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Burg Wersau

Die Burg Wersau ist eine abgegangene Niederungsburg kehrswege zu sichern. Zum Herrschaftsbereich gehörten
unweit der Gemeinde Reilingen, gelegen in der die Dörfer Reilingen und Hockenheim sowie für kurze
Metropolregion Rhein-Neckar zwischen Heidelberg und Zeit auch Oftersheim und St. Leon. Da es an genauen Un-
Speyer. Die Geschichte dieser später zu einer Mühle terlagen aus dieser Zeit fehlt, gehen die Historiker heute
umgebauten Anlage ist noch immer zu großen Teilen davon aus, dass die Dörfer und die Burg mit der Schen-
unbekannt, und daher wird sie seit 2010 gezielt erforscht. kung der Wälder an die Speyerer Bischöfe kamen.

1 Historische Besonderheiten 2.3 Schenken von Wersau

Dass die Burg Wersau eine besondere Bedeutung gehabt Das Bistum setzte dann dort zur Verwaltung ein Ministe-
haben muss, ist u.a. auch daran zu erkennen, dass die rialengeschlecht ein, die Schenken von Wersau. Als Ers-
päpstliche Bulle zur Gründung der Universität Heidelberg ter von ihnen wurde bereits um 1155 ein Dietrich als
nicht in der Stadt am Neckar, sondern von den Gesand- Schenk des Hochstifts noch ohne den Bezug zu Wersau
ten des Papstes Urban VI. auf der Burg Wersau über- genannt. 1198 wird Eberhard, der Sohn des Schenken
reicht wurde. Außerdem ist seit 1451 das Bestehen ei- von Hockenheim, erwähnt, und erst 1236 gab es dann ei-
ner Wendelinsbruderschaft Reilingen belegt, deren Ge- nen Schenk von Wersau. Von dieser Zeit an werden die
schichte ebenfalls unmittelbar mit der Burg Wersau und Schenken in den Urkunden immer unter dem Namen ih-
der dortigen Kapelle, geweiht dem heiligen Wendelin, rer Burg genannt und galten als Speyerer Dienstleute. Im
verbunden ist. Eine „löbliche Bruderschaft“, in der - und Dunkel der Geschichte wechselte der Besitz an Burg Wer-
das ist das Besondere - auch die kurfürstliche Familie sau an die Schenken, denn 1286 ist zu lesen, dass Eber-
Mitglied war.[1] hard von Wersau die Hälfte seiner Burg an den Bischof
von Speyer wiederverkaufte. Da dieser das Geld nicht
zur Verfügung hatte, gab er seinen Erwerb als Pfand an
2 Geschichte den Pfalzgrafen Ludwig II. weiter, der bereits die ande-
re Burghälfte von Markward von Annweiler (auch: von
Krobsberg) und den Brüdern von Erligheim (alles Ver-
2.1 Mittelalterliche Gründung wandte der Wersauer Schenken) gekauft hatte. Als Zu-
behör zur Burganlage wurden auch die Dörfer Reilingen
Beim Blick in die Geschichte der Gemeinde Reilingen und Hockenheim wieder genannt.
fällt auf, dass das Schicksal des Dorfes und auch der gan-
zen Umgebung stets von der Burg Wersau geprägt wur-
de. Schon 1286, als „Villa Reitling“ zum ersten Mal ur-
kundlich im Lorscher Codex erwähnt wurde, lag die Ge- 2.4 Kurpfälzischer Besitz
markung im Grenzgebiet der beiden alten Königsfors-
te Lußhardt und Schwetzinger Hardt. Die Lußhardt, al- In der pfälzischen Landesteilung kam die Burg mit all ih-
so die Wälder, die sich bis zum fränkischen Königshof rem Besitz an die Linie Pfalz-Mosbach der Wittelsbacher.
in Bruchsal erstreckten, war bereits 1056 durch König Herzog Otto verschrieb Wersau 1429 seiner Gemahlin
Heinrich III. dem Bistum Speyer geschenkt worden. Nur Johanna von Bayern, die die Burg und die Dörfer spä-
sieben Jahre später erweiterte Heinrich IV. den bischöf- ter Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken verpfän-
lichen Waldbesitz um die heutige Schwetzinger Hardt. dete. Erst nach der Schlacht bei Seckenheim (1462)
kam die Herrschaft Wersau endgültig in den Besitz
der immer mächtiger werdenden pfälzischen Kurfürsten.
2.2 Herrschaftsbereich Nach wechselvoller Geschichte standen am Ende des
Dreißigjährigen Krieges von Wersau nur noch einige
Aus alten Dokumenten weiß man, dass bereits die Könige Mauern, Kellergewölbe, Stallungen und ein baufälliger
am Kraichbach eine Burg besaßen, die „Walsrhawe“ ge- Turm mit alten Glocken. Die Ruine wurde nochmals not-
nannt wurde. Daraus entwickelte sich in den Jahren der dürftig instand gesetzt und diente über längere Zeit hin-
Begriff „Wersau“. Die gut befestigte Burganlage hatte da- weg den Kurfürsten als Jagdschloss. Zudem war die Wer-
mals die Aufgabe, die umliegenden Wälder und die Ver- sau Sitz eines kurfürstlichen Kellers.

