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Amateurtechnik

Formeln • Diagramme
Anwendungsbeispiele

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BIBUOTHEK
Amateurtechnik
Formeln·
Diagramme · Anwendungsbeispiele

Otthermann Kronjäger

DM2AKM

Militärverlag

der Deutschen Demokratischen Republik


Redaktionsschluß: 15. November 1971

1.-20. Tausend

Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik • Berlin 1973


Lizenz-Nr. 5
Gesamtgestaltung: Helmut Herrmann

Zeichnungen: Heinz Grothmann

Vorauskorrektor: Johanna Pulpit

Korrektor: Rita Abraham

Hersteller: Dieter Kahnert

Satz: GG Interdruck Leipzig

Druck und buchbindensehe Verarbeitung: Offizin Andersen Nexö

Bestellnummer: 7 454 798


BVP 13,20
Inhalt

Vorwort ............................................. 15

1. Mathematische Zusammenhänge, zusammengestellt


für die Praxis des Amateurs .............. ... . . . . 16
1.1. Potenzen und Wurzeln . . ........... .......... 16
1.1.1. Potenzen . . . .............................. . . 16
1.1.1.1. Multiplikation von Potenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
1.1.1.2. Potenzen mit negativem Exponenten . . . . . . . . . . . 18
1.1.1.3. Division von Potenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
1.1.1.4. Potenzen mit gebrochenem Exponenten . . . . . . . . . 19
1.1.1.5. Binomischer Lehrsatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
1.1.1.6. Exponentialfunktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
1.1.2. Wurzeln..................................... 22
1.1.2.1. Addition und Subtraktion von Wurzeln ......... 23
1.1.2.2. Multiplikation und Division von Wurzeln ...... . 23
1.1.2.3. Potenzieren und Radizieren von Wurzeln . . . . . . . 24
1.1.2.4. Näherungen zu Potenzen und Wurzeln . . . . . . . . . 24
1.1.3. Beispiele zu Potenzen und Wurzeln (Beispiel 1.1.
bis 1.7.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
1.2. Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
1.2.1. Logarithmen und Rechengesetze................ 27
1.2.2. Beispiele für den Gebrauch der Logarithmentafel
(Beispiel1.8. bis 1.17.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
1.2.3. Logarithmische Maßstäbe ..................... 33
1.2.4. Rechenstab . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
1.2.4.1. Grundsätzlicher Aufbau des Rechenstabs . . . . . . . 34
1.2.4.2. Stellenzahlen beim Rechenstab . . . . . . . . . . . . . . . . 35
1.2.4.3. Multiplikation, Division, Quadrieren und Wurzel-
ziehen ...................................... 35
1.3. Gleichungen ................................ 37
1.3.1. Gleichungen 1. Grades mit 1 Unbekannten . . . . . . 38
1.3.1.1. Wurzelgleichungen mit 1 Unbekannten . . . . . . . . . 41
1.3.1.2. Grafische Lösung der Gleichung mit 1 Unbe-
kannten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

5
1.3.2. Gleichungen 1. Grades mit 2 Unbekannten . . . . . . 42
1.3.2.1. Additions- und Subtraktionsmethode . . . . . . . . . . . 42
1.3.2.2. Gleichsetzungsmethode........................ 43
1.3.2.3. Einsetzungsmethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
1.3.2.4. Grafische Lösung.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
1.3.3. Gleichungen 2. Grades mit 1 Unbekannten . . . . . . 45
1.3.3.1. Reinquadratische Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
1.3.3.2. Gemischtquadratische Gleichungen . . . . . . . . . . . . . 46
1.3.4. Beispiele zu den Gleichungen (Beispiel 1.18. bis
1.29.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
1.4. Ergänzende Erläuterungen zum Begriff Funktion . 53
1.5. Winkelfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
1.5.1. Winkelfunktionen im rechtwinkligen Dreieck. . . . . 55
1.5.1.1. Einige Sätze im allgemeinen Dreieck . . . . . . . . . . . 56
1.5.2. Winkelfunktionen im Einheitskreis.. . . . . . . . . . . . . 56
1.5.3. Zusammenhänge zwischen Winkelfunktionen und
Winkeln..................................... 58
1.5.4. Beziehung zwischen Winkel und Bogen . . . . . . . . . 60
1.5.5. Beispiele zu den Winkelfunktionen (Beispiel 1.30.
bis 1.34.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
1.6. Differentialrechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
1.6.1. Differentialquotient . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
1.6.2. Maxima und Minima . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
1.6.3. Einige Differentiationstegein .. . . . . . . . . . . . . . . . . 64
1.6.4. Abweichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
1.6.5. Beispiele zur Differentialrechnung (Beispiel 1.35.
bis 1.42.) .. .. . . ... ...... . . ... . ..... .. .. ..... 66
1.7. Komplexe Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
1.7.1. Imaginäre Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
1.7.1.1. Rechenregeln bei imaginären Zahlen .. . . . . . . . . . 68
1.7.2. Hinweise zu komplexen Zahlen. . . . . . . . . . . . . . . . . 69
1.7.2.1. Rechenregeln bei komplexen Zahlen . . . . . . . . . . . . 71
1.7.3. Beispiele zu imaginären und komplexen Zahlen
(Beispiel 1.43. bis 1.46.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
1.8. Tabellen und Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
1.8.1. Tafel dekadischer Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . 75
1.8.2. Tafel natürllcher Logarithmen . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
1.8.3. Winkelfunktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
1.8.4. Exponential- und Hyperbelfunktionen . . . . . . . . . . 76
1.8.5. Funktionen von n .... . ...................... � 77
1.8.6. Griechisches Alphabet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
1.8.7. Mathematische Zeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
Diagramm zu Abschnitt 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
2. Formeln der Elektrotechnik ..................... 80

2.1. Gleichstromkreis ......... .. . ... ......... ...... 80


2.1.1. Spannung, Strom und elektrischer Widerstand .. . 80
2.1.1.1. Arbeit und Leistung .................... . ..... 83
2.1.2. Geschlossener und verzweigter Stromkreis ... .... 84
2.1.2.1. Spannungsteiler .......... .................... 85
2.1.2.2. Stromteiler .... ........................... ... 86
2.1.2.3. Meßbereichserweiterung von Instrumenten ...... 86
2.1.2.4. Zweipoltheorie .. ........ ....... ........ ..... 88
2.1.2.5. Widerstände in Stern und Dreieck ............. 89
2.1.3. Beispiele zum Gleichstromkreis (Beispiel 2.1. bis
2.7.) . ... ........... ...... . .. . ............... 89
2.2. Wechselstromkreis ..... ..... ....... .. . ...... . 93
2.2.1. Wechselstrom und Leistung ........... ........ 93
2.2.2. Wechselstromwiderstände ........ ............. 95
2.2.2.1. Wirkwiderstand .. ............... ...... ...... 95
2.2.2.2. Kondensator. . .. ......... ....... ............. 96
2.2.2.3. Spule .... . . ................................. 104
2.2.2.4. Netzdrossel und Transformator ................ 1 1 2
2.2.3. Beispiele zu R, L, C im Wechselstromkreis (Bei-
spiel 2.8. bis 2.18.) ........................... 1 14
2.2.4. Umwandlung von Reihenschaltung in Parallel-·
schaltung und umgekehrt ... .. ................ 1 18
2.3. Schwingkreise und einige Anwendungen ........ 1 19
2.3.1. Reihenschwingkreis .......................... 1 19
2.3.2. Parallelschwingkreis ...................... .... 1 2 1
2.3.2.1. Empfängereingangskreis ...................... 1 2 3
2.3.3. Beispiele zu den Kreisen (Beispie� 2.19. bis 2.2 1.) 1 25
2.4. Einige physikalische Zusammenhänge und Kon-
stanten . ............. ... . ................... 1 28
2.4.1. Kraft, Wichte, Dichte, Arbeit und Leistung ..... 1 28
2.4.2. Physikalische Konstanten ...............,... .... 1 30
Diagramme zu Abschnitt 2. ............................ 1 3 1

3. Verwendung von Elektronenröhren ............... 14 2

3.1. Elektronenröhre als Verstärker ................ 14 2


3.1.1. · Allgemeine Gedanken zur Verstärkung ......... 14 2
3.1.2. Breitbandverstärker ............ .............. 145
3.1.3. Selektivverstärker mit Einzelkreis . ......... .... 148
3.1.4. Selektivverstärker mit Bandfilter ............ . . . 150
3.1.5. Beispiele zur allgemeinen Verstärkung (Beispiel
3.1. bis 3.5.) ................................. 15 2

7
3.2. Leistungsverstärker ....... ................... 1 5 4
3.2.1. NF-Leistungsverstärker ....................... 1 5 4
3.2.2. Verzerrungen ................................ 1 5 5
3.2.3. Gegenkopplung .... .......................... 1 56
3.2.3.1. Spannungs- und Stromgegenkopplung .......... 1 57
3.2.4. Beispiele zu NF-Leistungsverstärkern (Beispiel 3.6.
bis 3.8.) ... ................................. 1 58
3.2.5. Senderverstärker . ............................ 1 59
3.2.5.1. Parameter des Anodenkreises ............ .. ... . 1 59
3.2.5.2. Parameter des Gitterkreises ................... 16 3
3.2.5.3. Einige Näherungsbeziehungen der Senderendstufe 16 4
3.2.6. Beispiele zur Senderendstufe (Beispiele 3.9. bis
3.10.) ....................................... 16 4
3.2.7. Anpassungsschaltungen des Tankkreises ........ 166
3.2.7.1. Induktiv-galvanische Kopplung . ..... .......... 166
3.2.7.2. Induktive Auskopplung ....................... 167
3.2.7.3. Kapazitive Auskopplung ........ .............. 168
3.2.7.4. :n:-Glied ..................................... 168
3.2.7.5. Serienresonanzkreis .......................... 169
3.2.7.6. Ä/4-Transformator ........................... 170
3.2.8. Beispiele zur Auskopplung (Beispiel 3.1 1. bis 3.1 2.). 170
3.3. Modulation.................................. 17 1
3.3.1. Amplitudenmodulation........................ 17 1
3.3.1.1. Anoden-Schirmgittermodulation ............... 17 3
3.3.1.2. Bremsgittermodulation ....................... 17 4
3.3.2. Einseitenbandmodulation . ...... .... .... ...... 17 5
3.3.3. Frequenzmodulation ......................... 176
3.3.3.1. Schaltungen zur Frequenzmodulation ........... 177
3.3.4. Beispiele zur Modulation (Beispiel 3.1 3. bis 3.1 4.) 178
3.4. Demodulation ............. .............. .... 179
3.4.1. Demodulation amplitudenmodulierter Signale ... 179
3.4.2. Demodulation von ESB (SSB ) ..... : ........... 180
3.4.3. Demodulation von FM ....................... 181
3.5. Gitter- und Anodenbasisstufe .................. 181
3.5.1. Gitterbasisstufe ....... ....................... 181
3.5.2. Anodenbasisstufe ............................ 183
3.5.3. Beispiele zu den Stufen (Beispiel 3.1 5. bis 3.16.) .. 184
3.6. Mischung ................................... 184
3.6.1. Additive Mischung ........................... 185
3.6.2. Multiplikative Mischung ...................... 187
3.7. Schwingkreisdaten von Empfangs- und Oszillator-
kreis beim Überlagerungsempfänger ............ 187
3.7.1. Empfangskreis ............................... 188

8
3.7.2. Oszillatorkreis ... .. ............. . . ....... . .. . 189
3.7.3. Beispiel zu den Schwingkreisdaten (Beispiel 3.17.). 190
3.8. Oszillatoren ..... . ... . ... ..... . .... ..... ..... 19 1
3.8.1. Beispiel zu den Oszillatoren (Beispiel 3. 18.) ...... 194
3.9. Bandspreizung ............. . ................. 194
3.10. Temperaturkompensation von Schwingkreisen.... 195
3.10.1. Beispiele zur Kompensation (Beispie13.19.bis 3.20.) 197
3.1 1. Einige Bemerkungen zur Impulstechnik ......... 197
3.1 1.1. Allgemeine Kenngrößen . ..................... 197
3.11.2. Röhre als Impulsverstärker .. ...... ... ...... ... 198
Diagramme zu Abschnitt 3. ............................ 200

4. Verwendung von Dioden ................ ....... 208 .

4.1. Dioden zur Netzgleichrichtung (Beispiel 4. 1.)..... 208


4.2. Thyristoren ..... .. ..... ....... . ............ . 2 12
4.2.1. Einsatz des Thyristors. ... ... .. .............. .. 2 12
4.3. Z-Dioden (Beispiel 4.2.) ...................... 2 15
4.4. Tunneldioden . . ....... .. . ............. ...... 2 17
4.5. Kapazitätsdioden (Beispiel 4.3.) ................ 2 18
4.6. Fotodioden, Schaltdioden ... . . .............. .. 220
Diagramme zu Abschnitt 4. ... . ....... . ............ .... 220

5. Thermistoren und Varistoren ..... . . . ..... ....


. . . 225

5.1. Thermistoren . ......... .. . ................... 225


5.1.1. Thermistoren mit negativem TK ................ 225
5.1.2. Thermistoren mit positivem TK ............... 227
5.2. Varistoren .................................. 227
5.3. Beispiel zu den Thermistoren (Beispiel 5.1.) ..... 228

6. Transistoren ..... . ............ . ................ 230

6.1. Wichtige Transistorkennwerte . ........... ..... 230


6.1.1. Grundschaltungen des Transistors . ........ ..... 230
6.1.2. Vierpolparameter .......... ..... . . . ......... . 23 1
6.1.2.1. Umrechnungen der h-Parameter für die 3 Grund­
schaltungen .... .... ............... ......... . 236
6.1.2.2. Umrechnungen der z-Parameter ................ 236
6.1.2.3. Umrechnungen der r-Parameter ................ 236
6.1.2.4. Vierpolparameter für HF-Verstärker ........... 237
6.1.2.5. Richtwerte der Grundschaltungen .............. 238
6.1.3. Einfluß der Temperatur . ....... ............... 238
6.1.4. Bemerkungen zum Rauschen von Transistoren .. . 240
6. 1.5. Beispiele zu den Kenndaten (Beispiel 6.1. bis 6.3. ) 24 1

9
6.2. Arbeitspunkteinstellung beixp Transistor . ....... 24 2
6.2.1. Widerstand in der Basisleitung ...... ...... . .... 24 2
6.2.2. Spannungsteiler an der Basis des Transistors . .. . 244
6.2.3. Vorwiderstand für gleitenden Basisstrom ........ 24 5
6.2.4. Mehrere Stufen in Gleichstromkopplung ..... . .. 246
6.2.4.1. Darlington-Verstärker ........................ 247
6.3. Gegenkopplung .. ............................ 247
6.3.1. Stromgegenkopplung ......................... 248
6.3.2. Spannungsgegenkopplung .... .. ............... 249
6.3.3. Beispiele zu Abschnitt 6.2. und 6.3. (Beispiel 6.4.
bis 6.6.) .................................... 2 50
6.4. Transistor als Verstärker .. ......... .. , ... ... 2 5 1
. .

6.4.1. NP-Verstärker in Anfangsstufen ............... 2 5 1


6.4.2. Impedanzwandler ....................... ..... 2 5 5
6.4.3. Phasenumkehrstufe und Differenzverstärker ... . . 2 56
6.4.4. Differenzverstärker ....... , ... ........ ..... . .. 2 57
6.4.5. Beispiele zum NF-Verstärker (Beispiel6.7. bis 6.8.). 2 58
6.5. NP-Verstärker mit Transformatorkopplung ..... 2 59
6.5.1. Treiber- und Endstufe in A-Betrieb ............. 2 59
6.5.2; Übertrager der Stufen ........................ 26 2
6.5.2.1. Eingangsübertrager ................ ..... .... . 26 2
6.5.2.2. Zwischen- od�r Ausgangsübertrager............. 26 2
6.5.3. NF-Leistungsstufe in B-Betrieb .......... . . .... 26 3
6.5.4/ Eisenlose Endstufe.................... ........ 26 5
6.5.5. Beispiele zur Transformatorkopplung (Beispiel 6.9.
bis 6.10.) ................................... 267

6.6. HF-Verstärker mit Transistoren ............... 269


6.6.1. Breitbandverstärker .................. ..... ... 269
6.6.2. Selektive HF-Verstärker ...................... 27 2
6.6.3. Beispiele zum HF-Verstärker (Beispiel 6.1 1. bis
6.1 3.) ....................................... 276

6.7. Senderverstärker ..................... ....... 276


.

6.7.1. Beispiel zum Senderverstärker (Beispiel 6.14.) .... 280


6.8. Transistoroszillatoren ........................ 28 1
6.8.1. Beispiele zu den Transistoroszillatoren (Beispiel
6.1 5. bis 6.16.) ............................... 284

6.9. Transistor als Schalter .................. ...... 284


6.9.1. Beispiel zum Transistorschalter (Beispiel 6.17.) ... 287
6. 10. Feldeffekttransistoren ............. ........... 288
6.10.1. Schaltsymbol, Kennlinienfeld, Ersatzschaltung ... 288

Diagramme zu Abschnitt 6. .............. .............. 29 3

10
7. Filter, Leitungen und Anteunen . . . ....... . . . . . . . . 300

7.1. Filter ....................................... 300


7.1.1. Kenngrößen ................................. 300
7.1.1.1. Frequenzen ....... . ........... ....
. . . . . . . . . . 300
7.1.1.2. Wellenwiderstand und Wellenübertragungsmaß .. 300
7.1.1.3. Durchlaß- und Sperrbereich sowie Filtertypen ... 302
7.1.1.4. Grund-, Halb- und m-Glied .................. . 303
7.1.1.5. Größen der Filter ............................ 304
7.1.1.6. Beispiele zu den Filtern (Beispiel 7,1. bis 7.2.) ... 309 .
7.1.2. RC-Filter . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 1
7.2. Leitungsprobleme . . . ..... .. ... ....
. . . . . . . . . . . 31 2
7.2.1. Wichtige Kennwerte der Leitung . . . . . . . . . . . . . . . 31 2
7.2.2. Verschiedene Leitungslängen, unterschiedliche Ab­
schlußwiderstände • • . . . . . . . . . • • • . . . . . . . . . . . . . 315
7.2.2.1. Leitungslängen Ä/4, )./2, 3/4)., ). ................. 315
7.2.2.2. Leitungslängen ).j4 und ).j2 mit unterschiedlichem
Abschlußwiderstand ... . . . ... .. . . . . . . . . . . . . . . . 315
7.2.2.3. Leitungslänge kleiner )./2 mit den Abschlußwider­
ständen 0 und ...........................
= . 31 6
7.3. Smith-Diagramm . . . ... . . ...
. . . . . . . . . . . . . . . . . 317
7.3.1. Erklärungen zum Diagramm ................. . 317
7.3.1.1. Verhältnisse R/Z und X/Z . ... . . . . . . . . . . . . . . . . 317
7.3.1.2. rn-Kreise ... ... .
. . . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318
7.3.1.3. 1/Ä-Skala .. . .... . \ . .. . .
. . . . .. ... . . . . . . . . . . . . . 318
7.3.1.4. Komplexer Widerstand und komplexer Leitwert .. 319
7.3.1.5. Bemerkungen zur Messung .. ... . .... ... . . . . . . . 319
7.3.1.6. Leitungslängen .............................. 32 0
7.3.1.7. Beispiele zur Anwendung des Smith-Diagramms
(Beispiel7.3. bis 7.7.) ......................... 32 0
7.4. Antennen .... ... . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 2
7.4.1. Kurzwellenantennen ... ..... ......... . . . . . . . . . 32 3
7.4.1.1. Einige Meßverfahren für Antennenkennwerte . . . . 32 6
7.4.2. VHF- und UHF-Antennen ... .... . . . . . . . . . . . . . 327
7.4.2.1. Symmetrierglied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329
7.4.2.2. Zusammenfassung von Antennenkennwerten .... 329
7.4.3. Einige Spezialantennen .. .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 332
7.4.3.1. Rahmenantenne ... . .. . . . ... .... . . . . . . . . . . . . . 332
7.4.3.2. Ferritantenne ...............................
. 333
7.4.3.3. V-Antenne . .
. . . .... . . . ... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334
7.4.3.4. · Spulenantenne . . ... . .. ..... .. ...
. . . . . . . . . . . . . 334
Diagramme zu Abschnitt 7. ............................ 336

11
8. Bemerkungen zur Schaltalgebra ................. 344

8.1. Dualsystem ................................. 344


8.1.1. Umwandlung des Dezimalbruchs in einen Dual-
bruch ...................................... 346
8.1.2. Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division .. 347
8.2. Grundsätzliche Regeln der Schaltalgebra ........ 34 8
8.2.1. Verknüpfungen "UND, ODER, NEGATION" .. 349
8.2.2. Wichtige Rechenregeln ...... .... . ............ 351
8.2.3. Beispiele zur Vereinfachung von Variablenkombi-
nationen (Beispiel 8.1. bis 8.4.) ................ 353
8.3. 'Schaltbelegungstabelle ........................ 356
8.4. Kontaktlose Verknüpfungen .... ... ..........
. . 357

9. Betriebszuverlässigkeit ................. . . . . ... . 358


.

9.1. Was ist Betriebszuverlässigkeit ................. 358


9.2. Ausfallrate ..... .. .. ........ ................. 359
9.2.1. Zeitabschnitt mit c. < 1 ....................... 360
9.2.2. Zeitabschnitt mit c. � 1 ...... .. .... .. ......... 36 1
9.2.3. Zeitabschnitt mit c. > 1 ...... .. ............... 36 1
9.3. Zusätzliche Abhängigkeit der Ausfallrate und ihre
Kennwerte ............. : .. ...... . ........... 36 2
9.4. Mittlere Funktionsdauer . .................... 366
.

9.5. System und Bauelement ............ ......... . 367


9.6. Praxis der Berechnung der Systemzuverlässigkeit
(Beispiel 9.1. bis 9.8.) ......................... 370
9.7. Mittlere Funktionsdauer von Geräten der Ama-
teurtechnik ................. ................ 374
.

9.8. Hinweise zur Redundanz ................. ..... 374


9.8.1. Was ist Redundanz, wann ist sie notwendig? .... 374
9.8.2. Redundante Anordnungen .................... 375
9.8. 2.1. Heiße Reserve ................ . .......... .. .. 376
9.8.2.2. Kalte Reserve .. ..................... ........ 376
9.8.3. Ausfallrate bei Redundanz..................... 377
9.8.4. Bauelementeredundanz ............... ........ 37 8
9.9. Verfügbarkeit ............................... 37 8
9.10. Zuverlässigkeit in der Praxis des Amateurs....... 3 80
Diagramme zu Abschnitt 9. ............................ 3 8 1

10. Mikrowellentechnik ........................ , ... 39 3

10.1. Elektromagnetische Wellen im Rechteck- und


Kreishohlrohrleiter ....... .. .... ...... ........ 39 3
10.1.1. Rechteckhohlrohrleiter ....................... 39 3

12
10.1.1.1. Grenz- und Rohrwellenlänge, Phasen- und
Gruppengeschwindigkeit, Dämpfung .. .... ..... 395
10.1.2. Hohlrohrleiter mit Kreisquerschnitt . .. 397 . . . . . . . . .

10.1.2.1. Grenzfrequenz, Grenzwellenlänge, Dämpfung . . 397 .

10.1.3. Drosselkupplung, Winkel- und T-Stück . . 398 . . . . . . .

10.1.3.1. Drosselkupplung . . . .
. . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . ... 398
.

10.1.3.2. Winkel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ; ................. 399


10.1.3.3. T-Stück ............ ................ ........ 399
10.1.4. Kopplungsschlitze, Blenden, Stift, dielektrische
Scheibe ........................ ......... .... 399
10.1.4.1. Kopplungsschlitze ...... .........
. ........... 399
. '

10.1.4.2. Blenden . ..... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . 400


10.1.4.3. Stift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400
10.1.4.4. Dielektrische Scheibe ... ... ............ ... .... 40 1
10.1.5. Übergang von Koaxialkabel auf Hohlrohrleiter . . . 40 1
10.1.6. Hohlraumresonatoren . 40 2 . . . . .· . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Diagramme zu Abschnitt 10. ........................... 40 3

11. Schlagwörterverzeichnis .. . . . .. . . . . . ... . . . . . . . . . . 405


Vorwort

Dieses Buch entstand, da immer häufiger der Wunsch des Amateurs nach Er­
läuterung formelmäßiger Zusammenhänge zum Ausdruck kam. Das ist besonders
darauf zurückzuführen, daß der wissenschaftlich-technische Fortschritt auch in
der Amateurtechnik mehr und mehr zu theoretisch fundiertem Arbeiten zwingt.
In Erweiterung und Fortsetzung der vor Jahren veröffentlichten kleinbn Formel­
sammlungen soll auch dieses Buch kein Lehrbuch sein, sondern vielmehr ein
Nachschlagewerk, das dem Amateurtechniker gestattet, einen großen Teil seiner
Vorhaben mit den gebotenen Formeln zu lösen. Die mehr als 900 Formeln tragen
sicher ebenso zum Verständnis des Stoffes bei wie die 130 Beispiele sowie die zahl­
reichen Diagramme und Tabellen.
Gewiß wird man verschiedentlich weitergehende Erklärungen wünschen, doch
wäre das bei dem festgelegten Umfang nur durch Kürzen des gesamten Stoffes
möglich gewesen; für tieferes Eindringen in einzelne Gebiete wird daher die ein­
schlägige Fachliteratur empfohlen.
Der Rahmen der Thematik ist sehr weit gespannt, und so kann der Autor nur
hoffen und wünschen, daß jeder Leser entweder für seine Amateur- oder für seine
Berufspraxis Anregung und Unterstützung findet.

Leipzig, im Dezember 1970

Orthermann Kronjäger

15
1. Mathematische Zusammenhänge,
zusammengestellt für die Praxis des Amateurs

Der Amateur ist mehr und mehr bestrebt, die in seiner Praxis vorkommenden Auf­
gaben mathematisch zu lösen. Dabei bereitet ihm das Umstellen von Formeln,
das Handhaben des Rechenstabs und das Festlegen von Kommastellen zuweilen
noch Schwierigkeiten. Der Umgang mit Winkelfunktionen und komplexen Zahlen
sollte vom Amateur ebenfalls beherrscht werden. Ähnliches trifft auf das Arbeiten
mit Logarithmen und mit der Differentialrechnung zu. Eine große Anzahl von Bei­
spielen dürfte die Einarbeitung in den Stoff wesentlich erleichtern.

1.1. Potenzen und Wurzeln

Bei der Berechnung von praktischen Aufgaben kommt es oft vor, daß Schwierig­
keiten bei der Festlegung von Kommastellen entstehen. Durch die Potenzrechnung
lassen sich die genannten Schwierigkeiten leicht lösen. Deshalb sei zunächst hierauf
eingegangen.

l.l.t Potenzen

Produkte mit gleichen Faktoren a


a· a · · ·
a (1.1.)

kann man in kürzerer Form

(1.2.)

schreiben, wenn n die Anzahl der Faktoren ist. Den in GI. (1.2:) angegebenen
Ausdruck bezeichnet man als Potenz. Darin ist a die Basis oder Grundzahl und n
der Exponent oder die Hochzahl. Der Wert der Potenz hängt von der Basis sowie
vom Exponenten ab. In Bild 1.1. ist die Abhängigkeit der Potenz von den ge­
nannten Zahlen angegeben. In der Technik tritt oft eine besondere Potenz, die
sogenannte Zehnerpotenz, auf. Darin ist bekanntlich a = 10, und (s. Tabelle 1.1.)
n kann z. B. die dort ersichtlichen Werte annehmen. Beim Rechnen mit Zehner­
potenzen wird besonders das Festlegen von Kommastellen erleichtert, was die

16
9
an
8

lJ.

Bild 1.1.

-8

Tabelle 1.1. Vorsätze zur Bildung von Vielfachen und Teilen von Einheiten

Tera T 1 000000000000 = 1012 Einheiten


Giga G 10000000
0 0 = 109 Einheiten
Mega M 1000000 = 106 Einheiten
Kilo k 1000 = 103 Einheiten
Hekto h 100 = 102 Einheiten
Deka da 10 = 101 Einheiten
Dezi d 0,1 = 10-1 Einheiten
Zenti c 0,01 = 10-2 Emhe1ten
Milli m 0,001 = 10-3 Einheiten
Mikro u 0,00000 1 = 1o-a Einheiten
Nano n 0,000 000001 = 10-9 Einheiten
Pico p 0,000000 000 001 = 10-12 Einheiten
Femto f 0,000000000000 001 = 10-15 Einheiten
Atto a 0,000000000 00 0000001 = 10-18 Einheiten

2 Amateurtechnik 17
Beispiele (s. S. 25) erkennen lassen. Jedoch zunächst noch einige allgemeine
Potenzen:

(1.3.)

Daraus ergibt sich:

- Jede Grundzahl, mit 0 potenziert, ergibt immer 1.


- Die mit 1 potenzierte Grundzahl a ergibt a.

-Die Grundzahl 1, mit n potenziert, ergibt 1 (n zwischen 0 und oo ).


- Steigt n über alle Grenzen --> oo, so ergibt sich schließlich

z = 0, wenn a < 1; z = 1, wenn a = 1; z --> oo , wenn a > 1.

1.1.1.1. Multiplikation von Potenzen

Potenzen mit. gleicher Grundzahl multipliziert man, indem man ihre Exponenten
addiert,

I am . a" = am+n I· (1.4.)

Potenzen mit unterschiedlichen Grundzahlen, aber gleichen Exponenten werden


potenziert, indem man die Grundzahlen miteinander multipliziert und dann mit
dem gemeinsamen Exponenten potenziert

a" · bn · c" = (a b c)".


· · (1.5.)

Eine Potenz wird potenziert , indem man die Grundzahl mit dem Produkt der
Exponenten potenzten

(1.6.)

1.1.1.2. Potenzen mit negativem Exponenten

Eine Potenz mit negativem Exponenten hat als Kehrwert einen positiven Expo­
nenten (wie aus folgender Beziehung ersichtlich):

1
- an
-
(1.7.)
a-n .

Potenzen mit gleicher Grundzahl, aber mit positiven und negativen Exponenten
haben als gemeinsamen Exponenten die Differenz der einzelnen Exponenten,

(1.8.)

18
Bei negativen Exponenten mit gleichen Grundzahlen gilt

a-m. a-n=a-(m+n) =--.


am+H
1
(1.9.)

Ferner ist

(an)-m =a-nm = _
amn_
1
(1.10.)
und

(1.11.)

1.1.1.3. Division von Potenzen

Potenzen mit gleichen Grundzahlen dividiert man, indem die gemeinsame Grund­
zahl mit der Differe:qz der Exponenten potenziert wird,

I %=ab- I· wenn n > m

(1.12.)
und

am am-n'
-=
an wenn m > n.

Potenzen mit gleichen Exponenten, aber ungleichen Grundzahlen werden so bei


diesen aus Potenzen bestehenden Quotienten potenziert, indem man die Potenzen
getrennt berechnet und die Ergebnisse dividiert:

(�f=�=· (1.13.)

1.1.1.4. Potenzen mit gebrochenem Exponenten

Es gelten in diesem Fall die gleichen Beziehungen wie bei Potenzen mit ganzen

Exponenten. Das wird deutlich, wenn man z = n setzt. Natürlich kann


m z auch ein
Dezimalbruch sein. Beispielsweise ist

m u m u

a ·a =a
n v
-+-
n v (1.14.)
und

An dieser Stelle sei erwähnt, daß man Wurzeln als Potenzen mit gebrochenen
Exponenten darstellen kann;

(1.15.)

19
1.1.1.5. Binomischer Lehrsatz

Mit Hilfe des binomischen Lehrsatzes ist man in der Lage, Summen oder Diffe­
renzen zu potenzieren. Durch Anwenden dieses Satzes kommt man auch beim
Kopfrechnen zu schnellen Ergebnissen. (Eine Ableitung des Satzes kann hier nicht
gebracht werden.)
Will man (a + b)" potenzieren, so gilt

(1.16.)

GI. (1.16.) mag zunächst etwas verwirrend aussehen. Deshalb sollen im folgenden
diese Zeichen erläutert werden. Das � (Summenzeichen) bedeutet: Summe aller
Summanden. Den neben dem Summenzeichen stehenden Klammerausdruck liest
man n über k, er bildet eine abgekürzte Schreibweise für

(1.17.)

Das Zeichen n! gilt als Ausdruck für Fakultät, eine verkürzte Schreibweise für

n! = 1 2 3 ... n. Es ist
· ·

dung des Satzes erkennen.


z. B.
(�) = 1. Die folgenden Beispiele lassen die Anwen­

(a + b)2

Ist k = 0, dann wird


(�) = 1 und a2-0b0 =a\ demnach der 1. Summand a2•

Ist k = 1, dann ergibt sich


(i) =
(2 �· ;,!1 =2 und a2-W =ab. Somit wird

der 2. Summand 2ab.

Ist k = 2, dann wird (�) = 1 und a2-2b2 = b\ also der 3. Summand b2• Man geht

nicht weiter als k = n.

(a + b)2 =a2 + 2ab + b2

(a + b)3

k =0' () 3
0
1a3-0b0 = a3' der 1 . Summand a3•'

k = 1,
(D =
(3 �· :)! 1 = 3 und a3-1b1 = a2b, also ist der 2. Summand 3a�b;

k = 2' () 3
2
=3 ' a3-2b2 = ab2 ' der 3 • Summand ist 3ab2•'

k = 3, G) = 1, a3-3b3 = b3; der letzte Summand ist b3•

20
Deshalb gilt

(a + b)3 = a3 + 3a2b + 3ab2 + b3•

Ersetzt man in GI. (1.16.) b durch -b, dann ist (a - b)n nach dem beschriebenen
Verfahren zu berechnen. (Für (a + b) (a - b) erhält man a2 - b2.)

1.1.1.6. Exponentialfunktion

Abschließend zu den Gesetzen der Potenzrechnung soll die Exponentialfunktion


behandelt werden. Obwohl der Begriff Funktion noch nicht erläutert wurde, werden
sich die nachstehenden Bemerkungen eben vornehmlich mit der Potenz befassen.
Die Potenz ist gemäß GI. (1.2.) definiert. Ersetzt man nun den Potenzexponenten n
durch die Variable x, wobei die Grundzahl a immer > 0 sein muß, dann erhält
man mit der Grundzahl a die Exponentialfunktion

(1.18.)

Trägt man in einem Koordinatensystem auf der Ordinate die abhängige Variable
und auf der Abszisse die Variable x auf, so ergibt sich bei verschiedenem a Bild 1.2.
Besonders auf dem Gebiet der Elektrotechnik wird oft die e-Funktion angewendet.
Man braucht in GI. (1.18.) die Grundzahl a nur durch die Zahl
e = 2,718281828459 . . . zu ersetzen. Also wird die e-Funktion

(1.19.)

Dazu noch einige weitere Bemerkungen. Die Funktion läßt sich durch eine Reihe
darstellen.
·

x x2 x3
ex 1 + . (1.20.)
TI+ 2T + 3T + ..
=

Bild 1.2.
-3 -2 -7 2 J lfx

21
Bild 1.3.
0 0.7 1,4 2,1 3,5 X

Mit den in den Nennern der Brüche stehenden Fakultäten (die bereits erklärt
wurden) ergibt sich mit x = 1 die vorhin genannte Zahl e. Für x � 0,1 ist mit
guter Näherung

e±x""' 1 ± x (x � 0,1). (1.21.)

Zum Errechnen von Funktionswerten für beliebiges reelles x läßt sich prinzipiell
GI. (1.20.) anwenden. Selbstverständlich hängt die Genauigkeit des Ergebnisses
von der Anzahl der Summanden der Reihe ab. Mit Logarithmen, speziellen Funk­
tionstafeln und mit dem Rechenstab erhält man ebenfalls Funktionswerte von ex.
Noch etwas soll bei der e-Funktion nicht unerwähnt bleiben. Geht man nämlich
mit x = 0, 7 auf der Abszisse weiter, so ergeben sich auf der Ordinate Strecken­
verhältnisse, die sich um den Faktor 2 (bei e0•7) bzw. 0,5 (bei e-0•7) unterscheiden.
Als Beispiel für die Anwendung in der Elektrotechnik sei die Halbwertzeit bei Auf�
und Entladungen von Kondensatoren genannt.

1.1.2. Wurzeln

Das Wurzelziehen ist die Umkehrubg des Potenzierens. Hat man

� (1.22.)
�·
so ist a = Wurzelwert, b = Radikand, n = Wurzelexponent. Man sagt, a = n-te
Wurzel von b. Der Radikand ist eine positive Zahl.
In den Rechenoperationen, die beim Amateur vorkommen, trifft man sehr oft die
Quadratwurzel an (n = 2). Nach Vereinbarungen braucht man die 2 an der Wurzel

22
Bild 1.4.

nicht zu schreiben. Bild 1.4. läßt die Wurzelwerte in Abhängigkeit vom Radi­
kanden erkennen. Man sieht, daß zu jedem b-Wert zwei a-Werte gehören, denn
sowohl ( -a)2 als auch ( +a)2 ergibt den gleichen b-Wert; d.h., die Quadratwurzel
ermöglicht keine eindeutige Aussage. Deshalb gilt allgemein: Für gerades n ist der
Wurzelwert sowohl positiv als auch negativ, für ungerades n hat der Wurzelwert
das gleiche Vorzeichen wie der Radikand.

1.1.2.1. Addition und Subtraktion von Wurzeln

Die genannten Rechenarten sind nur dann möglich, wenn die Wurzeln gleiche
Exponenten und gleiche Radikanden haben:

und (1.23.)

Vb-o,svE=o,syb.

1.1.2.2. Multiplikation und Division von Wurzeln

Wurzeln mit gleichen Wurzelexponenten werden multipliziert, indem man die


Radikanden multipliziert. Aus diesem Produkt ist dann die Wurzel zu ziehen;

(1.24.)

Haben die Wurzeln gleiche Radikanden, aber unterschiedliche Wurzelexponenten,


dann gilt

(1.25.)

23
Bei Wurzeln mit gleichen Wurzelexponenten dividiert man die Radikanden und
aus dem Quotienten zieht man die Wurzel;

(1.26.)

Bei gleichen Radikanden der zu dividierenden Wurzel, aber unterschiedlichen


Wurzelexponenten gilt

(1.27.)

1.1.2.3. Potenzieren und Radizieren von Wurzeln

Es sei nochmals erwähnt:

m-

V Vb' n

=
m·n

Yb = v-
m

Yb ; (1.28.)

(t;!i7")m n_
rb'. = yb
m
.

1.1;2.4. Näherungen zu Potenzen und Wurzeln

Zur Ermittlung von Wurzelwerten genügt für viele Fälle die Genauigkeit des
Rechenstabs. Exaktere Ergebnisse erzielt man mit Hilfe der Logarithmen. Es ist
deshalb wenig sinnvoll, auf andere Möglichkeiten der Berechnung einzugehen.
Nachstehend einige Näherungen:

b
}'a2 ± b""" a ± 2a b < a; (1.29.)

}'a2 + b""" 0,96a + 0,4b a > b; (1.30.)

3-- b
Ya2 + b""" a + b < a; (1.31.)
3a 2

l"t ±b """ 1 ±o,sb b < o,os; (1.32.)

1
-=""" 1 ±0,5b.
Y1 ±b

24
Weitere Näherungen für 1 � x � 0:
(1±x)2 :::::: 1± 2x (1±x)3::::1
:: ±3x; (1.33.)

1 1
l=fx :::::: 1=f 2x; (1.34.)
l±x:::::: (1± x) 2

1±x 1
::::l
:: ±2x ::::1
:: . (1.35.)
l=fx 1±x2

1.1.3. Beispiele zu Potenzen und Wurzeln

Beispie/1.1.

Wende die Rechengesetze der Potenzrechnung bei folgenden Aufgaben an:

Lösung

Mit GI. (1.4.) wird 23 • 22 = 23+2 = 2" = 32.

Mit GI. (1.5.) wird (2 . 3 . 4)3 = (23 • 31)3 = 29 • 33 = 13,824 . 103

Beispiel 1.2.

Schreibe folgende Dezimalbrüche in Zehnerpotenzen:

0,000 0025; 127,3; 999 000; 0,0049

Lösung

In Verbindung mit Tabelle 1.1., GI. (1.7.) ergibt sich:

0,000 002 5 = 2,5. w-s; 127,3 = 1,273. 102; 999000 = 9,99. 105;
0,0049 = 4,9. w-a

Beispiel 1.3.

Vereinfache folgende Potenzen:

101s. I0 -1o. to-s = 10(18-lo-s) = 102. Benutze GI. (1.4.)

(_lQ_) (�)
100
=

102
= 101-2 =
10-1 = _1_
101
. Benutze GI. (1.7.),
(1.8.), (1.12.)

139. 0,0008 . 103 1,39. s. 102• to-�. 103


1,04. 1oa
2,67. 4. 1o-2
=
2,67. 4. 10 2

25
Beispie/1.4.

Ermittle mit der in GI. (1.20.) angegebenen Reihe den Wert von e2•5 und e-0•5•

Lösung

2,52 + 2,53 + 2,5•


e2,5 1 + 2 '5 + 10 85..
2 ·3 2·3·4-
=

2 '

Mit der Genauigkeit eines großen Rechenstabs ergibt sich jedoch e2•5 = 12,2.
Man muß also mindestens noch einen weiteren Summanden der Reihe zu 10,85
addieren. Aber selbst bei Addition eines weiteren Summanden wird die Genauig­
keit des Rechenstabs noch nicht erreicht, denn es ist 10,85 + 0,81 11,66 =

+ 0,337 =
11,997. Das heißt, die Genauigkeit des Rechenstabs hängt von der Anzahl
der verwendeten Reihenglieder ab. Der zuerst ermittelte Wert würde z.B. einen
Fehler von mehr als 10% gegenüber einem Tabellenwert haben. Für e-0•5 erhält
man
0 54
e- o ,s = 1 -05 +
0,52
- �.2:_ + , ""' 0 6·
' 2 6 24 ' '

auch in diesem Fall ist bei der geringen Anzahl von Gliedern ein ähnlicher Fehler
zu erwarten.

Beispie/1.5.

Vereinfache und löse folgende Aufgabe:

ui . uo,s

Lösung

Man kann die Exponenten sowohl in Dezimal- als auch in gemeinen Brüchen
schreiben. Also ist

= u(o,&s+o,s) = ul,lG

(23 + 32) (42 - 32) =


17.7 = 1,19. 102

Beispiel 1.6.

Löse GI. (1>25.) bis GI. (1.28.)

y'3. y4. ß = y3.4. 5 =


± 7,73

Y100 · hoo = 10 • V10 2 ""'46,5

' 2'
}'102 1�/10
- l/10-2 =
10-1
10•
-- = =

y104' ·

26
Beispie/1.7.

Löse mit Hilfe der Näherungen folgende Wurzeln: y2505 und y 426 .
Lösung

Mit GI. (1.29.) ist a = 50 und b = 5 bzw. a = 20,5 und b = 6.


Damit ergibt sich V2505 = 50 +
1 0
� = ±5o;o5 sowie

,,- 6
r 426 = 20,5 + 4f = ±20,647.

1.2. Logarithmen

Aus den folgenden Ausführungen wird klar, welche Bedeutung Logarithmen beim
Lösen von Aufgaben in der Amateurpraxis haben. Man denke beispielsweise an
das Ermitteln von Potenzen mit gebrochenen Exponenten oder an die Lösung von
Wurzeln, dann wird die Durchführung dieser Rechenoperationen offensichtlich.
Der Rechenstab dürfte besonders im täglichen Gebrauch sehr angebracht sein.

1.2.1. Logarithmen und Rechengesetze

Logarithmieren heißt zu einer gegebenen Potenz c und ihrer Grundzahl a den


Potenzexponenten b suchen. Eine andere Formulierung wäre: Der Logarithmus b
einer Zahl c für die Grundzahl a ist der Exponent, mit dem man a potenzieren muß,
um die positiv� Zahl c (den Numerus) zu erhalten; als Formel geschrieben

(1.36.)

Die Grundzahl a charakterisiert die einzelnen Logarithmensysteme. Für den


Amateur sind 2 Systeme von Bedeutung. Mit der Grundzahl 10 ergibt sich der
Briggsehe oder dekadische Logarithmus. Hat man dagegen e = 2,718, so ist damit
der natürliche Logarithmus gemeint. Beide Systeme sind durch folgende Beziehung
verbunden:

I
lg c = 0,43431n c,
(1.37.)
ln c = 2,3026 lg c .

Von den vielen noch möglichen Logarithmensystemen sei das zur Grundzahl 2
genannt. Man erhält den Logarithmus zur Grundzahl 2 durch

2lg c = 3,33 lg c j. (1.38.)

27
b
1,0

{i8

0,6

0,4

0,2

Bild 1.5.
0

Gemäß Festlegungen schreibt man für den dekadischen Logarithmus "lg", für
den natürlichen Logarithmus "In". Die Genauigkeit der Rechenergebnisse beim
Logarithmieren hängt von der Stellenzahl der Mantisse b ab. Zum Aufsuchen der
Mantisse gibt es Logarithmentafeln; übliche Tafeln haben zwischen 3 Stellen und
5 Stellen. Bild 1.5. zeigt die Funktion b = lg c. Je größer man dieses Diagramm
zeichnet, um so genauer werden die Ablesewerte. Mit guter Näherung ist z.B. für
die Zahl 2 die Mantisse b = 0.3. Wie man dabei sofort sieht, wird die Stellenzahl
der Mantisse nicht durch ein Komma gekennzeichnet, sondern durch einen Punkt.
Jeder Logarithmus setzt sich aus der vor dem Punkt stehenden ganzen Zahl (der
Kennziffer k) und der Mantisse hinter dem Punkt zusammen. Die Kennziffer des
dekadischen Logarithmus einer Zahl c ist um 1 kleiner als die Zahl der Ziffern
dieser Zahl.

Die Kennziffer jeder 1ziffrigen Zahl ist 0,


jeder 2ziffrigen Zahl ist I,
jeder 3ziffrigen Zahl ist 2 usw.

Eine negative Kennziffer zeigt, an welcher Stelle nach dem Komma der Zahl die
Ziffern beginnen (-I � O,I; -2 � O,OI; - 3 � O,OOI usw.). Die Mantisse gibt
den Logarithmus des Numerus ohne Berücksichtigung des Stellenwerts (von c) an.
Anders gesagt: Die Mantissen der Zahlen sind gleich (z.B. 6, 3 � 0,8 ... oder
6 3 � 1,8 ... usw.).

Zusammenfassend eine Aufstellung des Erläuterten:

Numerus Kennziffer

I 0
IO (I01) 1
100 (102) 2
IOOO (103) 3
0,1 oo-1) -I
0,01 oo-2) -2
o,oo1 oo-a) -3

28
Wie man leicht erkennt, ist die Kennziffer identisch dem Exponenten der Zehner­
potenz.
Eine weitere kleine Interpretation: für c = 5 ergibt sich lg 5 = 0.7; ist c = 50,
so wird lg 50= 1.7; hat man c = 0,05, so ist lg 0,05 = 0.7 - 2.

Die wichtigsten Logarithmengesetze lauten:

- Der Logarithmus eines Produkts ist gleich der Summe der Logarithmen seiner
Faktoren;

lg (A B) · = lg A + lgB. (1.39.)

- Der Logarithmus eines Quotienten ist gleich der Differenz der Logarithmen des
Dividenden und des Divisors;

A
lg lg A -1gB. (1.40.)
B
=

- Der Logarithmus einer Potenz ist gleich dem Produkt, gebildet aus dem Ex­
ponenten und dem Logarithmus der Grundzahl;

lgd" = n · lgd. (1.41.)

- Der Logarithmus einer Wurzel ist gleich dem Quotienten, gebildet aus dem
Logarithmus des Radikanten und dem Wurzelexponenten

n_ 1
lg Vd = Ii Jgd. (1.42.)

1.2.2. Beispiele für den Gebrauch der Logarithmentafel

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Mantissen in Logarithmentafeln


angegeben werden. Je größer die Stellenzahl der Mantissen ist, um so genauer
läßt sich der Logarithmus eines Numerus feststellen. Beispielsweise enthält eine
5stellige Tafel den Numerus von 0 bis 1000. Da die Mantisse unabhängig von der
Stellenzahl des Numerus ist, kann man auch Logarithmen über 1000 ermitteln.
Aus den nachstehenden Beispielen werden Handhabung der Tafel usw. deutlich.
(Abschnitt 1.8. enthält eine einfache Logarithmentafel.) Danach ist auf der linken
Seite der Numerus aufgetragen. Bei größeren Tafeln findet man in daneben an­
geordneten Spalten die Mantissen der Numeri von 0 bis 9, was einen genaueren
Mantissenwert er?ibt.
Es ist jedoch eine noch feinere Unterteilung möglich. Wenn der Zahlenwert des
Numerus nicht genau mit dem der Tafel übereinstimmt, so kann man durch
lineare Interpolation die Ungenauigkeiten in der Angabe der Mantisse ausgleichen.
Für die folgenden Beispiele wird eine 5stellige Tafel vorausgesetzt.

29
Beispiel 1.8.

Ermittle den Logarithmus von 935.

Lösung

Man sucht in der linken äußeren Spalte der Logarithmentafel zum Numerus 935
die Mantisse; sie beträgt 0.97081.
Nach den Erläuterungen ist die Kennziffer k = Stellenzahl des Numerus -1, in
diesem Fall also k = 3 - 1 = 2 . Somit wird der Logarithmus von 935 ent­
sprechend 2 .97081.

Beispiel 1.9.

Wie groß ist der Logarithmus des Numerus 2,24 ?

Lösung

Da die Mantissen ohne Berücksichtigung der Stellenzahl des Numerus gelten,


wäre es prinzipiell gleich, ob man vom Numerus 2,24; 22,4 oder 224 ausgeht. Man
sollte jedoch die Tafel so benutzen, daß der höchste Zahlenwert des Numerus
möglichst unabhängig von einer Kommastelle aufgesucht wird.
Dazu seien die Möglichkeiten erörtert. - Die Logarithmentafel läßt den genauen
Ablesewert für 2,24 nicht zu, weil es lediglich die Spalte 2,2 bzw. 2,3 gibt. Der
Zwischenwert 2,24 ist nur durch Interpolation zur Ermittlung der Mantisse
möglich. Aus diesem Grund liest man die Mantisse zum Numerus 2,3 9 0.361 73
und 2,2 9 0.342 42 ab. Die Differenz zwischen beiden Werten beträgt 1931 . Ihn
dividiert man durch 1 0 und multipliziert den damit erhaltenen Wert mit der letz­
ten Zahl des Numerus (in diesem Fall mit 4), also 193,1 · 4 = 772,4. Addiert man
nun diesen Wert zu der Mantisse von 2,2, so ist schließlich 2,24 9 0.35014 . Diesen
Vorgang kann man selbstverständlich immer dann durchführen, wenn ein ge­
naueres Ablesen der Mantisse infolge begrenzten Umfangs der Tafel nicht möglich
ist. In eine Formel gebracht, ergibt sich der Zahlenwert bei der Interpolation.

, Differenz der Mantissen .


z = ·letzter Ziffernwert des Numerus
10

Nimmt man aber die Zahl 22,4, dann ist keine Interpolation erforderlich, denn die
Mantisse läßt sich sofort ablesen; man findet 0.35025. Der Numerus 2,24 liegt
unter 1 0, also ist der Logarithmus zur Zahl2,24 dann 0.35025. Vergleicht man die­
sen Wert mit der vorhin ermittelten Mantisse, dann erkennt man einen geringen
Unterschied. Wählt man nun 224, so ergibt sich für die Mantisse ebenfalls 0.35025.
Das Beispiel läßt erkennen, daß man die Mantisse dort feststellen muß, wo das
die Tafel unabhängig von der Stellenzahl des Numerus noch zuläßt!

Beispiel 1.10.

Wie groß ist der Logarithmus von 15425?

30
Lösung

Die Tafel reicht nur bis zur Zahl 1000! Man kann aber den Numerus 154,2 auf­
suchen! Die Mantisse dazu ist 0.18837, die Mantisse zum Numerus 154,3 � 0.18837.
Zum genauen Aufsuchen des vorgegebenen Numerus wird nun die Interpolation
notwendig. Die Differenz der Mantissen beträgt 29. Aus diesem Grund muß man
zur Mantisse 0.18808 29/10 = 2,9 mit der Zahl 5 multipliziert hinzuzählen. Damit
ergibt sich 0.18823. Die Kennziffer von 15425 ist 4, somit schließlich der Logarith­
mus von 15425 � 4.18823.

Beispiel 1.11.

Ermittle den Logarithmus von 100245.

Lösung

Davon wäre die Mantisse 0.00087. Auch in diesem Fall müßte interpoliert werden,
wobei man wegen der letzten Ziffer des angegebenen Numerus nach oben auf­
runden würde. Auf die Interpolation kann nunmehr verzichtet werden. Gemäß
der Stellenzahl des Numerus ergibt sich für k = 5. Also ist der Logarithmus von
100245 � 5.00109

Beispiel1.12.

Es sind folgende Zahlen als Potenzen von 10 darzustellen: 3100; 9526; 7,2.

Lösung

Der dekadische Logarithmus hat als Grundzahl die 10. Der Logarithmus einer
Zahl ist der Potenzexponent des entsprechenden Logarithmensystems. Da ein­
gangs erwähnt, daß als Grundlage für die Lösung der aufgeführten Beispiele eine
5stellige Tafel verwendet wird, ist demnach der Logarithmus der Zahlen 3.49136;
3.97891 und 0.85733. Damit ergeben sich die Potenzen: 1oa:mas; 103.97891;
1 oo.•o733.

Beispiel1.13.

Welcher Numerus ergibt sich nach den Poten:zen 1oa.47m; 1oo.9oao9-1?

Lösung

Man sucht unabhängig von der Kennziffer in der Tafel die Mantisse auf. Danach
beträit die Zahl zur Mantisse 0.47 712 � 300. Weil k = 3 ist; hat man den Nume­
rus 3000. Zur Mantisse 0.903 09 wäre die Zahl 800. Da k = -1, ergibt sich der
Numerus mit 0,8.

31
Beispiel1.14.

Bestimme zu den nachstehenden Zahlen die Numeri.

1lg a
lg b +
m
lg a + lg b - lg c; m lg b + n lg a; ll

Lösung

Anwendung der Logarithmengesetze mittels GI. (1.39.) bis GI. (1 .42.)

Danach ist
a� b
; b"' · an; l"! b · '}'a.

Beispiel1.15.

Logarithmiere folgenden Ausdruck:

m�--­
an · b•
lg
r ,--

br V �a"'
c"

Lösung

Mit Hilfe der Logarithmengesetze ergibt sich:

!{ [n lg a + (s- r) lg b]- ; (n lg c + m lg a)} ·

Beispiel1.16.

Löse folgende Aufgaben mit Logarithmen:

288,7
Die Logarithmen der Zahlen sind
25,923 . 8,3247
lg 288,7 = 2 .45045
lg 25,923 = 1.433 85
lg 8,3247 = 0.92037

Mit Anwendung der Rechenregel wird 2.45045 - (1.43385 + 0.92037)


= 0.09623. Die Kennziffer ist 0. Demnach liegt der Numerus zwischen 0 und 10.
Gemäß Mantisse ergibt sich der Zahlenwert I ,248.
Somit ist die berechnende Zahl 1,248.

lg 1 = 0.0
0,74839. 85,184 Jg,0,74838 = 0.87413 - I
lg 85,184 = 1.93087
Nun ist 0.0 - (0.87413 - 1 + 1 .93087) = 0.0 - 1 .805 00.

32
Man braucht einen kleinen "Rechenkniff", um die Mantisse dieser Differenz zu

ermitteln. An der Aufgabe ändert sich nichts, wenn man statt 0.00000 = 1.00000
-1 schreibt. Dann wird 1.000 00 - 1 - (0.80500 - 1) = 0.1950 0 - 2. Zur
Mantisse 0.19500 gehört der Numerus 1567. Weil k = -2 ist, erhält man als
Ergebnis der Aufgabe die Zahl 0,01567.

1,79446 lg 1,79446 = 6(0.25382)


3,53275 lg 3,53275 = 5(0.54810)

Nun wird 6(0.25382)- 5(0.54810) = 0.77822-2.


Die zur Mantisse 0.77822 gehörende Zahl ist 6001. Weil k = -2, ist der Numerus
demnach 0,06001.
(8,1243 · 10-3)3; es ist lg 8,1243 = 0.909 74 und 3 · 0.90974 = 2.72922, des wei­
teren ist lg 10 = 1.00000; damit wird -9 · (1.00000) = -9.00000. Schließlich
ergibt sich: 2.729 22 + (-9.00000) = 0.729 22 - 7. Mit der Mantisse 0.72922
erhält man die Zahl 5362. Da k = -7, wird der Numerus 0,000 000536 2.

Beispiel 1.17.

Wie groß ist der natürliche Logarithmus von 27,3?

Lösung

Für den dekadischen Logarithmus erhält man 1.43616.


In Verbindung mit GI. (1.37.) wird In 27,3 = 2,3026 1.436 16
· = 3.3. Wie heißt der
dekadische Logarithmus zum natürlichen Logarithmus 3.40? Gemäß GI. (1.37.)
erhält man lg 3.40 = 0,4343 · 3.40 = 1.477.

1.2.3. Logarithmische Maßstäbe

Will man mit Hilfe des bekannten Millimeterpapiers komplizierte Funktionen


darstellen, so ergeben sich infolge der linearen Teilung der x-und y-Achse keine
Geraden. Mit dem ebenfalls im Handel erhältlichen Logarithmenpapier kann man
dagegen sehr oft Gerade erhalten. Es gibt einfaches und doppelt-logarithmisches.
Papier, wobei man bei der Bezeichnung auf die Achsen Bezug nimmt. Nach
Bild 1.6. ist die Streckeneinteilung eines logarithmischen Maßstabs gegeben. Daraus
geht hervor, daß man über beliebige Größenordnungen die Darstellung von Funk­
tionen durchführen kann. Übliche Unterteilungen liegen zwischen 1 bis 5 Größen­
ordnungen. Natürlich kann man derartige Maßstäbe selbst anfertigen: Ist S die

z * 6 8 10° 2. 4 6 8 70 1 2.
Logarithmischer M11ßsfab

Bild 1.6.

3 Amateurtechnik 33
nach logarithmischem Maßstab zu unterteilende Strecke, so sind die jeweiligen
Streckenabschnitte

S; = lg i · S (i von 1 bis 10). (1.43.)

Wäre S beispielsweise 100 mm, dann ergäbe sich flir die Strecke S. = 0.000 · 100
= 0, der Streckenabschnitt 2 aber S2 = 0.3 · 100 = 30 mm und für S9 = 95,5 mm.
So erhält man die Maßstäbe für eine Größenordnung, Gemäß Abschnitt 1.2.1.
ist die Mantisse unabhängig von der Stellenzahl des Numerus. Somit kann man die
nächste Größenordnung mit der gleichen Einteilung durchführen, wiedas auch beim
handelsüblichen Logarithmenpapier geschieht.

Zusammenfassend läßt sich sagen:

--Verwendung logarithmischer Maßstäbe ist da von Vorteil, wo man weit über


eine Größenordnung hinausgehen muß, um den Verlauf einer Funktion dar­
zustellen.
- Funktionen kann man verschiedentlich als Gerade darstellen.
- Einige bekannte Funktionen ergeben Gerade, wenn

- die x-Achse linearen, die y-Achse logarithmischen Maßstab hat (y = a");


- die x-Achse logarithmischen, die y-Achse linearen Maßstab hat (y = b · lg x);
� beide Achsen logarithmisch eingeteilt sind
(bei y = a , xn, mit a = 1 und n = -1, hätte man z. B. eine Hyperbel).

1.2.4. Rechenstab

Der Abschnitt "Logarithmen" soll nicht abgeschlossen werden, ohne den Rechen­
stab zu erwähnen, bei dem man auch logarithmische Maßstäbe hat. Beim Rechen­
stab werden ebenfalls die Logarithmengesetze angewendet. Infolge der vielen im
Handel erhältlichen Typen ist es jedoch nicht möglich, auf alle Einzelheiten des
Rechenstabs einzugehen. Die folgenden Ausführungen sind nur für den Leser
bestimmt, der noch keine Gelegenheit hatte, sich in der Handhabung des Rechen­
stabs zu üben.

1.2.4.1. Grundsätzlich(!r Aufbau des Rechenstabs

Wie aus Bild 1.7. ersichtlich, hat der Rechenstab 3 Teile: den Läufer L, den Schie­
ber und das Lineal.

Läufer L

Bild 1.7.

34
Der Läufer weist einen oder mehrere senkrechte Striche auf. Er dient zur exakteren
Einstellung der Werte. Bei überschlägigen Rechnungen kann man ggf. auf ihn
verzichten. Der Schieber hat oft eine untere und eine obere Einteilung, die den
gegenüberliegenden auf dem Lineal entsprechen. Manchmal gibt es aber noch eine
reziproke Skale, die entgegengesetzt der unteren Teilung des Schiebers läuft. Der
Schieber, auch Zunge genannt, hat auf seiner Rückseite (je nach Größe und Fabri­
kat) weitere Einteilungen, beispielsweise Mantissen und eine Exponentialskale. Das
Lineal kann sehr unterschiedlich ausgeführt sein; stets findet man aber die untere
Grundskaie von 1 bis 10 sowie die obere Skale mit den Quadratzahlen.
Verschiedentlich sind noch die Kubikzahlen, Sinus- und Tangensfunktionen sowie
Funktionen von e"' aufgetragen.

1.2.4.2. Stellenzahlen heim Rechenstab

Der Rechenstab berücksichtigt die Stellenzahl nicht. Aus diesem Grund ist es
zweckmäßig, wenn man sich vor dem eigentlichen Rechnen mit dem Rechenstab
mittels Zehnerpotenzen Klarheit über die Stellenzahl verschafft.

1.2.4.3. Multiplikation, Division, Quadrieren und Wurzelziehen

An Hand einiger Beispiele läßt sich die Verfahrensweise am besten demonstrieren.

Multiplikation

Beispiel: 0,29 ·33,2

Man stellt die 1 des Schiebers auf die 2,9 des Lineals der unteren Grundskaie
(Bild 1.8.). Des weiteren ist 0,29 = 2,9 · I0-1 und 33,2 = 3,32 · 101• Sodann ver­
schiebt man den Läufer auf den Zahlenwert 332 der unteren Skate des Schiebers
und liest am Strich des Läufers auf der unteren Grundskaie 963 ab. Mit Berück­
sichtigung der Potenzgesetze ergeben beide Zehnerpotenzen 1. Also ist das Er­
gebnis der Multiplikation 9,63.
Zu dem gleichen Ergebnis wäre man auch gekommen, wenn man bei einer rezi­
proken Skale auf dem Schieber die Zahl 332 mit der Zahl 29 der unteren Skale
des Lineals den Strich des Läufers zur Deckung gebracht hätte. Das Ergebnis kann
man dann (je nach Zahl) entweder bei der 10 oder 1 der Reziprokskale ablesen.
Wiederum erhält man die Zahl 963.

!
J
L
i J L
\
\
I2,87 J.oJ
3,32 I rev'prok13,32 s 7 I
9,62
! unter�s Lineal J \ "2,unteres
9 Lin. I Bild 1.8.
t!u/tiplikaflon

35
Beispiel: 156,1 · 0,85

Man stellt die 1 des Schiebers (untere Skale) auf die Zahl 1561. Dabei zeigen sich
die Grenzen der Genauigkeit beim Rechenstab. Die 1 der obigen Zahl· mußte
nämlich bereits geschätzt werden, d. h., je nach Größe des Rechenstabs wird das
Rechenergebnis beeinflußt. Doch kann der Verfasser aus eigener Praxis feststellen,
daß für die Belange des Amateurs die Rechenstabgenauigkeit ausreicht. Man
stellt also den Läufer auf den Zahlenwert 85 der Skale des Schiebers - doch leider
geht die Skale mit dem Wert 85 über die 10 der unteren Skale des Lineals hinaus.
Aus diesem Grund muß man nicht die 1 auf 1561 bringen, sondern die 10 der
unteren Skale des Schiebers. Danach stellt man den Läufer auf 85 der Skale des
Schiebers und liest an der unteren Skale des Lineals ab. Es ist die Zahl 1322. Weil
die Zehnerpotenz 10-2 ergibt, wird schließlich das Ergebnis 132,7.

Division

Beispiel: 21500 soll durch 0,079 dividiert werden.

Man stellt die Zahl 215 der unteren Skale des Schiebers auf die Zahl 79 der unteren
Skale des Lineals. Hierbei wird zur Erleichterung des Rechenvorgangs der Läufer
auf den Zahlenwert 79 gestellt und mit 215 des Schiebers auf dem Strich des Läufers
zur Deckung gebracht. Nach dieser Einstellung muß' man nur noch den Läufer
auf die 10 des Schiebers stellen (Bild 1.9.), und an der unteren Skale des Lineals
erhält man die Zahl 272,152. Hätte man dagegen die Zahl 2 oder eine ähnliche
statt 79 gehabt, so müßte man an der 1 des Schiebers ablesen. Daraus läßt sich
allgemein feststellen: Bei den Rechenoperationen Multiplizieren und Dividieren
muß man den Schieber immer so einstellen, daß sich entweder die 1 oder die 10
innerhalb der unteren Skale des Lineals befindet.

l
l 7.9 1() I
l2,1S 2,7Z Bild 1.9.
Division

Quadrieren und Wurzelziehen

Beispiel: 2,52

Man stellt den Läufer auf die 2,5 .der unteren Skale des Lineals und liest an der
oberen Skale des Lineals ab. Es ergibt sich der Wert 625. Da 2,5 identisch ist
mit dem Skalenwert des Lineals, kann man den Wert der oberen Skale sofort
als 6,25 übernehmen.
Wie sieht es aus, wenn 2252 quadriert werden soll? Im Gegensatz zum Multipli­
zieren muß man sich beim Quadrieren sofort über die Stellenzahl im klaren sein.

36
Besonders muß das beim Wurzelziehen bekannt sein, denn auf der oberen Skale
erscheint die Zahl 625 zweimal. Nun zurück zum Wert 2252• Nach den Potenz­
gesetzen ist 225 = 2,25 · 102 und 2,252 ::o:: 5,08. Diesen Wert kann man auf der
oberen Skale ablesen. (102)2 ergibt sich natürlich nur durch Überlegung. Hat man
einen Rechenstab mit Kubikzahlen, so sind diese meist über den Quadratzahlen
angebracht. Man braucht in diesem Fall keine Veränderung des Läufers vor­
zunehmen, wenn die Aufgabe beispielsweise 2,53 lautete. Auf der Kubikskale wäre
156 ablesbar. Jetzt muß man sich wiederum über die Stellenzahl klarwerden:
endgültiges Ergebnis 15,6.

Beispiel: yBs
Der Läufer ist auf die obere Skale des Lineals zu stellen. Sofort kann man auf der
unteren Skale des Lineals � 9,2 ablesen, was mit der richtigen Stellenzahl identisch

ist. Wie sieht es aus, wenn von Vo,85 die Wurzel zu ziehen ist.
Es ist notwendig, sich zuerst über die Stellenzahl klarzuwerden. 0,85 = 85 · 10-2•
Sowohl von 85 als auch von 10-2 kann man leicht die Wurzel ziehen; bei 85 ergab

sich 9,2. Von 10-z ist di Wurzel 10-1• Demnach ergibt sich yo,85 = 0,92.

Beispiel: Y345
Statt 345 läßt sich schreiben 3,45 · •
102 Der Läufer wird auf 3,45 gestellt (obere
Quadratskale), und man liest auf der unteren Skale des Lineals ab, und zwar am
Strich des Läufers 1,858. Wurzel von 102 ist 101• Demnach beträgt der wirkliche
Wurzelwert 18,58.
Ähnliche Gedanken sind natürlich auch bei den Kubikwurzeln erforderlich.
Die Funktionswerte der Winkelfunktionen, wie die der Mantissen, sind ähnlich
wie Quadratzahlen aufzusuchen.

1.3. Gleichungen

In diesem Abschnitt werden eine Anzahl von Gleichungen erläutert, die bei inter­
essierenden Größen oft in der Amateurpraxis vorkommen. Dazu zählen Glei­
chungen mit 1 und 2 Unbekannten, quadratische sowie gemischtquadratische
Gleichungen. Natürlich muß man ein gewisses Maß von allgemeinen Rechen­
operationen beherrschen.

Was versteht man unter einer Gleichung?

Man bezeichnet damit eine Beziehung, die angibt, daß 2 Größen einander gleich
sind. Unterschieden werden identische und Bestimmungsgleichungen. Bei den
ersten gilt: Die eine Seite ist nur die Umformung der anderen (z. B. a = a oder
3x + 6x = 9x). Der zweite Gleichungstyp ist dann gegeben, wenn er für einen
Wert oder für einige besondere Werte der in ihr enthaltenen Größen richtig bleibt.
Die in einer solchen Gleichung vorkonimenden Größen, denen man besondere

37
Werte geben muß, damit die beiden Seiten der Gleichung einander gleich sind,
werden Unbekannte genannt. Die beiden Seiten der Gleichung trennt man durch
das Gleichheitszeichen (=). Einteilung der Bestimmungsgleichungen erfolgt
- nach der Anzahl der Unbekannten;

- nach der höchsten Potenz der Unbekannten.

Demnach gibt es beispielsweise Gleichungen mit 1, mit 2 oder mitnUnbekannten


sowie Gleichungen 1., 2. oder m-ten Grades, auch lineare oder quadratische Glei­
chungen genannt. Im täglichen Leben und in der Berufspraxis liegen die Aufgaben
meist nicht in Form der Gleichung vor, vielmehr muß man diese erst durch den
sogenannten Ansatz aufstellen. Es ist leicht einzusehen, daß dazu der Sachverhalt
völlig bekannt sein muß. Durch Lösung von Textaufgaben nähert man sich der
praktischen Aufgabenstellung. Einem ungeübten Amateur wird es zuerst gewisse
Schwierigkeiten bereiten, eine mehr oder weniger "undurchsichtige" Formel auf
die gewünschte Größe umzustellen. Diesen Lesern sollen die nachstehenden Aus­
führungen entsprechende Anregungen geben.

1.3.1. Gleichungen 1. Grades mit 1 Unbekaunten

In der Mathematik benutzt man die letzten Buchstaben des Alphabets zur Kenn­
zeichnung von Unbekannten (x, y, z).
Enthält die Gleichung nur 1 Unbekannte, so wird sie mit x bezeichnet. Im FUNK­
AMATEUR, in Formelsammlungen u.ä. Veröffentlichungen kann man natürlich
statt des "x" beispielsweise die Größen R, C, L o.ä. als Unbekannte finden. Die
bekannten Größen in der Gleichung sind Zahlen oder Buchstaben (z. B. a, b, c;
A, B, C).
Man muß nun die Unbekannte auf die eine Seite der Gleichung bringen, die be­
kannten Größen.auf die andere Seite (dabei ist es üblich, x auf die linke Seite der
Gleichung, d.h.links vom Gleichheitszeichen zu schreiben).
Es folgt die Aufzählung der Lösungsmöglichkeiten von Gleichungen mit 1 Un­
bekannten.

Ist die Unbekannte ein Summand,

x + a=b, ( 1 .44. )
so subtrahiert man beide Seiten der Gleichung mit -a:
x+a-a=b-a
x=b-a.

Ist die Unbekannte ein Minuend,

x- a=b, (1.45.)
dann addiert man auf beiden Seiten der Gleichung mit a:
x-a + a=b-+ a,
x=b+a=a+b.

38
Zum gleichen Ergebnis wäre man auch gekommen, hätte man in GI. (1.44.) und
GI. (1.45.) a mit dem entsprechenden Vorzeichen auf die andere Seite der Glei­
chung gebracht.

Ist die Unbekannte ein Subtrahend,

a- x =b, (1.46�)

so bringt man x mit entgegengesetztem Vorzeichen auf die andere Seite. In der
�Ieichen Weise verfährt man mit b:

a = x+b und a - b =x.

Zum gleichen Ergebnis gelangt man, wenn man GI. (1.46.) auf beiden Seiten mit
-1 multipliziert (denn was auf der einen Seite des Gleichheitszeichens geschieht,
muß auch auf der anderen Seite geschehen, damit die Gleichheit auf beiden Seiten
des Gleichheitszeichens erhalten bleibt!);

-a + x = -b und x =a-b.

Ist die Unbekannte ein Faktor,

a·x = b, (1.47.)

so werden beide Seiten der Gleichung durch a dividiert, um die Unbekannte x zu


erhalten;
a b b
-x=- und x =-·
a a a

Ist die Unbekannte ein Dividend,

�=b ' (1.48.)


a

dann muß man beide Seiten mit a multiplizieren, um x zu erhalten:

a·� =b a · und x ba =ab.


a
=

Besteht die Unbekannte aus einem Divisor,

!!..._ =b ' (1.49.)


X

so werden beide Seiten der Gleichung mit x multipliziert und anschließend durch b
dividiert;
a
x !!.... =x b ' ferner x
b= .
·

Ist man mit diesen Rechengängen vertraut, so läßt sich einiges in den besprochenen
Gleichungen vereinfachen, z.B. brauchte man in GI. (1.47.) nur die andere Seite
durch a zu dividieren, in GI. (1.48.) die andere Seite mit a zu multiplizieren sowie
in GI. (1.49.) kreuzweise zu multiplizieren.

39
Kommen in den Gleichungen keine Brüche vor und steht die Unbekannte nicht in
einer Klammer, so werden alle bekannten Glieder auf die eine Seite, die die Un­
bekannte enthaltenden Glieder auf die andere Seite gebracht. Schließlich dividiert
man die gesamte Gleichung durch den Koeffizienten der Unbekannten.

Dazu einige Beispiele:

daraus x (a-b) = a2 - b2
a2-b2
und x= =a+b.
a-b
5x+ 4 = 2x+ 31

Damit ergibt sich 5x - 2x = 31- 4 = 27 und x = 9. Kommt die Unbekannte


in einer Klammer vor, so muß man diese auflösen. Danach kann man vorgehen
wie bei GI. (1.44.) bis GI. (1.49.)

(3x-1) (4x-19) = 2 (2x-3) (3x-14) - Ausmultiplizieren der


Klammem,
12x2- 57x- 4x + 19 = 12x2 - 56x - 18x + 84- Ordnen der Glieder,
12x2- 12x2 - 61x + 74x = 84- 19 = 65,
13x = 65, also x = 5.

Kommt die Unbekannte als Bruch vor, dann löst man die Brüche auf, indem Glied
für Glied mit dem Hauptnenner multipliziert wird. Damit ist die Gleichung auf die
bereits beschriebenen Verfahren zurückgeführt.

X X 1 1 7
3+4 = 14 x ( 3+ 4 = x12
)
· = 14;
\

deshalb ergibt sich

14
X= ·12=24.
7

1 1 1 . 1
2 (x- 3)- 3 (2x- 5) = 5 (x + 3)- 6 (5x - 17);

beidseitig der Gleichung bildet man den gemeinsamen Hauptnenner

3(x-3)-2(2x-5) 6(x + 3)-5(5x-17)


= ;
6 30

bringt man 30 auf die andere Seite der Gleichung, dann kann man kürzen, und es
ist
5[3(x- 3)-2 (2x- 5)] = 6 (x + 3)-5 (5x-17);

40
nach der bereits erörterten Weise wird nun

15x- 45 - 20x +50= -19x+ 103,

daraus ergibt sich

14x = 98, also x = 7.

1.3.1.1. Wurzelgleichungen mit 1 Unbekannten

Solchen Gleichungen sieht man es manchmal nicht sofort an, ob es sich um eine
Gleichung 1. Grades mit 1 Unbekannten handelt. Man muß also zunächst die
Wurzel auflösen, indem man auf beiden Seiten der Gleichung potenziert. Dazu ist
allerdings die Wurzel all�in auf eine Seite der Gleichung zu bringen, siehe folgendes
Beispiel:

Da die Wurzel allein auf der einen Seite der Gleichung steht, braucht man nur
be ide Seiten zu potenzieren:

x2 + 11 = (x+ 1)2 = X2 +2x+ 1.

Weil x2 auf beiden Seiten der Gleichung steht, eliminiert es sich;

11 = 2x+ 1, also x = 10/2 = 5 .

1.3.1.2. Grafische Lösung der Gleichung mit 1 Unbekannten

Auf grafs
i chem Wege ist es möglich, die Unbekannte xzu ermitteln. Dieses Ver­
fahren wendet man vielfach in der Praxis an, denn es bietet den Vorteil der An­
schaulichkeit. Bringt man die gegebene Gleichung auf die Form

l ax+b=O I (1.50.)

und setzt man sie gleich y, so erhält man eine Funktionsgleichung. An anderer
Stelle wurde bereits auf den Begriff Funktion eingegangen. Auf S. 53 finden sich
weitere Erläuterungen.
Die auf die beschriebene Weise entstandene Gleichung stellt eine Gerade im kar­
tesischen Koordinatensystem dar (Bild 1.10.). Der Schnittpunkt dieser Geraden
mit der x-Achse ist der Lösungswertfür xder gegebenen Gleichung. Zur Konstruk­
tion der Geraden sind lediglich 2 Punkte erforderlich (z.B. x = 0 und ein anderer
Wert für x.
)

41
J

/; X

-2

-4 Bild 1.10.

Hierzu ein Beispiel:


Es ist 9 (x - 2) = 7 (x + 1) - 22;
durch Umformung wird 2x - 3 = 0 = y.
Gemäß GI. (1.50.) ist a = 2 und b = -3.
Ferner wird für x = 0 dann y = -3.

Hätte man x = 2, so wird y = 1. Verbindet man die Punkte im Koordinaten­


system, so ergibt sich die genannte Gerade. Ihr Schnittpunkt mit der x-Achse ist
der gesuchte x-Wert, nämlich x = 1,5 (Bild 1.10.).

1.3.2. Gleichungen ,1. Grades mit 2 Unbekaunten

Hat man eine lineare Gleichung mit 2 Unbekannten (x, y), so gibt es unendlich
viele Wertepaare dieser Unbekannten, die die Gleichung erfüllen. Um Eindeutig­
keit zu erhalten, muß man so viele unabhängige Gleichungen haben, wie Un­
bekannte existieren. Hat man 2 Unbekannte, so sind unbedingt 2 Gleichungen
erforderlich;

ax + by clt
(1.51.)
=

dx + ey = c2

Es gibt nur ein einziges Wertepaar der beiden Unbekannten, das beiden Gleichun­
gen entspricht. Zur Ermittlung der Unbekannten kombiniert man beide Glei­
chungen so, daß eine Unbekannte eliminiert wird. Dann ergibt sich eine Gleichung
mit 1 Unbekannten; und nachdem diese ermittelt ist, besteht die gleiche Lösungs­
möglichkeit für die an<;lere Unbekannte. Nachstehend einige Methoden zur Lö­
sung der Gleichungen mit 2 Unbekannten.

1.3.2.1. Additions- und Subtraktionsmethode

Jede Gleichung ist auf die Normalform

I ax + by = c I (1.52.)

zu bringen. Man betrachte nun die mit den Unbekannten verbundenen Faktoren.
Durch geeignete Multiplikation erreicht man, daß die Faktoren einer Unbekannten

42
beider Gleichungen den gleichen Wert haben. Jetzt kann man (je nach Vorzeichen
der Unbekannten) beide Gleichungen addieren oder subtrahieren, wodurch eine
Unbekannte entfällt. Sollte die Voraussetzung mit dem Vorzeichen nicht erfüllt
sein, dann lassen sich durch Multiplikation einer Gleichung mit -1 diese ge­
wünschten Voraussetzungen schaffen. Hat man die Gleichung mit einer Unbe­
kannten, so ergibt sich der weitere Lösungsweg gemäß Abschnitt 1.3.1. Den
erhaltenen Wert setzt man in eine der Gleichungen ein und löst nach der anderen
Unbekannten auf. Demzufolge ergeben sich die Werte beider Unbekannten. Dazu
2 Beispiele:
2x- 3y = 18 (a)

4x - 12y = 24 (b)

GI. (a) wird mit 2 multipliziert.

GI. (b) wird nun von GI. (a) subtrahiert:

4x- 6y = 36
4x- 6y = 36
-4x + 12y = -24

-6y + 12y = 36 - 24 = 12

somit ist schließlich y = 2.

Diesen Wert setzt man in eine der Gleichungen ein; z. B. in GI. (a)

2x- 3 · 2 = 18

und damit x = 12.

Es ist auch möglich, GI. (a) mit 4 zu multiplizieren und davon GI. (b) abzuziehen
Man beachte : Bei der Subtraktion - [GI. (b) abziehen von GI. (a)]- ändern sich
die Vorzeichen in der Gleichung!

1.3.2.2. G/eichsetzungsmethode

Bei dieser Lösungsmethode löst man jede Gleichung nach 1 Unbekannten auf,
wobei natürlich die Unbekannte in beiden Gleichungen die gleiche sein muß.
Danach setzt man die Gleichungen gleich, wodurch 1 Unbekannte entfällt.
Beispiel
5
2x-7y =
5
x- 9y = 21

Löst man z. B. beide Gleichungen nach x auf, dann ist


5
+ 7y 21 + 9y
X= 5 '
X = -2-
-

5 + 7y 21 + 9y
- ----· •
-- =
5
2

43
Man multipliziere nun kreuzweise

25+ 35y=42+ 18y, y=1.

Durch Einsetzen dieses Wertes in eine der gegebenen Gleichungen erhält man

5+7
x=- -=6.
2

1.3.2.3. Einsetzungsmethode

Eine der auf die Normalform gebrachten Gleichungen löst man nach 1 Unbe­
kannten auf. Dieser Wert wird nun in die andere Gleichung für die gleiche Un­
bekannte eingesetzt: Durch diese Maßnahme ergibt sich wiederum eine Gleichung
mit 1 Unbekannten.

Beispiel
5x+ 2y=58 ,

1x- 3y=29

Aus der 1. Gleichung ist

58- 2y
X= I
S

Diesen x-Wert setzt man in die 2. Gleichung ein;

(58 - 2y) - 29
7 3y= '
5

demnach ist 7 (58 - 2y) - 15y= 145 und y=9.

Wird dieser y-Wert in eine der Gleichungen eingesetzt, so erhält man

1.3.2.4. Grafische Lösung

Jede der Gleichungen bildet bei der grafischen Lösungsmethode eine Gerade im
Koordinatensystem. Man nehme beispielsweise folgende Gleichungen

3x+ 4y = 12 ,

2x+ 6y = 15.

Es werden nun für jede Gleichung die Achsenabschnitte bestimmt.

