Sie sind auf Seite 1von 6

ÄGYPTISCHE GESCHICHTE

VON

A. WIEDEMANN

1. TEIL:

VON DEN ÄLTESTEN ZEITEN BIS ZUM TODE TUTMES' III

Extract from pages 7379

GOTHA

1884

Fünftes Kapitel.

Die Quellen zur Geschichte Ägyptens.

Die Quellen, welche für die Geschichte der Ägypter, deren ethnographische und religiöse Verhältnisse auf den vorhergehenden Seiten kurz skizziert worden sind, vorliegen, zerfallen nach der Sprache, in welcher dieselben abgefasst sind oder nach der Zeit, aus welcher sie stammen, in vier gröfsere Abteilungen: in die national -ägyptischen, in die asiatisch-semitischen, in die griechisch-römischen und endlich in die modernen Quellenwerke. Diese Einteilung ist es denn auch, welche wir den folgenden Abschnitten zugrunde zu legen haben.

§ 14.

Nationalägyptische Quellen.

Das Quellenmaterial, welches ims in den ägyptisch geschriebenen Texten entgegentritt, ist naturgemäss für die Geschichtsforschung als das ursprünglichste auch das wichtigste. Es ist im Wesentlichen ein zeitgenössisches und von jüngeren Überarbeitungen freies, zugleich ist es in grofser Reichhaltigkeit vorhanden, und so beruht denn das, was wir von ägyptischer Geschichte jetzt wissen, im wesentlichen auf ihm.

Historische Texte finden wir in Ägypten vor allem auf Steinmonumenten, auf Stelen und auf Tempelwänden. Die Papyri kommen ihr rein historische Zwecke weniger in Betracht, sie enthalten meist religiöse oder litterarische Texte, wie Erzählungen, Märchen, Briefe, welche zwar für die Kulturgeschichte von hoher Bedeutung sind, für die rein politische Geschichte dagegen weniger Material ergeben. Trotzdem sind einige Papyri, wie wir sehen werden, auch für diese von grundlegendem Werte.

Für uns wird es bei der Behandlung der ägyptischen Quellen 1 nicht darauf ankommen, die einzelnen Quelleninschriffcen aufzuzählen. Da diese eigentlich alle zeitgenössischer Natur sind, würde dieses zwecklos sein, dagegen mufs es von Interesse sein, von vornherein die einzelnen Erlassen der vorliegenden Quellen zu behandeln. Es wird sich dabei Gelegenheit bieten, den Wert jeder dieser einzelnen Klassen für die historische Forschung zu prüfen, ihrer Glaubwürdigkeit nachzugehen und so das Material auszusondern, welches für die Wiederherstellung der Geschichte Ägyptens wirklich verwendbar sein wird.

1) Königslisten. Die Listen ägyptischer Könige, welche uns mehriach aus dem ägyptischen Altertume überkommen sind, sind für uns die grundlegende Basis, auf welcher wir die Reihenfolge der einzelnen Herrscher wieder aufbauen können. Ihre Bedeutung ist besonders för die Geschichte des alten und mittleren Reiches eine grofse, für das neue Reich* kommen sie nur bei den ersten drei

1 Vgl. zum folgenden Wiedemann, Gesch. Agypt., S. 2ff. ; auf die dort eingehender behandelten Fragen wird im Folgenden nur kurz verwiesen werden.

Dynastieen in Betracht; aus den Zeiten der einundzwanzigsten und der folgenden Dynastieen liegen uns keine Königslisten mehr vor. Die längste und wichtigste unter den uns erhaltenen Listen ist:

a) Der Turiner Königspapyrus. Dieser Papyrus enthielt einst eine vollständige Liste der ägyptischen Könige, beginnend mit den Götterkönigen des Landes und den heiUgen Tieren bis herab in die Zeit der Hyksos, d. h. bis in die Zeit der 15. und 16. Dynastie hinein. Ganz erhalten würde der Papyrus ein sicherer chronologischer Leitfaden durch die ägyptische Geschichte der alten Perioden sein und dies um so mehr, als er den Namen der einzelnen Herrscher, die Dauer ihrer Regierungen nach Jahren, Monaten und Tagen beifügte.