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2 6 DENKMALSCHUTZ

3 Burgbeschreibung heute.

5 Schlossmühle

Alte, zeitlich noch nicht datierte Fundamente im Keller der


Schlossmühle

Die Wersau war zu ihrer Blütezeit eine stattliche Burg mit


Ringmauer, einem Palas, wahrscheinlich vier großen Tür-
men und zahlreichen weiteren Gebäuden. Mit Vorburg,
Mühle, Kapelle und Schafhof gehörten so 24 oder mehr Gebäude der Schlossmühle
Gebäude zu dieser Anlage. Die gesamte Burganlage war
von Wassergräben umgeben. Das Schlossgut umfass- Die Mühle bei der Burg ist von 1596 an belegt, be-
te noch 1686 eine bebaubare Fläche von 154 Morgen stand wohl aber schon länger. Der heutige Baubestand ist
Ackerland und 30 Morgen Wiesen in der Ketschau im Wesentlichen von 1911. Die Betriebseinstellung war
(Rheinniederung zwischen Hockenheim und Ketsch). 1959. Das Hauptgebäude wurde dann viele Jahre von ei-
Das Schloss war, nimmt man einen Plan aus der Zeit ner Großhandelsfirma genutzt. Das Maschinenhaus mit
um 1690 zu Hilfe, eine ovale Anlage, deren marode Schornstein ist noch erhalten. Seit 2007 sind Gebäude
Außenmauern durch Strebepfeiler gestützt wurden. Im und Grundstück im Besitz der Gemeinde Reilingen, die
Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Anlage 1689 zer- 2013 eine Verpachtung an Dirk Müller beschloss, der ein
stört. Auch die inzwischen beim Schloss eingerichtete Museum und Ferienwohnungen plant.[2]
Mühle und Meierei brannte bis auf die Grundmauern
ab. Aus den Steinen wurde u.a. eine Friedhofsmauer ge-
baut, sie wurden aber auch für den Bau der ersten stei-
nernen Kraichbachbrücke in Hockenheim durch den kur-
fürstlichen Baumeister Rabaliatti genutzt. Von der ganzen 6 Denkmalschutz
Burg- und Schlossanlage ist heute - mit Ausnahme der
von den Archäologen freigelegten Mauern - fast nichts
mehr zu sehen. Lediglich ein alter Tiefbrunnen könnte Die “Burg Wersau” ist heute ein Bodendenkmal und
noch aus der Blütezeit der Burg Wersau stammen. geschützt nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes
Baden-Württemberg (DSchG). Nachforschungen und ge-
zieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig,
Zufallsfunde an die Denkmalbehörden zu melden. Amtli-
4 Wersauer Hof cher Eintrag in der Liste der Kulturdenkmale: “Die Exis-
tenz der Burg Wersau ist seit 1155 belegt, sie dürfte je-
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde für die Land- doch um einiges älter und ehemaliger Königsbesitz sein.
wirtschaft und Schäferei östlich des Schlosses ein Hofgut Genauere Aussagen zur Frühgeschichte der Burg lassen
errichtet, das zunächst unter kurpfälzischer Verwaltung allerdings nur die archäologischen Zeugnisse erwarten.
stand. Später wurde es von Schwetzingen aus verwaltet, Die Burg wurde 1622 und 1689 zerstört und damals als
und lediglich ein herrschaftlicher Wiesenknecht war noch Steinbruch benutzt. Die Mühle bei der Burg ist von 1596
in Reilingen eingesetzt. Nach der Auflösung des Herr- an belegt, bestand wohl aber schon länger. Die Reste der
schaftsbesitzes war der Wersauer Hof zunächst in bäu- Mühle und der Burg sind als wertvolle Geschichtszeugnis-
erlichem Eigentum. Um die Wende zum 20. Jahrhundert se zu werten. Sie bilden zusammen mit der heutigen so-
übernahmen die Freiherren von Wamboldt das Hofgut, genannten Schlossmühle ein Denkmal, dessen Erhaltung
das schließlich 1927 an die evangelische Pflege Schönau aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Grün-
verkauft wurde. In deren Besitz ist die Hofanlage noch den in öffentlichem Interesse steht.”
3

