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Ar)()i.K Erwan II. Ulrich Wii.<'kkn : Die NauUratisstele. 12i

Die Naiikratisstele.
Von Adolk Kkwan und Tlhich Wilckkn.

Kommentar von Adolf Erman.

1/ci- präclitii^c |)('iil<stcin des Nrkt;uirliiis . der uiil;inns( zu N;uikr;itis ncriiinlcn


ist. ist \(in (». Maspero in den ('(»miitcs rciidus de l'Ac. des Iiiscr. ]S!)!) nli-

ii('l)ild('t und in seinem Ilniiptinlialt ,iicwfir<li.i;i woi'dcn. Icli will hier \ crsiiclien,

<lii' nicrkwürdi^r Inschrii't ;iucli im cinzolncn zu ci'klärcn. ('iiminl um eine


(;rundi;ii;c l'ür Wn.CKENs u;ichsteliond(» Untfi-suclnun;' zu iiclicn. sodnnn filier

;nicli. weil es wii'klieli ein int(>r<>ss;intes Sjiiel ist. di(> Ixiitse! zu lr)sen, die
dieser IIiei-i)i;i';nuin;it des 4. .Inlirliuuderts nusuchecdvl linf. leli drücke uiicli ;ili-

siehtlieli so aus. denn das rein Willkürli(die \i(d(n' dieser Sehreihuu.n'en lie^'t

MuC der Uniul. In dem Bestreiken. m<),niielist ;dt('rtrnnli(di zu sclireilien. hat


sicli der Sclireilier Miiii^'c wie ^ <c:r> l'ür -^^^ . I' '
füi' 1
j]
u. s. w. erfunden,
ilie man aucdi /u I\Ienes Zeit so nicht ^'eschriehen hallen wii-d. um von so

widersinniiicn Dingen wie für | oih'r 5n l'ür X ^ß* uanz zu


schweiii'en. Icii kaiui uiir daher aucli nifdil (h'id^en. dal's diese Ins(du'iri für die
priesterhclien Zeit.^'enossen ihres Vert'ei-ti.^'ers j^latt h\sbar gew(!sen sei . mochten
diese aucli noch so sehr an derartisj'e Kunststücke gewöhnt sein. Aher gerade
das wird auch liezwcckt t^'eweseu sein: was au heihnei' Stätte aul'u'estelM wurile.
sollic i.;eheiumis\ 1)1! sein und luu' den tidehrlesten I'riestern verständlich. I )a

ich nicht lieliau|ite. zu diesen \\ eisen zu iieliTiren . so darf ich auch wnid auf
\a(disicht rechnen, wenn ich einzelnes falsch \erslandeu uinl niauches uun'e-
deiitet ii'plassen halie.

A. Datum.

O -^ lon o
: 111.= ,111-

om ¥(S.a fö:
Jahr I. im '>. Simiiiirniioiial. cnn /.'>. T(i(/r lüifrr (Irr MajeMöl d/'s llonis: ». . . .«.

di'.^ Hrrrn der Diadnnr: ^••dcr den beiden Lmulern iij»hllliut'^^ des (Inldhonis: ^ukr timt,

nxis die Götter liehen.«, des Königs, von Olier- und J^ntrr- At/i/pten «('lieper-ke-re''«

des Hohnes des Jie<' ^^Nektanelmsi-.

') So, uririchtip; j^e.stplit , wie das in dieser Zeit oft j;escliielil.

Zeitsrhr. f. Äsypt. Spr. XXXVIII. Han.l. llmn. l'H


128 Adiii I- Krsian II. Ui.hk II Will kkn: Die Naiikratisstele. |
XXW'III. liniic!

B. Der König als Liehliiii? der Neitli.

yQ I I
1^

Der (ßde Gott, der Teil des Re<^ der Erbe der Neitli. s/r .... seine Majestät an
der Spitze der beiden Länder^ sie hat ihn zum Herrseher licidrr Länder gemacht^ sie

hat ihren Kopfschmuck auf sein Haupt gesetzt^ sie spirrt ih)n die Herzeti der Menschen
ein(?), sie .... ihm die Herzen der Menschen^ sie vernichtet alle seine Feinde.

