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CAD.

de Schwerpunktthema 2013

Konfiguration
das Tor zur Automatisierung der
Konstruktion
Karl Obermann
Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser, das vorliegende Büchlein, neudeutsch auch


Booklet genannt, enthält keine grundsätzlich neuen Informationen. Jedes
Kapitel ist bereits schon im CAD.de/Newsletter erschienen – alle stehen ein-
zeln auch noch in unserem Online-Archiv. Es wurden weder Text noch Bil-
der geändert.

Was wir wollen, ist, die bisher erschienenen Artikel zusammenzufassen, so dass nicht je-
der Interessent das gesamte Archiv durchsuchen muss. Zudem sind die Artikel im Booklet
besser lesbar als im reinen Online-Format.

Die Automatisierung der Konstruktion ist ein großes Thema, das beweist jedes einzelne Ka-
pitel hier, auch wenn es von vielen Betrieben noch gar nicht richtig wahrgenommen wird.

Was die Anwender berichten lässt aufhorchen.

Wenn Stanzanlagen statt in bisher 40 Stunden Konstruktionszeit nun in 1 Stunde entste-


hen. Wenn Angebotskonstruktionen inklusive Angebot statt in 14 Tagen nun noch am Tag
der Anfrage das Haus verlassen. Wenn neben der eigentlichen Konstruktion noch viele an-
dere Dinge mit erledigt werden, wie Einträge ins PDM- oder ERP-System, Zeichnungen ins
TIFF-Format für die Langzeitarchivierung überführt werden, automatisch NC-Programme
erstellt werden etc., dann hört sich das doch sehr vielversprechend an.

Es hilft uns hier in Mitteleuropa, dem Ingenieurmangel entgegenzuwirken, die Kosten für
eine Konstruktion zu senken, schneller zu einem Produkt zu kommen und einiges mehr.

i
Die Regelbasierte Konstruktion, auch Konfiguration genannt, hat viel zu bieten. Rund 80
Prozent der konstruktiven Arbeit können damit erledigt werden – sagt die Erfahrung.

Die Artikel entstammen verschiedenen Zeiträumen. Bei mancher der erwähnten Anwender-
firma ist man mittlerweile noch deutliche Schritte weiter gegangen, als hier dargelegt. Den-
noch sind die Informationen wertvoll, weil eventuelle Interessenten für diese Technologie
heute in der gleichen Situation stecken, wie jene Firmen damals.

Möge die vorliegende Zusammenfassung fleißig genutzt werden, wir geben sie kostenlos
ab – sozusagen als „Zuckerl“ zum Weihnachtsfest 2013, weil wir denken, dass die breite
Nutzung der neuen Technologie ein Segen für unsere Wirtschaft in Mitteleuropa werden
könnte.

Herzlichst

Ihr

Karl Obermann

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Inhaltsverzeichnis

CustomX: 

Fast wie Zauberei .................................................................................................... 4

Konfigurationseinführung: 

Rasch zum Erfolg in der Angebotskonstruktion .................................................. 12

Konfiguration macht’s möglich: 



Flexibler Einsatz mechatronischer Bausteine ...................................................... 21

Zeitsparmaschine: 

Amortisation nach 40 bis 50 Konfigurationen ...................................................... 28

Tacton Configurator: 

Automatisierung der Konstruktion mit Pluseffekten für Vertrieb und Produktion .... 33

Regelbasierte Konstruktion: 

Alles steht bereit ...................................................................................................... 44

Konfiguration technischer und vertrieblicher Aufgaben: 



Durchdachte Lösungen .......................................................................................... 52

Autodesk Inventor Engineering-to-Order: 



Ein guter Weg zur regelbasierten Konstruktion ................................................... 60

Design & Sales Automation Konferenz: 



Anwender berichten von großem Nutzen ............................................................. 68

iii
1
CustomX:
Fast wie Zauberei
Die Konfiguration der Konstruktion und von
Nachfolgeprozessen basiert natürlich auf e-
xakter Ingenieurwissenschaft. Das, was dabei
herauskommt, scheint aber vielen als Zauberei.
In der Tat kann mit Hilfe der Konfiguration ein ‚Quantensprung‘ im Engineering ge-
schafft werden, wie CustomX aus Limburg mit dem gleichnamigen Produkt immer
wieder beweist. Die CustomX GmbH ist Teil der Mensch & Maschine Software SE.

Ingenieure und Techniker wollen


natürlich nichts mit Zauberei zu tun
haben, das ist ja klar. Aber sie
wollen rationalisieren, auf allen
Ebenen, besonders am
Hochlohnstandort Mitteleuropa.
Ein herausragendes Werkzeug für
die Rationalisierung im Engineering
ist die Konfiguration. Hierbei geht
es nicht um wenige Prozentpunkte
schneller oder besser, sondern um
Faktoren! Das zeigen die heute Klaus Kreckel, Geschäftsführer der CustomX GmbH.

schon damit arbeitenden Anwender.

Was Konfiguratoren mit Hilfe von Regeln, Formeln, Tabellenzugriffen etc. abbilden und
dann automatisch abarbeiten können, geht meist weit über das hinaus, was sich selbst

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Techniker vorstellen können, wenn sie sich mit dieser Sache noch nicht beschäftigt haben.
Die Zeit ist daher reif dafür!

Eines der wenigen Unternehmen, das sich schon seit 10 Jahren mit der Entwicklung, dem
Vertrieb, der Installation und Betreuung von Konfigurationssystemen beschäftigt, ist die
CustomX GmbH in Limburg.

http://www.customx.de/

Jahrzehntelange Erfahrung als Basis

CustomX wurde im Jahr 2002 durch Klaus Kreckel gegründet, er leitet die Firma auch heu-
te noch. Seine Erfahrungen aber reichen  viel weiter zurück: „Ich beschäftige mich seit ü-
ber 20 Jahren mit diesem Thema. Gleich nach dem Studium, in meiner ersten Anstellung,
hatte ich es genau mit einem solchen Projekt zu tun.“ Auch in den Folgejahren hatte Klaus
Kreckel immer wieder Berührung mit der Erweiterung von CAD-Systemen, die oft auch in
die Automatisierung von Vorgängen mündeten.

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Mit Hilfe der Konfigurationstechnik können ganze Prozessschritte automatisiert und
‚übersprungen‘ werden.

Das Thema war also gesetzt. „Irgendwann  fiel dann der Entschluss, mit Hilfe des erworbe-
nen Wissens ein Standardprodukt zu entwickeln, welches die Automatisierung der Kon-
struktion bewältigen kann“, erinnert sich Kreckel.

Der Start war 2002 mit 5 bis 6 Mitarbeitern, die sich aus Vorläuferunternehmen schon gut
kannten. Der Firmenstandort war und ist Limburg an der Lahn.

Das Ziel bestand darin, ein Konfigurationssystem zu entwickeln, welches auch für den Mit-
telstand geeignet sein sollte. Das betraf die preisliche Positionierung, wie auch die Bedie-
nung des Systems. Beim Anwender sollten es ganz klar Konstrukteure und Techniker sein,
die das Regelwerk bedienen können, um damit den konkreten Konfigurator zu erzeugen,
nicht Programmierer.

Dieser Ansatz, der starken Praxisorientierung, ging auf. Schon bald nach Fertigstellung
des Produkts, das CustomX genannt wurde, stiegen die ersten Kunden ein. Nach der ‚one
brand‘ Philosophie wurde später auch das Unternehmen CustomX genannt.

Die CustomX GmbH hat sich seitdem gut entwickelt. Den mittlerweile 11 Mitarbeitern ste-
hen rund 70 Kunden in verschiedenen Branchen gegenüber:

• Schaltschrankbau

• Wärmetauscher

• Industrie Tore

• Frontplatten

• Verkabelungspläne uvm.

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Dazu Klaus Kreckel: „Wir sind mit Cus-
tomX nicht auf einzelne Branchen festge-
legt. Wichtig ist, dass unsere Kunden ein
eigenes Produkt haben und nicht rein pla-
nerisch tätig sind. Zudem sollte das Pro-
dukt nicht in Großserien gefertigt werden,
sondern in vielen Varianten, je nach An-
wenderanforderung.“

Seit 2009 ist CustomX mehrheitlich ein Teil


der Mensch & Maschine SE. Zu MuM be-
standen schon langjährige Beziehungen
über eine Vorläufergesellschaft, die einen
CAD-Vertrieb am Standort Limburg be-
trieb (Autodesk-Händler). Deren Distribu-
tor war MuM.

„MuM wurde schon frühzeitig auf uns auf-


merksam. Bereits 2003/2004 haben wir ge-
meinsame Projekte realisiert. Die Kontakte
wurden dann immer enger und 2009 sah Schaltpläne und sogar komplette Projekte können mit CustomX und
einem ECAD-System automatisch generiert werden.
man es als logische Konsequenz an, dass
sich MuM mehrheitlich bei uns beteiligt“, so Kreckel. Somit wurde die Basis gelegt, inner-
halb eines starken Firmenverbundes weiter kräftig wachsen zu können.

CustomX – das Produkt

CustomX basiert auf einer modernen Programmiersprache: ‚.net‘. Das serverbasierte Pro-
dukt wird am Client mit dem Internet Explorer bedient. Der zentrale Ansatz der Software ist
die Beherrschung des Produkts in konstruktiver Hinsicht, aber auch in  Hinsicht auf die Fol-
geprozesse. Es entstehen nicht nur konstruktive Modelle, das kann sein, muss aber nicht
sein, sondern komplette Kalkulations- und vor allem Fertigungsunterlagen.

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CustomX ist komplett CAD-unabhängig. Die Konfiguration der Software erlaubt eine kom-
plette Beschreibung des Kundenprodukts mit Hilfe von Geometrie, Regeln, Formeln und
Tabellenzugriffen.

„Dieses CustomX Regelwerk ist so universell aufgebaut, dass wir jedes Produkt damit ab-
bilden können, egal welcher Art oder Komplexität“, betont Klaus Kreckel. Es ist dem Sys-
tem auch gleich, ob die Varianten durch Längen- oder Gestaltungsänderungen, oder auch
beides, entstehen. Der mit CustomX aufgebaute Konfigurator enthält am Ende die gesam-
te Logik eines Produktes, so dass daraus eben

• die Kalkulation

• Angebotszeichnungen

• 2D- und 3D-Modelle

• Fertigungszeichnungen

• Stücklisten

• NC-Konturen

• Einträge ins PDM- und ERP-System

und eventuell

• Dokumentationen

Konfigurationsoberfläche für die Konfiguration von Industrietoren. 



Werkbild: AKM-Tore. 8
abgeleitet werden können.

Und diese gesamte Logik kann ein Konstrukteur in CustomX hinterlegen, ein Programmie-
rer wird nicht benötigt. „Wir sind stolz darauf, das hinbekommen zu haben“, sagt Kreckel.

Ein weiteres Merkmal, welches CustomX von anderen Systemen unterscheidet, ist die Fä-
higkeit, wirklich fertigungsgerechte Zeichnungen zu erzeugen. Die gesamte Logik, für die
Beherrschung einer automatischen Zeichnungserstellung ist enthalten.

Neben den Zeichnungen können natürlich


auch Word- und Excel-Dateien automatisch
generiert werden.

Während der Produktauslegung kann Cus-


tomX in beliebige Programme verzweigt wer-
den. Beispielsweise kann aus einem ERP-Sys-
tem der Preis eines bestimmten Materials ent-
nommen werden oder CustomX legt ein As-
sembly in einem PDM-System ab.

Die Benutzung des mit CustomX erstellten


Konfigurators ist so einfach, dass damit auch
Vertriebsmitarbeiter oder sogar Kunden
selbst arbeiten können.

Im letzteren Fall entsteht keinerlei konstrukti- Tobias Käsgen, Technischer Leiter der AKM-Tore GmbH.
ver Aufwand mehr. In der Tat kann von einer
vollständigen Automatisierung gesprochen werden. Damit werden natürlich Beschleuni-
gungsfaktoren erzielt, die wenigstens bei 8 bis 10 liegen. In Einzelfällen noch darüber.

Was in den Unternehmen übrig bleibt, ist die generelle Neuentwicklung und ein kleiner
Rest an Sonderkonstruktionen.

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Praktisches Beispiel: Industrie Tore

Um das oben Beschriebene noch weiter zu untermauern, wurde im Rahmen der Recher-
che auch ein CustomX-Anwender besucht. Es handelt sich dabei um die AKM-Tore GmbH
in Langenhahn, Westerwald.

Das Unternehmen, mit heute rund 100 Mitarbeitern, konzentriert sich seit 30 Jahren auf
den Bau von Industrietoren. Dazu zählen insbesondere Sektionaltore, Rolltore und –gitter
sowie Schnelllauf- und Sondertore. Ganz besonders stark ist AKM wenn es um individuel-
le Kundenanforderungen geht. AKM liefert komplette Torsysteme inklusive Antrieb und
Steuerung.

Neben dem Bau der Tore kümmern sich die Westerwälder auch um den Einbau und den
Service, falls erforderlich.

Schon wer den Katalog des Unternehmens durchblättert erkennt sofort, in welch hoher Va-
riantenzahl die Tore gefertigt werden können.

In früheren Zeiten, als AKM-Tore noch handwerklicher geprägt war, entstanden die Ferti-
gungsunterlagen in Form von Skizzen und Handzetteln. Es wusste ja im Betrieb sowieso
jeder, was zu tun ist.

