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In dieser Studie erfahren Sie, wie Industrie-

unternehmen den digitalen Wandel gestalten


und neue Wachstumspotenziale erschließen.
Eine Befragung in fünf Kernbranchen.

Industrie 4.0
Österreichs Industrie im Wandel

100
befragte Unternehmen aus
fünf Industriebranchen.

4 Mrd.
Euro investieren Österreichs
Industrieunternehmen bis
2020 jährlich in Industrie 4.0-
Lösungen.

85 %
der Unternehmen wollen in
den nächsten fünf Jahren
ihre Wertschöpfungskette
digitalisiert haben.

www.pwc.at/industrie40
Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel

Herausgegeben von der PwC Österreich GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft


Von Jörg Busch (PwC), Alexander Soukup (PwC), Harald Dutzler (Strategy&), Markus Loinig
(Strategy&) und Andreas Gorholt (PwC)

Juni 2015, 49 Seiten, 28 Abbildungen, Digitalversion

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen, Mikroverfilmung sowie die Einspeicherung und


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wieder. In den Grafiken kann es zu Rundungsdifferenzen kommen.

Eine gemeinsame Studie von PwC und Strategy&

Über PwC Über Strategy&


PwC ist eines der führenden Bera- Strategy& ist ein globales Team pra-
tungsunternehmen in Österreich und xisorientierter Strategen. Unser Ziel
unabhängiges Mitglied im weltweiten ist es, unseren Klienten jederzeit den
Netzwerk von PwC. Wir bieten Dienst- entscheidenden Vorteil zu verschaffen.
leistungen in den Bereichen Wirt- In enger Zusammenarbeit mit ihnen
schaftsprüfung, Steuerberatung und meistern wir ihre größten Heraus-
Unternehmensberatung. Die Marke PwC forderungen und helfen ihnen ihre
steht für ein Versprechen an unsere Chancen zu identifizieren. Wir verfü-
Klientinnen und Klienten und Partner: gen über 100 Jahre Erfahrung in der
Die Beziehung mit PwC hilft unseren Managementberatung und kombinieren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese mit der einzigartigen Industrie-
und unseren Kundinnen und Kunden, erfahrung und den Ressourcen von
den Nutzen und Wert zu finden, den PwC. Sei es bei der Entwicklung einer
sie anstreben. Das schaffen wir durch Unternehmensstrategie, der Transfor-
Beratung von der Strategie bis zur mation eines Geschäftsbereichs oder
Durchführung. In Österreich gibt es acht beim Aufbau neuer Kompetenzen, wir
PwC-Standorte mit rund 900 Mitar- schaffen jederzeit den Mehrwert, den
beiterinnen und Mitarbeitern und 40 unsere Klienten von uns erwarten.
Partnerinnen und Partnern. Auf unsere Nach dem Zusammenschluss mit PwC
Expertise vertrauen der öffentliche und dem Beitritt zum PwC-Netzwerk
Sektor, Banken, lokal und global führen- im April 2014 wurde Booz & Com-
de Unternehmen – vom Familienbetrieb pany in Strategy& umbenannt.
bis zum Weltkonzern. Im Geschäfts-
jahr 2013/2014 hatte PwC Österreich
einen Umsatz von 101,4 Mio. Euro.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden männliche und weibliche Sprachformen nicht gleichzeitig verwendet.
Personenbezeichnungen schließen immer beide Geschlechter mit ein.
Inhaltsverzeichnis

A Industrie 4.0 – die vierte industrielle Revolution................................................4

B Kernaussagen der Studie....................................................................................7

C Die Studienergebnisse im Detail....................................................................... 11

1 Industrie 4.0 transformiert das gesamte Unternehmen und


gehört auf die CEO-Agenda..............................................................................12
2 Österreichs Industrieunternehmen investieren bis 2020 jährlich
über 4 Milliarden Euro in Industrie 4.0-Anwendungen. ................................... 14
3 Die Anzahl der hochdigitalisierten Unternehmen soll sich in den
nächsten fünf Jahren mehr als verdreifachen................................................... 16
4 Industrie 4.0-Anwendungen führen zu einer höheren Produktions-
und Ressourcen­effizienz – 20 % Effizienz­steigerung in fünf Jahren................. 19
5 Die Analyse und Nutzung von Daten ist die Kernfähigkeit im Rahmen
von Industrie 4.0. .............................................................................................22
6 Die Digitalisierung des Produkt- und Serviceportfolios ist der
Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg. .............................................25
7 Digitalisierte Produkte und Services erwirtschaften zusätzlich
knapp 3 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr für die
österreichische Industrie. ................................................................................27
8 Industrie 4.0 ermöglicht neue, oftmals disruptive,
digitale Geschäftsmodelle................................................................................30
9 Unternehmensübergreifende Kooperationen ermöglichen eine
bessere Erfüllung von Kundenanforderungen. .................................................32
10 Industrie 4.0 birgt vielfältige Herausforderungen und
Chancen für den Wirtschaftsstandort Österreich. ............................................34

D Ausblick und Handlungsempfehlungen............................................................39

E Methodisches Vorgehen....................................................................................44

Ihre Ansprechpartner..............................................................................................47

Danksagung............................................................................................................48
A Industrie 4.0 – die vierte industrielle
Revolution

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 4


Industrie 4.0 – die vierte industrielle Revolution

Die vierte industrielle Revolution Umsatz und Wettbewerbsfähigkeit keitsrechnung für Industrie 4.0 müssen
bedeutet eine zunehmende Digitali- steigern vor allem Industriestandards definiert
sierung von Produkten, Wertschöp- Ein zweiter wichtiger Treiber: Durch- und Aufgaben, etwa im Bereich der
fungsketten und Geschäftsmodellen – schnittlich 2,6 % Umsatzsteigerung Datensicherheit, gelöst werden.
diese Entwicklungen sind in der werden durch die Digitalisierung der Die Befragten betrachten auch eine
österreichischen Industrie eindeutig eigenen Produkte und Dienstleistungen zukunftsweisende Qualifizierung
angekommen. Die vorliegende Studie erwartet. Gleichzeitig geht damit die der Mitarbeiter von zunehmend
Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit digitalisierten Unternehmen als eine
Wandel stellt die wesentlichen Merk- der Unternehmen und des Standortes zentrale Hürde. Bei diesen Themen
male, Chancen und Herausforderungen Österreich einher. Hochgerechnet auf können Politik und Industriever-
vor. Dazu wurden 100 österreichische die österreichische Industrielandschaft bände wichtige Impulse setzen.
Industrieunternehmen befragt. ergeben sich insgesamt Mehrumsätze
von fast 3 Milliarden Euro pro Jahr. Die vierte industrielle Revolution hat
Der digitale Wandel führt – aus Sicht begonnen und bietet den österreichi-
der Befragten – zu einer nahezu Zusatznutzen für Kunden bieten schen Industrieunternehmen attraktive
vollständigen Transformation ihrer Als dritter zentraler Treiber entstehen Chancen. Dabei ist Industrie 4.0 für
Unternehmen und gleichzeitig zu sig- schließlich neue, oftmals disruptive die Unternehmen alles andere als ein
nifikanten, notwendigen Investitionen. digitale Geschäftsmodelle – diese Selbstzweck, sondern beschreibt einen
Österreichische Industrieunternehmen bieten dem Kunden dank der auf ihn Umbruch, der durch neue Technologien
wollen bis 2020 jährlich fast 4 % ihres zugeschnittenen Lösungen einen signifi- und verändertes Nutzerverhalten erst
Umsatzes in Industrie 4.0-Lösungen kanten Zusatznutzen. Eine solche Ent- ermöglicht wird. Industrie 4.0 ist eng
investieren. Hochgerechnet entspricht wicklung ist eng verbunden mit einer er- verbunden mit klaren wirtschaftlichen
dies einem jährlichen Investitions- heblichen Zunahme von Kooperationen Zielen und Nutzenpotenzialen und bie-
volumen von über 4 Milliarden Euro. über die Wertschöpfungsketten hinweg. tet die Chance für eine bessere Differen-
Das bedarf einer intensiven Nutzung zierung im globalen Wettbewerb.
Wertschöpfungsketten besser steuern und Analyse von Daten, die zur besse-
Die Möglichkeit zur besseren Steuerung ren Erfüllung von Kundenbedürfnissen Unsere Untersuchung soll dazu bei-
von unternehmensübergreifenden und beitragen und die neue Geschäfts- tragen, die zentralen Chancen und
-internen Wertschöpfungsketten ist modelle oftmals erst ermöglichen. Herausforderungen zu erkennen
ein erster wesentlicher Treiber für den und Lösungsansätze für die erfolg-
Vormarsch von Industrie 4.0-Lösungen. Entwicklungen gezielt managen reiche Umsetzung aufzuzeigen.
Die befragten Unternehmen erwarten Die vielfältigen Chancen, der erheb- Die Zeit zu handeln ist jetzt!
sich Produktivitätsverbesserungen von liche Umfang der Veränderungen wie
rund 20 % in den nächsten fünf Jahren. auch die Höhe des Investitionsbedarfs
Ein Viertel der Industrieunternehmen machen das Thema Industrie 4.0 zu
hat bereits einen hohen Digitalisierungs- einem wichtigen Anliegen für die
grad entlang der Wertschöpfungskette Führungsebenen der Unternehmen.
erreicht. In fünf Jahren werden über Im Fokus stehen jedoch auch die zahl-
85 % der Unternehmen Industrie 4.0- reichen Herausforderungen, die der
Lösungen in allen wichtigen Unterneh- Wandel mit sich bringt. Neben der zum
mensbereichen implementiert haben. Teil noch unklaren Wirtschaftlich-

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 5


Industrie 4.0 – die vierte industrielle Revolution

Industrie 4.0 ist Basis eines digitalen Unternehmens Produktionsvolumen verachtfacht! Für
eine Chance für den ist ein gemeinsames Datenhaltungs- Hochlohnländer wie Österreich ist das
Industriestandort und Datenmanagementsystem. Mit eine Chance im Standortwettbewerb.
Österreich „Teamcenter“, dem am Markt führen-
Das Internet und die damit einherge- den Softwareprodukt für Datenmana- Industrie 4.0 auch Voraussetzung für
hende Digitalisierung wirken auch in gement von Siemens PLM Software, „Re-Shoring“ und „Next-Shoring“
der Industrie als enormer Beschleuniger bietet Siemens seinen Kunden hier ein In diesem Zusammenhang ist ein wei-
von Geschäftsprozessen und revolutio- langfristig sicheres Fundament für alle terer aktueller Trend von besonderem
nieren das globale Geschäftsgeschehen. folgenden Softwareinvestitionen. Interesse: Die Abkehr von riesigen
Für die österreichische Industrie ist das zentralen Produktionsstätten, die den
Chance und Herausforderung zugleich. Siemens Vorzeigewerk der „Digita- Weltmarkt beliefern, hin zu beweg-
Die richtige Antwort auf steigenden len Fabrik“ im bayrischen Amberg lichen, weltweit verstreuten Produk-
Kostendruck, kürzere Innovationszy- Das Siemens Elektronikwerk im bayri- tionsnetzwerken kleinerer Fabriken.
klen, komplexere und individuellere schen Amberg gilt als Vorzeigebeispiel Dahinter steht der Gedanke, in der Nähe
Produkte sowie die Notwendigkeit zur für die Anwendung der „Digital Enter- von Absatzmärkten, innovativen Zulie-
Energie- und Ressourceneffizienz heißt prise“ und zeigt den aktuellen Stand ferern aber auch qualifiziertem Personal
Digitalisierung – und zwar entlang der Produktionsautomatisierung. Hier zu produzieren. Auch steigende Trans-
der gesamten Wertschöpfungskette. wird heute schon produziert, wie es in portkosten für Rohstoffe und für fertige
Denn die Anforderungen, die sich mit einigen Jahren in vielen Fertigungswer- Produkte lassen sich so effektiv begren-
der fortschreitenden Entwicklung der ken Standard sein wird. Die Produkte zen. Erwartet werden zwei parallel
Internetökonomie ergeben, sind mit steuern ihre Fertigung selbst. Sie teilen laufende Entwicklungen: Zum einen das
einer ausschließlichen Fokussierung auf den Maschinen über den Produktcode „Re-Shoring“, also das Rückholen der
Automatisierung nicht mehr zu erfüllen. mit, welche Anforderungen sie haben Produktion aus Niedriglohnländern in
Die Digitalisierung eröffnet produ- und welche Produktionsschritte als westliche Industrieländer, andererseits
zierenden Unternehmen ganz neue nächstes nötig sind. In Amberg ist die der Aufbau von hochmodernen Produk-
Möglichkeiten, Produkte und Lösungen Fertigung auf dem Weg zu einer Indus- tionsstätten in aufstrebenden neuen
schnell und effizient zu entwickeln trie 4.0 schon gut vorangekommen. Märkten, auch „Next-Shoring“ genannt.
und zu fertigen. Wer bereits heute die Künftig werden die reale und virtuelle Das Ergebnis wäre eine dezentrale
Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt, Welt in der Produktion noch enger Neuausrichtung globaler Produktions-
kann schon jetzt seine Produktivität stei- verschmelzen, Produkte miteinander strukturen, die sich an der regionalen
gern, die Kosten senken, die Fehlerquote und mit den Maschinen kommunizieren Nachfrage orientiert. Produkte könnten
minimieren und die „time to market“ und ihre Produktionswege optimieren. so für den jeweiligen Markt maßge-
um bis zu 50 Prozent verringern. Kon- Fabriken werden in der Zukunft noch schneidert werden. Voraussetzung
kret geht es um die horizontale Integ- flexibler als heute individuelle Einzel- für die Errichtung solcher dezentraler
ration des gesamten Wertschöpfungs- produkte fertigen und eine höhere Wirt- Produktionsnetzwerke sind Strukturen
prozesses durch eine entsprechende schaftlichkeit erzielen: In kurzer Zeit, zu einer Industrie 4.0, über die Maschinen,
IT-technische Unterstützung. Darüber niedrigen Kosten bei höchster Qualität. Menschen und Produkte miteinander
hinaus müssen alle Engineering Tools kommunizieren können. Auch deshalb
entlang der Wertschöpfungskette inte- Industrieller Umbruch als Chance sollten in Österreich bereits heute die
griert werden. Und natürlich müssen für den Standort Österreich Möglichkeiten der Digitalisierung von
auch die Produktionsprozesse vernetzt Wie industrielle Umbrüche zuvor hat Produktionsstätten genutzt werden. An
und vertikal integriert werden. auch die digitale Fabrik gesellschaftli- der Realisierung der „Digital Enterprise“
che Konsequenzen. Berufsbilder werden gilt es mit Nachdruck zu arbeiten.
„Digital Enterprise“ für die sich ändern, ebenso wie die dazuge-
Umsetzung von Industrie 4.0 hörige Ausbildung. Es braucht künftig
Siemens hat in den letzten 15 Jahren MitarbeiterInnen, die die Kombination
signifikant in den Auf- und Ausbau aus klassischem Maschinenbau und IT
seines Softwareportfolios investiert, beherrschen. Die MitarbeiterInnen in
das dazu dient, die gesamte industrielle den Fertigungen werden verstärkt Ma-
Wertschöpfung von der Produktdefi- schinen lenken, kreativ in Fertigungs-
nition bis zum After Sales Service zu prozessen denken und Entscheidungen
unterstützen. Die Software Suite, an der Maschinen kontrollieren. Die Anfor-
deren Ausbau und Integration weiterhin derungen an diese ArbeitnehmerInnen
mit Nachdruck gearbeitet wird, heißt werden steigen. Die menschenleere
„Digital Enterprise Software Suite“. Fabrik wird es hingegen nicht geben.
Sie bietet bereits heute das Grundgerüst Auch das ist am Beispiel Amberg gut
an Software, das Unternehmen benöti- belegbar. Die MitarbeiterInnen-Zahl ist Dr. Kurt Hofstädter
gen, wenn sie in der Internet-Industrie dort mit rund 1200 Beschäftigten seit Leiter der Digital Factory Division CEE
mithalten wollen. Der Anfang und die 1989 konstant – indes hat das Werk sein Siemens AG Österreich

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 6


B Kernaussagen der Studie

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 7


1 Industrie 4.0 transformiert das
gesamte Unternehmen und gehört

2
auf die CEO-Agenda.

