass
Fachkräfte für Arbeitssicherheit über solche Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen müssen, die
es Ihnen ermöglichen, ihre Aufgaben in der sich ständig verändernden Arbeitswelt wirkungsvoll
erfüllen zu können. Ein solcher Kompetenzansatz im Rahmen der Bildung wurde durch die
OECD initiiert und hat auch Eingang gefunden in die laufenden Entwicklungen des deutschen
Qualifikationsrahmens (DQR) für lebenslanges Lernen, der den von der Europäischen Kommis-
sion vorgeschlagenen europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) national umsetzen soll. Die in
diesem Anforderungsprofil gewählte Darstellung soll die Bedeutung der Kompetenzorientierung
verdeutlichen und zugleich für die sich abzeichnenden europäischen Entwicklungen offen blei-
ben.
Die weiterentwickelte Ausbildung orientiert sich - wie die bisherige - an dem im Anforderungs-
profil beschriebenen Generalistenbild der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die für die Aufgaben-
wahrnehmung erforderliche Erweiterung und Aneignung von Kompetenzen wurde konsequent
aus dem im Anforderungsprofil beschriebenen Aufgaben- und Rollenverständnis und den in der
Praxis wahrzunehmenden Tätigkeiten abgeleitet. Im Mittelpunkt steht das Handeln der Fach-
kraft für Arbeitssicherheit im Betrieb und damit das Lernen für ihre Aufgabenwahrnehmung, d.h.
es sollen gezielt diejenigen Kompetenzen gestärkt werden, die die Fachkraft für Arbeitsicherheit
befähigen, ihr gesamtes Aufgabenspektrum wirksam und nachhaltig wahrnehmen zu können.
Dementsprechend ist das vorliegende Modell zur Ausbildung von Fachkräften für Arbeitssicher-
heit Zielvorgabe und Rahmen für die Umsetzung der einzelnen Ausbildungselemente.

Seite 8 von 160


I. Grundlagen für die Ausbildung von Fachkräften für Arbeitssicherheit

1. Anforderungsprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit


Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit zu gewährleisten, ist eine aus dem Arbeits-
schutzrecht resultierende vorrangige unternehmerische Verpflichtung.
Fachkräften für Arbeitssicherheit kommt dabei eine bedeutende Beratungs- und Unterstüt-
zungsfunktion zu. Ihre Tätigkeit ist gekennzeichnet durch ein breitgefächertes Spektrum an-
spruchsvoller Aufgaben, das ein hohes Maß an Handlungskompetenz erfordert. Dabei liegt der
Leitgedanke zu Grunde, dass Fachkräfte für Arbeitssicherheit Generalisten in allen Fragen von
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit und zugleich Spezialisten für besondere auf
den Wirtschaftszweig und auf den Einzelbetrieb bezogene spezifische Schwerpunkte sind, die
bei Bedarf für die Beteiligung von Experten sorgen.
Aufbauend auf dem heutigen Präventionsverständnis werden Rolle und Aufgaben der Fachkräf-
te für Arbeitssicherheit und die Anforderungen an ihre Tätigkeit beschrieben.
Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen geeignete Kompetenzen besitzen, um das Anforde-
rungsprofil erfüllen zu können. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Kompetenzen,

- die aus der beruflichen Qualifikation und der Berufserfahrung vorausgesetzt werden
können (Ausgangsqualifikationen nach § 7 Abs.1 S. 1 und 2 Arbeitssicherheitsgesetz
(ASiG) und § 4 Absätze 2, 4 und 5 Unfallverhütungsvorschrift „Betriebsärzte und Fach-
kräfte für Arbeitssicherheit (DGUV Vorschrift 2),

- die in der Ausbildung erworben werden und

- die durch lebenslanges Lernen weiterentwickelt werden müssen.

1.1. Präventionsverständnis
Arbeitsschutz ist kein zusätzliches betriebliches Aufgabenfeld, sondern integraler Bestandteil
aller betrieblichen Aufgaben und Funktionen. Es handelt sich insbesondere um ein soziales und
betriebswirtschaftlich begründetes Grundanliegen, das auch auf ökologische Bereiche aus-
strahlt. Besonders hohe Bedeutung kommt dabei der sozialen Komponente, insbesondere ethi-
schen Gesichtspunkten, zu.
Das Präventionsverständnis muss den aktuellen Sicherheits- und Gesundheitsproblemen in der
komplexen Arbeitswelt mit unterschiedlichsten Betriebsarten entsprechen. So gibt es heute in
der Arbeitswelt in vielen Branchen einen Rückgang körperlicher Arbeit bei gleichzeitiger Zu-
nahme vorwiegend geistiger Tätigkeiten, Leistungsverdichtung, räumliche und zeitliche Flexibi-
lisierung der Arbeit, Veränderung der Altersstruktur. Aus diesen Änderungen resultieren typi-
sche Belastungen, Beanspruchungen und Gefährdungen der Beschäftigten mit entsprechenden
Sicherheits- und Gesundheitsproblemen.
Das Verständnis von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit hat sich in den letzten
Jahren gewandelt: Von einer überwiegend technisch ausgerichteten Unfallverhütung hin zu ei-
ner sowohl die Verhältnisse als auch das Verhalten umfassenden Prävention einschließlich der
Förderung des Sicherheits- und Gesundheitsbewusstseins. Arbeitsschutz muss somit ganzheit-
lich aufgefasst werden. Er umfasst alle Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei
der Arbeit sowie ihrer menschengerechten Gestaltung. Dazu gehört insbesondere auch der
Erhalt der individuellen gesundheitlichen Ressourcen im Zusammenhang mit der Arbeit.

Seite 9 von 160


Dies geschieht durch Gestaltung der Verhältnisse in den Betrieben zum Beispiel durch sicher-
heits- und gesundheitsgerechte Gestaltung der Bedingungen und Prozesse bei der Arbeit sowie
Integration des Arbeitsschutzes in alle betrieblichen Prozesse und auf allen Ebenen. Dies wird
unterstützt durch Veränderung des Verhaltens, zum Beispiel durch den Erwerb von Wissen und
Fähigkeiten, durch die Festigung positiver Einstellungen zum sicheren und gesunden Verhalten
sowie durch die Schaffung und Erhaltung der Motivation zum sicherheits- und gesundheitsför-
derlichen Handeln.
In diesem modernen Verständnis leistet Prävention einen unverzichtbaren Beitrag zum Erfolg
von Unternehmen.
Zentrales Betrachtungs- und Gestaltungsobjekt beim ganzheitlichen systematischen Arbeits-
schutzansatz ist das Arbeitssystem. Diese Herangehensweise ist wirksamer als das isolierte
Herausgreifen einzelner Gefährdungen. Dabei sind auch Aspekte des Störfallschutzes und des
Umweltschutzes einzubeziehen. Die Vielzahl und die häufig komplexen Ursache-Wirkungs-
Zusammenhänge erfordern Kooperationen der zahlreichen Fachleute aus den unterschiedlichs-
ten Disziplinen.
Arbeitsschutz muss konsequent zielgruppenorientiert betrieben werden, wobei unterschiedliche
Leistungsvoraussetzungen zu beachten sind. Das betrifft insbesondere die Gestaltung von Ar-
beitsbedingungen für Frauen, Jugendliche und leistungsgewandelte Arbeitnehmer. In diesem
Zusammenhang rückt das Arbeiten im demografischen Wandel in den Blickpunkt.
Umfassende Prävention bei der Arbeit ist letztendlich nur dann nachhaltig wirksam, wenn sie
von allen Beteiligten und Betroffenen nicht als eine zusätzliche Aufgabe verstanden wird, son-
dern als integraler Bestandteil des Managements, der Arbeit und der Bildung (einschl. der Er-
ziehung und der Ausbildung) sowie als Bestandteil der Kultur eines Unternehmens, einer öffent-
lichen Verwaltung, einer Bildungseinrichtung.
Leitbild für die Gestaltung sicherer und gesundheitsgerechter Arbeitssysteme sind nicht aus-
schließlich Gesetze, Verordnungen und andere Vorschriften. Außerdem sind entsprechend dem
zeitgemäßen Verständnis von Sicherheit und Gesundheitsschutz Problemkreise einbezogen, zu
denen es keine detaillierten Vorschriften und Normen gibt. Maßstäbe hierfür muss sich der Be-
trieb eigenverantwortlich selbst setzen. Zu berücksichtigen sind dabei der Stand von Technik,
Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse.
Der Betrieb darf sich nicht mit einem einmal erreichten Niveau sicherer und gesundheitsgerech-
ter Arbeitssysteme zufriedengeben, sondern muss die Arbeitsbedingungen soweit möglich
ständig verbessern.
Arbeitsschutz erfordert eine konsequent präventive Ausrichtung, das heißt er muss proaktiv
betrieben werden. Damit reagiert er nicht nur auf Defizite und veränderte Anforderungen, son-
dern stößt selbst Entwicklungen in Technik, Organisation, Management und Verhalten an.
In dieser proaktiven Funktion erschließt der Arbeitsschutz Chancen, die in generellen Wand-
lungs- und Veränderungsprozessen liegen, zum Beispiel in Folge von Globalisierung, demogra-
fischem Wandel, neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und neuen Beschäfti-
gungsverhältnissen sowie der Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, wachsenden Bedeu-
tung von Automatisierungsprozessen und der Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

1.2. Rolle und Aufgaben der Fachkräfte für Arbeitssicherheit


Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben nach § 6 ASiG die Aufgabe, „den Arbeitgeber beim
Arbeitsschutz und bei der Unfallverhütung in allen Fragen der Arbeitssicherheit einschließlich
der menschengerechten Gestaltung der Arbeit zu unterstützen“. Die Aufgaben werden bestimmt

Seite 10 von 160


durch § 6 Abs. 1 Satz 2 ASiG in Verbindung mit den Anforderungen, die das Arbeitsschutzrecht
an den Arbeitgeber stellt. Dies umfasst:

- Unterstützung der Unternehmensführung beim Schutz vor Unfall- und Gesundheitsge-


fahren und bei der menschengerechten Gestaltung der Arbeit. Dazu gehört ins-
besondere

 die Beschaffung von technischen Arbeitsmitteln und die Einführung von Arbeitsver-
fahren und Arbeitsstoffen,

 die sicherheitstechnische Überprüfung von Betriebsanlagen und technischen Ar-


beitsmitteln, insbesondere vor der Inbetriebnahme und von Arbeitsverfahren vor al-
lem vor ihrer Einführung

 auch der Erhalt der individuellen gesundheitlichen Ressourcen im Zusammenhang


mit der Arbeit.

- Beratung der Unternehmensleitung zur Optimierung der vorhandenen betrieblichen Auf-


bau- und Ablauforganisation mit dem Ziel, nachhaltigen Arbeitsschutz durch die Integra-
tion von Sicherheit und Gesundheitsschutz in Management und Führung von Prozessen
zu erreichen und den Arbeitsschutz kontinuierlich zu verbessern.

- Beratung zur Organisation und Durchführung der Beurteilung von Arbeitsbedingungen


zur Vorbereitung, Gestaltung und Aufrechterhaltung sicherer, gesundheits- und men-
schengerechter Arbeitssysteme.

- Beratung bei der qualitativen und der quantitativen Beurteilung der Wirksamkeit von um-
gesetzten Arbeitsschutzmaßnahmen.

- Hinwirken auf ein sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten aller Beteiligten.

- Beratung des Unternehmers bei der Verteilung des betriebsärztlichen und sicherheits-
technischen Anteils an der Grundbetreuung sowie der Bestimmung des betriebsspezifi-
schen Aufgaben- und Betreuungsumfanges im Rahmen der Umsetzung der DGUV Vor-
schrift 2.

- Beratung der Personalvertretung.


Das Aufgabenspektrum von Fachkräften für Arbeitssicherheit ist somit breit gefächert.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit

- beraten,

- unterstützen,

- motivieren.
Sie sind damit grundsätzlich Managementbeauftragte ohne Weisungsbefugnis für Sicherheit
und Gesundheitsschutz bei der Arbeit.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen dabei unterschiedlichen Erwartungen der betrieblichen
(insbesondere Unternehmer, Führungskräfte, Betriebs-/Personalrat, Betriebsarzt, Sicherheits-
beauftragte, Beschäftigte) und außerbetrieblichen Akteure gerecht werden und mit ihnen agie-
ren. Sie müssen dem Unternehmen nutzen.
Sie werden vom Unternehmer bestellt und sind bei der Anwendung ihrer Fachkunde weisungs-
frei und damit fachlich unabhängig. Sie sind als Stabsstelle disziplinarisch (arbeitsrechtlich) dem

Seite 11 von 160


Leiter des Betriebes beziehungsweise der Behörde (= oberste Leitung) direkt unterstellt. Bei
externer Bestellung sind sie vertraglich an die Betriebsleitung angebunden.
In Abhängigkeit von den betrieblichen Anforderungen (Schwierigkeitsgrad der Aufgabenstellun-
gen hinsichtlich Breite und Tiefe, Betriebsgröße) ist es Aufgabe der Unternehmer, geeignete
Fachkräfte für Arbeitssicherheit mit ausreichendem Qualifikationsniveau zu bestellen. Entspre-
chend den betrieblichen Anforderungen und der abgestuften Beschreibung der Qualifikationsvo-
raussetzungen des § 7 Abs. 1 ASiG müssen Fachkräfte für Arbeitssicherheit eingesetzt werden,
die

- auf hoher fachlicher Ebene unter Einschluss eines dafür erforderlichen Maßes an Trans-
ferfähigkeit,

- auf Expertenebene unter Einschluss eines dafür erforderlichen hohen Maßes an Trans-
ferfähigkeit oder

- auf hoher Expertenebene unter Einschluss eines dafür erforderlichen sehr hohen Maßes
an Transferfähigkeit
handeln können.
Zu den betrieblichen Anforderungen zählt auch, darauf zu achten, dass aus Gründen der bes-
seren Akzeptanz die Fachkraft für Arbeitsicherheit eine den betrieblichen Verhältnissen adäqua-
te berufliche Vorqualifikation besitzen sollte.
Bei einem Wechsel der Fachkraft für Arbeitssicherheit aus einem anderen Wirtschaftszweig hat
der Unternehmer dafür zu sorgen, dass sie die erforderlichen bereichs- bzw. wirtschaftszweig-
bezogenen Kenntnisse durch Fortbildung nach Maßgabe durch den zuständigen UV-Träger
erwirbt (§ 4 Abs. 7 DGUV Vorschrift 2).

1.3 Anforderungen an die Tätigkeit


In Abhängigkeit von den betrieblichen Rahmenbedingungen (Größe, Wirtschaftszweig etc.) und
der Art des Tätigwerdens (Teilzeit-/Vollzeit-Tätigkeit, interne/externe Betreuung) können die
dargestellten Aufgaben unterschiedliche Relevanz haben.
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit muss ihre Fachkunde aktiv einbringen und die vielfältigen
Aufgaben sorgfältig, gewissenhaft und mit dem erforderlichen Nachdruck erfüllen.
Die Tätigkeit der Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist auf eine ständige Verbesserung von Si-
cherheit und Gesundheitsschutz im Unternehmen ausgerichtet.
Fachkräfte sind in der Lage, Schwerpunkte für ihre Arbeit eigenverantwortlich zu setzen. Sie

- helfen aktiv und vorausschauend, sind fortschrittsorientiert, zeigen Möglichkeiten der


Veränderung auf und argumentieren überzeugend und sachbezogen,

- unterstützen die Unternehmensführung bei der Einhaltung des durch Schutzziele ge-
prägten Arbeitsschutzrechts im betrieblichen Handeln entsprechend dem Stand der
Technik,

- arbeiten erfolgs- und zielorientiert und wirken auf die Schaffung einer Arbeitsschutzkultur
hin,

- gehen bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ablaufor-
ganisation und bei der Gestaltung von Arbeitssystemen systematisch vor,

Seite 12 von 160


- initiieren und unterstützen die Integration der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes
in die Gestaltung von Arbeitssystemen,

- bringen ihre Fachkunde frühzeitig in Planungs- und Konzeptionsphasen ein,

- beachten wirtschaftliche Gesichtspunkte sowohl bei der Argumentation für den betriebli-
chen Nutzen des Arbeitsschutzes als auch bei der Erarbeitung von Lösungsvorschlä-
gen,

- dokumentieren die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit,

- beschäftigen sich mit anstehenden Wandlungs- und Veränderungsprozessen, insbe-


sondere in Folge von Globalisierung, demografischem Wandel (Sicherung der Beschäf-
tigungsfähigkeit), Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, neuen Beschäftigungs-
verhältnissen, Flexibilisierung der Arbeitszeiten, neuen Informations- und Kommunikati-
onstechnologien, häufigen Veränderungen der Eigentumsverhältnisse, hoher Fluktuation
der Führungskräfte, wachsender Bedeutung von Automatisierungsprozessen, häufigen
und kurzlebigen Reorganisationsprozessen.
Bei der Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in die betriebliche Organisation und
bei der Gestaltung sicherer, gesundheits- und menschengerechter Arbeitssysteme wendet die
Fachkraft für Arbeitssicherheit die Elemente des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses an.
Dazu arbeiten Fachkräfte für Arbeitssicherheit kooperativ. Fachkräfte für Arbeitssicherheit wir-
ken auf die Umsetzung vereinbarter Lösungskonzepte hin und überprüfen/bewerten die betrieb-
liche Umsetzung.
Die Wirksamkeit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit steigt von der Beschäftigung mit einzelnen
Gefährdungs- und Belastungsfaktoren über die Gestaltung von sicheren und gesundheitsge-
rechten Arbeitssystemen bis hin zur Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau-
und Ablauforganisation. Wirksam ist dabei proaktives Handeln, d. h. unter Bewertung von Risi-
ken präventiv vorbeugend bereits in der Planungs- und Konzeptphase sowie bei der Forschung
und der Produktentwicklung tätig zu werden. Sie steigt auch in dem Maße, wie es gelingt, eine
direkte und regelmäßige Zusammenarbeit mit der Leitung des Betriebes zu etablieren.
Fachkräfte für Arbeitssicherheit bilden interne und externe Netzwerke zum Beispiel mit:

- Unternehmern und betrieblichen Führungskräften

- Betriebsarzt

- Akteuren im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung

- anderen betrieblichen Akteuren (zum Beispiel in den Bereichen Brandschutz, Umwelt-


schutz und Störfall)

- Betriebsrat/Personalrat

- anderen Fachkräften für Arbeitssicherheit (intern/extern zum Beispiel Internet, Sifa-


Community, Verbände, Erfahrungsaustausche)

- staatlichen Arbeitsschutzbehörden und Unfallversicherungsträgern.


Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind Generalisten in allen Fragen von Sicherheit und Gesund-
heitsschutz. Zugleich ist jede Fachkraft für Arbeitssicherheit Spezialist für besondere auf den
Wirtschaftszweig und auf den Einzelbetrieb bezogene spezifische Schwerpunkte. Bei Bedarf an
speziellem Fachwissen zu Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit
sorgt sie für die Beteiligung von Experten entsprechender Fachdisziplinen.

Seite 13 von 160


Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in der Lage, ihre Kompetenzen durch lebenslanges Lernen
weiter zu entwickeln.

1.4. Kompetenzen der Fachkräfte für Arbeitssicherheit


Der Kompetenzbegriff bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft Kenntnisse, Fertigkeiten sowie
persönliche, soziale und methodische Fähigkeiten in Arbeits- oder Lernsituationen und für die
berufliche und persönliche Entwicklung zu nutzen. Kompetenz wird in diesem Sinne als Hand-
lungskompetenz verstanden. Die erforderliche Handlungskompetenz der Fachkräfte für Arbeits-
sicherheit geht von ihrer Rolle sowie den beschriebenen Aufgaben und Anforderungen an die
Tätigkeit aus.
Die Handlungskompetenz einer Fachkraft für Arbeitssicherheit umfasst2:
Fachkompetenz
Fachkompetenz ist die Fähigkeit und Bereitschaft, Aufgaben- und Problemstellungen
selbstständig, fachlich angemessen, methodengeleitet zu bearbeiten und das Ergebnis zu
beurteilen.
Methodenkompetenz
Methodenkompetenz bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Mittel und Wege zur er-
folgreichen Aufgabenbewältigung zu kennen und anzuwenden.
Sozialkompetenz
Bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, zielorientiert mit anderen zusammen zu arbei-
ten, ihre Interessen und sozialen Situationen zu erfassen, sich mit ihnen rational und ver-
antwortungsbewusst auseinander zu setzen und zu verständigen sowie die Arbeitswelt mit
zu gestalten.
Personal-/Selbstkompetenz
Bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, selbstständig und verantwortlich zu handeln,
eigenes und das Handeln anderer zu reflektieren und die eigene Handlungsfähigkeit wei-
ter zu entwickeln und das eigene Leben selbstständig und verantwortlich im beruflichen
Kontext zu gestalten
Die Qualifikation zur Fachkraft für Arbeitssicherheit führt in Abhängigkeit von der Ausgangsqua-
lifikation und beruflichen Erfahrung der Teilnehmer/innen im Ergebnis zu unterschiedlichen
Kompetenzprofilen. Sie setzen sich zusammen aus Elementen der Gesamtausbildung zur
Fachkraft für Arbeitssicherheit und Elementen der individuellen Vorqualifikation.
Entsprechend den unterschiedlichen Ausgangsqualifikationen (§7 Abs. 1 ASiG) verfügen Fach-
kräfte für Arbeitssicherheit nach Abschluss der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
über unterschiedliche Qualifikationsebenen, die beispielsweise von

- spezialisiertem Fachwissen und umfassenden kognitiven sowie praktischen Fertigkeiten


in einem Teilbereich über

- vertiefendem, spezialisiertem Fachwissen und umfassenden kognitiven sowie prakti-


schen Fertigkeiten in mehreren Teilbereichen bis zu

2
Die vorliegende Aufteilung wurde in Anlehnung an das Konzept der Schlüsselkompetenzen der OECD vorgenommen. Im Rahmen
dieses Ausbildungsmodells werden diese „handlungsprägenden Faktoren zugeordnet, die die Grundlage für die Aufgabenwahr-
nehmung von Fachkräften für Arbeitssicherheit bilden, vgl. Kap. II.

Seite 14 von 160


- hoch spezialisiertem Fachwissen und umfassenden kognitiven sowie praktischen Fertig-
keiten in allen Teilbereichen
der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit reichen.
Vergleichbar sind auch die anderen Kompetenzbereiche zu betrachten. Beispielsweise bei der
Personal-/Selbstkompetenz: Interessen auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheits-
schutzes bei der Arbeit intern und extern auf kollegialer Ebene aber auch gegenüber Verant-
wortungsträgern beziehungsweise auf allen Ebenen bis zur Unternehmensleitung zu repräsen-
tieren. Bei der Bestellung der Fachkraft für Arbeitssicherheit muss der Unternehmer entspre-
chend den betrieblichen Besonderheiten darauf sein Augenmerk richten.

1.5. Aktualisierung, Spezialisierung und Erweiterung der Kompetenzen nach der


Ausbildung
Die Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit erhebt den Anspruch, die Kompetenzen in
Umfang und Tiefe so zu erweitern, dass sie nach Abschluss der Ausbildung ihrer Generalisten-
rolle gerecht werden aber auch Spezialist für besondere, auf den Wirtschaftszweig und auf den
Einzelbetrieb, bezogene spezifische Schwerpunkte sind.
Auch nach der Ausbildung ist es notwendig, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit ihre Hand-
lungskompetenz systematisch und anforderungsgerecht erweitert. Lebenslanges Lernen wird
damit zu einer Grundvoraussetzung für die Fachkraft für Arbeitssicherheit, um sich den kontinu-
ierlichen Veränderungen in der Arbeitswelt erfolgreich stellen und das Präventionsverständnis
befördern zu können.

2. Leitlinien für die Gesamtausbildung


Die Leitlinien für die Gesamtausbildung (Anlage 1) sind Grundlage für die Weiterentwicklung
der Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit in diesem Ausbildungsmodell. Hiernach

- gelten die im Fachaufsichtsschreiben vom 29. Dezember 1997 vorgegebenen Grundsät-


ze des BMA für die Ausbildung zur Erlangung der sicherheitstechnischen Fachkunde
nach ASiG weiter (Leitlinie 1),

- sind die optimierten und fortgeschriebenen Inhalte des Referenzmodells von HVBG und
BAuA (gleichwertig BUK) Basis zur Umsetzung des Fachaufsichtsschreibens (Leitlinie
2),

- hat die Ausbildung das Ziel, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu befähigen, ihre Auf-
gaben entsprechend dem weiterentwickelten Anforderungsprofil wahrnehmen zu können
(Leitlinie 3),

- sind Grundlagen des erwachsenengerechten didaktischen Konzeptes


- eine arbeitsweltbezogene Vorgehensweise,
- eine Kompetenzorientierung,
- ein aktiver, durch den Lerner selbstgesteuerter Prozess des Lernens,
wobei das didaktische Konzept wie bisher mit einem Blended Learning System umge-
setzt wird (Leitlinie 4),

- werden die für ein erfolgreiches Handeln im Betrieb erforderlichen Kompetenzen in


Lernerfolgskontrollen überprüft, deren Organisation und Durchführung nach bundesein-

Seite 15 von 160


heitlichen Qualitätsstandards erfolgt; ihre Bewertung basiert auf bundeseinheitlichen Kri-
terien (Leitlinie 5),

- unterliegt die Ausbildung einer kontinuierlichen Qualitätssicherung auf der Grundlage


des Qualitätsrahmenmodells für die Präventionsdienstleistung Qualifizierung (Leitlinie 6).

3. Didaktische Grundlagen der Ausbildung von Fachkräften für Arbeitssicherheit


Klassischer Frontalunterricht und reine Wissensvermittlung sind überholt. Auslöser für diesen
Umbruch sind u.a. die Erkenntnisse der Gehirnforschung, die rasante Entwicklung und die da-
mit verbundene Halbwertzeit des Wissens sowie die Anforderungen der Arbeitswelt von heute.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben: In Zukunft wird es immer wichtiger, Fähig-
keiten zu entwickeln, um komplexe Probleme in der Praxis kreativ und selbstorganisiert zu lö-
sen (sog. Kompetenzansatz). Isolierte Wissens- und Fähigkeitsvermittlung verliert an Bedeu-
tung. Selbstverantwortliches Lernen zur Weiterentwicklung der Kompetenzen steht im Mittel-
punkt.
Erfolgreiche Erwachsenenbildung nimmt diese Anforderungen auf. Ziel ist es, Lernen gemäß
diesen Erkenntnissen zukunftsfähig und nachhaltig zu gestalten. Im Zentrum steht die Kompe-
tenzorientierung. Ein aktiver, selbstgesteuerter Prozess des Lernens wird in Gang gesetzt (sie-
he Abb. 1) . Der Dozent wird vom Vortragenden zum Berater, der eigenaktives, selbstgesteuer-
tes Lernen anleitet und durch die Auswahl von Methoden und Medien unterstützt. Die bisherige
Lehr- und Lernpraxis wird durch den neuen Ansatz (vgl. Didaktische Leitlinien für die zukünfti-
ge Qualifizierung von Fachkräften für Arbeitssicherheit, Anlage 2) weiterentwickelt und er-
gänzt.
Der Kompetenzansatz entspricht insbesondere auch dem von der Europäischen Kommission
vorgeschlagenen Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR), der derzeit im Deutschen Qualifi-
kationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) umgesetzt wird. Ziel der Europäischen Union ist
dabei, eine bessere Vergleichbarkeit nationaler Bildungsabschlüsse zu erreichen.

Abb. 1: Lernen ermöglichen

Seite 16 von 160


3.1 Kompetenzorientierung bei der Gestaltung der Qualifizierung
Kompetenzorientierte Ausbildung misst ihren Erfolg daran, was Lernende nach ihrer Ausbildung
tun (Outcome-Ansatz). Für die Qualifikation einer Fachkraft für Arbeitssicherheit bedeutet dies
dass sie Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt, die sie in die Lage versetzen, die sich stets än-
dernden und immer komplexer werdenden Aufgaben des betrieblichen Arbeitsschutzes wahr-
zunehmen und Probleme zu lösen. In der Ausbildung muss auch die Bereitschaft (Haltung)
entwickelt werden, dies erfolgreich zu tun.
Die Ausbildung orientiert sich an vorhandenen Kompetenzprofilen (formale und individuelle
Kompetenzen), um den notwendigen Kompetenzerwerb zu erkennen und den Teilnehmer ver-
antwortlich in den Lernprozess mit einzubeziehen.
Die Aneignung von Kompetenzen erfolgt durch Lernen in Präsenz- und Selbstlernphasen.
Durch handlungs-, problem- und lösungsorientierte Lernarrangements werden inhaltlich-
fachliche, methodisch-strategische, sozial-kommunikative und emotional-affektive Aspekte mit-
einander vernetzt. Die Fachkraft für Arbeitsicherheit kann so in Zukunft ihrer Rolle als Genera-
list besser gerecht werden, etwa wenn sie in Bezug auf die Gestaltung von Arbeitssystemen
und Arbeitsschutzmanagementsystemen als Berater auftritt.

3.2 Orientierung an der Ermöglichungsdidaktik - selbstverantwortliches Lernen


Die angehenden Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in den sozialen Kontext der Unternehmen
eingebunden (Soziologik). Außerdem spielen die Persönlichkeit und der Erfahrungshintergrund
eine wichtige Rolle (Psychologik). Daher lernt jeder auf individuelle Weise und jeder lässt sich
durch unterschiedliche Faktoren motivieren. Ermöglichungsdidaktik erkennt dies an und gibt
dem Lernenden Spielräume für ein selbstverantwortliches Lernen. Ausgehend von bereits vor-
handenen Kompetenzen und unterstützt durch die Dozenten als Lernberater ermöglicht diese
Didaktik den angehenden Fachkräften für Arbeitssicherheit, die benötigten Kompetenzen zum
wirksamen Ausfüllen ihrer Rolle als Berater und Unterstützer des Unternehmens so aktiv und
selbstverantwortlich wie möglich zu entwickeln. Dabei erfolgt die gemeinsame Arbeit an der
Kompetenzerweiterung möglichst praxis- und branchennah.
Ein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen umfasst:
(1) Aneignen - Der Lerner eignet sich aktiv neue Kompetenzen an.
(2) Einüben - Der Lerner übt die neuen Kompetenzen beispielhaft in Übungssituationen
ein und erlebt seine Rolle.
(3) Anwenden - Der Lerner erlebt seinen Kompetenzzuwachs, also seinen Lernerfolg,
schon während der Qualifizierung durch ein erstes Anwenden in seinem betrieblichen
Kontext.
(4) Reflektieren - Der Lerner reflektiert die Tragfähigkeiten der neu erworbenen Kompe-
tenzen für die Praxis sowie seine eigene Rolle dabei.

3.3 Arbeitsweltbezogene Vorgehensweise als strukturbestimmendes Merkmal


Um eine hohe Qualität der Qualifizierung zu gewährleisten, ist eine enge Orientierung an den
Erfordernissen der Arbeitswelt und an dem Wertschöpfungsprozess notwendig. Dabei müssen
vor allem folgende Aspekte berücksichtigt werden:
(1) das Rollen- und Aufgabenverständnis

Seite 17 von 160


(2) die Inhalte der Tätigkeit
(3) die systematische, problemlösungsorientierte Vorgehensweise der Fachkraft für Ar-
beitssicherheit
(4) die Selbstreflexion und das Lernen lernen
Die Aufgaben und Probleme, die sich der Fachkraft für Arbeitssicherheit in der Praxis stellen,
sind komplex. Das bedeutet, dass sich der Ablauf der Qualifizierung an der Bewältigung kom-
plexer Aufgaben und Probleme und nicht an isolierten Wissensgebieten zur Sicherheit und zum
Gesundheitsschutz orientiert.
Kompetenzbereiche werden nur dort vertieft, wo sie auch verstärkt benötigt werden. Bei einzel-
nen Themen müssen Schwerpunkte gesetzt werden. Denn die Rolle der Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit ist die eines Generalisten. Sie kann im Rahmen der Ausbildung nicht zum Spezialisten
für einzelne Fachgebiete ausgebildet werden. Sonst besteht die Gefahr, die Qualifizierung zu
überfrachten.
Der Weg zum Ziel muss während der Qualifizierung immer wieder mit den angehenden Fach-
kräften für Arbeitssicherheit besprochen und überdacht werden, da der Erfolg wesentlich von
der Selbstverantwortung des Lernenden abhängig ist. Um die Ergebnisse dieser Selbstreflexion
auch angemessen in die Qualifizierung integrieren zu können, muss die Struktur ihres Ablaufs
dementsprechend offen gestaltet sein. Außerdem muss der Kompetenzerwerb durch Lerner-
folgskontrollen dokumentiert werden.
Wesentlich ist auch, dass die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit sich bewusst für die
Qualifizierung entscheidet. Deshalb ist es für sie wichtig, sich schon vor Beginn ausführlich mit
den zukünftigen Aufgaben auseinanderzusetzen. Dies alles sollte im Zusammenspiel mit dem
Arbeitgeber geschehen.
Die Rolle der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist die eines Generalisten. In manchen Fällen je-
doch kann es aufgrund betriebsspezifischer Belange erforderlich sein, dass eine Fachkraft für
Arbeitssicherheit auch ein spezielleres Know-How haben muss, um ihre Aufgabe sachgerecht
zu erfüllen. Entsprechend müssen die zu erwerbenden Kompetenzen verändert, erweitert oder
vertieft werden. Die Ausbildung kann dies jedoch nicht in vollem Umfang leisten. Allerdings
schafft sie die erforderlichen Grundlagen. Denn sie befähigt den Teilnehmer, seine erworbenen
Kompetenzen zu überdenken und die noch fehlenden Kompetenzen am Ende der Ausbildung
zu erkennen. Außerdem steht im Mittelpunkt die Selbstverantwortung und Selbstorganisation
der Teilnehmer in Bezug auf ihr Lernen. Sie können sich deshalb weitere Kompetenzen auch
später leichter selbst erschließen („Lebenslanges Lernen“).

3.4 Auswahl von Methoden und Medien, die das aktive und selbstgesteuerte Lernen un-
terstützen
Die Anforderungen der Arbeitswelt sind einem ständigen Wandel unterworfen. Die Teilnehmer
der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit sollen deshalb auch nach dem Abschluss
eigenständig und laufend weiter lernen. Dieses Ziel wird durch die Ausrichtung auf selbstge-
steuertes und selbstverantwortliches Lernen schon während der Qualifizierung erreicht.
Das hat Auswirkungen auf die Rolle des Dozenten. Er muss Lernberater und Lernbegleiter sein.
Seine Aufgabe ist es, anregende Lernbedingungen und Lernräume zu schaffen. Die Auswahl
der Methoden und Medien bekommt einen zentralen Stellenwert für die Qualität der Lernergeb-
nisse (Learning Outcomes). Denn für den Erfolg sind zwei Aspekte wesentlich:

 Einerseits muss die methodische Verzahnung von Aneignen, Einüben, Anwenden und
Reflektieren gelingen.

Seite 18 von 160


 Andererseits müssen die ausgewählten Methoden und Medien zum Lernenden und zur
Situation, in der er sich befindet, passen.
Für ein selbstverantwortliches Lernen geeignete Methoden sind vor allem solche, die selbstge-
steuerte, produktiv-konstruierende, aktivierende, situationsbezogene und soziale Lernprozesse
ermöglichen und die ein Lernen mit allen Sinnen unterstützen. Das können komplexe, aber
auch ganz einfache Methoden sein wie zum Beispiel Projektarbeit, Problem basiertes Lernen,
Rollenspiele oder Gruppenarbeiten.
Ebenso können klassische dozentenorientierte Methoden, wie etwa der Lehrvortrag, zum Ein-
satz kommen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass den Lernenden die Möglichkeit gege-
ben wird, sich den Input des Dozenten in mehreren Stufen und eigenständig zu erschließen.
Vor allem Blended Learning-Arrangements sind geeignete Möglichkeiten, die Qualifizierung der
Fachkräfte für Arbeitssicherheit Lerner- und Kompetenzorientiert zu gestalten. Dabei werden
Präsenzveranstaltungen und selbstorganisiertes Lernen in Form von E-Learning sinnvoll mitei-
nander kombiniert.
Gerade das E-Learning in Verbindung mit den Möglichkeiten der Nutzung des Internets bietet
im Rahmen einer Qualifizierung, die sich auf die Person des Lernenden konzentriert, großes
Potential (vgl. Konzeption für den Einsatz einer Lernplattform, Anhang 1). Schließlich bietet es
Freiheitsgrade hinsichtlich Ort und Zeit und ermöglicht so ein selbstorganisiertes und selbstver-
antwortliches Lernen. Außerdem werden Kommunikations- und Medienkompetenz gestärkt.
Allerdings muss darauf geachtet werden, dass dabei nicht nur Inhalte zur Verfügung gestellt
werden, sondern auch hier dem Aneignen, Einüben, Anwenden und Reflektieren Rechnung
getragen wird. Lernformen, bei denen Arbeitsaufgaben in der Gruppe oder etwa mit selbst ge-
wählten Lernpartnern beispielsweise in Form von Foren oder virtuellen Seminarräumen erarbei-
tet werden, sind in diesem Zusammenhang geeignet.
Bei solchen Formen kann sich auch eine Lernbegleitung aktiv einbringen. Ein Moderator kann
via Internet den Lernprozess der gesamten Gruppe moderieren und bei Bedarf Hilfen anbieten,
um das selbstgesteuerte Lernen zu erleichtern. Weiterhin möglich ist die individuelle Betreuung
des einzelnen Lernenden durch einen Tutor.
Wichtig ist, dass den Teilnehmern ausreichender Freiraum bei der zeitlichen und örtlichen Ge-
staltung ihres Lernprozesses bleibt. Es reicht allerdings nicht aus, ausschließlich auf die
Selbstmotivation der Teilnehmer zu setzen. Die Phasen des selbstorganisierten Lernens (E-
Learning) müssen sich vielmehr auch in der Struktur der Qualifizierung und damit auch in der
Prüfungsordnung und den Lernerfolgskontrollen widerspiegeln.

Seite 19 von 160


II. Die Kompetenzentwicklung von Fachkräften für Arbeitssicherheit
Die zentrale Aufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist die Unterstützung und Beratung der
Führungskräfte in allen Fragen von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Hieraus ergeben
sich gemäß § 6 ASiG und DGUV Vorschrift 2 eine Vielzahl von einzelnen Aufgaben und Tätig-
keiten. Sie sind im Aufgabenprofil (vgl. Anlage 3) abgebildet. Will die Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit in diesem Rahmen erfolgreich handeln, muss sie über entsprechende Kompetenzen
verfügen. Es wurde bereits beschrieben, dass zur Aufgabenwahrnehmung und Problemlösung
ganz allgemein Fach-. Methoden-, Sozial- und Personale Kompetenzen erforderlich sind.
Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen, Lebenserfahrung, Lebenssituation und Persönlichkeits-
struktur bringen alle Teilnehmer der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit eine Vielzahl
unterschiedlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten mit in die Ausbildung. Sie beruhen in der Regel
auf ihrer Ausbildung als Ingenieur, Techniker oder Meister und einer mehrjährigen praktischen
Tätigkeit in dieser Funktion (vgl. Anhang 2).
Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit baut darauf auf. Insbesondere das Verständ-
nis für betriebliche Abläufe sowie ihre „Haltung“ bilden gute Ansatzpunkte. Kenntnisse und Er-
fahrungen zu Sicherheit und Gesundheit liegen dagegen in der Regel nicht im ausreichenden
Maße vor. Dementsprechend werden durch die Ausbildung die spezifische Handlungskompe-
tenzen einer Fachkraft für Arbeitssicherheit entwickelt. Sie zeigen sich in unterschiedlichen
Kombinationen der Fach-, Methoden-, Sozial- und personalen Kompetenzen

- als Know-How,

- im Umgang mit Anderen,

- im Umgang mit sich selbst,

- in ihrer Haltung.
Diese handlungsprägenden Faktoren bilden die Grundlage für die Wahrnehmung der Bera-
tungs- und Unterstützungsfunktion von Fachkräften für Arbeitssicherheit. Die nachfolgende Ab-
bildung macht diese Zusammenhänge deutlich.

Fach- und Methodenkompetenz


Sozial- und Methodenkompetenz

Know - How
Personale-/ Selbstkompetenz
Umgang mit sich
und Methodenkompetenz
Umgang mit
Anderen

selbst

Beratung
und
Unterstützung

Haltung
Sozialkompetenz und
Personale-/ Selbstkompetenz

Abb. 2: Einfluss der Kompetenzen auf die handlungsprägende Faktoren der


Fachkraft für Arbeitssicherheit

Seite 20 von 160


Das Ziel der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ist es, die handlungsprägenden Fak-
toren in allen Lernbereichen zu entwickeln. Im Einzelnen werden hiermit insbesondere folgende
anforderungsspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten erfasst:
Know- How
Fachkräfte für Arbeitssicherheit kennen ihre Aufgaben und Stellung im Betrieb und sind in
der Lage
- Arbeitssysteme systematisch und zielführend zu analysieren, zu beurteilen und mit zu
gestalten
- aktuelle Wandlungs- und Veränderungsprozesse bei ihrer Arbeit zu berücksichtigen
- Informationsquellen zu erschließen und systematisch für ihre Arbeit zu nutzen
- arbeitsschutzrelevante Projekte zu initiieren, mit zu planen und umzusetzen
- Konzepte für die Integration von Arbeitsschutz in alle betrieblichen Prozesse und Abläu-
fe mit zu gestalten und weiterzuentwickeln
- ihre Arbeitsergebnisse anschaulich, nachvollziehbar sowie formal korrekt zu dokumen-
tieren und zu präsentieren

Umgang mit sich selbst


Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in der Lage
- aktiv und vorausschauend zu agieren
- erfolgs- und zielorientiert zu arbeiten
- die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit zu dokumentieren und zu kommunizieren
- ihren Lernprozess auch im Sinne eines lebenslangen Lernens erfolgreich und eigenver-
antwortlich zu gestalten
- einen persönlichen Nutzen in der Tätigkeit zu erkennen und sich für die Tätigkeit zu mo-
tivieren
- ihre eigenen Arbeit unter Beachtung der eigenen Ressourcen und betrieblichen Rah-
menbedingungen zu organisieren
- ihre Grenzen zu erkennen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen
- mit Veränderungs- und Wandlungsprozessen positiv umzugehen

Umgang mit Anderen


Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in der Lage unter Berücksichtigung der Aufgaben, Rolle
und Stellung Anderer
- auf die Schaffung einer Arbeitsschutzkultur hinzuwirken
- kooperativ und teamorientiert zusammen zu arbeiten
- Möglichkeiten der Veränderung aufzuzeigen
- die Anforderungen des Arbeitsschutzes in die Gestaltung von Arbeitssystemen zu integ-
rieren
- Netzwerke aufzubauen, zu nutzen und zu pflegen
- Gespräche argumentativ überzeugend, sachlich und konstruktiv zu führen
- lösungs- und prozessorientiert zu beraten und zu unterstützen

Seite 21 von 160


- mit Konflikten sicher umzugehen und diese konstruktiv zu lösen

Haltung
Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind in der Lage
- als Vorbild bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz zu agieren
- sich in der Rolle als Unterstützer in allen Fragen der Sicherheit und des Gesundheits-
schutzes im Betrieb zu verstehen, dazu gehört
 Erhalt von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit als wichtige gesellschaftliche
Aufgabe zu sehen und als eigenen Auftrag zu verstehen
 soziale und ethische Aspekte den ökonomischen voranzustellen
 konservativ im Sinne des Erhalts bewährter Maßnahmen zu sein
 progressiv im Sinne der Erprobung von Neuerungen zu sein
- selbstständig und verantwortlich sowie vorausschauend zu handeln
- eigenes und das Handeln Anderer zu reflektieren
- eigene Handlungsfähigkeit weiterzuentwickeln
- das eigene Leben selbständig und verantwortlich im beruflichen Kontext zu gestalten
- ihre eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren
Mit solchen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet, können Fachkräfte für Arbeitssicherheit
die von ihnen geforderte Beratung und Unterstützung leisten.

