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Na immerhin, der 1. Schritt ist getan, der Tagesspiegel rudert gegenüber gestern zurück.

Dennoch
ist der Artikel wieder nicht chronologisch, ich frage mich (nicht ernsthaft) aus welchem Grund.
Aus dem Gerichtsbeschluss vom 26.1.2018 geht hervor, dass „Die Behörden des Freistaates
Sachsen gingen davon aus, dass sich der Mann in Berlin aufhält und beantragten, ihn in
Sicherungshaft zu stecken und für einen endgültigen Abschiebebeschluss vor Gericht zu stellen.“
Fragen:
Ab wann gingen die Behörden davon aus?
Wann wurde der Antrag auf Sicherungshaft gestellt, vor oder nach dem 3. Dezember?
Zuvor war er bereits in Italien mit 14 Tarnidentitäten aufgefallen, in Deutschland und der Schweiz
mit drei weiteren.
Mal unabhängig davon, dass das nach meiner Rechnung 20 und nicht 18 Identitäten sind, waren es
also in Berlin nur 3., also 2 falsche. „Ich heiße Mustafa K äääh Mustafa P. äääh Mustafa L.
Daraufhin wird er mitgenommen, die wahre Identität festgestellt, geringster Drogenbesitz, kein
Haftbefehl offen, ergo freigelassen. Ein ganz normaler Vorgang. Es sei denn, der Antrag auf
Sicherungshaft kam vor dem 3. Dezember aus Sachsen (siehe Frage oben).
Frage:
Falls es den Antrag aus Sachsen vor dem 3. Dezember gab, warum gibt es erst am 26. Januar
einen Beschluss?
Im Januar 2016 meldete der Landkreis Bautzen ihn als auffindbar.Tunesien bestätigte aber seine
Identität und stellte Anfang November 2017 einen Ersatzpass aus. Mehrere Abschiebungen – im
September, November und Dezember 2017 – scheiterten. Er war „nicht greifbar“. Mehrere
Staatsanwaltschaften, die gegen ihn in elf Verfahren ermitteln, stimmten der Abschiebung zu.
Daraus geht meiner Meinung nach klar hervor, dass Sachsen bis Ende Dezember Herr des
Verfahrens war, die Behörden des Freistaats erst nach dem 3. Dezember davon ausgingen, weil die
Abschiebungen offensichtlich in Sachsen nicht durchfürbar waren. Dementsprechend ist wohl auch
der Antrag an Berlin erst nach dem 3. Dezember an Berlin gegangen. Alles andere ist nicht logisch.
Für das Amtsgericht Tiergarten war die Sache klar: Wer sich 18 Tarnidentitäten zulegt, bewusst die
Behörden täuscht, untertaucht und sich drei Abschiebungen entzieht, der kann vorläufig in Haft
genommen werden, um die Ausreise durchzusetzen.
Frage: Ab wann war es dem Gericht klar?
Offensichtlich so spät, dass das erst im Beschluss vom 26. Januar stand. Wie auch:
Zudem hielt das Gericht auf Grundlage des Antrags aus Sachsen fest, „dass der Betroffene nach
den Ermittlungen der Sicherheitsbehörden als (islamistischer) Gefährder einzustufen ist“
Und dann weiter:
Zugleich forderte die Richterin vom Freistaat für das Hauptverfahren „weitere lnformationen
hinsichtlich der Gefährdereigenschaft“, da der Haftantrag „dazu nicht ausreichend“ sei.
Der Tagesspiegel macht aus dieser Faktenlage:
Doch Fathi Ben M. hätte längst abgeschoben werden können. Berliner Zivilfahnder hatten ihn am
3. Dezember 2017 an der Warschauer Brücke gefasst. Dort hatte er Drogen verkauft. Durch
Fingerabdrücke konnte er identifiziert werden. Er wurde wieder freigelassen – obwohl er
abgeschoben werden sollte.
Eben nicht. Sachsen wird erst nach dem 3. Dezember angefragt haben, das Berliner Gericht wusste
vor dem 3. Dezember auch noch nichts, der für die Berliner Polizei entscheidende Beschluss kam
erst am 26. Januar.
Wie lange will der Tagesspiegel weiter an der (Schuld-)Legende der Berline Polizei stricken?
Dass er tatsächlich ein islamistischer Gefährder ist, wie Sachsen später bei dem Gericht
vorgetragen haben soll, hat sich indes als falsch herausgestellt.
Wie jetzt, doch später (als der 3. Dezember)?
Obendrein erklärte Sachsens Innenministerium auf Anfrage, dem Gericht sei in dem Haftantrag gar
nicht mitgeteilt worden, dass Fathi Ben M. Gefährder sei. Das Gericht selbst lehnte eine
Stellungnahme ab.
Ach guck an, auf einmal.
Der ganze Vorgang ist bemerkenswert: Denn in Berlin heißt es intern, die sächsischen Behörden
hätten den Gefährderverdacht und Kontakte zum Berliner Attentäter Anis Amri pro forma genannt,
um die Chancen für einen Haftbeschluss zu erhöhen. Der Vorwurf sei aber nicht zu halten gewesen.
Jetzt wird’s lächerlich.
Selbst wenn M. kein Gefährder war: Warum ließ ihn die Polizei laufen? Weil kein Haftbeschluss
vorlag, der Mann nicht zur Fahndung ausgeschrieben war, hieß es. Und für die Abschiebehaft – die
in Berlin dicht gemacht wurde – müsste ein Gerichtsbeschluss her, dafür ein Pass vorliegen, die
Abschiebung organisiert sein.
Und weiter:
„Selbst wenn sich jemand mehrfach einer Abschiebung entzogen hat, heißt das nicht, dass er
deswegen festgenommen werden kann“, erklärte die Polizei. Hätte es eine Fahndung oder einen
Hinweis auf eine geplante Abschiebung gegeben, dann hätte sich die Polizei auch mit den
zuständigen Behörden in Verbindung gesetzt.
Also bleibt festzuhalten:
1. Der Mann ist kein Gefährder
2. Es gab am 3. Dezember keinen Haftbeschluss
3. Der Mann war nicht zur Fahndung ausgeschrieben
4. Der benötigte Gerichtsbeschluss kam erst am 26. Januar.
5. Der Berliner Polizei ist nichts vorzuwerfen
6. Die Fehler/Versäumnisse sind sächsischer Natur
All das habe ich gestern schon gesagt und ich fühle mich absolut bestätigt.

Zum Schluss noch an den Tagesspiegel. Sie widersprechen sich in Ihrem Fazit selbst. Wollen wohl,
dass etwas bei den Berliner Behörden, sprich bei R2G hängen bleibt.
Ich empfehle, kommen Sie Ihrer journalistischen Sorgfalt nach, recherchieren Sie vor Ort und
stellen dort die richtigen Fragen – und zwar bei den CDU Ministern in Sachsen.
Und an Herrn Dregger, CDU: sein Sie doch einfach mal rúhig. Es war Ihr CDU Innensenator
Henkel, der eine Mitverantwortung dafür trägt, dass A. Amri nicht rechtzeitig festgenommen wurde
und dieser so zum Mörder werden konnte. Und es war Ihr CDU Justizsenator Heilmann, der den
Abschiebeknast Grünau hat schließen lassen, um daraus eine Flüchtlingsunterkunft machen zu
wollen. Ihre Dreistigkeit Herr Dregger ist nicht zu überbieten.