In der 1. Gleichung ist für y = 0 der x-Wert 4, für x=0 der y-Wert 3.

In der 2. Gleichung ergibt sich mit y=0 dann x = 7,5 und für x = 0 also
y=2,5.

44
lf I

Bild 1.11.

Durch Verbinden der auf diese Weise gefundenen Achsenabschnitte erhält man die
Geraden. Der Schnittpunkt beider Geraden ist die Lösung der Gleichung mit
2 Unbekannten (Bild 1.11.).

1.3.3. Gleichungen 2. Grades mit 1 Unbekannten

Eine solche Gleichung liegt vor als quadratische Gleichung der Form

I Ax2+Bx+C=O I· (L53.)

Die nachstehend angeführten Kriterien lassen erkennen, ob man eine reinquadra­


tische oder eine gemischtquadratische Gleichung vor sich hat. Es ist GI. (1.53.)
durch A zu dividieren, um x2 zu erhalten;

B C
x2+Ax +A = O.

Setzt man� = a, � = b, dann hat man die Normalform

(1.54.)

x2 - quadratisches Glied, ax - lineares Glied, a -- Koeffizient des linearen Gliedes,


b - absolutes Glied.

1.3.3.1. Reinquadratische Gleichungen

Ist in GI. (1.54.) a = 0, also das lineare Glied nicht vorhanden, so wird

(1.55.)

die reinquadratische Gleichung.


Obige Beziehung läßt leicht erkennen, daß bei positivem b die Wurzeln der Glei­
chung imaginär werden (zu diesem Begriff später mehr). Deshalb gilt nur die Be­
trachtung mit b < 0.

45
Demnach ist

(1.56.)

Für den Fall, daß b =0 ist, wird

x2 + ax =0 oder x {x -t- a) =0. (1.57.)

Bei einem Produkt mit dem Wert 0 muß einer der Faktoren 0 sein; daher ergibt
sich:
Xt =0 ; x2 = -a;

x1, heißen die Lösungen oder Wurzeln der Gleichung.


2

Beispiele
x2 (d-e) + (e - d) =0

Es liegt eine Form der GI. (1.55.) vor, denn es ist b =(e - d). Daraus resultiert:

d-e
x2= -- =1
d-e ·

und x1,2 = ±1.

}"6=f=X2 +X 3
Y6 + x2- x -z-

Durch kreuzweises Multiplizieren wird

2 (}"6 + x2 + x) = 3 (}"6 + x• - x}

2 V6 + x2 - 3 Y6 + x2 = -2x - 3x

Y6 + x2 = -5x,

somit ist 6 + x2 = 25x2

und schließlich x2 = !,
1
Xt.2 = ±2·

1.3.3.2. Gemischtquadratische Gleichungen

Sind in GI. (1.54.) die Faktoren a und b ungleich 0, dann handelt es sich um eine
gemischtquadratische Gleichung. Um eine solche Gleichung zu lösen, muß man

46
die betreffenden Kriterien erkennen. Dann ergeben sich für d1e Wurzeln bzw.
die Lösungen der Unbekannten in

(1.58.)

Zum Radikanden muß noch bemerkt werden:

Ist ( � b) - > 0 also b <


( �), dann hat die Gleichung 2 reelle Wurzeln. Für

b = :2 ergibt sich die gleiche Lösung wie für x1 und x2• Hat man aber b > :2 ,
dann erhält man für x 2 konjugiert komplexe Lösungen (dazu weitere Bemerkungen
bei den komplexen Zahlen).

Grafische Lösung

Ist die Aufgabe auf die Form gemäß GI. (1.54.) gebracht, dann setzt man sie gleich
y. Älmlich der reinquadratischen Gleichung ergibt sich eine Parabel im Koor­
dinatensystem, wie Bild 1.12. verdeutlicht. Ihre Lage hängt ab vom Radikanden
nach GI. (1.58.).
Komplexe Wurzeln der Gleichung lassen sich nicht auf grafischem Wege be­
stimmen. Bereits bei den zuvor behandelten grafischen Lösungsverfahren konnte
man sich einer sogenannten Wertetabelle bedienen. Zur Darstellung dieser Glei­
chung wird die Anfertigung einer solchen Tabelle im nachstehenden Beispiel
erläutert.

-2

Bild 1.12.

47
Beispiel

Bestimme die Wurzel der Gleichung x2 + 2x = 1 auf grafischem Weg.

Lösung

Man bringt die Gleichung in die Form nach GI. (1.54.) und setzt sie gleich y.

x2+2x- 1=y

Sodann fertigt man die Wertetabelle an.

X y

0 -1
1 +2
-1 -2.
-0,5 -1,75
-1,5 -1,75
-2 - 1

Trägt man die Werte in das Koordinatensystem gemäß Bild 1.13. ein, dann zeigen
die Schnittpunkte mit der x-Achse die Wurzeln (.ier Gleichung (x, = 0,414;
x2 = -2,414).

1.3.4. Beispiele zu den Gleichungen

Beispiel 1.18.

9x + 13- 6x- 17 = 12x + 23- 3x- 29


Lösung

Man bringt die Glieder mit x auf eine Seite, die ohne x auf die andere. Es wurde
schon erwähnt, daß man meist für die Seite der Unbekannten die linke Seite wählt;

3x - 9x =4- 6 oder -6x = -2 und x= 1.

Zx

Bild 1.13.

48
Beispie/1.19.

5 6
=
x-1 x+1

Lösung

Man multipliziert kreuzweise und ordnet danach die Glieder 5 (x + 1) = 6 (x- 1),
also 5x+5 = 6x- 6 und 5x- 6x = --,-11; somit ist x = 11.

Beispiel 1.20.

m (x + ';; - r ) n ( x + � r
)
- r
·----
----
-'- '-- + ---'---
------'-
-- - = 2
nx mx

Lösung

Auf der linken Seite der Gleichung ist ein gemeinsamer Hauptnenner zu. bilden
und dann dessen Wert mit der rechten Seite der Gleichung zu multiplizieren.
Sodann werden die Klammem ausmultipliziert

m2x (x· ';:


+ )
- r + n2x (x +';; ) - r = 2nmx2

m2x + nmr- m2r + n2x + mnr- n2r = 2nmx

x (m2 + n2 - 2nm) = r (m2 + n2 - 2nm)

x = r

Beispiel 1.21.

Vergrößert man eine Zahl um 5, hängt man an diese Summe eine 0, und subtra­
hiert man davon 15, dann ergibt sich die Zahl um 40 erweitert, wenn man die an­
gegebene Differenz durch 5 dividiert.

Lösung

Die. Wortaufgaben entsprechen näherungs\veise der Aufgabenstellung in der


Praxis. Allerdings trifft man dort vielfach auf Beziehungen, sogenannte "For­
meln", die den theoretischen Zusammenhang fixieren. Hat aber die praktische
Aufgabenstellung auch nur einen nicht von der Formel erfaßten Parameter, so
können bedeutende Abweichungen zwischen Theorie und Praxis entstehen. Diese
Tatsache wird sehr gern von den "Nur-Praktikern" immer wieder genannt. Es ist
dem bis zu einem bestimmten Grad zu begegnen, der allein von den mathema­
tischen Fähigkeiten und der Erfahrung gegeben wird.
Die "Zahl" x, die man um 5 vermehrt und daran eine 0 hängt, muß etwa so aus­
sehen:
(5 + x) 10

denn schriebe man 0 daran, so käme Unsinn heraus!)

4 Amateurtcchnik 49
Von dem genannten Wert soll man 15 abziehen; demnach heißt es

(5 + x) 10- 15 ,

und wenn man die vorherige Differenz durch 5 dividiert, wird

(5 + x) 10- 15
= X + 40 .
5

Damit ist die Wortaufgabe in eine mathematische Form gebracht, und es ergibt
sich:
50 + 1Ox - 15 = 5x + 200

5x= 200- 35 = 165

X= 35

Beispiel 1.22.

Ein Maschinengewehr beschießt 3 Ziele. Auf das 1. Ziel werden 100 Schuß mehr
abgegeben als auf das 2. Ziel. Das 3. Ziel erhält dagegen nur i der auf das 1. Ziel
abgegebenen Schüsse. Wieviel Schuß treffen jedes Ziel bei insgesamt 1000 Schuß?

Lösung

Man schreibt sich die Schüsse zu den einzelnen Zielen auf;

1. Ziel 100 + x 2. Ziel x 3. Ziel i (100 + x)

In eine Gleichung gefaßt, sieht das wie folgt aus:

100 + X + X + t (100 + X) = 1000

100 + 20 + 2,2x = 1000

880
X= = 400
2,2

Damit erhielt das 1. Ziel 500 Schuß, das 2. Ziel400 Schuß und das 3. ZiellOO Schuß.

Beispiel 1.23.

9x- 10y = 23

6x- 5y = 22

Lösung

Man multipliziere die 2. Gleichung mit 2 und ziehe sie von der 1. Gleichung ab.

9x- 10y = 23
- 12x- 10y = 44

- 3x = -21 X= 7;

50
setzt man nun diesen Wert für x in die 1. Gleichung ein, dann ist

63- lOy=23,

damit y = 4.

Beispiel 1.24.

x a
y b
x+a a2
y+ b b2

Lösung

Die Einsetzungsmethode scheint am schnellsten zur Lösung zu führen. (Eine


solche Feststellung kann man jedoch erst treffen, wenn man alle Lösungsmöglich­
keiten geprüft und die zweckmäßigste gefunden hat!)

Es ist nun x = y : . Diesen Wert für x setzt man in die 2. Gleichung ein;
a a2
Y7J+a= 2(y+b),
fj
(b-a)
somit Y =a-b
b
b(a- b)
und y
= b-a ;

nun setzt man den y-Wert in die 1. Gleichung, um x zu ermitteln; dabei ergibt sich:
a(a-b)
x=
b-a

Beispiel 1.25.

!!__!!_=a-b
X y
b a
--+-=a+b
X y

Lösung

Zunächst sind die Brüche zu beseitigen. Danach benutzt man die Gleichsetzungs­
methode, indem man beide Gleichungen nach y auflöst.

ay - bx=xy (a-b)

by + ax = xy (a+b)

51
bx ax
Aus der 1. Gleichung ist y= , y=
) · Beide Aus-
(a-ax +bx ) (b-ax-bx
drücke sind gleichzusetzen.

b a
-
(a-ax +bx) (b- ax- bx)

oder b (b- ax - bx)=-a (a - ax + bx);

durch weiteres Umformen wird x (a2 +b2) = a2 +b2 ,

deshalb x=1 und y=1.

Beispiel 1.26.

(3x +1) (2x - 3) - (4x - 3) (x - 1)=12

Lösung

Die Klammern sind auszumultiplizieren und danach die Glieder zu ordnen.

6x2 - 9x +2x- 3 - (4x2 - 4x - 3x +3) = 12

oder x2 - 9=0.

Weil b < 0 ist, wird mit GI. (1.56.) x1, = ±3


2 .

Beispiel 1.27.

b- 1
-- +x=bx
X

Lösung

Es ist der Bruch zu beseitigen, die Glieder sind zu ordnen.

b- 1 +x2= bx2 und x2 (1- b) + (b- 1)=0,

b-1
x2 + ' =0;
1- b

multipliziert man den Bruch nun mit -1, dann sind die Voraussetzungen für
GI. (1.56.) erfüllt.

Demnach wird x1, = ±1.


2

Beispiel 1.28.

x2- 5x=150

52
Lösung

Da gemäß GI. (1.54.) a und b ungleich 0 sind, handelt es sich um eine gemischt­
quadratische Gleichung. Somit ist gemäß GI. (1.58.)

V4 +
25
x1 = 2,5 + 150 = 15,

V4 +
25
x
2
= 2,5 - 150 = - 10.

Beispiel 1.29.

2 1 = 5
3x + 1 + 3x- 1
-
4

Lösung

Die Brüche sind zu beseitigen, die Glieder zu ordnen.

5
2(�x - 1) + (3x + 1) = 4 (9x2 - 1)

9x - 1 = - � x2 + !
45 9
x2 + 9x - 4 = 0.
T
Der Faktor bei x2 ist durch reziprokes Multiplizieren mit der Gleichung von x 2
zu entfernen

x2 + �- � = 0.

Nun ergibt sich mit GI. (1.58.):

V
2 16 1 1
+
5+
x1 -
5 5'
=

25 ·
4 =

2 1/ 16 1 -
x2 - - 5+ +5 -- 1.
V
-
25 ·
4

1.4. Ergänzende Erläuterungen zum Begriff Funktion

Es wurde bereits mehrmals von der Funktion gesprochen; daher nachfolgend


einige Erklärungen dazu:
Alle Größen, deren Wert unverändert ist, bezeichnet man als Konstante. Sie
werden mit den ersten Buchstaben des Alphabets, etwa a, b, c usw., gekennzeichnet.
Das ließ sich bereits bei den Gleichungen erkennen.

53
Größen, deren Wert veränderlich ist, bezeichnet man entsprechend als Veränder­
liche (Variable). Zu ihrer Kennzeichnung sind die letzten Buchstaben des Alpha­
bets vorgesehen (x, y, z).
In der Elektrotechnik gibt es oft die Variable Zeit, mit dem Buchstaben t gekenn­
zeichnet.
In den Abschnitten zuvor war meist von der Variablen x die Rede. Auf Grund ihrer
Variation ändert sich demgemäß auch eine von ihr "abhängige" Variable; diese
wurde mit y bezeichnet. In der allgemeinen Schreibweise hieße das etwa

Y =f(x).

Damit hat man die Formulierung der algebraischen Funktion für y, wenn y durch
die Operationen von Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division, von Po­
tenzierung und Radizierung abhängig ist. Beispiele dafür sind:

y = 2x2 + 4x - 2,

V
- x + 2
Y- x-1·

Den obigen Funktionsbegriff kann man in rationale und irrationale Funktionen


unterteilen

y = ax + b,

y = Y2bx + c

Die Funktionen, die in der Form von Logarithmen, als Potenzen mit veränder­
lichen Exponenten oder als trigonometrische Ausdrücke vorkommen, werden als
transzendente Funktionen bezeichnet; beispielsweise folgende Funktionen:

- trigonometrische Funktion y =tan x


- Exponentialfunktion y =ax
- logarithmische Funktion y = log x

1.5. Winkelfunktionen

Der Funkamateur wird bei der ihm zugänglichen Literatur verschiedentlich auf
Beziehungen stoßen, die mit den Winkelfunktionen zusammenhängen. Beispiels­
weise trifft man auf trigonometrische Funktionen im Zusammenhang mit einigen
Modulationsarten. Aber auch bei vielen anderen Anwendungen der Elektrotechnik
kommt man ohne diese Funktionen nicht aus. Aus diesem Grund sind zusammen­
fassend eine Anzahl wichtiger Beziehungen anzugeben.

54
1.5.1. Winkelfunktionen im rechtwinkligen Dreieck

Aus Bild 1.14. ist ersichtlich, daß die Seite c als Hypotenuse, die Seiteaals Gegen­
kathete, die Seite b als Ankathete bezeichnet wird. Die entsprechenden Winkel
nennt man <X, ß, y. Nun ist bekanntlich nach dem Satz des Pythagoras

(1.59.)

Bild 1.14.
b =Ankathete

Für die Winkelfunktionen ergibt sich:

. a a c
SID<X= tan<X= seC<X
C b b
(1.60.)
b b c
cos <X = - cot<X = - cosec <X
c a a

Des weiteren kann man leicht aus diesen Beziehungen erkennen, daß

tan <X
sin <X 1
cos <X cot <X

sec <X
cos <X

1
cosec<X = ---­ . (1.61.)
sm <X

1
cos <X
= Y2 + tan2 <X

sin <X
Y1 + cot2 "'

Folgenden Ausdruck wird man immer wieder finden

sin2 rx + cos1 rx = 1. (1.62.)


Daraus ergibt sich

sin <X = V1 - cos2 rx cos IX = V1 - sin2 <X . (1.63.)


55
1.5.1.1. Einige Sätze im allgemeinen Dreieck

Sinussatz

Im ebenen Dreieck verhalten sich je 2 Seiten wie die Sinus der gegenüberliegenden
·

Winkel
sin ß b
sinc.: a'
(1.64.)

Kosinussatz

Im ebenen Dreieck ist das Quadrat einer Seite gleich der Summe der Quadrate der
beiden anderen Seiten, vermindert um das doppelte Produkt aus diesen und dem
Kosinus des von ihnen eingeschlossenen Winkels.

a2 = b2 + c2 - 2 bc cos c.:

b2 = c2 + a2 - 2 ac cos ß (1.65.)
c2 = a2 + b2 - 2 ab cos y

Halbwinkelsatz

Die Winkel in einem Dreieck lassen sich auch mit den 3 Seiten auf folgende Weise
bestimmen:

c.: BC ß AC y AB
tan
2
=
s:;r
; tan2 ; ta:q-=-· (1.66.)
= sB 2 sC

1.5.2. Winkelfunktionen im Einheitskreis

Legt man gemäß Bild 1.15. ein rechtwinkliges Dreieck so in einen Kreis, daß dessen
Hypotenuse c = r dem Radius des Kreises entspricht, dann lassen sich die trigo-

Bild 1.15.

56
nornetrisehen Funktionen leicht veranschaulichen. Ist der Kreis ein Einheitskreis
(mit dem Radius 1), dann kann man den Funktionswerten Strecken zuordnen.

- sin = Maßzahl der Ordinate,


- cos = Maßzahl der Abszisse,
- tan = Maßzahl der Haupttangente,
- cot = Maßzahl der Nebentangente.

Aus Bild 1.15. erkennt man, daß eine Darstellung der Funktion in allen 4 Quadran­
ten möglich ist. Demnach weisen die trigonometrischen Funktionen eine Periodizi­
tät auf.
sin (rp + k 360°) = sin,

cos (rp + k 360°) = cos, (k = 0; ±1; ±2; ±3 ... ) (1.64.)

tan (rp + k 360°) = tan,

cot (rp + k 180°) = cot.

Beispielsweise hätte ein sin 400° den gleichen Funktionswert wie sin 40°, denn es
ist 360 + 40° = 400° (Funktionswerte s. Diagramm 1.1.) . Die sin- und cos­
Werte weisen einen maximalen Wert von ±1 auf. Genauere Werte sind aus den
Tabellen für trigonometrische Funktionen ersichtlich. In Tabelle 1.2. zusammen­
gefaßt, ergeben sich folgende Vorzeichen und Abhängigkeiten der Funktionen:

Tabelle 1.2. Winkelfunktionen

Quadrant sin cos tan cot

I + + +
steigt von fällt von steigt von fällt von
0 bis 1 1 bis 0 0 bis oo =bis 0
II +
fällt von fällt von steigt von fällt von
1 bis 0 0 bis -1 -oo bis 0 0 bis - oo

III + +
fällt von steigt von steigt von fällt von
0 bis -1 -1 bis 0 0 bis+= +=bis 0
IV +
steigt von steigt von steigt von fällt von
-1 bis 0 0 bis +I -oo bis 0 0 bis -oo

Oft vorkommende Funktionswerte sind in Tabelle 1.3. zusammengestellt. Die


Bezeichnung arc gibt das Bogenmaß an; dazu anschließend die entsprechenden
Angaben.

57
Tabelle 1.3. Winkelfunktionen

0/360° 30° 45° 60° 90° 180° 270°

arc 0(2n) n/6 n/4 n/3 n/2 n 3:n/2

sin 0 0,5 0,707 0,86 +I 0 -1

cos +I 0,866 0,707 0,5 0 -1 0

tan 0 0,577 1,73 ' ±= 0 ±=


cot ±= 1,73 0,577 0 ±= 0

Das nachfolgende Verfahren zeigt, mit welchem Winkel sich der richtige Funk­
tionswert berechnen läßt. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn der
Winkel mehr als 90° beträgt. Sieht man vom Vorzeichen ab, dann gilt eine Funktion

von
(
900 ± r;.O gl .
o
) .
e1ch der K ofunktion, eme
. F unk tion von
1800 ± r;.O gl .
e1ch
( )
2700 ± r;. 3600 ± (Xo .

der Funktion.'
Das Vorzeichen liest man aus Tabelle 1.3. ab. Gut lassen sich auch die Vorzeichen
mit der Funktion von 0 - 360° im kartesianischen Koordinatensystem darstellen.
So ist beispielsweise das Vorzeichen für den cos zwischen 90° bis 180° negativ.
Die Bezeichnung Kofunktion bildet die Gegenfunktion; die Kofunktion zu sin ist
also cos. Ein sin 145° hat den Funktionswert von sin 35°, weil sin (18° - 35°) und
145° = 180° - 35°.

1.5.3. Zusammenhänge zwischen Winkelfunktionen und Winkeln

Die nachstehend genannten Additionstheoreme stellen dar, wie sich die trigono­
metrischen Funktionen von Summe und Differenz usw. der Winkel !X und ß aus
den Funktionen der Einzelwinkel zusammensetzen:

sin ( r�. ±ß)= sin r;. cosß ± cos r;. sinß

cos(r�.±ß)= cosr�.cosß =t= sin r;. sin ß

tanr�.± tanß
tan ( r;. ±ß)= (1.67.)
1 =t= tanr�.tanß

cot ( r�.± ß) = cot r�. cotß =t= 1


cotß ± cot r�.

fit . r�.+ß r;.-ß


2 sm (1.68.)
• •

sm r;. + sm" = cos


2 2
-- --

r�.+ß . r;.-ß
2

Sill r;. - SID



ß =
COS - Sill
2 2
- --

58
Cl.+ß 01.-ß
cos _Cl. +cosß =2 cos -- cos -- (1.69.)
2 2

. Cl.+ß . 01.-ß
COS Cl. - COSß = 2 SlU -- SID --
2 2

sin (Cl. ±ß)


tan 01. ± tanß = (1.70.)
cos Cl. cosß

cot 01. ± cotß = �


s n ( C<. ß) :t=
Sill Cl. SIOß

cos 01. ± sin 01. =Y1 ± sin (2C<.) (1.71.)


sin2 01. - sin2ß =·cos2ß - cos2 01. =sin ( 01. +ß) sin (01. -ß) (1.72.)
2 sin 01. sinß = cos (01. -ß) - cos (01. +ß)
2 sin01. cosß =sin (01. +ß) + sin (01. -ß)
2 cos Cl. cosß = cos (Cl. +ß) +cos (Cl. -ß) (1.73.)
2 cos 01. sinß =sin (01.+ß) - sin (01. -ß)

tan C<. + tanß =-----'-�


tan C<. tanß =
cot 01. +cotß cot01. cot ,B
. . Cl. Cl.
Stn Cl. =2 Sill 2 COS 2

sin 201. = 2 sin01. cos (X

cos 201. = cos2 01. - sin2 01. = 1 - 2 sin2 01. (1.74.)


1 - tan2 01.
=2 cos2 01. - 1 =�.,--- ,.---
1 + tan� ".

2 tan 01. 2
tan 201. = ----�
1 - tan2 a cot 01.- tan <X

cot2 01.- 1
cot 201. = 0,5(cot 01. - tan01.)
2 COt Cl.
=

sin ( ;) lji -2 cos =0,5 (Jf1 +sin01.- Yl- sin 01.)


=

cos (;) vl +2 cos =0,5(Jf1 +sin 01. + Jft- sin 01.)


=

tan (� ) sin01.
' =
- cos01. -l/r=cos;· _ 1
(1.75.)
2 l+cosC<.- sin01. - l+cosC<.

cot (�) = sin Cl. 1 +cos Cl. vl + cos Cl.


2 1 - cos 01.
=

sin 01.
=

1 - cos <X

59
1.5.4. Beziehung zwischen Winkel und Bogen

In verschiedenen Tabellenwerken findet man statt des Winkels zur Winkelfunk­


tion einen Bogen x; mit dieser Größe rechnet man auch in der höheren Mathe­
matik. Geht man bei der Erläuterung zum Bogen davon aus, daß zum Umfang
des Kreises 27tr der Mittelpunkt- oder Zentriwinkel gegenüberliegt, dann wäre
dieser größte Bogen der Gesamtumfang des Kreises. Hätte man den Einheitskreis
mit r = 1, so liegt dem Winkel von 360° das Bogenstück 2n gegenüber. Für einen
Winkel von 1° ergibt sich demnach der 360. Teil dieses Bogenstücks. Allgemein
kann man also zu einem beliebigen Winkel IX sein Bogenmaß nach folgender Be­
ziehung angeben:

I arc IX = x = �n = 1,75 ·I0-2cx0 I· (1.76.)

�ereits Bild 1.15. zeigte eine Strecke, gleichgesetzt mit einem Funktionswert; z.B.
kann man y = sin x setzen.
Zur Vervollständigung dieses Abschnitts seien deshalb die Umkehrfunktionen der
Winkelfunktion genannt:

ist y = sin x, dann x = arc siny;

ist y = cos x, dann x = arc cosy; (1.77.)

ist y = tan x, dann x = arc tany;

ist y = cot x, dann x = arc coty;

x stellt also das Bogenstück dar, dessen Sinus gleich y ist.

Die Umkehrung der trigonometrischen Funktionen wird als zyklometrische Funk­


tion bezeichnet. Ein Beispiel aus der Praxis veranschaulicht das soeb�n Erörterte.
Hat man den Phasenwinkel f{l = arc tan X/R, so ist das die Umkehrfunktion von
X/R = tan fii.
In diesem Zusammenhang noch einige Bemerkungen zum Winkelmaß. 1o ist der
90. Teil des rechten Winkels. 1° hat 60 min (60'), eine Minute 60 s (60"):

1° = 60' = 3600".

Die Tabellen der trigonometrischen Funktionen unterteilen in 10'; 20' ... oder in
Dezimalstellen 0,1; 0,2 ...
Eine Umrechnung ist etwa wie folgt möglich: (10/60). Minuten = Dezimalstelle
(z.B. 45° 15' = 45,25°).
Ein Neugrad lg ist der 100. Teil des rechten Winkels. Somit erhält man

1° = 1,1llg oder 1ß = 0,9°.

·Aus Tabelle 1.8.3. kann man Funktionswerte der Winkelfunktionen ablesen.


Diagramm 1.1. zeigt die Winkelfunktionen.

60
1.5.5. Beispiele zu den Winkelfunktionen.

Beispiel 1.30.

In einem rechtwinkligen Dreieck ist die Seite a =10 cm, die Seite c = 30 cm.
Wie groß sind die Winkel im Dreieck?

Lösung

Mit GI. (1.60.) ist sin tX = M!


=0,33. Aus den Tabellen für Winkelfunktionen oder
mit Rechenschieber erhält man für tX =19,5°. Weil nun y = 90° und bekanntlich
die Winkel in einem Dreieck 180° betragen, wird ß = 90 - 19,5 = 71,5°.

Beispie/1.31.

Am Anfang einer aufwärts führenden Verkehrsstraße weist ein Verkehrsschild auf


eine Steigung von 30% hin. Unter welchem Winkel gegenüber der Horizontalen
steigt die Straße?

Lösung

Die Angabe von 30% Steigung besagt, daß mit 100 m aufwärts führender Straße
eine Höhe von 30 m überwunden wird. Auf das rechtwinklige Dreieck übertragen,
entspricht der Strecke von 100 m die der Hypotenuse, der Höhe aber die der
Gegenkathete. Deshalb ist tan tX = 1�g =0,3, der Winkel tX = 16,7°.

Beispie/1.32.

Von einem Dreieck sind die Seiten a =1 m, b =1,5 m und c =2 m bekannt.


Bestimme die Winkel in diesem Dreieck.

Lösung

Nach dem Kosinussatz GI. (1.65.) ist

cos tX
= 2•25 t.� - 1
=0,875 also tX
=

29°,

1 + 4 -2•25
cos ß = =0 '688 und ß =47°.
2·2

Es er_gibt sich für Winkel y = 180 - 86 =104°.

Beispie/1.33.

Welchen Wert hat der Sinus des Zeitwinkels 600°?

Lösung

Ein Umlauf im Einheitskreis beträgt 360°. 600° sind c4lher weniger als2 Umläufe.
Der zu betrachtende Winkel ist 600 - 360 =240°. Nach Abschnitt 1.52
. . ent­
spricht ein sin240° =sin 60°. Der Winkel240° liegt aber im 111. Quadranten; der
Funktionswert wird daher negativ. Daraus folgt sin 240° = -0,66 "'600°.

61
Beispiel 1.34.

Im Gradmaß beträgt ein Winkel 75° 29'. Wie wird dieser Winkel im Bogenmaß
angegeben?

Lösung

Zunächst rechnet man diesen Winkel in Dezimalstellen nach dem Komma um


(10/60) · 29 = 0,483, der Winkel wird also = 75,483°.
Mit GI. (1.76.) ist der Bogen arc = 1,75 • I0-2 • 75,483 = 1,32.

1.6. Differentialrechnung

In einem knappen Überblick werden dem Funkamateur die Möglichkeiten und


Verfahren der Differentialrechnung dargestellt. Eine Vertiefung ist auch auf diesem
Gebiet nur durch Spezialliteratur möglich. Aus diesem Grund wird jeweils auf die
Beweisführung verzichtet.

1.6.1. Differentialquotient

Bild 1.16. zeigt den Kurvenzug einer stetigen Funktionf(x) in einem Koordinaten­
system mit der x-und y-Achse. Die Sekante, die die Punkte P0 und P1 schneidet,
bildet mit der x-Achse den Winkel "'· Durch Rechenoperationen soll deutlich
werden, welche Eigenschaften die Funktion f(x) im Punkt P0 entsprechend dem
Abszissenwert x0 hat. Die in Bild 1.16. fixierten Verhältnisse genügen für zahlreiche
Aufgaben, wie sie die Amateurtechnik stellt. Infolge der endlichen Differenzen
ergibt sich die Formulierung des Differenzenquotienten

Ay Yt - Y_!!_
tan "' (1.78.)
=
=

Ax x1- Xo

als Anstieg der Sekante hinsichtlich der x-Achse. Das Zeichen vor y bzw. x ist der
griechische Buchstabe Delta (b.); man liest also den Differenzenquotienten "Delta y

1.16. Bild
Xo

62
Bild 1.17.

durch Delta x". Es läßt sich leicht vorstellen, daß man den Abstand y1 - Yo bzw.
x1 - x0 immer geringer macht, um Änderungen der Kurve zwischen diesen Diffe­
renzen auszuschließen; schließlich erhält man den Grenzwert

lim = f'(x) = �[_


dx (1.79.)
Llx->0

als Differentialquotienten.

Demnach ist f'(x) die abgeleitete Funktion von f(x). Man schreibt auch statt
GI. (1.79.) y' oder y, wenn man als Variable die Zeit t hat. Auf Grund der genann­
ten Grenzwertbildung geht die Sekante in eine Tangente über, die die Richtung
einer Linie in dem betreffenden Punkte (P0) angibt. Man kann danach mit dem
Differentialquotienten die Richtungsänderung an den gewünschten Stellen einer
Kurve ermitteln. Des weiteren erkennt man an ihrem höchsten und tiefsten Punkte,
ob die Kurve konvex oder konkav gegen die Koordinatenachse ist.
Gemäß Bild 1.17. kann man feststellen: Hat der Differentialquotient ein positives
Vorzeichen, dann steigt die Kurve mit wachsendem x auf der x-Achse, bei nega­
tivem Vorzeichen dagegen fällt die Kurve.

1.6.2. Maxima und Minima

Zunächst sei darauf hingewiesen, daß es außer der Ableitung 1. Ordnungf'(x) = y'
weitere Ableitungen höherer Ordnung gibt;

�� =f"(x) =
y",

d3y.
-- =/"'(x) = y'"
dx3

usw.

63
Bild 1.18.
Xa

An Hand von Bild 1.18. sei ein Extremwert betrachtet. Hat f(x) an der Stelle x0
ein Maximum oder Minimum, so müssen die Funktionswerte in der Umgebung
von x0 kleiner oder größer als x0 sein. Die Funktion f(x) hat an der Stelle Xo ein
Maximum, wenn die 2. Ableitung f"(x0) < 0, ein Minimum, wenn f"(x0) > 0 ist.
Zur weiteren Definition dieser Extremwerte setzt man f'(x0) = 0 und bringt den
aus dieser Nullsetzung gewonnenen x0-Wert in die 2. Ableitung. Die obigen Kri­
terien entscheiden über Maxima oder Minima. Istf"(x0) = 0, dann liegt ein Wende­
punkt vor (Näheres dazu s. in entsprechender Fachliteratur).

1.6.3. Einige Differentiationsregeln

- Die Ableitung einer Potenz mit reellem Exponenten n liegt vor, wenn
'
y = xn, dann y = nx n-l . (1.80.)

'
- Hat man die Funktion y = ax, so wird y = (l •

- Die Ableitung einer Konstanten beträgt 0,


'
also y = a, y = 0. (1.81.)

- Ist die Ableitung einer Summe gleich der Summe der Ableitungen

y = u + v,

wobei u und v differenzierbare Funktionen von x sind, dann wird


' ' ' (1.82.)
y = u + v

( z. B. u
'
= �� ) ·

- Die Ableitung eines Produkts ergibt

y = u· v;
' ' '
entsprechend wird y = uv + vu . (1.83.)

- Die Ableitung eines Quotienten ist mit


' '
' vu - uv
y = !!._ für y =
2 (1.84.)
V v

64
- Zum leichteren Auffinden der Ableitung komplizierterer Funktionen ver­
wendet man die KettenregeL

Ist y = f( u ) und u = u(x), dann ergibt sich

dy du
y' = 0
(1.85o)
du dx •

Beispiel

Lösung

0 0 dy . du o o o
Man setzt u =-ax und y = eu. Dam1t Ist = e"' = -a . Som1t Wird mit
du dx
GI. (1.85.) y' = -ae-ax.
Zur Vervollständigung einige weitere Ableitungen:

y = sinx y' = COSX y = COSX y' = - sinx

1
y = tanx Y' = y = arcsin x y' = ---=
==-
cos 2x V1- x2

1
Y = arccosx y' =- y- arctan x Y' =
-
---
(1.860)
V1- x2 1 - X2

1 '1
y = lnx y' = - y = 0l0gX Y' =

X xlna

Y =a"' y'=a"'lna y = e"' y = e"'

Die Ta ylor-Reihe wendet man besonders in der Elektronik beim Vergleich der
Kennlinien an. Deshalb sei sie abschließend noch genannt. Sind Funktionf(x) des
Punktes x0 und Ableitungen von f(x) bekannt, dann ist mit der sehr kleinen Zu­
nahme x
°

2
� -�! �! f"'(xo) +
3
f(x o + x) =f(xo) + f'(xo) + f"(xo) + • o o (1.87.)

Bei der Kennlinie einer Röhre ist f(x0) der Ruhegleichstrom im Arbeitspunkt,
f'(x0) die Steilheit s, f"(x0) die Krümmung T .

1.6.4. Abweichungen

In der Praxis treten stets mehr oder weniger große Abweichungen vom Sollwert
auf ( zoB. durch Meßfehler ).
Bei der Erklärung zum Differentialquotienten wurde bereits von einer Differenz

5 Amateurtechnik 65
gesprochen; diese Bezeichnung flir Abweichung gilt auch. Es bedeuten

l::iy bzw. !:lx - die absolute Abweichung,

y !:lx
!:l bzw. -die bezogene (relative) Abweichung,
y X

y !:lx
100 !:l bzw. 100 -die prozentuale Abweichung.
y X

Ist x � !:ix, so gilt

(x ± !:lx)n � (
xn 1 ± n �) x
, (1.88.)

(1.89.)

1.6.5. Beispiele zur Differentialrechnung

Beispie/1.35.

Ermittle die Ableitung, wenn u und v Funktionen von x sind.

Lösung

Da u = u(x) und v = v(x), ergibt sich ähnlich der Ableitung einer Summe nach
Abschnitt 1.6.3.

y' =
u'- v'.

Beispiel 1.36.

Es ist y = 4x3 + 2x2 + 5.

Welchen Wert ergeben 1. und 2. Ableitung?

Lösung

Zunächst differenziert man die Summanden getrennt, die Ableitung einer Kon­
stanten ist 0. Somit ergibt sich

Yt = 4x3 y,' = 12x2 yt = 24x


y� = 2x2 Y2 ' =
4x Y2" = 4
Ya = 5 y;/ =
0
'
y = 12x2 + 4x y" = 24x + 4.

Beispiel 1.37.

Es ist y = sin x • cos x; gib y' an.

66
Lösung
'
.
Gemäß der Produktregel nach 1.6.3. ist

u = sin x u' = cos x v = cos x v


'
= -sin x

y' = -sin x sin x + cos x cos x


· · = cos2 - sin2 x

und nach GI. (1.74.)

y' = cos2 x.

Beispiel 1.38.

Gegeben ist die Funktion f(x) = y = Y�2 + 1. Wie groß wird die 1. Ableitung?

Lösung

Man wendet die Kettenregel aus 1.6.3. an und setzt u = x2 + 1. Somit ist y V� =

1 . . dy u 1 du x
oder y = u . Dannt Wird T ; dx 2x; desh alb I. st y' = y + .
T du T xz
= =
-
1

Beispiel 1.39.

a
Von der Funktion y soll die Ableitung gebildet werd
Xn
=

Lösung

Gemäß der Quotientenregel aus 1.6.3. ist

U = a u' = 0 und V = xn v
'
= nxn-I;

eingesetzt wird

xn 0 - na x"-1 an
y'
·

---x"'zn,..--- xn+l .
=
= -

Beispiel 1.40.

Die Funktion y = x3 + x2 - 3x + 2 ist gegeben.


Existieren Maxima oder Minima; und wo liegen sie?

Lösung

Nach 1.6.2. bildet man zunächst die 1. und 2. Ableitung von der Funktion
y' = 3x2 + 2x - 3, y" = 6x + 2; setzt man nun die 1. Ableitung = 0, so ergibt
sich eine gemischtquadratische Gleichung

x2 + ix- 1 0 x1 0,722 und x -1,388.


2
= = =

Diese x-Werte, in die 2. Ableitung eingesetzt, ergeben mit x1 y1" = 6,33 wegen des
positiven Vorzeichens ein Minimum, mit x2 y " -6,31 wegen des negativen
2
=

Vorzeichens ein Maximum.

67
Setzt man x1,2 in die ursprüngliche Funktion ein, so erhält man die entsprechenden
y-Werte
Y1 = 0,725, Y::. = 4,47.

Beispiel1.41.

Es besteht die Zeitfunktion y = at 2 + 2 In t .


Bilde die 1. Ableitung.

Lösung

Als Variable tritt in diesem Fall tauf. Differenziert man einzeln, dann ergibt sich

yy' = ,
2at . Y2' = � ·

Daraus folgt y' = (


2 at + +) � = (at2 + 1).

Beispiel1.42.

Wie groß ist 1,05�?

Lösung

Mit GI. (1.88.) ist x = 1 t::.x = 0,05 1,05s = 1 (1 - 5 · 0,05) = 1,25 .

1.7. Komplexe Zahlen

Besonders in der Wechselstromtechnik kommt man ohne komplexe Zahlen nicht


aus. Daher ist es für den Funkamateur unerläßlich, sich im Umgang mit diesen
Zahlen besonders zu üben. Mit den nachstehenden Rechenregeln wird die Grund­
lage dazu gegeben.

1.7.1. Imaginäre Zahlen

Es ist nicht möglich, eine gerade Wurzel aus einer negativen Zahl zu ziehen. Bei­
spielsweise erkennt man am Radikanden -2, daß sowohl -1,4142 als auch
+1,4142 immer +2 ergeben. Eine derartige nicht mögliche Zahl (eine gerade
Wurzel aus einer negativen Zahl) heißt imaginäre Zahl. Die Einheit dieser ima­
ginären Zahl ist V-1 = i. Um Verwechslungen mit dem Augenblickswert i des
Wechselstroms zu vermeiden, hat man in der Elektrotechnik statt i den Buch-

staben j gewählt I· (also V-1 = j) I· Diese Bezeichnung gilt im folgenden.

1.7.
1.1. Rechenregeln bei imaginären Zahlen

Ist V -1 = j, so ergibt sieb j2 = -1 .

6S
Für Potenzen von j gilt:

Die Potenz einer imaginären Zahl ist bei geradem Exponenten eine reelle Zahl,
dagegen bei ungeraden Exponenten eine imaginäre Zahl;

jO =
1 jl =
j j2 =
-1 j3 =
-j j4 =
1

.
J-
1
=
1
--;- =
. (. 1
-J es 1st-.-- =
j4
--;- =
"
J3 =
·)
-J (1.90.)
J J J .

j-2 =
-1 j-3 =
j j-4 =
1.

Das Produkt von imaginären Zahlen ergibt bei einer geraden Zahl von Faktoren
eine reelle Zahl, bei einer ungeraden Zahl der imaginären Faktoren aber wieder
eine imaginäre Zahl;

(1.91.)

Der Quotient aus 2 imaginären Zahlen ist reell

V=�= V�· (1.92.)

Die Summe oder Differenz aus 2 imaginären Zahlen ergibt wieder eine imaginäre
Zahl
Y-a ± Y-b = j (Ya ± Yb). (1.93.)

1.7.2. Hinweise zu komplexen Zahlen

Stellt man in der Gaußsehen Zahlenebene eine Zahl a + jb dar, dann geschieht das
entsprechend Bild 1.19.
Man erkennt, daß die x-Achse die reelle Achse, die y-Achse dagegen die imaginäre
Achse ist. Eine in dieser Weise angegebene Zahl heißt komplexe Zahl. Wie man

Bild 1.19.

69
so·
+j

b•Rslnf!

Bild 1.20.

erkennt, setzt sie sich aus der reellen Zahl a (auch reelle Komponente genannt) und
der imaginären Zahl jb (der imaginären Komponente) zusammen.
Demnach ist in Bild 1.19. a= 4 und jb= j2. Die komplexe Zahl ( die allge­
=

meinste Zahl) hat die Bezeichnung

I m= a +jb I· (1.94.)

Aus der Thematik in der Elektrotechnik (Aussagen über Spannungen, Ströme,


Widerstände) ergibt sich jedoch seltener der deutsche Buchstabe 12!, sondern bei­
spielsweise öfter U, �. lR. Um den Leser mit den Symbolen der Elektrotechnik ver­
traut zu machen, soll nachstehendes Beispiel mit m gerechnet werden.
Wird in GI. (1.94.) a= 0, so hat man es mit einer imaginären Zahl zu tun, andern­
falls bei b= 0 mit einer reellen Zahl.
Komplexe Zahlen, die sich bei der imaginären Komponente nur durch das Vor­
zeichen unterscheiden, nennt man konjugiert-komplex (Bild 1.19.); dies wird durch
"*" am Symbol der komplexen Zahl ausgedrückt

12!* = a- jb. (1.95.)

. Komplexe Zahlen lassen sich auch in Polarkoordinaten darstellen (Bild 1.20.)

lJt= R (cosp ± j sinp). (1.96.)

Aus a= R cosp, b= R sinp erhält man den Betrag von m, der sich wie folgt
berechnen läßt:

llRI = R= Ya2 + b2 (1.97.)


Wie leicht einzusehen ist, wird
a . b a
cosp= ' smp= ' tanp=cr (1.98.)
R R
Aus der Reihenentwicklung folgt

ei'l'= cosp +j sinp e-ip= cosp - j sinp . (1.99.)

70
An der Exponentialschreibweise erkennt man, daß beim Rechnen mit komplexen
Zahlen größere Übersichtlichkeit vorhanden wäre. GI. (1.94.) und GI. (1.95.) könnte
man dann auch wie folgt schreiben:

ffi = Rei'P und ffi* = Re-i'P. (1.100.)

Die e-Funktion stellt den Winkelfaktor dar. Nach dem bisher Erörterten kann man
eine komplexe Zahl folgendermaßen schreiben:

Im = a + jb = R (cos rp + j sin rp) = Rel'P I (1.101.)

Der Phasenwinkel rp entspricht dem Winkel der komplexen Zahl lR gegen die
reelle Achse.

Tabelle 1.4. Charakteristische Werte von rp

Winkelfaktor

el o = e0 = 1
.n

90° :::::,_ !!..._


-2
/2 =COS � +jsin � =j

180° = :n; e ln = cos :n: + j sin :n: = - 1 =j2

� j3.:!. 3:n: . 3:n: .


= COS 2 + J SID 2 = - J
• •

270°= e 2
2
360°= 2:n: = 3n:n: el2n = cos 2:n: +jsin2:n: = 1 = el2n".

1.7.2.1. Rechenregeln bei komplexen Zahlen

Addition und Subtraktion

ffi1 ± � = (rl + jb1) ± (r2 + jb2)


= r1 ± r2 + j (b l± b2). (1.102.)

Setzt man ro = r1 ± r2 und bo = b1 ± b2, dann kann auch geschrieben werden

ffi1 + ffi2 = ffio = ro + jbo.

Für den Betrag ergibt sich

R o = Yro2 + b02, (1.103.)

mit tan des Phasenwinkels

ho
tan fPo = (1.104.)
ro

71
Man kann auch schreiben

Damit ist

ffit ± ffi2 =(Rt COS 'Pt ± Rz COS 'Pz)


+ j (Rt sin 'Pt ± Rz sin 'P2) = R0eJ'P, (1.105.)

Die Summe zweier konjugiert-komplexer Zahlen ergibt stets eine reelle Zahl

(1.106.)

Aus der Differenz zweier konjugiert-komplexer Zahlen resultiert stets eine ima­
ginäre Zahl

(1.107.)

Multiplikation und Division von komplexen Zahlen

ffit ffiz
· = (r1 ± jbt) (r2 ± jbz)
= (r1r2 - btb2) ± j (rthz+ r2b1) (1.108.)

= R1R2 [cos (q;1 + 'Pz)+ j sin ('Pr + 'P2)) (1.109.)

-
- R J R� e j(<p,+rp,)

Der Betrag des Produkts von 2 komplexen Zahlen ist

lffi1 · ffi2l = Rp {l'(rrrz - brbz)2+ Y(r1b2+ r2b1)2} (1.110.)

und dessen

(1.111.)

Dividiert man 2 komplexe Zahlen, dann ergibt sich

ffi . o;u r1+ jb1 r1r2 + brbz . r1b2 - r2b1


l · "'2 (1.112.)
_

Tz2+ b22 J rz2 + b22


=

Tz+ jb2
=

_ Rt (cos 'Pr+ j sin q;z)


(1.113.)
- Rz (cos 'P2+ j sin 'Pz)

=
�� (cos (cp1 - 'P2)+ j sin ('Pr -
cpz)) (1.114.)

= � ej(<p,-rp,i (1.115.)
R2

Der Betrag des Quotienten ist

I�I = Rq = ,2
2
! b22f(rtr2+ b1b2)2 + (rrbz - rzbr)2, (1.116.)

72
dessen Phasenwinkel

mit IPQ = 11'1 - IP2· (1.117.)


Das Reellmachen eines komplexen Nenners geschieht wie folgt:

r1 + jb1 (rl + jb1) (r2 =t= jb2) r1r2 ± b1b2 + j (b1r2 =t= r1b2)
r2 ± jb2 (r2 ± jb2) (r2 =t= jb2) r2 + b2
2 2
= =

Potenzieren, Radizieren, Logarithmieren

(r ± jb) = (r2 - b ) ±
2 2 2jrb
(r ± jb)3 = (r3 - 3rb ) ± j (3r b - b3)
2 2
(1.118.)
.,, n
ro n = Rn (cos nq; ± J sm nq;) = R ne ± j q> (1.119.)
• .

Yr ± jb = yvr� +
r
±j vv�- r
(1.120.)
Man kann auch allgemein schreiben

1 1

ffin
=
R-;,
-
( �±
cos j sin �) · (1.121.)
Das Logarithmieren geschieht am besten mit der Exponentialform.

Mit ffi = Rei

wird In ffi = In R + In ei'P = In R + jq;. (1.122.)

1.7.3. Beispiele zu imaginären und komplexen Zahlen

Beispiel 1.43.

Berechne folgende Aufgabe:

V-4 + Y-·8 + Y-81.


Lösung

V-4 = V-1 J'4 =j }"4 = 2j; V-s = V-23 = -2


Y-81 = VJ'-81 = j }"9 = 3 J'f. damit wird die Summe

2j- 2 + 3 J'f.
Beispiel 1.44.

Welchen Wert hat V -j4?


73
Lösung
v- j' = v -1 · t'F = j2 v -1 = - j.

Beispie/1.45.

Es ist JIT auf die Form r + jb zu bringen.

Lösung
Man setzt JIT = r + jb. Durch Auflösen der Wurzel auf der linken Seite der
Gleichung wird j = r2 - b2 + 2jrb.
Vergleicht man nun Real- und Imaginärteil auf beiden Seiten der Gleichung, so
ist r2- b2 = 0 (da es auf der linken Seite keinen Realteil gibt). Ferner wird 1 = 2rb

(denn es steht auf der linken Seite j). Nun ist b =


4
2 ir und b2 = � •

Setzt man diesen Wert in die quadrierte obere Gleichung ein, so ergibt sich

_!___ = 0 also r4 = __!_ und r2 = __!_ und r =


r2 -

4r2 ' 4 2 y__!_2


Es ist noch b = ir ; setzt man r ein, dann wird schließlich b = ± �2. ·Deshalb ist

JIT=± :2 o + j).

Beispiel 1.46.

Welchen Betrag und Winkel hat der Quotient ��;�?


Lösung
Mit GI. (1.112.) ergibt sich

1 + 2j 2- 6 + j(4 + 3) -4 + 7j .
= = -0,308 + J 0,538.
2- 3j 4 + 9 13

Gemäß GI. (1.104.) ist

0,538
tan fP = _ = -1,75.
0,308

In den Tafeln für trigonometrische Funktionen findet man fP = -60°. Der Betrag
der komplexen Zahl ist R = }10,3082 +- 0,5382 = 0,62. In Exponentialform ge­
schrieben, wird der Quotient � 0,62e-i600•

74
1.8. Tabellen und Hinweise

1.8.1. Tafel dekadischer Logarithmen

Nume- Log- Nume- Log- Nume- Log- Nume- Log-


rus arithmus rus arithmus rus arithmus rus arithmus

1 0.00000 26 1.414 97 51 1.70757 76 1.88081


2 0.301 03 27 1.43136 52 1.71600 77 1.88649
3 0.47712 28 1.447 16 53 1.72428 78 1.892 09
4 0.60206 29 1.46240 54 1.7 3239 79 1.89763
5 0.69897 30 1.47712 55 1.74036 80 1.90309
6 0.778 15 31 1.49136 56 1.74819 81 1.90849
7 0.845 10 32 1.50515 57 1.75587 82 1.91381
8 0.90309 33 1.51851 58 1.76343 83 1.91908
9 0.95424 34 1.53148 59 1.77085 84 1.92428
10 1.000 00 35 1.544 07 60 1.77815 85 1.92942
11 1.04139 36 1.556 30 61 1.785 33 86 1.93450
12 1.07918 37 1.56820 62 1.79239 87 1.93952
13 1.11394 38 1.57978 63 1.79934 88 1.984 48
14 1.146 13 39 1.59106 64 1.80618 89 1.94939
15 1.17609 40 1.60206 65 1.81291 90 1.95424
16 1.20412 41 1.61278 66 1.819 54 91 1.95904
17 1.23045 42 1.62325 67 1.826 07 92 1.96379
18 1.25527 43 1.63347 68 1.83251 93 1.96848
19 1.278 75 44 1.64345 69 1.83885 94 1.97313
20 1.30103 45 1.65321 70 1.845 10 95 1.977 72
21 1.32222 46 1.66276 71 1.85126 96 1.98227
22 1.34242 47 1.67210 72 1.85733 97 1.98677
23 1.380 21 48 1.68124 73 1.863 32 98 1.99123
24 1.38021 49 1.69020 74 1.86923 99 1.995 64
25 1.39794 50 1.69897 75 1.87506 100 2.00000

1.8.2. Tafel natürlicher Logarithmen

Nume- Log- Nume- Log- Nume- Log- Nume- Log-


rus arithmus rus arithmus rus arithmus rus arithmus

1 0.00000 8 2.07944 35 3.555 35 70 4.24850


2 0.69315 9 2.197 22 40 3.68888 75 4.31749
3 1.09861 10 2.30249 45 3.80666 80 4.38203
4 1.38629 15 2.70805 50 3.91202 85 4.44265
5 1.60944 20 2.99573 55 4.007 33 90 4,49981
6 1.79176 25 3.21888 60 4.09434 95 ' 4.55388
7 1.94591 30 3.40120 65 4.17439 100 4.605 17

75
1.8.3. Winkelfunktionen

Grad Bogen sin sin2 cos cos2 tan cot

0 0 0 0 1 1 0 00

10 0,1745 0,1736 0,03 0,985 0,97 0,1763 5,67


20 0,35 0,3420 0,117 0,94 0,88 0,3640 2,75
30 0,524 0,5000 0,25 0,866 0,75 0,5774 1,732
40 0,698 0,6428 0,413 0,766 0,587 0,8391 1,192
45 0,785 0,7071 0,5 0,707 0,5 1,000 1,0
50 0,8727 0,7660 0,587 0,643 0,413 1,192 0,84
60 1,047 0,8660 0,75 0,5 0,25 1,732 0,577
70 1,222 0,9397 0,883 0,342 0,117 2,747 0,466
80 1,4 0,9848 0,097 0,174 0,03 5,671 0,176
90 1,57 1,0000 1,0 0 0 00 0
100 1,75 0,985 0,97 -0,173 0,03 -5,67 -0,176
125 2,1817 0,82 0,67 -0,57 0,33 -1,43 -0,7
150 2,62 0,5 0,25 -0,866 0,75 -0,577 -1,73
180 3,14 0 0 -1,0 1 0 00

205 3,58 -0,42 0,18 -0,91 0,821 0,466 2,145


230 4,014 -0,766 0,59 -0,643 0,413 1,19 0,839
255 4,45 -0,966 0,933 - 0,26 0,07 3,73 0,27
270 4,712 -1,q_ 1,0 0 0 00 0
300 5,24 -0,866 0,75 0,5 0,25 -1,73 -0,577
330 5,76 -0,5 0,25 0,866 0,75 -0,58 -1,732
360 6,28 0 0 1 1 0 00

1.8.4. Exponential- und Hyperbelfunktionen


x in Bogenmaß

X e
x
e
-x
sinx coshx tanhx

0,0 1,00 1,00 0,00 1,00 0,00


0,1 1,11 0,91 0,10 1,01 0,10
0,2 1,22 0,82 0,20 1,02 0,20
0,3 1,35 0,74 0,30 1,05 0,29
0,4 1,49 0,67 0,41 1,08 0,38
0,5 1,65 0,61 0,52 1,13 0,46
0,6 1,82 0,55 0,64 1,19 0,54
0,7 2,01 0,50 0,76 1,25 0,60
0,8 2,23 0,45 0,89 1,34 0,66
0,9 2,46 0,41 1,03 1,43 0,72
1,0 2,72 0,37 1,18 1,54 0,76
1,4 4,06 0,25 1,90 2,15 0,89
1,8 6,05 0,17 2,94 3,11 0,95
2,0 7,38 0,14 3,63 3,76 0,96
3,0 20,18 0,05 10,02 10,07 0,96
4,0 54,59 0,02 27,29 27,31 0,99
5,0 148,41 0,01 74,20 74,21 1,0

76
Es ist sinh x = 0,5 (ex - e-"')
cosh x = 0,5 (e"' + e-x)
e"'- e-z
tanhx=
e:r +e "'
e"' = sinh x + cosh x e-z = cos x - sin x
cos2h x - sin2h x = 1

1.8.5. Funktionen von n

n n2 n3 yr, yr, (n :n:)/4


·

1 1 1 1,00 1,00 0,79


2 4 8 1,41 1,26 3,14
3 9 27 1,73 1,44 7,07
4 16 64 2,00 1,59 12,57
5 25 125 2,24 1,71 19,63
6 36 216 2,45 1,82 28,27
7 49 343 2,65 1,91 38,50
8 64 512 2,83 2,00 50,27
9 81 729 3,00 2,08 63,62
10 100 1 000 3,16 2,15 78,54
20 400 8000 4,47 2,71 314,16
30 900 27000 5,48 3,11 706,90
40 1600 64000 6,33 3,42 1256,60
50 2 500 125000 7,07 3,68 1963,00
60 3 600 216000 7,75 3,91 2827,40
70 4 900 343000 8,37 4,12 3848,50
80 6 400 512 000 8,94 4,31 5026,60
90 8 100 729000 9,49 4,48 6361,70
100 10000 1 000000 10,00 4,64 7854,00

1.8.6. Griechisches Alphabet

Benennung Groß- Klein- Benennung Groß- Klein-


buchstabe buchstabe buchstabe buchstabe

Alpha A a Ny N jl

Beta B ß Xi E ;
Gamma r y Omikron 0 0

Delta L1 15 Pi [] :n;

Epsilon E B Rho p e
Zeta z c Sigma }; a,r;
Eta H 1J Tau T 7:

Theta e {} Ypsilon y "

Jota I t Phi (p 1jJ


Kappa K " Chi X X
Lambda A Ä. Psi 'I' V'
My M p. Omega Q w

77
1.8.7. Mathematische Zeichen

-1: Winkel <kleiner


j_ senkrecht auf >größer
II parallel < viel kleiner
# gleich und parallel � viel größer
=gleich � kleiner oder gleich
= identisch � größer oder gleich
=!= ungleich I I Betrag
::::::: ungefähr gleich W, 58, a, b Vektoren, komplexe Größen
= kongruent !im Limes (Grenzwert)
6 entspricht J Integral

0 Grad oo unendlich

Diagramm zu Abschnitt 1

Diagramm 1.1. Winkelfunktionen

Der Funktionswert des Winkels 30° ist für die Sinusfunktion entsprechend 0,5.
Zur weiteren Handhabung kann man die Strecken auf der x-Achse mit den gewünschten
Winkeln wie die Funktionswerte auf der y-Achse unterteilen.

78
Literatur zu Abschnitt 1

Autorenkollektiv: Kleine Enzyklopädie Mathematik, VEB Bibliografisches Institut,


Leipzig

Brzoska, F./Bartsch, W.: Mathematische Formelsammlung, VEB Fachbuchverlag,


Leipzig

Gobbin: Vollständige Logarithmische Formelsammlung, Verlag v. K. Wittwer, Stuttgart

Kronjäger, 0.: Mathematik für den Funkamateur, Deutscher Militärverlag, Berlin

Wiegner: Algebra, 111. Heft, Dürr'sche Buchhandlung, Leipzig


-: Telefunken Laborbuch I, Franzis Verlag, München
2. Formeln der Elektrotechnik

Mit den in Abschnitt 1. angegebenen mathematischen Grundlagen ist der Funk­


amateur in der Lage, einen großen Teil der ihn interessierenden technischen Auf­
gaben zu berechnen.
Sicher ist man durch Schule, Lehre oder sonstige Ausbildung mit der Elektro­
technik bereits in Berührung gekommen. Doch sollen die nachfolgenden praxis­
nahen Beispiele ein tieferes Eindringen in die Probleme der Elektrotechnik er­
leichtern.

2.1. Gleichstromkreis

2.1.1. Spannung, Strom und elektrischer Widerstand

Die Zusammenhänge zwischen Spannung U, Strom I und Widerstand werden


durch das Ohmsehe Gesetz deutlich

I U= R
/· I· (2.1 )
.

Durch Umstellung ergeben sich:

u u
]=-· R=y. (2.2.)
R'
U- Spannung in Volt (V), I- Strom in Ampere (A), R- Widerstand in Ohm (!2).

1 V ist die elektrische Spannung zwischen 2 Punkten eines homogenen und gleich­
mäßig temperierten metallischen Leiters, in dem bei einem zeitlich unveränderten
Strom der Stärke 1 A zwischen den beiden Punkten eine Leistung von 1 W umgesetzt
wird.

Sehr oft muß man mit kleineren - oder größeren- Spannungen als 1 V umgehen.
Nachstehend sind deshalb Teile und Vielfache von 1 V aufgeführt:

1 [LV = 1 Mikrovolt = 10-6 V


1 mV = 1 Millivolt = 10-a V
· 1 kV ""' 1 Kilovolt = 103 V
1 MV = 1 Megavolt = 106 V

80
1 A ist die Stärke eines zeitlich unveränderten elektrischen Stromes durch 2 gerad­
/inie, parallele, unendlich lange Leiter der relativen Permeabilität 1 und von ver­
nachlässigbarem Querschnitt, die einen Abstand von 1 m haben und zwischen denen
die durch den 5trom elektrodynamisch hervorgerufene Kraft im leeren Raum je
Meter Länge der Doppelleitung 2 · 10-7 mkgjs• beträgt.

Auch dazu einige gebräuchliche Abkürzungen:

1 nA = 1 Nanoampere = I0-9 A
1 11-A = 1 Mikroampere = I0-6 A
1 mA = 1 Milliampere = I0-3 A
1 kA = 1 Kiloampere = 103 A

1 D. ist der elektrische Widerstand zwischen 2 Punkten eines homogenen und gleich­
mäßig temperierten metallischen Leiters, durch den bei der Spannung 1 V zwischen
den beiden Punkten ein zeitlich unveränderter Strom der Stärke 1 A fließt.

Teile und Vielfache der Grundeinheit sind:

1 mD. = 1 Milliohm = I0-3 n


1 kil = 1 Kiloohm = 103 11
1 MQ = 1 Megaohm= 10" n
1 Gn = 1 Gigaohm = 109 n
1 Til = 1 Teraohm = 10'2 fl

Durch die in den Definitionen angegebene zeitliche Konstanz des Stromes wird
darauf hingewiesen, daß es sich um Gleichstromgrößen handelt. Bei den Erläute­
rungen zum Wechselstromkreis erkennt man aber, in welchem Maß sich z.B.
der Widerstand eines Drahtes bei fließendem Wechselstrom mit steigender Fre­
quenz erhöht.
In der Praxis wird man kaum mit der Definition des Widerstands operieren. Um
Vergleiche anzustellen, bedient man sich der Größe des spezifischen Widerstands
oder des spezifischen Leitwerts. Dazu wählt man die Länge eines Leiters von 1 m
und einem Querschnitt von 1 mm2• Aus den spezifischen Größen lassen sich all­
gemeine Beziehungen ableiten, die es gestatten, Ohmwert, Länge oder Querschnitt
von Leitern zu ermitteln.

(2.3.)

oder aber

R 0 . 1
1=
·
q t2.4.)
' q=�R.
--

6 Amateurtechnik 81
Die Gleichungen lassen erkennen, daß

1
(2.5.)
(! ="

ist. e hat die Dimension n · mm2/m, "� m/0 · mm2• WiderstandRund Leitwert G
sind reziprok zueinander

1
R=-· (2.6.)
G

Dimension des Leitwerts ist Siemens (S). Danach beträgt ein S = 1/0 · I0-3
S = 1 mS usw. In Tabelle 2.1. sind e, "und der Temperaturkoeffizient einiger den
Funkamateur interessierenden Materialien angegeben.

Tabelle 2.1. Spezifischer Widerstand f!, spezifische Leitfähigkeit " und Temperaturkoef­
fizient "'

Material (! " "'

Aluminium (Al) 0,0278 34,8 0,0037


Kupfer (Cu) 0,0172 57,0 0,0039
Silber (Ag) 0,0165 62,5 0,0036
Platin (Pt) 0,107 10,0 0,0038
Eisen (Fe) 0,10 7,5 0,0048
Konstantan 0,50 2,0 -0,000005
Magnesium (Mg) 0,0435 22,7 0,00002
Messing 0,075 13,35 0,0015
Nickelin 0,5 2,5 0,0002
Quecksilber (Hg) 0,941 1,05 0,0009

Bei der Berechnung von Leitungswiderständen darf man die Rückleitung nicht
vergessen! Durch den Einfluß der Temperatur kann sich der Widerstandswert einer
Leitung, einer Wicklung oder anderer Widerstandsgebilde verändern.

I R =Ro(l + "' · !:..{}) I; (2.7.)

R - Widerstand bei Meßtemperatur in n, R0 - Widerstand bei Anfangstemperatur


(z.B. 20°C) in n, "' - Temperaturkoeffizient des Widerstandsmaterials in ljCC,
!:..{} -Temperaturdifferenz zwischen T0 und Tmeo in °C. Kennt man R und Re
sowie die entsprechenden Temperaturen, so läßt sich "'ermitteln:

R -Ro .
lll = -=-� (2.8.)
R o !:..{} '
·

« in 1/'C.

82
Widerstände kann man vielfältig kombinieren. Bei der Reihenschaltung werden
die Widerstände - wie der Name sagt - hintereinander geschaltet; der Gesamt­
widerstand ergibt sich mit

(2.9.)

als resultierender Gesamtwert aus der Addition der Einzelwiderstände.


Bei Parallelschaltung von Widerständen hingegen addieren sich die Leitwerte der
in der Parallelschaltung liegenden Widerstände

1 1 1 1 1
--
Rp
=-+-+-+ ··· +
� � �
­

(2.10.)

1
oder Gges = -
Rges
=G1 +G2 +Ga + ... +Gn. (2.11.)

2 parallele Widerstände haben den resultierenden Wert

(2.12.)

2.1.1.1. Arbeit und Leistung

Die elektrische Arbeit wird beschrieben durch

I W= U·I·t I; (2.13.)

W in Ws (Wattsekunden), wenn U in V, I in A.
3600 Ws = 1 Wh (Wattstunde). Von Interesse dürfte die Kilowattstunde sein
(elektrischer Zähler). 1 kWh = 36· 105 Ws. Bemerkenswert sind noch einige Um­
rechnungen von elektrischer in mechanische Arbeit

1 Ws = 0,102 kpm = 107 erg = 1 J (Joule) = 0,239 cal


1 kWh = 860 kcal = 36· 1012 erg = 3,67 · 105 kpm
1 erg = 1 dyn · cm 1 kcal = 103 cal

(kpm- Kilopondmeter, cal- Kalorie).

Dividiert man GI. (2.13.) durch t, so ergibt sich die elektrische Leistung (s. Dia­
gramm 2.1.)

I P= U·I=I2·R= !f I; (2.14.)

P in W, U in V. I in A, R in 0.

83
Durch Umformung erhält man

U= p =rP·R,
y
,, ­

; � V�
= =
.
( 2.15.)

An dieser Stelle einige Zusammenhänge mit anderen Größen:

1W = 0,102 kpm/s = 0,239 cal/s


9,81 W = 1 kpm/s = 2,34 cal/s = 0,0133 PS
1000 W = 1 kW = 101,9 kpm/s = 239 cal/s = 1.36 PS
736 W = 75 kpm/s = 176 cal/s = 1 PS
4,148 kW = 426,9 kpm/s = 1 kcal = 5,66 PS

2.1.2. Geschlossener und verzweigter Stromkreis

Für den Strom gilt (Bild 2.1.)

I= E (2.16.)
Ri +Ra

Die Spannung U gemäß Bild 2.1. bezeichnet man als Klemmenspannung. Für die
Spannung E hat man die Bezeichnung Urspannung geprägt.
Es ist
U= E-I· Ri =I· Ra. (2.17.)

Je nach Größe von Ra treten für den Generator unterschiedliche Belastungsfälle


auf. Davon seien 3 charakteristische Fälle fixiert.

- Kurzschluß (Ra = 0)

Wenn Ra= 0, dann ist es auch U = 0 = Umin•

Für den Strom ergibt sich I=Ik = :.


1
· (2.18.)

Ra.
Bild 2.1.

84
Diesen Betriebszustand kann man beispielsweise zur Bestimmung von R; (Innen­
widerstand des Generators) verwenden.

- Leerlauf (Ra = oo )

Leerlaufspannung U = Umax = E, (2.19.)

I = Imin� 0 .

. e Weise läßt sich die Urspannung E des Generators feststellen.


Auf dies

- Anpassung (Ra = R;)

h E E·h
I= U=-z• P=- -· (2.20.)
2 ' 4

Bei Anpassung wird die maximale Leistung abgegeben. Jedoch mißt man je nach
Technik diesem Betriebsfall unterschiedliche Bedeutung bei. Diagramm 2.2. zeigt
die in Abhängigkeit von Ra/R; auf /k und U1 bezogenen Änderungen.

2.1.2.1. Spannungsteiler

Widerstand Ra ist aufteilbar, d. h., in der Praxis kann er aus in Reihe geschalteten
oder parallelgeschalteten Widerständen gemäß Bild 2.2. bestehen.
Durch Unterteilung in 2 Widerstände nach Bild 2.3. erhält man den sogenannten
Spannungsteiler, der große Bedeutung in der Elektronik hat. Nach der Spannungs­
teilerregel sind die Spannungsabfälle proportional den Widerständen

�. (2.21.)

u
ist (2.22.)
u;

oder (2.23.)

und (2.24.)

Bild 2.2. Bild 2.3.

85
2.1.2.2. Stromteiler

Beim Stromteiler hat man parallelgeschaltete Widerstände. Im einfachsten Fall


demnach 2 Widerstände, wie sie Bild 2.4. zeigt. Die Ströme verhalten sich wie die
Leitwerte bzw. gemäß GI. (2.6.) umgekehrt wie die Widerstände

I t-=�=� I· (2.25.)

Daraus folgt für


R2
I1 =I , (2.26.)
R1 + R2
wenn I = I1 + I2 ist.

In diesem Zusammenhang sei auf die Kirchhoffschen Gesetze verwiesen.

Das 1. Kirchhoffsche Gesetz


Die Summe der einem Stromknoten zufließenden Ströme ist gleich der Summe der
abfließenden Ströme (z.B. Bild 2.4.).

Das 2. Kirchhoffsche Gesetz


In einem geschlossenem Stromkreis ist die Summe der Urspannungen (EMK)
gleich der Summe der Spannungsabfälle (z.B. Bild 2.3.).

Bild 2.4.

2.1.2.3. Meßbereichserweiterung von Instrumenten

Die durch 2.1.2.1. und 2.1.2.2. gewonnenen Erkenntnisse lassen sich in der Meß­
bereichserweiterung von Instrumenten verwerten. Bild 2.5. deutet die Möglich­
keiten an. Danach ist der erforderliche Vorwiderstand beim Spannungsmesser

Rv- R in
_ ( Umess t) (2.27.)
U; n - ·

Mit Umess/U;n = n wird GI. (2.27.) dann

Rv = R;n (n - 1). (2.28.)

Man bezeichnet n als Vervie/fachungsfaktor des Meßbereichs, Rin ist der Innen­
widerstand des Instruments. Und es läßt sich leicht einsehen, daß sich der Wert
von n mit der Höhe der Spannung ändert. Ebenso liegen die Verhältnisse bei der

86
Bild 2.5.

Strommessung, wo man mit 1/l;n = n den Webenwiderstand oder Shunt wie folgt
berechnen kann:

Rne � (2.29.)
n -1
= ·

Die Ermittlung des Instrumentenwiderstands R;n verlangt einige Umsicht, um so


mehr, je empfindlicher das Instrument ist. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bei
völlig unbekannten Verhältnissen das Instrument durch einen zusätzlichen
Parallelwiderstand zu schützen. Nach Anlegen der Spannung ist dieser Neben­
widerstand allmählich zu erhöhen, bis man ihn entfernen kann, ohne daß das
Instrument überlastet wird. Eventuell ergibt sich dadurch als Konsequenz, daß die
Spannung U (Bild 2.6.) nochmals verändert werden muß. Damit keine größere
Verfälschung bei der Ermittlung von R;n auftritt, muß (R;n + R) )> R; sein. Nach
Einstellung auf Vollausschlag ist R nun so weit zu variieren, bis am Instrument der
'
halbe Vollausschlag eintritt.
Entsprechend gilt

(2.30.)

Ist R geeicht, dann kann man durch Ablesen an der Skale sofort von R den R;n
angeben.
Ein einfaches Ohmmeter läßt sich auch mittels Spannungsmessung realisieren. An
Stelle von R nimmt man den unbekannten Widerstand Rx. Sind Klemmenspan­
nung U, Spannungsabfall über dem Instrument und Innenwiderstand des Instru­
ments bekannt, dann wird

Rx = R;n ( cf., - 1) • (2.31.)

Durch vorherige Eichung eines variablen Widerstands R (z. B. gemäß Bild 2.6.)
kann man die unterschiedlichen Ausschläge am Instrument eichen und dann
R gegen Rx austauschen. Allerdings ist die Höhe der Betriebsspannung U zu
kontrollieren!

Bild 2.6.

1!7
2.1.2.4. Zweipoltheorie

In der Praxis können vielfach vermaschte Stromkreise auftreten, bei denen man
zur Feststellung der interessierenden Größen einige Erfahrungen benötigt. Bei
solchen Berechnungen kann es möglich sein, daß man durch Ermittlung einer
Größe schnell vorankommt. Zuweilen stellt sich die Aufgabe auch so, daß ledig­
lich der Wert einer Größe wissenswert ist. In diesem Fall hilft entscheidend die
Zweipoltheorie. Sie erfordert natürlich ebenfalls Grundkenntnisse (s. die Teil­
abschnitte zuvor).
Gemäß Bild 2.7. soll z.B. der Strom lx bestimmt werden, und zwar mit Hilfe der
Zweipoltheorie. An Hand einiger Merksätze sei die Verfahrensweise erläutert.
- Es ist der Stromkreis an der Stelle zu unterbrechen, von der man den Strom bzw.
Spannungsabfall wissen will. Zur Erleichterung dieses Vorhabens zeichnet man
am besten die gegebene Verzweigung um, wie es z.B. in Bild 2.8. geschehen ist.
Dabei kann die Trennstelle durch Buchstaben bezeichnet werden (A, B).
- Jetzt ist der Widerstand zu bestimmen, der an den Klemmen A, B vorhanden sein
würde, wenn man an der bezeichneten Stelle in die Schaltung sieht (Bild 2.9.).
Alle im Stromkreis vorhandenen Urspannungsquellen sind bei der Ermittlung
des Ersatzinnenwiderstands R0 vorübergehend kurzzuschließen.
- Nunmehr ist die an den Klemmen A und B wirkende Spannung festzustellen. Zu
diesem Zweck muß man die Kurzschlüsse an den Urspannungsquellen wieder
aufheben. Die Spannung U0 wird durch Anwendung der Kirchho.ffschen Gesetze
bestimmt. Zu bedenken ist, daß an den Stellen A und B kein Stro� fließt. Er­
leichtert wird die Ermittlung von U0, wenn in diesen Zweigen Widerstände
liegen, die man bekanntlich dann als nicht vorhanden ansehen kann.

R3 R3
A

R7 R5 R4-

E B

[ Bild 2.7.
RZ

Bild 2.8.
R2

(Aj 8 .
Bild 2.9.

gg
- Jetzt sind Wert der Ersatzspannungsquelle U0 und ihr Innenwiderstand R0 be­
kannt (Bild 2.9.). Der gesuchte Strom lx läßt sich nun leicht errechnen, indem die
Klemmen A, B mit dem Widerstand des Zweiges x überbrückt werden (R5). Es
ist natürlich möglich, ohne diesen Widerstand auszukommen; dann wird A, B
kurzgeschlossen. Der Strom beträgt

(2.32.)

2.1.2.5. Widerstände in Stern und Dreieck

Bei der Berechnung von Maschen oder sonstigen Schaltungsanordnungen ist es


vorteilhaft, wenn man in Dreieck oder Stern geschaltete Widerstände umrechnen
kann. Die nachstehend angegebenen Formeln gelten für die Umrechnung ohm­
scher Widerstände. Die Widerstandssymbole kann man durch solche komplexe
Widerstände ersetzen, denn dann wäre man in der Lage, Umrechnungen von
Kapazitäten bzw. von Induktivitäten vorzunehmen. Es ist nun gemäß Bild 2.10.

R=Ra + Rb + Re und R'=R1R2 + R,R3 + R.R,.

Umwandlung von Dreieck in Stern:

(2.33.)

Umwandlung von Stern in Dreieck:

R' R' R'


R = Rb =­ (2.34.)
,, Ra' RI•' R;

Bild 2.10.

2.1.3. Beispiele zum Gleichstromkreis

Beispiel 2.1.

Ein Generator speist einen Widerstand von 55 n. Der durch den Widerstand
fließende Strom wurde mit 4 A ermittelt. Wie groß sind Klemmenspannung und
Leistungsverbrauch?

89
Lösung

Nach dem Ohmsehen Gesetz ist mit GI. (2.1.)

U = 4A · 55 n = 220 V,

mit GI. (2.14.)

P = 220V · 4A = 880 W.

Beispiel 2.2.

Ein Voltmeter mit einem Widerstand von 50 kn (Rin + Rv) wird an eine Batterie
zur Spannungsmessung angeschlossen. Welcher Strom fließt durch das Meßwerk,
wenn es eine Spannung von 4V anzeigt?

Lösung

Mit dem Ohmsehen Gesetz ergibt sich für den Strom

4V
, 0,8 10-' A = 80 (LA.
5 . 10
= ·

Beispiel 2.3.

An eine Stromquelle wird ein Spannungsmesser angeschlossen, dessen Innen­


widerstand hochohmig gegen den Innenwiderstand der Stromquelle ist. Demnach
muß man die angezeigte Spannung von 10 V als Leerlaufspannung U1 ansehen.
Wird nun an Stelle des Spannungsmessers ein Strommesser angeschlossen, dann
ist der gemessene Strom von 2 A als Kurzschlußstrom anzusehen. Ermittle den
Innenwiderstand der Stromquelle.

Lösung

Durch Umstellung von GI. (2.18.) ergibt sich

10V
Ri = = 5 n.
2A

Beispiel 2.4.

Bei einem Vollausschlag eines Drehspulinstruments fließt ein Strom von 1 mA.
Der Widerstand des Meßwerks beträgt 300 n. Man will mit diesem Instrument
aber Ströme von 10 A messen. Welcher Parallelwiderstand ist erforderlich, und
welche Leistung wird in ihm verbraucht?

Lösung

Aus GI. (2.29.) läßt sich Rne ermitteln, wenn n bekannt ist. In der Aufgabenstellung

.
1St n -� . t
10' Al SO lS
10_3
- •
- -

300
Rne = 3 . 10-2 n
104- 1
= ·

Der Verbrauch in diesem Nebenwiderstand ist P = 102 • 10-2 • 3 = 3 W.

90
R7

RZ lf3

Bild 2.11. Bild 2.12.

Beispiel 2.5.

An einem Widerstand von 1 M n liegt eine Spannung von 2 V. Man teile den
Widerstand so auf, daß 0,1 V an dem Teilwiderstand abfällt (Bild 2.11.).

Lösung

Aus GI. (2.22.) ergibt sich durch die Umstellung

R2 =
R
l ;; R2 = 1�� = 50 kn.

Beispiel 2.6.

Es ist eine Schaltung nach Bild 2.12. gegeben. Durch einen Strommesser soll der
Strom im Zweig von Ra ermittelt werden. Je nach Höhe von Ra wird man - auf
Grund der Eigenschaften des Instruments - den Strom mehr oder weniger genau
messen. Es taucht dann leicht die Bemerkung von "Theorie und Praxis" auf.
Durch die Zweipoltheorie kann man sich nun jedoch darüber orientieren, welche
Eigenschaften der Strommesser haben muß, damit der Meßfehler einen gewissen
Wert nicht übersteigt.

(R1 = 10 n, R2 = 100 n, Ra= 200 n, E= 4,5 V, R1 = 0,1 !1) .

Lösung

Nach Abschnitt 2.9.4. wird zunächst der Zweig unterbrochen, an dem der Strom
gemessen werden soll, um R0 und U0 festzustellen.
Gemäß Bild 2.13. ergibt sich für
(R; + R1)R2.
R0 = (R; +R111 R2) + Ra= +Ra
·

R; + R1 + R2 .

Setzt man die gegebenen Werte ein, dann ist R0 = 209,1 n.

R1 R3

RZ
Bild 2.13. Bild 2.14.
L-----�----�8

91
Da über R3 jetzt kein Strom fließt, ergibt sich für die zwischen A und B liegende
·

Spannung gemäß Bild 2.14.

Uo R2
.
E = Ri + R1 + R2

Durch Einsetzen erhält man U0 = 4,09 V.


Damit ist die Ersatzspannungsquelle mit ihrem Innenwiderstand ermittelt (Bild2.15.)
Schließt man nun A, B kurz, so fließt der Strom durch R3 ohne Verfälschung;

lx = 2���1 = 0,0196 A. Der Innenwiderstand des Strommessers betrage nun 5 Q.

Es wird eine Stromänderung eintreten, wenn man ihn in Reihe mit R0 legt; der
Strom ist dann 0,019 A. Also liegt eine Änderung um etwa 3% vor. Man muß
demnach in der Praxis stets den Fehler berücksichtigen, der durch Anschluß eines
Instruments entstehen kann.

Beispiel 2.7.

2 Batterien werden zusarnmengeschaltet. Infolge unterschiedlicher Entladung


fließt an den Verbindungsstellen ein nutzloser Ausgleichstrom (Bild 2.16.). Wie groß
ist ciieser Strom?

Lösung

Mit Bild 2.16. wird deutlich, daß man durch Auftrennen der Verbindungsstelle
Strom lx ermitteln kann. Man benutzt wieder die Zweipoltheorie, um R0 und
U0 zu berechnen.
.

Mit

Uo = Et - E2 und Ro = Ril + Ri2 ergibt sich I., = :.1 ��� •

11 12

Ist beispielsweise E1 4,5 V, E2 4,3 V, Ri1


= 0,02 Q, Ri 2
= 0,08 !l, so wird
= =

lx = 2 A. Ein Strom, den die Batterie mit der höheren Spannung liefert und
keinen Nutzen bringt. Man soll deshalb nur dann Batterien zusarnmenschalten,
wenn sie völlig gleiche Eigenschaften-aufweisen .

_r-A
..E1.fl
�E2
.
T 11, oß

Bild 2.15. Bild 2.16.

92
2.2. Wechselstromkreis

Wechselströme sind für den Funkamateur von großer Bedeutung. Die Interessen­
gebiete unterscheiden sich durch die Frequenzen. Bei den folgenden Erläuterungen
beziehen sich die erforderlichen Definitionen jeweils auf sinusförmige Wechsel­
ströme. In der Praxis muß man oft mit verzerrten Kurvenformen des Wechsel­
stroms umgehen; darauf wird zunächst nicht eingegangen.