1. Die Ausgestaltung der Ausbildung


Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgt nach einem handlungsorientierten
Konzept, das die Entwicklung von anforderungsspezifischen Kompetenzen in den Mittelpunkt
stellt. Die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit soll lernen, selbständig und verantwor-
tungsvoll zu handeln und mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten um so den Arbeits-
schutz in ihrem Betrieb weiter zu entwickeln. Dazu werden neben Fachwissen insbesondere
Methoden des selbständigen Lernens und Arbeitens, des Transfers in die betriebliche Realität
sowie Techniken der Präsentation von Ergebnissen und der erfolgreichen Beratung eingeübt.
Ein wichtiges Ziel dabei ist es, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu befähigen, ihre erworbe-
nen Kompetenzen auch nach der Ausbildung selbständig nach den jeweiligen Erfordernissen im
Sinne eines lebenslangen Lernens weiter zu entwickeln.

1.1. Allgemeine Grundsätze


Entsprechend der generellen Zielsetzung wird die Ausbildung von folgenden Grundsätzen gelei-
tet:
- Erwerb eines fundierten, praxisbezogenen Grundlagenwissens zu Sicherheit und Ge-
sundheitsschutz bei der Arbeit, das auf neue und veränderte Situationen übertragbar ist,
ist fachlich-inhaltlicher Ausbildungsschwerpunkt.
- Im Vordergrund steht die Entwicklung der für die Aufgabenwahrnehmung als Fachkraft
für Arbeitssicherheit erforderlichen Handlungskompetenzen.
- Die werteorientierte Persönlichkeitsbildung unter Einbeziehung des eigenen Verhaltens
und der eigenen Haltung hat große Bedeutung. Dialog, Einfühlungsvermögen und Res-

Seite 22 von 160


pekt bilden die Basis für fachlich kompetente Beratung und Unterstützung der Unter-
nehmer und Führungskräfte.
- Erwachsenengerechtes Lernen auf der Basis von Methodenvielfalt, Entwicklung von ei-
genen Problemlösungsstrategien und eigenverantwortliches Lernen gewährleisten.
- Es werden handlungsorientierte Lernformen, wie z. B. Lernwerkstatt, Projektarbeit, Leit-
textmethode, angewendet, wobei den Besonderheiten der Erwachsenenbildung Rech-
nung getragen wird.
- Gelernt wird in Seminaren und während selbstorganisierter Lernzeiten mit und ohne Be-
gleitung.
- Problemorientierte und praxisnahe Lernsituationen haben einen hohen Stellenwert.
- Formen des aktiven, selbstgesteuerten und kooperativen Lernens sind wichtige Be-
standteile der Lehr- und Lernarrangements.
- Es werden vermehrt Methoden für erfahrungsorientiertes und selbst gesteuertes Lernen
eingesetzt. Dadurch wird die Lernberatung und -begleitung ein zentraler Aspekt der
Qualifizierung und erfordert ein entsprechendes Rollen- und Selbstverständnis von Do-
zenten.
- Den Teilnehmern sind die Anforderungen der Ausbildung, insbesondere ihre eigene
Verantwortung für den Ausbildungserfolg, die Abfolge der Lernsituationen, die Ausbil-
dungsinhalte und die Zeitdimensionen, bekannt.

1.2. Der Lernprozess


Der erforderliche Lernprozess zum Erwerb der für die Aufgabenwahrnehmung der Fachkraft für
Arbeitssicherheit erforderlichen spezifischen Handlungskompetenzen umfasst das Aneignen,
Einüben, Anwenden und Reflektieren. Die Reihenfolge der Aufzählung ist keine stringente Ab-
folge; alle Aspekte können einen Lernprozess anstoßen.
Der Kompetenzerwerb zielt in erster Linie darauf ab, sich konkretes Handlungs- bzw. Anwen-
dungswissen über das praktische Tun als Fachkraft für Arbeitssicherheit anzueignen. Es geht
um die Frage: „Wie macht man es?“. Zugleich bezieht sich die Aneignung aber auch auf die
abstraktere, theoretische Ebene, klärt die Frage: „Was ist es?“. Dies führt zu differenziertem
Wissen über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Durch die Koppelung mit der im betrieb-
lichen Alltag gewonnenen Selbsterfahrung entsteht ein tiefes Verständnis für die Aufgaben ei-
ner Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Beim Einüben geht es darum, Lernsituationen so aufzubereiten, dass deren Themenstellungen
und Inhalte praxisorientiert bearbeitet werden können. Es wird ein Erfahrungsraum eröffnet, der
den Teilnehmenden die Betrachtung ermöglicht, wie die Ausbildungsinhalte in der Praxis vor-
kommen und was bei deren Anwendung in unterschiedlichen Situationen zu beachten ist. Damit
vertiefen die Teilnehmer ihr Wissen und ihr Gespür für den adäquaten Methodeneinsatz: Sie
sammeln Erfahrungen im Zusammenspiel von Methode – Situation – Zielgruppe – Rahmenbe-
dingungen. Außerdem werden grundsätzliche Strategien erworben, wie erlernte Methoden in
ihrem speziellen Tätigkeitsfeld bewertet werden können und was in der Umsetzung zu beachten
ist.
Ein wesentliches Element der Ausbildung sind regelmäßige Reflexionen, also das Bewusstma-
chen des Handelns der Teilnehmer. Das beinhaltet die Reflexion sowohl über das Lernen als
auch über das Anwenden der erworbenen Kompetenzen im Betrieb. Die Präsenzphase ermög-
licht eine Selbst- und Fremdwahrnehmung. Durch eine Erwartungsklärung und eine Erwar-
tungsüberprüfung setzen sich die Teilnehmer mit sich und ihrem Handeln auseinander. Durch

Seite 23 von 160


gezielt eingesetzte Rückmeldung von anderen erfährt der Einzelne etwas über die Wirkung sei-
nes Handelns. Die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit lernt sich dadurch besser kennen
und kann die Außenwirkung ihres Handelns einschätzen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit,
Handlungen aus einer neu dazu gewonnenen Perspektive zu bewerten. Kritikfähigkeit, das
heißt die Fähigkeit, Kritik von anderen anzunehmen, ebenso wie Kritik zu äußern, unterstützt
diese Klärung und fördert die Selbstreflexion. Beim Selbstlernen kann die Reflexion z.B. durch
das Führen eines Lerntagebuchs gefördert werden.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist die Anwendung der Kompetenzen im
betrieblichen Kontext, insbesondere im eigenen Betrieb. Der Kompetenzzuwachs, das zusätzli-
che Erfahrungswissen, die Differenzierung in der Anwendung, zunehmendes Verständnis für
einen Sachverhalt sowie das Reflektieren des eigenen Verhaltens tragen zur Handlungsfähig-
keit und zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Das Wissen „Ich habe es einmal geschafft – ich
kann es wieder schaffen“ fördert das Vertrauen in die eigenen Fertigkeiten, und vermittelt dar-
über hinaus modellhaft eine Lösungsstrategie im Umgang mit neuen Herausforderungen.

2. Aufbau und Ablauf der Ausbildung


Dieser Abschnitt beschreibt das Ausbildungsziel und die zur Zielerreichung erforderlichen Rah-
menbedingungen sowie die Struktur der Ausbildung. Letztere ist durch das Fachaufsichts-
schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 1997 verbindlich vor-
gegeben. Ferner werden die einzelnen Ausbildungsteile und -elemente beschrieben.

2.1. Ausbildungsziel
Leitziel der Ausbildung ist die Befähigung und Bereitschaft der Teilnehmer, als zukünftige Fach-
kraft für Arbeitssicherheit ihre Aufgaben wirksam wahrzunehmen. Dabei sollen die Rollenanfor-
derungen und das Aufgabenspektrum entsprechend dem Anforderungsprofil in der betrieblichen
Praxis unter dem dort gegebenen Handlungsrahmen ausgefüllt werden. Hierzu sollen anforde-
rungsspezifische Handlungskompetenzen entwickelt werden. Es soll die Bereitschaft und Fä-
higkeit erworben werden, sich in der Funktion als Fachkraft für Arbeitssicherheit sachgerecht
durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu verhalten und zu handeln. Das er-
reichte Kompetenzprofil ist als Fachkundenachweis zu verstehen, der den Erwerb der spezifi-
schen Handlungskompetenz für die Erfüllung der Aufgaben nach ASiG bzw. DGUV Vorschrift 2
ausweist.

2.2. Rahmenbedingungen
Die Ausbildung ist so angelegt, dass sie die für die Aufgabenwahrnehmung einer Fachkraft für
Arbeitssicherheit erforderlichen spezifischen Handlungskompetenzen vermittelt. Maßgeblich für
den Erfolg und die Qualität der Ausbildung ist die Erfüllung folgender Rahmenbedingungen:
- Aufgrund der rechtlichen Regelungen im Arbeitssicherheitsgesetz wird davon ausge-
gangen, dass die Teilnehmer die hierin genannten Grundqualifikationen mitbringen. Dies
gilt insbesondere im Hinblick auf die betriebsbezogene Erfahrung, da diese die zentrale
Grundlage für den Aufbau der spezifischen Handlungskompetenzen der Fachkraft für
Arbeitssicherheit ist.

- Die Teilnehmer werden sorgfältig vom Unternehmer/Arbeitgeber ausgewählt und sollen


neben einer positiven Grundeinstellung zum Arbeitsschutz Persönlichkeit und soziale
Kompetenz mitbringen. Bei der Auswahl werden Unternehmer und zukünftige Fachkräfte
für Arbeitssicherheit proaktiv durch den Ausbildungsträger unterstützt.

Seite 24 von 160


- Für die Ausbildung wird vorausgesetzt, dass die Teilnehmer Zugang zu einem betriebli-
chen PC mit Internetzugang haben und damit umgehen können.

- Die Bereitschaft zum eigenverantwortlichen und selbstorganisierten Lernen ist unab-


dingbare Voraussetzung für die Ausbildung, ebenso die Möglichkeit während der Ausbil-
dung in einem Betrieb agieren zu können.

- Die Ausbildung findet im Seminar und im Betrieb statt. Es wird davon ausgegangen,
dass die Ausbildung im Konsens zwischen angehender Fachkraft für Arbeitssicherheit,
Unternehmer und Ausbildungsträger erfolgt. Hierdurch ist auch sicher gestellt, dass eine
praxisorientierte Anwendung im betrieblichen Kontext möglich ist und die zukünftige
Fachkraft für Arbeitssicherheit von den betrieblichen Akteuren unterstützt wird.
Zur Gewährleistung einer hochwertigen Ausbildung sind auf Seiten der Ausbildungsinstitution
der Einsatz von qualifizierten Dozenten und Lernberatern (Mentoren/Tutoren) und für die Kom-
petenzentwicklung geeigneten Lernmedien erforderlich. Darüber hinaus ist die Einhaltung von
Qualitätsstandards notwendig.
Freie Ausbildungsträger und Hochschulen sorgen durch geeignete Maßnahmen für eine diesen
Rahmenbedingungen entsprechende Umsetzung.

2.3. Ausbildungsstufen
Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ist unterteilt in drei Ausbildungsstufen
- Ausbildungsstufe I - Grundausbildung,
- Ausbildungsstufe II - Vertiefende Ausbildung
- Ausbildungsstufe III - Branchenspezifische Ausbildung.
Die Ausbildungsstufen I und II sind zusammenhängende Teile der Ausbildung und bauen aufei-
nander auf. In Ausbildungsstufe III werden die erforderlichen branchen- bzw. wirtschaftsbe-
reichsbezogenen Kenntnisse vermittelt. Ihre konkrete Ausgestaltung obliegt unter Berücksichti-
gung der Vorgaben des BMAS-Fachaufsichtsschreibens vom 29.12.1997 den zuständigen Un-
fallversicherungsträgern. Sie baut ebenfalls auf in den Ausbildungsstufen I und II erworbene
Handlungskompetenzen auf, wobei die zeitliche Abfolge einzelner Elemente bereichsbezogen
variieren und auch bereits parallel zu den ersten beiden Ausbildungsstufen erfolgen kann.

2.3.1 Ausbildungsstufe I – Grundausbildung


In der Grundausbildung erwerben die Teilnehmer Grund- und Handlungswissen für die vielfälti-
gen Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Sinne eines allgemeinen „Handwerks-
zeugs“ sowie die für die Anwendung erforderlichen Kompetenzen. Dies erfolgt systematisiert in
Lernfeldern, die sich an den typischen betrieblichen Aufgabenfeldern einer Fachkraft für Ar-
beitssicherheit orientieren. Inhaltlich werden hierbei insbesondere folgende Aspekte berücksich-
tigt:
- Rollenbezogene Aspekte der Fachkraft für Arbeitssicherheit, die darauf abzielen, eine
Haltung zu Sicherheit und Gesundheit zu entwickeln und darauf aufbauend ein Ver-
ständnis zur Rolle und zu den Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Kontext
des betrieblichen Arbeitschutzsystems zu bilden. Dabei geht es vor allem um ihre Gene-
ralistenrolle in Sachen Sicherheit und Gesundheit, ein ganzheitliches Arbeitsschutzver-
ständnis, die Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt sowie das Handeln im vernetzten
Betriebsgeschehen.

Seite 25 von 160


- Aufbau des für die Aufgabenwahrnehmung erforderlichen Know-Hows. Dies umfasst
zum einen die Vermittlung von aufgabenbezogenen Fachkompetenzen, insbesondere
von Grundlagenwissen zum Gesamtspektrum der Gefährdungs- und Belastungsfaktoren
sowie der gesundheitsfördernden Faktoren, zu den Arbeitsschutzanforderungen an die
Gestaltungskomponenten Technik, Organisation und Personal sowie zur Gestaltung von
sicheren und gesunden Arbeitssystemen. Ferner werden Grundkenntnisse zur Integrati-
on des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation, zum überbe-
trieblichen Arbeitschutzsystem sowie zum Vorschriften- und Regelwerk des Arbeits-
schutzes aufgebaut. Zum anderen geht es um die Schulung von aufgabenbezogenen
Methodenkompetenzen, insbesondere die Befähigung zum systematischen Vorgehen,
zur Nutzung unterschiedlicher Informationsquellen sowie zur Kommunikation und Prä-
sentation. Darüber hinaus wird aber auch die Fähigkeit gefördert, sich selbst neues
Know-How anzueignen.

2.3.2 Ausbildungsstufe II – Vertiefende Ausbildung


In der vertiefenden Ausbildung geht es vor allem um das Einüben und Anwenden des in der
Ausbildungsstufe I erworbenen Know-Hows, sowie die Kompetenzen im Umgang mit anderen
und sich selbst bei der Planung, Umsetzung und Lösung von komplexen Aufgaben. Dies erfolgt
lernfeldbezogen für die Aufgabenschwerpunkte „Beurteilung von Arbeitsbedingungen“, „Arbeits-
systemgestaltung“ und „Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ablau-
forganisation“, wobei die Komplexität der Anwendungsfelder und damit die Ausbildungsanforde-
rungen zunehmen. Die Inhalte beziehen sich auf die Themenstellung der zu bearbeitenden
exemplarischen Fallstudien und die praktischen betrieblichen Anwendungen. Dies befördert den
Transfer vom Lernfeld auf das zukünftige betriebliche Handeln.

Die praktischen betrieblichen Anwendungen sind das Praktikum im Sinne des Fachaufsichts-
schreibens. Hier werden die bis dahin erworbenen Kompetenzen über problemorientierte Auf-
gabenstellungen in der Praxis angewendet und gefestigt. Dabei sammelt die angehende Fach-
kraft für Arbeitssicherheit erste praktische Erfahrungen im Betrieb. Die Darstellung der betriebli-
chen Anwendung erfolgt in Form von Dokumentationen, Praktikumsberichten und Präsentatio-
nen. Sie sind Teil der Lernerfolgskontrollen.

2.3.3 Ausbildungsstufe III – Branchenspezifische Ausbildung


In der branchenpezifischen Ausbildung erfolgt eine wirtschaftsbereichsbezogene Erweiterung
und Vertiefung der Fachkunde. Das Anliegen besteht darin,
- das vorhandene Know-How branchen- bzw.- wirtschaftsbereichsbezogen zu erweitern
und zu vertiefen,
- die Handlungskompetenz im Hinblick auf die spezifischen branchen- bzw. wirtschaftsbe-
reichsbezogenen Erfordernisse zu stärken sowie
- die Entwicklung von Strategien zur Lösung branchen- bzw. wirtschaftsbereichsspezifi-
scher Probleme des Arbeitsschutzes zu trainieren.

2.4. Lernfelder
Aus dem Aufgabenspektrum des Arbeitssicherheitsgesetzes und der Unfallverhütungsvorschrift
„Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV Vorschrift 2) wurden fünf Lernfelder
abgeleitet. In ihnen erfolgt der Erwerb der maßgeblichen Handlungskompetenzen. Dement-
sprechend betreffen die Lernfelder die Themenbereiche

- Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit

Seite 26 von 160


- Arbeitssystem und betriebliche Organisation

- Beurteilung von Arbeitsbedingungen

- Arbeitssystemgestaltung

- Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation


Die Lernfelder orientieren sich in ihrer Ausgestaltung an den Anforderungen typischer Arbeitssi-
tuationen der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Die Ausbildung folgt damit dem Ansatz, dass nur
die konsequente Orientierung aller Lernprozesse an typischen Arbeitssituationen die gegensei-
tige Anschlussfähigkeit von Theorie und Praxis sichert.
Die Beschreibung der Lernfelder enthält folgende Aspekte:

- Die Ziele des Kompetenzerwerbs mit einer kurzen Beschreibung der zu erwartenden
Handlungskompetenz (outcome) sowie exemplarischer beruflicher Handlungssituationen

- Eine Darstellung der im Lernfeld angestrebten Kompetenzen in den Bereichen Know-


How, Umgang mit Anderen und Umgang mit sich selbst

- Eine Beschreibung der wesentlichen Themen zum Kompetenzerwerb

- Eine Beschreibung des Lernprozesses mit einem Überblick über vorgesehene Lernzei-
ten

- Hinweise zur Überprüfung des Kompetenzerwerbs insbesondere zu den vorgesehenen


Lernerfolgskontrollen

2.4.1 Lernfeld 1: Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der Fachkraft für
Arbeitssicherheit
Das Lernfeld „Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicher-
heit“ hat eine wichtige Orientierungsfunktion für die gesamte Ausbildung. Zum einen werden
hier die Grundlagen der Ausbildung und der Gestaltung des Lernprozesses gelegt. Neben
Lernstrategien werden insbesondere Selbstverantwortung und Selbstorganisation des eigenen
Lernens behandelt. Zum anderen geht es um das Grundverständnis von Arbeitsschutz und das
Aufgaben- und Rollenverständnis der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Gesamtkontext des Ar-
beitsschutzes.
Damit sich die Ausbildungsteilnehmer eigenständig vorbereiten können, erhalten sie vom Aus-
bildungsträger vor Beginn des ersten Seminars

- Informationen über die Inhalte, Ausbildungsstruktur und -dauer,

- Informationen über die Rolle und Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit (siehe An-
forderungsprofil, I Zif. 1),

- das Kompetenzprofil der Fachkraft für Arbeitssicherheit (vgl. Kapitel II),

- einen Ausbildungsleitfaden und

- Hinweise auf die Rahmenbedingungen.

Seite 27 von 160


2.4.2 Lernfeld 2: Arbeitssystem und betriebliche Organisation
Das Lernfeld 2 dient dazu, das Unternehmen als Arbeitssystem zu verstehen sowie sich mit der
im eigenen Betrieb vorhandenen Aufbauorganisation und der einschlägigen Arbeitsschutzorga-
nisation vertraut zu machen. Die Ausbildungsteilnehmer verschaffen sich durch eigene Erkun-
dungen und Gespräche mit verschiedenen betrieblichen Akteuren einen ersten Eindruck über
mögliche Gefährdungen und den Stand des Arbeitschutzes und erkennen hierbei erste Ansatz-
punkte für das Handeln als Fachkraft für Arbeitssicherheit.

2.4.3 Lernfeld 3: Beurteilung von Arbeitsbedingungen


Grundlage der Beratungs- und Unterstützungstätigkeit der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist die
Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Das Kernstück dieser Aufgabe besteht dabei darin, in
Kenntnis der Faktoren zum Erhalt der individuellen gesundheitlichen Ressourcen im Zusam-
menhang mit der Arbeit, Gefährdungen und Belastungen zu ermittelten und sie hinsichtlich ihrer
Sicherheits- und Gesundheitsrisiken zu beurteilen. Zu diesem Zweck analysiert die Fachkraft für
Arbeitssicherheit betriebliche Gefährdungen/Belastungen und beurteilt die möglichen Risiken
und Defizite. Dazu benötigt sie Know-How über Gefährdungs- und Belastungsfaktoren, über
Grundanforderungen der Arbeitssystemelemente sowie über gesundheitsfördernde Faktoren
und über Methoden zur Risikobeurteilung. Sie muss auch in der Lage sein zu beurteilen, ob
Restrisiken akzeptabel sind und der Eintritt eines Gesundheitsschadens mit hinreichender
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann.

2.4.4 Lernfeld 4: Arbeitssystemgestaltung


In diesem Lernfeld werden insbesondere Kompetenzen entwickelt, die sich auf das Gestalten
vorhandener sowie geplanter und einzuführender Arbeitssysteme beziehen. Sicherheit und Ge-
sundheitsschutz bei der Arbeit wird durch die integrative Gestaltung von Arbeitssystemen ge-
währleistet. Der Ansatz der ganzheitlichen Arbeitssystemgestaltung erfordert ein tiefes Ver-
ständnis für die Wirkungszusammenhänge, die Arbeitssysteme und -elemente (z.B. Maschine,
Arbeitsplätze, Arbeitsabläufe), aber auch für effektive arbeitsschutzbezogene Gestaltungslö-
sungen. Gestaltungsfelder sind Technik, Organisation und Personal. Besondere Aspekte sind
hierbei der Gesundheitsschutz und die Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt sowie anderen
betrieblichen und externen Partnern.

2.4.5 Lernfeld 5: Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ab-
lauforganisation
Eine zentrale Aufgabe der Fachkraft für Arbeitssicherheit nach der DGUV Vorschrift 2 ist die
Integration des Arbeitsschutzes in die Organisation des Betriebes. Eine mangelhafte Integration
des Arbeitsschutzes in die betriebliche Organisation kann wesentliche Ursache für das Entste-
hen von Gefährdungen/Belastungen und Defiziten im Arbeitssystem sein. Grundanliegen ist es,
den Arbeitsschutz in den betrieblichen Kern- und Unterstützungsprozessen zu verankern.
Der Teilnehmer soll in diesem Lernfeld befähigt werden, bei der Initiierung eines kontinuierli-
chen Verbesserungsprozesses des betrieblichen Arbeitsschutzes zu beraten und zu unterstüt-
zen sowie die Verzahnung des Arbeitsschutzes mit der vorhandenen Betriebsorganisation, die
Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems oder die Verknüpfung mit vorhandenen
Managementsystemen zu fördern.

Seite 28 von 160


2.5. Elemente der Ausbildung
Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgt in selbstorganisierten Lernzeiten mit
oder ohne Lernbegleitung (Selbstlernphasen) und in Seminaren (Präsenzphasen).

2.5.1 Selbstorganisiertes Lernen (Selbstlernphasen)


Die Selbstlernphasen beschreiben das persönliche Lernen im Betrieb. Sie sind so ausgestaltet,
dass sie den individuellen Lernvoraussetzungen gerecht werden und die Eigenverantwortung
für das Lernen fördern. Im Wesentlichen bestehen sie aus persönlichem Lernen zum Wissens-
erwerb mit einer individuell bestimmten Lernzeit und Lernen anhand konkreter Aufgaben in der
betrieblichen Praxis.

Folgende Lernformen werden berücksichtigt:


- Aneignung von fachlichem Wissen zu Sicherheit und Gesundheit
- Erledigung von Arbeitsaufträgen zum Einüben - alleine oder in Gruppen
- Bearbeitung von Transferaufträgen zum Anwenden in der eigenen betrieblichen Praxis
Das Lernen in den selbstorganisierten Lernzeiten wird mit konkreten Lern- und Arbeitsvorgaben
strukturiert und unterstützt. Diese beschreiben in theoretischer und praktischer Akzentuierung
die Aufgaben sowie Schlüsselprobleme der Fachkraft für Arbeitssicherheit und sind an den
Prinzipien des exemplarischen und problemorientierten Lernens orientiert. Die Lern- und Ar-
beitsvorgaben integrieren die zur Vorbreitung, Planung, Durchführung, Begründung und Bewer-
tung einer typischen Aufgabe oder Problemstellung erforderlichen Fachinhalte. Diese werden
jedoch nicht getrennt, sondern – bezogen auf die Aufgaben- bzw. Problemstellung der Lernsitu-
ation – systematisch integriert. Anstelle der systematischen Aufteilung des für die Arbeit der
Fachkraft für Arbeitssicherheit erforderlichen Fachwissens nach spezifischen Kriterien steht
somit im Mittelpunkt, welches Know-How für die Bearbeitung typischer und üblicher Problem-
stellungen exemplarisch zugrunde zu legen ist. Ein Ausbildungsleitfaden unterstützt die Teil-
nehmer bei der Ausgestaltung der selbstorganisierten Lernzeiten.
Die Selbstlernphase beinhaltet folgende Ausbildungselemente:
Selbstlerneinheiten
Von den Teilnehmern werden Aufgabenstellungen und Themen im Eigenstudium erarbeitet,
und zwar ohne zeitliche Vorgaben oder Begrenzungen. Es bestehen unterschiedliche An-
gebote für den Wissenserwerb, insbesondere eine online-gestützte Lernplattform mit didak-
tisch aufbereiteten Selbstlerneinheiten sowie ein Forum für den Austausch.

Nach individueller Zeitgestaltung sollen die Teilnehmer auf die Lernmaterialien online Zugriff
nehmen und sie auch online bearbeiten. Links weisen auf Zusatzmaterialien oder Informati-
onsquellen zur Vertiefung hin, Arbeitsergebnisse von Lernpartnerschaften werden rückge-
meldet und eingeschränkten Teilnehmerkreisen zugänglich gemacht. Die an die Lernplatt-
form zu stellenden Mindestanforderungen sind in Anlage 4 beigefügt.

Exemplarische Fallstudien
Exemplarische Fallstudien beschreiben typische, an der Praxis orientierte Problem- und
Aufgabenstellungen. Durch die Bearbeitung eignen sich die Lernenden Wissen an und üben
die Umsetzung der erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ein. Dies kann in Einzel- oder
Gruppenarbeit erfolgen. Mit Hilfe von Lernfragen werden die Bearbeitungstiefe und der Be-
arbeitungsumfang gesteuert.

Seite 29 von 160


Praktische Aufgaben (Praktikum)
Die Anwendung von erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der betrieblichen Praxis
durch die Erledigung konkreter Praktikumsaufgaben hat in der Ausbildung der Fachkraft ei-
ne besondere Bedeutung. Anhand konkreter, betriebsbezogener Aufgaben erfahren die
Teilnehmer die praktische Arbeit einer Fachkraft für Arbeitssicherheit. Sie erleben sich in ih-
ren Fähigkeiten und Stärken und lernen in ihrer Aufgabe/Rolle erfolgreich tätig zu sein.

2.5.2 Seminare (Präsenzphasen)


Das Präsenzlernen im Seminar eignet sich besonders für das Einüben von Methoden und das
Reflektieren in der Lerngruppe. Außerdem werden durch Dozenten Zugänge zu neuen Inhalten
eröffnet. Es handelt sich um einen durch Dozenten unter Berücksichtigung der didaktischen
Grundprinzipien der Ausbildung stärker gesteuerten Lernprozess.
In den Seminaren soll mit exemplarischen Fallstudien gearbeitet werden, die einen Bezug zur
tatsächlichen Arbeit der Fachkraft für Arbeitssicherheit herstellen. Die Teilnehmer sollen erwor-
benes Wissen theoretisch und/oder praktisch in ihrer Rolle als Berater und Unterstützer des
Unternehmers und der Führungskräfte einüben, erproben und reflektieren. Aufgabe der Dozen-
ten ist es insbesondere, den erforderlichen Kompetenzerwerb zu steuern und die Lernenden
zielführend zu beraten.
Bei der konkreten Ausgestaltung der Seminare und ihrer Elemente herrscht Methodenvielfalt
und Methodenfreiheit. Die Präsenzphasen orientieren sich an den methodisch-didaktischen
Leitlinien (siehe oben, Ziff. I 3) und an folgenden Grundsätzen:
- Maßgebliche Ansatzpunkte sind das Vorwissen und die Eingangskompetenzen der Teil-
nehmer, die im Ausbildungsverlauf ansteigen.
- Es werden lernwirksame und problemorientierte Situationen arrangiert, bei denen ein
hoher Anteil an Teilnehmer-Aktivitäten angestrebt wird.
- Das selbständige Lernen wird gefördert, indem die Lernenden Verantwortung für ihr
Lernen übernehmen und den eigenen Lernprozess aktiv und eigenverantwortlich mitge-
stalten. Die Dozenten begleiten und unterstützten diesen Prozess.
- Die Teilnehmer werden unterstützt, das bereits erworbene Wissen mit neuem Wissen zu
vernetzen und üben sich dann im Transfer von theoretischem Wissen in die Praxis.
- Die Dozenten begleiten die Teilnehmer, in dem sie fördern, fordern und beurteilen. Sie
geben regelmäßig Gelegenheiten und Anstoß zur Selbstreflexion, Selbsteinschätzung
und zum persönlichem Lernen
Die Präsenzphasen werden grundsätzlich von zwei Dozenten durchgeführt, die als Team die
Funktionen als Fachexperte und Lernberater wahrnehmen.
In der folgenden Abbildung sind die wesentlichen Bestandteile der Selbstlern- und Präsenzpha-
sen zusammengefasst dargestellt:

Seite 30 von 160


Seminar (Präsenzler- Selbstorganisierte Lernzeit (Selbstlernphase)
nen)
Zeitpunkt und Ort legt Lernender selbst fest
Bei Ausbildungsträger

Mit Lernbegleitung Praktische Aufgaben (Praktikum)

Lernzeit mit Unterstüt- Lernzeit, individuell oder in Individuelle Lernzeit


zung eines Dozenten- Lerngruppen
teams Unterstützung durch Aufsichtsper-
Lernbegleiter sind für den Ler- sonen, bereits tätige Fachkräfte
nenden verfügbar und erreich- oder andere geeignete Personen
bar ist möglich.

Aneignen, Einüben Aneignen, Einüben und Reflek- Anwenden und reflektieren


und Reflektieren tieren

- durch teilnehmerori- - durch Bearbeitung von be- - durch Erledigung


entierte und -aktivie- reitgestelltem Selbststudi- von Arbeitsaufträgen im Be-
rende Methoden enmaterial trieb

- durch Bearbeitung - durch Bearbeitung von Auf-


von Aufgaben, Fall- gaben, Fallbeispielen und
beispielen an praxis- praxisorientierten Situatio-
orientierten Situatio- nen
nen

Abb. 3: Überblick über Elemente der Ausbildung

2.5.3 Reflexionen
Phasen der Reflexion sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Sie dienen dem Nachverfolgen
des erforderlichen Kompetenzerwerbs (z.B. Lernfortschritte, Hemmnisse, Probleme) und zur
Unterstützung des Praxistransfers. Schließlich wird in einem größeren Zusammenhang die
Wirksamkeit des Arbeitschutzes im eigenen Betrieb betrachtet und bewertet.
Die Reflexionen erfolgen sowohl in der selbstorganisierten Lernzeit als auch in den Seminaren.
Außerhalb des Seminars geschieht dies insbesondere in Gesprächen mit dem eigenen betrieb-
lichen Umfeld, mit anderen Ausbildungsteilnehmern oder in der reinen Selbstreflexion. Im Sinne
des eigenverantwortlichen Lernens führen die Teilnehmer hierzu ein Lerntagebuch (vgl. III Zif.
3.6.). In den Seminaren initiiert der Dozent als Lernberater Reflexionen und gibt bei Bedarf
fachliche Inputs und Rückmeldung. Die Teilnehmenden lernen anhand der Beispiele der ande-
ren Teilnehmer und durch die Rückmeldungen von Dozenten und den Teilnehmern. Die Semi-
nare ermöglichen somit ein Einüben neuer Verhaltensweisen und unterstützten so die Weiter-
entwicklung des Umgang mit sich selbst und Anderen.

2.5.4. Lernbegleitung
Die vorgesehene Lernbegleitung unterstützt und fördert die Ausbildungsteilnehmer gezielt, da-
mit ein erfolgreicher Abschluss der Ausbildung erreicht wird.

Seite 31 von 160


In den selbstorganisierten Lernzeiten erfolgt eine dialogorientierte (tutorielle) Begleitung der
Teilnehmer. Sie gibt den Teilnehmern die Möglichkeit Verständnisfragen zu stellen, direkte Hil-
festellung bei Lernschwierigkeiten zu bekommen sowie Hilfe bei technischen Problemen mit der
Lernplattform zu erhalten.
Die Lernbegleitung wird in den Seminaren von Dozenten durchgeführt. Insbesondere folgende
Aufgaben sind Inhalt:
- Erkennen des Lernfortschritts
- Unterstützung beim Lernprozess
- Vermittlung von Lerntechniken
- Stärken des Selbstwerts und fördern eigener Problemlösungsstrategien
- Allgemeine Ausbildungsbegleitung und regelmäßige Reflexion des Kompetenzerwerbs
der Teilnehmer
Die Lernbegleitung muss in der Lage sein,

- didaktisch lernförderliche Lehr-/Lernsequenzen zu planen,


- Handlungskompetenzen und deren Entwicklung beurteilen zu können,
- Lerntechniken zu vermitteln,
- Problemlösungsstrategien der Ausbildungsteilnehmer zu fördern und
- die Ausbildungsteilnehmer zu motivieren
Zur Lernbegleitung gehört das Führen eines Kompetenzpasses (vgl. Ziff. III. 3.6.)
Neben der vom Ausbildungsträger bereitgestellten Lernbegleitung ist eine Begleitung durch
eine im Betrieb vorhandene, erfahrene Fachkraft für Arbeitssicherheit oder durch die Aufsichts-
person des jeweiligen Unfallversicherungsträgers wünschenswert.

2.6. Lernerfolgskontrollen
Ein wirkungsvolles Ausbildungssystem zur Fachkraft für Arbeitssicherheit auf der Grundlage
eines kompetenzorientierten Ansatzes erfordert auch einheitliche, dem Ausbildungssystem ent-
sprechende Lernerfolgskontrollen. Nach Punkt 11 des Fachaufsichtsschreibens des Bundesmi-
nisteriums für Arbeit und Sozialordnung vom 29.12.1997 ist der Qualifikationsnachweis für den
Erwerb der sicherheitstechnischen Fachkunde gemäß § 7 Arbeitssicherheitsgesetz durch Lern-
erfolgskontrollen zu erbringen, die den Vorgaben der Gesamtkonzeption folgen und nach bun-
deseinheitlichen Kriterien zu erarbeiten sind. Sie sind damit vorgegebenes wesentliches Ele-
ment der Qualitätssicherung der Ausbildung.
Entsprechend der Kompetenzorientierung der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
richtet sich die Messung des Lernerfolgs im Schwerpunkt auf die spezifische Handlungskompe-
tenz. Die Lernerfolgskontrollen im Rahmen der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
orientieren sich an folgenden Eckpunkten:
- Lernerfolgskontrollen richten sich an problem- und praxisorientierten Aufgabenstellun-
gen aus.
- Ausrichtung auf ein selbständig zu erarbeitendes Handlungsergebnis.
- Betonung des vernetzten und analytischen Denkens sowie des strategischen Wissens
für die Lösungsfindung als wichtiger Bestandteil der Leistungsbeurteilung – neben dem
Faktenwissen.

Seite 32 von 160


- Sie sind Abschluss des Kompetenzerwerbs in einem Lernfeld,
- Nicht bestandene Lernerfolgskontrollen können gemäß Prüfungsordnung wiederholt
werden.
Die Lernerfolgskontrollen werden als Kompetenzprüfungen realisiert, die der Erfassung der
Kompetenzentwicklung der angehenden Fachkräfte für Arbeitssicherheit im Ausbildungsverlauf
dienen und den Nachweis der erforderlichen Fachkunde beschreiben. Die Durchführung der
Lernerfolgskontrollen erfolgt nach bundeseinheitlichen Kriterien, die in einer formellen Prü-
fungsordnung festgelegt werden.
Lernerfolgskontrollen können sowohl in schriftlicher als auch in mündlicher Form erfolgen. Sie
beziehen sich auf die Kompetenzentwicklung in den selbstorganisierten und seminaristischen
Kontexten der Lernfelder. Im Rahmen der Ausbildungsstufen I und II werden 5 Lernerfolgskon-
trollen in Form von Kompetenzprüfungen durchgeführt, die im Ausbildungsverlauf an Komplexi-
tät zunehmen. Das Ergebnis wird mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet. Die konkre-
ten Formulierungen der Kompetenzprüfungen für die Ausbildung erfolgt in Anlehnung an das
Curriculum.

Abb. 4: Gesamtdarstellung des Kompetenzerwerbs

Seite 33 von 160


III. Ausbildungsplan (Curriculum)
Der Ausbildungsplan (Curriculum) für die Ausbildung von Fachkräften für Arbeitssicherheit be-
schreibt die mindestens in der Ausbildung zu vermittelnden Qualifikationen in sachlicher und
zeitlicher Gliederung. Dadurch werden die zu erbringenden Ausbildungsleistungen definiert und
die von den Auszubildenden in der Ausübung ihrer späteren Funktion als Fachkraft für Arbeits-
sicherheit erwarteten beruflichen Handlungskompetenzen nachvollziehbar beschrieben.
Die Kompetenzen werden während der Ausbildung grundsätzlich laufend weiterentwickelt, in-
dem sie lernfeldbezogen aufgegriffen, trainiert und vertieft werden. Hierauf wird im Einzelfall
nicht ausdrücklich hingewiesen. Falls jedoch in den einzelnen Lernfeldern konkrete Entwicklun-
gen vorgesehen sind, findet sich in den Gegenüberstellungen der Eingangs- und der Soll-
Kompetenzen ein entsprechender Hinweis. Einen Überblick über die angestrebten Kompeten-
zen und ihren schrittweisen Aufbau gibt Anhang 3.

1. Ausgangsqualifikation
In Abhängigkeit von der beruflichen Ausbildung und der Berufserfahrung ist davon auszugehen,
dass die für das Handeln als Fachkraft für Arbeitssicherheit erforderlichen Kompetenzen –
wenn überhaupt – nur in sehr unterschiedlichem Umfang vorausgesetzt werden können (vgl.
Anhang 3). In der Regel ist insbesondere das arbeitsschutzspezifische „Know-how“ nicht vor-
handen. Aber auch in den Bereichen „Umgang mit anderen“ und „Umgang mit sich selbst“ be-
steht in der Regel noch ein Bedarf an Kompetenzentwicklung, damit die Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit im Betrieb auch tatsächlich wirksam handeln kann.
Den breitgefächerten unterschiedlichen Ausgangsqualifikationen durch eine entsprechende
Individualisierung der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitsicherheit in vollem Umfang Rechnung
zu tragen, ist in der Praxis nicht realisierbar. Deshalb werden die angestrebten Sollkompeten-
zen in den Bereichen „Know-how“, „Umgang mit anderen“ und „Umgang mit sich selbst“ im
Rahmen der Ausbildung grundsätzlich in vollem Umfang berücksichtigt.
Demgegenüber ist die für das erfolgreiche Handeln einer Fachkraft für Arbeitssicherheit erfor-
derliche „Haltung“ nur bedingt veränderlich. Deshalb wird diese Kompetenz als Bestandteil der
Ausgangsqualifikation bei der Aufnahme der Ausbildung angesehen. Sie ist bei Personen mit
Führungsfunktionen und Kundenkontakt unabhängig davon, ob sie als Meister/Techniker oder
Ingenieur tätig waren, grundsätzlich voraussetzbar und wird während der Ausbildung zur Fach-
kraft für Arbeitssicherheit durch reflektierende Prozesse weiterentwickelt. Die Haltung wird da-
her in den einzelnen Lernfeldern als Kompetenz nicht extra ausgewiesen.

2. Die „Haltung“ als grundlegendes Element des Kompetenzerwerbs

Die „Haltung“ bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, selbstständig und verantwortlich sowie
vorausschauend zu handeln, eigenes und das Handeln anderer zu reflektieren und die eigene
Handlungsfähigkeit weiter zu entwickeln sowie das eigene Leben selbstständig und verantwort-
lich im beruflichen Kontext zu gestalten. Wichtiges Merkmal der „Haltung“ einer Fachkraft für
Arbeitssicherheit ist, dass sie sich mit ihrer Rolle identifiziert und die eigenen Grenzen kennt.
Dies beinhaltet ihre Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen und sich weiter zu bilden. Hierbei
schätzt sie ihre persönlichen Ressourcen realistisch ein. Die Fachkraft für Arbeitssicherheit

- erkennt, dass Veränderungen möglich sind und nutzt die Chance dazu,
- verfügt über Empathie, tritt selbstsicher auf und ist offen gegenüber anderen,

Seite 34 von 160


- ist zuverlässig, glaubwürdig, hält sich selbst an Regeln und handelt so, dass es für an-
dere Personen transparent ist,
- zeichnet sich durch Eigeninitiative aus, ist durchsetzungsfähig und besitzt Ausdauer,
- ist in ihrer Tätigkeit kreativ und flexibel und hat ein hohes Pflicht- und Verantwortungs-
bewusstsein,
- geht vertrauensvoll und wertschätzend mit anderen um und akzeptiert deren Meinun-
gen,
- verfügt über Ressourcen zur Bewältigung von Belastungen,
- kann mit Misserfolgen umgehen und entwickelt die notwendige Distanz, um Konflikte,
die aus ihrer Rolle als Fachkraft für Arbeitssicherheit resultieren können, nicht persönlich
zu nehmen,
- ist in der Lage, sich selbst für ihre Tätigkeit zu motivieren,
- besitzt entsprechend ihrer Vorqualifikation Fähigkeiten zur Verallgemeinerung von
Fachwissen und zur Übertragung von Gelerntem auf andere Gebiete, Bereiche und Auf-
gaben.

3. Lernfeld 1: Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der Fachkraft für
Arbeitssicherheit

3.1 Outcome
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit

- ist für die Tätigkeit motiviert,


- kennt die Rahmenbedingungen für die Ausbildung,
- kann ihren Lernprozess erfolgreich und eigenverantwortlich gestalten,
- kennt ihre Aufgaben und Stellung im Betrieb,
- kennt den persönlichen Nutzen.