„Dieses Verfahren kam mit zunehmender Betriebsgröße an seine Grenzen“, berichtet Tobi-
as Käsgen, Technischer Leiter bei AKM. „Wir haben dann überlegt, entweder eine Kon-
struktionsabteilung aufzubauen oder aber gleich mit einem Konfigurationssystem zu arbei-
ten“.

Die Entscheidung fiel dann letztendlich für die Konfiguration und für CustomX. Die Einfüh-
rungsphase dauerte ca. 1 Jahr, Ende 2008 begann der produktive Betrieb. „Schon wäh-
rend der Einführungsphase fiel uns auf“, so Käsgen, „wie flexibel sich CustomX unserm Be-
trieb anpasst. Genau das Gegenteil erleben wir gerade bei der Einführung eines ERP-Sys-
tems.“

Seit Ende 2008 hat AKM mit CustomX bereits 6800 Konfigurationen durchgeführt. Dabei
entstanden automatisch 60000 Zeichnungen und 176000 Datensätze.

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Neben den Fertigungszeichnungen entstehen automatisch die Stücklisten und unter ande-
rem auch die Bohrdateien. Auch sämtliche Berechnungen für die exakte Torauslegung ü-
bernimmt der Konfigurator.

Das Ergebnis bewertet Käsgen heute mit der Halbierung der Projektierungszeit gegenüber
der bisherigen ‚Zettelwirtschaft‘: „Gegenüber einer konventionellen Konstruktion sind wir
sicher 10mal schneller“, wie er sagt.

Hinzu kommen eine deutlich höhere Qualität der Dokumente und eine schnelle Nachvoll-
ziehbarkeit einzelner Projekte, beispielsweise im Servicefall.

Insofern gibt es hier gar keine Frage, ob sich die Einführung von CustomX gelohnt hat.

Dieser Art des Engineerings gehört die Zukunft, auch wenn das im Augenblick noch weni-
ge Unternehmen auf ihrer Roadmap haben. Die Vorteile sind einfach zu gewichtig, als dass
man sie noch lange übersehen könnte!

www.customX.de

www.akm-tore.de

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Konfigurationseinführung: Rasch
zum Erfolg in der Angebotskonstruktion

Durch Konfigurationssysteme können konstruktive Aufgaben stark beschleunigt wer-


den. Das zeigt erneut die Hilge GmbH & Co. KG, ein Pumpenhersteller aus Boden-
heim, Rheinland-Pfalz, der mit Hilfe von Tactonworks sehr rasch Erfolge im Bereich
der Angebotskonstruktion erzielen konnte. Betreut wird Hilge vom Tacton Partner, Li-
no GmbH, einem Spezialisten für die Themen Design- und Vertriebsautomatisierung.

Prost! Wer ein gutes Bier trinkt denkt nicht unbedingt darüber nach, wie und mit welcher
Technik es hergestellt wurde. Ein Brauereibetrieb muss das allerdings tun. Erstklassige An-
lagen sind, neben besten Zutaten, der Garant für den Erfolg. Ein Teil dieser Anlagen sind
so genannte Bierpumpen. Sie bewegen das begehrte Nass von A nach B. Eine erste Adres-
se für Bierpumpen ist die Hilge GmbH &
Co. KG in Bodenheim, Rheinland-Pfalz, –
auch wenn die Firmengründung mit ei-
nem anderen Stoff zu tun hatte: dem
Wein.

Im Jahr 1862 hat Peter Hilge sein Unter-


nehmen in Mainz gegründet, um zu-
nächst Messingarmaturen für Winzer zu
gießen. Schon 1865 konstruierte Peter Hil-
ge dann die erste Getränkepumpe der
Welt, die so genannte Rheinische Cirkular- Das Bild gibt einen Überblick über verschiedene Pumpenmodelle
pumpe – ebenfalls für den Weinbau. von Hilge. Hinten links die Drehkolbenpumpe NOVAlobe, die in die-
sem Artikel eine besondere Rolle spielt.

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Das technologische Prinzip blieb bis heute bestimmend für das Unternehmen. Noch im-
mer werden bei Hilge die größten Umsatzanteile mit Kreiselpumpen erzielt.

Inzwischen hat das Unternehmen aber auch


Drehkolbenpumpen im Programm; diese
werden nicht zuletzt für hochviskose Medi-
en, wie zum Beispiel Joghurt, Kechup oder
Schokolade verwendet. Des Weiteren wer-
den bei Hilge auch Seitenkanalpumpen pro-
duziert.

Die Rheinland-Pfälzer produzieren für die An-


wendungsgebiete Getränketechnik, Lebens-
mitteltechnik, Pharmazie und Biotechnolo-
gie, Umwelt- und Oberflächentechnik, sowie
im industriellen Umfeld – und das weltweit.

Hilge-Pumpen eingebaut in eine Anlage.

„Fast alle großen Bierbrauer dieser Welt setzen auf Pumpen von uns“, berichtet der Ge-
schäftsführer des Unternehmens, Rainer Pfeffer und spricht damit nur einen Erfolgsbereich
an.

„Wir wollen die Besten sein“, ergänzt der Konstruktionsleiter, Dr. Boris Kneip und macht
das an den Punkten Qualität, Produktsicherheit, optimierte Werkstoffe und technische Effi-
zienz fest. Keine leichte Aufgabe angesichts der Tatsache, dass ein sehr großes Spektrum
an Produkten beziehungsweise Produktvarianten angeboten wird – bis hin zu speziellen Lö-
sungen für einzelne Kunden.

Hilge gehört heute zum dänischen Grundfos Konzern, dem größten Pumpenhersteller welt-
weit mit 17.000 Mitarbeitern. „Grundfos ist weitgehend eine Stiftung, die 86 Prozent am Fir-
menkapital hält. Der Stiftungszweck ist die Entwicklung des Konzerns selbst, das heißt, 86
Prozent der Gewinne fließen wieder ins Unternehmen zurück“, erklärt Rainer Pfeffer.

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Daraus resultiert unter anderem eine überdurchschnittliche Investition in Forschung und
Entwicklung, die 4 Prozent vom jährlichen Umsatz beträgt (üblich im Maschinenbau sind
1,5 bis 2 Prozent).

Dieses Kapital wird nicht nur in neue Produkte investiert, sondern auch in die Optimierung
der Prozesse. Unter anderem hat Hilge das Programm „Topsol“ (von Top Solution) ins Le-
ben gerufen. Mit diesem Programm werden alle Mitarbeiter in die Weiterentwicklung des

Gegenüberstellung eines 3D-Konstruktionsmodells (rechts) und des Angebots-


Modells in Tactonworks Engineering.

Unternehmens eingebunden. Das kommt an, wie Dr. Kneip berichtet: „Pro Jahr und Mitar-
beiter gehen etwa zwei Verbesserungsvorschläge ein. Das trägt dazu bei, dass man
schnell vorankommt und untermauert den Anspruch von Hilge: ‚Best in Class’ deutlich.

Besonderen Wert legt Hilge auf sehr gute Beziehung zu seinen Mitarbeitern: Das Unterneh-
men achtet von sich aus darauf, dass Arbeit und Leben in einem ausbalancierten Verhält-
nis stehen. Der Betriebsrat ist hier ein Partner und kein Gegner. Zudem unterhalten Rainer
Pfeffer und seine Mitarbeiter auch Beziehungen zum sozialen Umfeld des Unternehmens:
Kindergärten, Schulen und Vereine werden unterstützt.

Hilge hat zurzeit 147 Mitarbeiter, die 2011 rund 9.000 Pumpen bauen wollen (im Vorjahr
8.000).

Auf allen Ebenen gut sein

Wer richtig gut sein will, muss auf allen Ebenen optimieren. Nur an einer Schraube zu dre-
hen bringt nichts, wie man aus der Formel 1 weiß. Hilge optimierte daher den CAD-Ein-

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satz, die PDM-Einführung und die Konstruktion insgesamt, durch die Einführung des Konfi-
gurationssystems.

Die CAD-Situation bei Hilge ist derzeit noch durch 2 CAD-Systeme geprägt, nämlich Solid
Edge und Solidworks. Solid Edge hat man schon länger im Einsatz, Solidworks kam 2008
dazu. Die neue Pumpengeneration, NOVAlobe, wurde bereits mit Solidworks konstruiert.

Vom Angebotsmodell abgeleitetes Maßblatt. Auch dieses entsteht mit Hilfe des
Konfigurators innerhalb der genannten Zeit.

Als CAM-System findet Solidcam Verwendung. Mittlerweile hat Hilge auch ein PDM-Sys-
tem im Haus, Enterprise PDM von DS Solidworks.

Zwei CAD-Systeme mit unterschiedlichen Datenmodellen tun einem Unternehmen dieser


Größe nicht gut, wie auch der verantwortliche CAD-Betreuer, Peter Badura, bald zu spüren
bekam. „Neben höheren finanziellen Aufwendungen für Lizenzen und Wartungsverträge,
wirken sich die Inkompatibilitäten negativ aus, gerade auch beim Aufbau des PDM-Sys-
tems.“

Hilge hat sich daher entschlossen, einen ‚Schnitt’ zu machen und in Zukunft alles mit Solid-
works zu konstruieren, „auch um den Preis, dass wir dann alle noch nötigen 3D-Modelle
von Solid Edge nach Solidworks umstellen müssen“, wie Badura sagt. Insgesamt werden
derzeit 13 CAD- und 3 CAM-Arbeitsplätze betrieben.

Weil die Variantenvielfalt so groß ist, und weil es kaum zwei gleiche Pumpenausprägungen
für unterschiedliche Kunden und Projekte gibt, muss jedes Angebot genau spezifiziert wer-
den. Und die Kunden erwarten heute dazu auch immer ein 3D-Modell. Diese Angebotskon-

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struktion, die nicht identisch ist mit der eigentlichen Produktkonstruktion (verschlanktes
Datenmodell, Know-how-Schutz), erforderte bislang von den Konstrukteuren einen Auf-
wand von 1 bis 3 Tagen pro Angebot.

„Diese Situation wollten wir ändern“, sagt Peter Badura, „wir haben uns deshalb am Markt
nach einer Standardsoftware umgesehen, die uns das ermöglicht.“

Dazu wurde ein Pflichtenheft erstellt und die verschiedenen Angebote daran gemessen.
Am Ende stellte sich Tactonworks als das System heraus, welches die Anforderungen am
Besten erfüllte. Eine Rolle spielte dabei die völlige Integration in Solidworks (kein weiteres
System), die leichte Erlernbarkeit und auch das Preis-/Leistungsverhältnis.

Als Systemlieferanten und Systembetreuer wählte Hilge den Tacton Partner, Lino GmbH,
wegen deren großer Kompetenz und Erfahrung im Bereich der Produkt- und Vertriebskonfi-
guration. Lino ist weltweit das einzige Tactonworks Service und Support Center.

http://www.lino.de/3d_layout

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Konfiguration für viele Aufgaben möglich

Die Software-Suite Tacton Configurator von der Tacton Systems AB, einem schwedischen
Unternehmen, bietet für jede Anforderung die entsprechende Konfigurationsfunktionalität
und unterstützt sowohl Vertriebs- und Auftragsabwicklung, als auch Techniken zur kunden-
individuellen und modularen Produktenwicklung. Der Einsatz von Tacton Configurator
kann online, offline, eigenständig oder eingebettet, wie z.B. mit E-Commerce, ERP-,
CRM-, PLM- und CAD-Systemen, betrieben werden.

Die Informationsgeber in Bodenheim: (v. l. n. r.): Michael Kilian (Lino), Rainer Pfef-
fer, Dr. Boris Kneip und Peter Bandura (Hilge).

Als Tactonworks, ist der Konfigurator direkt in Solidworks integriert. Die Direktintegration
bietet folgende Vorteile:

* Ingenieure können schnell kundenspezifische 3D-Modelle und Zeichnungen für Angebote


und Fertigung erstellen und konfigurieren.

* Routineaufgaben bei der kundenspezifischen Konstruktion werden automatisiert sowie


manuelle Konstruktionsänderungen in einen Konstruktionsprozess integriert.

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* Die Migration von 2D nach 3D wird vereinfacht, denn anstatt alte Zeichnungen immer wie-
der neuen Anforderungen anzupassen, können Zeichnungen leicht aus individuell generier-
ten 3D-Modellen abgeleitet werden.

* Tausende von Produktvarianten können mittels Stapelverarbeitung automatisiert als ei-


genständige CAD-Dateien erstellt werden.

* Web-Benutzer können interaktiv individuelle Produkte konfigurieren und die dynamisch


erzeugten CAD-Dateien und Bilder ihrer so spezifizierten Produkte anzeigen oder herunter-
laden.

Die Tacton Configurator Site Application basiert auf dem Tacton Configurator Server und
ist unabhängig von einem expliziten CAD-Arbeitsplatz. Die Software verfügt über alle not-
wendigen Funktionen für den Vertrieb konfigurierbarer Produkte und kann sowohl vom in-
ternen Vertrieb, von Händlern sowie auch Endkunden bedient werden. Die Anwenderprofi-
le bestimmen dabei, welche Preislisten und Sprachen benutzt werden, sowie wer gespei-
cherte Konfigurationen, Preise, Rabatte, etc. einsehen oder ändern darf. Die Benutzerober-
fläche kann programmierfrei mit Style-Sheets angepasst werden.