Der Text ward ursprünglich vollständig gefunden, ist jedoch bei dem Transporte nach Turin in 164 meist kleine Fragmente zerbrochen, und es hat der gröfsten Anstrengungen bedurft, um wenigstens einen Teil dieser Bruchstücke, deren Wert Champollion bereits 1824 erkannte, zu retten und zu ordnen. Das gröfste Verdienst um diese Rettung erwarb sich Seyffarth, welcher 1826 die ruchstücke aufklebte, numerierte und vor dem gänzlichen Untergänge bewahrte. 2

Seit dem Beginne der ägyptologischen Studien ist der Text sehr häufig zum Gegenstande wissenschafitlicher Behandlung gemacht worden. Alle diese Untersuchungen konnten jedoch nur dazu dienen ; bereits anderweitig gewonnene Resultate zu bestätigen; wirklich neue Thatsachen aus dem Papyrus und seinen Zahlenangaben abzuleiten, macht seine schlechte Erhaltung unmöglich, nach dieser Richtung hin ergiebt er nur hie und da eine kurze Notiz. Für die Herstellung der Regentenliste ist er besonders bei den Herrschern der 13. und 14. Dynastie, deren Namen er in ziemlicher Vollständigkeit erhalten hat, von Bedeutung; für die älteren Dynastieen ergiebt derselbe nur wenig.

Wie alle ägyptischen Königslisten, so fuhrt auch der Turiner Papyrus die Könige nur mit ihren Vornamen auf, während in den Inschriften der Monumente die Vor- und Nachnamen 3 auftreten. Die ägyptischen Könige fuhren bekanntUch, abgesehen von ihren Titeln, regelmäfsig zwei Namen, welche auf den Denkmälern stets von Kartouchen oder Namensringen umschlossen werden. Der erste Name, der Vorname wird eingeleitet durch die Bezeichnung suten net „König von Ober- und Unterägypten", der zweite, der Nachname, durch die Worte sa-Ra „Sohn der Sonne". In seiner wörtlichen Bedeutung stellt dabei der Vorname den König in eine innige Beziehung zum Q-otte Ra, dem Sonnengotte. So heifst Tutmes L: Ra-aa-cheper-ka Ra macht seine Person gross, Tutmes III.: Ra-men-cheper Ra liefs ihn beständig sein, Ramses II: Ra-user-Maa setep-en-Ra Ra machte ihn stark in der Wahrheit, er ist gebilligt von Ra, Psammetich I. : Ra-uah-ab Ra bildet sein Herzu. s. f. Diese Vornamen führen die Könige im mittleren und neuen Reiche regelmässig, während dieselben im alten Reiche seltener und für eine Reihe von Herrschern noch nicht nachweisbar sind. Der Nachname ist ein einfacher Rufname, wie er sich auch bei Privatpersonen in derselben oder ähnlicher Form häufig findet. In der ältesten Zeit wählte man dazu meist die Bezeichnung einer Eigenschaft, wie Mena der Beständige, Chufu der Leuchtende, Unas der Seiendeals die einfachste Form der Namensbildung überhaupt. 4 Später

2 Publ. Lepsius, Ausw. ägypt. Urkunden, pl. 36-, mit dem Verso: Wilkinson, The fragments of the hier. pap. at Turin, London 1851. Vgl. Seyffarth, Remarks upon an Egyptian History in London Literary gazette, July 1828, No. 600, p. 457 sqq. Birch, Transact. of Roy. Soc. of Liter. II, Ser. I, p. 203 sqq., London 1843. Champollion-Figeac, Rev. arch. 1850, p. 397 sqq. 461 sqq. 589 sqq. 653 sqq. De Rouge a. a. 0., p. 559 sqq.

3 Dafs die ägyptischen Könige oft zwei bis drei Namen führten, bemerkte bereits Syncellus, p. 63 A, 117 Dind

4 Aus diesen Namensbildungen, wie Lauth, Manetho, p. 87 sq. und Krall, Maneth. Geschichtswerk, S. 16 f. schliessen zu wollen, dafs die älteste ägyptische Geschichte eine Priesterkonstruktion sei, hat Erman im Jahresber. der Morgenl. Studien 1879, S. 173 mit Recht zurückgewiesen.

nahm man gewöhnlich Ausdrücke, durch welche der betrefiende König als ein Kind oder als eine Gabe der Gottheit dargestellt werden sollte, wie Tutmes „Thoths Sohn", Rameses ”Ras Sohn, Amen- hetep Gabe des Amonund ähnliche Formen. Es scheint diese Verschiedenheit in der Wahl der Nachnamen mit darauf hinzudeuten, dafs die ägyptischen Könige mehr und mehr bestrebt waren, sich als die gottgesandten Herrscher Ägyptens hinzustellen und ihrer königlichen Macht göttlichen Ursprung zuzuschreiben.

