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Münchner Wanderberge

50 Touren zwischen Füssen und Chiemgau

Siegfried Garnweidner

ROTHER WANDERBUCH
Vorwort Inhalt
Dieses Buch soll Ihnen richtig »Appetit« machen. Appetit auf spannende Vorwort 2
Klettersteige, gemütliche Hütteneinkehr, atemberaubende Gipfelerlebnisse
Allgemeine Hinweise 6
und eine Hochtour auf den höchsten deutschen Gipfel. Insgesamt 50 Rou-
ten werden Ihnen vorgestellt, und nicht bei einer einzigen soll Langeweile Geologie 8
aufkommen. Damit für jeden etwas dabei ist, beschränkt sich das Angebot
Pflanzenwelt 10
nicht auf reine Wanderungen. Auch die Bergfreunde der etwas »schärferen
Art« sollen auf ihre Kosten kommen. Wenn auch die Schwierigkeiten über Tierwelt 12
den ersten Grad nur in Ausnahmefällen hinausgehen und den zweiten Grad
nicht überschreiten, so sind doch An- und Abstiege vorgestellt, denen es an
einem gewissen »Nervenkitzel« nicht fehlt. Die meisten Touren sind übri- 1 Säuling, 2048 m
gens als Rundwanderungen beschrieben. An- und Abstiegsroute verlaufen Über das Säulinghaus 16
also auf verschiedenen Wegen, damit immer wieder neue Eindrücke und
2 Kreuzkopf, 1910 m
Erlebnisse auf uns zukommen können.
Über den Ochsenälpeleskopf 19
So unterschiedlich wie die beschriebenen Alpenbereiche, die als »Münchner
Wanderberge« anzusehen sind, also die Berge, die an einem Tag oder übers 3 Hochplatte, 2082 m
Wochenende von der Bayerischen Landeshauptstadt gut erreichbar sind, so Überschreitung von Linderhof 22
unterschiedlich sind auch die Anforderungen der einzelnen Touren. Neben
4 Klammspitze, 1924m
beschaulichen Bergwanderungen in den Ammergauer Alpen, im Ester-
Von Linderhof 25
gebirge, in den Kochelseebergen und im Mangfallgebirge mit ihren ausge-
dehnten Wäldern, lieblichen Almen und mitunter felsigen Gipfelhöhen, 5 Teufelstättkopf, 1758m
finden wir deutlich rassigere Routen in der Mieminger Kette, im Wetterstein Über das Äugust-Schuster-Haus 28
und im Karwendel. Die Brandenberger Alpen mit dem berühmten Rofan-
6 Kofel, 1342 m
gebirge liegen in der Schwierigkeit etwa dazwischen, und die Chiemgauer
Von Oberammergau über die Kolbenalm 31
Alpen lassen unsere Wanderarena nach Osten hin wieder beschaulich aus-
klingen. Bei fast allen Routen sind die Fußwege beschrieben, auch wenn 7 Ettaler Manndl, 1633m
bequeme Auf- und Abfahrten mit Bergbahnen möglich wären. Von Ettal über den Manndlweg 33
Außer den Wegbeschreibungen mit präzisen Angaben zum Routenverlauf
8 Frieder, 2050 m
finden Sie auch Anekdoten und Hintergrundinformationen. Der Diplom-
Über den Prinzregentensteig 35
geologe Dr. Ulrich Lagally erläutert die geologischen Zusammenhänge, der
Pflanzen- und Pilzexperte Edmund Garnweidner die Pflanzenwelt und der 9 Schellschlicht, 2053 m
Biologe Dr. Ulrich Glänzer die Tierwelt in den Münchner Wanderbergen. Überschreitung über den Hohen Brand 38
0 Wannig, 2493 m
Viel Spaß beim Wandern, Kraxeln und Erholen wünscht
Vom Fernpaß 40
Siegfried Garnweidner 1 Hohe Munde, 2 6 6 2 m
Von der Rauthhütte 42
2 Obere Wettersteinspitze, 2298m
Von Leutasch über den Franzosensteig 45
3 Schachenhaus und Meilerhütte, 2366m
Über den Schachenweg 48
4 Zugspitze, 2962 m
Durch das Höllental 52
5 Pleisenspitze, 2569m
Über die Pleisenhütte 57
3
16 Wörner, 2474m 35 Guffert, 2195 m
Über die Hochlandhütte 60 Von Steinberg 118
17 Soiernspitze, 2257 m 36 Halserspitze, 1863 m
Von Krün über die Schöttelkarspitze 64 Durch die Wolfsschlucht 121
18 Wank, 1780 m 37 Roß- und Buchstein, 1701m
Von Höfle 67 Über Sonnbergalm und Tegernseer Hütte 126
19 Krottenkopf, 2086m 38 Risserkogel, 1826m
Über Kuhflucht und Fricken 70 Über den Westgrat 130
20 Heimgarten, 1790m 39 Hirschberg, 1670m
Von Walchensee über den Herzogstand 73 Über die Rauheckalm 133
21 Jochberg, 1565 m 40 Fockenstein, 1564m
Vom Kesselberg 76 Über die Aueralm 136
22 Zwiesel, 1348m 41 Bodenschneid, 1669m
Vom Gasthaus Waldherr 78 Von der Monialm 139
23 Schönberg, 1620m 42 Schinder, 1808 m
Von Lenggries über das Seekarkreuz 81 Über die Trausnitzalm 143
24 Benediktenwand, 1800m 43 Hinteres Sonnwendjoch, 1986 m
Aus der Jachenau 84 Aus der Valepp 146
25 Demeljoch, 1924m 44 Rotwand, 1884 m
Über Schürpfeneck und Dürnbergjoch 88 Über die Wildfeldalm 149
26 Schafreuter, 2102 m 45 Breitenstein, 1622 m
Durch das Lecktal 91 Von Birkenstein über die Hubertushütte 152
27 Gamsjoch, 2452 m 46 Wendelstein, 1838 m
Aus der Eng 94 Vom Sudelfeld über die Lacherspitze 1 55
28 Juifen, 1988m 47 Trainsjoch, 1707m
Über die Falkenmoosalm 97 Über die Trockenbachalm 159
29 Mondscheinspitze, 2 1 0 6 m 48 Brünnstein, 1619m
Überschreitung von der Gernalm 100 Von Oberaudorf 162
30 Sonnjoch, 2457 m 49 Hochries, 1568 m
Aus dem Falzthurntal 103 Über die Seitenalm 165
31 Lamsenspitze, 2508 m 50 Hochgern, 1748m
Von der Gramaialm 105 Über das Hochgernhaus 168
32 Kotalmjoch, 2122 m
Vom Achenseehof über die Kotalm 109
Stichwortverzeichnis 172
33 Rofanspitze, 2259 m
Überschreitung von Steinberg nach Buchau 112
34 Kienberg, 1786m
Über die Jocheralm 116
4 5
Allgemeine Hinweise Anfahrt Tips für Bergwanderer
Die meisten Ausgangspunkte sind Mit Rücksicht auf die Umwelt in
Anforderungen Gefahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln er- Gruppen oder mit öffentlichen Ver-
Die meisten Wanderungen verlau- Obwohl die meisten Wanderungen reichbar. Manchmal jedoch ist die kehrsmitteln anreisen.
fen auf markierten Wegen und Pfa- dieses Führers gebahnten bzw. Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug Platzsparend und rücksichtsvoll
den. Dennoch sind vielfach Tritt- markierten Wegen oder Steigen fol- unerläßlich. Hinweise zur Anfahrt parken, gegebenenfalls um Erlaub-
sicherheit und Schwindelfreiheit er- gen, ist an einigen abrutschgefähr- erfolgen in der Kurzinfo. nis bitten.
forderlich. Länge und Höhenunter- deten Stellen erhöhte Vorsicht an- Markierte Wege nicht verlassen,
schiede vieler Wanderungen setzen gebracht. Dies gilt besonders bei Beste Wanderzeit Gatter schließen, an Zäunen den
eine entsprechende Kondition vor- Querung von Steilhängen oder In den Münchner Hausbergen kann Durchschlupf oder die »Hühnerlei-
aus. Um die jeweiligen Anforderun- hartgefrorenen Altschneefeldern man (fast) immer wandern, teilwei- ter« benutzen. Keine Steine los-
gen auf den ersten Blick besser ein- sowie im steinschlaggefährdeten se auch im Winter. Klassische Wan- treten.
schätzen zu können, werden die Gelände. Verschlechtert sich das derzeit ist natürlich der Herbst. Da- Abfall wieder ins Tal mitnehmen.
Wandervorschläge entsprechend Wetter auf einer Tour deutlich, so für haben im Hochsommer alle Hüt- Alle Pflanzen und Tiere respektie-
bewertet: ist Mut zur Umkehr erforderlich. Bei ten, Almwirtschaften und Berggast- ren.
Leicht Überforderung sollte man sich auch häuser geöffnet. Der Frühsommer Sonnseitige Touren frühzeitig be-
Diese Wanderwege sind gut mar- mit einem Teilziel zufriedengeben. ist die beste Jahreszeit für Blumen- ginnen und genügend Flüssigkeit
kiert, meistens ausreichend breit freunde. Touren, die sich auch für mitnehmen (keinen Alkohol!), kur-
und im Normalfall nur mäßig steil. Ausrüstung den Winter eignen, sind durch ein ze Rast nach zwei Stunden einle-
Sie erfordern kaum Bergerfahrung Feste Schuhe mit Profilsohle, stra- Symbol hervorgehoben - sie sind gen.
und können oft auch bei Schlecht- pazierfähige Hose sowie Rucksack erfahrenen und entsprechend aus- Wettervorhersagen und aktuelle
wetter verhältnismäßig gefahrlos mit Pullover, Regenschutz, Anorak gerüsteten Berggehern vorbehalten Wetterentwicklung beachten, ge-
begangen werden. und Tourenproviant (Wasserfla- und sollten nur während schneear- gebenenfalls rechtzeitig umkehren.
Mittel sche) sowie Verbandszeug werden mer und möglichst eisfreier Wetter- Sich nicht überfordern, bei gleich-
Diese Bergwanderwege sind in der empfohlen. perioden durchgeführt werden mäßigem Tempo nicht an der Lei-
Regel ausreichend markiert und (Lawinensituation beachten). stungsgrenze gehen.
teilweise schmal; einzelne Stellen Gehzeiten Teleskopstöcke sind, vor allem
können gesichert sein. Für die Bege- Die Zeitangaben sind zwar reichlich Kinder bergab, eine wertvolle Hilfe.
hung dieser Wege werden deshalb bemessen, enthalten jedoch nur die Man sollte den Nachwuchs weder Zu Hause bzw. im Quartier das ge-
Trittsicherheit und eine gute Kondi- reine Gehzeit. Als Faustregel gelten unter- noch überschätzen; Kinder plante Tourenziel angeben.
tion vorausgesetzt, an kurzen aus- etwa 400 Höhenmeter pro Stunde sind in der Regel wesentlich belast- Alpines Notsignal: 6 x pro Minute
gesetzten Passagen auch Schwin- im Aufstieg und 600 Höhenmeter barer, als (über-)vorsichtige Eltern akustisches oder optisches Signal
delfreiheit. Bergerfahrung und eine pro Stunde im Abstieg. glauben. Man muß sie aber auch (Rufen, Pfeifen, Winken, Blinken mit
passende Ausrüstung (z.B. festes begeistern können, ihre Phantasie Taschenlampe), und dies so lange,
Schuhwerk) sind nötig. Einkehr und Übernachtung anregen: Langeweile ist Gift für jede in Abständen von einer Minute, bis
Schwierig In der Kurzinfo werden alle an der Familienwanderung, Kinder lieben eine Antwort (Signal 3 x pro Minu-
Diese Wege und Steige, manchmal Wanderroute gelegenen Stütz- das Abenteuer! Wanderungen, die te) erfolgt.
markiert, manchmal aber auch punkte angeführt. Da die Öffnungs- für Familien mit Kindern empfohlen
weglose Routen, erfordern absolute zeiten außerhalb der Saison witte- werden können, sind durch ein Karten
Trittsicherheit und Schwindelfrei- rungsabhängig sind, empfiehlt es Symbol hervorgehoben. Weglänge Die den einzelnen Wandervorschlä-
heit und sind konditionsstarken sich, vorher Erkundigungen einzu- bzw. Dauer der Tour spielen hierbei gen beigegebenen Kartenaus-
Bergwanderern und Bergsteigern ziehen. eine untergeordnete Rolle - diese schnitte mit Routeneintragung sind
vorbehalten, die sich auch im weg- müssen die Eltern (Kinder) selbst ein wesentlicher Bestandteil des
losen Gelände mühelos zurechtfin- Bergbahnen einschätzen. Das Symbol besagt Führers. Zur besseren Übersicht
den können. Der Gebrauch der Hän- Bei einigen Touren bieten sich Berg- vielmehr, daß der Weg viele für Kin- werden die Wanderkarten im Maß-
de zur Fortbewegung im steilen, fel- bahnen als Aufstiegshilfen an, man- der interessante Abschnitte oder stab 1:50.000 von Freytag & Berndt
sigen Gelände kann nötig sein (Fels- che davon verkehren jedoch nur in Geländepunkte bietet, wie Bäche, sowie des Bayerischen Landesver-
stellen l, ausnahmsweise auch II). der Hauptsaison. Seen, Höhlen, Tiergehege usw. messungsamts empfohlen.
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Geologie Die Faltenmolasse-Zone am nörd- Durch die Gebirgsbildung wurden
lichen Alpenrand und in seinem ihre südlichsten Teile von ihrer
Morphologischer Überblick den nach Norden folgen auf die Vorland wird geologisch ebenfalls Unterlage abgeschert, nach Norden
Vor allem nach der Höhenlage ihrer Kalkalpine Zone die Flysch-Zone, die zu den Alpen gerechnet. In Ober- verfrachtet und dabei in mehrere
Gipfel unterteilen die Geographen Helvetikum- und Ultrahelvetikum- bayern weist sie - im Gegensatz Mulden gefaltet. Der direkte Einfluß
die oberbayerischen Alpen in die Zone und die Faltenmolasse-Zone. zum Allgäu - keine besonders mar- der Alpenentstehung ging so weit
Nördlichen Kalkhochalpen mit Kar- Der südlichste in Oberbayern gele- kanten Gipfel auf. Bei der Molasse ins Vorland hinaus, daß sogar der
wendelgebirge, Loferer und Leo- gene Alpenbereich ist die Kalkalpi- handelt es sich um Ablagerungen, Hohenpeißenberg zwischen Weil-
ganger Steinbergen, Berchtesgade- ne Zone (Oberostalpin, Nördliche die bei der Hebung des Alpenkör- heim und Schongau - nur wenige
ner Alpen sowie in die Schwä- Kalkalpen). Sie umfaßt den Haupt- pers in einem nördlich davon gele- Meter fehlen - beinahe noch ein
bisch-Oberbayerischen Voralpen teil der oberbayerischen Kalkhoch- genen Becken entstanden sind. Alpengipfel geworden wäre.
mit Ammergebirge, Niederwerden- alpen und der Voralpen. Daran
felser Land, Kocheier Bergen, schließt nach Norden die Flysch- Messerstichkalk (entstanden durch verwitterte Einschlüsse von Kleintie-
Mangfallgebirge, Kufsteiner Becken Zone an. Das Kalkalpin gliedert sich ren, z.B. Muscheln).
und Chiemgauer Alpen. in die Baueinheiten »Allgäu-Decke«,
Die Voralpen erreichen maximale »Lechtal-Decke« und »Inntal-
Gipfelhöhen um 2000 Meter, die Decke«. Dabei handelt es sich um
Kalkhochalpen nahezu 3000 Meter. riesige Pakete von Gesteinen mit
Im Westen sind die Gebirgszüge in unterschiedlicher Geschichte, die
Ost-West verlaufende Ketten ange- bei der Gebirgsbildung eine we-
ordnet; weiter im Osten, vor allem sentliche Rolle gespielt haben.
im Berchtesgadener Raum, gehen Die Flysch-Zone ist ein schmaler,
sie in blockartige Plateauberge meist nur wenige Kilometer breiter
über. Besonders die aus plattigen Streifen am Alpennordrand. Die Be-
und geklüfteten Kalksteinen beste- zeichnung »Flysch« stammt aus der
henden Hochflächen sind z.T. stark Schweiz und bedeutet so viel wie
verkarstet und haben Reste von al- »fließen«, vermutlich weil an den
ten Verebnungsflächen aus der Ter- Berghängen oft Rutschungen auf-
tiärzeit erhalten. treten. Morphologisch tritt sie we-
Bereiche mit Hochgebirgscharakter niger auffällig in Erscheinung als die
werden weitgehend aus Kalk- und Kalkalpen, da sie vorwiegend aus
Dolomitgesteinen der Trias-Zeit aufge- weichen, erosionsanfälligen Gestei-
baut. Die nördlich anschließenden nen besteht.
Voralpen bestehen dagegen aus Gesteine der Helvetikum- und Ultra-
kalkig-sandig-mergeligen Flysch- helvetikum-Zone sind im oberbaye-
und Helvetikumserien und weisen rischen Alpenanteil nur in einem oft
oft Mittelgebirgscharakter auf. nur wenige hundert Meter breiten,
nach Osten ausdünnenden schma-
Geologische Gliederung len Saum aufgeschlossen. Die Serie
Für weite Teile der Nördlichen Kalk- stellt ein unvollständig ausgebilde-
und der Voralpen besitzen geologi- tes, durch tektonische Vorgänge
sche Baueinheiten, die sich von Tirol unterdrücktes, nur geringmächti-
und Salzburg in den oberbayeri- ges Schichtpaket dar. Nur in den
schen Raum hinein erstrecken, be- Köcheln des Murnauer Mooses, bei
sondere Bedeutung. Diese Komple- Bad Heilbrunn, zwischen Tegernsee
xe unterscheiden sich durch ihre und Schliersee sowie bei Neubeuern
Gesteinsausbildung, Lagerungsver- und Rohrdorf können wir Vorkom-
hältnisse und Deformation. Von Sü- men dieser Gesteine finden.
8 9
Pflanzenwelt Bergwälder gibt es allenfalls noch sung der über 2000 Meter vorherr-
an einigen unzugänglichen Felsköp- schenden Zwergstrauch- und Mat-
Nirgends zeigt die Pflanzenwelt nem geringen Anteil auch aus Fich- fen, an schwer zugänglichen Steil- tenregion. Holzgewächse treiben
eine derartige Vielfalt wie im Hoch- ten. An feuchten Stellen, vor allem hängen oder in Schluchten. ihre Stämmchen meist nur noch
gebirge. Temperatur, Niederschlag in Schluchten, gesellen sich Bergul- knapp über dem Boden; einige
und Schneebedeckung bestimmen me, Esche und Bergahorn hinzu. Latschenfelder Zwergweiden wachsen mit ihrem
entscheidend die Zusammenset- Sonnige, wasserdurchlässige Süd- Die Latsche mit ihren meterweit Astwerk sogar unterirdisch. Viele
zung des Pflanzenkleides der ver- hänge werden dagegen oft von der über dem Boden kriechenden Stäm- Pflanzen entwickeln ein ausge-
schiedenen Höhenlagen. Kiefer beherrscht. men erträgt große Schneehöhen. sprochenes Polsterwachstum und
Die tieferen und mittleren Lagen Mit zunehmender Höhe nimmt der Sie verhindert selbst bei extremen schaffen sich so eine Reihe von Vor-
unserer bayerischen und Tiroler Ber- Fichtenanteil rasch zu, und ab Wetterlagen Lawinenabgänge und teilen. Sie nutzen die in den Hoch-
ge sind von Natur aus von einem 1700 Meter gibt es in den Bayeri- bildet zudem einen hervorragenden lagen gerade unmittelbar über dem
dichten, geschlossenen Waldkleid schen Alpen kaum noch andere Erosionsschutz. Sie wächst überaus Boden beträchtliche Sonnenein-
bedeckt. Ab 1800 Meter aufwärts Baumarten. Die Bergwälder werden dicht und duldet kaum andere strahlung für die kurze Vegeta-
schließt sich die Latschenzone an, seit Jahrhunderten zur Holzgewin- Pflanzenarten. Lediglich an felsigen tionszeit. Außerdem haben sie ei-
und erst oberhalb etwa 2100 Meter nung genutzt und auch heute noch Kämmen oder an feucht-kühlen nen guten Schutz vor Sturm,
folgen Zwergsträucher und Matten. vielfach durch frei herumlaufendes Nordseiten können ihr andere Schnee und Kälte.
Unterbrochen wird die Pflanzen- Weidevieh nachhaltig in ihrer Ent- Sträucher wie Grünerle oder Alpen-
decke durch steile Felswände, wicklung beeinflußt. Auch das rosen zu echten Konkurrenten wer- Schuttfluren
Schutthänge und natürlich die auf Rotwild trägt zur Dezimierung der den. Lockere, steinige Reissen und Ab-
den Menschen zurückgehenden Tanne und der Laubbäume bei, hänge sind den Schutt- und Geröll-
Rodungsflächen, die als Almweiden so daß häufig stark verlichtete Fich- Zwergstrauch- und pflanzen vorbehalten. Eine ständige
genutzt werden. tenwälder vorherrschen. Sie können Mattenregion Bewegung des losen Gesteins ver-
vor allem in Steillagen dem starken Eine bis 8 Monate im Jahr anhal- hindert eine dichtere Vegetations-
Bergwälder winterlichen Schneedruck auf Dau- tende Schneebedeckung, aber auch decke. Daher findet man die typi-
Die naturnahen Bergwälder der Al- er nicht standhalten. Lawinen und die starken Fröste an den ausge- schen Schuttpflanzen wie Gems-
pen bestehen in Höhenlagen bis Murenabgänge sind die Folge und setzten und im Winter oft schnee- kresse, rundblättriges Täschelkraut
etwa 1300 Meter vorwiegend aus bedrohen die Menschen im Tal. frei bleibenden Kämmen und Gra- oder Alpenmohn nie auf Matten
Rotbuchen und Weißtannen, zu ei- Natürliche, weitgehend unberührte ten verlangen eine extreme Anpas- oder Weiden.