Tactonworks ist in der Praxis gut beherrschbar

Nachdem die Entscheidung für Tactonworks gefallen war, hat Hilge zunächst ein Pilotpro-
jekt gestartet. „Dazu haben wir reale CAD-Modelle an Lino übergeben, die dort in kurzer
Zeit für die Konfiguration vorbereitet wurden“, wie sich Badura erinnert. Lino konnte dann
an realen Objekten zeigen, dass und wie es geht.

Eine daran anschließende Teststellung der Software hat die Pumpenspezialisten vollends
überzeugt.

Im Oktober 2010 fiel dann die Entscheidung, die Konfigurationssoftware zu kaufen und ein-
zuführen. Angeschafft wurden je eine Lizenz von Tactonworks Studio und Tactonworks En-
gineering.

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Nach wenigen Tagen Ausbildung haben Peter Badura und ein Werkstudent begonnen, die
gewünschte Angebotskonstruktion für die Drehkolbenpumpen, NOVAlobe, in Tactonworks
umzusetzen. Das konnten sie in nur wenigen Monaten realisieren.

Der Erfolg dabei war umwerfend: Was früher 1 bis 3 Tage in Anspruch nahm, kann jetzt,
bei manueller Eingabe, in 10 bis 15 Minuten realisiert werden. Bei vollständig automati-
scher Konfiguration sind Zeiten unter 1 Minute möglich. Jeder Leser kann sich da den Zeit-
einsparungsfaktor selbst ausrechnen.

Zum Zeitpunkt der Recherche wurde bereits ein Pumpenuntergestell auf Konfiguration um-
gestellt. „Fast täglich fragen nun Konstrukteure anderer Warengruppen an, wann ihre Pro-
dukte umgestellt werden. Wir sagen, so schnell wie möglich“, berichtet Badura über die ak-
tuelle Situation.

Wenn die Umsetzung der so genannten Maßbilder für alle Warengruppen fertig ist, kann in
der eigentlichen Konstruktion mit der Umstellung auf Konfiguration begonnen werden. Die
Erfahrung zeigt, dass rund 80 Prozent der Aufgaben über Konfiguration zu erledigen sind.

Weitere Pluseffekte wie etwa die automatische Erzeugung von Langzeit-TIFFs oder die
Konfiguration von NC-Programmen sind möglich.

Ein wichtiger Zukunftsaspekt ist auch die Kopplung des Konfigurators an vorhandene IT-
Systeme des Unternehmens, ganz besonders an den schon bestehenden Vertriebskonfigu-
rator.

Hilge ist mit der Einführung eines Konfigurationssystems innerhalb des Maschinenbaus in
eine Vorreiterrolle geschlüpft, denn erst wenige Betriebe haben erkannt, welch großer Nut-
zen damit zu erzielen ist. Nachahmung dringend empfohlen…

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Über Lino

Mehr als 50 Mannjahre Entwicklungs- und Projekterfahrung investiert Lino GmbH in die Be-
treuung von Unternehmen der Investitionsgüterindustrie. Das System- und Beratungshaus
hat sich auf praxistaugliche Technologieberatung, 3D-CAD und die Integration mit Softwa-
re-Produkten aus den Bereichen Konfiguration, FEM, PDM/PLM, ERP und Klassifikation fo-
kussiert, wobei auch MultiCAD-Systeme wie z.B. SolidWorks unterstützt werden.

Lino ist seit Ende 2007 autorisierter Tacton Partner und seit 2008 weltweit einziger Tacton-
Works Certified Service Partner. Das Mainzer Unternehmen hat sich in den letzten 4 Jahren
zum wichtigsten Tacton Partner im deutschsprachigen Raum entwickelt und betreut heute
weit mehr als die Hälfte der installierten Kundenbasis in Deutschland, Österreich und der
Schweiz. Lino unterhält darüber hinaus Partnerschaften mit SpaceClaim Corp., Luxion Inc.,
Simus Systems sowie allen Solidworks Resellern in Deutschland.

www.hilge.com

www.lino.de

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Konfiguration macht’s möglich:
Flexibler Einsatz mechatronischer Bausteine

Kürzlich gab Aucotec, einer der großen ECAD-Anbieter, eine Pressemitteilung he-
raus, welche all jenen 50 Prozent Ersparnis an Projektierungszeit in Aussicht stellt,
welche mit mechatronischen Bausteinen arbeiten, anstatt immer wieder von vorne
zu beginnen. Die Bausteine sollen dabei in den Autorensystemen der verschiedenen
Disziplinen entstehen und abgelegt sein. Die Zusammenbindung erfolgt dann über
ein Konfigurationssystem.

Lego ist das unübertreffliche, aber im industriellen Umfeld nicht erreichbare Bausteinsys-
tem: Alles passt zu allem, nichts muss extra gefertigt werden.

Diese völlige Einfachheit wird man natürlich nicht schaffen, wenn es um Maschinen oder
gar ganze Industrieanlagen geht. Aber man kann auch hier vieles tun. Vieles voraus den-
ken, austesten und dann zur allgemeinen Verwendung bereitstellen. Das ist noch recht ein-
fach, wenn dabei nur eine Disziplin mitspielt. Müssen aber mehrere Disziplinen mitarbei-
ten, Mechanik, Elektrik, Hydraulik, Pneumatik, Software etc., dann ist schon die eindeutige
Definition nicht ganz einfach.

Darum geht es aber: Mechatronische Bausteine zu schaffen, die komplett immer wieder
genutzt werden können.

Voraussetzung: Intelligente, objektorientierte CAx-Systeme

Um die angesprochenen Bausteine zu realisieren, kommt man mit früheren Generationen


von CAD-Systemen nicht mehr weiter. Das trifft sowohl auf die mechanische wie auch auf

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die elektrische Seite zu. Ein „dummer Geometriehaufen“, Linien, die erst im Kopf des Bet-
rachters zu Leitungen werden, lassen sich nicht automatisieren.

Moderne, objektorientierte, parametrische und Datenbank-basierte CAD-Systeme sind je-


doch bestens dafür geeignet. Aucotec selbst verfügt mit Engineering Base genau über ein
solches System. „Wenn auch Engineering Base heute noch keine so große Marktdurchdrin-
gung hat, so repräsentiert es doch ganz klar unsere Zukunftsstrategie“, so Norbert Ott,
Produktmanager bei Aucotec.

In Engineering Base werden nicht


nur die grafischen Symbole, wie
bei herkömmlichen Systemen, son-
dern die Anlagenobjekte selbst,
wie z. B. Geräteanschlüsse und
Leitungen, aber auch strukturierte
Objekte, wie Orte, Funktionen und
Topologien, im Datenmodell gehal-
ten. Das bietet erhebliche Vorteile
für die Bearbeitung: Projekte kön-
Die Grafik zeigt die Funktionsstruktur eines mechatronischen Systems, mit
nen strukturiert und Geräte be- den unterschiedlichen Sichten der daran beteiligten Disziplinen.
schrieben werden, völlig unabhän-
gig davon, ob und in welcher
Form sie grafisch dargestellt werden.

Alle Objekte, Dokumente, sogar Fremddokumente werden in einer Datenbank sicher ge-
speichert.

Engineering Base verknüpft alle Daten miteinander. Von der Planung bis zur Inbetriebnah-
me greifen die Bearbeiter aller Disziplinen auf die gleichen Daten zu. Das unterstützt auch
die Parallelisierung von Arbeitsvorgängen optimal.

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Engineering Base kann, neben allen elektrotechnisch relevanten, auch die Daten anderer
Autorensysteme verwalten und erlaubt die simultane, Disziplin- übergreifende, Bearbei-
tung.

Durch die mehrstufige Client-Server-Architektur lässt sich Engineering Base von der Unter-
nehmenslösung bis hin zu einem portablen Einzelplatz einsetzen.

http://www.protolabs.de

Multidisziplinäre Bausteine

Solche Komponenten können ganze Funktionsbausteine sein, z. B. ein Greifer samt Steue-
rung, Mechanik, Hydraulik und Software-Programmierung, aber auch kleinere Einheiten
wie Teilschaltungen. Sie werden ein Mal projektiert und dann für zigfache Wiederverwen-
dung in der Datenbank gehalten. Änderungen müssen nur dort einmalig eingegeben wer-
den, der nächste User erhält sicher den neuesten Stand.

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Bislang wird meist ein altes Gesamtprojekt kopiert und den individuellen Kundenwünschen
angepasst. Doch damit nimmt man alle Fehler, die bei der Inbetriebnahme des Ursprungs-
projekts behoben wurden, wieder mit, ebenso wie veraltete Komponenten. Mit dem funkti-
onalen Baukasten-Prinzip lässt
sich einfach und schnell eine
Maschine oder Anlage aus aktu-
ellen, qualitätsgeprüften Mechat-
ronik-Komponenten zusam-
menstellen; ein komfortables Va-
rianten- und Optionen-Handling
hilft dabei.

Bei dem Aufbau der Funktions-


Umfangreiches Wissen steckt im Konfigurator. bausteine kommt es auf die
‚Granularität’ an. Norbert Ott: „
Wenn ich den Baustein zu klein
gestalte, lande ich wieder beim einzelnen Schalter und habe hinterher annähernd so viel
Arbeit wie beim Neuaufbau. Definiere ich hingegen die Bausteine zu groß, werde ich beim
Aufbau der Kundenprojekte zu unflexibel.“

Ein zweiter Punkt muss ebenfalls beachtet werden: Nur wenn es gelingt, Mitarbeiter aller
Disziplinen an einen Tisch zu be-
kommen und nur wenn es diese
lernen, eine einheitliche Sprache
‚zu sprechen’ wird es gelingen,
mechatronische Bausteine wirk-
lich funktionstüchtig zu entwi-
ckeln. Dies wird umso besser ge-
lingen, je deutlicher sich die Fir-
menleitungen hinter so ein Pro-
jekt stellen.

Aufbau eines Produktmodells im Konfigurationssystem.

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Sind die Bausteine in allen Disziplinen klar definiert, müssen sie natürlich auch erstellt wer-
den. Das geschieht, laut Norbert Ott, „in den jeweiligen Autorensystemen.“

Woher kommt aber dann der multidisziplinäre Zusammenhalt?

Im Konzept von Aucotec soll das über ein Konfigurationssystem geschaffen werden. Dort
liegen alle Regeln, Formeln und Tabellen, welche die Bausteine, aber auch die kompletten
Maschinen oder Anlagen beschreiben.

Konfiguration – automatische Erzeugung auch komplexer Produkte

„In Sachen Konfiguration haben


wir uns für den Konfigurator P’X5
von Perspectix entschieden“, er-
läutert Norbert Ott. „Dieser Konfi-
gurator kann mit Bausteinen si-
cher umgehen und benötigt nicht
erst ein Mastermodell, auch 150
Prozent-Modell genannt.“

P’X5 erlaubt für die technische Pro- Aufbau eines Funktionsbaukastens für eine Anlage.

jektierung unter anderem:

* Regelbasierte technische Ausle-


gung

* räumliche Modulverbauung und Aufstellungsplanung

* Bearbeitung von Projektstrukturen, Stücklisten und Aufstellplänen

* Multi-CAD-Schnittstellen

* Stücklistenübergabe für Projekt- und Auftragsplanung

Das Konfigurationssystem kann aber auch für andere Aufgaben eingesetzt werden, etwa
im Produktmanagement, Vertrieb oder Service.

25
P’X5 bildet als standardisierte Software Suite die technische Basis, für kundenspezifische
Konfigurationslösungen.

Die Perspectix AG hat ihren Hauptsitz in Zürich. Das 1996 gegründete Unternehmen hat
aktuell 25 Mitarbeiter.

Aufwand und Nutzen

Sowohl die Definition und Ausformulierung von


mechatronischen Bauteilen, als auch der Aufbau
eines Konfigurators, mit der Hinterlegung aller For-
meln, Regeln usw. benötigen Zeit, Manpower und
somit Geld. Hier redet man bei komplexen Produk-
ten eher von 1 bis 2 Jahren als von 1 bis 2 Mona-
ten. Bei Teillösungen kann es auch schneller ge-
hen. Dies zu investieren, muss ein Unternehmen
bereit sein!

Die Investition lohnt sich aber: Dem Aufwand ste-


hen folgende Nutzen gegenüber:

•Engineering-Zeit sinkt auf 50 bis 80 Prozent der


bisherigen Zeiten
•Reduktion von Fehlern und Folgekosten von 70 Norbert Ott, Produktmanager bei Aucotec.
bis 100 Prozent. Was bei der Konfiguration einmal
stimmt, stimmt immer!
•schnellere Reaktion auf Kundenanfragen – Angebotserstellung oftmals in wenigen Stun-
den, wie Praxiserfahrungen zeigen
•verbesserte Qualität
•bessere Vertriebskommunikation
•Durchgängigkeit bis in die Werkstatt möglich
•automatische Dokumentationserstellung

26
Insgesamt ergeben sich recht kurze Zeiten für den Return of Invest. Ein Beispiel aus der
Praxis (siehe CAD.de/Newsletter 05/2011) zeigte einen kompletten Rückfluss der investier-
ten Mittel bereits nach 40 bis 50 Konfigurationen! Da freuen sich dann auch die Kaufleute.

P.S.: Dem immer dramatischer werdenden Personalmangel in den Konstruktionsabteilun-


gen kann so ebenfalls ein Stück weit entgegen gewirkt werden.

