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Die extreme Rechte in den NRW- Kommunalparlamenten | Schwerpunkt

Von Jan Spreuk

“Rigoros für
deutsche Interessen“
Die extreme Rechte in den NRW-Kommunalparlamenten

Wenn auch auf niedrigem Niveau: Extrem rechte Parteien und “Bürger- Zugang zur Öffentlichkeit und die Fi-
listen“ konnten bei den Kommunalwahlen in NRW im September 2004 nanzierung anbelangt – vor allem
deutlich zulegen. Zwei Jahre danach ist es an der Zeit, eine Zwischen- dort, wo das Wahlergebnis auch zur
bilanz zu ziehen. Bildung von Fraktionen mit einer ma-
teriell deutlich besseren Finanzaus-
Dass die extreme Rechte Schwierig- Republikaner ab sofort in 25 % aller stattung und eigenen Räumen reichte.
keiten mit den Grundrechenarten hat, Räte, Bezirksvertretungen sowie Kreis-
haben wir geahnt. Im September 2004 tage mitreden und dem Bürger zeigen, Die NPD-Einzelkämpfer
– die Stimmen der NRW- Kommunal- wer ihre Interessen wirklich vertritt.“
wahl waren gerade ausgezählt – lie- Tatsächlich hatten die Wähler aber die Pro Köln mag als Beispiel einer ver-
ferten NPD und Republikaner den Be- Kommunalparlamente in 427 Kreisen, gleichsweise professionellen Ratsar-
weis. Zum Beispiel Stephan Flug, kreisfreien Städten und kreisangehöri- beit dienen (siehe S. 17). Auf der
damals noch Pressesprecher des NPD- gen Kommunen neu bestimmt, dazu anderen Seite gibt es aber auch die
Landesverbandes. Gerade einmal 0,2 kommen noch diverse Bezirksvertre- Fälle von mit einigem Elan gestarteten
Prozent der Stimmen hatte die – aller- tungen. Unterm Strich also waren die rechten Neuparlamentariern, die rasch
dings bei weitem nicht flächen- Republikaner nicht in 25 Prozent, son- wieder in der Versenkung verschwan-
deckend angetretene – NPD geholt dern in weniger als vier Prozent aller den. Die NPD werde sich “im Kreistag
und gerade einmal etwas mehr als ein lokalen Parlamente eingezogen. des Märkischen Kreises rigoros für
Dutzend Mandate gewonnen. Doch Eine Entwarnung soll das aber nicht deutsche Interessen stark machen“,
Flug sah bessere, beinahe ostdeutsche sein. Denn zum einen gab es lokal er- versprach beispielsweise das neue
Zeiten heraufziehen: “Mit der Entsen- schreckende Ergebnisse. In Köln, der Kreistagsmitglied, der stellvertretende
dung von 14 Nationaldemokraten in größten Stadt Nordrhein-Westfalens, NPD-Landesvorsitzende Timo Pradel.
die kommunalen Parlamente ist somit kam die Bürgerbewegung pro Köln auf Doch zwei Jahre später ist es sehr
auch in Nordrhein-Westfalen eine po- 4,7 Prozent und schickte zunächst vier ruhig um ihn geworden. Es macht eher
litische Basis vertreten, die an die Er- Mandatsträger – später stieß noch ein den Eindruck, dass er sich bei seinen
folge der Landtagswahlen in Sachsen REP- Abtrünniger zur Fraktion hinzu – protokollierten Wortmeldungen im
und Brandenburg anknüpft. Die deut- ins Stadtparlament. In der zweitgröß- Kreistag bevorzugt mit der häufigen
sche Wählerschaft zeigt mit Ihrem ten Stadt, Dortmund, legte die DVU Abwesenheit des für die Republikaner
Votum, das der politische Wind sich von 2,0 auf 3,1 Prozent zu: drei statt gewählten Egbert Geiecke beschäf-
dreht und Deutschland die verheeren- vorher zwei Mandate für die Fre y - tigt. Auf dessen Unterstützung im
de Politik der Altparteien ablehnt und Truppe. Auch dass die Republikaner Parlament hatte er 2004 noch gehofft
immer stärker die Lösungen und Vor- beispielsweise in Herne und Gelsenkir- – offenbar vergebens. Nun ist er zu
teile nationaldemokratischer Alterna- chen noch einmal rund einen Prozent- Pradels Lieblingsgegner geworden.
tiven erkennt.“ Nicht weniger groß- punkt zulegen konnten und auf 4,7 Still ist es auch um Dieter Koch im
spurig zeigte sich die Republikaner- bzw. 4,0 Prozent kamen, sorgte für Kreistag des Ennepe-Ruhr- K reises ge-
Landesvorsitzende Uschi Winkelsett: Aufsehen. Die NPD errang unter an- worden. Einmal versuchte der um ein
“Das Ergebnis der Kommunalwahl in derem in vier Kreistagen (u.a. im Mär- seriöses Image bemühte NPDler sich
NRW beunruhigt die etablierten Par- kischen Kreis und im Ennepe-Ruhr- an einer Haushaltsrede. Die Resonanz
teien und die Medien“, befand sie. Die Kreis) jeweils ein Mandat sowie acht war wohl enttäuschend. Die Vertreter
Republikaner - sie kamen landesweit Mandate in fünf Stadträten (u.a. in der anderen Fraktionen drehten sich
lediglich auf 0,6 Prozent - seien “in Mönchengladbach). Und zum anderen während seiner Rede auf ihren Stühlen
alle 17 Kommunalparlamente einge- eröffnete der Einzug in die Kom- von ihm weg oder verließen den Ver-
zogen, für die sie kandidiert hatten“. munalparlamente den extrem rechten sammlungsraum. Eigene Initiativen
Und weiter: “Das bedeutet, daß die Gruppen neue Möglichkeiten, was den Kochs sind bisher nicht bekannt. Seit