Österreichs Industrieunter-
nehmen investieren bis 2020 jährlich
über 4 Milliarden Euro in

3
Industrie 4.0-Anwendungen.

Die Anzahl der hochdigitali-


sierten Unternehmen soll sich in
den nächsten fünf Jahren mehr

4
als verdreifachen.

Industrie 4.0-Anwendungen führen


zu einer höheren Produktions- und
Ressourceneffizienz – 20 % Effizienz-
steigerung in fünf Jahren.

5
Die Analyse und Nutzung
von Daten ist die Kern-
fähigkeit im Rahmen von
Industrie 4.0. 4.0
Die Digitalisierung des Produkt-

6
und Serviceportfolios ist der
Schlüssel zu nachhaltigem
Unternehmenserfolg.

Digitalisierte Produkte und Services

7
erwirtschaften zusätzlich knapp
3 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr für
die österreichische Industrie.

8
Industrie 4.0 ermöglicht
neue, oftmals disruptive,
digitale Geschäftsmodelle.

9
Unternehmensübergreifende Kooperationen
ermöglichen eine bessere Erfüllung von
Kundenanforderungen.

10
Industrie 4.0 birgt vielfältige
Herausforderungen und Chancen für
den Wirtschaftsstandort Österreich.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 8


Kernaussagen der Studie

Die Ergebnisse der Studie sind hier in den folgenden zehn Kernaussagen zusammengefasst:

1. Industrie 4.0 transformiert 3. Die Anzahl der hochdigita- 5. Die Analyse und Nutzung
das gesamte Unternehmen und lisierten Unternehmen soll sich in von Daten ist die Kernfähigkeit im
gehört auf die CEO-Agenda. den nächsten fünf Jahren mehr als Rahmen von Industrie 4.0.
verdreifachen.

Das Thema Industrie 4.0 umfasst Bereits heute haben fast drei Viertel Schon heute ist die effiziente Analyse
nicht nur die Digitalisierung der der Befragten ihre Wertschöpfungs- und Nutzung von Daten für mehr als
unternehmensinternen und -über- ketten zum Teil digitalisiert. Das die Hälfte aller befragten Unterneh-
greifenden Wertschöpfungsketten. heißt, dass häufig erst Teilbereiche men von hoher Bedeutung. 91 %
Auch das Produkt- und Serviceange- und Insellösungen umgesetzt sind. sind der Ansicht, dass schon in fünf
bot der Unternehmen sowie ganze Die Unternehmen erwarten sich in Jahren die Fähigkeit zur Daten-
Geschäftsmodelle werden revolutio- Zukunft einen gesamtheitlicheren analyse für das Geschäftsmodell
niert. Das Ziel ist letztlich, Kunden- Blick auf ihre Wertschöpfungs- entscheidend sein wird. Dabei liegt
bedürfnisse besser zu erfüllen. Die ketten, sodass bis zum Jahr 2020 der Fokus der Unternehmen primär
Nutzenpotenziale von Industrie 4.0 mindestens 85 % der unterneh- auf dem effizienten Datenaustausch
gehen weit über die Optimierung mensinternen und -übergreifenden innerhalb der eigenen Wertschöp-
von Produktionstechniken hinaus. Wertschöpfungsketten einen hohen fungskette, der eindeutigen digitalen
Um diese auszuschöpfen, sind Digitalisierungsgrad aufweisen Kennzeichnung der Produkte und
umfangreiche Investitionen erfor- werden. auf der Nutzung von Echtzeitdaten
derlich. Daher nimmt das Thema zur Steuerung der Produktion.
zwingend einen Spitzenplatz auf
der Agenda von Vorständen und
Geschäftsführern österreichischer
Industrieunternehmen ein.

2. Österreichs Industrie- 4. Industrie 4.0-Anwendungen 6. Die Digitalisierung des Pro-


unternehmen investieren bis 2020 führen zu einer höheren Produk- dukt- und Serviceportfolios ist der
jährlich über 4 Milliarden Euro in tions- und Ressourceneffizienz – Schlüssel zu nachhaltigem Unter-
Industrie 4.0-Anwendungen. 20 % Effizienzsteigerung in fünf nehmenserfolg.
Jahren.

Die befragten 100 Industrieunter- Die Industrie muss mit immer weni- 36 % der befragten Unternehmen
nehmen werden in den nächsten fünf ger Rohstoffen und immer weniger haben ihre Produkte bereits hoch
Jahren durchschnittlich 3,8 % Energie größere Mengen produzie- digitalisiert und ihr Angebot hin
ihres Jahresumsatzes in Industrie 4.0- ren. Industrie 4.0 ermöglicht eine zu vernetzten und automatisierten
Lösungen investieren. Dies ent- höhere Produktions-, Energie- und Dienstleistungen ausgebaut. Ein
spricht einer jährlichen Investitions- Ressourceneffizienz und schafft da- mechanisch perfektes Produkt allein
summe von mehr als 4 Milliarden mit die Voraussetzungen, um nach- wird nicht mehr genügen, um im
Euro, bezogen auf die österrei- haltig wirtschaftlich produzieren zu internationalen Wettbewerb langfris-
chische Industrielandschaft. Um können. Durch die Digitalisierung tig bestehen zu können. Der Anteil
maximalen Erfolg zu erzielen, der Wertschöpfungsketten verspre- der Unternehmen mit einem hohen
werden diese Investitionen entlang chen sich die befragten Unterneh- Digitalisierungsgrad des Produkt-
der gesamten Wertschöpfungskette men über alle Branchen hinweg eine portfolios wird in den nächsten
erfolgen. durchschnittliche jährliche Effizi- fünf Jahren auf 80 % ansteigen.
enzsteigerung von 3,7 % sowie eine
Reduktion der Herstellungskosten
von 2,6 % p.a.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 9


Kernaussagen der Studie

7. Digitalisierte Produkte und 9. Unternehmensübergreifende


Services erwirtschaften zusätzlich Kooperationen ermöglichen eine
knapp 3 Milliarden Euro Umsatz bessere Erfüllung von Kundenan-
pro Jahr für die österreichische forderungen.
Industrie.

Die Hälfte der befragten Unterneh- Schon heute ist rund die Hälfte
men erwartet für die nächsten fünf aller befragten Unternehmen davon
Jahre ein zweistelliges Wachstum in- überzeugt, dass vertiefte Kooperati-
folge einer stärkeren Digitalisierung onen mit Wertschöpfungspartnern
ihres Produkt- und Serviceportfolios. – verbunden mit einer stärkeren un-
Ein Fünftel der Unternehmen geht ternehmensübergreifenden Vernet-
sogar von einer Umsatzsteigerung zung – von hoher Bedeutung sind.
von über 20 % aus. Insgesamt ergibt Mit zunehmendem Digitalisierungs-
sich daraus eine durchschnittliche grad wird diese Bedeutung im Zuge
Umsatzsteigerung von 2,6 % pro von Industrie 4.0 nochmals stark
Jahr. Auf die Gesamtheit aller zunehmen – insbesondere durch den
Industrieunternehmen in den fünf Aufbau neuer, digitaler Geschäfts-
Kernbranchen bezogen entspricht modelle. Über 80 % der befragten
dies einem zusätzlichen jährlichen Unternehmen gehen davon aus, dass
Umsatzpotenzial von knapp 3 Milli- in fünf Jahren vertiefte Koopera-
arden Euro. tionen und eine intensivere unter-
nehmensübergreifende Vernetzung
einen wichtigen Stellenwert haben
werden.

8. Industrie 4.0 ermöglicht 10. Industrie 4.0 birgt


neue, oftmals disruptive, digitale vielfältige Herausforderungen und
Geschäftsmodelle. Chancen für den Wirtschaftsstand-
ort Österreich.

Industrie 4.0 wird bestehende Unternehmen müssen auf ihrem Weg


Geschäftsmodelle grundlegend ver- zum Industrie 4.0-Champion zahl-
ändern und insbesondere auch neue, reiche Herausforderungen meistern.
digitale – oftmals disruptive – Im Zentrum stehen dabei die hohen
Geschäftsmodelle hervorbringen. Im Investitionen und eine häufig noch
Mittelpunkt dieser Entwicklung von unklare Wirtschaftlichkeitsrechnung
Industrie 4.0 stehen die Erhöhung für neue Industrie 4.0-Anwendun-
des Kundennutzens durch ein zuneh- gen. Zudem muss die Qualifizierung
mendes Angebot von Mehrwertlö- der Mitarbeiter an die Anforderun-
sungen (über traditionelle Produkte gen der digitalen Welt sichergestellt
hinaus) und die erhöhte Vernetzung werden und es müssen verbindliche
mit Kunden und Partnern. Die Standards definiert und Aufgaben im
besondere Qualität des digitalen Bereich IT-Sicherheit gelöst werden.
Wandels liegt dabei in der rasanten Politik und Industrieverbände kön-
Beschleunigung der Veränderungs- nen insbesondere bei den letztge-
geschwindigkeit, hervorgerufen nannten Herausforderungen helfen,
durch technologischen Fortschritt indem sie sich etwa für einheitliche
und in der Tatsache, dass disrupti- Industriestandards auf europäischer
ve Innovationen dazu führen, dass bzw. internationaler Ebene einsetzen
sich Branchen wie zum Beispiel die und effiziente Regelungen zur Da-
Automobilindustrie in kurzer Zeit tensicherheit und zum Datenschutz
nachhaltig transformieren werden. vorantreiben.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 10


C Die Studienergebnisse im Detail

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 11


1 I ndustrie 4.0 transformiert das gesamte Unternehmen und
gehört auf die CEO-Agenda.
Industrie 4.0 umfasst nicht nur die Digi-
talisierung und Integration der unter-
nehmensübergreifenden (horizontalen)
und -internen (vertikalen) Wertschöp-
fungsketten. Auch das Produkt- und
Serviceangebot der Unternehmen wird
revolutioniert und führt zur Umsetzung
neuer, oftmals disruptiver, digitaler
Geschäftsmodelle. Industrie 4.0 treibt
sowohl die Transformation aller wich-
tigen Geschäftsprozesse als auch eine
Neuausrichtung des Produkt- und Ser-
viceportfolios voran. Außerdem ermög-
Die Nutzenpotenziale von Industrie 4.0
gehen somit weit über die Optimierung
der Produktionstechniken oder der
klassischen Informationstechnologie
hinaus. Zudem beabsichtigen viele Un-
ternehmen umfangreiche Investitionen
zu tätigen, wie das nächste Kapitel zeigt.
Das Thema nimmt daher zwingend
einen Spitzenplatz auf der Agenda von
CEOs, Vorständen und Geschäftsfüh-
rern führender Industrieunternehmen
ein. Dies spiegelt sich auch in der Be-
reitschaft von Entscheidungsträgern
1
licht es Unternehmen, auf sich verän- wider, an der Befragung teilzunehmen:
dernde Kundenanforderungen – wie 42 % der befragten Personen sind CxO
z. B. individualisierte Produkte – ein- oder Vorstand bzw. Geschäftsführer
zugehen. Durch direkte Interaktion mit in ihrem jeweiligen Unternehmen.
dem Verbraucher wird der Markt- und
Kundenzugang maßgeblich verändert.

Industrie 4.0 umfasst die Transformation bestehender Geschäftsmodelle, des


Markt- und Kundenzugangs sowie der Wertschöpfungsketten

Abb. 1 Framework für Industrie 4.0

chtliches, Risk & Daten


e, R e
an c sich
m pl i erh
eit
Co 1
Geschäftsmodell, Produkt-
& Serviceportfolio

3 Industrie 2
4.0
Wertschöpfungs- Markt- &
ketten, Prozesse Kundenzugang
& Systeme

Or g
anisa tur
tion, Mitarbeiter & Kul

Unsere Vision ist die vollständige Abbildung der realen


Produktionswelt in der virtuellen Welt – in Echtzeit!
Dr. Wolfgang Zitz, Vice President Contract Manufacturing,
Magna Steyr Fahrzeugtechnik AG & Co KG

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 12


Die Studienergebnisse im Detail

Unser Verständnis von Industrie 4.0 3. Wertschöpfungsketten, Erfüllung interner und externer recht-
umfasst drei Dimensionen: Prozesse und Systeme licher Anforderungen im Vordergrund.
Führende Industrieunternehmen digi- Zum anderen sind ein bewusstes
1. Geschäftsmodell, Produkt- talisieren und automatisieren die Funk- Change-Management und Weiterbil-
und Serviceportfolio tionen entlang der unternehmensin- dungsmaßnahmen notwendig, um
Durch die technischen Möglichkeiten ternen Wertschöpfungskette – vom die Mitarbeiter aktiv in den durch die
von Industrie 4.0 entstehen neue, digi- digitalen Bestellprozess, kundenindi- Digitalisierung bedingten Wandel
tale Geschäftsmodelle. Die integrier- viduellen Produktentwicklungen und des Unternehmens einzubinden.
ten Lösungen oder Mehrwertdienste dem automatisierten Transfer der Pro-
zeichnen sich durch einen signifikant duktdaten in eine vernetzte Planung Die Basis für Industrie 4.0 ist eine
höheren Kundennutzen aus und revo- und Fertigung bis hin zum integrierten bessere Verfügbarkeit und Nutzung
lutionieren die bestehenden Produkt- Kundenservice. Zusätzlich erfolgt eine relevanter Daten durch die Vernetzung
angebote und Leistungsbeziehungen. unternehmensübergreifende Inte- aller an der Wertschöpfung beteiligten
Industrie 4.0-Champions erweitern gration von Bestands- und Planungs- Unternehmen. Gleichzeitig braucht es
ihr bestehendes Produktspektrum mit daten mit Zulieferern, Kunden sowie die Fähigkeit, aus den vorliegenden
digitalen Lösungen, zum Beispiel einer anderen Wertschöpfungspartnern. Daten zusätzlichen Wert zu generieren
Onlineverbindung zum regelmäßigen und damit letztlich den Kundennutzen
Abgleich von Leistungs- und Ver- Neben diesen drei Kerndimensionen zu maximieren. Erforderlich ist dafür
schleißdaten oder der Entwicklung und sind zwei unterstützende Dimensionen eine grundlegende Transformation der
Produktion von kundenspezifisch an- für den erfolgreichen Wandel ausschlag- Prozesse, des Produkt- und Serviceport-
gepassten Produkten in Losgröße n=1. gebend: Zum einen spielen die Themen folios sowie der bestehenden Geschäfts-
Compliance, Risikomanagement und modelle. Alles in allem ist dies ein
2. Markt- und Kundenzugang Datensicherheit bei digitalen Geschäfts- umfassender Veränderungsprozess, der
Die Digitalisierung der Geschäftsmo- modellen eine wesentliche Rolle. Ins- nur durch das Topmanagement selbst er-
delle und des Produkt- und Serviceport- besondere bei der Gewinnung, Analyse folgreich vorangetrieben werden kann.
folios verändert die Vertriebskanäle und dem Schutz von Daten stehen die
grundlegend. Dieses Ergebnis disrup-
tiver Innovationsprozesse bietet neuen
Unternehmen die Möglichkeit, in beste-
Definition Industrie 4.0
hende Märkte und etablierte Kundenbe-
ziehungen einzudringen. Vor allem die
„Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution,
direkte und schnellere Interaktion mit
eine neue Stufe der Organisation und Steuerung der gesamten
dem Kunden rückt in den Fokus: Neben
Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten. Dieser Zyklus
steigendem Direktgeschäft mit dem
orientiert sich an den zunehmend individualisierten Kundenwünschen
Kunden wird ein zusätzlicher Nutzen
und erstreckt sich von der Idee, dem Auftrag über die Entwicklung und
z. B. durch Online-Betreuung und -Steu-
Fertigung, die Auslieferung eines Produkts an den Endkunden bis hin zum
erung des Maschinenbetriebs geboten,
Recycling, einschließlich der damit verbundenen Dienstleistungen.
die den Kundenzugang revolutionieren.
Basis ist die Verfügbarkeit aller relevanten Informationen in
Dadurch werden unter anderem die
Echtzeit durch Vernetzung aller an der Wertschöpfung beteiligten
Markteintrittsbarrieren gesenkt. Gleich-
Instanzen sowie die Fähigkeit, aus den Daten den zu jedem Zeitpunkt
zeitig steigt der internationale Druck
optimalen Wertschöpfungsfluss abzuleiten. Durch die Verbindung
entscheidende Wettbewerbsvorteile
von Menschen, Objekten und Systemen entstehen dynamische,
bieten zu können, um sich eine lang-
echtzeitoptimierte und selbstorganisierende, unternehmensübergreifende
fristige Stellung im Markt zu sichern.
Wertschöpfungsnetzwerke, die sich nach unterschiedlichen Kriterien wie
beispielsweise Kosten, Verfügbarkeit und Ressourcenverbrauch optimieren
lassen.“