Stengelloser Enzian. Alpen-Küchenschelle. Blauer Eisenhut. Soldanella.

10 11
Tierwelt
Wandert man im Gebirge, begeg- Das rebhuhngroße Haselhuhn kann
net man Pflanzen und Tieren, die uns schon mal mit schwirrendem
auch im Flachland vorkommen, je- Flug vor den Füßen wegfliegen.
doch auch vielen Arten, die es nur Man erkennt diese Tiere am
im Gebirge gibt. schwarzbraunen Saum am Schwanz
Das größte und stattlichste Tier, und, wenn man sie ruhig beobach-
dem wir auf Bergtouren begegnen ten kann, an der Federholle am
können, ist der Rothirsch. Im Som- Kopf.
mer können wir ihn oft in größeren Die Garns ist eigentlich eine Scha-
Rudeln weit über der Waldgrenze lenwildart, die ihren Lebensraum
auf den alpinen Rasen beobachten. oberhalb der Waldgrenze hat. Bei
Capreolus capreolus, so lautet der schlechtem Wetter suchen die
wissenschaftliche Name für das Gemsen aber auch Wälder zum
Reh. Es steigt nicht so hoch wie der Schutz auf. Auf dem Kopf tragen
Hirsch und ist meist nur im Wald an- beide Geschlechter eine Krücke, ein
zutreffen. Den Wanderer kann das hakenförmiges Gehörn. Die Tiere
»Bellen« der Rehe erschrecken und lassen den Wanderer oft recht nah
ihm schon mal durch die Glieder heran, bevor sie mit einem nasalen
fahren, wenn er unverhofft sehr Pfeifen warnen. Die Garns ist eine
Steinböcke im Karwendel, unterhalb der Rappenspitze.
nah auf das scheue Waldtier trifft. charakteristische Tierart des Gebir-
Im Wald, besonders in größeren Alt- ges und kommt im gesamten Al-
holzflächen, sind nicht selten Auer- penbogen vor. Im Sommer ist sie rend der Balz im Frühjahr und selte- fast weiß und dann nicht mehr auf
hühner, unsere größte Rauhfuß- lehmfarben mit einem Aalstrich auf ner auch im Herbst. Die Birkhennen dem Schnee zu erkennen. Sie schüt-
huhnart anzutreffen, die dann mit dem Rücken, während sie im Winter sind kleiner als die Hähne und ha- zen sich besonders vor dem Adler,
polterndem Flügelschlag abfliegen. fast schwarz wirkt. ben ein kleingeflecktes braunes Ge- der immer aus großer Höhe sein Re-
Die Hähne haben ein bläulich- Auch das Murmeltier warnt vor fieder, das sie bei der Brut auf dem vier nach Beute absucht. Im Früh-
schwarzes Federkleid, die Hennen Adler, Fuchs oder Wanderer durch Bodennest fast unsichtbar macht. jahrkann man die Schneehühner an
ein bräunliches Fleckengefieder mit Pfeifen. Dies ist jedoch ein schrilles, Ein besonders stattliches Tier ist der ihrem knarrenden Ruf besonders
orangem Hals. weittragendes Pfeifen. Das Murmel- mächtige Steinbock. Sein mittel- leicht erkennen. Beide Tierarten fär-
tier ist ein Nager, der einen ausge- braunes Fell, der tonnenförmige ben sich im Frühjahr um. Das
Murmeltier. prägten Winterschlaf in seinen Höh- Rumpf auf kurzen, starken Beinen Schneehuhn ist dann fast vollstän-
len hält. Im Sommer macht es viel und das dick geriffelte, bis über dig steingrau gefleckt, der Schnee-
Spaß, den munteren Gesellen bei ih- einen Meter lange Gehörn machen hase hat sich einen schmutzig-
rem oft nicht sehr friedvollen Fami- ihn zum Beherrscher der Felsen. braunen Balg angelegt. Sie sind
lienleben auf den bunten Almwie- Steinböcke sind unglaublich gute dann ebenfalls wieder gut getarnt
sen zuzuschauen. Das Murmeltier Springer und wissen, daß sich kein vor den Freßfeinden. Schneehühner
kommt nur dort vor, wo es offene Feind in die Felsen wagt, in denen verlassen den Bereich oberhalb der
Almen antrifft und der Untergrund sie scheinbar schwerelos herumtur- Waldgrenze nie, sie scharren sich -
das Anlegen von Bausystemen zu- nen. Böcke und Geißen mit Jungen wie Auer- und Birkhühner - Schnee-
läßt. stehen in eigenen Rudeln, nur in der höhlen und sind dort vor Kälte und
Oberhalb der Waldgrenze und im Paarungszeit sieht man die alten Wind geschützt. Zur Nahrungssu-
Bereich der Almen, Latschen und Böcke bei den Geißrudeln. che im Winter gehen sie in Süd-
Grünerlen, wo sich der geschlosse- Die Schneehasen und Schneehüh- hanglagen, wo der Schnee bald
ne Wald auflöst, kann man das Birk- ner habe sich für den Winter eine wieder abrutscht, und nehmen ihre
huhn beobachten. Die blauschwar- besondere Tarnung ausgedacht. Pflanzennahrung auf. Schneehüh-
zen Hähne kullern und zischen wäh- Beide Tierarten sind zu dieser Zeit ner sind wahre Überlebenskünstler.
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14 15
Säuling,2048 m
Über das Säulinghaus

Modegipfel mit Klettersteigeinlage


Der Ammergauer Aussichtsgipfel par excellence ist der Säuling. Da gibt es
keine Zweifel. So eine Schau ins weite Lechtal hinaus, nach Reutte hinab,
rundum in die Ammergauer Alpen, mit der Zugspitze im Hintergrund, aber
auch zum Forggensee mit den beiden vorgelagerten Königsschlössern
Hohenschwangau und Neuschwanstein hat kein anderer Gipfel zu bieten.
Dieses umfassende Gipfelpanorama ist aber nur ein Höhepunkt der schö-
nen und beliebten Wanderung. Das
zweite Glanzlicht ist das Säuling-
haus. Genau am richtigen Ort pla-
ziert, mit einer gemütlichen Terras-
se ausgestattet und von einem
zünftigen Wirt geführt, wäre diese
Hütte allein schon Grund genug für
einen Besuch des Säulings.

Talort: Pflach, 840 m, bei Reutte.


Ausgangspunkt: Parkplatz am Letten-
bach, 900 m. Busverbindung von Reutte
und Füssen.
Gehzeit: 6.15 Stunden. Blick vom stillen Ostgipfel zum stark besuchten Westgipfel des Säuling.
Höhenunterschied: 1148 m im Auf
und Abstieg.
Anforderungen: Bis zum Säulinghaus Vom Parkplatz folgen wir ein Stück hinunter nach Hohenschwangau
ist die Wanderung einfach. Danach etwas dem asphaltierten Fahrweg und ge- und zum benachbarten Tegelberg.
ausgesetzter Klettersteig, der Trittsicher- hen an der Straßenabsperrung vor- Vom Sattel gehen wir der Staats-
heit und Schwindelfreiheit erfordert. bei zum gut markierten Wander- grenze folgend nach rechts (gegen
Einkehr: Im Säulinghaus (auch Über- weg. Er führt im Wald hoch über Südosten), anfangs auf gutem
Schloß Neuschwanstein. nachtung). Jause in der Dürrebergalpe. Weg, zum Schluß wieder durch die
dem Lettenbach und dem Klemm-
talbach gegen Nordosten und über- Felsen und zum Gipfelkreuz auf
quert mehrmals Fahrwege, zuletzt 2038 m. Damit haben wir aber das
bei etwa 1350 m. Die Markierungs- Ziel der Bergtour noch nicht er-
zeichen führen geradewegs zum reicht. Vom Kreuz geht's nämlich
malerisch in einer Waldlichtung ge- noch ein wenig hinab, in eine kleine
legenen Säulinghaus, 1693 m. Scharte hinein und zum Hauptgip-
Von dort wird der weitere Anstieg fel des Säuling, 2048 m.
etwas mühsam. Steil und mit Eisen- Der Abstieg erfolgt zunächst ent-
ketten gut gesichert müssen wir uns lang der Aufstiegsroute. Wer Zeit
in den Säulingsattel hinaufkämp- hat, sollte sich das Vergnügen gön-
fen. Im weiten Sattel öffnen sich nen, unterhalb des Brunstgrates am
erstmals freie Blicke ins Ostallgäu, Fahrweg zum Pflacher Älpele und

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Kreuzkopf, 1910 m
Über den Ochsenälpeleskopf
Verschwiegenes im Ammerwald
Mit den Modebergen ist das so eine Sache. Sie sind oft hoffnungslos über-
laufen, und am Gipfel findet man nicht einmal ein kleines Fleckerl für eine
gemütliche Rast. Wer auf den Ochsenälpeleskopfund den Kreuzkopf steigt,
ist besser dran, denn nur wenige kennen diese Berge. Und trotzdem ist die
Wanderung durchaus lohnend, gerade recht für einen erlebnisreichen
Sonntagsausflug. Sie ist geprägt von schönen, lichten Wäldern, lieblichen
Almen und zackigen Gipfelanstiegen, also eine typische Voralpentour. Vor
allem die Gipfelblicke von beiden Zielen, dem Ochsenälpeleskopf (auch
Alpeleskopf oder Hirschfäng genannt) und dem Kreuzkopf, sind rundum
prächtig. Sie reichen von den Ammergauer in die Lechtaler und hinaus bis
weit in die Allgäuer Alpen. Das kritischste Stück der Rundwanderung ist der
Felsensteig zwischen Kuhkarjoch und Kreuzkopf. Er bereitet zwar keine
technischen Schwierigkeiten, ist aber sehr steil und ziemlich ausgesetzt.
Wer also nicht trittsicher und schwindelfrei ist, der sollte sich mit dem Och-
senälpeleskopf als Höhepunkt der Tour begnügen - und der ist wahrlich
leicht zu erreichen.
Wie aus dem Bilderbuch: die Schau vom Säuling auf den Forggensee und
ins Ostallgäu. Gehzeit: 5 Stunden.
Höhenunterschied: 1013 m im Auf-
und Abstieg.
auf einem schmalen Steig weiter ner letzten Rast einlädt. Von dort
Talort: Plansee, 979 m, kleine Siedlung Anforderungen: Bis zum Ochsenälpe-
zur Dürrebergalpe, 1438 m, zu ge- kommt man auf einem schmalen am gleichnamigen, fjordartig zwischen leskopf leichte Wanderung. Der Gipfel-
hen. Die Jausenstation besitzt eine Wanderweg gegen Nordwesten steilen Bergen eingeklemmten See. Wer anstieg zum Kreuzkopf und der Abstieg
schöne Aussichtsterrasse, die zu ei- wieder zum Ausgangspunkt zurück. abgehärtet ist, kann an heißen Sommer- durch das Kuhkar erfordern Trittsicher-
tagen ein Bad in dem kristallklaren Berg- heit, Schwindelfreiheit und ein gutes
see einplanen. Orientierungsvermögen.
Ausgangspunkt: Hotel Ammerwald, Einkehr: Nur im feinen Hotel Ammer-
1102 m. wald am Ausgangspunkt.

Vom Hotel Ammerwald bummeln dem guten Schützensteig in dichten


wir gegen Nordwesten am Forst- Wald hineinkommen. Nach einem
weg zur Staatsgrenze und halten Wasserfall verlassen wir den Wald
uns beim Jagdhaus links, wo wir auf und stoßen in einen Sattel. Dort

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sigen Grat zusammenschnürt. Dann nach Süden in das Kuhkarjoch hin-
wird es etwas mühselig. Ist es am ab und dann sehr steil und etwas
Grat gar zu luftig, können wir nach pfiffig zum Kreuzkopf hinauf.
rechts ausweichen. Durch Latschen- Es gibt zwei interessante Abstiegs-
gebüsch und über griffige Kalkfel- routen. Die eine führt entlang der
sen kämpfen wir uns zu einem Ge- Aufstiegsroute in das Kuhkarjoch
ländepunkt hinauf, der in manchen und dann auf einem schmalen Wan-
Karten mit 1766 m angegeben ist. derweg zum Ochsenälpeleskopf-
Dort folgen wir dem Gratverlauf Ostrücken. Sie verläuft gemütlich
nach links (gegen Süden) und stei- zur Hirschwängalpe und am Auf-
gen am Grat oder wieder knapp stiegsweg zum Ausgangspunkt zu-
rechts daneben kurz etwas abwärts rück.
und zum Ochsenälpeleskopf, Man kann auch auf einem schma-
1905 m, hinauf. Wer dieses Aben- len, stellenweise verfallenen Steig
teuer scheut, kann auch bequem durch das Kuhkar absteigen und
und einfach über die Hirschwäng- kommt so etwas südlich des Hotels
alpe und den Gipfel-Ostrücken zum Ammerwald in das Tal hinab, wes-
Ochsenälpeleskopf aufsteigen. Der halb man rund 10 Minuten auf der
Weiterweg nach der ersten Gipfel- Fahrstraße zum Hotel Ammerwald
rast führt auf einem steilen Weglein zurückgehen muß.

Aufstieg zum Ochsenälpeleskopf.

