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Fachhochschule Kaiserslautern

Standort Zweibrücken

Studiengang Mikrosystemtechnik

Einführung in die Simulation


mit
ORCAD RELEASE 9

UR(t)

Uq UC(t)

Version 2.0, Februar 2000

Professor Dipl.-Ing. Kurt Neumeier

Dipl.-Ing. Hubert Zitt


- ii -

1 Vorwort 4

2 Einleitung 5
2.1 Allgemeines zu OrCAD Release 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.2 Analysearten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.2.1 Gleichstrom-Arbeitspunkt-Analyse oder DC-Sweep . . . . . . . . . . . . . 6
2.2.2 Zeitanalyse oder Transient-Analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.2.3 Frequenzanalyse oder AC-Sweep . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2.3 Simulationsablauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

3 Ein einführendes Beispiel 8


3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.1.1 Knoten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.1.2 Bauteilbezeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.1.3 Schaltplaneingabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
3.2 Schaltplaneingabe mit Hilfe eines Texteditors . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3.2.1 Aufbau von CIR - Dateien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
3.2.2 Schaltplan mit Texteditor eingeben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3.2.3 Berechnung von PSpice durchführen lassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.2.4 Simulationsergebnisse mit Probe grafisch darstellen . . . . . . . . . . . . . 13

4 Signalquellen 19
4.1 Urquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.1.1 Gleichspannungsquelle VDC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.1.2 Gleichstromquelle IDC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.1.3 Gleichspannungsquelle VSRC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.1.4 Gleichstromquelle IRSC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.2 Sinusquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4.2.1 Spannungsquelle mit sinusförmiger Ausgangsspannung VAC . . . . . . 20
4.2.2 Stromquelle mit sinusförmigen Ausgangsstrom IAC . . . . . . . . . . . . . 20
4.3 Pulsquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
4.3.1 Spannungsquelle VPULSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
4.3.2 Strompulsquelle IPULSE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
4.4 Gesteuerte Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.4.1 Spannungsgesteuerte Spannungsquelle E . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.4.2 Spannungsgesteuerte Stromquelle G . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.4.3 Stromgesteuerte Spannungsquelle H . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.4.4 Stromgesteuerte Stromquelle F . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
4.5 Sonstige Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4.5.1 Spannungs- und Stromquellen mit exponentiellem Spannungs- bzw.
- iii -

Stromverlauf VEXP / IEXP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24


4.5.2 Spannungs- und Stromquellen mit stückweis linearem Verlauf VPWL /
IPWL . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4.5.3 Spannungs- und Stromquellen mit frequenzmoduliertem Ausgang
VSFFM / ISFFM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
4.5.4 Spannungs- und Stromquellen mit ausklingendem sinusförmigen Verlauf
VSIN / ISIN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

5 Beispiel 1 - RC-Tiefpaß 27
5.1 Zeitverhalten beim Aufladevorgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
5.1.1 Zeitliche Verläufe der Spannungen und Ströme . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
5.1.2 Energie- und Leistungsbetrachtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
5.2 Zeitverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
5.2.1 Einschwingvorgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
5.2.2 Amplitude und Phase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5.2.3 Leistung (Mittelwertsfunktion AVG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
5.2.4 Effektivwert (Effektivwertfunktion RMS) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
5.3 Frequenzverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung . . . . . . . . . . . . . . . . 40
5.3.1 Amplituden und Phasengang (Funktionen dB und P) . . . . . . . . . . . . . 41
5.3.2 Bode-Diagramm (zwei Plots, Abszissenvariable ändern) . . . . . . . . . . 43
5.3.3 Ortskurve (Funktion IMG und R) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
5.3.4 Komplexer Eingangswiderstand (Funktionen M und ABS) . . . . . . . . 45

6 Beispiel 2 - RLC-Reihenschwingkreis 47
6.1 Zeitverhalten beim Einschaltvorgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
6.1.1 Zeitliche Verläufe der Spannungen und Ströme . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
6.1.2 Kurvenschar der Spannungen (Parametric-Analysis) . . . . . . . . . . . . . 49
6.2 Zeitverhalten bei sinusförmiger Eingangsgröße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
6.3 Frequenzverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung . . . . . . . . . . . . . . . . 55
Einführung in ORCAD RELEASE 9 für MS-WINDOWS
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1 Vorwort

Diese Kurzeinführung in das Simulationsprogramm ORCAD RELEASE 9 für WINDOWS soll


dem Benutzer einen groben Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten und Bedienung des
Programms bieten. Der Neueinsteiger sollte mit dieser Einführung in der Lage sein, schon nach
sehr kurzer Einarbeitungszeit mit dem komplexen Programmpaket umgehen zu können. Aus
diesen Gründen wurde hier darauf verzichtet, alle Kommandos der einzelnen Software-Tools
vollständig zu beschreiben. Um tiefergehende Kentnisse über die Möglichkeiten von
ORCAD RELEASE 9 zu erlangen, wird an dieser Stelle auf die in englisch gehaltenen Benutzer-
handbücher des Software-Herstellers verwiesen.

In diesem Skript wird u.a. anhand von verschiedenen Übungsbeispielen der prinzipielle Ent-
wicklungsablauf von analogen Schaltungen beschrieben.

Zur besseren Orientierung sind im Skript wichtige Grundlagen, sowie häufig benutzte Befehle
und Shortcuts, fett dargestellt.

Für die Ausarbeitung dieses Skriptes bedanke wir uns bei Stephan Huppert.

Anregungen und Verbesserungsvorschläge bitte an Hubert Zitt (zitt@mst.fh-kl.de)

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2 Einleitung

2.1 Allgemeines zu ORCAD RELEASE 9


Das Softwarepaket ORCAD RELEASE 9 für WINDOWS geht aus seinem großen Vorfahr, dem
Netzwerkanalyseprogramm SPICE ( Simulation Program with Integrated Circuit Emphasis )
hervor.

SPICE wurde 1972 an der University of California in Berkley, USA entwickelt. Seit dieser Zeit
wurde die Software immer weiterentwickelt. Die Firma MICROSIM entwickelte daraus die PC-
Version PSPICE. Die auf dem Markt momentan übliche Benutzeroberfläche
MICROSOFT WINDOWS machte eine Anpassung von PSPICE unumgänglich. Es entstand das
DESIGN CENTER, und anschließend das DESIGN LAB 8.0. Sein Nachfolger ist
ORCAD RELEASE 9.

Ab DESIGN CENTER VERSION 6.1 sind alle verfügbaren Tools vollständig unter WINDOWS inte-
griert. Ab Version 6.1 wird ebenfalls die volle 32-Bit Datenbreite von WINDOWS genutzt. Da-
durch ist ORCAD RELEASE 9 sowohl unter WINDOWS 3.1 als auch unter WINDOWS 95,
WINDOWS 98 und WINDOWS NT lauffähig.

Mit dem ORCAD RELEASE 9 ist neben rein analoger bzw. digitaler Schaltungssimulation, auch
die sogenannte Mixed Mode Schaltungssimulation möglich, die es erlaubt, Mischschaltungen
aus analoger und digitaler Technik zu simulieren.

ORCAD RELEASE 9 ist auf folgenden Plattformen lauffähig:

• IBM-PC WINDOWS 95/98 und WINDOWS NT ( wird an der Fachhochschule in


Zweibrücken eingesetzt )
• Sun-4 Sunview / Network
• HP9000 / 700 Network
ORCAD RELEASE 9 wird in Deutschland von folgenden Distributoren vertrieben:

Hoschar Systemelektronik GmbH Thomatronik


Albert Nestler Straße 7 Brückenstraße 1
D - 76131 Karlsruhe D - 83022 Rosenheim

Internet: http://www.hoschar.de Internet: http://www.thomatronik.de

Distributor der Fachhochschule in Zweibrücken ist die Firma Hoschar Systemelektronik GmbH

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2.2 Analysearten
ORCAD RELEASE 9 bietet die Möglichkeit, mehrere Analysearten, wie z.B. Frequenzanalyse,
Zeitanalyse, Arbeitspunktanalyse, Rauschanalyse, Fourieranalyse, Worst-Case-Analyse und
noch einige mehr durchzuführen. Um den Rahmen dieser Kurzeinleitung nicht zu sprengen, sol-
len nur die wichtigsten beschrieben werden, nämlich:

• Gleichstrom-Arbeitspunkt-Analyse
• Zeitanalyse
• Frequenzanalyse
2.2.1 Gleichstrom-Arbeitspunkt-Analyse oder DC-Sweep
Mit dieser Simulationsmöglichkeit lassen sich u.a. Gleichspannungs- und Gleichstromquellen
simulieren. Auch ist der Einfluß von Temperatur- und/oder Spannungs- bzw. Stromschwankun-
gen auf Bauteile simulierbar.