I)as°(] ist -ewils Oo(j^. Die Sclireilnin«-


|) J für "^ auch in 0. Von
ilcii \'ci-lM'n (Irr drei letzten Sätze ist ^x^ gewils htm und J— hnr; '^ kann
icli nielit deuten.

C. Der König als Schützer Ägyptens.

\7

1 1 I I

c^

AA»AA I I 1

Er, der starke König, drr Agt/pten schül2t['^). die Mauer, die die . . . Ägyptens
rettet, grnfs an Ruhm. I hat ig mit den Ariueii. Herr des Siehelsehn-ertes ; /itit ....
Herzeiij n-enn er seine Feinde erblickt Jmt . der die Herzen der Elenden abschneidet
und iDohlthut dem, der ihm treu Ust, so dafs sie bis in den Tag .schlafen, indem ihre

Herzen voll sind von seinen Wunderthaten der alle Uinder grünen
macht, wenn er aufgeht und gesund mneht den. der seine Speise hat (i); jedes Antlitz
rerhiillt sich, wenn es auf ihn blickt, als iräre er Re''. iren/i er im Horizont aufgeht.
Seine Liebe grünt in allen Leü)ern, seine Schönheit L^t Leben für{?) die Leiher.
Bei ^ rate ich auf mk »schützen« (vergl. Pikiil. Proc. XIII. 245); der
l>arallele Vers wird nhm tnb enthalten. Was il;inii lnli;t . siejit in gewölndieliei'
Ortliograj)hic so aus:

<3> 7j fl T I -CO::^ i<^ w,^ Vv


J^ ^^ X I
^'5^^ I I I

•) Wie ein © oder ©. =) Wolil niclil


"f\ . ') Wie .-;.
Addi.i- Human ii. Tihk ii Wii.ckkn : Die Natikratisslelc. 129

"""'^'
IP.T.^fe •
1

Des Wfit.Tcn ist


fl ^
^^3- üvwils
pp j|"|. ^(j 'st
|(j
und ü^ ist
^
D. l)('i' KüiiiiJ' soryt l'ü 1' die (i(")Uc-r.

Dif GötlfT freuten sich über Um . (i/s sir ihn <ji\sf]t.f'n liatlcn. dir wacht, im /cm
er Gutes für ihre Heiliytii/ncr sucht, der ihre Priester indem er sie um
Rat frayt l>ei jeder Amjeleycnheit des Tempels. Der speiu/cf. irenn sie es sa(/en{?)^

(il)ir iuul) treu (Inf dmi Wcye des Gottcs(?). der ihre Häuser mauert

and ihre Mauern baut, der ihren Opferstein )nit Speise rersieht und ihre Geräte riel

muclit. der Zuwuclis^^) an allen Dingen bereitet.

?§mmm isl iiMlürlich Qß p^%^ ^^-^ : das wi dalnntcr stellt, wie so ul't im

Dann tb^t
Neuägypt., fu,-M (ü).
T'"'' 1 ! f !,T,T t '^' iT,^,"=P^
^=7 ^in<s>.®^®^'^^. Im n.l.nviidei. ist M.M-Ii "2" tur "] hemerkens-

wert: dieselbe Sehreibuiim' kelirt in II wieder.

E. Der Reielitvim des Küni^'s.

TK^^rr: ^^^z^c "irvs^K k^z

Der einziij wunder reiche Gott, dem die Strahlen der Sonne dienen^ die Berye
sagen ihn, tvas in ihnen ist und das Meer yicht ihm sein Nafs, die Wmfen brinyen(?)

ihm ihre Speise, er zähmt i^^) ihre Antilopen in ihren TMlern.


Die 1^(1^'^^ sind wohl sielier die "^ ^1'^"^- ''''^ Fol«-eiide snli sein:

'-»
^z-»"^,ikPZ,^oir'^^r-- ('"r,

') Das Zeiclieii Ijestelit iin Original ans dein \J und drei 1).

