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 Wien zählt 1900 fast zwei Millionen Einwohner und zieht künstlerische Talente aus dem gesamten

Reich an. Die Stadt erlebt eine Blütezeit in der Musik, der Malerei, der Architektur, der

Philosophie und der Literatur.


 Der Kulturbetrieb in der österreichischen Hauptstadt zwischen etwa 1890 und 1910 wird als
„Wiener Moderne“ bezeichnet.
 Diese Epoche fängt mit der Gründung der Zeitschrift Moderne Dichtung 1890 an.

 Herman Bahr, der als Prophet der Moderne galt, bildete mit anderen jungen Autoren eine Gruppe
„Jung Wien“, die in dieser Zeitschrift publizierte.
 Die literarischen Vertreter dieser Epoche waren:
a. Hugo von Hofmannsthal,
b. Arthur Schnitzler,
c. Peter Altenberg,
d. Richard Beer Hofmann,
e. Felix Salten und
f. Leopold von Andrian – Werburg

 Die Wiener Moderne wird auch als "Kaffeehausliteratur" bezeichnet, weil die
Autoren sich regelmäßig in Cafés zusammen mit anderen Künstlern treffen, um miteinander zu
diskutieren und Feuilletons oder fragmentarische Texte zu verfassen.

 Die bekanntesten Treffpunkte der Schriftsteller waren das Café Griensteidl und später das Café

Central .

 Nach der Schließung des Cafés in Wien hat Karl Kraus einen satirischen Text geschrieben

„Die demolierte Literatur“ . Er hat die Wiener Moderne kritisiert. In seiner Zeitschrift „ Die Fackel“
hat er die Literatur als „Schein“ und lügenhaft bezeichnet.
 1891 erschien eine Kritik von Bahr unter dem Titel Überwindung des Naturalismus.
 Er war der Meinung, dass man in der Literatur die Seelenstände darstellen soll.
 Er hat den Begriff „Nervenkunst“ eingeführt und das war ein Merkmal der Decadence, er nennt
das auch „nervöse Romantik“, Entbindung des „Nervösen“, Kunst der Nerven oder Mystik der
Nervenkunst.
 Er war der Meinung, dass die empfindlichen Leute für Eindrücke offen sind und nervöser
werden. Manche Schriftsteller haben ihre eigenen Neurosen kultiviert.Bei denen kommt das
Unbewusste leichter zum Ausdruck. Sie waren auf diese Weise bessere Schöpfer.
 war von ihm auch gepflegt. Man pflegte Individualismus und das

Zauberwort war „ICH“. Die Theorie des Physikers Ernst Mach hat er bevorzugt. Er hat

gedacht, dass unsere Wahrnehmung der Welt subjektiv ist, dass ICH eine Illusion ist. Machs
Theorie wurde auch als „P h i l o s o p h i e d e s I m p r e s i o n a l i s m u s “ genannt.

 Großen Einfluss auf die Schriftsteller übt der Begründer der Psychoanalyse, der Wiener

Psychologe Sigmund Freud, aus, dessen Buch und Traumtheorie ("Traumdeutung") 1899

erscheint. Seine anderen Werke, die diese Zeit stark beeinflußten sind Drei Abhandlungen zur
Sexualtheorie und Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten.

Hugo von Hofmannsthals Dramen

 Dramen sind die erste Phase seines Schaffens und diese Dramen stehen dem Gedicht sehr nahe.
Diese Dramen zeigen eine Annäherung an eine schmerzhafte Realität.
 Für lyrische Dramen ist es atypisch, dass eine Handlung fehlt.
 In seinen lyrischen Dramen findet eine Auseinandersetzung mit dem Ästhetizismus statt. Er stellt
die Figuren in seinen Werken als Ästheten dar und zeigt dabei ein Scheitern dieses Lebensmotivs,
also er kritisiert es.
Gestern ist eine dramatische Studie in einem Akt.

 Gestern erschien unter dem Pseudonym Theophil Morren .

 Im Mittelpunkt dieses Werkes steht der selbstsichere Adlige (Ästhet) Andrea. Er glaubt an die
Allmacht des Augenblicks, d.h. er strebt nach einem erfüllten Augenblick.
 Er will das Leben selbst zum Kunstwerk verdichten.
 Er ist egoistisch, aber diese Ich- Stärke ist eigentlich nur eine Illusion, denn er erscheint im Werk
als weltfremd und wird von seiner Umwelt als lächerliche Person wahrgenommen.