Quelle: Plattform Industrie 4.0.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 13


2 Ö
 sterreichs Industrieunternehmen investieren bis 2020 jährlich
über 4 Milliarden Euro in Industrie 4.0-Anwendungen.
Die befragten 100 Industrieunter-
nehmen werden in den nächsten fünf
Jahren durchschnittlich 3,8 % ihres
Jahresumsatzes in Industrie 4.0-Lö-
sungen investieren. Dies entspricht

in Industrie 4.0 investieren

Abb. 2 
einem jährlichen Investitionsvolu-
men von mehr als 4 Milliarden Euro
bezogen auf die gesamte Industrie,
wobei 2 Milliarden Euro allein auf
die Prozessindustrie1 entfallen.

Die Unternehmen werden in den nächsten fünf Jahren 3,8 % ihres Jahresumsatzes

Durchschnittliche jährliche Investitionen in Industrie 4.0-Anwendungen


2
Anteil der befragten Unternehmen in %

Ø = 3,8 %
31 %
durchschnittliche
jährliche Investitionen
21 % 23 %

12 % 10 %

3 %

0–1 % 2–3 % 4–6 % 7–10 % > 10 % keine Angabe


Höhe der Investitionen in % vom Jahresumsatz

Nur ein Fünftel der Unternehmen sieht Deshalb stufen rund 60 % der Studien-
bislang keine Notwendigkeit, signifi- teilnehmer Investitionen in die Pla-
kante Investitionen in Industrie 4.0- nung sowie in die Produktion und
Anwendungen zu lenken. 54 % der Fertigung als Investitionen mit einer
Unternehmen planen Investitionen hohen Priorität ein. Im Bereich Pro-
in Höhe von 2 % bis 6 % ihres Jahres- duktion und Fertigung stehen dabei
umsatzes. Zusätzlich wollen 15 % der insbesondere Investitionen in die in-
Unternehmen jährlich mehr als 7 % in tegrierte Fertigungssteuerung sowie
Industrie 4.0-Lösungen investieren. Automatisierung und eingebundene
Diese ermöglichen Effizienzverbesse- Systeme im Fokus. Investitionen in die
rungen und Kostenreduktionen entlang Digitalisierung des Vertriebs haben
der gesamten Wertschöpfungskette. derzeit noch die geringste Priorität.

1) 
Die Prozessindustrie setzt sich aus folgenden Branchen zusammen: chemische Erzeugnisse, pharma-
zeutische Erzeugnisse, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Metallerzeugung und -bearbeitung.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 14


Die Studienergebnisse im Detail

Rechnet man die Investitionen der be- Investitionen in Industrie 4.0-Lösungen verteilen sich auf alle Schlüsselbereiche
fragten Unternehmen auf die fünf in der entlang der Wertschöpfungskette
Studie vertretenen Industriebranchen
hoch, so ergibt sich ein jährliches In- Abb. 3 
Einschätzung der Wichtigkeit der Industrie 4.0-Investitionen nach
vestitionsvolumen der österreichischen Wertschöpfungsstufen
Industrie in Höhe von 4,3 Milliarden Euro.
Zwei Branchen werden überdurch- Planung 60 % 28 % 11 % 1 %
schnittlich in Industrie 4.0 investieren:
Produktion/
die Elektrotechnik- und Elektronikin- 59 % 29 % 9 % 3 % 
Fertigung
dustrie (4,5 % pro Jahr) und der Maschi-
nen- und Anlagenbau (4,3 % pro Jahr). Supply Chain 54 % 29 % 14 % 3 % 

Service 49 % 36 % 13 % 2 % 

Produktentwicklung
48 % 31 % 18 % 3 % 
und Engineering

Vertrieb 31 % 35 % 31 % 3 % 

hoch (5;4) mittel (3) niedrig (2;1) keine Angabe

Die österreichische Industrie wird bis 2020 jährlich 4,3 Milliarden Euro in Industrie 4.0-Lösungen investieren

Abb. 4 
Jährliche Investitionen in Industrie 4.0-Lösungen bis 2020

Investitionshöhe Investitionsvolumen1
(in % vom Jahresumsatz) (in Mrd. € pro Jahr)

Automobilindustrie 3,2 % 0,4

Elektrotechnik- und
4,5 % 0,7
Elektronikindustrie
Informations- und
3,5 % 0,3
Kommunikations­industrie
Maschinen- und
4,3 % 0,9
Anlagenbau

Prozessindustrie 3,7 % 2,0

Durchschnitt 3,8 % Gesamt 4,3

1
 ochrechnung auf Basis der Umfrageergebnisse bezogen auf den Gesamtumsatz je Branche in Österreich im Jahr 2012 gemäß Statistik Austria.
H
Folgende Wirtschaftszweige (ÖNACE) wurden berücksichtigt: 20, 21, 22, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 62, 63.

Eine Detailanalyse über die Branchen Die Elektrotechnik- und Elektronikin- dass sie ausschließlich mit signifikanten
zeigt folgende Schwerpunktverteilung: dustrie setzt die Schwerpunkte bei den Investitionen in Industrie 4.0-Lösungen
Investitionen auf die Optimierung von den steigenden Kundenanforderungen
Der Maschinen- und Anlagenbau Planungsprozessen, Automatisierung gerecht werden können. Nur auf diese
konzentriert seine Investitionen ins- und eingebettete Systeme in der Pro- Weise bleiben sie konkurrenzfähig
besondere auf Produkte und Dienstleis- duktion, sowie den Einsatz von Echtzeit- und verbessern nachhaltig die eigene
tungen für eine flexible, echtzeitnahe daten von Zustandsinformationen und Wettbewerbsfähigkeit.
Produktionsplanung und -steuerung vernetzten Sensoren im Servicebereich.
sowie auf die Automatisierung und Insgesamt haben die Industrieunterneh-
integrierte Fertigungssteuerung. men über alle Branchen hinweg erkannt,

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 15


3 D
 ie Anzahl der hochdigitalisierten Unternehmen soll sich in
den nächsten fünf Jahren mehr als verdreifachen.
Industrie 4.0 steht inzwischen bei den
meisten Unternehmen auf der Agenda.
Fast drei Viertel der befragten Unter-
nehmen haben ihre Wertschöpfungs-
ketten bereits (teil-) digitalisiert.1 Im
Durchschnitt stufen 25 % der Befragten
den aktuellen Digitalisierungsgrad ihrer
Wertschöpfungskette bereits heute als
hoch ein. Konkret bedeutet dies, dass
die meisten Unternehmen Lösungen
zur Digitalisierung von Wertschöp-
fungsketten in Teilbereichen bereits
anwenden oder implementiert haben.
3
Der Digitalisierungsgrad wird durch Industrie 4.0 in den nächsten Jahren deutlich
ansteigen

Abb. 5 
Anteile der Unternehmen mit hohem (4) und sehr hohem (5) Digitalisierungsgrad
entlang der Wertschöpfungskette

unternehmensinterne unternehmensübergreifende
Wertschöpfungskette Wertschöpfungskette

86 % 87 %

30 %
20 %

heute in 5 Jahren heute in 5 Jahren

Je nach Industrie sind teils noch sig- Dieses bewusste Investieren in weite-
nifikante Unterschiede zwischen den re Digitalisierungsmöglichkeiten ist
befragten Branchen festzustellen. In der branchenübergreifend festzustellen.
Informations- und Kommunikationsin- Industrie 4.0 und die Digitalisierung
dustrie stufen 39 % der Befragten ihre der Wertschöpfungsketten sind wich-
Wertschöpfungskette als hochgradig tige Voraussetzungen für alle Unter-
digitalisiert ein. In der Prozessindustrie nehmen, um ihre Wettbewerbsfähig-
sind es 10 %. Die Studie zeigt, dass die- keit zu erhalten und bei der immer
ser Grad der Digitalisierung in Zukunft rascheren Fortentwicklung ganzer
rapide ansteigen wird. In fünf Jahren Industriebereiche nicht den Anschluss
wird erwartet, dass durchschnittlich zu verlieren. Dies haben alle Unter-
86 % der unternehmensinternen und nehmen unabhängig von ihrer Größe
87 % der unternehmensübergreifenden erkannt. Derzeit weisen Unterneh-
Wertschöpfungsketten einen hohen men mit einem Umsatz zwischen 100
Befragte, die angaben, dass die Digitalisie-
1) 
Digitalisierungsgrad aufweisen werden. und 500 Millionen Euro (40 %) den rung ihrer Wertschöpfungsketten „mittel“ (3)
höchsten Digitalisierungsgrad auf. bis „sehr weit fortgeschritten“ (5) ist.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 16


Die Studienergebnisse im Detail

Die Digitalisierung von Wertschöpfungsketten wird über alle Branchen hinweg deutlich zunehmen

Abb. 6 
Anteile der Unternehmen mit hohem (4) und sehr hohem (5) Digitalisierungsgrad der Wertschöpfungskette je Branche1

93 %
Ø = 87 %2 86 % 86 %
85 %
80 %

39 %
34 %
Ø = 25 % 2

17 % 22 %
10 %

Automobil­industrie Elektrotechnik- und Informations- und Maschinen- und Prozessindustrie


Elektronikindustrie Kommunikations­industrie Anlagenbau

heute in 5 Jahren
1
Durchschnitt aus unternehmensinterner und -übergreifender Wertschöpfungskette.
2
Mögliche Abweichungen bei der Berechnung der Durchschnitte sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen.

Die Digitalisierung von Wertschöpfungsketten hat für alle Unternehmen unabhängig von deren Größe höchste Priorität

Abb. 7 Anteile der Unternehmen mit hohem (4) und sehr hohem (5) Digitalisierungsgrad der Wertschöpfungskette nach
Unternehmensgröße1

88 % 92 %
Ø = 87 %2
86 % 85 %

40 %
Ø = 25 %2

23 % 25 % 16 %

unter 100 Mio. € 100 bis unter 500 Mio. € 500 bis unter 1 Mrd. € mehr als 1 Mrd. €

heute in 5 Jahren
1
Durchschnitt aus unternehmensinterner und -übergreifender Wertschöpfungskette.
2
Mögliche Abweichungen bei der Berechnung der Durchschnitte sind auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 17


Die Studienergebnisse im Detail

Industrie 4.0 fordert eine umfassende Digitalisierung der unternehmensinternen (vertikalen) und unternehmensübergreifenden
(horizontalen) Wertschöpfungsketten

Abb. 8 Definition der unternehmensinternen und -übergreifenden Wertschöpfungsketten

unternehmensinterne unternehmensübergreifende
Wertschöpfungskette Wertschöpfungskette

Unternehmen Lieferant Unternehmen Kunde

Vertrieb
Planung
vertikale Wertschöpfungskette
Produktentwicklung (R&D) Lieferanten­
netzwerk
Planung
Kunden­
netzwerk
Einkauf Produktion Logistik Einkauf Produktion Logistik
Kooperations­
Service
partner
IT, Shared Services

Finanzen, Steuern und Recht horizontale Wertschöpfungskette/Vernetzung

Die Digitalisierung hält in der unter- Mit der unternehmensinternen Digita- • Vertikale Verfügbarkeit und Inte-
nehmensübergreifenden (horizontalen) lisierung hingegen verbindet man die gration aller Entwicklungs-, Fer-
wie auch in der unternehmensinter- Sicherstellung eines durchgängigen tigungs- und Lieferkettendaten
nen (vertikalen) Wertschöpfungskette Informations- und Datenflusses – vom •E  ffektives Datenmanagement und
gleichermaßen Einzug. Die Digitalisie- Vertrieb, über die Produktentwicklung verbesserte Datenanalyse in
rung der unternehmensübergreifenden bis hin zur Produktion und Logistik. Echtzeit
Wertschöpfungskette integriert und Mittels einer optimalen Vernetzung • I ndividuelle IP-Adressen für alle
optimiert den Informations- und Wa- von Produktionssystemen, der Ver- Komponenten und Systeme im Werk
renfluss vom Kunden über das eigene meidung von Systembrüchen sowie •A  utomatisierung aller wichtigen Pro-
Unternehmen bis hin zum Lieferanten besseren Analysefähigkeiten können zessschritte in einem One-Piece Flow
und zurück. Hierbei werden alle inter- Qualität und Flexibilität gesteigert und •K  ontinuierliche Messung und
nen Bereiche (z. B. Einkauf, Produktion, Kosten reduziert werden. So hat etwa Optimierung aller Prozess-
Logistik, Planung) sowie alle externen ein führender Hersteller von Elektro- schritte und Parameter
Wertschöpfungspartner, die zur Erfül- nikkomponenten in einzelnen Werken
lung der jeweiligen Kundenbedürfnisse bereits einen sehr weit fortgeschrittenen Auf diese Weise konnte auf Werksebe-
und für die geforderte Leistung benötigt Digitalisierungsgrad erreicht. Dabei ne eine deutliche Leistungssteigerung
werden, miteinander verbunden und wurden vielfältige Optimierungen erzielt und die Fehlerrate in der Pro-
vorausschauend gesteuert. Bei hoch di- von Prozessen und Wertschöpfungs- duktion signifikant reduziert werden.
gitalisierten Wertschöpfungsketten und ketten umgesetzt, unter anderem: Die Mehrzahl der Unternehmen
Geschäftsmodellen schließt dies häufig erkennt in der Digitalisierung der
die Vernetzung mit dem Kunden ein. Wertschöpfungsketten bereits
einen klaren Mehrwert.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 18


4 I ndustrie 4.0-Anwendungen führen zu einer
höheren Produktions- und Ressourceneffizienz –
20 % Effizienzsteigerung in fünf Jahren.
Die vierte industrielle Revolution ist für
den Wirtschaftsstandort Österreich ein
wichtiger Faktor, um in einem globalen
Kontext nachhaltig wirtschaftlich pro-
duzieren zu können. Die Industrie muss
mit immer weniger Rohstoffen und
immer weniger Energie größere Mengen
produzieren. Industrie 4.0 wird dazu
beitragen, dass Unternehmen einen
effizienten Produktionsprozess mit einer
höheren Produktions-, Energie- und
Ressourceneffizienz erreichen können.
spürbaren quantitativen Nutzen aus
den geplanten Investitionen in In-
dustrie 4.0-Anwendungen. Über alle
Branchen hinweg versprechen sich die
Unternehmen eine durchschnittliche
Effizienzsteigerung durch Industrie 4.0
in Höhe von 20 %. Das entspricht ei-
ner jährlichen Effizienzsteigerung
von 3,7 %. Tatsächlich gehen aber
mehr als 40 % der Unternehmen von
noch größeren Potenzialen aus, wobei
die Automobil-, Elektrotechnik- und
4
In den nächsten fünf Jahren erwar- Elektronikindustrien im Schnitt die
ten die befragten Unternehmen einen höchsten Erwartungen haben.