2.2.2 Zeitanalyse oder Transient-Analysis


Bei dieser Analyseart stehen nach der Berechnung alle Spannungen und Ströme als Funktion
der Zeit im vorher angegebenen Zeitintervall zur Verfügung. Als Option kann hier eine Fourier-
analyse durchgeführt werden.

2.2.3 Frequenzanalyse oder AC-Sweep


Bei dieser Analyseart stehen nach der Berechnung alle Spannungen und Ströme als Funktion
der Frequenz im vorher angegebenen Bereich zur Verfügung. Im Rahmen der Frequenzanalyse
ist auch eine Rauschanalyse (Noise-Analysis) möglich. Der Simulator arbeitet dabei mit den
Kleinsignalparametern im Arbeitspunkt. Das Ergebnis enthält keine Information über etwaige
Amplitudenbegrenzungen, wie sie bei zu großer Eingangsamplitude bei meßtechnisch unter-
suchten Schaltungen vorkommen.

2.3 Simulationsablauf
Der Ablauf einer Simulation unter PSPICE gliedert sich in mehrere Schritte: Der erste Schritt be-
steht aus dem Erstellen einer Netzliste, die in einer Datei mit der Endung NET abgespeichert
wird. Die Netzliste kann von Hand mit Hilfe eines Texteditors erstellt werden, oder komforta-
bler mit einem grafischen Schaltplaneditor. Anschließend wird diese durch den eigentlichen Si-
mulator PSPICE interpretiert und die gewünschten Berechnungen werden durchgeführt. Die
Ergebnisse werden von PSPICE in binärer Form in Dateien mit der Endung DAT abgespeichert,
bzw. in ASCII-Notation in Dateien mit der Endung OUT. Mit Hilfe des Postprozessors PROBE
können die Ergebnisse auf dem Bildschirm dargestellt und ausgewertet werden. Abbildung 2.1

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zeigt den Simulationsablauf in einer Grafik.

Schaltplaneingabe Schaltplaneingabe
und Eingabe der und Angabe der
Analysearten mit Analysearten mit Eingabe
Texteditor ORCAD CAPTURE

Speichern als Speichern als


Datei mit der Datei mit der Speichern
Endung CIR Endung SCH

Manueller Start
von PSPICE aus Automatischer
Betriebssystem Start von PSPICE aus
ORCAD CAPTURE
und automatisches Berechnung
Generieren der vorbereiten
Laden der Netzliste in
CIR - Datei NET-Datei

Simulation mit PSPICE Berechnung

Ausgabe der Meßer- Ausgabe der Meßer-


gebnisse in binärer gebnisse in ASCII- No-
Form in DAT-Datei tation in OUT-Datei

Ausgabe
Automatischer Start
von PROBE aus PSPICE
+
Grafische Darstellung
der Meßkurven

Abbildung 2.1: Simulationsablauf

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3 Ein einführendes Beispiel

3.1 Allgemeines
Die Vorgehensweise bei der Simulation mit ORCAD PSPICE 9 soll anhand eines einfachen Wi-
derstandsnetzwerkes veranschaulicht werden. Ziel ist es, dem Anwender die Möglichkeiten bei
der Schaltplaneingabe aufzuzeigen, die Syntax zur Beschreibung der elektronischen Bauteile
(Widerstand, Kondensator, Spule und Gleichspannungsquelle) anzugeben, sowie die Durchfüh-
rung einer Gleichstromanalyse zu erklären

Abbildung 3.1: Übungsbeispiel Widerstandsnetzwerk

3.1.1 Knoten
Eine elektronische Schaltung besteht immer aus Bauteilen und Verbindungen die nach gewis-
sen Regeln miteinander verknüpft sind. Die Verbindungspunkte, an denen zwei oder mehr Bau-
teile miteinander verbunden sind, bezeichnet man als Knoten. Diese Knotenpunkte im
Zusammenspiel mit dem Bauteilnamen und Bauteilwert werden benutzt um eine formelle Be-
schreibung der Schaltung zu erstellen, mit deren Hilfe es möglich ist, die Schaltung auf einem
Digitalrechner zu simulieren. Die Schaltungsknoten werden üblicherweise mit positiven Zahlen
(einschließlich der Null) bezeichnet. Die Numerierung der Knoten ist mit einer einzigen Aus-
nahme frei wählbar. In PSPICE wird die Knotennummer Null immer als Bezugsknoten in-
terpretiert, auf den alle Spannungen und Ströme bezogen werden. Daher bezeichnet man
diesen Knoten auch als Bezugsknoten. Eine komplette Beschreibung aller Knoten einer Schal-
tung nennt man Netzliste.

3.1.2 Bauteilbezeichnung
Jedes Bauteil in PSPICE wird durch einen eindeutigen reservierten Bezeichner identifiziert. Die-
ser Bezeichner kann durch weiteres Anhängen von Buchstaben oder Zahlen erweitert werden.

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Alle Bauteile besitzen eine festgelegte Anzahl an Knoten, die beschaltet werden müssen. Au-
ßerdem muß mindestens ein charakteristischer Bauteilwert angegeben werden, der wertmäßig
das Bauteil beschreibt. Eine Übersicht über die wichtigsten passiven Bauteile (Widerstand,
Kondensator, Spule) und die im Beispiel verwendete Gleichspannungsquelle, einschließlich ih-
rer Bezeichner und Einheiten, ist in Tabelle 3.1 gegeben.

Bauteil PSpice-Name Einheit

Ohmscher Widerstand R Ohm


Kondensator C Farad
Spule L Henry
Gleichspannungsquelle VDC Volt
Tabelle 3.1: PSPICE-Namen der Standardbauelemente

Um große bzw. kleine Zahlenwerte besser eingeben zu können, besteht die Möglichkeit, diese
durch reservierte Buchstaben abzukürzen, denen jeweils eine Zehnerpotenz zugeordnet ist. In
Tabelle 3.2 ist diese Zuordnung aufgelistet. Mit Ausnahme von Mega und Mikro entspricht
der PSPICE-Bezeichner dem ersten Buchstaben der Größenordnung.

Größenordnung PSpice-Name Zehnerpotenz

Tera T E12
Giga G E9
Mega MEG E6
Kilo K E3
Milli M E-3
Mikro U E-6
Nano N E-9
Piko P E-12
Femto F E-15
Tabelle 3.2: Abkürzungen für Größenordnungsangaben

3.1.3 Schaltplaneingabe
Die Schaltplaneingabe kann auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen. Die erste Eingabeart ist
das direkte Erstellen der Netzliste "von Hand" mit Hilfe eines Texteditors. Die grafische Schalt-
planeingabe erfolgt mit dem Programm ORCAD CAPTURE 9. Mit diesem Programm wird der
Schaltplan am Bildschirm mit Hilfe von vorgebenen Bauteilen gezeichnet. Anschließend gene-

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riert ORCAD RELEASE 9 daraus automatisch die Netzliste.

Nachfolgend werden am oben genannten Übungsbeispiel beide Arten der Schaltplaneingabe,


sowie die Simulation und die Darstellung der Simulationsergebnisse erklärt.

3.2 Schaltplaneingabe mit Hilfe eines Texteditors


Zur Simulation einer Schaltung benötigt man nicht notwendigerweise einen grafischen Schalt-
planeditor zur Eingabe des Schaltplans, sondern es genügt ein einfacher Texteditor der in der
Lage ist, den Text in ASCII-Form, d.h. ohne zusätzliche Steuerzeichen, abzuspeichern. Mit die-
sem ist es möglich, die Schaltung nach festgelegten Regeln zu beschreiben. Die grundlegende
Vorgehensweise bei der Erstellung solch einer Textdatei wird anhand des oben genannten Bei-
spiels eines Widerstandsnetzwerkes gezeigt.

Der Name, unter dem die Datei abgespeichert wird, ist frei wählbar und sollte, da er eine Be-
schreibung einer elektronischen Schaltung enthält, mit der Endung CIR (Abkürzung von cir-
cuit) abgespeichert werden.