Lotta #25 | Winter 2006 | Seite 13


Schwerpunkt | Die extreme Rechte in den NRW- Kommunalparlamenten

Ratsherr Wolfgang Geilenkirchen (r.) mit Stammwählern... ...und sein Ratskollege Pascal Geyer

längerem nichts zu hören ist auch von es bei ihrem erstmaligen Einzug ins Einen Antrag von SPD und Grünen ge-
der parlamentarischen Arbeit der bei- Stadtparlament die Erwartung, dass gen den Neonaziladen Donnerschlag
den Mönchengladbacher NPD-Rats- dies wegen der bekannten kommentierte DVU-Ratsherr Gerald
mitglieder Pascal Geyer und Wolf- Unfähigkeit von DVU-Mandatsträgern Branghofer so: “Der bisher unwider-
gang “Wotan” Geilenkirchen oder andernorts und wegen der fehlenden legte Gesamteindruck in dieser Sache
des Heinsberger Kreistagsabge- Parteistruktur vor Ort ein nicht ist der, dass es Roten und Grünen wie
ordneten Helmut Gudat. wiederholbares Ergebnis sein würde. üblich weder um Recht noch
Nicht zu vergleichen sind die völlig Doch 2004 kehrte die DVU sogar Wahrheit, sondern um die Durch-
unterschiedlichen Rahmenbedingun- gestärkt in den Stadtrat zurück, mit setzung von Gesinnungsterrorismus
gen, mit denen es die Ein- oder Zwei- 3,1 Prozent (1999: 2,0 %) und drei mit allen Mitteln und unter allen Um-
Mann-Fraktionen in kleineren Städten Mandaten (plus eins). Tatsächlich ständen geht.“ Von den großen Frak-
auf der einen Seite und die Fünf- agieren die DVUler im Rat ziemlich tionen wird die DVU beschwiegen; der
Personen-Fraktion von Pro Köln in professionell, sind vorbereitet auf die Ratssaal leert sich, wenn ein DVUler zu
Köln auf der anderen Seite zu tun Themen der Sitzung und in ihren einem längeren Beitrag ansetzt. Auch
haben. Unterschiede bestehen nicht Diskussionsbeiträgen auf ihre Weise in der Lokalpresse stoßen sie auf keine
nur in der üppigen Ausstattung von “kompetent“. Migrations- und Integ- Resonanz. Gleichwohl werden sie –
Pro Köln, sondern – aus der Sicht der rationspolitik, Sozialpolitik, Woh- wie gesehen – wiedergewählt, was
rechten Akteure in anderen Städten – nungspolitik und Stadtplanung sind auch daran liegen mag, dass die DVU
auch in ihrem Einzelkämpferdasein in ihre Themenschwerpunkte, gern po- im bekannten Frey-Stil kurz vor
den Räten. Von der Presse unbeachtet, pulistisch und nationalistisch aufgela- Wahlen zur Materialschlacht größeren
ohne eine Parteibasis, die zuarbeiten den. Zum Beispiel, wenn sie beim Ausmaßes ansetzt.
kann, ohne die Unterstützung von Verkauf der Landesentwicklungsge-
parteinahen Bildungswerken, Stiftun- sellschaft (LEG) nicht nur einen “neo- Die “Saubermänner“
gen oder kommunalpolitischen Verei- liberalen Privatisierungswahn“ bekla- der Republikaner
nigungen, schließlich von den Parla- gen, sondern auch behaupten, “dass
ments-”Kollegen“ geschnitten, ob- immer größere Teile des deutschen Gemäßigter als die DVU geben sich
wohl man doch – Fundamentaloppo- Volksvermögens zum Nachteil unseres die Republikaner. Sie waren vor zwei
sition hin oder her – auch gemocht, Volkes verkauft werden“. Front macht Jahren mit einem landesweiten “Kom-
zumindest aber akzeptiert werden will: die DVU gegen eine “Orientalisierung munalwahlprogramm 2004 – 2009“
Es gibt viele Gründe, warum extrem Dortmunds“. “Multikulti“ erscheint angetreten, in dem sie sich hoch-
rechte Kommunalpolitiker resignieren, ihnen als “krankes Hirngespinst“, des- trabend als “Volkspartei“ beschrieben
nicht mehr zu den Sitzungen gehen sen Befürworter sich offenbar “Ras- und beteuerten, “vorbehaltlos auf
oder nur noch schweigend ihre Auf- senunruhen“ auch für Deutschland dem Boden des Grundgesetzes und
wandsentschädigung “absitzen“. herbei wünschen würden. Der Vor- der freiheitlich demokratischen
wurf der “Überfremdungs- und Um- Grundordnung“ zu stehen. Sie gaben
DVU in Dortmund volkungspolitik“ darf ebenso wenig sich als Saubermänner: “Wir Republi-
fehlen wie der des “beabsichtigten kaner sichern den Bürgern eine scho-
Von erstaunlicher Stabilität ist hin- Volksselbstmordes“. nungslose und uneingeschränkte Be-
gegen die DVU in Dortmund. Noch Folgerichtig erscheint es deshalb, standsaufnahme über die Verwen-
1999 – nur ein Jahr nach Gründung dass sich Dortmunds DVU auch für dung öffentlicher Mittel, über Spen-
des Dortmunder Kreisverbandes – gab offen bekennende Neonazis einsetzt. denskandale, Korruptionsfälle, Verfil-