Der Tod des Tizian wird als Fragment eines lyrischen Dramas veröffentlicht.

 In diesem Werk wird nicht der Tod selbst dargestellt, sondern es wird über den Tod von den
Schülern Tazians gesprochen.
 Es ist eine schmerzliche Erkenntnis, dass die große Kunst der Vergangenheit angehört.
 Es beschreibt die U n v e r e i n b a r k e i t von Kunst und Leben.
 Die Schüler sehen die Schönheit des Lebens nicht im Leben selbst, sondern nur in Kunstwerken
Tazians. Sie empfangen das Gefühl der Verknüpfung mit der Welt nur durch die Betrachtung des
Kunstwerkes.
 Nach den Plänen des Autors sollten die Schüler auch dem Tod begegnen und auf diese Weise die
Lust auf das Leben spüren. Er hatte also die Absicht in diesem Stück die Entstehung des Gefühls
der „ zu zeigen.

Der Tor und der Tod erschien 1893.


 Das Todesmotiv erscheint im Werk durch das Moralitätenspiel und das Totentanzspiel.
 Im Werk gibt es Monologe des bloßen Seelendramas im Stil der Neuromantik.
 Es spricht über die lebensphilosophische Skepsis gegenüber dem narzisstischen Ästhetizismus.
 Im ersten Teil des Werks führt Claudio, die Hauptperson, einen Monolog, aber wir erfahren nicht
viel über sein Leben, sondern mehr darüber, wie er das Leben sieht und was er vom Leben
erwartet.
 Im Werk geht es darum, den Gegensatz zwischen der ästhetischen und sozialen Existenz
darzustellen.
 Im Werk gibt es zahlreiche literarische Anspielungen auf Shakespeare, Hölderlin und Goethes
Faust.
Das kleine Welttheater oder die Glücklichen wurde mit der Bezeichnung Puppentheater
veröffentlicht.
 „Die Glücklichen“ erfahren im Werk das Leben nicht unmittelbar.
 Die Schlüsselwörter sind Schatten und Spiegel.

Die Frau am Fenster stellt Hofmannsthals artistischen Höhepunkt dar.


 Man erkennt im Werk Züge des Jugendstils.
 Es beschreibt den erhöhten Zustand der Seele in der Todesstunde und die dionysische Einheit

von Liebestrunkenheit und Todesrausch.

 Der Chandos-Brief von 1902 markiert seinen Wendepunkt. Er stellt den Durchbruch zur
Überzeugung von Kontemporanietät und Allomatie.
 Die Kontemporanietät ist die Teilnahme an der Zeit und die Verantwortung innerhalb der
Gesellschaft. Dazu gehören seine Werke König Ödipus, Jedermann, Das Salzburger Große
Welttheater, Der Turm, Der Schwierige und Der Unbestechliche.
 Allomatie bedeutet die gegenseitige Erhöhung der Menschen durch Liebe und Opfer. Dazu
gehören seine Werke Elektra, Der Rosenkavallier, Ariande auf Naxos, Die Frau ohne Schatten
und Arabelle.
 Richard Strauß vertonte viele seiner Dramen.
 Hofmannthals Spätwerke werden an der Gültigkeit der griechischen Tragödie, dem
Barockdrama, den französischen Lustspielen, dem mittelalterlichen Spiel und dem
Märchen orientiert.
Ödön von Horvath

 Ödon von Horvath (1901-1938) ist Dramatiker, der sich vor allem mit der Tradition des Wiener
Volksstückes zur Zeit der ersten Republik beschäftigt hat.
 In seinen Werken bemerkt man auch einen Einfluss der österreichischen sprachskeptischen
Literatur.
 Seine Helden wurden als ´´heutige Menschen aus dem Volk´´ bezeichnet und sie stammen vor

allem aus dem Kleinbürgertum oder Mittelstand.


 Ödon von Horvath stellte alles, was zu seiner Zeit passierte, sehr treu dar. Man bezeichnet ihn als

treuen Chronisten seiner Zeit, der die Masse schildern soll.

 Als ein wichtiges Merkmal seiner Werke gilt die Einheit von Satire und Trauer und von Kritik und

Anklage.

 Die Sprache in seinen Werken stellt den neuen Bildungsjargon dar, aus dem die Dialoge der Stücke

entstanden.