Über Aucotec

Die Aucotec AG entwickelt Engineering Software für den gesamten Lebenszyklus von Ma-
schinen, Anlagen und mobilen Systemen – mit mehr als 25 Jahren Erfahrung. Die Lösun-
gen reichen vom Fließbild über die Leit- und Elektrotechnik in Großanlagen bis zum modula-
ren Bordnetz in der Automobilindustrie.

Zur Aucotec AG mit Zentrale in Hannover gehören in Deutschland noch zwei weitere Ent-
wicklungsstandorte in Frankfurt und Konstanz, regionale Vertriebs- und Supportniederlas-
sungen sowie ein globales Netzwerk von Tochterunternehmen und Partnern.

www.aucotec.com

www.perspectix.com

27
4
Zeitsparmaschine: „Amortisation
nach 40 bis 50 Konfigurationen“
Um fehlendes Personal zu kompensieren, um schneller zu werden, um Fehler zu ver-
meiden, ist es in den nächsten Jahren notwendig, in der Konstruktion zu automati-
sieren. Das Werkzeug dazu heißt Konfiguration. Anfang März 2011 veranstaltete die
Solidline AG dazu ein interessantes Seminar.

Jeder, der schon einmal als Konstrukteur gearbeitet hat, weiß, dass auch hier gilt: 10 bis
20 Prozent Inspiration und 80 bis 90 Prozent Transpiration. Will heißen, es gibt sehr viel
Routinearbeit zu erledigen. Immer die gleichen Abläufe, um ähnliche Modelle zu erzeugen,
zu variieren, Zeichnungen abzuleiten, unterschiedliche Zeichnungsformate zu erzeugen,
die immer gleichen Auslegungsberechnungen vorzunehmen und vieles mehr.

Das können wir uns hier in Mitteleuropa nicht mehr lange leisten. Nicht nur aus Wettbe-
werbsgründen, nicht nur um schneller und perfekter zu werden, vor allem auch deswegen,
weil uns das nötige Fachpersonal zunehmend fehlt.

Wer in einer abgelegenen Gegend ein Unternehmen betreibt und einen Ingenieur sucht,
weiß heute schon ein Lied davon zu singen. Und viele Ingenieure gehen in den nächsten
Jahren in Pension.

Darum wird den meisten Firmen, die eine eigene Konstruktion haben, nichts anderes übrig
bleiben, als bald in die Automatisierung einzusteigen. Dass es sich lohnt, berichten Anwen-
der, die diesen Schritt schon vollzogen haben auf dem erwähnten Seminar. Es wurde von
Solidline initiiert und gemeinsam mit Solidworks und Tacton in München durchgeführt.

28
Zwei Jahrzehnte Forschungsarbeit

Die Tacton Systems AG, ein schwedisches Unternehmen, blickt zurück auf rund 20 Jahre
intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich Produktkonfiguration und wis-
sensbasierter Systeme.

Beispiel einer Konfiguration mit Tactonworks

Daraus ist schließlich der „Tacton Configurator“ entstanden, der Ende der 90er Jahre auf
den Markt kam. Heute automatisiert diese Software Vertriebs- und Produktkonfigurations-
prozesse, einschließlich Preiskalkulationen, Angebotserstellung, Generierung von Stücklis-
ten und vielen weiteren Dokumenten. Das System integriert sich in CAD-, PDM- und ERP-
Systeme. Eine besonders enge Kopplung besteht zu Solidworks als „Tactonworks“.

29
Überschaubare Komponenten

Tactonworks gliedert sich in mehrere, für den Anwender gut überschaubare Module. Die
wichtigsten davon sind Tactonworks Studio und Tactonworks Engineering.

Mit dem Modul „Studio“ erstellt der Anwender das Konfigurationsmodell innerhalb der So-
lidworks-Oberfläche. Dabei können ohne Programmierkenntnisse über Geometrie, Regeln,
Formeln, Tabellenzugriffe etc. die Möglichkeiten einer Konfiguration festgelegt werden. Der
Lernaufwand für die Bedienung ist recht gering und wird mit ein bis zwei Tagen angege-
ben.

http://www.cadfem.de/cadfem-journal

„Engineer“ ist ein Solidworks Add-In, welches Tactonworks direkt in die Solidworks Benut-
zeroberfläche integriert. Dieser Baustein dient dazu, alle möglichen Parameter für eine kon-
krete Konfiguration auszuwählen oder einzugeben. Der Komfort geht dabei sogar so weit,
dass man die Änderung einer Konstruktion per Schieberegler veranlassen kann. Nach je-
der Konfiguration entstehen vollständige Unterlagen: 3D-Modelle, Zeichnungen, verschie-

30
dene Zeichnungsformate, Stücklisten, Einträge ins ERP-System, ja sogar komplett ablaufä-
hige NC-Programme – Fehler ausgeschlossen. Wenn die Konfiguration einmal stimmt,
stimmt sie immer.

Ein konkretes Beispiel

Ein schon mit Tactonworks realisiertes Beispiel, das in München vorgetragen wurde, kam
von der Firma Erhardt & Leimer GmbH, Stadtbergen bei Augsburg. Das Unternehmen baut
Automatisierungs- und Inspektionstechnik für alles, was in und von Bahnen gefertigt wird:
Papierbahnen, Kartonbahnen, Folienbahnen etc. Erhardt & Leimer hat rund 400 Mitarbei-
ter, die in der Zentrale und weiteren 15 Niederlassungen arbeiten.

Die Schwaben arbeiten mit Solidworks, (weltweit 40 Lizenzen), mit SAP ECC als ERP-Sys-
tem und mit Porta~X als Schnittstelle zwischen beiden Welten, womit dann auch die PDM-
Funktionalität sichergestellt ist.

Auslöser für das Automatisierungsprojekt war, nach Worten von Michael Spatz, Gruppenlei-
ter Mechanik und Entwicklung, „die wachsende Beanspruchung der Konstruktion, weil die
Anforderungen in der Konstruktion und Entwicklung, in der Projektierung, im Vertrieb, von
Tochterniederlassungen und von Kunden immer häufiger ein schnelles aber auch zeitauf-
wändiges Erstellen von CAD-Daten mit unterschiedlichsten Kriterien verlangen.“

Nur als Schlaglicht: Ein Band- Mess- und Regelsystem kann theoretisch über 32 000 Vari-
anten haben.

Mit Hilfe von Tacton und in der Ausführung der Solidline AG, wurde also ein Projekt gestar-
tet, um Tactonworks einzuführen.

Michael Spatz beschreibt dazu sechs Themenfelder:

* Benutzerbibliothek,

* Produktbibliothek mit CAD-Konfiguration

31
* Erstellen von 3D CAD Variantenmodellen mit Anbindung an SAP

* Erstellen von 3D CAD-Model-


len aus der SAP-Variantenkon-
figuration

* Auslegung (Berechnung) von


Bauteilen mit grafischer Ergeb-
nisanzeige und

* Füllen von Variantenzeich-


nungen (offene Maße) mit auf-
tragsabhängigen Werten

Mit diesen Vorgaben wurden


Tactonworks Studio (1x) und
Tactonworks Engineer (2x) ein- Michael Spatz, Gruppenleiter Mechanik und Entwicklung, bei der Erhardt &
geführt. Die dazugehörige Pro- Leimer GmbH, die Tactonworks bereits mit Erfolg eingeführt hat.

jektarbeit von Tacton/Solidline


bezeichnet Michael Spatz als „hervorragend“.

Das Ergebnis: Wenn eine Kundenanfrage (Angebot und 3D-Modell) bisher in 3 bis 14 Ta-
gen beantwortet werden konnte, so gelingt das heute in weniger als 1 Tag! Oder anders
ausgedrückt: „Aus 10 Stunden Arbeitszeit wurde 1 Stunde“, so Spatz.

Damit lässt sich auch die Amortisation der Aufwendungen gut


beziffern: Durch nur 40 bis 50 Konfigurationen ist alles „be-
zahlt“.

www.erhardt-leimer.de

32
5
Tacton Configurator: Automatisierung der
Konstruktion mit Pluseffekten für Vertrieb und Produktion

Die HT Labor- und Hospitaltechnik AG hat ergänzend zu Solidworks den Tacton Con-
figurator eingeführt. Das mittelständische Unternehmen will damit nicht nur die Kon-
struktion stark automatisieren, sondern auch Vorteile für den Vertrieb und die Pro-
duktion realisieren. Die ersten Ergebnisse sind sehr positiv.

Operationssaal, geplant und realisiert von der HT Labor- und Hospitaltechnik AG.

Zeit- und Kostendruck, aber auch Ingenieurmangel, zwingen Unternehmen dazu, in den
nächsten Jahren über die Automatisierung auch der Konstruktion nachzudenken. Eine
Hauptrolle dabei werden so genannte Konfigurationen spielen. Sie stehen mittlerweile als
Tools bereit und sind auch genügend ausgereift. Wer hier frühzeitig einsteigt, wird klare
Wettbewerbsvorteile erringen.

33
Eines der Unternehmen, die früh diesen Trend erkannt haben, ist die HT Labor- + Hospital-
technik AG in Heideck, Mittelfranken. Die heutige Aktiengesellschaft hat ihre Wurzeln in
den frühen 60er Jahren, als Vorläuferunternehmen bereits mit der Edelstahlfertigung begon-
nen haben und auch schon Schiebetüren für Krankenhäuser bauten.

http://www.keytech.de

Über mehrere Stufen hinweg: Hospitaltechnik GmbH, Optiz + Flierl GmbH, Opitz + Flierl
Hospitaltechnik AG entstand im Jahr 2010 die HT Labor- + Hospitaltechnik AG mit derzeit
175 Mitarbeitern

Technisch gesehen entwickelten sich die Franken vom Edelstahl-Türenhersteller zum Aus-
statter kompletter Operations- und Laborbereiche. Mittlerweile agiert man weltweit – auch
in den entlegendsten Ländern.

34
Aus dem Produktspektrum kann man schon ableiten, dass das Produktprogramm sehr
stark variiert und dass der Hersteller äußerst flexibel sein muss. Zwei gleiche Projekte gibt
es praktisch nicht. Wohl aber einen Baukasten, auf den die Spezialisten jeweils zurückgrei-

Edelstahl ist der bevorzugt verwendete „Baustoff“ bei HT, hier ausgeführt als
Laboreinrichtung.

fen können. „Eine der Stärken von HT liegt in der Komplettabwicklung von Projekten: Bera-
tung, Planung, Konstruktion, Fertigung, Montage und Service liegen in einer Hand“, sagt
Thomas Fritsch, Leiter Vertrieb und Entwicklung und Vorstand bei HT.

Dazu sind vielfältige Kompetenzen etwa für Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Reinluft,
Kenntnisse in Messen, Steuern, Regeln und natürlich für die Konstruktion und Herstellung
der Komponenten, meist aus Edelstahl, zunehmend auch aus Glas, nötig.

Die eigene Produktion hat einen klaren Schwerpunkt in der Blechbearbeitung. Eine neue
vollautomatische Anlage (siehe Bild) ist so produktiv, dass sich nun auch die Konstruktion
herausgefordert sieht, neue Aufträge entsprechend schnell für die Produktion fertig zu stel-
len. Mit ein Grund, den Konfigurator einzuführen.

35
Die bisherige CAD/CAM-Situation

„In Sachen CAD haben wir mit dem 2D-System ME 10 begonnen. Auch in dieser System-
welt haben wir schon automatisiert, was nur möglich war“, so der Konstrukteur Ulrich Rei-
chert, der heute auch verantwortlich für die Einführung von Tacton Configurator ist.

Schiebetürenanlage, links in Tactonworks, rechts als 3D- Modell in Solid-


works. Beide Bereiche sind integriert.

Natürlich ist man mit 2D irgendwann an die Grenzen gestoßen und hat ab 2004 Solidworks
als 3D-System eingeführt. Noch immer werden beide Systeme parallel genutzt, „aber mit
dem klaren Ziel ME 10 ganz abzulösen“, so Ulrich Reichert. Zurzeit betreibt HT 15 Solid-
works Arbeitsplätze.

Im CAM-Bereich setzt man Wicam ein, um die NC-Programme für die Blechteile wie auch
die Schachtelungen auf den Blechtafeln zu erstellen.

Darüber hinaus hat HT ein neues ERP-System von Bäurer eingeführt, „welches bis Ende
2010 auch mit dem Konfigurator verbunden sein soll“, wie der Konstruktionsleiter, Stefan
Burmann ausführt.

36
Ein weiteres CAx-System spielt eine große Rolle im Haus, nämlich ein 3D-System für Pla-
nung und Präsentation. Es erlaubt HT, Objekte zum Beispiel einen Operationssaal, kom-
plett in 3D aufzubauen und fotorealistisch darzustellen, so dass Ärzte, Oberschwestern Kli-
nikleiter etc. einen realistischen Eindruck ihrer zukünftigen Arbeitswelt erhalten. So können
sie Änderungswünsche frühzeitig einbringen und dazu beitragen, dass Vorstellung und
Wirklichkeit tatsächlich übereinstimmen. Somit besteht Planungssicherheit.

Sozusagen „on the top“ wird nun Tacton Configurator eingeführt. Was sprach für dieses
System? Dazu Stefan Burmann: „Am meisten sprach für Tacton die enge Integration in So-
lidworks, in Form von Tactonworks. Mit ausschlaggebend war aber auch die in den Augen
unserer Mitarbeiter einfachere Bedienung als bei anderen Systemen. Da wir nur Solid-
works haben spielt die Integrationsfähigkeit in eine Multicad-Umgebung keine große Rol-
le.“

Ein Blick auf die Benutzeroberfläche des eingesetzten CAM-Systems, Wicam,


das ebenfalls mit dem Konfigurator verbunden ist.