Die doppelte Benennung der Könige bietet oft eine bedeutende Schwierigkeit fiir die Geschichtsforschung dar, indem uns zuweilen die Mittel fehlen, mit deren Hilfe wir entscheiden könnten, welcher Nachname im einzelnen Falle dem durch die Listen oder andere Dokumente gegebenen Vornamen entspricht. Im alten Reiche wird diese Schwierigkeit noch dadurch vergröfsert, dafs man in ihm im Gegensatze zu der späteren Zeit die Vor- und Nachnamen häufig in ganz gleicher Weise behandelte, so dafs zuweilen die Einführungsworte suten net vor den Nachnamen, sa-ra vor den Vornamen treten. Nur durch ein stets wachsendes Denkmälermaterial können wir allmählich instand gesetzt werden, den einzelnen Herrschern ihre entsprechenden Doppelnamen zuzuweisen.

Während der Turiner Papyrus, wie wir sahen, infolge seines fragmentarischen Zustandes, nur für einzelne Perioden wirklich benutzbar ist, haben eine Reihe nun zu erwähnender Steininschriilen einen weit umfassenderen Wert und daher auch gröfsere Bedeutung; es sind:

b) Die Tafel von Abydos. Diese Tafel ward 1864 von Dümichen in einem Gange des auf Mariettes Befehl ausgegrabenen Osiris-Tempels zu Abydos entdeckt, in ihrem Werte erkannt und publiziert. 5

Kurz nach der Publikation wurden in französischen Blättern gegen Dümichen und Lepsius Angriflfe gemacht, um die Priorität der Entdeckung Mariette zuzuweisen. 6 Dieselben hörten bald auf, als auch die beiden bedeutendsten französischen Agyptologen, de Rouge und Chabas erklärten, ihrem Landsmanne komme kein weiteres Verdienst zu, als zufällig gerade an der betreffenden Stelle in Abydos Ausgrabungen angeordnet zu haben 7 ^, die Entdeckung gebühre allein Dümichen.

Auf dieser Tafel von Abydos sehen wir den König Seti I. und dessen Sohn und Nachfolger Ramses H. die vor ihm aufgezeichneten Cartouchen von 75 seiner Vorgänger, denen er seine eigenen Namens- ringe folgen liefs, anbeten. Diese 75 Cartouchen sind in chronologischer Folge geordnet und geben uns so eine Liste ägyptischer Herrscher von Menes bis auf Seti I. Freilich ist die Liste nicht vollständig; ihr Verfasser hat nach uns unbekannten Prinzipien aus einer vollständigen Liste der Könige einzelne Namen ausgewählt und zwar, soweit wir verfolgen können, die der bedeutendsten. Wir können wenigstens von fast allen genannten Herrschern gröfsere gleichzeitige Denkmäler nachweisen, während diejenigen fehlen, von deren Regierung wir durch anderweitige Urkunden erfahren, dafs dieselbe kurz oder unwichtig war. Der grofse Wert, den diese Liste für uns hat, liegt darin, dafs sie uns ein festes Gerippe der Reihenfolge einer gröfseren Anzahl von Herrschern giebt, welches wir bei der Einordnung neuer Namen als sichere Grundlage benutzen dürfen.

5 Ägyptische Zeitschr. 1864, S. 89 f. Spätere Publikationen sind die von: Mariette, Rev.Arch. N. S.XHI; Abydos I, pl. 43. deRouge, Rech., pl. 2. Loftie, The table of Abood. Vgl. Devdria, La nouvelle table d* Abydos, Eev. Arch. N. S. XI, 50 sqq.

6 Vgl. Lepsius, Agypt. Zeitschr. 1865, S. 14. 24.

7 Chabas, Revue retrospective a propos de la publication de la liste roy. d'Abydos. 1865. Lettre k M. le directeur de la France littérature 1865.

Ein zweites Exemplar derselben Liste ward bereits am Anfange dieses Jahrhunderts (1818) von Bankes in Abydos entdeckt, von dem französischen Generalkonsul Mimaut ausgebrochen und an das British Museum verkauft. Hier sehen wir Ramses H. dieselben Königsnamen, wie oben Seti I., und aufserdem seinen eigenen Vor- und Nachnamen adorieren. 8 Diese Tafel ist nur zum kleinen Teile mit den Namen 4052 und 61 Ende der Tafel Seti I. erhalten und konnte daher früher nicht verwendet werden. Jetzt stellt sich bei einer Vergleichung beider Texte heraus, dafs dieselben vollkommen genaue Kopieen ein und desselben Originaltextes sein müssen, indem sie bis in die geringfügigsten orthographischen Details hinein üboreinstinunen.