Sein Stück Italienische Nacht entstand im Jahre 1931.


 Es stellt familiäre Konflikte dar, das Mileu der kleinen Leute in der Provinz und ihre

versteinerten Verhältnisse.

 Hier wird auch die behandelt, in Bezug auf die

Kleinbürger.
 Es wird die provinzielle Borniertheit und politische Sorglosigkeit der Kleinbürger gezeigt
und auch die Anknüpfungspunkte, welche die Faschisten im Kleinbürgertum vorfanden.

Geschichten aus dem Wiener Wald ist auch 1931 entstanden.


 Der Titel ist eine ironische Anspielung auf den Walzer von Strauß.
 Dieses Werk wurde als Melodrama mit Happy End bezeichnet.
 Es ist eine Geschichte eines lebenslustigen Mädchens aus der Wiener Vorstadt. Sie kommt
aus einer von sozialer Deklarisierung bedrohten mittelständischen Kleinfamilie und das
Stück zeigt patriarchalisch-repressive Strukturen.
 Viele Klischees werden entlarvt, die man mit der Stadt Wien, ihrer Literatur, ihrer Musik
und ihrer Geselligkeit verbindet.
 Gemütlichkeit, familiäre und nachbarschaftliche Vertrautheit sind als Totentanz
repräsentiert.
Im Jahre 1932 entstand Kasimir und Karoline.

 In diesem Werk stellt man einen Besuch auf dem Münchner Oktoberfest dar.
 Das Stück besteht aus 117 Szenen.
 Die beiden Hauptfiguren finden neue Partner fürs Leben.

 Musik nimmt im Werk einen großen Raum ein.


 Das Volksfest oder Oktoberfest zeigt man als melancholischen Hexensabbat.

 Das Verhalten großstädtischer Massenmenschen ist dargestellt.

Georg Trakl

 G.T. ist einer der wichtigsten Lyriker und Vertreter des frühen Expressionismus.
 Sein Vater, Tobias Trakl, war Eisenhändler und seine Mutter hieß Maria Catharina und war
drogenabhängig.
 Georg Trakl wurde im Jahre 1887 in Salzburg geboren.

 Er wurde von der Hauslehrerin Marie Boring aufgezogen. Sie wurde zu seiner Ersatzmutter und

durch sie hat er die französischen Symbolisten (Rimbaud, Baudelaire) kennengelernt, die auf sein
Schaffen großen Einfluss hatten.
 Ein wichtiger Punkt in seinem Leben war die Geburt seiner Schwester Margarete (Grethe) 1892.
Er hat sie als Pendant von sich selbst betrachtet. Es gab eine sehr enge Beziehung zwischen ihnen.
Beide waren drogensüchtig.
 Von 1897 bis 1905 besuchte er das Stadtgymnasium in Salzburg, wo er die ersten
Drogenerfahrungen hatte. Er verlässt die Schule ohne Abschluss.
 Von 1905 bis 1908 absolvierte er eine Apothekerlehre.
 1906 wurden im Salzburger Stadttheater Trakls Theaterstücke Totentag. Dramatisches
Stimmungsbild in einem Akt und Fata Morgana. Tragische Szene aufgeführt. Sie waren
erfolgslos und er vernichtete die Manuskripte.
 von 1908 bis 1910 studierte er Pharmazie in Wien. Neben dem Studium interessierte er sich für
Literatur, Musik, Architektur und Malerei.

 1911 war er im Sanitätdienst. Er lernte Ludwig von Ficker kennen, der ihm finanziell, als auch

seine Gedichte zu publizieren, half. Trakl veröffentlichte in Fickers expressionistisch orientierter


Zeitung Der Brenner seine Gedichte, was zu seinem dichterischen Durchbruch verhalf.

 1912 war er probeweise Militärapotheker in Innsbruck aber verfällt in Depressionen.


 1913 gab der Verleger einen Gedichtband von Trakl in der Reihe Der jüngste Tag
heraus (Gedichte).
 1914 meldete Trakl sich als Freiwilliger zum Ertsen Weltkrieg als Sanitätsoffizier. Er konnte die
Gräuel des Krieges nicht ertragen und erlitt einen Nervenzusammenbruch.
 1914 starb er durch eine Überdosis Kokain.
 Der letzte Gedichtband Sebastian im Traum , den er vor dem Krieg schrieb, erschien
1915.
 Ab 1945 findet sein Werk in größerem Umfang öffentliche Beachtung.