Die Ammerwaldalm im Graswangtal, im Hintergrund der Kreuzkopf und


der Ochsenälpeleskopf.

wandern wir nach links, überschrei- ländeerhebung, die sich von rechts
ten einen kleinen Bachlauf und stei- herabzieht. Bringen wir ein wenig
gen gegen Süden im schütteren Orientierungsgabe mit, können wir
Wald weiter. Schließlich erreichen dort weglos hinaufgehen, bis sich
wir eine schwach ausgeprägte Ge- der Rücken zu einem schmalen, fel-

20 21
Hochplatte, 2082 m
Überschreitung von Linderhof

Auf die Hochplatte zum »Fensterin«


Die Aufgaben sind in den Ammergauer Alpen klar verteilt. Für Muskelkater
und Knieschnackler, ein wenig Schwindelgefühl und grandiose Gipfelerleb-
nisse ist die Hochplatte zuständig, egal, von welcher Seite man sie angeht.
Alle Routen sind lang und mühsam, auch die hier vorgestellte, die als klassi-
sche Überschreitung dieses beliebten und geschätzten Berges auch noch
die Krähe als Zweitgipfel im Angebot hat. Der gesamte Aufstieg, die lange
Gratüberschreitung und weite Teile
des Abstiegs sind mit landschaftli-
chen Höhepunkten gespickt, und
deshalb sollte man sehr früh auf-
brechen, damit man diese Schön-
heiten auch wirklich genießen
kann. Ganz leicht ist diese herrliche
Bergfahrt natürlich nicht. Ein bisserl
Erfahrung im alpinen Gelände,
Trittsicherheit und Schwindelfrei- Kalksteine gegen Nordwesten zu ei-
Vom Parkplatz beim Wirtshaus Am-
heit sollten Sie schon mitbringen. nem schmalen Grat hinauf. Auf die-
merwaldalm folgen wir erst einmal
An den Stellen, wo es besonders sem Grat, dem Gamsangerl, ist für
5 Minuten lang dem Sträßchen bis
rassig hergeht, sind zwar stabile nicht ganz schwindelfreie Wande-
zur Straßenverzweigung. Dort geht
Drahtseile zum Festhalten ge- rer mit Drahtseil ein Geländer zum
es dann nach rechts und gegen Nor-
spannt, doch luftig geht es allemal Festhalten gespannt. Wir folgen
den in das Roggental hinein. Im en-
zu. dem Grat in leichter Steigung, doch
gen Talgrund bleiben wir auf dem
schmalen Weglein, das nur mäßig schwingt sich der Weg bald wieder
Gehzeit: 7.35 Stunden. ansteigt, bis wir auf einem Steg, der auf und wendet sich etwas nach
Höhenunterschied: 1100 m im Auf- bei nassem Wetter enorm rutschig rechts in den stark geneigten Hang
und Abstieg. hinein. Zuletzt müssen wir uns links
ist, den Roggentalbach queren. An-
Talort: Linderhof, 942 m, im stillen Anforderungen: An einigen kurzen
schließend wird es steil. Auf der lin- halten und steil zum Gipfel der
Graswangtal. Der kleine Ort ist berühmt Stellen am Gipfelgrat sind Trittsicherheit
für das Märchenschloß von König Lud- ken Bachseite plagen wir uns durch Hochplatte hinaufgehen.
und Schwindelfreiheit erforderlich (teil-
wig II. Busverbindung von Oberammer- weise Drahtseile). den Blassenwald hinauf und nutzen Zum Abstieg folgen wir entweder
gau. Einkehr: In der Ammerwaldalm am bei heißem Wetter die Erfrischungs- der Aufstiegsroute zurück oder
Ausgangspunkt: Ammerwaldalm, Ausgangspunkt oder (recht vornehm) im möglichkeit an einem kleinen Was- dem Gratverlauf nach Westen. Dort
1102 m. Hotel Ammerwald. serfall. Anschließend wechseln wir kommen wir über einige luftige
wieder auf die andere Bachseite. In Stellen, die aber gut mit Drahtsei-
1459 m Höhe gabelt sich der Weg. len gesichert sind, zum Fensterl.
Wir halten uns rechts und folgen Das Fensterl ist eigentlich ein
der Pfadspur über einen stark ero- Doppelfenster. Die reizvollen Fel-
sionsbedrohten Hang durch wildes senlöcher gewähren eindrucksvolle
Berggelände ins Weitalpjoch hin- Durchblicke. Von dort kann man
auf. Der weitere Anstieg ist wieder zur Roggentalgabel in knapp 10 Mi-
etwas flacher. Er führt im Joch links nuten absteigen und vor der
und durch karstiges Gelände etwas Hochblasse entweder gegen Osten
ungemütlich über ausgewaschene durch das Roggental oder gegen
22 23
Klammspitze, 1924 m
Von Linderhof
Rundtour der Extraklasse
Bei der Planung der Tour zur Großen Klammspitze kann man ganz schön in
die Klemme kommen. Angesichts der weiten Runde und des Höhenunter-
schieds von immerhin fast tausend Metern mag manch unbedarfter Bergfex
ins Grübeln kommen. Wer die Wanderung deshalb auf zwei Tage verteilen
will, der kann in den Brunnenkopfhäusern übernachten. So kann man am
ersten Tag den Brunnenkopf besiegen, und am zweiten Tag dann die
Klammspitze mit dem Feigenkopf angreifen. Bergfreunde, die auf Gipfel
nicht gar so narrisch sind, kommen auch auf ihre Kosten. Sie begnügen sich
mit einem 1,5 bis 2-Stunden-Ausflug zu den Brunnenkopfhäusern und las-
sen sich dafür zu einer gemütlichen Brotzeit im Hütten-(Bier-)Garten nieder.
An diesem Berg kann also jeder auf seine Weise glücklich werden.

Schloß Linderhof, 942 m.


Gehzeit: 5.40 Stunden.
Höhenunterschied: 982 m im Auf-
Talort: Linderhof, 942 m, im stillen und Abstieg.
Graswangtal. Der kleine Ort ist berühmt Anforderungen: Auf den Gipfelhöhen
für das Märchenschloß von König Lud- braucht man Trittsicherheit und etwas
wig II. Busverbindung von Oberammer- Schwindelfreiheit.
gau. Einkehr: In den Brunnenkopfhäusern
Ausgangspunkt: Parkplatz beim (auch Übernachtungsmöglichkeit).

Vom Parkplatz in Linderhof gehen ter dem Dreisäuler Kopf bringt uns
wir am breiten, markierten Weg am der markierte und breite Wander-
Rande des Dreisäuler Grabens in weg wieder nach Nordwesten, spä-
den Linderwald hinein. Der Forst- ter Westen, zu den Brunnenkopf-
weg steigt anfangs gegen Nord- häusern. Die gut bewirtschaftete
westen an, biegt dann nach Norden Hütte ist ein Ziel, das zu besuchen
ab und führt bei etwa 1200 m über sich lohnt. Aber man kann noch
einen Fahrweg hinweg und in vielen weitergehen, wenn man will, sogar
Die Ammergauer Hochplatte. Kehren durch den Wald hinauf. Un- sehr weit.

Westen durch das Köllebachtal ab- wänden am Maxweg in den Niede-


steigen. ren Straußbergsattel und über das
Wer noch Kraft hat sollte aber vom Ochsenängerle zur Jägerhütte. Von
Fensterl noch zur Krähe aufsteigen dort wandert man gegen Südosten
und steil und felsig vor dem mar- über schöne Almwiesen weiter und
kanten Felsenturm des Gabelschro- am guten Schützensteig im Wald
fens in den Gabelschrofensattel ab- zum Hotel Ammerwald hinunter.
steigen. Vom Sattel geht man dann Vom Hotel zum Ausgangspunkt
über dem Schwangauer Kessel un- muß man neben der Fahrstraße zu-
ter besonders markanten Felsen- rückgehen.
24 25
der ein gutes Stück durch Fels- und
Wiesengelände zum Feigenkopf
auf.
Vom Feigenkopf geht es auf weiten
Wiesen gemütlich nach Westen bis
kurz vor den Neuweidgraben hin-
unter. Wer noch immer nicht genug
hat, könnte sogar gegen Nordosten
noch auf den Grubenkopf, 1847 m,
steigen, aber das wäre schon ein ei-
genes Kapitel.
Die Rundtour wird auch ohne den
Grubenkopf arg lang. Deshalb bie-
gen wir vor dem Neuweidgraben
links ab und gehen zur kleinen
Hirschwanghütte weiter. Von der
Hütte geht es dann steil nach Süd-
Das erste Gipfelziel, der Brunnen-
westen, bei Nässe stellenweise sehr
kopf, ist erreicht. Noch ist es ein
glitschig, in den tiefen Bäckenalm-
weiter Weg zur Klammspitze (links).
sattel hinein. Im Sattel müssen wir
uns links halten und gegen Osten
Das nächste Ziel, nur eine Viertel- durch den Bachgraben hinabstei-
stunde entfernt, wäre der Brunnen- gen. Der Weg mündet in eine lange
kopf. Dieser kurze Abstecher ist so Forststraße. Auf ihr steigen wir
schön und lohnend, daß ihn sich durch den Wald ab und wandern
eigentlich niemand entgehen lassen das Sägertal hinaus. Kurz vor der
sollte. Nur auf den letzten Metern Ammerwaldstraße biegen wir noch-
ist er ein klein wenig ausgesetzt. mals links ab, gehen noch vor der
Noch spannender und anstrengen- Brücke schon wieder links und am Der Anstieg zur Großen Klammspitze ist nicht ganz so schwierig, wie sich
der ist der Aufstieg zur Klamm- Fahrweg dem Lindergrieß entlang der mächtige Gipfelklotz im Bild zeigt.
spitze. Er bringt uns von den Brun- und nach Linderhof zurück.
nenkopfhäusern erst einmal ein
Stück gegen Südwesten abwärts,
über steiles Wiesengelände hinweg
und unter der Kleinen Klammspitze
in Schrofengelände hinein. Als
Gipfelstürmer gehen wir auf ein
paar bizarre Felsengebilde zu, an
diesen rechts vorbei, in eine schma-
le Scharte hinein und von Osten her
steil im Felsengelände zum Gipfel-
kreuz der Klammspitze hinauf.
Nun geht es abwärts. Vom Gipfel
folgen wir auf einer schmalen Tritt-
spur dem Klammspitzgrat nach
Westen und kommen in den Sattel
zwischen Klammspitze und Feigen-
kopf hinab. Dann steigen wir wie-
26 27
Teufelstättkopf, 1758 m
Über das August-Schuster-Haus
Pürschling zu allen Jahreszeiten
Der Winterschnee ist noch gar nicht abgeschmolzen, da kommen die Wan-
derer schon in Scharen und strömen auf dem langen Forstweg von Unter-
ammergau dem August-Schuster-Haus (Pürschlinghaus) entgegen. Viele
kommen sogar im Hochwinter, um nach der Hütteneinkehr auf der Straße
ins Tal zurückzurodeln. Deutlich ruhiger und lohnender, wenn auch längst
kein Geheimtip mehr, ist der Anstieg von Linderhof herauf, weil auf dieser
Strecke kaum Forststraßen tangiert werden. Nach dem Pürschlinghaus und
dem Pürschling sollte man unbedingt noch dem scharfen Gipfelfelsen des
Teufelstättkopf einen Besuch abstatten.

Talort: Linderhof, 942 m, im stillen


Graswangtal. Der Ort ist berühmt für das
Märchenschtoß von König Ludwig II. Bus- Schuster-Haus hinab und in der
Am Parkplatz beim Schloß Linder-
verbindung von Oberammergau.
hof beginnt hinter den Wohnge- gleichen Richtung über eine steile
Ausgangspunkt: Parkplatz beim
Schloß Linderhof, 942 m. bäuden der Aufstiegsweg. Er führt Wiese hinauf. Weiter oben biegt der
Gehzeit: 5 Stunden. nach Norden durch den Linderwald Weg etwas nach links ab, steigt
Höhenunterschied: 816 m im Auf- hinauf. Wir stoßen auf eine breite durch muldiges Gelände an und ga-
und Abstieg. Forststraße und folgen ihr etwa belt sich an beschilderter Stelle.
Anforderungen: Der Anstieg ist 10 Minuten nach Osten. Bei der be- Dort schwenken wir rechts ab und
streckenweise sehr steil, aber - bis auf den schilderten Abzweigung verlassen gehen in felsigem Gelände das letz-
drahtseilgesicherten Gipfelaufstieg zum wir diese Straße nach links und stei- te Stück am Drahtseil zum Gipfel
Teufelstättkopf - nicht ausgesetzt. gen weiter durch den Linderwald des Teufelstättkopf.
Einkehr: Im Pürschlinghaus (August- Der Rückweg verläuft entlang der
auf. Bald müssen wir wieder eine
Schuster-Haus).
Straße queren und im steilen Wald- Aufstiegsroute. Lohnend ist die
gelände nach Norden, später Nord- Rundtour vom Teufelstättkopf ge-
osten aufsteigen. Vor dem Kälber- gen Westen zum Laubeneck (bei
alpgraben verläuft die Route nord- Frost wegen Vereisung gefährlich)
Der drahtseilgesicherte Gipfelzahn westwärts zu einem kleinen Was- und am Grat weiter bis zum Hen-
des Teufelstättkopf. serfall. Von dort wandern wir nach nenkopf. Von dort müssen wir
Osten weiter und queren steile Hän- noch ein kurzes Stück gegen We-
ge. Die Pfadspur führt zuletzt eben sten absteigen. Dann können wir
zum August-Schuster-Haus am unter dem Grat gegen Osten sehr
Pürschling. Von dieser Alpenver- lang zur Kälberalm zurückgehen,
einshütte sind es noch wenige wo der Aufstiegsweg erreicht wird.
Minuten zum zweigeteilten Gipfel Oder wir überschreiten auch noch
des Pürschling hinüber. den Dreisäuler Kopf und verlassen
Der weitere Anstiegsweg zum Teu- den Gratrücken westlich dieses Gip-
felstättkopf verläuft vom Pürschling fels, um durch den Linderwald di-
wieder nach Norden zum August- rekt nach Linderhof abzusteigen.

28 29
Kofel, 1342 m
Von Oberammergau über die Kolbenalm

Am Hausberg Oberammergaus
Als der inzwischen verstorbene bayerische Ministerpräsident Max Streibl
seine Fitneß demonstrieren wollte, zog er einen ganzen Rattenschwanz von
Journalisten hinter sich her und auf den Kofel hinauf. Das wurde von man-
chen Schreiberlingen als besonders herausragende alpinistische Leistung
dargestellt. Nun ja, sie waren wohl nichts Schärferes gewöhnt. Für Sonn-
tagswanderer mag er ja auch eine besonders herausragende Erscheinung
sein, der Kofel, der sich von unten wie ein unerreichbarer Felsenzahn gibt.
Doch er ist ein Blender, so wie die Geisterbahn auf der Münchner Wies 'n.
Die sieht von außen betrachtet auch recht furchterregend aus, und wenn
man hinter die Kulissen schaut, dann stellt sich alles als ziemlich harmlos
heraus. - Zugegeben, ein paar Drahtkabel hat man zum Festhalten um den
Gipfel gehängt, die aber von bergerfahrenen Gipfelstürmern demonstrativ
gemieden werden. Die nehmen ihre Hände nicht aus dem Hosensack,
weil 's das am Kofel nach ihrer Meinung nicht braucht. Trotzdem sollte man
den zackigen Gipfelanstieg nicht zu leichtsinnig angehen, denn neben dem
Steig geht es halt doch ziemlich in die Tiefe.

Talort: Oberammergau, 837 m, be-


rühmter Passionsspiel- und Holzschnitzer-
ort. Eisenbahnverbindung. Busverbin-
dung von Murnau oder Garmisch-Parten-
kirchen.
Ausgangspunkt: Parkplatz bei der Ju-
gendherberge, 840 m.
Gehzeit: 2.45 Stunden.
Höhenunterschied: 502 m im Auf- anlage Trittsicherheit und Schwindelfrei-
und Abstieg. heit erforderlich.
Anforderungen: Für den Gipfelan- Einkehr: Beim Rückweg in der Kolben-
stieg sind an der relativ einfachen Steig- alm.

Das Pürschlinghaus mit dem Pürschling, dahinter das Estergebirge.


30 31
Ettaler Manndl, 1633 m
Von Ettal über den Manndlweg

Luftiger Klettersteig über dem Kloster Ettal


Das Ettaler Manndl hat keine Verniedlichung verdient. Das »Manndl« ist ab-
solut unberechtigt. Es ist ein gestandenes Mannsbild, das schon etlichen
ebensolchen Herren (und Damen) das Fürchten gelehrt hat! Dabei fängt al-
les so beschaulich an. Man fährt bequem mit der Seilbahn von Oberammer-
gau zum Laberjoch hinauf und denkt nichts Schlechtes. Oder man tut sich
den schönen, einigermaßen steilen und langen, aber schattigen Anstieg
von Ettal herauf an, freut sich an den fröhlich zwitschernden Vögeln und
dem Waldesrauschen, ehe man jäh aus den süßen Träumen gerissen wird.
Unvermittelt findet man sich unter einem steilen, ja fast senkrechten Felsen-
aufschwung und weiß zunächst einmal gar nicht so recht, ob und wie es
überhaupt weitergeht. Doch muß man dort nicht gleich ans Umkehren den-
ken, auch wenn man keine Kletterausrüstung dabei hat. Freundliche Er-
schließer haben uns einen guten Klettersteig beschert, der den weiteren
Aufstieg erleichtert, aber doch eine gehörige Portion Mut verlangt. Und
Am Gipfelgrat des Kofel. weil der Anstieg zum markanten Doppelgipfel halt doch recht mühsam ist,
wird man oben mit einer Rundschau belohnt, die angesichts der bescheide-
Zuerst einmal bummeln wir gemüt- unerfahrene beginnt dort das nen Höhe des Berges nichts zu wünschen übrig läßt.
lich am Fußweg zwischen der Fahr- Abenteuer. Satte 100 Höhenmeter
straße und der Ammer gegen Süden schwingt sich der Kofel nun auf. Der Weltruhm erlangt hat. Direkt am Ettaler
zur B 23, unterqueren die Bundes- Steig führt steil durch felsiges Ge- Sattel gelegen, ist Ettal eine herausragen-
straße und gehen nach rechts zum lände, ist hervorragend mit Draht- de Touristenattraktion. Busverbindung
Friedhof. Dort erreichen wir den seilen gesichert und endet am Talort: Ettal, 877 m. Der Ort lebt vom von Oberammergau oder Oberau.
Kloster, das als sakrale Einrichtung und als Ausgangspunkt: Ettal, östliche Klo-
Grottenweg, der oberhalb des mächtigen Gipfelkreuz am Kofel.
Quellort eines einzigartigen Klosterlikörs stermauer, 877 m.
Friedhofs gegen Südosten führt. Abstieg: Bis zur Wegverzweigung Gehzeit: 3.45 Stunden.
Er bringt uns an der Mariengrotte auf 1215 m folgen wir der Auf- Höhenunterschied: 756 m im Auf
und einer steilen Felsenwand vorbei stiegsroute und nehmen - ohne zu und Abstieg.
in die Lichtung vor dem Dötten- murren - die Wartezeiten bei Ge- Anforderungen: Der Gipfelanstieg
bühl. genverkehr in Kauf. Bei der Wegver- auf der langen, ziemlich ausgesetzten
Dort biegen wir rechts ab und stei- zweigung gehen wir rechts (gegen Steiganlage hat es in sich. Wer nicht abso-
gen über Weidewiesen gegen We- Westen) und unter den Rappenköp- lut trittsicher und schwindelfrei ist, bleibt
sten bergwärts, bis das Weglein in fen und dem Brunnberg ziemlich entweder drunten oder legt Klettersteig-
eben am Königssteig durch den sicherung an.
den Wald hineinführt. In unzähli-
Einkehr: Im Laberhaus (nicht an der
gen Kehren schlängelt sich der Wald weiter. Auf der Höhe von rund
vorgestellten Route).
schmale Pfad durch den Wald hin- 1 260 m stoßen wir wieder auf eine
auf und verzweigt sich neben einem Wegkreuzung. Dort halten wir uns
Unterstand, der wie ein Bushäus- rechts und wandern gegen Nord- Der Manndlweg wurde so genannt, führt, breit wie er ist, gemächlich
chen aussieht. Von dort wird der osten durch den Wald hinab, bis ein damit keinem von uns Zweifel an ansteigend nach Nordosten dahin.
Anstieg allmählich spannender und Fahrweg und gleich darauf die Wirt- der richtigen Route kommen und Allmählich schwingt er sich aber
felsiger. Der Pfad bringt uns, rück- schaft Kolbenalm erreicht werden. damit sich auch keiner verirrt. Er be- doch noch in die Höhe auf und in
sichtsvollerweise nur eben ange- Neben dem Skilift kommen wir über ginnt an der östlichen Klostermauer denTiefentalgraben hinein. Dort er-
legt, ein Stück gegen Norden und den Straßentunnel zum Ausgangs- des nicht nur wegen seines guten reicht er die Tiefental-Diensthütte,
an den Gipfelfelsen heran. Für Berg- punkt zurück. Likörs berühmten Klosters und von der er sich in vielen engen Keh-
32 33
spur unter steilen Felsenwänden ein
Stück dahin. Schon bald zweigt
Frieder, 2050 m
nach links der rassige Klettersteig
ab. Die robuste Eisenkette fest er- Über den Prinzregentensteig
greifend plagen wir uns hinauf, ge-
nießen hin und wieder ein paar ge- Der vergessene Prinzregentensteig
waltige Blicke zwischen den eige- Am Frieder und am Friederspitz, da tummeln sich nicht nur die Gemsen,
nen Beinen hindurch in den Ab- auch die Bergfexen geben sich auf den beiden Gipfeln ein fröhliches Stell-
grund, erreichen eine Gratschulter, dichein. Es ist eben vorbei mit der stillen Abgeschiedenheit der Ammer-
steigen wenige Meter ab, und gauer Alpen. Doch blickt man etwas näher hin, vor allem auf die Karte, ent-
gleich darauf kommen wir über deckt man oft Wege, die noch nicht überlaufen und in Mode gekommen
steile Felsen erschöpft, aber zufrie- sind. Am Frieder gibt es so einen Pfad. Er nennt sich »Prinzregentensteig«,
den am Gipfelkreuz des Ettaler und woher sein Name kommt, ist nicht schwer zu erraten. Auch heute noch
Manndls an. ist dieser Steig in einwandfreiem Zustand. Lassen Sie sich überraschen - so-
Normalerweise steigen wir entlang viel alpine Eindrücke hätte man dem Frieder niemals zugetraut.
der Aufstiegsroute auch wieder ab.
Man kann aber auch, wenn man Ausgangspunkt: Parkplatz bei der
über den luftigen Klettersteig wie- Ochsenhütte, 803 m.
der abgestiegen ist, am Wander- Gehzeit: 6 Stunden.
weg zum idyllisch gelegenen Soile- Talort: Griesen, 816 m. Ehemaliger Höhenunterschied: 1247 m im Auf-
Grenzort, heute ohne Grenzstelle. Etwa und Abstieg.
see hinuntergehen und an der Soile-
Einstieg in den Gipfel-Klettersteig. auf halber Strecke zwischen Garmisch- Anforderungen: Anstrengende und
alm vorbei gegen Norden, später Partenkirchen und Ehrwald. Haltestelle lange Tour, die beim Aufstieg mitunter
Westen, nach Oberammergau hin- der Bahnlinie München - Garmisch- Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ver-
ren durch düsteren Wald zum Wan- auswandern. Wer es bequem mag, Partenkirchen - Reutte. langt. Die Abstiegsroute ist einfacher.
derweg hinaufschlängelt, der vom fährt mit der Seilbahn ins Tal zu-
Die Wanderung beginnt wenig ein- Nach einer knappen Viertelstunde
Laberjoch herüberkommt. rück. Bei diesen Abstiegs- bzw. Ab-
drucksvoll auf einem Forstweg, der heißt es dann aufpassen! Nach links
Bei dieser Wegverzweigung halten fahrtsvarianten wird allerdings der
genauso monoton ist wie alle ande- zweigt ein schmaler Fahrweg ab
wir uns rechts und folgen der Tritt- Ausgangspunkt nicht erreicht.
ren Vertreter seiner Art. Wir über- und führt neben dem munteren
kraxeln also die Absperrschranke Schwarzenbach gegen Nordwesten
oberhalb der Ochsenhütte (wer in das eigentümliche Friedergrieß
gleich richtig hinschaut, kann auch hinein. Er endet bald, und wir fol-
daneben vorbeigehen) und folgen gen den Trittspuren, die am Nord-
der Schotterstraße gegen Westen in rand des ausgedehnten Geröllfel-
Richtung Rotmoossattel. Die Straße des zu dem Bach führen, der aus der
beschreibt einen weiten Rechtsbo- wilden Friederlaine fließt. Dort ist
gen und wendet sich nach Norden. unsere gesamte Aufmerksamkeit