c) Die Tafel von Saqqarah ist an dritter Stelle zu nennen. Dieselbe ward von Mariette im Grabe

eines hohen Würdenträgers Tunurol, welcher zur Zeit Ramses' II. lebte, zu Saqqarah entdeckt und ist jetzt in Bulaq. Sie zeigt ganz analog der Tafel von Abydos diesen Tunurol die Cartouchen von 47 Königen, welche vor seiner Zeit lebten, adorierend. La ihrer Mitte findet sich eine Lücke, welche mindestens fünf Könige umfalste, auch sind von den vier letzten Cartouchen nur die schliefsenden Zeichen erhalten. Die aufgeführten Königsnamen sind im allgemeinaa identisch mit denen der Liste von Abydos ; nur zeigt unser Exemplar mehrfach erhebliche orthographische Fehler, was auf eine leichtfertige Redaktion des Textes hindeutet Die gleiche Flüchtigkeit bemerken wir bei der Aufeählung der Namen der Herrscher der 11. und 12. Dynastie. Diese hat der Schreiber von seinem Originale in verkehrter Reihenfolge abgeschrieben, ohne ihre relative Stellung zu verändern ; offenbar kopierte er seine von rechts nach links geschriebene hieratische Vorlage sklavisch genau, anstatt die Namen einzeln zu verstellen, wie es sein von links nach rechts laufender Text verlangte. In der 18. Dynastie ist die Reihenfolge der Herrscher wieder die richtige. Bemerkenswert ist bei der Liste 9 endlich, dafs dieselbe nicht mit dem Namen des ersten ägyptischen Königs Menes, sondern erst mit dem des sechsten Königs der ersten Dynastie Mer-ba-pen beginnt. Ob wir hierin nur eine Flüchtigkeit des Redaktors der Liste oder tiefer liegende Gründe zu suchen haben, erlaubt das für die erste Dynastie nur in sehr geringem Mafse vorliegende Material nicht zu entscheiden.

d) Die Tafel von Karnak. Eine eigentümliche Rolle inmitten der ägyptischen Königslisten spielt eine

von Burton in der Nähe des Sanktuars des Reichstempels zu Kirmak entdeckte Lischrift, welche später durch Prigse nach Paris gebracht wurde. 10 Hier sehen wir an zwei einander gegenüberstehenden Wänden Tutmes' HI. die Cartouchen von 61 seiner Vorfahren adorieren. Diese Cartouchen sind jedoch hier nicht, wie wir es bisher regelmälsig bei den Königslisten fisinden, chronologisch geordnet, sondern stehen scheinbar systemlos durcheinander. Trotz dieser Ungeordnetheit der Namen ist die Liste für die Geschichte von hohem Werte, da sie die Namen einiger Herrscher der 13. 17. Dynastie, welche die anderen Listen vollständig überspringen, aufTührt und auch die Namen der Herrscher der 11. Dynastie in grösserer Zahl giebt, als dies die anderen Texte

8 Publ. von Caillaud. Salt, Essay on the phonetic System of Hieroglyphics, London 1825. Champollion, Lettre k M. de Blacas, pl. 6. Champollion-Figeac, Egypte anc, pl. 47; vgl. p. 271 sqq. Letronne, La table d' Abydos, im Journal des savants, 18^5 April, und Kev. arch. I, Ser. II, 1. p. 193 sqq. , auch separat, Paris 1845. Ideler, Hermapion, pl. 19. Lepsius, Auswahl, pl. 2. Nach der letzteren Kopie auch Prisse, Mon., pl. 2. Vgl. Mariette, Abydos II, pl. 18 (stehen- gebliebene Teile ans Abydos). Vgl. für die Geschichte der Publikationen: Lepsius, Gesch. der 12. Dyn., S. 426ff. 9 Publ. Mariette, La nouvelle table de Saqqarah, in Rev. arch. N. S. X, pl. 17, p. 169 sqq. Mariette, Mon. div., pl. 58. deRouge, Album phot., No. 143145 und Recherches, pl. 1. 10 Jetzt im Cabinet des Medailles. Publ. Burton, £xc. hierogl. , pl. 1. Young, Hierogl., p. U, pl. 96. Wilkinson, Extracts. Lepsius, Auswahl, pl. 1 (nach einer Kopie von Nestor L'Hote); Greschichte der 12. Dynastie, pl. 1. Rosellinj, Mon. st. I, p. 132 sqq.; III, p. 188. deSaulcy, M(5m. de lAc. de Metz 1863/4 Prisse, Mon., pl. 1 (nach Lepsius' Text). Vgl. Prisse, Rev. arch. II, 1. p. 1, pl. 23 und die Inschrift bei Mariette, Karnak, pl. 32 h.