Weitere Vorteile werden in der Nutzung nur einer Datenbank, der guten Regelerstellung
und –verwaltung, der standardmäßigen Ausgabe von Excel-, Word- und Textdateien, der

37
ERP-Anbindung und in der Möglichkeit Tacton Configurator Site Application, auch ohne
Solidworks nutzen zu können gesehen.

Betreut wird HT von dem deutschen Tacton-Händler Lino GmbH, Mainz.

Der Tacton Configurator

Die Software-Suite Tacton Configurator- bietet für jede Anforderung die entsprechende
Konfigurationsfunktionalität und unterstützt sowohl Vertriebs- und Auftragsabwicklung, als
auch Techniken zur kundenindividuellen und modularen Produktenwicklung. Der Einsatz
von Tacton Configurator kann online als auch offline, eigenständig oder eingebettet, wie
z.B. mit E-Commerce, ERP-, CRM-, PLM- und CAD-Systemen, eingesetzt werden.

Als Tactonworks, ist der Konfigurator direkt in Solidworks intergriert. Die Direktintegration
bietet folgende Vorteile:

* Ingenieure können schnell kundenspezifische 3D-Modelle und Zeichnungen für Angebo-


te und Fertigung erstellen und konfigurieren.

* Routineaufgaben bei der kundenspezifischen Konstruktion werden automatisiert sowie


manuelle Konstruktionsänderungen in einen Konstruktionsprozess integriert.

* Die Migration von 2D nach 3D wird vereinfacht, denn anstatt alte Zeichnungen immer wie-
der neuen Anforderungen anzupassen, können Zeichnungen leicht aus individuell generier-
ten 3D-Modellen abgeleitet werden.

* Tausende von Produktvarianten können mittels Stapelverarbeitung automatisiert als ei-


genständige CAD-Dateien erstellt werden.

* Web-Benutzer können interaktiv individuelle Produkte konfigurieren und die dynamisch


erzeugten CAD-Dateien und Bilder ihrer so spezifizierten Produkte anzeigen oder herunter-
laden.

Die Tacton Configurator Site Application basiert auf dem Tacton Configurator Server und
ist unabhängig von einem expliziten CAD- Arbeitsplatz. Die Software verfügt über alle not-
wendigen Funktionen für den Vertrieb konfigurierbarer Produkte und kann sowohl vom in-

38
ternen Vertrieb, von Händlern sowie auch Endkunden bedient werden. Die Anwenderprofi-
le bestimmen dabei, welche Preislisten und Sprachen benutzt werden, sowie wer gespei-
cherte Konfigurationen, Preise, Rabatte, etc. einsehen oder ändern darf. Die Benutzerober-
fläche kann programmierfrei mit Style-Sheets angepasst werden.

Soviel in Kürze zu dem Produkt selbst.

Das automatische Blechbearbeitungssystem bei HT in Heideck.

Der Projektablauf

Das intensive Befassen mit dem Thema „Konfigurationseinführung“ begann bei HT Anfang
2009. „Nach einigen Tests mit dem in Solidworks integrierten Konfigurator, DriveWorksX-
press, die positiv verliefen, gab es ein Initialgespräch mit unserem CAD-Lieferanten, Uni-
cam. Daraufhin sind wir in die aktive Systemsuche eingetreten“, erinnert sich Ulrich Rei-
chert.

Intensive Systemvorführungen und auch Referenzbesuche folgten in den nächsten Mona-


ten. Im Oktober 2009 stand fest: HT geht mit Tacton und beginnt mit einem Pilotprojekt.
Dementsprechend erfolgte eine dreitägige Schulung bei Lino, die Reichert als sehr effektiv
bezeichnet, „weil wir schon direkt an unserm Pilotprojekt gearbeitet haben: eine zweiflügli-
ge Schiebetürzarge.“

39
„Dieses Pilotprojekt lief zu unserer Zufriedenheit und hat den positiven Eindruck verstärkt,
den wir schon bei den Vorführungen hatten“, stellt Florian Trautnitz fest, Konstruktionsmit-
arbeiter und zuständig für die Umsetzungen der HT-Ideen in Tacton.

Neben TactonWorks wurde auch TCsite getestet, ein System, welches Produktvarianten
direkt in Fertigungsinformationen umsetzt, ohne einen CAD-Arbeitsplatz zu benötigen. Es
arbeitet mit einer Web-Oberfläche und kann daher von jedem Berechtigten von jedem Ort
aus bedient werden. „Das ist besonders günstig für die direkte Anbindung des Vertriebs“,
sagt Thomas Fritsch und Stefan Burmann ergänzt: „Stellen Sie sich vor, ein Vertriebspart-
ner in Mexico gibt heute eine Tür in dieses System ein und morgen kann die bei uns schon
in der Fertigung laufen, ohne Zwischenstufen!“ Darin steckt natürlich, außer der Konstrukti-
onsautomatisierung ein enormes Potenzial.

HT beschloss daraufhin, beide Produkte von Tacton, Tactonworks und TCsite einzuführen.

Über TCsite sollen später 70 Prozent der Projekte abgewickelt werden, über TactonWorks
rund 30 Prozent. Im letzten Fall, mit CAD, kann noch eingegriffen und Sonderkonstruktio-
nen oder Neukonstruktionen eingefügt werden.

Aktueller Stand

Der aktuelle Stand ist so, das die 2-flüglige Schiebetürzarge nun produktiv läuft. Bereits
drei Aufträge konnten über diesen Weg abgewickelt werden. Mit einer sehr bemerkenswer-
ten Zeitersparnis: Der früheren 1-stündigen Bearbeitungszeit stehen jetzt in etwa 10 bis 12
Minuten gegenüber. Da steckt also der Faktor 5-6 drin! Zusätzlich konnten wir die Bearbei-
tungszeit in der CNC-Programmierung von herkömmlich

ca. 20 Min. pro Türanlage durch Anbindung über Wicam DXF-Autoloop auf ca. 10 Min. re-
duzieren.

Durch eine im nächsten Schritt geplante direkte Datenübergabe zur Wicam Variante ent-
fällt die NC-Programmierung der Einzelteile fast komplett, da nur noch eine maschinenspe-
zifische Tafelbelegung (Verschachtelung) stattfinden muss. 

Schon hier zeigt sich, was möglich ist, ohne dass alle Abläufe bereits optimiert wären.

40
Folgende Punkte wurden bis jetzt ebenfalls noch erreicht:

* Hinzufügen und Erweitern bestehender Optionen

* Ausgabe einer DXF-Autoloop-Datei für den automatischen Import in das Wicam CNC-
System

* Optimierung der Abläufe, bevor sie in Tacton „einprogrammiert“ werden

* Optimierung der Zeichnungserstellung

* Spezifikation der ERP-Schnittstelle in Zusammenarbeit mit dem ERP-Hersteller und Lino.


Durch die Kopplung mit ERP, wird sich die Zeit für die Erstellung einer Stückliste um 75%
reduzieren.

Als nächste Aufgaben der Umsetzung in den Konfigurator sehen die Heidecker die Schie-
betürenanlage 1-flüglig und Metall-Schrankanlagen.

Das Projekt wird von Lino zur großen Zufriedenheit der HT-Spezialisten betreut. Auch Tac-
ton selbst hat sich bereits in Heideck sehen lassen, so dass der Informationsfluss mittler-
weile nicht nur vom Hersteller zum Anwender, sondern auch umgekehrt vom Anwender
zum Hersteller läuft.

Darum schließt Vorstandsmitglied Fritsch das Gespräch sehr optimistisch ab: „Wir haben
auf das richtige Pferd gesetzt.“

41
Die Gesprächspartner (v.r.n.l.): Thomas Fritsch, Ulrich Reichert,
Stefan Burmann und Florian Trautnitz.

Über Lino

Lino ist die kurze, sprech- und merkbare Abkürzung für „Leading Innovation“.

Mehr als 50 Jahre Entwicklungs- und Projekterfahrung setzt Lino ein in die Betreuung von
Unternehmen in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Verpackungstechnik, Automa-
tisierungstechnik, Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Medizintechnik, Kunststoff- und Holzindust-
rie sowie Design- und Ingenieurdienstleistung.

Das Systemhaus bietet praxistaugliche Technologie-Beratung und implementiert bei Kun-


den im IT-, Entwicklungs- und Fertigungsumfeld innovative System-Lösungen. Lino hat
sich auf Premium F&E-Beratung, 3D-CAD und die Integration mit Produkten aus den Berei-
chen Konfiguration, FEM, PDM/PLM, ERP und Klassifikation fokussiert, wobei auch Multi-
CAD-Systeme wie z.B. SolidWorks unterstützt werden.

www.hospitaltechnik.de

www.lino.de

42
43
6
Regelbasierte Konstruktion: Alles
steht bereit
Siemens hat in den letzten Jahren stark in Tools in-
vestiert, die den Anwendern helfen, die Konstruktion
zu automatisieren, aber auch weit darüber hinaus
ganze Prozesse vom Vertrieb über die Konstruktion,
bis zur Produktion. Diese Software-Pakete sind nicht
mehr im Prototypenstatus, sondern stehen für den
sofortigen Einsatz bereit. Bisherige Referenzen zei-
gen, sie bringen großen Nutzen.

Die Regelbasierte Konstruktion, auch Konstruktionskonfiguration genannt, bzw. der Ein-


satz von Konfiguratoren für ganze Prozesse, wird - besonders in Mitteleuropa - dringend
gebraucht. Damit ist es möglich, den Termin- als auch den Kostendruck, unter dem die
meisten Firmen heute stehen, zu mildern. Ferner hilft es die Situation, technisches Fach-
personal zu bekommen, zu entspannen. Darüber hinaus gibt es weitere positive Effekte
wie O-Fehler, oder der automatische Eintrag von Daten in andere Systeme, die automati-
sche Anfertigung von beliebigen Dokumenten, usw.

Am Ende enthalten Konfigurationslösungen, wie sie auch mit Tools von Siemens aufge-
baut werden können, die gesamte Logik eines Produkts, so dass daraus eben

• die Kalkulation
• Angebotszeichnungen
• 2D- und 3D-Modelle
• Fertigungszeichnungen
• Stücklisten

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• NC-Konturen
• Einträge ins PDM- und ERP-System
• MKS und FEM Simulationen

abgeleitet werden können, um nur das Wichtigste zu nennen.

Peter Scheller, Marketing Direktor NX für den Bereich D/A/CH.

Natürlich muss dieses alles erst erstellt und aufgebaut werden. Das bedeutet Aufwand,
Zeit und Personal. In aller Regel sind Firmen dabei gut beraten, sich in dieser Phase helfen
zu lassen, bei den nötigen Analysen, bei der Schulung, bei den ersten Prototypen. Das
kann der Software-Hersteller machen, Siemens bietet das entsprechende Portfolio an, o-
der evtl. auch ein externer Dienstleister.

Wie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, möchte etwa die Hälfte der Anwenderfirmen
das KnowHow für den Aufbau wissensbasierter Plattformen selbst im Haus haben; die an-
dere Hälfte zieht es vor, komplett fertige Konfiguratoren zu kaufen (die natürlich nach Be-
darf maßgeschneidert werden müssen) und nur zu nutzen. Beide Wege sind möglich.

45
Nun zu den konkreten Software-Produkten, die Siemens anzubieten hat:

Knowledge Fusion

Die Vorläuferorganisation von Siemens PLM Software, UGS, hat vor rund 10 Jahren eine
komplette Basisplattform für die Wissensbasierte Konstruktion „Intent“ von der Heide

Repräsentation eines Freistichs in Knowledge Fusion.

Corp. gekauft und in sein CAD/CAE/CAM-System (damals Unigraphics V 17, heute NX) in-
tegriert.

Dazu muss man wissen, dass die Heide Corp. unter Leitung von Scott Heide, über die
wohl langjährigste Erfahrung in diesem Umfeld verfügte: Heide und andere Mitarbeiter ka-
men nämlich von ICAD, wo sie bereits Mitte der 80er Jahre, als erste, ein CAD-System auf
Regelbasis (gleichen Namens) verwirklicht hatten.

Dieses Intent, im Kern eine sehr effektive Konstruktionsbeschreibungssprache, ist

• Regelbasierend (demand driven)


• Objektorientiert und
• Interpretativ

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„In engster Verknüpfung mit NX wurde bei uns dann daraus ‚Knowledge Fusion’, welches
heute weiterentwickelt und ausgereift als eigenständiges Modul bereitsteht“, so Peter
Scheller, Marketing Direktor NX, für den D/A/CH-Bereich, bei Siemens PLM Software.

Mit Knowledge Fusion kann der Anwender NX-Applikationen erstellen, Intelligente Modelle
aufbauen, oder auch umfassende Konfiguratoren für Prozesse im Engineering verwirkli-
chen.

„Hierbei spielt es keine Rolle“, wie Scheller sagt, „ob man zuerst mit einem Modell in NX
beginnt und dieses dann mit Intelligenzen anreichert, oder ob der Anwender ein Objekt in
‚Intend’ beschreibt, welches sich dann in NX grafisch darstellt. Beides entspricht sich.“

Knowledge Fusion ist eine vollständig in NX integrierte Möglichkeit, intelligen-


te Teile und ganze Konstruktionen aufzubauen.