2.2.1. Wechselstrom und Leistung

Aus Bild 2.17. ist der ideale Verlauf eines Wechselstroms ersichtlich. Den gleichen
Verlauf kann es auch bei der Wechselspannung geben. Mit T bezeichnet man die
Periodendauer, also den vollen Verlauf einer Sinuswelle von 360° bzw. im Bogen­
maß entsprechend 2:n:. Man erkennt, die I. Halbwelle ist nach 180° f; n beendet.
Die Höchstwerte (Amplituden) liegen bei 90° f; :n:/2 bzw. 270° f; 3:n:/2. Es wird
deutlich, daß der Strom im Verlauf einer Periodendauer seine Polarität ändert, er
ist nämlich von 0 bis 180° positiv, von 180° bis 360° dagegen negativ. Der reziproke
·

Wert von T wird mit Frequenz bezeichnet

I /=
� I; (2.35 . )

Tin s.
Für die Anzahl der Sinusschwingungen je Sekunde gilt die Bezeichnung Hertz (Hz).
Beispielsweise hat der Netzwechselstrom 50 Hz. Wird die Frequenz/mit 2:n: multi­
pliziert, so ergibt sich die Kreisfrequenz

co = 2 · n ·/; (2.36.)
'1
co in s- .
Die Kreisfrequenz hat in der gesamten Wechselstromtechnik große Bedeutung.
Die bereits erörterten Höchstwerte (Bild 2.17.) bezeichnet man auch als Imax
bzw.Umax; andererseits bezeichnet man sie auch als Spitzenwerte i bzw. u. Des
weiteren läßt das Bild noch den Wert Ieff(U"If) erkennen ; dieser Wert bezieht sich
auf den Gleichstrom. Dem Effektivwert des Wechselstroms ist ein gleichgroßer
Gleichstromwert identisch. Beispielsweise verursacht ein Effektivwert von 2 A die

Bild 2.17.

93
gleiche Wärmewirkung wie ein Gleichstrom von 2 A. Die Zusammenhänge zwischen
Maximal- und Effektivwert ergeben sich aus

1 lmax (2.37.)
eff =
}'2 ,

Umax
Ueff =
J'f" · (2.38.)

Im Gegensatz zum Gleichstrom erfolgen beim Wechselstrom die Nulldurchgänge


von Strom und Spannung zut gleichen Zeit. Man sagt, sie sind phasenverschoben.
Nur bei reinen Wirkwiderständen (Erklärung folgt später) gibt es keine Phasen­
verschiebung. Diese Tatsache wirkt sich auch auf die Leistungsabgabe des Wechsel­
stroms aus. In Verbindung mit dem Phasenwinkel fP hat man die

- Wirkleistung - Pw = U · I· cos fP,

P8 U I, (2.39.)
- Scheinleistung - = = ·

-Blindleistung -Pb = U · I sin f{J;


·

Pw in W, P. in VA, Pb in VA, wenn U in V, I in A.


Diese Verhältnisse werden durch Bild 2.18. verdeutlicht. Ferner ist

(2.40.)

P. bedeutet eine rein rechnerische Größe.

Man erhält

für Wirkstrom - Iw = I· cos qJ,


für Blindstrom - lb = I sin fP.
· (2.41.)

Mit dem Betrag des Scheinwiderstands lassen sich auch die Werte der anderen
Widerstände ermitteln

Rw = Rs · cos fP, Rb = Rs • sin fP, (2.42.)

R. = VR;, + Rt.
Schließlich ergibt sich

Uw = I· Rw und U b = I· Rb. (2.43.)

Bild 2.18.

94
Bild 2.19.

Nachfolgend noch einige Bemerkungen zum sogenannten Drehstrom. Der Dreh­


strom entsteht durch eine Zusammenschaltung von 3 Wechselstromgeneratoren
(gleiche Frequenz, gleiche Amplitude, in der Phase um 120° gegeneinander ver­
setzt). Durch die gegenseitige Verkettung spart man 3 Leitungen. Die an die
Leitung (R, S, T) angeschlossenen Verbraucher sollen die Generatoren möglichst
gleichmäßig belasten. Üblich sind Stern- und Dreieckschaltung (Bild 2.19.). Mit
u
der verketteten Spannung Uv und Phasenspannung Up bzw. dem ver- =

J}j
ketteten Strom lv und dem Phasenstrom lp = 1�73 ergibt sich bei gleicher Last für

die Phasen die Gesamtleistung be� Drehstrom

I Pwgeo = 3Up lp COS qJ


• = 1,73Uv lv COS f{J
• j; (2.44.)

Pw es in VA, wenn U in V, I in A.
g

2.2.2. Wechselstromwiderstände

Aus GI. (2.37.) geht hervor, daß es im Wechselstromkreis Widerstände gibt, die
sich vom ohmseben Widerstand des Gleichstromkreises unterscheiden; dazu nach­
folgend Näheres.

2.2.2.1. Wirkwiderstand

Wie bereits erläutert, befinden sich bei einem rein ohmseben Widerstand im
Wechselstromkreis Spannung und Strom in Phase. Demnach beträgt der Phasen­
winkel 0°. Für solche Widerstände gilt im Wechselstromkreis nach wie vor das
Ohmsehe Gesetz. Es gibt z. B. Schichtwiderstände, die selbst bei Frequenzen bis
ins UKW-Gebiet ihren rein ohmseben Charakter behalten. Natürlich muß man
Zuleitungsinduktivitäten (wie Schaltkapazitäten) ausklammern. Aber andere
Widerstände verändern mit steigender Frequenz ihren Gleichstromwiderstand,
weil sich der sogenannte Skin-Effekt (Hautwirkung) bemerkbar macht; es nimmt
nicht mehr der gesamte Leit«quersc hnitt am Stromfluß teil. Die Eindringtiefe �

95
ist das Maß dafür, wo im Leiterinnern gegenüber der Leiteroberfläche nur noch
36% der Stromdichte auftritt. Allgemein beträgt

I I;
0,5
= (2.45.)
!5
11· f.1,. u
.

o in mm, wenn fin MHz, u in S, t-t - Permeabilität.


Bekanntlich ist t-t für Kupfer, Aluminium und Silber 1. In Diagramm 2.3. wird
GI. (2.45.) ausgewertet. Der unter dem Einfluß der Frequenz auftretende Wider­
stand irgendwelcher Anordnungen (die eine Erhöhung des Widerstands gegenüber
Gleichstrom haben) wird mit Wirkwiderstand bezeichnet. Auch bei ihm befinden
sich Strom und Spannung in Phase.
Die Wirkwiderstandszunahme eines Kupferdrahts infolge fließenden· Wechsel­
stroms steigender Frequenz wird ermittelt zu

Rwi =
r
2
·
1
1t u (
· 2
r
Y:n · f• u • f.1, + 0,25 ) ; (2.46.)

dabei ist der Wurzelausdruck wesentlich > 1 für die interessierenden Frequenz­
gebiete. In der obigeri Beziehung gilt R in Q, wenn r in mm, u in Sm/mm2,/in Hz
und f1. = Permeabilität ""' 1 (mit der Dimension Hs/cm) eingesetzt werden.
Oberhalb 10 kHz ergibt sich für Kupferdrähte folgendes Verhältnis zwischen
Wirkwiderstand und Widerstand bei Gleichstrom

(2.47.)

r in cm, fin Hz.


Aus Diagramm 2.4. lassen sich einige Werte in Abhängigkeit von fermitteln.

2.2.2.2. Kondensator

Der Kondensator als Bauelement


Die Kapazität eines Kondensators beträgt 1 Farad (1 F), wenn durch die Elektrizi­
tätsmenge von 1 Coulomb (C =Amperesekunde) an seinen Platten ein Potential­
unterschied von 1 V vorhanden ist.

I �I; C= (2.48.)

C in F, Q in As, U in V.
In der Praxis benutzt man wesentlich kleinere Einheiten für die Kapazität:

to-6 F = 1 Mikrofarad = 1 f!F


10-9 F = 1 Nanofarad = 1 nF
10-12 F = 1 Pikofarad = 1 pF
1 t-tF = 106 pF
1 nF = 103pF

96
(Eine möglicherweise in älteren VeröffentliChungen noch vorkommende, heute
nicht mehr verwendete Einheit kleiner Kapazitäten war cm, und zwar 1 cm
= 1,11 pF).
Ausgehend davon, daß der grundsätzliche Aufbau eines Kondensators bekannt ist,
soll die zwischen den Platten des Kondensators auftretende Feldstärke E be­
handelt werden;

E=-C!_.' (2.49.)
a

Ein V/ern, U in V, a - Plattenabstand in cm.


Die Feldstärke ist besonders für die Angabe von Betriebsspannungen wichtig.
Ferner muß beachtet werden, daß geschichtetes Dielektrikum ggf. hohe Feld­
stärken hat. Da die Kondensatorplatten entgegengesetzte Ladungen haben, ziehen
sie sich mit der Kraft P an.

C· U2
= (2 .50.)
p --z;;-;
P in kp, C in F, U in V.
Die im Kondensator gespeicherte Energie ist

C· -2
Wc = -- U ; (2.51.)
2
Wc in Ws, C in F, U in V (1 Ws = 10,2 kpm).
Die Kapazität eines ebenen Zweiplattenkondensators ist unter der Bedingung eines
homogenen Feldes zwischen den Platten

C =
e •

a
F = 0'0 886 er.
a
F I; (2.52.)

s in pF, wenn F in cm2, a - Plattenabstand in cm, t - Dielektrizitätskonstante.


Für sie gilt

c = 0,0886 pF er; (2.53.)


cm
·

er - relative Dielektrizitätskonstante. Für Luft ist sie beispielsweise etwa 1.


Tabelle 2.2. gibt eine Anzahl von interessierenden Werten an.

Tabelle 2.2. Dielektrika einiger Materialien

Material er Material Er

Luft 1,0006 Glimmer 4···8


Wasser 80 (bei 20°C) Glas 16
Eis 2···3 Papier 1,8·· ·2,6
Öl 2,2· 2,5 Hartpapier 3,5 ..·5
2.. Jo ooo J .. 3,5
. .

Keramik . Hol.z .

7 Amateurtechnik 97
Hat man nun n Platten eines Kondensators, so beträgt dessen Kapazität

C = (n Er •
F;
1) 0,0886 (2.54.)
a
-

C in pF, a in cm, F in cm2, n- Anzahl der Platten.


Ein mit mehreren Schichten aufgebauter Kondensator hat folgende :((apazität:

· F
C=---0,0886
.:____ ___
(2.55.)
�+�+ .. · +an
tri Er2 rn
C in pF.
Die Kapazität eines Koaxialkabels beträgt (Bild 2.20.)

c = 0,242 . le.
(2.56.)
D
lg
d

C in pF, 1- Kabellänge in cm, D- Innendurchmesser des Außenleiters, d- Außen­


durchmesser des Innenleiters, lg - dekadischer Logarithmus.
Für die Kapazität der Doppelleitung erhält man (Bild 2.21.)

� 0,12 Er •I
C (2.57.)
lg .!{_
r

C in pF, l- Kabellänge in cm, d- Leiterabstand in cm, r- Leiterradius in cm.


Diagramm 2.5. zeigt die Abhängigkeit der Kapazitäten des Koaxialkabels und der
Doppelleitung.
Legt man einen Draht der Länge l durch eine leitende Durchführung (Loch­
durchmesser d in cm), so ergibt sich die Kapazität

0,241 e l.
r
� • •
C- (2.58.)
2d
-
'

lg
D

D � d, C in pF, D - Leiterdurchmesser in cm.

Bild 2.20. Bild 2.21.


D

98
Aus geradem Draht parallel einer leitenden Fläche ergibt sich

0,241 er l
C= ,
· •

' (2.59.)
4h
lg
D

1 > h> D, C in pF, 1- Drahtlänge in cm, D - Drahtdurchmesser in cm, h - Höhe


über der leitenden Fläche in cm.
Kapazitätsgerader Drehkondensator, d. h., die Kapazität nimmt linear mit dem
Drehwinkel tx zu (Maximalkapazität)

_0,139 (n - 1) e.(R2 - r2) •

Cmax- , (2.60.)
·-

d
C in pF.
Kapazität beim Drehwinkel o:

C = (Cmax - Cmin) �
:n;
+ Cmin; (2.61.)

n - Anzahl der Stator- und Rotorplatten, R - Außenradius der Rotorplatte in


cm, r - Innenradius der Statorplatte in cm, d - Plattenabstand in cm, o: =Dreh­
winkel im Bogenmaß.
Kondensatoren lassen sich in vielfältigen Variationen zusammenschalten.
In den Grundschaltungen ergibt sich für die Parallelschaltung

Cges = Cl + C2 + · · · + Cn (2.62.)

und ftir die Reihenschaltung (Bild 2.22.)

_1 _1 1 + .. +-!.._
_= +- . (2.63.)
Cges C1 C2 Cn

2 Kondensatoren, in Reihe. geschaltet, ergeben

C1· Cz
C (2.64.)
_

ges- cl + c2

Betrachtet man Bild 2.23., das die Möglichkeit der Auf- und Entladung eines
Kondensators zeigt, so erkennt man, daß sowohl während der Zeit der Auf­
ladung als auch der Entladung ein veränderlicher Strom fließt. Erfolgt die Auf-

C1
C1 CZ

-63-
---II 11--_,

Cges Bild 2.22.

99
Bild 2.23.

Iadung mit Gleichspannung, dann ist der Strom im Augenblick des Anlegens der
Spannung hoch, um nach erfolgter Aufladung zu verschwinden;

t
. E -C·Rv •
lauf= e ' (2.65.)
yV

iaur in A, wenn E in V, R in n, C in F, t in s.
Dabei erfolgt eine Aufladung auf

(2.66.)

Uin V.
Die Größe CRv ist die Dimension einer Zeit (As/V · V/A = a); sie erhielt die
Bezeichnung Zeitkonstante •· Die Zeitkonstante gibt an, wie schnell eine Auf­
bzw. Entladung vor sich geht.

(2.67.)

• in s, wenn C in F, R in n.
Diagramm 2.5. zeigt die Zeitkonstanten für einige Werte von Rund C. Legt man
den Schalter gemäß Bild 2.23. auf Entladung um, dann erfolgt diese über Rv.

. E
lent = e (2.68.)
y
� ,
V

Uc =E·e � (2.69.)

i in A, u in V.
Nach der Halbwertzeit tH ""' 0, 7 • hat die Spannung bzw. der Strom den halben
Maximalwert erreicht. Wie bereits erläutert, fließt während der Auf- und Ent­
ladung ein veränderlicher Strom

(2.70.)

Die Gleichung besagt, daß bei ständig sich ändernder Spannung am Kondensator
ein dauernder Strom fließen muß. Das ist auch tatsächlich der Fall, wenn statt

100
Gleichspannung eine Wechselspannung anliegt. Bild 2.24. zeigt die Anordnung
eines Differenzierglieds; dessen Zeitkonstante beträgt

0,159 .
r = R. C � ' (2.71.)
. f

r in s, wenn R in Q, C in F, f- Betriebsfrequenz in Hz. Für das lntegrierglied


ergibt sich

0,159
r =R· C -::Y -­ (2.72.)
I

Der Kondensator im Wechselstromkreis

Der durch einen Kondensator fließende Wechselstrom hängt ab von der Größe
der Kapazität, der anliegenden Spannung und der Höhe der Betriebsfrequenz.
Hätte der Kondensator keinerlei Verluste (in der Praxis nicht möglich!), dann
bildete er einen Blindwiderstand: Der Kondensator reduziert nämlich den Wechsel­
strom, ohne daß Arbeit geleistet wird. Der Betrag dieses Blindwiderstands (auch
kapazitiver Widerstand genannt) ist

(2.73.)

R in .n, C in F, /in Hz.


Bei einer Reihe von Anwendungsgebieten kann man den Verlustwiderstand des
Kondensators vernachlässigen. Allgemein gilt jedoch die Annahme von einem
Verlustwiderstand, den man sich parallel zu den Platten vorstellt. Ebenso ist eine
Reihenschaltung mit den Platten möglich (Bild 2.25.).

(2.74.)

R in n, C in F, I in Hz, t5 - VerlustwinkeL

Bild 2.24. Bild 2.25.

101
Kennt man einen Widerstand, so läßt sich der andere ohne weiteres feststellen;
denn es ist
1
R (2.75.)
p = Rs (wC)• ,

1
Rs = R (wC)2 (2.76.)
p
Parallelschaltung von 2 Kondensatoren mit unterschiedlichem Verlustwinkel
ergibt einen resultierenden Wert von

(2.77.)

Einige Richtwerte für dc sind:

Glimmerkondensator dc = 2 · 10-4
Papierkondensator dc = 2 · 10-2
Keramikkondensator dc = 1 • 10-3•

Der reziproke Wert des Verlustfaktors wird als Güte bezeich.het

Q=_!__· (2.78.)
dc

Schaltet man einen Kondensator mit einem Widerstand in Reihe, dann wirkt sich
beispielsweise der Verlustwiderstand R8 des Kondensators nicht aus, wenn der
mit dem Kondensator in Reihe befindliche Widerstand R einen wesentlich höheren
Wert hat als R•. Der Betrag der Reihenschaltung ist

Rrei = YR2 + Rc2 = VR2 ( Y


+
1 ;
(2.79.)
w c

Rrei in 0, R inD, /in Hz, C in F.


Gemäß Bild 2.26. ist das Zeigerdiagramm für die Reihenschaltung angegeben. Auf
diese Weise läßt sich leicht der Phasenwinkel angeben

l tanq>=-
wC·R I·
- 1
(2.80.)

Ähnliches, wie bei der Reihenschaltung erörtert, läßt sich bei der Parallelschaltung
von Kapazität und Widerstand feststellen. Im Prinzip gilt ftir die Betrachtung
ebenfalls Bild 2.25. Der Betrag des Widerstands einer solchen Parallelschaltung
ergibt sich mit

Rpa = R (2.81.)
Y1 + (RwC)2

Rpa in f.l, RinD, /in Hz, C in F.

102
c c c c c c

Bild 2.26.

Bild 2.27.
��
-- �._��--�

Daraus resultiert der Phasenwinkel mit

tan qJ = RwC. (2.82.)

Der durch den Kondensator fließende Strom eilt der Spannung um den Phasen­
winkel qJ voraus. Diese Tatsache nutzt man in vielen Schaltungen der Elektro­
technik bzw. Elektronik aus. Als Beispiel sei eine 3- und 4gliedrige Phasenschieher­
kette zur Erzeugung von Wechselspannungen mit Röhrenoszillatoren genannt
(Bild 2.27.).

- 3gliedrige Kette, anwendbar bei Pentoden oder steilen Trioden (Verstärkungs­


!
faktor > 29), Generatorfrequenz f = 5 ; (2.83.)
1 ' 4 RC
- 4gliedrige Kette (Verstärkungsfaktor > 19, Trioden) Generatorfrequenz
1
I= ; (2.84.)
7 5 RC
'

/in Hz, R in Q, C in 11-F.


Sehr oft ist es günstig, mit einfachen RC-Siebketten zu arbeiten, da man die
Eingangsspannung um den Faktor s (entsprechend Bild 2.28.) reduzieren kann
(z. B. mit Wechselspannung überlagerte Gleichspannung)

s = �� = 6,28 ·I· R · c; (2.85.)

/in Hz, C in F, R in 0.
In vielen Anordnungen der HF-Technik, beim Experimentieren usw. benötigt
man den kapazitiven Spannungsteiler. Um ein richtiges Teilungsverhältnis zu er­
halten, dürfen die den Kapazitäten parallelliegenden ohmseben Widerstände nur
hochohmig gegenüber den Blindwiderständen der Kondensatoren sein (Bild 2.29.)

(2.86.)

103
r�

Bild2.29. Bild2.30.

Durch den kapazitiven Spannungsteiler ist folgende Widerstandstransformation


möglich (Bild 2.30.):

(2.87.)

Rsch - parallel dem Schwingkreis, Rau - Widerstand an C2• Weiter ist dabei zu
beachten, daß

u vC = c1c2
= .Cl= C
Uc V, -1' C1 + Cz
--

·(2.88.)
2.2.2.3. Spule

Die Spule als Bauelement


Die Einheit der Induktivität ist das Henry (H), und zwar bedeutet 1 H die Induk­
tivität einer geschlossenen Windung, die, von einem elektrischen Strom der Stärke
1 A durchflossen, im leeren Raum den magnetischen Fluß 1 Weber (Wb) umschlingt.
I Henry (H) =1 Weber/Ampere= 1 Vs/A. In der Praxis sind auch kleinere Ein­
heiten üblich.

1 mH=1 Millihenry = w-a H,


1 tJ.H = 1 Mikrohenry = 10-6 H,
1 nH =1 Nanohenry =10-9 H;
veraltet dagegen ist die Bezeichnung

1 cm=1 nH = 1o-a 11-H= 10-6 mH= 10-9 H.


Als allgemeine Beziehung zur Ermittlung der Induktivität gilt

(2.89.)

L in Henry.

Der magnetische Widerstand Rm errechnet sich wie folgt:

I
Rm =/.t-_q ; (2.90.)

Rm in H-t, I - Länge des Kraftlinienwegs in cm, !J. - absolute Permeabilität in


H/cm, q - Querschnitt des Kraftlinienwegs in cm2•

104
Die absolute Permeabilität ist keine Konstante, sondern hängt von dem verwen­
deten magnetischen Material ab. Für magnetische Materialien gibt man di,e rela­
tive Permeabilität f-'.,.1 an. Es ist deshalb mit der Permeabilität des V akuums !J.o

H H
11·o = 1 256 . w-s """ 0 4. n. to-s (2.91.)
r
- ­

' cm ' cm
und damit

[J.=!J.o•!J.rcl• (2.92.)

In der Technik benutzt man den reziproken Wert des magnetischen Widerstands
Rm, der die Bezeichnung ArWert hat.

(2.93.)

A1 in H, sehr oft auch in nH.


Als gespeicherte Energie im Magnetfeld gilt

L. I2
Wma = -- (2.94.)
2

Wma in Ws, D in H, I in A.
Die Kraft, mit der eine ferromagnetische Fläche zum Nichtferromagnetikum
gezogen wird, ist

(2.95.)

N in kp, Bin Gauß (G), q in cm2•


Es ist zweckmäßig, in diesem Zusammenhang noch einige magnetische Größen zu
erwähnen.
Die magnetische Feldstärke u ist die das magnetische Feld kennzeichnende Span­
nungsgröße. Als Einheit der Feldstärke galt früher das Oersted entsprechend
1 Oe"" 0,8 Aw/cm (Amperewindungen/cm). Gegenwärtig ist 1 Oe = 75,5775 A/m.
Die magnetische Induktion unterscheidet sich durch die Permeabilität von der
Feldstärke, denn es ist

I j5 "=' Ure! • U I; (2.96.)

j5 in Gauß, u in Oe.
Vs
Es ist 1 Gauß = 1 G = w-• = w-� (Tesla).
cm J
Trägt man in Abhängigkeit von u die Induktion auf, so erhält man die Magneti­
sierungskurve (Hysteresekurve) nach Bild 2.31. Nichtmagnetische Stoffe haben
eine Gerade als Magnetisierungskurve (z. B. Luft). Gemäß Bild 2.31. nennt man

für u =0 58r = Remanenz,


für 58 = 0 uc = Koerzitivkraft.

Schlanke Kurven interpretieren allgemein Weicheisen, breite Kurven Stahllegie­


rungen (z. B. Permanentmagnete).

105
H

Bild 2.31.

Die Induktivität eines Leiters gegen leitende Fläche ist

2
L = 2 • I· In ( ;) • to-a; (2.97.)

L in fLH, I - Länge des Leiters in cm, h - Höhe über der Fläche in cm, r - Radius
des Leiters, In - natürlicher Logarithmus.
Als Induktivität des Koaxialkabels (Bild 2.20.) ergibt sich

L = 2 · l· In ( �) to-a; (2.98.)

L in fLH, D - Durchmesser des Außenleiters in cm, d - Durchmesser des Innen­


leiters in cm, I- Länge des Kabels in cm (Diagramm 2.5.).
Die Induktivität einer Doppelleitung (Bild 2.21.) errechnet sich zu

2
L = 4 · l· In ( f) l0-3; (2.99.)

L in fLH, D - Leiterabstand in cm, d - Leiterdurchmesser in cm, I - Länge des


Kabels in cm (Diagramm 2.5.).
Die Induktivität einer Ringspule (Bild 2.32.) ist

w2
L = 4 . TC • r
II. • F -- I0-3•' (2.100.)
[

Bild 2.32.

106
Bild 2.33.

L in [l.H, w - Windungszahl, f1. - absolute Permeabilität des verwendeten magne­


tischen Materials, F- von Kraftlinien durchsetzte Fläche in· cm2, I - mittlerer
Kraftlinienweg in cm.
Als Induktivität einer Spule mit rechteckigem Querschnitt (Bild 2.33.) hat man

L = 8 (b + c) w2k 10-·; (2.101.)

L in [l.H, c- Höhe in cm, b- Breite in cm, 1- Länge in cm, k- Faktor (Bild 2.34.).
Die Induktivität einer einlagigen Zylinderspule (Bild 2.34.) ergibt sich mit

w2D2
L ; (2.102.)
= 100 · I+ 45D

I> 0,3D; L in [l.H, I - Spulenlänge in cm, D - Spulendurchmesser in cm (auch


Diagramm 2.6.).
Die Induktivität von Massekernspulen (HF-Eisenkernspulen) errechnet man mit

L = w2 • A�o w =

V! ;
(2.103.)

L in [l.H, A1 in [l.H.

E_:--1
· 1
/(

7,0

0,8
r. • • .r

0,2
Bild 2.34.
0

107
An Stelle des AI-Werts findet man wahrscheinlich noch den Kernfaktor

(2.104.)

Kennt man von einem HF-Eisenkern den Kernfaktor bzw. ArWert nicht, so
wickelt man die Spule mit 100 Wdg. und mißt die Induktivität in tLH (Dia­
gramm 2.7.). Mit nachstehender Formel läßt sich dann K berechnen

(2.105.)

Die Induktivität von in Reihe geschalteten Spulen ohne gegenseitige magnetische


Beeinflussung (Bild 2.35.) ergibt sich wie folgt:

Lges = L1 + 4. + · · · + Ln• (2.106.)

Die Induktivität von parallelgeschalteten Spulen (Bild 2.36.) beträgt

1 1 1 1
--+-+ ··· +-· (2.107.)
Lges - L1 Lz Ln '
-

existieren nur L1 und L2, so ist

(2.108.)

Beim Variometer hat man Spulen mit gegenseitiger magnetischer Beeinflussung.


Reihenschaltung der Spulen ergibt

(2.109.)

Parallelschaltung dagegen

2
L1 Lz- M
L

(2.110.)
p = L1 + L2 ± 2 M ;

M - Gegeninduktivität.
Das Pluszeichen gilt für gleichgerichtete magnetische Felder, das Minuszeichen
entsprechend für entgegengesetzte magnetische Felder. Für M ergibt sich

M= kYL1• L,. (2.111.)

L1

-E3
L1 L2

� Bild2.35. Bild2.36.
Lges L2

108
r-----,

Bild 2.37.
f
E
Bild 2.38.

Mit k bezeichnet man den Kopplungsfaktor, der stets < 1 ist. Die Bestimmung von
k ist nach Bild 2.37. möglich.

Lmin = L" = LI + � - 2M;


(2.112.)
Lmax = L' = L. + � + 2M.

Daraus ergibt sich

L'-L"
M= ,
4
(2.113.)
L' -L"
k = - .

4 YL1 · Lz

Schließt man eine Induktivität nach Bild 2.38. in einen Gleichstromkreis, so ver­
leiht diese dem Strom bestimmte Trägheitseigenschl!ften. Es treten ähnliche Ver­
hältnisse auf wie beim Kondensator. Ist der Innenwiderstand der Stromquelle
wesentlich geringer als RL, dann muß mit RL gerechnet werden (Einschaltvorgang).

ie = :i: (1 - e
-
I�) ; (2.114.)

i in A, E in V, t in s, •L in s.
Die Zeitkonstante, als äquivalente Größe des Kondensators, ist

EI]; (2.115.)

•L in s, L in H, R in 0.
Öffnet man Schalter S und schließt Schalter K beim Ausschaltvorgang im gleichen
Augenblick, so ist

(2.116.)

Da R; des Generators infolge der Voraussetzung R; <( RL nicht berücksichtigt


wurde, sind Ein- und Ausschaltzeitkonstante gleich. Die Halbwertzeit beträgt
ebenfalls •II = 0,7-r.

109
Die induzierte Spannung in einer Spule ist

di
Bind=- Ldt· (2.117.)

Man kann also eine um so höhere Induktionsspannung erwarten, je höher der in


einer bestimmten Zeiteinheit sich ändernde Strom ist, je größer die Induktivität L
und je kleiner die zeitliche Änderung des- Stromes werden. Beim Anlegen von
Wechselspannung an eine Spule hängt der Strom von der Höhe der Spannung, der
Induktivität und der Frequenz ab.

Die Spule im Wechselstromkreis

Bei einer idealen Spule treten keine Verluste auf. Legt man an eine solche Spule
eine Wechselspannung, so ist der durch die Spule fließende Wechselstrom von
ihrem induktiven Widerstand abhängig. Da keine Verluste auftreten, verursacht
der fließende Strom keine Erwärmung, oder, anders gesagt, die Spule hat einen
Blindwiderstand. Er wird berechnet mit

(2.118.)

RL in n, /in Hz, L in H.
Der Widerstand ist also proportional der Frequenz und der Induktivität. Mit
steigender Frequenz wird auch RL steigen. In der Praxis allerdings kann gerade
eine Spule nicht als verlustfrei angesehen werden; wobei eine solche Feststellung
nur im Zusammenhang niit der betreffenden Schaltung getroffen werden darf.
Der Verlustwiderstand der Spule liegt - gedacht -parallel (hochohmig) oder in
Reihe zur Spule (niederohmig). Bild 2.39. zeigt die Möglichkeiten für dasAuftreten
des Verlustwiderstands. Allgemein ist dieser Verlustwiderstand größer als bei
Kondensatoren. Er setzt sich vor allem zusammen aus dem Einfluß des Skin­
Effekts und den magnetischen Eigenschaften des HF-Eisens.
Der Verlustwinkel der Spule beträgt

(2.119.)

(JL Bild 2.39.

110
'·!)
Rp
RV
L
1,0

fu � Bild 2.40.
f,
••

Beide Widerstände sind verknüpft durch die Beziehung

(2.120.)

Der reziproke Wert von dL wird als Spulengüte bezeichnet;

(2.121.)

QL läßt sich mit den Mitteln des Amateurs relativ leicht bestimmen. Bild 2.40. zeigt
die entsprechende Meßschaltung. Danach schaltet man die zu ·untersuchende
Spule mit einem Luftdrehkondensator zu einem Parallelschwingkreis zusammen
und koppelt sowohl den HF-Generator als auch das Röhrenvoltmeter schwach an
den Kreis an. Durch Varüeren der Generatorfrequenz werden, ausgehend von der
Resonanzfrequenz (Erklärung später) des Meßkreises, die Frequenzen (die den
0, 707fachen Maximalwert am Röhrenvoltmeter ergeben) registriert. Die Differenz
dieser beiden Frequenzen ergibtfo - Iu = b =Bandbreite. Diese Differenz ist ein
direktes Maß für die Güte der Spule, denn es gilt

(2.122.)

Auch bei fester Generatorfrequenz läßt sich durch den geeichten Drehkonden­
sator mit der Kapazitätsänderung QL ermitteln;

2Cres
QL (2.123 .)
= •

!::.C
.

Besonders bei HF-Spulen ist die Eigenkapazität der Spule zu berücksichtigen.


Entfällt gemäß Bild 2.40. die Drehkondensatorkapazität und variiert man die
Generatorfrequenz, bis man Resonanz feststellt, dann ergibt sich mit einiger Nähe­
rung für die Eigenkapazität der Spule

1
Cei
=

w2L ; (2.124.)

C in F, f in Hz, L in H.

111
•jl�L
-'lwL
•••
Bild 2.41.
R R

Schaltet man eine Induktivität mit einem ohmseben Widerstand in Reihe, dann
ergibt sich (wenn der Verlustwiderstand der Spule vernachlässigt werden darf) für
den Betrag des Scheinwiderstands:

(2.125.)

und Itir den Phasenwinkel (Bild 2.41.)

tanrp =-r;
wL (2.126.)

R in 0, f in Hz, L in H.
Bei Parallelschaltung von Widerstand und Spule erhält man den Betrag des
Scheinwiderstands

Rsch _
Rva ·
wL (2.127.)
-
YR�a + (wLi
sowie den Phasenwinkel

R
rp = - � ·
tanm (2.128.)
wL'
Rin Q, /in Hz, L in H.
Bei einer idealen Induktivität eilt der Strom der Spannung um 90° nach. Infolge
des Verlustwiderstands oder eines zusätzlichen Widerstands beträgt die Phasen­
verschiebung weniger als 90°.

2.2.2.4. Netzdrossel und Transformator

Nachstehend werden einige Faustformeln zur Berechnung von Drosseln und


Transformatoren gegeben. Geht man bei der Ermittlung von Kenndaten einer
Drossel davon aus, daß im Luftspalt eine Induktion BL = 7 . w-� Vs/cm2 herr­
schen soll, eine Induktivität L vorhanden sein muß, die Luftspaltlänge o existiert
und der durch die Wicklung fließende Strom I ist, dann ergibt sich für die Win­
dungszahl
08 · o · B{
W =-'
(2.129.)
- I- -- ;

o in cm, BL nach Voraussetzung, I in A.

112
Der zu verwendende Eisenkern muß einen Eisenquerschnitt von

1,1Lb108
QFe (2.130.)
_

0,4 w2
-

(QFe in cm2, L in H)
aufweisen.
Setzt man eine Stromdichte von 2,5 A/mm2 für den Draht voraus, so ergibt sich
für seinen Durchmesser

d =0,1Yl. (2.131.)
Tabellenwerte für Transformatorkerre und Kupferlackdrähte sind der ein­
schlägigen Literatur zu entnehmen.
Bild 2.42. zeigt die Schaltung eines idealen Transformators. Er hat keine Verluste,
die Streuung ist 0, demnach wird keine Wirkleistung verbraucht, Verluste durch
Wirbelströme und Hysterese gibt es nicht, die Induktivitäten sind sehr groß. Aus
diesem Grund könnte man sagen:
-Die Leistungen werden ohne Verluste übertragen (P1 =P2);
- die Spannungen werden entsprechend dem Übersetzungsverhältnis übertragen
Up =ü· Us;

- die Ströme übertragen sich reziprok zum Übersetzungsverhältnis /p =�� ;


u
- die Widerstände übertragen sich mit dem Quadrat des Übersetzungsverhält-
Wt R1
msses

u =-,
•.

w u""2R2· =


Da aber in der Praxis die idealen Voraussetzungen für den Transformator nicht
vorkommen, weichen die wirklichen Verhältnisse (je nach Aufgabe des Transfor­
mators) von den genannten Merksätzen ab.

Faustformeln zur Berechnung von Transformatoren


Primärleistung - Pp =1,18 Ps (2.132.)
Up
Primärwindungszahl
-W
-38 (2.133.)
-QFe
-

Eisenquerschnitt - QFe =J/P; (2.134.)

Sekundärwindungszahl s
=42� (2.135.)
-W
Q Fe
Drahtdurchmesser -d =0,70 (2.136.)

Pp in VA, QFe in cm2, din mm, Ps-Summe der Sekundärleistungen in VA, Up


bzw. Us- Spannungen in V, I in A für eine Stromdichte von 2,5 A/mm2•

8 Amateurtechnik
R�rn��1m�
t[j w1
Bild 2.42.

113
Näherungsformeln für Ausgangstransformatoren o.ä.

Eisenquerschnitt (2.137.)

0Fe in cm2, P- zu übertragene Leistung in W, Iu -untere zu übertragene Fre­


quenz in Hz.

Luftspaltlänge c5 = 0,4 YQFeo (2.138.)

=
207Ra.
Primärinduktivität L ' (2.139.)
fu

L in H, Ra - Lastwiderstand oder z. B. Außenwiderstand der Endröhre in kQ.

Primärwindungszahl Wp = toa V 10L


QFe

0
(2.140.)

Sekundärwindungszahl w. = Wp V*; (2.141.)

RL - Schwingspulenwiderstand des Lautsprechers in kQ.

103P .
Anodenwechselstrom
I
a =
V Ra ' (2.142.)

gesamter Primärstrom (2.143.)

I_ - Anodengleichstrom der Röhre.

Sekundärstrom

hin mA.
h
=
V :L; (2.144.)

Drahtdurchmesser d = o,7YT; (2.145.)


din mm, /in A.
Aus Diagramm 2.8. bis Diagramm 2.11. kann man einige interessierende Größen
zum Transformator ersehen.

2.2.3. Beispiele zuR, L, C im Wechselstromkreis

Beisptel 2.8.

Ein Widerstand von 100 n soll aus Konstantandraht mit einem Querschnitt von
1 mm2 hergestellt werden. Wieviel m Draht benötigt man?

Lösung

Nach Tabelle 2.1. (s. S. 82) ergibt sich die spezifische Leitfähigkeit für Kon­
stantan von 2 m/Umm2• Mit " = 1/e und GI. (2.4.) ist die Länge
I = R · "· q = 100 2 1
· · =200m.

114
Beispiel 2.9.

Der Widerstand einer Magnetspule beträgt 5000 Q bei Zimmertemperatur. Nach


einstündigem Betrieb wurde eine Widerstandszunahme auf 5780 0 beobachtet.
Die Temperatur der Spule betrug dabei 60oc. Aus welchem Material besteht der
Spulendraht?

Lösung

Es gelangt GI. (2.8.) zur Anwendung.

= 5780 - 5000 390. w-s.


<X
=
t;oc
5000.40

Nach Tabelle 2.2. (s. S.97) ist das Material Kupfer.

Beispiel 2.10.

Ein Kondensator von 8 11-F wird auf eine Spannung von 500V aufgeladen. Der
Innenwiderstand eines Spannungsmessers, der parallel dem Kondensator liegt,
sei wesentlich hochohmiger als der Verlustwiderstand des Kondensators. Entfernt
man nun die Gleichspannung vom aufgeladenen Kondensator, so entlädt dieser
sich. Nach 50s wird eine Spannung von 250V erreicht. Wie groß ist der Verlust­
widerstand des Kondensators?

Lösung

Da die Spannung am Kondensator nach 50s auf den halben Maximalwert ge­
sunken ist, ergibt sich für die Halbwertzeit TH = 50s. Gemäß GI. (2. 67. ) wird die

Zeitkonstante •
=
g�' = 71,5s und R =

8
:!�-6 � 9 MQ.

Beispiel 2.11.

Durch ein Versehen hat ein Plattenkondensator von der Fläche F = 10cm2 zu­
sätzlich einen Luftspalt von 0,01 cm bekommen. Ein Dielektrikum von er = 4
von 0,1cm Dicke füllt sonst den ganzen Raum aus. Wie groß ist die Kapazität
mit dem zusätzlichen Luftspalt, und welche Größe hat sie ohne Luftspalt?

Lösung

8 6
Mit GI. (2.55.) ist C = �� !���
0
0
. 4
= 25 pF.

0 0886 4 10
Ohne zusätzlichen Spalt wird gemäß GI. (2.52.) C • 35,4 pF.
01
,
= · · =

Beispiel 2.12.

2 Spulen befinden sich in einem Schalenkern und sollen in Verbindung mit einer
Schwingkreiskapazität als Antenneneingangskreis dienen. Die lnduktivitäten

115
betragen L1 = 100 fl,H, L2 = 6 [LH. Durch Verkopplung der Spulen konnte
Lmax = 130 fl,H und Lmin = 110 (.I.H ermittelt werden. Welcher Kopplungsfaktor
liegt vor?

Lösung

Mit den Gl. (2.112.) und Gl. (2.113.) ergibt sich

k 130 - 110
0' 204 .
=

4l'1oo . 6

Beispiel 2.13.

Es soll eine Induktivität von L 200 fl,H mit einem Schalenkern, dessen A 1
=

= 36,5 · 10-3 fl,H beträgt, realisiert werden. Wieviel Windungen benötigt man

dazu?

Lösung

Mit Gl. (2.103.) ergibt sich

V
200
w = 74 Wdg.
36,5 . 10 3
=

Beispiel 2.14.

Welche Kapazität bildet ein Schaltdraht von 10 cm Länge, der in einem Abstand
von 0,5cm vom Chassis verläuft? Der Drahtdurchmesser beträgt D = 0,5 mm.

Lösung

0,24 · er 1 0,24 1 · 10
C
• ·

= 1,5pF
4· 0,5
=

4·h
log log
/) 5. 10-2

Beispiel 2.15.

Wie groß ist der Verlustwiderstand eines Papierkondensators als gedachter Parallel­
oder Serienwiderstand, wenn sein Verlustfaktor den Wert dc = 10-2 hat, die Kapa­
zität 5nF beträgt und die Frequenz 1 kHz ist?

Lösung

Dazu die Beziehung Gl. (2.74.)

1
R 3•18 MO.
=

p 10 2 • 6,28 · 103· 5. 10 9 =

Ferner ist der Reihenwiderstand

10-2
Rs = 319 n.
= 6,28. 103. 5. 10 9

116
Beispiel 2.16.

Eine HF-Spannung von 20 V ist so aufzuteilen, daß sich mit einem kapazitiven
Teiler eine Spannung von 0,5 V abnehmen läßt. Das Teilungsverhältnis ist offen-

bar �� = 40. Die resultierende Kapazität des Spannungsteilers habe 50 pF. Wie

groß sind die Teilkapazitäten?

Lösung

Aus GI. (2.88.) erhält man C1 = :��� = 51,3 pF.

c2 = 40 . 50 = 2000 pF.

Beispiel 2.17.

Eine Induktivität von 20 [J.H habe bei einer Frequenz von 3 MHz eine Güte von
120. Berechne den Reihen- und Parallelverlustwiderstand.

Lösung

Da QL =
dL , wird mit GI. (2.119.)

Rs
6,28 . 3 . 106 • 2 . w-s
3,14 n,
=
-� ----T20
" =

Rp = 6,28 · 3 · 106 • 2 · w-s · 120 = 45,2 kD.

Beispiel 2.18.

Welchen Wert hat der Scheinwiderstand einer Reihenschaltung von einer Kapazi­
tät mit 1 fl.F und einem Wirkwiderstand R 100 n, wenn die Betriebsfrequenz =

1kHz beträgt? Berechne ferner Wirk-, Schein- und Blindleistung bei einer an­
liegenden Spannung von 100 V.

Lösung

. GI . (2 . 79)
MIt ·
. ISt Rre1 . V �
� 1002 + ( 0 159

103. 10-6
)2 = 188 n.

Nach GI. (2.80.) wird tan q; = � !�� = � 1,59 � q; = -59°.

Der Scheinstrom beträgt

100
1 = = 0,532 A.
188

117
'Demzufolge hat man nach GI. (2.39.)

P. = 100 0,532=53,2 VA,


·

Pw=53, 2 • COS 59° = 27,5 W,


Pb=53,2 sin 59°= 45,6 VA.
·

2.2.4. Umwandlung von Reihenschaltung in Parallelschaltung


und umgekehrt

Hat man in einem Wechselstromkreis eine Reihenschaltung mehrerer komplexer


Widerstände, so kann man die Real- und Imaginärteile getrennt addieren;

�= �1 + � + 0 0 0 + !Rn

= (r1 ±jb1) + ··· + (rn ±jbn) (2.146.)

= rl ± r2 ± ... ± r n ± j (br + b2 + ... + bn).

Das Ergebnis der Addition ergibt wieder einen komplexen Widerstand �· = r'

± jb'. Eine Reihenschaltung aus Wirk- und Blindwiderstand kann man in eine
äquivalente Parallelschaltung umrechnen, d. h., an den Klemmen des komplexen
Reihen- oder Parallelwiderstands fällt die gleiche Spannung ab. Bild 2.43. verdeut­
licht die Beziehungen; es gelten folgende Gleichungen:

Mit I �= _!_ oder


g
1
r + jb= --.
g + JP
I (2.147.)

wird durch Umformung des komplexen Bruches (s. Abschnitt 1.)

g jp
r + jb = 2 - p2 (2.148.)
g +
·

Durch Vergleich von Real- und Imaginärteil auf beiden Seiten von GI. (2.148.)
wird
g P
r= - p2 b=- - _, (2.149.)
g2 + g2 + p2
__

Liegt dagegen eine Parallelschaltung vor, so gilt

r b
g= Y2 + b2 ' P=- 2 + 2 (2.150.)
r b •

Bild 2.43.

118
2.3. Schwingkreise und einige Anwendungen

Die Schwingkreise spielen in der Amateurtechnik eine große Rolle. Zunächst


werden einige grundsätzliche Beziehungen erläutert, anschließend aus der Vielzahl
von Anwendungen einige praktische Beispiele.

2.3.1. Reihenschwingkreis

Legt man an eine Reihenschaltung von L, Rund C eine Wechselspannung, wie


Bild 2.44. zeigt, dann fällt je nach Frequenz der Spannung eine den Wechselstrom­
widerständen gemäße Spannung ab. Eine derartige Anordnung heißt Reihen­
schwingkreis. Bei einer bestimmten Frequenz lres (das ist die Resonanzfrequenz
des Kreises) hat man eine um die Kreisgüte Q höhere Spannung an L und C. Des­
halb gilt
(2.151.)

Da die Spannungsabfälle an den Blindwiderständen entgegengesetzte Vorzeichen


haben, kompensieren sie sich bei Resonanz vollständig. Im Verlustwiderstand Rs
sind alle Verluste des Kreises enthalten;

d
Rs = d· COres L = - -; (2.152.)
rures C
-

R in !1,/in Hz, L in H, C in F.
Mit d = dL + dc sind die gesamten Verlustfaktoren des Kreises vereinigt. Sehr
oft ist aber mit guter Näherung d = dL. Für den Scheinwiderstand des Reihen­
schwingkreises erhält man

(2.153.)

R in f.l, L in H, C in F,/in Hz.


Aus dieser Gleichung erkennt man auch, welchen Wert R.ch annimmt, wenn die
Blindwiderstände von L und C gleich sind. Demnach ist dann Rsch = R.. Der
Phasenwinkel beträgt
1
wL -- -
roC
tan q:> = --R.=--- (2.154.)

Bild 2.44.
g Resonanzüberhöhung
=

119
Bild 2.45.

Bild 2.45. zeigt die Abhängigkeit des Phasenwink(!ls von der Frequenz. Deshalb
ist bei
1
wL wC� die Frequenz/� fres und cp ""' +90°;

1
wL < wC die Frequenz/<fres und cp""' -90°;

1
wL = wC die Frequenz I= lres und 'P.""' 0°;

1
wL wC R
- --- = 8 die Frequenz f = ± 7/res und cp ""' ±45°.

Aus L :c- läßt sich die Resonanzfrequenz feststellen;

(2.155.)

f in Hz, L
in H, C
in F.
Eine auf die Hochfrequenztechnik zugeschnittene Gleichung ist

159,2
hcs (2.156.)
VL C ;
= •

/in MHz, L
in [LH, C in pF.
In Verbindung mit GI. (2.153.) ergibt sich für den Strom im Resonanzkreis

Uges

(wL wC )2
I = - ===""'== c=;===:: (2.157.)
- 1
VR sz + -

Nimmt man in Abhängigkeit der Frequenz den fließenden Strom in einem Dia­
gramm auf, so ergibt sich eine Resonanzkurve, wie Bild 2.46. sie zeigt. Wie man
sieht, hat der Strom sein Maximum bei der Frequenzfr••. An den Stellen der Kurve
wo die Ströme den 0, 707fachen Maximalwert des Stromes haben, ist die sogenannte

120
]

Bild 2.46.
f

45°-Frequenz definiert. An diesen Punkten haben die Beträge der Blindwider­


stände von L und C den gleichen Wert.
Es wurde bereits erwähnt, daß man die Bandbreite ebenfalls zur Ermittlung des
Kreisverlustwiderstands verwenden kann. In Verbindung mit der Kreisgüte
Q = freslb ist R5 = w L/Q. Mit b = 2Llfbezeichnet man die absolute Bandbreite.
Wie die Formel zur Bestimmung der Resonanzfrequenz beim Serienschwingkreis
und die Bandbreitenformel gelten beide Beziehungen auch für den Parallelschwing­
kreis.

2.3.2. Parallelschwingkreis

In dieser Anordnung sind L, C und der Verlustwiderstand parallel (Rp) geschaltet


(Bild 2.47.). Es gibt auch die Möglichkeit, daß der Verlustwiderstand in Reihe mit
der Induktivität liegt (wobei man die Verluste im Kondensator vernachlässigt).
Vielfach rechnet man bei Parallelschaltungen mit Leitwerten, weil diese dann ad­
die�;t werden können. Der Scheinleitwert des Parallelschwingkreises ist

(2.158.)

·· Bekanntlich ist R = � , deshalb ergibt sich der Scheinwiderstand der Parallel­

schaltung mit

(2.159.)

R in n, f in Hz, L in H, C in F.

Bild 2.47.

121
Der Phasenwinkel ist in diesem Fall

tan tp = -Rp wC ( -; ) L
• (2.160.)

Bei Resonanz sind beide Blindwiderstände gleich groß.


1
WresL = --- ;
WresC
also (2.161.)
. 1
Wres =
YL C

Man sieht, es gelten beim Parallelschwingkreis die gleichen Berechnungsgrundsätze


wie beim Reihenschwingkreis. Bei Resonanz liegt die höchste Spannung am Kreis.
Die Ströme durch die Blindwiderstände sind um Q höher; demnach ist

Ic =h = Q·l. (2.162.)

Infolge der entgegengesetzten Vorzeichen bei den Blindwiderständen heben sich die
Spannungsabfälle auf, so daß bei Resonanz die höchste Spannung an Rp abfällt.
Diesen Effekt benutzt man vorwiegend in der Sender- und Empfängertechnik.
Eine oft verwendete Formel für den Resonanzwiderstand des Parallelschwing­
kreises ist (Verlustwiderstand der Spule als Reihenwiderstand)

(2.163.)

R in !1, L in F, C in F.
Weil die Höhe des Resonanzwiderstands von der Kreisgüte Q abhängt, kann man
auch schreiben /

Rres = WresL Q = • _Q
_ = Q
WresC
V L
C • (2.164.)

Ändert man bei der Resonanzfrequenz die Kapazität C, bis der 0,7fache Wert der
Maximalspannung am Kreis sich einstellt (z. B. mit dem Röhrenvoltmeter gemes­
sen), dann läßt sich auch der Resonanzwiderstand ermitteln, denn
1
Rres = ; (2.165.)
tl.Cwres

R in Q, /in Hz, C- Kapazitätsdifferenz zwischen dem C-Wert bei Resonanz und


dem 0,7fachen Maximalwert in f.
Die Bandbreite ist
fres.
r s· d =
b = Jrt· ' (2.166.)
Q
b in Hz, wenn f in Hz, b in MHz, wenn I in MHz.

122
Wird von einem Schwingkreis eine größere Bandbreite verlangt, als sie der Ver­
lustwiderstand des Kreises zuläßt, so kann man beispielsweise den Kreis durch
einen zusätzlichen Widerstand bedämpfen. Die Größe dieses Widerstands, der
parallel wirkt, ist
L
R'
P
= (2.167.)
C(Rz- �);

R in n, L in H, C in F, Rz- der mit der Spule in Reihe geschaltete Zusatzwider­


stand.

2.3.2.1. Empfängereingangskreis

Die von der Empfangsantenne aufgenommene Empfangsenergie gelangt über ein


Ankopplungssystem an den Eingangskreis des Empfängers. Optimale Empfangs­
verhältnisse erreicht man, wenn Abstimmung zwischen Antennen- und Eingangs­
kreis besteht. Des weiteren sollte Anpassung vorliegen. Gerade in den nieder­
frequenten Bändern lassen sich diese Bedingungen vielfach nicht verwirklichen,
etwa weil die Antenne nicht die erforderliche Länge hat bzw. weil sie infolge dau­
ernden Frequenzwechsels nicht in Resonanz mit der Empfangsfrequenz ist. Ver­
breitet sind die induktive und die kapazitive Antennenankopplung. Nach Bild 2.48.
wird für die induktive Ankopplung das Obersetzungsverhältnis

.. w2 Ug L
u =-=--=---· (2.168.)
W1 Uant M

Die Gegeninduktivität ist

M = kaYL • L8Jlt; (2.169.)

M in (l.H, wenn L in (l.H.


Der Kopplungsfaktor wird

(2.170.)

Zur Ermittlung des Kopplungsfaktors auf meßtechnischem Wege geht man ge­
mäß Bild 2.49. wie folgt vor:
-fBei geöffnetem Schalter der Antennenspule S wird die Resonanzfrequenz durch
Maximalausschlag am Röhrenvoltmeter (/)gemessen;

Bild 2.48.

123
Bild 2.49.

-anschließend mißt man die Resonanzfrequenz bei geschlossenem Schalter (/s);

- dann läßt sich ka berechnen, denn es wird

(2.171.)

Durch unterschiedliche Antennenlängen wird der Eingangskreis beeinflußt; denn


ist die Antennenlänge < A/4, so wirkt die Antenne kapazitiv.
An der Wicklung mit w1 ist mit Näherung die Parallelschaltung der Antennen­
kapazität Cant und des transformierten Widerstands wirksam.

1
R' (2.172.)
P
=
(R8 + R,.) w2C:nt

R in Q, /in Hz, C in F, R8- Strahlungswiderstand der Antenne, Rv- gesamter


Verlustwiderstand des Antennenkreises.
Der Eingangskreis wird verstimmt durch

(2.173.)

Des weiteren findet eine Bedämpfung durch

(!.174.)
statt.
Wenn die Antennenlänge gleich ').J4, dann besteht Resonanz des Antennen­
kreises. An w1 beträgt der Widerstand

Rant = Rs +Rv, (2.175.)


der sich auch mit dem Quadrat des Übersetzungsverhältnisses in den Eingangs­
kreis transformiert. Für optimale Anpassung gilt Rn = ü2 (R. + Rv) = R p.
Dabei ist
RresRe
R (2.176.)
p Rres +Re
=

In dieser Beziehung bedeutet Re - elektronischer Eingangswiderstand der Röhre,


Rres - Resonanzwiderstand des Kreises. Beträgt die Antennenlänge > A/4 (An­
tenne wirkt induktiv), dann entsteht eine induktive Verstimmung für den Eingangs-
·

kreis,
Lv = Ü2Lant, (2.177.)
und die bereits erwähnte Bedämpfung!

124
Bild 2.50.

Zur kapazitiven Ankopplung (Bild 2.50.) ist folgendes zu sagen. Es besteht auch
die Möglichkeit, die Antennenenergie am Fußpunkt des Eingangskreises ein­
zukoppeln. Jedoch ist diese Einkopplungsart bei den Funkamateuren sehr be­
liebt, weil, wie Bild 2.50. zeigt, durch Variation von Ck eine Dosierung (also Laut­
stärkeänderung) erfolgen kann. Aus der nachstehenden Beziehung wird aber klar,
daß infolge einer Änderung von C" die sich dem Eingangskreis parallelschaltende
Kapazität eine Verstimmung des Kreises bewirkt. Deshalb muß man die Ab­
stimmung des Kreises variabel gestalten oder nur eine Kapazitätsänderung zu­
lassen, die nicht spürbar wird. Für die dem Kreis sich parallelschaltende Kapazität
gilt
(2.178.)

Für die Bedämpfung ergibt sich

1
R ; (2.179.)
n =
(Rs + Rv)2 Ck2

R in n, F in Hz, C in F.
C" ist bei einfachen Empfängern zwischen 5 pF und 50 pF variabel, wobei die
Empfangsfrequenz natürlich mit zu berücksichtigen ist.

2.3.3. Beispiele zu den Kreisen

Beispiel 2.19.

Ein Reihenschwingkreis besteht aus einer Induktivität L 10 [J.H mit einer Güte
=

von 100 und aus einer Kapazität C 100 pF mit einem Verlustfaktor dc
= 10-a. =

Die am Kreis liegende Spannung ist U 10 V, die Frequenz f


= 5 MHz. Wie =

groß werden Strom sowie Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung;


welche Spannung fällt üb�r den Kondensator ab, welche Resonanzfrequenz er­
geben die Schwingkreisdaten, und wie groß ist die Bandbreite?

Lösung

Nach GI. (2.153.) ist


--
Rsch =
VR2: + ( wL- f�y
w
,

deshalb sind die Teilwiderstände zunächst zu bestimmen.


1 . 1
Für wL- -- 6 28 5 10610_5 -
= · · = 314- 319 = -5 Q.
wC
'
6,28 5 106 10 10 · · •

125
Man erkennt: Da die Differenz der beiden Blindwiderstände gering ist, liegt die
Betriebsfrequenz in großer Nähe der Resonanzfrequenz. Deshalb kann man für
den Verlustwiderstand der Spule schreiben

314
RL = roL = 3''14 [.! .
100
=

Der Verlustwiderstand des Kondensators ist

1 .
Re= roC- dc • = 0,319 il.

Damit wird der Gesamtverlustwiderstand des Kreises

R = RL +Re= 3,46 il.

Es besteht auch die Möglichkeit, R durch folgende Beziehung zu bestimmen, wenn


f= fres, aber trotzdem in Resonanznähe liegt;

Nun ist Rsch = f3,462 + ( -5)2 = 6,1 n.

Somit wird der Strom I = �.� = 1,64 A.

Der Winkel zwischen Strom und Spannung ist mit GI. (2.154.)

5
tan rp = - -1,44 und rp -55,2°.
3'46
= =

Danach ist der' Kreis kapazitiv, die Spannung eilt dem Strom nach. Für die Span­
nung am Kondensator wird

1
Uc = I roC = 1,64 · 3,19 = 523 V .

Demnach ist die Spannung a m Kondensator etwa 52mal höher als die angelegte
Spannung am Kreis. Für die Resonanzfrequenz ergibt sich

159•2
fres = = 5 '031 MHz.
YlO 100•

Beispiel 2.20.

Ermittle den Resonanzwiderstand eines Parallelschwingkreises, wenn bekannt


ist, daß I = 10 mH, C = 0,1 !J.F. Die Spule habe eine Güte von 200, der Konden­
sator einen Verlustfaktor von 10-2;

126
Lösung

Gemäß GI. (2.164.) ist

Rres = Qkr
V� � V� ; =

d =
w-2 + o,5. 10-2 = 1,5. w-2•
Somit beträgt

100 1 / w-2
Rres = 7 = 21,1 kO.
TI'
, V w-

Beispiel 2.21.

Ein Parallelschwingkreis soll bei lres = 30 MHz eine Bandbreite von 200 kHz
erhalten. Die verwendete Spule hat eine Induktivität von 1 !J.H und einen Verlust­
widerstand von 1 n. Die Schwingkreiskapazität ist zu ermitteln, damit Resonanz
eintritt (Verluste im Kondensator werden vernachlässigt), und der eventuell dem
Kreis parallelzuschaUende Widerstand, damit· die geforderte Bandbreite realisiert
wird.

Lösung

Nach GI. (2.156.) er�ibt sich für die Kapazität

(1,592 102) 2,53 10'


C = = = 2 8 11 F
·
·

fr.�v 900 ' P ·

Aus GI. (2.119.) erhält man den Verlustfaktor des Kreises, denn entsprechend der
Aufgabenstellung gibt es im Kondensator keine Verluste. Es ist deshalb

1
d=
189'

und mit GI. (2.166.) ergibt sich

b = 3
0 Hz
1 9
r:
= 159 kHz.

Daraus wird deutlich, daß die Bandbreite zu gering ist und daß man einen zusätz­
lichen Widerstand dem Kreis parallelschalteQ. muß, um die geforderte Bandbreite
zu erhalten. Für b =200 kHz ergibt sich rL = 1,26 Q [Umstellung von GI. (2.119.)].
Es ist nun noch GI. (2.167.) auszuwerten, indem man alle bekannten Werte ein-
setzt;
w-e
R ' = 136,4 kO.
p -2!f,2 . 10-12. (1,26 - 1,0) =

Diesen Wert schaltet man dem Kreis parallel, und damit ist die Bandbreite von
200 kHz realisiert.

127
2.4. Einige physikalische Zusammenhänge und Konstanten

2.4.1. Kraft, Wichte, Dichte, Arbeit und Leistung

Das Gewicht eines Körpers wird im technischen Maßsystem in kp (Kilopond) an­


gegeben. Dabei ist kp eine Kraft, mit der eine Masse von 1 kg auf der Erdoberfläche
auf die Unterlage drückt.

Aus dem Newtonsehen Bewegungsgesetz folgt

F= m ·a; (2.180.)

F in kp, m in kg, b - Beschleunigung in m/s2•


Hat man eine Masse von 1 kg, die der Erdbeschleunigung a = g= 9,81 m/s2
ausgesetzt ist, dann ergibt sich die Kraft von 1 kp.
Es ist 1 N= 9,81 kp (N = Newton).
Im physikalischen Maßsystem gilt

1 N= 0,102kp = 1 Dyn= l05dyn

Die Wichte (früher spezifisches Gewicht) eines Stoffes ist das Gewicht eines Vo­
lumens von 1 cm3 dieses Stoffes. Allgemein gilt

G
'Y= -·' (2.181.)
V

y- Wichte in pfcm3, G- Gewicht in p, V- Volumen in cm3• Für die sogenannte


Wichte, d.h. den Quotienten aus Schwerkraft und Volumen, sind in der Tafel der
gesetzlichen Einheiten keine Einheiten angegeben, da diese Größe entbehrlich ist.
Sie spielt lediglich bei der Angabe des Auftriebs (z. B. bei hydrostatischen Wä­
gungen) eine Rolle.
Wichte ist ein Produkt aus Dichte und Schwerebeschleunigung, also Dichte mal g,
und damit eine ortsabhängige Größe. Die sogenannten Wichtetafeln sind als
Dichtetafeln meist für 1 kg/dm3 berechnet. (Grundwissen des Ingenieurs, S. 27.)
Für die Masse ergibt sich

G
m= -
· (2.182.)
a
b
'

m in kg, Gin kp, g - Erdbeschleunigung in 9,81 m/s2•


Tabelle 2.3. gibt die Wichte einiger interessierender Stoffe an.

Die mechanische Arbeit ist als physikalische Größe das Produkt aus der Kraft F
und dem unter der Einwirkung dieser Kraft zurückgelegten Weg 1.

W=F·l; (2.183.)

W in kpm, F - Kraft in kp, I - Weg in m.

128"
Tabelle 2.3. Dichte von Materialien

Material in p/cm3 Dichte Material in p/cm3 Dichte


ein ein
g/cm2 gfcm3

Aluminium, reines 2,72 2,70 Nickel, gegossen 8,3 8,90


Asbest 2,1···2,8 Papier 0,7· ··1,15 0,7···1,2
Blei 11,34 Platin, gegossen 21,15 21,45
Braunkohle 1,2···1,5 1,2···1,4 Quarz 2,5···2,8 2,2
Bronze 8,6 8,7···8,9 Silber, gegossen 10,5
Flußstahl 7,86 7,85 Zink, gegossen 6,86 7,13
Gold, gegossen 19,25 19,3 Zinn, gegossen 7,28

Holz 0···1,2
Kork 0,24···0,35 0,2
Kupfer 8,7 8,92 Aceton bei 18°C 0,80
Leder 0,86···1,02 Äther bei 18°C 0,717
Messing 8,5···8,8 8,2···8,7 . Benzin bei 15°C 0,68···0,74

Es wurden bereits entsprechende Beziehungen im Zusammenhang mit der elek­


trischen Arbeit und Leistung gebracht. Trotzdem an dieser Stelle nochmals einige
Einheiten
1 kpm = 103 pm = 9,81 Nm

1 erg =1 dyncm = 1 J (Joule)

107 erg = 1 Ws (Wattsekunde) = 0,102 kpm

Bezieht man die Arbeit W auf die Zeit t, dann erhält man die Leistung P, also ist

w ·
P=- (2.184.)
t '

P in kpm/s, W in kp m, t - die für die Durchführung der Arbeit benötigte Zeit in s.


1 kpm/s =103 pm/s = 9,81 W = 2,34 cal/s = 0,0133 PS.
75 kpm/s = 1 PS

Potentielle Energie

Wpot = G · h; (2.185.)

Wpot in kpm, G in kp, h - Höhe in m.

Kinetische Energie

m· v2
wkin= - -; (2.186.)
2

wkin in kpm, m in kg f:; kps2/m, V - Geschwindigkeit in m/s.

9 Amateurtechnik 129
Gleichförmige Bewegung

I= V. t; (2.187.)

I in m, v in m/s, t in s.

Ungleichförmige Bewegung

a t2
I = --, =a
·

v · t; (2.188.)
2

I in m, a in m/s2, t in s, v - Endgeschwindigkeit in m/s. Für den freien Fall gilt


a = g ""' 9,81 m/s2•

Harmonische Bewegung

I= A sin wt; (2.189.)

I in m, A - Amplitude in m, w - Kreisfrequenz in 1/s, t in s.

Kreisförmige Bewegung

v = w · r; (2.190.)

v in m/s, w in 1/s, r - Kreisradius in m.

Tangentialbeschleunigung

(2.191.)

Zentrifugalkraft

mv2
Fzen =-­ (2.192.)
r

F in kp, m in kg, v - Geschwindigkeit auf der Kreisbahn, r in m.

2.4.2. Physikalische Konstanten

Allgemeine Gaskonstante R - 8,316 Ws· mol-1 • grd-1

Molvolumen bei VM - 22,42 dm3• mol-1

R
Boltzmann Konstante k = k- 1,380· 10-23 Ws· grd-1
T
Lochschmidtsche Zahl L - 6,024 · 1023 mol-1

130
Elementarladung e - 1,602 · 10-19 C

Ruhmasse eines Elektrons me - 9,108 · 10-31 kg

Ruhmasse eines Protons mp - 1,672 · 10-27 kg

Ruhmasse eines Neutrons mn - 1,675 • 10-27 kg

Elektronenradius ro - 2,82 · 10-15 m

Lichtgeschwindigkeit im Vakuum c - 299792 km. s-1

Permeabilität des Vakuums flo - 0,4n · 10-'· H/m

Dielektrizitätskonstante des Vakuums Bo - 8,86 · 10-12 F, m-1

Wellenwiderstand im freien Raum Zo - Vuo/Bo = 376,73 .Q


Faraday-Konstante F - 9,649 · 10' As/mol

Plancksches Wirkungsquantum h - 6,625 · w-3• Ws2

Temperatur des absoluten Nullpunkts - 273,16°C

Gravitationskonstante k - 6,670 · w-u N . m2 •


kg-2

Diagramme zu Abschnitt 2

X)<

Diagramm 2.1. Ohmsches Gesetz

Liegt an einem Widerstand von 100 kfl eine Spannung von 100 V, dann fließt durch ihn
ein Strom von 1 mA. Es wird also eine Leistung von 100 mW verbraucht. Der Schnitt­
punkt der Geraden und das Lot auf die Achsen geben die Werte an.

131
r-Leerlauf

0 1 2 3 4

Diagramm 2.2. Anpassungsverhältnisse

Für ein Verhältnis R8/Ri = 4 wird U/U1 = 0,8 und 1/Jk = 0,2. Deshalb ist die abfal­
lende Leistung P = UL • /k = 0,16.

...,.)..o-
'
��
v�j...o


II'
111

f-- --
f- -
�--f-- -
vp�s
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1 L.---:�
:: �j...o Ii

--:;;;;. [;'
v- ....c,...
.,. .
E/' I

"
II
IjA

Diagramm 2.3. Stromdichte bei Drähten

Beispiel: Bei einer vorgesehenen Stromdichte von 2 A/mm2 muß bei einem Stromfluß
von 100 mA der Draht einen Durchmesser von 0,27 nun haben.

132
75 7
I
I IJ
� 1/ II
<.,�
"'' j
70
-- 1--- �
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!-- - - V
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- -

� ....�
.. _.,./ � y S illI:!!.,....
......
I

� �,...�o- -� H" �
[ : II
t/Hz

Diagramm 2.4. Wirkwiderstandserhöhung

Beispiel: Gegenüber dem Widerstand R= eines Kupferdrahts mit dem Radius von 0,25 mm
hat derselbe Draht bei der Frequenz 3,5 MHz eine Zunahme des Widerstands um den
Faktor 3,6, bei 30 MHz dagegen um den Faktor 10,3.

Diagramm 2.5. Zeitkonstante

133
Abszisse: Widerstand in kil oder Mil. Ordinate links: Zeit in s; die eingeklammerten
Werte beziehen sich auf die eingeklammerten C-Werte. Die mit Stern versehenen Werte
gelten für die nichteingeklammerten C-Werte und die Widerstände in Mil. Ordinatenwerte
10-2 bis IO-t rechts geltim für Zeitkonstanten von lnduktivitäten. Beispiel: Ein Wider­
stand von 1 kil und eine Kapazität von 10 000 pF ergeben eine Zeitkonstante von 10 (LS.
Hat man dagegen eine Induktivität von 1 H, so ergibt sich mit 1 kil eine Zeitkon­
stante von 1 ms.
,

JO
K
20
t---r--.t-- I

.......
.......
10 ......

......
......
5
---....__ - ----
__
- - -- - - -1- - -�
"
I'\
L �
0j,
""
D·w2·xjcm--
\
1 70 - 2
-
10 7 l
7f
Diagramm 2.6. Zylinderspule

Beispiel: Zur Ermittlung des Formfaktors K muß man bei einer Wicklungslänge von
10 cm und einem Spulendurchmesser von 5 cm 1/D = 10/5 = 2 auf der Abszisse mit dem
Kurvenzug ein Lot fällen und dann zum Schnitt bringen. Es ist K = 4,2, mit der aus dem
Diagramm ersichtlichen Beziehung wird dann L = 5 · 100 · 4,2 = 2100 cm = 2,1 (LH.

134
w ""
� .......
V
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J>.("'�
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70 JJH
. , l,
111��
70JJH•1mH
3 *-
10 s•700mH
[1H) {lOH) L

Diagramm 2.7. Windungszahlen

Die A1-Werte müssen bekannt sein. Ist das nicht der Fall, so kann man sich einen
Überblick verschaffen, indem . man durch bekannte Windungszahlen und L-Messung
Rm = 1/A1 bestimmt und diese Werte dann auf die als Parameter angegebenen Werte
im Diagramm überträgt.
Beispiel: A1 = 70 · 10- 3 (.LH, eine Spule von 100 (.LH soll hergestellt werden. Es ergeben
sich 38 Wdg. Hat man dagegen A1 = 400 · 10-3 floH und möchte 1 H realisieren, so sind
die eingeklammerten Werte an den Achsen zu verwenden; damit ist w = 1600.

705
96 1.--
81f . . _...
!...--"
78
't 66 V i
J2. 60

.:_,lf8 I/... i
38 / I.
I
i
Diagramm 2.8. Typenleistung

Typenleistung = gesamte Sekundärleistung. Einweggleichrichtung 0,95 Psck• Zweiweg­


gleichrichtung 1,7 · Psck• Grätz-Gieichrichtung 1 · Psck·
Beispiel: Für eine Typenleistung von 25 VA erhält man aus dem Diagramm den Kern
E 84. Bei Zwischenwerten ist der nächsthöhere Kern zu verwenden.

135
Wp
7 1/
/ l.-1' /1/
..... 1/ // / 1.-1'

10z
� Ir"-""'�; vV/�-Gv
17 7 .m'< /
// / I"_Al/
V // /.V1/
1/ V
II
'

/'_h'-l
V
V vv.���� 10 700
Ii 1000

Diagramm 2.9. Spannung und Windungszahl

Für Windungszahlen auf der Sekundärseite ist der erhaltene Wert mit 1,12 zu multipli­
zieren. Beispiel: Für eine Primärspannung von 220 V benötigt man bei einem Eisenkern
E 60 930 Wdg. Für die gleiche Spannung wären also auf der Sekundärseite 1043 Wdg.
notwendig.

NjW
II
/��
/•1/ /
V/ II'
/1/ V 1/
<,.,''�� /V !I
V v ��
10° 1--- --1-- -
/1/ 7
I/�.���� ��o/
/ /
-�
� VV

1/ / I
/1/ V 1/ / I
// /[7 / i
�/y 1/ ....��
[7l/7
Ir/VI/ 70
i r;o 700
c
Diagramm 2.10. Verlustleistung einer Drossel

136
Der durch eine Eisenkerndrossel fließende Gleichstrom erwärmt diese. Es ist eine Über­
temperatur von 65°C zugelassen. Beispiel: Eine Eisenkerndrossel soll sich nicht mehr
als auf <K>°C Übertemperatur erwärmen. An der Drossel fällt eine Leistung von 1 W ab.
Ermittle den erforderlichen Eisenkern. Nach dem Diagramm ergibt der Schnittpunkt
beider gegebenen Werte den Punkt kleiner des Kernes Fe-E 38. Wenn man also einen
solchen Kern verwendet, sind alle Bedingungen gut erfüllt.

0 20 4-0 180

Diagramm 2.11. Kapazitätsänderung eines Drehkondensators

1. Kreisplattenschnitt, 2. wellengerader Plattenschnitt, 3. frequenzgerader Plattenschnitt,


4. logarithmischer Plattenschnitt.
Beispiel: Bei einem Drehwinkel von 80° ist die Kapazitätszunahme eines Kreisplatten­
kondensators gegenüber seiner Anfangskapazität um den Faktor 5 gestiegen, dagegen
beim logarithmischen Plattenschnitt nur um den Faktor 2,5.

I
Z/Q cjf{ Ljn,:: I\
250 700 7000
\

200 80 800
I
c � 11
/ Diagramm 2.12.
\
/
\
750 60 600 Kennwerte der Koaxialleitung
--- - II ,.
, /
Beispiel: Für einen Quotienten D/d = 10

0
-- --
-r ist der Wellenwiderstand Z etwa 138 0

d.l:�
'
(Wert kann man im Diagramm nur ab­
schätzen). Die Kapazität ist 25 pF/m, die

50 20 200
r---
:7.� - ...... -�! Induktivität 460 nH/m. Rechnet man

jV +�� V L/C
...
Z� = 136 n, so erhält man nahe­

0 0 0
7
V I
10 0/d
l 700 zu das gleiche Ergebnis.

137
ffOO

l/Q
V
500
IJ
/
400 I
1-- - -- - /
300

V
V I
i
I

200
l/
I
!
I

700 Diagramm 2.13.

[
Wellenwiderstand der Doppelleitung

D 70 700
Beispiel: Ein Verhältnis D/d = 10 bewirkt
den Wellenwiderstand Z = 360 n.

R/.fl

70Hz. 700Hz. 7kHz 70kHz. 700kHz. 7MHz 7011Hz 700!1Hz. 7000ffHz


Frequenz

Diagramm 2.14.

138
Diagramm 2.15.

Blindwiderstände und Frequenzen

Aus Diagramm 2.14. kann man überschlagsmäßig Blindwiderstände und Resonanz­


frequenzen sofort ablesen. Für genauere Betrachtungen ist Diagramm 2.15. mitzuver­
wenden. Diagramm 2.15. läßt sich in jedem Quadrat von Diagramm 2.14. einsetzen.

Beispiele:

-Welchen Blindwiderstand hat ein Kondensator von 1 nF bei 10 kHz? Dia­


gramm 2.14. ergibt als Schnittpunkt etwa 20 H1. Benutzt man Diagramm 2.15. mit,
so wird der Wert etwas geringer, nämlich etwa 16 kQ (die Ordinate von 16 muß
mit dem unter 45° Strich "1" links unten zum Schnitt gebracht werden).

139
-Bestimme den Blindwiderstand einer Spule von 1 [l.H bei 13,5 MHz. Diagramm 2.15.
wird in diesem Fall zweckmäßig sofort mitverwendet. Seine Abszisse ist logarithmisch
unterteilt. Die lnduktivitätswerte liegen rechtwinklig· zu den Kapazitäten. Man sieht,
"1" in der Mitte läßt sich nicht zum Schnitt mit der Frequenz bringen. Aus diesem
Grund kommt nur die obere "1"-Linie in BetraCht. Auf der Ordinate kann man 8,7
ablesen.

Es ist nun in Diagramm 2.14. das entsprechende Quadrat aufzusuchen. Dabei müssen
die Markierungslinien beider Quadrate von Diagramm 2.14. und Diagramm 2.15. über­
einstimmen. Also liegt der Blindwiderstand zwischen 10 D und 100 D. In Verbindung
mit 8,7 ist demnach RL::::::; 87 D.

- Ermittle den Blindwiderstand einer Kapazität von 10 pF bei 220 MHz. Nach Dia­
gramm 2.14. wird er etwas unter 100 DJiegen. Aus Diagramm 2.15. ist der Abszissen­
wert 2,2 nur mit "1" (10) zum Schnitt zu bringen. Der zugehörige Ordinatenwert
beträgt 7.
Deshalb ist Re � 70 D.

-Welche Resonanzfrequenz ergibt sich mit einem Kondensator von 75 pF und einer
Induktivität von 50 [l.H?
Nach Diagramm 2.14. wird die Frequenz zwischen 1 MHz bis 10 MHz liegen. Mit
Diagramm 2.15. erhält man den Schnittpunkt von 5 und 7,5 als Lot auf der Abszisse
mit 2,6 (logarithmische Teilung).
Danach beträgt die Resonanzfrequenz 2,6 MHz.

Literatur zu Abschnitt 2

Freitag, K.: Spulen und Übertrager, Lehrbriefe der TU Dresden

Frühauf, H.: Rundfunk-Siebschaltungen, Lehrbriefe der TU Dresden

Kammerloher, J.: Hochfrequenztechnik I, C. F. Wintersehe Verlagshandlung, Füssen

MeinkefGundlach: Taschenbuch der Hochfrequenztechnik, Springer Verlag Berlin,


Göttingen 1956

Padelt, E./Laporte, H.: Einheiten und Größenarten der Naturwissenschaften, VEB Fach­
buchverlag, Leipzig 1964

Schönfeld, H.: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Elektrotechnik, S. Hirzel-Verlag,


Leipzig 1�51

Zinke, 0.: Hochfrequenzmeßtechnik, S. Hirzel-Verlag, Leipzig 1947

140
10�
I
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1
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dB/� 'V No

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101
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_1/.� ! : !

oll"
10 0
10 20 30 lfO dB 50
1 2 3 lf Np 5
Diagramm 2.16. Dezibel- Neper

Beispiel: Ein Spannungsverhältnis von 100 ergibt 40 dB oder 4,6 Np; ein gleiches
Leistungsverhältnis dagegen 20 dB und 2,3 Np.
3. Verwendung von Elektronenröhren

Obgleich bei einer Reihe von Anwendungen der Transistor die Elektronenröhre
verdrängt hat, behauptet sich die Röhre gegenwärtig noch auf einigen Gebieten.
Aus diesem Grund dürfte auch heute eine konzentrierte Zusammenfassung ent­
sprechender Formeln den Funkamateur interessieren. Des weiteren kann er zahl­
reiche Beziehungen auch in der Transistortechnik verwenden. Weitere Erläute­
rungen (wie Ableitungen zur entsprechenden Problematik) sind der Fachliteratur
zu entnehmen.

3.1. Elektronenröhre als Verstärker

3.1.1. Allgemeine Gedanken zur Verstärkung

Die Barkhausensehe Röhrengleichung lautet:

(3.1.)

S - Steilheit in mA/V, Ri - Innenwiderstand der Röhre in kQ, D - Durchgriff,


eine dimensionslose Zahl.
Nach GI. (3.1.) kann bei Kenntnis von 2 Kenndaten einer Röhre die unbekannte
Größe festgestellt werden. Andererseits gibt es Meßgeräte, um die gewünschten
Größen zu ermitteln. Allgemein aber sind die Kenndaten durch Röhrenunterlagen
bekannt, bzw. man kann sie aus dem Kennlinienfeld feststellen. Mit Bild 3.'1. soll
die verstärkende Eigenschaft der Röhre nachgewiesen werden (das Bild stellt den
prinzipiellen Aufbau einer Verstärkerstufe dar). Beispielsweise legt man in der
Praxis oft Widerstand Rg an Masse, weil durch Spannungsabfall am Katoden­
widerstand über Rg die Gittervorspannung zugeführt wird. R:: muß mindestens so

Bild 3.1.

142
groß sein, daß möglichst keine Spannungsteilung mit ihm und dem kapazitiven
Widerstand des Kopplungskondensators Ck1 stattfindet. Zuweilen kann man den
höchsten Wert von Rg aus den Kenndaten der Röhre ablesen. Zur weiteren Er­
klärung wird hier und an anderer Stelle davon ausgegangen, daß die über Ck1
zugeführte Wechselspannung ug ilg sin wt eine Frequenz hat (in der Praxis
=

können das durchaus mehrere Frequenzen sein, deren Kurvenform oft bizarre
Gebilde ergibt). Es entsteht dabei eine Überlagerung mit der Gittergleichspannung
Ug. Der Momentanwert der Gitterspannung ist

llg = Ug + Ug· (3.2.)

Deshalb ergibt sich für den Momentanwert des Anodenstroms:

(3.3.)

Ia- Anodengleichstrom.
Den Anodengleichstrom stellt man mittels Ug ein (Arbeitspunkt). Außerdem sind
an dieser Einstellung die Anodengleichspannung Ua und bei Mehrgitterröhren ihre
Spannungen beteiligt. Der Anodenwechselstrom ia = Ia sin wt entsteht durch die
der Gittervorspannung überlagerte Wechselspannung. In Verbindung mit der
Speisespannung Us, der über den Außenwiderstand Ra zugeführten Anoden­
spannung Ua wird die momentane Anodenspannung

(3.4.)

wobei am Widerstand Ra die Wechselspannung

(3.5.)

abfällt. Aus dem negativen Vorzeichen erkennt man, daß Gitter- und Anoden­
wechselspannung um 180° phasenverschoben sind. Mit den Kenndaten der Röhre
ergibt sich der Anodenwechselstrom

(3.6.)

Der Quotient neben ug heißt dynamische Steilheit oder Arbeitssteilheit; für sie gilt

S
S' ; (3.7.)
= 1 + SDRa

S' ist kleiner als die statische Steilheit S. Infolge des hohen Innenwiderstands bei
Pentoden vereinfacht sich GI. (3.6.) in

(3.8.)

Ua kann man über einen Kondensator ck2 der nächsten Stufe zuführen.

143
Bild 3.2.

Das Verhältnis - u8/ Ug bezeichnet man als Verstärkung. Sie kann bei komplexem
Außenwiderstand ebenfalls komplex werden. Für den Betrag der Verstärkung gilt

V = :: = S'Ra =
(1
�Ra) • (3.9.)

R;

Bei großem R; (Pentoden) geht v über in

I v�S·Ra I· (3.10. )

Bei einer Vielzahl von Verstärkerstufen, die in Kaskade geschaltet sind, gilt

(3.11.)

Bild 3.2. zeigt Glie Verstärkung als Funktion von Ra/R;. Wie man sieht, strebt v

einem Endwert zu:

1
Vmax = = p,. (3.12.)
D

Bild 3.3. verdeutlicht die Ersatzschaltbilder für die Verstärkerröhre. Danach ergibt
sich für die Leerlaufspannung

u
UL __[_, (3.13.)
D
=-

Bild 3.3.