thun. Ein Urteil über die Motive und den Zweck der Anordnung der Cartouchen zu geben, wird da- durch sehr erschwert, dafs eine Reihe derselben fehlt und wir kein Mittel haben, um dieselben zu ergänzen. Die ersten zehn Namen gehören den ersten sechs Dynastieen an, dann folgt eine Gruppe (12 15) aus der 7. 11. Dynastie, eine weitere (18 23) giebt in verkehrter Reihenfolge die Herrscher der 12., 17. Nr. und 24 27 bilden wieder eine Gruppe der 7- 11. Dynastie, 29 30 (und hierher gehört wohl auch 28) gehören in die 17. Dynastie, 31 endlich, der Vorname Usertesen I., nimmt eine ganz isolierte Stellung ein, welche sich daraus erklärt, dafs Tutmes lII. für diesen Herrscher überhaupt ein besonderes Interesse hatte. Die Könige 32 61 gehören alle der 13. 14. Dynastie an und sind, wenigstens im allgemeinen, soweit wir es verfolgen können, chronologisch geordnet worden. Auf der Seite von Nr. 1 31 mufs jedoch ein anderes Prinzip angewendet worden sein ; es fehlen uns hier Namen, welche wir sonst in allen Listen finden und daher auch hier erwarten sollten, wie die der Pyramidenerbauer. Dagegen werden andere aufgeführt, welche sonst sehr selten sind. Mit Vorliebe sehen wir gerade die Könige aufgezählt, von denen sich auch sonst in Theben Bauten finden, wie die Herrscher der 13. 14. und die der 11. 12. Dynastie.

So scheint es fast, als habe Tutmes HI. hier diejenigen Könige aufzählen lassen wollen, welche in Theben Bauten auffuhren liefsen oder hier residierten. In diesem Falle wäre die Anordnung ihrer Namen vielleicht als eine topographische insofern zu betrachten, als man die Herrscher nach Mafsgabe der gröfseren oder geringeren Entfernung zusammengestellt hätte, in welcher ihre Bauten von einander lagen.

Hierdurch würde sich wenigstens die Aufgabe jeder chronologischen Anordnung erklären lassen. Über den Wert dieser Vermutung wird man jedoch erst dann ein Urteil fällen können, wenn die Ruinen von Elamak genügend durchforscht sein werden, um zu ermöglichen, sich ein Bild von der Gestalt des fieichstempels und seiner Annexe an Priesterwohnungen, Nebengebäuden, Seeen, Thoren und Umwallungen beim Beginne des neuen Reiches bilden zu können.

e) Kleinere Königslisten. Aufser diesen vier grofsen Listen ägyptischer Könige sind uns mehrfach kleinere erhalten geblieben, welche die Herrscher eines enger begrenzten Zeitraumes aufführen und so deren Folge mit Sicherheit wiederherstellen lassen. Auf diese Weise sind uns mehrere Perioden des alten Reiches bekannt geworden ; besonders aber haben wir so die Folge der wichtigeren Herrscher der 18. 20. Dynastie durch mehrere gleichlautende Listen erhalten. Zu diesen kleineren Listen kommen noch zahlreiche, zum Teil chronologisch, zum Teil genealogisch oder auch ganz willkürlich geordnete Listen, welche eine Auswahl von Namen göttlich verehrter Könige enthalten. Diese Exemplare stammen meist aus der Zeit der 18. und 19. Dynastie, während welcher der Ahnenkult besonders in Blüte gestanden zu haben scheint und man ihm sogar bei der Verehrung der grofsen Götter eine wichtige Stelle einräumte. Unter diesen Texten ist von besonderer Bedeutung ein Libationstisch aus der ehemaligen Sammlung Clot-Bey in Marseille. 11 Derselbe stammt aus der Zeit Ramses' II. und enthält die Namen von Königen, welche als Götter galten, aus der 11., 17., 18. und 19. Dynastie. Eine zweite interessante Liste enthält ein Turiner Papyrus mit Königen und Königinnen aus der 18. und 19. Dynastie 12 ; andere Texte stehen in Gräbern, so bei Der el Medinet u. s. f.

11 Publ. Brugsch, Monatsber. der Berl. Akad. 1858, S. 69; vgl. Lepsius a. a. 0., p. 603. de Saulcy, M^m. de r Ac. imp. de Metz 1863/4. 12 Lepsius, Königsbuch, pl. 22.