Sie sind auf Seite 1von 1

Ausgewählte Kapitel der Prof.

Dr.-Ing. H. Alt
Energiewirtschaft
Wie EEG geförderter Solarstrom den Strompreis per Merit
Order Börseneffekt ermäßigt, jedoch effektiv erhöht
Deutschland erlebt derzeit mit Solarmodulen einen sichtbaren Ausbauboom, Unternehmen und Bürger
fördern diesen Boom per EEG Gesetz einschließlich Wind, Biomasse und Kleinwasserkraftanlage jähr-
lich mit über 8 Milliarden Euro, über Aufschläge auf ihre Stromrechnung. Aber dieses Geld fließt oft ins
Ausland, schätzungsweise drei Viertel der verarbeiteten Solarmodule werden dort produziert. Zurzeit
macht der deutsche Solar-Boom fast alle reich: chinesische Hersteller wie Yingli, deutsche Konzerne
wie Solarworld und Hunderte Kleinstfirmen. So rasant wächst der Markt, dass fast alle ihre Ware los-
werden, egal, ob sie besser oder schlechter, teurer oder billiger ist. Nachfragekennlinie
Welche Dimension der So- Meritorder-Preis den Angebotsmenge prinzipiell
Preis
lar-Boom inzwischen hat, in €/MWh alle Anbieter erhalten aus Kraftwerksart:
ist an den herrlichen A8 A1: Laufwasser und Teilmengen
Sonnentagen dieses Preis bei verminderter Nachfrage A7 thermische (must run)
A2: Wasser, Wind und Sonne
Extremsommers deutlich oder bei unkalkuliert höherer A6 A3: Wasserkraftwerke
geworden. Die elektrische Windeinspeisung A4: Kernkraftwerke
A5 A5: Braunkohlekraftwerke, neue
Leistungseinspeisung ins A6: Braunkohlekraftwerke, ältere
Stromnetz betrug am 8.7.2010: A4
A7 Steinkohlekraftwerke
A2 A 3
zwischen 13 und 14 Uhr mehr A 1 A8: Erdgaskraftwerke
0
als 7.800 MWh Solarstrom. Der Angebotsmenge
tatsächliche Strompreis lag in A 1 = Menge aus thermischen Kraft-
diesem Zeitraum an der Börse bei werken deren kurzfristiges runterfahren hohe Zusatzkosten verursacht!
gut 60 €/MWh - er wurde durch den Merit-Order Effekt um mehr als 11 % gedrückt.
Bei 70.000 MWh Gesamtlast haben die Verbraucher durch das massive Solarangebot zwischen
350.000 und 490.000 € gespart.
Wie ist das zu erklären?
Der Strom wird komplett über Strombörsen gehandelt, meist über die European Energy Exchange
(EEX) in Leipzig. Diese bestimmt genau, wie viel Solarenergie zu jeder Stunde in die deutschen Netze
gespeist wird. Darüber hinaus wird der Preis gemäß Angebot und Nachfrage nach der Grenzkosten
Merit Order bestimmt.
Das Ergebnis ist beeindruckend: Zwischen dem 1. und dem 20. Juli wurden zum Beispiel an zehn Ta-
gen zwischen 13 und 14 Uhr jeweils mehr als 7.000 MWh Sonnenstrom in die Netze gespeist. Das ent-
spricht der Leistung von sieben Kernkraftwerken. Bei einem Strombedarf von etwa 70.000 MWh zur
gleichen Zeit bedeutet das: Solarenergie hat zeitweise einen Anteil von rd. 10% am Energiemix.
Die Folge: Da der Sonnenstrom vorrangig ins Netz eingespeist wird, ergibt sich infolge der verminder-
ten Stromnachfragehöhe an der Börse ein um 5 bis 7 €/MWh niedrigerer Preis auf der treppenförmigen
Angebotskurve.
Was sich für die Verbraucher gut anhört, ist für sie trotzdem ein schlechtes Geschäft. Denn sie
fördern ja die Sonnenenergie über Aufschläge auf ihre Stromrechnung - und zwar nach dem EEG je
nach Alter der Anlagen zwischen 34 und 54 Ct/kWh im Mittel unter Berücksichtigung der ersparten Kos-
ten für die verdrängte Stromerzeugung mit mindestens rd. 35 Ct/kWh bzw. 350 €/MWh.
Für die 7.800 MWh Solarstrom, die am 8. Juli zwischen 13 und 14 Uhr in die Netze gespeist wurden,
zahlten die Verbraucher demnach 2,7 Mio. € an Zuschuss.
Sechsmal so viel, wie durch den sinkenden Strompreis eingespart wird.
Das Problem wird in Zukunft weiter wachsen, denn der Solar-Boom geht ungebremst weiter. Ende 2009
waren in Deutschland Anlagen mit rund 10.000 MW installiert. 2010 kommen voraussichtlich noch mal
Anlagen mit 6.000 bis 10.000 MW hinzu. Zum Vergleich: Alle in Deutschland installierten Kernkraftwer-
ke haben eine Bruttoleistung von 21.000 MW. Schon Ende 2010 könnte die installierte Leistung aller
Solaranlagen also fast genauso hoch sein.
Offenkundiger Effekt des Solarbooms: Der Strompreis wird steigen! Die neue Förderkürzung dürf-
te den Boom kaum bremsen. "Derzeit liegen die Renditen für größere Solaranlagen bei neun Prozent,
nach der Förderkürzung werden sie gerade mal auf sieben bis acht Prozent sinken". sagt Patrick Hum-
mel, Solar-Analyst bei der UBS . Die Solarindustrie muss die Preise ihrer Anlagen nur leicht senken,
schon ist der Kauf wieder hochrentabel.
D:\FH AKE\Hilfsb 94 Solarstrom EEG Subvention Strompreis 2010.doc