3.2.1 Aufbau von CIR - Dateien


Der schematische Aufbau einer CIR-Datei zeigt Abbildung 3.2. Beim Erstellen einer solchen
Datei sind folgende Punkte unbedingt zu beachten:

• PSPICE unterscheidet nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung


• die erste Zeile enthält immer einen Kommentar (meistens Schaltungsnamen)
• die letzte Anweisung muß die ".END" - Anweisung sein
• es dürfen zur Schaltungsbeschreibung keine Umlaute verwendet werden
• die Zeichen "*" und ";" sind reservierte Zeichen und dürfen nicht in Bauteilnamen ver-
wendet werden
• Steueranweisungen beginnen mit einem Punkt

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Überschrift

Schaltungsbeschreibung

Modelle

Steuerbefehle

„.END“ - Anweisung
Abbildung 3.2: Schematischer Aufbau einer CIR-Datei

Die erste Zeile interpretiert PSPICE immer als Kommentar und ignoriert deren Inhalt. Sie enthält
meistens den Schaltungsnamen bzw. eine Kurzbeschreibung der Schaltungsfunktion. Im Ge-
gensatz zum normalen Kommentar kann in der ersten Zeile auf die Eingabe eines einleitenden
Kommentarzeichens verzichtet werden. In nachfolgenden Zeilen muß ein Kommentar, der
in der ersten Spalte beginnt, entweder mit einem der Zeichen "*" oder ";" eingeleitet wer-
den. Zu beachten ist, daß nach einer Befehlsanweisung ein Kommentar nur durch das ";"
- Zeichen eingeleitet werden darf.

Bei der Schaltungsbeschreibung darf pro Zeile nur ein Bauteil einschließlich Angaben
über Knoten und Bauteilwert stehen. Namen, Knotennummer und Bauteilwert werden
durch eine oder mehrere Leerzeichen bzw. Tabulatorzeichen voneinander getrennt. Sollte
eine Eingabezeile über eine Bildschirmzeile hinausgehen, so ist sie in der nächsten Zeile mit ei-
nem "+" Zeichen weiterzuführen.

Der Bauteilnamen beginnt immer mit dem PSPICE-spezifischen Bauteilbezeichner, der durch
anfügen von Zahlen oder Buchstaben ergänzt werden kann. Bei der Angabe der Knotennum-
mern muß immer die für das aktuelle Bauteil gültige Modellbeschreibung beachtet wer-
den, da ein Vertauschen der Knoten eine Vorzeichenumkehr in der Strom- bzw.
Spannungsrichtung bewirkt, was unter Umständen zu einem Nichtfunktionieren in der Schal-
tung führen kann. Die Angabe des Bauteilwertes erfolgt in amerikanischer Notation, d.h.
als Dezimaltrennzeichen wird ein Punkt verwendet.

Im Anschluß an die Schaltungsbeschreibung folgen Angaben über die durchzuführenden Ana-


lysen. In diesem Beispiel wird nur die DC-Analyse durchgeführt. Im Vergleich zu den Bauteil-

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anweisungen wird jede Analyseanweisung durch einen vorangestellten Punkt eingeleitet.

Den Abschluß einer CIR-Datei bildet die Anweisung ".END". Alle nachfolgenden Befehls-
bzw. Steueranweisungen werden von PSPICE ignoriert.

3.2.2 Schaltplan mit Texteditor eingeben


Vor der Eingabe sollten im Schaltplan alle Knoten durchlaufend numeriert werden. Als Bezugs-
punkt der Schaltung wird der Masse-Anschluß der Spannungsquelle gewählt. Dieser Knoten er-
hält somit die Knotennummer 0. Abbildung 3.1 zeigt die vollständig durchnumerierte
Schaltung.

Die Eingabe erfolgt mit dem Editor NOTEPAD, der zum Zubehör von WINDOWS gehört. Zum
Starten des Editors wird aus dem Menü START / PROGRAMME / ZUBEHÖR der Eintrag EDITOR
ausgewählt.

In das leere Eingabefenster wird die nachfolgende Netzliste eingegeben:

Widerstandsnetzwerk
* Dateiname : rnetz.cir
* Autor : Huppert Stephan, MST 6
* Datum : 98/03/16
* Letzte Aenderung : 98/03/19

* Schaltungsbeschreibung
R_R1 1 2 12 ; Widerstand R1 mit 12 Ohm (Knoten 1 -> 2)
R_R2 2 0 22 ; Widerstand R2 mit 22 Ohm (Knoten 2 -> 0)
R_R3 2 0 33 ; Widerstand R3 mit 33 Ohm (Knoten 2 -> 0)
V_V1 1 0 DC 10 ; Spg.quelle V1 12 Volt (Knoten 1 -> 0)

* Analysearten
* Lineare Gleichspg.analyse, V1 variiert von 0.5V bis 20V
* Schrittweite 0.5V
.DC LIN V_V1 0.5V 20V 0.5V
.PROBE ; Messwerte in DAT-File ablegen
.END

Bevor diese Netzliste PSPICE zugeführt werden kann, muß sie unter einem Namen, z.B.
rnetz.cir, auf der Festplatte abgespeichert werden. Hierzu wählt man aus dem FILE-Menü im
NOTEPAD-Fenster den Menüpunkt SPEICHERN UNTER aus und trägt im Eingabefeld Dateiname
rnetz.cir ein. Aus dem Eingabefeld Dateityp wählt man den Eintrag ALLE DATEIEN (*.*) aus.
Durch Betätigen der RETURN-Taste bzw. Linksklick auf den Button SPEICHERN wird die Datei
auf die Festplatte geschrieben.

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3.2.3 Berechnung von PSPICE durchführen lassen


Die eigentliche Berechnung der Schaltung erfolgt mit dem Programm PSPICE. Um den Simula-
tor zu starten wählt man aus dem START-Menü des Betriebssystems den Menüpunkt
PROGRAMME / ORCAD RELEASE 9 / PSPICE.

Abbildung 3.3: Startbildschirm von PSPICE

Zuerst muß die abgespeicherte Netzliste rnetz.cir von der Festplatte in PSPICE eingelesen wer-
den. Hierzu wählt man aus dem Menü FILE den Menüpunkt OPEN aus und trägt in dem Einga-
befeld Dateiname den Namen rnetz.cir ein. Durch Auswahl der Schaltfläche RUN in der
Symbolleiste bzw. durch Auswahl des gleichnamigen Menüpunktes aus dem Menü
SIMULATION / RUN beginnt der Simulationslauf. Zuerst findet eine Überprüfung der Netzliste
auf Syntaxfehler statt. Die Ergebnisse speichert PSPICE in binärer Form in einer Datei mit dem
gleichen Namen wie das CIR-File, jedoch hat diese Datei die Endung DAT. In einer weiteren
Datei mit der Endung OUT protokolliert PSPICE Datum, Uhrzeit, Dauer, Art der Berechnung
und auf Wunsch werden die Simulationsergebnisse in lesbarer ASCII-Notation ausgegeben.

Die grafische Darstellung der Meßergebnisse erfolgt mit einem weiteren Programm, dem Post-
prozessor PROBE. Nach erfolgreicher Berechnung wird PROBE automatisch gestartet. Man kann
PROBE auch direkt aus PSPICE heraus durch Anwahl des Menüpunktes FILE / RUN PROBE star-
ten.

3.2.4 Simulationsergebnisse mit PROBE grafisch darstellen


PROBE ist ein leistungsfähiges Werkzeug zur Visualisierung der Meßergebnisse. Neben der gra-
fischen Darstellung der Ergebnisse können diese auch mit den Grundrechenarten (z.B. Leistung
an einem Bauteil U*I) bzw. höheren mathematischen Funktionen weiterverarbeitet werden.

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Tabelle Seite 14 zeigt eine Auflistung der mathematischen Funktionen und die zugehörigen
PROBE Befehle.