144
Der Kurzschlußstrom ist

iK = S · llg· (3.14.)
Zeichnet man in das Kennlinienfeld der Röhre (nach Bild 3.4. z. Z. das einer Pen­
tode) die Widerstandsgerade ein, dann lassen sich sämtliche interessierenden
Ströme und Spannungen ablesen. Die Gerade berührt auf der Abszisse Un, auf der
Ordinate Ia = Un/Ra. Außerdem schneidet sie den Arbeitspunkt. Ändert sich
R,, so ändert sich der Winkel y. Für ihn gilt

cot y = �: ; (3.15.)

cot y in kil, U in V, I in mA.


Extreme Lagen der Widerstandsgeraden sind: waagerecht (maximale Anoden­
wechselspannung), senkrecht (maximaler Anodenwechselstrom). Zur vollen Aus­
nutzung der Betriebsspannung verwendet man Übertrager und Spulen (da sie
praktisch keinen Gleichspannungsabfall haben). Es hat sich als zweckmäßig er­
wiesen, die Verstärker nach dem zu übertragenden Frequenzband und der abzu­
gebenden Leistung zu unterteilen. Verstärker, die ein schmales Frequenzband
übertragen, nennt man Selektivverstärker im Gegensatz zu den Breitbandverstär­
kern. Außerdem hat man NF-Leistungsverstärker und Senderverstärker.

3.1.2. Breitbandverstärker

In Bild 3.5. erkennt man den Stromlaufplan einer Breitbandverstärkerstufe. Man


kann auch Trioden dafür verwenden; in diesem Fall ist jedoch eine Pentode vor­
gesehen. U8 wird über Rvor und Ra zugeführt.

I
I
I
.l. c.
T"
I
Rgz1
I
I
J.. Bild 3.5.

10 Amateurtechnik 145
7,0
1
Vmot

Bild 3.6.

Hat man ein Frequenzband bis etwa 20 kHz zu übertragen, dann wählt man für
Ra bei Trioden 5 · Ri, bei Pentoden etwa 0,2Ri. Die Höhe von Ra beeinflußt den
Frequenzbereich, d. h., mit der Verstärkung eines breiteren Frequenzbereichs
sinkt Ra (damit auch v). Also besteht die Forderung nach immer steileren Röhren
als Breitbandverstärker. Ra und Ck führte zu der Bezeichnung RC- Verstärker.

Trägt man in Abhängigkeit der Frequenz die Verstärkung auf, dann ergibt sich
Bild 3. 6. Es läßt sich erkennen, daß v über einen größeren Frequenzbereich kon­
stant bleibt und erst bei 0,707vmnx abfällt. Damit sind die untere und die obere
Grenzfrequenz definiert. Sie dienen als Anhaltspunkte bei der Dimensionierung
derartiger Verstärker Uu bzw. /0). Es tritt auch eine Beeinflussung des Phasengangs
auf.
Die Kondensatoren Ck, CKa• C5;, Cg2 sowie die Widerstände Ra, Rvor. RKa. Rg2

können die untere Grenzfrequenz beeinflussen. Bei s hintereinander geschalteten


Stufen mit einem p-fachen Abfall der Gesamtverstärkung ergibt sich (für Dia­
.
gramm 3.1)
s_

Ck
160 . YP (3.16.)

rR'
Ju g1

Ct< in F, R in MO, /in Hz.


Damit bei Iu noch keine Gegenkopplungswirkung durch Cka auftritt, wird

4,73 1Q-l
CKa "'=' . 't(l
r + S'Rka)2 - 11
, ; (3.17.)
r . Rka
Ju
Cka in (LF, f in Hz, R in kQ.
S' geht für Ra � Ri in die statische Steilheit S über. Widerstand Rv or muß im
Hinblick auf /u folgenden Wert haben:

> 0 ,159
Rvo r (3.18.)
/u Csi
·

R in n, I in Hz, C in F.
Des weiteren gilt

Rvor =
R Ka'Ra·S; (3.19.)
Rvor in kQ, R in kQ, S in mA/V.

146
1?0'7 RiiZ
I
Ca :y:
I I
I "T" Rg :t:c�+CA
lk:n .J.
. ! .
I I
.J.. .J... Bild 3.7.

Mit Ug2 und Jg2 ist auch Rg2 bekannt. In Verbindung mit C2 gilt dann C2Rf!l = 1/J.."
woraus sich C2 feststellen läßt.
Zur Übertragung von fo muß man die Kapazität c. berücksichtigen, weil sie dem
Außenwiderstand parallel liegt. Nach Bild 3.7. hat man mit folgenden Kapazitäten
zu rechnen:

(3.20.)

Ca - Ausgangskapazität von Rö 1, Ce - Eingangskapazität von Rö2, Ce' - dy­


namische Kapazität von Rö2, Csch - Schaltkapazität (etwa5 pF). Für Ce' gilt

(3.21.)

Cga - Gitter-Anodenkapazität einer Röhre.


Ein mehrstufiger Verstärker mit Triodenbestückung ergibt sich für fo beip-fachem
Abfall
-
·

V
1- ypz8 ;
foTr � 0,159 (3.22.)
R; · c. · YP .

/in Hz, R in !1, C in F, s- Anzahl der Stufen.


Im Fall der Verwendung von Pentoden ist (Diagramm 3.2.)

r
JoPe -
_ 0,159 V1- V]i2 (3.23.)
s
Ra· Cs yP

I
.!. "
" T" "
s
I
.L Bild 3.8.

147
Rä1 CK LJt HöZ

I I
qz=t= Ra. C2...zc7:y:
I I
·"'· ·"· Bild 3.9.

Mit Rücksicht auf c. wird Ramit steigender Frequenz verringert, wobei natürlich
noch Verstärkung erzielt werden muß. Eine teilweise Kompensation von c. erreicht
man gemäß Anordnung Bild 3.8. Mit Berücksichtigung der gleichmäßigen Ver­
stärkung bis fo, bei der f!fo = 0,707 ist, ergibt sich
I" 0,159
(3.24.)
=

'
JO YLDCs
I in Hz, L in H, C in F;
= 0,159
Ra (3.25.)
foCs '
Ra in n, C in F, /in Hz;

0,25
LD
=

(3.26.)
fo2Cs '
L in H, C in F, /in Hz.
Eine noch bessere Kompensation erreicht man mit einem n-Glied (Bild 3.9.). Dabei
ist die Induktivität

_,8•10-2Ra.
L:rr- ' (3.27.)
fo
L in H, /in Hz, C in F.
Für den Außenwiderstand erhält man

(3.28.)

R in Q, C in F,/in Hz.
C1 bildet die Ausgangskapazität von Rö 1, des weiteren rechnet man C1 die halbe
Schaltkapazität hinzu. In C2 vereinigen sich Ce, Ce' sowie die andere Hälfte der
Schaltkapazität Die Güte der Spule soll > 20 sein.

3.1.3. Selektivverstärker mit Einzelkreis

lnfolge der Übertragung eines relativ schmalen Frequenzbands erreicht man mit
Selektivverstärkern eine sehr hohe Verstärkung. In der Schaltung Bild 3.10. be­
findet sich im Anodenkreis der Röhre der auf die Betriebsfrequenz abgestimmte
Schwingkreis. Er läßt sich sowohl mit einer veränderlichen Induktivität als auch
Kapazität auf die gewünschte Frequenz abstimmen (Grund- oder Oberwellen).

148
c

Bild 3.10.

Man erreicht brauchbare Verstärkungen bis in das UHF-Gebiet. Es besteht die


Möglichkeit, daß die Leerlaufgüte des Kreises durch parallele Verlustwiderstände
reduziert wird. Bekanntlich hat der Kreis im abgestimmten Zustand ohmseben
Charakter, dessen Wert durch

L Q
Rres = wL Qg"" = g �
C •r =
(3.29.)

wC

(Rinn, C in F, Lin H,/in Hz) gegeben ist. Beispielsweise kann man den Ein­
fluß des R; der Röhre reduzieren, 'indem man den Kreis anzapft oder Röhren mit
hohen R; benutzt (Pentode). Die Verstärkung beträgt

(3.30.)

z.B. S in mA/V, R in kf!.


Den Ausdruck f!' nennt man normierte Verstimmung; ihr Wert beträgt

!l. L
il' =2 w r '
. (3.31.)

L in H, f in Hz, r in il.
In dieser Beziehung ist r wieder der Verlustwiderstand der Spule und !l.w die Band­
breite des Kreises. Für sie läßt sich auch 2!l.f = lres/Q schreiben. Die Kreisgüte q
kann manjedoch nur dann einsetzen, wenn keine anderen Parallelwiderstände zum
Kreis parallel liegen. Bei Verwendung von HF-Pentoden vereinfacht sich GI. (3.30.)
in
SRr s
e =-
---=====
V :::>:: (3.32.)
fl + f!'Z

Variiert man Q', dann ergibt sich eineResonanzkurve(Bild 3.11.). Ist z.B. il' = ±1
so erhält man die obere und die untere Grenzfrequenz und somit die Bandbreite
26.f = fo - fu. Sind mehrere Stufen als Geradeausverstärker hintereinander-

149
0,707

L....
--- --'-- .1..---'- - --�� Bild 3.11.
-1 0 !l'

geschaltet, dann muß man die Güte der Kreise entsprechend auslegen, um be­
stimmte Bandbreiteforderungen zu realisieren;

(3.33.)

Q - Leerlaufgüte des Einzelkreises, s -


Anzahl der Stufen.

3.1.4. Selektivverstärker mit Bandfilter

Die Resonanzkurve eines Einzelkreises läuft weit außerhalb der Resonanzfrequenz


flach aus. Die Selektivitätseigenschaften eines solches Kreises sind demnach weit
entfernt von der idealen Durchlaßkurve (rechteckiger Verlauf, d. h. unendlich
steile Flanken). Eine Annäherung wird mit dem Bandfilter ermöglicht. Dabei
befinden sich im einfachsten Fall ein Kreis in der Anodenleitung der Vorröhre und
ein anderer Kreis am Gitter der folgenden Röhre, wie Bild 3.12. andeutet. Beide
Kreise sind induktiv oder kapazitiv gekoppelt.
Mittels versetzter Kreise erreicht man ebenfalls höhere Selektivitätseigenschaften;
darüber später mehr. Bild 3.13. zeigt Kopplungsmöglichkeiten 2kreisiger Band­
filter. Durch die Versteilerung der Flanken erhöht sich die Trennschärfe. Nachteilig
ist der Verlust an Verstärkung gegenüber einer Stufe mit Einzelkreis, da der Kopp­
lungsfaktor < 1 wird. Für ihn gilt bei der Anordnung (links in Bild 3.13.)

1 ,1
-
- C1
kc:::::: k rC1C2 :::::: C'; · (3.34.)
C

Bild 3.12.

+Uea

150
L

Bild 3.13.

In der rechten Anordnung wird

ck ck.
kc::::: --- :::::- (3.35.)
YC1C2 Ct

Voraussetzen muß man, daß die Kreise gleiche Eigenschaften aufweisen und daß
Pentoden verwendet werden. Die Kopplungskondensatoren haben stark unter­
schiedliche Werte. Bei induktiver Kopplung hat man

M M
k; 'ILI . L2
(3.36.)
T; ;
=
=

M - Gegeninduktivität.
Das relative Kopplungsmaß x = kQ läßt erkennen, welchen Verlauf die Durchlaß­
kurve des Filters hat. Einige charakteristische Werte läßt Bild 3.14. erkennen. Ist
x < 1, sagt man, es liegt unterkritische Kopplung vor; x = 1 bedeutet kritische
Kopplung, x > 1 überkritische Kopplung. Man hat folgende Verstärkung:

sl Rres
I ugi, Röi I z
(3.37.)

+

V
= Ugi, Rö2 = f(l + X2 - !}'2)2 4Q'2

S in mA/V, R in k!l.

151
Man erhält z. B. f"tir x = 1 und Lochmittenfrequenz (.0' = 0) eine Verstärkung
= 0,5S1Rres. Demnach ist
v halb so groß wie bei einer Stufe mit Einzelkreis. Mit
x > 1 treten Höckerfrequenzen auf. Sie liegen bei

ilfi = Yx2- 1. (3.38.)

Die Grenzfrequenz ist

n� = Y2 .Ofi. (3.39.)

Infolge x > 1 ergibt sich eine Einsattelung der Durchlaßkurve (Bild 3.14.). Bezeich­
net man den Grad der Einsattelung mit w in Neper, so läßt sich bei vorgegebenem w
das Kopplungsmaß ermitteln;

X= ew + Yelw- 1. (3.40.)

3.1.5. Beispiele zur all�emeineo Verstärkung

Beispiel 3.1.
Bei einem 2stufigen NP-Verstärker ist bei Iu 100Hz ein v/Vmax 0,707 zu­
= =

gelassen . Die Gitterableitwiderstände sind 0,8 M.O. Welchen Wert müssen die
Kopplungskondensatoren haben?

Lösung
Nach GI. (3.16.) ist

160
C = 1/0,707 ::::: 3 nF .
k 1oo · o,s Y1 - (0,707)

&ispiel 3.2.
Es ist der Wert des Außenwiderstands Ra zu bestimmen. Die Kapazität c. = 20 pF
beeinflußt den Frequenzgang des Verstärkers. Man möchte bis 1,5 MHz über­
tragen und dort einen Abfall von 0,707 zulassen, wobei eine Pentode als Röhre
·

verwendet wird:

Lösung
Es ist GI. (3.23.) nach Ra aufzulösen;

1,59 . 10-l Y1 - o, 5
R ::::: ' ::::: 3•5 k.O.
a 2 • 10 11 0,7 •1,5 ·10

Beispiel 3.3.
In einem Breitbandverstärker müssen Frequenzen bis 5,5 MHz verstärkt werden.
Die Kapazitäten sind mit C1 = 10 pF und C2 = 20 pF gegeben. Es soll ein n-Glied
verwendet werden; Ra und die Induktivität sind zu ermitteln.

152
Lösung

Mit GI. (3.28.) erhält man

0,159
Ra = 10 u 5 5. 106 964 n.
3
=
,

Aus GI. (3.27.) ergibt sich

8. 9,65
Ltr: 6 1 ,40 �-tH.
5,5. 10
= =

Beispiel 3.4.

Man bestimme den Verstärkungsunterschied zwischen einer Pentode und Triode.


Es werden gleiche Steilheit und gleicher Resonanzwiderstand vorausgesetzt. Die
normierte Verstimmung beträgt 0.

Lösung

Nach GI. (3.30.) ergibt sich die Verstärkung einer Triode, nach GI. (3.32.) mit
guter Näherung die einer Pentode. Demnach wird das Verhältnis beider Stufen

Die Verstärkung der Pentode ist etwa um Rres/R; höher als die der Triode.

Beispiel 3.5.

Welche Verstärkungen ergeben sich für einen Selektivverstärker mit Bandfilter


bei den Frequenzen !l' = 0 und n jl? Das Kopplungsmaß beträgt X = 1,5. Des

weiteren sind die Steilheit der Röhre S = 5 mA/V und Rr� = 20 k!l bekannt.

Lösung

Gemäß GI. (3.37.) ist


.
5 . 10-3 2 . 104 • 1 5
V=
1 + 2,25 ' ""='
46·

Aus GI. (3.3 8)


. erhält man 1,12. Diesen Wert setzt man für !l' in die obige Glei­
chung ein, und es wird
1•5
V= ""='50.
y (1 + 2 ,25 - 1,25)2 + 5

Infolge dieser größeren Verstärkung muß bei !l' = 0 eine geringe Einsattelung
vorhanden sein.

153
3.2. Leistungsverstärker

Leistungsverstärker sind Anordnungen, die Wechselstromleistung an einen ent­


sprechenden Verbraucher abgeben. Da die Verbraucherwiderstände oft nieder­
ohmig sind, hat man Anpassungsprobleme zu klären. Des weiteren steht oft die
Frage der Verzerrungsfreiheit. Es sollen nachstehend NF- und HF-Endverstärker
erläutert werden.

3.2.1. NF-Leistungsverstärker

Bild 3.15. zeigt den Stromlaufplan einer NF-Endstufe. Der Transformator paßt den
Lastwiderstand RB an den Außenwiderstand der Röhre an. Obgleich man optimale
Leistungsabgabe bei Ri = Ra hat, ist dieses Kriterium nicht allein ausschlaggebend,
weil besonders bei Lautsprecherlast die Verzerrungen berücksichtigt werden
müssen. BeiPentoden hat man deshalb Ra:::::: 0,15Ri. InBild 3.16. sind dieGrenzen
des Betriebs ftir eine Pentode angegeben; und zwar zunächst die maximale Anoden­
verlustleistung (Hyperbel mit QJ; ferner die Gittervorspannung von -1 V, da
kein Gitterstrom fließen darf, der eine zusätzliche Verformung derGitterspannungs­
amplitude bewirken würde. Schließlich hat man Durchgriffsverzerrungen durch
zu hohen Außenwiderstand. Arbeitspunkt A muß immer innerhalb des schraf-


'
n
Ral I
LJ
I
L-

Bild 3.15.

Bild 3.16.

154
fierten Feldes liegen. Symmetrische Aussteuerung ist erforderlich. Die mit F ge­
kennzeichnete Dreieckfläche entspricht der abgegebenen Wechselstromleistung
(P,_, = 1/4 · F). Arbeitspunkt A wird durch -Ug1, Ua und bei Mehrpolröhren
von ihren Elektrodenspannungen beeinflußt. Beim A-Verstärker ist der Stromfluß­
winkel 180° (Näheres s. Sendervcrstärker), d.h., es fließt Strom über die Halb­
periode der anliegenden Wechselspannung. Aus diesem Grund wird auch P _ = Qa.
Die Anodenverlustleistung ist in den Kenndaten angegeben. In Verbindung mit
dem bereits an anderer Stelle genannten Wirkungsgrad gilt auch in diesem Fall

P-
'YJ p
=----·
__
(3.41.)

Es lassen sich Werte bis 40% realisieren. Setzt man voraus, daß für die Über­
tragungsfrcquenzen Ra reell ist, dann erhält man mit z = Ra/Ri folgende Abhän­
gigkeit für die von der Röhre abgegebene Wechselstrornleistung:

(3.42.)

P in mW, S in mA/V, u - Spitzenspannung in V.


Infolge des Gleichstroms durch die Wicklung treten Schwierigkeiten bei der
Realisierung der erforderlichen Induktivität auf, denn sogar bei der niedrigsten
Übertragungsfrequenz muß der Blindwiderstand der Induktivität hochohmig
gegen Ra sein. Setzt man in GI. (3.42.) z = 1 ein (Triode), so ergibt sich die von
der Triode abgegebene Wechselstromleistung zu

a:s.
P-Tr- 87) ,
_

(3.43.)

P_ in mW.
Bei Pentoden setzt man z = 0,15 und erhält

u:s.
P-Pe
-2
= 5,7 ·
10 (3.44.)
-y) ,
P_ in mW.
Die Gitterwechselspannung für beide Röhrentypen wäre

' :::::: 2,83 1 I P-D P-D-


UgTr S
V --- ;
ugPe
,
:::::: 4,2
v --

S
·
(3.45.)

3.2.2. Verzerrungen

Legt man an den Eingang einer Übertragungseinrichtung eine unverzerrte Wechsel­


größe, so kann infolge von Nichtlinearitäten in der Einrichtung eine Verformung
der Wechselgröße auftreten. Zur Beurteilung einer derartigen Verzerrung hat man
den Klirrfaktor eingeführt; er ist das Verhältnis vom Effektivwert des Stromes

155
bzw. der Spannungen sämtlicher Oberwellen zum Effektivwert des Gesamtstroms
oder der Gesamtspannung

(3.46.)

Kv in%, U0 - Effektivwert der Grundwelle, U1···n - Effektivwerte der betrach­


teten Oberwelle.
Der Klirrfaktor läßt sich rechnerisch, grafisch oder meßtechnisch bestimmen. Zur
angenäherten Ermittlung des K bei Pentoden gilt etwa

u
Kv ::::: 12,5 • U.g ; (3.47.)
st
Kv in%.
Infolge des kleinen Durchgriffs bei Pentoden gilt für

(3.48.)

Ust in V, D2- Schirmgitterdurchgriff, Ug2- Schirmgitterspannung, Ug1 - Gitter­


vorspannung.
In diesem Zusammenhang sei noch auf 2 weitere Größen hingewiesen: Scheitel­
faktor
Scheitelwert i
(J= =- (3.49.)
Effektivwert I

und Formfaktor

,; Effektivwert I
(3.50.)
=

arithmetisches Mittel der Halbperiode = I ·

Sowohl I wie I erhält man bei beliebiger Kurvenform durch Integration. Im Fall
der Sinusschwingung ist I = 1,414; deshalb werden a = 1,414 und ,; = 1,11, da­
gegen bei reiner Rechteckschwingung a = 1 und ,; = 1.
Abschließend sei noch auf den Klirrkoeffizienten hingewiesen.

In .
kn= (3.51.)
'

'
f/12 +/22 +···+ In�+ ln2+1

n - n-te Oberwelle.

3.2.3. Gegenkopplung

Zur Herabsetzung der Verzerrungen in der Übertragungseinrichtung sowie zur


Erhöhung der Stabilität und zur Verminderung von Exemplarstreuungen eignet
sich die Gegenkopplung. Ihre Funktionsweise beruht darauf, daß man einen Teil
der Ausgangsgröße gegenphasig zur Eingangsgröße auf den Eingang zurückgibt.
Die nunmehr vorhandenen 2 Eingangsgrößen müssen ein bestimmtes Verhältnis

156
Bild 3.17.

zueinander haben, was sich im Gegenkopplungsgrad ausdrückt. Durch Gegen­


kopplung entsteht allerdings ein Verstärkungsverlust, doch kann man durch be­
sondere Schaltmaßnahmen eine Gegenkopplung für eine bestimmte Frequenz
einführen (sogenannte frequenzabhängige Gegenkopplung), oder man läßt die
Gegenkopplung amplitudenabhängig wirken.

3.2.3.1. Spannungs- und Stromgegenkopplung

Nach Bild 3.17. führt man bei der Spannungsgegenkopplung über den Widerstand
Rk einen Teil der Anodenwechselspannung auf das Gitter zurück. Der Konden­
sator Cg riegelt die Anodengleichspannung vom Gitter ab. Ihn kann man aller­
dings so dimensionieren, daß eine frequenzabhängige Gegenkopplung eintritt.
Der Gegenkopplungsgrad ist

Rg
g (3.52.)
Rg +Rk
=

Über den Kondensator Ck wirkt sich je nach Größe des Kondensators der Außen­
widerstand der Vorröhre auf g aus. Die Verstärkung verringert sich, so daß

V
V = (3.53.)
g Tl- vg
ist. Der Innenwiderstand ändert sich in

Ri
R· g -
--· (3.54.)
' - 1 + ug

Durch eine Änderung von Schaltung Bild 3.17. in Schaltung Bild 3.18. ergibt sich
die Stromgegenkopplung. Dabei e�gibt sich der Gegenkopplungsfaktor mit
' RKa
g (3.55.)
=
� ·

Die Verstärkung wird nun

v' ---
v .
= (3.56.)
g 1 + g'v

157
Bild 3.18.

Der Innenwiderstand ändert sich in

R;'g = R; + uRKa· (3.57.)

Für die Steilheit ergibt sich

S!.= S (3.58.)
b 1 + SRKa

3.2.4. Beispiele zu NF-Leistungsverstärkern

Beispiel 3.6.

Es sind die Gitterwechselspannungen für maximale Leistungsabgabe bei 1 Triode


und 1 Pentode zu ermitteln, wenn die Wechselstromleistung 4 W beträgt. Die
Triode habe eine Steilheit von 6 m.A/V und einen Durchgriff von 25 %, die Pen­
tode eine Steilheit von 10 mAJV und einen Durchgriff von 0,3 %.

Lösung
Nach GI. (3.45.) ist

' - 2' VNs-:l'Q-2


UgTr -
6
83 36 5 • 10 3
= ' V·'

ugpe 4 2 V-4 . 3 4,6


= '
10
= V.

Man erkennt den Vorteil des Betriebs mit einer Pentode; es läßt sich gegebenen­
falls 1 Stufe einsparen.

Beispiel 3. 7.

Eine Pentode habe eine Schirmgitterspannung von 250 V, der Durchgriff des
Schirmgitters betrage 4 %. Es soll festgestellt werden, welcher Klirrfaktor sich
ergibt, wenn Ug1 = - 5 V und fig = 3,5 V ist.

158
Lösung

Zunächst wird mit GI. (3.48.) die Steuerspannung berechnet;

Ust = 4 · 2,5 - 5 = 5 V.

Sodann ergibt sich mit Gl. (3.47.)

K = 12,5 · /
3
; = 8,75%.

Beispiel 3.8.

Durch eine Spannungsgegenkopplung reduziert sich die Verstärkung um 50%.


Ohne Gegenkopplung betrug sie v = 50. Welcher Gitterableitwiderstand muß vor­
handen sein, wenn Rk = 10 MO ist?

Lösung

Es ist GI. (3.53.) umzustellen;

V V- 25 -•
g =--g= -- =2·10. .
V Vg 50
• 25 •

Stellt man nun ebenfalls GI. (3.52.) um, dann ist

2
= g. Rg_ = 2. 10
R" =204 k O .
0 1- g 0,98

3.2.5. Senderverstärker

In der Senderendstufe muß die zugeführte Gleichstromleistung P _ (anodenseitig)


mit möglichst hohem Wirkungsgrad in eine Wechselstromleistung umgeformt
werden. Deshalb gilt auch in diesem Fall für den Wirkungsgrad TJ = P_fP_. Da
im Anodenkreis durch den Schwingkreis bei der Senderendstufe (auch Tankkreis
genannt) Verzerrungen teilweise kompensiert werden, kann man durch Aus­
steuerung bis weit in das Gitterstromgebiet wesentlich höhere Wechselstrom­
leistungen erzielen. Man benötigt deshalb Steuerleistung. Der verzerrte Anoden­
strom, dessen größter Momentanwert mit iasp bezeichnet sein soll, besteht aus dem
Gleichstromanteil Ia sowie aus den Grund- und Oberwellen der Frequenz der
Gitterwechselspannung.

3.2.5.1. Parameter des Anodenkreises

Infolge der gitterseitigen Aussteuerung bis in das Gitterstromgebiet ist der Anoden­
wechselstrom verzerrt (Bild 3.18.). Der Anodengleichstrom beträgt

la = iasp • 1p(0). (3. 59.)

159
Die Amplitude der Grundwelle des Anodenwechselstroms wird

Za = iasp 'h (6>), (3.60.)

Die Amplitude der ersten Oberwelle ergibt ,J>ich· zu

�a = iasp '/2 (6>). (3.61.)

Die Anteile sind Funktionen des Stromflußwinkels (Diagramm 3.3.). Dieser wird
allgemein als das Verhältnis der halben Zeit des Stromflusses zur gesamten Pe­
riodendauer bezeichnet. Beträgt diese also 360°, so hat man im

-- A-Betrieb 180° = e

- B-Betrieb 90° = 6>

- C-Betrieb < 90° = e

für den StromflußwinkeL Der Anodenstromflußwinkel ist größer als der Gitter­
stromflußwinkel, weil bereits bei negativen Gittervorspannungen ein Anoden­
strom fließt. Mit der Grenzlinie (Bild 3.19.) kann man den Leistungsinnenwider­
stand R1L bestimmen (vielfach ist er auch in den Kenndaten der Röhren enthalten).
Es gilt

(3.62.)

R in n, U in V, I in A.
Setzt man maximale Aussteuerung voraus, dann läßt sich die kleinste Restspannung
angeben mit

(3.63.)

__ ..... ---­
--
..... -
"....
/
I
---1!
I
I

Bild 3.19.
u

160
Mit ua bezeichnet man den Maximalwert der Anodenwechselspannung. Kennt
man R;L, Ra und ft (0), dann errechnet man

(3.64.)

In dieser Gleichung ist

' R;L
R (3.65.)
i = Jl0).

Da R;L vorhanden, kann die Betriebsspannung nicht voll ausgenutzt werden. Die
Spannungsausnutzung gibt einen Überblick:

(3.66.)

Den Anodenwechselstrom der Grundwelle berechnet man mit

(3.67.)

i in A, U in V, R in Q,
Die von der Röhre abgegebene Wechselstromleistung isf

I
U}R,.
P� = ; (3.68.)
2(R" + R;')2

P in W, U in V,
_ R in Q.
Das Verhältnis

(3.69.)

bezeichnet man als Stromaussteuerung. Die in der Röhre verbrauchte Anoden­


verlustleistung ergibt sich aus der Differenz der Leistungen:

Qa P_- P,..;_ (3.70.)


=

Deshalb muß im Betrieb stets Qa ::::::; Q,11n"x sein. Nachstehend ist der für eine
Senderstufe vorhandene theoretische Wirkungsgr�d angegeben:

Ra 1
. Jl0) h.
.
(3.71.)
'YJ = Ra+ R;' 21J!(0) = -f J.

Die Abhängigkeit des Wirkungsgrads läßt sich aus Diagramm 3.4. ablesen. Der
Katodenspitzenstrom ist eine wichtige Größe der Senclertechnik. Er darf nicht
überschritten werden, da sich dies ungünstig auf die Lebensdauer der Röhre
auswirkt.

11 Amateurtechnik 161
Bild 3.20.

Für den Katodenspitzenstrom gilt

l.asp =
1 ( )
V
2 2 8PR·L (3.72.)
Ua ± Ua -
ZRiL
j;(e)
i in A, U in V, R in Q.
Bild 3.20. zeigt das Ersatzschaltbild der Senderendstufe. Der Außenwiderstand Ra
setzt sich wie folgt zusammen:

RvRo
R
_
(3.73.)
a- Rv + R0

Rv stellt den
R0 ist der in den Anodenkreis transformierte Lastwiderstand, R8 •

Resonanzwiderstand des Anodenkreises dar (ohne Last). Die von der Röhre
abgegebene Leistung teilt sich auf; ein Teil verbleibt im Kreise und wird an Rv
verbraucht. Ist die im Tankkreis verbleibende Leistung pP _, so muß

Ra
RV = (3.74.)
p
haben. Rv läßt sich meßtechnisch und rechnerisch feststellen, wie bereits erläutert.
Leerlaufgüte und Betriebsgüte sind durch folgende Beziehung verbunden:

QB.
Q= p (3.75.)

Auf Grund der Verluste im Kreis verringert sich der Gesamtwirkungsgrad

1Jges=1J(l-p), p<l; (3 .7 6.)

p liegt oft bei 0,1.


Der Tankkreis soll nicht nur die gewünschte Frequenz auswählen, die Anpassung
des Lastwiderstands vornehmen, sondern auch möglichst die ungewollten Fre­
quenzen unterdrücken. Die Unterdrückung der Oberwellen aber erfordert ein
bestimmtes Verhältnis zwischen Außenwiderstand und Blindwiderstand der Tank­
kreiselemente und errechnet sich mit

V= !L = RawC. (3.77.)

Wählt man V ""' 8, dann ergibt sich für die Amplitude der 1. Oberwelle

Ua h(@)
0,666 (3.78.)

U2n "'=' •

V h{@) •

162
Um Rückwirkungen auf die Vorstufen, besonders aber auf die Oszillatorfrequenz,
zu vermeiden, vervielfacht man die Gitterwechselspannungsfrequenz im Anoden­
kreis. Üblich sind Verdopplung und Verdreifachung. Die Oberwellenamplitude
hat bei den Stromflußwinkeln

� (3.79.)

ein Maximum. Die Anodenwechselspannung ist dann

Una ias fn(0n) Ra S Ug ·fn(fan)Ra [1 - COS (0n)]. (3.80.)


=
p • • = •

Beispielsweise erhält man bei Verdopplung:

u2a = 0,14 S ug Ra;


· · · (3.81.)

u in V, S in mA/V, R in kil.

3.2.5.2. Parameter des Gitterkreises

Damit der geforderte Anodenstromflußwinkel gewährleistet ist, müssen Gittervor­


und Gitterwechselspannung in einem bestimmten Verhältnis stehen. Es werden
nachfolgend Angaeen bezüglich der Verwendung von Pentoden gebracht. In Ver­
bindung mit dem Kennlinienfeld läßt sich die positive Gitterspannung angeben,
die die Röhre bis zum größten Momentanwert las aussteuert. Ist Ug1 die Vor­
p
spannung und ug die Amplitude der Gitterwechselspannung, dann muß die in das
positive Gitterspannungsgebiet wirkende Spannung

(3.82.)
sein.
Mit der Schirmgitterspannung Ug2, dem Schirmgitterdurchgriff D2 und dem cos
des Stromflußwinkels werden

D2Ug2 + Ugk cose


Ugl
_
- (3.83.)
1 - cos e
·

u D2Ug2 + Ugk.
g
=
(3.84.)
1-cose •
Uin V.
Infolge des Gitterstroms wird eine Steuerleistung benötigt.

(3.85.)

Pst in W, �sp - größter Momentanwert des Gitterstroms.


In guter Näherung gilt

Pst""' figlg; (3.86.)


lg -- mittlerer Gitt�rstrom in A.

163
Die Gitterverlustleistung ist mit guter Näherung

Pg""' Ugk Ig; · (3.87. )

P in W, U in V, I in A.

3.2.5.3. Einige Näherungsbeziehungen der Senderendstufe

Um die Verhältnisse abschätzen zu können, sind einige Voraussetzungen erfor­


derlich:

- Die Anodenspannung ist vorgegeben; ·

-die Spannungsausnutzung soll 0,9 betragen;


-die zu erzeugende Wechselstromleistung ist vorgegeben;
- Lastwiderstand R3 wird optimal angepaßt;
-eine bestimmte Aussteuerung wird angenommen;
-der Kennlinienkoeffizient ist k .= 1 (geradlinige Kennlinie).

Der Außenwiderstand hat den Wert

0,405 U�
Ra= p
(3.88.)

Um die Vorteile höheren Wirkungsgrades denen möglichst geringer Treiber­


leistung anzunähern, wird mit e = 80° gerechnet. Dann beträgt der Anodenstrom

Ua
Ia 0•606 . (3.89.)
Ra + 2;üRiL .
=

Für die Gitterspannungen ergeben sich

3.2.6. Beispiele zur Senderendstufe

Beispiel 3.9.

Es sollen Wechselstromleistung P _, Außenwiderstand R8, Anodenstrom I.,


Anodenverlustleistung Q., Leerlaufgüte Q sowie äußerer Wirkungsgrad einer
Senderendstufe ermittelt werden. Gegeben sind G 60°, k = 1,5; Ua= 600 V,
=

iasp = 0,5 A, RiL = 200 Q, p = 0,1 sowie der Blindwiderstand der Induktivität
mit 250 n.

Lösung
Nach dem Diagramm für die Funktionen des Stromflußwinkels ist

!;_(0) = 0,35 und tp(0) = 0,1 8.

164
Mit GI. (3.65.) wrrd

R1' = ��� = 570 n.

Gemäß GI. (3.59.) und GI. (3.60.) ist

Ia = 0,18 · 0,5 = 0,09 A, (" = 0,35 • 0,5 = 0,172 A.

Durch Umstellung von GI. (3.67.) wird

600-98
Ra= ,tn 2930 n.
O
=
·

Deshalb ist mit GI. (3.68.)


2930
p,..._, 0,5 . 36. 10 2 = 43 w.
4

(3500)
=

Sollen die Verluste nicht mehr als 10% betragen, dann muß

2930
Rv = (),1- = 29,3 kU

groß sein. Die Leerlaufgüte ist nun

Die anodenseitige Eingangsleistung wird

P_ = 0,09 · 600 =54 W.

Für die Anodenverlustleistung ergibt sich

Qa =54- 43.

Den äußeren Wirkungsgrad errechnet man mit

43
'YJA = - 0,9 = 0,718,
54

Beispiel 3.10.

Wie groß ist die Amplitude der 1. Oberwelle am Tankkreis einer Senderendstufe,
wenn fia = 400 V, V= 10 und 0 60° bekannt sind. Welche Oberwellen­
=

spannung wäre bei 0 90° vorhanden?


=

Lösung

Zunächst sind die Funktionen aus Diagramm 3.4. zu ermitteln. Für 0 = 60° ist
J;_(B) = 0,391, fz(B) = 0,275.'

165
Für 90° ergibt sich.t;.(0) = 0,5,.fz(0) = 0,212. In Verbindung mit GI. (3.78.) wird
'

Uza = 0,666 • 40 • 0,708 = 18,85 V;

li2a = 0,666 • 40 · 423 = 11,3 V.

Man erkennt, daß infolge der größeren Verzerrungen bei kleinerem Stromfluß­
winkel die Oberwellenspannung steigt.

I 3.2.7. Anpassungsschaltungen des Tanl<kreises

Die von der Röhre erzeugte Wechselstromleistung muß möglichst verlustlos an


den Lastwiderstand RB übertragen werden. Als Kriterium richtiger Anpassung
gilt, daß geringster Anodenstrom bei größtem Laststrom vorhanden ist. Einige
der nachstehend aufgeführten Schaltungen setzen völlige Abstimmung des An­
tennenkreises voraus. Der Lastwiderstand wird transformiert in

(3.91.)

Es sind viele Anpassungsschaltungen entwickelt worden, sie unterscheiden sich im


Aufwand (mechanisch, elektrisch) sowie im Einsatz.

3.2.7.1. Induktiv-galvanische Kopplung

Zur induktiv-galvanischen Kopplung siehe Bild 3.21. Die Tankkreisspule hat An­
zapfungen je nach Höhe des Lastwiderstands, der allerdings völlig ohmseben
Charakter haben muß. Demnach muß der Antennenkreis abgestimmt sein. Ist
der Kopplungsfaktor k = 1, so gilt die Transformation

(3.92.)

mit ü w1/w2. Sind relativ große Unterschiede von RB zu erwarten, dann ist eine
=

entsprechende Nachstimmung des Tankkreises erforderlich. Bei der Schaltung


nach Bild 3.22. kommt man mit einer einzigen Anzapfung aus. 2 Kriterien sind zu
unterscheiden:
Ist RB < Ranp• dann beträgt die erforderliche Kapazität

1 Ran p - RB
C (3.93.)
___
=

roRanp 'V RB

Bild.J.2l.

166
Bild 3.22.

und die Induktivität

VRanp -RB
L
Ranp - RB RB
(3.94.)
=

C in F, L in H, f in Hz, R in 0.
Ist RB > Ranp• so ergibt sich für

_R
V
I RB -::-_Ranp
C= __
(3.95.)
w anp Ranp
und für

1
L Rano(RB-Ranp). (3.96.)
(l)
=-

Es ist zweckmäßig, beide Blindwiderstände variabel zu gestalten.

3.2.7.2. Induktive Auskopplung

Bild 3.23. zeigt die Wirkungsweise der induktiven Auskopplung. Unterschiedliche


niederohmige Lastwiderstände lassen sich durch Änderung der Koppelspule L2
jeweils anpassen. Auch in diesem Fall ist dann eine Nachstimmung des Tank­
kreises erforderlich. Für das Übersetzungsverhältnis gilt

U=-
.. 1 yr; -·
(3.97.)
k L
2
Die Transformation des Lastwiderstands in R0 ist

R0
=
� [RB + ro2�2 (1 _ k2)2); (3.98.)
RB
R in !l, L in H,Jin Hz, k liegt zwischen 0,5-0,8.

Bild 3.23.

167
Zur Feststellung von L2 geht man von einem vorgegebenen Kopplungsfaktor aus;

(3.99.)

L in H, R in Q, /g in Hz; sie ist die Frequenz der oberen Bandgrenze. Für L1 ergibt
sich
(3.100.)

L in H.

3.2.7.3. Kapazitive Auskopplung

Man verwendet kapazitiveAuskopplung bei derVariometerabstimmung(Bild 3.24.).


Die Kapazitäten berechnen sich mit

Cs =
5
. 05/, .
:
l/• g
lQ-l
" RB
, Ck = C5(ii- 1); (3.101.)

C in F, R in n, /g ist in diesem Fall die Frequenz der unteren Bandgrenze in Hz.

3.2.7.4. n-Glied

Das n-Glied, auch Collins-Filter genannt, hat bei KW- wie bei UKW-Amateuren
außerordentliche Popularität. Es wird häufig als Tankkreis und Abstimmkreis für
KW-Antennen (hauptsächlich stromgekoppelt) verwendet. Bild 3.25. zeigt die
Anordnung des Filters. Der Blindwiderstand der Induktivität muß folgenden
Wert haben:

XL;;;; YRoRB. (3.102.)

Mit Ro = aR s und b = V ( ��r a- (3.103.)

erhält man für


c. 1,59 · 102 ( a+ b ) (3.104.)
/·XL
=

(C in pF, X in kf.!, f in MHz)

Anode

:g;1· ih�
Bild 3.24.
+Uea

Bild 3.25.

168
und für

1 59 . 10
ck = , 2 (3.105 )
.
(t + b)
/·XL

(C in pF, X in kü,/in MHz).


Ein gebräuchlicher Wert für XL liegt bei 250 n (Diagramm 3.5.).

3.2.7.5. Serienresonanzkreis

Bei transistorisierten Endstufen ist RL � R8, d.h., zur Anpassung an die End­
stufe ist eine Abwärtstransformation erforderlich. Bild 3.26. zeigt die Anordnung.
Wie bereits in Kapitel 2. zur Umrechnung von Serien- und Parallelschaltung äqui­
valenter Schaltungen beschrieben, besteht der Grundgedanke darin, den An­
passungswiderstand der Antenne R8 in den Lastwiderstand der Transistorstufe zu
transformieren. Die zu C2 äquivalente Kapazität Cx habe den Blindwiderstand
Xcx· Daraus läßt sich C" ermitteln; denn es ist

1
c =--· (3.106.)
x wX cx

Der Blindwiderstand von C2 habe den Wert

1
c2 = -- · (3.107.)
wXcz

Mit der angenommenen Betriebsgüte von 10 wird die Induktivität L1

(3.108.)

Die Ermittlung von C1 erfolgt aus

1
Xc1 = XLt - Xcx und c�= - ; (3.109.)
W xCl

X in D, R in D, C in F, L in H, f in Hz.
Die Drossel Dr ist so auszulegen, daß Ausgangs- und Schaltkapazität des Tran­
sistors kompensiert werden.

Bild 3.26.

169
3.2.7.6. Ä./4-Transformator
Obgleich an anderer Stelle (bei den Leitungsproblemen) auf Möglichkeiten von
Leitungslängen zur Anpassung, Abstimmung usw. eingegangen wird, sei in diesem
Kapitel der A/4-Transformator erwähnt. Mit einer bestimmten Leitungslänge
kann man R8 in R0 transformieren; demnach ist Anpassung nur für eine be­
stimmte Frequenz möglich. Darin besteht auch der Grund, warum diese einfache
Transformation gewisse Einschränkungen bei der Anwendung bedingt. Wegen der
erforderlichen Leitungslänge verwendet man diesen Transformator vornehmlich
in den UHF-Bändern. Da die Betriebsfrequenz bekannt ist, kann man die Be­
triebswellenlänge leicht errechnen. Ein Viertel der Wellenlänge (elektrische Längele�)
muß in Verbindung mit dem Dielektrikum der Leitung er die erforderliche mecha­
nische Länge

I =
,�':!_
rer
(3.110.)

ergeben. Für diese Leitungslänge ist nun noch ein bestimmter Wellenwiderstand Z
notwendig, und zwar mit dem Wert

Z = VRB Ranp;• (3.111.)


z in n, Rinn.
Näheres zum Wellenwiderstand wird bei den Leitungsproblemen erörtert. Der
Anwendungsbereich des A/4-Transformators müßte noch weiter eingeschränkt
werden, wenn das entsprechende (für ein bestimmtes Z erforderliche) Kabel nicht
vorhanden ist. Bei symmetrischen Doppelleitungen ergibt sich ein größerer Spiel­
raum mit e, = 1.

3.2.8. Beispiele zur Auskopplung

Beispiel 3.11.
In einer induktiven Auskopplung betrage k 0,7. Es ist bei der oberen Band­
=

frequenz von
3,85 MHz der Lastwiderstand von 40 n anzupassen. Welchen Wert
muß die Kopplungsspule � haben?

Lösung
Durch Einsetzen der Werte in GI. (3.99.) wird
5·4·10-l
� 1•02 11-H.
3,85 105 0,51
=
= · •

Beispiel 3.12.
Der Tankkreis einer Senderendstufe ist in Variometerabstimmung ausgeführt.
Zur Anpassung des Lastwiderstands RB = 20 n in R0 = 4 kO soll eine kapazitive
Auskopplung dienen. Welchen Wert müssen die Kondensatoren haben, wenn die
Frequenz der unteren Bandgrenze 7 MHz beträgt?

170
Lösung

Mit GI. (3.92.) bestimmt man

ü = v: 4
= 14.14.

Nun gilt mit GI. (3.101.)


50 5 ·10-10
c. 4, .7 128 pF, Ck 128 (14,14 - 1) ""' 1681 pF .
1, 14 . 4
= = =

3.3. Modulation

In diesem Abschnitt werden lediglich die den Amateur interessierenden Modu­


lationsarten besprochen. Infolge der begrenzten Anwendung der Impulsmodu­
lation in der Amateurtechnik kann an dieser Stelle nicht auf diese bemerkenswerte
Modulationsart eingegangen werden.

3.3.1. Amplitudenmodulation

Zur Übertragung der niederfrequenten Signale auf drahtlosem Wege benötigt man
eine Trägerschwingung. Die Signale müssen die Trägerschwingung in gewünschter
Weise beeinflussen. So etwas wird prinzipiell mit Modulation bezeichnet. In der
Funkamateurtechnik wird die Amplitudenmodulation als älteste Art verwendet.
Im folgenden wird zur besseren Erklärung nur mit einer Signalfrequenz gearbeitet.
Im praktischen Betrieb kann man natürlich an Stelle dieser einen Frequenz mit
einem ganzen Spektrum rechnen. Die Zeitfunktion der amplitudenmodulierten ·

Schwingung mit sinusförmiger Signalfrequenz ist

I a(t) = A · cos wht (1 + m cos wnt) I· (3.112.)

Durch Ausmultiplizieren und Umformen ergibt sich:

A cos wht als Trägerschwingung,

m als obere Seitenfrequenz bzw. als Seitenband,


A 2 cos ( wh + wn) t wenn viele Frequenzen modulieren,

m
A 2cos (wh- w0) t als untere Seitenfrequenz, usw.

Die Amplitude A kann entweder der Strom ih oder die Spannung üh sein. Mißt man
z. B. den Antennenstrom, dann wird man ih zugrunde legen. Der Faktor m ist als
Modulationsgrad definiert;

(3.113.)

171
Bild 3.27.

Durch Anschluß eines Katodenstrahloszillografen an den Ausgang eines ampli­


tudenmodulierten Senders ergibt sich das Bild 3.27. Mißt man auf dem Bildschirm
die Strecken G und K, dann ist

(3.114.)

Durch eine Antennenstrommessung (beispielsweise mit einem geeigneten Thermo­


strommesser) zeigt sich, daß

In dieser Gleichung ist h der Antennenstrom in unmoduliertem Zustand, Imo der


in moduliertem Zustand (es wird dabei nur mit einer Niederfrequenz moduliert).
In Abhängigkeit von Imolh kann in Diagramm 3.6. Faktor m sofort abgelesen
werden. Durch Änderung der Spannung an der Elektrode einer Röhre (an der
auch die NP-Spannung beim Modulationsvorgang wirken kann) entsteht in Ab­
hängigkeit dieser Elektrodenspannung eine sogenannte Modulationskennlinie, wie
sie Bild 3.28. erkennen läßt. Man kann demnach nur bis zum Beginn der Krümmung
aussteuern. Die obere Krümmung setzt bei den einzelnen Gittermodulationsarten
früher ein als bei der Anodenmodulation. Die Amplituden der Seitenbänder
ergeben sich mit

m
(3.115.)
• • •

los = Zus = lh • 2 •

Allein sie sind maßgebend für die Auswertung der Information, d. h., ihre Größe
dient als Maßstab bei der Erfüllung bestimmter Forderungen. Zur Übertragung
der amplitudenmodulierten Schwingung müssen die Schwingkreise im Empfangs­
zug mindestens die Bandbreite 2/,, haben. 2 charakteristische Modulationsschal­
tungen sind nachstehend angegeben.

Bild 3.28.

172
C7·C2""-5000p

Bild 3.29.

3.3.1.1. Anoden-Schirmgittermodulation

Bild 3.29. zeigt den Stromlaufplan der Endstufe. Der Modulationstransformator


Tr 1 ermöglicht die Überlagerung der Anoden- und Schirmgittergleichspannung
mit der Modulationsspannung. Der Modulationsverstärker wird vom Widerstand

(3.116.)

belastet. R5 = Ua/Ia ist der Widerstand, mit dem die Stromversorgung belastet
wird. In ähnlicher Weise bildet Rg2 den gesamten Lastwiderstand des Schirm­
gitters. Die vom Modulationsverstärker aufzubringende Wechselstromleistung ist

(3.117.)

P-s - anodenseitige Sendereingangsleistung für m = 0.


Auf Grund der zusätzlichen Modulierung des Schirmgitters ergibt sich eine größere
Geradlinigkeit der Modulationskennlinie, was der Widerstand R� noch unter­
stützt. Man erreicht Modulationsgrade bis 100 %. Der Schirmgitte;- und Ableit­
kondensator ist so bemessen, daß er vornehmlich nur für die HF wirkt (also kaum
für die NF).
Durch den Modulationsvorgang ergibt sich die von der Senderendstufe abge­
gebene Leistung

(3.118.)

Pb - Trägerleistung (für m = 0).


Die Seitenbandleistung wird damit

(3.119.)

173
Durch den Modulationsvorgang findet eine zusätzliche Belastung der Senderöhre
statt. Die zulässige Anodenverlustleistung darf trotz des Modulationsvorganges
nicht überschritten werden. Man setzt deshalb die Anodenspannung herab. Die
anodenseitig von der Röhre aufgenommene Gleichstromleistung wird

I
2
Qamax
P' (3.120.)
'---
<eS - (1 - -
_

fJs) (2 m2)
+
'

Der Index s bezieht sich auf die Senderöhre.

3.3.1.2. Bremsgittermodulation

Bei einer Gittermodulation verringert sich die aufzubringende Modulationsleistung


und zugleich die Trägerleistung des Senders, weil eine Arbeitspunktverlagerung
notwendig ist. Für m = 0 wird die Trägerleistung 1/4 der Oberstrichleistung. Man
erreicht verzerrungsfreie Grade bis etwa 70 %. Bild 3.30. zeigt den Stromlaufplan
einer Modulationsstufe mit Bremsgittermodulation. Dabei wird die geringste
Modulationsleistung benötigt. Die Bremsgittergleichspannung muß so weit nega­
tiv vorgespannt werden, bis der Anodenwechselstrom der Senderendröhre (bzw.
die Anodenwechselspannung) halb so groß ist wie die Oberstrichwerte. Um die
Bremsgitterwechselspannung zu erhalten, die beim Modulationsvorgang durch­
. steuert, muß die Modulationsröhre auf ihren Außenwiderstand Ran arbeiten. Die
an ihm abfallende Modulationsspannung hat man so weit zu transformieren, daß
die Bremsgittergleichspannung möglichst unverzerrt durchmoduliert wird. Des­
halb gilt für das Übersetzungsverhältnis des Modulationstransformators

ü =Vm_Ugs; (3.121.)
Uan

Uan Amplitude der Anodenwechselspannung (Endröhre des Modulations­


verstärkers). Die modulierte HF bei der Bremsgittermodulation hat folgenden
Wert:
PI.J.o =P� 1 + ( �2); (3.122.)

der hochgestellte Strich gibt den Unterschied zur Anodenmodulation an.

Bild 3.30.

174
3.3.2. Einseitenbandmodulation

Aus GI. (3.119.) ist ersichtlich, daß sich für ein Seitenband 25% der Trägerleistung
ausnutzen lassen. Auf dieser Erkenntnis arbeitet die Einseitenbandq:10dulation
(ESB bzw. SSB). Sieht man von den Eigenschaften der Röhre ab (Kennlinie),
dann ergibt sich an der Antenne ein Leistungsgewinn um den Faktor 4 (6 dB). Da
sich auf der Empfangsseite die Bandbreite um den Faktor 2 verringert, müßte sich
optimal ein Gewinn um 3 dB realisieren lassen. Das bedeutet zusammen eine Zu­
nahme der S-Stufen am Empfangsort von etwa 2 oder eine Reichweitenzunahme
von etwa 4. Die aufzubringende Modulationsleistung ist sehr gering. Infolge der
begrenzten Eigenschaften des Tankkreises - nur die gewünschte Frequenz aus­
zusieben- muß man als Verstärkerstufe eine Linearendstufe vorsehen. Der Ama­
teur sollte diese Verhältnisse jedoch nicht überbewerten. Ähnliches läßt sich auch
von der Unterdrückung des Trägers und des nichtgewünschten Seitenbands sagen.
PEP ist die HF-Leistung bei Eintonmodulation, die sich ergibt, wenn dabei die
zulässigen Verzerrungen nicht überschritten werden. Sie entspricht demnach nahe­
zu der Oberstrichleistung der Linearendstufe. Der Wirkungsgrad ist

PoPEP
'IJPEP (3.123.)
=
PiPEP •

Er ist geringer als der im C-Betrieb. Ein Richtwert stellt 65% dar. Infolge der
sinusförmigen Hochfrequenz an RL kann man den Effektivwert mit y2 multi­
plizieren und erhält die Spitzenleistung 2PEP, d. h. 3dB höher als PEP.
Bei Sprachmodulation dürfen die großen Amplituden nur bis PEP aussteuern.
Durch den Dynamikumfang von 14,5 dB ist die mittlere HF-Leistung
PoPEP
-PHF""' ' (3 . 124 .)
28
Um die Möglichkeiten der SSB voll auszunutzen, muß der Dynamikumfang der
Modulation eingeschränkt werden; das hat eine höhere PHFzur Folge. Dafür gibt
es viele Schaltungen (Clippen, Kompression).
Mit dem Balance-Modulator kann man den Träger bei idealen Verhältnissen
unterdrücken. An seinem Ausgang hat man deshalb das Doppelseitenband (DSB)

(3.12,5.)

Es läßt sich mit dieser Modulation eine S-Stufe gewinnen. Jedoch ergeben sich
sehr hohe Forderungen beim Sender- und Empfängeroszillator. Bild 3.31. zeigt
l

Bild 3.31.

175
Bm

ESB

Bild 3.32.

Bm

den Stromlaufplan eines Balance-Modulators. In echter SSB folgt nun das Filter
zur Abtrennung des Dichtgewünschten Seitenbands usw. Bei der Phasenmethode
benötigt man 2 Balance-Modulatoren, wie Bild 3.32. zeigt. Auf weitere detaillierte
Beschreibungen muß verzichtet werden (s. FUNKAMATEUR, Heft 70, Seite 287/
288).

3.3.3. Frequenzmodulation

Sieht man von kommerziellen Anwendungen der Frequenzmodulation ab, dann


findet sie vornehmlich in der KW-Amateurtechnik als sogenannte Schmalband­
Frequenzmodulation Verwendung. In dieser Modulationsart wird im Rhythmus
der Niederfrequenz die Trägerfrequenz geändert. Der Modulationsvorgang ist im
Hinblick auf Verzerrungen unkritisch, weil Kennlinienkrümmungen kaum ein­
gehen. Man kann also bereits in den Vorstufen modulieren und benötigt deshalb
nur geringe Modulationsleistung.
Weitere Vorteile der Frequenzmodulation sind: Die Senderendstufe kann mit
Oberstrichleistung betrieben werden, das Signal/Rausch-Verhältnis beim Empfang
ist günstiger als bei Amplitudenmodulation; durch die Begrenzersturen im Emp­
fänger haben Störungen eine wesentlich geringere Wirkung. Durch den Modu­
lationsvorgang entstehen Seitenfrequenzen, die im Abstand fn entsprechend der
Höhe der Amplitude wiederkehren. Die benötigte Bandbreite wirkt sich be­
sonders bei Breithand-FM nachteilig aus. Aus diesem Grund arbeitet man mit
solchen Sendern im UKW-Gebiet. Bei der Schmalhand-FM kann man die außer­
halb ±/n liegenden Seitenfrequenzamplituden vernachlässigen. Aus Diagramm 3.7.
lassen sich in Abhängigkeit des Modulationsindex die Summen der Seitenfrequenz­
leistungen ablesen. Mit r/ = 0,5 ergeben sich ähnliche Empfangsergebnisse wie
bei den Gittermodulationen der AM. Man ist daher bemüht, im 2-m-Band die
Vorteile der FM durch einen höheren Modulationsindex auszunutzen. Für den
Modulationsindex ergibt sich

(3.126.)

176
Mit Ajwird der Frequenzhub bezeichnet, der Wert der Frequenzabweichung des
Trägers beim Modulationsvorgang. Die empfangsseitig benötigte Bandbreite
beträgt

I B = 2 /n (1 +
• 11') I· (3.127.)

Der Modulationsgrad m hat bei FM nur dann Bedeutung, wenn beim Modulations­
vorgang eine unbeabsichtigte AM hervorgerufen wird. Die Phasenmodulation
unterscheidet sich von der FM dadurch, daß die Nullphasenlage der Träger­
schwingung beeinflußt wird.
Phasenhub und Modulationsindex sind gleich (Aq; = r(). Die Veränderung der
Trägerphase findet in einer der Oszillatorstufe folgenden Stufe statt. Nachstehend
die Zeitfunktion beider Modulationsarten:

FM A(t) A cos (wht + r/ sin wnt) I '. (3.128.)

I
- =

PM - A(t) = A COS (wht + ßrp COS Wnt)

3.3.3.1. Schaltungen zur Frequenzmodulation

Eine in Amateurkreisen beliebte und einfache Schaltung (Jedermann-Modulation)


beruht darauf, daß parallel dem Oszillatorkreis eine Reihenschaltung von Konden­
sator und Diode erfolgt (Bild 3.33.). Durch die dem Diodenarbeitspunkt überlagerte
geringe NP-Amplitude erreicht man geringe Steilheitsänderungen. Sie bewirken
eine unterschiedliche Einflußnahme von CTr·

Rvor"" 70kQ
Rpot"'" 1kQ

Bild3.33.

Bild3.34.
C' =CRS
!Jf. 0,5fo ·C·R·!JS
Co

12 Amateurtechnik 177
Die auf den Kreis wirkende Kapazität ist

, 25 · 103Sl
CTr .., (3.129.)
fr.2
o CTr

C in pF, f in MHz, S A - Arbeitssteilheit in m.A/V.


Der Frequenzhub wird

ÄSA
6.f= fo (3.130.)

SA

Für größere Frequenzhübe haben sich die unterschiedlichsten Verfahren be­


währt. Sieht man in diesem Zusammenhang von der Transistortechnik ab, dann
ergeben sich für den Funkamateur mit Reaktanzröhren geeignete Schaltungs­
varianten, wie Bild 3.34. sie zeigt.

3.3.4. Beispiele zur Modulation

Beispiel 3.13.

Die Eingangsleistung einer Senderendstufe ist 50 W. Die Aufnahme der Modu­


lationskennlinie zeigt, daß man bis 90% durchmodulieren kann. Der Wirkungs­
grad; der Senderendstufe beträgt 70%. Wie groß muß die erforderliche Modu­
lationsleistung sein, wenn Anodenmodulation verwendet werden soll; welche
modulierte HF hat man; wie groß ist die Leistung eines Seitenbands? ·

Lösung

Mit GI. (3.117.) wird

PMo=
50 . 0,81
2
-
- 20 w •

Die modulierte HF ist mit GI. (3.118.)

Pmo =50 1 + ( � ) ·0,7 =49W.


0 1

(Achtung! In der Beziehung ist Ph die Trägerleistung; in der Aufgabenstellung war


nur die Eingangsleistung gegeben.) Die Leistung eines Seitenbands ist mit
GI. (3.119.)
P�ei
Pos = Pus
=
= 0,25 • 35 • 0,81 = 7 W.

Beispiel 3.14.

Mit welcher Modulationsfrequenz kann man einen FM-Sender modulieren, wenn


eine Bandbreite von 40 kHz vorgesehen ist.
Der Modulationsindex soll 1 betragen. Wie groß ist der Frequenzhub?

178
Lösung

Durch Umstellen von GI. (3.127.) wird

40
fn + 1) 10kHz .
(1
=

2
=

Der Frequenzhub ist mit GI. (3.126.) ßj = 1 · 10 = 10kHz.

3.4. Demodulation

Es werden kurze Ausflihrungen zu den einzelnen Verfahren gebracht.

3.4.1. Demodulation amplitudenmodulierter Signale

Ein Funkamateur ohne Erfahrung wird sich zuerst einen O�V-1 bauen. Dabei
verwendet man zur Demodulation das sogenannte Audion, wie Bild 3.35. es zeigt.
Die Gitter-Katoden-Strecke bildet eine Diodenstrecke. Für die sogenannte
Audionkombination hat sich eine Zeitkonstante von I0-4 s bewährt. Allerdings ist
ihr Wert nicht sehr kritisch. Man darf das C nicht so groß wählen, weil sonst eine
Aufladung auf die Spitzenspannung geschieht und dadurch ein "Tröpfeln" ein­
tritt. Das Audion wird oft (in Verbindung mit der rückgekoppelten Spannung vom
Anodenkreis der Röhre auf den Gitterkreis) zur Entdämpfung benutzt (Bild 3.35.).
Für hohe Eingangsspannungen sollte man entweder die Antennenspannung redu­
zieren oder z. B. Anodengleichrichtung verwenden. In diesem Fall geschieht die
Gleichrichtung durch ein stark vorgespanntes Gitter, was eine größere Krümmung
der Anodenstromkennlinie zur Folge hat. Der Schwingkreis erfährt keine Be­
dämpfung. Amateure haben die Anodengleichrichtung nur wenig benutzt. Im Über­
lagerungsempfänger verwendet man zur Demodulation der modulierten HF (ZF)
die Diodengleichrichtung; Bild 3.36. zeigt ihre beiden Varianten. Besondere
Vorteile bietet kein..e der beiden Schaltungen. Bei der Parallelschaltung wird der
Gleichstromweg über dem Riebtwiderstand R immer geschlossen; bei der Serien­
schaltung dagegen geschieht das über die angeschlossene Schwingkreisinduktivität.

Bild 3.35.

179
riini�Nf
70n 200k
up"'
c � R
Bild 3.36.
n7aäk �NF
Eine solche'Möglichkeit ist aber nicht immer garantiert (beispielsweise wenn man
die Diodengleichrichtung als Voltmeter verwendet). Bei der Parallelschaltung
erfolgt eine größere Bedämpfung des angeschlossenen Kreises, und zwar R_/3
gegenüber R_/2 bei der Serienschaltung. Den Widerstand R_ wählt man zwischen
200 kD. und 500 kD.. Allerdings stellt das .noch höhere Anforderungen an die
Größe des Widerstands Rn. Er beträgt etwa 1 MD. mit dem vorgeschalteten Wider­
stand R1n von 100 k.Q. Das Ankopplungs-C oder Serien-e wird allgemein mit
100 pF ausgelegt.
Der Blindwiderstand von Cn muß bei der niedrigsten Signalfrequenz einen kleinen
Wert gegenüber Rn haben (z. B. 10 nF).

3.4.2. Demodulation von ESB (SSB)

Bei der Demodulation von Einseitenband (ESB)-Signalen hat sich in der Amateur­
technik der Produktdetektor durchgesetzt (s. dazu Bild 3.37.). In dieser Anordnung
liegt additive Mischung vor. Das Verhältnis von ZF-Spannung zur zugeführten
BFO-Spannung ist relativ kritisch. Bekanntlich sind Transistoren empfindlich
gegen Übersteuerungen, was sich sofort in den zunehmenden Verzerrungen zeigt.
Auf jeden Fall muß eine HF-Handlautstärkeregelung vorhanden sein. Ferner wird
die ZF über eine geringe Kapazität angekoppelt. Es empfiehlt sich, eine Kollektor­
stufe an den ZF-Verstärker anzuschließen, damit keine Bandbreitenerhöhung
durch den Anschluß des Produktdetektors erfolgt. Als Richtwert für die ZF-

Nf

Bild 3.37.
Spannung ist 10mV anzusehen. Die BFO-Spannung kann dann etwa 0,1 V be­
tragen. Wegen der unterschiedlichen Eigenschaften der Transistoren ist einiges
Experimentieren erforderlich. Die Frequenz des BFO muß sehr stabil sein. Es
dürfen keine merkbaren Frequenzänderungen während eines QSOs hörbar sein.
Bereits10Hz Abweichung können der Anfang von nichtvertretbaren Verzerrungen
sein!

3.4.3. Demodulation von FM

In den meisten modernen FM-Empfängern verwendet man den Ratio- oder Ver­
hältnisdetektor. Einfache Empfänger, die FM-Signale demodulieren, arbeiten mit
Flankendemodulation, d. h., sie stimmen nicht auf Bandmitte ab, sondern auf die
Flanke des Schwingkreises. Das kann natürlich leicht Verzerrungen hervorrufen.
Außerdem werden die genannten Vorteile der FM nicht ausgenutzt. Wie Bild 3.38.
zeigt, findet beim Ratiodetektor ein Ausgleich von Amplitudenschwankungen
statt, d. h., der Detektor übernimmt einen Teil der Begrenzerstufe, so daß even­
tuell durch ihn Einsparungen möglich sind. Der Spitzenabstand der Umwandler­
kennlinie beträgt beim kommerziellen Hör-FM 240kHz, ist also größer als die
ZF-Bandbreite von 180kHz.

3k

:Jj I
1\...._----rl�lt--NF
I.500p Bild 3.38.

3.5. Gitter- und Anodenbasisstufe

3.5.1. Gitterbasisstufe

Die Gitterbasisstufe hat in Eingangsschaltungen bei Empfängern große Bedeutung


erlangt, weil durch sie das Signal/Rausch-Verhältnis verbessert wird. Aber auch
in Senderendstufen der UKW-Technik wird sie gern benutzt. Nach Bild 3.39. legt
man das Steuergitter wechselstrommäßig an Masse. Dadurch findet eine größere
Entkopplung zwischen Gitter- und Anodenkreis statt. Deshalb entfällt auch zum
großen Teil der Einfluß der Gitter-Anoden-Kapazität bei Trioden. Der Eingangs­
widerstand der GB-Stufe hat bereits dann einen relativ geringen Wert, wenn noch
kein Gitterstrom fließt. Für ihn gilt:

Re=
1
S
(. 1 +
R
;
R
) ; (3.131.)

R in kfl, S in mA/V.

181

Bild 3.39.

Der Durchgriff verkleinert sich in

(3.132.)

Die Verstärkung wird

(1 + p) Ra
V= Ri +Ra •
(3.133.)

Die durch Re erforderliche Steuerleistung erscheint wieder im Anodenkreis. Sie


beträgt

(3.134.)

P _ ist dabei die beim Senderverstärker ermittelte Wechselstromleistung. Mit


steigender Frequenz wird die endliche Laufzeit der Elektronen in der Röhre
deutlich. Es entstehen zusätzliche Phasenverschiebungen zwischen Gitterwechsel­
spannung und Anodenwechselstrom. Aus diesem Grund ist eine Leistung er­
forderlich, die die Elektronengeschwindigkeit beeinflußt. Man erfaßt sie durch den
der Gitter-Katoden-Strecke paraHelliegenden Widerstand mit

(3.135.)

R in k!l, S in mA/V, /in Hz, • in s.


Darin ermittelt man die Laufzeit mit

2 ·I
(3.136.)
T = -
V-;

• in s, 1 in cm, v in cm/s.
Die Strecke 1 ist der Abstand zwischen Gitter und Katode, v die Geschwindigkeit
der Elektronen

V"'=' 6 lO?t'Ua;
• (3.137.)

v in cm/s, U in V.

182
Nun ergibt sich die infolge Re1 erforderliche Leistung mit

Pe�= �· u
(3.138.)

Die Steuerleistung, die man bei der Senderstufe aufbringen muß, beträgt

(3.139.)

Pst gemäß GI. (3.86.).


Die von der GB-Stufe abgegebene Leistung ist

P�GB = P� 1 + ( ::) · (3.140.)

Die Anodenwechselspannung ergibt sich zu

(3.141.)

Der Außenwiderstand wird

Ra' =Ra 1 +( i;) · (3.142.)

Der anodenseitige Wirkungsgrad ist

(
1JGB = 1JaB 1 + �:) ; (3.143.)

1JaB bezieht sich auf den Wirkungsgrad der allgemeinen Senderstufe.

3.5.2. Anodenbasisstufe

Eine solche Stufe verwendet man vornehmlich zur Impedanzwandlung bzw. zu


Anpassungsproblemen; deshalb nennt man eine derartige Stufe auch Impedanz­
wandler. Der Ar):>eitswiderstand des Verstärkers ist der Widerstand in der Katoden­
leitung (Bild 3.40.). Die Verstärkung beträgt

(3.144.)

Durch Wechselspannunasabfall i't die Ausgangsspannung an RKa

(3.145.)

Der Innenwiderstand wird

(3.146.)

R in kO, S in mA/V.

183
Bild 3.40.

3.5.3. Beispiele zu den Stufen

Beispiel 3.15.

Eine G B-Stufe soll als Senderverstärker verwendet werden. Wie groß wird die
gesamte Steuerleistung im Verhältnis zu der von der Röhre abgegebenen Wechsel­
stromleistung, wenn uf{/u" = 0,05 ist? Der Einfluß des elektronischen Eingangs­
widerstands soll unberücksichtigt bleiben. Welche Wechselstromleistung erhält
man, wenn P _ = 10 W sein soll (es wird angenommen, daß P.1 = 0,1 P_)?

Lösung

Es sind GI. (3.140.) und GI. (3.139.) ins Verhältnis zu setzen;

P-cn 1,05
7
� '""" 0,1 + 0,05
=
.

Mit GI. (3.140.) ist Pcn = P_ (1 + 0,05) = 10,5 W.

Beispiel 3.16.

Bei einer AB-Stufe sollen RiAB sowie die Verstärkung berechnet werden. Gegeben
sind RKa = 1 kO, S = 2 mA/V.

Lösung

Mit GI. (3.144.) ergibt sich

2 . 103. to-3
V AB 0,67.
1 + 2
= =

Nach GI. (3.146.) ist

103
RiAs = 2 = soo n.

3.6. Mischung

Legt man an ein Bauelement mit nichtlinearer Kennlinie (Röhre, Transistor, Diode)
2 Wechselspannungen unterschiedlicher Frequenz an dessen Eingang, so ergeben
sich am Ausgang des Bauelements zusätzliche Frequenzen. Befindet sich im Aus-

184
gang ein auf eine gewünschte Frequenz abgestimmter Schwingkreis, dann ist
damit die Absicht der Mischung erreicht. Es gibt die additive und die multip/ikative
Mischung.

3.6.1. Additive Mischung

Bild 3.41. zeigt eine Mischstufe, bestückt mit 1 Pentode. Bei hohen Frequenzen
(2-m-Band) wählt man besser eine Triodenmischstufe (wegen der günstigeren
Rauscheigenschaften). An das Gitter der Röhre werden 2 Wechselspannungen
unterschiedlicher Frequenz gelegt

(3.147.)

Bei Pentoden gilt Ust""' Ug.


Setzt man GI. (3.147.) in die Beziehung für den Anodenstrom im Arbeitspunkt nach
der Ta.rlor-Reihenentwicklung ein, so ergibt sich mit einigen Zwischenrechnungen
für die Frequenzen

ia = 10 + Sug + i! Tug2 + ... ; (3.148.)

außer den Grund- und Oberwellen im Anodenstrom der Therm

(3.149.)

Mit T bezeichnet man die Krümmung.


Stimmt man nun den Schwingkreis auf die Summen- oder Differenzfrequenz ab,
dann ergibt sich eine Hervorhebung dieser Frequenz gegenüber den anderen Fre­
quenzen; sie ist die Zwischenfrequenz

fZF =
fo - fe oder fzF =
fe - fo· (3.150.)

Die Summenfrequenz wählt man im allgemeinen nicht.


Um die Verstärkung der Mischstufe zu ermitteln, muß man die Mischsteilheit
kennen; sie ergibt sich mit

S izF .
c
= (3.151.)
Uo '
izF - Anodenwechselstrom (Zwischenfrequenz), u0- Oszillatorspannung.

Bild 3.41.

185
L2

Die Mischsteilheit ist zwar manchmal in den Kenndaten der Röhren angegeben,
doch sollte man wissen, daß sie etwa 0,25S (der Steiiheit im Arbeitspunkt) beträgt.
Sc hängt ab von der Oszillatorspannung. Geht man nun davon aus, daß bei Röhren­
oszillatoren die Wechselspannung am Schwingkreis in der Größenordnung von
5 bis 10 V liegt, so wird man je nach Frequenz mit einer Allkopplungskapazität
von 0 bis maximal 10 pF an das Steuergitter der Mischröhre als äquivalenter
Spannungsangabe auskommen. Natürlich ist der gegenseitige Abstand von Os­
zillator und Mischröhre nicht bedeutungslos. Durch Multiplikation von Sc mit
dem wirksamen Außenwiderstand der Mischröhre läßt sich die Verstärkung der
Mischstufe ermitteln.
Um Störstrahlung des Oszillators vom Ankopplungspunkt auf den Antennenein­
gang zu vermeiden, wähle man eine Vorstufe. Die Mischung kann auch in der
Katode vorgenommen werden.
Von den zahlreichen unterschiedlichen Schaltungsvariationen sei noch die einer
selbstschwingenden Mischstufe mit einem Transistor beschrieben (Bild 3.42.). Zur
Erzeugung der Oszillatorfrequenz wird in diesem Fall der Transistor in Basis­
schaltung angewendet, und zwar über die Ankopplungsspule L2 und C2•
Am Emitter liegt etwa 0,25 V der Oszillatorspannung. Schließlich ist in Bild 3.43.
die Diodeneintaktmischung angegeben. Da sie keine Verstärkung (etwa 0,5- bis
0, 7fach) bringt, wendet man sie heutzutage vornehmlich nur noch im dm- und im
ero-Bereich an. Die Oszillatorspannung liegt bei 1 V.

Bild 3.43.

186
3.6.1. Multiplikative Mischun&

Durch Zuführung der Spannungen ue und U0 an getrennte Gitter kann man den
Anodenstrom multiplikativ beeinflussen. Es treten die gleichen Effekte im Anoden­
kreis auf wie bei der additiven Mischung. Durch Trennung der zugeführten Fre­
quenzen entsteht eine gute Entkopplung. Man kann den Mischvorgang bei Pen­
toden zwischen G 1 und G 3 oder zwischen G 1 und G2 vornehmen. Allerdings ist
die Mischverstärkung geringer. Im Überlagerungsempfänger hat sich die Verbund­
röhre Hexode-Triode bis 30 MHz sehr bewährt (Bild 3.44.). Man wählt die Oszilla­
toramplitude mit einer effektiven Spannung von etwa 10 V, dann liegt die Misch­
steilheit nur wenig"'unter der maximalen. Sie bleibt aber nahezu bei Spannungs­
änderungen konstant. Im Kurzwellenbereich sollte man das Regelgitter G 1 der
Hexode nicht regeln, da Rückwirkungen auf die Oszillatorfrequenz möglich�sind.

3.7. Schwingkreisdaten von Empfangs- und Oszillatorkreis


beim Überlagerungsempfänger

Bild 3.44. dient zur Verdeutlichung; es wird vorausgesetzt, daß sich die Kreise nicht
gegenseitig beeinflussen. Die Vorselektion (Empfangskreise) muß ausreichend
sein, damit möglichst keine Spiegelfrequenz auftritt. Die Spiegelfrequenz beträgt

/sp = le + 2/zF, wenn /0 > /e,


sowie
/sp= /e-2/zF, wenn lo<fe. (3.152.)

Es ist also mit den in GI. (3. 150.) angegebenen Spiegelfrequenzen möglich, bei
nichtausreichender Selektion der Empfangskreise (infolge der Mischvorgänge)
Dichtgewünschte Frequenzen wiederzugeben, was sich zumindest in Pfeiftönen
bemerkbar macht. GI. (3. 148.) wird am besten mit dem sogenannten Dreipunkt­
3 Punkten stimmt der Empfangsbereich genau mit dieser
abgleich erfüllt, d. h., an
Beziehung überein. An den anderen Stellen treten Abweichungen -..on 10-a auf.

. A

Bild 3.44.
+Uea

187
Da die Drehkondensatoren für Empfangs- und Oszillatorkreis gleiche Kapazität
und gleichen Plattenschnitt haben, wird der Dreipunktabgleich mit Serien- und
Parallel-e im Oszillatorkreis durchgeführt. Die Serienkapazität kann an unter­
schiedlichen Stellen angeordnet sein.

3.7.1. Empfangskreis

Es sind

fu - Frequenz der unteren Bandgrenze in MHz,


lob - Frequenz der oberen Bandgrenze in MHz,
cmHX - maximale Drehkondensatorkapazität im ausgebauten Zustand in pF,
C,uin - minimale Drehkondensatorkapazität im ausgebauten Zustand in pF,
c. - gesamte Anfangskapazität des Kreises in pF,
u- Cmox/Cmin und

q =fob/fu·

Damit wird

(u- q2)
Ca= C min 2 ; (3.153.)
q - 1
Cin pF.
Da die Schaltkapazitäten in ihrer absoluten Größe nicht bekannt sind, muß zum
Ausgleich zusätzlich ein Trimmer eingesetzt werden;

CTr = Cp- Cx• 3


( .154.)

c. setzt sich zusammen aus Cmin und der zusätzlichen Kapazität Cp;

Cp = CTr + Csch + Csp; 3


( .155.)

Csp - Spulenkapazität, Csch - Schaltkapazität


Deshalb beträgt die Endkapazität der Kreises

Ce = Cmax + Cp• (3.156.)

Für das Frequenzverhältnis wird

(3.157.)

Die Induktivität des Empfangskreises ist

2
0 10-(' -'--
---,2,-'-',53_ · _1_
Le 2
....:. _
- 1�
q _____ _: )­ (3.158.)
(Cmax - Cm;n)
=

/ob •

L in fl.H, f in kHz, C in pF.

188
3.7 2. . Oszillatorkreis

Die Schnittpunktfrequenzen des Empfangskreises sind mit f� = 0,1/u und f3 >};


> ft (die Frequenzen können zugleich als Abgleichpunkte gewählt werden)

h = 1,1/� (8,1 + JIQ).


13 = o,5f� (1 + 1 9Vq), (3.159.)
f3 = 1,1/� (1 + 8,1q);

/in MHz.
Definiert man die Frequenzverhältnisse an den Ab gleichpunkten zu q1 = fobfh,
q2 =
fob/13 , qa = fobfh und b = Ca/Cmiru dann erhält man die zu diesen Frequen­
zen gehörenden Kapazitätswerte

Cl =
Cmin (qt2 (1 + b) - b),
C2 = Cmin (q22 (1 + b) - b), (3.160.)
C3 =
Cmin (q32 (1 + b) - b);

C in pF.
Setzt man

/os2 h + fzl fos3


q21 = =
q32 _

- fosz
/ost h + fzt'

und

dann erhält man für den Verkürzungskondensator des Oszillatorkreises

Cs = C3 (
q'
q�2 (d- I) (e- I)
-- (d - q2
'

21 e) - (e- q232 )
_
1 ) .
' (3.161.)
q
C in pF.
Nun kann man die Kapazität Cp, die der Induktivität parallel liegt, berechnen.

Cp - c.
_
( (e- q§2) a- q'e . ) (3.162.)
(e + a) (I + a) '
C in pF.
Cp teilt man nach Möglichkeit auf, damit gegebenenfalls unterschiedliche Schalt­
kapazitäten ausgeglichen werden können. Für die Induktivität des Oszillators gilt

25. 103
(3.163.)
Uz + fzr)2 ( c��c. + Cp )
L0• in tJ.H, C in pF, f in MHz.

189
3.7.3. Beispiel zu den Schwingkreisdaten

Beispiel 3.17.

Mit einem Überlagerungsempranger soll ein Frequenzbereich von 2 bis 3 MHz


empfangen werden. Es steht ein Mehrfachdrehkondensator zur Verfügung. Die
Kapazitätswerte sind Cmin 15 pF, Cmax 100 pF. Die Kapazität der Schal­
= =

tung wird mit 10 pF angenommen.


Eine Zwischenfrequenz von 470 kHz ist vorgesehen. Zu bestimmen sind die Kapa­
zitäts- und Induktivitätswerte von Vor- und Oszillatorkreis.

Lösung

Es ist u = 6,66 und q = 1,5.

Mit GI. (3.153.) ist Ca = 15


6
�� !i5
· . � · = 53 pF.

Diese Kapazität ist um Anfangskapazität des Drehkondensators und Schalt­


kapazität zu vermindern, um den Wert des von außen anzuschließenden Konden­
sators festzulegen. Es wäre zweckmäßig, wenn man diesen Wert nochmals unter­
teilt, und zwar in eine Festkapazität und in einem Trimmer. Da Csch = 10 pF an­
genommen wurde, 15 pF betragen. Somit wird Czus
könnte CTr = = 13 pF.
(Achtung, die Spulenkapazität wurde zu 0 angenommen!)
Die Induktivität des Empfangskreises wird nach GI. (3.158.)

2,53 103 1,25


Le =
·

9 85 •

=
'
41 3 {J.H •

Die Schnittpunktfrequenzen sind nach GI. (3.159.)

/1 = 1,1 0,2 (8,1 + 1,228)


· = 2,054 MHz,
J; = 0,5 0,2 (1 + 19 1,228)
· · = 2,435 MHz,
Ia = 1,1 0,2 (1 + 8,1 1,5)
· · = 2,905 MHz.

Mit q1 = 1,46; q2 = 1,234; q3 1,03 werden die


= zu den Schnittpunktfrequenzen
gehörenden Kapazitäten (b 3,54) =

C1 = 15 [2,13 (1 + 3,43)- 3,43] = 90,088 pF,


c2 = 1s (6,89 - 3,43) = 50,3 pF,
C3 = 15 (4,83 - 3,54) = 19,4 pF.

Es sind nun noch q21 1,25; q32 1,16; q_


= 0,32; q' """0,35; d
= = = 4,72 sowie
e = 2,58 in die Beziehung GI. (3.159.) einzusetzen;

•C

= 19'5 0,35
1,35 3,72 ·1,58 ·

. = 720 pF .
(4,72 - 3,41)- (2,58- 1,35)
'
0 32

190
Mit a = 37 ergibt sich nach Gl. (3.160.)
(2,58- 1,35) 37- 0,35 2,58
Cp 30 5 pF .
• =
720
=

(2,58 + 37) 38
'

Der Trimmer hätte damit eine Kapazität von 20,5 pF.