3.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen

- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit erläutert in ihrem privaten Umfeld den persönlichen
Nutzen der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie den Nutzen für den Be-
trieb.
- Im Gespräch mit betrieblichen Verantwortungsträgern (Unternehmer, Geschäftsführung,
Führungskräften) erläutert die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit, wie ihre Aus-
bildung abläuft (Selbstlernen, IT-Unterstützung, Präsenzlernen) und überzeugt die Be-
triebsleitung von der Notwendigkeit der Bereitstellung von technischen Ressourcen für
ihre Ausbildung.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit plant ihren persönlichen Lernprozess in Vereinbarung
mit den anstehenden beruflichen und privaten Aufgaben für die nächsten 12 Monate und
stellt ihren Plan ihrem Vorgesetzten vor.

Seite 35 von 160


- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit erläutert Aufgaben und Stellung einer Fachkraft für
Arbeitssicherheit im Gespräch mit betrieblichen Verantwortungsträgern (Unternehmer,
Geschäftsführung, Führungskräften) sowie Beschäftigten, Betriebs-/Personalrat und Be-
triebsarzt.

3.3 Kompetenzen
Die folgende Zielbeschreibung weist die anforderungsspezifischen Kompetenzen aus. An Inhal-
te gebunden, geben sie an, welche Kompetenzen die Teilnehmer der Ausbildung zum Ab-
schluss des Lernfeldes 1 erworben haben sollen.

Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Informationsquellen zum Lernfeld 1 kennen


und daraus Informationen gewinnen und
verarbeiten

Aufgabenspektrum des Arbeitsschutzes im


Überblick kennen

Den Zusammenhang zwischen Arbeits-


schutz und Wirtschaftlichkeit kennen

Aufbau, Struktur und organisatorische Ab-


läufe der Ausbildung kennen und für sich
umsetzen

Den Zusammenhang zwischen Arbeits-


schutz und Recht kennen

Das überbetriebliche Arbeitsschutzsystem


kennen

Aufgaben, Rolle und Stellung als Fachkraft


für Arbeitssicherheit im vernetzten Betriebs-
geschehen kennen

Eigenen Entwicklungsbedarf erkennen und


Vorschläge machen

Methoden und Techniken der Organisation


und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
kraft für Arbeitssicherheit (Zeit- und Res-
sourcenmanagement) im Lernprozess an-
wenden

Lerntechniken und -strategien kennen

Seite 36 von 160


Umgang mit Anderen

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Methoden der Gesprächsführung bei Infor-


mationsgesprächen anwenden

Methoden zur Kooperation bzw. zur Team-


arbeit im Lernprozess anwenden

Mit anderen im Lernprozess interagieren

Umgang mit sich selbst

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Die Erwartungen an die eigene Rolle verin-


nerlichen

Bedeutung der Kommunikation für die eige-


ne Rolle als Fachkraft für Arbeitssicherheit
erkennen

Einzelkenntnisse mehrerer Personen ver-


netzen (Koordination)

Persönlichen Nutzen aus der Tätigkeit als


Fachkraft für Arbeitssicherheit erkennen

Erkennen, dass es Konflikte geben wird und


bereit sein, sich diesen zu stellen

Verantwortung für andere und für bestehen-


de Aufgaben im Lernprozess übernehmen
können

Erfolgs- und zielorientiert im Lernprozess


arbeiten

Seite 37 von 160


3.4 Themen

Einführung und Grundverständnis zum Arbeitsschutz


- Inhalt und Bedeutung von Arbeitsschutz
- Grundanliegen des Arbeitsschutzes (ethisch-moralisch, wirtschaftlich, rechtlich)
- Best practice Beispiele (z.B. Arbeitsunfähigkeitstage, Kosten Ausfalltage, Kennzahlen
für Arbeitsschutz, deutscher Arbeitsschutzpreis…)
- Bedeutung von Prävention

Aufbau, Inhalte und Ziele der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Grundstruktur
- Inhalte
- Ziele
- Rechtsrahmen
- Bestellung (Inhalt, Bedeutung, formale Kriterien)

Gestaltung des Lernprozesses


- Lerntechniken und -strategien
- Techniken des Informations- und Wissensmanagements
- Regeln und Methoden zur Teamarbeit
- Lerngruppen initiieren (Teamarbeit)
- Zeit- und Selbstorganisation für den eigenen Lernprozess
- Einführung Lerntagebuch
- Entwicklung eines eigenen Ausbildungsplans (Kompetenzprofil abgleichen IST-SOLL;
Vorschläge für eigenen Kompetenzerwerb erarbeiten) mit Reflexion des Lernfortschritts

Kommunikation
- Methoden der Gesprächsführung
- Informationsgespräche führen

Aufgaben- und Rollenverständnis der Fachkraft für Arbeitssicherheit


- Aufgaben und Funktion (nach Arbeitssicherheitsgesetz, DGUV Vorschrift 2, Verantwort-
lichkeit, Befugnisse)
- Leitsätze für Tätigwerden (Anforderungsprofil)
- Vorgehensweise
- Reflexion über die Gegebenheiten im eigenen Unternehmen

Grundlagen des Handelns der Fachkraft für Arbeitssicherheit im vernetzten Betriebsge-


schehen
- Überblick über Arbeitsschutzakteure

Seite 38 von 160


Überbetriebliches Arbeitsschutzsystem (duales System)
- Staatliches Arbeitschutzsystem
- Präventionssystem der Unfallversicherungsträger
- Versicherungsfälle und Leistungen der der gesetzlichen Unfallversicherung

Vorschriften- und Regelwerk im Arbeitsschutz


- Struktur (EU, national)
- Arbeitsschutzgesetz, DGUV Vorschrift 1
- Info-Quellen, Vorschriften- und Regelwerk

Reflexion des Lernfeldes (zum Rollenverständnis und zum Lernprozess)

3.5 Struktur des Lernfeldes


Die Teilnehmer erhalten nach der Anmeldung zur Ausbildung einen Zugang zur Lernplattform,
um dort erste Informationen zu bekommen über

- Aufbau, Inhalte und Ziele der Ausbildung (Kooperationsvereinbarung, Spielregeln…)

- Informationen zu Rolle und Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit


Sie verschaffen sich einen ersten Eindruck über die Lernplattform und deren Nutzung. Weiter-
hin erhalten sie die Aufgabe, sich erste Gedanken über ihren Ausbildungsplan zu machen und
ihre Motivation zur Ausbildung schriftlich festzuhalten.
Auf der Basis der Vor-Informationen erhalten die Teilnehmer in der Präsenzphase eine tiefer
gehende Einführung in das Lernfeld und letztlich in die Ausbildung. Sie lernen die Lernpartner
und die Lernbegleiter des Ausbildungsträgers kennen. Bei der Thematik „Gestaltung des Lern-
prozesses“ wird nochmals auf die Nutzung der Lernplattform eingegangen.
Inhaltlich setzen sie sich mit ihren zukünftigen Aufgaben und ihrer zukünftigen Rolle der Fach-
kraft auseinander. Die methodische Gestaltung der Präsenztage bildet die Grundlage für den
Erwerb der Selbstlernkompetenz („Lernen lernen“). Diese ist erforderlich für das Erreichen des
Ausbildungsziels und die spätere erfolgreiche Tätigkeit im Unternehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Thematik „Kommunikation“. Es wird eine Einführung mit fachli-
chem Input hierzu geben. Das Einüben erfolgt vor allem über die Methodik/Sozialformen bei der
Bearbeitung der Themen in diesem Lernfeld.
Die in der gesamten Ausbildung angestrebte Reflexion der Lernenden über ihr Lernen / ihre
Kompetenzentwicklung sowie über ihr Wirken im Betrieb wird ebenfalls eingeführt.
Auf den Input des ersten Seminarteils aufbauend beschäftigen sich die Lernenden im Selbst-
studium ausführlich mit den Themen
- Überbetriebliches Arbeitsschutzsystem
- Vorschriften- und Regelwerk im Arbeitsschutz

Überblick über Lernzeiten


Seminar: 4 Tage

Seite 39 von 160


Selbstorganisierte Lernzeit

- Mit Lernbegleitung: 2 Tage

3.6 Kompetenzmessung
Die Kompetenzmessung in dem Lernfeld 1 erfolgt nur durch Reflexionen; eine Lernerfolgskon-
trolle ist nicht vorgesehen.
Den Lernenden wird ein Lerntagebuch zur Verfügung gestellt. Es dient in erster Linie der Re-
flektion hinsichtlich der Selbsteinschätzung und der Dokumentation des Lernprozesses. Der
Prozess wird durch Fragen, Checklisten ( Wo stehe ich? - Wo soll ich hin?) befördert.
Der Lernbegleiter führt einen Kompetenzpass pro Ausbildungsteilnehmer, hierin werden formale
Ergebnisse zu den einzelnen Lernfeldern sowie Beobachtungen aus dem Lernprozess und In-
halten von Feedbackgesprächen festgehalten.
Im Lernfeld 1 wird ein erstes Gespräch zwischen Lernenden und Mentor auf der Basis des ge-
forderten „Motivationsbeschreiben“ des Teilnehmers geführt.
Weiterhin erhält der Lernende die Aufgabe, den eigenen Lernplan im Unternehmen abzustim-
men und mit dem Lernbegleiter zu besprechen.

4. Lernfeld 2: Arbeitssystem und betriebliche Organisation

4.1 Outcome
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit

- beschreibt ihr Unternehmen als System zu Aufbau- und Ablauforganisation inklusive Ar-
beitsschutzorganisation,
- definiert zu analysierende und zu beurteilende Arbeitssysteme und
- benennt Ansatzpunkte für ihr Handeln

4.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen

- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit führt ein Gespräch mit betrieblichen Verantwortungs-
trägern und erläutert dabei anhand einer entsprechenden Dokumentation die arbeits-
schutzbezogenen Organisationspflichten zur Aufbau- / Ablauforganisation. Sie Informiert
und überzeugt die Führungskräfte von einer notwendigen Erweiterung oder Änderung
der Arbeitsschutzorganisation im eigenen Unternehmen.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit argumentiert überzeugend, wie wichtig und hilfreich
eine konkrete Übertragung der Unternehmerpflichten auf Führungskräfte ist.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit führt ein Gespräch mit dem Betriebsarzt zur Abstim-
mung der Zusammenarbeit und erstellt anschließend ein Protokoll.
Ein Unternehmen erhält von der Konzernzentrale die Vorgabe, die unfallbedingten Aus-
fallzeiten im kommenden Jahr um 25% Prozent zu reduzieren. Um Ansatzpunkte für Ar-
beitsschutzmaßnahmen zu erarbeiten, soll die Fachkraft für Arbeitssicherheit in einem

Seite 40 von 160


ersten Schritt die Unfallstatistik der letzten 3 Jahre auswerten und angeben, in welchen
Abteilungen des Unternehmens Schwerpunkte zu erkennen sind.
- Ein Unternehmensteil mit auffallender Unfallhäufigkeit soll gründlich untersucht werden,
um künftig Risiken präventiv entgegenzutreten. Für die Aufgabenerledigung legt die
Fachkraft für Arbeitssicherheit zunächst das zu analysierende Arbeitssystem fest. Zur
Abgrenzung benennt sie die benachbarten Systeme, definiert das zu analysierende Sys-
tem und beschreibt dessen einzelne Systemelemente als Basis für eine umfassende
Gefährdungsermittlung.

4.3 Kompetenzen
Auf den erworbenen Kompetenzen des Lernfeldes 1 wird aufgebaut. Sie werden aufgegriffen
und auf das Lernfeld 2 bezogen weiterentwickelt: vgl. III 2. Absatz.
Die folgende Zielbeschreibung weist die anforderungsspezifischen Kompetenzen für das Lern-
feld 2 aus und zeigt auf, auf welche bisher erworbenen Kompetenzen aufgebaut wird. An Inhal-
te gebunden geben sie an, welche Kompetenzen die Teilnehmer der Ausbildung zum Ab-
schluss des Lernfeldes 2 erworben haben sollen.

Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Informationsquellen zum Lernfeld 1 kennen Informationsquellen zum Lernfeld 2 ken-


und daraus Informationen gewinnen und ver- nen und daraus Informationen gewinnen
arbeiten und verarbeiten

Organisationspflichten sowie Aufbau- und


Ablauforganisation von Unterneh-
men/Betrieb/Behörde kennen und für das
eigene Unternehmen beschreiben

Die Aufgaben, Rolle und Stellung anderer


Arbeitschutzakteure kennen, diese be-
schreiben und in die betriebliche Organisa-
tion einordnen

Das eigene Unternehmen als System ver-


stehen, in Systemebenen gliedern und
beschreiben sowie konkrete Arbeitssyste-
me abgrenzen und beschreiben

Zusammenhänge zwischen Arbeitssyste-


men und Gefährdungen sowie Entstehung
von Unfällen und arbeitsbedingten Erkran-
kungen beschreiben

Methoden zum systematischen Beschrei-


ben der Systeme anwenden

Methoden und Techniken der Organisation Methoden und Techniken der Organisation
und Planung der eigenen Arbeit als Fachkraft und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
für Arbeitssicherheit (Zeit- und Ressourcen- kraft für Arbeitssicherheit im betrieblichen

Seite 41 von 160


Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

management) im eigenen Lernprozess an- Kontext anwenden


wenden (Lernfeld 1)

Methoden zum anschaulichen und nach-


vollziehbaren Dokumentieren der Arbeits-
ergebnisse anwenden

Methoden der Konfliktlösung in Gruppen


kennen

Kommunikationsprobleme kennen und


verstehen

Vortragstechniken kennen

Präsentationstechniken kennen

Umgang mit Anderen

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Methoden zur Kooperation bzw. zur Teamar- Methoden zur Kooperation bzw. zur
beit im Lernprozess anwenden (Lernfeld 1) Teamarbeit im betrieblichen Kontext an-
wenden

Methoden der Gesprächsführung kennen und Methoden der Gesprächsführung anwen-


Informationsgespräche führen (Lernfeld 1) den (Ziel führend, konstruktiv, systema-
tisch)

Erkennen, dass es Konflikte geben wird und Mit einfachen Konfliktsituationen umgehen
bereit sein, sich diesen zu stellen (LF und diese konstruktiv lösen können
1/Umgang mit sich selbst)

Bedeutung der Kommunikation für die eigene Kommunikation in alle Richtungen unter-
Rolle als Fachkraft für Arbeitssicherheit er- stützen
kennen (Lernfeld 1)

Mit anderen im Lernprozess interagieren Mit anderen im betrieblichen Kontext inter-


(Lernfeld 1) agieren

Erstes einfaches Anwenden von Vortrags-


techniken

Erstes einfaches Anwenden von Präsenta-


tionstechniken

Seite 42 von 160


Umgang mit sich selbst

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Die Erwartungen an die eigene Rolle verin- Die Erwartungen an die eigene Rolle verin-
nerlichen (Lernfeld 1) nerlichen und entsprechend handeln

Einzelkenntnisse mehrerer Personen ver- Einzelkenntnisse systematisch erfassen und


netzen (Koordination) (Lernfeld 1) aufbereiten

Erfolgs- und zielorientiert im Lernprozess Erfolgs- und zielorientiert im betrieblichen


arbeiten (Lernfeld 1) Kontext arbeiten

Persönlichen Nutzen aus der Tätigkeit als Persönlichen Nutzen aus der Tätigkeit als
Fachkraft für Arbeitssicherheit erkennen Fachkraft für Arbeitssicherheit verinnerlichen
(Lernfeld 1)

Lerntechniken und –strategien kennen Lerntechniken und –strategien für sich adap-
(Lernfeld 1/Know How) tieren

Verantwortung für andere und für beste- Verantwortung für die Rolle als Fachkraft für
hende Aufgaben im Lernprozess überneh- Arbeitssicherheit übernehmen
men können (Lernfeld 1)

4.4 Themen

Aufbauorganisation eines Unternehmens


- Rechtliche Organisationsformen von Unternehmen
- Grundlagen zum Unternehmen als System (Systemebenen)
- Rechtspflichten zur Arbeitsschutzorganisation
- Rechte, Pflichten und Aufgaben betrieblicher Arbeitsschutzakteure
- Kundenbeziehungen (intern und extern)

Ablauforganisation (Prozesslandschaft)
- Geschäftsprozesse
- Dienstleistungs-/Wertschöpfungsprozess
- Unterstützungsprozesse

Arbeitssystem
- Grundlagen zum Arbeitssystem
- Abgrenzung und Beschreibung von Arbeitssystemen und ihrer Elemente und Schnittstel-
len

Grundlagen des Entstehens von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen

Zusammenhang zwischen Arbeitssystem und möglichen Gefährdungen

Seite 43 von 160


Außerbetriebliche und innerbetriebliche Informationsquellen
- Systematischer Überblick
- Informationsquellen im eigenen Unternehmen
- Unfall- und BK-Geschehen im eigenen Unternehmen als Informationsquelle

Arbeitsplanung
- Methoden und Techniken
 Komplexe Aufgaben strukturieren und in Arbeitsschritte unterteilen
 Klare Formulierung von Arbeitsaufträgen
- Einbeziehung der betrieblichen Akteure
 Wer liefert mir welche Infos?
 Vernetzung der Akteure untereinander und mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit
 Aufgabendelegation in adäquater Form
- Reflexion

Zeit- und Ressourcenmanagement


- Methoden und Techniken
- Reflexion

Kommunikation
- Methoden zur Gesprächsführung
- Methoden zur Konfliktlösung (z.B. Umgang mit schwierigen Personen)

Darstellen, Dokumentieren und Präsentieren von Arbeitsergebnissen


- innerbetriebliche Vorgaben, Vorgaben des Ausbildungsträgers etc.
- Reflexion

Erfahrungsaustausch und Reflexion der Rolle und der Aufgaben als Fachkraft für Ar-
beitssicherheit
- Überblick, Vernetzung und Koordination

- Umgang mit Misserfolgen (Methode: Supervision)

4.5 Struktur des Lernfeldes


Die Teilnehmer erhalten in einer 2-tägigen Präsenzphase zunächst eine Einführung in das Lern-
feld, indem in dessen wesentliche Themen eingeführt und der Bezugsrahmen zu ihren Aufga-
ben als Fachkraft für Arbeitssicherheit hergestellt wird. Die gewählte Methodik ermöglicht auch
ein Einüben in den Teilbereichen
- Aufbauorganisation eines Unternehmens
- Ablauforganisation (Prozesslandschaft)
- Arbeitssystem

Seite 44 von 160


- Grundlagen des Entstehens von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen
- Zusammenhang zwischen Arbeitssystem und möglichen Gefährdungen
- Außerbetriebliche und innerbetriebliche Informationsquellen
- Unfall- und BK-Geschehen im eigenen Unternehmen als Informationsquelle
- Arbeitsplanung – Werkzeuge der Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Darstellen, Dokumentieren und Präsentieren
Im anschließenden Selbstlernen beschäftigen sich die Lernenden ausführlicher und tiefgehen-
der mit den Themen (1 Tag mit Lernbegleitung, 2 Tage für Praktikumsaufgaben ohne Lernbe-
gleitung):
- Aufbauorganisation eines Unternehmens
- Ablauforganisation (Prozesslandschaft)
- Grundlagen des Entstehens von Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen
- Zusammenhang zwischen Arbeitssystem und möglichen Gefährdungen
- Zeit- und Ressourcenmanagement

Das Lernen wird motiviert durch die Notwenigkeit des Anwendens im eigenen Betrieb. Die Teil-
nehmer erhalten hierzu die Aufgabe, das erworbene Wissen anzuwenden und
- den eigenen Betrieb zu beschreiben (Aufbau- /Ablauforganisation)
- die Arbeitsschutzorganisation zu beschreiben
- Arbeitssysteme zu definieren und zu beschreiben
- das Unfall- und BK-Geschehen im eigenen Unternehmen zu ermitteln
- Ansatzpunkte für das eigene Handeln im Betrieb zu benennen
Zur Aufgabenerledigung müssen sie mit anderen im Betrieb kommunizieren, sich Informationen
beschaffen und die Ergebnisse aufbereiten.
In einer anschließenden Präsenzphase (1 Tag) tauschen sich die Lernenden über ihre Erfah-
rungen beim Handeln im Betrieb aus. Dabei stehen vor allem die Themen Kommunikation und
Reflexion der Rolle und der Aufgaben als Fachkraft für Arbeitssicherheit im Mittelpunkt.

Überblick über Lernzeiten


Seminar: 3 Tage
Selbstorganisierte Lernzeit:

- Mit Lernbegleitung: 1 Tag

- Praktikumsaufgaben: 2 Tage

4.6 Kompetenzmessung
Die Kompetenzmessung in dem Lernfeld 2 erfolgt durch Reflexionen, eine Lernerfolgskontrolle
ist nicht vorgesehen.

Seite 45 von 160


Der Teilnehmer führt sein Lerntagebuch weiter, was ihm eine Selbstsicht seines Lernfortschritts
ermöglicht.
Zusätzlich wird das formale Ergebnis des Lernfeldes durch den Lernenden schriftlich dokumen-
tiert: Es soll eine Darstellung der Ansatzpunkte für die eigene Arbeit incl. Darstellung der be-
trieblichen Organisation des eigenen Unternehmens und der Arbeitssysteme enthalten.
In einem Feedbackgespräch sprechen Lernbegleiter und Lernender über die genannten forma-
len Ergebnisse aber auch über Eintragungen im Lerntagebuch, über Erfahrungen, über Lernhil-
fen sowie über andere, die Ausbildung betreffenden Aspekte. Dies ermöglicht eine Fremdsicht
auf den Kompetenzerwerb. Die Ergebnisse werden im Kompetenzpass dokumentiert.

5. Lernfeld 3: Beurteilung von Arbeitsbedingungen

5.1 Outcome
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit
- ermittelt Gefährdungen/Belastungen
- bewertet Risiken im Arbeitssystem auch unter Beachtung der Wechselwirkungen der
einzelnen Elemente und mit anderen Arbeitssystemen
- unterstützt und berät betriebliche Führungskräfte bei der Durchführung der Beurteilun-
gen von Arbeitsbedingungen.

5.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen

- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit bringt ihre sicherheitstechnische Fachkunde zur Beur-
teilung der Arbeitsbedingungen in Gesprächen mit Führungskräften, Betriebsärzten,
Personalvertretungen und Mitarbeitern ein.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt die verantwortlichen Führungskräfte bei
der Beurteilung der Arbeitsbedingungen in einem ausgewählten Arbeitssystem unter
Einschaltung aller zu beteiligenden Personen/Stellen. Dabei achtet sie auch auf die
 Berücksichtigung der relevanten Wechselwirkungen,
 Durchführung orientierender Messungen,
 Dokumentation der Ergebnisse.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit beurteilt Arbeitsbedingungen in einem problemati-
schen Fall mit interner/externer Unterstützung und präsentiert anschließen die Ergebnis-
se im Arbeitsschutzausschuss.
- Beim Bedienen einer Maschine kommen immer wieder Verletzungen vor, zudem ist auf-
grund des Maschinenlärms die Gefahr einer Gehörschädigung gegeben. Der Hand-
werksmeister entdeckt auf einer Messe eine neue Maschine mit einer modernen Tech-
nologie. Er ist gewillt, die neue Maschine zu kaufen, bittet jedoch vorab die Fachkraft für
Arbeitssicherheit um eine umfassende Gefährdungsbeurteilung. Dazu spricht die Fach-
kraft für Arbeitssicherheit zunächst mit Mitarbeitern, die an der alten Maschine arbeiten,
um Gefährdungen bei dem Arbeitsablauf zu ermitteln. Die gewonnenen Erkenntnisse
nutzt sie bei dem Gespräch mit dem Hersteller der neuen Maschine. Bei der zu erstel-
lenden Gefährdungsbeurteilung für die neue Maschine arbeitet die Fachkraft für Arbeits-
sicherheit systematisch die einzelnen Gefährdungsfaktoren ab und benennt die Gefah-

Seite 46 von 160


renquellen sowie die gefahrbringenden Bedingungen. Mit Hilfe einer Risikobewertung
identifiziert sie Handlungsbedarf in einigen Punkten.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit argumentiert sachlich und plausibel gegenüber Füh-
rungskräften und anderen Beteiligten die Notwendigkeit der Beurteilung von Arbeitsbe-
dingungen durch die verantwortlichen Führungskräfte.

5.3 Kompetenzen
Auf den erworbenen Kompetenzen der Lernfelder 1 und 2 wird aufgebaut. Sie werden aufgegrif-
fen und auf das Lernfeld 3 bezogen weiterentwickelt (vgl. Ziff. III, 2. Absatz und Anhang 3).
Die folgende Zielbeschreibung weist die anforderungsspezifischen Kompetenzen für das Lern-
feld 3 aus und zeigt auf, auf welche bisher erworbenen Kompetenzen aufgebaut wird. An Inhal-
te gebunden geben sie an, welche Kompetenzen die Teilnehmer der Ausbildung zum Ab-
schluss des Lernfeldes 3 erworben haben sollen.

Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Informationsquellen zum Lernfeld 1 und 2 Informationsquellen zum Lernfeld 3 kennen


kennen und daraus Informationen gewin- und daraus Informationen für die Beurteilung
nen und verarbeiten von Arbeitsbedingungen gewinnen und ver-
arbeiten

Gefährdungs- und Belastungsfaktoren ken-


nen und ermitteln sowie Gefährdungen und
Belastungen im jeweiligen Arbeitssystem
sowie ihre Wechselwirkungen beurteilen

Gefährdungs- und Belastungsfaktoren ken-


nen und ermitteln sowie Gefährdungen und
Belastungen zwischen Arbeitssystemen be-
urteilen

Faktoren zum Erhalt der individuellen ge-


sundheitlichen Ressourcen im Zusammen-
hang mit der Arbeit kennen und ermitteln

Die sicherheits- und gesundheitsschutzbe-


zogenen Anforderungen an Arbeitssystem-
elemente kennen und diese beurteilen

Methoden zum anschaulichen und nach- Methoden zum anschaulichen und nachvoll-
vollziehbaren Dokumentieren der Arbeits- ziehbaren sowie formal korrekten Dokumen-
ergebnisse anwenden (Lernfeld 2) tieren der Arbeitsergebnisse anwenden

Seite 47 von 160


Umgang mit Anderen

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Einzelkenntnisse mehrerer Personen ver- Netzwerke aufbauen, nutzen und pflegen


netzen (Koordination) (Lernfeld 1/Umgang
mit sich selbst)
Einzelkenntnisse systematisch erfassen
und aufbereiten (Lernfeld 2/ Umgang mit
sich selbst)

Lösungs- und prozessorientiert beraten

Kommunikationsprobleme erkennen und Kommunikation in alle Richtungen unterstüt-


verstehen sowie Kommunikation in alle zen und Konsens finden
Richtungen unterstützen (Lernfeld 2)

Methoden der Gesprächsführung anwen- Methoden der Gesprächsführung auch in


den (Ziel führend, konstruktiv, systema- anspruchsvolleren Situationen anwenden
tisch) (Lernfeld 2) (Ziel führend, konstruktiv, systematisch)

Methoden zur Kooperation bzw. zur Team- Methoden zur Kooperation bzw. zur Team-
arbeit im Lernprozess und im betrieblichen arbeit im Lernprozess und im betrieblichen
Kontext anwenden (Lernfeld 2) Kontext auch in anspruchsvolleren Situatio-
nen anwenden

Präsentationstechniken kennen und erstes Präsentationstechniken anwenden


einfaches Anwenden (Lernfeld 2)

Vortragstechniken kennen und erstes ein- Vortragstechniken anwenden


faches Anwenden (Lernfeld 2)

Mit einfachen Konfliktsituationen umgehen Mit Konflikten auch in anspruchsvolleren


und diese konstruktiv lösen können (Lern- Situationen umgehen und diese konstruktiv
feld 2) lösen können

Umgang mit sich selbst

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Methoden und Techniken der Organisation Methoden und Techniken der Organisation
und Planung der eigenen Arbeit als Fach- und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
kraft für Arbeitssicherheit im betrieblichen kraft für Arbeitssicherheit sicher anwenden
Kontext anwenden (Lernfeld 2)

Lerntechniken und -strategien für sich Lerntechniken und -strategien anwenden


adaptieren (Lernfeld 2)

Seite 48 von 160


5.4 Themen

Ermittlung von Gefährdungen


- Übersicht und Grundwissen über Gefährdungsfaktoren und Gefährdungen mit ihren Ent-
stehungszusammenhängen
- Einführung und Übersicht zu Methoden zur Ermittlung von Gefährdungen (Rückschau-
end/Vorausschauend)
- Beinaheunfall, Unfall- und BK-Analyse und Datenmanagement
- Objektorientierte Analyse (Gefährdungsermittlung)
- Arbeitsablauforientierte Analyse (Gefährdungsermittlung)
- Speziell vertiefende Analyse (Arbeitsfelder des Betriebsarztes und anderer Akteure des
Arbeitsschutzes)

Risikobewertung
- Methoden zur Beurteilung von Risiken (Grenzwerte, spezielle Verfahren; Risikoabschät-
zung)
- Rechtliche und fachliche Anforderungen an die Elemente des Arbeitssystems, insbe-
sondere
 Anforderungen an Maschinen, Geräten und Anlagen sowie deren Arbeits- und Wir-
kungsweisen unter Berücksichtigung der betrieblichen Situation (vor allem Geräte-
und Produktsicherheitsgesetz mit den einschlägigen Verordnungen, Betriebssicher-
heitsverordnung, Technische Regeln für Betriebssicherheit...)
 Stoffe und ihre Auswirkungen (vor allem Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung,
Technische Regeln für Gefahrstoffe, Technische Regeln für biologische Arbeitsstof-
fe...)
 Anforderungen an Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen (vor allem Arbeitsstättenverord-
nung, Technische Regeln für Arbeitsstätten...)
 Anforderungen an Arbeitsverfahren im Hinblick auf die davon ausgehenden Gefah-
ren (TRBS...)
 Anforderungen durch die Ergonomie zum Erhalt der gesundheitlichen Ressourcen
(vor allem Lastenhandhabungsverordnung)
 Anforderungen an Systeme der Arbeitszeit- und Pausengestaltung (vor allem Ar-
beitszeitgesetz, Mutterschutzgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz)
- Betriebsbezogene Grenzrisiken

Personenbezogene Gefährdungsbeurteilung
- Belastungs-/ Beanspruchungsmodell
- Personen mit besonderen Leistungsvoraussetzungen
- Menschen mit Behinderungen (Inklusion)

Zusammenwirken bei der Beurteilung von Arbeitsbedingungen


- Aufgaben der Führungskräfte
- Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit in den Handlungsschritten „Analyse“ und
„Beurteilung“

Seite 49 von 160


- Aufgaben des Betriebsarztes
- Aufgaben anderer Akteure des Arbeitsschutzes
- Mitarbeiterbeteiligung
- Aspekte betrieblicher Nutzen
- Reflexion

Darstellen und Dokumentieren der Beurteilung von Arbeitsbedingungen

Kommunikation
- Methoden und Techniken zur Gesprächsführung (Moderation, Argumentation, Verhand-
lungsstrategien etc.)
- Vortrags- und Präsentationstechniken
- Methoden und Techniken zur Konfliktlösung (z.B. Umgang mit schwierigen Personen)

Beratung
- Beratungsanlässe
- Methoden und Techniken
- Beratungsstrategien
- Reflexion

Netzwerkbildung
- Überblick
- Methoden und Techniken
- Aufbau eigener Netzwerke

Informations- und Wissensmanagement


- aktuelle Fachinformationsquellen etc.

Reflexion der Rolle und der Aufgaben als Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Beurtei-
lung der Arbeitsbedingungen
- Vernetzung und Koordination
- Umgang mit Misserfolgen (Methode: Supervision)
- Unterstützungs- und Beratungsleistung
- Abgleich zum Stand des Lernprozesses/Kompetenzerwerbs

5.5 Struktur des Lernfeldes


Anknüpfend an die Ergebnisse des Lernfeldes 2 (die Teilnehmer haben Ansatzpunkte für das
eigene Handeln, z.B. ein Unfall- oder BK-Geschehen, festgestellt) wird die Thematik „Beurtei-
lung von Arbeitsbedingungen“ problemorientiert eingeführt. Die Einleitung erfolgt in Präsenz (3
Tage), dabei werden die Grundlagen der Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Ermittlung von
Gefährdungen, Risikobewertung, Personenbezogene Gefährdungsbeurteilung, Zusammenwir-
ken bei der Beurteilung von Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Beratung, Netzwerke, Infor-

Seite 50 von 160


mations- und Wissensmanagement, Dokumentation…) thematisiert und die damit verbundenen
Tätigkeiten auch teilweise eingeübt.
In der anschließenden Selbstlernzeit üben die Teilnehmer (dabei auch Netzwerkbildung in
Lerngruppen) anhand exemplarischer Beispiele insbesondere die Ermittlung von Gefährdun-
gen, die Risikobewertung, personenbezogene Gefährdungsbeurteilung. Die Beispiele werden
vom Ausbildungsträger vorgegeben. Damit soll sichergestellt werden, dass sich die Teilnehmer
mit den relevanten Gefährdungsfaktoren (z.B. auch psychischen Belastungen) und Themenstel-
lungen (wie z.B. Anforderungen an Maschinen, Geräten und Anlagen sowie deren Arbeits- und
Wirkungsweisen; Ergonomie zum Erhalt der gesundheitlichen Ressourcen; Personen mit be-
sonderen Leistungsvoraussetzungen) befassen. Sie eignen sich dabei die entsprechenden
Themen selbstständig an und tauschen die Arbeitsergebnisse untereinander aus, geben sich
gegenseitig Tipps und Hilfen und werten ihre Ergebnisse der Risikobewertungen gegenseitig
aus. Zusätzlich wird ein Beispiel zur Kompetenzmessung (Lernerfolgskontrolle) herangezogen.
Im nächsten Schritt suchen sich die Lernenden ein Arbeitssystem in ihrem eigenen Betrieb und
wenden die erworbenen Kenntnisse in der Praxis an. Sie führen eine Gefährdungsermittlung im
Arbeitssystem und eine Risikobewertung durch. Es soll sowohl eine arbeitsablauforientierte als
auch eine personenbezogene Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden.
Weiterhin erhalten die Lernenden den Auftrag, mit der Führungskraft des entsprechenden Ar-
beitssystems zu sprechen und sie hinsichtlich der Beurteilung von Arbeitsbedingungen in der
betreffenden Abteilung oder ähnlichen Themen zu beraten.
Die durchgeführte Gefährdungsbeurteilung wird von dem Lernenden dokumentiert. Die Doku-
mentation wird zur Kompetenzmessung durch den Ausbildungsträger verwendet.
Der Zeitansatz für diese Selbstlernphase beträgt 10 Tage mit Lernbegleitung sowie 5 Tage oh-
ne Lernbegleitung für das als Kompetenzmessung vorgesehene Beispiel sowie für die als wei-
tere Lernerfolgskontrolle vorgesehene Anwendung der erworbenen Kenntnisse auf ein Arbeits-
system im eigenen Betrieb.
In der sich anschließenden Präsenzphase (1 Tag) werden die Ergebnisse präsentiert und re-
flektiert. Ebenfalls erfolgt eine Reflexion der Rolle und der Aufgaben als Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit bei der Beurteilung von Arbeitsbedingungen. Der angegebene Zeitansatz geht davon
aus, dass die Seminargruppe geteilt und somit die Teilnehmeranzahl für diesen Präsenzteil re-
duziert wird.

Überblick über Lernzeiten


Seminar: 4 Tage
Selbstorganisierte Lernzeit:

- Mit Lernbegleitung: 10 Tage

- Praktikumsaufgaben/Lernerfolgskontrollen: 5 Tage

5.6 Kompetenzmessung
Die Kompetenzmessung in dem Lernfeld 3 erfolgt durch Reflexionen und durch Lernerfolgskon-
trollen.

Seite 51 von 160


5.6.1 Reflexionen

Der Kompetenzerwerb wird durch Reflexionen verfolgt.


Der Teilnehmer führt zum einen weiterhin das Lerntagebuch, was ihm eine Selbstsicht seines
Lernfortschritts ermöglicht.
Zum Zweck der Fremdsicht tauschen die Teilnehmer die Ergebnisse der Übungsbeispiele un-
tereinander aus und geben sich gegenseitig Feedback. Sie präsentieren die Ergebnisse der
Gefährdungsbeurteilung aus dem Betrieb und erhalten hierüber ein Feedback (Übung mit
Feedback). Ferner sprechen Lernbegleiter und Lernender über die formalen Ergebnisse – siehe
Lernerfolgskontrolle und Präsentation – aber auch über Eintragungen im Lerntagebuch, über
Erfahrungen, über Lernhilfen und andere Aspekte des Lernprozesses. Die Ergebnisse werden
im Kompetenzpass dokumentiert.

5.6.2 Lernerfolgskontrollen

Als Lernerfolgskontrollen erfolgen eine Bewertung der dokumentierten Gefährdungsermittlung


und der fachlich richtigen Beurteilung
- eines vorgegebenen Beispiels ( incl. Fragen zu Gefährdungs-/Belastungsfaktoren …)
(Lernerfolgskontrolle 1)
- des Beispiel aus dem Betrieb (Praktikum) (Lernerfolgskontrolle 2)

6. Lernfeld 4: Arbeitssystemgestaltung

6.1 Outcome
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt und berät zur sicheren, gesundheits- und men-
schengerechten Gestaltung bestehender und neuer Arbeitssysteme auch unter Einbeziehung
wirtschaftlicher Gesichtspunkte.

6.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen

- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit überzeugt betriebliche Verantwortungsträger von der


Notwendigkeit aufwändiger Änderungen eines Arbeitssystems.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit bringt ihre Fachkunde bei der Diskussion um Schutz-
ziele und Gestaltungsansätze/Maßnahmen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Er-
fordernisse ein.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit nimmt an einem Abstimmungsgespräch zwischen Be-
triebsarzt, Aufsichtsperson des Unfallversicherungsträgers sowie eines Vertreters des
messtechnischen Dienstes und der Instandhaltung zur Lösung eines Arbeitsschutzprob-
lems teil und erstellt das Ergebnisprotokoll.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit ist Teilnehmer am Planungsgespräch zur Gestaltung
eines neuen Arbeitssystems und bringt dort die Arbeitsschutzbelange ein.
- Eine neue Vorschrift im Arbeitsschutzrecht ist in Kraft getreten. Die Fachkraft für Ar-
beitssicherheit informiert sich über die Neuerungen und macht sich Gedanken über die
erforderlichen Veränderungen im Betrieb. Dazu stellt sie einen SOLL-IST Vergleich an

Seite 52 von 160


und analysiert den daraus resultierenden Handlungsbedarf. Sie entwickelt ein Konzept
wie sie die Sachverhalte (Handlungsanlass, Erforderliche Veränderungen…) im Betrieb
kommuniziert.
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit präsentiert ihre Arbeitsergebnisse den betrieblichen
Führungskräften (Produktionsleiter, Laborleiter, Einkaufsleiter…) und moderiert das ge-
meinsame Erstellen eines Maßnahmenkatalogs. Sie begleitet (beratend, unterstützend)
die Umsetzung der Maßnahmen und leitet die Konsequenzen für das Arbeitssystem ab.

- Der vom Betrieb beauftragte messtechnische Dienst stellt in verschiedenen Arbeitsbe-


reichen einen erhöhten Schallpegel fest. Daraufhin wird die Fachkraft für Arbeitssicher-
heit beauftragt, ein Lärmminderungsprogramm zu erstellen, damit die Arbeitsschutzvor-
schriften eingehalten werden. Sie sichtet die relevanten Vorschriften. Weiterhin analy-
siert sie die Ursachen der Lärmentstehung (Gefährdungsquellen und gefahrbringende
Bedingungen). Unter der Zielsetzung „deutliche Absenkung des Lärmpegels“ entwickelt
sie Lösungsalternativen und präsentiert sie einem Team bestehend aus Abteilungsleiter,
Linienschichtführer, Sicherheitsbeauftragtem und weiteren Personen.
Gemeinsam mit anderen betrieblichen Akteuren bewertet die Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit die Lösungsalternativen und wählt Lösungen aus. Zur Umsetzung der Maß-
nahmen werden Angebote von Firmen eingeholt. Bei der Auftragsvergabe bringt die
Fachkraft ihre Fachkunde beratend ein. Nach der Realisierung der Maßnahmen kontrol-
liert die Fachkraft für Arbeitssicherheit die Zielerreichung.

6.3 Kompetenzen
Es wird auf den erworbenen Kompetenzen der Lernfelder 1, 2 und 3 aufgebaut. Sie werden
aufgegriffen und auf das Lernfeld 4 bezogen weiterentwickelt (vgl. Ziff. III, 2. Absatz und An-
hang 3).
Die folgende Zielbeschreibung weist die anforderungsspezifischen Kompetenzen für das Lern-
feld 4 aus und zeigt auf, auf welche bisher erworbenen Kompetenzen aufgebaut wird. An Inhal-
te gebunden geben sie an, welche Kompetenzen die Teilnehmer der Ausbildung zum Ab-
schluss des Lernfeldes 4 erworben haben sollen.

Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Informationsquellen zum Lernfeld 1, 2 und 3 Informationsquellen zum Lernfeld 4 ken-


kennen und daraus Informationen gewinnen nen und daraus Informationen für die Ge-
und verarbeiten staltung von Arbeitssystemen gewinnen
und verarbeiten

Grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten
für alle Arbeitssystemelemente kennen

Bestehende Arbeitssysteme sicher, ge-


sundheits- und menschengerecht unter
Berücksichtigung von Wechselwirkungen
zwischen Technik, Organisation und Per-
sonal in Kooperation mit Anderen gestal-
ten

Seite 53 von 160


Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Beratungspotenzial für die frühzeitige Ein-


bindung in Planungsprozessen erkennen
und nutzen

Geplante Arbeitssysteme sicher, gesund-


heits- und menschengerecht unter Berück-
sichtigung von Wechselwirkungen zwi-
schen Technik, Organisation und Personal
in Kooperation mit Anderen gestalten

Die rechtlichen Anforderungen an die Ge-


staltung von Arbeitssystemen kennen und
anwenden

Die wirtschaftlichen Erfordernisse und fi-


nanziellen Rahmenbedingungen im Betrieb
kennen und bei der Gestaltung berücksich-
tigen

Handlungskonzepte zur sicheren und ge-


sundheitsgerechten Gestaltung kennen
und anwenden

Komplexe Aufgaben zur Arbeitssystemge-


staltung erfassen und bearbeiten

Methoden zum anschaulichen und nachvoll- Methoden zum anschaulichen und nach-
ziehbaren sowie formal korrekten Dokumen- vollziehbaren sowie formal korrekten Do-
tieren der Arbeitsergebnisse anwenden kumentieren der Arbeitsergebnisse sicher
(Lernfeld 3) anwenden

Methoden und Techniken der Organisation Methoden und Techniken der Organisation
und Planung der eigenen Arbeit als Fachkraft und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
für Arbeitssicherheit sicher anwenden (Lern- kraft für Arbeitssicherheit auch bei komple-
feld 3) xen Aufgabenstellungen sicher anwenden

Methoden zum Managen von Prozessen


und Projekten kennen und anwenden

Umgang mit Anderen

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Methoden der Gesprächsführung auch in Methoden der Gesprächsführung sicher


anspruchsvolleren Situationen anwenden anwenden (Ziel führend, konstruktiv, sys-
(Ziel führend, konstruktiv, systematisch) tematisch)
(Lernfeld 3)

Seite 54 von 160


Methoden zur Kooperation bzw. zur Teamar- Methoden zur Kooperation bzw. zur
beit im Lernprozess und im betrieblichen Teamarbeit im Lernprozess und im betrieb-
Kontext auch in anspruchsvolleren Situatio- lichen Kontext sicher anwenden
nen anwenden (Lernfeld 3)

Mit Konflikten auch in anspruchsvolleren Si- Mit Konflikten sicher umgehen und diese
tuationen umgehen und diese konstruktiv konstruktiv lösen können
lösen können (Lernfeld 3)

Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen


aktiv und vorausschauend agieren

Präsentationstechniken anwenden (Lernfeld Präsentationstechniken sicher anwenden


3)

Vortragstechniken anwenden (Lernfeld 3) Vortragstechniken sicher anwenden

Umgang mit sich selbst

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Lerntechniken und -strategien anwenden Lerntechniken und –strategien sicher an-


(Lernfeld 3) wenden

Einzelkenntnisse systematisch erfassen und Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen


aufbereiten (Lernfeld 2) systematisch vorgehen

6.4 Themen

Einführung in die Arbeitssystemgestaltung


- Betrachtungen der Wechselwirkungen von Systemelementen
- Methodisches Vorgehen (Handlungsschritte, Ziele setzen bis Wirkungskontrolle)
- Gestaltungsfelder (Verhaltens-/Verhältnisprävention)
 Technik
 Organisation (z.B. Gestaltung von Arbeitsaufgaben, Arbeitsabläufen, Arbeitszeit
und Pausen )
 Personal (z.B. Personalentwicklung und personelle Voraussetzungen)
- Anforderungen durch den demografischen Wandel an die Gestaltung von Arbeitssyste-
men
- Anforderungen aus den individuellen Leistungsvoraussetzungen an die Gestaltung von
Arbeitssystemen
- Anforderungen der Gesundheitsförderung an die Gestaltung von Arbeitssystemen
- Soziale Beziehungen und Arbeitssystemgestaltung
- Beschaffungsprozesse

Seite 55 von 160


- Zusammenarbeit bei der Gestaltung von Arbeitssystemen (z. B. Betriebsärzte, interne
und externe Partner)
- Aufbau, Nutzung und Pflege von Netzwerken

Gestaltung vorhandener Arbeitssysteme


- Handlungsanlässe (z.B. aus der Beurteilung von Arbeitsbedingungen, Ereignissen, Pro-
zessänderungen, äußeren Anlässen)
- Methoden zum systematischen Vorgehen der Fachkraft bei der Gestaltung vorhandener
Arbeitsysteme
 Ziele setzen
 Lösungsalternativen entwickeln
 Auswahl der Lösung
 Durch- und Umsetzung der Lösung
 Wirkungskontrolle
- Schlussfolgerungen zur Erhaltung sicherer und gesundheitsgerechter Arbeitssysteme
(z.B. Wartungs- und Prüfpläne, Qualifikationsmatrix)
- Betriebswirtschaftliche Aspekte bei der Gestaltung und beim Erhalt von Arbeitssystemen
(z.B. Indikatoren, Kennzahlen)
- Bearbeitung einer exemplarischen Fallstudie
- Darstellungsformen von Arbeitsergebnissen
- Informations- und Wissensmanagement
- Reflexionen
 Ganzheitliche Arbeitssystemgestaltung als Handlungsfeld der Fachkraft im vernetz-
ten Betriebsgeschehen
 Rolle und Aufgaben der Fachkraft in den Handlungsschritten „Ziele setzen“, „Lö-
sungsalternativen entwickeln“, „Auswahl der Lösung“, „Durch- und Umsetzung der
Lösung“ und „Wirkungskontrolle“
 Wirtschaftlichkeit und sichere sowie gesundheitsgerechte Arbeitssystemgestaltung

Gestaltung geplanter Arbeitssysteme


- Handlungsanlässe (z.B. Betriebliche Planungsprozesse)
- Rolle und Aufgaben der Fachkraft auf konzeptionellem und planerischem Gebiet
 Strategien zur Einbindung in den Planungsprozess
- Integration von Arbeitsschutzanforderungen in der Planungsphase
- Integration von Arbeitsschutzanforderungen in der Umsetzungsphase
- Integration von Arbeitsschutzanforderungen in der Einführungsphase
- Schlussfolgerungen zur Schaffung und Erhaltung sicherer und gesundheitsgerechter
Arbeitssysteme (z.B. Evaluation, kontinuierlicher Verbesserungsprozess)
- Betriebswirtschaftliche Aspekte
- Bearbeitung eines exemplarischen Planungsprojektes

Seite 56 von 160


- Projektmanagement
- Informations- und Wissensmanagement
- Muster zu Lasten- und Pflichtenheft, Ausschreibungsverfahren
- Darstellungsformen von Arbeitsergebnissen
- Reflexionen
 Eigenes Zeit-/ Ressourcenmanagement
 Rolle und Aufgaben der Fachkraft in komplexen Planungs-, Umsetzungs- und Ein-
führungsprozessen
 Wirtschaftlichkeit in komplexen Planungs-, Umsetzungs- und Einführungsprozessen

Change-Management
- Ansätze
- Prozessablauf
- Ziele und Widerstände etc.
- Konflikte

Kommunikation
- Methoden und Techniken zur Gesprächsführung (Moderation, Argumentation, Verhand-
lungsstrategien etc.)
- Vortrags- und Präsentationstechniken
- Methoden und Techniken zur Konfliktlösung (z.B. Umgang mit schwierigen Personen)
- Beratungsgespräche

Reflektion der Rolle und der Aufgaben als Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Vernetzung und Koordination
- Erfahrungsbericht
- Umgang mit Misserfolgen (Methode: Supervision)
- Unterstützungs- und Beratungsleistung
- Abgleich zum Stand des Lernprozesses/Kompetenzerwerb
- Nutzen/Wirksamkeit von Arbeitsschutz

6.5 Struktur des Lernfeldes


In der Präsenzphase erfolgt eine Einführung in die Arbeitssystemgestaltung (1 Tag Präsenz).
Dabei soll vor allem das Formulieren von Zielen eingeübt werden.
In einer anschließenden Selbstlernphase wird das Gestalten vorhandener Arbeitssysteme ein-
geübt. Dabei kann auf die Übungsbeispiele aus dem vorausgehenden Lernfeld 3 zurückgegrif-
fen werden. Durch die ausgewählten Beispiele ist der Lernende angehalten, sich relevante
Kenntnisse anzueignen: Die Anforderungen an die Arbeitssystemelemente müssen selbststän-
dig recherchiert werden.

Seite 57 von 160


Im Anschluss daran soll die Gestaltung geplanter Arbeitssysteme in einer umfangreichen
exemplarischen Fallstudie (Projektarbeit) eingeübt werden, insbesondere auch die damit im
Zusammenhang stehende Themen Kommunikation, Beratung und „Change Management“.
Hierfür werden in Summe 4 Seminartage angesetzt.
Im nächsten Schritt wendet der Lernende wieder in einer Selbstlernphase die erworbenen
Kenntnisse bei einer Arbeitssystemgestaltung im eigenen Unternehmen an und hält seine damit
verbundenen Tätigkeiten und Lösungen schriftlich fest. Dabei geht es auch um die Abstrakti-
ons- und Transferfähigkeit des Lernenden auf betriebliche Zusammenhänge. Die Dokumentati-
on wird zur Kompetenzmessung verwendet (Praktikumsbericht).
Abgerundet wird das Lernfeld 4 mit einer Reflexionsphase (0,5 Tage Präsenz). Sie soll die Rolle
der Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Arbeitssystemgestaltung ebenso thematisieren wie
die gesammelten praktischen Erfahrungen im eigenen Betrieb. Weiterhin wird die Thematik
Nutzen/Wirksamkeit des Arbeitsschutzes angesprochen.
Überblick über Lernzeiten
Seminar: 5,5 Tage
Selbstorganisierte Lernzeit

- Mit Lernbegleitung: 10 Tage

- Praktikumsaufgaben/Lernerfolgskontrolle: 20 Tage

6.6 Kompetenzmessung
Die Kompetenzmessung in dem Lernfeld 4 erfolgt durch Reflexionen und durch Lernerfolgskon-
trollen.

6.6.1 Reflexion
Der Kompetenzerwerb wird durch Reflexionen verfolgt.
Der Teilnehmer führt zum einen weiterhin das Lerntagebuch, was ihm eine Selbstsicht seines
Lernfortschritts ermöglicht.
Zum anderen erfolgt eine Reflexion (von Gruppe und Lernbegleiter) der Arbeit im Team wäh-
rend der Bearbeitung der exemplarischen Fallstudie. Weiterhin reflektieren die Teilnehmer den
Kompetenzerwerb in diesem Lernfeld beim Erfahrungsaustausch zu den Ergebnissen ihres be-
trieblichen Handelns. Ferner sprechen Lernbegleiter und Lernender über die formalen Ergeb-
nisse – siehe Lernerfolgskontrolle – aber auch über Eintragungen im Lerntagebuch, über Erfah-
rungen, über Lernhilfen und andere Aspekte der Ausbildung. Die Ergebnisse werden im Kom-
petenzpass dokumentiert.

6.6.2 Lernerfolgskontrollen
Als Lernerfolgskontrollen erfolgen Bewertungen der dokumentierten Arbeitssystemgestaltung
(insbesondere Vorgehen, beschriebene Anforderungen an Arbeitssystemelemente entspre-
chend der Vorschriftenlage und des Standes der Technik) anhand
- eines Fallbeispiels (aus der Selbstlernphase) (Lernerfolgskontrolle 3)
- des Beispiels aus dem Betrieb (Praktikum) (Lernerfolgskontrolle 4)

Seite 58 von 160


7. Lernfeld 5 : Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Aufbau- und Ab-
lauforganisation

7.1 Outcome
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit
- berät und unterstützt bei der Organisation des Arbeitsschutzes im Sinne eines kontinu-
ierlichen Verbesserungsprozesses.
- berät und unterstützt bei der Implementierung des Arbeitschutzes in die Unternehmens-
organisation und die Weiterentwicklung eines Arbeitsschutzmanagementsystems.

7.2 Exemplarische berufliche Handlungssituationen

- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit stellt der Geschäftsführung die Vorteile der Einfüh-
rung eines Arbeitsschutzmanagementsystems vor.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit hält einen Vortrag vor betrieblichen Entscheidungs-
trägern zur Einführung einer betrieblichen Gesamtkonzeption zur Durchführung syste-
matischer Beurteilungen der Arbeitsbedingungen im Unternehmen; dabei geht sie auch
auf den Nutzen von Gefährdungsbeurteilungen, auf Erkenntnisquellen für Gefährdungs-
beurteilungen sowie auf die Rollen der Führungskräfte, der Fachkraft für Arbeitssicher-
heit und des Betriebsarztes ein.
- Die Fachkraft für Arbeitssicherheit ermittelt arbeitsschutzrelevante Prozesse im Betrieb,
unterstützt bei der systematischen Erfassung und Aufbereitung von Kennzahlen, unter-
stützt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess unter Beachtung der Unternehmens-
ziele und -politik.
- Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt bei der Integration der Unterweisung in das
bestehende Managementsystem.
- Um die Einhaltung von Arbeitsschutzvorgaben zu sichern, erhält die Fachkraft für Ar-
beitssicherheit den Auftrag den organisatorischen Rahmen für den Einsatz von Fremd-
firmen zu regeln.
- Nach Integration einer neuen Maschine in den Produktionsablauf entwickelt die Fach-
kraft für Arbeitssicherheit weiterführende Schlussfolgerungen für künftige Beschaffungs-
prozesse

7.3 Kompetenzen
Auf den erworbenen Kompetenzen der Lernfelder 1, 2, 3 und 4 wird aufgebaut. Sie werden auf-
gegriffen und auf das Lernfeld 5 bezogen weiterentwickelt (vgl. Ziff. III, 2. Absatz und Anhang
3).
Die folgende Zielbeschreibung weist die anforderungsspezifischen Kompetenzen für das Lern-
feld 5 aus und zeigt auf, auf welche bisher erworbenen Kompetenzen aufgebaut wird. An Inhal-
te gebunden geben sie an, welche Kompetenzen die Teilnehmer der Ausbildung zum Ab-
schluss des Lernfeldes 5 erworben haben sollen.

Seite 59 von 160


Know-how

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Informationsquellen zum Lernfeld 1, 2, 3 Informationsquellen zum Lernfeld 5 kennen


und 4 kennen und daraus Informationen und daraus Informationen für die Integration
gewinnen und verarbeiten des Arbeitsschutzes in die Aufbau- und Ab-
lauforganisation gewinnen und verarbeiten

Managementsysteme kennen

Konzepte der Integration des Arbeitschutzes


in das betriebliche Management gestalten
und weiterentwickeln

Verfahrensanweisungen für arbeitsschutzre-


levante Prozesse erstellen und begleiten

Audits für die Gestaltung und Weiterentwick-


lung des Arbeitsschutzes im betrieblichen
Management nutzen

Indikatoren/Kenngrößen für die Bewertung


der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit des
Arbeitsschutzes kennen und anwenden

Positive Effekte für das Unternehmen und


den Arbeitsschutz durch die Implementie-
rung und Weiterentwicklung von Manage-
mentsystemen darstellen

Methoden und Strategien bei der Implemen-


tierung und Weiterentwicklung von Mana-
gementsystemen wählen und anwenden

Methoden zum anschaulichen und nach- Methoden zum anschaulichen und nachvoll-
vollziehbaren sowie formal korrekten Do- ziehbaren sowie formal korrekten Dokumen-
kumentieren der Arbeitsergebnisse sicher tieren der Arbeitsergebnisse beherrschen
anwenden (Lernfeld 4)

Methoden und Techniken der Organisation Methoden und Techniken der Organisation
und Planung der eigenen Arbeit als Fach- und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
kraft für Arbeitssicherheit bei komplexen kraft für Arbeitssicherheit bei komplexen
Aufgabenstellungen sicher anwenden Aufgabenstellungen beherrschen
(Lernfeld 4)

Methoden zum Managen von Prozessen Methoden zum Managen von Prozessen und
und Projekten kennen und anwenden Projekten kennen und sicher anwenden
(Lernfeld 4)

Seite 60 von 160


Umgang mit Anderen

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Methoden der Gesprächsführung sicher Methoden der Gesprächsführung beherr-


anwenden (Ziel führend, konstruktiv, sys- schen (Ziel führend, konstruktiv, systema-
tematisch) (Lernfeld 4) tisch)

Methoden zur Kooperation bzw. zur Team- Methoden zur Kooperation bzw. zur Team-
arbeit im Lernprozess und im betrieblichen arbeit im Lernprozess und im betrieblichen
Kontext sicher anwenden (Lernfeld 4) Kontext beherrschen

Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen Bei der Integration des Arbeitsschutzes in
aktiv und vorausschauend agieren (Lernfeld die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisa-
4) tion aktiv und vorausschauend agieren

Präsentationstechniken sicher anwenden Präsentationstechniken beherrschen


(Lernfeld 4)

Vortragstechniken sicher anwenden (Lern- Vortragstechniken beherrschen


feld 4)

Umgang mit sich selbst

Eingangskompetenzen Soll-Kompetenzen

Lerntechniken und -strategien sicher an- Lerntechniken und -strategien beherrschen


wenden (LF 4)

Erfolgs- und zielorientiert arbeiten (Lernfeld Erfolgs- und zielorientiert arbeiten und auf
2) die Schaffung einer Arbeitsschutzkultur hin-
wirken können

Methoden zum anschaulichen und nach- Bei der Dokumentation von Arbeitsergebnis-
vollziehbaren sowie formal korrekten Do- ses die Wirksamkeit der Tätigkeit der Fach-
kumentieren der Arbeitsergebnisse beherr- kraft für Arbeitssicherheit deutlich machen
schen (Know How in diesem Lernfeld))

Einzelkenntnisse systematisch erfassen Bei der Integration des Arbeitsschutzes in


und aufbereiten (Lernfeld 2) die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisa-
tion systematisch vorgehen

7.4 Lerninhalte

Grundverständnis von Unternehmensorganisation


- Aufbau- und Ablauforganisation, Kunden-Lieferanten Beziehungen
- Überblick über Managementsysteme
- Struktur, Bausteine und Schnittstellen, integrierte Systeme,

Seite 61 von 160


- Einführung, Pflege und Weiterentwicklung von Managementsystemen
- Handeln der Fachkraft bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche
Organisation
 Gesamtkonzept zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen
 Gesamtkonzept Umgang mit Gefahrstoffen
 Weitere Gesamtkonzepte (z.B. Störfall, Notfall- und Gefahrensituationen, Prüfwesen,
Beschaffung)

Integration von Arbeitsschutz in die Unternehmensorganisation


- Handlungsanlässe (z.B. Organisationspflichten)
- Aufbau und Pflege eines Managementsystems
 Methodisches Vorgehen (PDCA)
 Die 10 Kernelemente der Arbeitsschutzmanagementsysteme
 Prozessbeschreibungen
 Kennzahlen
 Darstellung und Dokumentation (z.B. Verfahrensanweisungen, Arbeitsanweisungen,
Betriebsanweisungen)
- Auditmethoden
- Ansatzpunkte für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) der Organisation
des Arbeitsschutzes
 Unternehmens- und Führungskultur
 Personalentwicklung / Kompetenzentwicklung
 Mitarbeiterbeteiligung
 Fremdfirmen und Arbeitnehmerüberlassung
 Wissensmanagement
- Betriebliche Programme zu Sicherheit und Gesundheitsschutz (z.B. Betriebliche Ver-
kehrssicherheit, Betriebliche Gesundheitsförderung)
- Praktisches Planen eines Projektes
- Ansätze für ein betriebliches Gesundheitsmanagement

Kommunikation
- Methoden und Techniken zur Gesprächsführung (Moderation, Argumentation, Verhand-
lungsstrategien etc.)
- Vortrags- und Präsentationstechniken

Reflexion - abschließend
- Rolle und Aufgaben insbesondere die eigene Verankerung in der betrieblichen Organi-
sationsstruktur
- Umgang mit der eigenen Gesundheit und Ressourcen (Stress, Arbeitszeiten….)
- Persönliche Kompetenzerweiterung

Seite 62 von 160


- Perspektivischer Ausblick

7.5 Struktur des Lernfeldes


Im einem begleiteten Selbstlernen (10 Tage) eignet sich der Ausbildungsteilnehmer die Grund-
lagen des Lernfeldes 5 (Grundverständnis von Unternehmensorganisation; Integration von Ar-
beitsschutz in die Unternehmensorganisation) an.
Auf diesen Grundlagen wird in einem anschließenden Seminar (1,5 Tage) im Rahmen einer
Lernwerkstatt eine praktische Planung eines Projektes in der Lerngruppe vorgenommen.
Zur Anwendung des Gelernten erhält der Lernende die Aufgabe, für das eigene Unternehmen
ein Gesamtkonzept zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen sowie ein Konzept für dessen Ein-
führung zu entwickeln. Sollte der betreffende Betrieb bereits ein solches Konzept haben, erhält
die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit eine vergleichbare Aufgabe, wie z.B. die Darstel-
lung von Optimierungsmöglichkeiten von Prozessen (den Weg von Gefahrstoffen von der Be-
schaffung bis hin zur Entsorgung, Beschaffung von Maschinen und Anlagen, Unterweisungs-
konzept o. dgl.).
Lernerfolgskontrolle: Der Teilnehmer präsentiert dem Unternehmen das Konzept zur Einführung
eines Gesamtkonzepts zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen. Optional: Der Teilnehmer prä-
sentiert dem Unternehmer Optimierungsmöglichkeiten von Prozessen, wie z. B. die Beschaf-
fung, Verwendung bis Entsorgung von Gefahrstoffen, ein Unterweisungskonzept, die Beschaf-
fung von Maschinen und Anlagen und weiteren Gesichtspunkten entsprechend der Themen des
Lernfeldes
In einem abschließenden Kolloquium präsentieren die Lernenden ihre Konzepte (Lernerfolgs-
kontrolle) und reflektieren abschließend über die gesamte Ausbildung, über den persönlichen
Kompetenzerwerb und ggf. über ihren weiteren Kompetenzerwerb im Rahmen der Weiterbil-
dung (Lernbiografie).

Überblick über Lernzeiten


Seminar/Kolloquium: 3,5 Tage
Selbst organisierte Lernzeit:
Mit Lernbegleitung: 10 Tage
Praktikumsaufgaben/Lernerfolgskontrolle: 10 Tage

7.6 Kompetenzmessung
Die Kompetenzmessung in dem Lernfeld 5 erfolgt durch Reflexionen und durch Lernerfolgskon-
trollen.

7.6.1 Reflexionen

Der Kompetenzerwerb wird durch Reflektionen verfolgt.


Der Teilnehmer führt zum einen weiterhin das Lerntagebuch, was ihm eine Selbstsicht seines
Lernfortschritts ermöglicht.

Seite 63 von 160


Zum anderen erfolgt eine Reflexion (von Gruppe und Lernbegleiter) der Arbeit im Team wäh-
rend der Bearbeitung der Lernwerkstatt aus Fremdsicht. Weiterhin reflektieren die Teilnehmer
den Kompetenzerwerb in diesem Lernfeld beim Erfahrungsaustausch zu den Ergebnissen ihres
betrieblichen Handelns bzw. der abschließenden Reflexionsphase über die gesamte Ausbil-
dung.
Der Lernbegleiter und der Lernende sprechen über die formalen Ergebnisse – siehe LEK - aber
auch über Eintragungen im Lerntagebuch, über Erfahrungen, über Lernhilfen …
Die Ergebnisse werden im Kompetenzpass dokumentiert.

7.6.2 Lernerfolgskontrolle

Bewertet wird die Präsentation und fachliche Richtigkeit des Konzeptes zur Einführung einer
Gesamtkonzeption zur Beurteilung von Arbeitsbedingungen im eigenen Unternehmen bzw. ei-
ner alternativen Aufgabenstellung im Rahmen des Lernfeldes (Lernerfolgskontrolle 5).

8. Zeitlicher Überblick und Ablauf der Ausbildung


Entsprechend der Beschreibungen der Lernfelder ergibt sich folgender zeitlicher Überblick über
die Ausbildungsstufen I und II:

Lernfeld Seminar selbstorganisierte Lernzeit


(Präsenzphase) (Selbstlernphasen)

Mit Lernbeglei- Praktische Aufga-


tung ben (Praktikum)

Einführung in die Ausbil- 4 2


dung und die Aufgaben der
Fachkraft für Arbeitssi-
cherheit

Arbeitssystem und betrieb- 3 1 2


liche Organisation

Beurteilung der Arbeitsbe- 4 10 5


dingungen

Arbeitssystemgestaltung 5,5 10 20

Integration des Arbeits- 3,5 10 10


schutzes in die betriebliche
Aufbau- und Ablauforgani-
sation

Gesamt 20 33 37

Abb. 5: Überblick über die Gesamtlernzeiten der Ausbildungsstufen I und II in Tagen

Seite 64 von 160


Der Kompetenzerwerb im Seminar und während der selbstorganisierten Lernzeit erfolgt nicht
ohne Zusammenhang neben- bzw. hintereinander. Vielmehr sind die Seminarphasen, die Pha-
sen des selbstorganisierten Lernens und die praktischen Aufgaben miteinander verzahnt. Die
nachfolgende Abbildung zeigt den Wechsel dieser Phasen einschließlich der vorgesehenen
Lernerfolgskontrollen.

Selbstorganisierte Lernzeit
mit Lernbegleitung (1Tag)
- Vorinformation -

Seminar Lernfeld 1
1 Woche
Selbstorganisierte Lernzeit
mit Lernbegleitung LERNFELD 1
1 Tag Einführung in die Ausbildung
und die Aufgaben der
Fachkraft für Arbeitssicherheit

Seminar Lernfeld 2
½ Woche
Selbstorganisierte Lernzeit
mit Lernbegleitung LERNFELD 2
1 Tag Arbeitssystem und
betriebliche Organisation

Selbstorganisierte Lernzeit
2 Tage Praktikum 1

Seminar Lernfeld 2+3


1 Woche LERNFELD 3
Selbstorganisierte Lernzeit
mit Lernbegleitung Lernerfolgs- Beurteilung von
10 Tage kontrolle 1 Arbeitsbedingungen

Selbstorganisierte Lernzeit Lernerfolgs-


5 Tage Praktikum 2
kontrolle 2

Seminar Lernfeld 3+4


½ Woche
Selbstorganisierte Lernzeit
mit Lernbegleitung Lernerfolgs-
10 Tage kontrolle 3

LERNFELD 4
Arbeitssystemgestaltung
Seminar Lernfeld 4
1 Woche
Selbstorganisierte Lernzeit Lernerfolgs-
Praktikum 3
20 Tage kontrolle 4

Seminar Lernfeld 4+5


½ Woche LERNFELD 5
Selbstorganisierte Lernzeit Integration des
mit Lernbegleitung Arbeitsschutzes in die
10 Tage betriebliche Aufbau- und
Ablauforganisation
Selbstorganisierte Lernzeit
Praktikum 4
10 Tage

Kolloquium Lernerfolgs-
½ Woche kontrolle 5

Abb. 6: Ablauf und Zeitplan der Ausbildungsstufen I und II

Seite 65 von 160


IV. Qualitätssicherung
Qualität in der Qualifizierung ist eine Voraussetzung dafür, den Lernerfolg von Teilnehmern so-
wie den Lehrerfolg von Trainern und Dozenten systematisch zu steigern, die Lerninhalte und
Lernmethoden kontinuierlich zu verbessern und zielgerichtet weiterzuentwickeln. Damit die
Qualifizierungsarbeit der Unfallversicherungsträger auch den zukünftigen Anforderungen ge-
wachsen bleibt, haben sie ein Qualitätsrahmenmodell „Qualifizierung“ entwickelt. Es umfasst
ein von den Fachleuten der Unfallversicherungsträger entwickeltes gemeinsames Qualitätsver-
ständnis sowie Qualitätsstandards für Kern-, Management- und Serviceprozesse im Bildungs-
bereich.

Abb. 7: Das Qualitätsrahmenmodell

Damit die zukünftige Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit entsprechend dieser Quali-
tätsstandards durchgeführt werden kann, gelten für ihre Weiterentwicklung (Umsetzung des
Ausbildungsmodells), ihre kontinuierliche Fortentwicklung und die operative Durchführung die
nachfolgenden Grundsätze.
Dabei liegen die Weiter- und Fortentwicklung im Sinne des kontinuierlichen Verbesserungspro-
zesses (KVP) in der Hand und in der Verantwortung der Unfallversicherungsträger, der Deut-
schen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA).
In der operativen Durchführung (Organisation und Durchführung) erweitert sich dieser Kreis um
zugelassene freie Anbieter. Für diese gelten die Qualitätsgrundsätze uneingeschränkt ebenso.

1. Umsetzung des Ausbildungsmodells


Die Umsetzung des Ausbildungsmodells ist die konkrete Entwicklung der künftigen Ausbildung
zur Fachkraft für Arbeitssicherheit. Sie berücksichtigt die Kundenorientierung, die Sach- und
Problemorientierung sowie die Prinzipien der Wirtschaftlichkeit.
Die Umsetzung erfolgt auf Grundlage der Konzeption des Ausbildungsmodells in dem beschrie-
ben ist, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen die Lehr- und Lernziele der Ausbildung zur
Fachkraft für Arbeitssicherheit umgesetzt werden. Ihre einzelnen Umsetzungselemente halten
sich an die Ziele und Rahmenbedingungen des Ausbildungsmodells.
Bei der Entscheidung über die inhaltliche Ausgestaltung und die didaktische Umsetzung sind
die Unfallversicherungsträger und die BAuA eingebunden. Die Ausgestaltung stellt sicher, dass

Seite 66 von 160


die Teilnehmer entsprechend des gesetzlichen Auftrages zu Fachkräften für Arbeitssicherheit
im Sinne des ASiG qualifiziert werden, die die Aufgaben nach der DGUV Vorschrift 2 wahrneh-
men können. Sie berücksichtigt, dass die Teilnehmer aus verschiedenen Betrieben und Bran-
chen kommen und unterschiedliches berufliches Erfahrungswissen mitbringen.
Bei der Umsetzung des Ausbildungsmodells ist für die Ausbildungsstufen I und II gewährleistet,
dass

- die Unfallversicherungsträger, die BAuA, der LASI und der VDSI eingebunden sind,
- Ergebnisse der Sifa-Langzeitstudie berücksichtigt sind,
- die Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Betrieb, insbesondere der im An-
hang 3 und 4 der DGUV Vorschrift 2 aufgeführten, berücksichtigt sind.
Die Umsetzung liegt in der Verantwortung der DGUV.

Für die Umsetzung der Ausbildungsstufe III sieht das Ausbildungsmodell verbindlich vor, dass
- das Anforderungs- und Kompetenzprofil für die Fachkraft für Arbeitssicherheit berück-
sichtigt ist,
- die Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicherheit im Betrieb, insbesondere die im Anhang
3 und 4 der Vorschrift 2 aufgeführten, berücksichtigt sind,
- branchenspezifische Arbeitsschutzkompetenzen praxisrelevant und handlungsorientiert
gefördert werden,
- ihre Elemente von interdisziplinär besetzten Arbeitsgruppen entwickelt werden, denen
auch Präventionsfachleute (z. B. Aufsichtspersonen der Unfallversicherungsträger,
Fachkräfte für Arbeitssicherheit) mit Branchenbezug angehören.
Die Umsetzung liegt in der Verantwortung der Unfallversicherungsträger.

2. Organisation und Durchführung


Für die Durchführung der Ausbildung sind während der Umsetzung konkrete Qualitätskriterien
zu entwickeln, die sich aus dem Qualitätsrahmenmodell Qualifizierung des Qualitätsverbundes
Qualifizierung ableiten und mit konkreten Angaben beschrieben sind. Diese Kriterien sind ver-
bindlich für alle Unfallversicherungsträger, staatlichen Anbieter sowie die zugelassenen Anbie-
ter des freien Marktes. Insbesondere ist nachprüfbar sicherzustellen, dass die Ausbildung nach
dem Ausbildungsmodell der DGUV und der BAuA erfolgt.
Wesentlich für die Qualität der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit sind dabei die
Kompetenzen der Dozenten und Praktikumsbetreuer und sonstiger Beteiligter. Deren Aufgaben
und erforderliche Kompetenzen sind in einem Anforderungsprofil zu beschreiben. Um die kon-
zeptgetreue Durchführung der weiterentwickelten Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
sicherzustellen sind die Dozenten zum didaktischen Ansatz, zum Inhalt und zum Ausbildungs-
modell in geeigneter Weise gemeinsam vorzubereiten. Ebenso sind die räumlichen, medialen
und sonstigen qualitätswirksamen Faktoren der Seminarvorbereitung und -durchführung konk-
ret zu beschreiben.

3. Qualitätssicherung und Fortentwicklung der Ausbildung


Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit wird regelmäßig auf Aktualität, Richtigkeit,
Zweckerfüllung (Präventionsziel, Kundenbedarf) und Zielerreichung (Richt-, Grob -und Feinziele

Seite 67 von 160


des Konzepts) überprüft und weiter entwickelt. Es gelten dieselben Vorgaben und Verantwort-
lichkeiten wie für die Umsetzung des Ausbildungsmodells Sie unterliegt damit einem ständigen
Verbesserungsprozess, wie ihn das Qualitätsrahmenmodell vorsieht.

Seite 68 von 160


Quellen
Arnold, Rolf/Petzold Henning: Bausteine zur Erwachsenenbildung, Schneider-Verlag, Hohen-
gehren 2008.
Barz, Heiner: Innovation in der Weiterbildung, Ziel-Verlag, Augsburg 2006.
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Schreiben des BMA an die Träger der gesetzlichen
Unfallversicherung vom 29. Dezember 1997 – II b 7 – 36042-5.
Deutsche gesetzliche Unfallversicherung: Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit,
DGUV Report 1/2010.
Deutsche gesetzliche Unfallversicherung: Die Fachkraft für Arbeitssicherheit, Zeitgemäßer Ar-
beitsschutz, Präventionsverständnis, Anforderungsprofil, Ausbildung, Ausgabe 2001.
Erpenbec,John: „Kompetenzen erkennen, bilanzieren und entwickeln,“ in: AMS Report 66, Eg-
ger-Sturm 2009.
Gnahs, Dieter: Kompetenzen - Erwerb, Erfassung, Instrumente, Bertelsmann Verlag, Bielefeld
2010.

Ders.: Grundlagen der Erwachsenendidaktik, Skript und Powerpoint-Vortrag.


Klieme, Eckhard: Was sind Kompetenzen und wie lassen sie sich messen?, in: Pädagogik 2004
Nr. 6, S. 10-13.

Siebert, Horst: Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung, Ziel-Verlag, Augsburg 2009.


Beirat Didaktik des DGUV-Ausschusses Aus- und Weiterbildung: Thesen zur didaktischen Aus-
richtung, Stand: 02. 2010 S. 7.
Weinert; Franz E.: Vergleichende Leistungsmessung in Schulen – eine umstrittene Selbstver-
ständlichkeit, in: F.E. Weinert (Hrsg.): Leistungsmessung in Schulen, Belz Verlag, Weinheim
und Basel 2002.

Seite 69 von 160


Anlage 1

Leitlinien für die Gesamtausbildung

Diese Leitlinien sind die Grundlage für die Weiterentwicklung der Ausbildung der Fachkräfte für
Arbeitssicherheit.

Leitlinie 1
Die im Fachaufsichtsschreiben vom 29. Dezember 1997 vorgegebenen Grundsätze des
BMA für die Ausbildung zur Erlangung der sicherheitstechnischen Fachkunde nach ASiG
gelten weiter.

Entsprechend dem Fachaufsichtsschreiben vom 29. Dezember 1997 findet die Ausbildung zur
Fachkraft für Arbeitssicherheit unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kompetenzprofile
der Teilnehmer in drei aufeinander aufbauenden Ausbildungsstufen sowie einem begleitenden
Praktikum statt. Als Qualifikationsnachweis werden Lernerfolgskontrollen durchgeführt, die nach
bundeseinheitlichen Kriterien erarbeitet wurden.

Die Ausbildungsstufen gliedern sich in eine Grundausbildung (Ausbildungsstufe I) und eine ver-
tiefende Ausbildung (Ausbildungsstufe II), die auf Vorgaben der BAuA und der DGUV basieren,
sowie eine bereichsbezogene Ausbildung (Ausbildungsstufe III), die auf der Grundlage von
Rahmenanforderungen der Anlage zum FA-Schreiben (BArbBlatt 3/1998, S. 71/72) durch die
zuständigen UVT gestaltet wird. Für den Bereich des öffentlichen Dienstes wird die Ausbildung
der Stufe III durch die DGUV in Zusammenarbeit mit den Unfallversicherungsträgern der öffent-
lichen Hand gestaltet.

Die Gesamtausbildung soll innerhalb eines Zeitraumes von höchstens 3 Jahren abgeschlossen
werden, dabei soll die betriebliche Abwesenheitszeit für die Ausbildungsstufe I bis III grundsätz-
lich 6 Wochen nicht übersteigen. Für das Praktikum ist ein Rahmen von grundsätzlich 8 Wo-
chen vorgesehen.

Eine bereichsbezogene Fortbildung nach einem von den obersten Arbeitsschutzbehörden der
Länder und der UVT vereinbarten Verfahren sichert bei einem Branchenwechsel den Erwerb
der erforderlichen Kenntnisse. Auch überbetrieblich tätige Fachkräfte müssen über die erforder-
lichen Branchenkenntnisse verfügen. Näheres Regelt die Unfallverhütungsvorschrift „Betriebs-
ärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ (DGUV-Vorschrift 2) des jeweiligen Unfallversiche-
rungsträgers.

Seite 70 von 160


Leitlinie 2
Basis sind die optimierten und fortgeschriebenen Inhalte des Referenzmodells von
HVBG und BAuA (gleichwertig für BUK) zur Umsetzung des Fachaufsichtsschreibens.

Nach dem Referenzmodell wird den Teilnehmern in der Ausbildungsstufe I (Grundausbildung)


Grund- und Handlungswissen für die Aufgabenfelder der Fachkraft für Arbeitssicherheit vermit-
telt. Im Mittelpunkt steht dabei das Grundlagenwissen über arbeitsbedingte Belastungen und
Gefährdungen, über die Gestaltung sicherer und gesundheitsgerechter Arbeitssysteme, über
die Rolle und das Aufgabenspektrum der Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie Basiswissen zur
Organisation des Arbeitsschutzes.

In der Ausbildungsstufe II (vertiefende Ausbildung) werden diese Kenntnisse auf komplexe Auf-
gaben und Fallbeispiele angewandt und praxisorientiert vertieft. In der Ausbildungsstufe III (be-
reichsbezogene Ausbildung) wird aufbauend auf die Stufen I und II die für die Anwendung in
den Branchen erforderliche Fachkenntnis vermittelt. Das Referenzmodell erfordert eine Verzah-
nung von Präsenz- und Selbstlernphasen in den Ausbildungsstufen I und II.

Ausgangspunkte der Weiterentwicklung der Ausbildung sind:


1. Die im Rahmen der Qualitätssicherung kontinuierlich fortgeschriebenen Inhalte der je-
weiligen Ausbildungssysteme durch den AK Sifa-Optimierung (gewerblich) und den Bei-
rat Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit (öffentlich).
2. Die Erkenntnisse aus der vorgeschalteten Analysephase des Projektes Weiterentwick-
lung der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Bereits bei der Qualitätssicherung zeichnete sich eine inhaltliche Überfrachtung der Ausbildung
ab. Dies hat sich in der Analysephase bestätigt. Weiterhin zeigten sich wachsende Anforderun-
gen an Aufgabe und Rolle der Fachkraft (siehe Anforderungsprofil, Anlage 3).Beide Aspekte
machen, aufbauend auf dem Status Quo der bisherigen Ausbildung, insbesondere eine grund-
legende didaktische Neuausrichtung ( vgl. Leitlinie 4) erforderlich.

Seite 71 von 160


Leitlinie 3
Die Ausbildung hat das Ziel, die Fachkräfte für Arbeitssicherheit zu befähigen, ihre Auf-
gaben entsprechend dem weiterentwickelten Anforderungsprofil wahrnehmen zu kön-
nen.

Veränderungen der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen


für die Betriebe sowie Konsequenzen aus den Entwicklungen zur Erwachsenendidaktik wird mit
dem fortgeschriebenen Anforderungsprofil Rechnung getragen.

Zu den vielfältigen neuen Anforderungen zählen beispielsweise Wandlungs- und Verände-


rungsprozesse in Folge
- von anstehenden Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Rückgang körperlicher Ar-
beit bei gleichzeitiger Zunahme vorwiegend geistiger Tätigkeit, mit zunehmender Leis-
tungsverdichtung, mit räumlicher und zeitlicher Flexibilisierung der Arbeit, mit Verände-
rungen in der Alterstruktur der Beschäftigten sowie mit neuen Informations- und Kom-
munikationstechnologien,
- dem Fehlen detaillierter Vorschriften und Normen bei vielen Problemkreisen,
- der wachsenden Bedeutung von Maßnahmen zum Erhalt der individuellen gesundheitli-
chen Ressourcen im Zusammenhang mit der Arbeit,
- des verstärkten Fokus auf die Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in die
betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation.

Hohe Bedeutung kommt dabei neben der Bildung interner und externer Netzwerke auch der
Beachtung wirtschaftlicher Gesichtspunkte sowohl bei der Argumentation für den betrieblichen
Nutzen als auch bei der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen sowie der Dokumentation der
Wirksamkeit der Tätigkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit zu.

Maßgeblich für die Aufgabenerfüllung der Fachkraft für Arbeitssicherheit ist nach dem Anforde-
rungsprofil die Entwicklung von Handlungskompetenz, um bereichsbezogen als Management-
beauftragter ohne Weisungsbefugnis und Generalist in allen Fragen der Sicherheit und des Ge-
sundheitsschutzes bei der Arbeit je nach Ausgangsqualifikation (d. h. insbesondere beruflicher
Qualifikation und Berufserfahrung nach ASiG und DGUV Vorschrift 2) handeln zu können. Des
weiteren soll die Fachkraft für Arbeitssicherheit über die Kompetenz zum selbstorganisierten
Lernen verfügen.

Seite 72 von 160


Leitlinie 4
Grundlagen des erwachsenengerechten didaktischen Konzepts sind:
 Arbeitsweltbezogene Vorgehensweise
 Kompetenzorientierung
 Aktiver, durch den Lerner selbstgesteuerter Prozess des Lernens

Das didaktische Konzept wird wie bisher mit einem Blended Learning System3 umge-
setzt.

Die Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitsicherheit orientiert sich an den didaktischen Leitlinien,
die aktuellen Erkenntnissen der Erwachsenendidaktik gerecht werden. Danach ist für die Quali-
fikation einer Fachkraft für Arbeitssicherheit entscheidend, was sie am Ende der Ausbildung
hinsichtlich ihrer Handlungskompetenz tatsächlich kann (Outcome-Ansatz). Es müssen Fähig-
keiten und Fertigkeiten erworben werden, die die Fachkraft für Arbeitssicherheit in die Lage
versetzen, die sich stets ändernden und immer komplexer werdenden Aufgaben des betriebli-
chen Arbeitsschutzes wahrnehmen und Probleme lösen zu können.

Für die Qualifizierung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit ist die Orientierung an den Bedürf-
nissen der Arbeitswelt sowie an deren Wertschöpfungsprozessen von grundlegender Bedeu-
tung. Dazu gehört, dass sich die Ausbildung an dem bei den angehenden Fachkräften voraus-
setzbaren Kompetenzprofilen orientiert. Sie muss konsequent darauf ausgerichtet sein, im Er-
gebnis einer Fachkraft für Arbeitssicherheit zu ermöglichen, ihre Kompetenzen zu entwickeln,
um ihre Rolle als Berater und Unterstützer des Unternehmens auch zukünftig wirksam ausfüllen
zu können. Dazu muss sie insbesondere in der Lage sein, sowohl interne und externe Netzwer-
ke zu nutzen, als auch sich selbstverantwortlich und selbstorganisiert weiter zu qualifizieren.
Dies umfasst auch den Aspekt des lebenslangen Lernens.

Zentraler Ansatz ist die kompetenzorientierte Ausrichtung der Ausbildung, d.h. aufbauend auf
die berufliche Qualifikation und Berufserfahrung die Fähigkeit zu schaffen, komplexe Probleme
in der Praxis kreativ, selbstorganisiert und erfolgreich zu tun. Hier handelt es sich um eine Fort-
entwicklung von der eher lernzielorientierten Ausbildung hin zu einem aktiven, von dem Lerner
selbstgesteuerten Prozess des Lernens. Dies setzt zweierlei voraus
1. eine regelmäßige Selbsteinschätzung hinsichtlich des bereits Erreichten.
2. die Dozenten unterstützen unter Nutzung der Möglichkeiten des blended Learnings als
praxiserfahrene Lernberater und -begleiter die angehenden Fachkräfte, die benötigten
Kompetenzen so eigenverantwortlich wie möglich zu entwickeln und damit ihren Ausbil-
dungserfolg zu erhöhen.