Funktion Beschreibung

ABS(x) Betrag
SGN(x) Signumfunktion
SQRT(x) Quadratwurzel
EXP(x) e-Funktion
LOG(x) Logarithmus zur Basis e
LOG10(x) Logarithmus zur Basis 10
M(x) Magnitude (Größe)
P(x) Phase in Grad
R(x) Realteil einer komplexen Größe
IMG(x) Imaginärteil einer komplexen Größe
G(x) Gruppenlaufzeit in Sekunden
PWR(x,y) Betrag von x hoch y
SIN(x) Sinus von x im Bogenmaß
COS(x) Cosinus von x im Bogenmaß
TAN(x) Tangens von x im Bogenmaß
ATAN(x) Cotangens von x im Bogenmaß
D(x) Ableitung von x nach der Abszissenvariablen
S(x) Integral von x über dem Bereich der Abszissenvariablen
AVG(x) Mittelwert von x über dem Bereich der Abszissenvariablen
AVG(x,d) Mittelwert (von x-d bis x) über dem Bereich der Abszissenvariablen
RMS(x) Effektivwert (Root - Mean - Square) von x
DB(x) Betrag in dB (dezibel)
MIN(x) Minimalwert von x
MAX(x) Maximalwert von x
ARCTAN(x) Arcustangens von x im Bogenmaß

Tabelle 3.3: Arithmetische Funktionen in Probe

Nach dem Start von PROBE muß noch die Datei mit den Meßwerten des letzten Simulationslaufs
in den Speicher geladen werden. Hierzu wählt man aus dem Menü FILE den Menüpunkt OPEN,

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und wählt aus dem erscheinenden Dialogfenster die entsprechende Datei aus.

Abbildung 3.4: Meßwertdatei in Probe laden

Darstellung von Meßkurven

Durch Auswahl des Icons ADD TRACE in der Iconleiste bzw. durch Auswahl des gleichnamigen
Menüpunktes aus dem Menü TRACE / ADD TRACE, öffnet sich ein Dialogfenster, in dem PROBE
alle Ströme und Spannungen der Schaltung auflistet. Durch Anklicken von einem oder mehre-
ren Einträgen werden diese in das Eingabefeld TRACE EXPRESSION übernommen. Durch An-
klicken des OK-Buttons wird das Dialogfenster geschlossen und die ausgewählten
Meßwertkurven werden im Plotfenster angezeigt.

Um im oben genannten Beispiel die Teilströme durch die einzelnen Widerstände darzustellen,
wird wie folgt vorgegangen:

• ADD TRACE-Icon anklicken bzw. TRACE / ADD TRACE anwählen


• In Auswahlliste I(R_R1), I(R_R2), I(R_R3) anklicken
• OK-Button anklicken

PROBE-Notation für die Messung von Spannungswerten bzw. Stromwerten

Spannungsmessung PROBE-Notation Beispiel

Spannung an einem Bauteil V ( Name des Zweipol ) V( R1 )


(Zweipol)
Spannung an einem Knoten gegen V ( Knotennummer ) oder V(2)
Masse V ( Knotennummer , 0 ) V ( 2,0 )
Spannung zwischen zwei Knoten V ( Knotennummer1 , Knotennummer2 ) V ( 1,2 )
Tabelle 3.4: PROBE-Notation für Spannungsmessung

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Bei der Angabe von zwei Knotennummern ist zu beachten, daß PROBE die erste Knoten-
nummer als den positiven Anschluß und die zweite Knotennummer als den negativen An-
schluß interpretiert, was bei einer Vertauschung zu negativen Ergebnissen führt.

Strommessung Probe-Notation Beispiel

Strom durch ein Bauteil (Zweipol) I ( Name des Zweipol ) I ( R1 )


Tabelle 3.5: PROBE-Notation für Strommessung

Rechenoperationen mit PROBE durchführen

Um Rechnungen mit PROBE durchzuführen wird im Dialogfenster ADD TRACE im Texteinga-


befeld TRACE EXPRESSION die gewünschte Formel eingegeben. PROBE versteht die in
Tabelle 3.3 aufgeführten arithmetischen Operationen.

Formeln können auf zwei Arten erstellt werden:

1. Auswahl der Operanden und Operatoren durch Mausklick aus der Auswahlliste
FUNCTIONS OR MACROS im Fenster ADD TRACE
2. Eingabe „von Hand“ im Textfeld TRACE EXPRESSION
Um z.B. die Summe der Teilströme durch R2 und R3 zu berechnen, gibt man folgendes im Text-
feld ein:

I(R2) + I(R3)

Cursorfunktionen

PROBE bietet zur genaueren Auswertung der Kurven die Möglichkeit maximal zwei Cursor (Fa-
denkreuze) einzublenden. Die Cursor werden dabei automatisch an die ausgewählte Kurve an-
geheftet, d.h. es ist nur möglich, Werte der entsprechenden Kurve zu ermitteln. Die
Cursorfunktion wird entweder durch Anklicken des Cursor-Icons oder durch Auswahl des Me-
nüpunktes TRACE / CURSOR / DISPLAY (Shortcut: STRG SHIFT C) ein- bzw. ausgeblendet.

Die Kurve an die der Cursor angeheftet wird, wird durch Anklicken des Kurvensymbols
unterhalb des Plotfensters ausgewählt. Welcher der beiden Cursor angeheftet wird, wählt
man durch Anklicken mit der linken bzw. rechten Maustaste.

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Hierbei gilt:

Linke Maustaste Cursor 1


Rechte Maustaste Cursor 2

Die zu den Cursor gehörenden Meßwerte werden in einem eigenen Fenster eingeblendet.
Abbildung 3.5 zeigt das Fenster mit den Meßwerten für die Ströme durch R2 und R3 bei einer
Eingangsspannung von 10 V.

Abbildung 3.5: Cursormesswerte

Mehrere Plotfenster

Möchte man jede Kurve in einem eigenen Plotfenster darstellen, z.B. bei einem Bodediagramm,
dann wird durch die Auswahl des Menüpunktes PLOT / ADD PLOT TO WINDOW ein weiteres
Plotfenster auf dem Bildschirm eingefügt. Beim Hinzufügen neuer Kennlinien ist jetzt zu be-
achten, daß diese in dem zur Zeit aktuellen Plotfenster, dargestellt werden. Welches Plotfen-
ster aktuell ausgewählt ist, erkennt man an dem Wort SEL>> links neben dem Plotfenster.
Aktiviert wird das aktuelle Plotfenster durch Linksklick auf das Fenster. Das aktuelle Plot-
fenster kann durch den Menübefehl PLOT / DELETE PLOT wieder entfernt werden.

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Operation Menüpunkt Shortcut

Plotfenster hinzufügen PLOT / ADD PLOT TO WINDOW


Plotfenster löschen PLOT / DELETE PLOT
Tabelle 3.6: Plotfenster hinzufügen bzw. löschen

Achsenskalierung ändern

Die Skalierung der Achse läßt sich, durch Anklicken des Icons LOG X AXIS bzw. LOG Y AXIS
zwischen linearer und logarithmischer Achseneinteilung umschalten. Bei einem Doppelklick
auf die X- bzw. Y-Achse öffnet sich ein Dialogfenster, indem die Achseneinteilung, sowie die
Achsenvariable geändert werden kann. Nachfolgend sind diese Fenster für die Abszisse und Or-
dinate dargestellt.

Abbildung 3.6: X- bzw. Y-Achsenskalierung ändern

Operation Menüpunkt Shortcut

X-Achse skalieren PLOT / AXIS SETTINGS


Y-Achse skalieren PLOT / AXIS SETTINGS
Y-Achse hinzufügen PLOT / ADD Y AXIS STRG Y
Y-Achse löschen PLOT / DELETE Y AXIS SHIFT CTRL Y
Tabelle 3.7: Achseneinstellung ändern

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4 Signalquellen

ORCAD CAPTURE stellt in der Bibliothek source.olb verschiedene Quellen zur Verfügung. Diese
werden wie andere Bauteile (Widerstände, Kondensatoren usw.) mit dem Befehl PART aus dem
Menü DRAW (Shortcut: SHIFT-P) aufgerufen. Man unterscheidet:

4.1 Urquellen
Urquellen sind ideale Spannungs- bzw. Stromquellen mit beliebiger Spannung bzw. Strom und
Innenwiderstand null bzw. unendlich. Diese Quellen sind nicht für eine Zeitanalyse geeignet.
Einschaltvorgänge können damit also nicht dargestellt werden.

4.1.1 Gleichspannungsquelle VDC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC obligatorisch Gleichspannungsanteil in Volt

4.1.2 Gleichstromquelle IDC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC obligatorisch Gleichstromanteil in Ampere

4.1.3 Gleichspannungsquelle VSRC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Tran Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
TRAN AC/DC/Tran Phase in Grad bei Wechselspannung

Anmerkung: Diese Quelle ist, wie bereits erwähnt, nicht für eine Zeitanalyse geeignet. Für die
AC-Analyse liefert die VSRC eine sinusförmige Spannung, deren Frequenz aber
nicht angegeben werden kann. Die Quelle eignet sich z.B. zur Analyse von Über-

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tragungsgliedern, deren Verhalten in einem Bode-Diagramm dargestellt wird. Da


eine Zeitanalyse nicht möglich ist, kann der zeitliche Verlauf der Spannung nicht
angezeigt werden.