Die Erwartung an den Nutzen von Industrie 4.0-Lösungen ist vor allem im Hinblick auf die Effizienzsteigerung hoch

Abb. 9 
Kumulierter erwarteter quantitativer Nutzen von Industrie 4.0-Anwendungen in 5 Jahren

Effizienzsteigerung Kostenreduktion

> 20 % 41 % 16 %

11–20 % 35 % 40 %

1–10 % 22 % 31 %

0 % 1 % Ø = 19,8 % 8 % Ø = 13,5 %


(3,7 % p. a.) (2,6 % p. a.)
keine
Angabe
1 % 5 %

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 19


Die Studienergebnisse im Detail

Industrie 4.0 erfordert eine neue Sichtweise auf die Wert-


schöpfung und verspricht Effizienzgewinne, wenn Prozesse
fundamental neu konzipiert werden. Die Automatisierung
bestehender, manueller Prozesse ist nur ein erster Schritt.
DI. Reinhold Steiner, CSO, RHI AG

Durch die Digitalisierung von Pro- Steuerung reduziert die Ausschuss- nicht nur auf unternehmensinterne
zessen und Wertschöpfungsketten quote in der Produktion und mögli- Effizienzsteigerungen, sondern sind
können vielfältige Verbesserungen che Ausfallzeiten bei Maschinen. auch das Resultat einer stärkeren un-
realisiert werden, zum Beispiel: ternehmensübergreifenden Integration.
• Fokussierung auf Kernbereiche Im Hinblick auf die Kostenreduktion Eine durchschnittliche Reduktion der
in der eigenen Wertschöpfung erwarten die befragten Unternehmen Herstellungskosten in Höhe von 2,6 %
• Reduktion von Redundanzen durch Industrie 4.0 eine jährliche pro Jahr kann nur erzielt werden,
im Prozessmodell Einsparung von zusätzlich 2,6 % über wenn alle Partner entlang der ge-
• Minimierung von Qualitätsverlusten die üblichen Kosteneinsparungen samten Supply Chain ebenfalls in der
• Prozessstandardisierung und hinaus. Besonders die Unternehmen Lage sind, eigene Kostensenkungen zu
Automatisierung von Abläufen im Maschinen- und Anlagenbau erzielen und diese weiterzureichen.
haben hier hohe Erwartungen und Gemessen an den in Industrieunter-
Konkret verbessert die erhöhte Trans- liegen mit jährlich erwarteten 2,9 % nehmen üblichen Kostenreduktionen
parenz im Bereich der Planung die Kostenreduktion an der Spitze. Im von 3 % bis 5 % pro Jahr werden die
Auslastung von Maschinen und Anlagen weiteren Branchenvergleich tendiert geplanten Einsparungen durch Indus-
(z. B. durch Losgrößenoptimierung). die Prozessindustrie zu den konserva- trie 4.0 einen entscheidenden Anteil zur
Durch eine Digitalisierung in der Ab- tivsten Zukunftseinschätzungen – nachhaltigen Wettbewerbssteigerung
lauforganisation können Arbeitsfelder sowohl in Bezug auf Kostenreduktion österreichischer Unternehmen liefern.
rationalisiert und Produktivitätsge- (2,3 %) als auch Effizienzsteigerung
winne erzielt werden. Die intelligente (3,1 %). Die durchschnittlich erwarte-
Analyse und Nutzung von Daten zur ten Kosteneinsparungen beziehen sich

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 20


Die Studienergebnisse im Detail

Neben einem messbaren quantita- Unternehmen erwarten sich große Vorteile in der Produktion und
tiven Nutzen werden auch weitrei- Kundenzufriedenheit
chende qualitative Vorteile erwartet.
Die höchsten Erwartungen haben die Abb. 10 
Qualitative Vorteile von Industrie 4.0-Anwendungen
befragten Unternehmen in Bezug auf
eine bessere Planung und Steuerung bessere Planung und
in der Produktion bzw. in der Logistik. Steuerung in der 73 % 18 % 8 1%
Darüber hinaus versprechen sie sich Produktion bzw. Logistik
von Industrie 4.0 insbesondere auch höhere Kunden­
höhere Kundenzufriedenheit und grö- 65 % 25 % 9 1%
zufriedenheit
ßere Flexibilität in der Produktion.
Bessere Planung und Steuerung steht größere Flexibilität in der
in engem Zusammenhang mit der un- 60 % 26 % 13 % 1 %
Produktion
ternehmensübergreifenden Integration
der Wertschöpfungsketten und ist eine Verbesserung
wichtige Voraussetzung für die geplan- 47 % 37 % 14 % 2 %
der Qualität
ten Effizienzsteigerungen. Im Gegen-
satz hierzu ermöglicht eine verstärkte schnellere Time-to-
unternehmensinterne Integration eine Market in der Produkt­ 46 % 34 % 17 % 3%
größere Flexibilisierung der Produktion entwicklung
und eine Reduktion der Time-to-Market. Individualisierung
43 % 34 % 22 % 1%
der Produkte

hoch (5;4) mittel (3) gering (2;1) keine Angabe

Darüber hinaus bietet Industrie 4.0 auch gesamten Lebenslauf eines Produktes
die Möglichkeit, die Anforderungen der verfolgen zu können. Nur durch die
Kunden in puncto Rückverfolgbarkeit Berücksichtigung aller Traceability-
(„Traceability“) von Material-, Pro- Daten, den verstärkten Einsatz von
dukt- und Prozessdaten zu erfüllen. Sensoren und Aktuatoren in der Produk-
Viele Konzerne zum Beispiel in der tion sowie die Erfassung aller – anstatt
Automobil- oder Elektronikindustrie nur ausgewählter – Daten („Big Data“)
verschieben die Qualitätskontrolle in können die immer höheren Anforde-
der Wertschöpfungskette weiter nach rungen erfüllt werden, ohne dabei die
vorne und erwarten von ihren Liefe- Wirtschaftlichkeit außer Acht zu lassen.
ranten lückenlose Information, um den

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 21


5 D
 ie Analyse und Nutzung von Daten ist die Kernfähigkeit
im Rahmen von Industrie 4.0.
Die Analyse und Nutzung von Daten
spielt bei Industrie 4.0 eine zentrale
Rolle. Die rasant wachsende Anzahl
von Sensoren und von „Connected
Devices“ (Stichwort: Internet der
Dinge) sowie die zunehmende unter-
nehmensübergreifende und -interne
Vernetzung der Wertschöpfungsket-
ten führt zu einem kontinuierlichen
Datenfluss. Diese enormen Daten-
mengen werden entlang der gesamten
Wertschöpfungskette erhoben und
mitgeführt. Bisher werden diese jedoch
aller befragten Unternehmen eine hohe
Bedeutung. Besonders hoch ist diese in
der Informations- und Kommunikations-
industrie sowie Elektrotechnik- und
Elektronikindustrie, was auf die Daten-
intensität der Produkte und Lösungen
dieser Branche zurückzuführen ist.
Mit Blick auf die Zukunft sehen mehr als
90 % der Unternehmen aller fünf Bran-
chen einen entscheidenden Erfolgsfak-
tor für ihr Geschäftsmodell darin, große
Datenmengen effizient zu analysieren
und die Informationen daraus effektiv
5
in vielen Fällen noch nicht struktu- zu nutzen. Diese Einschätzung gilt auch
riert und ausreichend verarbeitet. für diejenigen Industrien, in denen die
Schon heute hat die Analyse und Nut- Analyse und Nutzung von Daten heute
zung von Daten für mehr als die Hälfte noch nicht die höchste Priorität genießt.

Die größte Herausforderung in Industrie 4.0 ist die


Entwicklung von Big Data zu Smart Data. Ziel muss es
sein, Anlagendaten in Kundennutzen umzuwandeln.
Ing. Werner Berger, Service Sales Specialist, Siemens AG Österreich

Die heute noch sehr unterschiedliche Bedeutung von Daten wird insgesamt deutlich zunehmen

Abb. 11 
Anteile der Unternehmen, die der Analyse und Nutzung von Daten für das Geschäftsmodell eine hohe (4) und sehr hohe (5)
Bedeutung beimessen

100 % 95 % 95 %


Ø = 91 %
90 %
73 % 76 %
68 % 65 %
Ø = 55 %

38 %
33 %

Automobilindustrie Elektrotechnik- und Informations- und Maschinen- und Prozessindustrie


Elektronik­industrie Kommunikations­industrie Anlagenbau

heute in 5 Jahren

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 22


Die Studienergebnisse im Detail

Durch die Analyse von Daten können in welchen Losgrößen gefertigt werden Hilfe eines 3-D-Druckers individuell
Prozesse ganzheitlich untersucht und sollen, ist aber komplex: Die derzeitige und mit signifikanter Kostenreduktion
auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse Nachfrage, Maschinenverfügbarkeiten, produziert. Der Gesamtprozess bis
optimiert werden. Ein aktuelles Beispiel aktuelle Rohstoffpreise und weitere zur Auslieferung dauert eine Woche.
für den Einsatz von modernen Daten- Parameter sind dafür wesentlich. Diese
und Analyseverfahren in der Produktion Parameter fließen in eine aufwändige Heute liegt der Fokus von Unterneh-
zeigt ein Automobilzulieferer: Damit Simulationsrechnung ein, die nun mit men im Bereich Datenanalyse und
die Qualität und Zuverlässigkeit der einer Big Data-Lösung durchgeführt -nutzung primär darauf, effizienten
ausgelieferten Produkte weiter gestei- wurde. Das Unternehmen konnte auf Datenaustausch innerhalb der eigenen
gert wird, setzt das Unternehmen seit diese Weise die Berechnung um den Wertschöpfungskette sicherzustellen,
Kurzem eine Big Data-Lösung ein, die Faktor 50 beschleunigen und so die Produkte eindeutig zu kennzeichnen
mithilfe komplexer Analysen riesige Profitabilität erheblich steigern. (z. B. durch Barcode, RFID oder NFC)
Mengen unterschiedlichster Sensorda- sowie Echtzeitdaten für die Steuerung
ten verarbeitet (800 Milliarden Einträge Ein Beispiel für verstärkte Interaktion der Produktion zu nutzen. Zwar verfü-
bzw. 50 Terabyte Daten pro Jahr im mit Kunden kommt aus der Robotik: gen viele Unternehmen bereits heute
Vollausbau). Auf diese Weise können Ein Hersteller von Spann- und Greif- über große Datenmengen, können
fehlerhafte Teile bereits frühzeitig systemen ermöglicht dem Kunden die diese jedoch noch nicht umfassend
im Prozess erkannt und ausgesteuert Bestellung eines individualisierten nutzen oder nicht unternehmensweit
werden. Zudem verbessert die erhöhte Greifarms in nur 15 Minuten. Dies auf sie zugreifen. Erst an vierter Stelle
Transparenz die Entscheidungsgrundla- beinhaltet alle Schritte vom Upload nennen die befragten Unternehmen
ge für jedes Unternehmen und reduziert des Designs und der Produktspezifika die Nutzung und den Austausch von
Redundanzen innerhalb der gesamten bis zum Erhalt des Online-Angebots. Daten mit Kooperationspartnern
Supply Chain. Dies kann zu erheblichen Der Greifarm wird anschließend mit entlang der Wertschöpfungskette.
Effizienzsteigerungen und somit zu
klaren Wettbewerbsvorteilen führen.
Die Analyse und Nutzung von Daten Der effiziente Austausch von Daten entlang der eigenen Wertschöpfungskette wird
ist darüber hinaus eine entscheidende besonders wichtig
Voraussetzung für die Entwicklung
neuer, digitaler Geschäftsmodelle. Sie Abb. 12 
Bedeutung von Daten- und Analysefähigkeiten im Kontext von Industrie 4.0
bringt eine Optimierung der Interaktion
mit Kunden und steigert die eigene Pro- effizienter Austausch
fitabilität. Ein entsprechendes Beispiel von Daten entlang der 87 % 11 % 2 %
zur Profitabilitätssteigerung liefert eigenen WS-Kette
ein großes Unternehmen aus der Pro- eindeutige Kenn­-
zessindustrie: Maximale Profitabilität zeichungen (Barcode, 68 % 24 % 8 %
hängt immer mit einem optimierten RFID/NFC)
Produktionsprozess zusammen. Die
Entscheidung darüber, welche Produkte Nutzung von Echtzeit­
daten zur Steuerung 68 % 19 % 11 % 2 %
der Produktion

