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Ein dringender Aufruf über alle Grenzen hinweg!

: Internationale Solidarität für


die 14 Häftlinge für die "Demokratie" in Chile!

Willkommen in Chile, einer Gesellschaft aus Gefängnissen und


Gefängniswärtern!

Diesen Samstag, den 14. August, stürmten mehrere unterschiedliche


Spezialeinheiten der Polizei (GOPE, Labocar, etc), bewaffnet mit
Militärausrüstung, drei besetzte Autonome Zentren (Centros Sociales) sowie
noch weitere andere Privathäuser in den Städten Santiago und Valparaiso. Bei
dieser Aktion wurden sämtliche Türen, Fenster, Möbel und sonstige
Inneneinrichtungen von den Polizeikräften zerstört.

Insgesamt wurden 14 Leute festgenommen, ohne den Grund ihrer Festnahme


zu wissen. Sechs davon wurden drei Tage später wieder, unter vorläufiger
Freiheit, aus Mangel an Beweisen freigelassen. Die Verbliebenen befinden sich
derzeit in Isolationshaft im Sicherheitsgefängnis und warten auf ihre
Verhandlung in Untersuchungshaft von 180 Tagen. Ihnen drohen bis zu 20
Jahre Gefängnishaft aufgrund des Vorwurfs einer vermeintlichen terroristischen
Vereinigung anzugehören, die die Anfertigung und Detonation von Bomben
angeordnet habe, welche in den vergangenen Monaten in der Hauptstadt
aufgetaucht waren. Bei dieser Vereinigung, so laut den Angaben der
Staatsanwaltschaft, handle es sich um eine von einigen Rädelsführern straff
hierarisch organisierte Vereinigung. Dies steht allerdings völlig im Gegensatz
zur Tatsache, dass es sich bei der Mehrheit der Gefangenen um Leute handelt,
die anarchistischen Überzeugungen anhängen und damit gegen jegliche
hierarchischen Strukturen sind sowie jegliche Rädelsführerei ablehnen.

Das ist das Ergebnis des aktuellen Schauspiels, der perfekte Ausgang für die
Puppenspieler, Handlanger und Gefängniswärter der gegenwärtigen
Machthaber und insbesondere für jene ehrlichen Bürger, die die Komplizen des
Schauspiels sind, in dem sie so sehr auf den Frieden und die Ruhe der Toten
achten, stumm und passiv und dabei nicht merken, dass mit ihrer Hilfe die
Geschichte der Unterdrückten immer weiter ausgelöscht wird, nämlich mithilfe
von Täuschungen Gefängnissen und Resignation.

„Der Bomben Fall“ - immer wieder taucht dieser Titel in dem Medien auf, so als
würde man einzelne Kapitel eines Romans lesen, in dem die Hauptdarsteller,
der gegenwärtige Innenminister, Staatsanwaltschaft und der dazugehörige
Polizeiapparat, alle möglichen (und unmöglichen) Mittel nutzen, die ihnen
gelegen kommen, um die "unerwünschten" Anarchisten zu fangen. Der Beginn
der Mediatisierung des „Bomben Falls“. Eine Saga von Polizeiverfolgungen, in
denen die Protagonisten ihr Debüt bereits gemacht hatten.

Man schaut auf den 10. September 2006 zurück, Vorabend eines historischen
Datums in Chile, an dem einige ihrer Verstorbenen und Verschwundenen
während der Zeit der Diktatur erinnern und gedenken, während andere
wiederum ihre Unzufriedenheit über die Falschheit der Demokratie zum
Ausdruck bringen, in der sich nicht viel im Vergleich zur Diktatur geändert hat.
Im Kontext dieser Proteste, in dem eine Molotov Bombe verwegen gegen das
Regierungsgebäude flog - die Bilder gingen um die Welt - das Symbol der
harmonischen Demokratie zerfetzt an seinem schwachen Punkt. Der
vereinende brüderliche Faktor der linken Hände war verändert worden.