4.1.4 Gleichstromquelle IRSC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Tran Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
Tran AC/DC/Tran Phase in Grad bei Wechselspannung

4.2 Sinusquellen
Sinusquellen sind ideale Quellen mit sinusförmiger Ausgangsspannung bzw. Strom, beliebiger
Phase und Innenwiderstand null bzw. unendlich.

4.2.1 Spannungsquelle mit sinusförmiger Ausgangsspannung VAC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Tran Gleichspannungsanteil in Volt (Offset)


ACMAG DC/Tran Wechselspannungsanteil in Volt
(Effektivwert)
ACPHASE AC/DC/Tran Phase der Wechselspannung in Grad

4.2.2 Stromquelle mit sinusförmigen Ausgangsstrom IAC

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Tran Gleichstromanteil in Ampere (Offset)


AC DC/Tran Wechselstromanteil in Ampere (Effek-
tivwert)

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4.3 Pulsquellen
Mit Pulsquellen bezeichnet man Quellen mit einstellbarer Pulsform, wie z.B.Rechteck, Dreieck,
Sägezahn usw.

4.3.1 Spannungsquelle VPULSE

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Trat Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
V1 obligatorisch Anfangsspannungswert in Volt
V2 obligatorisch Spitzenspannungswert in Volt
TD AC/DC/Tran Verzögerungszeit beim Start
TR AC/DC/Tran Anstiegszeit
TF AC/DC/Tran Abfallzeit
PW AC/DC/Tran Pulsbreite
PER AC/DC/Tran Periodendauer

4.3.2 Strompulsquelle IPULSE

Attribut Optional bei Bedeutung

DC AC/DC/Tran Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
I1 obligatorisch Anfangsstromwert in Ampere
I2 obligatorisch Spitzenstromwert in Ampere
TD AC/DC/Tran Verzögerungszeit beim Start
TR AC/DC/Tran Anstiegszeit
TF AC/DC/Tran Abfallzeit
PW AC/DC/Tran Pulsbreite
PER AC/DC/Tran Periodendauer

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V2

V1

TD TR PW TF t

PER

Abbildung 4.1: Parameter bei Pulsquellen

Beispiele für Sprungfunktionen

• Dirac-Stoß ( δ -Stoß)
Der Dirac-Stoß wird mit der Spannungspulsquelle VPULSE realisiert. Bei mehreren
Dirac-Stößen sollte die Periodendauer so lang gewählt werden, daß bei erneutem Aus-
lösen eines Impulses das System sich wieder in Ruhe befindet; hier wurden 4s
gewählt. Folgende Einstellungen sollten vorgenommen werden:
V1 = 0, V2 = 1k, TD = 1, TR = 1n, TF = 1n, PW = 1m, PER = 4

• Einheitssprung ( σ -Funktion)
Der Einheitssprung wird ebenfalls mit einer Spannungspulsquelle realisiert. Folgende
Werte sollten eingestellt werden:
V1 = 0, V2 = 1, TD = 1, TR = 0.1n, TF = 0.1n, PW = 4, PER = 8

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4.4 Gesteuerte Quellen


Unter gesteuerten Quellen versteht man ideale Quellen, deren Ausgangsgröße von einer Steu-
erspannung und einem Koeffizienten bzw. einem Steuerstrom und einem Koeffizienten abhän-
gig sind. Folgende Varianten sind möglich:

4.4.1 Spannungsgesteuerte Spannungsquelle E

Funktion Ausgangsspannnung = Eingangsspannung * Steuerfaktor


Anschluß Links: Steuergröße (Eingang)
Rechts: Ausgang

4.4.2 Spannungsgesteuerte Stromquelle G

Funktion Ausgangsstrom = Steuerspannung * Steuerleitwert (in Sie-


mens)
Anschluß Links: Steuergröße (Eingang)
Rechts: Ausgang

4.4.3 Stromgesteuerte Spannungsquelle H

Funktion Ausgangsspannung = Steuerstrom * Steuerwiderstand (in


Ohm)
Anschluß Links: Steuergröße (Eingang)
Rechts: Ausgang

4.4.4 Stromgesteuerte Stromquelle F

Funktion Ausgangsstrom = Steuerstrom * Steuerfaktor


Anschluß Links: Steuergröße (Eingang)
Rechts: Ausgang

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4.5 Sonstige Quellen


4.5.1 Spannungs- und Stromquellen mit exponentiellem Spannungs- bzw. Stromverlauf
VEXP / IEXP

Attribut Optional bei Bedeutung

DC DC/ACTran/ Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
V1 / I1 obligatorisch Anfangsspannung / Anfangsstrom
V2 / I2 obligatorisch Spitzenspannung / Spitzstrom
TD1 DC/ACTran Verzögerungszeit beim Start
TC1 DC/ACTran Anstiegszeitkonstante
TD2 DC/ACTran Abfallverzögerung
TC2 DC/ACTran Abfallzeitkonstante

4.5.2 Spannungs- und Stromquellen mit stückweis linearem Verlauf VPWL / IPWL

Attribut Optional bei Bedeutung

DC obligatorisch Zusätzliche Gleichspannungs- bzw.


Gleichstromquelle
AC DC/Tran Zusätzliche Wechselspannungs- bzw.
Wechselstromquelle
T1 obligatorisch Zeitpunkt T1
V1 / I1 obligatorisch Spannungs- bzw. Stromwert zum Zeit-
punkt T1
T2 obligatorisch Zeitpunkt T2
V2 / I2 obligatorisch Spannungs- bzw. Stromwert zum Zeit-
punkt T2

Tn obligatorisch Zeitpunkt Tn
Vn / In obligatorisch Spannungs- bzw. Stromwert zum Zeit-
punkt Tn

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V3

V2

V1

T4
t
T1 T2 T3
V4

Abbildung 4.2: Parameter bei Quellen mit stückweis linearem Verlauf

4.5.3 Spannungs- und Stromquellen mit frequenzmoduliertem Ausgang VSFFM / ISFFM


Die Ausgangsgröße kann mathematisch durch folgende Formel beschrieben werden:

V = V Off + V Ampl ⋅ sin ( 2 ⋅ π ⋅ FC ⋅ t + MOD ⋅ sin ( 2 ⋅ π ⋅ FM ⋅ t ) )

Attribut Optional bei Bedeutung

DC DC/AC/Tran Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
VOFF / obligatorisch Gleichspannungs- / Gleichstromanteil
IOFF
VAMPL / obligatorisch Spitzenspannungs- / Spitzenstrom
IAMPL
FC obligatorisch Trägerfrequenz
MOD obligatorisch Modulationsgrad
FM obligatorisch Modulationsfrequenz

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4.5.4 Spannungs- und Stromquellen mit ausklingendem sinusförmigen Verlauf VSIN /


ISIN

Attribut Optional bei Bedeutung

DC DC/AC/Tran Gleichspannungsanteil
AC DC/Tran Wechselspannungsanteil
VOFF / obligatorisch Gleichspannungs- / Gleichstromanteil
IOFF
VAMPL / obligatorisch Spitzenspannungs- / Spitzenstromanteil
IAMPL
FREQ obligatorisch Frequenz
TD DC/AC/Tran Verzögerung beim Start
DF DC/AC/Tran Dämpfungsfaktor
PHASE DC/AC/Tran Phase

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5 Beispiel 1 - RC-Tiefpaß

Im folgenden Beispiel soll ein RC-Tiefpaß erster Ordnung mit Hilfe von ORCAD RELEASE 9
untersucht werden. Abbildung 5.1 zeigt den Schaltplan mit Angabe der entsprechenden Bautei-
lewerte. Ziel ist es, den Verlauf der Kondensatorspannung uC(t), der Spannung am Widerstand
uR(t) und des Stromes i(t) darzustellen. Weiterhin soll die Zeitkonstante τ sowie das Zeit- und
Frequenzverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung dargestellt werden. Gegebenenfalls
sind verschiedene typische Werte aus den Diagrammen abzulesen.