18*
11^0 Adolf Erhan u. Ulrich Wilcken: Die Naukratisstele. [XXXVIll. Band.

vom Wilde brauchen kann, ist mir sonst nicht bekannt: (In h ist natürlich

1 /vw^^ I I I

F. Kröimnn' des Königs.

Seiiw Majestät icurd im Palast ron Sa'is gekrönt und begab sir/i in ihit 'JV/iij/c/

der Neith, der König wurde in den Teinprl der Neilli eingeführt , indem er mit der
roten Krone glänzte neben seiner Mutter, /mm braclite ihm ['i) seinen (io/dkran:(?),

. . . die Gal>e des Tempels der Neith dar.


Bei der feierliclicii Kiiit'ühruiii;' in (h'u Tempel spendet oder erhält der neue

König ^ FS^. Man denkt unwillkürlich an die ^ '. den »Cioldkranz«,


den die Tempel dem neuen Könipe in gTieehiseher Zeit schenkten. Ist diese
\'erniutunu' i-ielitiii'. so ist lüese Sitte, ülier die jetzt ANin ken (üstraka 11. 2!t5fV.)

aust'üiirlich _ü-eiiandelt hat. nicht erst von den Ptolemäern nach Ägypten gebracht.

G. Die Schenkung.

sie 4

Z-^MU,?,-!^ -IfsrT^-^^SZö-^kä

12
I 1 G ^^."pyiTiiÄ.^ k"
,-
l°11~1, ,

') So geschrieben in il.-r Pillionistele (ÄZ. I.s91, .S. 8(i).

') ^'ielleicht fehlt hier ein q »Teil., vergl. Z. 10.


') So gestellt Q~^21 ^° •^^'>* " ^'^ Wort fiir sich .sein dürfte.

'

') Unrichtig für © — ^ I


' , wie unten steht. Demnach wird

K\ ®. in Zusammensetzuns'en etwa naii- irelautet hal)en.


1!IIHI.| AuoLK Kkman u. lIi.KKii Wii.ckkn: Die NaiiUi'alisstele. 131

Seinp Majestät sagte: Man gehe ein Zehntel von dem Gold und dem Silber und
dem Hol: und dem Zimmerwerk^) und allem anderen, iras ram (jricchisrhcu Meer
herkommt, von jedem , das man versteuert {?)_, an den Fisku^s in der Stadt,

dir Hnwt-hnt heij'st, soivie ein Zehntel von dem Gold und dem Silber und allem,
ifds in Pi-emro, (jenaiiiU \Nau\h'atiSj, am Uj'rr des ''iiw- Flusses, pnidicirrl ivird,

was man an den Fiskus versteuert ('^] , au das OpJ'eryut tneiner Mutter Neith bis in

alle Ewigkeit hi/iCH :u dem, was bisher darin war, und man mache von ihnen:
I Ochsen. I . . . . Gans. '>
Krug Wein als dauerndes tägliches Opfer. Die Überweisung
davon (erfolgt.'') an den Sch(dz meiner Mutter Neith, dieioeil sie die Herrin des Meeres
ist, und sie es ist, die seine Nahru/ig giebt.

\\';is der König dem Neithtciiipel stdieidvt. ist i;cwiss:

1. dir Zelinte, der im Hai'cii Hnwt-hnt von allem vom gricichi.sclicii

^li'cr her Iiii])oi'tici'trii erhoben wird.


2. der Zelinte. der in Nankratis \(hi allem dort Fal)ri/.ierlen erhoben wii-d.
Aber so lest ich \iin der j-vielit ii^keit dieser Auflassuni;' überzeugt bin. so
wenig will ieli \('rliehlen, dals iU'v ägyptische Ausdruck uiid<'utlich genug ist.

Dafs der Relativsat. j;.^|(lj^. ^.^|flj^^_ das pluralische Suftix

dei- jungen Sjirache entliält (eToy*gocfeo'!)'), ist klar. .Alan dail' diesen Relativ-

satz also nicht an »ein Zehnt(d" ankiu'ipt'en: er mul's sicdi vielmehr au die im-
l)oi;tiertcn imkI fabrizierten Gegenstände anknü]ifen, und hsb wird denuiach hier
etwa »versteuern" bedeuten. Eine weitere S(divvierigkeit liegt in dem H \\\\ ,

was doch nicht wohl dem gleichgesetzt werden darf: J\I.\si'i;kos Vorschlag,

es mit diMiit de [leage zu übersetzen, erscheint mir wahi'scheinlieii.