34 35
denn der folgende, schöne Weg
brauchte sich eigentlich nicht zu
verbergen.
Noch vor dem Bach und vor einem
geteilten, riesigen Felsengebildege-
hen wir nach rechts in den Wald
hinein. Zunächst einmal schaut es
dort drinnen überhaupt nicht nach
einem Wanderweg aus, doch er-
staunlicherweise kommt man bald
auf einen guten Pfad, den Prinzre-
gentensteig. Er verläuft steil durch
den Wald gegen Norden hinauf und
verzweigt sich bei 1220 m, wo man
links weitergeht. Weit über der tie-
Frieder (links) und Friederspitz
fen Schlucht der Friederlaine wer-
(rechts).
den im Steilhang auf dem schma-
len, ebenen Bergpfad zahlreiche
gefordert, denn die Route ist wahr- Bach- und Lawinenrinnen gequert.
lich nicht leicht zu finden. Warum Es mag vielleicht etwas übertrieben
man den Einstieg so gut versteckt klingen, doch wer jemals in Korsika
hat, wird wohl ein Rätsel bleiben, beim Bergwandern gewesen ist,

Großartige Berglandschaft am Prinzregentensteig.

wird sich in diesem Bereich mit sei- ter hinunter und wieder hinauf, wo-
nen stämmigen Kiefern, wilden Tä- für man fast eine halbe Stunde
lern und Höhen an dieses schöne rechnen muß.
Bergland erinnert fühlen - und das Über Grashänge und durch Busch-
mitten in den Ammergauer Alpen! werk steigen wir nach der Gipfelrast
Wir folgen dem eindrucksvollen gegen Osten zur Friederalm ab.
Steig, bis die Route gegen Nord- Dort halten wir uns rechts und
osten schwenkt und sich wieder bummeln am viel begangenen
deutlich aufschwingt. Sie führt an Weglein gegen Süden talwärts. Öst-
den Lausbichl heran, aus dem Wald lich des Scharfecks biegt die Route
heraus und in eine sattgrüne Wiese links ab, gibt eindrucksvolle Blicke
hinein. Dort halten wir uns links, ins Wetterstein hinüber frei und
umgehen den Lausbichl westlich schlängelt sich durch dichtes Jung-
(schließlich müssen wir dort nicht holz nach Südosten zum Fahrweg
auch noch hinauf) und spazieren hinunter, den wir beim Rotmoos-
über freie Grashänge nach Nord- sattel erreichen. Auf der Straße fla-
osten zum Friederspitz. Damit ist nieren wir, von einigen rasanten
das erste Gipfelziel erreicht. Zum Mountainbikern leider immer wie-
zweiten, dem ein Meter höheren der mal aufgeschreckt, zur Ochsen-
Frieder, sind es etwa 80 Höhenme- hütte zurück.

36 37
Schellschlicht 2053 m
Überschreitung über den Hohen Brand
Zackiger Rundmarsch zur Schellschlicht
Ein erstaunlich umfassendes Gipfelpanorama, aber auch gewisse alpinisti-
sche Herausforderungen lassen die Wanderung auf die Schellschlicht zu ei-
nem tiefgreifenden Erlebnis werden. Der Berg bietet alles, was für die Am-
mergauer Alpen typisch ist. In Talnähe sind das ausgedehnte, tiefe Wälder
mit atemberaubender Laub färbung im späten Herbst, dann ein freier Alm-
bereich und darüber ein felsiger, hufeisenförmiger Gipfelkamm. Der Fels
dort oben ist allerdings streckenweise etwas brüchig - doch darf ein wenig
Nervenkitzel schon sein, schließlich gehört zu einer schönen Wanderung
auch ein Hauch von Abenteuer.

Gipfelrast auf der Schellschlicht.


Talort: Griesen, 816 m. Griesen liegt
etwa auf halber Strecke zwischen Gar-
Vom alten Zollamt neben der (am Sunkeneck) rechts abbiegt. Er
misch-Partenkirchen und Ehrwald und ist
Schellaine gehen wir anfangs ziem- weist steil in engen Kehren durch
der (ehemalige) Grenzort zwischen Bay-
ern und Tirol. Er besteht im wesentlichen lich eben nach Norden, doch wird schütteren Wald zum Aufstiegsweg
aus einem Gasthaus, die Grenzstation ist der Hang zwischen 900 und 1000 m hinab, der unmittelbar unterhalb
geschlossen. Haltestelle der Bahnlinie Höhe deutlich steiler. Auf ca. der Schellaine erreicht wird. Auf
München - Garmisch-Partenkirchen - 1000 m verzweigt sich die Wegspur ihm zurück zum Ausgangspunkt.
Reutte. und wir folgen dem linken Wegast
Ausgangspunkt: Amtsplatz am ehe- über die klammartige, schöne
maligen Zollamt Griesen, 816m. Schellaine hinüber. Anschließend
Gehzeit: 6.30 Stunden.
steigen wir im Buchenwald steil
Höhenunterschied: 1237 m im Auf-
durch viele Wegkehren zur Schell-
und Abstieg.
Anforderungen: Wegen einiger aus- alm hinauf. Dort wird der Anstieg
gesetzter Stellen und steilem Felsgelände deutlich flacher, und wir kommen
am Hohen Brand werden dem Wanderer zum Hohen Brand hinauf, wo es
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ab- eine kurze Seilsicherung gibt. Die
Am Brandjoch. verlangt. Route bringt uns gegen Norden
weiter, am Brandjoch vorbei und
auf den langen Gipfelgrat zu. Über
ihn gehen wir in einem weiten
Rechtsbogen zum Gipfel auf der
Schellschlicht hinauf.
Möglich ist natürlich der Abstieg
entlang der Aufstiegsroute, doch
lohnt es sich, vom Gipfel dem mar-
kierten Weg steil nach Osten hinab
zu folgen und auf der südlichen
Gratseite dahin zu gehen, bis der
Bergpfad auf der Höhe von 1672 m

38 39
Wannig, 2493 m
Vom Fernpaß

Der versteckte Wannig


Die stark befahrene, oft überlastete Fernpaßstraße beschreibt um einen ge-
waltigen Bergstock einen riesigen Schlenker herum - den Wannig. Der
Autofahrer bekommt von diesem Berg kaum etwas mit, denn die Straße
führt überwiegend durch dichten Wald, der nur wenig Blicke zum Gipfelziel
freigibt. Aber der Wannig ist ein interessantes Ziel mit weitreichenden Gip-
felblicken. Drei Routen gibt es zu diesem markanten, felsigen Berg. Eine
kann man mit der Handschuhspitze kombinieren, eine andere führt durch
das steile Wannigkar hinauf und ist hauptsächlich als Frühjahrs-Skitour in-
teressant. Die dritte, vom Fernpaß
herüber, wird hier vorgestellt. Sie
ist landschaftlich die schönste unter
diesen drei Möglichkeiten, hat
aber, wie oben erwähnt, den Nach-
teil eines sehr langen Zuwegs. Be-
denkt man, daß etliche Gegenan-
stiege zu überwinden sind, dann ist Wenn wir am Wanderweg vom weist durch nasse Wiesen kurz wie-
der Höhenunterschied recht be- Fernpaß gegen Südosten in den der bergab, bis neben einem mun-
achtlich. Besonders schwierig ist die Hiendleswald hineingehen, können teren Bach nach links (gegen Osten)
Route allerdings nicht. Nur für ein wir kaum glauben, daß wirauf einer an beschilderter Stelle ein Bergweg
paar kurze Stellen braucht man et- Bergtour sind. Das Weglein, das im in den dichten Wald hinein abbiegt.
was Trittsicherheit, was erfahrenen Wald leicht auf und ab führt, hat Wir folgen ihm, der Anstieg wird
Bergwanderern nichts ausmacht. eher den Charakter eines Waldspa- erstmals richtig steil, und wir ge-
ziergangs, und das bleibt so, bis der winnen mächtig an Höhe, die wir
Nassereith.
Pfad im Wald deutlich abfällt und für den Gipfelsieg auch noch brau-
Gehzeit: 8.15 Stunden.
Höhenunterschied: 1283 m im Auf- zu einer Fahrstraße, dem Stuckweg, chen werden. In ungezählten Keh-
Talort: Biberwier, 989 m, am Rande des und Abstieg. stößt. Dort halten wir uns links (ge- ren weist der Steig nun im Latschen-
Ehrwalder Beckens. Anforderungen: Der Weg ist nicht gen Osten), schwenken mit dem buschwerk hinauf und an einem
Ausgangspunkt: Hotel Fernpaß, schwierig, aber ziemlich lang. Deshalb Fahrweg in sehr leichtem Linksbo- alten Stolleneingang vorbei. Der
1210 m, an der Fernpaßstraße. Busver- braucht man einwandfreie Kondition. gen gegen Südosten ab und folgen Berg wird immer trister und das
bindung von Reutte - Ehrwald und von Einkehr: In der Muthenaualm. den weit ausholenden Kehren zum Geröll immer mehr. Bald haben wir
Rastplatz »Beim Wasser«. Dort ließe nur noch Schutt und Felsen unter
sich eine Verschnaufpause einlegen den Füßen. Das Weglein bringt uns
und der Wasservorrat an der Quelle immer in der gleichen Richtung den
auffüllen. Nach der Raststelle blei- Berg hinauf, bis wir endlich am
ben wir noch am Fahrweg und sto- Wannig ankommen.
ßen nach zwei Kehren zur Jausen- Zurück gehen wir entlang der
station Muthenaualm (oder Nasse- Aufstiegsroute. Wer seine Stiefel
reither Alm). nicht schonen und seinen Schuster
Das Sträßchen führt um die Alm gut leben lassen will, kann in Gipfel-
herum, und wir verlassen es an der nähe durch das rauhe Geröll ab-
Stelle, wo nach links (Süden) der fahren, wenn er die Technik be-
markierte Wanderweg abzweigt. Er herrscht.
40 41
Hohe Munde, 2662 m
Von der Rauthhütte
Steil und schnell zur Munde
Die Mieminger Kette endet im Osten mit einem gewaltigen Trumpf, der
Hohen Munde. Dieses eindrucksvolle Felsenbollwerk, das sich mehr als
2000 Meter über das Inntal erhebt, wird zunächst mit Hilfe einer Seilbahn
und dann über eine relativ einfache Flanke erklommen. Rassiger geht es auf
der Abstiegsroute zu: sie führt über einen zackigen, streckenweise ziemlich
ausgesetzten Klettersteig. Der Rückweg durch das Gaistal ist zwar einfach, Von Leutasch-Moos fahren wir erst immer wieder durch felsige Rinnen.
aber enorm lang. Deshalb darf die Tour nur angehen, wer topfit ist. Bei die- einmal mit dem Mundelift zur Die markierte Route schwenkt ge-
sem Routentip wird ausnahmsweise eine Aufstiegshilfe empfohlen, sonst authhütte auf 1605 m Höhe. Dort gen Westen ab, der Pflanzenwuchs
wäre sie an einem Tag kaum zu schaffen, denn ein Übernachtungsquartier beginnt die Wanderung. wird karger und der Berg immer fel-
gibt es auf der Strecke nicht. Die Hohe Munde ist auch durch das Theater- Der Aufstiegsweg führt von der siger.
stück »Munde« berühmt geworden, das am Gipfel Premiere hatte. Hütte über eine Wiese nach Nord- Wir müssen uns schon ordentlich
westen, bis wir nach Norden ab- plagen, um den Markierungszei-
Ausgangspunkt: Leutasch Moos, zweigen, in einem weit ausholen- chen zu folgen, die uns in starker
1169 m. Busverbindung von Mittenwald den Schlenker, am Aussichtspunkt Steigung oberhalb der Hohen
und Seefeld. »Zugspitzblick« vorbei und um die Klamm nach Nordwesten hinaufge-
Talort: Leutasch-Platzl, 1151 m. Das Gehzeit: 8.45 Stunden. Moosalm herum. leiten. Erst am Mundekopf flacht
Leutasch ist im Winter wegen seiner gro- Höhenunterschied: 1057 m im Auf-
Man könnte auch geradewegs an der Hang etwas ab. Dort oben ist
ßen Schneesicherheit ein Langlaufdorado. stieg, 1493 m im Abstieg.
der Moosalm vorbeimarschieren, übrigens der Originalschauplatz für
Aber auch im Sommer kommen die Anforderungen: Hervorragende Kon-
Erholungssuchenden zu Hauf, denn in dition und Trittsicherheit sowie Schwin- denn oberhalb der Alm stoßen die das Fernseh-Theaterspektakel
Leutasch beginnen etliche schöne Wan- delfreiheit erforderlich für die Klettersteig- beiden Wege wieder zusammen. »Munde«.
derungen ins Karwendel und die Miemin- passagen. Der Wanderweg verläuft nun gegen Die Route bringt uns an den
ger Kette. Einkehr: In der Rauthhütte. Südwesten zum Hüttenrinner und Antennenanlagen vorbei und etwa
100 Meter bergab, bis in den Sattel
zwischen Mundekopf und Hoher
Munde. Von dort ist es zum Gipfel
nicht mehr weit.
Durch Geröll, zu Saisonbeginn auch
über Schneefelder, steigen wir beim
Gipfelspurt gegen Westen, die letz-
ten Meter nach Norden, zum Kreuz
der Hohen Munde hinauf.
Wer schnell wieder runter will, folgt
der Aufstiegsroute. Alternativ aber
kann man zunächst einem Steiglein
gegen Norden folgen, dann scharf
links abbiegen, um am langen, gu-
ten Klettersteig in mehrmaligem
Auf und Ab zum Gratrücken west-
lich der Hohen Munde luftig abzu-
steigen. Dazu gehört Mut, denn die
Sache ist streckenweise ziemlich
pfiffig.

42 43
Obere Wettersteinspitze, 2298 m
Von Leutasch über den Franzosensteig

Auf Napoleons Spuren


Bevor das Wettersteingebirge gegen Osten nach Mittenwald hin ausläuft,
trumpft es nochmals mit einer langen Folge scharfgeschnittener Bergspit-
zen auf, der Wettersteinwand. Diese zackige Bergkette östlich der Meiler-
hütte ist der stillste Teil des Wettersteingebirges. Von unten wirkt sie un-
glaublich schroff und bildet einen schönen Hintergrund zu den lieblichen
Wiesen zwischen Carmisch-Partenkirchen und Mittenwald. Abgesehen von
ein paar Kletterbergen in der Nähe der Meilerhütte werden die schrofigen,
unfreundlichen Felsgipfel nur selten, etliche so gut wie nie bestiegen. Nur
eine bedeutende Ausnahme gibt es, die Obere Wettersteinspitze. Sie ist ein
typischer Vertreter dieses Gebirges, das gekennzeichnet ist von dichtem
Fichtenwald in Talnähe, rauschenden Buchenwäldern weiter oben, der von
steilen Geröllbändern durchzogenen Latschenregion darüber, und in Gip-
felnähe von steilen, tristen Kalkschrofen. Die Tour selber ist sehr lang und
ziemlich anstrengend. Dafür sorgt vor allem der Gegenanstieg am Franzo-
sensteig. Auch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind vonnöten, denn
oberhalb des Gamsangers geht es über weite Streckenabschnitte etwas luf-
tig her, und bei Nässe oder Schnee kann die Sache auch brenzlig werden.
Man muß also unbedingt gute Verhältnisse abwarten.