UR(t) i(t)

UC(t)
Uq

Abbildung 5.1: RC-Tiefpaß mit Quelle VPULSE

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5.1 Zeitverhalten beim Aufladevorgang


Die Simulation wird mit folgenden Bauteileparametern durchgeführt:

Bauteil Attribut Wert

R R 159 Ω
C C 1 µF
VPULSE DC
AC
V1 0V
V2 10 V
TD 0.1 ms
TR 0 ms
TF 0 ms
PW 10 ms
PER 20 ms
Tabelle 5.1: Bauteilwerte

5.1.1 Zeitliche Verläufe der Spannungen und Ströme


Um die zeitlichen Verläufe der Teilspannungen und des Stromes darstellen zu können, wird die
Analyseart TIME DOMAIN (TRANSIENT) ausgewählt und folgende Parameter eingestellt:

Simulationsart Attribut Wert

Time Domain (Transient) Start saving data after 20 ns


Run to Time 1.5 ms
Maximum step size 1 µs
Tabelle 5.2: Simulationsart / Simulationsparameter

Zeitlicher Verlauf der Spannung uC(t)

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Abbildung 5.2: Kondensatorspannung uC(t)

Zeitlicher Verlauf der Spannung uR(t)

Abbildung 5.3: Widerstandsspannung uR(t)

Zeitlicher Verlauf des Stromes i(t)

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Abbildung 5.4: Stromverlauf i(t)

Bestimmung der Zeitkonstanten τ

Nach der Zeit 1 τ beträgt die Spannung am Kondensator ca. 63% des Endwertes. Die Zeitkon-
stante τ läßt sich mit den Cursorfunktionen von PROBE leicht ermitteln.

Im Beispiel entsprechen 63% einer Spannung uC(t) = 6,3V. Man sucht mit dem Cursor den Zeit-
punkt, an dem die Kondensatorspannung 6,3V erreicht hat, und kann dann auf der Abszisse,
bzw. im Cursorfenster, den entsprechenden Zeitpunkt ablesen.

Da der Einschaltvorgang nicht zum Zeitpunkt t=0s gestartet wurde, sondern erst bei t=0.1ms,
muß die Differenz dieser Werte gebildet werden. Es ergibt sich eine Zeitkonstante von
τ = 0.159ms.

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Abbildung 5.5: Bestimmung von τ

5.1.2 Energie- und Leistungsbetrachtungen

Leistung

Aus der Vorlesung ist bekannt, daß sich die Leistung als Produkt aus Spannung und Strom be-
rechnet. In PROBE kann man solche Funktionen im Fenster ADD TRACE und MODIFY TRACE im
Textfeld TRACE EXPRESSION eingeben. Das Fenster MODIFY TRACE läßt sich durch ein
Doppelklick auf den Kurvennamen öffnen.

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Abbildung 5.6: Leistungskurve

Energie

Der Betrag der im Kondensator gespeicherten Energie entspricht der Fläche unter der Lei-
stungskurve. Um diesen Flächeninhalt darzustellen, muß das Integral über diese Funktion be-
rechnet werden. In PROBE existiert hierzu die Integralfunktion S.

Syntax Bedeutung Beispiel

S( <math. Ausdruck> ) Flächeninhalt unter einer Kurve berechnen S( V(2) * I(C1) )

Um den Wert für die gespeicherte Energie im Kondensator zu berechnen, gibt man folgenden
Ausdruck im Textfeld TRACE EXPRESSION ein.

S( V(2) * I(C1) )

Da PROBE numerisch integriert, und somit für jeden Zeitschritt einen Wert errechnet, erhält man
eine Kurvendarstellung des Integrals, aus welcher zu jedem Zeitpunkt der aktuelle Wert des In-
tegrals über die Cursorfunktionen ermittelt werden kann. Der Endwert der Kurve nähert sich
asymptotisch dem Wert, den man über nachfolgende Formel erhält.

1 2 1 2
W = --- ⋅ C ⋅ U = --- ⋅ 1µF ⋅ ( 10V ) = 50µWs
2 2

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Abbildung 5.7: Energiekurve

5.2 Zeitverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung


Für diese Simulationsart wird die Quelle VDC durch eine VSIN ersetzt. Die Bauteileparameter
sind in Tabelle 5.1 dargestellt.

UR(t)

UC(t)
UQ(t)

Abbildung 5.8: RC-Tiefpaß mit Quelle VSIN für Zeitanalyse

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Bauteil Attribut Wert

R R 159 Ω
C C 1 µF
VSIN DC
AC
VOFF 0V
VAMPL 10 V
FREQ 1000 Hz
TD 0
DF 0
PHASE 0
Tabelle 5.3: Bauteilewerte

Simulationsart Attribut Wert

Time Domain (Transient) Start saving data after 20 ns


Run to time 5 ms
Maximum step size 10 µs
Tabelle 5.4: Simulationsart / Simulationsparameter

5.2.1 Einschwingvorgang
Sind in einer elektronischen Schaltung Energiespeicher (Kondensatoren oder Spulen) vorhan-
den, so kommt es bei Schaltvorgängen zu Einschwingvorgängen. Um diese zu kompensieren
bietet ORCAD PSPICE eine Möglichkeit die Energiespeicher mit Startwerten, sogenannten In-
itial Conditions (IC), zu belegen. Abbildung 5.9 zeigt den Einschwingvorgang des RC-Tiefpas-
ses bei anfangs energielosem Kondensator.

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Abbildung 5.9: Unkompensierter Einschwingvorgang

Um diesen Einschwingvorgang zu kompensieren wird zuerst der Spannungswert ermittelt, mit


dem man den Kondensator "vorladen" muß, damit es zu keinem Einschwingen kommt. Man er-
mittelt hierzu die Differenzspannung am Nulldurchgang der Quellenspannung zur Kondensa-
torspannung. Zu beachten ist, daß man eine Sinuswelle auswählt, bei der kein
Einschwingvorgang mehr vorhanden ist (z.B. letzte Sinuswelle). Als Ergebnis erhält man einen
Spannungswert von -5 V. Diesen Spannungswert trägt man in ORCAD CAPTURE bei den Bau-
teilewerten des Kondensators unter dem Attribut IC ein. Abbildung 5.10 zeigt den Spannungs-
verlauf ohne Einschwingvorgang.

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Abbildung 5.10: Kompensierter Einschwingvorgang

5.2.2 Amplitude und Phase

Spannungsverläufe uq(t), uR(t), uC(t)

Abbildung 5.11: Spannungsverläufe uq(t), uR(t), uC(t)

Spannungsverlauf uC(t) und Stromverlauf iC(t)

Um in einem Diagramm unterschiedliche Größen darzustellen bietet PROBE die Möglichkeit für
jede Größe eine eigene Ordinate mit geeigneter Skalierung anzugeben. Man wählt hierzu im

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Menü PLOT den Eintrag ADD Y-AXIS (Shortcut STRG - Y) aus. PROBE fügt automatisch die
neue Ordinate in das Diagramm ein und numeriert die Achsen. Welche Achse für welche Kurve
gültig ist, erkennt man an den Nummern vor den Kurvennamen (vgl. Abbildung 5.12).

Um die Achsenskalierung zu ändern, klickt man die entsprechende Achse doppelt an.
Daraufhin öffnet sich das Dialogfenster Y-AXIS SETTINGS, in dem die gewünschten Ein-
stellungen vorgenommen werden können. Dies gilt analog auch für die Abszisse.

Fügt man eine neue Kurve ein, so hat für diese Kurve die Y-Achse Gültigkeit, welche durch das
Symbol >> gekennzeichnet ist. Durch Linksklick auf eine Y-Achse wird die jeweilige Ordinate
ausgewählt.

Abbildung 5.12: Spannungsverlauf uC(t) und Stromverlauf iC(t)

5.2.3 Leistung (Mittelwertsfunktion AVG)

Leistung am Kondensator

Um den arithmetischen Mittelwert einer Größe zu bestimmen bietet Probe die Funktion AVG
an. Mathematisch gesehen wird dabei folgendes Integral gelöst:

t+T
1
X = ---
T ∫ x ( t ) dt
t

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Syntax Bedeutung Beispiel

AVG ( <math. Ausdruck> ) Arithmetischer Mittelwert berechnen AVG( V(2) * I(C1) )

In Abbildung 5.13 ist der Verlauf der Blindleistung und der dazugehörige Verlauf des arithme-
tischen Mittelwertes dargestellt. Für die Leistung am Kondensator ergibt sich für t → ∞ ein
arithmetisches Mittel von Null (reine Blindleistung).