Auch der Ausdruck l'ür ein Zehntel, der wohl lieidemal of) zu lesen

ist. ist nur so nicht bekannt: man erwartet -. , wie ja der Zehnte auch ko[)tisch
noch .pcMHT heil'st."")

Endlich liegt eine kleine Schwierigkeit in der Stellung iU'v Ortsangabe in

Zeile 1): "Von allem, was vom griechischen Meere einkoinmt . von jedem /.s(;.

das man an den P'iskus versteuert in der Stadt IJ/iirt- h/if« . (Jenieint ist gevvils.

dals auch die Im])ortiertnig in dieser Stadl erlblgl . während nach dem W'oi't-

laut dort nur die Versteuerung statthätte.


Den (irund aller dieser buk larlieiten braucht man wohl nicht lauge zu

suchen: die Spi-achkennt nisse des llierogrammaten reichten aus. solange es

sich um die übliche Schilderung der königlichen Macht u. ä. handelte, aber


nni von Steuern und Z(jllen in alter Sprache zu reden, dazu l'ehlleu ihm die

Vorbilder, mnl das gelang nur halb.

') Rohes Holz und verarbeitetes.

-) r)a.s bühairische Präfix &.n- (Stkrn § 175), da.s vor ZaiilwiMteni st(;lit, fi;f}d gevvils auf

ein I
ziirücli. doch hMvl es Kolleiuiv a (Zt-lmiieit) und i>als(, dt-sbalt) liier nicht.
\'.\'2 Anoi.K Erman u. Ulrich Wiloken: Die Naukratisstele. [XXXVIII. Bancl.

Im einzelnen ist noch zu hemerken: In der Aufzählung der Opfer ist das

I oliiif Zwcit'fl niclit /u lesen, denn wenn täi;lich ein Ochse ij-eselilnelitet wird,

s(,> ist das ja sehuii ein sehr ansehnliehes Geschenk. Andererseits gehört aber zu
dem Ocliisen wohl mehr als eine (xans. und man muls daher vielleicht in dem C3

hier irgeuil eine Zahlliexeichnung sehen, während ^^ sonst in den (>|iferlisten

wohl die Mastgans lie/eiehnet.

Der Sehlulssatz . in dem mir die Auflassung des 1[|d[|(1 unklar ist.

besagt, dal's Neiili als die Herrin des Meeres aiu-li auf dessen »Nahrung", d.h.
den von ihm erzielten tiewimi. ein Anrecht hat: man sieht also, dafs es Al>sicht

ist, dafs ihr gerade die .Steuern von den griechischen Schitfeu und griecluscheu
Falirikeu zutliefsen sollen, hh kann daher nicht umhin, in dieser Spende des
Nektanehus eine jtolitische. antigriechische Mafsregel zu sehen. Die Priester-
sehatt der Neith mochte über die Begünstigung der unreinen (kriechen besonders
aufgebracht sein, imd Nektanebus, der seiner jungen Herrschaft den Beistand
der vornelimsten (Teistlichkeit sichern mufste. grift' nun zu dem Mittel, ihr die
Zehnlen. soweit sie von den Griechen erliolicn Avurden. zu überlassen.

H. Zusatzbest i m m u n g.

. . . befehlen .... schützen und heuu ihren das Opfen/ut meiner Mutter Neith, (die

Din(/e(?) festzustellen

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ist, so wild das Zeichen dahinter hier die Neith bedeuten sollen. In '^. ö
^ooöj .sehe ich
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J. Aufstellung des Denksteins.

^(3EI¥(o:s£]f^ rAfTSlTPl
Seine Majestät sagte {weiter): Man verewige dieses (die eben gesagte Verfügung)
auf dieser (sie) Slele_, die man nach Naukratis am Ufer des ^nw- Flusses setzt. Möge
man meiner Güte bis in Ewigkeit gedenkoi (durch Gebete?) für das Heil des Königs
Nektanebus^ dumit er mit Leiten u. s. w. Iteschenkt werde wie Re, ewiglich.
I'.'IM'.| Adolk Krman u. Ur.HitH Wii.ckrn: Die Nniikratisstele. 133

(]<=.[jf\^ '=''*^^— '"* DciiK.iistnitiv '//'' ]m


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'^1 ('^^'''•'-''- ^' '*=''' in

ist iiiclil yniiz Idiiiscli, da die Stele ja nocli nicht crriclitcl war. als der K(">nii;'

diese Worte spracli.