Zwei Wochen nach diesem Vorfall stürmte ein Kontingent von Polizeikräften
das besetzte Haus „La mansión siniestra“ und verhaftete sechs Personen, die
sich zu ihrer Überraschung, dank der Medien, zu einer illegale Vereinigung
stilisiert wurden: „Bastler von Molotov Bomben“, „Gewalttätige Verbrecher“,
„Vandalen“. Ein Szenario ganz ähnlich den heutigen 14 angeklagten
Compañeros.

Jedenfalls hatten die Polizisten in ihrer Schlauheit nicht damit gerechnet, dass
sie mit ihren Beweismitteln nichts Konkretes in der Hand hatten, da es sich bei
den beschlagnahmten Materialien für die vermeintliche Anfertigung der Bomben
letztendlich um ganz normale Utensilien für den gemeinen Haushalt handelte.

Die Molotov Bomben hatten niemals existiert. Jedoch wurden die sechs
Angeklagten während des gesamten Prozesses von den Medien derart
diffamiert - sie wären die schlimmste moralisch existente Abweichung
überhaupt -, dass die damalige öffentliche Meinung eine Verurteilung bis zu fünf
Jahren Gefängnis legitimierte. Aber

UPS... Alles ein Irrtum! Die Anklagen waren falsch, die Montage der Polizei
wurde aufgedeckt.

Letzten Endes hatten die sechs Personen nicht das Vergehen begangen, für
das sie verurteilt werden sollten und kamen nach 11 Tagen Haft im
Sicherheitsgefängnis wieder auf freien Fuss. Wie zu erwarten war, fühlte sich
keine Institution für die irreparablen Folgen der körperlichen und
psychologischen Verletzungen und Leiden verantwortlich, geschweige denn für
die zerstörten und beschlagnahmten Dinge der Compañeros.

Vier Jahre sind seit diesem Vorfall vergangen und mit seinem Verlauf sind
Manipulationen, Polizei-Montage, Ungleichheit und Unterdrückungen weiterhin
an der Tagesordnung …

Um nur einige konkrete Beispiel zu nennen:

Laut der Umfrage der „Nationalen sozioökonomischen Charakterisierung"


vermehrte sich die wirtschaftliche Bresche seit dem Jahr 2006 um 13 % bis 15
%. Daneben beabsichtigt die Regierung laut Programm diesen Jahres ca. 135
Milliarden Pesos für den Bau 10 neuer Gefängnisse zu verausgaben, was sich
in der Gesamtsumme auf über 16 500 neue Plätze im aktuellen Strafsystem
zusammenzählen lässt. Dabei ist nicht unwichtig zu wissen, dass laut der
Quellen des Mideplan 64 % der strafverfolgten Bevölkerung Analphabeten sind
bzw. keine abgeschlossene Grundschulbildung haben oder mit anderen Worten
sie die ärmste und ausgegrenzte Schicht der Gesellschaft bilden.
Ganz klar deutlich wird hier, dass, was das System interessiert, ist vor allem in
das „Wegsperren“ anstatt in Bildung zu investieren. Jedoch brauchen diese
Gefängnisse ja auch Gefängniswärter …

Nachdem die "Concertación de Partidos por la Democracia" ("Koalition der


Parteien für die Demokratie") eine Dekade damit beauftragt war zu regieren,
wurden 42 Personen ermordet und anstatt Reformen anzustrengen, wie es zu
Beginn der Ausarbeitung der "Politischen Konstitution Chiles" versprochen
wurde, führte die Regierung die Tradition der Kriminalisierung von sozialen
Bewegungen durch die Vervollkommnung des Anti-Terrorismus Gesetzes fort.
Eine ihrer Änderungen bestand beispielsweise darin, den Polizisten die Stellung
als "Zeugen des Vertrauens" zuzuteilen und damit den Polizeikräften noch mehr
Glaubwürdigkeit bei ihren Manipulationen und Montageversuchen gegen
diejenigen zu verschaffen, die eine Bedrohung für das bestehende System
darstellen.