3
Als Blended Learning System wird die Kombination vom selbstgesteuerten Lernen und Präsenzlernen
bezeichnet.

Seite 73 von 160


Der kompetenzorientierte Ansatz ist auch Grundlage für den von der europäischen Kommission
vorgeschlagenen europäischen Qualifikationsrahmens (EQR), der durch den Deutschen Quali-
fikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) national umgesetzt werden soll. Für diese Ent-
wicklungen muss die Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit offen sein.

Seite 74 von 160


Leitlinie 5
In Lernerfolgskontrollen werden die Kompetenzen überprüft, die für ein erfolgreiches
Handeln im Betrieb erforderlich sind.
Organisation und Durchführung der Lernerfolgskontrollen erfolgt nach bundeseinheitli-
chen Qualitätsstandards. Die Bewertung basiert auf bundeseinheitlichen Kriterien.

Die Dokumentation des Kompetenzerwerbs durch Lernerfolgskontrollen ist sowohl für den Ler-
nenden als auch für den Dozenten (Lernberater, -begleiter) von zentraler Bedeutung. Sie er-
möglichen eine bedarfsgerechte Nachsteuerung.

Die Durchführung von Lernerfolgskontrollen nach bundeseinheitlichen Qualitätsstandards, ein-


schließlich bundseinheitlicher Bewertungskriterien, ist Maßstab für die Wirksamkeit der Ausbil-
dungsmaßnahmen und trägt gleichzeitig zu ihrer Qualitätssicherung bei.

Gegenstand der Lernerfolgskontrollen ist neben der Feststellung, ob das Wissen und die Fer-
tigkeiten in ausreichendem Maße vorhanden sind, insbesondere der Nachweis, ob der Teil-
nehmer entsprechend seiner Ausgangsqualifikation und dem Stand seiner Ausbildung zur
Fachkraft für Arbeitssicherheit im Unternehmen rollen- und anforderungsgerecht sowie erfolg-
reich handeln kann.

Seite 75 von 160


Leitlinie 6
Die Ausbildung unterliegt einer kontinuierlichen Qualitätssicherung auf der Grundlage
des Qualitätsrahmenmodells für die Präventionsdienstleistung Qualifizierung.

Im Qualitätsrahmenmodell für die Qualifizierungsarbeit ist das gemeinsame Qualitätsverständ-


nis aller gesetzlichen Unfallversicherungsträger abgebildet. Es umfasst neben dem gemeinsa-
men Qualitätsverständnis auch Qualitätsstandards für ihr pädagogisches und organisatorisches
Handeln bei diesem Präventionsangebot.

Die Qualitätssicherung betrifft insbesondere die Entwicklung und die kontinuierliche Verbesse-
rung/Aktualisierung sowie die Durchführung der Ausbildung.

Zur Qualitätssicherung werden Methoden des Qualitätsmanagements angewendet.

Die Qualifizierungsziele, die im Rahmen des Erwerbs der Fachkunde erreicht werden müssen,
und die Qualitätsstandards sind verbindlich.

Seite 76 von 160


Anlage 2

Didaktische Leitlinien
für die zukünftige Qualifizierung
von
Fachkräften für Arbeitssicherheit

Ausschuss Aus- und Weiterbildung


Beirat Didaktik

Albers, Karin - VBG - Leiterin des Beirats Didaktik


Hundeloh Dr., Heinz - UK Nordrhein-Westfalen - stellvertretender Leiter des Beirats Didaktik
Bürkert, Ulrich - BG Rohstoffe und chemische Industrie
Eisenhauer, Thomas - BG Nahrungsmittel und Gaststätten
Fontaine, Elke - UK Nord Schleswig-Holstein Hamburg
Fuhrmann, Hans-Jochem - BG der Bauwirtschaft
Göbel, Reinhard Maschinenbau- und Metall - BG, Hütten- und Walzwerk BG
Hildebrandt-Dommel Dr., Bärbel - BG Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
Honrath, Beate - BG Handel und Warendistribution
Jäckel, Ina - UK Post und Telekom
Richters, Sabine - DGUV
Schreiber-Costa, Sabine - BG Rohstoffe und chemische Industrie
Seite 77 von 160
Ungerer, Pia - UK Hessen
Zipperer, Reinhard - Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV

Seite 78 von 160


Vorbemerkung

Die didaktischen Leitlinien zur Weiterentwicklung der Qualifizierung der Fachkräfte für Arbeit-
sicherheit basieren auf einer Analyse des gegenwärtigen wissenschaftlichen Dis-
kussionsstandes, wie Lernen in der Erwachsenenbildung zukunftsfähig und nachhaltig ge-
staltet werden kann. Zwei Aspekte spielen dabei eine besondere Rolle. Zum einen gewinnt
die Entwicklung der Fähigkeit, komplexe Probleme in der Praxis kreativ und selbstorganisiert
lösen zu können als Qualifizierungsziel (sog. Kompetenzansatz) zunehmend an Bedeutung,
während die isolierte Wissens- und Fähigkeitsvermittlung weniger wichtig wird. Zum anderen
ist heute in der Didaktik anerkannt, dass im Rahmen von Qualifizierung die Unterstützung ei-
nes selbstverantwortlichen Lernens zur Weiterentwicklung der Kompetenzen im Mittelpunkt
stehen sollte.
Zentraler Ansatz der didaktischen Leitlinien ist die Kompetenzorientierung. Die bisherige
Lehrpraxis wird fortentwickelt hin zu einem verstärkt aktiven, selbstgesteuerten Prozess des
Lernens. Hiermit einher geht eine Rollenerweiterung der Dozenten. Sie sollen weniger Vor-
tragende sondern mehr Berater für ein eigenaktives, selbstgesteuertes Lernen sein und dies
durch die Auswahl der Methoden und Medien unterstützen. Dieser Ansatz ergänzt die Me-
thoden der bisherigen Lehrpraxis, wie z.B. Vortrag mit Rückfragen und Diskussion, so dass
die Anschlussfähigkeit zur bisherigen Ausbildung gewahrt ist.
Der Kompetenzansatz entspricht den sich zur Zeit abzeichnenden europäischen Entwicklun-
gen zur Vergleichbarkeit nationaler Bildungsabschlüsse, insbesondere dem von der europäi-
schen Kommission vorgeschlagenen europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) und der
derzeitigen Umsetzung in einem Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen
(DQR).
Die didaktischen Leitlinien müssen im Hinblick auf die zu erwerbenden (Teil-) Kompetenzen
konkretisiert werden, um auf dieser Basis Lernziele und Lernarrangements zu konzipieren.

Mai 2010

Seite 80 von 160


1. Leitlinie:
Kompetenzorientierung bei der Gestaltung der Qualifizierung

Ziel der Qualifizierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit ist die Erweiterung und Aneignung
der Kompetenzen, die für die Erfüllung des Rollen- und Anforderungsprofils erforderlich
sind. Lernziele sind demzufolge lediglich Zwischenschritte auf dem Weg des Kompetenzauf-
baus und müssen für die einzelnen Präsenz- und Selbstlernphasen ausgehend von den vor-
handenen und den erforderlichen Kompetenzen abgeleitet werden. Im Fokus steht also immer
die Frage: Hat der Teilnehmer die erforderlichen fachlichen, methodischen, sozialen und per-
sonalen Kompetenzen, um als Fachkraft im Unternehmen rollen- und anforderungsgerecht
handeln zu können (Performanz) und dies auch erfolgreich zu tun (outcome). Entschei-
dend hierfür ist, zu Beginn der Qualifizierung das vorhandene Kompetenzniveau zu be-
rücksichtigen und den Teilnehmer von Anfang an aktiv und reflexiv an seiner Kompetenzer-
weiterung verantwortlich teilhaben zu lassen, z.B. durch Förderung und Nutzung realisti-
scher Einschätzungen des jeweiligen Kompetenzniveaus sowie der Selbstlernkompetenz.
Daraus kann am Ende der Ausbildung auch der Bedarf an Fortbildungen abgeleitet werden.
Die Aneignung der vier Kernkompetenzen erfolgt in Kombinationen unterschiedlicher Aneig-
nungsformen (Lernarrangements) wie z.B. Präsenzlernen, Projektlernen, Selbstlernen, kol-
laboratives Lernen4. Sie sind praxis- und lebensweltorientiert und vernetzen inhaltlich-
fachliches, methodisch-strategisches, sozial-kommunikatives und emotional-affektives Ler-
nen miteinander. Damit wird erreicht, dass die Fachkraft die erforderliche Generalistenrolle
z.B. bei der Beratung zum Gestalten von Arbeitssystemen und von Arbeitsschutzmanage-
mentsystemen gegenwärtig und zukünftig erfüllen kann.
Am Beispiel der Gefährdungsbeurteilung bedeutet vernetzter Kompetenzerwerb:

 Der Teilnehmer erweitert seine Fachkompetenz, Wissen über unternehmens- bzw. bran-
chenspezifische Gefährdungen und Belastungen zu generieren.
 Der Teilnehmer erweitert seine Methodenkompetenz, eine Gefährdungsbeurteilung
vorbereiten
und durchführen zu können sowie situationsgerechte Problemlösungsstrategien zu ent-
wickeln.
 Der Teilnehmer erweitert seine Sozialkompetenz, bei der Durchführung der Gefähr-
dungsbeurteilung und der Umsetzung von Lösungsstrategien mit Partnern zu kooperie-
ren.
 Der Teilnehmer erweitert seine Personalkompetenz, sich und andere Partner zum enga-
gierten Tätigsein zu motivieren und die anstehenden Aufgaben sorgfältig und verantwor-
tungsvoll zu erledigen.

Die Aneignung einer solchen Handlungskompetenz für die Durchführung einer Gefähr-
dungsbeurteilung muss integriert erfolgen, z.B. in Projektarbeit.
Für die Ausrichtung der Dozententätigkeit bedeutet dies, dass nicht die Vermittlung fachli-
chen Wissens und fachlicher Fertigkeiten im Mittelpunkt der Qualifizierung steht, sondern die
zielgerichtete Unterstützung des vernetzten Kompetenzerwerbs innerhalb unterschiedlicher Ler-
narrangements. Die Gesamtkonzeption der Qualifizierung geht nicht von der Frage aus: Was
könnte man alles machen? Sondern: Für welches Anforderungsprofil ist zu lernen? Durch

4
Beim kollaborativen Lernen werden Arbeitsaufgaben permanent zusammen in einer Gruppe bearbeitet.
Seite 81 von 160
welche Inhalte, Methoden, Medien, Anregungen, Reflexionen kann der Dozent den Lernen-
den bei der Aneignung der erforderlichen Kompetenzen unterstützen? Um die damit verbun-
denen Anforderungen erfüllen zu können, muss der Dozent verstärkt die Rolle des Lernbera-
ters bzw. Lernprozessbegleiters wahrnehmen.

Seite 82 von 160


2. Leitlinie:
Selbstverantwortliches Lernen durch Orientierung an der Ermöglichungsdidaktik

Didaktik vermittelt zwischen der Sachlogik des Inhalts und der Soziologik und Psychologik
des Lernenden. Zur Sachlogik gehört in der Qualifizierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit
die Kenntnis der Strukturen und Zusammenhänge der Thematik „Sicherheit und Gesundheits-
schutz“ in Bezug auf das Tätigwerden als Fachkraft, zur Soziologik das Eingebundensein der
Fachkräfte in den sozialen Kontext insbesondere der Unternehmen in Hinblick auf das Anfor-
derungsprofil, zur Psychologik die Berücksichtigung der Persönlichkeit, insbesondere der
Lern- und Motivationsstrukturen der angehenden Fachkräfte..
Die Ermöglichungsdidaktik fördert die Kompetenzerweiterung. Sie ermöglicht es den angehen-
den Fachkräften ausgehend von den vorhandenen Kompetenzen und unterstützt durch die
Dozenten als Lernberater die benötigten Kompetenzen so selbstverantwortlich wie möglich
zu entwickeln. Sie fordert ein Lernen, das vier Aktivitäten umfasst:
Die Teilnehmer eignen sich aktiv neue Kompetenzen an, sie erleben ihren Kompetenzzuwachs
schon während der Qualifizierung, sie wenden die neuen Kompetenzen beispielhaft in
Übungssituationen an und reflektieren deren Tragfähigkeit für die Praxis sowie ihren eigenen
Beitrag dazu.
Für das erfolgreiche Tätigwerden als Fachkraft ist insbesondere auch eine positive Haltung
zum Arbeitsschutz erforderlich. Sie ist nicht Ergebnis spezifischer fachlicher Kompetenzen,
sondern Ausdruck einer Persönlichkeit, die in der Lage ist, eigenes Verhalten zu reflektieren
und motiviert ist, im Arbeitsschutz kooperativ und wirkungsorientiert zu handeln. Dies muss
während der gesamten Qualifizierung an passenden Beispielen integriert thematisiert und
geübt werden. Kooperatives bzw. kollaboratives Lernen5 sowie Lernen mit Möglichkeiten zu
Perspektivwechseln und Reflexionsphasen spielen daher in der Qualifizierung eine große
Rolle. Haltungen zum und grundsätzliche Verständnisse von Arbeitsschutz (Modelle) sind des-
halb integrative Lernbestandteile, die fließend und wiederholt während der gesamten Qualifi-
zierung thematisiert und an praktisch bedeutsamen Beispielen erworben werden.

Insgesamt orientiert sich die Qualifizierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit an folgenden
didaktischen Grundprinzipien:
 Kompetenzorientierung:

- Lernen ist Kompetenzwicklung.

- Für die Kompetenzerweiterung und den Lernprozess insgesamt ist die Selbstverantwor-
tung der Teilnehmer wesentlich.
 Zielgruppen- und Teilnehmerorientierung:
- Das Soll-Kompetenzprofil knüpft an das Anforderungs- und Rollenprofil sowie an Bil-
dungsvoraussetzungen und den vorhandenen Kompetenzen der Zielgruppe an.
- Die Gestaltung der einzelnen Qualifizierungssequenzen erfolgt praxis- und anwen-
dungsorientiert und orientiert sich an den Interessen der Teilnehmer.

5
Kooperatives Lernen: Arbeitsaufgaben werden individuell bearbeitet und zum Schluss zusammengefügt; Kollabo-
ratives Lernen: Arbeitsaufgaben werden permanent zusammen in einer Gruppe bearbeitet.
Seite 83 von 160
 Erfahrungs- und Deutungsmusterorientierung:
- Die Qualifizierung knüpft an bekannten, vertrauten Deutungsmustern (Kontingenz)an
und entwickelt alternative, erweiterte Deutungsmuster.
 Inhaltsorientierung:
- Lernen erfolgt an praktisch relevanten, exemplarisch bedeutsamen Beispielen, die
anschaulich dargestellt werden.
- Inhalte werden aktiv von den Teilnehmern „erschlossen“.
- Inhalte werden unter dem Aspekt der Personal- und Organisationsentwicklung be-
handelt.
 SPASS-Orientierung:
- Das Lernen erfolgt selbstgesteuert, produktiv-konstruierend, aktivierend, situations-
bezogen, sozial.
 Sinnen-Orientierung:
- Im „vierdimensionalen“ Lernen (Aneignen, erleben, umsetzen, reflektieren) werden alle
Sinne angesprochen; Emotionalität und Humor sind wesentliche Voraussetzungen für
eine Integration von Neuem in das Kompetenzgefüge.
 Praxis- und Handlungsorientierung:
- Die gemeinsame Arbeit an der Kompetenzerweiterung erfolgt so praxis- und bran-
chennah wie möglich, sie sieht Anwendungs- und Umsetzungsübungen vor und
thematisiert bereits den Transfer in den Betrieb.
- Während der gesamten Qualifizierung besteht ein erkennbarer Sinnbezug für das
Handeln, die Rolle und Aufgaben der Fachkraft.

3. Leitlinie:
Arbeitsweltbezogene Vorgehensweise als Struktur bestimmendes Merkmal

Damit sich die angehende Fachkraft für Arbeitssicherheit die erforderliche Handlungskompetenz,
d.h. Fachkompetenz, Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Personalkompetenz sowie
deren Teilkompetenzen aneignen kann, ist eine arbeitsweltbezogene und integrative Vorge-
hensweise im Rahmen der Qualifizierung erforderlich. Die Orientierung der gesamten Qualifizie-
rungsstruktur an den Erfordernissen der Arbeitswelt sowie an deren Wertschöpfungsprozess
ist ein Qualität bestimmendes Merkmal.
Insbesondere müssen in der Qualifizierung
- das Rollen- und Aufgabenverständnis (Haltung zu...)
- - die Inhalte der Tätigkeit; also das Gesamtspektrum der Gefährdungsfaktoren und
gesundheitsfördernden Faktoren sowie der Aufgabenfelder Arbeitssystemgestaltung
und Management
- die systematische (Handlungsschritte) und trotzdem problemlösungsorientierte
Vorgehensweise einer Fachkraft
- die Selbstreflexion und das Lernen lernen
berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass sich der Ablauf der Qualifizierung an der Bewälti-
gung der komplexen Aufgaben und Probleme in der Praxis orientiert und nicht an künstlich
isolierten Wissensgebieten zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz .
Seite 84 von 160
Das Handeln der Fachkraft im Wertschöpfungsprozess dient also als „roter Faden“ der didakti-
schen Aufbereitung. Inhalte einzelner Fachgebiete und / oder Kompetenzbereiche werden
dort vertieft, wo sie verstärkt benötigt werden. Die Vertiefung erfolgt jedoch nur soweit, wie sie
für die Rolle einer Fachkraft als Generalist erforderlich sind. Dementsprechend sind bei einzel-
nen Fachgebieten zum Teil erhebliche Abstriche zu machen – auch um die Qualifizierung
nicht zu überfrachten.
Da das Erreichen der Handlungskompetenz wesentlich von der Selbstverantwortung des
Lerners abhängt, muss der „rote Faden“ während der Qualifizierung immer wieder mit den
angehenden Fachkräften reflektiert werden. Die Struktur muss dabei so offen sein, dass der
Qualifizierungsablauf auch das Ergebnis der Selbstreflexion zum jeweils bereits erreichten
Kompetenzprofil im Verhältnis zu dem für das Handeln der Fachkraft erforderlichen Kompe-
tenzprofil berücksichtigt. Darüber hinaus ist es aber auch zwingend erforderlich, dass der
Kompetenzerwerb durch Lernerfolgskontrollen dokumentiert wird .
Zu einer realistischen Selbsteinschätzung des vorhandenen und möglichen Kompetenzprofils
gehört auch, dass sich die angehende Fachkraft vor der Qualifizierung mit dem künftigen Anfor-
derungsprofil auseinandersetzt und sich gemeinsam mit ihrem Arbeitgeber bewusst für die Qualifi-
kationsmaßnahme entscheidet.
Die Qualifizierung selbst beginnt mit einem Ist-Soll Abgleich des vorhandenen mit dem ange-
strebten Kompetenzprofil. Ein solcher Abgleich ermöglicht eine passgenauere Ausbildung .
Betriebsspezifische Belange können den Erwerb eines modifizierten Kompetenzprofils erfor-
derlich machen (Rolle als Spezialist). Die Qualifizierung kann diese Erfordernis nicht in vollem
Umfang gewährleisten. Da sie aber den Teilnehmer befähigt, das erworbene Kompetenzpro-
fil zu reflektieren und die noch fehlenden Kompetenzen am Ende der Qualifizierung zu identifi-
zieren, und ihn außerdem befähigt, selbstverantwortlich und selbstorganisiert zu lernen,
schafft sie die wesentlichen Grundlagen hierfür.

Seite 85 von 160


4. Leitlinie:

Auswahl vom Methoden und Medien, die das aktive, durch den Lerner selbstgesteu-
erte Lernen unterstützen

Die Orientierung der Qualifizierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit an der Ermögli-
chungsdidaktik und an der Problem- und Kompetenzorientierung hat auch eine veränderte
Lehr-Lernkultur zur Folge, die sich vor allem durch ein stärker selbstgesteuertes und selbst-
verantwortliches Lernen der Teilnehmenden auszeichnet. Wesentlich ist, dass die Fachkräfte
in die Lage versetzt werden, auch nach der Qualifizierung eigenständig für die sich ständig
wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt weiter zu lernen. Nach den Ergebnissen der
Lernforschung eignet sich der Lernende die Inhalte verstärkt selber aktiv an, d.h. er
– wählt bewusst und unbewusst aus dem Dargebotenen aus,
– baut an die vorhandenen Kompetenzen an, die bei jedem unterschiedlich
sind,
– gewichtet das Neue nach den Situationen, aus denen er kommt und in die er
wieder zurückgekehrt.

Damit verändert sich auch die Rolle der Dozenten: Sie müssen zunehmend Lernberater, -
begleiter und -arrangeure sein. „Lehren“ vor diesem Hintergrund heißt vor allem, anregende
Lernbedingungen und Lernräume zu schaffen. Somit gewinnt auch die Auswahl der Metho-
den und Medien einen zentralen Stellenwert für die Qualität der Lernergebnisse (learning
Outcomes). Zentral deshalb, weil sowohl die konsequente methodische Verzahnung von
Aneignungs-, Erlebens-, Anwendungs- und Reflexionsphasen als auch die Auswahl lerner-
und situationsgeeigneter Methoden und Medien die gewünschte Kompetenzaneignung we-
sentlich unterstützen.

Geeignet für ein selbstverantwortliches Lernen sind vor allem solche Methoden, die selbst-
gesteuerte, produktiv-konstruierende, aktivierende, situationsbezogene und soziale Lernpro-
zesse ermöglichen, die ein Lernen mit allen Sinnen unterstützen und somit das lebenslange
Lernen fördern. Einfache und komplexe Methoden, die diese Kriterien erfüllen, sind z.B.:
Projektarbeit, Planspiel, Problem basiertes Lernen, Rollenspiel, Fallmethode, Erkundung,
Gruppenarbeit, Mind Mapping, szenische Darstellungen, Meta-Plan oder Stationslernen,
das Lernen mit Leittexten und Selbstlernmedien. Auch tradierte dozentenorientierte Metho-
den, wie z.B. der Lehrvortrag, können Bestandteil einer Qualifizierung sein – vor allem dann,
wenn die Lerner die Gelegenheit erhalten, den betreffenden Dozenteninput mehrstufig und
eigenständig zu erschließen und methodisch variantenreich zu verarbeiten (z.B. beim Lehr-
vortrag durch Mitschreiben – Klärungsrunde in Kleingruppen - evtl. Nachschlagen in Fachbü-
chern - Strukturmuster/„Spickzettel“ entwickeln- Probevorträge in Tandems halten - Vorträge
nach Los im Plenum präsentieren - Frage-Antwort-Kärtchen zum Lehrvortrag entwickeln).

Vor allem „Blended Learning“ - Arrangements sind hervorragende Möglichkeiten, die Qua-
lifizierung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit lerner- und kompetenzorientiert zu gestalten.
„Blended-Learning“ kombiniert die jeweiligen Vorteile des selbstverantwortlichen Lernens in
Präsenz und über E-learning.
Das E-learning bietet ein großes Potential im Rahmen einer lernerzentrierten Qualifizie-
rung, da es orts- und zeitunabhängig selbstorganisiertes und selbstverantwortliches Lernen
ermöglicht sowie insbesondere die Kommunikations- und Medienkompetenz stärken kann. Al-
lerdings muss beim Einsatz internetgestützter Methoden im Sinne einer neuen Lernkultur
darauf geachtet werden, dass auch hier der projektorientierte und explorative Ansatz im Sin-
ne des vierdimensionalen Lernens vorherrscht. Dabei sollte das elektronische Lernen so
konzipiert sein, dass es das soziale und kollaborative Lernen mit z.B. selbst gewählten
Lernpartnern fördert (z.B. mit Foren, virtuellen Seminarräumen, Wikis und weiteren Anwen-
dungen des web 2.0). Ein E-Moderator unterstützt den Lernprozess der Gruppe und der
Seite 86 von 160
einzelnen Teilnehmer aktiv. Dessen Tätigkeit würde sich von der zurzeit angebotenen tutoriel-
len Betreuung insofern unterscheiden als es keine individuelle Lernbetreuung wäre, sondern
der Moderator via Internet den Lernprozess der gesamten Gruppe aktiv moderiert und ggf.
Hilfen bei der Selbststeuerungsfähigkeit und Selbstreflexion anbietet. Dabei kommt es da-
rauf an, dies so zu organisieren, dass den Teilnehmern ausreichender Freiraum bei der zeit-
lichen und örtlichen Gestaltung bleibt. Gleichzeitig muss natürlich ein technischer Support
ebenfalls gewährleistet werden.
Die Bearbeitung der E-Anteile und somit die Beteiligung an den E-Learning-Phasen sollte nicht
nur auf die Selbstmotivation der Teilnehmer setzen, sondern sich auch in der Struktur der Quali-
fizierung, der Prüfungsordnung und somit den Lernerfolgskontrollen widerspiegeln. Die Lern-
erfolgskontrollen sollten in der Form auf das Ziel der Kompetenzerweiterung abgestimmt wer-
den und die E-Learning-Phasen ausdrücklich einbeziehen. Dies kann z.B. geschehen, indem
eine bestimmte Anzahl und Güte von Beiträgen in Diskussionsforen oder bestimmte Beiträge in
Wikis oder schriftliche Berichte zu problemorientierten und arbeitsfeldbezogenen Fragestellun-
gen eingefordert werden.
Neben dem Internet sind im Rahmen der .Qualifizierung vor allem solche Medien einzuset-
zen, die ebenfalls das eigenständige Lernen einfordern und das lebenslange Lernen fördern.
Hierzu zählen der Großteil der Informations- und Kommunikationsmedien und somit der Print-
und audiovisuellen Medien. Auch hier gilt es, an die häufig informellen Lerngewohnheiten der
Teilnehmer anzuknüpfen.

Seite 87 von 160


Anlage 3
Aufgabenprofil
der Fachkräfte für Arbeitssicherheit

Aufgabe Beispiele

Unterstützung der Unternehmensführung bei der Beschaffung technischer Ar-


beitsmittel und der Einführung von Arbeitsverfahren und Arbeitsstoffen

Unterstützung der Unternehmensführung bei der Beschaffung technischer Arbeitsmittel

- Analyse des Arbeitssystems und objektorientierte


Gefährdungsermittlung, mögliche Wechselwirkun-
gen zu anderen Teilen des Arbeitssystems prüfen;
geeignete Dokumentation

- Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten z. B. Betroffene, Betriebsarzt und


Behörden, Brandschutz, Abfall-
wirtschaft, Umweltschutz)

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Unterstützung bei der Erstellung eines Lasten- Anforderungsprofil an das techni-


/Pflichtenheftes sche Arbeitsmittel/Normen und
Vorschriftenrecherche

- Informationsbeschaffung: Marktanalyse / Praxiser-


fahrungen /Lösungsalternativen suchen

- Unterstützung bei der Prozessgestaltung der Be-


schaffung

- Unterstützung des Entscheidungsprozesses auch


unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen Verhält-
nisses sowie der Folgekosten

- Unterstützung bei der Abnahme, insbesondere

 Überprüfung der sicherheitstechnischen Eigen-


schaften des gelieferten Arbeitsmittels

 Mitgelieferte Dokumentation

- Ermittlung eventueller neuer, durch das neue tech-


nische Arbeitsmittel hervorgerufener, Gefährdungen

Seite 88 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Einrichtung festgelegter ar- z.B. Lärmbereiche, Bewegungs-


beitsschutzrelevanter Arbeitsbereiche, räume von Maschinen, Ex-Zonen,
Druckentlastungsflächen im tertiä-
ren Ex-Schutz, Behälter und enge
Räume, etc

- Unterstützung bei der Auswahl und Beschaffung zu-


sätzlicher sicherheitstechnischer Arbeitsmittel ein-
schließlich geeigneter PSA

- Unterstützung bei der Ermittlung von Prüffristen

- Beratung beim Finden arbeitsschutzbezogener


Prüfkriterien und Erstellen von Prüfkonzepten

- Überprüfung der Maßnahmen auf Wirksamkeit und


Umsetzung eventueller Erkenntnisse unter dem
Blickwinkel des Arbeitsschutzes

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen und der Erfüllung von Meldepflichten beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Unterstützung der Unternehmensführung vor und bei der Einführung von Arbeitsverfah-
ren

- Analyse des Arbeitssystems und ablauforientierte Hinweis: Anhand von Modellen


Gefährdungsermittlung, mögliche Wechselwirkun- komplexe Arbeitssysteme analy-
gen zu anderen Teilen des Arbeitssystems prüfen, sieren und bewerten (z.B. Unter-
vorhandene Managementsysteme beachten; geeig- stützung bei der Durchführung von
nete Dokumentation systematischen Sicherheitsbe-
trachtungen – PAAG/HAZOP-
Verfahren)

- Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten z. B. Betroffene, Betriebsarzt und


Behörden, Brandschutz, Abfall-
wirtschaft, Umweltschutz

- Informationsbeschaffung: Einschlägige Regelungen z.B. Normen


ermitteln, Praxiserfahrungen einholen

- Bewertung des Analyseergebnisses

Seite 89 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Erstellung eines Anforde-


rungsprofils (Lasten-/Pflichtenheftes)

- Mitwirkung bei der Suche nach Lösungsalternativen

- Unterstützung bei der Prozessgestaltung

- Unterstützung bei der Schaffung geeigneter Organi- Insbesondere: Integration in Ab-


sation und Integration in die Führungstätigkeit lauforganisation und Unterneh-
mensführung, Ressourcenbereit-
stellung, Sicherung der Mitarbei-
terbeteiligung, Informations- und
Kommunikationswege, ständiger
Verbesserungsprozess

- Unterstützung bei der Einbindung in vorhandene


Managementsysteme (Schnittstellen)

- Unterstützung des Entscheidungsprozesses auch


unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen Verhält-
nisses sowie der Folgekosten

- Unterstützung bei der Abnahme, insbesondere

 Überprüfung der Arbeitsschutzaspekte

 Mitgelieferte Verfahrensbeschreibungen

 Unterstützung bei der Einführung

 Unterstützung bei der Arbeitsgestaltung Unterweisungssystem, Verhal-


tensregelungen, Qualifizierungs-
maßnahmen etc.

 Ermittlung eventueller neuer, durch Wechselwirkun-


gen mit dem neuen Arbeitsverfahren hervorgerufe-
ner, Gefährdungen

 Unterstützung bei der Einrichtung festgelegter ar- z.B. Lärmbereiche, Bewegungs-


beitsschutzrelevanter Arbeitsbereiche räume von Maschinen, Ex-Zonen,
Druckentlastungsflächen im tertiä-
ren Ex-Schutz, Behälter und enge
Räume, etc.

Seite 90 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Auswahl und Beschaffung zu-


sätzlicher sicherheitstechnischer Arbeitsmittel ein-
schließlich geeigneter PSA

- Überprüfung der Maßnahmen auf Wirksamkeit und


Umsetzung eventueller Erkenntnisse unter dem
Blickwinkel des Arbeitsschutzes

- Mündliche oder schriftliche Information des Unter-


nehmers

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen und der Erfüllung von Meldepflichten beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Unterstützung der Unternehmensführung bei der Einführung von Arbeitsstoffen

- Analyse des Arbeitssystems und Gefährdungser-


mittlung entsprechend der speziellen Rechtsvor-
schriften, mögliche Wechselwirkungen zu anderen
Teilen des Arbeitssystems prüfen, vorhandene Ma-
nagementsysteme beachten; geeignete Dokumen-
tation

- Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten z. B. Betroffene, Betriebsarzt und


Behörden, Brandschutz, Abfall-
wirtschaft, Umweltschutz

- Informationsbeschaffung: Ermittlung der Eigen- z.B. Sicherheitsdatenblatt Stoffda-


schaften Ermittlung einschlägiger Regelungen, Pra- tenbanken), (Grenzwerte, mögli-
xiserfahrungen einholen che Tätigkeitseinschränkungen

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Ggf. nach Lösungsalternativen suchen: Suche nach


weniger gefährlichen Arbeitsstoff bzw. weniger ge-
fährlichen Verwendungsform

- Unterstützung bei der Prozessgestaltung

- Unterstützung bei der Einführung: Ermittlung even-


tueller mit der Einführung des neuen Stoffes neu
entstandener Gefährdungen; Überprüfung der mit-
gelieferten Dokumentation

Seite 91 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Einbindung in vorhandene


Managementsysteme (Schnittstellen)

- Unterstützung des Entscheidungsprozesses auch


unter Berücksichtigung des Kosten-Nutzen Verhält-
nisses sowie der Folgekosten

- Abstimmung des Auftrages mit Einkäufer ggfls. Abstimmung mit Zulieferfir-


ma

- Unterstützung bei der Erstellung eines Lagerkon-


zeptes

- Unterstützung bei der Einrichtung festgelegter ar-


beitsschutzrelevanter Bereiche

- Unterstützung bei der Auswahl und Beschaffung zu-


sätzlicher Arbeitsschutzmaßnahmen einschließlich
geeigneter PSA und der Festlegung von Hygiene-
maßnahmen und Hautschutzmaßnahmen

- Überprüfung der Maßnahmen auf Wirksamkeit und


Umsetzung eventueller Erkenntnisse

- Unterstützung bei der Dokumentation (z.B. Gefahr-


stoffkataster)

- Mündliche oder schriftliche Information des Unter-


nehmers

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen und der Erfüllung von Meldepflichten beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Unterstützung der Unternehmensführung bei der sicherheitstechnischen Überprü-


fung von Betriebsanlagen und technischen Arbeitsmitteln, insbesondere vor der
Inbetriebnahme und von Arbeitsverfahren vor allem vor ihrer Einführung

Unterstützung der Unternehmensführung bei der sicherheitstechnischen Überprüfung


von Betriebsanlagen und technischen Arbeitsmitteln insbesondere vor der Inbetrieb-
nahme

Seite 92 von 160


Aufgabe Beispiele

- Analyse des Arbeitssystems und objektorientierte


Gefährdungsermittlung, mögliche Wechselwirkun-
gen zu anderen Teilen des Arbeitssystems prüfen;
geeignete Dokumentation

- Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten z. B. Betriebsarzt und Behörden,


Brandschutz, Abfallwirtschaft,
Umweltschutz

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Finden und Festlegen von (Schutz-) Zielen

- Unterstützung beim Finden von arbeitsschutzbezo- Z.B. Anlässe, Zeitpunkte, Interval-


genen Prüfkriterien und der Erstellung von Prüfkon- le, Anforderungen befähigte Per-
zepten sonen etc. (Inhalte von Prüfkon-
zept)

- Sicherheitstechnische Beratung in Planungsgesprä-


che einbringen

- Unterstützung bei der Entwicklung von Lösungsal- auch unter Berücksichtigung von
ternativen und Aussprechen von Empfehlungen wirtschaftlichen Aspekten

- Unterstützung bei der Entwicklung von Schutzkon-


zepten

- Prüfen der Mängelbeseitigung und Hinwirken auf


die Wirksamkeit der realisierten Arbeitsschutzmaß-
nahmen

- Unterstützung bei der Prozessgestaltung

- Arbeitsschutzbezogene Beratung bei der Planung, Die Beratung kann schriftlich und
Ausführung und Instandhaltung von Maschinen, Be- mündlich erfolgen
triebsanlagen und Arbeitsstätten in eigenen Gebäu-
den und Anmietungen.

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen und der Erfüllung von Meldepflichten beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Seite 93 von 160


Aufgabe Beispiele

- Schnittstelle zur Beraten der ggf. von Arbeitsschutz-


Mängeln betroffenen Beschäftigten.

Unterstützung der Unternehmensführung bei der sicherheitstechnischen Überprüfung


von Arbeitsverfahren insbesondere vor ihrer Einführung

- Analyse des Arbeitssystems und ablauforientierte Hinweis: Anhand von Modellen


Gefährdungsermittlung, mögliche Wechselwirkun- komplexe Arbeitssysteme analy-
gen zu anderen Teilen des Arbeitssystems prüfen; sieren und bewerten (z.B. Unter-
geeignete Dokumentation stützung bei der Durchführung von
systematischen Sicherheitsbe-
trachtungen – PAAG/HAZOP-
Verfahren)

- Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten (z. B. Be-


troffene, Betriebsarzt und Behörden, Brandschutz,
Abfallwirtschaft, Umweltschutz)

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Überprüfung der (Schutz-) Ziele

- Unterstützung bei der Optimierung der Arbeits- auch unter Berücksichtigung von
schutzmaßnahmen und bei der Entwicklung von Lö- wirtschaftlichen Aspekten
sungsalternativen und Aussprechen von Empfeh-
lungen

- Prüfen der Mängelbeseitigung und Hinwirken auf


die Wirksamkeit der realisierten Arbeitsschutzmaß-
nahmen.

- Unterstützung bei der Prozessgestaltung

- Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Arbeit- Weiterentwicklung des Standes


schutzes der Technik, der arbeitswissen-
schaftlichen Erkenntnisse

- Mitwirkung in betrieblichen Besprechungen Z.B. Dienst- oder Arbeitsberatun-


gen, Arbeitsschutzausschusssit-
zungen, Teilnahme an Bebespre-
chungen zu Veränderungen des
Arbeitssystems etc.

Seite 94 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Unterstützung der Unternehmensführung beim Erhalt der individuellen gesund-


heitlichen Ressourcen im Zusammenhang mit der Arbeit

- Analyse von Arbeitssystemen zur Ermittlung ar- (in Zusammenarbeit mit dem Be-
beitsplatzbezogener, gesundheitsbelastender Fak- triebsarzt
toren

- Zusammenarbeit mit den Beteiligten insbes. auch mit Personalabtei-


lung

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Festlegung der (Schutz-) Ziele

- Unterstützung bei der Festlegung und Optimierung auch unter Berücksichtigung von
der Arbeitsschutzmaßnahmen und bei der Entwick- wirtschaftlichen Aspekten
lung von Lösungsalternativen und Aussprechen von
Empfehlungen

- Beratung zu Auswirkungen der demographischen in Zusammenarbeit mit dem Be-


Entwicklung im Betrieb, lebensaltersabhängigen ge- triebsarzt
sundheitlichen Belastbarkeiten, Stärken und Ein-
schränkungen

- Beratung zur vorausschauenden ergonomischer Ar- Erhalt der Arbeitsfähigkeit bis ins
beitsplatzgestaltung späte Berufsleben (Personalent-
wicklungskonzepte)

- Unterstützung bei der Wiedereingliederung BEM, Leistungsgewandelter Be-


schäftigter

- Beratungen zur und Mitwirkung bei der betrieblichen Die Beratung kann schriftlich und
Gesundheitsförderung mündlich erfolgen

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen und der Erfüllung von Meldepflichten beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-

Seite 95 von 160


Aufgabe Beispiele
derungen etc.

Beratung der Unternehmensführung zur Optimierung der vorhandenen betriebli-


chen Aufbau- und Ablauforganisation

- Analyse der betrieblichen Aufbau- und Ablauforga-


nisation aus Sicht des AS+GS unter Berücksichti-
gung rechtlicher Vorgaben

- Zusammenarbeit mit den Beteiligten

- Bewertung des Analyseergebnisses

- Unterstützung bei der Ableitung von Maßnahmen z.B. Erstellung von Vorschlägen
zur Organisation

- Beratung beim KVP (auch durch betriebliches Vor-


schlagswesen)

- Beratung in Bezug auf Personalmanagement (Per-


sonalentwicklung)

- Beratung in Bezug auf Fremdfirmenmanagement Die Beratung kann schriftlich und


mündlich erfolgen

- Beratung in Bezug auf Krisen- / Notfallmanagement Die Beratung kann schriftlich und
mündlich erfolgen

- Unterstützung bei der Implementierung eines Ge-


samtkonzepts zur Gefährdungsbeurteilung

- Beratung bei der Einführung eines AMS in die vor-


handene betriebliche Aufbau- und Ablauforgani-
sation

- Mitwirkung in betrieblichen Arbeitsschutzgremien


(insbesondere Arbeitsschutzausschuss)

Seite 96 von 160


Aufgabe Beispiele

- Beratung in Bezug auf Kontakte zu außerbetriebli-


chen Institutionen des Arbeitsschutzes

- Beratung zum Informationsmanagement) Unfälle, Berufskrankheiten, Bei-


naheunfälle, arbeitsbedingte Ge-
sundheitsgefahren
Meldewesen, Auswertung, Be-
richtswesen
Die Beratung kann schriftlich und
mündlich erfolgen

- Unterstützung bei der Dokumentation Dokumentation der eigenen Ar-


beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

5. Beratung der Unternehmensführung zur Organisation und Durchführung der


Beurteilung von Arbeitsbedingungen zur Vorbereitung, Gestaltung und Aufrecht-
erhaltung sicherer, gesundheits- und menschengerechter Arbeitsysteme

Beratung der Unternehmensführung zur Organisation und Durchführung der Beurteilung


von Arbeitsbedingungen zur Vorbereitung sicherer, gesundheits- und menschengerech-
ter Arbeitsysteme

- Analyse der Arbeitssysteme

- Beurteilung der Analyseergebnisse

- Ableitung von Maßnahmen

- Abschätzung des Aufwandes für Maßnahmen

- Aufbereitung der Vorschläge zur Vorstellung

- für den Unternehmer

- Gespräch mit Unternehmer oder schriftlichen Be-


richt abfassen

Seite 97 von 160


Aufgabe Beispiele

- Verfolgung / Kontrolle der Wirksamkeit der Maß-


nahmen

- Analyse und Auswertung des Unfall- und Berufs-


krankheitengesehens

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Beratung der Unternehmensführung zur Organisation und Durchführung der Beurteilung


von Arbeitsbedingungen zur Gestaltung sicherer, gesundheits- und menschengerechter
Arbeitsysteme

- Analyse der Arbeitssysteme

- Beurteilung der Analyseergebnisse

- Ableitung von Maßnahmen

- Abschätzung des Aufwandes für Maßnahmen

- Aufbereitung der Vorschläge zur Vorstellung für den


Unternehmer

- Gespräch mit Unternehmer oder schriftlichen Be-


richt abfassen

- Verfolgung / Kontrolle der Wirksamkeit der Maß-


nahmen

- Analyse und Auswertung des Unfall- und Berufs-


krankheitengesehens

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-

Seite 98 von 160


Aufgabe Beispiele
derungen etc.