Abbildung 5.13: Blindleistung / Arithmetischer Mittelwert am Kondensator

Leistung am Widerstand

Für die Leistung am Widerstand ergibt das arithmetische Mittel für t → ∞ einen positiven Wert
(Wirkleistung).

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Abbildung 5.14: Wirkleistung / Arithmetischer Mittelwert am Widerstand

5.2.4 Effektivwert (Effektivwertfunktion RMS)


Um den Effektivwert von Größen bestimmen zu können bietet PROBE die Funktion RMS (engl.
Root-Mean-Square) an. Mathematisch gesehen handelt es sich hierbei um die Lösung des fol-
genden Integrals:

t+T

X Eff = --1- ∫
2
x ( t ) dt
T
t

Syntax Bedeutung Beispiel

RMS( <math. Ausdruck> ) Effektivwert berechnen RMS( V1 )

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Abbildung 5.15: Eingangsspannung / Effektivwert der Eingangsspannung


1
Wie zu erkennen ist, nähert sich die Kurve für den Effektivwert für t → ∞ dem Wert ------- des
2
Spitzenwertes.

5.3 Frequenzverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung


Zur Untersuchung des Frequenzverhaltens wird die Simulationsart AC-SWEEP eingestellt (vgl.
Tabelle 5.3).

UR(t)

UQ(t) UC(t)

Abbildung 5.16: RC-Tiefpaß mit Quelle VSIN für Frequenzanalyse

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Bauteil Attribut Wert

R R 159 Ω
C C 1 µF
VSIN DC
AC 10 V
VOFF 0V
VAMPL 10 V
FREQ 1000 Hz
TD 0
DF 0
PHASE 0
Tabelle 5.5: Bauteilewerte

Simulationsart Attribut Wert

AC Sweep / Noise AC Sweep Type / Logarithmic Decade


Pts./Decade 200
Start Freq. 10 Hz
End Freq. 100 kHz
Tabelle 5.6: Simulationsart / Simulationsparameter

5.3.1 Amplituden und Phasengang (Funktionen dB und P)

Hinweis: Die Werte für R1 und C1 sind so gewählt, daß die Eckfrequenz des Tiefpasses bei
fEck = 1kHz liegt.

Amplitudengang

Üblicherweise wird bei der Darstellung vom Amplitudengang die Ordinate in dB (dezibel) auf-
getragen. Die Umrechnung erfolgt mit folgender Formel:

X dB = 20 ⋅ log x

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PROBE führt bei Verwendung der Funktion DB diese Umrechnung automatisch durch.

Syntax Bedeutung Beispiel

DB( <math. Ausdruck> ) Größen in dezibel darstellen DB( V(2) / V(1) )

Abbildung 5.17: Amplitudengang in dB / Eckfrequenz

Phasengang

Um den Verlauf der Phase darzustellen wird von PROBE die Funktion P bereitgestellt. Diese
Funktion berechnet den Phasenwert nach folgender Formel:

Im ( X )
ϕ = arc tan ---------------
Re ( X )

Syntax Bedeutung Beispiel

P( <math. Ausdruck> ) Phase berechnen und darstellen P( V(2) / V(1) )

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Abbildung 5.18: Phasengang / Eckfrequenz

5.3.2 Bode-Diagramm (zwei Plots, Abszissenvariable ändern)


Unter einem Bodediagramm versteht man die Darstellung von Amplitudengang und Phasen-
gang in einem Diagramm, jedoch wird jede Kurve in einem eigenen Koordinatensystem ge-
zeichnet. Üblicherweise wird der Amplitudengang oben und der Phasengang unten dargestellt.

Möchte man ein Bodediagramm mit PROBE realisieren, so trägt man zuerst den Phasengang auf
und wählt anschließend aus dem Menü den Punkt PLOT / ADD PLOT TO WINDOW aus. PROBE
fügt nun im oberen Teil des Bildschirms ein neues Plotfenster ein.

Ein neues Diagramm erscheint in dem aktuell ausgewählten Plotfenster. Man erkennt das aktu-
elle Plotfenster an der Markierung >> SEL links neben der Ordinate. Durch Linksklick in den
Plotbereich wechselt man das aktuelle Fenster. Die Cursorfunktionen stehen nur in dem zur Zeit
aktiven Plotfenster zur Verfügung.

Häufig findet man das Bodediagramm nicht über der Frequenz als unabhängige Variable auf-
getragen, sondern über der Kreisfrequenz ω. In PROBE läßt sich die X-Achsenvariable durch
Doppelklick auf die Abszisse ändern. Es erscheint das Dialogfenster AXIS SETTINGS mit akti-
vierter Registerkarte X-AXIS. Durch Anklicken des Buttons AXIS VARIABLE erscheint ein wei-
teres Dialogfenster mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten für die unabhängige Variable. Im
Textfeld TRACE EXPRESSION sind auch mathematische Ausdrücke erlaubt.

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Abbildung 5.19: Bodediagramm RC-Tiefpaß

Um z.B. statt der Frequenz f die Kreisfrequenz ω darzustellen, gibt man im Textfeld
TRACE EXPRESSION folgenden mathematischen Ausdruck ein:

2 * pi * Frequency

5.3.3 Ortskurve (Funktion IMG und R)


Bei der Ortskurvendarstellung werden der Real- und Imaginärteil getrennt auf den Achsen auf-
getragen. Der Realteil trägt man über der X-Achse auf, und der Imaginärteil wird auf der Y-
Achse aufgetragen.

Da ORCAD PSPICE die numerischen Berechnungen komplex durchführt, stehen der Realteil
und Imaginärteil getrennt zur Verfügung. Durch die Funktionen IMG (=Imaginärteil) und R
(=Realteil) kann PROBE auf diese Werte zugreifen.

Für die Darstellung der Ortskurve wählt man als unabhängige Variable den Realteil. Der Ima-
ginärteil wird als abhängige Variable dargestellt.

Syntax Bedeutung Beispiel

IMG( <math. Ausdruck> ) Imaginärteil berechnen IMG( V(2) / V(1) )


R( <math. Ausdruck> ) Realteil berechnen R( V(2) / V(1) )

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Zu beachten ist, daß die Ortskurve in einem linearen Diagramm dargestellt wird, d.h. die X-
Achse wie auch die Y-Achse müssen linear skaliert sein.

Abbildung 5.20: Ortskurve

5.3.4 Komplexer Eingangswiderstand (Funktionen M und ABS)


Der komplexe Widerstand Z berechnet sich als Quotient aus der komplexen Eingangsspannung
U q und dem komplexen Gesamtstrom I . Möchte man anstelle des komplexen Widerstandes
nur den Betrag darstellen, so bietet PROBE die Funktionen M bzw. ABS an. Diese berechnen
nach folgender Formel den Betrag der Größe und stellen ihn dar.

2 2
X = ( Re { X } ) + ( Im { X } )

Syntax Bedeutung Beispiel

M( <math. Ausdruck> ) Betrag berechnen M( V(2) / V(1) )


ABS( <math. Ausdruck> ) Betrag berechnen ABS( V(2) / V(1) )

Abbildung 5.21 zeigt den Imaginärteil, den Realteil und den Betrag des komplexen Eingangs-
widerstandes der Schaltung.

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Abbildung 5.21: Komplexer Eingangswiderstand

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6 Beispiel 2 - RLC-Reihenschwingkreis

Im zweiten Beispiel soll ein RLC-Reihenschwingkreis mit Hilfe von ORCAD CAPTURE unter-
sucht werden. Abbildung 6.1 zeigt den Schaltplan mit Angabe der entsprechenden Bauteilewer-
ten. Ziel ist es, die zeitlichen Verläufe der Spannungen und Ströme darzustellen. Weiterhin soll
eine Parameterschar der Kondensatorspannung dargestellt werden, mit dem Widerstandswert
R1 als Scharparameter. Außerdem soll das Zeit- und Frequenzverhalten bei sinusförmiger Ein-
gangsspannung simuliert werden.

UR

UQ UL

UC

Abbildung 6.1: RLC-Reihenschwingkreis mit Quelle VPULSE

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6.1 Zeitverhalten beim Einschaltvorgang


Die Simulation wird mit den in Tabelle 6.1 aufgelisteten Bauteilewerte durchgeführt.