Beim Entwickeln der Regeln ist es ein großer Vorteil, dass man schon nach dem Schreiben
weniger Zeilen sehen kann, was NX damit macht. Das Objekt stellt sich dar und der Ent-
wickler kann sehen, ob es passt oder nicht.

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Einmal entwickelte Teile lassen sich wieder verwenden, und zwar auf der Ebene der Re-
geln. Hierzu ist es hilfreich, dass Knowledge Fusion eindeutige Dateinamen erzeugt. Wenn
ein gleicher Dateiname wieder auftaucht, kann der Anwender sicher sein, dass es sich
auch wirklich um das gleiche Teil handelt.

Auf diese Art und Weise lässt sich, wenn die Ziele klar sind, recht einfach eine intelligente
Konstruktion im NX-Umfeld aufbauen.

http://www.3dconnexion.de/

Um es den Anwendern, insbesondere bei komplexen Teilen, noch einfacher zu machen,


hat Siemens auf der gleichen Technologie basierend, das Product Template Studio (PTS)
entwickelt:

Das Product Template Studio ist eine eigenständige NX-Applikation zur Erstellung von Wie-
derverwendungsvorlagen für Konstruktionsteile und Baugruppen mit einem selbst definier-
ten Dialog. Es unterstützt die Festlegung, Einhaltung und Überprüfung von firmeninternen
Standards und die Definition von skalierbaren Schablonen für Bauteile auf der Grundlage

48
eines parametrischen NX-Modells. „Dabei werden mit einfacher drag & drop-Funktionalität
die Eingabemasken für die spätere Anwendung erzeugt und die notwendigen Regeln hin-
terlegt. Ebenso einfach kann auch überprüft werden, ob die vom späteren Anwender er-

Mit Product Template Studio, können komplette Teile auf einfache Weise be-
herrschbar gemacht werden.

folgten Eingaben den festgelegten Regeln entsprechen“, erläutert Peter Scheller.

Durch die Nutzung der zugehörigen Eingabemasken muss der Anwender nicht unbedingt
die Konstruktionshistorie im Detail kennen, um die vorhandene Schablone zu verwenden,
da er davon ausgehen kann, dass sie sich in der Praxis bewährt hat.

Ein großer Vorteil bei komplexen Teilen.

Peter Scheller nennt eine Automobil-Tür als Beispiel. „Ein aufwendiges Bauteil, mit tausen-
den von Parametern. Damit es nicht nur der Ursprungsentwickler, sondern auch andere be-
herrschen können, wird es durch die Umsetzung in ein Template sehr viel einfacher.

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Wizards

Für bestimmte Anwendungsbereiche von NX hält Siemens PLM Software komplette wis-
sensbasierte Konstruktionslösungen bereit, die „Wizards“ genannt werden, etwa für den
Werkzeug- und Formenbau, die Schweißkonstruktion oder die Kabelbaumverlegung.

Die Kombination aus folgerichtiger Benutzerführung und passenden Werkzeugen eröffnet


große Produktivitätsgewinne. Anspruchsvolle Aufgaben werden dank Reduzierung von
Fehlerquellen sicher und schnell erledigt. Änderungen, die sonst einen Neuaufbau erfor-
dern, werden durch vollständige Assoziativität zum Produktmodell rasch nachgezogen.
Routinearbeiten lassen sich mit Normteilbibliotheken und passenden Werkzeugen wesent-
lich beschleunigen.

Alle bisher besprochenen Lösungen sind nahtlos in NX integriert. Um aber auch komplett
davon unabhängige und weiter greifende Lösungen zu machen, hat Siemens eine weitere
Software und auch deren Namensrechte, gekauft:

Rulestream Engineering-to-Order

Rulestream Engineer-to-Order-Lösung von Siemens begegnet den Herausforderungen der


Engineer-to-Order (ETO-) Hersteller mit einem umfassenden Ansatz, der den Vertrieb, die
Konstruktion und die Fertigung umfasst. „Durch die Erfassung und Nutzung des Konstrukti-
ons-Know-hows zur Automatisierung der wichtigsten Geschäftsprozesse im gesamten Un-
ternehmen konnten die bisherigen Kunden von Rulestream Engineer-to-Order ihre Ver-
kaufszahlen und Gewinnraten steigern, dabei die internen Betriebsausgaben reduzieren so-
wie die Vorlaufzeiten für kundenspezifische Produkte verkürzen“, heist es von Siemens.

Die Lösung lässt sich nahtlos in bestehende ERP-, PLM- und CAD-Systeme integrieren
und hilft so Herstellern kundenspezifischer Produkte bei der schnelleren , präziseren und
effizienteren Bearbeitung kundenspezifischer Aufträge.

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Zentrale Features sind:

•Eine zentrale Datenbank für das ETO-Produktwissen, die durch eine Regelkonfigurations-
verwaltung sowie Berichts- und Analysefunktionen einfach zu nutzen ist
•Flexible Bereitstellungsmöglichkeiten durch Web-, Rich- und Offline-Client
•Umfassende Integration von CAD, PLM, ERP, CRM und Microsoft Office
Für das gesamte Unternehmen skalierbar

Rulestream ermöglicht die regelbasierte Erzeugung wichtiger Unterlagen für Vertrieb und
kundenspezifische Entwicklung entsprechend den Randbedingungen von Konstruktion
und Fertigung. Die Software kann sowohl mit Entwicklungstools als auch mit Geschäftssys-
temen (einschließlich CAD, PLM, CRM und ERP) verwendet werden.

„So etwas ins Unternehmen zu bringen, ist nicht trivial“, meint Scheller, „wir bieten daher
umfangreiche Analysen beim Anwender an, darauf aufbauend Zieldefinitionen, die Festle-
gung der Vorgehensweisen und der Meilensteine, sowie natürlich auch alle nötige Soft-
ware und dann die Umsetzung an.“

Scheller sieht den Einsatz nicht nur im Maschinen- und Automobilbau, sondern auch „bei
der Einrichtung von Läden oder ganzen Fabriken“.

Er ist sich sicher, dass mit solchen Tools „das Herz eines Unternehmens“ in Software auf-
gebaut wird. Darum empfiehlt er solchen Unternehmen, Wissen und Personal vorzuhalten,
die dieses „Herz“ am Schlagen halten können, sprich alle nötigen Änderungen und Ergän-
zungen machen können.

Schon nach diesem relativ kurzen Abriss über die wissensbasierten Möglichkeiten bei Sie-
mens PLM Software ist klar, dass von der technischen Seite her alles bereit steht, um so-
fort mit diesen neuen Technologien zu beginnen. Der Markt scheint noch nicht so weit zu
sein, die Nutzung ist sehr unterschiedlich. Scheller schätzt, „dass eventuell 5-10% damit
arbeiten, mehr nicht.“

Es ist also noch viel Luft nach oben, wie es so schön heißt. Wer zuerst einsteigt, kann sich
große Vorteile erarbeiten!

www.siemens.com/plm

51
7
Konfiguration technischer und vertrieblicher
Aufgaben: Durchdachte Lösungen

Konfiguration tut Not. In der Konstruktion, in der Angebotskonstruktion und im Ver-


trieb. Einer der Anbieter leistungsfähiger Konfigurationssoftware ist die Perspectix
AG, Zürich. Über Unternehmen und Software sprach der CAD.de/Newsletter mit
Mark Rosa, Mitglied der Geschäftsleitung und zuständig für Projekte und Services.

CAD.de/NL: Herr Rosa, beginnen wir das Interview mit dem Unternehmen Perspectix
selbst: Es wurde 1996 gegründet, was war das Ziel damals und wer waren die Grün-
der?

Mark Rosa: Perspectix ist ein Spinoff des Multi-


medialabors der Universität Zürich. Gründer wa-
ren Dr. Philipp Ackermann, er ist heute Ge-
schäftsführer, Dominik Eichelberg, Chef der Ent-
wicklung, Bernhard Wagner, der das Unterneh-
men aber schon vor Jahren verlassen hat und
der damalige Professor Peter Stucki.
Mark Rosa, Mitglied der Geschäftsleitung der Per-
spectix AG und zuständig für den Bereich Projekte
und Services.

Ziel der Gründung war es, die schon in den Doktorarbeiten angelegten Grundlagen zu ei-
nem kommerziellen Multimedia-Framework zu erweitern und konkrete Produkte, wie etwa
für das Visuelle Datamining, die 3D-Visualisierung oder die Städteplanung zu erstellen.

Bereits 1997 kam der Kontakt zum schweizerischen Möbelhersteller USM zustande. Die-
ser entwickelten damals eine neue Produktlinie und wollte diese besser visualisiert ver-

52
markten. Perspectix hat dann dafür eine maßgeschneiderte Konfigurationslösung auf Ba-
sis dieses Frameworks entwickelt. Daraus ging dann rund zwei Jahre später die P’X5 Soft-
ware hervor.

http://www.pny.eu/product/c-8/Quadro-Professional-Graphics/12

Hat man dann den Fokus ganz darauf gesetzt?

Eine Zeitlang hat man parallel dazu noch andere Projekte verfolgt, aber immer mehr den
Schwerpunkt auf Konfiguration gelegt. Und ab 2003 fiel die Entscheidung, sich nicht nur
auf die Möbelindustrie zu beschränken, sondern den Maschinenbau dazu zu nehmen.

Wie viele Mitarbeiter hat Perspectix heute?

Zurzeit haben wir 24 Mitarbeiter, Tendenz steigend.

53
Gibt es eine Niederlassung in Deutschland?

Eine Niederlassung im herkömmlichen Sinne gibt es nicht, jedoch zwei Vertriebsmitarbei-


ter, die von ihren jeweiligen Homeoffices aus arbeiten. Die Standorte sind der Stuttgarter
Raum und Hannover, so dass Nord- und Süddeutschland abgedeckt sind.

Verschiedene Möglichkeiten, die mit dem Konfigurationssystem von Perspec-


tix, P`X5, realisiert werden können.

Wo sitzen Ihre Kunden?

Schwerpunkte sind Deutschland, Österreich und die Schweiz, daneben gibt es aber auch
Kunden in Italien und den USA.

Welche Einsatzschwerpunkte haben sich bisher für P’X5 ergeben?

Der Schwerpunkt liegt bisher im Vertrieb von Produkten, die sehr erklärungsbedürftig sind
oder wo Produkte und Anlagen aus einem Baukasten heraus entstehen. Ich nenne hier ein-
mal beispielhaft die Fördertechnik oder Transfersysteme.

54
Mit welchem CAD-System kann P’X5 besonders gut interagieren?

Eine besonders enge Kopplung haben wir mit NX von Siemens PLM und mit deren PLM-
System Teamcenter, wenn die Integration über das PLM-System erfolgen soll.

Weitere Integrationen gibt es zu Pro/E, heute Creo, Inventor und Solid Edge.

Konkreter Konfigurator, der für Linde Ladenbau erstellt wurde.

Wodurch unterscheidet sich P’X5 von anderen Systemen, wie Tactonworks oder
Spydmaxx?

Ich behaupte, dass man P’X5 besser im Vertrieb einsetzen kann als die meisten anderen
Systeme. Nicht zuletzt deswegen, weil wir 3D-Konfigurationen machen können, ohne noch
ein CAD-System zu benötigen. Aufgrund der erwähnten Baukästen können beliebig große
Systeme entstehen, die man vom Einzelteil zur Gesamtanlage hin aufbaut, der so genann-
te Bottom-up-Ansatz.

Aus der Konfiguration entstehen dann nicht nur die Stücklisten für die Fertigung, sondern
auch für den kommerziellen Bereich.

Zudem ist P’X5 in der Lage, ‚multistructure‘ zu arbeiten. Das heißt, es können mehrere
Strukturen erzeugt werden, die unabhängig voneinander wirken und das in Hinsicht auf
Vertrieb, ERP-System oder Konstruktion.

55
Zu diesem Bottom-Up-Ansatz sollten Sie vielleicht noch einige Worte sagen. P’X5
braucht also nicht das so genannte ‚150-Prozent Modell‘?

Wir können beides. Auch den Top-Down-Ansatz mit dem Maximalmodell, wo man als An-
wender nur wenige Parameter eingeben muss, um eine komplexe Konstruktion zu erzeu-
gen. Damit kann ich aber kein Transfersystem in eine Halle hinein planen. Die dabei beste-
henden unendlichen Möglichkeiten lassen sich nicht von oben her beschreiben. Also ver-
wenden wir hier den Bottom-Up-Ansatz und bauen eine solche Anlage aus einer Biblio-
thek heraus auf. Auch hierbei spielt ein Regelwerk eine Rolle. Ein Regelwerk, in dem festge-
legt ist, wie welche Bauteile, unter welchen Bedingungen miteinander verbaut werden kön-
nen. Das ist die einzige Möglichkeit, mit der zum Beispiel ein Regalsystem beschreibbar
ist. Anders geht es nicht.

Wegen der quasi Unendlichkeit der Möglichkeiten?

Ja, so ist es.

Also immer dann, wenn man es mit konkreten, endlichen Objekten zu tun hat, kön-
nen diese Top-Down beschrieben werden, eine geschlossene Lösung, die hernach
mit wenigen Parametern ‚bedient‘ werden kann. Geht es indes um Anlagen, deren
Umfang am Anfang noch nicht klar ist, wird der Bottom-Up-Ansatz gewählt, bei dem
die Anlage Stück für Stück entsteht. Hier beschreiben die Regeln und Formeln nur,
wie einzelne Teile, auch größere Teilstücke, miteinander verbaut werden müssen, je-
doch nicht die gesamte Anlage?