8 Literatur
• Manfred Benner, Folke Damminger: Archäologi-
sche Ausgrabungen in der ehemaligen Burg Wersau
bei Reilingen. In: Archäologische Ausgrabungen in
Baden-Württemberg 2010. Konrad Theiss Verlag,
Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8062-2499-3, S. 287–
291.

• Manfred Benner, Folke Damminger: Archäologie


unter Apfelbäumen - Weitere Ausgrabungen in der
ehemaligen Burg Wersau bei Reilingen. In: Archäo-
logische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2011.
Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-
Die Ausgrabung im Torbereich (2011) erreichte den Pfahlrost 8062-2626-3, S. 282–284.
aus dem 12.Jh.
• Ernst Brauch: Hockenheim. Stadt im Auf- und Um-
bruch. 2. Auflage. Selbstverlag, Schwetzingen 1965.
7 Forschung • Otmar Geiger: Hoggemer Geschichte(n) – Ein Bei-
trag zur Heimatgeschichte. Selbstverlag, Hocken-
Die im Sommer/Herbst 2010 erstmals durchgeführten heim 1987.
archäologischen Grabungsarbeiten des Landesdenkmal-
• Otmar Geiger: div. Fachartikel/Aufsätze über die
amtes, beruhend auf einem 2008 erstellten geophysikali-
Burg Wersau und deren Geschichte. In: Schwetzinger
schen Gutachten, haben nicht nur die Existenz der “Burg
Zeitung. Hockenheimer Tageszeitung. Rhein-Neckar-
unter der Grasnarbe” bestätigt, sondern viele neue Er-
Zeitung und verschiedene Wochen- und Amtsblätter
kenntnisse gebracht.
(1982–2012).
Im Sommer 2012 führte das Institut für Ur- und Früh-
geschichte der Universität Heidelberg eine Lehrgrabung • Otmar Geiger: 725 Jahre Reilingen - Erinnerungen
auf dem Gelände der Burg durch. Dabei wurden zahlrei- an das Festjahr 2011. Gemeinde Reilingen, Reilin-
che weitere Funde gemacht, die teilweise bis in frühge- gen 2012.
schichtliche Zeit weisen. Im Bereich der früheren Burg
Wersau gibt es bisher aber keine bestätigten bzw. nach- • Uwe Gross: Weitere Funde aus dem Areal der Burg
weisbaren römischen Bebauungs- oder Siedlungsbefun- Wersau. In: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts-
de. Dies gilt auch für möglicherweise noch frühere Be- und Heimatforschung. 16, 1999, ZDB-ID 127933-
siedlungen auf diesem Gelände. Somit konnten die An- 6, S. 203–218.
nahmen des badischen Historikers Franz Josef Mone bis- • Ludwig H. Hildebrandt: Die Burg Wersau bei Reilin-
her archäologisch nicht bestätigt werden. Unabhängig da- gen. In: Heimatverein Kraichgau (Hrsg.): Kraichgau.
von gehen die intensiven Forschungsarbeiten des Arbeits- Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung.
kreises Burg Wersau der “Freunde Reilinger Geschichte” Folge 15/1997, Eppingen 1997, ISBN 3-921214-
sowie dem 2014 neu ins Leben gerufenen AK Spurensu- 14-9, S. 105–136.
che (Archiv- und Umfeldforschung) in multidisziplinärer
Zusammenarbeit weiter. • Ludwig H. Hildebrandt: Dank Geophysik Wiederge-
Nach Abriss der historisch wenig bedeutsamen Mühlen- funden: Die Reste der Burg Wersau bei Reilingen..
gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert wurden Ende In: Schwetzinger Zeitung. und andere, 30. Dezember
2014 in diesem Bereich erste archäologische Untersu- 2008.
chung vorgenommen. Dabei wurden Fundamentreste der
• Hans Huth: Die Kunstdenkmäler des Landkrei-
ehemaligen Schlossmühle ebenso gefunden wie Überres-
ses Mannheim, ohne Stadt Schwetzingen. Deutscher
te der einstigen Vorburg. Im Rahmen einer weiteren Gra-
Kunstverlag, München u. a. 1967 (Die Kunstdenk-
bungskampagne der Universität Heidelberg wird dieser
mäler Badens).
Bereich seit Februar 2015 genauer untersucht. Zahlreiche
neue Bodenfunde bestätigen die Auffassung, dass es sich • Hermann Krämer: Geschichte von Reilingen und
bei der ehemaligen Burg Wersau um eine in der Heimat- Wersau. Selbstverlag, Reilingen 1912.
und Regionalforschung bisher weit unterschätzte Burg-
und Festungsanlage gehandelt haben muss! Die zum Teil • Ulrich Mehlhaus: Das Reilinger Findbuch. Nachweis
überraschenden und spektakulären Mauern- und Boden- schriftlicher Quellen zur Geschichte von Reilingen
funde werden wissenschaftlich aufgearbeitet, eine Veröf- (mit Wersau), Rhein-Neckar-Kreis. Freunde Reilin-
fentlichung ist vorgesehen. ger Geschichte, Reilingen 1992.
4 11 EINZELNACHWEISE