Von Vorteil wäre es, jetzt noch eine Unterteilung durch eine Fest-C vorzunehmen.
Die Induktivität des Oszillatorkreises ist (GI. 3.163.)

25. 103
Los= = 38 [LH.
8,42 (47 + 30,5)

3.8. Oszillatoren

Oszillatoren bilden einen wesentlichen Bestandteil zahlreicher Amateurgeräte.


Anordnungen, mit denen Schwingungen erzeugt werden, bezeichnet man als
Oszillatoren. Als aktive Bauelemente benutzt man Elektronenröhren oder Tran­
sistoren. Da man stets bestrebt war, durch die unterschiedlichsten Varianten den
jeweils gewünschten Effekt zu erzielen, ergab sich eine große Vielfalt von Schal­
tungen. Es sei die induktive und die kapazitive Dreipunktschaltung erläutert.
Führt man im Fall der Röhre als aktives Element die Anodenwechselspannung in
einem bestimmten Verhältnis auf das Gitter der Röhre zurück, so sindnachstehende
Bedingungen einzuhalten:

- Die auf das Gitter zurückgeführte Anodenwechselspannung muß den gleichen


Betrag haben wie die erforderliche Gitterwechselspannung.
- Ein Netzwerk hat zu gewährleisten, daß die rückgekoppelte Spannung die
gleiche Phase wie die Gitterwechselspannung aufweist.

Wenn die Verstärkung jß = -U8/llg und der Rückkopplungsfaktor st' = -Uk/Ua


ist, so gilt für die Rückkopplungsbedingung (Uk = Rückkopplungsspannung)

(3.164.)

Zum Anstoß der Schwingungen muß die komplexe Gleichung > 1 sein. Eine
Begrenzung auf den Wert 1 ergibt sich durch die Eigenschaften der Röhre. Infolge
der nichtlinearen Kennlinie der Röhre nimmt mit steigender Amplitude die Steil­
heit ab, was einem Verstärkungsrückgang entspricht.
Nachstehende Gleichung verdeutlicht, welchen Wert st' haben muß;

1
st' = D . (3.165.)
+ S. Ra

Bild 3.45. zeigt die allgemeine Dreipunktschaltung; in ihr sind alle Widerstände
komplex, ffi1 und ffi3 haben gleiche Vorzeichen, ffi2 und ffi3 dagegen unterschiedliche.
Ferner gilt, daß der Betrag von Jffi2· > ffi3J sein muß. Es ist

(3.166.)

191
+/lila

Bild 3.45. Bild 3.46.

Bei der kapazitiven Dreipunktschaltung (Bild 3.46.) sind ffi1 und ffi3 Kapazitäten,
ffi2 ist die Schwingkreisinduktivität Beträgt. die Kreisgüte mindestens 100, dann
schwingt der Oszillator auf die über L und C sich einstellende Schwingkreis­
frequenz.
Die Schwingkreiskapazität ergibt sich mit

cl. c2
C0 C Tr + C Dr + (3.167.)
Cl + c2 .
=

In den angegebenen Kondensatoren sind die Röhren- und Schaltkapazitäten mit


enthalten. Die Ankopplung zur nächsten Stufe kann entweder am heißen Ende
des Kreises durch Aufteilung von C1 oder an einer Anzapfung der Induktivität
erfolgen. Die Induktivität ist

25. 103
; (3.168.)
Lo f2Co
=

L in p.H, I in MHz, C in pF.


Die aus Rg und Ck bestehende Kombination dient zur Amplitudenbegrenzung.
Übliche Werte sind für Rg ""' 50 kO, Cg ""' 100 pF. Der Rückkopplungsfaktor
beträgt

\Si'\""' _0_, (3.169.)


c2

Durch den C2 Gitterstrom findet bei der schwingenden Röhre bekanntlich eine
Arbeitspunktverschiebung statt, die eine andere Steilheit zur Folge hat; diese ist
geringer als die in den Kenndaten angegebene. In vielen Fällen kann man mit
S A ""' 0,4 mA/V rechnen. Setzt man als Oszillatorröhre eine Pentode ein, dann
ergibt sich mit guter Näherung

1
(3.170.)
\Si'\""' SAQ. 0,159
----'-'-=c=-''--- - 1
/C1
Q- Leerlaufkreisgüte, C in [LF, S in mA/V, f'in MHz.
Bild 3.47. zeigt die induktive Dreipunktschaltung. Danach sind jetzt die Wider­
stände ffi1 und ffi3 Induktivitäten; � dagegen bildet die Schwingkreiskapazität.

192
Der Rückkopplungsfaktor ist

\�\"'='�·
L
(3,171.)
I

Die resultierende Schwingkreiskapazität besteht aus den addierten Cnr + C.rr und
dem Betrag aus der Röhrenkapazitätsreihenschaltung an den Enden der Schwing­
kreisinduktivität Die Schaltkapazität vermindert sich, weil sie nicht unmittelbar
an Lo wirksam wird. Auf Grund dieser Eigenschaften läßt sich die Schaltung sogar
noch im Dezi-Gebiet anwenden. Die Schwingkreisinduktivität beträgt

Lo = L1 + � + 2M mit M = VL\�. (3.172.)·

Dabei wird der Kopplungsfaktor zwischen den Spulen mit 1 angenommen.


Bild 3.47.a zeigt Oszillatorschaltungen mit Quarzen. Unter gleichen Bedingungen
wie bei freischwingenden Oszillatoren ergeben sich bei Q-Stufen keine wesent­
lichen Unterschiede zu LC-Stufen.

+Uaa +Uea

Bild 3.47.

13 Amateurtechnik 193
3.8.1. Beispiel zu den O&zillatoren

Beispiel 3.18.

In einer kapazitiven Dreipunktschaltung sollen Rückkopplungsfaktor und Kapa­


. zität C2 berechnet werden. Vorgegeben sind Arbeitssteilheit mit 04
, mA/V, C1
= 50 pF und Leerlaufgüte des Kreises mit 100.

Lösung

Man wende GI. (3.170.) an;

1
1�1 ""'0•06·
=
04·
' 100· 0159
'
-1
7 . 35 . 10 �

Nun wird mit GI. (3.167.)

50
c2 8 33 pF.
0' 06
= =

3.9. Bandspreizung

Das Auffinden von Stationen in dichtbelegten Frequenzbändern wird die Ab­


stimmung durch Bandspreizung erleichtern. Ähnliche Bedingungen gelten auch in
den UHF-Bändern. Es sei hier das einfachste Verfahren mit Kondensatoren an­
gegeben. Nach Bild 3.48 . befinden sich Cnr und Ca in Parallelschaltung. Es ist mit
q2 = /2ob//2u und u = C max/Cmin

u- q2
Ca Cmin 2 (3.173)
.
q -
- -1
- ·
=

Bei höheren Frequenzgebieten ergeben sich Schwierigkeiten wegen der erforder­


lichen Kapazität Ca, da bei ihrer Realisierung der Kreis immer niederohmiger
werden würde. Gemäß Bild 3.49. besteht die Möglichkeit, Ca herabzusetzen. Bei
gleichem Frequenzverhältnis würde sie

(3.174.)

betragen.

c;

Bild 3.48. Billol3.49. Bild3.50.

194
Für das Übersetzungsverhältnis gilt ü = wjw1• GI. (3.172.) läßt sich - sind die
Kapazitäten bekannt - nach ü auflösen!
Eine Bandspreizung wird auch durch Reihenschaltung von Cnr und c. (Bild 3.50.)
möglich. Dabei beträgt

C5 = Cm1·0
U (q2
- �) (3.175.)
(u- q2

3.10. Temperaturkompensation von Schwingkreisen

Wird ein Schwingkreis unterschiedlichen Umgebungstemperaturen ausgesetzt,


dann kann sich seine Resonanzfrequenz ändern, da die Schwingkreiselemente
L und C andere Werte annehmen. Besonders zu beachten hat man dies, wenn der

Kreis Bestandteil einer Oszillatorschaltung ist, de1;1n trotz sorgfältigsten Auf baus
würde sich auch die Oszillatorfrequenz ändern. Ein Maß für solche Fehler ergibt
sich aus der nachstehenden Beziehung:

(3.176.)

Dividiert man diese Beziehung durch die Temperatur, so erhält man den Tempe­
raturkoeffizienten.
In der Praxis sind dann diese Koeffizienten mit dem Temperaturintervall zu multi­
plizieren. und der Fehler ist bekannt. Für den Temperaturkoeffizienten ergibt sich
demnach
!:lf !1C I1L
TKr; coc TKc; L oc TKL. (3.177.)
foC = =
=

Aus Tabelle 3.1. sind eine Anzahl von TK ersichtlich.

Tabelle 3.1. TK-Werte von Keramikkondensatoren

Werkstoff Farbe

Drehkondensator (Luft) 100 bis 200


Keramikspule mit aufgebrannter Winklung 5 bis 20
HF-Spule mit Fe-Kern 50 bis 100
Kunstfoliekondensator -150
Papierkondensator 2500

p 100 rotviolett +100 ± 30


P033 dunkelgrau + 33 ± 30
N033 braun - 33 ± 30
N075 hellrot - 75 ± 30
N150 orange -150 ± 30
N470 hellblau -470 ± 70
N750 violett -750 ± 120

195
Die angegebenen Werte beziehen sich auf Kondensatoren mit eingeengtem TK.
Unterhalb von 15 pF sind die Abweichungen vom Mittelwert höher. Durch die
Einengung der TK-Werte ist die Kompensation erleichtert. Trotzdem wird es noch
Unterschiede zwischen den TKr in der Theorie und dem in der Praxis geben.
Wiederholungsmessungen sind angebracht, wenn man die TK-Werte vom Dreh­
kondensator, von den Schaltkapazitäten, dem Röhren-C und der Induktivität
nicht kennt.
Es sollten Kondensatoren mit unterschiedlichem TK in die Schaltung eingebaut
werden, um die Kompensation zu erreichen. Der gemeinsame TK einer Parallel­
schaltung von 2 Kondensatoren ist

(3.178.)

2 in Serie geschaltete Kondensatoren haben folgenden TK:

(3.179.)

Der TK der, Kombination muß beispielsweise das entgegengesetzte Vorzeichen vom


TK der Induktivität aufweisen (oder einer anderen zu kompensierenden Anord­
nung). Ist der TK eines Kondensators der Kombination nicht bekannt, so be­
rechnet man den TK des anderen wie folgt, und zwar bei Parallelschaltung:

TKc1 = TKcp + �: (TKcp- TKC2); (3.180.)

bei Serienschaltung

TKc1 = TKc s + �: (TKes - TKce). (3.181.)

Außerdem läßt sich das Teilungsverhältnis der Kondensatoren berechnen, wenn


TKcp. TKc�o TKc2 sowie TKcs bekannt sind. Das Verhältnis der Parallelschaltung
erhält man aus

C1 TKcp- TKce
= (3.182.)
C2 TKc1- TKcp

Das Verhältnis der Serienschaltung ergibt sich mit

C1 TKc. - TKc1
= (3.183.)
Ce TKee - TKc,.

196
3.10.1. Beispiele zur Kompensation

Beispiel 3.19.

Der TKL =50· 10-6/°C einer Spule ist zu kompensieren.


Es stehen TKc-Werte N150 und P 033 zur Verfügung. Die Kreiskapazität beträgt
65 pF. die durch 2 Kondensatoren realisiert werden sollen. Welche Werte erhalten
sie in Verbindung mit TKcp?

Lösung

Man ermittelt zunächst mit GI. (3.182.) das Verhältnis der Kondensatoren

_s_ -50 - (-150)


= 1 138
=

c2 33 +50 ' ·

Da der TKL positiv ist, muß der TKc das entgegengesetzte Vorzeichen haben.
Für die Parallelschaltung von Kondensatoren gilt C C1 + C2• Setzt man =

1,138C2 in diese Beziehung ein, dann ist C2 65/1,138 30,4 pF.


= =

C1 =

Somit sind

C1 34,6 pF TKc1 +33 10-6/°C,


=
= •

C2 30,4 pF TKc2 -150 10-6/°C .


=
= ·

Beispiel 3.20.

In einer Serienschaltung der Kondensatoren 100 pF und 80 pF möchte man einen


TKcs -10· 10-6jOC einstellen. Der 100-pF-Kondensator hat einen TKc2-Wert
=

von +33 · 10-�/0C. Welchen TK-Wert muß der 80-pF-Kondensator haben?

Lösung

Mit GI. (3.181.) ergibt sich

TKc1 = ( -10 +
1

8
(-10- 33) -10-6/°C ) =
44 · 10-6jOC.

3.11. Einige Bemerkungen zur Impulstechnik

Um dem Spezialgebiet Impulstechnik gerecht zu werden, würde ein besonderes


Buch notwendig sein; nachfolgend sind daher lediglich einige wichtige Probleme
herausgegriffen.

3.11.1. Allgemeine Kenngrößen

Bild 3.51. zeigt eine Impulsfolge in idealisierter Darstellung. Danach sind A die
Impulsamplitude, t; die Impulsdauer, T die Periodendauer und ihr reziproker Wert
die Impulsfolgefrequenz.

197
Bild 3.51. Bild 3.52.

Ferner berechnet man mit

T
undv (3.184.)
ti

das Tastverhältnis.
In der Praxis steht man dagegen meist vor der Aufgabe, den Rechteckimpuls zu
verwirklichen, hin und wieder auch einen Dreieck- oder cos2-lmpuls. Doch all­
gemein geht man vom Rechteckimpuls aus. Aus diesem Grund ist es gut, sich auch
mit der mehr oder weniger großen Abweichung vom Rechteck durch den Trapez- ·

impuls zu beschäftigen. Dazu Bild 2.52. Dabei hat man

-die Vorderflanke mit der Anstiegzeit ta (sie liegt zwischen 10 bis 90% der
Amplitude);

- die Rückflanke und ihre Abfallzeit tah (sie liegt zwischen 90 bis 10% der Ampli­
tude).

Auf Abweichungen von A und ti wird nicht eingegangen. Man kann beispielsweise
aus der Anstiegzeit Rückschlüsse auf die wirkende Kapazität am Außenwiderstand
der Röhre ziehen; es ist

ta = 2,2R · C. (3.185.)

Sind nun mehrere gleich aufgebaute Verstärkerstufen in Kaskade geschaltet, dann


summieren sich die Zeiten, und es ergibt sich:

tages =
ta Yn
Den Dachabfall kann man durch eine Variation des Katoden- und Schirmgitter­
kondensators beeinflussen; ferner besteht dafür noch eine Möglichkeit durch
Gitterkombination.

3.11.2. Röhre als Impulsverstärker

Der Amateur wird sich - wenn er in die Impulstechnik eindringen will - mit Impuls­
modulation beschäftigen. Unterlagen für übliche Röhren enthalten keine Angaben
über den Impulsbetrieb. Trotzdem ist es möglich, bei Einhaltung einiger Bedin­
gungen Impulsbetrieb durchzuführen. Grundsätzlich muß klar sein, daß die für

198
Bild 3.53.

den Impulsbetrieb vorgesehene Röhre auch im Dauerstrich bei der gewünschten


Frequenz noch die erforderliche Leistungsverstärkung hat. Man sieht Gitter­
tastung vor, d. h., die Röhre wird durch Anlegen von Impulsen geeigneter Ampli­
tude durchgesteuert. Ist keine Impulsspannung vorhanden, dann liegt völlige
Sperrung der Röhre vor; Bild 3.53. veranschaulicht diese Verhältnisse.
Bei dieser Betrachtung wird offengelassen, ob die Röhre als Impulsverstärker oder
bereits als HF-Senderöhre dient. Es fließt bereits ein Anodenstrom, wenn die
Impulsspannung llg > ug1s ist, sowie ein Gitterstrom, wenn Ug11 überschritten
wird. Demnach beträgt die aufzubringende Gitterleistung

(3.186.)

Infolge des Gitterstroms muß der Generator, der die Impulse liefert, auf einen
Lastwiderstand

u�i
Rg=--.-"-­ (3.187.)
lgi

arbeiten. Durch volle gitterseitige Aussteuerung erreicht man einen Anodenspitzen­


strom:

(3.188.)

L - Mittelwert des Anodenstroms.


Die Impulsspannung der Anodenseite beträgt

Ua = 0,5Ua; (3.189.)

Ua - Batteriespannung.
Die Anodenverlustleistung darf nicht überschritten werden. Deshalb ist die ab­
gegebene Leistung

Q · .
Po<y (3.190.)

199
Wird ein t1 bis zu 10 !J.S eingehalten, dann k ann man für diese Zeit den 20fachen
Katodenstrom entnehmen. Bei diesem iamax wird

I Po = iamax (Us - iamax Rn) I• (3.191.)

Das für Amateure zugelassene NF-Band bis 3400Hz erlaubt eine lmpulsfolge­
frequenz von 7 bis 9 kHz. Die Bandbreite auf. der Empfangsseite liegt je nach t1
zwischen 1 MHz bis 100 kHz.

Diagramme zu Abschnitt 3.

1�'��,�--
Cef! (fu)
Parameter: S
Rg·�BMSJ
1--

fl
8 ' '
7 '
6 '!I.. "
5 '\ 1'-
1{.
I 1'\ 1'\s-z
I s-1'"" ,...
I
3


I
I )\!'-.
2

��
I
I
I'
a i
2 z a +- 3
f'u/Hz

Diagramm 3.1. Kopplungskondensator

Unter der Voraussetzung eines Gitterableitwiderstands von 0,8 Mi1 und s Verstärker­
stufen ergibt sich beim Verstärkungsabfall von 0,707 bei der Frequenz fu die in Dia­
gramm 3.1. ersichtliche Abhängigkeit.
Beispiel: Es ist eine untere Grenzfrequenz von 30 Hz zu übertragen. Wie groß muß man
den Kopplungskondensator wählen? Bei einem 2stufigen Verstärker (s = 2) wird
ck = lOnF..

200
f'... !'\. t.,. Rr;(RaJ i-
" l'rmmeMr: C11
1 ''r--. s-1 ra1o7

"'
"
" I"-
""
Cs·50��1'\.' /Js•25pF
r- ·-

'
"'
I! '\
I ""-.. "
I
1 il !"\ "",I\
JIT102 2 3 4 567B910a 2 3 4 5$78910" 2 8 45G
Ha/0

Diagramm 3.2. Obere Grenzfrequenz

Beim Abfall 0,707 bei der oberen Grenzfrequenz fo eines !stufigen Breitbandverstärkers
ist als Parameter die schädliche Kapazität vorgesehen.
Beispiel: Bei einer schädlichen Kapazität von 50 pF und einem Ra = 3,2 kD kann man
noch 1 MHz als obere Grenzfrequenz übertragen.

}[_ .!!. - f(!l'}


Vmax
Vmax
Parameter' X
10° r-

.....-"(
'\. \ Diagramm 3.3. Selektivver­
i\.r\. stärker mit Bandfilterkopp­
I \\ \ lung
\2 q

7
I
I ql\I'\ Als Parameter ist das Kopp­
lungsmaß x vorgesehen.
Beispiel: Hat man eine kriti­
sche Kopplung x = 1 und
\ ist die normierte Verstim­
1\ \ mung 0' = 1, so erhält
I \ man dort einen Verstär­

ll
1\\1\
kungsabfall von 0,9 gegen­
2 Ii über der maximalen Ver­
• JO" .ß' stärkung.

201
Parameter' k. k=T

0,2

760 780
(3/0

Diagramm 3.4. Funktionen des Stromflußwinkels e

Parameter ist der Kennlinienkoeffizient, d.h. der Vt:rlauf der Kennlinie.


Beispiel: Ein Stromflußwinkel von 70° (C-Betrieb) ist die Funktion h{0) = 0,436 und
tp(0) 0,253 für k
= 1. Zur Bestimmung des Anodenwechselstroms bei Verdopplern
=

benutzt manN0). Legt man z.B. k 1 zugrunde, dann ist mit e


= 60°NG) 0,275. = =

�0 7J=f{6)
T/
0,8 ----�..._Parameter' Ra/H;L
0,6

0,4-

0,2

0 20 110

Diagramm 3.5. Anodenwirkungsgrad der Senderendstufe

Parameter ist das Verhältnis des Außenwiderstands der Röhre zu ihrem


Leistungswiderstand.
Beispiel: Für einen Stromflußwinkel von 60° und Ra/RiL = 10, das sich auch aus der
Ankopplung des Lastwiderstands realisieren läßt, ergibt sich der Wirkungsgrad von etwa
70% (einen genaueren Wert kann man aus dem Diagramm nicht ablesen).

202
r;.,c,fpF - -�
3

" "\ �---I--


z c,;c.·rrffl
10
3 "" a• 60
RB • liOQ
� XL. 0,24kQ

§
lj
3

I , c.
2
I
Cs
['\. --�
10�2 I
f--
6
5
lj
-
3

2
� '
7
I
I ["\
70
70-' z 3 4 56 8 70° 2 ;} 4 56 8 101 2 3 4 56 8 102 z J 4 (j
f/MHz

Diagramm 3.6. Kondensatoren des n-Glieds

Die Werte lassen sich mit guter Näherung ermitteln, wenn man voraussetzt, daß für
C5 und Ck Drehkondensatoren verwendet werden. Des weiteren gilt ein Lastwiderstand
von 40 Q als Mittelwert. Der Längswiderstand der Induktivität beträgt außerdem
etwa 200!.1.
Beispiel: Welche Werte muß man einstellen können, damit durch c. und Ck Anpassung
für den Sender des Amateurs erreicht wird? Die Betriebsfrequenz beträgt 3,6 MHz.
Der Schnittpunkt der Geraden zur Frequenz mit C9 und Ck ergibt C5 = 200 pF und
ck = 1100 pF.

Diagramm 3. 7. Modulationsgrad
Befindet sich im Antennenkreis eines am­
plitudenmodulierten Senders ein Antennen­
strommesser, so läßt sich ·auf Grund der
Zunahme des Antennenstroms beim Modu­
lationsvorgang der Modulationsgrad ermit­
teln. Eine Eichung könnte man mit sinus­
förmigen Spannungen unterschiedlicher
Amplitude durchführen.
Beispiel: Das Verhältnis des Antennen·
stroms im modulierten Zustand Imo zum
unmodulierten Zustand ltr beträgt 1,1.
Welchem Modulationsgrad entspricht
dieses Verhältnis? Man erhält auf der
Ordinate m = 0,65 oder 65%.

203
1,0
m

�8

0,6

O,l

2 4 6 8 10 1Z 1'+ 1fl 18 Gjk

Diagramm 3.8. Modulationsgrad

Mittels des Oszillografen kann man m bestimmen. Dazu sind die erforderlichen Maße
des Schirmbilds angegeben.
�ispiel: Ist G/K = 10, so ergibt sich etwa m = 80%.

Diagramm 3.9. Summe der Seitenfrequenzleistungen

Bei der Schmalbandfrequenzmodulation arbeitet man mit einem Modulationsindex von


etwa 0,5. Um wesentlich bessere Empfangsergebnisse als mit der üblichen Gittermodu­
lation zu erzielen, muß man r( größer 1 wählen. Im Beispiel ist für r/ = 0,5 nur
etwa 0,12 der Trägerleistung möglich.

204
r:,
10° Ci

: k� f{Rres}
I
Parameter' SA
10° r-- - - +-- · - -'-' -- - r- 11-t(%;)
11-f (ü)
\ \
\
\ I � X \. ' I I
' : k-/t/ \ 70 -3
�4·70-� ���;-�
\ I / 1\
'1- k.:=·- 1/ '\

r----- ü
- .- ��
r--- --- -- 1-- - 1--"1'.. 1\ 1'\.
r---
[, \
I�
[/ I� I ' !\. 1'\
I
/
'\.,r'-..
zl//
I r-..
0
;
70
0
70 1
l 70, ,
--ü -101
ü

Diagramm 3.10. Rückkopplungsfaktor

Mit Hilfe der Spannungsteilerkapazitäten oder dem Übersetzungsverhältnis von Primär­


und Sekundärwicklung kann man K einstellen. Dabei spielen der Resonanzwiderstand
des Kreises unter den Betriebsbedingungen und SA noch eine Rolle. Das Übersetzungs­
verhältnis liegt auf der Abszisse zwischen 1 und 10, der Resonanzwiderstand befindet
sich dort zwischen 1 k!1 bis 1()3 ill. Auf der oberen Abszisse ist C1/C2 zwischen 10-2
und 1 aufgetragen.
Beispiele: Ein Resonanzwiderstand von 20 k!1 ermöglicht bei der Arbeitssteilheit von
1 mA/V ei'n K = 0,05. Hat man C1/C2 0,1, so ergibt sich einfach· K
= = 0,1. Ist bei der
induktiven Dreipunktschaltung ü 5, so muß man 0,04 erhalten.
=

205
10; ,---------�------�--- -,---r:;;;� -
!!Mt 8
IJ•;n•f(nkTQ) � Rauschspannung
.,..7�!----1-
+----1
7
pV 6 Parameter: Bandbreite --"'./�-+-
___
--+
++--+-+-+--H
1-+++-i
Rein 60/J
1---�--r--- t•�
5

A-----

4
3 v \f\\1;;,. +--- FC---+-+-++-H -+-+--+-l-H---H
-7"'-);
v
-- - - �--- �-

yv ,I
;-1 -- -+r--1-l--- -1-
_ --1----1-1-+H
2�

-

I_ ! I I ·;i 1

!
j ,lAllt
p• ',:...
!
I
109or--__ ___ I
8
'7
X _:.;; L

41------1---1-_j
a!------1---+-��-+-t+�-

Diagramm 3.11. Rauschspannung

Einer nkT0 von 10 würde an einem Widerstand von 60 n bei einer Bandbreite von
100kHz eine Rauschspannung von 0,5 fLV entsprechen.

dB .----�-�Tl-�f
I dB�f(nkT")_I V�
l-1-
1 �
I/
/
/

1-- V
2 },
71 2 3 4 5 6 7 8 9 701 2 3 4 5 G 788102
nkTo

Diaaramm 3.12. Relatives Rauschmaß

Vielfach wird statt der nkT0-Zahl eine Angabe in dB gemacht.


Beispiel: 2 kT0 sind 3 dB.

206
8•1(/4;)
BandbmYe 3 kllz
R·601J ...-�

2
/

1 'r--- - - --
-� - - - -- - - f-
-- - --
6
1- S-Siufen f-
s
5
" �
/ I

.2 / I

I
I
I -
"/10 2 3 4 56 78910 7 2 J 4 58 78910° 2 3 4 56
Eingangsspannung n
i ,uV

Diagramm 3.13. S-Stufen

Die Angabe des Rapports bei den Funkverbindungen geschieht durch die Feldstärke in
S-Stufen. Bei einer Bandbreite von 3 kHz und einem Eingangswiderstand des Empfängers
von 60 n ergeben sich die angegebenen S-Stufen, wenn die entsprechende Eingangsspan­
nung vorhanden ist.
Beispiel: Eine Eingangsspannung von 1 [LV entspricht S 7.

Literatur zu Abschnitt 3.

Autorenkollektiv: Anwendung der Elektronemöhren, Band 5, N. V. Philips, Eindhofen,


Holland
11 Autorenkollektiv: electronicum, Deutscher Militärverlag
Autorenkollektiv: Hütte IV B, Verlag W. Ernst und Söhne, Berlin, München
Autorenkollektiv: Rundfunk-Sendetechnik, Lehrbrief für das Ingenieurfernstudium
Frühauf, H.: Elektronenröhren, Lehrbriefe der TU Dresden
Frühauf, H.: Hochfrequenztechnik, Lehrbriefe der TU Dresden
Frühauf, H.: Rundfunksiebschaltungen, Lehrbriefe der TU Dresden
Kronjäger, 0.: Formelsammlung für den Funkamateur (II), Deutscher Militärverlag
l-1 Rint, C.: Rundfunk-Bandfilter, Handbuch für Hochfrequenz- und Elektro-Techniker,
Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GMBH, Berlin-Borsigwalde
Rothe, H./Kleen, W.: Elektronenröhren als End- und Senderverstärker, Akademische
Verlagsgesellschaft, Leipzig
Springstein, K. A.: Einführung in die Kurzwellen- und Ultrakurzwellen-E!llpfängerpraxis,
Fachbuchverlag, Leipzig 1953
-: Der Röhrenverstärker, Funk-Technik, Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GMBH,
Berlin-Borsigwalde
-: Hochfrequenz-Kondensatoren, Ausgabe Dezember 1962, VEB Keramische Werke,
Hermsdorf

207
4. Verwendung von Dioden

In der Vergangenheit benutzte man außer Gleichrichterröhren in der Amateur­


technik noch Selen- und Kupferoxydulgleichrichter. Im Laufe der Weiterent­
wicklung in der Halbleitertechnik entstanden eine Reihe von Diodentypen, die
auch für den Amateur von Bedeutung sind. Daher sollen im folgenden einige
Einsatzmöglichkeiten erläutert werden.

4.1. Dioden zur Netzgleichrichtung

Nach Bild 4.1. ist die Kennlinie einer Diode bzw. des Trockengleichrichte�s an­
gegeben. Daneben erkennt man das Symbol einer Diode. Mit K wird die Katode,
mit A die Anode b�zeichnet. Man erkennt, daß die Durchlaßkennlinie von Si­
Dioden wesentlich steiler verläuft als die des Selengleichrichters. Der Innenwider­
stand muß also wesentlich niederohmiger sein als der bei Selengleichrichtern. Der
Sperrwiderstand von Si-Dioden liegt ebenfalls wesentlich höher als der von Se­
Gleichrichtern. Man kann sagen, daß im Sperrgebiet bei Ge- und Si-Dioden ähn-

Bild 4.1.

208
liehe Verhältnisse vorliegen wie bei Gleichrichterröhren (dort treten keine Sperr­
verluste auf). Die Gesamtverluste der HL-Dioden setzen sich aus den DurchlaB­
verlusten Pvd und den Sperrverlusten Pvsp zusammen;

(4.1.)

Gemäß Bild 4.1. bezeichnet man den Teil der Kennlinie oberhalb D als Durchlaß­
gebiet, d. h., durch geringe Spannungserhöhung wird der Strom in Durchlaß­
richtung wesentlich höher. Die Verlängerung der Durchlaßkennlinie auf die x-Achse
schneidet die sogenannte Schleusenspannung ab. Diese beträgt bei Si � 0,7 V,
bei Ge � 0,5 V und bei Se � 0,6 V. Im Gegensatz zum Durchlaßgebiet, wo die
Spannung Ud geringe Werte zum Stromfluß bedarf, muß im Sperrgebiet die
Spannung u.P wesentlich höher sein, wenn ein Strom fließen soll. Über einen
größeren Spannungsbereich findet praktisch keine Zunahme des Sperrstroms statt.
Das über dieses Gebiet hinausgehende Durchbruchgebiet läßt erkennen, daß ge­
ringe Spannungszunahme große Stromzunahme im Sperrgebiet bewirkt. Die
Sperrspannungen von Si- und Ge-Dioden sind unterschiedlich. Um höhere
Wechselspannungen gleichzurichten, muß man mehrere Gleichrichter hinter­
einander schalten. Infolge unterschiedlicher Widerstände der Dioden sind die
Spannungsabfälle nicht gleich, was eine Überlastung bewirken kann. Sieht man
von einer Zwangssymmetrierung ab, so darf man daher die Sperrspannung der
Dioden nur zu 70% ausnutzen.
Bild 4.2. zeigt eil}ige Möglichkeiten der Gewinnung von Gleichstromleistung aus
Wechselstrom. Um die tatsächlichen Werte zu erhalten, muß man eine Reihe von
wichtigen Größen vorab ermitteln; spezielle Diagramme erleichtern diese Rechen­
arbeit wesentlich. Die erläuterten Beziehungen basieren auf den Verfahren mit
Röhrengleichrichteru, lassen sich jedoch - ausgenommen eventuelle Sperr­
verluste - auf HL-Dioden übertragen. Zunächst ist der Innenwiderstand der
Stromquelle festzustellen;

(4.2.)

Bild 4.2.

14 Amateurtechnik 209
Rn - Widerstand der Diode, R1• - Widerstand der Sekundärwicklung, Rru - even­
tuell erforderlicher Zusatzwiderstand, um die Dioden vor dem Einschaltstromstoß
des Ladekondensators zu schützen.
Eine wichtige Größe bildet in diesem Zusammenhang der Stromflußwinkel, den
man aus dem Verhältnis R;118 und Lastwiderstand RL ermitteln kann;


-R:
i -= 0,319 (tan 0 - 0) (4.3.)

Aus Diagramm 4.1. läßt sich bei dem bekannten Verhältnis 0 ablesen.
Zur Vollständigkeit sei der sogenannte Symmetriewinkel IX erwähnt, den man
vielfach mit 0 ansetzen kann;

tan Xe (1 - 0,3190) (1 - 0 ctg 13); (4.4.)


R;ge
=

Xe - Blindwiderstand des Ladekondensators in U, R in U. Diagramm 4.2. er­


möglicht sofortiges Ablesen von tan IX. Der durch RL fließende Gleichstrom ist

L 0,319 u cos (sin 00 cos 0); (4.5.)


R•ge
= IX

I in A, wenn u in V, R in n.
Für die Gleichspannung ergibt sich

u _ = a cos 0 cos a:. (4.6.)

Das Verhältnis beider Spannungen in Abhängigkeit von e liest man aus Dia­
gramm 4.3. ab.
Mit Diagramm 4.4a. und der folgenden Beziehung läßt sich die auftretende
Brummspannung ermitteln:

ul;r = u_ tan e tan a:. (4.7.)

Kennt man ubr sowie den erforderlichen Gleichstrom, dann errechnet man mit der
nachstehenden Faustformel die Größe der Ladekapazität:

0,5
c
�-
P·- LU_ ·
f ---'-R-Tf;;;
·

c- o,5 . I .
oder - (4.8.)
P ·/·Uhr'

(Einweggleichrichtung) (Doppelweuleichrichtung)

C in F, wenn I in A, U in V, p - Anzahl der Gleichrichteratrecken, f- Netz­


frequenz in Hz, R in Cl.

210
Der Gesamtwiderstand der Sekundärwicklung beträgt in ausreichender Näherung

O,lRL_
Rse- . (4.9.)
__

yu_L

Tabelle 4.1. gibt Daten für den Einsatz von Leistungsdioden an.

Tabelle 4.1. Charakteristische Werte einiger Gleichrichterschaltungen

Schaltung Einweggleich- Zweiweggleich- Brücken- Ver-


richtung richtung schaltung dopplung

RL c RL c RL c c

U_fU� 0,45 1,2 0,9 1,25 0,9 1,25 2


Sperrbeanspruchung
einer Diode UR/U_ 1,4 2,8 2,8 2,8 1,4 1,4 2,8
Nenndurchlaßstrom
je Diod� lFNfl_ 0,5 0,5 0,5 0,5
Maximal entnehmbarer
Gleichstrom !_f!FN 0,5 2 1,5 2 1,5 0,3

RL- Lastwiderstand, C- Ladekapazität, Urr- Sperrspannung der Dioden.

Beispiel 4.1.

Für eine Einweggleichrichtung sind anliegende Wechselspannung und Größe des


Ladekondensators zu ermitteln. Gefordert wird, daß am Kondensator eine
Brummspannung von 10 V auftreten kann. Es ist ein Lastwiderstand von 1000 Q
vorgesehen. Durch ihn soll ein maximaler Strom von 0,1 A fließen. Bei Verwen­
dung eines Si-Gleichrichters kann man mit einem Innenwiderstand von 10 Q
rechnen.

Lösung

Zunächst ist nach GI. (4.9.) der Widerstand der Sekundärwicklung festzustellen;

0 1 . 103
Rsel< = 4_'
___ · =56 0.
y100 0,1
·

Entsprechend wird nach GI. (4.2.) R;ge = 66 Q.

211
Nun ergibt sich gemäß GI. (4.3.) der Stromflußwinkel e = 45°. Da ubr vorgegeben
ist, wird mit GI. (4.7.) der Unsymmetriewinkel

tan cx = 0,1.

Demnach muß mit GI. (4.6.)

100
u= = l30 V
0,766 1·

werden.
Schließlich errechnet sich die notwendige Kapazität zu

0 25
C • 5 . to-s F =r 50 fl.F .
50. 103• 0,1
= -

4.2. Thyristoren

Thyristoren sind steuerbare Gleichrichter. Man setzt sie vornehmlich in der Strom­
richtertechnik ein; aber auch für Stromversorgungseinrichtungen aller Art ver­
wendet man sie in zunehmendem Maß. Dem Amateur bieten Thyristoren gute
Möglichkeiten für tiie Stromversorgung von mobilen Stationen (ist allerdings nur
sinnvoll, wenn die aufzubringende Leistung > 100 W). Es sei nicht verschwiegen,
daß ein Thyristor nicht gerade wenig kostet; bedenkt man jedoch, daß ein Um­
former für größere Leistungen auch nicht billig sein würde, dann ist der Einsatz
von Thyristoren zu überlegen.

4.2.1. Einsatz des Thyristors

Bild 4.3. zeigt das Symbol des Thyristors, seinen Aufbau (Si-Basis), Kennlinien
sowie die Möglichkeit der Steuerung durch Impulse am Gate (G}.
Mit steigender Spannung UAK nimmt der Strom IF nur langsam zu, um schließlich
bei der Nullkippspannung auf die Höhe der Werte der Durchlaßkennlinie plötzlich
anzusteigen. Dieser Umkehrpunkt hängt vom Steuerstrom ab und liegt mit stei­
gendem Strom näher an der Durchlaßkennlinie. Der Strom IF wird durch den
Lastwiderstand RL begrenzt. Befindet sich der Thyristor im gezündeten Zustand,
so bewegt sich also der Strom durch den Thyristor auf der Durchlaßkennlinie.
Selbst bei Wegbleiben der Steuerleistung hört der Stromfluß durch den Thyristor
nicht auf, es sei denn, seine Anodenspannung sinkt unter 0 V. Je nach Last beträgt
die Dauer der Steuerimpulse 2 bis 100 fl.S (ohrnsche oder komplexe Last). Jedoch.
erst nach Rekombination der Ladungsträger ist der Thyristor wieder für einen
neuen Schaltvorgang bereit; man hat also eine entsprechende Freiwerdezeit zu
beachten (z. B. 20 fl.S). Diese Zeit schränkt die Einsatzbedingungen des Thyristors
ein.

212
i Ourchlaßkennlinill

I?L
_
_

-�K�;===���t=��==��
Sperrkennlinie
'n

Bild 4.3.

Die Sperrkennlinie zeigt (wie bei den Si-Leistungsdioden) 2 charakteristische Ab­


schnitte, und zwar zunächst den Bereich, in dem mit steigender Sperrspannung
keine Zunahme des Sperrstroms mehr stattfindet. Erreicht die Sperrspannung die
Durchbruchspannung, d�nn steigt der Sperrstrom steil an. Dadurch ist die Sperr­
fähigkeit dieses Bauelements begrenzt, denn auch die Sperrverlu'"ste steigen stark an.
Die Sperrkennlinie ist abhängig von der Temperatur.
Aus dem Geschilderten geht hervor, daß der Thyristor in seiner Funktion nahezu
einem idealen Schalter ähnelt: Der Durchlaßwiderstand ist sehr gering, der Sperr­
widerstand sehr hochohmig.
Die Durchlaßverluste machen sich gegenüber den Sperr- und Steuerverlusten
hauptsächlich bemerkbar. Das wirkt sich bei hohen Strömen besonders aus. Für
sie gilt
(4.10.)

UTo - Schleusenspannung ::::. 1 V, /F - Mittelwert des· Durchlaßstroms, herr -

ungefährer Effektivwert des Durchlaßstroms, r1 - Ersatzwiderstand, der sich aus


der Ersatzgeraden der Durchlaßkennlinie ergibt.

Bild 4.4.

213
R3

Bild 4.5.

Für den Steuergenerator der Zündung ergibt sich, die Mindestforderung in der
Leerlaufsteuerspannung 2UGT und den Kurzschlußsteuerstrom 2/cT vorzusehen.
Die Grenzstromkennlinie gibt in Abhängigkeit von der Belastungsdauer den
höchstzulässigen Durchlaßstrom an.
Man benutzt bei Thyristoren meist die sogenannte Horizontalsteuerung. Der
exakte Einsatz der Zündung erfordert einen Zündimpuls mit steiler Vorderflanke.
Mit dieser Steuerung kann man die Phase zur anliegenden Wechselspannung
zwischen 0° bis 180° ändern, was eine Dosierung der abgegebenen Gleichstrom­
leistung ermöglicht.
Bild 4.5. zeigt eine Impulsformerstufe, die eine aus einer Phasenbrücke kommende
Wechselspannung in differenzierte Impulse umformt. An diese Stufe schließt sich
noch eine Leistungsstufe für die Aus'Steuerung des Gates an. Prinzipiell kann man
mit Wechselspannungen üblicher Kurvenform den Thyristor ansteuern (wie in
der Schaltung gemäß Bild 4.6.). Über dem Thyristor befindet sich eine RC-Kombi­
nation, die Spannungsspitzen beim Umschaltvorgang wesentlich herabsetzt. Die
Werte dieser Kombination richten sich nach den Betriebsbedingungen; orien­
tierende Werte sind 2 !LF und 15 !1. Der Nachweis der Betriebsbereitschaft eines
Thyristors mit amateurmäßigen Mitteln (z. B. Durchgangsprüf er) ist nicht zu
empfehlen. Um das Sperr- und Durchlaßverhalten zu überprüfen, sollte man viel­
mehr entsprechende Gleichspannungen anlegen und eine Strombegrenzung mittels
Widerstands vornehmen.

Die Thyristoren wählt man aus nach

- den statischen Kennlinien des Hauptkreises,


- den Möglichkeiten des Steuerkreises,
- den dynamischen Eigenschaften,
- den thermischen Eigenschaften.

R C

Bild 4.6.

214
4.3. Z-Dioden

Es wurde bereits mehrfach auf das Durchbruchgebiet im Sperrbereich der Si­


Dioden hingewiesen. Diesen Effekt macht man sich bei den Z-Dioden zunutze,
indem man sie im Sperrbereich betreibt. Wird bei diesem Betrieb die Verlust­
leistung Pv eingehalten, dann kann man ständig im Durchbruchgebiet arbeiten.
DieSperrspannung ist also Usp Uz. Wie die Kennlinie (Bild 4.7.) zeigt, kann man
=

oberhalb Uz ein starkes Ansteigen des Sperrstroms feststellen. Die einzelnen Typen
der Z-Dioden haben entsprechend unterschiedliche Durchbruchspannungen.
Der Amateur möchte nun wissen, wie er diese Dioden am besten einsetzen kann.
Wie Bild 4.8. erkennen läßt, benutzt man eine solche Diode als stabilisierendes Glied
oder als Bezugsspannungsquelle für Regelschaltungen (Referenzdiode). Mit der
höchsten und niedrigsten Eingangsspannung (Umax• Umin) sowie mit dem maxi­
malen und minimalen Laststrom (hmax, hmin) in Verbindung mit der Zener­
spannung Uz und dem Zenerwiderstand rz ergibt sich für den Vorwiderstand

(4.11.)

Die am Widerstand abfallende Leistung ist

Pnmax = (Umax - Uz) (izmax + hm;rJ. (4.12.)

Ist hmin = 0, dann wird izmax = Pv/Uz oder (Umax - Uz)/R.

},
Uzi
Uz2

Us U73 uo
p
0
( / ·r
-...
-...
.......
.......
',
"

� \
\
Pv\\
0

\ [z (isp}
Bild4.7. Bild4.8.

215
Der Gesamtstrom I soll der Bedingung

(4.13.)

entsprechen. Der Glättungsfaktor ergibt sich mit

G =1 + ..!i_. (4.14.)
rz

Die Z-Diode kann in ihrer Wirkung mit einem Siebkondensator der Kapazität
1
C =-- (4.15.)
rz

verglichen werden. Der Stabilisierungsfaktor beträgt

Uz
S=G·u· (4.16.)

Um die Stabilisierung zu erhöhen, kann man mit 2 Strecken (wie Bild 4.9. zeigt)
eine Erhöhung der Stabilisierung bewirken; denn es ist Sge =SI. s2 und Gge
= G,· G2.

Beispiel 4.2.

Eine Versorgungsspannung von 24 V kann um ±4 V schwanken. Aus diesem


Grund soll die gewünschte Betriebsspannung von 9 V mit einer Z-Diode stabili­
siert werden. Nach den Kenndaten ist Pv = 250 mW und rz = 17 !1. Wider­
stand R, seine Belastung, G und S sind zu ermitteln.

Lösung

AufGrund der Ungleichung (4.13.) wäre der maximale LaststroTI


) bei i,min = 4 mA
.dann 23,8 mA. Man wählt etwa 20 mA. Zugleich kann man auch feststellen, daß
bei h = 0 der gesamte Strom durch die Diode aufgenommen werden muß,
deshalb ist izmax 0,250/9 = 27,8 mA.
=

Infolge der Angaben zur Spannungsschwankung am Eingang wird

Umax = 26,4 V und Um in = 21,6 V.

Der Vorwiderstand muß gemäß GI. (4.11.) den Wert

21 6
R= • - 9 . 103 630 Q
20
=

haben.

216
Die an ihm abfallende Leistung ergibt sich mit GI. (4.12.);

Pnmax = (26,4 - 9) 28 IQ-l


· = 0,3 W .
Man wählt 0,5 W . F ür den Lastwiderstand R L wird Uz/hast = 450 Q.
Der Glättungsfaktor ist gemäß GI. (4.14.)

G = 1 + 6{� = 38 .

Schließlich wird

9
S= 38· 24 = 14.

4.4. Tunneldioden

Die Tunneldi(j)de weist im Gegensatz zu sonst üblichen Kennlinien für Dioden


keinen Sperreffekt auf (Bild 4.10.). Die Diode wird auf Si-Basis hergestellt. Man
bezeichnet den maximalen Strom mit 111 (Höckerstrom), die dazugehörige Span­
nung als UH, den minimalen Strom mit h(UT).
Infolge der fallenden Kennlinie in einem bestimmten Bereich fArbeitspunkt A)
ergibt sich ein negativer Widerstand R,li!f < 0.
Bild 4.11. zeigt die Ersatzschaltung einer Anordnung mit Tun�eldiode. Bei Paral­
lelschaltung des transformierten Belastungswiderstands Ro und des Verlustwider­
stands des Kreises Rv ergibt sich Ra. Ist Uge die Urspannung eines Wechsel­
spannungsgenerators und Ri sein Innenwiderstand, dann wird mit der Schwing­
kreisspannung Usch

(4.17.)

Man erhält mit der Diode eine Verstärkung, wenn

(4.18.)

ist.

Bild 4.10.

217
Bild 4.11.

Bekanntlich ergibt sich auf Grund des negativen Widerstands der Diode eine
Entdämpfung des Kreises; sie erfolgt durch Arbeitspunkteinstellung des Poten­
tiometers. Soll die Diode ::1ls Oszillator arbeiten, dann gilt zur Selbsterregung

L
R (4.19.)
.< CR diff ;
-

R in n, L in H, C in F.
Der Widerstand R. setzt sich zusammen aus dem ohmseben Widerstand der Spule
und Widerstand R2• Um stabile Schwingverhältnisse zu erreichen, muß der Wider­
stand der Stromquelle kleiner sein als der Betrag von Rdiff (z. B. Rdif f = 150 n,
Rz = 100 !1).

4.5. Kapazitätsdioden

Die vorhergehenden Abschnitte behandelten einen Teil der Hauptanwendungs­


gebiete von Halbleiterdioden. Betreibt man Si-Dioden mit einer veränderlichen
Sperrspannung in Sperrichtung, dann läßt sich bei einigen Typen die sogenannte
Sperrschichtkapazität um einen mehr oder weniger großen Betrag variieren.
Es gibt nun Dioden, die speziell für diesen Zweck hergestellt werden.
Bild 4.12. zeigt das Symbol der Kapazitätsdiode, ihr Ersatzschaltbild, und die
Abhängigkeit der Sperrschichtkapazität von Usp. Die dort angegebene Induktivi­
tät wirkt sich allerdings erst bei Frequenzen im 70-cm-Band aus. Die Reihenschal­
tung von rd und Cd kann man in eine äquivalente Parallelschaltung transformieren,
so daß für den parallelen Verlustwiderstand gilt:

2 5. I0-2
Rp""' j zr cz ; (4.20.)
d d

R in !1, C in F,/in Hz.

Bild 4.12.

218
L

Bild 4.13.

·
Es ist einzusehen, daß mit steigender Frequenz die Verhältnisse hinsichtlich Be­
dämpfung schwieriger werden. Aus diesem Grund darf man die Sperrspannung
nicht zu klein werden lassen, da sonst auf Grund der relativ großen Kapazität
eine völlige Bedämpfung des Kreises eintritt. Bild 4.13. zeigt das Prinzipschaltbild
einer Diodenabstimmung. Man kann die Dioden auch gegeneinander geschaltet
anordnen und erhält damit eine größere lineare Variation.
In der Literatur wird die sogenannte Diffusionsspannung Udiff für Kapazitäts­
dioden mit 0,5 V angegeben. Ist nun bei der Sperrspannung U1 die Kapazität
vorhanden, dann beträgt die Kapazität C2 bei der Spannung U�K

(4.21.)

U in Betrag eintragen.

Beispiel 4.3.

Die Diode OA 910 habe einen Serienwiderstand r. 1,5 n. Bei der Sperrspannung
10 V betrage Cd
=

U1 = = 15 pF. Welche Kapazität stellt sich ein, wenn U2


= 3V
ist? Welche Bedämpfung ergibt sich auf Grund der beiden Spannungen bei einer
Betriebsfrequenz von 145 MHz?

Lösung

Zunächst wird mit GI. (4.21.) die Kapazität C� errechnet;

3
. 10 + 1
C2 = 15 1'/22·3+1 = 22 pF.

Nun ist mit GI. (4.20.)

3500 n.
2 5 . 10-2
Rp
=

I
2,1 . 018 1,5 . 2,25-
=

Bei 22 pF erhält man 1600 n. Daraus ergibt sich, daß wahrscheinlich U2 gar
nicht mehr benutzt werden kann, denn eine Oszillatorschaltung würde beispiels­
weise dann aufhören zu schwingen.

219
4.6. Fotodioden, Schaltdioden

Schaltdioden benutzt man in der Impulstechnik. Damit durch die Schaltdioden


keine Verformung der anliegenden Impulse entsteht bzw. keine Verzögerungen
beim Schalt:vorgang auftreten, darf die sogenannte Sperrträgheit einen spezifischen
Wert nicht übersteigen. Außerdem soll nach Möglichkeit die Idealvorstellung eines
Schalters, Durchlaßwiderstand 0 und Sperrwiderstand oo in etwa erfüllt sein.

Diagramme zu Abschnitt 4.

fJ/"
80 r- --
tf-f(�)
60
gilt fiir [inweggleichrichhinf! IUid Spannunf!Sver-
dopp/ung hei Doppelwog ist der Wert"""? /....�-"'
..
e n !!3d_!'!!! n L

B zr ·
"!
.Ei!.,lli.z.!{- t!f
!f' 'j!i re

20
rru. !..-""
� I
I
I
Hl-111
0to-• z 8 * 56 8 10-2 2 8 * 5s B
I
10-' 2 J * 5s a 70° z 8
f!ie
R,

Diagrapun 4.1. Stromflußwinkel bei Gleichrichterschaltungen

RL ist der Lastwiderstand der Gleichrichter. Man muß das Verhältnis Riges/RL mit 0,5
multiplizieren und diesen Wert zur Ermittlung von 0 verwenden.

Beispiel: Ein Verhältnis Riges/RL = 6,5 · 10-� ergibt bei der Einweggleichrichtung einen
Stromflußwinkel von 45°.

220
t- tanrz•f(8)
Param ter: � �
z 1- X • Blindwiderstand der Ladekapazitlit
---=für Ooppelunggleichrichtung
--=Einweg, Verdoppelung der Spannung

70°
s

8
7
s
- 1
' -
r----
s
4 ''r....
3 -�

- ..
},
j',
2
. ....
., \
'
I \ \

-1
-"'::":=--
::- 1 Q2

--
\
70
s
8
7
6 --� 0. 2
-t- ..r-,
s
* l .... ,

I
3 "',
\
2 J \
I

--,=+-r- 20
I -
60 80
'
700
8/

Diagramm 4.2. Die Funktion tan a: im Zusammenhang mit Netzgleichrichterschaltungen

Die Funktion tan a:, die bei der Berechnung benötigt wird, kann man bei Kenntnis des
Stromflußwinkels und dem Verhältnis X/R; ermitteln.

Beispiel: Ein Winkel von 30° ergibt bei der Doppelweggleichung und X/R; = 0,2 ein
tan a: = 0,12; bei der Einweggleichrichtung aber 0,06.

221
1,U r-�
�--,---,----r---,-,
J/:
{j Parameter: tano:
#,6�--�--����� �-- f{B) r----f---f

u 70 20 JO 40 so öO 70 80 a;·

Diagramm 4.3. Verhältnis von Gleich- zu Wechselspannung

Beispiel: Ein Stromflußwinkel von 50° und ein tan .x = 0,25 wird eine Gleichspannung
0,62 u ermöglichen.

r · ------·

_L
-
/
'!k-f(eJ
IL I
.;/
u.
Parameter: tan ct I
et Unsymmetriewinke/
r--r-

i . / /
!
/
V / I
v/
f---t- 1
2
V

10-1
9
i i/ V/
8 lo/ 7
6 /../ / 7 /
7 ./

/ ./ \J\J'o 7 J
5 I · '? -+-- / 7/ 1
� �
i----
/ /
-- �
I<:;,�/
/ �� j ./
/V

V/
2

2
'---7/
./i ....//
.. j i
10 20 30 50 80 70 80
8/'

Diagramm 4.4. a Die Brummspannun&

Beispiel: tan .x = 0,05 und e 20° zeigen, daß die Brummspannung etwa 0,0165 der
Gleichspannun& sein wird. Man sagt, sie ist 1,65 % der Gleichspannun&.
=

222

1.1.','1.� /
/
r. [./�t��'
_,
�-- - ,/- - / �-- - - --
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I..I
4
[7 !7 1/ � Parameter : Us,
I
3

V I/
p·7, tinweg

I 1/l
/ 3
/ V p- 2, Zweiweg
2 1/' l// Es gi/tauch: 2

J7V
[7
V�
Uar a5
7['"' pfCR,

- - I I I II III
2 3 * 56789101 2 3 * 5678910° 2 3 4 5 6 78910 7t
I/A

Diagramm 4.4. b Ladekondensator

Als Parameter sind die Brummspannung und die Gleichrichterstrecken vorgesehen.


Die Kennzeichnung "Ord. links" soll erklären, daß die Werte der Kondensatoren von der
linken Ordinate abgelesen werden müssen. Entsprechendes gilt für "Ord. rechts".

Beispiel: Der Laststrom von 0,1 A und UBr = 10 V mit p = 1 setzt ein C = 100 !LF
voraus, wenn aber p = 2, so genügt ein C = 50 !LF. Hat man dagegen I= 0,3 A, so
ist mit UBr = 1 V, für p = 1 ein Ladekondensator von 3000 !LF und beip = 2 ein solcher
von 1500 !LF erforderlich.

223
Literatur zu Abschnitt 4.

Hojfmann/Stocker: Thyristoren Kennwerte von Siemens, Berlin

Kretzer, K.: Handbuch für Hochfrequenz- und Elektro-Techniker, Band VIII, Verlag für
Radio-Foto-Kinotechnik GMBH, Berlin-Borsigwalde

Rothe, H./Kleen, W.: Elektronenröhren als Schwingungserzeuger und Gleichrichter, Aka­


demische Verlagsgesellschaft Geest und Portig, Leipzig

Taeger, W.: Halbleiterdioden, PT-Sammlung der Funk-Technik 1960, Verlag für Radio­
Foto-Kinotechnik GMBH, Berlin-Borsigwalde

224
5. Thermistoren und Varistoren

Im Amateurbereich werden Thermistoren und Varistoren nur wenig eingesetzt.


Darüber hinaus wurden diese Bauelemente in der Amateurliteratur kaum behan­
delt. Deshalb ist es zweckmäßig, die Eigenschaften dieser Bauelemente zu er­
läutern.

5.1. Thermistoren

Thermistoren sind Halbleiterwiderstände, die aus einer homogenen Oxidkeramik


(VEB Keramische Werke Hermsdorf) hergestellt werden. Es findet dabei ein
Sintervorgang statt. Thermistoren sind sogenannte Heißleiter mit negativem (TN)
und positivem (TP) TK. Man muß beim Einsatz der Thermistoren davon ausgehen,
ob
- die Widerstandsänderung durch Eigenerwärmung erfolgt,

- die Widerstandsänderung durch Fremderwärmung stattfindet.

Thermistoren können vielfältig eingesetzt werden, z. B. als Anlaßwiderstände beim


allstromgeheizten Empfänger zum Auffangen des Einschaltstromstoßes oder als
Temperatursondenwiderstand. Die TP-Typen dienen wegen ihrer besonderen
Charakteristik als Widerstände für Schaltfunktionen.

5.1.1. Thermistoren mit negativem TK

Die Abhängigkeit des Thermistorwiderstands von der Temperatur ist aus Bild 5.1.
ersichtlich. Die Funktion dazu lautet:

(5.1.)

R - Thermistorwiderstand in Q, a - Konstante von den Eigenschaften und Ab­


messungen abhängig, b - Energiekonstante in °K, die die Größe der Temperatur­
abhängigkeit bei 20°C bestimmt, T - absolute Temperatur T = 273° + D(°C),
e - Basis der natürlichen Logarithmen.

15 Amateurtechnik 225
Bild 5.1.

Obwohl b in den Kennwerttabellen ( VEB Keramische Werke Hermsdorf) an·


gegeben wird, sei nachstehende Beziehung zur Ermittlung von b genannt:

(5.2.)

Im folgenden ein Auszug aus dem Typenschlüssel, nach dem man Thermistoren
bestellen kann:

TNA - Anlaßwiderstände,
TNI - Indirekt geheizte Widerstände,
TNM - Meßwiderstände,
TNF - Temperaturfühler.

Für einige Anwendungsfälle ist es von Bedeutung, in welchen Zeitabständen der


Thermistor seinen Wert eingenommen hat bzw. wann er sich wieder für eine
bestimmte Messung einsetzen läßt. Diesen Zeitraum nennt man Erholungszeit.Das
ist die Zeit, die ein Heißleiter benötigt, um bei seiner Abkühlung von {) °C (500,
250°C usw.) auf20°C in ruhender Luft seinen halben Kaltwiderstand anzunehmen.
Sie wird in den Kenndaten angegeben. Als Zeitkonstante bezeichnet man hier die
Zeit, in der die Temperatur des Thermistors auf den e-ten Teil ihres Anfangs­
wertes abgesunken ist;

dr ßr
r• -{} "" {} (5.3.)
� d{} - ß{} ;

{) - Übertemperatur, d{) - Temperaturerhöhung durch die elektrische Leistung,


dr - Zeitdifferenz.
Zur Korrektur der Thermistorkennlinie wendet man die Reihen- und Parallel­
schaltung von Thermistoren bzw. die Kombination mit ohmseben Widerständen
an.
Bei der Reihenschaltung ist

(5.4.)

226
In diesem Fall sind demnach 2 Widerstände in Reihe geschaltet. Verwendet man
an Stelle eines Thermistors 1 Widerstand, so ist der dazugehörige b-Wert 0. Es
ergibt sich ein größerer Gesamtwiderstand mit kleinerem b-Wert. Im Fall der
Parallelschaltung ist

(5.5.)

5.1.2. Thermistoren mit positivem TK

Bild 5.2. zeigt den Widerstandsverlauf als Funktion der Temperatur. Der positive
TK läßt sich deutlich erkennen. Bemerkenswert ist der steile Anstieg des Wider­
standswertes in einem relativ kleinen TemperaturintervalL R20 stellt den Wider­
standswert bei 20°C dar, tJ ist die Temperatur, bei der sich der Widerstand um
das 1,5- bis 5fache des Wertes von R20 erhöht hat. Schließlich wird die höchst­
zulässige Temperaturbelastung mit tJM bezeichnet. Den Anstiegsfaktor definiert
man mit lA; denn das ist der Faktor des Widerstandsanstiegs zwischen R20 und
dem Widerstand bei tJM. Dieser Faktor liegt in der Größenordnung 103• Mit
steigender zulässiger Betriebsspannung verläuft die Abhängigkeit flacher. Auf
Grund seiner Charakteristik eignet er sich z. B. zum Einleiten von Schaltvor­
gängen.

5.2. Varistoren

Varistoren sind spannungsabhängige Widerstände, d. h., beim Anlegen verschieden­


hoher Spannungen verändert sich der Widerstandswert des Varistors (Bild 5.3.).
Von ( VEB Keramische Werke Hermsdorf) werden diese HL-Widerstände als SV­
Typen bezeichnet. Varistoren kann man vorteilhaft dort einsetzen, wo pohe Span­
nungsspitzen bei Schaltvorgängen entstehen (z. B. Spannungsspitzen bei Induk­
tionen).

I, II, sind keine Tjpen

Bild 5.2. Bild 5.3.

227
Die Abhängigkeit des Widerstands ist

(5.6.)

C und ß - Konstanten für den entsprechenden Typ (Angaben nach VEB Keramische
Werke Hermsdorf):
Zwischen Strom und Spannung ist folgende Abhängigkeit vorhanden:

U= C·Iß. (5.7.)

Der Nichtlinearitätskoeffizient ß läßt sich mit nachstehender Gleichung berechnen:

(5.8.)

Die Meßwerte sind demnach hier einzusetzen. ß liegt zwischen 0,18 bis 0,3. Die
Verlustleistung in einem SV-Widerstand ist

Pv- c·. Jß+l·'


_ (5.9.)
Pin W.
Schaltet man 2 SV-Widerstände in Reihe, dann ist die abfallende Spannung

(5.10.)

Liegt ein Varistor in Reihe mit einem ohmseben Widerstand, dann ergibt sich

U = Ciß + RI. (5.11.)

Bei der Parallelschaltung von 2 Varistoren gilt

(5.12.)

I in A.
Liegt nur ein ohmscher Widerstand dem Varistor parallel, so ergibt sich

(5.13.)

5.3. Beispiel zu den Thermistoren

Beispiel 5.1.

Ein Thermistor hat bei l00°C einen Widerstand von 1 kil, dagegen bei 200"C
einen Widerstand von 300 n. Wie groß ist seine Energiekonstante?

228
Lösung

Es wird GI. 5.2. angewendet.


Es ist deshalb zunächst der In der Widerstände zu ermitteln.

In x = 2,3 · lg x = 2,3 lg 1000 = 0,9, In 300 = 2,3 · lg 300 = 5,7

Nun sind die Temperaturen in °K anzugeben;

T1 = 273 + 100 = 373°K, T2 = 273 + 200 = 473°K.

1,2. 102
Damit ist b = --cc-'---c:- = 2400°K.
1 1
3,73 - 4,73

Literatur zu Abschnitt 5.

Kretzer, K.: Handbuch für Hochfrequenz- und Elektro-Techniker, Band 111 und IV, Verlag
für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

-: Keramische Halbleiterwiderstände, Ausgabe 1967, VEB Keramische Werke, Herrns­


ctorf

229
6. Transistoren

Während der vergangenen Jahre hat auch in der Amateurtechnik der Transistor
immer mehr die Elektronenröhre verdrängt. Darum ist es erforderlich, daß sich
auch der Amateur mit den notwendigen mathematischen Grundlagen der Tran­
sistortechnik vertraut macht.
Dabei kommt es im wesentlichen darauf an, mit entsprechenden Formeln Dimen­
sionierungsfragen zu lösen. Darüber hinaus ist es wichtig, zu wissen, wie sich die
jeweiligen Transistortypen einsetzen lassen.
Die in der Fachliteratur gebräuchlichen Bezeichnungen für die Kenngrößen des
Transistors werden auch hier benutzt.

6.1. Wichtige Transistorkennwerte


Dem Amateur steht bereits ein reiches Angebot an Ge-, Si- und Feldeffekttransi­
storen zur Verftigung. Feldeffekttransistoren werden in Abschnitt 6.10. gesondert
beschrieben.
In den weiteren Ausführungen wird allgemein vom Ge-Transistor ausgegangen.
Natürlich bietet der Si-Transistor prinzipiell die gleichen Anwendungsmöglich­
keiten. Bekanntlich unterscheidet sich der Si-Transistor vom Ge-Transistor haupt­
sächlich durch sehr geringe Restströme, höhere Einsatztemperatur, dynamische
Kennwerte (Frequenz, Leistung usw.) und höhere Zuverlässigkeit. Vergleichswerte
sind aus den· werksunterlagen zu ersehen. Wenn erforderlich, wird im folgenden
auf die unterschiedlichen Wirkungen von Ge- und Si-Transistoren hingewiesen.

6.1.1. Grundschaltungen des Transistors

Bild 6.1. zeigt das Schaltsymbol des Ge-Transistors mit seinen Gleichstrom- und
Gleichspannungsrichtungen. Rechts im Bild ist das Schaltsymbol des Si-Tran-

Bild 6.1.
PNP NPN
Ge Si

230
sistors wiedergegeben. Die Richtungen der Gleichgrößen sind auf Grund von
Festlegungen entstanden. Für die Ströme gilt

j JE + ls + Ic = 0 \. (6.1.)

Bezieht man sich auf h, so müssen danach Is und Ic negative Vorzeichen haben.
In Bild 6.2. sind die Grundschaltungen des Transistors dargestellt. Sie lassen sich
für beide Transistorarten anwenden. In diese Schaltungen sind der Generatorwider­
stand und der Lastwiderstand mit eingezeichnet. Dazu später weitere Ausfüh­
rungen. Die Basisschaltung läßt sich in höheren Frequenzgebieten gegenüber den
Grenzfrequenzen des Transistors einsetzen. Die Emitterschaltung gestattet (Bild
6.2.) höchste Leistungsverstärkung.
Die rechts im Bild erkennbare Kollektorschaltung dient hauptsächlich zur Trans­
formation von Widerständen. In diesem Zusammenhang sei auf die Kollektor­
restströme hingewiesen. Die Kollektorströme ermittelt man, indem mit einem
Meßinstrument im Stromkreis des Kollektors der vorhandene Strom festgestellt
wird, wenn die entsprechende Elektrode nicht angeschlossen ist. Diese Elektrode
kennzeichnet man durch eine 0 im Index.

IcEO- Kollektorreststrom bei offener Basis == I'co•

lcso - Kollektorreststrom bei offenem Emitter = Ico•

IEBO- Emitterreststrom bei offenem Kollektor (der Strommesser befindet sich


dann im Emitterkreis).

Der Strommesser muß mehrere Bereiche aufweisen, beginnend bei 10 !LA. Si­
Transistoren haben gegenüber Ge-Transistoren einen sehr geringen Reststrom.

6.1.2. Vierpolparameter

Obgleich in den Veröffentlichungen der Herstellerwerke von Transistoren eine


große Anzahl von Kennwerten über Einsatzbedingungen, Grenzwerte und Vier­
polgrößen genannt '*erden, ist es zweckmäßig, nochmals auf einige hier wieder-

Bild 6.2.

231
f;"E Krz
y.S/+6�:
Bild 6.3.

kehrende Beziehungen einzugehen. Zunächst soll der Vierpol erläutert werden.


Man kann folgende allgemeine Definition verwenden:
Ein Vierpol ist ein Gebilde, das die Übertragungseigenschaften eines elektrischen
Elements (z.B. Transistors) oder eines Systems kennzeichnet. Der Vierpol hat
2 Ein- und Ausgangsanschlüsse. Durch die an diesen Anschlüssen liegenden Span­
nungen und die in sie hineinfließenden Ströme sowie durch Leerlauf (kein Strom)
und Kurzschluß (keine Spannung) lassen sich die Eigenschaften des Vierpols be­
stimmen. Die Ersatzschaltbilder der Vierpole gibt man in T- od.er n-Form an. Es
bestehen nur lineare Zusammenhänge, die sich mit geringer Aussteuerung er­
möglichen lassen. Der Transistor ist ein aktiver Vierpol, weil er mehr Wirkungs­
leistung abgeben kann, als er aufnimmt! Allgemein haben sich die h (Hybrid-)­
und y-Parameter durchgesetzt. Die h-Matrix erklärt Widerstand, Leitwert und
dimensionslose Größen, die y-Matrix dagegen nur Leitwerte. Einige andere Ele­
mente von Matrizen werden am Schluß dieses Abschnitts noch genannt. Bild 6.3.
zeigt das Symbol des auf den Transistor bezogenen Vierpols. Das Gleichungspaar
der h-Matrix ist

U1 = hu i1 + h12i 2,
(6.2.)
i2 = h21 i1 + h22U2,

Weil die Elemente in ihrem Betrag je nach der betrachteten Grundschaltung unter­
schiedlich sind, bezeichnet man diese mit den kleinen Buchstaben e, b oder c
(z.B. h11e). Für die obengenannten Elemente gilt:

h11 = �� = Eingangswiderstand (u2 = 0),


lt

h12 = .!!!.
u2
= g
Spannun srückwirkung (i1 = 0), (6.3.)

h21 = ..!;:_ = Stromverstärkungsfaktor (u2 = 0),


ll

h22 = �
u
= Ausgangsleitwert (i1 = 0);
2
h11 in n, h22 in s.

232
Bild 6.4.

Die in den Angaben der Hersteller veröffentlichten Kennlinien sind Mittelwerte.


Aus diesem Grund ist der Einsatz von Transistoren für eine bestimmte Schaltung
schwieriger als bei Röhren. Durch geeignete Gegenkopplungen o. ä. kann man
allerdings einer solchen Situation weitestgehend begegnen. Entsprechend Bild 6.4.
lassen sich die Kennwerte im Arbeitspunkt A in Emitterschaltung feststellen. Es
wurde allerdings keine Kennlinienschar eingezeichnet, um auf das wesentliche ·

hinzuweisen. Der griechische Buchstabe ß gibt eine endliche Differenz an. Man
findet also für die Elemente

1�
�. LtUaE
_

Ltla '
h2te
=
L1Ic
L1Ia '
h12e
=
L1UaE
L1UcE,
h22e =
L1Ic
� I · (6.4.)

Die Elemente der h-Matrix wendet man hauptsächlich bei Berechnungen weit
unterhalb der Grenzfrequenz an. Das Element h.1 hat in der Transistortechnik eine
große Bedeutung, d. h., es charakterisiert die Eigenschaften des Transistors sehr
gut. Ist beispielsweise h21e bekannt, dann besteht die Möglichkeit, den Stromver­
stärkungsfaktor der anderen Grundschaltungen mit folgenden Umrechnungen
anzugeben:
-
h21e
(6.5.)
_

h 2 1b - 1 + h 21e •

Der Index "b" weist auf die Basisschaltung hin. In der Kollektorschaltung erhält
man
�lc � - (1 +
h21e) • (6.6.)

Sehr oft wird in der Literatur statt h21e = ß und h21b = cx gesetzt. Danach wäre

(6.7.)

233
Gelangt man in Basisschaltung mit der Betriebsfrequenz in die Nähe der Grenz­
frequenz, s� kann man mit folgender Abhängigkeit von IX rechnen:

(68
. .)

(vgl. dazu Diagramm 6. 1.)fs- Betriebsfrequenz, ,x0- Stromverstärkungsfaktor in


Basisschaltung bei der Frequenz 1 kHz .
Als Ia wird die Grenzfrequenz definiert, bei der die Kleinsignalstromverstärkung
(kz1) auf den 0,7 07fachen Wert bei 1kHz gesunken ist (Basisschaltung). Die Grenz­
frequenz in Emitterschaltung ergibt sich dann zu

(6.9.)

Entsprechend Bild 6.5. kann man erkennen, daß die vorhin angegebenen Kennwerte
keine Konstanten sind. Der Wert 1 bezieht sich auf die Angaben des Herstellers .
Betrachtet man weiter Bild 6.3., dann ist der Eingangswiderstand

h11 + !:!..hRL
r1 ; (6.10 .)
1 + h22RL
=

r1 in n, R in n, h22 in S .
Man sieht, geht RL-+ 0, dann ergibt sich h11•
Ferner wird bestätigt, daß die Kennwerte des Transistors mit von der äußeren
Schaltung abhängen. Der Ausgangswiderstand des Transistors ist

h11 + Rg .
r 2- (6. 11.)
_

!:!..h + h22 Rg '

r2 in n, R in n, h22 in S.

234
Für Rg __,. oo ist r2 = 1/h22• Der sogenannte Generatorwiderstand Rg kann der
Innenwiderstand eines NP-Generators (z. B .. Mikrofon) oder die gesamte Ausgangs­
schaltung einer Transistorstufe sein, die vor der betrachteten Stufe liegt. Der oft
anzutreffende Basisspannungsteiler wird allgemein mit zum Eingangswiderstand
des Transistors gerechnet. RL ist der Lastwiderstand des Transistors, d.h. der
Widerstand, an den der Transistor se�ne Ausgangsleistung abgibt. RL stellt im
einfachsten Fall den Widerstand dar, den man vom Kollektor zur Batteriespannung
gelegt hat. Befindet sich im Kollektorkreis die Primärseite eines Transformators,
so wird RB im Quadrat des Übersetzungsverhältnisses von der Sekundärseite als
RL transformiert. Die Stromverstärkung ergibt sich zu

(6.12.)

Für die Spannungsverstärkung erhält man

(6.13.)

Das negative Vorzeichen hat auf den Betrag der Spannungsver�tärkung keinen
Einfluß. Die Leistungsverstärkung ist

(6.14.)

Vp in w, R in n, h in n bzw. s.
Optimale Leistungsabgabe wird erzielt, wenn RL = r2 ist, also

(6.15.)

Damit ist

(6.16.)

Ähnlich verhält es sich mit dem Eingangswiderstand des Transistors zum Gene­
ratorwiderstand;

_
Rgop-
v !:.hh11
(6.17.)
h22 •

235
6.1.2.1. Umrechnungen der h-Parameter für die 3 Grundschaltungen

- h 2!b h22b
h21e"'='- -,- h22e "'=' '
h 2lb h 2lb
-

hlle
hllb""' '
h 21e
-

-h 21c h22e
h2lb""'_ h22b""' ---
h21C h21e
__

hllb h22b
hllc hlle ' h12c ""=' 1 h22c h 22e "'=' �
h21b h�lb
= = - = -

h22b
h22c h22e ---
h21 b
=

6.1.2.2. Umrechnungen der z-Parameter

6.1.2.3. Umrechnungen der r-Parameter

Der Index am Element r bezieht sich nicht auf eine der 3 Grundschaltungen.

236
6.1.2.4. Vierpolparameter für HF- Verstärker

Je näher die zu übertragenden Betriebsfrequenzen der Grenzfrequenz Ia in Basis­


schaltung oder anderen spezifischen Frequenzen kommen, um so ungünstigere
Verstärkungseigenschaften des Transistors ergeben sich. Die angeschlossenen
Kreise werden verstimmt und bedämpft. Schließlich beginnt ein mit Transistoren
aufgebauter Verstärker leicht zu schwingen. Deshalb müssen die dem Transistor
anhaftenden Eigenseilarten in den entsprechenden Frequenzgebieten, berücksichtigt
werden. Die bereits erwähnte Leitwert-Matrix (y-Elemente) erklärt die Zu­
sammenhänge zwischen Transistor und äußerer Schaltung in zweckmäßiger Weise;

(6.18.)

Bild 6.6. zeigt die Ersatzschaltung des Transistors für Hochfrequenz. Dort ist
ebenfalls der Transistor als Symbol mit den komplexen Leitwerten angegeben.
Csch stellt die Schaltkapazität dar, die sicher im Aufbau der Schaltung begründet
ist. Die Elemente der Leitwertmatrix sind:

Y11c = g11e + jbue = Eingangsleitwert (u2 = 0) = i2_ h11e = wC11e


u2

Y12e = g12e + jh12e = Rückwirkungsleitwert (u1 = 0) =


i.!_
� U2

(6.19.)

Y21e = g2le + jb21e = Y21eei'P = Steilheit (u2 = 0) = �


l/1

Y22e = g22e + jb22c = Ausgangsleitwert (ul = 0) = � h22e = wC22e


u2

Man sieht, daß dieElemente komplex sind. Der Blindanteil hat kapazitiven Charakter.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf Ge-Transistoren. Der Widerstand rbb
hat einen Wert von etwa 100 n. Mit dem Eingangsleitwert tritt mit steigender

Bild 6.6.

237
Frequenz eine immer größere Spannungsteilung ein. Das aktive Element ist der
Stromgenerator gmube. Für die Steilheit ergibt sich mit guter Näherung

gmUbe = �9/E; (6.20.)

gmUbe in rnA/V, JE in mA .

Diese Beziehung gilt auch mit Näherung für Si-Transistoren.

Einige Angaben zur Steilheit

Steilheit- Übertragungsleitwert vorwärts. Das ist das Verhältnis des Signalstroms


im kurzgeschlossenen Ausgang zu der Signaleingangsspannung.
Steilheitsphase - q> Phasenverschiebung zwischen Kurzschlußausgangsstrom und
steuernder Eingangsspannung
Steilheitsgrenzfrequenz - Signalfrequenz, bei der die Steilheit auf das 0,707fache
des für tiefe Frequenzen vorhandenen Betrags abgesunken ist.
h - Frequenz, bei der der Betrag der Kurzschlußstromverstärkung in Emitter­
schaltung für kleine Signale gleich 1 ist.
h - Übertra�ungsfrequenz h.
fo - Bezugsfrequenz.

6.1.2.5. Richtwerte der Grundschaltungen

Tabelle 6.1. läßt erkennen, welche Kennwerte bei den Grundschaltungen vor­
handen sein können.

Tabelle 6.1. Richtwerte der Grundschaltungen

Kennwert Emitterschaltung Basisschaltung Kollektorschaltung

rl 0,5 bis 2k!l 0,92 bis 0,2 k.Q 10 bis 103 k.Q
r2 10 bis 100 k!l 100 bis 200 k.Q 0,05 bis 5 kO.
Vj 15 bis 150 <1 15 bis 200
Vu etwa 150 etwa 600 etwa 1
Vp etwa 5000 etwa 500 15 bis 150
fg fa,fi. fa

6.1.3. Einfluß der Temperatur

Die in den Kennblättern angegebenen Daten der Transistoren beziehen sich auf
eine Umgebungstemperatur von 25°C. Ge-Transistoren sind bis 75°C Kristall­
temperatur und Si-Transistoren bis l50°C betriebsfähig. Bei Veränderung der
Umgebungstemperaturen ändern sich auch die Daten des Transistors. Um diesen
Einfluß möglichst kleinzuhalten, muß man verschiedene Schaltungsvarianten

238
anwenden. Mit je 10°C Temperaturäitderung nimmt der Kollektorreststrom bei
Ge-Transistoren um das Doppelte zu bzw. ab. Dementsprechend erhöht sich bei
Si-Transistoren der Reststrom um das 3fache. Allerdings ist der Reststrom in
diesem Fall utn mehrere Größenordnungen geringer. Diese Temperaturdrift läßt
sich z.B. durch einen Basisspannungsteiler beseitigen. GI. (6.2l.)·läßt erkennen,
welche relative Kollektorstromänderung bei Änderung der Umgebungstemperatur
-&eintreten kann;

(6.21.)

DT- Temperaturdurchgriff-in mvrc. RE in kQ, I in mA, tl.-& in °C.


Den Temperaturdurchgriff hat man definiert als den Betrag der Basisgleichspan­
nung je grd Celsius Umgebungstemperatur, der geändert werden muß, damit der
Kollektorstrom konstant bleibt. Diagramm 6.2. zeigt die Abhängigkeit von DT als
Funktion von Ic.
Aus GI. (6.21.) ist zu erkennen, daß die Änderung von Ic geringer wird, wenn sich
RE vergrößert. Ein Richtwert von DT liegt bei etwa 2 mVjCC. Die maximale Ver­
lustleistung Pcmax eines Transistors leitet sich aus der Differenz von Kristall- und
Umgebungstemperatur in Verbindung mit dem Wärmewiderstand K ab;

I I
p Dj - Dumg (6.22.)
C max
=

(P in mW, Kin °C/mW, -&in c-c)


mit

Infolge des Abfalls von Pc im Transistor erwärmt sich der Kristall. Die Wärme­
widerstände leiten nun je nach .ihren Eigenschaften die vorhandene Wärme ab.
Je geringer K ist, um so besser wird die Wärme abgeleitet. Gemäß GI. (6.23.)
setzt sich K wie folgt zusammen:

K1- Innerer Wärmewiderstand vom Transistor zum Gehäuse. Sein Wert wird
allgemein in den Kenndaten angegeben.

K2-Äußerer Wärmewiderstand, der in Verbindung mit der Kühlfläche die am


Transistorgehäuse vorhandene Wärmemenge l\n die Umgebung abgibt.

Der äußere Wärmewiderstand ist

(6.24.)

"w •
cm
�� , K2 in °C/mW, F- Kühlblechfläche in cm�.
1 5

239
ctw wird als Wärmeaustauschkonstante bezeichnet; sie hängt vom Aufstellungsort
und von der Ausführung der Kühlfläche ab. Mit der Temperaturdifferenz {}i - {}umg
= fiT erhält man für die Kühlfläche

(6.25.)

F in cm2,P in mW, fiT fn °C, Kin °C/mW, ctw in mW/cm20C.


Mit Diagramm 6.3. kann man die Abmessungen der Kühlfläche ermitteln. Bei
waagerechter Anordnung der Kühlfläche ist der festgestellte Wert noch mit 1,3 zu
multiplizieren. Bei geschwärzter Oberfläche beträgt der Faktor 0,7. Die Werte
gelten für eine Anordnung in der Mitte der Kühlfläche.

6.1.4. Bemerkungen zum Rauschen von Transistoren

Transistorisierte Niederfrequenzverstärker haben einen größeren Rauschanteil


als röhrenbestückte Verstärker. Bekanntlich wird dadurch der Verstärkungsgrad
eingeschränkt. Das Rauschen setzt sich aus dem Wärmerauschen und dem Punkei­
effekt zusammen. Letzterer ist verantwortlich für den Effekt bei NF-Transistoren.
Deshalb sollte man beim Aufbau von Eingangsstufen im Bereich der Sprach­
frequenzen folgende Hinweise beachten:
- Die Spannung UcE sollte möglichst unter 1 V gewählt werden.
- Der Kollektorstrom darf 0 , 5 mA nicht übersteigen.
-Die Grenzfrequenz·des Transistors muß wenigstens lOmal höher sein als die der
oberen Frequenz des zu übertragenden Bandes.
- Der Generatorwiderstand muß einen möglichst kleinen Wert haben.
- Es dürfen nur solche Transistoren ausgewählt werden, die eine dafür geeignete
Rauschzahl haben.