Stellen wir es uns einfach anhand von Lego vor. Mit Lego können Sie einzelne Bausteine
beschreiben, auch dass vier Bausteine eine Platte ergeben oder dass 10 aufeinander ge-
setzte 4er-Steine eine Säule werden, aber niemals die Gesamtheit aller Möglichkeiten. Es
reicht hier, wenn man definiert, wie die einzelnen Elemente miteinander verbaut werden
können, um zu verhindern, dass etwas zusammengebaut wird, was nicht zusammenge-
hört.

56
Was hat der Anwender dann für eine Benutzeroberfläche?

Der Anwender hat auf der einen Seite den Katalog vor Augen, wo er seine Einzelteile oder
auch Unterbaugruppen heraussucht, und auf der anderen Seite den Bereich, wo er damit
die Anlage aufbaut: Einfach und übersichtlich, kein Hexenwerk.

Interaktives Bauen?

Ja, ist möglich.

Anlagenkonfiguration aus einem Baukasten heraus.

Damit hat man aber auch einen Aufwand, um den Teilebaukasten aufzubauen…

Der Baukasten muss erstellt werden, das bedeutet genauso einen Aufwand wie die Erstel-
lung des Engineering-Modells beim Top-Down-Ansatz. Das muss man mit einplanen.

Wie würde die Einführung von P’X5 klassischerweise ablaufen?

Normalerweise empfehlen wir zunächst eine Konzeptphase, in der durch gemeinsame


Workshops analysiert und festgelegt wird, was will man, in welcher Form, wie detailliert, in
die Konfigurationslösung einbringen. In diesem Zeitraum schulen wir auch die Autoren
beim Kunden, die dann die Datenpflege übernehmen. In der Konzeptphase wird auch

57
definiert, wie die Schnittstellen von P’X5 zur vorhandenen CAD/PLM-Welt aussehen
sollen, aber auch zur Marketing- und Vertriebswelt. Darüber hinaus spielt die Anbindung
an das ERP-System eine Rolle.

In manchen Fällen besteht der Wunsch, dass man ein Pilotprojekt macht, danach findet
dann die eigentliche Implementierungsphase statt. Man beginnt mit einer Produktlinie und
arbeitet sich dann sozusagen durch.

Viel Zeit fließt üblicherweise auch in Dinge wie Angebotslayout, Preisermittlung, Rabattie-
rung etc.

Thema Komplexität. Sind Sie schon einmal an Grenzen gestoßen?

Ja, immer wieder. Aber wir haben sie stets überwunden. Oder anders ausgedrückt: Es ist
uns bisher stets eine Lösung eingefallen. Als Beispiel will ich den Aufbau sehr komplexer
Anlagen nennen. Da haben wir die Lösung geschaffen, dass das Gesamtsystem in Teilbe-
reiche aufgeteilt werden kann, die dann auch von unterschiedlichen Personen bearbeitet
und später auf einer höheren Ebene wieder zusammengeführt werden können. Damit wur-
den damals entscheidende Zeit- und Komplexitätsgrenzen überwunden.

Zum Schluss noch die Frage nach Zukunftsaspekten. Was haben Sie 2012 vor?

Wir haben eine zweite Variante von P’X5 erstellt, die nun im Retail-Bereich eingesetzt wer-
den kann.

Das gesamte Reporting, auch über mehrere Projekte hinweg, wird verbessert. Dadurch
werden viele Informationen über schon installierte Systeme verfügbar, die man sonst nicht
hat.

Ferner wird das Thema ‚Collaboration‘ weiter entwickelt, dass eben mehrere Leute in meh-
reren Stufen an einem Projekt arbeiten können, mit der nötigen Transparenz für alle.

Ein weiteres Detailthema ist die Optimierung unserer Visualisierungsmöglichkeiten.

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Herr Rosa, vielen Dank für das Gespräch.

Über Perspectix

Die Perspectix AG hat sich seit der Gründung 1996 kontinuierlich zum technologisch füh-
renden Lösungsanbieter für den Vertrieb und die Projektierung variantenreicher Produkte
entwickelt. Nutzer von P’X5 profitieren von Erfahrungen aus komplementären Anwender-
branchen: Maschinenbau, Anlagenbau, Elektrotechnik, Einrichtungs-, Ladenbau-, Lager-
und Logistiksysteme. Mit der Verbindung von Vertriebsoptimierung, grafischer Projektie-
rung und Product Lifecycle Management in einer zukunftsweisenden Technologie ist Per-
spectix heute strategischer Lieferant namhafter Hersteller und Handelsketten sowie Partner
führender IT-Häuser.

www.perspectix.com

59
8
Autodesk Inventor Engineering-to-Order: Ein
guter Weg zur regelbasierten Konstruktion

Die regelbasierte Konstruktion, auch Konfiguration ge-


nannt, kann die Konstruktionsarbeit enorm beschleuni-
gen. Deshalb hat Autodesk schon vor Jahren das ameri-
kanische Unternehmen Engineering Intent gekauft und
dessen Software, Intent, in den Autodesk Inventor einge-
baut. Das Paket wird mittlerweile als ‚Autodesk Inventor
Engineering-to-Order Series‘ vertrieben. Dienstleiter wie Intentdesign sind in der La-
ge, sehr leistunsfähige Konfigurationen zu bauen und die Anwender bei der Einfüh-
rung zu unterstützen.

Es war einmal, so fangen alle Märchen an, manchmal aber auch technische Geschichten,
wenn der historische Hintergrund spannend ist.

Also, es war einmal Mitte der 80er Jahre, als ein amerikanisches Unternehmen namens I-
CAD‚ (später Knowledge Technologies International) erstmals auf einer CeBIT ausstellte
und ein neuartiges CAD-System, ‚ICAD‘, anbot. Es war das erste regelbasierte CAD-Paket
weltweit und seine Exotik wurde noch dadurch unterstrichen, dass es auf einer sehr spezi-
ellen Hardware der Firma Symbolics lief.

Im Grunde hat kaum einer damals so richtig verstanden, um was es ging. ‚Künstliche Intelli-
genz‘ war noch nicht dran und die hohen Preise der Software sorgten zusätzlich für ein
Desinteresse des breiten Marktes.

Ganz anders aber die Automobil- und Flugzeugindustrie. Hier war man neugierig, hatte
auch die Budgets, um zumindest auszuprobieren, was ging.

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Unter den Pilotkunden war der bekannte Anlagenbauer für die Automobilindustrie, Dürr E-
coclean. Hier war es die Geschäftsleitung, die einen Versuch mit ICAD vorantrieb. Der ver-
antwortliche Systemadministrator hieß Dieter Meuthen, der, wie er heute sagt, „zunächst
einmal nicht an ICAD glaubte“.

http://www.primeline-solutions.de/de/cad-workstation-konfigurieren

Die Realität hat ihn dann positiv überrascht. Nach sorgfältiger Einführung von ICAD konnte
ein bestimmter Konstruktionsprozess von 6 Wochen auf 3 Stunden verkürzt werden. Und
es hat sich auch in der Produktion wirtschaftlich bemerkbar gemacht. Da die Fertigungsun-
terlagen stets fehlerfrei und gleichartig an die Fertigungsmitarbeiter gelangten, stieg bei
den ICAD-basierten Aufträgen um 50-100%.

Dieter Meuthen wurde vom Skeptiker zum Fan und wechselte in der Folge vom Anwender
zum Hersteller. Ab 1999 war er Senior Consultant bei Knowledge Technologies Internatio-
nal. Nach einer Fortbildung in den USA war er derjenige, der die Projekte in Deutschland
betreute.

61
In 2002 wurde Knowledge Technologies International an Dassault Systèmes verkauft. „Wir
hatten die Hoffnung, damit aus unserer Nische herauszukommen und Zugang zu einem
breiteren Markt zu erhalten“, erinnert sich Meuthen. Die Geschichte hat gezeigt, dass das
Gegenteil eingetreten ist. Dassault Systèmes stellte den Vertrieb von ICAD ein, bis auf we-
nige, wurden alle Angestellten weltweit entlassen.

Dieses Bild zeigt gut die Integration von Inventor und „Intend“ zu Autodesk
Engineering-to-Order (ETO). Als Fallbeispiel dient hier eine
Behälterkonstruktion.

Für die Mitarbeiter erhob sich die Frage: Was nun? Dieter Meuthen orientierte sich in Rich-
tung Inventor. Andere ehemalige Mitarbeiter in den USA, unter der Leitung von Scott Hei-
de, hatten bereits 1995 die Heide Corp. gegründet, um die Technologie für ein neues Pro-
dukt zu nutzen: ‚Intent‘. Dieses wurde zu einem wesentlich günstigeren Preis angeboten
als vormals ICAD und nutzte Autocad als Geometriemaschine.

62
Im Laufe der Zeit wurde der Produktname dann auch zum Firmennamen: Aus der Heide
Corp. entstand Engineering-Intent.

Irgendwann, etwa 2005, fand der Partner Auto-


desk Intent dann so spannend, das Enginee-
ring-Intent komplett übernommen wurde. Aus
Intent wurde ‚Autodesk Inventor Engineering-
to-Order Series‘, kurz ETO. Somit steht hinter
ETO die vielleicht ausgereifteste Technologie
in diesem Umfeld überhaupt. Genau zu dieser
Erkenntnis verhilft der kleine geschichtliche Ex-
kurs.

Die erfahrenen Intent-Entwickler sind noch bei


Autodesk tätig. „Insgesamt ist die Entwick-
lungsmannschaft sogar kräftig aufgestockt
worden, woran ich ablese, dass Autodesk er-
kannt hat, dass man hier ein wirklich zukunfts-
trächtiges Produkt an der Hand hat“, so Meut-
hen.

Dieter Meuthen selbst hat in der Zwischenzeit


sein Know-how bezüglich Inventor und Intent
gebündelt und ein eigenes Ingenieurbüro ge-
gründet. Unter dem Namen ‚IntentDesign – In-
genieurbüro für Regelbasierte Konstruktion‘ Eingabemaske für einen Rohrstutzen.
bietet er Dienstleistungen zur Erstellung und
Einführung von Konfigurationssystemen an.

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Bevor dazu Einzelheiten dargelegt werden, zunächst ein kurzer Blick auf das Produkt
selbst:

Alle nötigen Werkzeuge im Inventor

Mit der Integration von Intent in Inventor ist Autodesk eine Paarung gelungen, bei der sich
die Stärken zweier Systeme optimal ergänzen: Inventor als modernes, parametrisches
CAD-System und die Technologie von Intent als sehr leistungsfähige Regelmaschine mit
einer neuen objektorientierten Konstruktionssprache.

Ausschnitt aus einer Browser-Leiste, welche oben den Historienbaum


und unten die Intend-Eingaben zeigt.

64
Wie üblich werden zwei wesentliche Teile innerhalb von ETO angeboten:

1. Eine flexible und leistungsfähige Software zur Abbildung der nötigen Regeln, Formeln,
Tabellenzugriffe etc. Die Software bringt die schon erwähnte Konstruktionssprache mit,
mit Hilfe derer die Objekte beschrieben werden. Sie kostet rund 12000 Euro pro Lizenz.

2. Für diejenigen, welche die erstellten Regeln nutzen möchten, gibt es eine Art Runtime-
Version. Diese ist als Einzellizenz mit 1600 Euro wesentlich preisgünstiger, bei höheren
Stückzahlen kann der Preis sogar auf 500 Euro sinken. Mit dieser Software wird Inventor-O-
EM als Grafikmaschine ausgeliefert!

Darüber hinaus gibt es mit ETO-Server mittlerweile eine Version, die es erlaubt, Internet-ba-
sierte Konfigurationen zu erstellen. Vielen Anbieter von Norm- und Kaufteilen zum Beispiel
ist es sehr recht, wenn ihre Kunden sich das genau passende Kaufteil selbst konfigurieren.
Durch einen Konfigurator auf einem Server, auf den jeder Kunde Zugriff hat, ist das mög-
lich. Es entstehen so stets vollkommen korrekte und gültige Produkte, die direkt bestellt
werden können. Soviel zu einem möglichen Anwendungsfeld.

Welche Vorteile bietet ETO aus der Sicht des erfahrenen Anwenders? Dieter Meuthen sieht
einen ersten Vorteil in der sehr engen Integration von Inventor und der Regelmaschine.
„Wir leben somit die Möglichkeiten der Parametrik voll aus.“

Beim Entwickeln der Regeln ist es ein großer Vorteil, dass man schon nach dem Schreiben
weniger Zeilen sehen kann, was Inventor damit macht. Das Objekt stellt sich dar und der
Entwickler kann erkennen, ob es passt oder nicht. „So fällt es einem leicht, das Regelwerk
in kleinen Schritten zu entwickeln“, so Dieter Meuthen.

Was den Intent-Fachmann weiter begeistert, ist die Tatsache, dass man einmal entwickelte
Teile wieder verwenden kann und zwar auf der Ebene der Regeln. Hierzu ist es hilfreich,
dass ETO eindeutige Dateinamen erzeugt. Wenn daher ein gleicher Datenname wieder auf-
taucht, kann der Anwender sicher sein, dass es sich auch wirklich um das gleiche Teil han-
delt.