Nutzung/Austausch
von Daten mit 63% 28 % 8 % 1 %
Kooperations­partnern

Analyse um-
fangreicher Daten- 58 % 31 % 10 % 1 %
mengen in Echtzeit

Generierung zusätz-
licher Daten (z. B. durch 47 % 30 % 22 % 1%
erweiterte Sensorik)

hoch (5;4) mittel (3) gering (2;1) keine Angabe

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 23


Die Studienergebnisse im Detail

Transparenz und Fertigungsprozess ein und reagieren erleichtern. Daher müssen wir dafür
„Plug & Produce“ situationsbedingt und dynamisch Sorge tragen, unsere Mitarbeiter an die
als Schlüssel zur auf die jeweiligen Produktions- Veränderungen heranzuführen und bei
Industrie 4.0 szenarien. Um dieses Ziel zu erreichen, jeder der technischen Lösungen stets
muss ein holistischer Ansatz um- den Menschen im Fokus zu behalten.
Die Wettbewerbssituation, in der euro- gesetzt werden – ein geschlossener
päische Unternehmen heute agieren, Kreis zwischen Produktentwicklung – Hand in Hand tragen Mensch
ist durch eine wachsende Dynamik Prozessplanung – Ausführung – und Maschine zur Erreichung der
geprägt. Der Umgang mit der steigenden Prozessüberwachung – Datenauswer- Ziele von Magna Steyr bei:
Produkt- und Prozesskomplexität in tung – Informationsbereitstellung • Höhere Flexibilität
Verbindung mit volatilen Märkten und – Entscheidung und Optimierung. • Steigende Effizienz
den sich stetig verkürzenden Produkt-, • Schnellere Reaktionsgeschwindigkeit
Markt-, Technologie- und Innovations- Der zweite Schlüssel aus unserer Sicht • Ressourcenschonung
zyklen stellt für unser Unternehmen ist „Plug & Produce“ für Hard- und • Ergonomische, dem demografischen
eine permanente Herausforderung dar. Software. Damit wollen wir schneller Wandel entsprechende Arbeitsplätze
Dies schließt sowohl die Entwicklung und günstiger auf den Markt kom-
von wettbewerbsfähigen Produkten und men und agiler auf immer raschere Industrie 4.0 bietet uns die Möglichkeit,
Dienstleistungen als auch das Manage- Veränderungen bei Produkteigen- Lösungen zu erarbeiten und zu nutzen,
ment effizienter und wandlungsfähiger schaften und Volumina reagieren. um die Wettbewerbsfähigkeit unseres
Logistik- und Produktionssysteme ein. Wirtschaftsstandorts zu sichern.
Hohe Rohstoffpreise und die sich be- Unzählige technische Möglichkeiten
reits abzeichnenden Auswirkungen des sind bereits verfügbar und im Ein-
demografischen Wandels verschärfen satz. Diese miteinander sinnvoll zu
die Wettbewerbssituation zusätzlich. verknüpfen und die richtige Lösung
für den jeweiligen Anwendungsfall
In der Automobilindustrie haben wir zu implementieren, stellt die ei-
unterschiedliche Herausforderungen gentliche Herausforderung dar.
je nach Variantenanzahl und Volumina
des Produkts. Der Bogen spannt sich Mit Industrie 4.0 ermöglichen wir
von der Beherrschung der Komplexität auch einen Paradigmenwechsel in
über effizientere Prozesse bis hin zur der Mensch-Technik-Interaktion.
Fähigkeit, die Individualisierung bis zur Die Maschinen passen sich den Men-
Losgröße 1 durch die Serienprozesse schen an – und nicht umgekehrt. Dr. Wolfgang Zitz
einer Volumenproduktion zu steuern. Die Erfahrung und das Wissen der Vice President Contract Manufacturing
Die Schaffung von Transparenz und Mitarbeiter werden gerade bei Indust- MAGNA STEYR Fahrzeugtechnik AG &
deren Nutzbarmachung ist einer der rie 4.0 eine wesentliche Rolle spielen. Co KG
Schlüssel der Industrie 4.0. In der Neue Informations- und Kommunika-
Produktion greifen wir durch die Ver- tionstechnologien werden die Einbin-
netzung und die Verfügbarkeit von dung der Mitarbeiter in die komplexer
Produktionsdaten in Echtzeit in den werdenden Produktionsprozesse

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 24


6 D
 ie Digitalisierung des Produkt- und Serviceportfolios ist
der Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg.
Industrie 4.0 geht über die Digitalisie-
rung von Prozessen und Wertschöp-
fungsketten deutlich hinaus – der
Wandel erhöht auch den Digitalisie-
rungsgrad des Produkt- und Service-
angebots. Ein mechanisch perfektes
Produkt allein wird nicht mehr genü-
gen, um im internationalen Wettbe-
werb dauerhaft bestehen zu können.
Die Differenzierung von Produkten
und Services macht sich insbesondere
durch eine zunehmende Ergänzung von
Software sowie überlegene Sensorik
geeigneter Sensoren eine optimale,
präventive Wartung von Maschinen
und Anlagen und stellen eine effi-
ziente Betriebsführung sicher.

Die Ergebnisse der Studie zeigen


deutlich, dass die Digitalisierung des
Produkt- und Serviceportfolios allgegen-
wärtig ist und in den nächsten Jahren
fortschreiten wird. Derzeit verfügen
bereits 36 % der befragten Unterneh-
men über einen hohen Anteil an digita-
lisierten Produkten. Diese Unternehmen
6
und intelligente Informationsverarbei- haben die Zeichen der Zeit früh erkannt
tung bemerkbar. Somit ermöglichen und ihr Angebot hin zu vernetzten, auto-
digitalisierte Produkte ein neues Spek- matisierten Dienstleistungen ausgebaut.
trum an produktbegleitenden Service- In den nächsten Jahren wird der Digi-
leistungen zum Vorteil der Kunden. talisierungsgrad der Produkte deutlich
Heute noch überwiegend mechanische zunehmen. Bis 2020 wollen 80 % der
Produkte werden durch digitale Lösun- befragten Unternehmen einen hohen
gen und Vernetzung angereichert und Digitalisierungsgrad erreicht haben.
schaffen in der Folge höheren Kunden-
nutzen. Neben der direkten Integration
von digitaler „Intelligenz“ in die Produk- Der Anteil digitalisierter Produkte und Dienstleistungen nimmt deutlich zu
te selbst kann der Nutzen auch durch in-
Abb. 13 
Anteile der Unternehmen mit hohem (4) und sehr hohem (5) Digitalisierungsgrad
ternetbasierte Dienstleistungen rund um
des Produktportfolios
das Produkt herum erheblich gesteigert
1 %
werden. So schafft Industrie 4.0 bei- 2 %
spielsweise auch die Voraussetzungen
7 %
zur Fertigung von kundenspezifisch an-
20 % 12 %
gepassten Produkten zu wettbewerbsfä-
higen Kosten (Stichwort: Losgröße n=1).
Beispiele für digitalisierte Produkte 44 %-
und Services finden sich in allen 42 % Punkte
Branchen: In der Automobilindustrie 80 %
wurden beispielsweise herkömmliche
Bremsanlagen mithilfe elektronischer
Steuereinheiten zu modernen Antiblo- 36 %
ckiersystemen weiterentwickelt. Im
Maschinen- und Anlagenbau ermögli-
chen der Einsatz und die Vernetzung heute in 5 Jahren

hoch (5;4) mittel (3) gering (2;1) keine Angabe

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 25


Die Studienergebnisse im Detail

Jedes Unternehmen, das sich im inter- Entwickler, Zulieferer und Anbieter ei-
nationalen Wettbewerb behaupten ner digitalisierten Wertschöpfung sind.
muss, wird sich dieser Herausfor-
derung stellen müssen. In der Automobil- und Prozessindustrie
liegt der Anteil an Unternehmen mit
Die Digitalisierung der Produkte ist ein einem hohen Digitalisierungsgrad im
branchenübergreifendes Phänomen. Vergleich dazu bei derzeit 14 % bzw. 15 %.
Natürlich gibt es Branchen wie die Der übergeordnete Trend ist jedoch für
Informations- und Kommunikations- alle Branchen gleich: die Vorhersage
industrie, in denen der Anteil digitali- der befragten Unternehmen ist, dass
sier-ter Produkte bereits heute hoch ist – der Anteil an digitalisierten Produkten
insbesondere da diese Unternehmen und Services deutlich zunehmen wird.

In der produzierenden Industrie ist die Digitalisierung des Produktangebots ausbaufähig

Abb. 14 
Anteile der Unternehmen mit hohem (4) und sehr hohem (5) Digitalisierungsgrad des Produktportfolios im Branchenvergleich

100 % 86 %
82 %
Ø = 81 %
76 %
73 %
60 %

37 %
Ø = 34 %
26 % 33 %
14 % 15 %

Automobil­industrie Elektrotechnik- und Informations- und Maschinen- und Prozessindustrie


Elektronik­industrie Kommunikations­industrie Anlagenbau

heute in 5 Jahren

Industrie 4.0 heißt für uns nicht nur, wie in den vergangenen Jahren die
umfassende interne digitale Vernetzung noch weiter voranzutreiben,
sondern auch für unsere Kunden neue Lösungen zu entwickeln, wie zum
Beispiel funktionale Komponenten für den ‚Wearable Technology‘ Markt.
Dr. Thorsten Löhl, MBA, Executive Vice President Global Research, Design & Innovation,
Swarovski Professional

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 26


7 D
 igitalisierte Produkte und Services erwirtschaften
zusätzlich knapp 3 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr für
die österreichische Industrie.
Insgesamt wird die Bedeutung bzw.
der Anteil von Software und digita-
len Elementen an der Gesamtwert-
schöpfung eines Produkts – und
damit auch am Umsatz der Unter-
nehmen – erheblich zunehmen.
Die Unternehmen verbinden mit Indus-
trie 4.0-Anwendungen wie etwa der
Digitalisierung des Produkt- und Ser-
viceportfolios klare Wachstumsziele.
Die Studie zeigt, dass mindestens 46 %
der befragten Unternehmen für die
Industrieübergreifend ergibt sich eine
erwartete Umsatzsteigerung von 13 %
kumuliert über fünf Jahre, also durch-
schnittlich 2,6 % pro Jahr. Das bedeutet
jährlich ein zusätzliches Umsatzpoten-
zial von durchschnittlich 2,8 Milliarden
Euro durch Industrie 4.0-Lösungen.
Über fünf Jahre entspricht das einem
Mehrumsatz in Höhe von rund 15 Mil-
liarden Euro. Die Konzentration auf In-
dustrie 4.0 wird daher in den kommen-
den Jahren maßgeblich zum Wachstum
7
nächsten fünf Jahre kumuliert mit in Österreich beitragen. Für die Mehr-
einem zweistelligen Umsatzwachs- zahl der Unternehmen sind dies sehr
tum allein durch Industrie 4.0 und ambitionierte Wachstumsziele. Die
die verstärkte Digitalisierung des Pro- Erwartungshaltung bei Unternehmen
duktportfolios rechnen. Ein Fünftel mit weniger als 1 Milliarde Euro
der Unternehmen geht sogar von einer Umsatz ist dabei deutlich höher als
Umsatzsteigerung von über 20 % aus. jene von größeren Unternehmen.

Die Unternehmen erwarten eine deutliche Umsatzsteigerung durch


Industrie 4.0-Lösungen und digitalisierte Produkte

Abb. 15 
Erwartete Umsatzsteigerung durch Industrie 4.0 – kumuliertes Wachstum
in 5 Jahren

> 20 % 20 %

11–20 % 26 %

1–10 % 45 %

0 % 6 %

Ø = 13 %
keine Angabe 3 % (2,6 % p.a.)

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 27


Die Studienergebnisse im Detail

Bei der Betrachtung nach Branche sind


Industrie 4.0-Lösungen ein erwar-
teter Treiber für Wachstum in allen
Sektoren. In der Automobilindustrie,
Elektrotechnik- und Elektronikindus-
trie, Informations- und Kommunikati-
onsindustrie sowie im Maschinen- und
Anlagenbau liegen die erwarteten
Umsatzsteigerungen bei 13 % bis 16 %.
Lediglich in der Prozessindustrie
sind die Erwartungen an die Umsatz-
steigerung mit rund 11 % kumuliert
über fünf Jahre etwas moderater.

Die österreichischen Unternehmen erwarten 2,8 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz pro Jahr durch Industrie 4.0

Abb. 16 Erwartete U
 msatzsteigerung durch Industrie 4.0 je Branche

Umsatzsteigerung Zusätzlicher Umsatz1


kumuliert über 5 Jahre in Mrd. € pro Jahr

Automobilindustrie 14 % 0,4

Elektrotechnik- und
13 % 0,4
Elektronik­industrie
Informations- und
Kommunikations­industrie
16 % 0,3

Maschinen- und
13 % 0,5
Anlagenbau

Prozessindustrie 11 % 1,2

Durchschnitt 13 % Gesamt 2,8

1
 ochrechnung auf Basis der Umfrageergebnisse bezogen auf den Gesamtumsatz je Branche in Österreich im Jahr 2012 gemäß Statistik Austria.
H
Folgende Wirtschaftszweige (ÖNACE) wurden berücksichtigt: 20, 21, 22, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 62, 63.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 28


Die Studienergebnisse im Detail

Industrie 4.0: neue Ge- wird, was regionsspezifische Geschäfts- und einer ins ERP integrierten au-
schäftsmodelle, um die modelle in den unterschiedlichen Pro- tomatischen Auftragsabwicklung.
Wettbewerbsfähigkeit duktbereichen erfordert. Es wird somit •E  rweiterte Servicedienstleistungen
überwiegend Industrie-4.0-Projekte basierend auf der aktiven Datenge-
weiter auszubauen unter regionaler Führung geben, die von nerierung produkteigener Sensorik
der Zentrale aus unterstützt werden. („Big Data“) zur vorbeugenden
PALFINGER setzt seit vielen Jahren Das laufende Monitoring von exter- Instandhaltung, Echtzeitüberwa-
auf die Prinzipien von Lean Produc- nen und internen Entwicklungen und chung und Flottenmanagement.
tion und konnte damit stabile und Trends sowie das globale Verteilen der • Integration von Assistenzsystemen
leistungsfähige Prozesse implemen- Erkenntnisse und Best Practices erfolgt zur Verbesserung der Mensch-Ma-
tieren. Diese Prozesse sind ein not- ebenfalls von zentraler Stelle aus. schine-Interaktion, um die Produkte
wendiges Fundament, um komplexe einerseits vor Fehlmanipulationen zu
Industrie-4.0-Anwendungen sicher Grundsätzlich wurden zwei Stoß- schützen und andererseits die Kom-
und nachhaltig umsetzen zu können. richtungen festgelegt: nach innen plexität der Bedienung zu reduzieren.
(Fokus Supply Chain, Fertigung, Ziele sind hier die weitere Erhöhung
PALFINGER beschäftigt sich seit Anfang Montage) und nach außen (Fokus der Anwendungssicherheit sowie die
2014 konkret mit dem Themenbereich Vertrieb, Service, Marketing). Steigerung der tatsächlichen und
Industrie 4.0, wobei es im ersten Jahr der vom Kunden wahrgenommenen
primär darum ging, zu verstehen, wel- In folgenden Bereichen hat PALFINGER Leistungsfähigkeit der Produkte.
che Projekte im Industrie-4.0-Kontext schon Lösungen erarbeitet und erweitert
im eigenen Unternehmen schon laufen diese im Kontext von Industrie 4.0: Die vorliegende Studie soll dazu bei-
und welche Partner (Lieferanten, Be- tragen, die Wettbewerbsfähigkeit der
rater, Universitäten etc.) unterstützend • Integrierte Herstellung von Produkt- österreichischen Industrie zu erhalten
eingebunden werden können. Von komponenten mittels Digitalisierung und weiter auszubauen. Basierend auf
Anfang an war klar, dass die Möglich- und Vernetzung aller beteiligten den Möglichkeiten von Industrie 4.0
keiten des „Internet-der-Dinge“ auch Fertigungsanlagen: Die im Herstel- werden disruptive Geschäftsmodelle
die Geschäftsmodelle von PALFINGER lungsprozess generierten und analy- entstehen, welche es frühzeitig zu
beeinflussen und verändern, ja sogar sierten Daten werden für den späteren erkennen und für die eigenen Unterneh-
neue Modelle entstehen lassen. Daher Montageprozess, die Rückverfolgbar- men gewinnbringend umzusetzen gilt.
wurde gemeinsam mit den Partnern keit sowie zur kontinuierlichen Ver-
analysiert, was von anderen Branchen besserung des Herstellungsprozesses
gelernt werden kann und welche Poten- und der Produktqualität genutzt.
tiale mit neuen, zum Teil disruptiven • Reduktion der Herstellungskosten
Geschäftsmodellen zu heben sind. mittels horizontaler Integration aller
Partner der gesamten Supply Chain
Im Jahr 2015 wurden bestehende Pro- durch Einsatz von Portallösungen
jekte aus dem Industrie-4.0-Kontext zur Schließung von Informationslü-
konsolidiert, neue gestartet sowie der cken: Digitalisierung von Marketing
Austausch und die Zusammenarbeit und Vertrieb, basierend auf neuen
mit den Partnern weiter intensiviert. Möglichkeiten einer vernetzten,
PALFINGER hat einen globalen Foot- multimedialen, produkt- und ein-
print mit stark regionaler Ausrichtung. satzspezifischen Präsentation, Pro-
Das bedeutet, dass in der Region für duktauswahl mit entsprechender Martin Zehnder
Varianten- und Preiskonfiguration COO, PALFINGER AG
die Region entwickelt und produziert

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 29


8 I ndustrie 4.0 ermöglicht neue, oftmals disruptive, digitale
Geschäftsmodelle.
Industrie 4.0 wird bestehende Ge-
schäftsmodelle nachhaltig verändern.
Dadurch werden insbesondere auch
neue, digitale Geschäftsmodelle entste-
hen. Um erfolgreich zu sein, muss diese
Entwicklung mehrere Komponenten
miteinander verbinden. Im Mittelpunkt
stehen: Die erhöhte Vernetzung mit
Kunden und Partnern, der Ausbau von
digitalen Serviceleistungen und die
Erhöhung des Kundennutzens durch ein
zunehmendes Angebot von Mehrwert-
lösungen (über klassische Produkte hin-
aus). Die besondere Bedeutung des digi-
talen Wandels liegt dabei in der rasanten
Beschleunigung der Veränderungsge-
schwindigkeit. Disruptive Innovationen
führen dazu, dass sich Branchen wie
zum Beispiel die Automobilindustrie in
kurzer Zeit grundlegend verändern.

Ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell erfordert eine Kombination mehrerer


Aspekte von Industrie 4.0
8
Abb. 17 
Kernaspekte erfolgreicher Geschäftsmodelle im Kontext von Industrie 4.0

stärkere digitale
Vernetzung mit Kunden 71 % 24 % 5%
bzw. Partnern
Ausbau digitaler Service­
leistungen mit zusätz­ 70 % 22 % 8 %
lichem Kunden­nutzen

Angebot von „Lösungen/


Systemen“ anstelle 59 % 23 % 17 % 1%
von Produkten

mehr Direktgeschäft
mit Endkunden
53 % 30 % 14 % 3%

effiziente und sichere


52 % 26 % 20 % 2%
Cloud-Technologien

Stärkung der eigenen


Position gegenüber 42 % 29 % 26 % 3%
neuen digitalen Playern

Auf-/Ausbau von Mehr­ 40 % 35 % 23 % 2%


wert­diensten (z. B. Apps)

hoch (5;4) mittel (3) gering (2;1)

keine Angabe

In Hochlohnländern wie Österreich entscheiden schnelle


und den Marktanforderungen entsprechende Innovationen
über die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg von
Unternehmen.
Univ. Prof. Dr. Ing. Dipl.-Ing. Prof. eh. Dr. h.c. Wilfried Sihn,
Fraunhofer Austria Research GmbH und TU Wien, Institut für
Managementwissenschaften

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 30


Die Studienergebnisse im Detail

Wir entwickeln für unsere Kunden maßgeschneiderte Lagerlogistiksysteme


ergänzt um ein umfassendes Dienstleistungsportfolio. Der unmittelbare
Vorteil von Industrie 4.0 für unsere Kunden ist ein deutlicher Effizienz-
gewinn, der durch die intelligentere Nutzung von bereits vorhandenen
Daten entsteht.
Dr. DI. Mag. Christian Grabner, CFO, KNAPP AG

Etablierte Geschäftsmodelle werden Innerhalb der befragten Branchen ist Fahrzeuge in Städten kostenlos an-
durch die verstärkte Vernetzung und die Informations- und Kommunikations- zubieten. Dabei sollen die Fahrzeuge
Nutzung von Daten und Analysefähig- industrie im Aufbau von solchen neuen den Kunden führerlos von einem zum
keiten in allen Wertschöpfungspro- Geschäftsmodellen bereits am weitesten anderen Punkt transportieren. Die
zessen datengetriebener, effizienter fortgeschritten. Cloud-basierte und Wertschöpfung von Google besteht in
und kundenorientierter. Ergänzend As-a-Service-Geschäftsmodelle ha- diesem Fall darin, Werbetreibenden die
haben befragte Unternehmen in der ben sich, was die Nutzung von IT- Möglichkeit zu geben, Kunden kostenlos
Studie „verbesserte Planungs- und Infrastruktur und IT-Anwengungen zu ihrem eigenen Geschäft zu bringen
Steuerungsfähigkeiten“ und „hö- betrifft, bereits als Standard etabliert und damit ein klassisches Problem
here Kundenzufriedenheit“ als die und durchgesetzt. Gleichzeitig werden des stationären Handels zu lösen. Ein
beiden wichtigsten qualitativen Vor- aber auch klassische Fertigungsin- solches neues Geschäftsmodell hätte
teile von Industrie 4.0 genannt. dustrien wie der Maschinen- und An- gewiss disruptive Auswirkungen für
Auch bei neuen Geschäftsmodellen lagenbau nicht mehr ausschließlich eine Vielzahl von Mobilitätsanbietern.
stehen die effiziente Nutzung von Daten physische Produkte verkaufen, sondern
und die zunehmende Digitalisierung von zunehmend lösungsorientierte Nut-
Produkten und Wertschöpfungsketten zungsmodelle anbieten. Maschinen
im Mittelpunkt. In den letzten Jahren und Anlagen werden flexibel nach
sind Geschäftsmodelle entstanden, bei Verbrauch abgerechnet (z. B. „gedruckte
denen die Wertschöpfung ausschließlich Seiten“ anstelle von „Druckmaschi-
auf der Nutzung von Daten beruht, die nen“) und die Daten aus dem Betrieb
– wie etwa im Fall von Google – mithilfe der Anlagen werden wiederum genutzt,
der kostenlosen Bereitstellung digitali- um neuen Mehrwert zu schaffen (z. B.
sierter Produkte gewonnen werden. Bei als „Broker von Druckaufträgen“ mit
neuen Geschäftsmodellen geht es jedoch optimierter Nutzung von Kapazitäten
insbesondere darum, die Digitalisierung über verschiedene Anlagen hinweg).
zu nutzen, um neue Ertragsquellen zu Ähnliche Veränderungen durch dis-
erschließen, die mit dem bisherigen ruptive, digitale Geschäftsmodelle sind
Geschäftsmodell nicht eröffnet werden beispielsweise auch in der Automobil-
konnten. In der Konsequenz führen industrie zu erwarten. Ein kürzlich
neue Geschäftsmodelle somit zu einem in den USA von Google patentiertes
vollkommen neuen Kundennutzen. Konzept sieht vor, selbstfahrende

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 31


9 U
 nternehmensübergreifende Kooperationen ermöglichen
eine bessere Erfüllung von Kundenanforderungen.
Schon heute ist rund die Hälfte aller
befragten Unternehmen davon über-
zeugt, dass vertiefte Kooperationen mit
Wertschöpfungspartnern – zusammen
mit höherer Flexibilität entlang der
Wertschöpfungskette – eine zentrale
Rolle spielen. Mit zunehmendem Digi-
talisierungsgrad und insbesondere mit
Blick auf den Aufbau neuer, digitaler
Geschäftsmodelle wird diese Bedeu-
tung nochmals deutlich zunehmen.
Auf die nächsten fünf Jahre bezogen
gehen im Durchschnitt 82 % der be-
fragten Unternehmen davon aus, dass
vertiefte Kooperationen und höhere
Flexibilität entlang der Wertschöp-
fungskette einen wichtigen Stellenwert
haben werden. Dies gilt gleichermaßen
für alle befragten Industriezweige und
sowohl für Anwender als auch für An-
bieter von Industrie 4.0-Lösungen.

Alle Branchen setzen verstärkt auf Kooperationen und horizontale Vernetzung


9
Abb. 18 
Anteile der Unternehmen, die Kooperationen und horizontaler Vernetzung mit Wertschöpfungspartnern eine hohe (4) oder sehr
hohe (5) Bedeutung beimessen

93 % 91 % 90 %


Ø = 82 %

77 %
60 % 57 % 60 %
55 %
Ø = 53 %
50 % 38 %

Automobil­industrie Elektrotechnik- und Informations- und Maschinen- und Prozessindustrie


Elektronik­industrie Kommunikations­industrie Anlagenbau

heute in 5 Jahren

Die zentrale Triebfeder für vertiefte verbunden mit mehr Flexibilität sind
Kooperationen und eine stärkere Ver- weitere Gründe für die Vertiefung
netzung mit anderen Unternehmen ist von Kooperationen. Die Minimierung
es, die Kundenanforderungen durch von Risiken und der Zugang zu Ex-
neue, digitale Geschäftsmodelle besser pertenwissen spielen nach Ansicht
zu erfüllen. Kürzere Time-to-Market der befragten Unternehmen hingegen
und höhere Innovationsgeschwindig- eine eher untergeordnete Rolle.
keit sowie effizientere Arbeitsteilung

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 32


Die Studienergebnisse im Detail

Kundenanforderungen besser zu erfüllen, ist der zentrale Treiber für vertiefte


Kooperationen

Abb. 19 
Wichtigste Gründe für Kooperationen im Rahmen von Industrie 4.0 – Auswahl
der Top-2-Gründe in Prozent (maximal 2 Nennungen möglich)

bessere Erfüllung von


56 %
Kundenanforderungen
höhere Flexibilität (entlang
35 %
der Wertschöpfungskette)
schnellere
30 %
Time-to-Market
effizientere Arbeitsteilung
29 %
entlang der WS-Kette
höhere Innovationsrate/
Innovationsgeschwindigkeit
20 %

Minimierung von Risiken 13 %


Zugang zu technischem
Know-how/Expertenwissen
13 %

Bahnbrechende Innovationen werden Ansatz – also bei der Erschließung Dabei profitieren sie unter anderem von
oftmals erst durch die Einbindung einer neuer Geschäftsfelder oder als Start- einem intensiveren Datenaustausch und
Vielzahl von Unternehmen und techno- up – eine wichtige Rolle spielen. gemeinsamen Standards, die es ihnen
logische Konvergenz möglich. Erst wenn Vertiefte unternehmensübergreifende erlauben, sich am Markt zu differen-
verschiedene Unternehmen ihre jeweils Partnerschaften beschränken sich je- zieren und dem Kunden einen höheren
unterschiedlichen Fähigkeiten zusam- doch nicht nur auf den Bereich der Inno- Mehrwert zu bieten. In der Automobil-
menführen, können neue Geschäftsmo- vation. Vielmehr zielen sie gerade auch industrie ist dies bereits am deutlichsten
delle entstehen. Ein gutes Beispiel für auf die wertschöpfungskettenübergrei- zu erkennen. Hier werden unterneh-
vertiefte Kooperation über Wertschöp- fende Optimierung von Geschäftsabläu- mensübergreifende Kooperationen von
fungsketten hinweg ist die Entwicklung fen ab – insbesondere durch eine bessere 93 % der Unternehmen zukünftig als
der Elektromobilität. Die Automobil- Analyse und Nutzung von Daten. So hal- wichtig erachtet. Dieser Trend wird sich
hersteller haben sich zu interdiszipli- ten über 60 % der befragten Unterneh- mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf
nären Partnerschaften mit Zulieferern men den verbesserten Austausch von Da- andere Industriezweige ausweiten.
und unterschiedlichsten Anbietern aus ten mit Kooperationspartnern im Zuge
anderen Industriezweigen zusammen- von Industrie 4.0 künftig für wichtig.
geschlossen (z. B. Chemieunternehmen Letztlich ist zu erwarten, dass sich
und Werkstoffhersteller für Batterie- aufgrund der verstärkten unterneh-
zellen, Komponentenhersteller von mensübergreifenden Kooperationen
Elektronikmodulen), um gemeinsam die Wettbewerbslandschaften maßgeb-
schneller und effizienter neue Lösungen lich verändern werden. Unternehmen,
für veränderte Kundenanforderungen die Teil eines Partner-Ökosystems
zu finden. Darüber hinaus entwickelt sind, konkurrieren zunehmend ge-
sich eine Vielzahl von neuen Marktteil- meinsam gegen andere Unternehmen
nehmern, die in einem „Greenfield“- oder andere Partner-Ökosysteme.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 33


10 I ndustrie 4.0 birgt vielfältige Herausforderungen und
Chancen für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Schon heute ist Industrie 4.0 für alle
von uns befragten Branchen ein zen-
trales Thema für den Wirtschaftsstand-
ort Österreich, das zukünftig weiter
stark an Bedeutung zunehmen wird.
Für eine erfolgreiche, zeitnahe Um-
setzung von Industrie 4.0-Konzepten
10
Auch die internationale Standar-
disierung im Bereich von Industrie
4.0-Anwendungen muss vorange-
trieben werden: Nur so können zu-
künftig Kooperationen zwischen
Unternehmen intensiviert und Effi-
zienzsteigerungen realisiert werden.
müssen Unternehmen noch zahlrei- Auf den Plätzen drei bis fünf der Lis-
che Herausforderungen meistern. te der Herausforderungen folgen mit
Im Mittelpunkt stehen dabei für ein ähnlich hoher Bedeutung die Themen
Drittel der Befragten hohe Investitionen „unzureichende Qualifikation der Mit-
und eine häufig noch unklare Wirt- arbeiter“, „Datenschutz“ und „Daten-
schaftlichkeitsrechnung sowie fehlende sicherheit“. Der digitale Wandel wird die
Standards und Normen für neue Indus- Anforderungen an die Mitarbeiter über
trie 4.0-Anwendungen. Viele Unter- sämtliche Wertschöpfungsstufen hin-
nehmen haben noch keine konkreten weg verändern – von der Entwicklung
Umsetzungspläne für Industrie 4.0-Lö- über die Produktion bis hin zum Ver-
sungen erarbeitet oder Investitionen trieb. Prozesse und Geschäftsmodelle
verabschiedet, weil die Lösungen für werden durch die zunehmende Digita-
viele Unternehmen neu sind, erhebliche lisierung agiler und datengetriebener.
Veränderungen erfordern und die mög- Dies verlangt von den Mitarbeitern
lichen Potenziale schwierig zu beziffern völlig neue Fähigkeiten und Qualifika-
sind. Hier besteht akuter Bedarf nach tionen. Auch der Bedarf an Softwareent-
mehr Transparenz und einem branchen- wicklern und Datenanalysten in der
übergreifenden Erfahrungsaustausch. Industrie wird in den nächsten fünf bis
zehn Jahren signifikant zunehmen.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 34


Die Studienergebnisse im Detail

Der entscheidende Faktor einer Umstellung auf


ein System mit Industrie 4.0 Hintergrund ist und
bleibt der Mensch, denn ein System ist immer nur
so gut, wie der Mensch, der es entwickelt, herstellt
und bedient.
Mario Haidlmair, CEO, Haidlmair GmbH