Busverbindung von Mittenwald.


Ausgangspunkt: Parkplatz bei der
Wandertafel, 1028 m.
Talort: Leutasch-Burggraben, 1028 m. Gehzeit: 8.40 Stunden.
Das Leutasch liegt nördlich des Inntals Höhenunterschied: 1770 m im Auf-
und südlich der schroffen Karwendelket- und Abstieg.
te. Im weiten Tal gibt es etliche Ortschaf- Anforderungen: Trittsicherheit und
ten, die alle ihren besonderen Reiz haben. Schwindelfreiheit erforderlich.

Vom Ausgangspunkt, dem Park- Minuten nach Burggraben. Dort


platz neben der Wandertafel, gehen beginnt der Wanderweg, der aus
wir am Sträßchen über den Roß- historischem Grund »Franzosen-
Die Hohe Munde, gesehen vom Wettersteingebirge. brandbach hinüber und in wenigen steig« heißt. Über ihn sollen näm-

Auf dem Rücken gehen wir gegen Dort wird es endlich gemütlich. Wir
Westen, abermals über kurze Steig- biegen vor der Tillfussalm auf den
anlagen, und oberhalb der Gelben Fahrweg ein und gehen das lange
Wand in den Sattel kurz unter der Gaistal nach Osten bis Obern hin-
Niederen Munde hinein. Dort bie- aus. Von Obern wandern wir an der
gen wir rechts ab und folgen dem Fahrstraße zum Parkplatz am Lift
Wanderweg nach Norden, hinunter zurück und haben endlich diese Ge-
in das Gaistal. walttour geschafft.
44 45
lich Napoleons Soldaten von Schar- Wir biegen also nach links auf den
nitz zur Schanz herübergekommen Franzosensteig ab und folgen ihm
sein und eine Kanonenkugel abge- im wesentlichen gegen Nordwesten
feuert haben, die in der damaligen hinauf. Er bringt uns in den Wald
Mühle (jetzt Gasthaus) eingeschla- hinein und steigt stetig an, bis er
gen hat. Sie wird von der Wirtin nach einem Sattel, westlich des
heute noch aufbewahrt, und wer Grünkopfs, wieder abfällt. Gleich
sie sehen will, dem zeigt sie die Ku- darauf kommen wir zur Staatsgren-
Die schönste Schau nach Mittenwald und ins Karwendelgebirge gibt es
gel gerne. ze und wandern nun neben den
vom Gamsanger zu bewundern.

Gipfelblick von der Oberen Wettersteinspitze zur Wettersteinwand und


zur Leutascher Dreitorspitze. Grenzsteinen links (gegen Westen) sen und gemütlich erst einmal Brot-
weiter. zeit machen, bevor wir den Rest des
Der Bergweg führt unterhalb der Aufstiegs in Angriff nehmen. Der ist
Unteren Wettersteinspitze, hoch nämlich ziemlich pfiffig, und eine
über dem blaugrünen, malerischen Erholungspause kann deshalb vor-
Ferchensee dahin und vereinigt sich her nicht schaden.
mit dem Weglein, das direkt von Beim Gipfelsturm halten wir uns am
Mittenwald heraufkommt. Wir ge- Gamsanger noch weiter links, stei-
hen immer in der gleichen Richtung gen also gegen Süden auf. Die ober-
weiter, bis sich die Pfadspur gabelt. sten 300 Höhenmeter dieser Tour
Dort schwenken wir links ab und sind dann schon eine gewisse Her-
steigen steil gegen Südwesten auf. ausforderung. Die roten Markie-
Schon dort finden wir hin und wie- rungspunkte leiten uns durch stei-
der ein festes Drahtseil zum Festhal- les Felsengelände hinauf, bis wir,
ten, und in dieser Richtung kraxeln zuletzt nochmals kurz am Drahtseil,
wir bis zum Gamsanger hinauf. das Kreuz am Felsengipfel der Obe-
Dort findet sich ein schöner Ruhe- ren Wettersteinspitze erreichen.
platz mit eindrucksvollen Aus- Leider gibt es keine Abstiegsalter-
blicken. Zwischen den Latschen- native, weshalb wir entlang der
büschen können wir uns schön die Aufstiegsroute wieder zurückge-
Sonne auf den Bauch scheinen las- hen.
46 47
Gehzeit: 6.15 Stunden.
Schachenhaus und Meilerhütte, 2366 m Höhenunterschied: 1355 m im Auf-
und Abstieg.
Über den Schachenweg Talort: Elmau, 1008 m. Nächster Bahn- Anforderungen: Leichte, aber etwas
hof in Klais (6 km). lange Bergwanderung.
Beim königlichen Lustschloß Ausgangspunkt: Wanderparkplatz El- Einkehr: Im Schachenhaus und auf der
Ziel und absoluter Höhepunkt dieser Tour ist das Königshaus am Schachen. mau, 1020 m. Meilerhütte.
Dieses Schlößchen, das von außen mehr wie ein überdimensionierter Heu- Der riesengroße Wanderparkplatz baut und nicht zu steil, zudem be-
stadel aussieht, wird fälschlicherweise oft als Jagdschloß bezeichnet. Aber Elmau, an dem die Tour beginnt, ist kommt man im dichten Wald von
sein Erbauer, der bayerische Märchenkönig Ludwig II., war kein Jäger. Es ist nicht zu verfehlen. Am günstigsten der schönen Wettersteinlandschaft
schlichtweg ein Lustschloß am ist es, wenn man die 10,5 km lange ohnehin fast nichts mit.
Schachen entstanden, das keinem Strecke zum Schachenhaus mit dem Wir verlassen den Parkplatz also
anderen Zweck als der reinen Freu- Mountainbike zurücklegt (zu Fuß zweckmäßigerweise mit dem
de diente. Das muß man sich mal gut 21/2 Std.). Die Forststraßen sind Mountainbike auf der breiten Forst-
vorstellen, aus Steuergeldern am bis auf das letzte Stück gut ausge- straße, die die Bezeichnung »Scha-
Berg oben ein sündhaft teures
Schlößchen zu bauen, das nur dem
Vergnügen eines Mannes diente!
Im Jahr 1870 war das noch möglich,
heute würde bei so einem Unter-
fangen nicht nur der Bund der
Steuerzahler rebellieren. Doch das
Königshaus muß man gesehen ha-
ben! Vor allem das Türkische Zim-
mer im Obergeschoß ist an Prunk
und Protz nicht zu überbieten. Die
bunten Glasfenster verleihen dem großen, mit Zierat überladenen Raum ei-
nen orientalischen Touch, und über die Gelage, die vom König in diesem
Saal mit seinen Lakaien gefeiert wurden, gibt es üble Gerüchte. Mehr dar-
über erfährt man bei einer Führung unter der Leitung des Hüttenwirts, täg-
lich etwa um 11 und um 14 Uhr. Gleich neben dem Schlößchen ließ Ludwig
für das Gesinde Nebengebäude errichten. Diese werden heute als Bergstei-
gerunterkunft und Berggasthaus betrieben, so hat auch die Allgemeinheit
was von den königlichen Investitionen. Neben dem Schachenhaus ist ein
5000 m2 großer botanischer Garten angelegt, in dem von Anfang Juli bis
Mitte September 1000 verschiedene Alpenblumen bestaunt werden kön-
nen. Die meisten Blüten wird man im Juli sehen.

48 49
Das schmale Sträßchen zieht sich
noch etwas hin, bis es am
Schachenhaus endet. Damit ist die
Mountainbike-Tour zu Ende.
Wer gar nicht genug bekommt,
kann in rund 1,5 Stunden auf einem
gut markierten, aber streckenweise
steilen Steig gegen Süden, später
Osten, zuletzt durch einen stark
geneigten Geröllhang, zur Meiler-
hütte aufsteigen und diese als
Stützpunkt für Anstiege zu den bei-
den Dreitorspitzen oder für Kletter-
touren (z.B. Bayerländerturm) nut-
zen.
Blick vom Aussichtspavillon beim
Zurück gehen bzw. fahren wir ent-
Schachenhaus auf Hochblassen
lang der Aufstiegsroute.
(rechts) und Alpspitze.

Meilerhütte mit Törlspitzen.

Königshaus und Unterkunftshaus am Schachen, im Hintergrund das Ester-


gebirge.

chenweg« verliehen bekommen im Sattel und halten sich bei der


hat, und folgen ihr neben dem Diensthütte rechts, um am Sträß-
Elmauer Bach nach Südwesten. chen weiterzufahren. Dieser Weg ist
Nach etwa einer halben Stunde noch im Urzustand, also so, wie er
leicht ansteigender Wegstrecke als Reitweg für König Ludwig vor
kommen wir zu einer Straßenver- mehr als hundert Jahren gebaut
zweigung, wo wir links (gegen Sü- worden ist. Das merken wir gleich,
den) abbiegen und am Königsweg, denn er ist deutlich schmaler, steiler
ebenfalls einem breiten Forstweg, und schlechter. Er schlängelt sich in
weiterradeln. Die Straße zieht sich vielen scharfen Kehren zunächst
über dem Laingraben lange gegen gegen Westen, dann in einem Bo-
Süden hin und führt vor der Wet- gen um den Steilenberg herum,
tersteinalm zur Rechtskehre bei ei- gegen Südwesten durch den Wald
ner Forstdiensthütte. hinauf, bis er deutlich abflacht. Der
Dort könnten wir das Rad abstellen Wald lichtet sich, und unter dem
und zu Fuß, anfangs geradeaus, Forsthaus am Schachentorkopf
dann in einem weiten Rechtsbogen öffnen sich erstmals freie Blicke
durch das Schachentor nach Wes- zum Schachenhaus, das wir vor der
ten zum Schachenhaus aufsteigen. malerischen Wettersteinkulisse auf
Sportliche Radfahrer aber bleiben einem grünen Wiesenabsatz finden.
50 51
Zugspitze, 2962 m
Durch das Höllental
Der schönste Weg zur Zugspitze
Deutschlands höchster Gipfel ist zugleich der häßlichste und überlaufenste.
Drei Bergbahnstationen und eine Fülle technischer Anlagen verunstalten
sein Haupt und der Bergsteiger fragt sich, ob so ein Ziel lohnenswert ist. Das
Gipfelerlebnis ist die Mühe des langen Anstiegs keinesfalls wert. Was zählt
ist der Weg, und der geizt nicht mit Glanzlichtern. Für einen Tag ist die Be-
steigung der Zugspitze durch das Höllental mit satten 2200 Höhenmetern
eine Gewalttour, die allerbeste Kondition verlangt. Deshalb wird eine Über-
nachtung in der Höllentalangerhütte empfohlen. Auch dann bleibt die Tour
noch mühsam genug. Die ausgedehnten Klettersteige verlangen Bergerfah-
rung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, zumal sie bisweilen stark ausge-
setzt sind. Der Höllentalferner ist normalerweise ungefährlich. Allerdings
kann stark abgeschmolzener Schnee und Blankeis mitunter zum Problem
werden (Steigeisen!). Je nach den Verhältnissen bereitet auch die Randkluft
bisweilen Schwierigkeiten, nämlich dann, wenn sie bei heißem Sommer-
wetter zu breit wird. Dann muß man direkt in die Wand, die mit Krampen
versehen ist, hineinspringen. Das erfordert Mut und Zielsicherheit.

Höhenunterschied: 2202 m im Auf-


stieg (Rückkehr mit der Seilbahn).
Anforderungen: Der Klettersteig setzt
Talort: Hammersbach, 760 m, südlich Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und be-
von Grainau. Verbindung mit dem Linien- ste Kondition voraus (Klettersteigsiche-
bus oder der Zugspitzbahn ab Garmisch- rung empfohlen). Für die Begehung des
Partenkirchen. Höllentalferners braucht man mitunter
Ausgangspunkt: Hammersbach, Steigeisen.
760 m. Einkehr und Übernachtung: In der
Gehzeit: 6.40 Stunden (Abstieg 5 Stun- Höllentalangerhütte und im Münchner
den, wenn man nicht mit der Bahn fährt). Haus auf dem Gipfel.

Im Höllental.

Von Hammersbach gehen wir ne- von der Hütte über den Höllentalan-
t en dem Bach mit dem gleichen Na- ger am Weglein zunächst fast eben,
men auf einem breiten Weg im später deutlich steiler zur Hühner-
Wald zur Höllentaleingangshütte leiter hinauf, wo die Tour erstmals
hinauf und durch die eindrucksvolle etwas rassig wird. Die Hühnerleiter
Höllentalklamm (AV-Mitglieder ha- dient der Einstimmung auf das, was
ben freien Eintritt) zur Höllental- uns noch erwartet, und das wird
angerhütte, wo wir zweckmäßiger- weitaus pfiffiger. Wir kraxeln auf
weise übernachten. der aus Krampen gemachten, stei-
Am nächsten Tag (es sei denn, wir len Felsenleiter über eine glatte
sind durchmarschiert) wandern wir Wand hinauf, und die markierte
52 53
Route führt bald darauf zum entlang einer glatten Felswand manchmal nur mit einem beherzten
»Brett«. Dort wird es richtig ernst. zwar technisch nicht schwierig, Sprung. Es kann aber auch recht
Wir können und müssen unsere aber einen Fehltritt dürfen wir uns einfach sein, ist also von Saison zu
Schwindelfreiheit beweisen. Eisens- nicht leisten, denn es geht gigan- Saison verschieden. Es hängt eben
tifte und ein darüber gespanntes tisch in die Tiefe. Wer ängstlich ist, von den Verhältnissen ab.
Drahtseil machen den Übergang seilt sich hier vorsichtshalber an. Sobald wir sicher in den Felsen ge-
landet sind, klettern wir am luftigen
Steig steil zur Irmerscharte hinauf
und durch die Nordflanke des Zug-
spitz-Ostgipfels mit Hilfe von Draht-
seilen und Eisenstiften (einmal aus-
gesprochen luftig) zum breiten, von
Seilbahngästen geschätzten Weg
hinauf.
Auf ihm halten wir uns rechts und
steigen die letzten Meter über glatt
An der »Hühnerleiter«.
polierte Felsen zum goldenen Gip-
felkreuz der Zugspitze hinauf.
Nach dem Brett erreichen wir stei- Es gibt etliche Variationen für den
les, felsiges Gelände, und immer Abstieg: Zum Beispiel über das Platt
wieder finden sich feste Drahtseile, zur Knorrhütte, weiter zur Reintal-
doch schwierig ist die Strecke nicht, angerhütte, durch das Reintal zur
auch nicht im anschließenden Höl- Bockhütte und durch die Partnach-
lentalkar.
Die Umgebung wird nun sehr trist, Das anspruchsvollste Teilstück
aber nicht ohne Reiz, und wir nä- beim Zugspitzanstieg: die Rand-
hern uns dem Höllentalferner. Die kluft am Höllentalferner.
Wegspur führt über Toteis auf den
Gletscher zu, den wir bei etwa
2200 m Höhe erreichen.
Ist in heißen Sommern der Schnee
abgeschmolzen, und das blanke Eis
kommt zum Vorschein, dürfen wir
uns nur mit Steigeisen auf den Firn
wagen. Bei gutem Stapfschnee
kann man es auch ohne Eisen riskie-
ren, wenn man sich sicher fühlt.
Aber Vorsicht! Tragische Unfälle
sprechen eine klare Sprache. Wer
abrutscht und keinen Halt mehr fin-
det, kann übel in den Spaltenbe-
reich hineinfliegen! Auf dem Höl-
lentalferner steigen wir anfangs
nach links, um der Spaltenzone aus-
zuweichen, halten uns dann wieder
rechts und kommen mäßig steil an
die mitunter heikle Randkluft, die es
zu überwinden gilt. Das geht
54 55
klamm (schier endlos weit) nach
Garmisch hinaus, oder vom Gipfel
Pleisenspitze, 2569 m
gegen Westen zur Wiener-Neu-
städter-Hütte (2209 m) und zur Über die Pleisenhütte
Wegverzweigung auf 2007 m. Von
dort entweder nach rechts (gegen Beim Pleisentoni
Norden) zum Eibsee oder nach links Wer auf die Pleisenspitze wandert, lernt auch den »Pleisentoni« kennen. Er
(Südwesten) nach Ehrwald hinaus. ist der Erbauer und ehemalige Wirt der privaten Pleisenhütte. Heute wirt-
Wer es bequem haben will, läßt sich schaftet zwar Sohn Siegfried auf der Hütte, aber der Papa ist gern gesehe-
von einer der drei Bergbahnen tal- ner und geschätzter Dauergast. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangen-
wärts bringen. schaft hat der Toni in den fünfziger Jahren unter der Pleisenspitze den Bau
der Hütte angepackt. Anfangs wur-
Am Zugspitzgipfel. de er zwar von den Scharnitzer Mit-
bürgern wegen seines Vorhabens
belächelt, doch hat der Caugg Toni
nicht locker gelassen und ist in Ei-
genregie ans Werk gegangen. Das
Holz für seine Hütte hat er in der
Umgebung geschlagen, nur mit
dem Wasser gab es ein großes Pro-
blem. Im karstigen Kalk versickert
jeder Tropfen sofort auf Nimmer-
wiedersehen. Deshalb hat der Toni
die ganze Gegend ausgekundschaf-
tet. Dabei entdeckte er gleich meh-
rere Höhlen. In einer fand er sogar
die urzeitlichen Knochen eines jun-
gen Elchs, die heute in Scharnitz ausgestellt sind. Auch bei der Suche nach
Wasser war er erfolgreich - in einer Höhle wurde er fündig. Gerne erzählt
der Pleisentoni den Gästen über die Hütte, die Pleisenspitze, die Höhlen und
sein Karwendelgebirge. Und wenn er gut aufgelegt ist, zelebriert er sein
selbstgemachtes Karwendellied. Dann ist der Toni in seinem Element. Vie-
len gefällt es auf der Hütte beim Toni so gut, daß sie gar nicht mehr zur Plei-
senspitze hinaufgehen wollen. Doch sollte man es sich gut überlegen, denn
vom Gipfel ergibt sich eine großartige Schau.

56 57
Talort: Scharnitz, 964 m, an der
deutsch-österreichischen Grenze. Der Ort
war einst eine Festung, von der noch
Reste zu sehen sind. Bahnverbindung von
Mittenwald - München und von Inns-
bruck.
Ausgangspunkt: Parkplatz Karwen-
deltäler, 964 m, in Scharnitz.
Gehzeit: 7.05 Stunden.
Höhenunterschied: 1605 m im Auf-
und Abstieg.
Anforderungen: Die Wanderung ist
nicht schwierig, aber lang.
Einkehr: In der Pleisenhütte (Übernach-
tungsmöglichkeit nur am Wochenende). Füttern von Alpendohlen.

