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REG 316*4 1MRB520049-Ude / Änd.

F ABB Power Automation AG

3.5.7. Unabhängig verzögerter Überstrom-Richtungsschutz


(StromRichtung)

A. Anwendung
Gerichtete Überstromfunktion, anwendbar für
• Kurzschlussschutz in Ringnetzen
• Kurzschlussschutz bei Doppelleitungen mit einseitiger
Einspeisung
• Reserveschutz für den Distanzschutz.

B. Merkmale
• Dreiphasiger Kurzschlussschutz mit Richtungserkennung
• Unterdrückung von Gleichstromkomponenten
• Unterdrückung von Oberschwingungen
• Spannungsgedächtnis für nahe Kurzschlüsse.

C. Ein- und Ausgänge

I. Wandlereingänge
• Strom
• Spannung

II. Binäre Eingänge


• Blockierung
• Empfang

III. Binäre Ausgänge


• Anlauf
• Anlauf R
• Anlauf S
• Anlauf T
• Messung vorwärts
• Messung rückwärts
• Auslösung

IV. Messwerte
• Stromamplitude
Amplitudenwerte der drei Phasenströme (IR, IS, IT)
• Wirkleistung
Positiver Wert bedeutet Vorwärtsrichtung
(IR * UST, IS * UTR, IT * URS)
• Spannungsamplitude
Amplitudenwerte der Phase-Phase-Spannungen
(UST, UTR, URS).

3.5.7-1
ABB Power Automation AG REG 316*4 1MRB520049-Ude / Änd. F

D. Dokumentation der Einstellparameter - StromRichtung


Parameter - Zusammenfassung:

Text Einheit Default Min. Max. Schritt


ParSatz4..1 P1 (Auswahl)
AUS B00000000
Stromkanal Wandlereing 0
Spgs.kanal Wandlereing 0
I-Wert IN 2.00 0.20 20.00 0.01
Winkel Grad 45 -180 +180 15
Verzögerung s 1.00 0.02 60.00 0.01
tWarte s 0.20 0.02 20.00 0.01
RichtErinne Auslösen (Auswahl)
ErinnDauer s 2.00 0.20 60.00 0.01
Empfang Binärwert T
Ext Block Binärwert F
AUS Meldung ER
Anlauf Meldung
Anlauf R Meldung ER
Anlauf S Meldung ER
Anlauf T Meldung ER
Mess Vorw Meldung
Mess Rück Meldung

Erläuterung der Parameter:


Parametersatz 4..1
Die Einstellung dieses Parameters bestimmt, in welchem
Parametersatz die entsprechende Funktion aktiv ist. (s.a.
Abschnitt 5.11).
AUS
Definiert die Auslösekreise, auf die der Auslöseausgang der
Funktion wirkt (Matrix).
Stromkanal
Definiert den Wandlereingangskanal für die Strommessung.
Einstellbar sind nur dreiphasige Stromwandler, dabei muss
der erste Kanal (Phase R) der gewählten Dreiergruppe an-
gegeben werden.
Spgs.kanal
Definiert den Wandlereingangskanal für die Spannungs-
messung. Einstellbar sind nur dreiphasige Spannungs-
wandler, dabei muss der erste Kanal (Phase R) der
gewählten Dreiergruppe angegeben werden.

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I-Wert
Ansprechwert für Auslösung.
Winkel
Charakteristischer Winkel.
Verzögerung
Verzögerungszeit zwischen Anlauf und Auslösung.
tWarte
Wartezeit für Richtungsvergleich mit Blockiersignal.
RichtErinne
Wählt die Art des Verhaltens nach Ablauf des Spannungs-
gedächtnisses, wenn keine Spannung mehr vorhanden ist:
• Auslösen
• Blockieren.
ErinnDauer
Zeit während der die zuletzt gemessene Richtung als gültige
Richtung beibehalten wird.
Empfang
Eingang für den Signalempfang von der Gegenstation:
T: nicht verwendet
xx: alle binäre Eingänge (oder Ausgänge einer
Schutzfunktion).
Blockierung
F: nicht blockiert
xx: alle binäre Eingänge (oder Ausgänge einer
Schutzfunktion).
AUS
Meldung der Auslösung.
Anlauf
Meldung des Anlaufs.
Anlauf R
Meldung des Anlaufs in Phase R.
Anlauf S
Meldung des Anlaufs in Phase S.
Anlauf T
Meldung des Anlaufs in Phase T.
Mess Vorw
Meldung einer Messung in Vorwärtsrichtung.
Mess Rück
Meldung einer Messung in Rückwärtsrichtung.