Die größte Herausforderung für Industrie 4.0 ist, Klarheit über den wirtschaftlichen Die damit verbundene Industrie 4.0-
Nutzen zu bekommen Kernfähigkeit, die das Sammeln,
Analysieren und Nutzen von Daten
Abb. 20 
Herausforderungen für die erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 – Auswahl betrifft, birgt jedoch weitere Heraus-
der Top-2-Gründe in Prozent (maximal 2 Nennungen möglich) forderungen: Durch die Freigabe ihrer
Daten fühlen sich Unternehmen und
unklarer wirtschaftlicher Konsumenten verunsichert, gleichzei-
32 %
Nutzen, zu hohe Investitionen tig beruhen digitale Prozessketten und
Geschäftsmodelle auf der Sicherheit
fehlende Standards, Normen
von IT-Systemen und werden von der
und Zertifizierungs­ 31 %
vorherrschenden Gesetzgebung maß-
möglichkeiten
geblich beeinflusst. Vertrauen in digi-
unzureichende Qualifikationen tale Geschäftsmodelle und Prozesse
26 % („Digital Trust“) und die Gesetzgebung
der Mitarbeiter
im internationalen Vergleich haben
unklare rechtliche Situation
daher direkten Einfluss auf die Wett-
bezüglich Verwendung 24 % bewerbsfähigkeit von Unternehmen.
externer Daten

ungeklärte Fragen hinsichtlich Die zahlreichen und komplexen Heraus-


23 % forderungen können in ihrer Bandbrei-
Datensicherheit
te nicht von einzelnen Unternehmen
fehlende Priorisierung/
umfassend bewältigt werden, sondern
Unterstützung durch das 19 % verlangen auch eine gemeinsame An-
Top-Management
strengung von Industrieverbänden,
niedriger Reifegrad der Gewerkschaften und Arbeitgeberver-
14 % tretungen. Nur in branchenübergrei-
erforderlichen Technologien
fender Zusammenarbeit können Qua-
zu langsamer Ausbau von lifikationen gefördert und Standards
11 % ausgewählt bzw. festgelegt werden.
Basistechnologien (Breitband)
Gleichzeitig muss die Politik diesen
unzureichende Netzwerk­ technologischen und digitalen Wandel
8 % in Österreich explizit unterstützen.
stabilität/Datenspeicherung
Die befragten Unternehmen erwarten
sich von der Politik Hilfe in vielen Punk-
ten: Die meistgenannten Themen sind
steuerliche Förderung, Nachwuchsför-
derung, Forschungs- und Entwicklungs-
förderung, sowie Unterstützung bei
der internationalen Standardisierung.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 35


Die Studienergebnisse im Detail

Für die österreichische Politik sind Die erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 bedarf einer breiten Unterstützung
diese konkreten Handlungsfelder durch die Politik
eine echte Chance: Sie kann mit ge-
zielten Maßnahmen in steuerlichen Abb. 21 
Bedarf an Unterstützung durch die Politik – Auswahl der Top-2-Gründe in
und bildungstechnischen Rahmen- Prozent (maximal 2 Nennungen möglich)
bedingungen die Investitionsbereit-
schaft für den Wirtschaftsstandort steuerliche Förderung von
Österreich maßgeblich mitgestalten. Unternehmensinvestitionen 36 %
Die Politik kann helfen, den zuneh-
menden Bedarf an gut ausgebildeten Förderung von qualifiziertem
Mitarbeitern zu bewältigen – schon mit Nachwuchs (Schule, Universität) 27 %
der Schulbildung. Industrie 4.0 und die
zunehmende Digitalisierung brauchen Forschungs- und Entwicklungs­
Mitarbeiter, die insbesondere mathe- 25 %
förderung (Universitäten, Institute)
matische, naturwissenschaftliche und
technische Vorkenntnisse mitbringen. Unterstützung der internationalen
Die Politik sollte Grundlagen für die not- 25 %
Standardisierung
wendige Ausbildung schaffen und dazu
beitragen, dass bereits in jungen Jahren Bildung eines Industrie- und
eine Begeisterung für technische Berufe 21 %
Forschungs­clusters „Industrie 4.0“
geweckt wird. Darüber hinaus müssen
aber auch die Inhalte von Ausbildungs- Bereitstellung hoch­verfügbarer
berufen und Studiengängen an die künf- 20 %
Breitbandnetze
tigen Anforderungen der digitalen Welt
angepasst werden. Dies geht einher mit staatliche Angebote/
der Förderung von Forschung und Ent- 19 %
Unterstützung für Weiterbildung
wicklung zu verwandten Themen: Eine
entsprechende Förderung ermöglicht Schaffung eines wettbewerbs­
dem Wirtschaftsstandort Österreich 16 %
fähigen Datenschutzrechts
den Aufbau des nötigen Know-hows um
eine Vorreiterrolle in der digitalisierten
Industrie von morgen einzunehmen.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 36


Die Studienergebnisse im Detail

Darüber hinaus kann die Politik unter- Wenn Unternehmen, Verbände, Ge-
stützend wirken, indem sie sich für werkschaften und die Politik zusam-
einheitliche Industriestandards auf menarbeiten, kann Industrie 4.0 dazu
europäischer bzw. internationaler Ebene beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit des
einsetzt. Klar definierte Standards und Wirtschafts- und Industriestandorts
Normen sind die Grundlage für die Österreich im Zeitalter der Digita-
unternehmensübergreifende und -inter- lisierung nachhaltig zu stärken.
ne Vernetzung der Wertschöpfungsket- Bereits heute messen über 60 % der
ten. Sie erleichtern einen maschinen-, befragten Unternehmen Industrie 4.0
system- und softwareübergreifenden eine hohe Bedeutung für die österrei-
Austausch von Daten und Informationen chische Wirtschaft zu. Für 2020 steigt
zum Nutzen aller Prozessbeteiligten. diese Einschätzung auf knapp 90 %,
Für die sehr exportorientierte österrei- wobei davon ca. 50 % der Studienteil-
chische Wirtschaft ist eine Beteiligung nehmer Industrie 4.0 sogar eine sehr
an der internationalen Standardisie- hohe Bedeutung für den Wirtschafts-
rung und eine flexible Anpassung standort Österreich beimessen.
hiesiger Unternehmen unerlässlich.

Industrie 4.0 hat eine hohe Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschaftsstandorts Österreich

Abb. 22 Bedeutung von Industrie 4.0 für den Wirtschaftsstandort Österreich

3 % 4 %
3 %
11 % 5 %

24 %-
22 % Punkte

88 %
64 %

heute in 5 Jahren

hoch (5;4) mittel (3) gering (2;1) keine Angabe

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 37


Die Studienergebnisse im Detail

Industrie 4.0 erfasst der Branche geht es darum, sich als Thema „New World of Work“. In Nie-
die komplette Wert- Unternehmen proaktiv und frühzeitig derösterreich widmet sich das Projekt
schöpfungskette anzupassen bzw. sich neu zu erfinden. Enterprise 4.0 unter der Projektleitung
Dies erfordert ein grundlegendes In- von Gerhard Kormann, Professor an
Industrie 4.0 fokussiert primär auf die fragestellen und Redesign der eigenen der IMC FH Krems, der systematischen
Digitalisierung und Automatisierung Geschäftsmodelle, Geschäftsprozesse Aufbereitung von Best Practice Case
von Produktion. Die Digitalisierung und Arbeitsweisen. Und das erfordert Studies in Zusammenarbeit mit ecoplus
reicht jedoch viel weiter und erfasst auch ein rechtzeitiges Nachdenken und Prof. Dr. Alfred Taudes von der
grundsätzlich inzwischen alle Teile der in Richtung der erforderlichen Kom- WU Wien. Und im Österreichischen
Wertschöpfungsketten in Unternehmen. petenzen im Unternehmen. Anhand Gewerbeverein in Wien wurde das Next
Ebenso wie der Produktionsbereich des Bankenbeispiels lässt sich auch Generation Enterprise Forschungsinsti-
erfahren die Verwaltungsbereiche von diese Notwendigkeit sehr gut verdeut- tut als bundesweite Plattform etabliert
Unternehmen weitere Digitalisierung lichen: Denn erst jetzt entdecken viele mit dem Ziel des Wissensaustauschs
und die Unternehmensschnittstellen zu Bankinstitute, dass ein verstärkt auf zwischen Industrie und Forschung
Kunden und Lieferanten. Keine Branche „Online“ basierendes Geschäftsmodell zum Thema digitale Transformations-
ist davor sicher. Ein sehr anschauliches MitarbeiterInnen mit völlig neuen und strategien und Best Practices.
Beispiel ist der Bankensektor im Pri- andersartigen Kompetenzen erfordert.
vatkundensegment: Produktions- und
Serviceprozesse, die noch vor kurzer In Summe wird deutlich: Auf Unterneh-
Zeit durch Bankfilialen erbracht wur- men warten sehr substantielle Heraus-
den, sind heute weitgehend in Online- forderungen, die an den Grundlagen
Banking-Systeme „hineindigitalisiert“; dieser Organisationen rütteln, da der
das Filialgeschäft ist auf dem Weg der Umfang der heutigen Möglichkeiten
fast vollständigen Redundanz. Carl Be- der Digitalisierung zu einem Para-
nedikt Frey und Michael Osborne an der digmenwechsel führt. Viele bekannte
Universität Oxford sprechen von einem Unternehmen haben den Schritt zum
Digitalisierungspotential bei über 50 % Unternehmen der nächsten Generation
der heutigen Arbeitsplätze bis 2030 über schon geschafft und auch viele Hidden
allen Branchen und Industrien hinweg. Champions. Wie diese Unternehmen
Prof. (FH) Dipl.-Wirtsch.-Ing.
Vor diesem Hintergrund zeigt aber auch die Transformation zum Unternehmen
DI Michael Bartz
das Beispiel des Bankensektors, dass es der nächsten Generation erfolgreich
IMC FH Krems
erfolgskritisch ist, diese Entwicklung vollzogen haben und welche Best
Leiter des Forschungsbereiches
proaktiv und frühzeitig zu antizipieren. Practice-Lösungen dabei entstanden
„New World of Work“
Einige Institute haben international sind, das wird auch in Österreich ein-
diese Entwicklung frühzeitig in eine gehend erforscht. Das Hauptziel ist
Transformationsstrategie übersetzt. dabei Know How Transfer zwischen
Ein großer Teil des Bankensektors hat Unternehmen und Branchen. Einige
diese Entwicklung verpasst oder igno- Beispiele: So forschen die IMC FH Krems
riert und bekommt jetzt nachhaltig (der Autor) und die TU Wien (Prof. Dr.
die Folgen zu spüren. Unabhängig von Sabine Köszegi) beispielsweise zum

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 38


D Ausblick und Handlungsempfehlungen

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 39


Ausblick und Handlungsempfehlungen

Die Umsetzung von Industrie 4.0 bedeu- Für einen Industrie 4.0-Strategieprozess ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig
tet für die meisten Unternehmen einen
Abb. 23 Industrie 4.0-Dimensionen
mehrjährigen Transformationsprozess,
an dessen Ende eine signifikant ver-
änderte Wertschöpfung stehen wird. • Geschäftsmodell, Produkt- & Serviceportfolio
Die erwarteten unternehmensweiten Kerndimensionen • Markt- & Kundenzugang
Veränderungen und Innovationen, • Wertschöpfungsketten, Prozesse & Systeme
die in den nächsten drei bis fünf
Jahren stattfinden werden müssen,
Unterstützende • Compliance, Rechtliches, Risk & Datensicherheit
verlangen, dass das Thema vom Top-
Dimensionen • Organisation, Mitarbeiter & Kultur
management erkannt, auf die Agenda
gesetzt und mit hoher Priorität in das
Unternehmen hineingetragen wird.
Über 40 % der Teilnehmer sind CxO.
Dies zeigt, dass das Thema in den
Diese definierten Ziele und der Weg • „ Abwartend“ – Unternehmen, die
Vorstandsetagen der österreichi-
dorthin werden jedoch keineswegs für zunächst eine breite Umsetzung von
schen Unternehmen angekommen
jedes Unternehmen gleich sein. Viel- Industrie 4.0-Lösungen abwarten, um
ist. Jetzt ist strategische Perspekti-
mehr geht es darum, den eigenen Ziel- sich dann ausschließlich auf bereits
ve und aktives Handeln gefragt.
Maturitätsgrad für die nächsten drei bis erprobte Konzepte mit definierten
Jedes Unternehmen sollte in einem
fünf Jahre festzulegen – je nach eigener Standards und etablierten Wirtschaft-
spezifischen Strategieprozess zu
Ausgangslage, der Kunden- und Wett- lichkeitsrechnungen einzulassen –
Industrie 4.0 eine eigene Standort-
bewerbssituation und der Investitions- verbunden jedoch mit der nicht zu
bestimmung vornehmen – mit dem
bereitschaft. Dabei können wiederum unterschätzenden Gefahr, in einer
Augenmerk auf die vorhandenen Fähig-
grundsätzlich drei verschiedene strate- sich schnell digitalisierenden Welt den
keiten und insbesondere mit Blick auf
gische Stoßrichtungen gewählt werden: Anschluss an die globale Konkurrenz
die Veränderungen der Kundennach-
und das sich verändernde Kunden-
frage und die eigene Zieldefinition.
• „Gestaltend“ – Unternehmen, die verhalten bereits verpasst zu haben.
Unser Maturitätsmodell zu Industrie 4.0
zügig und risikofreudiger vorangehen,
kann Unternehmen dabei helfen, die
um die Chancen der Digitalisierung Wenn Vor- und Nachteile der Strategie
verschiedenen Maßnahmen zur Digita-
früh zu nutzen, die Konzepte von abgewogen und mit dem definierten
lisierung des Unternehmens systema-
Industrie 4.0 mitentwickeln und dabei Zielzustand abgestimmt sind, können
tisch aufzunehmen. Dabei müssen alle
potenziell sogar De-facto-Standards die konkreten Schritte zu einer prag-
laufenden und geplanten Aktivitäten in
schaffen – verbunden aber auch mit matischen Umsetzung festgelegt und
einer integrierten Industrie 4.0-Strate-
dem höheren Risiko, neue und bislang wichtige Meilensteine definiert werden.
gie zusammengeführt werden. Dieser
unerprobte Lösungen erst entwickeln Am Ende stehen klar definierte
Strategieprozess berücksichtigt in seiner
und implementieren zu müssen. Maßnahmen, die mit konkreten, un-
Gesamtheit fünf Dimensionen (Abb. 23).
ternehmensspezifischen Wirtschaft-
In einem ersten Schritt muss die aktu-
• „Schnell adaptierend“ – Unterneh- lichkeitsrechnungen und Zeitplänen
elle Maturitätsstufe für das eigene
men, die aus den ersten Erfahrungen hinterlegt sind. Begleitend sollte
Unternehmen festgestellt werden.
der Pioniere lernen und offensicht- ein Veränderungsmanagement auf-
Eine Bestandsaufnahme der eigenen
lich erfolgreiche Konzepte schnell gesetzt werden, das dazu beiträgt,
Fähigkeiten und digitalen Initiativen
für sich anpassen und implemen- den Wandel nachhaltig abzusichern
im Unternehmen bildet die Basis,
tieren – allerdings verbunden mit und mit ausgewählten Pilotprojek-
auf der die Ziele für Industrie 4.0
dem Risiko, das volle Potenzial dann ten schnell Erfolge aufzuzeigen.
definiert und etwaige Lücken
nicht mehr realisieren zu können.
identifiziert werden können.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 40