Die für Hochfrequenzübertragungseinrichtungen entwickelten Transistoren haben


einen Widerstand am Eingang, der mit der im Transistor erzeugten Rauschleistung

(6.26.)

(P in W, k = 1,38 10-23 Ws/°K, fi[- Bandbreite)


·

identisch ist. Die am rauschenden Widerstand abfallende Rauschspannung


ergibt sich

Utr = 2 YkT fifRtr • (6.27.)


Das Verhältnis der Leistung von GI.
(6.26.) und der in den Eingang des Transistors
transformierten Rauschleistung des Generators (Antenne usw.) Pge ergibt dann
die Rauschzahl
tp r
F = 1+ •
(6.28.)
p ge
Bei HF-Transistoren erreicht man bereits Rauschzahlen von 4 bis 7. Eine besondere
Rolle spielt das Signal/Rausch-Verhältnis am Ausgang des Verstärkers.

240
Dieses ist allgemein

Psi
A= + (6.29.)
(Ptr Pge)

Darin soll Psi die am Eingang des Transistors vorhandene Signalleistung sein. In
Verbindung mit dem Generatorwiderstand Rge• der zu übertragenden Bandbreite
11!, der mittleren Rauschzahl des Transistors und dem gewünschten Signal/Rausch­
Verhältnis A ergibt sich am Transistor die kleinstmögliche Signalspannung

(6.30.)

Setzt man nun T = 300°K, das Leistungsverhältnis 6,5 (Fm) und die Bandbreite
für Amateurbelange (300 Hz bis 3400 Hz), so wird

Us""' 1,8 · 10-syRgeA ; (6.31.)

us in V, Rge in Q, A - Verhältniszahl.

6.1.5. Beispiele zu den Kenndaten

Beispiel 6.1.

Welchen Kurzschlußstromverstärkungsfaktor h21b erhält man, wenn dieser in


Emitterschaltung 25 beträgt?
Wie groß ist Pi. wenn der Kollektorwiderstand 10 kQ und h22b = 23 {J.S beträgt?

Lösung

Mit GI. (6.5.) wird

-25
h21b + = -0,961 .
1 25
=

Nun ist mit GI. (6.12.)

-0,961
. Pi = + -0•78·
1 2,3. 10 5104
=

Man sieht, daß sich vi durch den Widerstand im Kollektorzweig verringert.

Beispiel 6.2.

Die Kennwerte eines Transistors in Emitterschaltung sind:

h1 1 e = 1,5 kO, h12e = 5 ·


10-4, h21e = 20, h22• = 8 · to -
s S.

Welche Leistungsverstärkung erhält man, wenn ein Lastwiderstand von 5 kQ


vorliegt?

16 Amateurtechnik 241
Lösung

Mit GI. (6.14.) kann man vp bestimmen. Es .ist allerdings zunächst ßh nach
GI. (6.3.) festzustellen, Da die Kennwerte bekannt sind,
wird 4he = 1,5 · 8 • 10-2 - 10-2 = 0,11.

. 4. 102• 5 . 1
Dann 1st Vp 700 oder 28 dB .
(1,5 + O,S5) 1,4
= =

Beispiel 6.3.

Ein HF-Generator hat einen Innenwiderstand von 200 Q. Es ist die kleinstmög­
liche Signalspannung am Eingang des Transistors anzugeben, wenn das Signal/
·

Rausch-Verhältnis 100 betragen soll.

Lösung

Man benutzt die auf die Amateurverhältnisse zugeschnittene GI. (6.31.). Durch
Einsetzen der gegebenen Werte wird

u8 = 1,8 · 10-s f2 ·104 = 2,5fl.V .

6.2. Arbeitspunkteinstellung beim Transistor

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß Transistoren relativ große Exemplar­


streuungen haben. Für den Amateur ist das nur insofern bedeutungsvoll, weil sich
dann die durch die Kennwerte angegebenen Spannungen und Ströme nicht ver­
wirklichen lassen. Obwohl also die Größen nach den erforderlichen Formeln
berechnet wurden, können sich z.B. andere Ströme einstellen. Auf diese Weise
kann leicht der Eindruck entstehen, daß man dann nur auf experimentellem Wege
zum Ziel gelangt.
Zunächst muß erst einmal mit den nachstehenden Beziehungen das interessierende
Bauelement errechnet werden. Es gibt eine Reihe von Schaltbeispielen, bei denen
Exemplarstreuungen immer mehr an Bedeutung verlieren. Es treten dann ge­
gebenenfalls andere Nachteile auf, die man sorgfältig abwägen muß. Von den
Transistorherstellern werden verschiedentlich nach Stromverstärkutigsgruppen
ausgesuchte Bauelemente in den Handel gebracht. Abhängigkeiten von Tempe­
raturen sind eng mit Exemplarstreuungen verbunden. Deshalb gilt ähnliches auch
hier in den Schaltungsvariationen. Da die Arbeitspunkteinstellung bei Si- und
Ge-Transistoren erforderlich ist, befinden sich in den folgenden Beziehungen keine
Vorzeichen an den Rechengrößen � sind nur Beträge einzusetzen).

6.2.1. Widerstand in der Basisleitung

Bild 6.7. zeigt eine Transistorstufe mit Vorwiderstand R1; die gestrichelt gezeich­
neten Widerstände weisen auf weitere Schaltungsmöglichkeiten hin. Die Schaltung
mit einem Widerstand in der Basisleitung und fehlendem Emitterwiderstand RE

242
Bild 6.7.

ist die einfachste Variationsmöglichkeit. Sowohl Temperaturänderungen als auch


der Austausch von Transistoren wirken sich nachteilig auf die Ausgangsgrößen
der Schaltung aus. Sind beide Einflüsse in einer Amateurschaltung nicht zu er­
warten, so kann man diese Schaltung benutzen. Sie hat den Vorteil, daß sich ein
relativ großer Wechselstromeingangswiderstand verwirklichen läßt. Die Größe

;
des Widerstands ist

I R1 =
UBa h UBE
I (6.32.)

R in 0, U in V, i in A.
Wenn man voraussetzen kann, daß UBE < UBa(UBE < 0,05UBa) ist, und für das
Gleichstromverhältnis lcflB = ß* setzt, dann ergibt sich

(6.33.)

Trifft schließlich der Fall zu, daß UcE < UBa ist, dann gilt mit Näherung

(6.34.)
Stellt sich nun nicht der gewünschte Kollektorstrom ein, ist er niedriger, so kann
man den ReWert mit 0,8 multiplizieren und diesen Wert zunächst einsetzen. Dar­
aus lassen sich dann weitere Maßnahmen für den praktischen Betrieb ableiten
(z.B. ß* entspricht nicht den erwarteten Werten). Aus Gründen der Stabilität legt
man in die Emitterzuleitung einen Widerstand RE. Dadurch werden thermische
Rückkopplungen vermindert oder beseitigt. Widerstand RE wirkt dann auch als
Gegenkopplung, wenn er nicht durch einen Kondensator überbrückt ist.
Sein Wert liegt etwa bei

. UBa
R �Ol (6.35.)
E� ' T '
R in Q, U in V, I in A.
In diesem Fall wird R1

(6.36.)

243
Im folgenden sollen noch kurz die Näherungen zur Ermittlung von interessierenden
Größen beschrieben werden. Bekanntlich hängen die Angaben kleiner, größer,
wesentlich kleiner usw. von dem Urteilsvermögen der einschätzenden Person ab.
Solche Angaben sind im Zusammenhang mit dem durch die Vereinfachung vor­
handenen Fehler zu sehen. Das heißt, durch solche Einschränkungen nimmt man
bewUßt einen Fehler in Kauf (der sich jedoch im Ergebnis nicht entscheidend aus­
zuwirken braucht), erleichtert sich aber dadurch wesentlich die Berechnung.
Das eben Gesagte trifft für die obengenannte Gleichung zu. Ist wieder UBE <:: uB.;
REIB <:: UBa• so ergibt sich mit GI. (6.35.)

B a ß*
Rl :::::: 0,9 u . (6.37.)
' lc

Ein Vergleich mit GI. (6.33.) zeigt, daß in dieser Schaltung R1 etwas geringere
Werte annehmen kann.

6.2.2. Spannungsteiler an der Basis des Transistors

Legt man nun in der Schaltung entsprechend Bild 6. 7. den Widerstand R2 von der
Basis zum Gegenpol des Kollektors (wobei zunächst RE fehlt), so bildet R�> R2
den Basisspannungsteiler. Den Basisspannungsteiler wendet man zur Einstellung
des Arbeitspunktes am meisten an. Wechselstrommäßig schalten sich R1 und R2
parallel, so daß der vorherige Ausgang eines Transistors bzw. eines Generators
mehr als nur durch R1 belastet wird. Je niederohmiger R2 gegen den Eingangs­
widerstand des Transistors bzw. je größer der Querstrom gegenüber /8 durch R2
ist, um so weniger Einfluß haben Temperaturänderung und Exemplarstreuung
auf die Ausgangswerte der Schaltung. Wählt man also R2 =
kRei (k sehr oft 2 bis 5),
so wird

(6.38.)

Mit der bereits genannten Annahme hinsichtlich der Spannungen und den Rela­
tionen zum Eingangswiderstand kann man schreiben

UBa k ß*
R1 (6.39.)
""' T (1 + k)
·

Weil Rei in der Größenordnung von 1 kO liegt, wählt man zuerst R2 und erhält
sodann k. Damit läßt sich nun R1 berechnen. Auch in dieser Schaltung kann man
den Emitterwiderstand RE anbringen, wobei GI. (6.35.) berücksichtigt werden
sollte. Mit R2 = kRei und k von 5 bis 15 ist der Widerstand R1

R2UBa - UBE - (IB + Ic) RE


R1 =
(6.40.)
UBE + (IB + Ic) RE + IBR2

244
Mit den Annahmen wird, wenn sicher JB <{ Ie gilt usw.,

R1
_ R2(UBa - leRE)
- UBE + IcRE + IBR2
.
(6 41 .)

Zur überschlägigen Ermittlung von R1 kann man etwa

R1::::: 6,6R2 (6.42.)


setzen.

6.2.3. Vorwiderstand für gleitenden Basisstrom

Führt man R1 statt an die Batteriespannung an den Kollektor des Transistors


(Bild 6.8), so ergeben sich bei Kollektorstromänderungen wirksame Gegen­
reglungen. Leider erhält man auch eine Wechselstromgegenkopplung, die sich
allerdings durch Aufteilung von R1 beseitigen läßt, wenn vom Verbindungspunkt
zum Gegenpol der "heißen" Batteriespannung ein Kondensator eingeschaltet
wird. Optimale Wirksamkeit gegen Temperaturänderungen erreicht man, wenn
UeE den halben Wert von UBa hat. Ue muß mindestens i von Uaa aufweisen, damit
eine wirksame Regelung eintritt. Der Widerstand R1 ist

(6.43.)

R in Q, U in V, I in A.
Da p•:;} 1, UBE <{ UeE. IB <{ le, kann man auch für

Rt :=::: ( ��a - Re) ß* (6.44.)

setzen bzw. errechnen. Legt man nun wieder einen Widerstand RE in die Emitter­
leitung, so wird die Kollektor-Emitterspannung geringer, und Re vergrößert sich.
Deshalb ist mit guter Näherung R1::::: UeEilcß*. Es besteht auch die Möglichkeit,
bei dem gleitenden Basisstrom mit dem Basisspannungsteiler zu arbeiten. Dabei
wählt man RE, wie bereits beschrieben, ebenso verfährt man mit k.
Wenn man dann noch Re/R2 <{ 1 setzen kann, so ist
R2(10UeE - UBa)
R1 ::::: (6 45)

UBa + lO/BR2
· ·

Bild6.8.

245
Bild 6.9.

6.2.4. Mehrere Stufen in Gleichstromkopplung

Bild 6.9. zeigt eine Kollektorstufe mit anschließender Emitterstufe. Mit einer
solchen Anordnung lassen sich einerseits der Eingangswiderstand einer Verstärker­
stufe erhöhen und andererseits über eine direkte Kopplung eine entsprechende
Verstärkung erzielen. Zur Einstellung des Arbeitspunktes kann man bei der
1. Stufe, wie bereits beschrieben, verfahren. RE1 muß größer sein als RE2, damit
UBe2 den gewünschten Kollektorstrom Ic2 bewirkt. Infolge des niederohmigen
RE1 ist für T 1 ein kleines k vorhanden, wodurch sich eine große Stabilität ergibt.
Man kann weitere Transistoren in dieser Kopplungsart zusammenschalten. Eine
oft angewendete Schaltung einer galvanischen Kopplung zwischen dem Kollektor
der Vorstufe und der Basis des Transistors der darauf folgenden Stufe zeigt
Bild 6.10 a. Mit dieser Schaltung kann bis zur Frequenz 0 verstärkt werden. Prin­
zipiell läßt sich R1 von Stufe 1, wie bereits beschrieben, ermitteln. Für RE2 gilt,
daß er hochohmiger als REr sein muß. Diese Schaltung erreicht nicht die Stabilität
der Schaltung nach Bild 6.9.

Bild 6.10a.

246
6.2.4.1. Darlington-Verstärker

In Fortsetzung der oben behandelten Anordnungen nachstehend noch einige


Bemerkungen zum Darlington-Verstärker. Man benötigt mindestens 2 in Kette
geschaltete Transistoren. Wie die unten ersichtlichen Formeln erkennen lassen,
errei�ht man eine Erhöhung des Eingangswiderstands und der Gesamtstrom­
verstärkung. Die Vierpolparameter der Emitterschaltung (Bild 6.10b.) lauten:

hue""'hu! + hu!1h12!h21!
hue""' h12!h12!I
z.
''2le h21eIh2leli
-

._..

- h22eII + h22eIh12eIIh2leli
h22 e-
Solange man h22! h11!1 gegen 1 vernachlässigen kann, ergibt sich mit einiger Nähe-
rung:
huc ""'hu! - hu�Ih12!h21�
I
h12c ""' h12!h12!
h21c ""=' h21!h21!I
h22c � h22cII - h22cIh 12cIIh21cli
Um z. B. Spannungs- und Leistungsverstärkung zu errechnen, braucht man nur
die obigen Vierpolparameter in die Beziehungen des Abschnitts 6.1.2. (auch
6.4.2.) einzusetzen.

Bild 6.10b.

6.3. Gegenkopplung

Es wurde bereits auf die Wirkung von ohmseben Widerständen in Transistor­


verstärkerstufen hingewiesen. Beispielsweise hat man nicht nur eine Gleichstrom­
gegenkopplung, wenn man RE nicht mit einem Kondensator entsprechender
Größe überbrückt. Es sollen nun die Wechselgrößen absichtlich gegengekoppelt
werden.

247
Dabei wird gegenphasig zur Eingangsgröße eine bestimmte Ausgangsgröße zum
Eingang zurückgeführt. Exemplarstreuungen, die sich beim Auswechseln von
Transistoren ergeben, sind weniger kritisch, dagegen wirken sich Batteriespannungs­
änderungen unangenehm aus. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der Abweichung
von Ausgangsgrößen infolge Temperaturänderungen. Der Eingangs- und der
Ausgangswiderstand einer gegengekoppelten Stufe erhöhen sich, die Stufen­
verstärkung sinkt.

6.3.1. Stromgegenkopplung

Bild 6.11. zeigt eine Stufe mit Stromgegenkopplung. Dabei dient R' zur Gegen­
kopplung. Die Gegenkopplung kann auch mit RE vorgenommen werden, wobei die
Größe des Kondensators noch eine frequenzabhängige Gegenkopplung ermög­
licht. Allerdings ist dabei die zur Verfügung stehende Batteriespannung mit zu

berücksichtigen. Es verändern sich die h-Parameter des Transistors:

h'
11
= h11 + R'h21 (6.46.)
h 12I = h12 +R'h2z

h'
21 = h21

h'
22
= h22

Der Eingangswiderstand des Transistors ist dann

h11 + R'h21 + ßhRL


rtg = ·
(6.47.)
1 +h22 RL

Für den Ausgangswiderstand ergibt sich

h11 + R'h21 +Ru


r2g -
_
(6.48.)
ßh +h22Rg

-,.::cE
i Bild 6.11.

248
Die Determinante Ah verändert sich nicht. Die Spannungsverstärkung, bezogen
auf die Generatorspannung ug, ist
U h21 RL
V g = ce = (6.49.)
u -u; - h11 + Rg + h21 R' + RL (Ah + hzz R")
Die Stromverstärkung ergibt sich zu

(6.50.)

Die Leistungsverstärkung ist wieder Vpg = V;gVug· An Hand dieser Gleichungen


kann man feststellen, daß sich der Eingangs- und Ausgangswiderstand erhöht und
die Leistungsverstärkung verringert haben.
Die Kapazität des Emitterkondensators wird an anderer Stelle (NP-Verstärker)
näher erläutert (s. S. 255).

6.3.2. Spannungsgegenkopplung

Zur Klärung dient Bild 6.8. Es verändert sich R1 in R�, denn es soll ein gewünschter
Grad der Gegenkopplung erreicht werden. Die Elemente der h-Matrix sind:

hil = hll
h�2 = h1z + g'
(6.51.)

g' = h11/R�

Der Eingangswiderstand des gegengekoppelten Transistors ist

h11+ AhRL
rlg' = (6.52.)
(
1 + RL h22 +
h
���)
und der Ausgangswiderstand wird

hu + Rg
rzg' = (6.53.)
Ah + Rg hz2 + ( �h �� ) ·
Die Spannungsverstärkung bezüglich der Generatorspannung wird

V·g =�
Ur;'
= (6.54.)
u

Die Stromverstärkung errechnet man mit

V.
•g
• -- f;;-
ic - -:;-
.,...;::
h21
.--, -..,..,.-
...=.
1 + RL (�z + h21/R1')
�-,
.:., =-:� (6.55.)

249
Die Leistungsverstärkung erhält man wieder aus der Multiplikation beider Ver­
stärkungen. Sie wird auch bei der Spannungsgegenkopplung geringer, da sich die
Stromverstärkung reduziert. Eingangs- und Ausgangswiderstand erhalten eben­
falls geringere Werte.
Beim Festlegen von R1' muß man zuerst die Größe von R1' für den Arbeitspunkt
ermitteln. Setzt man den auf diese Weise 'gefundenen Wert in die obigen Glei­
chungen ein, dann läßt sich der Einfluß durch R1' feststellen. Beeinßußt R/ den
Arbeitspunkt zu sehr, so ist Rt' aufzuteilen. Dabei wird R1' in den Wert aufgeteilt,
mit dem sich .der gewünschte Effekt erzielen läßt, und in den übrigen Widerstand,
den man wechselstrommäßig durch eine Kapazität an Masse legen muß.

6.3.3. Beispiele zu Abschnitt 6.2. und 6.3.

Beispiel 6.4.

Ein Transistor in Emitterschaltung hat eine Kurzschlußstromverstärkung von 40.


Im Arbeitspunkt soll ein Kollektorstrom von 1 mA fließen.
Welcher Basisvorwiderstand ist erforderlich, wenn UBa = 10 V beträgt?

Lösung

Da man voraussetzen kann, daß UBE < UBa ist, läßt sich GI. (6.33.) �wenden;

10
R1 = _3 40 = 400 kil.
10

Beispiel 6.5.

Nach dem Kennlinienfeld eines Transistors soll bei UcE = 6 V ein Kollektorstrom
von 2 mA fließen.
Ermittle die Widerstände R1, R2 und RE, wenn folgende Werte gegeben sind:

ß = 20, UBE = 0,2 V, RL = 2,5 k!l, UBa = 12 V, k = 5.

Lösung

Infolge des Spannungsabfalls an RL ist UL = 5 V. Weil UcE = 6 V sein soll,


bleibt nur noch 1 V für den Spannungsabfall an RE. Es wird Kleinsignalstrom­
verstärkung vorausgesetzt (ß* = ß). Deshalb ist /B = 2/20 = 0,1 mA Dadurch
.

kann man in Verbindung mit Ic auch die Größe von RE feststellen; RE = 1/(2
+ o,t). toa = 477 n.
Wenn nun k = 5 sein soll, ist mit

Rei = 1 kil R� = 5 • 1 = 5 kil.

Durch Einsetzen der bisher gefundenen Werte in GI. (6.41.) wird

5 (12- 0,94)
R1 33 7 kil
= 0,2 + 0,941+. 0,5 = •

250
Beispiel 6.6.

Wie groß ist das Verhältnis der Eingangswiderstände einer Emitterstufe bei
Stromgegenkopplung?

Lösung

Man setzt GI. (6.10.) und GI. (6.47.) ins Verhältnis;


.
h2t R'
Q 1
= + h11 + MRL

Angewendet auf ein praktisches Beispiel, ergibt sich mit R' = 50 Q, h21= 30,
RL = 1 kil, h11 = 1,5 kQ, tlh = 0,05, Q = 1,1; also ist r1g 10% größer als r1•

6.4. Transistor als Verstärker

Betreibt man den Transistor bei seinen Betriebswerten, so kann man an seinem
Ausgang (Kollektor- oder Emitterkreis) die verstärkte Signalleistung abnehmen.
Ähnlich den Röhrenverstärkem, unterscheidet man in der Transistortechnik z. B.
\
HF- bzw. NP-Verstärker usw.

6.4.1. NF-Verstärker in Anfangsstufen

Die vom NP-Generator abgegebene Leistung muß im allgemeinen verstärkt wer­


den. Liegt die Aussteuerung der Transistorstufe in der Größenordnung, bei der
sich die Krümmung der Kennlinie praktisch nicht auswirkt; dann ergibt sich
Kleinsignalstromverstärkung. Dafür gelten die h- und y-Parameter. Es findet
Stromsteuerung statt. Gemäß Bild 6.12. ist als Arbeitswiderstand für den Tran­
sistor ein ohmscher Widerstand vorgesehen. Zur weiteren Erklärung sei zunächst
von der 1. Stufe ausgegangen. Bei NF-Verstärkerstufen werden praktisch nur
Emitterstufen angewendet .

---r--�--�-o U�
.--

Bild 6.12.

251
1-UcEmaxzu
�--��-----T-

- UCE Bild 6.13.

Bild 6.13. zeigt das Kennlinienfeld eines Transistors, in das die Grenzen der Be­
triebswerte gestrichelt eingezeichnet sind:

-die maximale Verlustleistung Pcmax•


-den maximalen Kollektorstrom -lcmax (z.B. für Ge-Transistoren),
-die maximale Kollektorspannung - UCEmax.

Diese Werte dürfen nicht überschritten werden. Das gleiche gilt ebenfalls für die
statischen Betriebswerte. Allerdings lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen
auch diese Werte überschreiten.
Der Arbeitspunkt A könnte maximal auf der Hyperbel liegen. Beispielsweise
befindet sich der Arbeitspunkt bei Anfangsstufen weit unterhalb des genannten
Punktes. Die Kniespannung Ukn begrenzt die Aussteuerung der Kollektor­
spannung. Sie liegt bei Ge-Transistoren um 0,5 V; Si-Transistoren haben eine
höhere Kniespannung. Aus Bild 6.13. sind weitere interessierende Betriebswerte
ersichtlich. Man hat im Arbeitspunkt A den Strom -Ic, dazu die Spannung - UcE
den Basisstrom IB und die anliegende Basisspannung UBE. Die Betriebswerte
-

sind also vorhanden, ob ausgesteuert wird oder nicht. Zur Erklärung des Ver­
stärkungsvorgangs mit Transistor ist 4ie Arbeitsgerade RL- eingezeichnet. Sie
schneidet die x-Achse bei - U Ba und die Grenzgerade. Der tan ß dieser Geraden
ist ein Leitwert 1/RL-· Nur in dem Fall, bei dem parallel zu RL (d.h. am Ausgang
des Transistors) keine Last vorhanden ist, sind Gleichstromwiderstand RL- und
RL (Betrag der Wechselstromlast) identisch. Allerdings müßte man den Wider­
standRE mit zu RL- rechnen; dadurch würde dann die Arbeitsgerade etwas
flacher verlaufen. Ein geringerer Widerstand hat einen steileren Verlauf im Kenn­
linienfeld zur Folge (deshalb ist RL steiler als RL-). Die Arbeitsgerade RL ge­
stattet nun, die Aussteuerungsverhältnisse kollektorseitig zu ermitteln. Die
symmetrische Aussteuerung um A ergibt den Spitzenwert des Kollektorstroms

f""' Ic (6.56.)

durch Vernachlässigung des Kollektorstroms (da sonst ic = Ic - lc0). Bei voller


Aussteuerung der Kollektorspannung wird

(6.57.)

252
Somit ist

(6.58.)

Die Wechselstromleistung ergibt sich zu

(6.59.)

p in mW, wenn i in mA, u in V.


Der Spannungsabfall am Widerstand RL- = Re + RE kann zur Ermittlung von

UBa- UcE
RL-- (6.60.)
_

lc

dienen. Die Spannungen und der Strom sind als Betrag einzusetzen. Da man all­
gemein RE :::::: 0,1 UBallc setzt, ist auch sehr leicht RL- zu bestimmen. Fällt man
Lote von A und von den Aussteuerungsgrenzen in den 4. Quadranten, so lassen
sich die Eingangswerte an der Basis feststellen. IB war bereits durch A bekannt.
Deshalb läßt sich über A auch die Basis-Emitterspannung im 4. Quadranten
ermitteln. Die Aussteuerungsgrenzen ergeben dann die Amplituden von 4, und ube.
Sie sind mit Näherung

(6.61.)

Darüber hinaus ist auch

und (6.62.)

Der Eingangswiderstand der Stufe ergibt sich zu

(6.63.)

Mit diesem Widerstand ist der Generator belastet (an Stelle des Widerstands kann
sich auch ein Vorstufentransistor befinden).
Die Steuerleistung ist

(6.64.)

Pb in fLW, u in mV, i in mA.


In Verbindw1g mit GI. (6.59.) ergibt sich die Leistungsverstärkung zu

(6.65.)

253
In Bild 6.12. ist zu erkennen, daß der 1. Stufe eine 2. Stufe folgt. Der Ausgang der
1. Stufe wird demnach mit einem zusätzlichen Widerstand belastet. Setzt man vor­
aus, daß der Kopplungskondensator Ck2 für die zu übertragenden Frequenzen
einen vernachlässigbaren Widerstand aufweist, so muß der Belastungswiderstand
ftir die 1. Stufe folgenden Wert haben:

(6.66.)

r 12 - Eingangswiderstand von Tn, Rm und R2II -Widerstände desBasisspannungs­


teilers (sie liegen wechselstrommäßig parallel).
Infolge Rs ist deshalb der resultierende Lastwiderstand ftir T1

' RL I RB
RL - -=---='--=� (6.67.)
R L 1 +Rs

Entsprechend Bild 6.13. ist R� steiler als z.B. RL-·


Die Gerade RL- bleibt in ihrer Lage unverändert. Man muß also RL bei der er­
forderlichen Verstärkung berücksichtigen. Die Verstärkung beider Stufen ist mit
guter Näherung
h2
Vuge ""=' VulVuii = (
-� - _
h
_ -;-
t::. +·
h-1__,
21
1 ,.c- )(
.-::, - )
- - ---;h;- 1 -1 -:-
t::.h
(6.68.)
+
r12 Ru1

Dabei wurde vorausgesetzt, daß die Stufen gleiche Transistoren haben. Der
Steuerstrom und die Steuerspannung ftir die 2. Stufe sind

(6.69.)

Der Generatorwiderstand für die 2. Stufe ergibt sich zu

1/h221RuRs
R (6.70.)
gu �uRs + l/h221 Ru + RuRs
=

1 +

mit
R111R21I
Rs (6.71.)
R111 + R2Il
=

Zur Übertragung des Frequenzbandes muß der Kopplungskondensator C K eines


nach Bild 6.12. aufgebauten Verstärkers mindestens den nachstehenden Wert
haben, damit die Frequenz des unteren Bandes ungeschwächt weitergeleitet wird;

1 59. 10�
C K ::::: -;;-:-"' ....---,--, (6.72.)
fu(Ru + rll)
c in !LF, /in Hz, R in !1.
Für CKI ist in diesem Fall statt R u � Rg und r12 � r11 einzusetzen.

254
Die Kapazität des Emitterkondensators ergibt sich mit einiger Näherung.

1 59- 105
CE (6.73.)
fu(r�l + r12) ;
C in (J.F, /in Hz, Rinn.
Der Leitwert von r21 ist

1 1 1 1
-= - +-+-· (6.74.)
r� r21 RL Rs '

r:l1 inS.

Bei formaler Berechnung ergibt sich für CE1 ein anderer Wert als für CEII· Wegen
der Einheitlichkeit wird der größere Kondensator für beide EmitterJ<:ondensatoren
eingesetzt.

6.4.2. Impedanzwandler

Um über einen größeren Frequenzbereich ohne Transformator auszukommen,


wendet man die Kollektorstufe als Impedanzwandler an. Bekanntlich ist der Ein­
gangswiderstand einer Emitterstufe relativ niederohmig. Wird ein hochohmiger
Eingangswiderstand verlangt, so kann man mit derSchaltung nach Bild 6.14a.
einen höheren Eingangswiderstand als den der Emitterstufe erhalten. Zuweilen
besteht die Notwendigkeit, mehrere Kollektorstufen in Kaskade zu schalten,
damit man Eingangswiderstände von 1 MQ erhält. Wie leicht einzusehen ist,
setzt ein Basisspannungsteiler den durch die Kollektorstufe möglichen Eingangs­
widerstand herab. Aus d �eiem Grund benutzt man oft nur den Basisvorwider­
stand R•
1 Der Arbeitswiderstand des Impedanzwandlers ist der Emitterwiderstand
RL �RE. Wie man sieht, wird RL durch RB infolge der Parallelschaltung beider
in Ri verwandelt.
Der Eingangswiderstand ist nun

rlc:::.:: R{ß. (6.75 .)


Mit Berücksichtigung von R1 ergibt sich

(6.76.)

CK
K-,
r'1
R81 I
LJ
I Bild 6.14.a.
_..._

255
.-------�--�-�

RJ

Bild 6.14b.

Die Betriebsfrequenz kann höchstens der /()I. des Transistors entsprechen. Die
Spannungsverstärkung liegt maximal bei 1. Für die Leistungsverstärkung er­
geben sich Werte bis 150. Mit der Bootstrapschaltung (Bifd 6.14b.) erreicht man,
daß trotz des üblichen Basisspannungsteilers keine Verringerung des durch Gegen­
kopplung erhöhten Eingangswiderstands des Transistors eintritt. Es ist

rb - innerer Basiswiderstand des Transistors, re - innerer Emitterwiderstand,


25 10-3V .
, IR - Emttterstrom.
·

re""'
JE

Der Eingangswiderstand des Transistors ergibt sich zu

rei""' ß (re + R{;;) + rb. (6.77.)

Dabei ist

(6.78.)

Für die Spannungsverstärkung ergibt sich

RE
V u""'---:-,--­ (6.79.)
RE + re
Mit dem dynamischen Wert des Basisableitwiderstandes wird

I RB
RB""' (6.80.)
1- Vu

Der Eingangswiderstand der gesamten Schaltung ist

rci ·RB
reing""' + ' (6.81.)
rei RB

6.4.3. Phasenumkehrstufe
Zur Ansteuerung von Gegentaktendstufen bzw. für andere Anwendungsmöglich­
keiten läßt sich die Phasenumkehrstufe einsetzen (Bild 6.15.). Die Spannungs­
verstärkung ist für beide gegenphasigen Spannungen kleiner 1.

256
Bild 6.15.

Am Kollektor ergibt sich

h21bRL
Duc= (6.82.)
h11b +RE

Am Emitterwiderstand ist

RE
(6.83.)

Der Emitterwiderstand hat den Wert

(6.84.)

6.4.4. Differenzverstärker

Bild 6.15. zeigt einen einfachenDifferenzverstärker. Der Aufwand richtet sich nach
den Forderungen hinsichtlich der Unterdrückung von Störspannungen, z. B. kann
man mehrstufige Verstärker verwenden. Zum Aufbau des beschriebenen Ver­
stärkers muß man Transistoren verwenden, deren elektrische Kennwerte über­
einstimmen (die Steilheitsunterschiede wirken sich negativ aus). Die Aufgabe des
Differenzverstärkers besteht nun darin, Differenzspannungen Ue1 - Ue2 zu ver­
stärken und gleichphasige Spannungen möglichst zu unterdrücken (Ue1 + Uc2)/2.
Das letztere geschieht durch den Emitterwiderstand infolge Gegenkopplung. Bei
nicht ausreichender Unterdrückung verwendet man statt R E einen Transistor in
Basisschaltung. Für die Ausgangsspannung ergibt sich

Ua- V
_ ( U.
el
_ U.
e2
+ Uel + Ue2 ) •
(6.85.)
2D •

D - Störspannungsdämpfung (bis zu 120 dB).

17 Amateurtechnik 257
In diesem einfachen Fall ist n-1 """(2RES)-1• Die Verstärkung ergibt sich zu

v:::.: RaS •
(6.86.)
1 + RaGi

Orientierende Werte sind Gi = 10-8S, S = 2 mA/V, RE= 100 k!l, Ra""" 10 k!l.
Wie man sieht, läßt sich mit dem in Bild 6.15. gezeigten Differenzverstärker- außer
der gegenphasigen Spannung an den Kollektoren - gleichzeitig eine Verstärkung
größer 1 erreichen. Steuert man dagegen beide Transistoren an, so werden gleich­
phasige Spannungen gegen Masse wenig verstärkt (Gegenkopplung), dafür aber
gegenphasige Spannungen. Das Verhältnis beider Verstärkungen nennt man Gleich­
taktunterdrückung.
Nähere Einzelheiten sind aus der Spezialliteratur zu ersehen.

6.4.5. Beispiele zum NF-Verstärker

Beispiel 6.7.

Ein NP-Verstärker wird kollektorseilig von der 1. Stufe (Bild 6.12.) durch den
Basisspannungsteiler und den Eingangswiderstand von der 2. Stufe belastet. Um
welchen Faktor verringert sich die Spannungsverstärkung der 1. Stufe? Gegeben
sind: R4= 5 k!l, R1 = 30 k!l, R2 = 8 k!l, Y12 = 1,1 k!l, h21e = 20, h11e = 1 k!l,
·ßhe = 0,05.

Lösung

Um zu erkennen, wie sich die Spannungsverstärkung infolge Belastung am


Widerstand RL verändert, ermitteft man zunächst die Verstärkung ohne Last.
Dazu wird GI. (6.13.) angewendet;

20.5
Vu = -
25 10 2 + 1
• = - 80 .

Nun ist mit GI. (6.66.)


1,1. 30.8
RB = = 0•933 k!l.
30 8 + 1,1 8 + 1,1 30
· · ·

Man sieht, der Eingangswiderstand der 2. Stufe ist maßgebend an der Last be­
teiligt. Deshalb wird mit GI. (6.67.)

I 5 0,933
= 0,768 k!l .

RL =
5 + 0,933

Setzt man diesen Wert in die Gl. (6.13.) ein, dann erhält man Vu = -14,75. Damit
ergibt sich der Faktor 80/14,75 = 5,43, um den sich die .Spannungsverstärkung

infolge der Belastung der 2. Stufe reduziert.

258
Beispiel 6.8.

Es soll die Größe des Kopplungskondensators einer Transistorstufe errechnet


werden, wobei fu 300Hz, R4
= 2 k.Q und der Eingangswiderstand einer an­
=

schließenden Stufe 1 kQ betragen.

Lösung

Es wird GI. (6.72.) angewendet. Da RL1 <: r2 ist (was durchaus nicht immer zu
sein braucht), kann man in die Gleichung RL1 einsetzen.
Im anderen Fall, d.h. wenn beide Widerstände etwa gleiche Werte haben, muß
man die Parallelschaltung berücksichtigen. Da der resultierende Widerstand des
Basisspannungsteilers allgemein wesentlich höher als der Eingangswiderstand der
Transistorstufe ist, kann man beim Kopplungskondensator nur mit r12 rechnen;

15
, 9.1()5
CK =
3.1()5 (2 +1) =
0,177 [J.F .

An Stelle dieses Wertes kann man z .B . den handelsüblichen 0,25-[J.F-Konden­


sator einsetzen.

6.5. NF-Verstärker mit Transformatorkopplung

Für einige Anwendungsfälle eignet sich ein Transformator sehr gut. Durch Trans­
formatoren lassen sich in einem bestimmten Frequenzbereich optimale Betriebs­
bedingungen erreichen. Es kann gegebenenfalls sogar eine Transistorstufe einge­
spart werden. Zur Anpassung eines niederohmigen Lastwiderstands benötigt man
ebenfalls den Transformator. Im folgenden werden A-Verstärkerstufen (Stromfluß­
winkel1800)- wobei man Treiber- und Endstufe im Verfahren identisch ansehen
kann - sowie Gegentaktstufen in B-Betrieb behandelt.

6.5.1. Treiber- und Endstufe in A-Betrieb

Bild 6.16. zeigt den prinzipiellen Stromlaufplan einer Treiber- und Endstufe in
A-Betr�b. Der im Bild angegebene Belastungswiderstand Rn kann bei der Treiber­
stufe z. B. der Eingangswiderstand der folgenden Endstufe sein. Im Fall der End­
stufe könnte er dagegen z. B. den Lastwiderstand des Schwingspulenwiderstands
eines Lautsprechers darstellen. Es ergibt sich also der Lastwiderstand der Tran­
sistorstufe zu

(6.87.)

Diese Bedingung kann nur dann realisiert werden, wenn die RL parallelliegende
Primärinduktivität des Transformators bei der Frequenz der unteren Bandgrenze
einen hohen Blindwiderstand aufweist. Infolge des relativ geringen Wirkungs­
grades des Treibertransformators von etwa 40% muß man eine höhere Ausgangs­
leistung P0 der Treiberstufe ansetzen.

259
-i
c
- icmox

RL""-... ---..1co
- .

Uc• -0J -Uc


a e
-Vxn -Ucc
Bild 6.16.

Gegebenenfalls ist ein Transistor mit höherer Verstärkung vorzusehen. Die in die
Stufe hineingeführte Gleichstromleistung Pi ergibt sich zu

Pie= 2,5P0• (6.88.)

Dabei kann man die für die Aussteuerung der Endstufe errechnete Leistung ein­
setzen. Diese Leistung wird im Transistor umgesetzt. Sie darf niemals höher als
Pc maxzul werden. Das gilt auch für den Endstufentransistor. Dabei sind wiederum
oft Kühlbleche notwendig. Infolge maximaler Transistorgehäusetemperatur (mit
und ohne Kühlblech beachten) und der Sperrschichttemperatur (Ge-Transistor
� 75°C, Si-Transistor� 150°C) sowie des thermischen Innenwiderstands des
Transistors (Kennwert vom Herstellerwerk) ist

__:. #jmax - #Gmax


pC max zul - (6.89.)
Ri Lberm

Bei höherer Umgebungstemperatur kann es also öfter vorkommen, daß sich der
nach Gl. (6.88.) ausgewählte Transistor nicht mehr verwenden läßt. Für den
Endstufentransistor trifft besonders zu, daß der Arbeitspunkt für den nicht­
ausgesteuerten Zustand eingestellt werden muß. Die Kollektorverlustleistung hat
die Bedingung

Pc max < Pcma.-uul (6.90.)

zu erfüllen. Der Kollektorstrom ist in Verbindung mit Gl. (6.89.) und Gl. (6.90.)

Pc max
l = (6.91.)
C UBa- UE •

Der Widerstand RL, auf den der Transistor arbeitet, ist unter Vernachlässigung des
Gleichspannungsabfalls an der Primärwicklung des Transformators

UBa -UE
RL= (6.92.)
Ic

R in n, U in V, I in A.

260
In Bild 6.16. ist auch das Kennlinienfeld zur Charakterisierung der Verhältnisse
wiedergegeben. Der Arbeitspunkt liegt auf der Gleichstromwiderstandsgeraden RL-•
der sich aus dem Gleichstromwiderstand der Primärwicklung und aus RE zu­
sammensetzt. Der Spannungsabfall an diesen Widerständen ist beim Entwurf nicht
bekannt. Für die von Amateurgeräten zu erzeugenden Leistungen kann man als
Erfahrungswert 1,5 V ansetzen. Der Fußpunkt von RL- schneidet auf der Abszisse
Usa· Je nach Transistortyp ist Usanegativ oder positiv. Bei Ge-Transistoren wird
gemäß Bild 6.16. der Arbeitspunkt dadurch fixiert, daß man Usa + 1,5 V addiert
-

und von dieser Spannung eine Senkrechte ins Kennlinienfeld bis zum Schnitt-.
punkt mit der Leistungshyperbel fällt. Von dort addiert man nochmals den er­
haltenen Wert für - /c und zieht dann eine Parallele zur Abszisse, bis sie die
Grenzgerade schneidet. Das ergibt als Lot auf die Abszisse die Spannung - Ukn.
Damit hat man den Endpunkt der Wechselstromgeraden für RL. Zieht man nun
von diesem Punkt über A die Gerade bis zur Kennlinie für /8 = 0, so ist die
gesamte Gerade beschrieben. Alle weiteren Größen lassen sich jetzt, wie bereits
beschrieben, ermitteln. Mit Hilfe des Kennlinienfeldes und der Widerstands­
geraden im Arbeitspunkt A läßt sich die Steilheit feststellen. Damit kann man
den erforderlichen Emitterkondensator CE als wechselstrommäßige Überbrückung
von RE angeben;

s
CE� 0,159 ; (6.93.)
fu

C in F, S in A/V, /in Hz.


Aus dem Kennlinienfeld (Bild 6.16.) konnte man ersehen, daß die maximale Ampli­
tude des Kollektorwechselstroms fc = Ic ist. Mit der Vernachlässigung der Knie­
spannung beträgt dann die Kollektorwechselspannung U0""' UcE· Also erhält man
als vom Transistor abgegebene Wechselstromleistung bei voller Aussteuerung

I Po "'=' 0,5 (/c · UcE) I· (6.94.)

Demnach muß die in den Transistor hineingesteckte Gleichstromleistung

Pi= UcElc (6.95.)

sein (bei fehlendem RE und zu vernachlässigendem Spannungsabfall an der Pri­


märwicklung des Transformators wird UcE Usa) . =

Setzt man obengenannte Gleichungen ins Verhältnis, so ergibt sich der maximal
mögliche Wirkungsgrad von 50%. Man kann aber weder Ukn noch den Spannungs­
abfall an der Wicklung des Transformators vernachlässigen. Deshalb ist ein prak­
tischer Wirkungsgrad von 42% anzusetzen. Wenn man nun den Wirkungsgrad
des Ausgangstransformators mit einbezieht, so ist die vom Transistor aufzubrin­
gende Leistung

Ps
Po=- "'=' 3Ps. (6.96.)
TJtr 'TJTr •

261
Es wurde bereits erwähnt, daß die maximal vom Transistor aufgenommene Gleich­
stromleistung ohne Aussteuerung am Eingang am größten ist. Das folgt aus der
nachstehenden Beziehung:

I Pc =Pi -Po = Ic [UcE -


0,5 m2 (Uc� (6.97.)

Man sieht, mit m =0 wirdP c = P;. Die dem Transistor zugeführte Steuerleistung
ist in der Funktion, ähnlich der der Anfangsstufen, durch Pb = O,Sibub gegeben.
· lnfolge der Aussteuerung bis an die Grenzen der Kennlinie tritt dabei keine Klein­
signalstromverstärkung mehr auf. Man orientiert sich auf die Großsignalstrom­
verstärkung B (B < ß).
Der Aussteuerungsgrad m wird beim Gegentaktverstärker erklärt.

6.5.2. Übertrager der Stufen

6.5.2.1. Eingangsübertrager

Diese Übertrager kommen in Anfangsstufen, aber zuweilen auch am Eingang von


Treiberstufen vor. Für das Übersetzungsverhältnis ergibt sich

V (ri VL� '


- - Wp Rg + Rp Lp .
u - W. -
- - (6.9 8. )
+ R,) ?Jtr

Lp und 4, - Induktivitäten der Wicklungen.


Den Wirkungsgrad des Transformators kann man mit 0,6 maximal annehmen.
Die primäre Induktivität hinsichtlich der unteren Grenzfrequenz ist

_ 8· 10�2Rg.
L -
(6.99.)
p - fu- '
L in H, R in 0, f in Hz.
Den Streufaktor kann man mit 0,02 annehmen, damit wäre die mittlere Frequenz
im Übertragungsbereich

fm ""=' 1,13 �gp • (6.100.)

Für die obere Grenzfrequenz wird

g
fo""" 16 !
L
• (6.101.)
p

Das Verhältnis fo!fu kann unter diesen Bedingungen etwa 200 sein.

6.5.2.2. Zwischen- oder Ausgangsübertrager


Beide Transformatoren unterscheiden sich nur in der zu übertragenden Leistung.
An Stelle von Rg und r1 in GI. (6.98.) werden hier die für. diese Stufen charakte-

262
ristischen Widerstände, z.B. in der Endstufe RL und Rn1 eingesetzt. In diesem Fall
kann man auch 'TJ�x mit maximal 90 % voraussetzen. Die Induktivität Lv ist

Lr ""' 1,59 i�o -�,2


; (6.102.)

L,in H, R in !l, /in Hz (bei Endstufen für r2 = RL). Die Stromverstärkung bei
Kleinsignalstromverstärkung ergibt im mittleren Frequenzbereich zu

Vim ::::::: - 0, 5 21
h 1/f • (6.103.)

Die Spannungsverstärkung wird unter den gleichen Bedingungen

h21
Vum = - •
(6.104.)
M+}!g
,2

Im Widerstand Rn vereinigen sich wieder sämtliche Widerstände gemäß GI. (6.66.).


Bei Ausgangsstufen gelten die obengenannten Beziehungen nicht. Zusammen­
gefaßt noch einige Formeln hinsichtlich des Ausgangsübertragers.
Eisenquerschnitt (kein Luftspalt für Gegentaktschaltung, sonst Luftspalt):

F = 3,16 YPo; (6.105.)

F in cm2, P in VA.
Primäre Windungszahl:

Wp= V*; (6.106.)

AL in H/w2•
Der erforderliche Drahtdurchmesser ist

dp =0'4 V qw.
W '
p
(6.107.)

d in mm, qw - Wickelfläche in mm2•


Die Stromdichte im Draht ergibt sich zu Uc ::::::: 0,3/cmax)

s=!s:_.' (6.108.)
qp
s in Amm2, qP - Querschnitt der Drahtstärke der Primärwicklung. Sie kann

zwischen 2 A/mm2 und 3,5 A/mm2 liegen, wobei ein höherer Wert eine größere
Erwärmung des Transformators zur Folge hat.

6.5.3. NF-Leistungsstufe in B-Betrieb

Wie bei röhrenbestückten NF-Endstufen kann man Gegentakt-B-Stufen mit


Transistoren aufbauen. Durch den B-Betrieb (Stromflußwinkel 90°) fließt nur
bei Aussteuerung ein höherer Kollektorstrom. Damit zusätzliche Verzerrungen ver-

263
Bild 6.17a.

mieden werden, sollten die beiden Transistoren möglichst gleiche Kennwerte


haben. Es ist Spannungsaussteuerung vorgesehen, demnach muß der Generator­
widerstand niederohmig sein (das kann also auch für den Ausgang des Treibers
zutreffen). Bild 6.17a. zeigt den Stromla,ufplan einer Gegentaktendstufe und das
zugehörige Kennlinienfeld. Infolge der Transformatorkopplung kann die Basis­
spannung durch einen niederohmigen Spannungsteiler gewonnen werden. Parallel
R2läßt sich ein temperaturabhängiger Widerstand einsetzen (gestrichelt gezeichnet).
Es ist zu beachten, daß der Spannungsabfall an R2 nicht überbrückt werden darf,
weil sonst durch die Aussteuerung eine zusätzliche Gleichspannung entsteht, die
den Arbeitspunkt verlagert. Das gleiche gilt auch für den Widerstand RE (Emitter­
widerstand). Um diese Wirkung zu verhindern, muß man an Stelle von RE z.B.
einen temperaturabhängigen Widerstand einsetzen. Die maximale Verlustleistung
ist wieder in Verbindung mit GI. (6.89.) und GI. (6.90.) zu berechnen. Für die
Batteriespannung gilt

Ußa < 0,5UcEmaxzul• (6.109.)

Der Kollektorruhestrom wird so gewählt, daß er etwa 2% von ic maxzul ist. Den
Außenwiderstand bestimmt man nach

UBa- ukn
R (6.110.)
-

L- lcmax zu!

oder
O,lUBa2
RL= (6.111.)
Pcmaxzul

Der größere Wert beider Beziehungen entscheidet für die Dimensionienmg. Der
mit ü2RB in den Kollektorkreis transformierte Lastwiderstand muß den Wert
4RL aufweisen. Die Festlegung des Übersetzungsverhältnisses für den Transfor­
mator erfolgt wieder unter Berücksichtigung des Transforrnatorwirkungsgrades.

264
Rechnet man wieder mit dem Aussteuerungsgrad m (der etwa das Verhältnis von
Wechsel-/Gleichgröße angibt), so wird mit m der Kollektorwechselstrom

ic = m (Ie ma x -leB). (6.112.)

Das B im Index von /e deutet auf den Arbeitspunkt in B-Betrieb hin (Kollektor­
strom ohne Aussteuerung). Die Kollektorwechselspannung an einen Transistor ist

(6.113.)

Eine für die Amateurpraxis ausreichende Beziehung gestattet die Berechnung der
abgegebenen Wechselstromleistung unter Vernachlässigung von Ukn und leB mit

(6.114.)

P in mW, I in mA , U in V.
Die aufgenommene Gleichstromleistung ist

(6.115.)

Mit den gleichen Voraussetzungen wie bei der Angabe von P0 kann man für Pi
·

schreiben

Pi"= 0,318U Balcmax (1,96m + 0,0628); (6.116.)

P in mW, U in V, I in mA .
Wenn m = o, ist Po= 0 und Pi sehr klein.
Deshalb muß auch der Wirkungsgrad von m abhängig sein;

(6.117.)
TJ"" (1,96m + 0,0628)

Es ist ein theoretischer Wirkungsgrad von 78 % möglich. Als Differenz von Pi


und P0 ergibt sich wieder

Pe =Pi -Po"" lemax UBa [(0,63 m + 0,02) - 0,46m2].

Die Abhängigkeiten beider Beziehungen sind aus Diagramm 6.4. zu ersehen. Die
Steuerleistung kann man entsprechend Abschnitt 6.5.1. berechnen.

6.5.4. Eisenlose Endstufe

Bild 6.17b. zeigt die Prinzipschaltung einer eisenlosen Endstufe. Man kann, dazu
Si- oder Ge-Transistoren verwenden. Auf Grund der geringeren Restspannung bei
Ge-Transistoren setzt man diese häufig dann ein, wenn niedrige Batteriespannungen
zur Verfügung stehen� Vielfach werden auch Komplementärtransistoren benutzt. Das

265
Bild 6.17b.

sind Transistoren mit entgegengesetzten Polaritäten. Nachstehend werden Tran­


sistoren gleicher Polarität im A-Betrieb beschrieben.
Der Spitzenwert der Wechselspannung an RL ist

U = �B- Uv. (6.118.)

Darin ist UB die Batteriespannung und Uv die Restspannung eines Transistors und
bei Vorhandensein eines Emitterwiderstands der Spannungsabfall an ihm. Für den
Spitzenstrom durch RL ergibt sich

i = 2/c . (6.119.)

Damit ist der Lastw ilierstand


RL
u = UB - 2Uv (6.120.)
i
=

4 • Ic

Demnach wird die Ausgangsleistung

Po = u/ ( UB--; 2Uv )
=
• l
c. (6.121.)

Bei fehlender Kollektor-Wechselstromleistung (ohne Aussteuerung) ist die Ver­


lustleistung je Transistor

(6.122.)

Im voll ausgesteuerten Zustand ist sie dagegen

P,
c = p Po
c - 2· (6.123.)

Die erforderliche Batteriespannung wird

(6.124.)

266
Zur Ermittlung der Steuerleistung beider Transistoren geht man von den Spitzen­
strömen aus, wobei ibe =i/B ist (B - Großsignalstromverstärkung). Mit der
Basisspitzenspannung Ube wird nun ftir T2 die Eingangsleistung

p Ube ibe
- (6.125.)
_ •

e2 -2
--

und der Eingangswiderstand

(6.126.)

Beim Transistor T3 ergibt sich für die Eingangsleistung

p
-
(ube + u) . fbe
es- (6.127.)
2

und für den Eingangswiderstand

(6.128.)

Sind die Eingangswiderstände von T2, T3 sehr niederohmig, dann muß man noch
jeweils eine Impedanzstufe vorschalten. Das Verhältnis der Widerstände R3 und R4
für die Wechselstrombedingungen ist

(6.129.)

Mit JEt� Iet, lctRa � UuE2 und lctR4 = UB/2-UBea werden die Gleichstrom­
bedingungen

(6 .130.)

Für T1 ist die Basisvorspannung UBE2 + UBEt notwendig, die man mit R1 und R2
einstellt.

6.5.5. Beispiele zur Transformatorkopplung

Beispiel 6.9.

Der Außenwiderstand einer Transistorendstufe beträgt 100 0. Es ist der erforder­


liche Drahtdurchmesser der Primärwicklung zu ermitteln, wobei die Wickelfläche
2 2
40 mm hat und der AL-Wert 2 10- 6 H/W aufweist sowie eine untere Grenz­
·

frequenz von 50 Hz übertragen werden soll. Bemerkung: Bei Endstufentransistoren


gibt man wegen der Groß�igoalverstärkung nicht die h-Parameter an. Aus dem
Kennlinienfeld lassen sich die Betriebswerte ersehen.

267
Lösung

Weil bei Endstufen r2 � RL bzw. Ra ist, kann man mit GI. (6.102.) die Induktivität
ermitteln;

0,159 100
Lp = · = O,32 H .
50

Nun ist mit GI. (6.106.)

V
0,32
Wp = 103 ----n- "'=' 400,

und gemäß GI. (6.107.) ergibt sich ein Drahtdurchmesser der Primärwicklung von

dp =

V: ""'0,13 mm.

Beispiel 6.10.

Am Belastungswiderstand einer Gegentakt-B-Endstufe (1 0) wird eine effektive


Spannung von 1 V gemessen. Der Aussteuerungsgrad m soll 0,8 betragen (bei
einer derartigen Angabe kann es sich nur um eine konstante Steuerspannung han­
deln, z. B. um eine sinusförmige Spannung). Berechne die von den Transistoren
abzugebende Leistung, die von der Stuf« aufgenommene Gleichstromleistung und
den Außenwiderstand zwischen den Kollektoren (UBa = 12 V, Ukn = 0,5 V
1Jtr =
0,7).

Lösung

Die am Lastwiderstand abfallende Leistung beträgt 1 W. Bedingt durch den


Wirkungsgrad des Transformators, müssen die Transistoren P0 1/0,7= 1,43 W =

auf bringen. (Obgleich 1Jtr maximal 90% betragen kann, ist es zweckmäßig, mit
einem geringeren Wirkungsgrad zu rechnen.)
Mit GI. (6.113.) wird die Wechselspannung zwischen den Kollektoren

2Uce = 2 0,8 11,5


• • = 18,4 V.

lnfolge der sinusförmigen Spannung ergibt sich eine effektive Spannung von
18,4/1,414 = 1 V. Damit beträgt das Übersetzungsverhältnis ü = 13/1 = 13. Der
zwischen den Kollektoren transformierte Lastwiderstand ist dann

Rcc = Ü2RB = 169 0.

Um Pi zu errechnen, ist
fc zu ermitteln. Das geschieht mit der von den Transistoren
abzugebenden Leistung; diese war 1,43 W. Also ist fc 2,86/9,2""' 310 mA. =

Unter Vernachlässigung von leB wird mit GI. (6.112.)

z"cmax = 310/0,8 = 380 mA.

268
Deshalb ergibt sich mit GI. (6.116.)

Pi = 0,8 · 0,633 · 0,39 · 12 = 2,38 W .

Demnach hat die Endstufe einen Wirkungsgrad für m = 0,8 von 17 = 1,43/2,38
= 0,6.
Einen solchen Wert kann man auch aus Diagramm 6.4. ablesen.

6.6. HF-Verstärker mit Transistoren

Aus den Kenndaten der Transistoren geht hervor, daß ihre Verstärkungseigen­
schaften von den Grenzfrequenzen Ia und I{J bzw. h abhängig sind. Das unter­
scheidet den transistorischen HF-Verstärker vom Röhrenverstärker. Durch die
Vervollkommnung der Fertigungstechnologie bei Transistoren ist es gelungen,
z. B. die Rückwirkungskapazitäten wesentlich herabzusetzen, so daß Si-Tran­
sistoren in Emitterschaltung ohne Neutralisation bereits bis in hohe Frequenz­
bereiche (UKW) angewendet werden. Die Entscheidung über den Einsatz eines
Transistors wird von seinen Grenzfrequenzen und vom gerade vorhandenen Typ
beeinftußt.
In der Amateurtechnik setzt man im allgemeinen Breitbandverstärker (wie Selek­
tivverstärker) ein. Dazu werden nachstehend einige wichtige Beziehungen genannt.

6.6.1. Breitbandverstärker

Die Wirkungsweise des Breitbandverstärkers läßt sich am besten an einem 2stufigen


Verstärker (Bild 6.12.) erklären. Den ohmseben Widerständen im Kollektorkreis
der 1. und 2. Stufe liegen Kapazitäten und Widerstände parallel. Basisstufen
werden nicht angewendet. Die untere Grenzfrequenz wird im wesentlichen durch
den Emitterkondensator bestimmt, jedoch beeinflußt auch der Kopplungskonden­
sator diese Frequenz. Die Wirkungsweise beider Kondensatoren wurde bereits
erklärt. Von großem Interesse ist weiterhin dte obere Grenzfrequenz lo· Das
Produkt aus Bandbreite und Verstärkung ist gleich einer Konstanten. Daraus
folgt, daß bei höherer Bandbreite eine geringere Verstärkung in Kauf genommen
werden muß. In Verbindung mit dem Basiswiderstand von etwa 100 n und einet
Steilheit von etwa 20 mA bei Legierungstransistoren ergibt sich für die obere Grenz­
frequenz- 2. Stufe - (Diagramm 6.5.)

J; Ia 0,5la
(6.131.)
_ _

0 - Srw (1 + a) - (1 + a) '

· mit dem Faktor a

(6.132.)

269
Setzt man die Werte fürS undr ein, dann ist

a ·RL Ia (20 + C11) 10-a;


� 3,14 • (6.133.)

R in k!l, I in MHz, C in pF.


Damit die SteilheitS möglichst keine komplexen Werte annimmt, soll dieBetriebs­
frequenz weit von dßr 1.. entfernt sein (ffl"' < 0,1).
I�t a gegeben, dann kann man auchRL ermitteln;

(6.134.)

Der Betrag der Verstärkung bei lo soll � 0,707vu sein, d.h. wenn
ß·S·RL
Vu �- (6.135.)
ß +S·RL

ist.Die schädliche Kapazität c. weist unterschiedliche Werte auf, sie richtet sich
danach, ob die 1. oder 2. Stufe betrachtet wird. Selbstverständlich gilt das auch für
RL.Darauf wurde bereits in den vorangegangenen Abschnitten hingewiesen. Für
c. gilt allgemein

(6.136.)

Cbe - Eingangskapazität des folgenden Transistors, Cd� Cbe (1 + vu), Csch -


Schaltkapazität.
Urteilt man nachBild 6.12., so entfallen für die 2. Stufe Cbe und Ce , während sie
bei der 1. Stufe erhalten bleiben. Die obere Grenzfrequenz für die 1. Stufe ist

fr. (SRL + ß)la 0,05 (0,66RL + 1)la .


(6.137.)
_ _

0 - RL(rbb' +RL) (1 + b) - (0,1 + RL)(1 +b) '


I
lo in MHz, R in k!l, Ia in MHz.
S und r wurden wieder wie bereits vordem eingesetzt und für ß = 30 gewählt.
Man kann auch die Größen in die Gleichungen einsetzen, die sich gerade aus den
vorhandenenBedingungen ergeben.
Der Summandbist (Diagramm 6.6.)

3,14. w-'
b (20 + C8) RLia· (6.138.)
(0,1 +RL)
=

Zur Allgleichung an die praktischen Verhältnisse wählt man gemäß GI. 6.135. ein
möglichst niederohmigesRLund setzt den Wert in GI. (6.138.) ein; damit läßt sich
lo durch Einsetzen vonbin GI. (6.137.) ermitteln. In denDiagrammen kann man
lo für beide Stufen ablesen. Bei röhrenbestückten Breitbandverstärkern läßt sich
mit einer Kompensationsinduktivität die Grenzfrequenz des Verstärkers erhöhen.
Diese Erkenntnis wird ebenfalls bei den Transistorverstärkern ausgenutzt. Die
Wirkungsweise wird am Beispiel des Ausgangs der 2. Stufe erklärt B
( ild 6.18.).

270
Bild 6.18.

Bezieht man sich bei der Verstärkung zur Frequenz I (im Übertragungsbereich)
auf die Verstärkung V0, dann ist mit

(6.139.)

oder

80RL
L (6.140.)
=

lo

(L in !J.H, p.. in k!l,Jin MHz)


das Verhältnis

(6.141.)

Es wurde die Betriebsfrequenz I= Plo gesetzt, wobei lo die obere Grenzfrequenz


ohne Induktivität darstellt. In Diagramm 6.7. ist GI. (6.141.) für unterschied­
liches p ausgewertet. Legt man zwischen den beiden Stufen nach Bild 6.19. eine
Induktivität, so ergibt sich das bekannte n-Glied. Der praktischen Erfahrung ent­
sprechend kann man Ca/Ce 0,5 und G8/Ge 1 setzen. Dadurch wird das bereits
=
=

genannte Spannungsverhältnis

I � I� Y(l - 0,25p2)2 + �2 (1,12 - 0,1p2)2


. (6.142.)

.RLz i
= =ca
I
..L Bild 6.19.
-Uea

271
Man erreicht eine höhere Grenzfrequenz als ohne dieses Glied (3,210), nämlich mit
der Induktivität in der Kollektorzuleitung. Mit q = 0,5 und ß = 30 ergibt sich
für das L des :n:-Glieds

qRL{I 2,4 103RL


·

L"' (6.143.)
_
-
Wo (ß + SRL) fo(30 + SR0
L in [LH, R in kil, I in MHz, S in mA/V.
lo stellt die Grenzfrequenz der 1. Stufe ohne Kompensationsmittel dar. Vu ist die
Verstärkung nach Gl. (6.135.). In der Praxis sind <tie y-Parameter dem Amateur
teilweise schwer zugänglich, deshalb muß man zunächst Vu nach Gl. (6.13.) bei
vorgegebenem RL ermitteln.
Danach stellt man in Abhängigkeit von I den Wert von 0, 707vu fest. Die sich er­
gebende Grenzfrequenz lo dient somit als Bezugsgröße bei der Berechnung von
L bzw. Ln.

6.6.2. Selektive HF-Verstärker

Transistoren werden bereits bis in das UHF-Gebiet in Basis- und Emitterschaltung


eingesetzt. Die Entscheidung, ob man diese oder jene Schaltung anwendet, hängt
sehr oft nur von Ia bzw. h ab. Aus diesem Grund soll noch auf die Neutralisation
hingewiesen werden. Obgleich die Rückwirkungskapazität Cb'c bei Si-Transistoren
schon sehr geringe Werte angenommen hat, ist die Basisschaltung in dieser Hin­
sicht noch rückwirkungsfreier, da die entsprechende Kapazität nur etwa i der
Kapazität der Emitterschaltung aufweist. Trotzdem arbeitet man nur mit Emitter­
stufen, wie das in Bild 6.20. dargestellt wird. Bei geeignetem Transistortyp kann die
Neutralisation entfallen. Eine solche Schaltung läßt sich ebenfalls in Basisschaltung
auf bauen. Es ergeben sich dann nur andere Kopplungskondensatoren bzw. An­
zapfungen, weil der Eingangswiderstand niederohmiger ist. Bei der Auswahl des
Transistors hinsichtlich der Übertragung der Betriebsfrequenz geht man davon aus,
daß die Kurzschlußvorwärtssteilheit nahezu als konstant angesehen werden kann,
d.h. Y21 = S ist
s
Y2t =
-::�======
(6.144.)

V
1 + (Srwlf
Ia

Bild6.20.
272
Der Ausgangswiderstand des Transistors sowie seine Ausgangskapazität werden
dem Ausgangskreis parallelgeschaltet. Sie können also die Kreisdaten wesentlich
beeinflussen. Deshalb sollte das obengenannte Frequenzverhältnis klein sein bzw.
fa wesentlich über der Betriebsfrequenz liegen. Falls eine Neutralisation erforder­
lich wird, d. h., wenn trotz Einhaltung der obenstehenden Beziehungen und völlig
richtigem Abgleich des Verstärkers noch Schwingen vorhanden ist, so wählt man
das Übersetzungsverhältnis zwischen ü = 10 und 14. Dabei schließt man die
Wicklung so an,daß das Schwingen unterdrückt wird. Die Neutralisationskapazität
ist
(6.145.)

Für den Neutralisationswiderstand erhält man

25gb'c
RN ; (6.146.)
""' (/· Cb'c)2Ü

R in n, g in 11-S,/in MHz, C in pF.


Bei Werten unter 20 Q kann R N entfallen. Die Spannungsverstärkung einer Stufe
ist

Vei S l/Ü.
159Roges (1 _
bo + bi ) . (6.147.)

=

C· Ba Ba

Im Fall der Resonanz sind gegebenenfalls am gesamten Kreis folgende Wider­


stände bzw. Leitwerte wirksam:

1 1 1 1 1
Ro�;res
--
=
-
Ri-
..-2- + ..-2- +
Ro + u1 u2 Re
-
Rzu . -- (6.148.)

In GI. (6.147.) und GI. (6.148.) bedeuten weitere Erklärungen (s. Bild 6.21.):
S - Betrag der Steilheit im Arbeitspunkt in A/V, C - Gesamtkapazität eines

Einzelkreises in F,b0 �- Leerlaufbandbreite eines Einzelkreises,bi (0,159)/ C.

- -
=
=

-
Ri Bandbreite auf Grund des angeschlossenen Transistors, Ba Gesamtband­
breite, die gefordert ist, in Hz, R0
-
Resonanzwiderstand des Kreises ohne Last,
Ausgangswiderstand des Transistors (ohmisch), Re- Realteil des folgenden
-
Ri
Transistors eingangsseitig (entfallt bei einer Stufe), Rzu Zusatzwiderstand, der
notwendig ist, wenn die Bandbreite nicht ausreicht. Die Übersetzungsverhältnisse
ergeben sich aus den Windungszahlen (z. B. w1 = 0,3wges, w2 = 0,1 Wges).

Bild 6.21.

18 Amateurtechnik 273
CK
r----t--r---thI ---:I
r1 •1

Rz l : : ll?e
LiJ Lrl,.

.L .l. Bild 6.22.

ü1 = 1 kann für einige Anwendungen durchaus möglich sein, d. h., der Transistor
ist am heißen Ende angeschlossen. Die induktive Ankopplung zur nächsten Stufe
läßt sich einsparen, indem sie kapazitiv angekoppelt wird (Bild 6.22.). Dadurch
kann man die Bandbreite beeinflussen. Sie ersetzt z.B. Rzu und ü22R•. Erreicht man
also durch diese Ankopplung die Bandbreite be, dann muß der Parallelwiderstand
1,59. 105
Rp (6.149.)
= C· be

(R in kO, C in pF, b in kHz)


wirken. Es ist deshalb der Kopplungskondensator

ck � / vc�:·
0
(6.150.)

( Ckin pF, f in MHz, b in kHz, R in kD, C in pF)


erforderlich. Dann ist nur der Kreisinduktivität parallelzuschalten;

Cp � c- ck. (6.151.)

Die Kreisinduktivität errechnet sich zu


2 5 . 10-2 .
L= ' (6.152.)
fr�sc · '

L in [J.H, / in MHz, C in pF.


Ist ein HF-Verstärker mit n-Stufen vorgesehen, wobei eine Abstimmung auf
Bandmitte vorausgesetzt wird, so ergibt sich die Gesamtbandbreite des Verstärkers
(Diagramm 6.8.) zu

Bges= Ba V Vz - 1;
(6.153.)

Ba- Bandbreite einer Stufe.

Zum Nachweis der Selektion führt man den Faktor A ein. Setzt man ihn

(6.154.)

wobei Q' = 2 11//Ba ist, dann ist für verschiedene Werte von Q' die Selektions­
eigenschaft der Stufe gegeben. Wenn z.B. Q' = 0, ergibt sich A = 1 (denn es ist
dann f = f.·es). Ersetzt man den Einzelkreis in der Schaltung nach Bild 6.20. durch
induktiv gekoppelte Bandfilter mit unterschiedlich bedämpften Kreisen (transistor­
nale Kopplung) unter der Bedingung 0,4 < b1/b2 < 2,5 (b1o b2 - Betriebsband-

274
breiten des Primär- und Sekundärkreises des Bandfilters), so ergibt sich die Span­
nungsverstärkung einer Stufe

V Ba = 0 5S
'
v 0,159Roges
C1b1 ( - �)
1
b2 I .
(6.155.)
'--------------------------�

In R oges vereinigen sich die Widerstände, die an der Stelle des Primärkreises wirk­
sam sind - GI. (6.148.). Die Betriebsbandbreite eines Filters ergibt sich zu

(6.156.)

Dabei ist b1 = bo +
0•1 � Gi
; (6. 1 57.)

Gi- Realleitwert des Innenwiderstands von Transistor 1. Deshalb ist die Betriebs­
bandbreite für den Sektindärkreis

n
(6.158.)
b2 =B a (2- b1.

Schließlich ergibt sich die Bandbreite des gesamten Verstärkers zu

Bges =Ba VY'z- 1; (6.159.)

n - Anzahl der gleichen Filter.


Der Kopplungsfaktor zwischen den Kreisen der Filter ist

ktr = Jo V7
bl
2
+ b22• (6.160.)

Auch in diesem Fall läßt sich angeben

0'4
A =1 / (6.161.)
V1
+
[1 + o,5 (b./b2/b.)J

mit !l' """ 2LJf • (6.162.)


Yb1b 2

Soll induktiv ausgekoppelt werden, dann ist das Übersetzungsverhältnis zur näch­
sten Stufe

ü2 = 0'4
V c2 (b2 � ba) Re . (6•163·)

Es läßt sich auch die kapazitive Kopplung gemäß GI. (6.150.) anwenden. Ebenso
kann man kapazitiv gekoppelte Bandfilter benutzen. Diese Kopplungsart wurde
bereits in Abschnitt 3.2.7.3. beschrieben. Zur Ermittlung der Neutralisations­
wicklung kann wie beim Einzelkreis verfahren werden.

275
6.6.3. Beispiele zum HF-Verstärker

Beispiel 6.11.

Welche obere Grenzfrequenz erreicht man mit einer Transistorstufe, wenn C8


=50 pF, RL =500 n und Ia =7 MHz gegeben sind?

Lösung

Man bestimmt zunächst' den Faktor a nach GI. (6.133.);

a =3,14. 0,5 (20 +50) 7 . 10-3 =0,77.

Dann ermittelt man mit GI. (6.135.)

05. 7
= =1,96 MHz.
lo 1 -f_ 0,77
Beispiel 6.12.

Es soll der Kopplungskondensator zur nächsten Stufe in einem HF-Verstärker


berechnet werden, wenn lres =10,7 MHz, C =50 pF und die durch die Ankopp­
lung entstehende Bandbreitenerhöhung 2kHz gegeben sind (Re =30 0).

Lösung

Durch Einsetzen der gegebenen Werte in GI. (6.150.) ist

0.4 v 50 ·2
2 =2pF
ck""' 10,1 3·10- .

Beispiel 6.13.

Wieviel Stufen eines ZF-Verstärkers mit Bandfilter muß man vorsehen, wenn
Bges =250 kHz und Ba =300 kHz betragen soll?

Lösung

Es ist Gl. (6.159.) nach der Stufenzahl n aufzulösen;

ln 2
n =__Qd__ ""' 2.
0,176
=

ln [( Blf:· r +1 ]
Es sind 2 Stufen erforderlich.

6.7. Senderverstärker

Obwohl der Senderverstärker auch ein selektiver HF-Verstärker ist, demnach


also im vorhergehenden Abschnitt behandelt werden könnte, wird er aus be­
stimmten Gründen im Zusammenhang mit der Leistungsverstärkung gesondert
beschrieben.

276
Es wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß die Transistoreigenschaften
(Rückwirkung, Belastung des Kreises usw.) gegebenenfalls mehr auf die Schaltung
wirken, als das bei Röhren der Fall ist. Trotzdem können die Verhältnisse der
Leistungsverstärkung wie bei Röhren betrachtet werden, wenn man die unten­
stehenden Hinweise beachtet. Allerdings haben die Formeln im Zusammenhang
mit dem Senderverstärker nur Gültigkeit, wenn die Transistorkennwerte nicht
wesentlich von den angegebenen Kennlinienfeldern bzw. von den sonstigen Daten
abweichen. Min muß sonst mit größeren Abweichungen rechnen, was allerdings
für die Belange des Amateurs nicht besonders bedeutungsvoll ist. Nun zunächst
einige Merksätze:

- Die Grenzwerte des Transistors dürfen nicht überschritten werden. Benutzt man
den Verstärker nur zur Erzeugung unmodulierter Hochfrequenz, dann kann die
maximale Betriebsspannung UcE = UcEmax/2 betragen. Wendet man dagegen
Kollektormodulation an, so darf UcE UcEmax/4 nicht überschritten werden.
=

- Die Auswahl der Transistoren erfolgt nach den bereits genannten Grenzwerten
und den Frequenzen Ia und h.
Bei Geradeausverstärkung sollte die Betriebsfrequenz wenigstens 0,1/a bzw.
0,3 bis 0,5/T sein. Dadurch vermeidet man beim Tankkreis Rückwirkungen, Be­
dämpfung und Verstimmung.

-Welche Senderschaltung benutzt wird, hängt vom Transistortyp ab. Es läßt sich
die Basis- oder die Emitterschaltung verwenden, wobei die Basisschaltung we­
niger Schwierigkeiten (Leistung und Schwingneigung) bereitet. Bei Frequenz­
vervielfachung sollte man der Emitterschaltung den Vorzug geben.

BeLEinhaltung besonders der zuerst genannten Punkte kann man im Prinzip den
trarlsistorisierten Senderverstärker etwa dem röhrenbestückten gleichsetzen. Aus
diesem Grunde ist es möglich, mit Diagramm 3.4. die Stromfunktionen in Ab­
hängigkeit des Stromflußwinkels zu ermitteln. B�im Transistor heißt es dann statt
iafc usw. Basis- und Kollektorstromflußwinkel sind gleich. Da bis zur Kniespannung
ausgesteuert wird, erhält man Großsignalverstärkung. Demnach ist der Strom­
verstärkungsfaktor B an Stelle ß.
Es wurde einleitend darauf hingewiesen, daß infolge der möglichen Abweichungen
von den Transistorkennwerten kaum eine Berechtigung dazu besteht, mit einem
Stromflußwinkel von beispielsweise 67° zu rechnen. Obgleich weiter unten die
Möglichkeit gegeben ist, mit den Formeln den Winkel und damit die Amplituden
der interessierenden Größen zu ermitteln, kommt man nur dann zum Ziel, wenn
die Spannungen dazu eingestellt werden. Besonders bei höheren Frequenzen be­
steht aber die Tendenz, eine möglichst hohe HF-Leistung zu gewinnen, was jedoch
nicht mit dem höchsten Wirkungsgrad verbunden ist. Mit der Annahme einer
quadratischen Arbeitskennlinie (k = 2) und einem Stromflußwinkel von 90° be­
trägt der Kollektorwechselstrom der GrundweHe

I f1 = 0,425/sp \. (6. 1 64.)

277
lsp ist der infolge der basisseitigen Au�steuerung sich einstellende Spitzenwert des
Kollektorstroms. Er kann bei voller Aussteuerung identisch mit dem maximal zu­
lässigen Kollektorstrom sein. Für den Kollektorstrom ergibt sich (Betrag)

I Je = 0,25/sp I· (6.165.)

Es wurde auch hier auf das Vorzeichen verzichtet, weil die Beziehung für beide
Transistortypen gilt. Die Kollektorwechselspannung ist eine Funktion der Batterie­
spannung, der Aussteuerung und des transformierten Lastwiderstands.
Sind alle Bedingungen eingehalten, dann wird

(6.166.)

Sehr oft entfällt UE. Die vom Transistor angegebene Leistung ist

p i,. Uce
(6.167.)
_ •

0 --2 - -·

Bild 6.23. zeigt eine Senderendstufe in Basisschaltung, wobei sich gegebenenfalls


die an der Schwingkreisspule vorhandene Kollektoranzapfung erübrigt, d. h., der
Kollektor kann am heißen Ende des Kreises angeschlossen werden. Die Ent­
scheidung darüber richtet sich nach dem Transistor (Bedämpfung!). Es kann bei
entsprechendem Transistor auch die Emitterschaltung angewendet werden. Auch
der Kollektorkreis ist in einer anderen Ausführung möglich, z. B. mit n-Glied.
Für den Arbeitswiderstand des Transistors gilt allgemein

(6.168.)

In dieser Schaltung setzt sich Ra aus der Parallelschaltung des in den Kreis trans­
formierten Lastwiderstands ü2RB, dem Resonanzwiderstand des leerlaufenden
Tankkreises sowie dem Ausgangswiderstand Ri des Transistors (ggf. Übersetzungs­
verhältnis wegen Anzapfung) zusammen;

(6.169.)

Bild 6.23.

278
Je niederohmiger Ri also wird, um so geringer muß auch Ra werden. Demnach
können sich Schwierigkeiten ergeben, wenn sich die Greqzfrequenz der Betriebs­
frequenz nähert. R0 sollte möglichst hochohmig sein. In Verbindung mit der
Leerlaufgüte ist

Ro = wLQo. (6.170.)

In Verbindung mit der Betriebsgüte ist auch

Ra= wLQn. (6.171.)

QB liegt zwischen 8 bis 14, während Q0 Werte zwischen 80 und 150 aufweisen kann.
Der Wirkungsgrad des Tankkreises ist

QB
1Jkr = 1 - • (6.172.)
Qo

Übliche Werte sind 0,9 bis 0,95. Die kollektorseitige aufgenommene Gleichstrom­
leistung ist

(6.173.)

Damit wird der Wirkungsgrad der Endstufe (ohne Steuerleistung)

(6.174.)

Es wurde UE = 0 angenommen. Der Gesamtwirkungsgrad der Stufe ist

I 17ges = 17Kr ' 17T I· (6.175.)

Die im Transistor verbleibende Verlustleistung ergibt sich zu

(6.176.)

Nun noch einige Bemerkungen zur Ansteuerung (Bild 6.24.). Der Stromflußwinkel
ist

COS f9 =
r::BE •

(6.177.)
Ube

UBE ist die Basis-Emitterspannung vom Arbeitspunkt bis zum Kennlinienbeginn


(gilt nur für C-Betrieb, Grenzwert B-Betrieb). Für e::::::: 90° ergibt sich deshalb
UBE ::::::: 0. ube ist die Spitzenspannung der Basiswechselspannung. Mit dem
Spannungsanteil Ubes, der die Kennlinie bis lsp aussteuert, ergibt sich die Basis­
wechselspannungsamplitude

Ubes
(6.178.)

Ube= '
1-cose

279
+ A
0

Bild 6.24.

Wenn also e = 90° ist, wird ube = Ubes· Den Basisstrom erhält man aus der Kenn­
linie Ic = f(IB), indem zum Strom lsp der Basisstrom /Bsp abgelesen wird. lnfolge
der bereits an der Basis auftretendenVerzerrungen sind die Amplituden von Grund­
und Oberwellen am Eingang stark unterschiedlich, was beim Vervielfacher be­
rücksichtigt werden muß. Mit eventuell vorkommenden Fehlanpassungen an der
Emitterseite, bei der Basisschaltung und dem vorhandenen Spannungsteiler bei der
Emitterschaltung ist es zweckmäßig, eine etwas höhere Steuerleistung vorzusehen.
Mit einiger Näherung ergibt sich nun
.
zlbe/Bsp
Pst- (6.179.)
_

Die Leistungsverstärkung der Senderstufe ist

Vp=�· (6.180.)
Pst

Die.Amplitudenmodulation der transistorisierten Senderstufe ist der der Röhren­


stufe analog. Bei beiden wird der Lastwiderstand des Modulators durch die zu

modulierende Senderstufe gegeben. Die maximale Spannung UCE wurde bereits ·

genannt.

6.7.1. Beispiel zum Senderverstärker

Beispiel 6.14.

Es sollen die kollektorseitigen Betriebswerte für einen Transistor ermittelt werden.


Folgende Werte sind gegeben: Ge-Transistor mit -UcEmax 15V, -Icmax =

= 50 mA, Pcmax 150 �W, #umg =45°C ohne Kühlblech, .lbetri


= 3,5 MHz, =

280
fa = 30 MHz, L = 10 !).H, -Ukn = 0,5 V, RB= 70 n, RE= 0, e = 90°, die
zugelassenen Verluste im Kreis betragen 10%.