Das llauptcxrinplar dci- Stele wii-d i;-ewi(s in Sais im Teniiiel der Xeitli

licstanden liahen. je ein amleres in Naukratis und Hnwt-hnl, un die Steuern


zu ei-lielie]i wari'ii.

Die Steuern.
\'()n Ui.incn A\ ii,( kei\.

i 'ie von P^kman') im vorstehenden inter[>retier(e Inselirift von Naukratis er-

innert inieh an eine Aufhalte der fiilseldieh unter Aristoteles" Namen gehenden
Oeeonomiea. Unter den zalilreiehen vom ägvi)tisehen Könif;' 'Volwq auf Anraten
des Atheners ('hahrias ein.fjcführten neuen Steuern ])eg-egnet daselbst") au(di

fnlgende: ol—o tujv tt'agiwv ts y.ui ipyuiTTYiptwv xai twv ocAAjji/ tivu ipyci,(Ti(X,v iyjtvjwv Trji;

ifyaiylui ws'pcs ro SixctTov y.e'/.evcrcci ä.TTorsX€iv. Trotz der hei diesem tlüchtigeii Skri-
Iteiiten nicht überraschenden Inkonzinnität des Aiisdrueks^) — verul. die Koor-
dination der Steuerobjekte (irXoioL und spyciTTYipici) und di'r Steuersubjekte (oi . . .

s'/jOvTEi,-) — ist der Sinn im ganzen nicht zw eifelhal't. Der Verfasser unterscheidet :

1. eine zelinprozentige Steuer-, die \(>n den SchilTeu erhoben wird.


2^ eine gleichtalls zelinprozentige Steuer. <lie

a) von falirikmälsigem IIandwerksl)etriebe (ä-o ep-yctiTYiplu.'v).

h) von nicht fabrikmäCsigem Retriebe (oiine ipyxTTYipioc) . denn das soll

wohl (las iud\lare rwv u?J.yiv nvot, hya.T\.civ r/ji\nu)v heilsen.

iM'lioben wird.
Die allgeineine Ähnlichkeit- dieser Angaben mit der Stele von Nauki'atis
.s]iringl in die Augen. Die zelinprozentige Gewerbesteuer wird mau ohne He-

denken mit der ebenso hohen Steuer »von dem. was (in Naukratis) labriziert
wiril". identifizieren dürfen. Dagegen zeigt sich bei der SchifTssteuer eine Diffe-

renz: nach dem ägyptiscdien 'IVxt .scheint eine zelinprozentige Hesteiieriing aller
vom griechi.sehen ^leere eingeführten Waren, also ein Einfuhrzoll, dei- au den

Nilmündungen erhoben wurde, gemeint zu sein: nach dem griechischen aber soll

der zehnte Teil der £fi7a(j-iÄ. d.h. des Ertrages der -Äoisc. erhoben werden, was

') Die Behandlung der Stele durch JNIaspero ist mir nicht zugänglich.
^) 112. 2.5 p. 1351o, 10 ff. Vergl. hierzu Griech. O.straka I, S. 329.

')Sonne, Genethliacon Gottingen.se (mir jetzt nicht zugänglich) will emendieren: nno riv
ir/.oiK'i' T£ -Acii ipyceTTijprM' y.cci TOf cOXriv twh i^rcTutu 'sy^ovTct r?? I^yari«? u.i^o<; xt}.. Das ist al)-
zulehnen, denn es würde heilsen, dafs von SciiilTen und WciUstätten auch dcrjenigf 10 Prozent
zahlen soll, der einen anderen Betrieh iirilic
i;{4 Aiiiii.K Krman u. l'i.Rii II Wii.cKKN : Die NauUratissIclo. |X\\\'11I. Hand.

etwa auf eine Besteuenme: der mvy.Xripoi hinauskämet. Trotz dieser Differenz ist

es mir mclir als walirsc]i(-iiilicli. «Inl's licidc Tcxti^ dicscllicii Steuern meinen, zumal
diese l)eiden Er\vä]nuin,Q;en . l)eim Grieelien mid heim As;y])(er. elininoloü^iseli sieh

uumittelhar foltjen (s. unten). Da der jrrieehiselie Verfasser als ein liederlielier
Ar1>eiter heknnnt i>t . andererseits alier aucli dem Ai;y])t(''r die präzise Rezeicli-

min.e: dieser ])inu<' olV(>idiar Sehwieriükeiten uiaclil . so kami man dem einen
wie dem anderen eine schiefe Besehreihunu' der hetrefVenden Steuer zuti-auen.