Ausblick und Handlungsempfehlungen

Eine realistische Einschätzung des Status Quo und ein klares Zielbild sind wesentliche Erfolgsfaktoren

Abb. 24 Industrie 4.0-Maturitätsstufen

Digitaler Vertikaler Horizontaler Digitaler


1 2 3 4
Novize Integrator Kollaborateur Champion

Geschäfts- Erste digitalisierte Digitalisiertes Produkt- Integrierte Lösungen über Entwicklung neuer
modell,
Produkte in und Serviceportfolio mit WS-Stufen hinweg; Geschäftsmodelle mit
Produkt-
Insellösungen Datenanbindung an das Kollaboration mit Part- innovativem Produkt-
& Service-
portfolio eigene Unternehmen nern beim Produkt- und und Serviceportfolio;
Serviceangebot, um innovative Supply
End-to-End-System- Chain-Lösungen
lösungen anzubieten

Markt- & Digitale Kanäle Einheitliche Multikanal- Kunde steht im Mittel- Globale Partner-
Kunden-
Kerndimensionen

etabliert, aber separat Interaktion mit Kunden, punkt von integrierten Ökosysteme mit
zugang
von „analogen integriert über alle Wertschöpfungsketten Optimierung des
Kanälen“; traditionelles Marketing-, Vertriebs- mit horizontalen Partnern; Kundennutzens und
Marketing- und und Servicekanäle; Nutzung von Partner- -werts als Ziel;
Vertriebsmodell; zunehmende daten durchgängige Nutzung
geringe Datennutzung Datennutzung von Daten und Analytik

Wert- Beschränkte interne und Unternehmensinterne Integration der Prozesse Globale Integration,
schöpfungs-
externe Integration; Integration von und Systeme mit Kunden Virtualisierung und
ketten,
Prozesse nur teilweise physikalischen und Lieferanten; netz- Digitalisierung der
Prozesse &
Systeme digitalisiert und mit Wertströmen, Prozessen werkübergreifende Prozesse; Aufbau eines
IT-Architektur kom- und Datenflüssen Optimierung; optimales „digitalen Headquarters“;
patibel; Lücken in der Management von Fokussierung auf
digitalen Compliance digitalen Risiken Kernkompetenzen

Compliance, Traditionelle Strukturen, Digitale Chancen und Strukturen orientieren sich Integrationsfähige und
Rechtliches, Digitalisierung bisher Herausforderungen, aber an Kooperationsmodellen, flexible Strukturen;
Risk &
nicht im Fokus bislang lückenhafte vertragliche Regelungen Austausch in und
Daten-
Umsetzung bilden dies ab außerhalb der Peer Group
Unterstützende Dimensionen

sicherheit

Organisa- Denken in Funktionen Denken über Austausch über Unter- Kollaboration als zentraler
tion, Mit- und „Silos” Funktionsgrenzen nehmensgrenzen Werttreiber etabliert;
arbeiter &
hinweg; unternehmens- hinweg; unternehmens- Systemdenken
Kultur
übergreifende übergreifende
Verantwortung Verantwortung

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 41


Ausblick und Handlungsempfehlungen

Digitaler Novize Vernetzung mit Logistikdienstleistern klares Bekenntnis des Managements zur
Industrieunternehmen beginnen ihren schaffen Effizienz- und Qualitätsgewin- digitalen Agenda. Darüber hinaus gilt es
Weg in die vierte industrielle Revolu- ne, verbessern die Durchlaufzeit oder ein stringentes Datenmanagement und
tion häufig als digitale Novizen. Auf reduzieren die operativen Kosten. Im eine effiziente Analytik und Nutzung
dieser Maturitätsstufe wurden zwar in gleichen Maß wird das Produkt- und von (Echtzeit-)Daten zur Optimierung
allen Unternehmensbereichen und im Serviceportfolio mit externen Wert- entlang der Wertschöpfungskette zu eta-
eigenen Produkt- und Serviceportfolio schöpfungspartnern verknüpft, um blieren. Es gibt viele Wege ein digitaler
erste Digitalisierungserfolge erzielt, den Kunden End-to-End-Lösungen Champion zu werden, und jedes Unter-
die Aktivitäten sind jedoch weder ko- über verschiedene Wertschöpfungs- nehmen muss entsprechend seinen Fä-
ordiniert noch nach einem stringenten stufen hinweg anbieten zu können. higkeiten und der bestehenden Konfigu-
Fahrplan für die Zukunft ausgerichtet. Innovative Konzepte optimieren die ration aus Produkt- und Serviceportfolio
Kundenansprache, und Kundendaten sowie den operativen und administrati-
Vertikaler Integrator werden für eine optimale Ansprache ven Prozessen beurteilen, welcher Weg
Industrieunternehmen in der zweiten gezielt gespeichert und ausgewertet. im Einzelfall erfolgsversprechend ist.
Maturitätsstufe haben als vertikale
Integratoren ihr Produkt- und Ser- Digitaler Champion
viceportfolio bereits konsequent mit Der digitale Champion schließlich hat
digitalen Funktionalitäten versehen, seine operativen und administrativen
zum Beispiel mit einem höheren Soft- Prozesse global vernetzt und in vielen
wareanteil und einer Onlineanbindung Bereichen auch virtualisiert. Das Unter-
beim Kunden, damit Fernwartungen nehmen fokussiert seine operative Wert-
oder Reparaturen möglich sind. Die schöpfung auf Kernbereiche und arbei-
operativen Prozesse und auch wich- tet mit einem globalen Partnernetzwerk.
tige administrative Prozesse sind Administrative Schlüsselprozesse sind
digitalisiert – so sind beispielsweise digitalisiert und nach Kosten- und
Daten aus der Produktentwicklung Steuergesichtspunkten global optimiert.
auch in der physischen Fertigung und Neben einem digitalisierten Produkt-
Logistik und in allen Systemen des und Serviceportfolio heben digitale
Unternehmens in Echtzeit verfügbar. Champions sich durch neue, mitunter
Beim Marktauftritt werden die Funk- disruptive Geschäftsmodelle ab. In diese
tionalitäten einer Onlinepräsenz, zum sind neben innovativen Systemen und
Beispiel über detaillierte Webseiten Mehrwertdienstleistungen auch neue
und Onlineproduktkataloge, genutzt. Methoden der Leistungserbringung –
häufig mit Partnern – entlang der
Horizontaler Kollaborateur Wertschöpfungskette eingebunden.
Die horizontalen Kollaborateure auf
der dritten Maturitätsstufe integrieren Der Aufbau von Industrie 4.0-Lösungen
ihre Wertschöpfungsketten mit Kunden erfordert hohe Investitionen, deren wirt-
und Partnern. Eine digitale Einbindung schaftlicher Nutzen und möglicher Wett-
von Kunden, Zulieferern und Lohnfer- bewerbsvorteil immer wieder kritisch
tigern entlang des Produktionsablaufs überprüft werden müssen. Im Zentrum
sowie eine bessere Koordination und der notwendigen Fähigkeiten steht ein

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 42


Ausblick und Handlungsempfehlungen

Erste Schritte auf dem


Weg zur Digitalisierung
Unabhängig von der gewählten Industrie 4.0-Strategie können sich
Unternehmen mit drei ganz pragmatischen Schritten auf den Weg zur
Digitalisierung und zur Anwendung von Industrie 4.0-Konzepten machen.

1. Allen Dingen einen Namen geben


Vergeben Sie allen Produkten und Produktionsmitteln eine eindeutige
ID und damit einen unverwechselbaren Namen. Nur auf Basis
einer eindeutigen und maschinell lesbaren Identifikation wird eine
Digitalisierung der Prozesse ermöglicht, Daten können erhoben werden
und eine vollständige digitale Eigenbeschreibung von Produkten und
Produktbestandteilen kann erfolgen.

2. Messen, messen, messen


Messen Sie entlang der Wertschöpfungskette alle Prozessdaten und nutzen
Sie umfangreich anfallende Sensordaten und Datenquellen, um den
aktuellen Zustand von Produkten und Produktionsmitteln zu erheben.
Wo nicht bereits vorhanden, rüsten Sie Sensoren nach, um ein möglichst
umfassendes Bild von z. B. Temperatur, Ort oder Zustand zu erhalten.

3. Vernetzen und analysieren


Vernetzen Sie die eindeutig identifizierten Produkte und Produktionsmittel
(mit ihren Eigenbeschreibungen) mit den anfallenden Prozess- und
Sensordaten und kombinieren Sie die unterschiedlichen Datenquellen.
Schaffen Sie die hierzu notwendigen Kommunikations- und IT-
Infrastrukturen, um so eine Vernetzung zu ermöglichen und Daten zu
speichern sowie kombinierbar und analysierbar zu machen – und das
möglichst in Echtzeit.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 43


E Methodisches Vorgehen

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 44


Methodisches Vorgehen

PwC und Strategy& (ehemals Booz & Es wurde auf eine ausgeglichene Branchenverteilung geachtet
Company) haben im zweiten Quar-
tal 2015 gemeinsam die Studie Abb. 25 Zugehörigkeit der befragten Unternehmen zu Branchen
Industrie 4.0 – Österreichs Industrie
Automobilindustrie Elektrotechnik- und
im Wandel durchgeführt. Die Unter-
Elektronikindustrie
suchung erfolgte unter Einbezug der
IMC FH Krems, MAGNA STEYR Fahr-
15 % 22 %
zeugtechnik AG & Co KG, PALFINGER
AG und Siemens AG Österreich.
Für die Studie wurden österreichweit
100 Unternehmen aus fünf Branchen Prozessindustrie1
befragt. Diese umfassen neben der
Informations- und Kommunikationsin-
20 % Informations- und
Kommunikationsindustrie
dustrie vier produzierende Industrien:
Automobilzulieferer, Elektrotechnik Maschinen- und Anlagenbau 22 %
und Elektronik, Maschinen- und Anla-
genbau und Prozessindustrie. Die Pro- 21 %
zessindustrie setzt sich aus folgenden
1
U
 nternehmen aus den folgenden Bereichen: Chemie, Pharmazie, Gummi- und Kunststoff,
Branchen zusammen: Chemische Er- Metallerzeugung und -bearbeitung.
zeugnisse, Pharmazeutische Erzeugnis-
se, Gummi- und Kunststoffwaren sowie
Metallerzeugung und -bearbeitung. Unternehmen aller Größenklassen wurden befragt
Die Befragung wurde in Zusammenar-
beit mit dem Marktforschungsinstitut Abb. 26 Größe der befragten Unternehmen (Jahresumsatz weltweit)
TNS Emnid mittels anonymisierter
Telefoninterviews und eines Online- >  5 Mrd. €
fragebogens durchgeführt. Darüber 0,5–1 Mrd. €
5 %
hinaus haben Mitarbeiter von PwC und
Strategy& mit ausgewählten Unterneh-
6  %
men persönliche Interviews geführt. 1–5 Mrd. €
Die Teilnehmer aus den unterschiedli-
chen Branchen repräsentieren sowohl 11 %
große Konzerne mit einem Umsatz von
mehr als einer Milliarde Euro als auch
<  0,1 Mrd. €
kleine und mittelständische Unterneh-
men. Für die Vergleichbarkeit in der
0,1–0,5 Mrd. €
58 %
Studie wurden diese in fünf Größen- 20  %
klassen zusammengefasst. Erfreulicher-
weise konnten wir viele Unternehmen
für die Umfrage gewinnen, die in ihrem
jeweiligen Segment auf nationaler oder
globaler Ebene Marktführer sind.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 45


Methodisches Vorgehen

Die Bedeutung von Industrie 4.0 spie- Viele befragte Unternehmen sind in ihrem Segment nationaler oder globaler Marktführer
gelt sich auch in der Bereitschaft von
Abb. 27 Marktposition der befragten Unternehmen
Entscheidungsträgern wider, an der
Befragung teilzunehmen: 42 % der keine Angabe globaler Marktführer
befragten Personen sind CxO oder
Vorstand bzw. Geschäftsführer in sonstige
2  %
9 %
ihrem jeweiligen Unternehmen.
20 %
Bei der Befragung konnten die Teilneh- Top 3 weltweit
mer bei einigen Fragen ihre Antwort
in fünf Kategorien von „gering“ (1) bis 22 %
„sehr hoch“ (5) einstufen. Zur Vereinfa-
chung wurden alle Auswertungen mit nationaler Champion
den Antwortkategorien „hoch“ (4) und
28 % Top 10 weltweit
„sehr hoch“ (5) unter „hoch“ zusammen-
gefasst. Bei separater Betrachtung der 19 %
Kategorie „sehr hoch“ (5) im Fließtext
wird explizit darauf hingewiesen. 1
Angaben der Unternehmen bzw. der Teilnehmer an der Umfrage.

Viele Vorstandsmitglieder bzw. Geschäftsführer haben an der Umfrage teilgenommen

Abb. 28 Funktion der Teilnehmer

IT/Technologie Finanzen

Produktentwicklung/
Engineering
7 % 1 %
8 % CXO, Vorstand1
Produktion
42 %
10  %

Sonstige2

11 % Vertrieb/Customer Service

21 %
1
Inkl. CEO, COO, CIO, CTO, CFO.
2
U. a. Supply Chain/Logistik.

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 46


Ihre Ansprechpartner

Ihre Ansprechpartner

PwC

Jörg Busch Alexander Soukup


Partner Senior Manager
Tel.: +43 1 501 88-1105 Tel.: +43 1 501 88-2973
joerg.busch@at.pwc.com alexander.soukup@at.pwc.com

Strategy&

Harald Dutzler Markus Loinig


Partner Projektleiter
Tel.: +43 1 518 22-904 Tel.: +43 1 518 22-912
harald.dutzler@strategyand.pwc.com markus.loinig@strategyand.pwc.com

Industrie 4.0 – Österreichs Industrie im Wandel 47


Danksagung

Danksagung

Unser besonderer Dank gilt den folgenden Personen und ihren Unternehmen
für ihre inhaltlichen Impulse und ihre Einschätzung zur Bedeutung des Themas
Industrie 4.0:

• Univ. Prof. Dr. Ing. Dipl.-Ing. Prof. eh. Dr. h.c. Wilfried Sihn, Technische
Universität Wien
• Mario Haidlmair, Haidlmair GmbH
• Prof. (FH) Dipl.-Wirtsch.-Ing. DI Michael Bartz, IMC FH Krems
• Dr. DI. Mag. Christian Grabner , KNAPP AG
• Dr. Wolfgang Zitz, MAGNA STEYR Fahrzeugtechnik AG & Co KG
• Martin Zehnder, PALFINGER AG
• DI. Reinhold Steiner, RHI AG
• Ing. Werner Berger, Siemens AG Österreich
• Dr. Kurt Hofstädter, Siemens AG Österreich
• Dr. Thorsten Löhl, MBA, Swarovski Professional

Weiters möchten wir uns bei den folgenden Kollegen für die konzeptionelle und
inhaltliche Gestaltung der Studie „Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen
der vierten industriellen Revolution“ bedanken, welche als Rahmenwerk zur
Erstellung der österreichischen Studie diente:

• Dr. Reinhard Geissbauer, Partner, Management Consulting, PwC AG WPG


(Deutschland)
• Stefan Schrauf, Partner, Management Consulting, PwC AG WPG (Deutschland)
• Volkmar Koch, Partner, PwC Strategy& GmbH (Deutschland)
• Simon Kuge, Principal, PwC Strategy& GmbH (Deutschland)

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© Juni 2015 PwC Österreich GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
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