Zuerst müssen wir von Scharnitz auf Sinn, weil das Parken auf der gan-
der langen, asphaltierten Fahrstra- zen Strecke verboten ist. Der wohl einsamste Bereich des Karwendelgebirges: zwischen Pleisen-
ße Richtung Wiesenhof hinauf. Ger- Oberhalb vom Gasthaus Wiesenhof spitze und Birkkarspitze.
ne wird diese Strecke mit dem Rad zweigt nach links ein Schottersträß-
zurückgelegt, doch ist sie auch zu chen ab. Es ist mit einer Schranke
Fuß ganz gut zu schaffen. Mit dem abgesperrt. Diese Straße führt bis senspitze hinauf, den wir, immer in leicht, erreichen.
Auto dort hinauf zu fahren, ist zwar zur Pleisenhütte hinauf. Dazu müs- der gleichen Richtung weiterge- Der Abstieg verläuft entlang der
möglich, doch hat das nicht viel sen wir am Forsthaus vorbei, über hend, zuletzt etwas felsig, aber Aufstiegsroute.
den Wasserlegraben, können gleich
Der Gipfel der Pleisenspitze. dahinter eine weite Straßenschlaufe
über einen steilen Wanderweg di-
rekt nach Nordosten abkürzen und
biegen unter dem Stachelkopf nach
Südosten ab, bis wir auf dem
schmalen Hüttenversorgungssträß-
chen die Pleisenhütte erreichen.
Oberhalb der Hütte kommen wir et-
was in Latschendickicht hinein,
doch findet sich immer eine gute
Wegspur, so daß keinerlei Orientie-
rungsprobleme auftreten können.
Wir queren das Vorderkar gegen
Nordosten. Allmählich lichtet sich
das Dickicht, und unser Weglein
steigt immer steiler an, bis es auf
den Hinteren Pleisengrat hinauf-
führt. Wir sehen von dort schon lan-
ge zum Gipfelkreuz, doch der
Schein trügt. Es ist noch ziemlich
weit zum höchsten Punkt der Plei-
58 59
Wörner, 2474 m
Über die Hochlandhütte Talort: Mittenwald, 912 m, bekannter
Geigenbauer-Ort zwischen Karwendel
Anspruchsvolles Karwendel und Wetterstein. Bahnverbindung von
Aus der Ferne sieht der Wörner fast unerreichbar aus mit seinen steilen München und von Innsbruck.
Ausgangspunkt: Parkplatz an der B 2
Schrofenflanken und den felsigen Höhen, die oberhalb des Wörnersattels in
nördlich der Karwendelbahn, 930 m.
den steinigen Karwendelhimmel aufstreben. Wagt man sich tatsächlich an Gehzeit: 9.25 Stunden.
diesen markanten Berg heran, wird man nicht enttäuscht. Der Wörner ist Höhenunterschied: 1544 m im Auf-
eine Herausforderung - und was für eine! Der ausgesetzte Gipfelanstieg und Abstieg.
verlangt stundenlang volle Konzentration und selbstverständlich absolute Anforderungen: Trittsicherheit und
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Eine Stelle ist sogar ein reinrassiger Schwindelfreiheit sind zwingende Vor-
»Zweier«, der restliche An- und Abstieg oberhalb des Wörnersattels verdie- aussetzung (II).
nen auf weiten Strecken eine schöne runde »Eins«. Es gibt zwar hin und Einkehr: In der Hochlandhütte.
wieder einen Fixhaken, wo man eine Seilsicherung einklinken könnte, aber
Klettersteiganlagen, also Drahtseile, Krampen und ähnliche Hilfen werden Die Hochlandhütte.
Der erste Routenabschnitt ist nicht
wir vermissen. Problematisch kann der Anstieg auch deshalb werden, weil gerade überwältigend, aber steil.
die felsige Gipfelroute so gut wie nicht markiert ist. Wer nicht aufpaßt, wird Wir gewinnen schnell an Höhe, was nach links ab und verfolgen gegen
sich, vor allem unter dem Gipfelkamm, schnell versteigen, und dann wird's ja auch von Vorteil ist, wenn wir auf Osten das markierte Weglein in
dort oben arg rassig und steinschlaggefährdet. Dummerweise verirren sich der anfangs asphaltierten Straße in Richtung Hochlandhütte. Bis zum
so viele Bergsteiger, daß die falsche Route schon wie eine Steigspur ausge- Richtung Dammkar hinaufgehen. Mittereck verläuft es im Wald, dann
treten ist und immer mehr Touristen auf die falsche Fährte lockt. Hat man Direkt bei der Talstation der Mate- aber durch ein weites, freies Kar un-
endlich das heroische Gipfelziel besiegt und sich am engen Felsengipfel nie- rialseilbahn, mit der die Dammkar- ter dem Predigtstuhl und eben zur
dergelassen, wird man begeistert sein von der eindrucksvollen Schau auf hütte versorgt wird, zweigen wir Hochlandhütte.
die wahrlich gewaltig dimensionierten Felsenberge der unmittelbaren Kar-
wendel-Nachbarschaft. Aber auch hinüber in die Mieminger Kette, wo sich
hauptsächlich die Hohe Munde von ihrer schönsten Seite zeigt, und selbst-
verständlich zum Wettersteingebirge hat man hervorragende Blicke.
Halt! Wer meint, der Wörner sei für ihn zu pfiffig, der soll nicht gleich wei-
terblättern. Schließlich gibt es auf der Strecke die gemütliche und maleri-
sche Hochlandhütte, die allein schon einen Besuch wert ist. Bereits der Weg
zur Hütte ist weit genug und landschaftlich recht schön. Oberhalb der Hütte
erreicht man zudem freies Gelände, das schöne Ausblicke gewährt, beson-
ders hinüber zur benachbarten Soierngruppe.

60 61
Von der Hütte wandern wir gegen Flanke ziemlich eben, gehen über
Nordosten weiter. Unser Bergweg einen Gratausläufer hinweg und ein
ist zunächst noch ziemlich eben, Stück im Geröll leicht abwärts, bis
durchschneidet ein paar steile Rei- wir an eine steile Felsenrinne heran-
ßen, schwingt sich aber dann deut- kommen. An ihrem unteren Rand
lich auf und schwenkt etwas nach durchqueren wir diese Rinne und
rechts, also gegen Osten, und mün- haben das anspruchsvollste Stück
det in den Wörnersattel. des Anstiegs vor uns. Der Felsen,
den es zu überwinden gilt, ist mit ei-
nem roten Pfeil, der nach oben zeigt
und einem »W« (für Wörner) mar-
kiert. Schneidig kraxeln wir die
Zweierpassage hinauf und kommen
wieder in ungemütliches Schrofen-
gelände hinein. Südlich der Steilrin-
ne, also rechts davon, kämpfen wir
uns über den steilen Hang hinauf,
bis uns die Steinmänner nach links
durch die Rinne weisen. Vorsicht,
das Linksabbiegen wird sehr oft
übersehen! Durch einen breiten
Felsenriß können wir relativ einfach
gegen Nordosten zum Gipfel des
Wörner aufsteigen.
Abstieg vom Wörnersattel zur
Bis zur Hochlandhütte steigen wir
Hochlandhütte.
entlang der Aufstiegsroute ab. Wer
einen alternativen Abstiegsweg
Vom Sattel überschreiten wir kurz mag, geht von der Hütte gegen We-
den grün bewachsenen Kamm nach sten zur Oberen Kälberalm und auf
Süden und kommen unmittelbar an einem gestuften Weg steil durch
die Felsen heran. Wie gesagt, wer den Wald hinab, bis er ein Sträß-
keine nervenaufreibenden und aus- chen erreicht. Man folgt diesem
gesetzten Felspassagen mag, hört Fahrweg ein paar Minuten, biegt
dort besser auf, denn anschließend bei 1310 m Höhe nach links auf ei-
wird's am Wörner pfiffig. nen schmalen Pfad ab, um einen
Wer weiter geht, kraxelt mutig die Bach zu queren und auf der linken
griffigen Kalkfelsen hinauf und er- Seite des Bachgrabens im Wald wei-
reicht gleich darauf eine Wegspur, terzugehen. Einige Male steigen wir
die sich im losen Geröll links haltend nun auf und ab, bis wir zur Unteren
(gegen Südosten) zum Grat hinauf Kälberalm stoßen. Dort queren wir
wendet. Unter der Grathöhe findet die Forststraße und gehen am Wan-
man wieder Trittspuren, gelegent- derweg in Richtung Dammkar wei-
lich auch Steinmänner, und folgt ih- ter, wo wir die Straße erreichen, die
nen in die Steilflanke südwestlich uns entlang der Aufstiegsroute
des Gipfelgrates. Wir queren diese nach Mittenwald zurückbringt.

Blick vom Wörner über die Tiefenkarspitze zur Westlichen Karwendelspitze,


im Hintergrund Hohe Munde und Wettersteingebirge.
62 63
Von Krün zur Fischbachalm folgen
Soiernspitze, 2257 m wir einer Forststraße. Sie verläuft
vom Ort nach Osten über den Bach
Von Krün über die Schöttelkarspitze und knickt am Waldrand links ab.
Ziemlich eben geleitet sie uns ein
Soiernumrahmung Stück gegen Nordosten dahin und
Die Soierngruppe ist das nordwestlichste Bollwerk, das vom Karwendel verzweigt sich wieder. Dort halten
dem Oberland entgegengesetzt wird. Besonders auffällig ist ihr Hauptgip- wir uns rechts, folgen dem Fahrweg
fel, die Soiernspitze, mit ihren felsigen Querbändern. Beide Zuwege, der eine kurze Strecke gegen Osten und
von Mittenwald durch das Seinstal oder der von Krün über die Fischbach- dann lang ansteigend nach Osten
alm, sind enorm weit. Landschaftlich ansprechender ist in jedem Fall der An- zur Fischbachalm hinauf.
stieg von Krün. Die alpinistischen Herausforderungen auf dieser Route sind Von der Fischbachalm können wir
relativ gering, wenn man einmal vom Lakaiensteig und vom Wegstück zwi- am Fahrweg zum Hundsstall hinun-
schen Schöttelkarspitze und Feldernkreuz absieht, die immerhin Trittsicher- ter und auf einem guten Wander- Am Gipfel der Soiernspitze.
heit erfordern. Doch die Länge der Tour erreicht beachtliche Ausmaße - weg zum Soiernhaus hinaufwan-
eine Übernachtung auf dem Soiern- dern oder auch teilweise radeln.
haus, einem ehemaligen königli- Landschaftlich schöner ist der soge- Majestät vorzubereiten. Kurz vor
chen Schlößchen, wäre deshalb nannte »Lakaiensteig«, auf dem die dem Berghaus wendet sich das
durchaus angebracht. Bei optima- königlichen Lakaien ihrem Gebieter Weglein gegen Westen und steigt
len Bedingungen können Sie übri- vorausgeeilt sind, um im Soiern- nur wenig an. Allmählich schwingt
gens eine Mountainbikefahrt, eine haus alles für die Ankunft seiner es sich aber noch auf und bringt uns
Bergwanderung und eine Skitour
innerhalb eines Tages durchführen,
denn in den steilen Schattenhängen
unter der Soiernspitze und im Soi-
ernkessel bleibt der Winterschnee
bis weit in den Mai hinein liegen.

Gehzeit: 8.55 Stunden.


Höhenunterschied: 1445 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Krün, 875 m, malerischer Ge- Anforderungen: Für kurze Stellen sind
birgsort am Westrand des Karwendel- etwas Trittsicherheit und Schwindelfrei-
gebirges, Busverbindung von Garmisch- heit von Vorteil. Die Tour ist sehr lang.
Partenkirchen, Mittenwald oder Kochel. Einkehr: In der Fischbachalm und im
Ausgangspunkt: Krün, 875 m. Soiernhaus.

64 65
Wank, 1780 m
Von Höfle
Zu Fuß zum Wank
Auf einen Seilbahnberg hinauf wandern ? Es ist sicher nicht jedermanns Sa-
che, auf solch einen Gipfel zu Fuß hinaufzupilgern, wenn sich von der ande-
ren Seite die Menschen in Massen mit der Bahn heraufbringen lassen. Viel-
leicht mag den einen oder anderen Bergfreund auch der Kabelsalat in Gip-
felnähe vom Wank abhalten. Die Brettlrutscher haben jedenfalls ihre Freu-
de an den Schleppliftanlagen. Au-
ßerdem gibt es am Gipfel ein Wirts-
haus, was ja auch nicht unbedingt
ein Nachteil ist. Wie dem auch sei:
Unsere Route führt weitab der Seil-
bahn zum Gipfel hinauf und wieder
hinunter, die stille Abgeschieden-
heit beim Zu- und beim Rückweg ist
also garantiert. Der bewaldete Berg
ist ein sehr beliebter Startplatz für
Drachenflieger und Paraglider, die
sich an guten Tagen dort oben ein
farbenprächtiges Stelldichein ge-
ben. Bei schönem Wetter sind die
Gipfelblicke sehr beeindruckend.
Nach Garmisch-Partenkirchen hin-
unter und natürlich zum benach-
Soiernkessel mit Soiernsee, Schöttelkarspitze, Feldernkreuz und Feldern-
barten Zugspitzmassiv sind sie be-
kopf.
sonders imposant.

zum Schluß in vielen Kehren einen radewegs zur Soiernspitze hinauf. bzw. Mittenwald.
steilen Wiesenhang hinauf und Damit ist der letzte und höchste Gehzeit: 4.10 Stunden.
über einen Grat zum Gipfelkreuz Höhenunterschied: 900 m im Auf
Gipfel dieser interessanten Berg-
Talort: Garmisch-Partenkirchen, 708 m, und Abstieg.
der Schöttelkarspitze, dem ersten fahrt erreicht. Olympia-Ort am Fuß der Zugspitze. Bahn- Anforderungen: Gute Wege ohne al-
Gipfelziel der langen Rundtour. Bis in den Sattel zwischen Soiern- verbindung von München und Innsbruck. pine Herausforderungen.
Von diesem Gipfel gehen wir nur spitze und Reißender Lahnspitze Ausgangspunkt: Höfle, 880 m. Bus- Einkehr: Im Wankhaus und beim
ein paar Meter am Aufstiegsweg zu- steigen wir auf dem Zugangsweg verbindung von Garmisch-Partenkirchen Gschwandtnerbauern, evtl. Esterbergalm.
rück, biegen rechts (gegen Süden) ab. Im Gratsattel halten wir uns
ab und gehen in Felsengelände und rechts und balancieren anfangs arg
feinem Schutt am Feldernkreuz vor- steil in den Soiernkessel hinunter.
bei, zum Feldernkopf weiter und Dort finden wir übrigens auch eine
auf die Soiernschneid. rasante Firngleiterstrecke für das
Eine Trittspur bringt uns durch Ge- Frühjahr.
röll und Fels zur Reißenden Lahn- Vom Soiernsee müssen wir bis kurz
spitze und von dieser in den Sattel vor das Soiernhaus aufsteigen, wo
unter der Soiernspitze hinein. Von die Aufstiegsroute erreicht wird,
dort verfolgen wir Steigspuren ge- der wir zurück nach Krün folgen.
66 67
Vom Parkplatz, kurz vor der
Straßenabsperrung, wandern wir
am Fahrweg zum Wirtshaus
Gschwandtnerbauer. Hinter der
Kapelle und der Gaststätte biegt
links ein Weg ab, führt durch ein
Drehkreuz hindurch und gleich dar-
auf in den Wald hinein. Der vorbild-
lich ausgebaute Wanderweg ver-
läuft nach Norden und an einer wil-
den Klamm vorbei, mit schönen Ein-
blicken in den Abgrund hinunter,
bis er sich kurz vor dem Punkt
1384 m gabelt. Wir gehen bei den
Wegschildern links und durch schö-
nen Buchenmischwald gegen We-
sten weiter.
Der Weg wendet sich etwas gegen
Nordwesten, und wir erreichen frei-
es Wiesengelände. Links, in der
Der Wanderweg oberhalb des Gast- Schafweide, sehen wir die erste
hofs Gschwandtnerbauer. Schleppliftanlage. Die breite Pro-

Das Wankhaus am Gipfel. Links der Kramer und die Seilbahnstation.

menade führt am Transformatoren- Bei spätherbstlichem Inversions-


häuschen und der Talstation des wetter hat der Gipfelblick etwas
Gipfellifts vorbei zu einem alten Märchenhaftes an sich. Im Hinter-
Baumstamm, an dem zahlreiche ge- grund die Zugspitze.
schnitzte Wegweiser angebracht
sind. Einer zeigt die Richtung zum
Wankhaus und zum Gipfelkreuz
an, die nach wenigen Minuten er-
reicht werden.
Zurück folgen wir entweder der
Aufstiegsroute oder gehen über
den Eckenberg zur Esterbergalm
hinab. Wir könnten auch anfangs
ein Stück am Aufstiegsweg und
dann nach links zum Kaltwassergra-
ben hinabgehen, wo oberhalb der
Esterbergalm der Weg erreicht
wird, der dem Kaltwassergraben
entlang zum Punkt 1384 m und von
dort nach Höfle zurückführt.
68 69
Krottenkopf, 2086 m
Über Kuhflucht und Fricken
Gigantische Estergebirgstour
Südlich des Loisachtals erhebt sich das Estergebirge, das sich von Norden
als abweisender Berghang mit wilden Reißen und steilen Schrofen zeigt.
Trotzdem gibt es dort oben eine handvoll interessanter Wandergipfel, die
nicht schwierig zu erreichen sind, wenn man die rechten Wege kennt. Einer
von ihnen ist der Krottenkopf, der zugleich der höchste Gipfel des Esterge-
birges ist. Gleich unter dem Gipfel, in dem weiten Sattel vor dem Oberen
Rißkopf, der sich ebenfalls leicht besteigen läßt, steht die Weilheimer Hütte.
Das Estergebirge zieht sich lange hin, und unser Gipfelziel ist etwas abgele-
gen, weshalb man entweder eine Übernachtung auf der Weilheimer Hütte
einplanen sollte oder sich auf eine lange, anstrengende Wanderung einstel-
len muß. Wer die Bergtour im Hochsommer unternimmt, sollte sehr früh
aufbrechen, dann kann er fast bis zum Fricken im Schatten aufsteigen.
Schön sind die Gipfelblicke, vor allem ins Wettersteingebirge.