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E. Einstellhinweise

Einstellwerte:
Ansprechwert I-Wert
Charakteristischer Winkel Winkel
Verzögerung Verzögerung
Wartezeit auf Empfangssignal tWarte
Verhalten nach Ablauf des
Spannungsgedächtnisses RichtErinne
Dauer des Spannungsgedächtnisses ErinnDauer

Ansprechwert I-Wert
Der Einstellwert „I-Wert“ muss einerseits so gewählt werden,
dass bei Betrieb weder eine Fehlauslösung noch ein Fehlalarm
verursacht wird; anderseits muss der Einstellwert „I-Wert“ kleiner
sein als der kleinste Kurzschlussstrom. Der nötige Abstand zwi-
schen dem höchsten Betriebs-Kurzzeitstrom und dem Ansprech-
wert enthält Zuschläge für:
• Ungenauigkeit der Relais-Ansprechwerte
• Rückfallverhältnis.
Der höchste Betriebs-Kurzzeitstrom ist nach den Netzverhältnis-
sen zu bestimmen. Dabei müssen Schaltvorgänge und Last-
stösse berücksichtigt werden.

I-Wert

IN

Verzögerung

0 t HEST 905 010 FL

Bild 3.5.7.1 Auslösekennlinie des unabhängig verzögerten


Überstromschutzes

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Wenn der Wandlerstrom IN1 vom Nennstrom IGN des geschütz-


ten Objektes abweicht, dann ist eine Anpassung empfehlens-
wert. Sie erfolgt mit Hilfe des Referenzwertes des A/D-Kanals
oder durch Korrektur des Einstellwertes.
Z.B. bei IGN = 800 A und IN1 = 1000 A wäre bei einem ge-
wünschten Ansprechstrom 1,5 IGN = 1200 A die nötige Ein-
stellung
IGN 800A
1, 5 = 1, 5 = 1, 2
IN1 1000 A

Charakteristischer Winkel
Durch die Bestimmung der Stromrichtung wird gegenüber der
normalen Überstromschutz-Funktion eine zusätzliche Selektivität
der Auslösung erreicht. Die Richtungsgrenze beträgt ± 180 Grad
bezogen auf die Polarisationsspannung. Das folgende Bild zeigt
die Verhältnisse. Die Winkelangaben gelten bei Anschluss ge-
mäss dem Anschlussschema im Griff 12.

t
ei
IR
c hk
i
ϕ L dl
ω in
pf
UR m
IR .E
UTR URS ax
m

UT US
Sperren α = 45°
cos (ϕ’==- α ) = neg. ϕ’

U ST U ST

Auslösen
cos (ϕ’==- α ) = pos.

a) b)
L
HEST 005 001 C

ϕ’ = Winkel zwischen Spannung und Strom


(positiver Winkel)
α = Charakteristischer Winkel
L = Grenzlinie zwischen dem Bereich in dem eine Auslösung erfolgt,
und dem Bereich in dem die Funktion nicht auslöst.

a) Definition von Strom b) Ansprechcharakteristik


und Spannung

Bild 3.5.7.2 Zeigerdiagramme für den Fall eines Kurzschlusses


vorwärts in Phase R

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Es ist zu beachten, dass die Funktion die Richtung des Stromes


aus Vergleich des Stromwertes mit einer gegenüberliegenden
Spannung bestimmt. Die folgende Tabelle zeigt, welcher Strom
mit welcher Spannung verglichen wird.
Stromeingang Phase-Erde-Spannungen Berechnete Spannungen

IR U S , UT UST = US - UT
IS U T , UR UTR = UT - UR

IT U R , US URS = UR - US

Je nach Wahl des Spannungswandlers erfolgt eine automatische


Anpassung bei der Spannungsmessung: Bei Sternschaltung
(Wandlertypen UTS) berechnet die Funktion die verketten Span-
nungswerte, bei Dreieckschaltung (Wandlertypen UTD) werden
direkt die Eingangswerte benutzt.