 Er war stark von den Philosophen

Nietzsche Kierkegaard und den Hölderlin Baudelaire und


Dichtern Rimbaud
beeinflußt.
 Bei der Form achtete er auf formale und klangliche Schönheit. Anfangs schrieb er subjektive,

gereimte Bekenntnislyrik, später beschäftigte er sich aber mit der „absoluten“ freirhythmischen
Hymnik.
 Charakteristisch für seine Lyrik war eine schwer zugängliche Sprach-, und Bilderwelt, die in
kalten, dunklen Farben, voller Symbole und Metaphern und durch das Bild der verlorenen Welt
und des leidenden Menschen dargestellt wurde.

 Die häufigsten Themen in seinen Werken waren Dämonen des Lebens und das Böse, Schuld,

Einsamkeit, Leben als Leid, sowie Vergänglichkeit, Verfall, Untergang des Abendlandes,
Auflösung, Tod, aber auch die Suche nach Gott und nach dem Sinne des Lebens.

 Die Leitmotive seiner Werke sind Herbst und Nacht, aber auch die mythologischen und

religiösen Motive kommen sehr oft vor.

 Es gibt 4 Phasen seines Schaffens:


Für die 1. Phase (bis 1909) sind Einflüsse von Symbolismus und
Impressionismus charakteristisch.
Die 2. Phase (1909-1912) ist ganz im Zeichen des (Früh)Expressionismus.
Für die 3. Phase (1912- 1914) sind die Verschärfung seines psychischen
Zustands, sowie die Beziehung zu seiner Schwester von der größten
Bedeutung.
Die 4. Phase seines Schaffens (1914) bezieht sich auf seine Kriegserlebnisse.
Seine bekanntesten Gedichte sind:

Verfall (1909),
Menschheit (1912),
Der Herbst des Einsamen (1913),
Grodek (1914),
Klage (1914).
Österreichische Frauenliteratur
Die wichtigsten Vertreterinnen der Österreichischen Frauenliteratur sind Ingeborg Bachmann, Brigitte
Schwaiger, Marlen Haushofer, Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth und Elfriede Jelinek.

Brigitte Schweiger lebte von 1919 bis 2010.

 1977 erschien ihr Roman Wie kommt das Salz ins Meer.
 Er ist stark autobiographisch und erzählt über das Scheitern der Ehe und ihren Versuch ihre
Identität zu definieren.
 Er stellt das gutbürgerliche Ambiente dar.

Marlen Haushofer lebte von 1920 bis 1970.

 1963 wurde ihr Roman Die Wand veröffentlicht.


 Er enthält Elemente der Frauenliteratur, Bedrohung der Umwelt durch den Menschen und Fragen
der Ökologie.
 Alptraum des Romans ist die totale Isolierung der Ich-Erzählerin.

Friederike Mayröcker wurde 1924 geboren.

 Sie geht auf Spuren Ingeborg Bachmanns.


 Sie stellt die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit dar.
 Die Welt ist rätselhaft und das Ich besitzt die Sprache als den einzigen Halt.
 Sie schrieb Lyrik aber auch Prosa und Hörspiele.
 Ihre bekanntesten Werke sind Retour an dich mein totes Kind und Das Anheben der
Arme bei Feuersglut.

Barbara Frischmuth wurde 1941 geboren.

 Sie ist Autorin von Kinderbüchern und Puppenspielen.


 Sie gestaltet die Situation der Frau und die Suche nach neuen Lebensmodellen, und so entstanden
Kai und die Liebe zu den Modellen, 1979, Die Frau im Mond 1982 und Kopftänzer 1984.

Elfriede Jelinek wurde 1946 geboren.

 Sie kritisiert in Theaterstücken und Romanen die Klassengesellschaft, wie z.B. in Die
Ausgesperrten und Die Klavierspielerin, und die Männervorherrschaft in Die Liebhaberinnen und
Lust.
 Ihr wichtigstes Mittel ist die ironisch-groteske Brechung des Realen.
 1984 entstand Krankenheit oder Moderne Frau. Es ist ein parodisches Stück mit weiblicher
Thematik. Es handelt vom Geschlechterkampf, patriarchaler Kultur und einem
Herrschaftsdiskurs.