Beratung der Unternehmensführung zur Organisation und Durchführung der Beurteilung


von Arbeitsbedingungen zur Aufrechterhaltung sicherer, gesundheits- und menschenge-
rechter Arbeitsysteme

- Analyse der Arbeitssysteme

- Ableitung von Maßnahmen

- Abschätzung des Aufwandes für Maßnahmen

- Aufbereitung der Vorschläge zur Präsentation für


den Unternehmer

- Gespräch mit Unternehmer oder schriftlichen Be-


richt abfassen

- Kontrolle der Wirksamkeit von Maßnahmen

- Analyse und Auswertung des Unfall- und Berufs-


krankheitengesehens

- Analyse und Bewertung von Maßnahmen zur Ver-


meidung arbeitbedingter Gesundheitsgefahren und
Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Untersuchung nach Ereignissen

- Ermittlung des tatsächlichen Sachverhalts

Seite 99 von 160


Aufgabe Beispiele

- Dokumentation des Ereignisses

- Analyse und Auswertung der Ereignisse Feststellung von Ursachen von


Gefahren und Gefährdungen

- Einbindung und Zusammenarbeit von bzw. mit an-


deren Arbeitsschutzakteuren

- Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen

- Gespräch mit Unternehmer und/oder schriftlichen


Bericht abfassen

Beratung der Unternehmensführung bei der qualitativen und quantitativen Beur-


teilung der Wirksamkeit von umgesetzten Arbeitsschutzmaßnahmen

- Einarbeitung in Sachverhalte Ermittlung des „tatsächlichen“


Sachverhalts

- Analyse und Beurteilung der Wirksamkeit der Maß-


nahmen

- Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen

- Aufbereitung der Vorschläge zur Präsentation für


den Unternehmer

- Gespräch mit Unternehmer oder schriftlichen Be-


richt abfassen

- Analyse und Auswertung des Unfall- und Berufs-


krankheitengesehens

- Analyse und Bewertung von Maßnahmen zur Ver-


meidung arbeitbedingter Gesundheitsgefahren und
Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

Seite 100 von 160


Aufgabe Beispiele

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Hinwirken auf ein sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten aller Beteilig-


ten

- Kommunikation mit dem Unternehmer und Füh-


rungskräften

- Feststellen von Mängeln

- Feststellen von positiven Gegebenheiten

- Aufbereiten und präsentieren von festgestellten


Mängeln

- Aufbereiten und präsentieren von möglichen Maß-


nahmen zur Beseitigung der Mängel

- Vorleben des sicherheits- und gesundheitsgerech-


ten Verhaltens

- Hinwirken auf die Beseitigung der Mängel

- Verfolgen und Kontrolle der Beseitigung der Mängel

- Beraten zur Verhaltensprävention mit Darstellung


des Ist- und Sollzustandes, Unterbreiten von Vor-
schlägen zu Änderungen.

- Schulung von Führungskräften

- Arbeitsplatzbesichtigungen und Beratung vor Ort

Seite 101 von 160


Aufgabe Beispiele

- Planung, Mithilfe, Organisation, Unterstützung bei


betrieblichen oder überbetrieblichen Schwerpunkt-
aktionen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz

- Hinwirken auf und Mitwirken bei Aufbau eines Un-


terweisungssystem und der Durchführung von Un-
terweisungen

- Hinwirken auf und Mitwirken bei Erstellen von Be-


triebsanweisungen

- Hinwirken auf und Mitwirken bei Entwicklung von


Verhaltensregeln

- Motivieren zum sicherheits- und gesundheitsgerech-


tem Verhalten

- Hinwirken auf und Mitwirken bei Durchführen von


Qualifizierungsmaßnahmen mit Arbeitsschutzbezug,
spez. SB und Ersthelfer

- Beschäftigte über Unfall- und Gesundheitsgefahren,


zum sicherheits- und gesundheitsgerechten Verhal-
ten sowie über Sicherheits- und Schutzeinrichtun-
gen informieren und aufklären

- Auf die Benutzung der PSA hinwirken

- Hinwirken auf Qualifizierung zu gesundheitsförderli-


chem Arbeiten; entsprechende Bewältigungsstrate-
gien

- Unterstützung bei Qualifizierungsmaßnahmen, (Un-


terweisung und Erstellen von Betriebsanweisungen
– Steht oben schon auf Seite 17 unten und Seite 18
oben!)

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

- Einflussgrößen zur Förderung eines sicherheits- und


gesundheitsgerechten Verhaltens suchen und ver-
mitteln

Seite 102 von 160


Aufgabe Beispiele

Beratung der Unternehmensführung bei der Verteilung des betriebsärztlichen und


sicherheitstechnischen Anteils an der Grundbetreuung (sowie der Bestimmung
des betriebsspezifischen Aufgaben und Betreuungsumfangs im Rahmen der Um-
setzung der DGUV Vorschrift 2)

- Auswertung der Gefährdungsbeurteilung im Hinblick


die im Betrieb vorliegenden Aufgaben der Sifa und
des BA gemäß der DGUV Vorschrift 2

- Mithilfe bei der Ermittlung der Grundbetreuung

 Festlegung des Betreuungsumfangs

 Festlegung der Zeitanteile

- Mithilfe bei der Festlegung der erforderlichen be-


triebsspezifischen Betreuung

 Prüfung der Relevanz der Aufgabenfelder

 Festlegung der Leistungen und des Personal-


aufwandes

- Abstimmung mit dem Betriebsmediziner und mit


dem Unternehmer

- Gespräch mit Unternehmer und schriftlichen Bericht


abfassen

- Informieren und erläutern zur DGUV Vorschrift 2

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Allgemeine Beratung von Unternehmern, Führungskräften, Betrieblichen Interes-


senvertretungen, Beschäftigten

- Beobachtung und Aufbereiten von Informationen zu


Sicherheit und Gesundheit sowie deren Bereitstel-
lung (z.B. in ASA)

- Erstellung einer geeigneten Darstellung des Sach-


verhaltes

- Darstellung der betrieblichen Belange

Seite 103 von 160


Aufgabe Beispiele
- - Regelmäßige Information zu unternehmensrele-
vanten Änderungen von Rechtsgrundlagen im Ar-
beits- und Gesundheitsschutz und Darstellung des
Handlungsbedarfs

- Beantwortung von Anfragen

- Einbringen von Erkenntnisse und Anforderungen


zum Arbeitsschutz in Besprechungen unterschied-
lichster Art

- Information gegenüber Unternehmer zur Erfüllung


der Einsatzzeit

- Beratung und Mitwirkung beim Erstellen von Be-


triebsvereinbarungen,

- Gespräch mit Unternehmer oder schriftlichen Be-


richt abfassen

- Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentatio- Dokumentation der eigenen Ar-
nen beit, zu Vorschlägen an Unter-
nehmer, zur Inanspruchnahme der
Einsatzzeiten, zu speziellen For-
derungen etc.

Seite 104 von 160


Anlage 4

Anforderungen an die Lernplattform


Das individuelle Selbstlernen soll auf Basis einer onlinegestützten Lernplattform erfolgen. Sie
muss mindestens gewährleisten
- das Angebote für den Wissenserwerb zur Verfügung gestellt werden können, z.B. in
Form einer virtuellen Bibliothek

- ein Forum für den Austausch eingerichtet werden kann

- auf Lernmaterialien online Zugriff genommen werden kann (download)

- Aufgaben online bearbeiten werden können und downloadbar sind

- Links auf Zusatzmaterialien zur Vertiefung eingerichtet werden können

- eine Rückmeldemöglichkeit von Arbeitsergebnisse besteht

- Lerngruppen eingerichtet werden können (Einschränkungen der Teilnehmerkreise)

- ergonomische und nutzerfreundliche Gestaltung.

- einfache Pflegemöglichkeit der Inhalte besteht

- Möglichkeit der technischen und fachlichen Betreuung

- zukunftgerichtet erweiterbar ist

- Nutzbarkeit für Teilnehmer und Dozenten

- Möglichkeit eines schwarzen Bretts

- kompatibel sein mit den gängigen Betriebssystemen

- Zugriffsmöglichkeit für die UV-Träger

- nach Genehmigung Freischaltmöglichkeit für andere Ausbildungsträger

Seite 105 von 160


Anhang 1

Konzeption für den Einsatz einer Lernplattform im Rahmen


des internetgestützten Präsenzlernens in der zukünftigen
Qualifizierung von Fachkräften für Arbeitssicherheit

Projektgruppe IT
Bartels, Sebastian VDSI / DEKRA Industrial GmbH Stuttgart
Beyer, Karen VBG Hamburg
Doorn van, Rolf IAG Dresden
Krüger, Mathias BG HW München
Nohdurft, Bernd BG Bau Hamburg
Turinsky, Rudolf BG ETEM Düsseldorf
Zilz, Ulrich BG M Nord Süd Mainz

Seite 106 von 160


Vorbemerkung
Die vorliegende Konzeption beschreibt die Möglichkeiten und Funktionalitäten einer Lernplatt-
form im Rahmen des Einsatzes in einer Blended Learning-Konzeption. Im Fokus steht hierbei
der Einsatz in der weiter entwickelten Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Bearbei-
tet wurde der Themenbereich im Hinblick auf die Aufgabenstellung an die Projektgruppe:
"Erstellung eines Konzeptes, in dem die maßgeblichen technischen und organisatorischen Ge-
sichtspunkte für ein internetgestütztes Präsenzlernen (Lernplattform) beschrieben sind. Hierbei
sind auch die Möglichkeiten einer möglichst wirtschaftlichen Qualitätssicherung und Pflege zu
berücksichtigen."
Aufgrund der genannten Aufgabenstellung wurden als Schwerpunkte der Konzeption die Berei-
che Technik, Organisation, Qualitätssicherung und Pflege betrachtet. Die bereits vorliegenden
didaktischen Leitlinien wurden von der Projektgruppe bei der Konzeptionserstellung hinsichtlich
der die Lernplattform adressierenden Vorgaben analysiert. Die 4. Leitlinie zur Auswahl von Me-
thoden und Medien benennt in diesem Kontext Anforderungen, die die Lernplattform betreffen.
Insbesondere die Forderung nach Anwendungen des Web 2.0 eröffnet ein weites Feld an Funk-
tionalitäten, die eine Lernplattform abdecken kann und muss.

Seite 107 von 160


Inhaltsverzeichnis

1 Einsatz von Lernplattformen in der Aus- und Weiterbildung ..................................................... 109


1.1 LMS oder Lernplattform? .................................................................................................... 109
1.2 Funktionalitäten von Lernplattformen ................................................................................. 109
1.3 Teilnehmerverwaltung, Kursverwaltung, Rollen- und Rechtevergabe ................................ 110
1.4 Kommunikationswerkzeuge ................................................................................................ 111
1.5 Anwendungen des Web 2.0 im Zusammenhang mit E-Learning ....................................... 112
1.5.1 Paradigmenwechsel von der Information zur Kommunikation ..................................... 112
1.5.2 Einsatz von Wikis im Rahmen von Bildungsprozessen ............................................... 113
1.5.3 Weblogs als Lerntagebücher, Audio- oder Videoblogs ................................................ 114
1.6 Browserbasierte Darstellung von Lerninhalten ................................................................... 114

2 Lernplattform und Anwendungsszenarien ................................................................................. 116


2.1 Anwendungsszenarien im Rahmen der „Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit“ .. 116
2.2 Grundlegende technische und wirtschaftliche Aspekte ...................................................... 118
2.3 Kommunikationswerkzeuge und -möglichkeiten ................................................................. 120
2.4 Organisatorische Gesichtspunkte ...................................................................................... 120

3 Qualitätssicherung und Pflege im laufenden Betrieb ................................................................ 121


3.1 Qualitätsrahmenmodell ....................................................................................................... 121
3.2 Qualitätsanforderungen ...................................................................................................... 121
3.3 Pflege im laufenden Betrieb ................................................................................................ 122

4 Rechtliche Aspekte zur Einführung und zum Betrieb einer Lernplattform ................................. 123

Zusammenfassung ....................................................................................................................... 124

Seite 108 von 160


1 Einsatz von Lernplattformen in der Aus- und Weiterbildung
1.1 LMS oder Lernplattform?
Der Begriff Lernplattform oder Learning Management System (LMS) wird heutzutage in vielen
Fällen synonym verwendet. Mit beiden Begriffen wird eine Software bezeichnet, die die Verwal-
tung, Bereitstellung und Nutzung von Lerninhalten unterstützt sowie Instrumente für das koope-
rative Arbeiten und für die Kommunikation bereitstellt sowie eine effiziente Betreuung der Ler-
nenden fördert. Unter den Bildungstheoretikern im deutschsprachigen Raum hat sich in den
letzten Jahren der Begriff Lernplattform als bevorzugter Terminus Technikus durchgesetzt und
wird auch in dieser Konzeption verwendet. Diese Begriffswahl wurde beeinflusst durch die kon-
struktivistische Lerntheorie und die damit verbundene Erkenntnis, dass Lernen in weiten Teilen
ein vom Lerner gesteuerter Prozess ist, der nicht durch ein System gemanagt werden kann.

Abbildung 1: Mögliche Elemente einer Lernplattform

1.2 Funktionalitäten von Lernplattformen


Mit Aufkommen des E-Learning-Hypes wurden zahlreiche Produkte lanciert, so dass heute ein
sehr heterogener Markt von Produkten vorhanden ist, die sich selber das Label „Lernplattform“
angehängt haben. Als Lernplattform werden heutzutage, neben den eigentlichen Learning Ma-
nagement Systemen, auch Softwarelösungen für kollaboratives Arbeiten (Groupware), Content
Management Systeme (CMS) aller Art (Enterprise Content Management ECM, Web Content
Management Systeme WCMS), Virtual-Classroom Software und weitere das Online-Lernen
unterstützende Softwarelösungen angeboten.

Seite 109 von 160


Oftmals sind auch mehrere Softwarelösungen so geschickt miteinander vernetzt oder ineinan-
der integriert, dass es nicht nur Laien schwerfällt, zwischen den einzelnen Bestandteilen zu un-
terscheiden. Insbesondere aus der Lernerperspektive wird das Zusammenspiel zwischen den
einzelnen Systemen als aus einem Guss wahrgenommen und von „der Lernplattform“ gespro-
chen, obwohl es eigentlich getrennte Systeme sind.
Da Funktionalitäten einer Lernplattform teilweise auch durch andere Software-Systeme bereit-
gestellt werden können, werden die folgenden fünf Funktionalitäten als konstitutiv für eine Lern-
plattform definiert:
• Nutzerverwaltung
• Kursverwaltung
• Rollen- und Rechtevergabe
• Bereitstellung von Kommunikationswerkzeugen und anderen Möglichkeiten zur
Zusammenarbeit
• Darstellung der Kursinhalte, Lernobjekte und Medien im Browser
Momentan sind auf dem Markt weit mehr als 250 Lernplattformen verfügbar, die die vorgenann-
ten Merkmale erfüllen. Diese Produkte unterscheiden sich hinsichtlich der Lizenzmodelle, ver-
wendeter Programmiersprachen und des Umfangs integrierter Funktionalitäten. Unterschiede
gibt es auch bei der Mandantentauglichkeit, also hinsichtlich der Frage, wie die „Mandan-
ten“(hier: die Unfallversicherungsträger) bedient werden können, ohne dass diese gegenseiti-
gen Einblick in ihre Daten, Benutzerverwaltung und ähnliches haben und wie die Oberfläche der
Lernplattform für die einzelnen Mandanten angepasst werden kann. Als weiteres wichtiges Un-
terscheidungsmerkmal ist das Vorhandensein von Schnittstellen zu anderen Systemen zu nen-
nen, wie beispielsweise zu den Softwarelösungen, die die betrieblichen Abläufe steuern, kon-
trollieren und auswerten (z.B. SAP, Oracle, BG/Standard, Seminaris, BZ-
Schulungsverwaltungssoftware, Redaktionssysteme für das Internet).

1.3 Teilnehmerverwaltung, Kursverwaltung, Rollen- und Rechteverga-


be
Die Trias aus Nutzerverwaltung, Kursverwaltung und Rollen- und Rechtevergabe stellt den ad-
ministrativen Kern einer jeden Lernplattform dar. Es werden damit die Verwaltungsprozesse
einer Präsenz-Bildungseinrichtung auf das elektronische Pendant übertragen und nutzbar ge-
macht, sowie die speziellen für E-Learning notwendigen Prozesse abgebildet.
Je nach Herkunft der Lernplattform haben die einzelnen Produkte in diesem Bereich individuelle
Funktionalitäten, die sie von anderen Lernplattformen unterscheiden. So bieten Open Source-
Plattformen, die im universitären Bereich entwickelt wurden, zusätzliche Funktionen und
Schnittstellen, um die Lernplattform mit der Verwaltungssoftware des Prüfungsamtes und des
Studierendensekretariats zu vernetzen. Lernplattformen für kommerzielle Bildungsanbieter ver-
fügen über Zusatzmodule für die Rechnungsstellung und die Einbindung von Online-
Bezahlsystemen wie ClickandBuy, PayPal und Giropay. Für den Einsatz in der betrieblichen
Aus- und Weiterbildung konzipierte Lernplattformen haben integrierte Schnittstellen zu Human
Resource Management Systemen und dokumentieren darüber die von den Mitarbeitern beleg-
ten Kurse und weisen geplante Weiterbildungsmaßnahmen automatisch den jeweiligen Mitar-
beitern zu. Mittlerweile gehen die Entwickler der am Markt verbreitetsten Plattformen dazu über
die branchenspezifischen Funktionalitäten in Form von nachträglich installierbaren Modulen
anzubieten. Dies hält die Lernplattform schlank und entbindet den Kunden von der lästigen Auf-
gabe nicht benötigte Funktionen nachträglich deaktivieren zu müssen.

Seite 110 von 160


Nutzerverwaltung und Kursverwaltung weisen einen sehr hohen Verzahnungsgrad zur Rollen-
und Rechtevergabe auf. Probleme bei der Verwaltung von Inhalten, Kursen, Teilnehmern und
anderen Nutzern beruhen meist auf unzureichenden Rechten der jeweils zugewiesenen Rolle.
Die meisten Lernplattformen erlauben es mittlerweile nachträgliche Änderungen in diesem Be-
reich vorzunehmen und auch neue Rollen anzulegen. Standardmäßig werden von den meisten
Plattformen zwischen vier und acht voreingestellte Rollen angeboten. Die Lernplattform Moodle
bietet beispielsweise die folgenden Rollen standardmäßig an:

 Administrator/in

 Kursverwalter/in

 Trainer/in (mit Bearbeitungsrecht)

 Trainer/in (ohne Bearbeitungsrecht)

 Teilnehmer/in

 Gast

 Authentifizierte/r Nutzer/in -
Die Rollen- und Rechtemodelle sollten vor dem produktiven Einsatz der Lernplattform verbind-
lich festgelegt werden. Nachträgliche Änderungen im Rollen- und Rechtemodell müssen trotz-
dem möglich sein.

1.4 Kommunikationswerkzeuge
Durch die Lernplattform werden zahlreiche Kommunikationswerkzeuge bereitgestellt. Über den
Einsatz entscheidet das jeweilige didaktische Konzept. Einige Lernplattformen bieten die Mög-
lichkeit, individuell für die jeweiligen Kurse zu entscheiden, welche Kommunikationswerkzeuge
den Nutzern zur Verfügung stehen. So kann bei aufeinander aufbauenden Kursen die Anzahl
der verfügbaren Funktionen der Kompetenzentwicklung des Lerners angepasst werden. Der
Lerner wird dadurch nicht schon beim ersten Kontakt mit der Lernplattform überfordert, sondern
behutsam an die Möglichkeiten der Lernplattform herangeführt.
Zu den von einer Lernplattform bereitgestellten Kommunikationswerkzeugen gehören Werk-
zeuge der gleichzeitigen (synchronen) und der aufeinander folgenden (asynchronen) Kommuni-
kation. Zur synchronen Kommunikation gehören Chat, Voicechat, Videokonferenzen oder –
chats und die so genannten virtual classrooms, welche gleichzeitig auch zu den Lernwerkzeu-
gen gehören. Der Einsatz synchroner Kommunikation setzt, ähnlich wie ein Präsenzseminar,
die gleichzeitige Anwesenheit der Lerner zu einem bestimmten Zeitpunkt voraus. Deshalb wer-
den bei Weiterbildungsangeboten solche Kommunikationsformen in der Regel in den Abend-
stunden angeboten, damit auch berufstätige Nutzer die Möglichkeit haben an solchen Terminen
teilzunehmen. Wenn synchrone Werkzeuge benutzt werden sollen, ist es notwendig die ent-
sprechenden Termine vorab zu kommunizieren.
In den meisten Fällen werden über die Lernplattform hauptsächlich asynchrone Kommunikati-
onswerkzeuge angeboten und die synchrone Kommunikation nur bei besonderen Events ein-
gesetzt. Zum Standardrepertoire einer Lernplattform gehören ein elektronisches schwarzes
Brett, ein Diskussionsforum und die Möglichkeit über die Lernplattform Nachrichten oder E-
Mails an einzelne Nutzer zu senden. Eine individuell einstellbare Benachrichtigungsfunktion
komplettiert das asynchrone Kommunikationsangebot der meisten Lernplattformen. Somit blei-
ben die Lerner über die Veränderungen in ihren Kursen informiert, ohne dass sie sich dafür ext-
ra auf der Lernplattform einloggen. Per E-Mail wird ein täglicher Auszug (Digest) der für den
Lerner relevanten Aktionen auf der Lernplattform zugesandt.

Seite 111 von 160


Neben den Kommunikationswerkzeugen stellt eine Lernplattform zahlreiche weitere Werkzeuge
bereit. Basale Werkzeuge sind beispielsweise eine Notizfunktion, in der der Lerner mit Copy
und Paste wichtige Informationen aus einzelnen Lerninhalten festhalten kann, oder das Vor-
handensein einer Kalenderfunktion für individuelle Termine oder Gruppentermine. Zusätzlich
bieten einige Lernplattformen dem Nutzer die Möglichkeit, das Design der Benutzeroberfläche
den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Der Bildungseinrichtung werden zusätzliche Statistik-
funktionen bereitgestellt, mit deren Hilfe kontrolliert werden kann, welche Lerninhalte häufig und
welche weniger häufig genutzt werden. Zur Evaluation des Lernerfolgs bieten zahlreiche Lern-
plattformen Assessmenttools, mit denen ohne großen Aufwand Übungsaufgaben und Tests
generiert, online gestellt und ausgewertet werden können. Inwiefern die Assessmenttools zum
didaktischen Ansatz passen, ist zu prüfen.
Virtuelle Klassenzimmer (virtual classrooms) sind ein weiteres Werkzeug, das durch eine Lern-
plattform bereitgestellt werden kann. Virtuelle Klassenzimmer ermöglichen die synchrone Grup-
penarbeit mit Bild und Ton. Voraussetzung dafür ist, dass alle Nutzer über einen Breitband-
Internetanschluss verfügen, der die bei der Nutzung virtueller Klassenzimmer anfallenden Da-
tenvolumina bewältigen kann. Im virtuellen Klassenzimmer können auf einer Arbeitsoberfläche
Dokumente präsentiert und bearbeitet werden (Application Sharing). Begleitend dazu läuft ein
moderierter webbasierter Audio- oder Videochat. Der Moderator kann einzelne Nutzer für Wort-
beiträge freischalten. Zusätzlich gibt es noch einen Textchat, über den während einer Präsenta-
tion schriftlich Fragen gestellt werden können. Einzelne Anwendungen, z. B. ein Whiteboard,
können auch unabhängig von den anderen Merkmalen des „virtuellen Klassenzimmers“ einge-
setzt werden.

1.5 Anwendungen des Web 2.0 im Zusammenhang mit E-Learning


1.5.1 Paradigmenwechsel von der Information zur Kommunikation
Das Schlagwort Web 2.0 bezeichnet die seit Beginn des Jahrtausends im World Wide Web
(www) verstärkt zum Einsatz kommenden interaktiven und kollaborativen Technologien. Die
Verwendung des Begriffs ist seit 2003 belegt. Vom Grundsatz her beschreibt „Web 2.0“ die Ab-
kehr vom Konzept des www als reines Distributionsmedium für Information, bei dem einige we-
nige als Sender von Inhalten produktiv werden und die Vielzahl der Surfer als bloße Konsumen-
ten dieser Informationen agieren (Web 1.0). Web 2.0 stellt einen Gegenentwurf zu diesem Web
1.0 dar, indem das www im Sinne von Brechts Radiotheorie als Kommunikationsmedium nutz-
bar gemacht wird.
Der Surfer des Web 2.0 agiert als Sender und Empfänger, er rezipiert Informationen in Wikis,
Blogs und Foren und kommuniziert durch eigene Beiträge und Kommentare zusätzliche Infor-
mationen – im besten Fall hält er ein eigenes Informationsangebot, beispielsweise ein Weblog
(Blog) vor. Die Bereitstellung solcher eigenen Informationsangebote wird seit einigen Jahren
dadurch erleichtert, dass die Nutzung eines Forums, Wikis oder Blogs auch durch unerfahrene
Anwender problemlos gemeistert werden kann.
Durch die Entstehung des Cloud Computing (Anmerkung: das Internet wird in Strukturplänen
oftmals mit einem Wolkensymbol dargestellt, daher die Begriffswahl „cloud“ für internetgestützte
Dienste) ist das Vorhandensein von eigenem Webspace als Voraussetzung für den Betrieb ei-
nes Informationsangebotes im www obsolet geworden. Zahlreiche Anbieter stellen im Internet
kostenlos Software und Speicherplatz bereit, sodass die Anmietung von Webspace für den Be-
trieb eines Blogs oder anderer Informationsangebote entfällt. Stattdessen kann sich der Blogger
auf Webseiten wie wordpress.com oder blogger.com registrieren und ein eigenes Weblog ein-
richten. Dies geschieht als automatisierter Prozess auf dem Server des Dienstanbieters, alles,
was der Nutzer noch erledigen muss, ist einen Namen zu finden und ein Design für das Blog
auszuwählen.

Seite 112 von 160


Mit dem sprunghaften Anstieg der Menge nutzergenerierter Inhalte (User Generated Content -
UGC) wuchs gleichzeitig das Interesse an einer gegenseitigen Vernetzung in virtuellen Ge-
meinschaften (Communities). Über soziale Bookmarkingdienste wie del.ico.us wurde es mög-
lich in einer weiteren cloud-gestützten Anwendung für interessante Inhalte Lesezeichen anzule-
gen und diese mit anderen Nutzern zu teilen und Netzwerke zu bilden. Der Netzwerkaspekt
wurde konsequent weiterentwickelt zum Konzept der sozialen Netzwerke (social networks) in
denen sich jeder mit jedem vernetzen kann und zum Teil sehr persönliche Informationen geteilt
werden. Zu den bekanntesten Vertretern der sozialen Netzwerke gehören MySpace und Face-
book, die zahlreiche Nachahmer gefunden haben (im deutschsprachigen Raum: Lokalisten.de,
wer-kennt-wen,StudiVZ oder meinVZ ).
Die Entwicklung des Web 2.0 wurde auch von der Bildungsforschung mit großem Interesse ver-
folgt. Sehr früh entwickelten sich an den deutschen Hochschulen Konzepte, wie einzelne Be-
standteile des Web 2.0 methodisch in der Aus- und Weiterbildung nutzbar gemacht werden
können. Insbesondere Blogs und Wikis wurden als Methode in die didaktischen Konzepte inte-
griert und in Lehrveranstaltungen und Pilotprojekten erprobt. Mit Secondlife wurde eine Zeit
lang eine virtuelle Welt als das Bildungsmedium der Zukunft propagiert. Mittlerweile ist dieser
Hype abgeebbt und nur noch wenige Bildungseinrichtungen betreiben eine regelmäßig frequen-
tierte Dependance im Secondlife.

1.5.2 Einsatz von Wikis im Rahmen von Bildungsprozessen


Wikis sind sehr gut geeignete Werkzeuge für Aufgabenstellungen im Internet, bei denen Inhalte
kooperativ - in der Gruppe - aufbereitet werden sollen. Jeder kann neue Inhalte erstellen oder
vorhandene Einträge bearbeiten und weiter verbessern. Bekanntestes Wiki ist die freie Enzyk-
lopädie Wikipedia an der sich weltweit unzählige Benutzer beteiligen und neue Artikel in ihrer
Muttersprache erstellen oder bereits vorhandene Artikel verbessern.
Jeder Wiki-Eintrag besteht aus drei Elementen, dem eigentlichen Artikel, der zugehörigen Dis-
kussion und der Versionshistorie des jeweiligen Beitrags. Durch die vom Wiki bereitgestellte
Versionskontrolle bleibt jeder einzelne Evolutionsschritt eines Beitrages erhalten. Aktuelle Än-
derungen können durch die Benutzer auf der Diskussionsseite diskutiert werden und gegebe-
nenfalls eine Vorgängerversion wiederhergestellt werden.
Der Einsatz eines Wikis bietet sich an, wenn die Lerner ein Themengebiet in lexikaler oder en-
zyklopädischer Form aufbereiten sollen. Jeder Lerner bekommt einen Begriff zugewiesen, für
den er ein Grundgerüst im Wiki erstellt und mit Inhalten füllt. Alle anderen Lerner sind an dieser
Stelle dazu aufgefordert durch entsprechende Kommentare auf der Diskussionsseite Anregun-
gen zu geben, wie der Beitrag noch verbessert werden könnte.
Die Verwendung eines Wikis zum Verfassen von Haus- und Seminararbeiten ist eine weitere
Möglichkeit. Hierbei wird die Versionskontrolle dazu genutzt, den Strukturierungs- und Entwick-
lungsprozess der Arbeit nachverfolgen zu können. Der zuständige Betreuer kann sich so einen
Einblick über die Vorgehensweise des Lerners verschaffen und sich jederzeit über den aktuel-
len Bearbeitungsstand des Themas verschaffen.
Die Erfahrungen der Wikipedia und auch aus dem Einsatz in der universitären Lehre zeigen,
dass der Einsatz eines Wikis auch mit negativen Effekten behaftet sein kann. So kommt es
nach dem Veröffentlichen eines Beitrags im Wiki nur noch selten zu tief greifenden Verände-
rungen in der Struktur. Nachdem ein Artikel einen bestimmten Umfang erreicht hat, werden im-
mer seltener zusätzliche Abschnitte eingefügt, die die Qualität des Beitrags noch weiter steigern
würden. Stattdessen steigt die Zahl der marginalen Verbesserungen in einzelnen Abschnitten.
Die Nutzung eines Wikis setzt eine gewisse Vertrautheit und Kompetenz im Umgang mit dem
Werkzeug Wiki voraus. Wird dieses Kompetenzniveau nicht von allen Lernern gleichermaßen

Seite 113 von 160


erreicht, kommt es zu dem Effekt dass ein relativ kleiner Teil der Gruppe, der der Kompetenten
und Engagierten, sich für die Mehrzahl der neuen Beiträge und Veränderungen verantwortlich
zeichnet. Der Rest der Gruppe hält sich, aufgrund der fehlenden Kompetenz, zurück und trägt
nur in geringem Umfang zum Gesamtergebnis der Gruppe bei. Die Medienkompetenz wäre
also sinnvollerweise Teil der zu entwickelnden Kompetenzen, insbesondere wenn mit Web 2.0 -
Werkzeugen gearbeitet werden soll.

1.5.3 Weblogs als Lerntagebücher, Audio- oder Videoblogs


Der Einsatz von Weblogs als Lerntagebücher ist ein weiterer gut erforschter Anwendungsfall
von Web 2.0 Anwendungen im Rahmen von Lernprozessen. Das ursprüngliche Weblog oder
kurz Blog wird dazu verwendet, um in regelmäßigen Abständen Beiträge zu veröffentlichen. Die
Darstellung erfolgt in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, der aktuellste Beitrag wir immer
ganz oben angezeigt. Für jeden Beitrag wird durch die Blog-Software die Möglichkeit bereitge-
stellt, diesen zu kommentieren. Auf diese Weise können sich über die Kommentare Dialoge
zwischen Blogger und Lesern und den Lesern untereinander entwickeln.
In den meisten Fällen wird das Blog nur durch einen Blogger betrieben, der, meist in der Ich-
Form, die Beträge verfasst. Die Beiträge drehen sich entweder um Ereignisse im persönlichen
Umfeld des Bloggers oder sind bestimmten Inhalten gewidmet, beispielsweise Theater, Motor-
rädern, Gesundheitsthemen etc. Neben diesen personal oder private Blogs haben sich mittler-
weile auch Formen etabliert, bei denen das Blog von mehreren Personen oder einer Firma
(corporate blog) betrieben wird.
In Bildungsprozessen werden Blogs vielfach als Lerntagebücher benutzt. Ähnlich einem echten
Tagebuch dokumentiert der Lerner, wie er sich der Lösung einer Problemstellung angenähert
hat und reflektiert dabei über sein eigenes Handeln. Der Dozent oder Tutor nutzt die Kommen-
tarfunktion, um dem Lerner Hinweise zu geben und ihn zu motivieren. Als Projektblog betrieben,
kann ein Blog als Lerntagebuch für eine Lerngruppe fungieren. Die einzelnen Lerner der Grup-
pe stellen ihre Teilergebnisse in das Projektblog ein, wo sie innerhalb der Gesamtgruppe disku-
tiert und Verbesserungen angeregt werden können.
Blogs können auch dazu genutzt werden, die Ergebnisse des einzelnen Lerners oder einer
Lerngruppe in didaktisch aufbereiteter Form bereitzustellen. Neben dem Textbeitrag ist es hier-
bei auch möglich das Lernergebnis als Audio- oder Videobeitrag zu produzieren. Dadurch set-
zen sich die Lerner nicht nur mit dem erworbenen Wissen auseinander, sie reflektieren auch
darüber, wie ihr Thema didaktisch als Audio- oder Videobeitrag umgesetzt werden muss, damit
ihn auch die anderen verstehen. Die Produktion dieser Einzelbeiträge ist mit einem handelsübli-
chen PC und als Freeware verfügbarer, kostenloser Software zu bewältigen.
Wie auch schon beim Einsatz von Wikis ist es auch für den erfolgreichen Einsatz von Blogs
innerhalb des Bildungsprozesses notwendig, die Lerner mit dem Werkzeug vertraut zu machen.
Um die Akzeptanz dieser Werkzeuge zu fördern, ist es zwingend notwendig vorab fest zu legen,
wer wann und in welcher Form kommentieren und damit Feedback geben darf. Gegebenenfalls
sind die Beiträge der einzelnen Lerner so zu schützen, dass nur der Lerner selber und der je-
weilige Dozent und Tutor darauf Zugriff haben.

1.6 Browserbasierte Darstellung von Lerninhalten


Die browserbasierte Darstellung von Lerninhalten bietet zahlreiche Vorteile. Hierzu zählt, dass
das Vorhandensein eines Browsers mittlerweile auf nahezu allen Büro-PCs vorausgesetzt wer-
den kann. Egal, ob es sich um webbasierte oder um lokal abgelegte Lerninhalte handelt, sie
können durch den Browser dargestellt werden. Dies bedeutet für den Lerner eine große Erleich-

Seite 114 von 160


terung beim Lernen, er kann die Lernmaterialien auf einem Datenträger mit sich führen und auf
jedem beliebigen PC mit installiertem Browser bearbeiten. Damit entfällt die oftmals langwierige
Prozedur ein als installierbare Software geliefertes Lernprogramm durch die IT-Abteilung auf
Unbedenklichkeit prüfen und installieren zu lassen.
Gänzlich frei von technischen Hürden ist jedoch auch die browserbasierte Darstellung von Lern-
inhalten nicht. Zahlreiche hoch interaktive, browserbasierte Lerninhalte verwenden z. B. Adobe
Flash, um diese Inhalte abzuspielen. Bei Flash handelt es sich um ein proprietäres Format,
dessen Bearbeitung und Darstellung nur mit einem speziellen Programm möglich ist.
Grundsätzlich gibt es gerade bei der Übermittlung von webbasierten Inhalten zahlreiche techni-
sche Hürden, die die erfolgreiche Betrachtung der Lernmaterialien vereiteln können. Dazu zäh-
len Filter-Technologien, die bestimmte Webseiten aufgrund darin vorhandener, indizierter Be-
griffe sperren, ebenso wie Port-Sperren durch Proxy-Server und Firewalls, die beispielsweise
die Übertragung des Sprechtextes verhindern, da dieser fälschlicherweise für die Audioübertra-
gung eines Webradios gehalten wird.
Aus den vorgenannten Gründen ist daher vor der Entwicklung der Lerninhalte zu prüfen, mit
welchen Technologien diese umgesetzt werden können. Eine verbindliche Auswahl von Tech-
nologien muss getroffen werden, welche die Einsatzfähigkeit der Lerninhalte über den gesam-
ten geplanten Lebenszyklus sicherstellt. Weitere Aspekte bei diesem Auswahlprozess sind die
Möglichkeit, Inhalte nachträglich einfach zu ändern und aktualisieren zu können, sowie der Ver-
breitungsgrad der zum Betrieb notwendigen Software auf den Rechnern der potenziellen Ler-
ner.

Seite 115 von 160


2 Lernplattform und Anwendungsszenarien
2.1 Anwendungsszenarien im Rahmen der „Ausbildung zur Fachkraft
für Arbeitssicherheit“
Es kann davon ausgegangen werden, dass die überwiegende Zahl der Teilnehmer über einen
Internetzugang und einen PC, zumindest im privaten Bereich, verfügt. Laut Statistischem Bun-
desamt verfügen 79% aller Bundeshaushalte über einen PC und fast 70% der Bevölkerung
über 10 Jahren nutzt das Internet. Die Zahlen für die Berufsgruppen Meister, Techniker und
Ingenieure dürften sich aufgrund der mit der Tätigkeit verbundenen, höheren Anforderungen im
Bezug auf Technik und Computernutzung auf noch höherem Niveau bewegen. Es kann daher
angenommen werden, dass die überwiegende Zahl der Teilnehmer über die technischen Vo-
raussetzungen zur Nutzung einer webbasierten Lernplattform verfügt.
Bevor auf die konkreten Anforderungen eingegangen wird, soll anhand eines Szenarios ein
Anwendungsfall geschildert werden, der Einblick in die Nutzungsmöglichkeiten der Lernplatt-
form bietet.

Tom Klein ist Industriemeister im Metallbereich in einem mittelständischen Unternehmen, seit Beginn
des Jahres absolviert er die „Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit“. Zurzeit bearbeitet er im
Rahmen einer Online-Lernphase mit anderen Lehrgangsteilnehmern eine Gruppenaufgabe zum The-
ma „Anwendung der vorausschauenden Gefährdungsermittlung“. Um möglichst praxisnah zu arbeiten,
haben die Teilnehmer ein Arbeitssystem aus dem Betrieb eines der Teilnehmer ausgewählt.

Da Tom heute im Betrieb nicht dazu gekommen ist, sich auf der Lernplattform anzumelden und an
seinem Teil der Gruppenarbeit weiter zu arbeiten, loggt er sich abends um 20:45 Uhr von seinem pri-
vaten PC aus auf der Sifa-Lernplattform ein. Nach dem Log-in wird er vom System über eine einge-
gangene private Nachricht informiert, es geht um die Substitution eines Reinigungsmittels über die er
sich in einer Präsenzphase mit einem anderen Teilnehmer unterhalten hat. Er schreibt eine kurze
Antwort auf die private Nachricht. Danach prüft er anhand seiner „Freundesliste“, ob weitere Mitglieder
seiner Arbeitsgruppe online sind.

Er hat Glück, Jürgen aus seiner Arbeitsgruppe ist online und sie verabreden sich für einen kurzen
Chat im „virtuellen Cafe“ der Lernplattform. Im Chat stellen die Beiden fest, dass Vibrationen im Rah-
men der Gefährdungsermittlung bislang nicht beachtet worden sind. Sie kommen überein, dass Tom
das Thema bearbeiten soll. Tom verfasst eine kurze Notiz für die anderen Gruppenmitglieder, die er
an das schwarze Brett des virtuellen Gruppenraums anheftet. Danach sucht er über die Lernplattform
nach Informationsmaterial zum Thema Vibration, er findet ein Selbstlernmodul, das er markiert, zur
Liste seiner Lernmaterialien hinzufügt und mit dessen Bearbeitung er umgehend beginnt. Mit Blick auf
die Uhr, es ist mittlerweile 22:00 Uhr, setzt Tom ein Lesezeichen auf der aktuellen Seite des Selbst-
lernmoduls und meldet sich von der Lernplattform ab.

Wie der geschilderte Anwendungsfall zeigt, können über die Lernplattform zahlreiche Lern- und
Organisationsprozesse durch die Nutzer eigenverantwortlich gestaltet werden. Allerdings zeigt
die Erfahrung aus vielen Angeboten im Bereich der Erwachsenenbildung, dass die Nutzer nicht
komplett sich selbst überlassen werden sollten, sondern eine "E-Moderation" hilfreich für den
Lernerfolg ist. Wie diese Hilfestellung aus der Sicht eines "E-Moderators" aussehen kann, zeigt
das folgende Beispiel:

Seite 116 von 160


Kai Winnrich ist seit zehn Jahren bei einem Unfallversicherungsträger erfolgreich als Dozent in den
Seminaren tätig, in denen die Teilnehmer zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ausgebildet werden.
Nach einer Fortbildung zum „E-Moderator“ begleitet seit zwei Jahren – gemeinsam mit einer Kollegin -
auch den „virtuellen“ Teil des Qualifizierungsangebotes.

Zwei Tage zuvor haben die Teilnehmer des neuen Ausbildungszyklus per Email ihre Zugangsdaten
zur Lernplattform erhalten und in vier Wochen soll die erste Präsenzveranstaltung stattfinden. Aus der
Erfahrung der letzten Jahre weiß Kai Winnrich, dass sich einige Teilnehmer erst in der Präsenzveran-
staltung zu den Problemen äußern, die sie auf der Lernplattform haben. Für diese verunsicherten
Teilnehmer bereitet er am heutigen Nachmittag Hilfen vor, um die Teilnehmer bei der Selbststeue-
rung/Selbstregulierung des Lernens zu unterstützen und online nach Aktivitäten zu schauen. In den
kommenden Tagen ist er online dann “entlastet“, denn dann kümmert sich seine Kollegin um die Teil-
nehmenden. Er hat sich für den nächsten Tag dennoch 30 Minuten reserviert, um durch die Plattform
„zu browsen“, damit er auf dem Laufenden bleibt. Tatsächlich diskutiert er zurzeit auch mit seiner Kol-
legin, ob sie sich demnächst die Foren lieber inhaltlich statt zeitlich teilen wollen, aber eine Entschei-
dung steht noch aus.

Noch einmal denkt Kai Winnrich an den Start des neuen Ausbildungszyklus zurück: Schon vor mehre-
ren Wochen - noch vor seinem Urlaub - hatte er eine Begrüßung und einige Aufgabenstellungen auf
die Plattform gestellt. Für diese Nachrichten, z. B. diese Begrüßung, steht ihm ein elektronisches
schwarzes Brett zur Verfügung. Die Teilnehmer sehen diese Nachrichten sofort nach dem Einloggen.
Auf diese Weise gehen wichtige Informationen nicht verloren. Durch die aktuelle Begrüßungsnachricht
sollen sich die Teilnehmer willkommen fühlen. Gleichzeitig wird ihre Aufmerksamkeit auf erste Aufga-
ben gelenkt, die bis zur Präsenzveranstaltung erledigt werden müssen.

Um 17:15 Uhr loggt sich Kai Winnrich ein um zu sehen, inwiefern sich bereits Teilnehmer mit den
Aufgaben und Inhalten befassen. Mit Erstaunen entnimmt er der statistischen Übersicht, dass diesmal
von 20 Teilnehmern bereits 17 wenigsten einmal kurz auf der Plattform waren – von Neugierde getrie-
ben? Sechs Teilnehmer haben bereits Kurzprofile von sich erstellt. Einige Teilnehmer haben sich of-
fensichtlich bereits mit Inhalten befasst und sich verschiedene PDF-Dateien auf ihre Rechner geladen.