Talort: Farchant, 672 m, Vorort von


Garmisch-Partenkirchen. Nächster Bahn-
hof in Garmisch-Partenkirchen. Busver- Übergang vom Hohen Fricken zum Krottenkopf. Im Sattel zwischen dem
bindung von Garmisch-Partenkirchen und Gipfel (rechts) und dem Oberen Rißkopf (links) steht die Weilheimer Hütte.
von Oberau.
Ausgangspunkt: Ortsteil Mühldörfl,
Parkplatz beim Freibad, 678 m. Vom Parkplatz folgen wir dem be- Oberhalb der wilden Kuhflucht, die
Gehzeit: 8 Stunden. schilderten Weg in Richtung Ester- direkt in steiler Felsenwand ent-
Höhenunterschied: 1408 m im Auf- gebirge. Schon bald zweigen im springt, weist er über einen Höhen-
und Abstieg. lichten Wald nach rechts die Wan- rücken, an einem Unterstand vorbei
Anforderungen: Es gibt beim Auf- derwege zum Hohen Fricken und und an steilen, bewaldeten Hängen
stieg im Wald ein paar Stellen, die etwas zur Esterbergalm ab. Dort gehen entlang. Besonders bei nassem
Trittsicherheit erfordern, weil die Hänge wir am Fahrweg nach links weiter. Wetter müssen wir auf diesem
teilweise enorm abfallen.
Er endet nach gut 10 Minuten bei Wegabschnitt gut aufpassen, nicht
Einkehr: Weilheimer Hütte. Kuhfluchtwasserfall.
der Wildfütterung. Wir halten uns über die Wurzeln zu stolpern, denn
ein wenig links und wandern durch der Hang bricht steil ab.
den Hochwald steil auf einer Tritt- Bei rund 1700 m verläßt die Route
spur zur Klamm der Kuhflucht hi- den Wald. Es öffnen sich herrliche
nab. Dort erreichen wir wieder ei- Blicke ins Loisachtal hinab und nach
nen guten Wanderweg. Wir folgen Garmisch-Partenkirchen hinaus.
ihm nach rechts, dem tosenden Allmählich erreichen wir den
Wasserlauf entlang. Ein Steig führt Höhenrücken über dem Frickenkar
über das Wildwasser hinweg und in und gehen die letzten Meter nach
steile Hänge hinein. Dort schlängelt rechts, gegen Südwesten, durch
sich der Bergpfad mühsam hinauf Latschen-Buschwerk zum Gipfel des
und wieder in den Wald hinein. Fricken hinauf.

70 71
Vom Fricken steigen wir gegen Bei der Hütte biegen wir rechts ab
und steigen gegen Süden zum Gip-
Heimgarten, 1790 m
Nordosten ab, an der Abzweigung
zum Aufstiegsweg vorbei und in felkreuz am Krottenkopf hinauf.
Für den Rückweg vom Gipfel gehen
Von Walchensee über den Herzogstand
den Sattel zwischen Hohem Fricken
und Bischof hinein. Dort müssen wir wir erst einmal am Aufstiegsweg
Vom Herzogstand zum Heimgarten
links abbiegen und gegen Norden zur Weilheimer Hütte hinab. Dort
Herzogstand und Heimgarten sind eine Bastion, ein Bollwerk, das sich zwi-
nochmals ein kurzes Stück abstei- biegen wir links ab und steigen in
der Nähe der Materialseilbahn nach schen Karwendel und Murnauer Moos aufbaut und jedem, der sich den Al-
gen. Der Weg gabelt sich. Nach
Süden ab. An der Talstation der Ma- pen nähert, erst einmal Paroli bietet. Das tun sie mit dem Autofahrer, der
links könnten wir durch das Fricken-
terialseilbahn stoßen wir auf einen sich über die vielen Kehren den Kesselberg hinaufmühen muß, aber auch
kar am Oberauer Steig wieder nach
mit dem Besteiger, es sei denn, er will sich von der Seilbahn bequem hinauf-
Mühldörfl hinuntergehen. schmalen Fahrweg, der zur Hinte-
ren Esterbergalm und zur Ester- schaukeln lassen. Die beiden Gipfel, denen der Herrgott zwei Seen zu Füßen
Der Aufstieg zum Krottenkopf führt
gelegt hat - den Walchensee und den Kochelsee -, sind zu einem unzer-
an der Weggabelung nach rechts, bergalm führt. Von der Esterberg-
trennlichen Begriff geworden. Die lange, ein wenig pfiffige Gratverbindung
mehrmals auf und ab und in den alm bringt uns die bei Mountain-
bike-Fahrern beliebte Straße noch zwischen Herzogstand und Heimgarten bietet sich für eine Überschreitung
Sattel zwischen Bischof und Kareck
ein Stück relativ flach dahin, wird an, die sich großer Beliebtheit erfreut. Der Grat ist zwar leichter als sein Ruf,
hinein. Dort, am Kreuz, müssen wir
dann aber ziemlich steil, bis rechts doch wer nicht ganz trittsicher ist, sollte sich trotzdem am Drahtseilgelän-
uns ein wenig links halten und über
der gut festhalten. Ein Besuch am Herzogstand kann übrigens recht teuer
Felsen und durch Latschen unter der Wanderweg nach Farchant ab-
werden. Das geht schon los mit den Parkgebühren. Dazu kommen eventuell
dem Kareck und dem Oberen Riß- zweigt. Auf ihm flanieren wir durch
steilen Wald nach Mühldörfl zu- die Kosten für die Seilbahn, die wir Bergsteiger uns aber sparen wollen, und
kopf zur Weilheimer Hütte weiter-
last, not least summieren sich die stolzen Preise im Herzogstandhaus hinzu.
gehen. rück.
Also sollte man nur mit gefülltem Geldbeutel aufbrechen oder auf ein paar
Annehmlichkeiten verzichten. Wem das Herzogstandhaus zu mondän ist,
dem sei die Heimgartenhütte empfohlen, unmittelbar neben dem Heimgar-
tengipfel. Dort geht's wesentlich zünftiger zu.

Gehzeit: 6.15 Stunden.


Höhenunterschied: 986 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Walchensee, 804 m, Ort am Anforderungen: Außer einer guten
gleichnamigen See. Kondition keine besonderen Anforderun-
Ausgangspunkt: Parkplatz bei der gen. Der Übergang vom Herzogstand
Herzogstandbahn, 804 m. Busverbin- zum Heimgarten ist etwas ausgesetzt.
dung von Kochel, Garmisch-Partenkir- Einkehr: Im Herzogstandhaus und in
chen und Mittenwald. der Heimgartenhütte.
Ein beschildertes Weglein führt vom auf. Nach rund 100 Höhenmetern
Parkplatz in den Wald hinein und schwenkt es links ab, quert die Lift-
schlängelt sich in vielen Kehren zu- trasse der neu erbauten Herzog-
nächst gegen Norden den Berg hin- standbahn gegen Westen und stößt

72 73
Vom Berghaus verläuft ein gutes Vom Gipfel gehen wir nur ein paar
Weglein am Martinskopf entlang Meter zur Heimgartenhütte hinab
und gegen Norden in vielen Kehren und durch den Wirtsgarten gegen
durch Latschenbuschwerk am Gip- Süden zur malerisch gelegenen klei-
felkreuz vorbei bis zum Aussichts- nen Ohlstädter Alm. In der breiten
pavillon am Herzogstand. Senke gabelt sich der Weg. Dort
Der Weiterweg zum Heimgarten steht ein Notfall-Funktelefon, und
bringt uns über die obersten Meter wir wandern geradeaus, gegen Sü-
des Aufstiegswegs zurück und auf den, weiter. Der Pfad steigt nun
der westlichen Seite des Gipfels zur wieder an und führt unter dem Rot-
langen Gratverbindung hinab. In wandkopf in einem Bogen nach
ständigem Auf und Ab plagen wir Westen, wo wir einem langen, be-
uns nun über den stellenweise en- waldeten Gratrücken folgen. Bei
gen Grat mit eindrucksvollen Tief- der Wegverzweigung halten wir
blicken, über abgegriffene Felsen uns rechts und gehen auf der brei-
und zum Schluß wieder ordentlich ten Promenade im Wald nach Wal-
steil durch Latschengebüsch zum chensee und zum Ausgangspunkt
Heimgarten hinauf. zurück.

Das Herzogstandhaus, dahinter der Martinskopf. Am Grat zum Heimgarten.

an eine Geländekante bei rund drucksvollen Wasserfall vorbei und


1050 m Höhe. Dort gehen wir, im- nimmt im Wald wieder deutlich an
mer noch steil, wieder gegen Nor- Steigung zu. In weitem Rechts-
den hinauf, und allmählich nimmt bogen kommen wir zum Herzog-
die Hangneigung ab. In einer Kehre standhaus hinauf, das sich für eine
führt der Bergpfad an einem ein- erste Rast anbietet.

74 75
Jochberg, 1565 m
Vom Kesselberg

Kleine Tour für die ganze Familie


Vom Kochelsee gibt sich der Jochberg recht unfreundlich. Mit seinen steilen
Felsenreißen und schroffen Hängen schneidet er eine wilde Grimasse, die
eigentlich nicht zu diesem gemütlichen Bergziel paßt. Sein liebliches Ge-
sicht zeigt dieser Berg auf den anderen Seiten, also im Süden und Osten. Da
gibt er sich dem Betrachter schon deutlich harmloser. Die Wanderung ist
also recht leicht, nicht zu lang und zu allen Jahreszeiten stets beliebt. Vielen
ist sie sogar zu kurz, und deshalb bleibt auch noch genügend Zeit für einen
Abstecher nach Sachenbach hinunter, das direkt am sagenumwobenen und
eisig kalten Walchensee liegt. Von Sachenbach nach Urfeld zurück und zum
Ausgangspunkt wieder hinauf kann man auf einer breiten Promenade bum-
meln und vielleicht auch zwischendurch auf ein Haferl Kaffee in Urfeld ein-
kehren...

Wanderwege sind ohne Schwierigkeiten


zu begehen.
Einkehr: In der Jocheralm südlich des Einmaliger Gipfelblick auf den Kochelsee und das Alpenvorland.
Talort: Urfeld, 802 m. Der kleine Ort Gipfels.
legt am Nordufer des Walchensees, di- den steilen Wiesen nicht mehr neh- ten wir uns schon wieder rechts und
rekt neben der Kesselbergstraße und be-
men. Wir gehen also bis zum steigen am Weg durch den Wald
steht im wesentlichen aus Hotels.
Ausgangspunkt: Parkplatz an der Weidegatter zurück, dort scharf bis zum kleinen Dorf Sachenbach
Kesselbergstraße, 850 m. Busverbindung links und queren den Hang zur am Nordostufer des Walchensees
von Kochel oder Mittenwald. Jocheralm hinab. Nach der Einkehr hinab. Von dort folgen wir dem
Gehzeit: 3.40 Stunden. in der bewirtschafteten Alm bringt asphaltierten Fahrweg am Seeufer
Höhenunterschied: 763 m im Auf uns ein Fahrweg gegen Südwesten nach rechts bis Urfeld. Das letzte
und Abstieg. in den Wald hinein. Bald schon ver- Stück müssen wir neben der stark
Anforderungen: Die gut markierten lassen wir die schmale Straße nach befahrenen Kesselbergstraße im
rechts, in Richtung Sachenbach. Bei Abgasdunst zum Ausgangspunkt
Direkt an der Kesselbergstraße be- einem Weidegatter, gehen durch der nächsten Wegverzweigung hal- hinauf.
ginnt der gut markierte und beschil- dieses hindurch und ein wenig links
derte Wanderweg. Er steigt gegen auf den freien Gipfelrücken hinauf.
Osten an und führt unter dem Des- Zuletzt wird es dann noch etwas
selkopf in den Wald hinein. Die steiler, aber nicht wild, bis wir am
dichten Buchen und Fichten gewäh- aussichtsreichen Kreuz auf dem
ren nur wenig freie Blicke zum Her- Jochberg ankommen.
zogstand hinüber und zum stillen Nur wer es ganz eilig hat, geht auf
Kochelsee hinab. Mitten im dunklen der Aufstiegsroute auch wieder zu-
Wald, auf der Höhe von 1340 m, ga- rück. Schöner ist es, über die
belt sich der Weg. Wir biegen links Jocheralm nach Sachenbach abzu-
ab und folgen der guten Spur ge- steigen. Allerdings sollte man den
gen Nordosten, die bei rund direkten Abstieg vom Jochberg
1400 m Höhe aus dem Wald heraus nach Süden, zur Jocheralm hinun-
kommt. Bald darauf stoßen wir zu ter, wegen der Erosionsgefahr auf
76 77
Zwiesel, 1348 m
Vom Gasthaus Waldherr

Zum Blomberg - ohne Seilbahn


Blomberg und Zwiesel, Paradeziele der Oberlandler, sind mit einem dichten
Wanderwegenetz versponnen und zu allen Jahreszeiten beliebt. Kaum ein
Bergziel ist so schnell und so gut von München mit dem Auto und der Bahn
erreichbar. Obendrein bietet es Gelegenheit zu einer zünftigen Einkehr, ei-
ner weiten Rundtour und - vom Zwieselberg - zu einer umfassenden Rund-
schau. Wer es besonders bequem mag, kann mit der Blombergbahn von
Norden her auffahren und auf der
Sommerrodelbahn wieder zurück-
rasen. Mit Sport hat das allerdings
nichts mehr zu tun, nur noch mit
Freizeitgaudi. Auch Mountainbiker
und Rodler kommen gerne herauf.
Die hier vorgestellte Route auf die
beiden vielbesuchten Gipfelchen Rast am Zwieselgipfel.
beginnt in Lehen, beim Wirtshaus
Waldherr. Sie liegt also weitab der Vom Parkplatz unterhalb der be- weise recht viele Spaziergänger
Bergbahn und ist wenigstens im un- liebten Ausflugsgaststätte Wald- unterwegs.
teren Bereich noch einigermaßen Herr folgen wir dem gesperrten Vor der Brücke müssen wir rechts
ruhig. Gelegentlich kann man auf Sträßchen ein kurzes Stück nach abbiegen, und ein markierter Weg
dieser Route sogar unseren Ex-Bun- Südwesten. Dort sind normaler- führt am Waldrand entlang und
despräsidenten Richard von Weiz-
säcker antreffen, der, weil er ganz
in der Nähe wohnt, in ruhigen Stun-
den auch mal gerne auf den Blom-
Der Wirtsgarten des Blomberg- berg wandert, wenn er sich nicht
hauses. gerade höheren Gipfeln widmet.

Talort: Wackersberg, 748 m, zwischen


Bad Tölz und Lenggries. Typisch ober-
bayerisches Dorf mit schönen alten Bau-
ernhäusern.
Ausgangspunkt: Gasthaus Waldherr
in Lehen, 755 m, südlich von Wackers-
berg. Busverbindung von Bad Tölz oder
Lenggries (von dort Bahnverbindung nach
München). gend gemütliche Wanderung auf guten,
Gehzeit: 3 Stunden. markierten Bergwegen.
Höhenunterschied: 593 m im Auf- Einkehr: Im Blomberghaus und im
und im Abstieg. Gasthaus Waldherr beim Ausgangs-
Anforderungen: Leichte, überwie- punkt.
78 79
über freie Wiesen hinauf, bis er bei henzug durch Wald und zuletzt
1000 m Höhe in dunklen Wald ein- überwiesen nach Süden zum Kreuz
Schönberg, 1620 m
taucht. Dort wird der Besucheran- am zweiten und höheren Ziel dieser
drang schon geringer. Wanderung, dem Zwiesel. Von Lenggries über das Seekarkreuz
Einigermaßen steil bringt uns der Vom Zwieselberg gehen wir an-
breite Weg zu einer Abzweigung, fangs ein Stück am Aufstiegsweg Huf die unbekannten Kämpen
wo man nach rechts über den Hei- zurück, biegen aber bald rechts ab Unterschätzen wir die Kämpen nicht! Sie sind zackig und sogar etwas luftig.
gelkopf und die Wackersberger Alm und steigen auf einem freien, brei- Und sie fordern Kondition, wenn man sie mit dem Seekarkreuz und dem
zum Blomberg gehen könnte. Weit- ten Rücken gegen Osten zur Schönberg (der seinen Namen zurecht trägt) an einem Tag überschreitet.
aus bequemer und fast eben ist der Schnaiter Alm ab. Von der Alm ge- Diese Berge bilden zusammen ein Gipfel-Bollwerk, das den Isarwinkel vom
linke Aufstiegsweg, der durch hen wir in der gleichen Richtung in Mangfallgebirge trennt. Deshalb sind auch die Ausblicke in beide Berg-
dunklen Wald gegen Nordwesten eine Waldlichtung hinein und durch regionen so schön, insbesondere vom Schönberg. Vor allem auf den Käm-
verläuft und erst beim Skilift an der diese auf der Wegspur weiter tal- pen und am Übergang vom Seekarkreuz zum Schönberg, über das Maria-
Sauersberger Alm in freies Gelände wärts, bis der Pfad in den Wald eck, geht es auf dieser langen Rundtour ein wenig alpin zu. Damit niemand
und gleich darauf zum Blomberg- führt. Anschließend kommen wir in zu kurz kommen muß, steht etwas abseits der Route die urige Lenggrieser
haus stößt. engen Kehren durch steilen Wald Hütte, die neben angenehmer Einkehr auch Unterkunft gewährt. Selbstver-
Die Aussicht ist von dort oben nicht hinab und zu einer Metalltreppe un- ständlich muß man die hier vorgestellten Gipfel nicht alle auf einmal bestei-
gerade berauschend. Wer den Blick mittelbar am Steg über den Groß- gen. Man kann entweder ein Zweitages-Unternehmen aus der Wanderung
ins Weite sucht, der sollte in jedem bach. Von dort wandern wir fast machen oder man nimmt sich jedes Ziel als eigene Tour vor. Hier sind sie zu-
Fall noch zum Zwieselberg weiter- eben auf der Forststraße in einem sammengefaßt, weil 's so schön paßt und weil es auch Bergwanderer gibt,
gehen. Der Aufstieg führt am Fahr- Linksbogen zur Aufstiegsroute und die nie genug bekommen können. Sie können sich am langen Bergkamm
weg, später über einen breiten Hö- zum Gasthaus Waldherr zurück. richtig austoben.

Abstieg vom Zwiesel zur Schnaiter Alm. Höhenunterschied: 1082 m im Auf-


und Abstieg.
Anforderungen: Für die Kämpen und
Talort: Lenggries, 679 m. am Maria Eck sind Trittsicherheit und
Ausgangspunkt: Hohenburg, 708 m, etwas Schwindelfreiheit erforderlich. An-
Ortsteil von Lenggries. Busverbindung sonsten ist die Tour leicht, aber lang.
von Lenggries (von dort Bahnverbindung Einkehr: In der Lenggrieser Hütte
nach Bad Tölz und München). (ganzjährig geöffnet) und in der Röhrl-
ehzeit: 7.15 Stunden. moosalm.