Und noch ein weiteres Beispiel: Seit diesem Jahr 2010 ist nun die „Koalition des
Wechsels“ mit ihrer "Renovación Nacional" ("Nationale Erneuerung") an der
Macht mit Sebastian Piñera (rechtskonservativ) an deren Spitze: er, auf seiten
der Diktatur, Kollaborateur Nr. 1 hinsichtlich der Errichtung eines neoliberalen
Wirtschaftsmodells in Chile; außerdem nicht zu vergessen, Piñera war es
gewesen, der den Chilenen und Chileninnen die großartige Gelegenheit bot,
Kreditkarten zu besitzen, leben um zu arbeiten und so seine Schulden zu
bezahlen. Aber vor allem anderen ist Piñera heute berühmt für seinen „Kampf
gegen die Kriminalität und das Verbrechen“, bei dem er ganz deutlich und
effektiv beweist, was er unter der vermeintlichen "Sicherheit" versteht:

Gefängniswärter, die die Sicherheit des Eigentums der Wirtschaftslobby


gewährleisten. Um sich Gewissheit zu verschaffen, dass das auch funktioniert,
verstärkte der Herr Präsident die Unterdrückungs- und
Repressionsmechanismen gegen die historisch unterdrückte Bevölkerung: das
Polizeipersonal wurde um 15.000 Grenzpolizisten und Polizisten in Zivil
erweitert, die sich schon jetzt, nach einigen wenigen Monaten, mit einer
Erhöhung ihrer Löhne von 18 % präsentieren.

Es ist als bilde dieser "Kampf gegen die Kriminalität" außerdem eine
beispielgebende Methode um die Ineffizienz der „Concertación“ zu beweisen,
die „tragischerweise“ während unser Zeit über uns hineinbrach. Heute steht es
uns also an als Sündenböcke zu dienen, hinplatziert wie Demente oder
Geistesgestörte im Schaufenster der Medien, damit er auf diese Weise
"moralische Sympathien" bei den Zuschauern gewinnt und so seine Triumphe
legitimieren kann. Zudem ist er sehr gefragt bei diesen neuen Henkern, die
ihrerseits, mit dieser Jagd andere Tatsachen verdecken, absichtlich unsichtbar
für die Medien, wie beispielsweise der Hungerstreik der 32 politischen
Gefangenen Mapuche, die gegen die Widrigkeiten der chilenischen Justiz
kämpfen und die ihre natürlichen Rechte einfordern. Ebenso wird verschwiegen
und verdeckt, dass im Zusammenhang des kürzlichen Erdbebens zur Bergung
von 33 verschütteten Bergmännern anstatt die technologisch effektivste die
billigste Ausrüstung verwendet wurde, was zur Folge hatte, dass die
Bergmänner erst nach einigen Tagen, eingeschlossen in den Minen, geborgen
werden konnten.

Heute sind es 14 Compañeros, darunter AnarchistInnen sowie solidarische und


soziale AktivistInnen, die sich in besetzten Centros Sociales und autonomen
Freiräumen engagieren, wo für alle frei zugängliche Bibliotheken, Videotheken
und Gemüse- und Obstgärten funktionieren, wo sich ausgetauscht wird, wo in
verschiedenen Foren und bei Aktivitäten über Ideen und Aktionen auf
horizontaler Ebene diskutiert wird. Diese Leute werden automatisch von der
Staatsanwaltschaft kriminalisiert, fragwürdige Beweise genügen dabei völlig,
um sie ihrer Freiheit zu entziehen. Wie zum Beispiel die Abhörung bzw.
Überwachung eines telefonischen Anrufs von einer Mutter des Betreffenden,
die sich lediglich nach seinem Befinden erkundigt und darum bittet, dass er auf
sich aufpasst. Die besetzten Freiräume und die damit verbundenen Personen,
die Tag für Tag aus ihrer individuellen Lebensweise heraus die Gesellschaft
anprangern und versuchen diese umzuformen, ihnen wurde durch die Vorurteile
und die Festnahme durch den Staat stark geschadet, was wiederum deutlich
macht, dass jegliche Verfolgung auch immer ideologisch ist.

Nun … Wer sind die Terroristen?

Gemeinsam rufen wir zur internationalen Unterstützung für die Häftlinge vom
14. August auf! Heute mehr denn je! An alle Internationalisten der Welt: auf zur
Solidarität und zur gemeinsamen Aktion mit den, durch die Lügen des
chilenischen Staates, Verfolgten!

Wütend und zornig

Radio Nomadista