Das Detail alier, das der Ägypter giebt, spricht wohl zu Gmisten seiner Dar-
stellung, imd so möchte ich eher glauben, dafs der Grieclie aus Flüchtigkeit
oder Denkfaulheit die SeliilTssteu(>r und die Gewerbesteuer in einen Topf ge-
worfen und irrtümlich auch jene zu einer Besteuerung der ipy!X.iTia. gemacht hat.

Unter d<'r ^'oraussetzung, dafs die Stele von Naukratis auf dieselben Steuern
Bezug nimmt, die die Oeconomica 1. c erwähnen, würden sleli die Dinge
historiseli folgi'mh'ruiafsen zugetragen haben:
Etwa im Jahre H(i2/H61 v. Chr."). als Taös gegen Persien rüstete. I'ülirte

er auf Rat des Gliabrias unter anderem die beiden zehnprozentigen Steuern ein.

Dafs es vorher noch keinen EinfidirzoU an der Deltaküste und keine Gewerbe-
steuer in .\gypten gegeben haben sollte, ist unwahrscheinlicli : vermutlieh wurde
damals nur die (^^uote auf ein Zehntel erliöht^). Nach einigen 3Ionaten schon
hraeli die Ilenliehkeit des Taos zusannnen. und sein Nachfolger, der Usurpator
Nektanebus II., fand unter anderem diese beiden Steuern als regelmäfsig(> Kin-

nalnnen seiner Staatskasse vor. Nachdem er aus Syrien, wo er kommandiert


hatte, zurückgekehrt und in Sais, wie es scheint, noch im Herbst'SBl^) gekrönt
wai'. überwies er der Neilh von Sa'is als (opferst iftung") einen Teil der Erträge
jener l)eiden Steuern, nämlich von den Einfuhrzöllen die von Hnict-hnt und
von «h'u auf das ganze Land gelegten Gewerbesteuern die von Naukratis. Die
liald darauf ausbi'ecjienden Kämpfe gpgen einen Prätendenten in l\Iendes zeigen,

<lafs er alle \'eranlassung hatte, seinen jungen Thron durch die (Geistlichkeit

zu stützen'"). Dafs er gerade die von Ausländern zu entrichtenden Steuern stnner


Schutzjiatronin zuwendete, habe auch ich anfangs wie Erman als Austhifs einer

»nationalen« Politik deuten wollen, bin aber wieder zweifelnd gewoi'den ange-
sichts der Thatsache, dafs Nektane1)us sicii damals ebenso wie um die Svui-

') Oder, wie Boeckh, Staatshaiish. d. Atli. 1\ S. H96 e.s fafst, -eine Kitikonimensteuer von
zehn vom Hundert von den Schiffern».
')Zur Chronologie vergl. W. .Iudeich, Kleinasiatische Studien 1892.
')Über die zum Teil viel höheren (zu 2.5 Prozent) Einfuhrzölle der ptolem'aischen Zeit vergl.
meine üriecli. Ostraka 1 S. 398 f. ,

*) Vorausgesetzt, dafs er 361 .schon so früh zur Regierung kam, dafs er das von Taös an-
gefangene Regierung.sjahr (21. November 362 bis 20. November 361) als sein erstes weiterzahlen
konnte. Der Stein stammt aus den letzten Tagen des ersten Jahres.
') Kbenso wird imter Philadelphos die «jto/xoi^« der neuen Göttin it'>.ähc>.ipoc übertragen sie tyv
^xjTinv xcti Tfv n:cvhrv (P. Rev. 36, 10). Dem entsprechen hier die Ochsen, Gänse und der Wein.
') .Uinlicli verfährt Ptolcniaios, des Lagos Sohn, im .lahre 311 (vergl. die Satrai)eiistele).
Adiii.k KnjiAN II. Ui.iju II Wii.UvKN : l)ic N;iiiUr:ilis.sli'lf. 135

|i;itlii('ii der Priester aiicli um die ünterstüt/tinc: der Grieelieii bewarli (verc:l.