Positiv bewertet Meuthen auch die Möglichkeit, die Zeichnungsausgabe zu automatisie-


ren.

65
Praxisgerechte Umsetzung

Wer nun die regelbasierte Konstruktion bei sich im Haus einsetzen möchte, und noch kei-
ne Erfahrung damit hat, tut gut daran, einen Dienstleister zu beauftragen, diesen Prozess
zu begleiten, wie beispielsweise Intentdesign.

Dieter Meuthen geht in der Regel so vor, dass er zunächst einen Presales-Termin anbietet.
Hierbei werden Interessenten mit den grundsätzlichen Möglichkeiten der Technologie, aber
auch mit den Kosten und Nutzen vertraut gemacht.

Ein Blick auf den Automation Design Editor von ETO.

Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Intent-Prototypen. „Wir setzen dabei in 5 bis 15
Tagen ein bestimmtes Kundenobjekt beim Kunden im Haus, prototypisch um“, erläutert
Meuthen. Das ist eine sehr wertvolle Sache, weil Kunden die Möglichkeiten von ETO sehr
intensiv kennenlernen und Aufwand und Nutzen sehr viel genauer einschätzen können.
Umgekehrt kann auch Meuthen hierdurch sicher erkennen, ob die Technologie zu einem
Kunden passt oder nicht. Der Intent-Prototyp hilft also beiden Seiten.

Wenn es dann zum Auftrag kommt, teilen sich die Kunden in zwei Fraktionen: Solche, die
alle Prozesse der Regelerstellung selbst erlernen möchten, um sie dann später im Betrieb

66
anzuwenden und solche, die gleich einen fertigen Konfigurator einsetzen wollen, mit der
Regelerstellung aber nichts zu tun haben wollen. Beide Gruppen werden von Intentdesign
bedient.

Wer selbst einsteigen will, das sind 70 Prozent aller Anwender, erhält zunächst eine Ausbil-
dung. Meuthen bietet zwei Kurse an: einen Grundkurs (5 Tage) und eine Aufbauschulung in
gleicher Länge.

Danach ist man gut beraten, wenn der Dienstleister mit im Boot bleibt, zumindest für die
ersten ein bis zwei Projekte. „Meine Erfahrung ist so, dass die Kunden, die nach der Schu-
lung alleine beginnen, rund zehnmal so lange brauchen, wie ich, beziehungsweise wie
wenn sie es in meiner Begleitung tun. Das liegt unter anderem an vielen fertigen Baustei-
nen, die ich schon habe und die dann ins Spiel gebracht werden können“, erklärt Meuthen
die Situation.

Die Projektlaufzeiten hängen natürlich von der Komplexität ab. Es gibt Kunden, die mit
Meuthens Methoden in nur einer Woche ‚glücklich gemacht‘ werden können. Bei anderen
dauert es länger. Bei einer Stanzmaschine z.B. wurde für die Konfigurator-Erstellung ein
Zeitaufwand von 2,5 Monaten benötigt. Dann aber konnte eine neue Konstruktion, mit al-
len Unterlagen, statt in einer Woche in einer Stunde erledigt werden. Das ist der Faktor 40!

Und, die enorme Zeiteinsparung ist keinesfalls der einzige Vorteil: Die stets korrekte Aus-
führung (wenn der Konfigurator einmal stimmt, stimmt er immer), ist ein weiterer Vorteil. Zu-
satznutzen, wie etwa die Erstellung von Langzeit-TIFFs, Einträge in PDM- oder ERP-Syste-
me, die automatische Erstellung von NC-Programmen, die Nutzung von Konfigurationen
bereits im Vertrieb, etc. sind durchaus zu realisieren.

Wer heute einsteigt, wird bald die Früchte ernten und wer zögert verliert. Wer die bisher
schon realisierten Projekte studiert, kann zu keinem anderen Ergebnis kommen.

www.intentdesign.de

www.autodesk.com

67
9
Design & Sales Automation
Konferenz: Anwender berichten
Bereits zum 4. Mal richtete die Lino GmbH ihren Kongress zur Regelbasierten Kon-
struktion - und darüber hinaus - aus. Mittlerweile gibt es bereits schon erfahrene An-
wender, die das System, Tactonworks, schon seit Jahren einsetzen. Sie berichteten
auf der Konferenz, durch die Bank, von großem Nutzen der neuen Technologie.

Tacton-Produkte für verschiedene Anwendungsbereiche.

Die Design & Sales Automation Konferenz von Lino, Mainz, ist mehr oder minder die einzi-
ge geschlossene Veranstaltung zum Thema ‚Regelbasierte Konstruktion‘ hierzulande.
Zwar hört man hin und wieder mal etwas darüber auf anderen Konferenzen, meist ist das
aber nur ein Nebenschauplatz. Als Zentralthema wird es nur von Lino organisiert.

Bei der Design & Sales Automation Konferenz geht es um ein Produkt, beziehungsweise
um eine Produktpalette, von Tacton Systems AB. Die Schritte, die bei der Einführung und
im praktischen Teil angewendet werden, sind aber durchaus übertragbar. In diesem Sinne
ist es kein Wunder, dass 2013 der Konferenzraum wieder ausgebucht war. Die Mainzer ma-
chen einen wirklich guten Job.

68
Den Radius erweitern

Sicher haben viele darauf gewartet, was Dr. Klas Orsvärn, Mitbegründer der Tacton Sys-
tems AB, Schweden, zur Weiterentwicklung der Tacton Produkte sagen würde. Er ließ zu-
nächst einige Unternehmenskennzahlen Revue passieren: Danach hat Tacton Systems im
Jahr 2012

•Einen Umsatz von 16 Mio. US Dollar erzielt, der in diesem Jahr wohl noch steigen wird

•Eine mittlere Wachstumsrate von 37 Prozent für die letzten 3 Jahre registrieren können

•Einen Vertrieb auf allen 3 relevanten Kontinenten: Europa, USA und Fernost und

•Die meisten Neuinstallationen (Neukunden) in Europa erzielt.

Als Ziele trug Dr. Orsvärn vor, Tacton wolle die Konfiguration so einfach wie möglich gestal-
ten und man möchte technologisch weltweit führend sein, speziell, wenn es um komplexe
Konfigurationen geht.

Ein Blick auf die Anwenderoberfläche von Tactonworks Engineer.


Durch einfaches Ausfüllen der Spalten links entsteht eine vollkommene und
gültige Konstruktionsvariante.

69
Tacton plant, seine Konfigurationsmöglichkeiten künftig nicht nur für Solidworks (Tacton-
works) zur Verfügung zu stellen, sondern auch für andere CAD-Systeme. Als erstes Sys-
tem ist der Inventor von Autodesk geplant.

Ferner ist nach Dr. Orsvärns Worten eine SAP-Integration in Arbeit, welche es erlaubt, Kon-
figurationsdaten im ERP-System weiter zu nutzen. Es ist ganz klar, dass die kaufmänni-
sche Welt immer mehr mit den Engineering-Prozessen verknüpft werden wird. Orsvärn
sprach auch von Enterprise-Konfiguration.

Dass man den Vertrieb heute schon effektiv mit Hilfe von Konfigurationen in die Produkt-
entstehung einbinden kann, wurde auf der Konferenz von Anwendern ganz klar dargelegt.
In diesem Sinne war auch die Nutzung von mobilen Devices (Tabletts, Handys) ein Thema.

http://www.acatec.de

70
Vertriebsmitarbeiter als Produktdesigner …

…so überschrieb Michael Spatz von Erhardt + Leimer


(E+L) seinen Vortrag in Mainz.

Nachdem E+L Tactonworks erfolgreich in der Konstruk-


tion eingeführt hatte, ging es dem bayrisch-schwäbi-
schen Unternehmen darum, die Prozesskette bis zum
Vertrieb zu verlängern. Folgende Möglichkeiten wurden
dabei für die Vertriebsmitarbeiter geschaffen:

•Bereitstellung von E+L Bauteilbibliothek und E+L Pro-


duktbibliothek mit CAD-Konfiguration
•Erstellung von 3D-CAD-Modellen aus SAP Varianten-
konfigurationen
•Berechnung von Bauteilen mit grafischer Ergebnisan-
zeige und die
•Möglichkeit, Variantenzeichnungen mit auftragsabhän-
gigen Maßen zu füllen.

Die Umsetzung erfolgte wiederum mit der Tacton Pro-


duktfamilie und mit Lino als Systempartner. Die Ge- Dr. Klas Orsvärn von Tacton Systems erläutert
die geplanten Weiterentwicklungen des
samtlaufzeit soll 4 Semester betragen, die Fertigstel-
Systems.
lung ist für 2014 geplant, ein Teil des Projektes ist be-
reits umgesetzt.

Was kommt hinten heraus?

Standardanfragen werden nun direkt im Vertrieb bearbeitet, auch in den Tochterniederlas-


sungen. Kundenspezifische Zeichnungen und STEP-Formate sind vom Vertrieb direkt ab-
rufbar, über Tacton TC Site. Dadurch entsteht, laut Spatz, eine sehr einfache Datenverwal-
tung. Die entstehenden Varianten sind plausibel und korrekt.

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Besondere Sonderkonstruktionen erledigt der Konstrukteur nach wie vor, aber jetzt auch
viel schneller, da rund 90 Prozent der Sonderkonstruktionen ebenfalls über Tactonworks
erzeugt werden können.

Insgesamt ist das Unternehmen jetzt sehr viel schneller reaktionsbereit, gegenüber den
Kunden und auch gegenüber der eigenen Fertigung. Hat früher die Bearbeitung einer An-
frage Tage manchmal bis zu 2 Wochen gedauert, so kann sie heute in 1 Stunde erledigt
werden, und am Ende stehen sogar alle fertigungsrelevanten Unterlagen bereit, falls aus
der Anfrage ein Auftrag wird.

Michael Spatz führte aus, dass dadurch ca. 100.000 Euro pro Jahr bei E+L gespart wer-
den können.

In 130 Tagen ‚um die Welt‘

Von einer sehr raschen Einführung von Tactonworks berichteten Christian Müller und Pat-
rick Arndt, von der AMF-Bruns GmbH & Co. KG. Sie haben es geschafft, in nur 130 Tagen,
vom ersten Kick-off-Meeting bis zur ersten realen Konfiguration zu kommen.

AMF-Bruns, mit Hauptsitz in Apen, Ostfriesland, produziert mit 330 Mitarbeitern Förderan-
lagen verschiedenster Art, wie zum Beispiel Schneckenförderer oder Bandförderer für viele
unterschiedliche Branchen. Jedes Produkt, das in die umfassenden Anlagen eingebaut
wird, ist auf seine Art eine spezielle Konstruktion. Dennoch ist es möglich, die Konstrukti-
onslogik in Regeln, Formeln, Tabellenzugriffen etc. zu packen und mit Hilfe eines Konfigura-
tors eine Automatisierung zu erreichen.

Zur Konfigurationstechnik kamen Christian Müller, Patrick Arndt und Kollegen aber auf ei-
ner anderen Schiene: Sie suchten nach einer Möglichkeit, alte ME-10 Daten automatisiert
ins neue 3D-System Solidworks zu übertragen. ‚Händisch‘ hätte dies viel zu lange gedau-
ert. In 2010 fingen sie an, nach einer entsprechenden Software zu suchen und gaben 2011
wieder auf: „Wir haben nichts gefunden“, so ihre Aussage. Darum hat man sich mit 6 Leu-
ten doch an die manuelle Umstellung gemacht.

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Auf der Hannover Messe 2012 gab dann der CAD-Lieferant DPS den Hinweis auf Tacton-
works und Lino. Bingo! Kurze Zeit später war Lino vor Ort und im September 2012 begann
die aktive Arbeit an der Systemeinführung. Plus 130 Tage ergibt März 2013. Zu diesem
Zeitpunkt lief der erste Prototyp einer Förderanlage über Tactonworks, und im Mai 2013
wurde das System produktiv geschaltet.

Michael Spatz von Erhardt + Leimer zeigte


auf, wie Vertrieb und Konstruktion mit Hilfe
der Konfigurationstechnik eng verzahnt
werden können.

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Für die Einführung von Tactonworks sprach in den Augen der Ostfriesen:

•Die völlige Integration von Tacton in Solidworks


•Der Goldpartnerstatus, den Tacton bei Solidworks hat
•Die Anbindungsmöglichkeiten an ERP-Systeme
•Ex- und Import für Excel-Tabellen
•Die benutzerfreundliche Programmierung und
•Ein erfolgreicher AMF-Prototyp

Schon die ersten Konfigurationen zeigten, dass die Bearbeitungszeit für ein Projekt von 35
Stunden auf 45 Minuten sinkt! Den Beschleunigungsfaktor kann sich jeder selbst ausrech-
nen.

Nach diesen schnellen Erfolgen geht es nun um die Anbindung an das PDM-System, die
Erstellung einer automatischen Kalkulation und natürlich um den Bau von Konfiguratoren
für weitere Produkte.

So eine schnelle Einführung wäre natürlich nicht ohne die tatkräftige Hilfe von Lino ge-
glückt.

Das sollte auch andere Unternehmen ermutigen, sie müssen weder besonders groß sein,
noch besonders viel Know-how am Anfang mitbringen. Eine ausgereifte Technologie und
Hilfe stehen zur Verfügung. Wer heute nicht einsteigt, wird morgen einsteigen müssen, da-
für sorgt der Markt.

www.lino.de

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