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NPD fordert am 22. Februar 2003


“Freiheit für Wattenscheid”

zungen oder Vettern- und Partei- Reden den Ratssaal. Die Wuppertaler züngigen“ Winkelsett dagegen: “Sie
buchwirtschaft zu.“ Entsprechend Presse ignoriert ihre Pressemitteilun- ist von Hass zerfressen auf jeden, der
agieren sie in den Parlamenten. Zum gen. ihr nicht die Füße küsst.“
Beispiel in Hamm: Durch extrem rech-
te Aussagen fallen sie im Rat und den Zerlegt Eigene Medien
drei Bezirksvertretungen, in denen sie
jeweils ein Mandat errungen haben, Anderswo “zerlegen“ sich die Deutlich wird im Fall Gelsenkirchen
nicht auf und bemühen sich statt des- Rechtsaußen-Gruppen selbst. Zum ein Dilemma, in dem die extreme
sen, “sachlich“ zu argumentieren. An- Beispiel in Gelsenkirchen, wo die Re- Rechte in NRW steckt. Während die
knüpfen wollen sie an solche Themen, publikaner mit drei Mandaten in den Medien fast schon genüsslich deren
die bei den Wählern Unmut hervorru- Rat gelangten. Zwei von ihnen, Man- interne Fehden aufgreifen, bleibt ihr
fen könnten, gleichgültig ob es um die fred Hermann und Michael Strat- Agieren in den Kommunalvertretun-
Verwendung von Steuergeldern geht mann, verließen die Partei im vorigen gen – sofern sie dort denn überhaupt
oder um Umweltfragen. Geholfen hat Jahr und wechselten zur Fraktion aktiv agieren - weitgehend unbeach-
ihnen diese Strategie bisher wenig. Bündnis 05 - Wir für Gelsenkirchen. tet. Beinahe regelmäßig klagt auch Pro
Nicht nur, dass sie in den Sitzungen Dabei habe es den Anschein, als wolle Köln über “manipulative Bericht-
wenig beachtet werden – auch der jenes Bündnis 05 “die Bündnisgrünen erstattung“. Pro Köln reagierte darauf
Versuch, sich in Bürgerinitiativen ein- links überholen und ihre politische mit einer umfangreichen und stets
zuklinken, scheiterte nach Bekannt- Herkunft innerhalb weniger Wochen aktuellen Internetseite und einem
werden ihrer Herkunft. auf dem Antragsweg mal eben beisei- vierteljährlich, angeblich in einer
Ganz ähnlich die Situation in te schieben“, notierte die WAZ. So ha- 20.000er- Auflage erscheinenden
Wuppertal, wo Wolfgang Pohlmann be die Gruppe samt Hermann und vierseitigen Infoblatt Pro Köln.
und Wolfgang Schulze eine Rats- Stratmann an die Ratskollegen appell- Andere versuchen, es dem Kölner
gruppe bilden. Meist geben sie sich liert, “dass diese ihr Sitzungsgeld der Vorbild gleichzutun. Zum Beispiel die
moderat im Ton. Lediglich bei einer Familie jenes Deutsch-Äthiopiers NPD im Rhein-Sieg-Kreis, die im
Diskussion über das Asylbewerber- spenden sollten, der in Brandenburg August die erste Ausgabe ihres Info-
leistungsgesetz kam ihre extrem rech- Opfer von Rechten geworden war“. blattes Rhein-Sieg Aktuell heraus
te Einstellung deutlicher zum Aus- Und später habe B’05/WIR noch eine brachte. Von der regionalen Presse
druck. Lieblingsthema der REP ist die Schüppe draufgelegt, “als sie die würden “alle politischen Kräfte totge-
“Geldverschwendung“ der Stadt. Ein Umbenennung einer Straße in “Paul- schwiegen, die nicht dem etablierten
weiteres Thema, mit dem wohl Ver- Spiegel-Straße” per Antrag im Rat Parteienkartell angehören“, klagt
bundenheit mit der Stadt und forderte“. Wahrscheinlich erscheint, Kreistagsmitglied Stephan Meise. Als
Bürgernähe demonstriert werden soll, dass die Republikaner demnächst auch “soziales Gewissen im Kreistag“ und
ist die Sanierung der Schwebebahn. noch ihr letztes Ratsmitglied in Gel- “Ideengeber für andere Fraktionen“
Doch auch das Lokalkolorit hilft Pohl- senkirchen verlieren: Kevin Hauer versucht sich die NPD in dem achtsei-
mann und Schulze wenig. Oberbür- droht der Parteiausschluss. REP-Lan- tigen Heftchen zu präsentieren. “Um
germeister Peter Jung (CDU) be- deschefin Winkelsett hält ihm “grobe die Medienblockade der etablierten
handelt die Republikaner demonstrativ persönliche Verfehlungen“ vor. Hauer, Systempresse zu durchbrechen“,
abwertend. Stadtverordnete von Die der laut Winkelsett seit 1. September bringt seit diesem Sommer auch die
Linke/PDS, Grünen, SPD und auch der seiner Mitgliedsrechte und aller Ämter NPD Wattenscheid ein eigenes Info-
CDU verlassen während Pohlmanns enthoben sein soll, hält der “doppel- blatt Hellweg Patriot heraus. Auflage

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Schwerpunkt | Die extreme Rechte in den NRW- Kommunalparlamenten