Bauteil Attribut Wert

R R 10 Ω
C C 12.5 µF
L L 5 mH
VPULSE DC
AC
V1 0V
V2 10 V
TD 1 ms
TR 0 ms
TF 0 ms
PW 10 ms
PER 20 ms
Tabelle 6.1: Bauteilwerte

6.1.1 Zeitliche Verläufe der Spannungen und Ströme


Um die zeitlichen Verläufe der Teilspannungen und des Stromes darstellen zu können, wird die
Analyseart TIME DOMAIN (TRANSIENT) ausgewählt und folgende Parameter eingestellt:

Simulationsart Attribut Wert

Time Domain (Transient) Start saving data after 20 ns


Run to time 10 ms
Maximum step size 10 µs
Tabelle 6.2: Simulationsart / Simulationsparameter

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Spannungsverlauf

Abbildung 6.2: Spannungsverlauf während des Einschaltvorganges

Stromverlauf

Abbildung 6.3: Stromverlauf während des Einschaltvorganges

6.1.2 Kurvenschar der Spannungen (Parametric-Analysis)


Mit Hilfe der Parametric-Analyse ist es möglich ein "variables Bauteil" einzufügen. Durch diese
Simulationsart läßt sich z.B. der Einfluß von Bauteiltoleranzen simulieren. Als Ergebnis erhält
man eine Kurvenschar mit dem gewählten Bauteilwert als Scharparameter.

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In diesem Beispiel soll der Widerstandswert R im Bereich von 5Ω bis 50Ω in Schritten von 5Ω
variiert werden.

Zuerst wird in ORCAD CAPTURE der Bauteilwert von dem Widerstand R1 durch einen Varia-
blenbezeichner ersetzt. Im Beispiel wird der Namen RVAR angegeben. Anschließend wird aus
der Bibliothek SPECIAL das "Bauelement" PARAM ausgewählt. In den Einstellungen hierzu fügt
man einen neuen Bauteilparameter durch anklicken des Buttons NEW hinzu. Im erscheinenden
Dialogfenster trägt man im Textfeld PROPERTY NAME den gewählten Variablennamen RVAR
ein.

Abbildung 6.4: Add New Property

Auf der Registerkarte PORTS im Fenster PROPERTY-EDITOR wird der neu erstellte Bauteilpara-
meter aufgelistet. Diesem Parameter muß jetzt ein Default-Bauteilwert zugeordnet werden.
Abbildung 6.5 zeigt ein Param-Bauteil mit einem neu hinzugefügten Bauteilparameter RVAR
mit einem Defaultwert von 10Ω. Maximal können drei Parameter pro Param-Bauteil definiert
werden.

Abbildung 6.5: Property-Editor

In den Simulationseinstellungen muß nun noch der Punkt PARAMETRIC SWEEP ausgewählt wer-

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den. Abbildung 6.6 zeigt das zugehörige Dialogfenster mit den entsprechenden Eintragungen.

Abbildung 6.6: Simulationseinstellungen für Parameter-Analyse

Nach erfolgreicher Simulation wird automatisch PROBE gestartet. In einer Liste werden alle Er-
gebnisse für jeden Simulationsdurchlauf aufgelistet. Durch Anklicken lassen sich die ge-
wünschten Simulationsergebnisse in PROBE übernehmen. Standardmäßig sind alle Einträge
markiert, und durch Linksklick auf den OK-Button übernimmt PROBE alle Ergebnisse.

Abbildung 6.7: Parameterergebnisse auswählen

Abbildung 6.8 zeigt den Spannungsverlauf am Kondensator bei Variation des Widerstandswer-
tes R1 zwischen 5Ω und 50Ω in 5Ω Schritten.

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Abbildung 6.8: Kondensatorspannung als Kurvenschar

6.2 Zeitverhalten bei sinusförmiger Eingangsgröße


Zur Untersuchung des zeitlichen Verhaltens bei sinusförmiger Eingangsspannung wird die
Pulsspannungsquelle durch die sinusförmige Spannungsquelle VSIN ersetzt (vgl. Tabelle 6.3).

UR

UL

UQ
UC

Abbildung 6.9: RLC-Reihenschwingkreis mit Quelle VSIN

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Bauteil Attribut Wert

R R 10 Ω
C C 12.5 µF
L L 5 mH
VSIN DC
AC
VOFF 0V
VAMPL 10 V
FREQ 1000 Hz
TD
DF
PHASE
Tabelle 6.3: Bauteilewerte

Simulationsart Attribut Wert

Time Domain (Transient) Start saving data after 20 ns


Run to time 10 ms
Maximum step size 10 µs
Tabelle 6.4: Simulationsart / Simulationsparameter

Zeitliche Verläufe von uR(t) uL(t), uC(t) und i(t)

In Abbildung 6.10 sind die Spannungsverläufe an den Bauelementen, sowie die Eingangsspan-
nung dargestellt. Deutlich zu erkennen ist das Einschwingverhalten der Schaltung, sowie die
Phasenverschiebungen der einzelnen Teilspannungen.

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Abbildung 6.10: Spannungs- und Stromverläufe bei sinusförmiger Anregung

Ausschnittsvergrößerung im eingeschwungenen Zustand

Abbildung 6.11: Ausschnittvergrößerung

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6.3 Frequenzverhalten bei sinusförmiger Eingangsspannung


Die im Kapitel 6.2 gewählten Bauteilewerte können in diesem Abschnitt beibehalten werden.
Als Simulationsart wird die AC-Analyse gewählt. Die zugehörigen Simulationsparameter sind
in Tabelle 6.5 aufgeführt.

Bauteil Attribut Wert

R R 10 Ω
C C 12.5 µF
L L 5 mH
VSIN DC
AC 10 V
VOFF 0V
VAMPL 10 V
FREQ 1000 Hz
TD
DF
PHASE
Tabelle 6.5: Bauteilewerte

Simulationsart Attribut Wert

AC AC Sweep Type Decade


Points./Decade 101
Start Frequency 10 Hz
End Frequency 10 kHz
Tabelle 6.6: Simulationsart / Simulationsparameter

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RLC-Glied als Tiefpaß

Abbildung 6.12: Bodediagramm - RLC-Glied als Tiefpaß

RLC-Glied als Hochpaß

Abbildung 6.13: Bodediagramm - RLC-Glied als Hochpaß

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RLC-Glied als Bandpaß

Abbildung 6.14: Bodediagramm - RLC-Glied als Bandpaß

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Anhang
Die wichtigsten Bauelemente

Ohmscher Widerstand R

Bauteil PSPICE - Namen Einheit

Ohmscher Widerstand R Ohm

Kondensator C

Bauteil PSPICE - Namen Einheit

Kondensator C C Farad

Spule L

Bauteil PSPICE - Namen Einheit

Spule (ideal) L Henry

Gleichspannungsquelle VDC

Bauteil PSPICE - Namen Einheit

Gleichspannungsquelle VDC Volt

Sinusspannungsquelle VSIN

Bauteil PSpice - Namen Einheit

Sinusspannungsquelle VSIN Volt / Hertz

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Größenordnungen

Größenordnung PSPICE - Name Exponent

Tera T E12
Giga G E9
Mega MEG E6
Kilo K E3
Milli M E-3
Mikro U E-6
Nano N E-9
Piko P E-12
Femto F E-15

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Mathematische Funktionen

Funktion Beschreibung

ABS(x) Betrag
SGN(x) Signumfunktion
SQRT(x) Quadratwurzel
EXP(x) Exponent
LOG(x) Logarithmus zur Basis e
LOG10(x) Logarithmus zur Basis 10
M(x) Magnitude (Größe)
P(x) Phase in Grad
R(x) Realteil einer komplexen Größe
IMG(x) Imaginärteil einer komplexen Größe
G(x) Gruppenlaufzeit in Sekunden
PWR(x,y) Betrag von x hoch y
SIN(x) Sinus von x im Bogenmaß
COS(x) Cosinus von x im Bogenmaß
TAN(x) Tangens von x im Bogenmaß
ATAN(x) Cotangens von x im Bogenmaß
D(x) Ableitung von x nach der Abszissenvariablen
S(x) Integral von x über dem Bereich der Abszissenvariablen
AVG(x) Mittelwert von x über dem Bereich der Abszissenvariablen
AVG(x,d) Mittelwert (von x-d bis x) über dem Bereich der Abszissenvariablen
RMS(x) Effektivwert (Root - Mean - Square) von x
DB(x) Betrag in dB (dezibel)
MIN(x) Minimalwert von x
MAX(x) Maximalwert von x

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