Lösung

Man wählt eine :aatteriespannung von 7,5 V und steuert aus Zuverlässigkeits­
gründen nicht bis - lcmax aus. Der Kollektorstrom wird bis 45 mA ausgesteuert.
Mit GI. (6.164.) ist dann die Amplitude der Grundwelle f1 = 0,425 · 45 = 19,2 mA.
Gemäß GI. (6.165.) ergibt sich ein Gleichstrom von 11,3 mA. Unter den bereits
genannten Voraussetzungen beträgt die Kollektorwechselspannung 7�0 V. Somit
wird mit GI. (6.167.) die vom Transistor abgegebene Leistung P0 = 67 mW und
die vom Transistor aufgenommene Gleichstromleistung Pi = 79 mW. Demnach
ist mit GI. (6.176.) Pc = 12 mW. Man sieht, daß die maximale Verlustleistung des
Transistors nicht ausgeschöpft wird. Es ergeben sich damit Reserven für höhere
Umgebungstemperaturen, größeren Stromflußwinkel und eventuell auftretende
Fehlanpassungen. Durch Anwendung von GI. (6.169.) erhält man Ra= 500 0.
Dieser Wert ist für die Selektivität des Tankkreises nicht zu verwenden, weil ein
großer Oberwellenanteil vorhanden sein würde. Aus diesem Grund muß man den
Tankkreis entsprechend Bild 6.23. anzapfen und zum Kollektor führen. Mit einer
Betriebsgüte von 10 ergibt sich in Verbindung mit GI. (6.171.) R� = 5 kO. Daraus
läßt sich das Übersetzungsverhältnis für Ra angeben, es beträgt ü' = 3,2. Setzt
man voraus, daß die Verluste im Kreise nicht mehr als 10% betragen sollen, muß
die Leerlaufgüte mit GI. (6.172.) 100 oder mehr ergeben. Durch Einsetzen der
gefundenen Werte und der Grenzwertbildung von Ri gegen Unendlich ist das Über­
setzungsverhältnis zur Transformation von Rs in den Kreis gemäß GI. (6.169.)
etwa 8,4. Schließlich wird mit GI. (6.175.) ein möglicher Wirkungsgrad von 75%
ermittelt.

6.8. Transistoroszillatoren

Die in Abschnitt 6.6. und Abschnitt 6.7. gebrachten Beziehungen und die sich
daraus ergebenden Schlußfolgerungen für die Anwendung des Transistors lassen
sich gut beim Oszillator verwerten. Die geforderte Frequenzkonstanz ist ebenfalls
zu beachten. Darüber hinaus lassen sich auch in diesem Fall Analogien ·zum
Röhrenoszillator feststellen. Bezüglich der maximalen Schwingfrequenz-werden
in der Literatur unterschiedliche Angaben gemacht. Die Leerlaufkreisgüte sollte
mindestens 80 betragen! Bezieht man die Ausgangskapazität, die Schaltkapazität
und die durch die Ankopplung anderer Stufen transformierte Eingangskapazität
mit in die Schwingkreiskapazität ein, dann läßt sich leicht mit guter Näherung die
Schwingfrequenz durch die Gleichungen des Parallelschwingkreises bestimmen.
Die geringsten Schwierigkeiten zur Schwingungserzeugung bereitet die Basis­
schaltung des Transistors nach Bild 6.25. In diesem Fall braucht man nur die
Rückkopplungskapazität Crii vom Kollektorkreis zum Emitter zu legen. Im all­
gemeinen schwingt dann das System sofort. Es ist vorteilhaft, wenn man die
Frequenz fa bzw. fi. etwa t bis -fo höher als die Betriebsfrequenz wählt. Optimale

281
Bild 6.25.

Verhältnisse ergeben sich, wenn man die Anzapfungen am Kollektorkreis gege­


benenfalls experimentell ermittelt (Konstanz oder Amplitude).
Mit einer HF-Drossel im Ernitterkreis ergeben sich die besten Schwingbedin­
gungen. Im UHF-Gebiet ist sie durch eine bestimmte Induktivität zu ersetzen,
deren Wert etwa

- 6,35. 10-lrbb'
Lru- (6.181.}
-

J
(L in f.I.H, f in MHz, R in il)
beträgt. Bei Frequenzen, die unterhalb 0,1/a erzeugt werden sollen, benötigt man
vielfach nur einen Emitterwiderstand, statt LRü bzw. HF-Drossel. Dabei ist es
ratsam, den Ernitterwiderstand durch einen Kondensator CE zu überbrücken;
der darf aber die Rückkopplungsspannung am Emitter nicht kurzschließen. Die
Widerstandswerte liegen zwischen 50 n und 1 kil. Die Größe des Rückkopplungs­
kondensators ist

40
cü""' --
(6.182.)

frbb'

C in pF, f in MHz, r in kil.


Die Anzapfung für Crü kann bis zu 50% der gesamten Windungszahl betragen.
Soll eine der vorgestellten Schaltungen mit einem Quarz betrieben werden, so
kann man Crü durch den Quarz ersetzen und den Kollektorkreis auf die Quarz­
frequenz abstimmen.

Bild 6.26.

282
Bild 6.27.

Im NP-Gebiet sind RC-Generatoren beliebt: Eine mögliche Schaltung dafür zeigt


Bild 6.26. Es ist die von der Röhrentechnik her bekannte Phasenschieberkette zu
erkennen. Sie ist notwendig, um die Phasenverschiebung von 180° zwischen
Kollektor- und Basiswechselspannung herzustellen. Bei Hochfrequenzoszillatoren
kann man auch die Emitterschaltung anwenden. Man muß dann aber die erforder­
liche Phasenverschiebung zur Schwingungsanfachung im induktiven (induktive
Dreipunktschaltung) oder kapazitiven Zweig vornehmen (kapazitive Dreipunkt­
schaltung). Die sich einstellende Frequenz (Bild 6.26.) ist von R, C, RL und den
Parametern des Transistors abhängig. Die Stromverstärkung ß muß mindestens
45 betragen, damit das System schwingt. Weil die Abstufung der C-Werte gröber
als bei Widerständen ist, ist es zweckmäßig, eine bestimmte Kapazität zu wählen
und mit dem Widerstand die gewünschte Frequenz einzustellen. Mit guter Nähe­
rung wird der Widerstand

I R

;.% I; (6.183.)

R in kil, f in kHz, C in [l.F.


Aus Diagramm 6.9. kann man bei veränderlichem C den Widerstand R ablesen.
In GI. (6.183.) wurde RL = 2,7R vorausgesetzt. In diesem Zusammenhang soll der
freischwingende Multivibrator nicht unerwähnt bleiben, wie er im Prinzip in
Bild 6.27. dargestellt ist (man verwendet die Pufferstufe als Kollektorstufe, wenn
Rückwirkungen der nachfolgenden Stufen möglich sind).
Die Schwingschaltung stellt einen rückgekoppelten Verstärker dar. Die Form der
abgegebenen Schwingungen ist rechteckförmig, solange die Schwingfrequenz nicht
höher als 0,2/ß liegt. Bei gleichen Basis- und Kollektorwiderständen sowie gleichen
Kopplungskondensatoren (lmpulspause tp und Impulsdauer td stimmen überein)
spricht man von einem symmetrischen Multivibrator. In einem solchen Fall ist die
Impulsfolgefrequenz
1
(6.184.)
fi = td + fp

Bei gleichem R1 haben die Kopplungskondensatoren die Werte

· _ 1,43 · 103 (a' + 1) td 1,43 103 (a' + 1) tp


C2- (6.185.)
_ ·

C1- '
ßRL ßRL
C in nF, R in kil, t in [loS, a' (Rllco)/Usa und R ßRL.

=

283
Wenn sich z. B. td oder fp ändert, müssen die Kondensatoren unterschiedlich
werden, und der Multivibrator wird damit unsymmetrisch. Es lassen sich demnach
unterschiedliche Tastverhältnisse einstellen (v = td/tp). Den Widerstand RL kann
man aus RL"" UBallcmax ermitteln.

6.8.1. Beispiele zu den Transistoroszillatoren

Beispiel 6.15.

Ein Transistor hat seinen Kenndaten nach eine li-Frequenz von 150 MHz und
'
ein rbb = 50 n. Es soll in Basisschaltung eine Frequenz von 140 MHz erzeugt
werden. Es sind die Rückkopplungskapazität sowie die Induktivität in der Emitter­
leitung zu bestimmen.

Lösung

Mit den GI. (6.181.) und (6.182.) ergibt sich

6,35· 10-1 • 5 • 10-1


Lrü "" = 0,23 fLH ,
1,4. 102

4. 101
C
rü"" 1,4·102·5·10 2 =6pF .

Beispiel 6.16.

Es ist ein symmetrischer Multivibrator aufzubauen, dessen Impulsfolgefrequenz


1000H z betragen soll. Der Kollektorreststrom der Transistoren darf nicht mehr
als 100 f.I.A haben. Der Stromverstärkungsfaktor soll etwa 40 betragen, während
die Kollektorwiderstände 5 kQ haben. Es sind die Kopplungskondensatoren bei
einer Batteriespannung UBa = 12 V zu berechnen.

Lösung

Auf Grund der Symmetrie ist td = tp.


Aus GI. (6.184.) ergibt sich damit td = 500 f.I.S. Mit guter Näherung ist mit
R1= 40 · 5 = 200 kQ. Also ist a' = 20/12 = 1666. Damit wird durch Einsetzen
in GI. (6.185.)

1,43 · 2,66 5 · • 105


C1= C2= 9500 pF .
40·5
_
-

6.9. Transistor als Schalter

Wenn die Aufgabe besteht, schnelle Ein- und Ausschaltvorgänge vorzunehmen


oder die Ansprechempfindlichkeit von Relais zu erhöhen, so lassen sich dafür auch
Transistoren einsetzen. Von den vielen Anwendungsmöglichkeiten soll die mit
dem im Kollektorkreis befindlichen Relais erklärt werden (Bild 6.28.). Danach ist

284
die Emitterstufe an die Batteriespannung Usa angeschlossen. Solange kein Basis­
strom fließt, befindet sich im Kollektorkreis der Kollektorreststrom I'co· Bekannt­
lich ist der Kollektorreststrom bei Ge-Transistoren höher als bei Si-Transistoren.
l
Ge-Transistoren ähneln demnach in dieser Schaltstellung dem 'mechanischen
Ein- und Ausschalter (dort fließt kein Strom in der Aus-Stellung).
Dieser Betriebszustand ist auch aus Bild 6.28. ersichtlich.
Gibt man nun eine so hohe Basisspannung an die Basis des Transistors bzw. läßt
einen so hohen Basisstrom fließen, daß der Transistor kollektorseitig bis zur
Kniespannung durchgesteuert wird, dann ist damit der "Ein-Zustand" des Tran­
sistors erreicht. Am Widerstand RL (Relaiswicklung) fällt nahezu die gesamte
Batteriespannung ab. Beim mechanischen Schalter wäre das die gesamte Batterie­
spannung. Dadurch unterscheidet sich der Transistor vom Schalter, und es treten
Verluste auf, die den Transistor erwärmen. Infolge höherer Kniespannung beim
Si-Transistor ist der Schalteffekt etwas ungünstiger als beim Ge-Transistor. Durch
Bis Ic steht mit einer geringen Steuerleistung eine große Schaltleistung zur
=

Verfügung.
Nach dem Kennlinienfeld hat man beim "Ein-Zustand" den Arbeitspunkt A und
damit den Durchlaßwiderstand

I R
d-
_ Ukn
IcA
I· (6.186.)

Sein Wert liegt je nach Transistortyp in der Größenordnung von 0,1 n. Es ergibt
sich die Verlustleistung zu

(6.187.)

285
In der "Aus-Stellung", dem Arbeitspunkt B, liegt die Kollektorspannung UBa
beim Kollektorstrom /00• Somit ist der Sperrwiderstand des Transistors

(6.188.)

Analog ergibt sich die Kollektorverlustleistung zu

(6.189.)

Beide Arbeitspunkte befinden sich unterhalb der VerlusthyperbeL Verbindet man


diese Punkte, so erhält man die Arbeitsgerade. Es ist die Gerade eines ohmseben
Widerstands. Sein Wert errechnet sich zu

RL-
_ UBa- Ukn (6.190.)
lcA
Da die Gerade einen großen Teil außerhalb der maximalen Verlustleistung liegt,
muß die Umschaltzeit tsch in sehr kurzer Zeit ablaufen; denn der momentane
Arbeitspunkt läuft entlang der Geraden. lsch richtet sich nach der An- und Ab­
stiegszeit der Impulsflanken an der Basis und nach der Grenzfrequenz des Tran­
sistors. In den Kenndaten sind vielfach Diagramme enthalten, die in Abhängigkeit
vom Basis-Enritter-Widerstand eine über UcEmax zulässige Batteriespannung ge­
statten.
Den Grenzwert bildet etwa die Kollektor-Basisspannung bei offenem Emitter.
Bild 6.29. zeigt eine Impulsfolge mit übertriebenen Flanken, die auf das Wesent­
liche hinweisen soll. Es wurde bisher noch nicht über die Dauer von td und tp
gesprochen. Im Falle einer periodischen Impulsfolge, also einer dauernden Ein­
und Ausschaltung des Transistors, treten die gleichen Vorgänge auf wie bei einem
einmaligen Ein- oder Ausschaltvorgang. Es ist lediglich die Erwärmung (Verlust­
leistung) zu beachten. Die Bedingungen der GI. (6.187.) müssen immer eingehalten
werden. Man kann sich aber vorstellen, daß ein Impuls der Dauer td bei einem
kleinen Tastverhältnis höhere Kollektorströme zuläßt, als wenn td gegen Unendlich
geht. Dazu wurden auch entsprechende Untersuchungen durchgeführt, die in
Verbindung mit der thermischen Zeitkonstante von Transistoren höhere Impuls­
ströme auch bei Transistoren gestatten.

lfet
-Vet ein 1----,---.,
(A)

-uBEaU$
����--+-+---4---

Bild 6.29.

286
Allerdings sollte dann auch die Spannung UcEo nicht überschritten werden.
In Abhängigkeit vom Tastverhältnis kann man mit Diagramm 6.10. die Impuls­
leistung ermitteln.
Die während td vom Lastwiderstand aufgenommene Schaltleistung ist
(6.191.)

Vernachlässigt man die Umschaltzeit, so wird vom Transistor die mittlere Verlust·­
leistung

(6.192.)

aufgenommen. Bei periodischen Schaltvorgängen mit großem Tastverhältnis (wie


es z.B. u = 0,5 wäre) nähert sich die Impulsleistung der maximalen Verlustleistung
des Transistors. Ein Beispiel dafür bietet der Einsatz als Transverter. tsch läßt sich
dann nicht mehr vernachlässigen. Für solche Einsätze ergibt sich die Verlust­
leistung des Transistors zu

Pc = xPcA + (1 - x) Pcs + fWv. (6.193.)

Darin ist.

(6.194.)

und

Wv = 0,33 • fsch Ps;


• (6.195.

f- lmpulsfolgefrequenz.
Wv erhöht sich bei induktiver Last noch um 0,5Ll�A, wobei L die Primärinduk­
tivität eines Transformators sein kann.

6.9.1. Beispiel zum Transistorschalter

Beispiel 6.17.

Es ist die mittlere Verlustleistung eines Transistors zu berechnen, wobei man bei
einer Impulsfolgefrequenz von 100Hz die Umschaltzeiten vernachlässigen kann.
Im Arbeitspunkt A möge ein Strom von 1 A bei Ukn = 0,5 V und im Arbeitspunkt B
ein Strom von 2 mA bei UBa = 20 V fließen. Wie groß ist die Schaltleistung und
der Lastwiderstand?

Lösung

Da f = 100Hz ist, wird T = 1// = 10-2s td + tw


=

Nun ergibt sich mit GI. (6.187.) PcA = 0,5 1 0,5 W und mit GI. (6.189.)
· =

Pcs = 20 · 2 · 10-a = 0,04 W.


Deshalb wird mit GI. (6.192.) Pcm = (5 · 0,5 + 5 · 0,04) · 0,1 = 0,27 W.
Für L erhält man mit GI. (6.190.) RL = 19,5/1 = 19,5 f.l und deshalb gemäß
GI. (6.191.) die Schaltleistung Ps = 19,5 · 12 = 19,5 W.

287
6.10. Feldeffekttransistoren

Feldeffekttransistoren haben gegenüber den bisher genannten Ge- und Si-Tran­


sistoren einige Vorteile. Wie man sofort erkennen wird, ähneln die Feldeffekt­
transistoren (FET) in ihren Eigenschaften den Elektronenröhren. Der Eingangs­
widerstand der FETs ist sehr hochohmig, die Steuerung und Verstärkungsreglung
erfolgt leistungslos. Die thermische Stabilität ist besser als bei den bisher genannten
Transistoren. Auf Grund der quadratischen Kennlinie treten nur geringe Kreuz­
modulationsstörungen auf. Damit ergibt sich ein größerer Aussteuerungsbereich,
wodurch auch die Mischeigenschaften gut sind. Da ferner Rauscharmut, Rück­
wirkungs- und Eingangskapazität gering sind, ergeben sich bei den FETs auch gute
Hochfrequenzeigenschaften. Man unterscheidet bei den FETs 2 Arten, den
Sperrschichtfe/deffekttransistor und den Meta/loxidfe/deffekttransistor (MOS­
FET). Der MOS-FET wird sich vermutlich in der Anwendung mehr durchsetzen,
da er noch höhere Eingangswiderstände, geringere Rückwirkungskapazitäten und
höhere Grenzfrequenzen ermöglicht. Ferner gestatten mehrere Elektroden um�
fassendere Schaltungsvarianten. Auf Grund des isolierten Gate ist eine leichte
statische Aufladung bei der Montage möglich, die den MOS-FET unbrauchbar
machen kann. Deshalb schließt man die Anschlüsse bis zum Einlöten in die Schal­
tung kurz. Weitere Erklärungen zum MOS-FET und zum Sperrschicht-FET sind
aus der Spezialliteratur zu ersehen.

6.10.1. Scbaltsymbol, Kennlinienfeld, Ersatzschaltung

Bild 6.30. zeigt die Schaltsymbole beider FET-Typen, den Aufbau eines Sperr­
schicht-FETs und den prinzipiellen Stromlaufplan einer Verstärkerstufe. Die
Darstellung gibt den N-Kanal-FET bzw. den N-Kanal-MOS-FET wieder. Aus
dem Schaltsymbol des MOS-FETs kann man auch noch erkennen, ob es sich um
einen Anreicherungstyp (selbstsperrend) oder um einen Veratmungstyp (selbst­
leitend) handelt. Beim Verarmungstyp ist der Kanalstrich (im Bild) durchgezogen,
beim Anreicherungstyp dagegen unterbrochen. Die Pfeile des Substrats (Gate beim
Sperrschicht-FET) lassen den P- oder N-Kanal erkennen. Zeigt der Pfeil auf den

N-Kanaf-FET

Bild 6.30.

288
Io Io

-Ues

Bild 6.31.

Kanalstrich, so ist es ein N-Kanal-FET. Aus den Schaltsymbolen sind die Strom­
Spannungspfeile und die Bezeichnungen der Elektrodenanschlüsse ersichtlich.
Danach gilt
D - Drain (Abzug),
G- Gate (Tor),
S .- Source (Quelle),
B - Bulk (Substrat).

Mit Bulk wird beim MOS-FET eine weitere Elektrode bezeichnet. Durch den
Bulk läßt sich eine zusätzliche Steuerung ermöglichen. Es wurde bereits darauf
·hingewiesen, daß beim MOS-FET das Gate nicht direkt mit der Si-Schicht ver­
bunden ist; zwischen Gate und Si-Schicht befindet sich noch eine isolierende Si02-
Schicht. Man verwendet vorwiegend den MOS-FET-Verarmungstyp mit N-Kanal.
Die kennzeichnenden Indizes (groß, klein) haben ähnliche Bedeutung wie bei den
anderen Transistoren.
Im weiteren wird nun noch die Source-Grundschaltung erklärt. Bild 6.31. gibt das
Eingangs- und Ausgangskennlinienfeld des Feldeffekttransistors wieder. Der
Strom ID =[(UDs) mit dem Parameter U GS ähnelt dem einer Pentode. Die Kenn­
linien fächern allerdings bereits vom Ursprung an. Der rechts von der gestrichelten
Kurve gezeigte Bereich "Pinch-off" dient zur Verstärkung. Die Pinch-off-Spannung
,Up ist die Gate-Spannung, die den Strom ID· auf etwa 1/100 des allgemeinen Be-
triebsstromes werden läßt. Die Gate-Spannung kann über einen hochohmigen
Widerstand RG den Arbeitspunkt A einstellen. Dabei läßt sich die Gate-Spannung
aus einer separaten Spannungsquelle entnehmen, oder sie wird durch Spannungs­
abfall an Rs (Bild 6.30.) gewonnen. Die Exemplarstreuungen der Feldeffekttran­
sistoren sind beträchtlich. Das hat jedoch für den Amateur kaum Bedeutung.
Die in das Kennlinienfeld eingezeichnete Widerstandsgerade verläuft demnach

19 Amateurtechnik 289
D

Bild 6.32.
CIJ3

durch A und berührt auf der x-Achse die Speisespannung UBa. Ähnlich den an­
deren Transistoren, gibt es beim Feldeffekttransistor auch 3 Grundschaltungen
(die Source-Schaltung wurde bereits gezeigt). Sie entspricht der Emitterschaltung.
Die Ersatzschaltung bis zu Frequenzen um 150 MHzzeigt Bild 6.32. Mit einiger
Näherung sind die y-Parameter

Yu s = Cas + jco (Gcs +Gen),

Y12 S = -jcoCGD• (6.196.)

Y21 s = C21 - jcoCcn.

Y22 s = Cns + jco (Cris + CGn).

y21 ist die Steilheit des Feldeffekttransistors. Unter der Voraussetzung, daß
rns � RL, ergibt sich die Verstärkung der Source-Grundschaltung zu

(6.197.)

Mit dem Strom Lnss, der fließt, wenn man Gate und Source kurzschließt, erhält
man die Größe des Widerstands Rs in

R Up /-y;;- (1 1 ) (6.198.)
s = I;; V lnss - ·

Die maximale Leistungsverstärkung in Source-Schaltung für HF ist

2
Y21
V _ (6.199.)
P - 4CnC22 - 2Re ( Yl2Y21)

Cu, C22 - Realleitwerte von Y11 und Y22• Re(y12y21)- Realteil des Produkts
Y12Y21·

290
Bild 6.33.

Wird die Verstärkung ausgenutzt, so ist wegen der Rückwirkung eine Neutrali­
sation erforderlich. Eine der vielen Möglichkeiten zur Neutralisation zeigtBild 6.33.
Die Neutralisationsinduktivität ist

(6.200.)

Bei niedrigen Frequenzen wird der Eingangswiderstand des Feldeffekttransistors


hauptsächlich durch RG bestimmt. Dem Widerstand parallel liegt die Eingangs­
kapazität Ce, die von den Kapazitäten des Feldeffekttransistors, den eventuellen
Schaltkapazitäten und der Spannungsverstärkung bestimmt wird;

Ce= (CGs - Cns) + (1 - vu) (CnG- Cns). (6.201.)

Im VHF- und UHF-Bereich kann man die Gate-Schaltung (Bild 6.34.) aus mehreren
Gründen ( z. B. Rückwirkung) einsetzen. Sie entspricht der Basisschaltung des
üblichen Transistors. Auch in diesem Fall ergibt sich die Spannungsverstärkung
mit guter Näherung nach GI. (6.197.). Der Eingangsleitwert ist

Yu G::::::: Y21 G· (6.202.)

Ähnlich den Röhrenschaltungen, kann man mit Feldeffekttransistoren additive


und multiplikative Mischungen durchführen. Die multiplikative Mischung er­
fordert einen Feldeffekttransistor mit mehreren Elektroden. Der Arbeitspunkt für

Bild 6.34.

291
maximale Mischverstärkung liegt in der Mitte der In/U Gs-Kennlinie. Die Oszilla­
torspannung ist dann U0 = Up/2. Für die Mischsteilheit wird dann

Yu
Y21c =4• (6.203.)

Die maximale Mischverstärkung ergibt sich zu

2
V, Y21c
c (6.204.)
_

p - 4gllfe g22fz

Mit einiger Näherung ist der äquivalente Rauschwiderstand

2
,ä,." (6.205.)
Y21c
__ ,

Bild 6.35. zeigt die Drain-Schaltung, die der Kollektorschaltung üblicher Tran­
sistoren entspricht. Man verwendet die Drain-Schaltung als Impedanzwandler. Die
·
allgemeine Beziehung zur Spannungsverstärkung lautet:

Y_!l_ . Rs .
V,uD = ___ ___
(6.206.)
1 + (Yn + gns) Rs

Man erreicht eine Verstärkung von maximal 1. Der Eingangswiderstand erhöht


sich wesentlich in
RG
RE (6.207.)
(1 Vun)
=

Die Eingangskapazität verringert sich zu

Ce= Cns + CGs (1 - Vun). (6.208.)

Für den Ausgangswiderstand erhält man

. Rs
R (6.209.)
_

a
- 1 + (gn, + Y21) Rs

Der Rauschfaktor ist allgemein etwa

F ,." 1 + ____22_ . (6.2 10.)


g21Rge
Es sind etwa 2 dB bei 100 MHz zu erwarter
••

292
0---��---i:JU, BHd 6.35.l
Diagramme zu Abschnitt 6.

10u
9
�8
oto -- - --
7 t---- .......
6
5 .......
I '
4
3 I "\
I

2
I I\
I
I
I\
: cz;= fP(_!u_I& )
ot

1011 -'
a 2 3 4 5 6 7 8 910° 2

Diagramm 6.1 a. Stromverstärkungsfaktor

Sind Betriebsfrequenz /B und Grenzfrequenz /CY. in Basisschaltung gleich 1, so ist


CY. = 0,7CY.0•

1,0
a

0,9
--- - -- r-
� I o:-f(ß)
I

0,8 -
I
V
0, 7 / I

/V I
I
0,6

0,5 / I
I

:
2 3 4 56 7 8 9 701 2 3 4 56 789702 2 3 4
ß

Diagramm 6.1 b. Stromverstärkungsfaktor

Ist die Stromverstärkung in Emitterschaltung 20, dann erhält man in Basisschaltung


CY.= 0,95.

293
r--... Or• f(-lc}
. '1'--
2,4
......
2,2 )'...I'-
1-- -I- --
1-- I'
2,0
1: I'-
I
7,8 I ......
IiI 1'
7,6
I
1.4-70 1 2 3 4 56 8 10" 2 J 4 56 8 701 2 J 4 56 8 702 2 J
-

-Ic/mA

Diagramm 6.2. Temperaturdurchgriff bei Ge-Transistoren

Man sieht, je höher der Kollektorstrom ist, um so mehr sinkt DT. Im Beispiel ist
-lc = 10mA, wodurch sich DT = 2,1 mV/°C ergibt, d.h., um diesen Betrag muß man
UBE senken, damit -I c in Abhängigkeit der Temperatur konstant bleibt.

K2 • f{Kantenlänge}
Parameter' Blechdicke in mm
Blech senkrecht stehend
.......
,,� !1aterial' Al
��
��:::::--
0.5
1
I
-
2

2 6 8
i
70 72 74
51�
7/i
f--
18 20 22
Kantenlängefern

Diagramm 6.3. Kühlblech

Beispiel: Bei einer Blechdicke von 05


, mm und einer Kantenlänge von 10cm erhält man
einen äußeren Wärmewiderstand von 5,5°C/W; damit läßt sich die mögliche Verlust­
leistung für den Transistor festlegen.

294
n • f(m]

�=f(m}
lcmax · Uea
gestrichelt, praktische
Ergebnisse

20 40 60 80 100
m/%

Diagramm 6.4. Wirkungsgrad von NF-Endstufen

Auf Grund der Verluste im Transformator usw. erreicht man nicht den theoretischen
Wirkungsgrad. Der Aussteuerungsfaktor m setzt konstante sinusförmige Amplitude vor­
aus.

Beispiel: Ein m = 0,6 ergibt einen Wirkungsgrad von 42% und ein Verhältnis von
Kollektorverlustleistung zur zugeführten Leistung von 23%.

I
--=::::s::: f-ff(Rd,)
· -

: � Parameter : Cs

0,3 i �� S·rbb•2
I
I
Q2
I

I ��5
a1
: ?obr
i
z 3 4 5678910° 2 3 4 1
5 6 7 8910 2 3 4
Re!;.

Diagramm 6.5. Obere Grenzfrequenz

Die Abhängigkeit bezieht sich vornehmlich auf Ge-Transistoren. Als Parameter dient in
diesem Fall die schädliche Kapazität.

Beispiel: Bei einer Schaltkapazität von 20 pF und RLfiY. = 1 wird /0 :::::: 0,435/IY..

295
b'
=f=-LULUIL_ f---
V �
I
b'='I(RL"f,,}

r_rz.r
10 1 Parameter: � 1- -f-
b'-b
z- r
50

�Y
--
-

f- /ty20 )
r=---f=--=
-
fl%/
II �pF
/
/ // Ii
I

_, �� II

10

Diagramm 6.6. Rechengröße b'

Bei mehrstufigen Breitbandverstärkern benötigt man b'. Die im Diagramm getroffenen


Voraussetzungen geben für die Praxis des Amateurs ausreichende Näherung.

Beispiel: Ist Cs =50 pF und RLfrx = l, so wird b' = 2,2.

0 1 2 3 4
p
Diagramm 6.7. Spannungsverstärkung kompensierter Breitbandverstärker

In Abhängigkeit von p kann man die tatsächliche Verstärkung zu der ohne Kompen­
sation ablesen.

Beispiel: p = 2 ergibt bei L-Kompensation '0/vu = 0,63 und als n-Glied IJ/vu = 0,84.

296
1,0 ---- -�----.---,

8

aa

�-�----�----�r---4

az

0/i 2 a 4
n

Diagramm 6.8. Bandbreite mehrstufiger Verstärker

Beispiel: Mit n = 2, also bei einem 2stufigen mit Bandfiltern bestückten Verstärker,
ergibt sich eine Bandbreite, die 80% von der mit nur einem Filter bestückten Stufe
beträgt.

2" '\ -
R/kQ
'\ I'\ R-f!(F)
10' , Parameter C inpF
8
6 1----
5
4
3 1'\. 1"'-
2 '\ " '\a o1
1'\ i'\,
1a' '\I'
8

§
4
3 "' I'-
1'\. .....
2 '\ '\.
l'\1'\
I
I '\ '\
1�
01 2 J 4 56 8 702 2 3 4 56 8 70' Z 3 4 5 G 8 10• 2 3 4
f/Hz

Diagramm 6.9. Phasenschieberwiderstand

NP-Oszillatoren 'kann man mit Phasenschieberketten zum Schwingen bringen. Man setzt
dabei die Kapazität voraus, weil es nicht die Abstufungen wie bei den Widerständen gibt.

Beispiel: Für die Schwingfrequenz von 1 kHz und den Kondensator von 0,1 [LF benötigt
man Widerstände von etwa 400 kD,

297
10°
a5
Ji.B
l}m
Z
3 !� ",
z

1087 k�...
� 5
.!L f(t')
11m
w-
r
J t·
", ParamefeP: V< f
2 I!
I r•thermische"Zeitkonsfanfe
-2 "";
70 Transistoren: 30... 300mW
8 ;,, 70ms
Transistoren: 1 . 20 w�r=6'0RI.
..

� t; Impulsdauer
3
=

2
I
3
- - -2 2 111111 - IJl
70-10. z 3 4 56 810' 2 3 4 56 8 10 3 "56 810 2 3 4 56 8 70
°
7
t,-jr

Diagramm 6.10. Verhältnis Verlustleistung/lmpulsl�istung

Das Diagramm gilt für Ge-Transistoren. Mit Impulsen kann man eine höhere Leistung
erzielen als im Dauerstrichbetrieb. Wenn man Pc, - Icmax sowie die Durchbruch­
und die Basis-Emitter-Spannung UBE nicht übersteigt, ergeben sich trotzdem noch
höhere lmpulsleistungen.

Beispiel: Ein Verhältnis von I0-2 der Impulsdauer zur thermischen Zeitkonstante bei
einem Tastverhältnis von 0,1 ermöglicht ein Pc/Pim von etwa 0,3.

Literatur zu Abschnitt 6.

Büttner, L.: Verstärkereingangsstufen mit Feldeffekttransistoren, Funk-Technik 23{1966,


Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Fischer, H. J.: Transistortechnik für den Funkamateur, Deutscher Militärverlag, Berlin

Hellbarth, H.: Frequenzvervielfacher mit Transistoren, Funk-Technik 16/1965, Verlag für


Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Herzer, R.: Einige Schaltungsbeispiele für die Arbeitspunkteinstellung bei Transistoren,


Funk-Technik 4/1965, Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Hunek, M.: Strom- und Spannungspfeile bei der Analyse von Transistorschaltungen,
Funk-Technik 1965, 7 Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Hupfer, K.: Transistoren in UKW-Amateursendem, Funktechnik 11 und 12/1967, Verlag


für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Kammerloher, 1.: Transistortechnik, B. G. Te1.1bner Verlag, Leipzig

Kocsis, M.: Dimensionierung von Leistungsoszillatoren, Tungsram Mitteilungen, Ungarn

Kretzer, K.: Handbuch für Hochfrequenz- und Elektro-Techniker, Band VIII, Verlag für
Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

298
Kronjäger, 0.: Arbeitspunkteinstellung und Exemplarstreuung bei Transistoren, Funk­
amateur 6 und 7/1966, Deutscher Militärverlag, Berlin

Kronjäger, 0.: Formelsammlung für den Funkamateur (111), Deutscher Militärverlag

Lennartz, H./Taeger, W.: Transistorschaltungstechnik, Funk-Technik, Beilage 1959,


Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Mende, H. G.: Leitfaden der Transistortechnik, Franzis-Verlag, München

Ormond, T.: Die Dimensionierung von Schaltungen zur Arbeitspunkteinstellung bei


Transistoren, Funk-Technik 8/1963, Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH,
Berlin-Borsigwalde

Paul, R.: Transistoren, VEB Verlag Technik, Berlin

Pulvers, M.: Transistortechnik, radio und fernsehen, VEB Verlag Technik, Berlin

Rohde, U.: Transistoren bei höchsten Frequenzen, Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik


GmbH, Berlin-Borsigwalde

Schreiber, H.: Temperaturkompensation bei Si-Transistoren, Funk-Technik 20/1964,


Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Schröder, H.: Elektrische Nachrichtentechnik, Band li, Verlag für Radio-Foto-Kino-


technik GmbH, Berlin-Borsigwalde

-:Der Transistoroszillator bei hohen Frequenzen (62 T 14)


-:Ein AM-Empfänger mit ZF-Verstärker, Telefunken Mitteilungen (621085)

-: Leistungstransverter (61/8), Technische Mitteilungen des Instituts für Halbleitertechnik

-: Telefunken Laborbücher I, II, 111, Franzis-Verlag, München

299
7. Filter, Leitungen und Antennen

In der Amateurliteratur werden diese Aufgaben meist mit dimensionierten Bau­


anleitungen bzw. auf experimentellem Wege gelöst. Obgleich dagegen prin­
zipiell nichts einzuwenden ist, sollte sich der Amateur bemühen, ein Minimum
mathematischer Zusammenhänge mit in seine Lösungsmöglichkeiten einzubezie­
hen. Da die in diesem Abschnitt behandelte Thematik umfangreich ist, kann im
folgenden nur eine Auswahl der wichtigsten Gleichungen geboten werden.

7.1. Filter
Nachstehend werden verlustfreie Reaktanzfilter behandelt (die Schaltelemente be­
stehen aus Blindwiderständen). Das Ziel dieser Zusammenfassung soll darin be­
stehen, Filter mit den verschiedensten Eigenschaften hinsichtlich ihres Frequenz­
verhaltens zu dimensionieren, ohne konkret den Wert der Dämpfung angeben zu
können. Es läßt sich allerdings nicht umgehen, einige Definitionen von Größen
zu bringen, da diese in den folgenden Gleichungen verwendet werden. Anschließend
folgen dann Beziehungen zu RC-Filtem.

7.1.1. Kenngrößen

7.1.1.1. Frequenzen
fbzw. w- Frequenz bzw. Kreisfrequenz

/g - Grenzfrequenz

/n - Frequenz an einer betrachteten Stelle

0.'=
f - normierte Frequenz
/g
/oo - Frequenz an einer theoretischen Unendlichkeitsstelle der Dämpfung

7.1.1.2. Wellenwiderstand und Wellenübertragungsmaß


Wellenwiderstand
I

Diese Größe ist im Zusammenhang mit der nachstehenden Filterberechnung und


den Leitungen eine außerordentlich wichtige Größe. Für die verschiedenen Tech­
niken (Filter, Leitungen) sind verschiedene Formulierungen zur Definition an­
gebracht. Für den Wellenwiderstand der Leitung gilt:

300
Der Wellenwiderstand 3 ist der Eingangswiderstand der unendlich langen Leitung
Da bekanntlich eine Leitung aus Induktivitäten und ohmschen Widerständen be­
steht und zwischen ihren Adern verteilte Kapazitäten und ohmsehe Querwider­
stände vorhanden sind (Ableitungen infolge begrenzter Isolation), ergeben sich
bei einer homogenen Leitung auf einer bestimmten Leitungslänge gleiche Verhält­
nisse. Aus diesem Grund braucht man zur Ermittlung von 3 keine unendlich
lange Leitung mehr, sondern man kann mit der oben angegebenen Komponenten
je L äpgeneinheit den Wert ermitteln, bzw. die Berechnung des geometrischen
Mitt� aus Leerlauf- und Kurzschlußwiderstand der gewünschten Leitungslänge
ergibt den Wellenwiderstand durch

3 = Vwe · ttlk (7. 1 .)


und
R' +jwL'
3 =
V G' + jroC' •
(7.2.)

Der Strich an den Komponenten deutet auf die bezogene Leitungslänge hin (z. B.
1 [l.H/km). Bei der Berechnung kann man die ohmschen Verluste gegenüber den
Blindwiderständen der homogenen Leitung vernachlässigen (in der Praxis ist aber
eine Dämpfung vorhanden).
Dadurch wird der Rechengang wesentlich erleichtert. Somit vereinfacht sich.
GI. (7.2.) für eine verlustfreie homogene Leitung in

I Z=
Vf. I· (7.3.)

Danach braucht man für eine bestimmte Leitungslänge nur L und C derselben zu
messen und erhält .
Z
Diese Beziehung läßt sich ebenfalls bei den verlustfreien Reaktanzfiltern anwenden.
Trotzdem ist die folgende Formulierung gegeben:
Der Wellenwiderstand eines symmetrischen umkehrbaren Vierpols ist der Ern­
gangsscheinwiderstand des mit dem angepaßten Verbraucher abgeschlossenen
Vierpols. Im Durchlaßbereich eines verlustfreien Vierpols ist der Wellenwiderstand
reell. Man muß also bei den Ergebnissen im Durchlaß- wl!d Sperrbereich unbedingt
angepaßte Verhältnisse am Ein- und Ausgang sowie innerhalb der Filter haben.

Wellenübertragungsmaß
Das Wellenübertragungsmaß ist

®
=
a + jb = ln � ; (7.4.)

ll1 und U2 - Ein- bzw. Ausgangsspannung des Filters, a - Dämpfungsmaß,


b - Phasenmaß.

301
Für das Dämpfungsmaß gilt

(7.5.)

a in Neper.
Diesen Ausdruck kann man auch in dB ermitteln; denn es ist

a' = 20 log ...!::!!_ • (7.6.)


u2
Das Phasenmaß ergibt sich zu

(7.7.)

qJ - Phasenwinkel am Ein- und Ausgang des Filters.


Für die Spannung gilt

ul = ul exp (jqJl) u2 = u2 exp (qJ2). (7.8.)


Mit GI. (7.4.) kann man auch schreiben

exp (®) = �. (7.9.)


u2

7.1.1.3. Durch/aß- und Sperrbereich sowie Filtertypen

Durchlaßbereich

Im Durchlaßbereich hat das Reaktanzfilter unter den angegebenen Voraus­


setzungen keine Dämpfung a, d. h. a = 0. Praktisch ist aber eine bestimmte Durch­
laßdämpfung vorhanden. Das liegt an der endlichen Güte der Bauelemente. In
diesem Bereich steigt das Phasenmaß linear mit der Frequenz unter idealen Be­
dingungen an..

Sperrbereich ,

Im Sperrbereich ist a > 0 und müßte in großer Nähe der Grenzfrequenz gegen
Unendlich gehen. Die Dämpfung wird in diesem Bereich als Sperrdämpfung be­
zeichnet.

Filtertypen
Durchlaßbereich Sperrbereich

Tiefpaßfilter f zwischen 0 bis/g /von/g bis -+ oo

Hochpaßfilter fvon/g bis -+ oo /von 0 bis/g


Bandpaßfilter I zwischen h bis j; I von 0 bis h. und von
j; bis -+ oo
Bandsperrfilter fvon 0 bis/ f zwischen h bis h
/von/; bis -+ oo

302
Z}XLä

z/T
�x ·x

y_:r· Bild 7.1.

7.1.1.4. Grund-, Halb- und m-Glied

Bild 7.1. zeigt das T- und das n-Glied. Bei symmetrischemAuf bau halbiert man die
Längswiderstände, so daß X1ä/2 + Xlä/2 (bei Induktivitäten) erhalten bleibt.
Grundglieder sind Filter, deren Längs-Reaktanz dasselbe Frequenzverhalten zeigt
wie der Kehrwert ihrer Quer-Reaktanz (reaktanz-reziprok), z. B. L und C.
Halbiert man ein T- oder ein n-Glied, so erhält man ein Halbglied. Halbglieder
werden bei Kettenschaltungen von Reaktanzfiltern benötigt.
Bild 7.2. zeigt ein Halbglied. Aus dem Bild ist ersichtlich, daß 2 Halbglieder
1 Grundglied ergeben. Ein Halbglied setzt sich aus der Hälfte der Längs-Reaktanz
eines n-Glieds oder einer der Längs-Reaktanzen des T-Glieds zusammen.
Die Quer-Reaktanz des Halbglieds ist der doppelte Wert der Quer-Reaktanz eines
T-Glieds oder einer Quer-Reaktanz des n-Glieds.
Ein Kettenfilter besteht mindestens aus einem Anfangs- und End-Halbglied und
aus einem oder mehreren T- oder n-Gliedern (auch Voll- oder Zwischenglieder
genannt).
Beim m-Glied sind Quer- und Längs-Reaktanz nicht reaktanz-reziprok. Es lassen
sich im Sperrbereich durch m-Glieder zusätzliche Dämpfungen erreichen. Das
geschieht bei der Frequenz

(7.10,)

Mit m = 0,6 ergibt sich eipe besonders geringe Frequenzabhängigkeit von Z.


Setzt man diesen Wert in GI. (7.10.) ein, so istfoo = 1,25/g. Der steile Dämpfungs­
anstieg in der Nähe der Grenzfrequenz erfolgt allerdings auf Kosten det absoluten
Höhe der Dämpfung.
Bei der Zusammenschaltung der Grundglieder mit den Halbgliedern müssen die
entsprechenden Seiten aus Anpassungsgründen miteinander verbunden werden.
Deshalb muß man die T-Seite des Halbglieds an die T-Seite des Grundglieds an-

2jXLä

::I Bild 7.2.

303
schließen; das gleiche gilt für die n-Seite des Halbglieds. Der Wellenwiderstand des
T-Glieds ist

zT= j 1/ X1äxq + X1ä2 (7.11.)

und der des n-Glieds

(7.12.)

Beide Widerstände sind im Durchl�ßbereich reell, im Sperrbereich imaginär. Bei


den m-Halbgliedern unterscheidet man das Glied, das einen Wellenwiderstand
ZmT auf der T-Seite bei ungeändertem Zn auf der n-Seite hat. Das andere hat
einen Wellenwiderstand Zmn auf der n-Seite bei ungeänderter ZT auf der T-Seite.
Deshalb kann man solche m-Halbglieder nur mit den Grundgliedern zusammen­
schalten, die den entsprechenden Wellenwiderstand aufweisen.

7.1.1.5. Größen der Filter

Tiefpaß
Nachstehend sind T-, n- und Halbglieder der Grund- und m-Glieder angegeben
(Bild 7.3. und Bild 7.4.) Nun ist

Z=
V� ; (7.13.)

ferner ist

(7.14.)

und

z
z = (7.15.)
1t

V 1 - (/Ig)2
mit

0,159
(7.16.)
/g = }' L C
·

und

L = 0,159 /zg , c = 0,155':._.


/g·Z '
(7.17.)

f in Hz, L in H, C in F, Z in n.

304
�2C
c T ,

lL
0 1 2 3 4 f/fg Bild 7.3.

Bild 7.4.

Für die Tiefpaß-m-Glieder gilt

(7.18.)

Man wählt für das Anfangs- und Endhalbglied m = 0,6 (/g//oo = 0,8 und foo//g
= 1,25).
Das Halbglied mit Längs- und Querinduktivität ergibt sich zu

ZT = Z Q und Zm,. = Z
· � ; A = 1 - ( L )2; Q = V 1 - ( � )2;
(7.19.)

2-
0,159m . 1 - m2 0,159 (1 - m2) Z .
C2 = mC = L D (7.20.)
_
-
:-=-
_

'
_

/gZ ' m /g

z
L1 = mL = 0,159m r- ·
Jg

20 Amateurtechnik 305
Das Halbglied mit Querkapazität und Kreis im Längszweig ergibt sich aus

Q 1
ZmT = Z A ; Zn = Z ; (7.21.)
Q
Z 1-m2 (1-m2) .
L1 = mL = 0,159m /g ; C1 = C - 0,159
- , (7.22.)
m
. m[gZ

1
C2 = mC= 0,159m ;
/gZ

L in H, C in F, f in Hz, Z in fl.

Hochpaß
Bild 7.5. und Bild 7.6. geben dazu einige Erläuterungen.
In Bild 7.5. sind die Hochpaß-T-, die n-Grund- und die Halbglieder sowie ihre
Dämpfungsverläufe wiedergegeben.

Grundglied Z= V� ; (7.23.)

0
J'" = •159 ; L = 0 159
Z
C = 0,159Z-1,· (7.24.)
g YLC ;
'
/g

ZT = Q'Z; Zn;= � ; Q' = 1 _ (J r; A' = 1- (L r.


(7.25.)

m-Halbglied m = YA' . (7.26.)

: z,�'t -z �
c

I
c
L
2

IT
ganzes
6/ied

Bild 7.5.

306
Cl Cl

,���
<>-f l---t-l f---o
-

l.zcz

_E
f;,.
1
Zmzr fg
o----'----o
0 0,8 1 f/fg

LZ
--Z
zr

Bild 7_6_

Kapazität im Längszweig und Serienkreis im Querzweig

C 1 m 1
C1 = m = 0,159 C C = 0,159m
m/gZ ; 2 1 m2 ; (1 m2)/g Z;
=
_
_

(7.27.)

L
T =-= Z
'-'2 0159 - ·
m ' m /g '

= ZQ,
, A'
= Z Q'.
ZT Zmn (7.27.)

Der Kreis im Längszweig und die Induktivität im Querzweig ergeben sich aus

Q' = z
ZmT = Z 7; Zmn Q'; (7.28.)

C 1 = m = mZ
C1 = m = 0,159 ;
m/gZ ;
L1 1 m2 L (1 _
m2) /g _

(7.29.)

L Z

�=-=0159
'
m m/g

Bandpaß
In Bild 7.7. sind die T- und die n-Schaltung sowie das Halbglied wiedergegeben,
ferner ist der Dämpfungsverlauf ersichtlich.

= 0159 /g2 - /gl = 0 159 1


c1 c
Z/gJg2 ; 2 Z(/g2 - /g!) ;
'
'

z
L1
= 0159
' L2 0'159Z /g2 - /g1 (7.30.)
/g2 - /gt
· =
'
/gJ'gl

307
�5CZ 2L1

Bild 7.7.
0 fgl f

Bandsperre

Bild 7.8. zeigt das T- und das n-Glied, das Halbglied sowie denDämpfungsverlauf.

C1
1 fg2 - !gt
0,159z ( c2 o' 159
[g2 Z[gtfg2
= =

_
!gt)

2 1
L1 = 0,159Z [g - [gt L2 = 0,159Z � . (7.31.)
[gtfg2 JglJg"l

Anzahl der Glieder

Je nachdem, welche Forderungen an die Sperrdämpfung gestellt werden, ist zu

entscheiden, wieviel Glieder man benötigt. Nach Diagramm 7.1 a. ist die erreichte
Dämpfung ftir ein Grundglied in Abhängigkeit der normierten Frequenz an­
gegeben. Für sie gilt

Tiefpaß Hochpaß

n'=L Q' =
1rL
[g f

L1 L7 2 L1


)'
0
C1 " C1
0,5L2
0 w
"LA__ f9r fg2 f
Bild 7.8.

308
Bandpaß

1o =V /gtig2 Q' I
fo

Im Diagramm ist hier für Q' dann Q0 zu setzen.


Bei der Bandsperre gilt dann der reziproke Wert von Q0• Zur Ermittlung der
Dämpfung ist nur der Betrag von !20 maßgebend (Feststellung gilt bei Bandpaß
und Bandsperre). Um nun die Anzahl der Glieder (Tiefpaß und Hochpaß) zu

ermitteln, geht man davon aus, welche Dämpfung im Sperrbereich erreicht werden
soll. Wählt man die Frequenz für Q' = 2 und möchte eine Dämpfung von 5,4N
haben, so muß man mindestens 5,4/2,7 = 2 Glieder verwenden.
Der Wert 2,7 ergibt sich von Q' = 2,0. Allgemein gilt also

. Solldämpfung
Anzahl der Gheder =
Dämpfung bei Q' > 1,2

7.1.1.6. Beispiele zu den Filtern

Beispiel 7.1.
Zur Vermeidung von TVI muß in der Zuleitung zur Sendeantenne ein Tiefpaß
angebracht werden. Der Widerstand der Speiseleitung und der Anpassungswider­
stand des gesamten Antennensystems betragen Z = 60 !2. Da der Sender im
2-m-Band arbeitet, wird die Grenzfrequenz mit 155 MHz festgelegt. Das geschieht
bereits unter Berücksichtigung der begrenzten Selektivität in diesem Frequenz-
bereich.
·

Zur Versteilerung der Dämpfung sind für den Tiefpaß Endhalbglieder vorgesehen
(Empfangsfrequenz etwa 200 MHz). Es ist m = 0,6 vorauszusetzen, wobei ein
normales Grundglied mit den m-Halbgliedern das gewünschte Ergebnis erreichen
soll. Es sind die erforderlichen Kapazitäten und Induktivitäten zu ermitteln.

Lösung
/g soll etwa 20% tiefer liegen als die zu übertragende Frequenz. Das Grundglied
ist ein Tiefpaß.
Mit GI. (7.17.) ergibt sich für L und C:

60 0,159
L= 61 5 nH
·

1,55 • 108 = ' '

0,159
C = 6·1,55·109 =l7 pF .

Der Wert der Induktivität läßt erkennen, daß der Auf bau eines solchen Filters
schwierig ist. Dabei muß man berücksichtigen, daß jedes Stück Zuleitung einen
Teil der geforderten Induktivität bildet. Ebenso ist die Dämpfung der Bauelemente

309
J7nH 82nH

zu beachten. Aus Anpassungsgründen ist der Aufbau eines T-Glieds am zweck­


mäßigsten; da sich auf diese Weise die Halbglieder gut anpassen lassen.
Man erhält mit GI. (7.20.) für
1 -0,36
L1 0,6 61,5 37 nH; L.z 61,5 65 nH;
0,6
= · = = • =

c2 =o,6 . 17 ""' 10 pF .
Bild 7.9. zeigt den berechneten Tiefpaß.

Beispiel 7.2.

Zur Unterdrückung von Nebengeräuschen (Rauschen usw.) soll bei einem KW­
Empfänger in der Baugruppe der NP-Verstärkung ein Bandpaß eingeordnet
werden. Man möchte diesen Bandpaß zwischen 2 Emitterstafen schalten, wobei die
Abschlußwiderstände des Bandpasses mit 0,5 k!l anzusetzen sind. Die. Selektion
der Frequenzen soll bei 900 bis 1100 Hz liegen. Es ist nur ein Bandpaßgrundglied
zu verwenden. Es sind die Elemente des Bandpasses zu berechnen.

Lösung

Da Z = 500 ist, wird mit GI. (7.30.)

1100-900
C1 0,159 0,0615 (J.F,
=
500. 900. 1100 =

1
C2 o,159 600 1,59/(J.F,
900)
= =

(lloo _

60
L1 0,159 ""'47,5 mH,
=
1100 _
900

1100-900
L� 0,159 60 0,16 H.
llOO. 900
= · =

Aus Bild 7.10. ist der Aufbau des Bandpasses ersichtlich.

0,4H 0,0675p.F 0.0615p.F 0.4H


�t--�--��

Bild 7.10.

310
7.1.2. RC-Filter

Wegen des einfachen Aufbaus sind diese Filter besonders beliebt. Ihre Vorzüge
bestehen in ihrer Kleinheit,der Unempfindlichkeit gegen fremde Spannungen und
der Anwendung auch bei sehr niedrigen Frequenzen. Als Nachteile kann man den
begrenzten Einsatz der Filter bei höheren Frequenzen infolge der Schaltkapazitäten
und deren höhere Betriebsdämpfung als bei den Reaktanzfiltern nennen.
Nachstehend eine Zusammenfassung der Filtertypen.
Je nach Typ ist allgemein die Grenz-bzw. Resonanzfrequenz

(7.32.)

/in Hz, Rinn, C in F.


Daraus erhält man durch Umstellung

1
R 0,159 r (7.33.)
Jg C
=

Man gibt zweckmäßigerweise die Kapazität vor, da sich mit einem Widerstand
eine feinere Abstufung erreichen läßt.
Bild 7.11. zeigt die verschiedenen Filtertypen. Beim Tief- und Hochpaß ist z.B.
nur eine Lageänderung der Bauelemente erforderlich, ohne daß sich ein Be­
messnngswert ändert. GI. (7.32.) bzw. GI. (7.33.) gilt beim Bandpaß, wenn man
R1 = R2 = Rsetzt. Die gleiche Voraussetzung besteht bei der Bandsperre mit der
Nebenbedingung für R3 = R/201. und C1 = C2 = C, wenn C3 = 2C/ 01. gesetzt
wird (1 < 01. < 2).

C C R

:In
Bild 7.11.

311
7.2. Leitungsprobleme

Sowohl abgestimmte als auch unabgestimmte Leitungen werden beim Amateur


angewendet. Des weiteren kommen Lecher-Leitungen und Topfkreise zum Einsatz.
Diese Leitungsprobleme lassen sich teilweise mit Hilfe der komplexen Rechnung
lösen. Aus dem umfangreichen Gebiet der Leitungen ist das für die Amateur­
praxis Wichtigste ausgewählt worden.

7.2.1. Wichtige Kennwerte der Leitung

Leitungen sind solche Gebilde (Bild 7.12.), die diese Frequenzen nahezu verlustlos
übertragen. Anders gesagt: "Die ohmseben Verluste in Längs- und Querrichtung
können vernachlässigt werden (in der Praxis sind jedoch teilweise Korrekturen
notwendig)." Der Wellenwiderstand einer solchen Leitung hat z.B. einen Wert,
wie ihn GI. (7.3.) angibt. In Abhängigkeit der Leitungslänge ergibt sich aber in der
Praxis ein hinsichtlich der Dämpfung etwas anderes Bild. Bekanntlich muß man
vielfach beim Fernsehempfang Antennenverstärker in den Leitungszug einfügen,
um die Verluste zu kompensieren. Die Höhe der Frequenz ist dabei wesentlich.
Rauschprobleme bleiben dabei unberücksichtigt. Die Dämpfung ist bei den Lei­
tungstypen (symmetrisch, koaxial usw.) unterschiedlich. Näheres dazu ist den
Werbematerialien der Herstellerwerke zu entnehmen. Der Fehler, den man bei
den Berechnungen der Leitungen begeht, ist im Verhältnis zu den Auswirkungen
aber unbedeutend. Nach Bild 7.12. ist zur weiteren Erklärung mit lm die mecha­
nische Länge der. Leitung, gemeint. Zwischen der elektrischen Länge I und der
Dielektrizitätskonstante s der Leitung besteht folgender Zusammenhang:

(7.34.)

Mit vk bezeichnet man auch den Verkürzungsfaktor. Ist er> 1, so muß man die
mechanische Länge der Leitung kleiner als die der elektrischen Länge wählen,
um Resonanz mit der Wellenlänge zu erhalten (/ist mit der Wellenlänge A ver­
knüpft). Zum besseren Verständnis sei die Leitung in die Längenausdehnung der

Bild 7.12.

312
x-Achse gelegt. Danach habe für x = 0 die Leitung keine Ausdehnung, d.h. keine
Länge. An dieser Stelle befindet sich der Abschlußwiderstand !Rah der Leitung.
An einer anderen Stelle der Leitung ist demnach die Länge x = lx und am Anfang
der Leitung x =/. An dieser Stelle befindet sich auch der Generator mit seinem
Innenwiderstand R;. Bild 7.12. zeigt noch eine Anordnung, mit der man die
Spannungen auf der Leitung messen kann, wobei die Arbeitsweise durch die prin­
zipielle Darstellung des Indikators nur angedeutet werden soll. Nimmt die Leitung
.
die Leistung Ph auf, dann ergibt sich am Abschlußwiderstand ein optimaler Ver­
brauch, vorausgesetzt, !Rah =Z, oder ein Teil der Leistung wird reflektiert. All­
gemein gilt deshalb

(7.35.)

Pr - reflektierte Leistung, r - Betrag des Reflexionsfaktors ltl.


Entsprechend dem oben Beschriebenen ist die am Abschlußwiderstand verbrauchte
Leistung
(7.36.)

Aus Diagramm 1.'1 b. läßt sich ermitteln, wie hoch die Verluste infolge Reflexion
bei einem bestimmten r sind. In Verbindung mit dem Stehwellenverhältnis (Wellig­
keit) s ergibt sich für den Betrag des Reflexionsfaktors

s -1 r + 1
r=-- oder s = ---· (7.37.)
s+ 1 . r- 1

Für s ist definiert

Umax
m1"t U
max
Uh + U.r U min = Uh - U.r (7.38.)
S = Umin '

=

Das Stehwellenverhältnis s ist mit dem Anpassungsfaktor m = 1/s verknüpft


(Diagramm 7.2.).
Die angegebenen Spannungen setzen sich aus maximaler und minimaler Spannung
zusammen, die infolge Reflexion entstehen. Es läßt sich deshalb durch Messen der
Spannung auf der Leitung feststellen, wie der Leitungsabschluß beschaffen ist.
Dazu dient der bereits genannte Indikator. Hat man Maxima und Minima auf der
Leitung, ergeben sich stehende Wellen; im Fall der völligen Anpassung hat man
dagegen fortschreitende Wellen (Umax = Umin). Sehr oft ist der Abschlußwider­
stand !Rab komplex. Das geschieht um so eher, je höher die Betriebsfrequenz ist.
Im 70-cm-Band stellt bereits jedes Stückehen Leitung eine nicht zu vernachlässigen­
de Induktivität dar. Der Reflexionsfaktor ergibt sich allgemein zu

!Rah-Z

I t
=
!Ra h+ Z
I ·
(7.39.)

313
Es gilt auch

r= rexpUtp). (7.40.)

Der Phasenwinkel dieses Reflexionsfaktors ist

(7.41.)

lx - elektrische Länge in cm vom Ort x = 0 bis zum 1. Spannungsminimum,


A- Wellenlänge= 3 ·1010//(A in cm,jin Hz).
Von einiger Bedeutung ist noch das Längenverhältnis für die Auswertung von
Meßergebnissen;

(7.42.)

Mit Diagramm 7.3. kann der Winkel ermittelt werden. Durch Umwandlung von
GI. (7.39.) läßt sich auf Grund von Meßergebnissen !Rah feststellen;

1 -m . 0)
1 + "T+11l exp (J'P
1 + tu (7.43.)
!Rah = Z --- = Z
1 - tu
1 -
1
1
�: exp (jtpo)

Man erhält für den Eingangswiderstand der Leitung

( -}-)
!Hab + jZtan 360°
(7.44.)
1 +j
!R b
.Z tan(360° � )
In GI. (7.43.) wird der sogenannte Anpassungsfaktor m erwähnt.
Für ihn gilt

I I
1 1- r Umin (7.45.)
m--. ;-T+r---v:;-; .

An Hand der Gleichungen lassen sich nun einige Betriebsfälle errechnen, wenn
sich die Leitungslänge oder der Abschlußwiderstand ändert.

314
7.2.2. Verschiedene Leitungslängen, unterschiedliche Abschlußwiderstände

Zur Veranschaulichung dient Bild 7.13. Es sei angenommen, daß es sich um einen
komplexen Abschlußwiderstand ffiab handelt (der natürlich auch ohne Realteil
oder Imaginärteil sein kann). Die Leitung habe nacheinander die Werte Ä/4, Ä/2,
3/4)., )., Es muß nun festgestellt werden, welche Eingangswiderstände sich mit
diesen Längen ergeben.

I
I
l�a.6 z Diei
I
\
L lvari �
J .
Bild 7.13.

7.2.2.1. Leitungslängen Ä/4, Ä/2, 3/4Ä,).

Man setze die gegebenen Längen in GI. (7.44.) ein.


Für I = Ä/4 ist

(7.46.)

Eine solche Leitung ist auch als Ä/4-Transformator bekannt. In diesem Fall wird
ffiab=R (z. B. AnpaSsungswiderstand der Antenne) gesetzt und R in einen ge­
wünschten anderen reellen Eingangswiderstand transformiert. Dieses Verfahren
läßt sich aber nur für eine bestimmte Wellenlänge anwenden.
Für 1 = Ä/2 ist

(7.47.)

Es findet keine Transformation statt. Man setzt eine solche Leitung dort ein, wo
z. B. zwischen Senderausgang und Antenneneingang (Dipol) eine entsprechende
Länge ist. Es muß noch darauf hingewiesen werden, daß Z hier nicht eingeht.
Für die Leitungslängen 3/4Ä und). erhält man die gleichen Eingangswiderstän'de,
wie sie sich aus GI. (7.46.) und GI. (7.47.) ergeben.

7.2.2.2. Leitungslängen Ä/4 und Ä/2 mit unterschiedlichem Abschlußwiderstand

Dazu benutzt man zweckmäßigerweise GI. (7.46.) und GI. (7.47.).

A/4-Leitung

ffiab = 0: Der Eingangswiderstand einer solchen Leitung ist unendlich bzw. nimmt
sehr hohe Werte an, da Verluste auftreten. Infolge immer vorhandener Kapazitäten
am Eingang einer Leitung wird ihre Länge zur Resonanz kleiner, was sich auf die

315
Resonanzüberhöhung auswirkt. Die Leitung mit den eingangs beschriebenen Be­
dingungen entspricht einem Parallelschwingkreis. !Rah = oo: Der Eingangswider­
stand einer solchen Leitung ist 0, d.h., bei Abstimmung auf die Wellenlänge Ä. er­
geben sich die Eigenschaften eines Serienschwingkreises.
Beide Möglichkeiten benutzt man im entsprechenden Frequenzgebiet zur Ab­
stimmung in Form von Lecher-Leitungen oder Topfkreisen.

!Rah =kapazitiv, der Eingangswiderstarid hat induktiven Charakter;


!Rah =induktiv, der Eingangswiderstand hat kapazitiven Charakter;
!Rah = komplex, der Eingangswiderstand ist ohmisch und kapazitiv, wenn der
Abschluß ohmisch und induktiv war (sonst umgekehrt).

)./2-Leitung
Wählt man die gleichen Abschlußwiderstände, wie sie eben angegeben wurden,
dann sind die Eingangswiderstände identisch.

7.2.2.3. Leitungslängen kleiner Ä/2 mit den Abschlußwiderständen 0 und oo

!Rah = 0: Setzt man diesen Wert in GI. (7.44.) ein, dann ist

!Rei = (
jZ tan 360° +) . (7.48.)

In Diagramm 7.4. ist eine Auswertung dieser Gleichung vorgenommen worden.


Längenverhältnisse unter Ä./4 ergeben induktive Widerstände. Man kann also eine
solche Leitung mit einer konzentrierten Kapazität zusammenschalten, um Reso­
nanz zu erhalten. Längen kleiner Ä./2, aber größer Ä./4 ergeben einen kapazitiven
Eingangswiderstand.
Setzt man in GI. (7.48.) für !Rei = 1/ w C, so läßt sich C für eine gewünschte Reso­
nanzfrequenz ermitteln.

0,159 .
(
(7.49.)
)
C- - 1 '
fresZ cot 360°
T

C in F, /in Hz, l in cm,). in cm.


Mit Diagramm 7.5. kann man sofort die entsprechende Kapazität für das 2-m-Band
bestimmen. Oft ist aber die Kapazität vorgegeben, so daß man die Länge der
Lecher-Leitung bzw. des Topfkreises ermitteln muß;

I=0,159). arc cot (wCZ). (7.50.)

Schließlich wird ein bestimmter Wellenwiderstand vorausgesetzt. Es ist dann

Z = /.:.� (360° ! )
cot . (7.51.)

316
a--
-lt-

kurz
-------- �

0 Lrf�:t
Bild 7.14.
kurz hurz hurz kurz
ABr��rT��rt�J
kurz kurz leer leer leer

ffiab = =: Es ergibt sich mit GI. (7.44.)

ffiel = -
j Z cot (360° � ) . (7.52.)

Für Leitungslängen kleiner Ä/4 ist ffiei kapazitiv, für Leitungslängen oberhalb
Ä/4 bis nahezu Ä/2 dagegen induktiv. Eine Auswertung dieser Beziehung ergibt
Diagramm 7.6. Man kann natürlich ffte; =
1/wC sowie GI. (7.52.) nach C auflösen
und erhält dann wieder GI. (7.49.). Mit dieser Gleichung wirdjedoch die Kapazität
errechnet, die für die Resonanz der am Ende kurzgeschlossenen Leitung notwendig
ist. In diesem Fall handelt es sich aber um eine am Ende offene Leitung. Sie stellt
für die gewünschte Wellenlänge eine Kapazität dar. (Eine Addition der am Ende
kurzgeschlossenen Leitungslänge und der am Ende offenen Leitungslänge ergibt
die Leitungslänge,· die Resonanz mit Ä hat.) Bild 7.14. zeigt nochmals die haupt­
sächlichsten Leitungslängen und ihre Eigenschaften.

7.3. Smith-Diagramm

Ein solches Diagramm (Diagramm 7.7.) ermöglicht dieAuswertung von Meßergeb­


nissen und die Lösung von Aufgaben der komplexen Rechnung. In Abschnitt 7.2.1.
wurden bereits eine Anzahl Kennwerte genannt, die sich im Smith-Diagramm an­
wenden lassen. Voraussetzung ist, daß man mit einem geeigneten Indikator eine
einwandfreie Abtastung auf der Leitung vornehmen kann. Dazu eignen sich am
besten Meßleitungen. An Hand einer Anzahl von Beispielen wird der Gebrauch
des Smith-Diagramms erklärt.

7.3.1. Erklärungen zum Diagramm

7.3.1.1. Verhältnisse R/Z und X/Z


Entsprechend Bild 7.15. werden nachstehende Erklärungen gegeben.
Die waagerechte Achse verläuft von 0 bis Dort ist auch das Verhältnis R/Z
oo.

aufgetragen. Man sagt: "R ist auf Z normiert." R ist der Wirkanteil eines kom-

317
Bild 7.15.

plexen Widerstands und Z der Wellenwiderstand der jeweils verwendeten Leitung.


Die Wirkkreise schneiden die reelle Achse an den bereits genannten Stellen. Der
Wirkkreis 0 ist deshalb der äußere Kreis des Diagramms, der Wirkkreis 1 schneidet
die Achse bei R/ Z = 1. Es liegen also alle Mittelpunkte der Wirkkreise auf der
reellen Achse. Die Blindkreise haben ihren Mittelpunkt auf der imaginären Achse,
die senkrecht auf der reellen Achse steht. Im Diagramm erscheint die imaginäre
Achse jedoch nicht. Aus Bild 7.15. ist zu ersehen, daß die Blindkreise ±jX/Z die
reelle Achse berühren.
Zur Veranschaulichung sind die Blindkreise ±0,5j, ±j eingetragen. X ist die Kenn­
zeichnung für Blindwiderstand. Die Vorzeichen bedeuten "+" entsprechend
induktiv und"-" analog kapazitiv.

7.3.1.2. rn-Kreise

Die rn-Kreise haben ihren Mittelpunkt auf der reellen Achse bei R/Z = 1. Die
Werte von rn liegen zwischen 0 und 1. Der rn-Kreis 0 fällt mit dem Wirkkreis
R/Z = 0 zusammen (Anpassungsfaktor rn und s sind reziprok). Deshalb ist auf
der reellen Achses von 1 bis oo. Es gilt für rn weiter

· rn = � ftir R < Z und m = i für R > Z. (7.53.)

7.3.1.3. 1/Ä-Skale

Auf der äußersten Skale ist das Verhältnis 1/Ä von 0 bis 0,5 aufgetragen, was einem
Winkel von 360° entspricht. Einmal geht die Skale vom Ort x = 0 zum Ort
x =I (bzw.fj}.), oder man hat auch Wellenlängen zum Generator im Uhrzeiger­
sinn. Die andere Skale verläuft entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung zur End­
last vom Ort x zu x = 0. Vom Mittelpunkt 1 kann man nun bei der Lösung von

318
Aufga�n einen Strahl zu dem Längenverhältnis lf).. ziehen. Der Schnittpunkt eines
Strahles l,JÄ (lx ist die Länge von x = 0 bis zum ersten Minimum) zum Mittelpunkt
gezogen, ergibt im Schnittpunkt mit dem rn-Kreis den· normierten Abschluß­
widerstand 'iftab/Z gemäß GI. (7.43.). Da nun durch diesen Schnittpunkt ebenfalls
die Wirk- und Blindkreise laufen, braucht man nur die Werte an den Kreisen mit Z
zu multiplizieren und erhält die Komponenten von 'iftah. Den Phasenwinkel des
Reflexionsfaktors bestimmt man durch Messung mit dem Winkelmesser zwischen
reeller Achse und Strahl, wobei der Winkel unterhalb der Achse negativ ist.

7.3.1.4. Komplexer Widerstand und komplexer Leitwert

Ist ein komplexer Widerstand 'ift = a + jb gegeben und sollen die Rechenope­
rationen mit dem Diagramm durchgeführt werden, so muß man 'ift auf ein ge­
eignetes Z normieren. Bei einer Leitung ist Z gegeben. Dabei besteht die Aufgabe,
den ftir 'ift äquivalenten Leitwert zu ermitteln. Man geht nun davon aus, daß
Zg = 1/'ift. bereits normiert ist. Deshalb verlängert man im Diagramm einfach
den durch den Schnittpunkt 'ift/Z und durch den Mittelpunkt des Diagramms
gehenden Strahl, bis dieser Strahl den rn-Kreis wieder schneidet. Dieser Schnitt­
punkt ist Zg. Die Komponenten sind weiter die Wirk- und Blindkreise, die eben­
falls normierte Werte darstellen; Zg (Wirkleitwert) jZp (Biindleitwert).

7.3.1.5. Bemerkungen zur Messung

Das exakte Ermitteln von Größen auf der Leitung erfordert eine Meßleitung. Diese
ist meist unsymmetrisch aufgebaut und hat oft den Wellenwiderstand Z = 60 .Q.
Der Indikator muß große Präzision aufweisen. Er ist mit einem Resonanzkreis
aufgebaut, dessen Spannung gleichgerichtet wird; den Riebtstrom verwendet man
dann als Meßwert. Der Meßvorgang wird so durchgeführt, daß man am Ort
x = 0 zunächst kurzschließt und den Kreis im Indikator auf die Betriebsfrequenz
abstimmt. Durch Verschieben des Meßschlittens über die Leitung läßt sich fest­
stellen, ob mehrere Minima auf der Leitung vorhanden sind. Man wählt die Mi­
nima zur Aussage, weil die Spannungsänderungen je Längeneinheit wesentlich
größer sind als bei den Maxima. Nun wird der verschiebbare Maßstab der Leitung
so geändert, daß das 1. Minimum genau im Abstand Ä/2 vom Kurzschluß ent­
fernt ist. Nach diesen Vorbereitungen entfernt man den Kurzschluß, und der Meß­
vorgang kann beginnen. Zur Ermittlung von 'iftab müssen m und lx bekannt sein.
(Die Meßleitung hat nahezu s =
1, also ist I= lme). Durch Anschluß von 'iftab bei
x = 0 verändert sich die Lage des 1. Minimums; es beträgt lx. Damit ist lx/Ä be­
kannt. Nach der Messung von m überträgt man beide Werte in das Diagramm.
Der Schnittpunkt vom Strahl !J). und von dem rn-Kreis ergibt die gesuchten
Komponenten R/Z und X/Z.

319
7.3.1.6. Leitungslängen

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß ein Umlauf auf der äußeren Skala /./2
oder 360° entspricht. Ist nun die Leitungslänge beliebig lang, so geht man bei der
Auswertung wie folgt vor:

-Man bestimmt die elektrische Länge der Leitung nach GI. (7.34.);

-nun wird das Verhältnis 1/Ä. gebildet;

-man bestimmt lji.._ (0,5 ·ganze Umläufe), wobei nicht die ganzen Umläufe
interessieren, sondern nur die Dezimalstelle;

-der neue Wert 1/Ä. < 0,5 ist der Wert, mit dem gerechnet werden muß, seine
Bezeichnung lautet 1'/i..;

-nun ist der zu ffiab/Z vorhandene ix/Ä.-Wert zu 1'//. zu addieren;

-der auf diese Weise erhaltene neue Strahli/Ä. wird mit dem zu ffiab/Z vorhande-
nen rn-Kreis zum Schnitt gebracht. Der Schnittpunkt gibt dann den Wert des
normierten Eingangswiderstands der gesamten Leitung an.

7.3.1.7. Beispiele zur Anwendung des Smith-Diagramms

Beispiel 7.3.

Es ist der komplexe Widerstand ffiab mit der Meßleitung zu ermitteln. Die Be­
triebsfrequenz beträgt 144 MHz, und das 1. Minimum liegt bei 1x/Ä. = 0,387,
wobei m = 0,6 sei n möge.

Lösung

Zunächst ist die Wellenlänge zu ermitteln;

;. = 3 · 1010 cm/1,44 108,


• ). = 209 cm.

Da nun ffiab festgestellt werden soll, muß man vom Ort x zu x = 0 gehen, ent­
sprechend Diagramm 7.7. von den Wellenlängen in Richtung Endlast Da m be­
0,6 zum Schnitt und erhält Punk t A.
kannt ist, bringt man den Strahllxfi.. mit m =

In diesem Punkt schneiden sich R/Z 0,83 und jXjZ = j0,43.


=

Bei einem Z 60 n der Meßleitung ist dann R


= 0,83 60 50 n und jX
= · =

= j0,43 60 ·25,8 n. Damit ergibt sich für Slab � (50 + j25,8) n.


=

Beispiel 7.4.

Es soll der Eingangswiderstand einer kurzgeschlossenen und einer offenen Leitung


ermittelt werden, wobei ihre Länge 10 cm ist. Der Wellenwiderstand der symme­
trischen Leitung sei 120 n und ihr e = 2,5.
Die Wellenlänge beträgt 70 cm.

320
Lösung

mab = 0: Man erhält für I = lmc V2,5 = 15,8 cm und 1/A = 0,226. Da R/Z = 0
(weil Kurzschluß amEnde, somit R =0) und nach demEingangswiderstand ge­
fragt ist, muß man in Richtung zur Generatorachse vorgehen und den Strahl
0,226 zum Mittelpunkt 1 ziehen. Infolge GI. (7.53.) ist auch rn 0. Der Schnitt­
=

punkt des Strahles mit dem rn-Kreis ergibt Punkt B, was einem +jX/Z +j6,6
=

entspricht (Diagramm 7.7.). Demnach wäre derEingangswiderstand der amEnde


kurzgeschlossenen Leitung jX = 6,6 120 · j790 n. Aus diesem Wert läßt sich
=

nun leicht die Induktivität errechnen.


Bei ffiab = oo ist auch R/Z = =. Man geht auf der reellen Achse bis zum Punkt
R/Z = = vor. Wirk- und Blindanteil von ffiab sind ebenfalls unendlich, der rn­
Kreis verläuft ebenfalls durch diesen Punkt. Davon muß man das Längenverhält­
nis abtragen, obgleich an der Stelle 1/A = 0,25 ist. Dieser Punkt wird für "0"
erklärt, und man beginnt in Richtung zur Generatorachse l/A = 0,226 aufzutragen.
DerSchnittpunkt mit rn = Oergibt �jX/Z =-j0,l66 (PunktB1in Diagramm 7.7.).
Man hat dann einen kapazitiven Widerstand von 0,166 120 · 20 n. Demnach
=

stellt die offene Leitung mit der gegebenen Länge für diese Wellenlänge nahezu
einen Kurzschluß dar.

Beispiel 7.5.

WelchenEingangs- und Ausgangswiderstand erhält man, wenn lx/A = 0,075 und


m = 0,133 gemessen wurden. Die Leitungslänge beträgt 10,3 m, ihr Wellenwider­
stand sei 240 n und die Dielektrizitätskonstante s = 4. Die Betriebswellenlänge
ist?..= 2 m.

Lösung

Auf Grund der Meßergebnisse werden der Strahl lxf}, und rn = 0,133 zum Schnitt
gebracht (Punkt D). Damit ist R/Z = 0,166 undjX/Z = j0,5. Dadurch ergibt sich
für ffiab = (40 + j120) !2. Die elektrische Länge der Leitung ist l=10,3 2 · = 20,6
und 1/A = 10,3. Es interessieren gemäß Abschnitt 7.3.1.6. nicht die Umläufe,
sondern nur die Dezimalstelle. In diesem bleibt ein Rest von 0,3 =/' jJ,.. Man
addiert nun die Längen lx/A + f'/J,. = 0,375. Dieser Strahl ist mit demselben
rn-Kreis zum Schnitt zu bringen (PunktE). Man findet R/Z = 0,25 und -jX/Z
= -j0,97. Deshalb beträgt der Eingangswiderstand der gesamten Leitung ffiei
= (60 -j233) n.

Beispiel 7.6.

Auf einer Leitung, deren Wellenwiderstand 120 f2 ist, konnte ein rn = 0,5 er­
mittelt werden. Das 1. Minimum lag bei lx/A = 0,2. Es sind der Abschlußwider­
stand, der Reflexionsfaktor und sein Phasenwinkel zu bestimmen.

21 Amateurtechnik 321
Lösung
Der Schnittpunkt des Strahles ergibt l;JA = 0,2 und den m-Kreis 0,5 (F). Dabei
ist wieder so vorzugehen, daß in Richtung zur Endlast der Strahl aufgetragen
werden muß. Damit sind die Komponenten von !Hab� R/Z = 1,42 und -jX/Z
= -j0,45 gegeben. Also ist !Hab.= (170- j54) Q. Den Betrag des, Reflexions­
faktors kann man mit GI. (7.45.) oder durch Messen der Strecken vom Mittel­
punkt zu Punkt F und dem Radius des Diagramms (r - Meßstrecke zum Schnitt­
punkt: Radius des Diagramms) feststellen. Demnach ist r = 0,25 und sein Winkel
-37°; den Winkel kann man mit dem Winkelmesser oder durch Winkelfunktionen
ermitteln. Somit ist der Reflexionsfaktor t = 0,25 exp ( -j37°). Um beispielsweise
den äquivalenten Leitwert @ab festzustellen, geht man gemäß Abschnitt 7.3.1.4.
vor. Punkt G ist der über dem Zentrum mit demselben rn-Kreis zum Schnitt
gebrachte Strahl. Es ergibt sich also ein normierter Abschlußleitwert @Z= (0,68
+j0,2).
Schließlich ist ®ab = (0,68/120 + j0,2/120) S.

Beispiel 7. 7.
Es soll der Leitwert der Reihenschaltung von 2 komplexen Widerständen
lR1 = (10 + j50) Q und � = 10- j100) n grafisch ermittelt werden.

Lösung
Man normiert auf einen beliebigen Wellenwiderstand (es ist vorteilhaft, wenn
diese Normierung die Werte ergibt, die sich gut in Diagramm 7.7. ablesen lassen);
im Beispiel eignet sich gut Z = 100 n. Die normierten Widerstände sind dann
ffi1/Z = 0,1 + j0,5 und �/Z = 0,1- j1).
ffi1/Z ist in das Diagramm einzutragen (U). Nun addiert man entweder bei kon­
stantem R1/Z oder X1/Z die Komponenten von �/Z.
Mit R1/Z = konstant ergibt jX1/Z - jX2/Z = -j0,5 (L). Nun wird X1+2/Z
= -j0,5 konstant gehalten und R1/Z + R2/Z = 0,2 (W) gebildet. Zu diesem
Punkt gehört der m-Kreis 0,16.
Soll zu diesem Widerstand der äquivalente Leitwert ermittelt werden, dann ist ein
Strahl von den Komponenten des Widerstands über das Zentrum "1" mit dem­
selben m-Kreiszum Schnitt zu bringen (X). Die Komponenten des Leitwerts sind

Z11 = 0,7 und Zp = +j1,7. Also ist der Leitwert@ (7 + j17,5) mS.
=

7.4. Jlnte�

Die Antennentechnik ist ein wesentlicher Bestandteil der Amateurtechnik. Dabei


spielt für den Amateur hauptsächlich die Herstellung der verschiedensten An­
tennen eine große Rolle. In den folgenden Ausführungen soll jedoch auf die reine
Praxis weniger eingegangen werden. Im Mittelpunkt stehen dagegen mathe­
matische Erläuterungen zu Antennenkeonwerten, Spezialantennen und einigen
Fragen der Antennenmeßtechnik.

322
7.4.1. Kurzwellenantennen

Kurzwellenantennen unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit als Sende- oder


Empfangsantenne dadurch, daß bei Sendeantennen Länge und Abstimmelemente
mit der Frequenz in Resonanz sind, während das bei Empfangsantennen nicht der
Fall ist. Diese Feststellung trifft auch für UHF-Antennen zu. Infolge der größeren
Ausdehnung der KW-Antennen spielt die Umgebung eine nicht zu unterschätzende
Rolle, was sich durch unterschiedliche Empfangsergebnisse auswirkt. Bild 7.16.
zeigt einige weit verbreitete Antennenformen. Hier ist offensichtlich, daß sie bei
gleicher Antennenlänge durch ihre Anordnung trotzdem Resonanz bei unter­
schiedlichen Wellenlängen haben. Mit dem Korrekturfaktor c' und der gesamten
Länge L der Antenne gilt die Beziehung

A.o = c' • L. (7.54.)

Für die in Resonanz befindliche Antenne sind allerdings die dynamischen Induk­
tivitäts- und Kapazitätswerte maßgebend. Sie errechnen sich aus

Cdy = 0,636 · C8t, (7.55.)

Ldy = 0,636 · Lst·

Die statischen Werte kann man mit den bekannten Meßbrücken ermitteln, oder sie
werden berechnet. Hat die Antenne gerade die Abmessungen, die Resonanz mit
den Senderwellenlängen ergeben, dann gilt

A0 = 18,8 y L • C ;

A. in m, L in !J.H, C in pF.
Bei einer verlängerten Antenne muß man beispielsweise noch die Induktivität der
Verlängerungsspule zur dynamischen Induktivität der Antenne hinzurechnen.
Nachstehend nochmals einige Kapazitäts- und Induktivitätswerte von Antennen.