• Franz Josef Mone: Quellensammlung zur badischen • Burg Wersau


Landesgeschichte. Karlsruhe 1845-67, vier Bände.
• Wersau - Badisch-Pfälzische Heimat- und Burgen-
• Meinrad Schaab: Die Königsleute in den rechtsrhei- forschung
nischen Teilen der Kurpfalz. In: Zeitschrift für die
Geschichte des Oberrheins. 111, 1963, ISSN 0044- • Infos zur Geschichte und Kartenmaterial
2607, S. 121–175. • Niedermoor Fröschau/Wörsch (mit Burg Wersau)
• Bernhard Schmehrer: 700 Jahre Reilingen. Chronik
einer Gemeinde in Nordbaden. Gemeinde Reilingen,
Reilingen 1986. 11 Einzelnachweise
• Eugen Seyfried: Heimatgeschichte des Bezirks
[1] reilingen.de
Schwetzingen. Ein Beitrag zur Geschichte der
badischen Pfalz. Selbstverlag, Ketsch am Rhein [2] morgenweb.de
1926.
• Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg
(Hrsg.): Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg
und Mannheim. Amtliche Kreisbeschreibung. Braun,
Karlsruhe u. a. (Die Stadt- und Landkreise in Baden-
Burgen und Schlösser in Baden-
Württemberg).
Württemberg im Rhein-Neckar-Kreis
• Band 1: Allgemeiner Teil. 1966.
• Band 3: Die Stadt Mannheim und die Gemein-
den des Landkreises Mannheim. 1970.
• Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständi-
gen geographisch-historischen Beschreibung der kur-
fürstlichen Pfalz am Rheine. Theil 1. Frankfurt u.
a. 1786 (Nachdruck: Verlag für Kunstreprodukti-
on Schmidt, Neustadt an der Aisch 1995, ISBN 3-
89557-034-6).
• Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständi-
gen geographisch-historischen Beschreibung der kur-
fürstlichen Pfalz am Rheine. Theil 4. Frankfurt u.
a. 1788 (Nachdruck: Verlag für Kunstreprodukti-
on Schmidt, Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-
89557-037-0).
• Konrad Winkler: Walldorf. Stadt zwischen den Wäl-
dern. Stadt Walldorf, Walldorf 1969.

9 Filme
• Burg Wersau Ausgrabungsfeld Burg Wersau 2012
• Der Kraichbach von der Quelle bis zur Mündung
Ausgrabungsfeld Burg Wersau 2012
• Neues von der Wersau Ausgrabungsfeld Burg Wer-
sau 2015

10 Weblinks
Commons: Burg Wersau – Sammlung von Bildern,
Videos und Audiodateien
5

12 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen


12.1 Text
• Burg Wersau Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Wersau?oldid=148790676 Autoren: Frank-m, Peng, Pez, Michael Linnenbach,
Redf0x, Kallewirsch, Leithian, Ra'ike, Schlesinger, Gugerell, XenonX3, Zollernalb, S12345678901234567890, Crazy1880, Glsystem, Wo-
ches, Kpaugustin, NordNordWest, Bschaich, Johnny Controletti, Reilinger, Århus, AnRo0002, FoxtrottBravo, Itu, Reinhardhauke, Hæggis,
Nachtwaechterey, RonMeier, Eppelheim, Charly0348 und Anonyme: 7

12.2 Bilder
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12.3 Inhaltslizenz
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