nach eigenen Angaben: 5.000 Stück. nalpolitischen Programms in die Parla- Partei könnte die Bildung regionaler
“Wattenscheid STATT Bochum!“ wird mente der Städte und Landkreise “Volksfronten“ sein, Bündnisse meh-
auf der Titelseite gefordert. Be- gewählt. Sie werden gewählt, weil es rerer extrem rechter Parteien und
zirksvertreter Claus Cremer ist nicht extrem rechte Vorstellungen gibt, die eventuell parteiloser Kandidaten. Bei
nur Neonazi - er geriert sich mehr als sich auch bei Kommunalwahlen ein der diesjährigen Kommunalwahl in
30 Jahre nach der kommunalen Ge- adäquates Angebot suchen. Daran Niedersachsen wurde schon dafür ge-
bietsreform in NRW auch als Vor- wird sich auch in Zukunft wohl nichts probt: Im an NRW grenzenden Land-
kämpfer für eine “Ausgemeindung“, ändern. So bleibt es weiterhin die kreis Osnabrück vereinigte ein Freies
also die Selbstständigkeit des Bochu- Aufgabe von Antifaschisten, nicht nur Osnabrücker Bündnis unter der Feder-
mer Stadtteils, getreu dem Motto: über extrem rechte Parteien aufzuklä- führung der NPD Mitglieder der REP,
“Eingemeindungen sind für uns der ren, sondern auch das rechte Wähler- des Bündnisses für Deutschland und
erste Schritt zur menschenverachten- potenzial im Blick zu behalten und den der UB - allerdings ohne ein Mandat
den Globalisierung.“ Man mag das weit verbreiteten Rassismus und Anti- zu erlangen (0,56 Prozent). An der
“Freiheit für Wattenscheid“-Getöse semitismus zu bekämpfen. Organisation waren auch Markus und
für eine persönliche Marotte Cremers Matthias Pohl, beide Mitglied des
halten – die eine oder andere Wähler- Ausblick nordrhein-westfälischen Landesvor-
stimme könnte sein Wehklagen über stands der NPD, beteiligt. Markus Pohl
eine Benachteiligung Wattenscheids in Mit Ausnahme von Pro Köln ist kündigte schon im Juni an: “Ziel des
Bochum aber doch einbringen. An- kaum eine Gruppierung in Nordrhein- nationalen Lagers im Münsterland
sonsten kann Cremers Agieren in der Westfalen tatsächlich zu einem lokal- muss es sein, im Jahr 2009 so viele
Bezirksvertretung als typisch für das politischen Akteur geworden. Es fehlt Mandate wie möglich bei der
Auftreten der NPD in den letzten der extremen Rechten vor allem an Kreistagswahl zu erringen. Hauptau-
Jahren gelten: als Vertreter einer Par- kompetenten Personal. An eine wirk- genmerk wird wohl der Kreis Steinfurt
tei, die das Naziregime verklärt, natio- lich flächendeckende Kandidatur wird darstellen.“ Mit einer Saalveranstal-
nalistisch ist und sich einen sozial- auch 2009 nicht zu denken sein. Man tung, Flugblatt-Verteilungen und einer