Im Forum begegnet Kai Winnrich den üblichen technischen Fragestellungen. Ein Teilnehmer braucht
dringend Hilfe, weil er die PDF-Dateien nicht herunterladen kann und manche animierten Seiten bei
ihm leer bleiben. Derartige Probleme kann Kai Winnrich inzwischen gut lösen und stellt seine Antwor-
ten für alle Teilnehmer sichtbar in das Forum.

Eine weitere technische Fragestellung kann Kai Winnrich nicht lösen und schickt die Anfrage daher an
die technische Hotline und bringt die Experten mit dem Teilnehmer in Kontakt. Eigentlich hätte ein
technischer Experte das Forum betreuen sollen, irgendetwas scheint schief gegangen zu sein. Kai
Winnrich klärt dieses Problem schnell telefonisch.

Danach liest er im Forum „Frequently asked Questions – Inhalte und Verständnis“ Teilnehmer-Fragen,
die aber von anderen Teilnehmern bereits beantwortet wurden. Er kommentiert in einem kurzen Bei-
trag, dass er sich freut, weil er den vorhandenen Anmerkungen nichts hinzufügen kann. Ein Teilneh-
mer hat ihm eine Email mit einer Verständnisfrage geschrieben. Kai Winnrich hinterlegt seine Antwort
für alle sichtbar im Forum. Ein automatischer Dienst informiert den Teilnehmer über den Forenbeitrag
per Email.

Kai Winnrich wirft noch einen Blick in das Forum „Aufgaben und Selbstverständnis der Fachkraft für
Arbeitssicherheit“, in dem alle Teilnehmer einen inhaltlichen Beitrag leisten. Den Impuls hatte er als
Starter-Beitrag in das Forum geschrieben und ist nun gespannt, ob es schon Teilnehmer-Beiträge
gibt. Er sieht, dass sich 17 Teilnehmer bereits geäußert haben. Er geht die Beiträge durch und ent-
schließt sich zu einer kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken. Dadurch setzt er Akzente
und verweist auf den „roten Faden“. Zusätzlich gibt er mit einer weiteren Frage einen neuen Impuls,
der die Teilnehmer noch mehr miteinander ins „Gespräch“ bringen soll. Gegen 19:00 Uhr hat er alle
Aufgaben für den heutigen Tag erledigt und loggt sich aus.

Seite 117 von 160


Die Einbindung der Lernplattform in den Bildungsprozess soll schon frühzeitig erfolgen, mög-
lichst nachdem der Lerner zur Ausbildung zugelassen wurde. Vor der ersten Präsenzphase
eingesetzt, kann durch die Bearbeitung eines Einführungsmoduls geprüft werden, ob aufseiten
der Teilnehmer technische Probleme beim Zugriff auf die Lernplattform existieren. Die Präsenz-
phase kann dazu genutzt werden, die Teilnehmer weiter in die Funktionalitäten der Lernplatt-
form einzuführen.

Abbildung 2: Weiterentwicklung der Konzeption

Die Weiterentwicklung der Ausbildungskonzeption zu einem integrierten "blended learning"


führt, wie das Szenario zeigt, zu völlig neuen Lernszenarien. In diesem Zusammenhang begeg-
nen Teilnehmer (und Dozenten ebenso) u.U. ungewohnten medientechnische Anforderungen.
Deshalb ist zu empfehlen, das Kennenlernen der Lernplattform schon sehr frühzeitig in den Bil-
dungsprozess einzubinden: möglichst unmittelbar nachdem der Teilnehmer zur Ausbildung zu-
gelassen worden ist.
Im Folgenden werden für die Bereiche Technik, Kommunikationswerkzeuge/-möglichkeiten und
Verwaltung Merkmale benannt, die bei zukünftigen Ausschreibungen als Entscheidungshilfen
berücksichtigt werden sollten.

2.2 Grundlegende technische und wirtschaftliche Aspekte


Rollen und Rechtevergabe
Die Lernplattform stellt eine Funktionalität zur Rollen und Rechtevergabe bereit. Über die Funk-
tionalität müssen die notwendigen Rollen auf der Lernplattform, z. B. Lerner, E-Moderator, Ad-
ministrator, generiert und verwaltet werden können. Die Rechtevergabe soll sowohl nach Rollen
oder auch individuell erfolgen können.

Seite 118 von 160


Bereitstellung von Lerninhalten (Lernwegvarianten, Interaktive Beispiele und Tests)
Die Bereitstellung der Lerninhalte muss flexibel erfolgen können. Die Darstellungsstruktur der
Lernplattform soll keinem linearen Ablauf in Form eine vorgeschriebenen Lernpfades folgen
sonder unterschiedliche Lernwege zulassen. Zu diesem Zweck ist es notwendig, dass die Lern-
plattform Möglichkeiten zur Bereitstellung von interaktiven Beispielen und Tests bietet.
Lernerfolgskontrollen
Sofern in der didaktischen Konzeption online-basierte Lernerfolgskontrollen vorgesehen sind,
muss die Lernplattform über entsprechende Funktionalitäten verfügen, die eine Abwicklung der
Lernerfolgskontrollen ermöglichen.
Anpassungsfähigkeit, Erweiter-/Skalierbarkeit
Die Lernplattform ist an die spezifischen Bedürfnisse anpassbar. Dies betrifft insbesondere das
Layout aber auch die durch die Lernplattform bereitgestellten Funktionalitäten. Die Lernplatt-
form so programmiert sein, dass sich ohne großen Aufwand Erweiterungen einbinden lassen.
Durch die Skalierbarkeit des System können wachsende Anforderungen hinsichtlich der Benut-
zerzahlen oder des transferierten Datenvolumens problemlos bewältigt werden.
Konformität mit Standards (AICC, SCORM, DIN EN ISO 9241)
Die Lernplattform sollte konform mit den gängigen Standards im Bereich elektronischer Lern-
ressourcen entwickelt worden sein und diese verarbeiten können. Dadurch können alle stan-
dardisierten Lernressourcen ohne weiteren Anpassungsaufwand in die Plattform importiert wer-
den. Am weitesten verbreitet sind momentan die Standards SCORM 1.2 und SCORM 2004, die
Kompatibilität mit diesen Standards ist für die Lernplattform verpflichtend. Zusätzliche Anforde-
rung an die Bedienerfreundlichkeit ergeben sich aus den Anforderungen der Normenreihe DIN
EN ISO 9241, auch diesen Anforderungen muss die Lernplattform entsprechen.
Open-Source
Open Source bezeichnet quelloffene Software, die von jedermann verwendet und modifiziert
werden kann, beispielsweise das Betriebssystem Linux oder die kostenlose Office-Suite Open
Office. Im Bereich der Lernplattformen gibt es ebenfalls zahlreiche Open-Source-Produkte, z. B.
Moodle oder Ilias. Da Open-Source-Produkte ohne die Entrichtung von Lizenzgebühren instal-
liert werden können, sind sie in der Erstanschaffung preiswerter als kommerziell angebotene,
proprietäre Software. Betrieb, Wartung und die Anpassung der Software an die spezifischen
Bedürfnisse sind jedoch auch bei Open-Source-Software mit Kosten verbunden, so dass sich
teilweise kein finanzieller Vorteil gegenüber kommerzieller Software ergibt.
Dokumentation / Benutzerhandbuch / kontextsensitive Hilfefunktion verfügbar
Die auf der Plattform verfügbaren Funktionalitäten müssen umfassend dokumentiert und in
Form eines Benutzerhandbuchs verfügbar sein. Zusätzlich soll eine kontextsensitive Hilfefunkti-
on vorhanden sein, die beim Schweben mit der Maus über einem Objekt einen Informationstext
anzeigt und dem Nutzer so eine unmittelbare Hilfestellung bietet.
Technischer Support verfügbar (Lokaler Anbieter)
Für den Betrieb der Lernplattform sollte ein lokaler/nationaler technischer Support vorgehalten
werden. Der Support soll in deutscher Sprache ermöglichen. Bei der Auswahl eines Lernplatt-
formanbieters ist darauf zu achten, dass es eine entsprechende Niederlassung in Deutschland
oder in den DACH-Ländern gibt.
Informationssicherheit unter Berücksichtigung der Benutzerstruktur

Seite 119 von 160


In der Software der Lernplattform müssen umfangreiche Maßnahmen zu den zentralen Aspek-
ten der Informationssicherheit, Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit, umgesetzt worden
sein. Beispielsweise gegen Systemmissbrauch durch illegitime Ressourcennutzung oder die
Veränderung von publizierten Inhalten. Diese Maßnahmen müssen auch die ungewollte Ein-
bringung von Schadprogrammen durch von den Nutzern hochgeladene Dateien berücksichti-
gen.
Schnittstellen zu UVT und DGUV
Die Plattform muss über Schnittstellen zu den Systemen der Unfallversicherungsträger, insbe-
sondere zur Teilnehmer-/Seminarverwaltungs-Software der einzelnen UVT und der DGUV ver-
fügen und dezentral bedienbar sein.
Beispiele wären die Umsetzung elektronischer Lernerfolgskontrollen, die systemgesteuerte
Auslösung von Seminareinladungen, die vom jeweiligen UVT angestoßene Einladung zur Re-
gistrierung auf der Lernplattform, die Bereitstellung von branchenspezifischen Materialien für
Teilnehmer und Dozenten.
Personalisierbarkeit
Die Lernplattform soll Personalisierungsfunktionen enthalten, die es Nutzern ermöglichen, die
Plattform ihren Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Hierzu gehören die Erstellung einer
eigenen Profilseite, die Anpassung der persönlichen Arbeitsoberfläche sowie die Möglichkeit
über eine Markier- und Notizfunktion individuelle Arbeitsergebnisse festzuhalten und mittels
Lesezeichen den aktuellen Bearbeitungsstand zu speichern.

2.3 Kommunikationswerkzeuge und -möglichkeiten


Synchrone Kommunikation:
Die Lernplattform soll Werkzeuge zur synchronen Kommunikation enthalten, z. B. Voice-Chat,
Chaträume, virtuelles Klassenzimmer.
Asynchrone Kommunikation und Zusammenarbeit:
An asynchronen Kommunikationswerkzeugen sollten solche bereitgestellt werden, die das ko-
operative und kollaborative Arbeiten unterstützen. Z. B. Foren, Blogs, Wikis, Feedback, Ab-
stimmungswerkzeuge, Kommentar- und Rückfragenfunktion.
Dozentennetzwerk:
Zusätzlich zu den allgemeinen Kommunikationswerkzeugen sollten für Dozenten und E-
Moderatoren zusätzliche Bereiche und Funktionen bereitgestellt werden, die die Bildung von
Experten-Gemeinschaften, beispielsweise ein Dozentennetzwerk, ermöglichen.

2.4 Organisatorische Gesichtspunkte


Teilnehmerverwaltung durch UVT
Zur Verwaltung der Teilnehmer muss die Lernplattform über Schnittstellen zu den Seminar- und
Teilnehmerverwaltungsprogrammen der UVT verfügen. Über die Schnittstelle müssen sowohl
Teilnehmerdaten durch die UVT in die Lernplattform eingespeist, als auch Rückmeldungen an
die UVT bezüglich des Abschlusses einzelner Selbstlernphasen durch die Teilnehmer erfolgen.
Kontaktmanagement

Seite 120 von 160


Für alle auf der Lernplattform Agierenden soll durch die Lernplattform ein Kontaktmanagement
bereitgestellt werden. Über das Kontaktmanagement sollen kurs- oder themenbezogene Kon-
taktlisten erstellt und verwaltet werden können und die Vernetzung der Akteure gefördert wer-
den.
Mandantenfähigkeit (differenzierte Inhalte, UVT bezogen)
Mandantenfähigkeit ist die Fähigkeit der Lernplattform für verschiedene Kunden (Mandanten)
die vorhandenen Plattformfunktionalitäten in klar abgegrenzten Bereichen, auf die nur der jewei-
lige Mandant Zugriff hat, zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet, dass die von einem Mandaten
eingestellten Inhalte nur in dessen Mandantenbereich der Lernplattform für die dort registrierten
Lerner zugreifbar sind.
Speicherung von E-Inhalten
Nutzer sollen auf der Plattform selbst erzeugte Inhalte abspeichern können.
Nachverfolgung des Lernfortschritts
Die Lernplattform muss geeignete Funktionen bereitstellen, die den Dozenten und E-
Moderatoren die Nachverfolgung des Lernfortschritts ermöglichen. Hierzu zählen Funktionen
der Historisierung, in denen die Transaktionen des Nutzers dokumentiert werden, und weiter
Maßnahmen, wie beispielsweise eine Versionskontrolle und –historie.
Statistische Auswertung
Die Lernplattform muss aus den gespeicherten Daten aus Transaktionen, Lernerfolgskontrollen
und interaktiven Tests statistische Auswertungen zu bestimmten Aufgabenstellungen generie-
ren können.
Datenschutz
Die Einhaltung der notwendigen Vorgaben des Datenschutzes durch die Lernplattform muss
sichergestellt sein. Die Nutzer entscheiden selber darüber, welche der im Benutzerprofil hinter-
legten Daten für andere freigegeben werden.

3 Qualitätssicherung und Pflege im laufenden Betrieb


3.1 Qualitätsrahmenmodell
Die im Qualitätsrahmenmodell für die Präventionsdienstleistung „Qualifizierung“ beschriebenen
Qualitätsstandards gelten für alle Bildungsaktivitäten im Bereich der Prävention.
Diese Qualitätsstandards sind auch bei Einführung einer Lernplattform für Teile der Qualifizie-
rung als verbindlicher Bestandteil des Gesamtproduktes „Qualifizierung“ anzusehen und zu be-
rücksichtigen.
Die von der PG Qualitätsstandards festgelegten Anforderungen an die Qualität der Weiterent-
wicklung der Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit, gilt auch für den Betrieb der Lern-
plattform.

3.2 Qualitätsanforderungen
Für die Durchführung eines Dienstleistungsangebotes über eine Lernplattform ist eine zielgrup-
penorientierte, angemessene und lernförderliche Lerninfrastruktur zu schaffen. Dieses Medium

Seite 121 von 160


muss so beschaffen sein, dass auch Nutzer ohne oder mit nur geringen Vorkenntnissen in der
Lage sind, mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen die vorgegebenen Lernziele in einer
angemessenen Zeit zu erreichen. Die Anforderungen nach einem praxistauglichen Medium ist
auch im Hinblick auf die anderen am Lernprozess beteiligten Akteure sicher zustellen.
Die Lerninfrastruktur muss den konzeptionellen Anforderungen, den Gewohnheiten und Erwar-
tungen der Kunden entsprechen. Das persönliche Lernverhalten jedes Einzelnen ist hierbei zu
berücksichtigen. Die notwendigen Ressourcen für den reibungslosen Betrieb der Lernplattform
müssen inhaltlich strukturiert und organisiert zur Verfügung stehen. Die Nutzerbetreuung muss
fachlich, methodisch und sozial kompetent sein und dem Qualitätsstand in der Erwachsenbil-
dung entsprechen. Die Weiterqualifizierung aller Akteure, z. B. Dozenten, E-Moderatoren, Tuto-
ren, Lernberater, ist dauerhaft sicherzustellen.

3.3 Pflege im laufenden Betrieb


Um die Aktualität einer Lernplattform dauerhaft sicherzustellen, bedarf es einer kontinuierlichen
Nachsteuerung. Inhalte jedweder Art (Text, Bild, Ton ..) müssen flexibel an die veränderten
Rahmenbedingungen angepasst werden. Dies bedeutet z. B., dass neben den unmittelbar für
den Lernenden auf der Lernplattform zur Verfügung gestellten Inhalten auch referenzierte Inhal-
te für die Lehrenden bzw. Lernerfolgskontrollen möglichst berücksichtigt werden. Moderne
Lernsoftware ist heute in der Lage diese Funktion zu erfüllen. Über einen zentralen Pflegeklient
lässt sich hier Ressourcen schonend, das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich steigern und die
Qualität in diesem Bereich dauerhaft sicherstellen.
Möglich ist die Verwendung eines Learning Content Management Systems (LCMS) zur Pflege
der Inhalte. Ein LCMS ist ein System zur Erstellung, Pflege und Management von Lerninhalten.
Das LCMS verfügt über eine Verbindung zur Lernplattform, werden die im LCMS abgelegten
Lerninhalte überarbeitet, werden die entsprechenden Lerninhalte automatisch auch auf der
Lernplattform aktualisiert. Durch eine im LCMS eingebaute Versionskontrolle können auch Vor-
gängerversionen eines Lerninhalts jederzeit wiederhergestellt werden.

LCMS
Object-
Repository

Ausgabe

Learning-
Asset Autoren-
werkzeug

Abbildung 3: Learning Content Management System

Seite 122 von 160


Das LCMS zerlegt die Lerninhalte in atomare Bestandteile, sogenannte Assets, die in einer
zentralen Datenbank (Object Repository) verwaltet werden. Hierbei wird der Ansatz des Single
Source Publishing verfolgt, bei dem ein Lerninhalt nur einmal im LCMS abgelegt ist und aus
dieser einen Quelle sämtliche Ausgabeformate erzeugt werden. Damit wird die konsistente
Verwendung von Texten und Abbildungen über die unterschiedlichen Medien hinweg garantiert.

4 Rechtliche Aspekte zur Einführung und zum Betrieb einer Lern-


plattform
Beim Betreiben einer Lernplattform sind rechtliche Aspekte unter den Akteuren zu beachten
und einer juristischen Prüfung zu unterziehen.
Solche Aspekte können betreffen:
Registrierung, Anmeldung, Stammdaten, Änderungen in Gruppenkontext oder im Lernressour-
cenkontext, Transparenz der Datenverarbeitung.
Die im Folgenden aufgelisteten Punkte sind beispielhaft für die Inhalte einer juristischen Prü-
fung.

 Der Nutzerkreis ist definiert, z. B. Teilnehmer, Dozenten, E-Moderator, Administratoren


und ggf. Gäste.
 Der Nutzer muss der aktiven Speicherung seiner personenbezogenen Daten sowie der
ausgewählten, belegten, absolvierten und abgebrochenen Kurse sowie der Daten zu
weiteren Werkzeugen vorher zustimmen
 Dem Nutzer muss ersichtlich sein, welche Daten gespeichert werden und wer diese Da-
ten zu welchem Zweck verwendet.
 Die Speicherzeit bzw. -dauer muss ersichtlich sein
 Dem Nutzer müssen die Nutzungsbedingungen aufgelistet werden (was ist nicht er-
laubt?)
 Der Nutzer muss darüber aufgeklärt werden, wann er von einer Nutzung ausgeschlos-
sen wird.
 Der Nutzer muss verpflichtet werden, seine Zugangsdaten vertraulich zu behandeln
 Der Nutzer muss aktiv bestätigen, dass er die Nutzungsbedingungen gelesen hat und
einverstanden ist.
 Personenbezogene Informationen dürfen nicht auf andere Rechner kopiert oder weiter-
verarbeitet werden, sofern es nicht für die Nutzung erforderlich ist.
 Nutzerdaten müssen vollständig gelöscht werden, sobald diese Daten für die Abwick-
lung des Kurses nicht mehr benötigt werden.
 Bei Verwendung der Aktivität „Abstimmung“ müssen die Nutzer über die Sichtbarkeit der
Namen informiert, diese Aktivität anonymisiert eingerichtet und/oder gegebenenfalls eine
anonymisierte Abstimmung ermöglicht werden.
 Bei Verwendung der Aktivität „Feedback“ muss darauf geachtet werden diese Aktivität
anonymisiert einzurichten oder auf die gegebenenfalls nicht-anonyme Aktivität „Feed-
back“ gesondert hinzuweisen.
 Bei Verwendung der Aktivität „Test“ (als nicht-bewertungsrelevante Leistung, Selbststu-
dium) müssen die Nutzer auf die Einsicht folgender Daten hingewiesen werden: Zeit-
spanne der Durchführung des Tests (Beginn und Ende), die verbrauchte Zeit und die
Bewertungsergebnisse des Tests.
 Urheberrechte an den Inhalten
 Die Urheberrechte aller eingebrachten Informationen und Materialien müssen von jedem
Nutzer anerkannt und beachtet werden.
 Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Lehr/Lernmaterialien für Nutzer nur zum
eigenen Bedarf verwendet werden dürfen und nicht an Dritte weiter gegeben werden
dürfen. Nutzer müssen darauf hingewiesen werden, dass es ihnen nicht gestattet ist, In-

Seite 123 von 160


formationen oder Dienste, die Sie unter Zugriff auf die Lernplattform erhalten haben, zu
veröffentlichen, zu lizenzieren, zu verkaufen oder Dritten zur Verfügung zu stellen.
 Die Nutzer müssen über die Nutzungsbedingungen zu Grafiken und Fotos informiert
werden.
 Die eingestellten Lerninhalte und -aktivitäten werden nur für Lehrzwecke verwendet.
 Der Betreiber der Lernplattform muss von Ansprüchen Dritter aus Nichtbeachtung von
Schutzrechtsverletzungen freigestellt werden.
 Die Beiträge der einzelnen Teilnehmer stellen Beiträge im Rahmen ihres Lehrgangs dar.
 Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Betreibers der Lernplattform sind durch ihren
Vertrag explizit auf die Einhaltung der Datenschutzrichtlinien zu verpflichten, sofern sie
Umgang mit der Lernplattform haben.
 Der Nutzer muss entscheiden können, ob der Name oder seine E-Mail-Adresse in sei-
nem Profil sichtbar sein soll.
 Beiträge, Abstimmungen, Feedbacks, etc. müssen bei der Abmeldung / Löschung eines
Teilnehmers ebenfalls gelöscht oder anonymisiert werden, falls sonst der Zusammen-
hang verloren geht (z.B. Chat oder Wiki)
 Der Nutzer muss darüber informiert werden, dass seine „Log-Daten“ gespeichert werden
(z. B. Zeit, IP-Adresse, vollständiger Name, Aktion und Information)
 Der Nutzer ist darüber zu informieren, dass anonymisierte Berichte für statistische Zwe-
cke, Forschung oder Weiterentwicklung gespeichert werden können.
 Die Nutzer sind über die Verwendung von „Cookies“ zu informieren.
 Die Nutzer sind darüber zu informieren, dass System-Administratoren innerhalb der ge-
samten Lernplattform Zugang in alle Bereiche und Daten haben.
 Die Dienste dürfen nicht in einer Weise genutzt werden, die den Server oder die mit dem
Server verbundenen Netzwerke schädigen, deaktivieren, überlasten oder beeinträchti-
gen könnten, oder die die Nutzung der Dienste durch Dritte beeinträchtigen könnten.
 Das „Knacken“ von Codes, die illegale Beschaffung von Kennwörtern oder sonstige Me-
thoden, die unerlaubt Zugang zu Diensten, Accounts, Computersystemen oder mit die-
sen verbundenen Netzwerken verschaffen, sind zu untersagen.
 Eine Abgrenzung zu Inhalten von verlinkten Webseiten ist aufzunehmen.
 Eine Kontaktmöglichkeit zu einem Verantwortlichen ist bereitzustellen.

Zusammenfassung
Die vorliegende Konzeption stellt die gesamte Bandbreite der zum heutigen Zeitpunkt verfügba-
ren Funktionalitäten einer Lernplattform dar. Welche Lernplattform mit welchen Funktionalitäten
letztlich realisiert wird, ist unter Berücksichtigung didaktischer, wirtschaftlicher und rechtlicher
Aspekte zu entscheiden.

Seite 124 von 160


Anhang 2

Aus der beruflichen Qualifikation und der Berufserfahrung voraussetzbare Ausgangs-


qualifikationen (Kompetenz – Ist) im Vergleich zu der mit der Ausbildung zu Fachkraft
für Arbeitssicherheit angestrebten Kompetenz (Kompetenz – Soll)

Inhalt

1. Berufsbilder von Meistern, Technikern und Ingenieuren


1.1 Berufsbild von Meistern
1.2 Berufsbild von Technikern
1.3 Fazit aus den Berufsbildern für Meister und Techniker
1.4 Berufsbild von Ingenieuren
1.5 Fazit aus dem Berufsbild für Ingenieure

2. Mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit angestrebte Komp-


tenzen (Kompetenz-Soll)

3. Vergleich der mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ange-
strebten Kompetenz mit der durch die berufliche Qualifikation und Berufser-
fahrung voraussetzbaren Ausgangsqualifikation
3.1 Allgemeines
3.2 Know how
3.3 Umgang mit anderen
3.4 Selbstführung
3.5 Haltung

4. Quellen

Seite 125 von 160


1. Berufsbilder von Meistern, Technikern und Ingenieuren

1.1 Berufsbild von Meistern

Der Meister ist eine Ausbildungsbezeichnung im Handwerk, die mit einem Aufstiegsweiter-
bildungsabschluss durch das erfolgreiche Ablegen der Meisterprüfung verliehen wird.

Vom handwerklichen Meister zu unterscheiden ist beispielsweise der Industriemeister für


den industriellen Bereich.

Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung vor der bei der zuständigen Kammer
errichteten staatlichen Prüfungsbehörde (Meisterprüfungsausschuss) sind:
- mind. Hauptschulabschluss
- Besitz eines Gesellenbriefes oder Abschluss einer industriellen Facharbeiterprüfung
und mehrjährige Berufspraxis
- Besuch einer Fachschule.

Die Ausbildung an der Fachschule setzt sich aus vier Teilen zusammen:
- Teile I und II (Fachspezifische Ausbildung):
 Für jedes Gewerke separat „Meisterhafte Verrichtung der gebräuchlichen Ar-
beiten“ und „Fachtheoretische Kenntnisse“ – dazu zählt auch die Vermittlung
von Kenntnissen in der Betriebsführung und Organisation, z. B.: Betriebliche
Kostenrechnung, Marketingmaßnahmen, Auftragsabwicklung, Organisati-
on/Logistik, Qualitätsmanagement, Personalwesen, Dokumentati-
on/Präsentation, Arbeitsschutz und Umweltschutz.
- Teil III und IV (Fachübergreifende Ausbildung):
 Teil III „Wirtschafts- und Rechtskunde“: Rechnungswesen und Controlling, Be-
trieb und Wirtschaft, Recht und Steuern, Informations- und Kommunikations-
technologie
 Teil IV „AdA – Vorbereitung auf die Ausbildungseignungsprüfung (Berufs- und
Arbeitspädagogik); Allgemeine Grundlagen, Planung der Ausbildung, Mitwir-
kung bei der Einstellung von Auszubildenden, Ausbildung am Arbeitsplatz,
Förderung der Lernprozesse, Ausbildung in der Gruppe.

Die Ausbildung dauert je nach Gewerke ca. 500 – 1200 Stunden für die Teile I und II sowie
230 Stunden für den Teil III und 120 Stunden für den Teil IV6.

6
Quelle: Meisteroffensive des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern: www.besser-ein-
meister.de/inhakte_der _Meisterausbildung.120.html

Seite 126 von 160


Voraussetzungen für die Industriemeister-Prüfung vor der IHK sind:
- mind. Hauptschulabschluss
- abgeschlossene anerkannte Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich und
mind. 1-jährige Berufspraxis
- IHK-Ausbildung
Diese Fortbildung hat nicht das Ziel der selbständigen Führung eines Betriebes, sondern
befähigt dazu, Führungsaufgaben in einem Industriebetrieb zu übernehmen7.

Die IHK-Ausbildung basiert auf entsprechende staatlichen Verordnungen (VO über die Prü-
fung zum anerkannten Abschluss Geprüfter Industriemeister ... (z. B. Metall, Chemie); Aus-
bilder-Eignungsverordnung) oder auf eine von einer IHK als „zuständige Stelle“ erlassene
Prüfungsordnung und setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
- Handlungsspezifischer Teil:
 Beim Industriemeister Fachrichtung Metall z. B.: Handlungsbereich Technik
(Betriebstechnik, Fertigungstechnik, Montagetechnik); Handlungsbereich Or-
ganisation (Betriebliches Kostenwesen, Planungs-, Steuerungs- und Kommu-
nikationssysteme, Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz); Handlungsbe-
reich Führung und Personal (Personalführung und -entwicklung, Qualitätsma-
nagement)
- Fachrichtungs-übergreifender Teil
 Rechtsbewusstes Handeln; Betriebswirtschaftliches Handeln; Anwendung von
Methoden der Information, Kommunikation und Planung; Zusammenarbeit im
Betrieb; Berücksichtigung naturwissenschaftlicher und technischer Gesetz-
mäßigkeiten
Bestandteil der Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister kann auch der erfolgreiche Ab-
schluss der Ausbildereignungsprüfung sein.

Die Ausbildung dauert beispielsweise in Form von Fernunterricht 30 Monate8, in Vollzeitform


8 – 12 Monate (je nach Wochenstunden)9.

1.2 Berufsbild von Technikern

7
Anmerkung: Ein Industriemeister kann sich aber trotzdem in die Handwerkerrolle eintragen lassen
und ist somit ebenfalls berechtigt, einen eigenen Betrieb zu führen.
8
Beispiel Industriemeister – Metall: Studiengemeinschaft Darmstadt
www.sgd.de/technik/Industriemeister-metall-meisternetz.php
9
Beispiel. Industriemeister – Digital- und Printmedien:
www.zfamedien.de/downloads/Industriemeister.pdf

Seite 127 von 160


Als Techniker im eigentlichen Sinne bezeichnet man Personen, die eine Aufstiegsweiterbil-
dung sowie eine staatliche Prüfung („staatlich geprüfter Techniker“) oder eine staatliche an-
erkannte Prüfung („staatlich anerkannter Techniker“) an einer Fachschule für Technik abge-
legt haben.

Voraussetzungen für die Zulassung zum Ablegen des staatlichen Examens sind:
- mind. Hauptschulabschluss
- abgeschlossene Berufsausbildung in der jeweiligen Fachrichtung von mind. 2-jähriger
Dauer und eine spätere einschlägige berufliche Tätigkeit von mind. 1 Jahr mit Berufs-
schulabschluss
- alternativ zur abgeschlossenen Berufsausbildung: Nachweis einer mind. 7-jährigen
qualifizierten Tätigkeit in einem der Fachrichtung entsprechenden Beruf
- Besuch einer Fachschule für Technik
Inhalte der Ausbildung an der Fachschule sind:
- fachbezogene Ausbildungsinhalte der jeweiligen Fachrichtung
- fachübergreifende Ausbildungsinhalte:
 Englisch
 Kommunikation
 Soziologie / Politik
 Mathematik
 Mitarbeiterführung
 Physik
 Betriebswirtschaft
 Qualitätsmanagement
 Chemie / Werkstoffkunde
Oft auch:
 Ausbildung der Ausbilder
 Grundausbildung: Microsoft Certified Professional
Die Aufstiegsfortbildung umfasst insgesamt mindestens 2.400 Unterrichtsstunden und kann
in Vollzeit (2 Jahre) oder Teilzeit (4 Jahre) als auch in Form eines Fernlehrgangs mit flexibler
Zeiteinteilung absolviert werden10.

Der Abschluss „Staatlich geprüfter Techniker“ erlaubt in allen handwerkergleichen oder


gleichgestellten Fachrichtungen die Eintragung in die Handwerkerrolle, die bei der Hand-
werkskammer geführt wird.

Staatlich geprüfte bzw. anerkannte Techniker11 werden eingesetzt

10
Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Techniker

Seite 128 von 160


- in der Industrie in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zur Unterstützung von
Ingenieurteams bzw. auch zur selbständigen Abwicklung von Projekten und Teilauf-
trägen
- in der Arbeitsvorbereitung der Produktion
- in der Abteilungs-, Produktions- und Betriebsleitung
- in der betrieblichen Qualitätssicherung und im Qualitätsmanagement
- im Einkauf / Vertrieb
- in der Ausbildung von Nachwuchskräften
- als technischer Fachlehrer an beruflichen Schulen.

1.3 Fazit aus den Berufsbildern für Meister und Techniker:

Aufbauend auf mindestens einem Hauptschulabschluss führt eine gründliche theoretische


und praktische Ausbildung mit Meisterprüfung bzw. staatlichem Examen zu
- einem umfassenden (=Expertenniveau) theoretischen Wissen mit einem hohen Maß
an Transferfähigkeit und praktischem Können im jeweiligen Beruf und in der Ausbil-
dung.
Dies ist Voraussetzung
- zu selbständigem Arbeiten, d. h. selbständige Planung und Bearbeitung von umfas-
senden Aufgabenstellungen und zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen
im jeweiligen beruflichen Tätigkeitsfeld (einschließlich dem Tätigwerden als Unter-
nehmer),
- zur Mitwirkung bei der Gestaltung von Arbeitsumgebungen sowie
- zum Führen und Anleiten von Gesellen und Mitarbeitern.

Man trifft in der Industrie auch auf Personen mit Meister / Techniker – ähnlicher Qualifikation.

Aufbauend auf einen Hauptschulabschluss führt hier eine gründliche theoretische und prakti-
sche Ausbildung mit mehrjähriger Berufserfahrung in solcher Funktion zu
- einem hohen Fachwissen mit einem notwendigen Maß an Transferfähigkeit und prak-
tischem Können im jeweiligen Beruf.
Dies ist Voraussetzung
- zu selbständigem Arbeiten, d. h. selbständige Planung und Bearbeitung von umfas-
senden Aufgabenstellungen und zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen
im jeweiligen beruflichen Tätigkeitsfeld,
- zur Mitwirkung bei der Gestaltung von Arbeitsumgebungen sowie

11
Mit staatlich geprüften bzw. anerkannten Technikern nicht zu verwechseln sind Berufsbezeichnun-
gen für verschiedene technische Ausbildungsberufe des Handwerks: z. B. Radio-/Fernsehtechniker,
Fernmeldetechniker, Zahntechniker.

Seite 129 von 160


- zum Führen und Anleiten von Mitarbeitern.

1.4 Berufsbild von Ingenieuren

Ein Ingenieur ist eine Berufsbezeichnung für Fachleute, die das Studium einer technischen
oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung an einer wissenschaftlichen Hochschule oder
einer Fachhochschule oder einer Berufsakademie abgeschlossen haben. Diplom-Ingenieure
werden an Technischen Universitäten und Hochschulen ausgebildet.

Die Ausbildung zum Ingenieur und die Berufsausübung sind durch Gesetze geregelt.

Es handelt sich um ein Berufsbild, das durch die systematische Aneignung, Beherrschung
und Anwendung von wissenschaftlich-theoretisch fundierten und empirisch gesicherten
technischen Erkenntnissen und Methoden gekennzeichnet ist.

Der Ingenieursbegriff umschreibt als Oberbegriff die Summe verschiedener an Hochschulen


(Technischen Hochschulen, Universitäten, Fachhochschulen, Dualen Hochschulen) erwor-
bene Berufsabschlüsse unter Erlangung des akademischen Grades eines Diplom-
Ingenieurs, Bachelors und Masters of Engineering oder Bachelors und Masters of Science
oder an Berufsakademien erworbene Berufsabschlüsse unter Erlangung der staatlichen Be-
zeichnung Diplom-Ingenieur (BA) oder Bachelor of Engineering. An den Höheren Fachschu-
len (früher Technische Fach-. und Ingenieurschulen) erlangte man den Berufsabschluss mit
der staatlichen Bezeichnung „Ingenieur“.

Studienvoraussetzung ist i. d. R. die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhoch-


schulreife (Fachabitur) und ein abgeschlossenes Praktikum.

Auf der Grundlage eines fundierten Fachwissens und einer guten Allgemeinbildung zeichnen
sich Ingenieure im allgemeinen durch
- analytisches Denken
- gute theoretische und auch anwendungsorientierte Fachkenntnisse aus, verbunden
mit
- praxisorientierten und auf termingerechte Umsetzung bedachte Vorgehensweisen.

Tätigkeitsschwerpunkte sind z. B. Beratung, Forschung, Entwicklung, Planung, Fertigung,


Produktions- und Prozesssteuerung, Berechnung, Gutachtenerstellung, Konstruktion, Ver-
suchs- und Prüfwesen (Chemische und physikalische Untersuchungen), Logistik, Montage,
Patent- und Normwesen, Controlling und Management, Sicherheit.

Eine der Hauptaufgabe des Ingenieurs ist der Entwurf von Systemen. Dabei handelt es sich
um einen komplexen Prozess, bei dem sowohl analytische Fähigkeiten als auch Kreativität
Seite 130 von 160
eine große Rolle spielen. Sie setzen dabei ihr Wissen gezielt ein, um Systemen bestimmte
Funktionen, Formen oder Eigenschaften zu geben. Dabei müssen sie oft Lösungen finden,
die bei gegebenen (beschränkten) Ressourcen das bestmögliche Ergebnis darstellen.

Die Industrie basiert hauptsächlich auf die ingenieurmäßige Umsetzung technischen Wis-
sens.

1.5 Fazit aus dem Berufsbild für Ingenieure

Aufbauend auf dem (Fach-)Abitur führt die wissenschaftliche Ausbildung mit (Fach-) Hoch-
schulabschluss zu
- einem fundierten Fachwissen (= hohes Expertenniveau) in einem bestimmten Fach-
gebiet mit einem sehr hohen Maß an Transferfähigkeit (d. h. auch Abstraktionsfähig-
keit) und
- guter technischer/naturwissenschaftlicher Allgemeinbildung.
Dies ist Voraussetzung
- zur selbständigen Planung und Bearbeitung von neben umfassenden auch neuen
komplexen Aufgabenstellungen bei komplexen Betriebsanlagen, Arbeitssystemen
und Arbeitsverfahren sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von komplexen
Prozessen im jeweiligen beruflichen Tätigkeitsfeld, das auch strategieorientiert sein
kann,
- zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten sowie
- zum konzeptiven Denken bei der Entwicklung und Gestaltung von Arbeitsumgebun-
gen.
Das Tätigwerden als Führungskraft nach dem Studium fordert über das Führen und Anleiten
von Mitarbeitern hinaus auch die Führung, das Anleiten und das Koordinieren von Experten.

2. Mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit angestrebte Kompetenz


(Kompetenz – Soll)

Fachkräfte für Arbeitsicherheit sind Generalisten in allen Fragen von Sicherheit und Gesund-
heitsschutz. Zugleich ist jede Fachkraft für Arbeitssicherheit Spezialist für besondere auf den
Wirtschaftszweig und auf den Einzelbetrieb bezogene spezifische Schwerpunkte. Bei Bedarf
an speziellem Fachwissen zu Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der
Arbeit sorgen sie für die Beteiligung von Experten entsprechender Fachdisziplinen.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen in der Lage sein, Netzwerke mit inner- und außerbe-
trieblichen Akteuren auf dem Gebiet des Arbeitschutzes zu bilden.

Seite 131 von 160


Die Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit soll Personen mit den Ausgangsqualifika-
tionen als berufserfahrene geprüfte Meister oder Techniker, mindestens aber in solcher
Funktion mehrjährig tätig, und berufserfahrene Ingenieure (oder gleichwertig, z. B. Naturwis-
senschaftler) befähigen, als Sicherheitsmeister, Sicherheitstechniker oder als Sicherheitsin-
genieur die Aufgaben einer Sicherheitsfachkraft nach dem ASiG so wahrzunehmen, wie sie
in den Anhängen 3 und 4 zur DGUV Vorschrift 2 konkretisiert sind.

Nicht alle dieser Aufgabenstellungen können dabei von Sicherheitsmeistern/-technikern ab-


schließend bearbeitet werden. So sind beispielsweise hinsichtlich Komplexität und Fachlich-
keit anspruchsvolle Fragestellungen in aller Regel Sicherheitsingenieuren vorbehalten.

Sicherheitsmeister/-techniker sollen mit einem umfassenden Fachwissen auf dem Gebiet der
Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit und einem hohen Maß an Transfer-
fähigkeit und praktischem Können in diesem Tätigkeitsfeld selbständig arbeiten können12. D.
h. sie sollen in der Lage sein,
- eine Grundbetreuung in allen Branchen der gewerblichen Wirtschaft und im öffentli-
chen Dienst leisten zu können, die ein breites fachliches Problembewusstsein um-
fasst und aufbauend auf die selbständig ausführende und kontrollierende Bearbei-
tung von Aufgabestellungen fallbezogen das Hinzuziehen von zusätzlichem Sachver-
stand sicherstellt
- in Teilbereichen des Arbeitsschutzes auch umfassende Aufgabenstellungen selb-
ständig selbst zu planen und zu bearbeiten sowie Prozesse eigenverantwortlich zu
steuern sowie dort auch Arbeitssysteme, -prozesse und -verfahren sicherheits- und
gesundheitsgerecht zu gestalten,
- Unternehmer und Führungskräfte sowie Beschäftigte in ihrem Wirkbereich
 in Fragen der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes zu beraten und zu un-
terstützen sowie
 auf ihr sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten hinzuwirken. Dazu
gehört im Bedarfsfall auch das Moderieren von Gruppen, die Motivation zu si-
cherheits- und gesundheitsgerechtem Verhalten und die Durchführung von
Aus- und Fortbildungen auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheits-
schutzes bei der Arbeit.
Typische regelmäßige Aufgabenstellungen für Sicherheitsmeister/-techniker sind z. B.
- die vorgabenorientierte Erfassung von Defiziten im Arbeitsschutz durch Begehungen
und das Hinwirken auf ihre Beseitigung (Gefährdungsbeurteilung)
- die Auswahl und die Überprüfung der Benutzung von PSA
- die Unterstützung bei der arbeitsplatzbezogenen Arbeitsschutzunterweisung der Be-
schäftigten
- die Mitwirkung bei der Aus- und Fortbildung von Sicherheitsbeauftragten.
Sicherheitsingenieure, d. h. Personen mit ingenieurmäßiger oder gleichwertiger Ausbildung
(z. B. Naturwissenschaftler) sollen darüber hinaus mit einem fundierten Fachwissen auf dem
Gebiet der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes und einem ausgeprägten Abs-

12
Vgl. „Anforderungsprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit“, Abschnitt 3; dabei wird davon ausge-
gangen, dass dieses Qualifikationsniveau auch von Personen mit Meister-/Techniker-ähnlicher Quali-
fikation nach Abschluss der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit erreicht werden kann.

Seite 132 von 160


traktions- und Transfervermögen in breitem Umfang neben umfassenden auch neue kom-
plexe Aufgabenstellungen bei komplexen Betriebsanlagen, Arbeitssystemen und Arbeitsver-
fahren selbständig bearbeiten und auch anspruchsvolle Prozesse eigenverantwortlich steu-
ern können13.

Dazu gehört auch


- konzeptives Denken zur Entwicklung und Gestaltung von Arbeitssystemen, -
prozessen und –verfahren sowie
- Unternehmer und Führungskräfte aller Ebenen zu beraten, zu unterstützen, auf sie
einzuwirken und zu überzeugen.
Typische regelmäßige Aufgabenstellungen, die i. d. R. von Sicherheitsingenieuren wahrge-
nommen werden, sind Beratungen auf der Grundlage sicherheits- und arbeitswissenschaftli-
cher Erkenntnisse z. B bei der
- Planung und Ausführung von Betriebsanlagen, technischen Arbeitsmitteln und Ar-
beitsverfahren
- Gestaltung von Arbeitsplätzen, Arbeitsabläufen und der Arbeitsumgebung
- Überprüfung von Betriebsanlagen, technischen Arbeitsmitteln und Arbeitsverfahren.

