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V 35 Werkstoffuntersuchungen mit Ultraschall

1. Aufgabenstellung

1.1 Untersuchen Sie den Wellencharakter des Ultraschalls im Hochfrequenz-


und Amplitudenmode, und bestimmen Sie die Frequenz des verwendeten
Ultraschallwandlers.
1.2 Messen Sie die longitudinale und transversale Schallgeschwindigkeit in
verschiedenen Probekörpern, und geben Sie den Transmissions-
koeffizienten an.
1.3 Untersuchen Sie die Schallschwächung in Polyacryl und in einer Flüssig-
keit!
Vergleichen Sie die gemessenen Schallschwächungskoeffizienten mit
Literaturwerten.
1.4 Führen Sie mittels B-Bild eine Fehlstellensdiagnostik eines vorgegebenen
Materials durch. Untersuchen Sie dabei den Einfluss der laufzeitabhängi-
gen Verstärkung (LAV)!
1.5 Beobachten Sie im M-Mode Ultraschallreflexe an bewegten Grenzschich-
ten, und diskutieren Sie die Einsatzmöglichkeiten in der Medizin.

2. Theoretische Grundlagen

Stichworte zur Vorbereitung:


Schall, Ultraschall, Schallwellen, Schallfeld, Reflexion, Brechung, Trans-
mission, Schallschwächung, Frequenz, Amplitude, Wellenpaket, Material-
prüfung, elastische Eigenschaften, piezoelektrischer Effekt, A-, HF-, B- und
M-Bild

Literatur:
J. Krautkrämer, H. Krautkrämer Werkstoffprüfung mit Ultraschall,
5. Auflage, Springer-Verlag (1986)
S. 1 - 34, S. 113 - 121
V. Deutsch, M. Platte, M. Vogt Ultraschallprüfung – Grundlagen und
industrielle Anwendungen,
Springer–Verlag - Berlin (1997)

92
S. 1 – 19, S. 152 – 163
R. Millner, u. a. Wissensspeicher Ultraschalltechnik
Fachbuchverlag Leipzig (1987)
S. 24–47, S.146–153, S. 400–
408

Fa. Gampt GmbH Versuchsanleitung, Gerätebeschrei-


bung
http://www.gampt.de/versuch.pdf

Ultraschallwandler sind Sensoren, die sowohl zum Senden als auch zum
Empfangen von Ultraschallimpulsen geeignet sind.
Betrachtet man das Spektrum hörbaren Schalls, so stellt man fest, dass ein
gesunder und junger Mensch Frequenzen zwischen ca. 20 Hz (tiefe Brummtöne)
und 16...20 kHz (helle Pfeiftöne) wahrnehmen kann. Analog zu den aus der
Optik bekannten Bezeichnungen nennt man Schallwellen, deren Frequenz zu klein
ist, um vom menschlichen Ohr wahrgenommen zu werden, Infraschall. Unter
Ultraschall versteht man dementsprechend Schallwellen mit einer Frequenz
oberhalb der Wahrnehmungsgrenze. Ultraschallwellen sind also hochfrequente,
und damit langwellige Schallwellen. Sie bilden bei allen zerstörungsfreien Prüf-
verfahren den Schlüssel zur Lösung der Prüfaufgabe, in dem akustisches
Übertragungsverhalten und Geometrie an den jeweiligen Probekörper angepasst
werden. Die gebräuchlichen Ultraschallköpfe arbeiten heute nahezu
ausschließlich nach dem piezoelektrischen Effekt. Ein Impulsgenerator löst im
Sender in schneller Folge kurze elektrische Impulse aus, die im Prüfkopf
Schallimpulse erzeugen.
Die aus dem Werkstoff zurückkommenden Echos werden vom gleichem Prüfkopf
in elektrische Signale zurückverwandelt. Die Auswertung erfolgt mittels
Oszilloskop oder Rechner.