Verzögerung
Die Verzögerung ermöglicht die Selektivität des Überstrom-
schutzes. Diese Verzögerung wird gewählt nach der Staffelung
der Verzögerung von anderen Schutzfunktionen bzw. von ande-
ren Überstromrelais des elektrischen Systems. Die von unserem
Überstromschutz geschützte Zone reicht bis zum nächsten
Überstromschutz.
Falls der nächste Überstromschutz bei einer Störung versagt,
übernimmt der erste Überstromschutz seine Aufgabe und arbei-
tet in seiner Zone als Reserveschutz.

3.5.7-6
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I
R Anlauf R
I>
Mess Vorw

U Mess Vorw R
ST ϕ &
≥1 & t AUS
≥1
Mess Rück R
ϕ &
Empfang
td
I
S Anlauf S
I>

Mess Vorw S
U
TR ϕ &

Mess Rück S Mess Rück


ϕ & ≥1

I
T Anlauf T
I>

Mess Vorw T
U
RS ϕ & Anlauf
≥1
Mess Rück T
ϕ &

Bild 3.5.7.3 Blockschema


td = „Verzögerung“
t = „tWarte“

Wartezeit auf Empfangssignal


Wenn eine Leitung auf beiden Seiten mit einer gerichteten Über-
stromfunktion geschützt wird, kann das Signal „Messung Rück-
wärts“ der einen Seite mit dem Eingang „Empfang“ auf der andern
Seite verbunden werden (z.B. mit Hilfe eines HF-Übertragungs-
kanales). Stellt ein Gerät nun einen Überstrom in Rückwärts-
richtung fest, dann blockiert das Empfangssignal auf der anderen
Seite die Auslösung. Bei einem Überstrom in Vorwärtsrichtung
hingegen, erfolgt eine Auslösung bereits nach der kurzen Zeit
„tWarte“.
Die eingestellte Verzögerungszeit „Verzögerung“ wirkt in diesem
Fall als signalunabhängige Reserveschutzfunktion. Dies bedeu-
tet, dass bei Verwendung des Eingangs „Empfang“ der Einstell-
wert für „Verzögerung“ grösser sein muss als der Einstellwert
für„t-Warte“:
„Verzögerung“ > „tWarte“.

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Verhalten nach Ablauf des Spannungsgedächtnisses


Bei nahen Kurzschlüssen kann die Spannung sehr schnell auf
Werte nahe bei Null fallen, so dass eine Richtungsbestimmung
nicht mehr zuverlässig erfolgen kann. In diesen Fällen hilft das
eingebaute Spannungsgedächtnis. Während den ersten 200 Milli-
sekunden nach dem Eintreten des Überstromes wird der Strom
mit einem Spannungswert verglichen, der unmittelbar vor dem
Eintreten des Überstromes gemessen wurde, um die Richtung
zu bestimmen.
Nach Ablauf dieser Zeit wird noch während einer wählbaren Zeit
(siehe nächster Abschnitt) die zuletzt gemessene Richtung als
die gültige Richtung beibehalten.
Ist die definierte Zeit abgelaufen oder für den Fall, in dem auf
einen Kurzschluss geschaltet wird (das Spannungsgedächtnis
konnte gar keine Spannung speichern), dann kann mit Hilfe des
Einstellwertes „RichtErinn“ gewählt werden, wie die Schutz-
funktion sich verhalten soll. Es stehen zwei Einstellmöglichkeiten
zur Verfügung: Die Schutzfunktion soll in diesem Fall auslösen
oder sie soll blockieren.

Dauer des Spannungsgedächtnisses


Mit Hilfe des Einstellwertes „ErinnDauer“ kann die Länge des
Spannungsgedächtnisses gewählt werden. Beim Einsatz als
Reserveschutz für den Distanzschutz in Hochspannungsnetzen
sollte immer die kleinst mögliche Zeit (200 ms) gewählt werden,
da nur in dieser Zeit eine Richtungsumkehr noch festgestellt
werden kann, da mit einer tatsächlich gespeicherten Spannung
gerechnet wird. Bei längeren Einstellwerten wird nicht mehr mit
einer gespeicherten Spannung verglichen, sondern die zuletzt
gemessene Richtung wird als weiterhin gültige Richtung be-
trachtet.

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3.5.x. Unabhängig verzögerter


Überstrom-Richtungsschutz ................. (StromRichtung).....3.5.7-1

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