323
Die Kapazität der Horizontalantenne ist

c - 0,555 ·I .
Ho-
4h ' (7.57.)
Iod

(h < /)
C in pF, h - Höhe über Erdboden in cm, d - Drahtdurchmesser in cm, I- Länge
der Antenne in cm.
Für die Vertikalantenne ist

0,555· I
. Cve =
I (7.58.)
In116 ·­

d
'

Dazu die statische Induktivität der Horizontalantenne:

Lno = 2·I ·In


( 4:J )to-s (7.59.)

und die der Vertikalantenne:

Lve = (2t·ln1,16 · �) 10-3; (7.60.)

L jeweils in (J.H.
Nach Diagramm 7.8. kann L und C der Horizontalantenne ermittelt werden. Zur
Berechnung muß der Wellenwiderstand der Antenne bekannt sein. Er ist für die
Horizontalantenne
4h
Z=60·ln-· (7.61.)
d '

Z in n, h in cm, d in cm.
Bei der Vertikalantenne ist h durch die effektive Antennenhöhe zu ersetzen. Diese
Höhe entspricht der wirksamen Höhe der Antenne, und sie hängt von der An­
tennenart sowie den Umgebungsbedingungen ab. Ein Mittelwert von heu der be­
schriebenen Antennen liegt bei 0,64·I. Die Antennen sind mit Leitungen zu ver­
gleichen; denn ihr Eingangswiderstand ist bei offener Leitung am Ende (was der
Antenne entspricht)

(7.62.)

Wie zu erkennen ist, wird ffiei bei1/4, 3/4.Ä usw.0, dagegen bei Ä/2, .Ä usw. unendlich
hoch. Solche Werte lassen sich jedoch nicht erreichen, weil immer Verluste vor­
handen sind. Darum bezeichnet man Antennen mit niedrigem Eingangswiderstand
als stromgekoppelt, die anderen dagegen als spannungsgekoppelt. Zu kurze

324
Antennen haben kapazitiven Charakter (/ < A/4). Um Resonanz zu erhalten, muß
deshalb eine zu kurze Antenne mit einer Verlängerungsspule auf A/4 verlängert
werden. Ihr Wert ist
I
L = J.. 0,32 · Z · cot 360° -y ; (7.63.)

L in cm, z in n, A in m.

Wäre dagegen die Antenne über A/4 �einer A/2, dann benötigte man bei A/4 einen
Verkürzungskondensator, um Resonanz zu erhalten. Sein Wert ist

525. ).
C=
----1,---
Zcot 360°
T

c in pF, Z in n, ), in m.
In Verbindung mit GI. (7.62.) wurde bereits der mögliche Eingangswiderstand der
Antenne bei Resonanz erwähnt. Führt man dem gesamten Antennensystem die
Senderleistung Pse zu, so wird nur von der Antenne die Strahlungsleistung Ps ab­
gegeben, weil Verluste im Antennensystem Pv vorhanden sind. Wenn nun der
Anpassungswiderstand der Antenne

(7.64.)

ist, dann wird der Antennenwirkungsgrad

(7.65.)

Rs - Strahlungswiderstand.
Der Verlustwiderstand Rv setzt sich aus den Verlusten in den Abstimrnitteln,
dem Antennendraht und vor allem aus dem Erdwiderstand zusammen. Gemessen
an der Frequenz, erhält er mit steigender Frequenz immer mehr Bedeutung (Richt­
wert z.B. 20 11). Der Strahlungswiderstand ist der Nutzwiderstand der Antenne.
Er dient als Äquivalent für die verbrauchte Leistung, die von der Antenne ab­
gestrahlt wird. Sein Wert ist abhängig von der Antennenart Bei den genannten
Antennenarten gilt näherungsweise

(7.66.)

R. in n, h in m, A in m.
Für Ho�ontalantennen kann man hw :::::: h setzen, wenn h � I der Antenne ist.
Darüber hinaus hat die Formel keine Gültigkeit. In Diagramm 7.9. wird die oben­
genannte Beziehung für Vertikalantennen bis A/4 ausgewertet. Der in Gl. (7.64.)

325
angegebene Widerstand Ran gilt nur ftir ·stromgekoppelte Antennen. Den An­
passungswert ftir spannungsgekoppelte Antennen erhält man mit einiger Näherung
aus
(7.67.)

R in n, wL in n.
Die Antennengüte läßt sich durch Bandbreitemessung feststellen (Richtwert z. B.
etwa 50). Die Induktivität kann mit der angegebenen Gleichung errechnet werden.
Die Antenne muß sich mindestens mit Ä/2 in Resonanz befinden. Die Verhältnisse
können getrübt werden, weil schädliche Kapazitäten wirksam werden. Horizontal­
antennen, die sich in den Längsabmessungen über mehrere Wellenlängen erstrek­
ken, ermöglichen einen Antennengewinn, der z. B. bei 4 etwa 3 dB beträgt. Man
kann auch voraussetzen, daß die Hauptstrahlrichtung bei solchen langen Antennen
in der Längsachse der Antenne liegt.

7.4.1.1. Einige Meßverfahren für Antennenkennwerte

Die Ermittlung des Anpassungswiderstands stromgekoppelter Antennen


Obgleich beim 1t-Giied die Höhe des Anpassungswiderstands keine Rolle spielt,
da es eine gute Anpassung ermöglicht, seien einige Verfahren genannt.
Mißt man den Strom in der Antennenleitung im angepaßten und abgestimmten
Zustand der Antenne JA, so ist der neue Antennenstrom lzu• wenn man einen
zusätzlichen ohmseben Widerstand in den Antennenkreis bringt. Aus dem Verhält­
nis der Ströme ergibt sich

1
Ran Rzu -1�--
=

�-1 (7.68.)
lzu

Diese Methode wird ungenau, wenn das Verhältnis der Ströme in die Nähe von 1
kommt.
Ein anderes Verfahren zur Bestimmung von Ran besteht darin, den Antennenstrom
als Bezugsgröße zu verwenden. Man verwendet dazu einen Serienkreis (wobei L
und .C verlustarm aufzubauen sind), stimmt diesen Kreis ab und schaltet einen so
großen ohmseben Widerstand in den Kreis, bis der gleiche Antennenstrom fließt.
Es können nur Widerstände benutzt werden, die keine Blindkomponenten ent­
halten und die der Senderleistung entsprechen. Mit Hilfe der Brückenmessung
(Antennaskop) läßt sich Ran ebenfalls bestimmen. In diesem Fall benötigt man
noch einen HF�Generator.

Eigenresonanz der Antenne


Vielfach besteht die Aufgabe, die Eigenresonanz einer gegebenen Antenne zu
bestimmen. Das ist besonders dann schwierig, wenn die Antenne infolge schlechter
Umgebungsverhältnisse ein undefiniertes Gebilde darstellt. Mit dem eigenen
Sender sowie den Kapazitäten C1 und C2 (geeichter Drehkondensator) läßt sich

326
die Eigenresonanz der Antenne ermitteln, wenn man die zu den Kapazitätswerten
gehörenden Bandgrenzfrequenzen verwendet;

/an=
1 / Cr/12-CJ./ , (7.69.)
V cl- c2
Die Bestimmung von !an wird genauer, wenn man die Frequenzen etwas weiter
auseinander legen kann, als es allgemein die Bandgrenzen der Amateurfrequenzen
sind. Dazu eignet sich ein HF-Prüfgenerator oder ein Grid-Dip-Meter.
Durch Messen der statischen Induktivitäts- und Kapazitätswerte ergibt sich für

250
fan ""=' (7.70.)
Y Lst Cst

f in MHz, C in pF, L in !LH.

7.4.2. VHF- und VIIF-Antennen

Eine der einfachsten Antennen in diesen Frequenzgebieten ist die bereits genannte
A/4-Vertikal-Antenne. Sie hat bekanntlich Rundstrahlcharakteristik Ihr An­
passungswiderstand liegt bei 40 n. Die Groundplane-Antenne ist eine modi­
fizierte Marconi-Antenne, bei der mindestens 4 radial verspannte Ä./4-Drähte als
"Gegengewicht" benutzt werden. Diese muß man allerdings isoliert anbringen. Je
nach Lage der Drähte zum Vertikalstrahler wird ihr Anpassungswiderstand be­
einfloßt. Es ist deshalb erforderlich, mit einer offenen Ä/4-Anpaßleitung Ran auf
den Z der Speiseleitung zu transformieren (Bild 7.17.). Der Halbwellendipol wird
bereits in seiner einfachsten Ausführung kaum vom Erdboden beeinflußt (Bild
7.18.). Er ist aus 2 Marconi-Antennen entstanden, wobei er meistens mit

A/4 � 732 J../4


Jymmetrisctre Leitung
Bild 7.17. Bild 7.18.

327
seinen beiden Strahlern die Länge J../2 hat (bei kürzeren Längen kann man ihn mit
Hilfe einer Verlängerungsspule abstimmen). Der Anpassungswiderstand beträgt
etwa 73 n. Infolge der Symmetrie der Antenne ist es zweckmäßig, nur mit symme­
trischen Speiseleitungen zu arbeiten. Durch eine Umwegleitung bzw. mit Hilfe
eines Symmetrierglieds besteht die Möglichkeit, auch unsymmetrische Leitungen
anzuschließen. Anpassungsfragen müssen allerdings dabei beachtet werden.
Bringt man in etwa A/20-Abstand vom Dipol einen weiteren Leiter gleicher Länge
an, so ergibt sich der in Bild 7.18. gezeigte Schleifen- oder FaltdipoL Damit erreicht
man einen höheren Anpassungswiderstand (240 .Q) und eine höhere Bandbreite.
Gerade die höhere Bandbreite hat zu einer größeren Anzahl von Antennen­
typen geführt. Zur Erhöhung der abgestrahlten (oder aufgenommenen) Leistung
koppelt man den Dipol mit weiteren Elementen. Das führt aber zur Herabsetzung
seines Anpassungswiderstands. Deshalb ist es vorteilhaft, die Werte nicht beim
normalen Dipol, sondern beim Faltdipol zu erhöhen. Der Strahlerdurchmesser ist
nicht ohne Einfluß auf die Antenneneigenschaften (z. B. würde ein dickerer Leiter
eine Bandbreitenerhöhung verursachen). Zugleich sind die praktischen Einsatz­
bedingungen der Antenne zu berücksichtigen. Das Verhältnis Ä/d:::::: 100 soll als
Richtwert für die Abmessungen der Elemente dienen. Sowohl Faltdipol als auch
der konventionelle Dipol haben Richtdiagramme, die vorwärts und rückwärts
gleiche Abstrahlungseigenschaften aufweisen. Koppelt man aber Reflektor,
Strahler, Direktor in bestimmten Abständen, so verändern sich die Vor- und
Rückwärtseigenschaften der Antenne, indem mehr Leistung nach vom abgestrahlt
bzw. aufgenommen wird. Man spricht dann von einem Gewinn der Antenne
gegenüber einem HalbwellendipoL Dieser Leistungsgewinn beträgt etwa 3 dB.
Bringt man nun noch vor dem Strahler weitere Elemente an, so erhöht sich dieser
Gewinn. Solche Elemente werden als Direktoren bezeichnet. Durch die Kopplung
zwischen Direktor, Reflektor und Strahler wird der Anpassungswiderstand sehr
herabgesetzt. Die Yagi-Antennen haben deshalb Transformationsleitungen, wie
T-Anpassung und angezapfte A/4-Leitungen. Darüber hinaus werden auch Bau­
anleitungen für Yagi-Antennen mit den' entsprechenden Abmessungen zwischen
Strahler, Reflektor und Direktoren veröffentlicht. Aus Bild 7.19. sind einige Ab­
messungen zu ersehen.

!?efl.

Jtr.

T-Anp.
68,9/f
1. Oir.
längen in cm ,1 Bild 7.19.
f i(/ !1Hz 2.JJir. 135/f 35J

328
7.4.2.1. Symmetrierg/ied

Es ist prinzipiell möglich, ein unsymmetrisches Kabel an eine symmetrische An­


tenne anzuschließen. Dabei treten jedoch Verluste auf, die sich besonders dann
nachteilig auswirken, wenn die Antenne z. B. unter ungünstigen Bedingungen be­
trieben werden muß. Damit beide Antennenhälften (Dipol) zum Empfang bzw.
zur Abstrahlung der Energie beitragen, muß man die unsymmetrische Speise­
leitung mit einem Symmetrierglied an den symmetrischen Antennenanschluß
anpassen. Dazu eignet sich die Umwegleitung nach Bild 7.20. Sie transformiert
außerdem von 60 n auf 240 D (Faltdipol). Diese Anordnung läßt sich, streng
genommen, nur für eine bestimmte Frequenz einsetzen. Die Industrie entwickelte
jedoch Breitband-Symmetrierglieder, die man für einen größeren Frequenzbereich
verwenden kann. Sie transformieren ebenfalls von 60 n auf 240 n.

7.4.2.2. Zusammenfassung von Antennenkennwerten

Obwohl bereits einige Begriffe der Antennentechnik genannt worden sind, werden
sie nachstehend nochmals in Kurzfassung wiedergegeben.

Impedanz, Polarisation, Gewinn, Vor- und Rückwärtsverhältnis, Ojfnungswinkel,


Anpassung, Richtdiagramm
Impedanz - Das ist der Eingangswiderstand der Antenne (Sendeantenne), der
allgemein den Wert ffiun = Ran ± jX hat. Bei Resonanz wird ffian = Ran , was
möglichst erreicht werden soll. Richtwerte für kommerzielle Dienste sind 60 n
und 240 n.

Antennenpolarisation - Die horizontale Polarisation (Strahler waagerecht an­


geordnet) wird meist im Amateurfunk angewendet. Die vertikale Polarisation (Strah­
ler senkrecht angeordnet) wendet man vielfach in kommerziellen Bereichen an.
Sind Sende- und Empfangsantenne -unterschiedlich polarisiert, ergeben sich
Dämpfungen von mindestens 10 dB� -

Antennengewinn - Damit wird· die Leistungsfähigkeit der Antenne bezeichnet.


Man bezieht sich dabei auf den Halbwellendipol, der einen Gewinn von 0 dB
aufweist. Hat also die Meßantenne an einem Widerstand von 240 Q einen Leistungs-

I= V�
z.8.1·0,6'ö�

6'0!2 Bild 7.20.

329
gewinn von P1 und die Bezugsantenne bei dem gleichen Widerstand die Leistung P2,
dann ist der Gewinn

g = 10 log ;� bzw. g = 20 log �� • (7. 71.)

Vor- und R'ückwärts- Verhältnis - Es stellt das Verhältnis der aus der Haupt­
empfangsrichtung zu der aus der entgegengesetzten Richtung aufgenommenen
Spannung dar und wird vielfach auch als Rückdämpfung bezeichnet. Die Einheit
ist dB. Wie Bild 7.21. zeigt (Richtdiagramm einer Antenne), ist die unerwünschte
Spannung der Mittelwert aus der Keule bei 180° und der Keule, die im Winkel­
bereich zwischen 90° und 270° liegt.

Öffnungswinkel- In Bild 7.21. wird der Bereich der Hauptkeule angegeben, in dem
die aufgenommene Leistung auf die Hälfte gesunken ist, was bekanntlich 3 dB
ausmacht. Infolge der Halbierung der Leistung verwendet man auch die Bezeich­
nung Halbwertsbreite.

Der im Diagramm angegebene Bereich· ist der horizontale Öffnungswinkel. Der


vertikale Öffnungswinkel hat im Amateurfunk kaum Bedeutung. Mit steigender
Riebtwirkung wird der Öffnungswinkel kleiner.

Richtdiagramm - Diese Diagramme werden meistens in Polarkoordinaten dar­


gestellt. Man spricht von einem horizontalen Richtdiagramm, wenn der Strahler
mit den verkoppelten Elementen in der waagerechten Schnittebene liegt, und ent­
sprechend von einem vertikalen Strahlungs- oder Riebtdiagramm bei senkrechter
Schnittebene. Mit den Diagrammen ( Bild 7.21.) werden demoach dieRichtwirkung
und die bereits genannten Kennwerte angegeben.

Dämpfung
indB
+
aur:h in linearer
Jkali:J .f1 möglich
umax

Bild 7.21.

330
Anpassung - Dieser Begriff wurde bereits in Abschnitt 7.2. ausführlich erklärt.
Abweichungen vom Anpassungswiderstand der Antenne und dem Wellenwider­
stand der Speiseleitung werden durch m bzw. s (wie der Reflexionsfaktor) gekenn­
zeichnet. Richtantennen sind sehr symmetrisch aufgebaut. Wenn kein symmetrisches
Kabel, d. h. eine unsymmetrische Speiseleitung verwendet wird, ist ein Symmetrier­
glied erforderlich. Eine Anpassung der in Resonanz befindlichen Antenne an das
Speisekabel erfolgt mit Hilfe des Ä/4-Tralisformators, der T-Anpassung oder mit
offener bzw. am Ende kurzgeschlossener Ä/4-Leitung (Anschlußpunkt des Kabels
befindet sich am transformierten Widerstand der Antenne, so daß Ran = Z gilt).

Bandbreite - Allgemein wird damit der Frequenzbereich bezeichnet, in dem sich


die vorstehend genannten Kennwerte nicht wesentlich ändern. Vorteilhafter ist
das KriteriUm. der Fehlanpassung, das sich durch s oder m erkennen läßt. Für
schmale Frequenzbereiche soll s < 1,5 sein. Breitbandantennen können eins< 3
erreichen. In Frequenzen ausgedrückt, ist die Bandbreite

B =lo -fu; (7.72.)

lo, Iu - Bandgrenzen.
Die relative Bandbreite ergibt sich zu

B
b= - · (7.73.)
Im '

mitlm = 'lloluo

Richtantennen
Yagi-Antenne - Dieser Antennentyp ist die im Amateurfunk am häufigsten an­
gewendete Richtanten e. Sie wird als Falt- und Halbwellendipol aufgebaut. Durch
t
Hinzufügen von Refle toren (größer Ä/2) und Direktoren (kleiner Ä./2) ergibt sich
eine beträchtliche Stei erung der Richtwirkung. Nachstehend einige Angaben zum
Gewinn und zu den Abmessungen der Elemente:

4 Elemente (Dipol+Reflektor+ 2 Direktoren) ""' 6 dB


7 Elemente (Dipol+Reflektor+ 5 Direktoren) ""' 8 dB
10 Elemente (Dipol+Reflektor+ 8 Direktoren)= 10 dB
15 Elemente (Dipol+Reflektor+13 Direktoren)""' 13 dB

Der. Reflektorabstand vom Dipol beträgt etwa 0,15A..


Der 1. Direktor vom Dipol hat den Abstand 0,08Ä..
Beide Abstände kann man noch etwas variieren, um besonders beim Faltdipol
ohne Anpassungsglieder Anpassung zu erhalten:

Abstand Direktor 1 und 2 � 0,09Ä.


Abstand Direktor 2 und 3 � 0,09Ä.
Abstand Direktor 3 und 4 � 0,20Ä.
Abstand Direktor 4 und 5 � 0,39A.

331.
---Linie 7"� .!f!Jsslriche

I I I I Zeile
_!-
± au�rstricM
Wand Bild 7.22.
-+-
-

Alle weiteren Direktoren haben einen Abstand von 0,39,.1.; f über 50 mHz.
Reflektorlänge 152,5// in m,/in MHz
Strahlerlänge 141,6// in m, /in MHz

Der Abstand der beiden Leitungen beim Faltdipol ist nicht kritisch, muß aber
kleiner A/20 sein.
Längen

Direktor 1 � 132,1//; Direktor 2 � 130,7//; Direktor 3 � 128,5//;


Direktor 4 � 126,3//; Direktor 5 � 124,2//; Direktor 6 � 122//;
Direktor 7 � 120,5/J; T-Anpassung � 120/f

Anordnung der Dipole - Gemäß Bild 7.22. gibt es Dipollinie, -zeile und -wand.
Infolge der Anordnung in der Hauptstrahlrichtung unterscheidet man Längs­
und Querstrahler. Beim Gruppenstrahler können Yagi-Antennen nebeneinander,
übereinander oder beide Varianten zusammen angeordnet werden.

7.4.3. Einige Spezialantennen

Der Leser wird Verständnis dafür auf bringen, daß die Antennentechnik einen nur
begrenzten Platz in diesem Buch einnehmen kann. Dieser Teil soll aber nicht be­
endet werden, ohne auf einige, für den Amateurfunk wichtige Antennen hinzu­
weisen.

7.4.3.1. Rahmenantenne

Die Rahmenantenne ist eine der ältesten Empfangseinrichtungen. Diese Antenne


wird im Prinzip aus einer Spu1e gebildet, deren Windungen in Form eines Rahmens
oder Ringes angebracht sind. Wegen ihrer Riebtwirkung verwendet man sie vor­
nehmlich für Peilzwecke und Feldstärkemessungen. Das hängt mit ihrer effektiven
Antennenhöhe zusammen. Für sie gilt

I;
6,28. w. s
heff =
Ä
L-----------------�

(Vs<t1) (7.74.)
hin m, A. in m, S- Rahmenfläche in m2, w- Anzahl der Windungen.

332
Der Strahlungswiderstand dieser Antenne ist

wS
(�)2
R,::::o 6,4·104 ;

R in Q.
Rahmenantennen kann man als Eingangskreis des Empfängers ausbilden bzw.
induktiv an den separaten Eingangskreis ankoppeln. Die erforderliche Induktivi­
tät ergibt sich aus der Kreiskapazität und der Empfangsfrequenz. Zur Reali­
sierung der Induktivität muß man eine Anzahl Windungen auf dem Rahmen
aufbringen und dann durch Messung die Induktivität und den magnetischen
Widerstand bestimmen. Verwendet man die Rahmenantenne als Sendeantenne, so
ist die von ihr senkrecht zu ihrer Antennenebene vorhandene Feldstärke

IanS· w
E = 1200 COS T
m •> (7.75.)
rJ.2

E in V/m, I - Antennenstrom in A, r - Abstand zum Empfangsort in m, q; -


Winkel gegen Rahmenebene.
Die von der Rahmenantenne infolge der Feldstärke E vorhandene Empfangs­
spannung ist

I
w·S
U = 6,28 · A-. cos q;E
-- ; (7.76.)

Uin V.
Der Spezialfall der Rahmenantenne ist der Ringstrahler, der nur aus einer Win­
dung besteht. Sein Strahlungswiderstand ergibt sich zu

Rs:::::: 200 --
( Um )4 ; (7.77.)
;.

R in Q, Um- Umfang in m (Um< 1,5A.), A. in m.

7.4.3.2. Ferritantenne

Die Ferritantenne hat zum Teil beim Fuchsjagdempfänger die Rahmenantenne


ersetzt. Darüber hinaus wendet man sie auch häufig beim Kofferempfänger an.
Die für die Antenne benutzten Ferritstäbe haben einen Durchmesser von etwa
10 mm, wobei die Stablänge variiert. Das Längen/Durchmesser-Verhältnis beträgt
etwa 16. Da die Antenne zugleich Eingangskreis ist, muß ihre Güte entsprechend
gut sein. Aus diesem Grund wickelt man die Spule 20% vom Stabende. Zugleich
läßt sich mit Zwischenlagen von 1-mm-Isoliermaterial ein Abgleich ermöglichen,

333
was man durch Lageänderung auf dem Stab erreicht. Als Spulendraht verwendet
man HF-Litze. Die Induktivität ist

L= ( zr (7.78.)

L in floH, k - Kemfaktor, der vom Hersteller angegeben wird. Für spezielle An­
wendungen ist die effektive Anteru:lenhöhe von Bedeutung.

heff -
_ 6,28wq
l f.'rel ; (7.79.)

h it? m, q- Querschnitt des Stabes in cm2, w - Windungszahl, fl-rel - Permeabilität


des Stabes, A. in m.

7.4.3.3. V-Antenne

Die V-Antenne besteht aus 2 horizontalen Drähten der Länge L (Bild 7.23 .). In
Diagramm 7.10. sind in Abhängigkeit von der Länge der erforderliche Spreiz­
winkel sowie der mögliche Antennengewinn angegeben. Das Riebtdiagramm ist
ebenfalls aus Bild 7.23. ersichtlich. Soll eine einseitige Keule erzielt werden, dann
ist die Rhombusantenne zu empfehlen. Man kann mit der Antenne in einem
größeren Frequenzbereich arbeiten, da die Strahlerlängen nicht besonders kritisch
in bezug auf die Anpassung sind. Der Anpassungswiderstand ist hochohmig. In
Auswertung von Diagramm 7.10. wird es zweckmäßig sein, die V-Antenne als
Allbandantenne für die KW-Bänder zu benutzen. Für diesen Betriebsfall ist eine
abgestimmte Speiseleitung vorzusehen.

7.4.3.4. Spulenantenne

Bild 7.24. zeigt die Spulenantenne. Sie hat eine ausgesprochene Riebtwirkung und
ist dabei relativ breitbandig. Die Abstrahlung der Energie erfolgt zirkular (kreis­
förmig) polarisiert. Horizontal polarisierte Antennen haben einen Verlust von
3 dB. Um die zirkulare Polarisation zu vermeiden, ordnet man 2 gleichartige
Wendelantennen mit entgegengesetztem Windungssinn neben oder übereinander
in gleicher Ebene an und erhält dadurch horizontale bzw. vertikale Polarisation.
Der Anpassungswiderstand zweier parallelgeschalteter Antennen beträgt etwa 60 .n.

· Mast

Ansicht.von oben Bild 7.23.


V-Antenne

334
Reflektor
-

Bild 7.24.

Deshalb kann man handelsübliches Kabel verwenden. Wird nur mit einer Antenne
gearbeitet, so steigt Ran auf etwa 130 Q. Die Speisung ist unsymmetrisch. Der
Spulendurchmesser D ergibt sich in

9300 .
D = (7.80.)
I ,

D in cm, I in MHz.
Der Windungsabstand errechnet sich aus

R = 7200 . (7.81.)
I ,
R in cm, in MHz.
I
Der Antennengewinn hängt von der Anzahl der Windungen ab (s. Diagramm 7.11.).
Man wählt jedoch mindestens 3 Wdg. Die Reflektorwand kann man kreisförmig,
quadratisch usw. ausführen, wobei die Forderung besteht, daß sie größer A/2 sein
muß. Der Abstand der Reflektorfläche soll etwa

R = 3900 (7.82.)
r
I

betragen. Die Windungen kann man auf verlustfreies Material aufbringen. Als
Reflektor eignet sich bereits ein leitendes Drahtnetz.

335
Diagramme zu Abschnitt 7.

6
Np

5
"""""' h ;,
b·f(Q�
'""'
gilt für ain Grundglied 7
gewünscht• Oämpfung
Anzahl der 6rundg!teder � 0�Pj/geinBs IJrundgliedes
4
/
3
/
V

2 /
I
0
70°
V 2 * 5 6 7 8 9 701 [}'

Diagramm 7.la.

Ffin -dB
1
10


5
!J&. f{r
/
* )
!'"
3 7
2
17
/
1� •r- ·- r- V
6
5 /
4 /
a /
V l
2
V I

,/ i
0,7 Q2 0,3 0.* 0,5 0,6 D,7 0,8 Q9 1,0
r

Diagramm 7.1 b. Leistung am Abschlußwiderstand


Infolge Fehlanpassung, was sich bekanntlich durch den Reflexionsfaktor ausdrücken
kann, wird nicht die gesamte in die Leitung gegebene Leistung am Abschlußwiderstand
verbraucht.
Beispiel: Bei einem Reflexionsfaktor von r = 0,5 kö1111en Verluste von 1 dB entstehen.

336
r

Diagramm 7.2. Reflexionsfaktor

Beispiel: Ein Anpassungsfaktof m = 0,4


entspricht einem Reflexionsfaktor
R ::=::0,42

780
yo
735
yo = r(i)
.90

45
0 �---L�--���-----L --�
0,'1- {jJ..
-45 Diagramm 7.3. Phasenwinkel
-90 Beispiel: Das Verhältnis l,. der elektrischen
Länge einer Leitung zur Wellenlänge von
735
0,125 entspricht einem Phasenwinkel von
-

-780 -9()0.

7600
�.;/!)
7400 I ZIC8;•f(-};)
1200 Parameter: Z

7000 I I

800 1/
240!2 60Q
600
400 I I
200 / IJ :
0 r-..:.:::[!..-/
:: I
0.2
-200
0,7
I
1
0,3 � 0,5
-400
60 !J j '/
v240o 1-- Diagramm 7.4. Eingangswiderstand einer
Leitung
-6(}()

-800
I
I
I Beispiel: Eine kurzgeschlossene Leitung
vom Verhältnis 1/). = 0,11 weist einen
-1000 induktiven Widerstand von 200, n auf.
I
Die mit negativem Vorzeichen versehenen
-7200
I Ordinatenwerte lassen erkennen, daß eine
-1400 Leitung entsprechender Länge kapazitiven
-1600 Charakter hat.

22 Amateurtechnik 337
40

lfs/0
30

zo

10

Diagramm 7.5. Kapazität einer Leitung

Beispiel: Der Frequenzbereich von 145 MHz deutet an, daß diese Frequenz vom Amateur
nicht unterschritten werden soll. Die Leitung ist hier offen. Das Verhältnis 1/J. = 0,15
stellt eine Kapazität von etwa 30 pF dar.

700
ilei/

,�f;h
fJ r----
600
=f{f)
J?ei
500 r---- Parameter: Z

400
11 60o I
300
200 I I
100 / /
L....__......
0
l.l 1iv-1'V
c-�-...,
0.3 l.llf
t q5
-100
-200 / /
-300 I 1/
-400 I I
-500 I
-600 I
-700 I
Diagramm 7.6. Eingangswiderstand einer offenen Leitung

Bei unterschiedlichem Wellenwiderstand ergeben sich entsprechende Eingangswiderstände.


So ist beispielsweise für 1/). = 0,25 der Eingangswiderstand 0, das einem Serienresonanz­
krcis entspricht. Beispiel: Ein LI). = 0,1 stellt einen kapazitiven Widerstand von - 70 .Q
dar.

338
Diagramm 7.7. Smith-Diagramm

Siehe Beispiel 7.3. bis 7.7. (S. 320 bis 322)

339
�,LA- f{l) Diagramm 7.8. Antennenkapazität und
70m n
-induktivität
700 d 0,74mm
z ""-fi2052 Eine bestimmte horizontale, schräge oder
zoo Bö---------
auch senkrechte Antenne stellt infolge der
geometrischen Abmessungen eine statische
700 Kapazität und Induktivität dar.

Beispiel: Eine 40 m lange horizontale An­


tenne, die 10m über dem Erdboden auf·
0 70 20 30 40 SO Ljm
gebaut wird, hat etwa 200 pF und 82 f.LH.

CjpF ·

60
C=f (f}
50 f=7ft.5 f1Hz
Z= 60Q
Diagramm 7.9. S;rahlungswiderstand

Mit dem Strahlungswiderstand wird der


von der Antenne abgestrahlte Nutzanteil
der Senderleistung dargestellt.
Beispiel: Ein1/A-Verhältnis von 0,15 einer
70
vertikalen Antenne hat etwa einen Strah­
lungswiderstand von 14 n.
0 0,7 0,75 l/A 0,2

B/dB cx.j•
ß,a- f(L)
70 700
Diagramm 7.10. Kennwerte der V-Antenne
8
Die notwendigen Daten der V-Antennen
6 60 sind in Abschnitt 7.4.4.3. genannt.

4 Beispiel: Für ein Längenverhältnis LIA =

1,5 muß man einen Öffnungswinkel von


2 20 80° wählen und erhält dann einen Gewinn
von 8dB.
0 2 3 4 LjA

340
V

0,98 80
0}17 II II I I �
0,96 _ _ J_lllUUI __ j _

r- IJ [....../ I
0,95 -
V· Verkürzungsfaktor= f(lv/d) ....v
... I
/V
0,94- -·- d Leiterdurchmesser in mm I
.

l._
=
!
0,93 7o-?v= Wellenlänge in mm
Betrachtungengelten / I
__ -

0,92 -für :i/2-0ipo/. / .. ·- . i• -- . --·- - ---


0,91 --Rs·f(lt/d) �-·
- �- - - -

I -

: --�r-
0,90
0,89 =·
--
0,88 60 1/ T
"...
0,87 I / :
0,86 / I
I
0,85
I
� Ii
0,8/i-
I
0,83 50 I
II
101 2 3 Ii- SB 8 102 2 3 4 58 8 103 2 3 4 5 fi 8 10" 2 3 4 56 8 70"
� Md
Diagramm 7.11. Verkürzungsfaktor und Strahlungswiderstände

Die geometrischen Abmessungen hinsichtlich Strahlerdicke und -länge gehen auf die
Eigenschaften von Jc/2-Dipolen ein.
Beispiel: Ein Verhältnis Jcfd = 103 ergibt bei Resonanz des Dipols einen Strahlungs­
widerstand von etwa 62 0. Um Resonanz zu erhalten, wählt man einen Verkürzungs­
faktor von 0,96 und multipliziert ihn mit der Wellenlänge.

5
-
Zun. 3 Zunahme von llaap. eni es falfdipo!s
4
_ gegenübef M2-Dipo/ 4

2 - Pafameler fJr d2= rp diCkerer Leiter


�rp dünnerer Le1ter ,..-,_-
- 3
D dz _...r-- ��- 2,5
d, _...�
-;;,;' �
- 1- - •1:5
�-
I 7
I
I
I
2 Diagramm 7.12. Beziehung
I des Faltdipols zum A/2-Dipol
I

1J01 2 3 '4 5 6 7 8 9102 z 3 4 5 6 7 8 9103 2 3 4


:t/D
Durch unterschiedliche Stärken der Leiter eines Faltdipols kann man den Anpassungs­
widerstand des Faltdipols beeinflussen.
Beispiel: Die Verhältnisse A/D = 102 und d2/d1 = 2,5 bewirken eine Zunahme des Ranp
von 8 gegenüber einem Jc/2-Dipol.

341
Doppelschleifendipol / /
Parameter: Zunahme / V ./
von l?anp. '/ L
gegenüber ?v/Z-Oipo! !-"'
/f5 / VV
�d2 V .rzo V
2 1
i..t � /
/ �6
dz
//V".., ---
-1-'-
---
100
9
�/....V... 12
-f--f-
8
10
7
6

--#�·--!-"
5
*
I
)3
2
i
I
1
I56789101 �.
2 a 4 2 a * 56789102 2 3 * 5 6 78 8103
D/dz
Diagramm 7.13. Zunahme von Ranp des Doppelschleifendipols

Beispiel: Mit D/d2 5 und = dJd1 = 0,7 ergibt sich eine Zunahme gegenüber dem
Dipol um den Faktor 12.

6jd8
16 ß:f{w}
15
1/t
13
72

5 11 w

Diagramm 7.14. Antennengewinn der Spulenantenne

Beispiel: 6 Wdg. ergeben mit den aus Abschnitt 7.4.4.4. ersichtlichen Abmessungen
'
einen Gewinn von etwa 13 dB.

342
Literatur zu Abschnitt 7.

Autorenkollektiv: electronicum, Deutscher Militärverlag, Berlin

Czernetzki, H. P.: Antennenkennwerte, Funk-Technik 10/1965, Verlag für Radio-Foto­


Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Czernetzki, H. P.: Richtantennen, Funk-Technik 6/1965,


Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Freitag, K.: Vierpoltheorie, Lehrbriefe der TU-Dresden

Geschwinde, H.: Kreis- und Leitungsdiagramme, Franzis-Verlag München

Kammer/oher, J.: Hochfrequenztechnik I, C. F. Wintersehe Verlagshandlung, Leipzig

Koch, E.: Antennen für das 70-cm- und das 2-m-Band, Funk-Technik 23/1965, Verlag
für Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Kronjäger, 0.: Einige Kennwerte für Antennen, Funkamateur 2/1963, Deutscher Militär­
verlag, Berlin

Kronjäger, 0.: Zur Lösung von einfachen HF-Leitungsproblemen mittels Diagramm,


Funkamateur 5, 6, 7/1968, Deutscher Militärverlag, Berlin

Minner, W.: Formelzusammenstellung und Hinweise für das Arbeiten mit der Meßleitung
im Dezimetergebiet, Telefunken Mitteilungen 580232

Ocker, H.: Schwingkreise im Fernsehband IV i.md V, Telefunken Mitteilungen 581148

Oxley, G./Nowak, A.: Antennentechnik, Fachbuchverlag Siegfried Schütz, Hannover

Pe/tz, G.: Berechnung von Filtern, Funk-Technik 6/1966, Verlag für Radio-Foto-Kino-
technik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Rothammel, K.: Antennenbuch, Deutscher Militän:erlag, Berlin

Spind/er, E./Rothe, G.: Antennenpraxis, VEB Verlag Technik, Berlin

-: Laborbuch IV Telefunken, Franzis-Verlag, München

343
8. Bemerkungen zur Schaltalgebra

Obwohl die Schaltalgebra im Amateurbereich gegenwärtig kaum eine Rolle spielt,


wird sich das künftig sicher ändern. Deshalb soll im folgenden Abschnitt ein
Überblick über diese Problematik gegeben werden. Dabei ist zur Erklärung ein
gewisses Minimum an funktionellen Zusammenhängen notwendig.

8.1. Dualsystem

Das Dual- (Zweier-) oder Binärsystem beruht auf den Potenzen der Zahl 2. Mit
Hilfe dieses Zahlensystems lassen sich Vorgänge der Schaltalgebra bzw. Logik
besser erfassen als mit dem dekadischen System. Für den Anfänger bestehen ge­
wisse Schwierigkeiten, vom dekadischen System in das Dualsystem umzudenken.
Erleichtern kann man sich die Einarbeitung in dieses System, indem man die ge­
wohnten Begriffe "ja - nein", "Strom - kein Strom", "ein - aus" verwendet..
Diesen Zuständen sind die Zahlen 1 oder 0 zugeordnet. Um Verwechslungen zu
vermeiden, schreibt man statt 1 = L. Deshalb gilt

L = ja, Strom, ein = 0,


-

0 = nein, kein Strom, aus = L. (8.1.)

Der Querstrich über den Symbolen gibt jeweils den entgegengesetzten Zustand an.
Auf Grund der nachstehenden Dualzahl ist ersichtlich, daß diese länger geschrieben
wird als eine Dezimalzahl;

7 = L. 22 + L 21 + L 2°
· · = LLL.

Die eindeutigen Zustände 0 oder L ermöglichen eine höhere Zuverlässigkeit als


das Dezimalsystem. Das obige Beispiel zeigt, daß sich die Dezimalzahl aus einer
Summe von Zweierpotenzen zusammensetzt. Es gilt

z = an2n + an_12n-t + · · · + a323 + az22 + a121 + a02° + a_I2-1

(8.2.)

In dieser Gleichung ist a11 bzw. a_11 entweder 0 oder L, je nachdem, ob an der ent­
sprechenden Stelle der Dualzahl eine 0 oder ein L steht. Der Buchstabe n ist eine
positive Zahl. Das Vorzeichen Minus deutet auf den Dezimalbruch hin (2-n = 1/2n).
34�
Nachfolgend nun zunächst eine Aufstellung von Dualzahlen der Dezimalzahlen
von 0 bis 10:

Dezimalzahl Dualzahl Dezimalzahl· Dualzahl

0 0000 6 OLLO
1 OOOL 7 OLLL
2 OOLO 8 LOOO
3 OOLL 9 LOOL
4 OLOO 10 LOLO
5 OLOL

Bei den Umrechnungen von Dezimal- in Dualzahlen ist es zweckmäßig, wenn man
einige Zweierpotenzen mit positivem und negativem Exponenten kennt:

20 = 1 2" = 32 210 = 1024 2-5 = 0,03125


21= 2 26 = 64 2-1= o,5 2-6 = 0,015625
22 = 4 27 = 128 2-2 = 0,25 2-7 = 0,007812 5
2" = 8 28 = 256 2-3 = 0,125 2-8 = 0,00390625 (8.3.)
24 = 16 29 = 512 2-4 = o,0625 2-9 = 0,001953125
2-10 = o,000976 562 5

Besonders wichtig ist es zu wissen, wie man für die gegebene Dezimalzahl die
zugehörige Dualzahl erhält. Dabei geht man nach folgendem Schema vor:

- Die Dezimalzahl ist in eine Summe von Potenzen der Zahl 2 zu zerlegen.
- Man beginnt so, daß eine Aufteilung in 2 Zahlen erfolgt, deren eine Zweier-
potenz entweder die Dezimalzahl selbst ist oder die unterhalb dieser bleibt (in
diesem Fall ergibt sich ein Rest).
- Der Rest ist nach dem gleichen Verfahren zu unterteilen. Das muß so lange fort-.
gesetzt werden, bis kein Rest mehr bleibt.

Das eben Gesagte soll nun an einigen Beispielen erklärt werden.


Die Dezimalzahl 55 ist in eine Dualzahl zu zerlegen.
2" = 32 (unterhalb 55), 26 = 64 (oberhalb 55), geht also nicht; es bleibt ein Rest
von 23,24 = 16 (Rest 7), 22 = 4 (Rest 3), 21 = 2 (Rest 1).

Somit ist 55 = 25 + 24 + 22 + 21 + 2o.

Nun braucht man nur die Potenzen von 2 mit ai = 0 zu versehen, die nicht vor­
kommen. Demnach ist die Dualzahl

55= L25 + L24 + 0 · 23 + L22 + L21 + L2o = LLOLLL.

345
Die Zahl 2730 ist in eine Dualzahl zu zerlegen.

211 = 1048 Rest 682 23 = 8 Rest 2


29 512 Rest 170. 21 = 2 Rest 0
27 128 Rest 42
25 32 Rest 10

Man erhält die Aufteilung

2730 L211 + 0 210 + L29 + 0 28 + L27 + 0 26 + L 25 + 0 21


= · · · • ·

+ L23 + 0. 2ß + L21 + 0 2° LOLOLOLOLOLO. · =

8.1.1. Umwandlung des Dezimalbruchs in einen Dualbruch

Die Umwandlung kann durch �achstehende Verfahren erfolgen:

- Subtraktion von Zweierpotenzen mit negativem Exponenten,


- Multiplikation von Zweierpotenzen mit negativem Exponenten und dem
Faktor 2.

Subtraktion von Zweierpotenzen 1Jiit negativem Exponenten

Zur Erklärung soll die Zahl 0,15625 umgewandelt werden. Man bildet eine
Zweierpotenz mit negativem Exponenten, die gleich oder unterhalb des Dezimal­
bruchs Ii!'gt. Mit dem Rest wird dann wie folgt verfahren:

0,15625
-0,125 2-3

0,03125 2-5

Nun ist ähnlich GI. (8.2.) vorzugehen, wobei die Aufstellung von rechts nach
links erfolgt. Gemäß obiger Aufgabe ist a_1 = 0, a_2 = 0, a_3 = L, a_4 = 0,
a_5 = L. Deshalb wird 0,15625 = O,OOLOL.

Multiplikation von Zweierpotenzen mit negativem Exponenten und dem Faktor 2

Beispiel: 0,125

Jedesmal, wenn sich durch die Multiplikation eine 1 oder mehr ergibt, wird ein
L geschrieben:

0;125. 2 = 0,25 0,
0,250. 2 = 0,5 0,
0,500 · 2 = 1,0 L

Damit ist 0,125 = O,OOL.

346
Beispiel: 0,15625

0,15625. 2 = 0,31250
0,31250 . 2 = 0,625000
0,625 00. 2 = 1 ,25000
0,25000 . 2 = 0,50000
0,50000 . 2 = 1 ,00000

Man erhält also das gleiche Ergebnis wie bei der bereits
. vorher gelösten Aufgabe,
nämlich 0,15625 = O,OOLO L.

8.1.2. Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division

Addition

0+ O = 0
O+L =L
L+ O=L
L +L =L O
L+LO=LL

Beispiel:

L OL O
+LLLL

LL O OL

L+ 0 =L aufschreiben, L+L =LO 0 aufschreiben, L merken, L(m)+L


=LO,O aufschreiben, L merken, L(m)+L =LO+L =LL aufschreiben.

Subtraktion

Beispiel:

LL OLL
LL OL
L

LLL O

Achtung! Muß 0 -L gerechnet werden, dann ist auf die nächsthöhere Stelle zu
orientieren, so daßLO -L entsteht; dasL ist zu mefken.
L -L = 0 aufschreiben/L -L =· L aufschreiben, 0 -L geht nicht, sondern
=

LO -L =L aufschreiben. Schließlich ist gemäß Aufgabe L -L = 0, unter Be­


rücksichtigung des gemerktenL ergibt sich mit demL der oberen ZeileLO -L
=L (hinschreiben).

Ersetzt man zur Kontrolle die Dualzahlen durch Dezimalzahlen, so ist eine ein­
fache Kontrolle möglich.

347
Multiplikation

Es ist 0. 0 =0 LO· 0 = 0
0 ·L = 0 LO·L =LO
L ·0 =0 LO·LO =LOO
L ·L =L

Beispiel:

LOL·LLLO
LLLO
LLLOO
LLLO
LOOOOLLO

Man beginnt von vorn und multipliziert die 1. Ziffer des Multiplikators (L) mit dem
gesamten Multiplikanden; danach der 2. Wert (0) usw. Nach Abschluß der Multi­
L LLLO = LLLO,
plikation wird die Addition, wie bereits erläutert, angewendet; ·

0·LLLO =0, L·LLLO =LLLO.

Division

Es werden die gleichen Rechenregeln wie bei der Multiplikation angewendet.


Der Rechengang ist aus dem folgenden Beispiel ersichtlich:

Beispiel:

LLOL: LO =LLO,L
LO
LO
LO
LO
LO
0

Da L:LO nicht geht, erhält man 0 und kann dann wieder eine 0 zusetzen.

8.2. Grundsätzliche R�geln der Schaltalgebra

Es werden eine Anzahl Grundregeln erklärt, die es gestatten, bei einer gegebenen
Anordnung von Eingangsvariablen (Kontakten) Vereinfachungen vorzunehmen.
Dabei sind Kürzungen möglich. Für darüber hinausgehende Erklärung wird die
Spezialliteratur empfohlen.

348
s 4 3 2 7

Bild 8.1.

8.2.1. Verknüpfungen "UND, ODER, NEGATION"

Bild 8.1. deutet die Aufgabenstellung an.


Es sind eine Anzahl von Eingangsvariablen xi (die auch a, b, c .. . genannt werden
können) über eine Verknüpfungsschaltung angeordnet.
Durch sie ergeben sich die gewünschten Zustände der Ausgangsabhängigen Yk
(auch in diesem Fall kann man W, U, Vusw. setzen).
Bei n Eingangsvariablen lassen sich 2n Eingangskombinationen bilden. Über die
Verknüpfung ergeben sich dann (22)n Möglichkeiten zu Yk· Bild 8.2. zeigt 2 Schal­
tungen von Kontakten, die ein Relais einschalten können. Dabei sind a, b, c die
Arbeitskontakte (in den weiteren Darstellungen ist die Ausführung im Bild maß­
geblich). Für Ruhekontakte ergeben sich die Symbole a, b, c; man nennt �ie auch
Verneinung oder Negation. Wie nun aus Bild 8.2. zu erkennen ist, ergibt sich bei
der Reihenschaltung der Kontakte nur dann Stromfluß durch das Relais und damit
durch den Lastwiderstand, wenn a und b eingeschaltet sind. lnfolge dieses und

soll die Wirkung damit als


UND- Verknüpfung bezeichnet werden. In der Literatur
wählt man die unterschiedlichsten Bezeichnungen für das Und. Um Verwechs­
lungen zu vermeiden, gilt das Zeichen " 1\ " . Damit die Übersichtlichkeit bei der
Aufstellung von Gleichungen erhöht wird, ist das Aneinanderschreiben der Sym­
bole zu empfehlen. Mit der genannten Voraussetzung wird die Beziehung der
UND-Schaltung

a/\b=w I· (8.4.)

- a - b-----W

Bild 8.2.

349
Schaltet man die Kontakte für den Stromkreis des Relais parallel, so ist das Relais
unter Strom, wenn Kontakt a oder b oder wenn beide eingeschaltet sind. Für
Oder wurde das Zeichen V festgelegt. Es gilt

(8.5.)

Zur Darstellung der Negation kann man bereits von GL (8. 1.) ausgehen. Die
Ausgangsgröße w ist gerade dann nicht vorhanden, wenn Kontakt a geschlossen
hat. Anders ausgedrückt, w = L, wenn a = 0 vorhanden ist;

w =a. (8.6.)

Schließlich erhält man bei der Identität

w =a. (8.7.)

In Bild 8.3. sind mit 2 Eingangsvariablen und 1 Ausgangsfunktion die genannten


Verknüpfungen in Verbindung mit Funktionstabelle, Relaisanordnung, elek­
tronischer Schaltung und Symbol der Schaltalgebra wiedergegeben. GL (8.4.) ist
also die UND-Verknüpfung oder Konjunktion, sie hat nur dann L, wenn a und b den
Wert L angenommen haben. GL (8.5.) ist die ODER-Verknüpfung bzw. Disjunk­
tion. w hat nur dann L, wenn a oder b L haben.
1m Fall der Negation ist nur dann L am Ausgang, wenn der Eingang 0 hat. Man
bezeichnet den Negator auch als Inverter. In der Technik der integrierten Schalt­
kreise verwendet man die UND- und ODER-Schaltungen (Gatter, d. h. Tore) nur
im Zusammenhang mit einem nachfolgenden Verstärker. Wie man nun aus Bild 8.3.
erkennt, wird aber durch diesen Verstärker eine Negierung eintreten (ist die Stufe
gesperrt, hat man am Kollektor L!). Deshalb wird eine UND-Schaltung als NAND
(und nicht) und eine ODER-Schaltung als NOR (oder nicht) bezeichnet.

ct b w ct b w
0 0 0 0 0 0
0
L
L
L
0
L
0
0
L
-a-b-.w

2�
0
L
L
L
0
L
L
L
L
-c:Y
+ istaundh
g�
a

~
f"';t;dl),lkgl
über R, L Signal b w
-

an W
W ist L, wr:nn
a W ct oder b oder Bild 8.3.
b a/1� Eingänge
L haben.
:t:

350
w

w-
a·w
L
0

w·ii

-m- - w�a
(Identität)

a b w a
0 0 L
0 L L
L 0 L
L L 0
a
b
::[)--f1-W - ab ::fY-
=

Bild 8.4.

Damit gilt für NANO

w =a 1\ b bzw. w =a V b =ab. (8.8.)


Für NOR ist dann

w =a V b bzw. w =ä 1\ b. (8.9.)
Aus Bild 8.4. sind Tabellen, Verknüpfungen und Schaltsymbole ersichtlich.

8.2.2. Wichtige Rechenregeln

Bild 8.5. zeigt nochmals, was unter den Symbolen 0, L usw. in der Verknüpfung
zu verstehen ist:
-0 keine Verbindung zwischen 2 Anschlüssen bzw. Sperrung,
- L dauernde Verbindung zwischen 2 Anschlüssen,
-a Arbeitskontakt,
-a Ruhekontakt.

--oOo--

___...L!L Bild 8.5.

351
Nun ist:

0;\0=0 OVO=O
0/\L=O OVL=L
L/\0=0 LVO=L
L/\L=L LVL=L (8.10.)

0V a =0 ova=a
L Va =a LVa =L
a Va = a
a V a =0

Im Rechengang schaltalgebraischer Beziehungen setzt man zweckmäßig statt L


entsprechend 1.

aVb=bVa
aVbVc=�V�Vc=aV0V�
(aVb) /\ (aVc) =aV(b /\ c)
(8.11.)
a;\b=b/\a
a/\b/\c= �/\�/\c=a/\0/\�
(a/\b) V(a/\c) =a/\ (bVc)

Es besteht oft die Aufgabe, von einer gegebenen Schaltung die inverse Schaltung
zu suchen, z.B. um die bestehende Verknüpfung mit 1\I"AND aufzubauen. Nach­
stehend einige Beziehungen dazu:

aVb=af\b

a;\b=aVb (8.12.)

aV(a/\b) =a ä V (a /\b) = a aV(aVb) =a ä /\ (a Vb) = a


aV (a /\b) =aVb ä V(a/\b) = ä Vb a/\ (a Vb) =a/\b
ä /\(aVb) = ä /\b
(aVb) /\ (ä Vc) = (a/\c) V (Ci /\b) (a/\b) V(a/\b) =a/\b (8.13.)

({i/\�V({i/\�=�1\b ({i/\ � V({i/\ � =a/\b


- -

({i/\�V�/\�= �V�/\�V� �V�/\�V�=a/\b


(ä Vb) /\ (ä /\b) =a /\b (ä V b) /\(aVb) = (ä /\b) V(a/\ b)

352
Es läßt sich jede schaltalgebraische Funktion in eine konjunktive

w = (a v b v c) 1\ (a v b) 1\ (a v C) (8.14.)

und in eine disjunktive

w' = (a 1\ b 1\ c) V (a 1\ b) V (a 1\ c) (8.15.)

Normalform bringen. Wenn man bei der Schaltbelegungs- oder Wahrheitstabelle


überall dort, wo die Ausgangsfunktion L vorsieht, zu der Funktion w' gelangt,
dann ergibt sich die disjunktive Normalform. Ist aber eine 0 vorgesehen, dann er­
hält man GI. (8.14.). Sind in den Klammem nicht alle Variablen vorhanden, so
hat man keine Vollkonjunktionen
- -

vk = a 1\ b 1\ c 1\ d (8.16.)

bzw. keine Volldisjunktionen


- -

dj = a V b V c V d. (8.17.)

Dabei ist es gleich, ob die Variablen im Arbeits- oder Ruhekontakt vorkommen.


Hat man eine Normalform, in der in jeder Variablenkombination alle Variablen
vorkommen, dann handelt es sich um die Vollform der Normalform. Ergibt sich
aber in diesen Schaltkombinationen nur ein Minimum an Variablen (Kürzungen
sind nicht mehr möglich), so ist es die Minimalform der Normalform. Entsprechend
GI. (8.14.) sind die Variablenkombinationen (disjunktiv) mit Konjunktionen ver­
knüpft. Nach GI. (8.15.) dagegen ist gerade ein umgekehrtes Verhalten festzustellen.

8.2.3. Beispiele zur Vereinfachung von Variablenkombinationen

Die folgenden Beispiele sollen erklären;' ..wie man der Aufgabenstellung ent­
sprechend, mit geringerem Aufwand als 'ursprünglich vorgesehen, durch Kür­
zungen die Schaltfunktionen der Eingangsvariablen erhält.

Beispiel 8.1.

Bild 8.6. zeigt die ursprüngliche Variablenkombination. Es sei daran erinnert, daß
die Kontakte (Variablen) ohne Querstrich Arbeitskontakte und die überstrichenen
Kontakte Ruhekontakte darstellen. Mit den entsprechenden Schaltkombinationen

1�-b-�f c-b
c-E-ä
c-E-a
- a

Bild 8.6.
c - b-ä

23 Amateurtechnik 353
ruft eine Ausgangsfunktion den gewünschten Nutzeffekt hervor. Sie soll w ge­
nannt werden. Die UND-Verknüpfung schreibt man aus Übersichtllchkeitsgründen
ohne das Symbol aneinander.

Lösung

Nach den Kombinationen ist

w = c b a V c b äVc b äVc b aVc b ä.

Man erhält mit GI. (8.15.) eine disjunktive Normalform (weil alle Variablen in den
Kombinationen vorkommen, ist eine Vollform vorhanden). Es muß versucht
werden, mit GI. (8.10.) unten Vereinfachungen durchzuführen.
Die 2. und 5. Kombination ergibt

ä b (c Vc) = abL - nach GI. (8.10.) -

L ist aber gleich 1,

ebenso kann man Kombination 1 und 4 vereinfachen;


- -

ba(cVc)=abL.

Deshalb wird w =abVabVab c = a (bVbc)Vab.

In den Aufstellungen von GI. (8.13.) ist bekanntlich bVä c = bVc. Führt man
das noch ein, so wird

w = ä (bVc)VaVb.

Bild 8.7. läßt erkennen, daß die Anzahl der Kontakte bei gleicher Ausgangsfunk­
tion wesentlich herabgesetzt wird.

Beispiel 8.2.

Gegeben ist die Kombination gemäß Bild 8.8.


Es sind die schaltalgebraische Beziehung aufzustellen und Vereinfachungen durch­
zuführen.

Bild 8.7. Bild 8.8.

354
Bild 8.9.
-r•--c:�
L_ b _�__::j
Bild 8.10.
· .

Lösung
- -

w = c (a Vb V c) = ac Vcb Vcc
Mit GI. (8.10.) ist cc = 0, also wird w = c (a V b). Man hat bei gleicher Wirkung
einen Kontakt eingespart, wie das auch aus Bild 8.9. zu ersehen ist.

Beispiel 8.3.

Ist nach der Kombination entsprechend Bild 8.10. eine Vereinfachung möglich?

Lösung
- - - -

Es ist w = b(a V äc) V äb ba V äb c V ab


= ab V a(bc V b). Da nun
=

(bc V b) = b V c ist, wird schließlich w = ab V ä(b V c). Bild 8.11. zeigt, dah
ein Kontakt eingespart werden konnte.

Beispiel 8.4.

Es ist eine gegebene Schaltfunktion w = ab V bc mit NAND-Gliedern auf­


zubauen.

Lösung

Gemäß GI. (8.8.) ist die gegebene Funktion in w = abc umzuformen, denn die
g
Ausgangsfunktion soll 0 sein, wenn die Eingän e vorhanden sind. Das Symbol" V"
muß in ein "1\" gebracht werden. Das kann aber nur mit der Negation geschehen;

w = ab 1\ bc.

355
a b c

Bild 8.12.

Es soll aber w gelöst werden. Deshalb muß man nochmals negieren;

w =ab Abc.

Bild 8.12. zeigt die mit NAND aufgebaute Kombination.

8.3. Schaltbelegungstabelle

Zur Aufstellung der schaltalgebraischen Funktion verwendet man eine Schalt­


belegungstabel/e (auch Funktions- oder Wahrheitstabelle genannt). Dazu wählt man
eine Anzahl Spalten, in die die willkürlich oder nach der Vorgabe gewünschte
Kombination der Eingangsvariablen eingetragen wird. Teilweise setzt man auch
die Ruhekontakte ein. In der nachstehenden Tabelle sind nur die Arbeitskontakte

a b c w

0 0 0 0
0 0 L L
0 L 0 0
0 L L 0
L 0 0 L
L 0 L 0
L L 0 L
L L L L

eingetragen. Ist ein L eingesetzt, dann schaltet der Kontakt. Bei 3 Variablen er­
geben sich 8 Möglichkeiten. Die Tabelle wurde so aufgestellt, daß der letzte Kon­
takt (c); mit 0 beginnend, abwechselnd 0 und L schreibt. Der b-Kontakt schreibt
dagegen abwechselnd 2mal die 0 und 2mal das L bzw. der a-Kontakt 4mal die 0
und 4mal das L. In der Spalte der Ausgangsfunktion werden nun die gewünschten
Zustände eingetragen. Wählt man L, dann ist die Funktion so aufzustellen, daß
dort, wo ein L steht (in w), die Eingangsvariablen UND verknüpft und durch
ODER-Kombinationen verbunden sind (disjunktive Normalform). Wählt man
aber 0 in w, so ergibt sich die konjunktive Normalform. Nach Aufstellen der Funk­
tion wird, wie bereits in Abschnitt 8.2. erläutert, eine Minimierung der Kombi-

356
ra-h:51-­
LE--[a-� Bild 8.13.
a-c

nationen durchgeführt. Gemäß der Tabelle ergibt sich für w folgende Funktion:
- -

w= äbc V abc V abc V abc.

Man muß nun prüfen, ob Vereinfachungen möglich sind. d. h., es wird die Mini­
malform gesucht.

w= b(ac V ac) V ab(c V C);

da c V c = L = 1 ist, wird schließlich

IV= ab V b(ac V ac).

Bild 8.13. zeigt die Kontaktanordnung.

8.4. Kontaktlose Verknüpfungen

In der Rechentechnik bzw. in der digitalen Technik arbeitet man mit kontakt­
losen Verknüpfungen. In den vorherigen Abschnitten wurde bereits das NAND
usw. erklärt. Durch geeignete Verknüpfungen solcher Schaltkreise (IC bzw. IS)
lassen sich z. B. Flip-flop (bistabile Multivibratoren) zu Frequenzteilern, Zählern,
Schiebelinien zusammenschalten. Nur durch diese Technik ist es möglich, zuver­
lässige Systeme zu entwickeln.
Für das Verständnis der Digitaltechnik sind umfangreiche Kenntnisse notwendig.
Da die umfassende Behandlung dieser Technik über den Rahmen des Buches
hinausgeht, wird dem fortgeschrittenen Amateur empfohlen, die entsprechende
Spezialliteratur zu benutzen.

Literatur zu Abschnitt 8.

Autorenkollektiv: electronicum, Deutscher Militärverlag, Berlin

Autorenkollektiv: Kleine Enzyklopädie Mathematik, VEB Bibliografisches Institut,


Leipzig

Kretzer, K.: Handbuch für Hochfrequenz- und Elektro-Techniker, Band VI, Verlag für
Radio-Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

Wilhelm, K.: Logische Schaltungen, Funk-Technik 15 bis 17/1969, Verlag für Radio­
Foto-Kinotechnik GmbH, Berlin-Borsigwalde

-: Laborbuch Telefunken, Band 3, Franzis-Verlag, München

357
9. Betriebszuverlässigkeit

Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen ist es keineswegs ausreichend, ein Erzeug­


nis auf den Markt zu bringen, das zwar gewisse technische Bedingungen erfüllt,
aber bereits nach kurzer Betriebszeit seine Funktion einstellt. Darüber hinaus
werden einige wichtige Kenngrößen sowie Rechenmethoden der Zuverlässigkeit
erläutert. Der , moderne Amateur muß sich in zunehmendem Maß mit dieser
Problematik auseinandersetzen. Beispielsweise wird er mit der Situation notwen­
digerweise "vertraut", "Yenn sein Gerät bei einem QSO oder während eines Wett­
bewerbs plötzlich ausfällt. In welcher Weise man dem Ausfall begegnen kann, wie
sich Vorhersagen vermeintlicher Ausfälle treffen lassen und wie man sein Gerät
dimensionieren muß, das wird im folgenden beschrieben.

9.1. Was ist Betriebszoverlässigkeit?

Besonders im Zeitalter der Astronautik ist es von großer Bedeutung, daß sich
elektronische Einrichtungen erst dann vollwertig einsetzen lassen, wenn sie in
höchstem Grad Zuverlässigkeit gewährleisten. Eine absolute Zuverlässigkeit gibt
es aber noch nicht. Wird es sie jemals geben? Man kann diese Frage nur in Verbin­
dung mit der Wahrscheinlichkeit beantworten, d.h., man muß mit einer bestimm­
ten Sicherheit wissen, welche Zuverlässigkeit des Erzeugnisses vorhanden ist,
welche Sicherheit bei der Einhaltung vorgegebener Bedingungen besteht oder
welche Transport-, Lager- und sonstige Umgebungsverhältnisse die Zuverlässig­
keit beeinflussen können. Naturgemäß interessiert hier die Zuverlässigkeit elek­
tronischer Systeme (Anlagen, Geräte, Baugruppen) und Elemente (elektronische'
Bauelemente sowie in den Systemen wirkende mechanische Einrichtungen). Nach
dem Vorhergesagten läßt sich für die Zuverlässigkeit folgende Definition geben:
Die Betriebszuverlässigkeit ist die Oberlebenswahrscheinlichkeit R(t) von Elementen
und Systemen, die ihre Funktion unter geforderten Betriebs- und Umgebungsbedin­
gungen für den betrachteten Zeitabschnitt einhalten.
Demnach hat R(t) für eine andere Zeit einen anderen Wert bzw. muß sie sich bei
anderen Verhältnissen ebenfalls ändern. Im Gegensatz zur Zuverlässigkeit existiert
die Unzuverlässigkeit oder Ausfallwahrscheinlichkeit, die mit F(t) bezeichnet wird.
Beide Wahrscheinlichkeiten ergänzen sich zu 1. Somit ist

R(t) + F(t) = 1 1. (9.1.)

358
9.2. Ausfallrate

Die zu einer Schaltung zusammengefügten Bauelemente kann man prinzipiell in


3 Gruppen unterteilen.

Die J. Gruppe vereinigt Bauteile bzw. Elemente, bei denen kaum ein Verschleiß
zu bemerken ist (z. B. Kondensatoren, Widerstände). Obgleich einzelne Exemplare
"kaum" ausfallen, verursacht jedoch eine Vielzahl Ausfälle. Das geschieht leider
ohne vorherige "Ankündigung", im Gegenteil, ganz plötzlich versagt das System.
Derartige spontane Ausfälle sind zufällig!

Zur 2. Gruppe rechnet man Bauelemente, die in Abhängigkeit der Betriebszeit


merklich altem, sich verbrauchen und dabei mindestens außerhalb der vorge­
gebenen Toleranz liegen; sie sind damit verschleißbehaftet. Die mittlere Lebens­
dauer solcher Elemente ist begrenzt. Aus der Praxis weiß man, wann sie im Mittel
verbraucht sind (z.B. Röhren, Motoren). Deshalb ist eine mögliche Vorhersage
eines Ausfalls nicht so schwierig wie bei den Bauelementen der 1. Gruppe. Man
brau�ht ja nur vorbeugend zu warten.

Zur 3. Gruppe gehören Röhren sowie eine große Ani:ahl mechanischer Einrich­
tungen, die verschiedentlich auch unter einem plötzlichen Ausfall "leiden". Doch
ist gegenüber dem Verschleiß die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ausfalls um
wenigstens eine Größenordnung geringer. Beachtet man aber den Fortgang des
Verschleißes nicht, dann kann infolge dieses Einflusses um so eher ein plötzlicher
Ausfall entstehen.

Die Praxis hat gezeigt, daß Ausfälle unvermeidbar sind, solange sich die Erzeug­
nisse nicht absolut zuverlässig herstellen lassen. Mit Hilfe der Mathematik ist
man aber in der Lage, eine berechtigte Vorhersage, ja eine bewußte Beeinflussung
der Zuverlässigkeit zu ermöglichen. Mit der Berechnung der Ausfallrate ist es
möglich, die Zuverlässigkeit in Zahlen auszudrücken. Die Ausfallrate läßt sich wie
folgt definieren: Die Ausfallrate ).{t) gibt den Teil von Elementen oder Systemen
an, die in einer bestimmten Zeiteinheit ausfallen (sie ist also als Bezugsgröße zur
'
Zeit anzusehen).

Mathematisch ergibt sich die Ausfallrate zu

dn 1 1 dF (t ) - 1 dR(t)
l(r) = . (9.2.)
11 Tt = 1 - F(t) dt = R(t) dt"

Außer den bereits genannten Größen sind n die Anzahl der Muster und dn das
Differential. Für die Praxis reicht es oft aus, wenn man statt des Differential­
quotienten den Differenzenquotienten benutzt (�). Es ist dann

�n 1
l(t)� (9.3.)
n. rt·

359
).(t)

Bild 9.1.

Die funktionelle Abhängigkeit von Ä.(t) zeigt Bild 9.1. (Verlauf ideal wie eine so­
genannte Badewannenkurve). Mit der Weibul/-Verteilung wäre die Ausfallwahr­
scheinlichkeit

F(t) = 1- ex (- �r (9.4.)

Bisweilen setzt man auch für den Exponenten ta/T. Mit GI. (9.2.) und GI. (9.4.)
wird
,.-1
q.(
Ä(t) =--
·
(9.5.)
T"'

T gilt als Bezugsgröße für einen konstanten Zeitabschnitt. Der Parameter a: grenzt
die Zeitabschnitte gemäß Bild 9.1. ein. Darüber hinaus sind in Bild 9.1. einige
Kurvenzüge zu ersehen, die mehr oder weniger der Praxis entsprechen. Der ge­
strichelt dargestellte Kurvenzug besagt, daß die Ausfallrate während des ge­
samten Einsatzes eines Systems bis zum Abschnitt <� > 1 nicht konstant ist bzw.
für längere Zeit eine höhere Ausfallrate aufweist. Derartige Eigenschaften von
Elementen oder Systemen müssen auf jeden Fall ausgeschaltet werden. Der
punktiert-gestrichelte Kurvenzug beweist, daß Ä.(t) auch hier nicht konstant ist;
es tritt eine frühzeitige Alterung ein, Bei dem mit Kreuzen dargestellten Kurvenzug
handelt es sich um ein Erzeugnis von bester Zuverlässigkeit, da die Ausfallrate
praktisch konstant ist und über eine längere Zeit den geringsten Wert hat.

9.2.1. Zeitabschnitt mit a < 1

Industriell hergestellte Elemente oder Systeme bzw. solche, die durch den Amateur
angefertigt worden sind, unterscheiden sich gewiß durch ihre Qualität. Sie werden
sich auch in der Fabrikationsmethode unterscheiden. Da vom Augenblick des
Einschaltens des fertigen Industrieerzeugnisses bis zur Lagerung und Auslieferung
eine Testzeit absolviert werden muß, um Produktionsmängel zu erkennen, wird
dem Anwender dadurch ein zuverlässigeres Gerät zur Verfügung gestellt. Ergeben
sich bei den Prüfungen die Feststellungen, daß Jl(t) der reziproke Wert der konzi-

360
pierten Zeit "T" wird, dann geht .x in 1 über. Infolge der vorherigen Zeitabhängig­
keit von .it(t) wäre das System noch nicht auslieferungsfertig. Den Zeitabschnitt
von t = 0 bis t = t bezeichnet man als Abschnitt der Frühausfälle. Bei umfang­
1
reichen Anlagen kann ein solcher Test sehr kostspielig werden. Es besteht allein
schon aus diesem Grund die Notwendigkeit, die Fertigung sehr sorgfältig durch­
zuführen.

9.2.2. Zeitabschnitt mit a """ 1

Mit .x""" 1 verläuft der Kurvenzug praktisch parallel zur Abszisse (Bild 9.1.) ,
).(t) ist konstant und damit zeitunabhängig. Zum Nachweis der Badewannenkurve
müssen sehr viele Prüfungen an einer größeren Anzahl von Prüflingen durchge­
führt werden. Die gesamten Ausfallzeiten sind statistisch verteilt, so daß eine
solche Darstellung einen Mittelwert ergibt. Infolge der nicht unbegrenzten Prüf­
zeiten und unendlich vielen Prüflinge kann man mit Hilfe der mathematischen
Statistik mit einer bestimmten mathematisch-statistischen Sicherheit von p (in %,
z.B. 90% ) eine Aussage über solche Werte treffen. Aus den genannten Gründen ist
es deshalb möglich, daß Gerät a ein anderes Ausfallverhalten hat als Gerät b
vom gleichen Typ. Weil nun offensichtlich Ä(t) über längere Zeit ein Minimum hat,
ist es zweckmäßig, diesen Zeitabschnitt als den der eigentlichen Betriebszeit des
Erzeugnisses zu bezeichnen. Deshalb verwendet man diesen Wert der Ausfallrate
für die Berechnungen der Zuverlässigkeit.
Es soll nun noch besonders die Eigenheit von /.(t) =konstant genannt werden, da
ihr Reziprokwert eine Zeit Tist (/. = 1/T). Die konstante Ausfallrate erhält so die
Bezeichnung /.-Faktor. Der Zahlenwert, den sie angibt, ist Zeiteinheit -1, z.B.
w-sh-1 = 10-s Ausfälle je Stunde. Eine Bezeichnung je Jahr wäre auch möglich.
Naheliegend ist die Frage, was man mit einer solchen Angabe anfangen kann. Dazu
werden später noch umfassende Erläuterungen gegeben. Hier soll diese Frage nur
an einem Beispiel kurz erläutert werden. Angenommen, es seien 103 Bauelemente
zu einem System vereint, deren Ausfallrate je 10-sh-1 beträgt. Es ergibt sich dann
eine Gesamtausfallrate von 10-2h-I,. wenn man das System als Serienschaltung
im Sinne der Zuverlässigkeit ansieht.

9.2.3. Zeitabschnitt mit a > 1

Dem Bereich der eigentlichen Anwendung des Erzeugnisses folgt ein Ansteigen
der Ausfallrate. Es tritt die Alterung des Geräts ein. Man muß nun unterscheiden,
ob es sich um die Bauelemente oder das System handelt. Im ersten Fall müßte das
Bauelement erneuert werden, während im zweiten Fall eine generelle Überholung
des Systems durchzuführen ist. In Verbindung mit der moralischen Lebensdauer
(6 bis 8 Jahre) hat eine solche Überholung kaum noch Sinn, weil das System durch
den technischen Fortschritt überholt ist.
Die Ausfallrate steigt also in diesem Zeitabschnitt; das ist jedoch nicht im Sinn
der Zuverlässigkeit. Es muß also eine Entscheidung über die Überholung oder
Neuanschaffung gefällt werden. Wie später noch beschrieben wird, kann die

361
Zeit Tin der Größenordnung der mittleren Lebensdauer von verschleißbehafteten
Elementen liegen. Es ist deshalb angebracht, die Richtlinien für die Zuverlässigkeit
von Systemen in nachstehenden Merksätzen zusammenzufassen:

-Gibt es in einem System Bauelemente, deren mittlere Lebensdauer Mv (v soll


auf die verschiedenen Bauelementetypen hinweisen) noch wesentlich unter der
Zeit T liegt, so sind diese rechtzeitig zu ersetzen, d. h., es ist eine Wartung vor­
zunehmen. (M soll als mittlere Lebensdauer verschleißbehafteter Elemente be­
zeichnet werden, T wird noch näher behandelt.) Ziel muß sein, daß nicht durch M
das Ausfallverhaften des Systems bestimmt wird.
- Hat man Elemente mit M = T, so erhöht sich die Ausfallhäufigkeit, denn zu den
Zufallsausfällen kommen bei nicht entsprechender Wartung noch die Ver­
schleißausfälle hinzu.
-Bei M � T kommt es lediglich zu Zufallsausfällen. Damit hat man eine Zu­
verlässigkeit erreicht, die praktisch nicht überboten werden kann. Die Wartung
ist minimal, was ebenfalls ein Kriterium für Zuverlässigkeit und Qualität be­
deutet.
- Beim Amateur gelten die genannten Kriterien nicht in dieser absoluten Form.
Aber auch für den Amateur gilt, daß verbrauchte Elemente die Wahrschein­
lichkeit des Ausfalls bedeutend erhöhen. Daher sollte er die sich rasch ver­
brauchenden Bauelemente in angemessenen Zeitabständen überprüfen und
gegebenenfalls erneuern.

Ähnliches trifft übrigens auch für jeden Anwender von Geräten zu (z. B. beim
Fernsehempfänger).

9.3. Zusätzliche Abhängigkeit der Ausfallrate und ihre Kennwerte

Bei der Definition der Zuverlässigkeit kam bereits zum Ausdruck, daß eine A,ngabe
nur im Zusammenhang mit den unterschiedlichsten Einflußgrößen sinnvoll ist.
Wenn auch im vorherigen Abschnitt festgestellt wurde, daß man die Ausfallrate
als konstant ansehen kann, so gilt diese Feststellung nur zeitlich gesehen. All­
gemein ergibt sich deshalb für den mittleren Wert der Ausfanrate

I A = • • • .
AN fr(O) flP) flU) . ./n(X) ,, (9.6.)

Die einzelnen Funktionen ste1Ien Abhängigkeiten von der Temperatur, der


Spannung, der Leistung oder sonstigen Größen dar. Die Ausfallrate .Ä.N unter
Nennbedingungen (wo('tir das Bauelement seinen Eigenschaften entsprechend ge­
fertigt wird) selbst ist sehr großen Schwankungen und Streuungen unterworfen.
In der Literatur werden Ausfallraten zwischen 10-sh-1 bis I0-12h-1 angegeben.
Daraus läßt sich erkennen, welcher Prüfaufwand erforderlich ist, um diese An­
gaben zu ermitteln. Infolge der großen Streuung hinsichtlich plötzlicher' Ausfälle
ist die nachstehende Aufstellung der Ausfallraten unter Nennbedingungen als

362
Tabelle 9.1. Nennwerte von ).-Faktoren in 10-6 h-1

Wickelteile Wickelteile

Netztransformator 2. w-l Spule ohne fließenden


Netzdrossel 2 · w-1 Gleichstrom 2. 10-3
Hochspannungs­ Relais 1
transformator 2 Drehmelder 2
Spule, durch die Gleich­ Motor mit Kollektor 15
strom fließt w-2 Kurzschlußläufer 2
Drehspuleninstrument 1

Steck- und Schalterverbindungen Steck- und Schalterverbindungen

Schalter ohne Relaiskontakt 5. w-1 Lötstelle 3. 1o-2


Kontakt am Geräteeinschub w-1 Wickelverbindung to-a

Röhren Röhren

Weitverkehrsröhren 10-1 Sperröhre 50


Langlebensdauerröhre 1 Klystron 10
Röhre normaler Fertigung 10 Magnetron 50
Subminiaturröhren 50 Thyratron 50
Leistungsröhre 30 Stabilisator 20
Bildröhre 10 Fotozelle 10

Halbleiter
I Halbleiter

Ge-Diode 4. 1o-2 Si-Transistor 5. 10-2


Ge-Transistor 2. to-1 Integrierter Schaltkreis to-2
Si-Diode 1o-2 Selengleichrichter 2

Widerstände Widerstände

Schichtwiderstand to-1 Einstellregler 2


Metallschichtwiderstand 5. w-2 Potentiometer 4
Drahtwiderstand 5. 10-1 Varistor, Thermistor w-1
Filmwiderstand 3. 10-2 Sicherung 2 ·10-1

Kondensatoren Kondensatoren

MP-Kondensator Papierkondensatoren 2. 10-1


(ohne Gleichspannung) 1o-2 Styrollexkondensatoren 5. 10-1
MP-Kondensator Drehkondensator
(mit Gleichspannung) 1Q-1 (Luftdrehkondensator) 1 1Q-1
Keramikkondensatoren w-1 Elektrolytkondensator 2
Trimmer 1 Tantalkondensator 5. 10-1
Glimmerkondensatoren 5. 10-1 Quarz to-1

363
Information zu werten. Sie haben ihre Berechtigung für übernormalen Betrieb.
Beim Vergleich der Zuverlässigkeit von System A oder B hat die Höhe der Aus­
fallrate keine Bedeutung, da gleiche Bedingungen gelten. Die in Tabelle 9.1. an­
gegebenen Ausfallraten haben sich für ungünstige Umweltbedingungen bewährt.
In stationärem Betrieb (Umweltbedingungen, die den Wohnverhältnissen ent­
sprechen) kann man sich auf 10-7h-1 beziehen.

Beispiel für den Gebrauch der genannten Werte:

Ein MP-Kondensator hat die Ausfallrate 10-6 • 10-2 = w-s. Wie später noch
erläutert wird, kann man aus Rationalisierungsgründen in der überschlägigen
Rechnung einige immer wiederkehrende Baugruppen in ihrer Gesamtausfallrate
angeben.

Tabelle 9.2. Ausfallraten von Baugruppen in JO-&h-1

1 NF-Endstufe mit Rundfunkröhren 50


1 NF-Endstufe mit Ge-Transistor 7
1 NP-Vorstufe mit Röhren 18
1 NP-Vorstufe mit Ge-Transistor 7
1 HF-Verstärker ohne Oszillator mit Röhre 19
1 HF-Verstärker ohne Oszillator mit Ge-Transistor 5
1 Multivibrator mit Röhre 20
1 Multivibrator mit Ge-Transistor 6
1 Netzteil mit Doppelweggleichrichtung (Röhre) 18
1 Netzteil mit Doppelweggleichrichtung (Selengleichrichter) 10
1 Netzteil mit Doppelweggleichrichtung (Ge-Diode) 5

GI. (9.6.) verdeutlicht, daß der Nennwert der Ausfallrate noch von weiteren Ein­
flüssen abhängig sein kann. In Diagramm 9.1. bis 9.10. sind die Abhängigkeiten von
Ausfallraten einiger Bauelemente angegeben. Es sei allerdings einschränkend
erwähnt, daß der dort ersichtliche Wert bereits heute schon geringer sein kann.
Aus diesem Grund geben die gezeigten Diagramme den Verlauf von A. informa­
torisch an. Des weiteren sollen die nachstehenden Beziehungen veranschaulichen,
in welcher Weise die Ausfallrate abhängig sein kann. IsoHerpapiere ändern ihre
Eigenschaften mit der Temperatur. Es ergibt sich eine Halbierung der Lebensdauer
bei je 10°C Temperaturzunahme

LD
= ex -0,07 (11 - 110); (9.7.)
LDo

11 - herrschende Temperatur, 110 - Bezugstemperatur,


LD - Lebensdauer bei 11.

364
Für Papierkondensatoren gilt

(9.8.)

U - Betriebsspannung, U N - Spannung, für die der Kondensator ausgelegt ist.


Für einen anderen Kondensatortyp ändert sich der Exponent.

Die folgende empirisch ermittelte Abhängigkeit der Kapazität von Tantalkonden­


satoren hinsichtlich der Zeit ist

__s__ - t-0,08. . (9.9.)


CN -

Betreibt man Röhren mit unterschiedlicher Heizspannung, so verändert sich die


Ausfallrate wie folgt:

(9.10.)

Uh:r; -Heizspannung unter Nennbedingungen, Uh- Betriebsspannung.

Des weiteren tritt eine Veränderung von A. ein, wenn die Anoden- bzw. die Schirm­
gitterspannung zu hoch wird;

A-AN (-u u )
1 _ 1 a,g2
N
1,,.
• (9.1L)

Durch erhöhte Betriebsspannung erhöht sich die Kolbentemperatur

(9.12.)

Es läge nun der Gedanke nahe, daß ohne Kenntnis der Ausfallraten eine weitere
Zuverlässigkeitsberechnung nicht möglich sei. Damit wäre es aber unmöglich,
zuverlässige Geräte zu entwickeln oder gar zu fertigen. Man muß sich zunächst
mit Annahmen begnügen und dann die durch praktische Anwendung bzw. mit
Hilfe von Prüftests bei komplexen Systemen (relativ geringe Funktionsdauer)
erhaltenen Ergebnisse mit den Werten der angenommenen Ausfallraten ver­
gleichen. Damit kein Stillstand in der Vorhersage der Zuverlässigkeit eintritt, ist
man gezwungen, die Korrelation zwischen Annahme und Ergebnis durchzuführen.
Infolge der großen Streuung der Mittelwerte von Ausfallraten haben die Fehler
keine große Bedeutung, vo