3. Versuchsdurchführung

3.1 Schallgeschwindigkeit
In Abb. 1 ist das vom Ultraschallwandler mittels Oszilloskop oder Rechner
registrierte Signal aufgezeichnet.

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1,0 HF-Daten
A-Bild
Amplitute in V

0,5

0,0

-0,5

-1,0

0 5 10 15 20

Laufzeit in µs

Abb. 1: HF-Mode (Hochfrequenzschwingung) und A-Mode (Amplitudenbetrag)

Über die Laufzeitintervalle zwischen den Impulsen sind sofort die


Welleneigenschaften der ausgesendeten Schallwelle ablesbar.
So berechnet sich die Frequenz f des Wandlers aus der Zahl n der
Schwingungen und dem Zeitintervall ∆t nach Gleichung (1):
n
f = . (1)
∆t

Über c = λ ⋅f (2)
lässt sich mit Hilfe der Ausbreitungsgeschwindigkeit c in einem bekannten
Medium die Wellenlänge λ bestimmen.
Zur Messung der Schallgeschwindigkeit verschiedener Probekörper der Dicke d
reicht die Laufzeitmessung des Reflexes.
2d
c2 = (3)
Τ
T ist die Laufzeit, c2 die longitudinale Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls.
Der Faktor 2 im Zähler entsteht durch das Hin- und Zurücklaufen des Signals.

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Die transversale Schallgeschwindigkeit misst man im Durchschallungsmode. Bei
einem Durchgangswinkel von 45° werden nur noch transversale Wellen im
Festkörper angeregt. Durch den Laufzeitunterschied des transversal und
longitudinal den Probekörper durchdringenden Signals werden die Amplituden
beider Wellen aufgenommen. Die Maximalstelle γ o des transversalen Anteils
entspricht dem zum Ausfallwinkel γ l =45° gehörigen Einfallswinkel.
Mit Hilfe des Snelliusschen Brechungsgesetzes folgt

sin γ 0 C
o
= F , (4)
sin 45 CT
wobei cF die Schallgeschwindigkeit in der Flüssigkeit ist. cT ist die
transversale Schallgeschwindigkeit im Probekörper.

3.2 Schallschwächung

Für die Absorption einer Welle innerhalb eines Mediums gilt


A (x ) = A0e −αX (5)

x ist die im Material zurückgelegte Wegstrecke, α der Schallschwächungs-


koeffizient, A0 die Amplitude vor dem Material, A (x ) die Amplitude am Ort x im
Material. Für den Koeffizienten α folgt

1 A
α = ⋅ ln 1 (6)
2(x2 − x1 ) A2

Der Faktor 2 entsteht durch das Hin- und Zurücklaufen beim Impuls-Echo-Betrieb.

3.3 Fehlstellendiagnostik

Beobachten Sie das M- und B- Bild (Abb. 2) direkt am Monitor des Ultraschall-
gerätes bzw. Rechners. Ändern Sie zielgerecht die laufzeitabhängige
Verstärkung.

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Abb.2: Ultraschallsonde mit Probekörper

4. Kontrollfragen

4.1 Wie lautet die allgemeine Wellengleichung?


4.2 Welcher Zusammenhang besteht zwischen Wellenlänge und Frequenz
einer Welle?
4.3 Erläutern Sie anhand der Lösung der Wellengleichung die Wellen-
eigenschaften!
4.4 Worin besteht der piezoelektrische Effekt sowie dessen Umkehrung?
4.5 Wie lässt sich eine FOURIER-Transformation mathematisch formulieren,
und welcher physikalische Inhalt steckt dahinter?
4.6 Vergleichen Sie das Gesetz der Schallschwächung mit der Schwächung
radioaktiver Strahlung in einem Material!
4.7 Weshalb verwendet man in der Medizin Ultraschall, weshalb sind
„normale“ Schallwellen ungeeignet?
4.8 Was versteht man unter M- und B- Bild?
4.9 Wie groß ist die Wellenlänge einer Schall-Welle in Luft bei Zimmertempera-
tur?

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