(istisch)en Anstrich gibt. Mal macht wird regionale “Schwerpunkte“ setzen Mahnwache versuchte der NPD-
Cremer Front gegen eine Gedenkver- müssen. Diese werden natürlich zuerst Kreisverband Steinfurt in der Folge, in
anstaltung zur Reichspogromnacht die Städte sein, in denen man bereits der Kleinstadt Greven Fuß zu fassen.
oder den Bau einer Synagoge, mal in den Kommunalparlamenten vertre- Auch wenn die extreme Rechte in
setzt er sich für Kindergärten oder ten ist und die Verpflichtung, Unter- NRW einen wirklichen kommunalpoli-
sauberere Kinderspielplätze ein. stützungsunterschriften zu sammeln, tischen `Durchbruch´ auch 2009 nicht
entfällt. Aber auch Kandidaturen in schaffen wird, wird sie immer wieder
Gegenstrategien anderen Städten sind angekündigt. einige Mandate holen – und wahr-
NPD-Kreisvorsitzender Wolfgang scheinlich auch mehr als heute. Diese
So richtig es ist, dass Medien den Duda teilte im Juni mit, dass sein sollen die Basis für eine lokale
parlamentarischen Initiativen der Kreisverband Oberhausen 2009 kan- Verankerung werden, die ihr über
extremen Rechten kein Podium bieten, didieren werde. “Wir werden auch in kommunale Wahlen hinaus helfen soll,
so falsch ist es, wenn sie über die den Bezirksvertretungen Alt-Ober- Leute an die extreme Rechte zu bin-
extreme Rechte überhaupt nicht mehr hausen, Sterkrade und Osterfeld ver- den. 
berichten würden. So richtig es ist, treten sein, nicht nur im Rat“, so Duda.
dass demokratische Kommunalpoliti- Seine Mitglieder will Duda schon ein-
ker die extreme Rechte nicht dadurch mal schulen für das, was auf sie zu-
aufwerten, dass sie in längere Debat- kommt, sollten sie in den Rat gewählt
ten über deren Anträge und Anfragen werden. Zuletzt hatte die Oberhau-
einsteigen, so falsch wäre es, wenn sie sener NPD am 18. November Jürgen
es bei bloßem Ignorieren belassen Schützinger, den baden-württem-
würden. Eine inhaltliche Auseinander- bergischen NPD-Landesvorsitzenden
setzung ist gefordert. Die in einzelnen als Referenten zu Gast. Er hat es
Parlamenten praktizierte Linie, dass immerhin geschafft, seit mehr als zwei
nur ein Parlamentarier auf extrem Jahrzehnten dem Gemeinderat von
rechte Beiträge antwortet, kann hier Villingen-Schwenningen und dem
eine sinnvolle Strategie sein. Kreistag des Schwarzwald-Baar- K rei-
Extrem rechte Parteien und Wähler- ses anzugehören.
gruppierungen werden in NRW derzeit Eine weitere Möglichkeit neben dem
nicht wegen ihres konkreten kommu- Wahlantritt unter dem Label einer

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