Betriebsgrößenabhängig gestalten sich die Anforderungen wie folgt:


- Im Rahmen eines Kleinbetriebe sind i. d. R. ein oder wenige regelmäßig zu bearbei-
tende Teilbereiche anzutreffen, in denen Aufgabenstellungen der Anhänge 3 und 4
zur DGUV Vorschrift 2 zu bearbeiten sind. Hier werden in aller Regel Sicherheits-
meister/-techniker in Teilzeit tätig, die aus dem Bereich von entsprechenden Dienst-
leistern kommen und im konkreten Bedarfsfall für die Einbeziehung entsprechenden
Sachverstandes, beispielsweise Sicherheitsingenieure oder geeignete Fachexperten
Sorge tragen.
- Im anspruchsvolleren Rahmen eines Mittelbetriebes sind i. d. R. Aufgabenstellungen
der Anhänge 3 und 4 zur DGUV Vorschrift 2 in mehreren Teilbereichen regelmäßig
zu bearbeiten. Hier werden je nach Unternehmensgröße Sicherheitsmeister/-
techniker in Voll- bzw. Teilzeit – oft von Dienstleistern kommend – tätig, die sich im
konkreten Bedarfsfall z. B. durch Hinzuziehen von Sicherheitsingenieuren oder ge-
eignete Fachexperten fachlich verstärken.
- In Großunternehmen ist davon auszugehen, dass Aufgabenstellungen der Anhänge 3
und 4 zur DGUV Vorschrift 2 in einer Vielzahl von Teilbereichen auch auf höchsten
Niveaus regelmäßig zu bearbeiten sind, so dass hier neben Sicherheitsmeister/-
techniker auch betriebseigene Sicherheitsingenieure in Vollzeit tätig werden.

13
Vgl. Anforderungsprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit“, Abschnitt 3.

Seite 133 von 160


3. Vergleich der mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit angestrebten
Kompetenz mit der durch die berufliche Qualifikation und Berufserfahrung voraus-
setzbaren Ausgangsqualifikation

3.1 Allgemeines

Bei der Analyse der Kompetenzen wird unterschieden zwischen solchen zum „Know how“,
zum „Umgang mit anderen“, zur Selbstführung“ und zur „Haltung“.

Kompetenzen zum „Umgang mit anderen“, zur „Selbstführung“ und zur „Haltung“ entstehen
insbesondere im Zuge der Entwicklung von Berufserfahrung aus den wahrgenommenen
Funktionen mit Personalverantwortung heraus bzw. sind Voraussetzung für die Wahrneh-
mung von Führungsfunktionen mit Personalverantwortung.
Sie sind somit in erster Näherung unabhängig von der beruflichen (fachlichen) Qualifikation
als Meister/Techniker bzw. als Ingenieur/Naturwissenschaftler (o. dgl.).

Know-how-Kompetenzen differieren dagegen im Regelfall zwischen Meistern/Technikern


einerseits sowie Ingenieuren/Naturwissenschaftlern (o. dgl.) andererseits erheblich. Dies hat
zur Folge, dass in Seminaren bei der Vermittlung von Know-how-Kompetenzen auf die Ge-
fahr der Über- und Unterforderung von Teilnehmern geachtet werden muss.

Dozentenseits ist ein solcher Spagat nicht zu bewältigen. Hier empfiehlt sich, für eine Har-
monisierung der Zusammensetzung der Teilnehmer in den Seminaren Sorge zu tragen. Das
„Lernen lernen“ mit allen seinen Elementen (Projektarbeiten, Fallbeispiele, Rollenspiele, Dis-
kussionsforen u. dgl.) kann dann auf Niveaus angesiedelt werden, die der Teilnehmerqualifi-
kation angepasst sind, und führt zu den in Abschnitt 2 niedergelegten Soll-Kompetenzen.

Des Weiteren erfolgt die Ausbildung mit Blick zum Einen auf die große Breite der bei Sicher-
heit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit relevanten Teilkenntnisse zum andern auch auf
die vielfältigen Branchenspezifika (z. B. Bau, Chemie, Metall, Gesundheitswesen, Verkehr,
Warendistribution) bereichsbezogen. Bei einem Wechsel in einen anderen Bereich hat der
Unternehmer dafür Sorge zu tragen, dass die Fachkraft für Arbeitssicherheit die erforderli-
chen bereichsbezogenen Kenntnisse durch Fortbildung nach Maßgabe durch den zuständi-
gen UV-Träger erwirbt (§ 4 Abs. 7 DGUV Vorschrift 2).

Seite 134 von 160


3.2 Know-how

Ingenieur oder gleichwertig, Meister / Techniker bzw. Meister / Techniker – ähnlich:

Know-how

Kompetenz – Ist
Soll-Kompetenzen (Ausgangsqualifikation)
von Ingenieuren, Meistern und Techni-
kern

Informationsquellen zum Lernfeld 1 kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.


und daraus Informationen gewinnen und R. nicht vorausgesetzt werden
verarbeiten
Aufgabenspektrum des Arbeitsschutzes im Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
Überblick kennen R. nicht vorausgesetzt werden
Den Zusammenhang zwischen Arbeits- Kann nicht vorausgesetzt werden
schutz und Wirtschaftlichkeit kennen

Kennt Aufbau, Struktur und organisatorische Kann nicht vorausgesetzt werden


Abläufe der Ausbildung und setzt sie für sich
um
Lerntechniken und –strategien kennen Kann nicht vorausgesetzt werden
Den Zusammenhang zwischen Arbeits- Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
schutz und Recht kennen R. nicht vorausgesetzt werden

Das überbetriebliche Arbeitsschutzsystem Kann nicht vorausgesetzt werden


kennen
Kennt seine Aufgaben, Rolle und Stellung Kann nicht vorausgesetzt werden
als Fachkraft für Arbeitssicherheit im ver-
netzten Betriebsgeschehen

Eigenen Entwicklungsbedarf erkennen und Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern


Vorschläge machen können einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße vorausgesetzt werden

Methoden und Techniken der Organisation Kann nicht vorausgesetzt werden


und Planung der eigenen Arbeit als Fach-
kraft für Arbeitssicherheit auch bei komple-
xen Aufgabenstellungen beherrschen
Informationsquellen zum Lernfeld 2 kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.

Seite 135 von 160


und daraus Informationen gewinnen und R. nicht vorausgesetzt werden
verarbeiten
Organisationspflichten sowie Aufbau- und Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
Ablauforganisation von Unterneh- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
men/Betrieb/Behörde kennen und für das gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
eigene Unternehmen beschreiben gung vorausgesetzt werden
Die Aufgaben, Rolle und Stellung anderer Kann nicht vorausgesetzt werden
Arbeitschutzakteure kennen, diese be-
schreiben und in die betriebliche Organisati-
on einordnen
Das eigene Unternehmen als System ver- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
stehen, in Systemebenen gliedern und be- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
schreiben sowie konkrete Arbeitssysteme gleichem Maße vorausgesetzt werden
abgrenzen und beschreiben

Zusammenhänge zwischen Arbeitssystemen Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern


und Gefährdungen sowie Entstehung von einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
beschreiben gung vorausgesetzt werden

Methoden zum systematischen Beschreiben Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern


der Systeme anwenden einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße vorausgesetzt werden
Methoden zum anschaulichen und nachvoll- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
ziehbaren sowie formal korrekten Dokumen- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
tieren der Arbeitsergebnisse beherrschen gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
gung vorausgesetzt werden
Methoden der Konfliktlösung in Gruppen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
kennen R. nicht vorausgesetzt werden
Vortragstechniken kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
R. nicht vorausgesetzt werden
Präsentationstechniken kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
R. nicht vorausgesetzt werden
Informationsquellen zum Lernfeld 3 kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
und daraus Informationen gewinnen und R. nicht vorausgesetzt werden
verarbeiten
Gefährdungs- und Belastungsfaktoren ken- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
nen und ermitteln sowie Gefährdungen und einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
Belastungen im jeweiligen Arbeitssystem gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
sowie ihre Wechselwirkungen beurteilen gung vorausgesetzt werden
Gefährdungs- und Belastungsfaktoren ken- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
nen und ermitteln sowie Gefährdungen und einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
Belastungen zwischen Arbeitssystemen be- gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
urteilen gung vorausgesetzt werden
Faktoren zum Erhalt der individuellen ge- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
sundheitlichen Ressourcen im Zusammen- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
hang mit der Arbeit kennen und ermitteln gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
gung vorausgesetzt werden

Seite 136 von 160


Kennt die sicherheits- und gesundheits- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
schutzbezogenen Anforderungen an Ar- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
beitssystemelemente und beurteilt diese gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
gung vorausgesetzt werden
Informationsquellen zum Lernfeld 4 kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
und daraus Informationen gewinnen und R. nicht vorausgesetzt werden
verarbeiten
Grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten für Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
alle Arbeitssystemelemente kennen einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße vorausgesetzt werden
Bestehende Arbeitssysteme sicher, gesund- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
heits- und menschengerecht unter Berück- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
sichtigung von Wechselwirkungen zwischen gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
Technik, Organisation und Personal in Ko- gung vorausgesetzt werden
operation mit Anderen gestalten
Beratungspotenzial für die frühzeitige Ein- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
bindung in Planungsprozessen erkennen einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
und nutzen gleichem Maße vorausgesetzt werden
Geplante Arbeitssysteme sicher, gesund- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
heits- und menschengerecht unter Berück- einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
sichtigung von Wechselwirkungen zwischen gleichem Maße vorausgesetzt werden
Technik, Organisation und Personal in Ko-
operation mit Anderen gestalten
Die rechtlichen Anforderungen an die Ge- Kann nicht vorausgesetzt werden
staltung von Arbeitssystemen kennen und
anwenden
Die wirtschaftlichen Erfordernisse und finan- Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
ziellen Rahmenbedingungen im Betrieb ken- R. nicht vorausgesetzt werden
nen und bei der Gestaltung berücksichtigen
Handlungskonzepte zur sicheren und ge- Kann nicht vorausgesetzt werden
sundheitsgerechten Gestaltung kennen und
anwenden
Komplexe Aufgaben zur Arbeitsystemgestal- Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
tung erfassen und bearbeiten einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße vorausgesetzt werden
Methoden zum managen von Prozessen und Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
Projekten kennen und sicher anwenden einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
gung vorausgesetzt werden
Informationsquellen zum Lernfeld 5 kennen Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
und daraus Informationen gewinnen und R. nicht vorausgesetzt werden
verarbeiten
Managementsysteme kennen Kann i. d. R. nicht bei Meistern / Technikern
einerseits sowie Ingenieuren andererseits in
gleichem Maße in der angestrebten Ausprä-
gung vorausgesetzt werden
Konzepte der Integration des Arbeitschutzes Kann nicht vorausgesetzt werden
in das betriebliche Management gestalten
und weiterentwickeln

Seite 137 von 160


Verfahrensanweisungen für arbeitsschutzre- Kann nicht vorausgesetzt werden
levante Prozesse erstellen und begleiten
Audits für die Gestaltung und Weiterentwick- Kann nicht vorausgesetzt werden
lung des Arbeitsschutzes im betrieblichen
Management nutzen
Indikatoren/Kenngrößen für die Bewertung Kann nicht vorausgesetzt werden
der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit des
Arbeitsschutzes kennen und anwenden
Positive Effekte für das Unternehmen und Kann nicht vorausgesetzt werden
den Arbeitsschutz durch die Implementie-
rung und Weiterentwicklung von Manage-
mentsystemen darstellen
Methoden und Strategien bei der Implemen- Kann in der angestrebten Ausprägung i. d.
tierung und Weiterentwicklung von Mana- R. nicht vorausgesetzt werden
gementsystemen wählen und anwenden

3.3 Umgang mit anderen

Ingenieur oder gleichwertig, Meister / Techniker bzw. Meister / Techniker – ähnlich:

Umgang mit anderen

Kompetenz – Ist
Soll-Kompetenzen (Ausgangsqualifikation)
von Ingenieuren, Meistern
und Technikern

Methoden der Gesprächsführung beherrschen (Ziel füh- Kann in der angestrebten


rend, konstruktiv, systematisch) Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Methoden zur Kooperation bzw. zur Teamarbeit im Lern- Kann in der angestrebten
prozess und im betrieblichen Kontext beherrschen Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Mit Konflikten sicher umgehen und konstruktiv lösen kön- Kann in der angestrebten
nen Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Kommunikation in alle Richtungen unterstützen und Kon- Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
Seite 138 von 160
sens finden rausgesetzt werden
Mit anderen im Lernprozess interagieren Kann nicht vorausgesetzt wer-
den
Mit anderen im betrieblichen Kontext interagieren Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Vortragstechniken beherrschen Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Präsentationstechniken beherrschen Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Netzwerke aufbauen, nutzen und pflegen Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Lösungs- und prozessorientiert beraten Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen aktiv und voraus- Kann in der angestrebten
schauend agieren Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Kann in der angestrebten
Aufbau- und Ablauforganisation aktiv und vorausschauend Ausprägung i. d. R. nicht vo-
agieren rausgesetzt werden

3.4 Selbstführung

Ingenieur oder gleichwertig, Meister / Techniker bzw. Meister / Techniker – ähnlich:

Selbstführung

Kompetenz – Ist
Soll-Kompetenzen (Ausgangsqualifikation)
von Ingenieuren, Meistern
und Technikern

Die Erwartungen an die eigene Rolle verinnerlichen und Kann in der angestrebten

Seite 139 von 160


entsprechend handeln Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Einzelkenntnisse mehrerer Personen vernetzen (Koordina- Kann in der angestrebten
tion) Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Einzelkenntnisse systematisch erfassen und aufbereiten Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen systematisch vor- Kann in der angestrebten
gehen Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Kann in der angestrebten
Aufbau- und Ablauforganisation systematisch vorgehen Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Persönlichen Nutzen aus der Tätigkeit als Fachkraft für Kann nicht vorausgesetzt wer-
Arbeitssicherheit verinnerlichen den
Verantwortung für andere und für bestehende Aufgaben im Kann in der angestrebten
Lernprozess übernehmen können Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Verantwortung für die Rolle als Fachkraft für Arbeitssicher- Kann in der angestrebten
heit übernehmen Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Erfolgs- und zielorientiert im Lernprozess arbeiten Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Erfolgs- und zielorientiert im betrieblichen Kontext arbeiten Kann in der angestrebten
Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Erfolgs- und zielorientiert arbeiten und auf die Schaffung Kann in der angestrebten
einer Arbeitsschutzkultur hinwirken können Ausprägung i. d. R. nicht vo-
rausgesetzt werden
Lerntechniken und –strategien beherrschen Kann nicht vorausgesetzt wer-
den
Beim Dokumentieren der Arbeitsergebnisse die Wirksam- Kann nicht vorausgesetzt wer-
keit der Tätigkeit der Fachkraft für Arbeitssicherheit deutlich den
machen

3.5 Haltung

Ingenieur oder gleichwertig, Meister / Techniker bzw. Meister / Techniker – ähnlich:

Seite 140 von 160


Haltung

Die der „Haltung“ zuzuordnenden Kompetenzen sind in Persönlichkeitsschulungen kaum


veränderlich. Sie lassen sich hingegen geplant trainieren und entwickeln (John Erpenbeck
„Kompetenzen erkennen, bilanzieren und entwickeln“ in AMS Report 66, Egger-Sturm
2009).

Deshalb sind diese Kompetenzen als Bestandteil der Ausgangsqualifikation für die Zulas-
sung zur Ausbildung einzufordern. Sie sind bei Personen mit Führungsfunktionen und Kun-
denkontakt unabhängig davon, ob sie als Meister/Techniker oder Ingenieur tätig waren,
grundsätzlich voraussetzbar und werden während der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeits-
sicherheit weiterentwickelt.
„Haltung“ bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, selbstständig und verantwortlich zu
handeln, eigenes und das Handeln anderer zu reflektieren und die eigene Handlungsfähig-
keit weiter zu entwickeln sowie das eigene Leben selbstständig und verantwortlich im beruf-
lichen Kontext zu gestalten.
Wichti-
ges Merkmal der „Haltung“ einer Fachkraft ist, dass sie sich mit ihrer Rolle identifiziert und
die eigenen Grenzen kennt. Dies beinhaltet ihre Bereitschaft, sich Unterstützung zu holen
und sich weiter zu bilden. Hierbei schätzt sie ihre persönlichen Ressourcen realistisch ein.

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit erkennt, dass Veränderungen möglich sind und nutzt die
Chance dazu. Sie verfügt über Empathie, tritt selbstsicher auf und ist offen gegenüber ande-
ren.

Die Fachkraft ist zuverlässig, glaubwürdig, hält sich selbst an Regeln und handelt so, dass
es für andere Personen transparent ist.

Sie zeichnet sich durch Eigeninitiative aus, ist durchsetzungsfähig und besitzt Ausdauer.
In ihrer Tätigkeit ist sie kreativ und flexibel und hat ein hohes Pflicht- und Verantwortungs-
bewusstsein.

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit geht vertrauensvoll und wertschätzend mit anderen um
und akzeptiert deren Meinungen.

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit verfügt über Ressourcen zur Bewältigung von Belastun-
gen. Sie kann mit Misserfolgen umgehen und entwickelt die notwendige Distanz, um Kon-
flikte, die aus ihrer Rolle als Fachkraft für Arbeitssicherheit resultieren können, nicht persön-
lich zu nehmen.

Sie ist in der Lage, sich selbst für ihre Tätigkeit zu motivieren.

Die für das erfolgreiche Handeln einer Fachkraft für Arbeitssicherheit erforderliche „Haltun-
gen“ lassen sich nur bedingt vermitteln und sind in Persönlichkeitsschulungen kaum verän-
derlich. Sie müssen im Wesentlichen selbst angeeignet werden und sind bei Personen, die

Seite 141 von 160


Führungsfunktionen ausgeübt haben und über Kundenkontakte verfügten, voraussetzbar.
Bei Teilnehmern an der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit können sie somit
grundsätzlich als Ausgangsqualifikation eingestuft werden. Sie werden während der Ausbil-
dung durch aktive Unterstützung und Förderung weiterentwickelt.

Seite 142 von 160


4. Quellen

de.wikipedia.org/wiki/Meister

www.besser-ein-meister.de/inhalte_der_Meisterausbildung.120.html

de.wikipedia.org/wiki/Meisterpr%C3%BCfung

infobub.arbeitsagentur.de/.../start?...

DIHK-Publikationen: Geprüfter Industriemeister / Geprüfte Industriemeisterin – Fachrich-


tungsübergreifende Basisqualifikationen

www.sgd.de/technik/Industriemeister-metall-meisternetz.php

www.zfamedien.de/downloads/Industriemeister.pdf

de.wikipedia.org/wiki/Techniker

de.wikipedia.org/wiki/Ingenieur

Lexikon: Brockhaus

Deutscher Qualitätsrahmen (DQR)

„Anforderungsprofil der Fachkräfte für Arbeitssicherheit“ sowie weitere Arbeitsergebnisse der


PG Analyse und Ausbildungsmodell des AAW

Konzept des BMA zur Verbesserung der Tätigkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit
(1990), Teil I „Thesen für die Bestellung von Sicherheitsingenieuren bzw. Sicherheitstechni-
kern und Sicherheitsmeistern“

J. Kutscher, Konzept zur Verbesserung der Tätigkeit der Fachkräfte für Arbeitssicherheit,
Moderne Unfallverhütung, Heft 37 (1993), S. 18ff)

Seite 143 von 160


Anhang 3

Angestrebte Kompetenzen und ihr schrittweiser Aufbau

1. Mit der Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit angestrebte Kompetenzen

Know-how

Soll-Kompetenzen Erläuterungen14

Informationsquellen zum Lernfeld 1 kennen und daraus Gegenstand von Lernfeld 1


Informationen gewinnen und verarbeiten

Aufgabenspektrum des Arbeitsschutzes im Überblick ken- Gegenstand von Lernfeld 1


nen

Den Zusammenhang zwischen Arbeitsschutz und Wirt- Gegenstand von Lernfeld 1


schaftlichkeit kennen

Kennt Aufbau, Struktur und organisatorische Abläufe der Gegenstand von Lernfeld 1
Ausbildung und setzt sie für sich um

Lerntechniken und –strategien kennen Gegenstand von Lernfeld 1

Den Zusammenhang zwischen Arbeitsschutz und Recht Gegenstand von Lernfeld 1


kennen

Das überbetriebliche Arbeitsschutzsystem kennen Gegenstand von Lernfeld 1

Kennt seine Aufgaben, Rolle und Stellung als Fachkraft für Gegenstand von Lernfeld 1
Arbeitssicherheit im vernetzten Betriebsgeschehen

Eigenen Entwicklungsbedarf erkennen und Vorschläge Gegenstand von Lernfeld 1


machen könne

Methoden und Techniken der Organisation und Planung Gegenstand von Lernfeld 1,
der eigenen Arbeit als Fachkraft für Arbeitssicherheit auch 2, 3, 4 und 5

14
Kompetenzen werden während der Ausbildung grundsätzlich in allen nachfolgenden Lernfeldern
laufend weiterentwickelt, indem sie Lernfeld bezogen aufgegriffen, trainiert und vertieft werden.

Seite 144 von 160


Know-how
bei komplexen Aufgabenstellungen beherrschen

Informationsquellen zum Lernfeld 2 kennen und daraus Gegenstand von Lernfeld 2


Informationen gewinnen und verarbeiten

Organisationspflichten sowie Aufbau- und Ablauforganisa- Gegenstand von Lernfeld 2


tion von Unternehmen/Betrieb/Behörde kennen und für
das eigene Unternehmen beschreiben

Die Aufgaben, Rolle und Stellung anderer Arbeitschutzak- Gegenstand von Lernfeld 2
teure kennen, diese beschreiben und in die betriebliche
Organisation einordnen

Das eigene Unternehmen als System verstehen, in Sys- Gegenstand von Lernfeld 2
temebenen gliedern und beschreiben sowie konkrete Ar-
beitssysteme abgrenzen und beschreiben

Zusammenhänge zwischen Arbeitssystemen und Gefähr- Gegenstand von Lernfeld 2


dungen sowie Entstehung von Unfällen und arbeitsbeding-
ten Erkrankungen beschreiben

Methoden zum systematischen Beschreiben der Systeme Gegenstand von Lernfeld 2


anwenden

Methoden zum anschaulichen und nachvollziehbaren so- Gegenstand von Lernfeld 2,


wie formal korrekten Dokumentieren der Arbeitsergebnis- 3, 4 und 5
se beherrschen

Methoden der Konfliktlösung in Gruppen kennen Gegenstand von Lernfeld 2

Vortragstechniken kennen Gegenstand von Lernfeld 2

Präsentationstechniken kennen Gegenstand von Lernfeld 2

Informationsquellen zum Lernfeld 3 kennen und daraus Gegenstand von Lernfeld 3


Informationen gewinnen und verarbeiten

Gefährdungs- und Belastungsfaktoren kennen und ermit- Gegenstand von Lernfeld 3


teln sowie Gefährdungen und Belastungen im jeweiligen
Arbeitssystem sowie ihre Wechselwirkungen beurteilen

Gefährdungs- und Belastungsfaktoren kennen und ermit- Gegenstand von Lernfeld 3


teln sowie Gefährdungen und Belastungen zwischen Ar-
beitssystemen beurteilen

Faktoren zum Erhalt der individuellen gesundheitlichen Gegenstand von Lernfeld 3


Ressourcen im Zusammenhang mit der Arbeit kennen und
ermitteln

Kennt die sicherheits- und gesundheitsschutzbezogenen Gegenstand von Lernfeld 3

Seite 145 von 160


Know-how
Anforderungen an Arbeitssystemelemente und beurteilt
diese

Informationsquellen zum Lernfeld 4 kennen und daraus Gegenstand von Lernfeld 4


Informationen gewinnen und verarbeiten

Grundlegende Gestaltungsmöglichkeiten für alle Arbeits- Gegenstand von Lernfeld 4


systemelemente kennen

Bestehende Arbeitssysteme sicher, gesundheits- und Gegenstand von Lernfeld 4


menschengerecht unter Berücksichtigung von Wechsel-
wirkungen zwischen Technik, Organisation und Personal
in Kooperation mit Anderen gestalten

Beratungspotenzial für die frühzeitige Einbindung in Pla- Gegenstand von Lernfeld 4


nungsprozessen erkennen und nutzen

Geplante Arbeitssysteme sicher, gesundheits- und men- Gegenstand von Lernfeld 4


schengerecht unter Berücksichtigung von Wechselwirkun-
gen zwischen Technik, Organisation und Personal in Ko-
operation mit Anderen gestalten

Die rechtlichen Anforderungen an die Gestaltung von Ar- Gegenstand von Lernfeld 4
beitssystemen kennen und anwenden

Die wirtschaftlichen Erfordernisse und finanziellen Rah- Gegenstand von Lernfeld 4


menbedingungen im Betrieb kennen und bei der Gestal-
tung berücksichtigen

Handlungskonzepte zur sicheren und gesundheitsgerech- Gegenstand von Lernfeld 4


ten Gestaltung kennen und anwenden

Komplexe Aufgaben zur Arbeitsystemgestaltung erfassen Gegenstand von Lernfeld 4


und bearbeiten

Methoden zum managen von Prozessen und Projekten Gegenstand von Lernfeld 4
kennen und sicher anwenden und 5

Informationsquellen zum Lernfeld 5 kennen und daraus Gegenstand von Lernfeld 5


Informationen gewinnen und verarbeiten

Managementsysteme kennen Gegenstand von Lernfeld 5

Konzepte der Integration des Arbeitschutzes in das be- Gegenstand von Lernfeld 5
triebliche Management gestalten und weiterentwickeln

Verfahrensanweisungen für arbeitsschutzrelevante Pro- Gegenstand von Lernfeld 5


zesse erstellen und begleiten

Audits für die Gestaltung und Weiterentwicklung des Ar- Gegenstand von Lernfeld 5
beitsschutzes im betrieblichen Management nutzen

Indikatoren/Kenngrößen für die Bewertung der Wirksam- Gegenstand von Lernfeld 5


keit und Wirtschaftlichkeit des Arbeitsschutzes kennen und

Seite 146 von 160


Know-how
anwenden

Positive Effekte für das Unternehmen und den Arbeits- Gegenstand von Lernfeld 5
schutz durch die Implementierung und Weiterentwicklung
von Managementsystemen darstellen

Methoden und Strategien bei der Implementierung und Gegenstand von Lernfeld 5
Weiterentwicklung von Managementsystemen wählen und
anwenden

Seite 147 von 160


Umgang mit Anderen

Soll-Kompetenzen Erläuterungen15

Methoden der Gesprächsführung beherrschen (Ziel füh- Gegenstand von Lernfeld 1,


rend, konstruktiv, systematisch) 2, 3, 4 und 5

Methoden zur Kooperation bzw. zur Teamarbeit im Lern- Gegenstand von Lernfeld 1,
prozess und im betrieblichen Kontext beherrschen 2, 3, 4 und 5

Mit Konflikten sicher umgehen und konstruktiv lösen kön- Gegenstand von Lernfeld 1,
nen 2, 3 und 4

Kommunikation in alle Richtungen unterstützen und Kon- Gegenstand von Lernfeld 1, 2


sens finden und 3

Mit anderen im Lernprozess interagieren Gegenstand von Lernfeld 1

Mit anderen im betrieblichen Kontext interagieren Gegenstand von Lernfeld 2

Vortragstechniken beherrschen Gegenstand von Lernfeld 2,


3, 4 und 5

Präsentationstechniken beherrschen Gegenstand von Lernfeld 2,


3, 4 und 5

Netzwerke aufbauen, nutzen und pflegen Gegenstand von Lernfeld 3

Lösungs- und prozessorientiert beraten Gegenstand von Lernfeld 3

Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen aktiv und voraus- Gegenstand von Lernfeld 4
schauend agieren

Bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Gegenstand von Lernfeld 5
Aufbau- und Ablauforganisation aktiv und vorausschauend
agieren

15
Kompetenzen werden während der Ausbildung grundsätzlich in allen nachfolgenden Lernfeldern
laufend weiterentwickelt, indem sie Lernfeld bezogen aufgegriffen, trainiert und vertieft werden.

Seite 148 von 160


Selbstführung

Soll-Kompetenzen Erläuterungen16

Die Erwartungen an die eigene Rolle verinnerlichen und Gegenstand von Lernfeld 1
entsprechend handeln und 2

Einzelkenntnisse mehrerer Personen vernetzen (Koordina- Gegenstand von Lernfeld 1


tion)

Einzelkenntnisse systematisch erfassen und aufbereiten Gegenstand von Lernfeld 2

Bei der Gestaltung von Arbeitssystemen systematisch Gegenstand von Lernfeld 4


vorgehen

Bei der Integration des Arbeitsschutzes in die betriebliche Gegenstand von Lernfeld 5
Aufbau- und Ablauforganisation systematisch vorgehen

Persönlichen Nutzen aus der Tätigkeit als Fachkraft für Gegenstand von Lernfeld 1
Arbeitssicherheit verinnerlichen und 2

Verantwortung für andere und für bestehende Aufgaben Gegenstand von Lernfeld 1
im Lernprozess übernehmen können

Verantwortung für die Rolle als Fachkraft für Arbeitssi- Gegenstand von Lernfeld 2
cherheit übernehmen

Erfolgs- und zielorientiert im Lernprozess arbeiten Gegenstand von Lernfeld 1

Erfolgs- und zielorientiert im betrieblichen Kontext arbeiten Gegenstand von Lernfeld 2

Erfolgs- und zielorientiert arbeiten und auf die Schaffung Gegenstand von Lernfeld 5
einer Arbeitsschutzkultur hinwirken können

Lerntechniken und –strategien beherrschen Gegenstand von Lernfeld 1,


2, 3, 4 und 5

Beim Dokumentieren der Arbeitsergebnisse die Wirksam- Gegenstand von Lernfeld 5


keit der Tätigkeit der Fachkraft für Arbeitssicherheit deut-
lich machen

Lernfeld 1 – Einführung in die Ausbildung und die Aufgaben der Fachkraft für Arbeitssicher-
heit
Lernfeld 2 – Arbeitssystem und betriebliche Organisation
Lernfeld 3 – Beurteilung von Arbeitsbedingungen

16
Kompetenzen werden während der Ausbildung grundsätzlich in allen nachfolgenden Lernfeldern
laufend weiterentwickelt, indem sie Lernfeld bezogen aufgegriffen, trainiert und vertieft werden.

Seite 149 von 160


Lernfeld 4 – Arbeitssystemgestaltung
Lernfeld 5 – Integration von Arbeitsschutz in die betriebliche Aufbau- und Ablauforganisation

Seite 150 von 160


2. Aufbau der Kompetenzen
Kompetenzen werden während der Ausbildung grundsätzlich laufend weiterentwickelt, indem
sie Lernfeld bezogen aufgegriffen, trainiert und vertieft werden. Hierauf wird im Einzelfall
nicht ausdrücklich hingewiesen. Falls jedoch in den einzelnen Lernfeldern konkrete Entwick-
lungen vorgesehen sind, findet sich in den nachstehenden Übersichten ein entsprechender
Vermerk.

Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5

Informations- Informations- Informations- Informations- Informations-


quellen zum quellen zum quellen zum quellen zum quellen zum
Lernfeld 1 ken- Lernfeld 2 ken- Lernfeld 3 ken- Lernfeld 4 ken- Lernfeld 5 ken-
nen und daraus nen und daraus nen und daraus nen und daraus nen und daraus
Informationen Informationen Informationen Informationen Informationen
gewinnen und gewinnen und für die Beurtei- für die Gestal- für die Integrati-
verarbeiten verarbeiten lung von Ar- tung von Ar- on des Arbeits-
beitsbedingun- beitssystemen schutzes in die
gen gewinnen gewinnen und Aufbau- und
und verarbeiten verarbeiten Ablauforganisa-
tion gewinnen
und verarbeiten

Aufgabenspek-
trum des Ar-
beitsschutzes
im Überblick
kennen

Den Zusam-
menhang zwi-
schen Arbeits-
schutz und
Wirtschaftlich-
keit kennen

Kennt Aufbau,
Struktur und
organisatori-
sche Abläufe
der Ausbildung
und setzt sie
für sich um

Den Zusam-
menhang zwi-
schen Arbeits-
schutz und
Recht kennen

Das überbe-
trieblichen Ar-
beitsschutzsys-

Seite 151 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


tems kennen

Kennt seine
Aufgaben, Rol-
le und Stellung
als Fachkraft
für Arbeitssi-
cherheit im
vernetzten Be-
triebsgesche-
hen

Eigenen Ent-
wicklungsbe-
darf erkennen
und Vorschläge
machen

Methoden und Methoden und Methoden und Methoden und Methoden und
Techniken der Techniken der Techniken der Techniken der Techniken der
Organisation Organisation Organisation Organisation Organisation
und Planung und Planung der und Planung der und Planung der und Planung der
der eigenen eigenen Arbeit eigenen Arbeit eigenen Arbeit eigenen Arbeit
Arbeit als als Fachkraft für als Fachkraft für als Fachkraft für als Fachkraft für
Fachkraft für Arbeitssicherheit Arbeitssicherheit Arbeitssicherheit Arbeitssicherheit
Arbeitssicher- im betrieblichen sicher anwen- auch bei kom- auch bei kom-
heit (Zeit- und Kontext anwen- den plexen Aufga- plexen Aufga-
Ressourcen- den benstellungen benstellungen
management) sicher anwen- beherrschen
im Lernprozess den
anwenden

Lerntechniken
und –strategien
kennen

Organisations-
pflichten sowie
Aufbau- und
Ablauforganisa-
tion von Unter-
neh-
men/Betrieb/Beh
örde kennen
und für das ei-
gene Unterneh-
men beschrei-
ben

Die Aufgaben-,
Rolle und Stel-
lung anderer

Seite 152 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


Arbeitschutzak-
teure kennen,
diese beschrei-
ben und in die
betriebliche Or-
ganisation ein-
ordnen

Das eigene
Unternehmen
als System ver-
stehen, in Sys-
temebenen
gliedern und
beschreiben
sowie konkrete
Arbeitssysteme
abgrenzen und
beschreiben

Zusammen-
hänge zwischen
Arbeitssyste-
men und Ge-
fährdungen
sowie Entste-
hung von Unfäl-
len und arbeits-
bedingten Er-
krankungen
beschreiben

Methoden zum
systematischen
Beschreiben
der Systeme
anwenden

Methoden zum Methoden zum Methoden zum Methoden zum


anschaulichen anschaulichen anschaulichen anschaulichen
und nachvoll- und nachvoll- und nachvoll- und nachvoll-
ziehbaren Do- ziehbaren so- ziehbaren sowie ziehbaren sowie
kumentieren wie formal kor- formal korrekten formal korrekten
der Arbeitser- rekten Doku- Dokumentieren Dokumentieren
gebnisse an- mentieren der der Arbeitser- der Arbeitser-
wenden Arbeitsergeb- gebnisse sicher gebnisse be-
nisse anwen- anwenden herrschen
den

Methoden der
Konfliktlösung
in Gruppen

Seite 153 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


kennen

Vortragstechni-
ken kennen

Präsentations-
techniken ken-
nen

Gefährdungs-
und Belas-
tungsfaktoren
kennen und
ermitteln sowie
Gefährdungen
und Belastun-
gen im jeweili-
gen Arbeitssys-
tem sowie ihre
Wechselwir-
kungen beurtei-
len

Gefährdungs-
und Belastungs-
faktoren kennen
und ermitteln
sowie Gefähr-
dungen und Be-
lastungen zwi-
schen Arbeits-
systemen beur-
teilen

Faktoren zum
Erhalt der indi-
viduellen ge-
sundheitlichen
Ressourcen im
Zusammen-
hang mit der
Arbeit kennen
und ermitteln

Kennt die si-


cherheits- und
gesundheits-
schutzbezoge-
nen Anforde-
rungen an Ar-
beitssystem-
elemente und

Seite 154 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


beurteilt diese

Grundlegende
Gestaltungsmög-
lichkeiten für alle
Arbeitssystem-
elemente kennen

Bestehende Ar-
beitssysteme
sicher, gesund-
heits- und men-
schengerecht
unter Berück-
sichtigung von
Wechselwirkun-
gen zwischen
Technik, Organi-
sation und Per-
sonal in Koope-
ration mit Ande-
ren gestalten

Beratungspoten-
zial für die früh-
zeitige Einbin-
dung in Pla-
nungsprozessen
erkennen und
nutzen

Geplante Ar-
beitssysteme
sicher, gesund-
heits- und men-
schengerecht
unter Berück-
sichtigung von
Wechselwirkun-
gen zwischen
Technik, Organi-
sation und Per-
sonal in Koope-
ration mit Ande-
ren gestalten

Die rechtlichen
Anforderungen
an die Gestal-
tung von Ar-
beitssystemen
kennen und an-

Seite 155 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


wenden

Die wirtschaftli-
chen Erforder-
nisse und finan-
ziellen Rahmen-
bedingungen im
Betrieb kennen
und bei der Ge-
staltung berück-
sichtigen

Handlungskon-
zepte zur siche-
ren und gesund-
heitsgerechten
Gestaltung ken-
nen und anwen-
den

Komplexe Auf-
gaben zur Ar-
beitssystemge-
staltung erfassen
und bearbeiten

Methoden zum Methoden zum


managen von managen von
Prozessen und Prozessen und
Projekten ken- Projekten ken-
nen und anwen- nen und sicher
den anwenden

Management-
systeme kennen

Konzepte der
Integration des
Arbeitschutzes
in das betriebli-
che Manage-
ment gestalten
und weiterentwi-
ckeln

Verfahrensan-
weisungen für
arbeitsschutzre-
levante Prozes-
se erstellen und
begleiten

Seite 156 von 160


Know-how

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5

Audits für die


Gestaltung und
Weiterentwick-
lung des Ar-
beitsschutzes im
betrieblichen
Management
nutzen

Indikato-
ren/Kenngrößen
für die Bewer-
tung der Wirk-
samkeit und
Wirtschaftlichkeit
des Arbeits-
schutzes kennen
und anwenden

Positive Effekte
für das Unter-
nehmen und den
Arbeitsschutz
durch die Im-
plementierung
und Weiterent-
wicklung von
Management-
systemen dar-
stellen

Methoden und
Strategien bei
der Implementie-
rung und Wei-
terentwicklung
von Manage-
mentsystemen
wählen und an-
wenden

Seite 157 von 160


Umgang mit Anderen

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5

Methoden der Methoden der Methoden der Methoden der Methoden der
Gesprächsfüh- Gesprächsfüh- Gesprächsfüh- Gesprächsfüh- Gesprächsfüh-
rung kennen rung anwenden rung auch in rung sicher an- rung beherr-
und Informati- (Ziel führend, anspruchsvolle- wenden (Ziel schen (Ziel füh-
onsgespräche konstruktiv, sys- ren Situationen führend, kon- rend, konstruk-
führen tematisch) anwenden (Ziel struktiv, syste- tiv, systema-
führend, kon- matisch) tisch)
struktiv, syste-
matisch)

Methoden zur Methoden zur Methoden zur Methoden zur Methoden zur
Kooperation Kooperation bzw. Kooperation Kooperation Kooperation
bzw. zur zur Teamarbeit bzw. zur Team- bzw. zur Team- bzw. zur Team-
Teamarbeit im im betrieblichen arbeit im Lern- arbeit im Lern- arbeit im Lern-
Lernprozess Kontext anwen- prozess und im prozess und im prozess und im
anwenden den betrieblichen betrieblichen betrieblichen
Kontext auch in Kontext sicher Kontext beherr-
anspruchsvolle- anwenden schen
ren Situationen
anwenden

Erkennen, dass Mit einfachen Mit Konflikten Mit Konflikten


es Konflikte Konfliktsituatio- auch in an- sicher umgehen
geben wird und nen umgehen spruchsvolleren und konstruktiv
bereit sein, sich und konstruktiv Situationen um- lösen können
diesen zustel- lösen können gehen und kon-
len (Selbstfüh- struktiv lösen
rung) können

Bedeutung der Kommunikation in Kommunikation


Kommunikation alle Richtungen in alle Richtun-
für die eigene unterstützen gen unterstüt-
Rolle als Fach- zen und Kon-
kraft für Ar- sens finden
beitssicherheit Kommunikations-
erkennen probleme erken-
nen und verste-
hen

Mit anderen im Mit anderen im


Lernprozess betrieblichen
interagieren Kontext interagie-
ren

Vortragstechni- Vortragstechni- Vortragstechni- Vortragstechni-


ken kennen ken anwenden ken sicher an- ken beherr-
(Know How) wenden schen
Erstes einfaches
Anwenden von
Vortragstechni-
Seite 158 von 160
Umgang mit Anderen

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


ken

Präsentations- Präsentations- Präsentations- Präsentations-


techniken kennen techniken an- techniken sicher techniken be-
(Know How) wenden anwenden herrschen
Erstes einfaches
Anwenden von
Präsentations-
techniken

Einzelkenntnis- Einzelkenntnisse Netzwerke auf-


se mehrerer systematisch er- bauen, nutzen
Personen ver- fassen und aufbe- und pflegen
netzen (Koordi- reiten (Selbstfüh-
nation ) (Selbst- rung)
führung)

Lösungs- und
prozessorien-
tiert beraten

Bei der Gestal- Bei der Integra-


tung von Ar- tion des Ar-
beitssystemen beitsschutzes in
aktiv und vo- die betriebliche
rausschauend Aufbau- und
agieren Ablauforganisa-
tion aktiv und
vorausschau-
end agieren

Seite 159 von 160


Selbstführung

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5

Die Erwartungen Die Erwartungen


an die eigene an die eigene
Rolle verinnerli- Rolle verinnerli-
chen chen und ent-
sprechend han-
deln

Einzelkenntnisse Einzelkenntnisse Weiterentwicklung Bei der Gestal- Bei der Integration


mehrerer Perso- systematisch s. u. „Umgang mit tung von Ar- des Arbeitsschut-
nen vernetzen erfassen und anderen" beitssystemen zes in die betrieb-
(Koordination) aufbereiten systematisch liche Aufbau- und
vorgehen Ablauforganisation
systematisch vor-
gehen

Persönlichen Persönlichen
Nutzen aus der Nutzen aus der
Tätigkeit als Tätigkeit als
Fachkraft für Fachkraft für
Arbeitssicherheit Arbeitssicherheit
erkennen verinnerlichen

Verantwortung Verantwortung
für andere und für die Rolle als
für bestehende Fachkraft für
Aufgaben im Arbeitssicherheit
Lernprozess übernehmen
übernehmen
können

Erfolgs- und Erfolgs- und Erfolgs- und ziel-


zielorientiert im zielorientiert im orientiert arbeiten
Lernprozess betrieblichen und auf die Schaf-
arbeiten Kontext arbeiten fung einer Arbeits-
schutzkultur hin-
wirken können

Lerntechniken Lerntechniken Lerntechniken Lerntechniken Lerntechniken und


und und und und
–strategien be-
–strategien ken- –strategien für –strategien an- –strategien si- herrschen
nen (Know How) sich adaptieren wenden cher anwenden

Methoden zum
anschaulichen und
nachvollziehbaren
sowie formal kor-
rekten Dokumen-
tieren der Arbeits-
ergebnisse be-

Seite 160 von 160


Selbstführung

Lernfeld 1 Lernfeld 2 Lernfeld 3 Lernfeld 4 Lernfeld 5


herrschen (Know
How in diesem LF)
Dabei:
Die Wirksamkeit
der Tätigkeit der
Fachkraft für Ar-
beitssicherheit
deutlich machen

Seite 161 von 160