Irnricii S. !()()). Sein N'ornclicn ist iiiilcr (iicscii NCriiältiiisscii ;ils sclir (ii|)li)-

ni;iti>cli zu lie/cicliiicii : den Neilli])rie.stcni innelilc n- liiircli 1 lirrwcisiini;'

lirr.-liii' (Ici- ü-riecllisclieil Steuern ,i;'e\vi(s eine lieNOiidere {•'reude. den i;fierliisr|ieu
Steueiv.nldern ;diei- l<oniite es zieuilieli ,i;l<'i'"lii;idt is;' sein, dit iiir (ield ;in den
Kfuiii;- iider den Teinjicl verreciiiiet \\urde.
Vi'w ilir ;iuT]ilis(die Steueru-escliielite jerneii wir dureli die iuseiiriil. iImIs

diese Steuern, dir l'.Mds in der I\rieusni>t ein^-efülirt iintte. Ilielll e|)|iriurr wie
seine KeLj'ieruiii;- waren, wie ieli nucli in Grlecli. ü.straiva 1, S. )}2'.) anuainn,
siindern ihn ül>erdauert lialieu.

Auch t'üi' die EeurteiluiiS' der Oeeononuea ist dei- nhigc Fund nicht nlnu'
Interesse: (l(>r ägyptisclie Stein (le(d<t zwar einerseits, wie uns s(diien, eine neue
Unklarlieit iu dem ij'riechiscdien Ausdru(d< auf (in IJezu^' auf die -?xlä.), liietet

sacldich al)er im S'anzeu ])etra(ditet doeh eine n|.^visse Bestätitiuiii;' (h's griechi-
schen Bericlites. Die (^)u(dle. ans der der \'erlasser die oliin'en .Vnn'alien H'e-

scliiijift hat, ist jedentalls aulsei'onh'ntlicli sacldvundig gewesen. Besonch'rs auf-


fällig ist, dafs ancli Pseudo- Arist()t<>les , wiewohl er docli aiudi anilei'e Steuern
des Taös aidzählt, gei'ade diese lieiden. (h'r»*u AhfüliiMiug, wie wir jetzt wissen,
sjiäler \u]{ Nektaueiius neu ycnrdnet worden ist. eni;' nnteinander N-erl)indet.

(iei-ade diesi' N'ei'iiindung hat ihn \iellei(dd dazu \crführt, auch die »SclnfVs-

ste'iier« t;ilse|ili(di als Ertragssteuer aufzufassen (s. olien). Man sieht sieh iiu-

w illküi'lieh nach einem LokalhislorikiT um. dei- wo mrnilich auch \on diesrr
•späteren i^enieiusanien Tinwandlunu' dri- liridcu Steuern Kunde nclialil liiitte.

Dafs ührigens die Heis])ielsanindnng uuserei- Oeconomica (H. Jalirlnuidert v. (dir.)

auf eine ältere zurückgeht, die scIkui liald nacli Alexanders Tode zusammen-
gestellt worden ist. werde i(di im Aiirilheft des Hermes (XXX\'l) zu zeigen
versuelien.

Der Berliner Papyrus 6619.


Von 11. SciiACK -S(!ia«mvi:nhurg
Hierzu 'lalVi IV.

I.

Auf 'l'af. S dei- Kahuner Papyri hat (iuuimi zum ersten .Male eine ;ig\ |i1 iselie

K'eehmuii;' \ci-rilVenI lieht . die unseren i'ein <|uadral isehen (deiehiiimcn enls|n-ielit :

dem gütigen Kntgegenkoimnen der ISerliuer .Musemnsverwaltiing verdanke iidi

die Möiiiichkeit . ein zweites Heispiid aus dem Berliner Papyrus ()()li) vorlegen
zu ki'innen.

Zeilschr. f. Äcjpt. Spr . XXXVIII. Band. 1000. 1^