Vom Parkplatz in Hohenburg fol- lich zum Hirschtalsattel an. Dort


gen wir dem Fahrweg gegen Osten lädt eine schöne Ruhebankzu ange-
nach Geisreuth und in das Hirsch- nehmer Rast ein. Wir verlassen dort
bachtal hinein. Der beliebte Moun- den Fahrweg gegen Südosten und
tainbikerweg verläuft durch eine steigen anfangs über eine Wiese,
schöne Klamm und steigt gemäch- später im Latschengebüsch steil auf

80 81
es sportlich zu, denn wir müssen gen. Ein Weglein führt von dort im
uns schon mehrmals gut am Fels Wald in das Röhrlmoos mit der
festhalten, bis wir den Sattel Maria- gleichnamigen Alm hinunter. Der
eck erreichen. Im Sattel gehen wir Rest des Abstiegs ist dann leider et-
gegen Süden weiter und folgen was weniger berauschend, wenn
dem schmalen Weglein, das durch auch nicht ohne Reize. Er verläuft
Wald und im Felsengelände, zuletzt über die lange, streckenweise
über eine steile, freie Wiese zum asphaltierte Straße, anfangs nach
Schönberg hinaufführt. Das Gipfel- Westen, dann gegen Nordwesten,
kreuz steht etwas westlich des am Schmickerstein vorbei und nach
höchsten Punktes. So sieht man es Fleck hinaus. Wer zum Ausgangs-
vom Tal aus besser. punkt zurück will, muß sich auf den
Vom Gipfelkreuz des Schönbergs Linienbus, ein zweites Auto, einen
folgen wir der Wegspur gegen Süd- verständnisvollen Autofahrer, der
osten Richtung Schönbergalm hin- ihn mitnimmt oder einen Muskelka-
ab und stoßen bald auf einen Fahr- ter einstellen, wenn er die weite
weg, auf dem wir gegen Osten bis Strecke zu Fuß geht, wofür fast eine
zur scharfen Straßenkehre abstei- Stunde zu rechnen wäre.

Schönberg und Seekarkreuz, gesehen vom Roßstein. Im Hintergrund die


Benediktenwand und der Zwiesel.

die Grathöhe zwischen Ochsen- und dem zum Wiesensattel unter dem
Auerkamp hinauf. Von dort können Seekarkreuz, von wo wir gemütlich
wir in wenigen Minuten nach links zum Seekarkreuz hinüberbummeln
zum Gipfelkreuz des Ochsenkamp können. Der Weiterweg auf dieser
hinübergehen. Der Weiterweg Tour bringt uns vom Seekarkreuz
bringt uns kurz am Aufstiegsweg gegen Süden über den freien Wie-
zurück und dann in einer Gratwan- senhang zu einer Wegverzweigung.
derung mehrmals leicht auf und ab Wer Lust und Zeit hat oder über-
zum Auerkamp hinauf. Wir bleiben nachten will, biegt dort rechts ab
am Grat und erreichen den Spitz- und steigt im Wald zur Lenggrieser
kamp. Hütte, 1338 m ab. Berühmt ist die
Der Abstieg vom Spitzkamp ist et- Lenggrieser Hütte nicht zuletzt
was pfiffig. Auf der Südseite des durch riesige Kaffeetassen und zivi-
Grats kraxeln wir steil und etwas le Preise.
luftig in den Sattel zwischen Spitz- Die vollständige Rundtour bringt
kamp und Brandkopf hinab. Im Sat- uns vom Sattel allerdings gegen Sü-
tel gehen wir dann der Fahrspur fol- den weiter und zum Kotierungs-
gend rechts und erreichen einen punkt 1563 m. Dort halten wir uns
Fahrweg. Auf der Forststraße links und folgen dem zackigen Grat
schwenken wir links ab und wan- in Felsengelände hinein. Jetzt geht
82 83
Benediktenwand 1800 m
Aus der Jachenau
Der schönste Weg zur Benewand
Die Benewand ist an ihrer Nordseite mit etlichen Kletterrouten in der steilen
Wand gewürzt und einem schmalen Steig, der über den Schwierigkeitsgrad
II+ aber nicht hinausgeht. Das sind Anstiege für Spezialisten. Beschaulicher
geht es am Westgrat, am Ostgrat oder auf der Südseite zu. Dort gibt es rela-
tiv leichte Wanderwege zum Gipfel hinauf. Sehr oft wird dieser markante,
weit ins Oberland hinaus sichtbare Berg vom Brauneck aus bestiegen oder
von der Tutzinger Hütte. Ruhiger sind die hier vorgestellten Wege. Auch sie
sind längst keine Ceheimtips mehr, aber sie sind landschaftlich besonders
reizvoll. Über die Cipfelschau braucht man nicht viel zu erzählen - sie ist der
Berühmtheit dieses Berges angemessen. Der Gipfel ist weit und breit die
höchste Erhebung, und deshalb hindert nichts den beinahe grenzenlosen
Weitblick. Atemberaubend ist übrigens die Schau zur Tutzinger Hütte hin-
ab. Man blickt genau auf die sonnige Hüttenterrasse und - wenn man ein
Fernglas dabei hat - in die Bierkrüge derer, die eine gemütliche Brotzeit
dem anstrengenden Gipfelaufstieg vorziehen. Der hier vorgestellte Auf-
stieg ist nicht schwierig. Wesentlich anspruchsvoller ist der Abstieg vom
Gipfel zur Bichleralm. Er erfordert sogar etwas Trittsicherheit und Schwin-
delfreiheit. Im Hochsommer wird es auf den Südhängen oft arg heiß. Das
muß man wissen, damit man nicht erst am Vormittag losgeht, sondern mit
dem ersten Lichtstrahl am frühen Morgen.

Ausgangspunkt: Großer Wander-


parkplatz am westlichen Ortsrand, hinter
dem Schützenheim.
Talort: Jachenau, 790 m, am Schluß des Gehzeit: 8.00 Stunden.
gleichnamigen Tales, südwestlich von Höhenunterschied: 1078 m im Auf-
Lenggries gelegen. Jachenau ist ein typi- und Abstieg.
scher, gemütlicher oberbayerischer Ge- Anforderungen: Beim Abstieg sind
birgsort, wie er schöner nicht sein kann. ein kurzes Stück Trittsicherheit und
Dort hinten ist die Welt noch in Ordnung, Schwindelfreiheit erforderlich. Wegen der
das wissen auch die vielen Ausflügler. Länge der Tour braucht man einwand-
Busverbindung von Lenggries. freie Kondition.

Der Gipfel der Benediktenwand.

Vom Parkplatz folgen wir dem be- chen Seite und führt ein kurzes
schilderten Wanderweg, überque- Stück auf einem Fahrweg weiter, bis
ren auf einer Brücke den Bach, der er wieder in schönen Buchenwald
aus der Kleinen Laine herausfließt eintaucht. Schon wieder kommen
und gehen in den Wald hinein. Der wir für eine Viertelstunde auf eine
Anstieg folgt ziemlich eben dem Forststraße, verlassen diese aber in
wilden Bachlauf auf seiner westli- Höhe der Lainlalm, um über freies
84
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Weidegelände zum eindrucksvollen Wanderweg, der vom Rabenkopf
Wasserfall des Glasbachs aufzustei- herüberkommt und steigt im dich-
gen, der mit seinen tiefblauen Gum- ten Wald zum Kotierungspunkt
pen brilliert. Oberhalb des wilden 1324 m an. Dort wird der West-
Wasserlaufs müssen wir eine steile, rücken der Benediktenwand er-
schütter bewaldete Flanke hinauf, reicht. Wir biegen scharf nach
bis der Weg wieder flacher wird und rechts ab, um durch steilen, felsigen
im Wald weiterführt. Wald gegen Osten hinaufzusteigen.
Oberhalb der Peterer Alm wird es Am Punkt 1569 m erreichen wir
dann wieder steil, und auf ein paar wieder eine Wegabzweigung, wo
Meter führt der Bergpfad noch ein- wir gegen Norden zur Tutzinger
mal an eine Straße heran. Die Auf- Hütte absteigen könnten. Wir ge-
stiegsroute kreuzt sich mit dem hen dort rechts. Der Gipfelanstieg

Blick vom Westaufstieg zur Probstenwand.

ist zunächst noch steil, wird aber gend sehr steil gegen Südwesten
immer flacher und verläuft im Lat- talwärts verläuft.
schengebüsch, auf der rechten Sei- Unterhalb der Tanneralm weist der
te des breiten Gipfelrückens, zur Weg gegen Südosten und an der
Unterstandshütte und dem Gipfel- Ortereralm vorbei, bis in Petern das
kreuz auf der Benediktenwand. Jachental erreicht wird. Von dort
Man kann natürlich am Aufstiegs- kann man mit dem Bus zum Aus-
weg nach Jachenau zurückgehen. gangspunkt zurückfahren.
Es gibt aber eine interessante Alter- Wer gut zu Fuß ist, biegt kurz vor
native: Sie bringt uns vom Gipfel Petern rechts ab und marschiert
gegen Süden in die Latschen und V/2 Stunden lang die 7 Kilometer
sehr steil, durchaus sogar etwas lange Strecke durch das Reichenau-
pfiffig, im Felsengelände nach Süd- tal zurück. Dieser Weg neben dem
osten hinab. Vor der Bichleralm stillen Bach ist landschaftlich sehr
führt der Abstieg wieder in Weide- reizvoll. Er führt fast eben dahin.
gelände. Bei den Hütten wird ein Nur das letzte Stück, von der Bergl-
Fahrweg erreicht, der anfangs noch alm nach Jachenau, fällt er deutlich
relativ flach, später aber überwie- ab.

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Demeljoch, 1924 m
Über Schürpfeneck und Dürnbergjoch

Mit Ausdauer zum Demeljoch


Verachtet mir das Demeljoch nicht! Trotz der bescheidenen Höhe und der
schönen, markierten Anstiegswege handelt es sich um eine anstrengende
Tour mit einem elend langen Anstieg und einem nicht minder langen Rück-
weg. Also sollten Sie einen ganzen, ausgefüllten Tag für diese Partie einpla-
nen. Was bekommen wir dafür? Wieder sind es die schönen Ausblicke, die
diese Tour so lohnend machen. Die freie Schau öffnet sich auf dieser Berg-
fahrt früher als gedacht, nämlich schon unter dem Hühnerberg, denn dort
lichtet sich der dichte Wald, und auf dem langen Bergkamm über das
Schürpfeneck zum Dürnbergjoch wird man nicht nur einmal stehenbleiben,
um über das herrliche Bergpanorama von dort oben zu staunen. Zu Füßen
liegt der Sylvensteinsee, dahinter zieht sich die lange Kette der Vorberge
vom Estergebirge über die Kochelseeberge, den Isarwinkel und das Mang-
fallgebirge hin, und im fernen Süden glitzern die Eishäupter des Alpen-
hauptkamms. Am Dürnbergjoch gibt der Berg zudem eine Karwendelschau
frei, die ihresgleichen sucht, und am Gipfel kann man dann die phantasti-
schen Ausblicke nach allen Seiten gleichzeitig genießen. Die Wanderung ist
insgesamt noch als leicht einzustufen, obwohl es am ersten Abschnitt des Vom Schürpfeneck zeigen sich Fall und der Sylvensteinsee besonders schön.
Aufstiegs, unter dem Hühnerberg, ziemlich steil bergauf geht und die letz-
ten Meter unter dem Dürnbergjoch ein klein wenig luftig sind. Den ersten Glanzpunkt auf dieser hingestreut worden, sondern natür-
schönen Wanderung entdecken wir lichen Ursprungs. Der Hauptdolo-
ber Busverbindung von Lenggries (nur an keine 5 Minuten nach dem Aus- mit, das hier vorkommende Ge-
Wochenenden/Feiertagen). gangspunkt. Es ist dies die wahrlich stein, wird vom (sauren) Regen
Ausgangspunkt: Parkplatz 3,6 km eindrucksvolle Walchenklamm, nicht ausgewaschen, wie wir es
Talort: Fall, 773 m. Der Ort ist mit dem östlich des Stauwalls, 790 m. durch die einer der vielen Bäche schon oft im Wettersteinkalk gese-
Bau des Sylvensteinsees im Isarwasser un- Gehzeit: 7.20 Stunden. hen haben, nein, er zerbröselt, weil
läuft, die den Sylvensteinsee spei-
tergegangen. Deshalb wurde er - ein Höhenunterschied: 1134 m im Auf-
sen. In riesigen Gumpen steht oder er weit weniger robust ist, und das
Stück weiter oben - neu aufgebaut. Nur und Abstieg.
wenn der Sylvensteinsee fast leer ist, kann Anforderungen: Lange, anstrengen- läuft das Wasser, je nach dem Pe- ergibt diesen unangenehmen wei-
man noch die Fundamente des alten de Bergwanderung, für die etwas Tritt- gelstand im See, und eine schmale ßen Sand.
Wirtshauses »Jäger von Fall« am Stausee- sicherheit und Schwindelfreiheit von Vor- Brücke führt über sie hinweg. Auf der Höhe von etwa 1330 m lich-
boden sehen. Anfang Juli bis Mitte Okto- teil ist. Gleich nach der Klammbrücke kom- tet sich der Wald erstmals, wir kom-
men wir zu einem Forstweg, dem men am verfallenen Kirchmair Nie-
wir etwa 100 Meter nach rechts (ge- derleger vorbei und an den Hühner-
gen Westen) folgen, um anschlie- berg heran, dessen freien Gipfel wir
ßend nach links (Süden) auf den links (östlich) umgehen. Natürlich
markierten Wanderweg abzubie- kann man auch den kurzen Abste-
gen. Er bringt uns ziemlich steil cher zum Gipfel (10 Minuten) noch
durch den Mischwald bergwärts. einplanen, wenn man topfit ist. Der
Wer sich über den feinen Sand in schmale Aufstiegsweg wendet sich
den steilen Hohlwegen ärgert, dem immer mehr auf die Kammhöhe zu
sei der Grund für dieses Phänomen und zum Schürpfeneck hinauf.
verraten. Er ist nicht von übermüti- Von dort gehen wir in ständigem
gen Wegebauern des Alpenvereins Auf und Ab weiter, halten uns im

88 89
Latschengebüsch etwas rechts (ge-
gen Südwesten) und kommen in Schafreuter,2102 m
weitem Linksbogen wieder auf den
Gratrücken hinauf. Wir folgen ihm, Durch das Lecktal
mit streckenweise ziemlich ein-
drucksvollen Tiefblicken in die wil- Aus dem Rißtal zum Schafreuter
den Nordabstürze, und erreichen Der Schafreiter, Schafreuter, Scharfreiter oder wie er auch immer genannt
mit dem Dürnbergjoch wieder eine wird, ist ein klassischer Vertreter der Berggestalten des Vorkarwendels. Und
prächtige Aussichtskanzel. er ist mit allen Attributen ausgestattet, die ein Sonntags-Wandergipfel nach
Von dort steigen wir knapp 50 Hö- unserem Geschmack braucht: dichter Wald in Talnähe, steile Weidehänge
henmeter ab, durch einen weiten und eine fesche Hütte darüber, ein felsiger Gipfelanstieg und eine weit-
Sattel (nach rechts Abstiegsmög- reichende Gipfelrundschau. Damit der Tour aber auch noch die Krone auf-
lichkeit nach Fall) und zwischen Lat- gesetzt wird und es beim Abstieg nicht langweilig wird, kann für den Rück-
schenbüschen zum Gipfel des weg eine andere Route gewählt werden. Sie führt über einen langen, freien
Demeljochs hinauf. Bergkamm und erreicht das Tal weitab vom Ausgangspunkt. Wer schlau ist,
Der Abstieg verläuft entlang der stellt deshalb an der Oswaldhütte - dort kommt man nämlich wieder in das
Aufstiegsroute. Rißtal zurück - ein Fahrrad bzw. ein Fahrzeug ab, damit er auf der Rißtal-
straße zum Ausgangspunkt zurückradeln kann. Diese Strecke ließe sich
zwar auch zu Fuß schaffen, aber wer möchte schon nach einer so schönen
Das Demeljoch, gesehen vom Dürn- Bergtour eine Stunde lang im Talgrund neben der Straße herlaufen?
bergjoch.
Ausgangspunkt: Parkplatz am Ein-
gang ins Lecktal, 903 m.
Gehzeit: 5.00 Stunden.
Talort: Hinterriß, 928 m, kleines Berg- Höhenunterschied: 1199 m im Auf-
dorf im Rißtal. Es gehört zur Gemeinde und Abstieg.
Vomp(im Inntal) und ist nur von Deutsch- Anforderungen: Die Wanderung ist
land aus erreichbar. Anfang Juli bis Mitte leicht. Nur ein ganz kurzes Stück am Gip-
Oktober Busverbindung von Lenggries felgrat ist ein wenig ausgesetzt.
(nur an Wochenenden/Feiertagen). Einkehr: In der Tölzer Hütte.
Vom großen Parkplatz wandern wir Wiesingberg hinauf. Schon im dich-
ein Stück am Fahrweg nach Osten in ten Wald öffnen sich immer wieder
das Lecktal hinein, um etwa nach ei- freie Blicke zu den scharfgeschnitte-
ner Viertelstunde, an beschilderter nen Felsengipfeln um die Östliche
Stelle, nach links, gegen Norden auf Karwendelspitze, zum Wörner und
einen Steig abzubiegen. In Kehren zur Soierngruppe. Der Pfad
bringt er uns durch Laubwald den schwenkt nach Nordosten ab, führt

90 91
zu einem Rastplatz auf 1357 m und zen Steiganlage (Drahtseil) zum
etwas mehr gegen Osten weiter. Gipfelkreuz am Schafreuter hinauf.
Hoch oberhalb des Pfandlochgra- Wir könnten natürlich entlang der
bens gabelt er sich. Dort können wir Aufstiegsroute absteigen. Doch
rechts, durch eine steile, aber breite schöner ist es, vom Gipfel dem
Rinne, in der bis in den Sommer hin- Nordwestrücken des Schafreuters
ein Lawinenreste liegen, zum Mar- zu folgen. Wir kommen hoch über
terl im Delpshals und zur Tölzer der wilden Kühreiße zum Kälbereck
Hütte aufsteigen, oder wir halten und dann ziemlich eben an der
uns an der Wegverzweigung links Moosen Alm vorbei, wohin eine
und gehen über eine steile, stark neue, umstrittene Almerschlie-
besonnte Bergflanke in vielen Keh- ßungsstraße führt. Dort halten wir
ren, zum Schluß durch lichten Wald uns links und gehen am Weglein
und über Weidewiesen, zur Tölzer durch Wald und steile Lichtungen
Hütte hinauf. gegen Westen zur Oswaldhütte im
Nach der gemütlichen Einkehr in Rißtal. Einfacher, aber nicht so
der Hütte gehen wir entlang den spannend ist es, von der Moosen
Markierungszeichen etwas durch Alm der neuen Straße ins Tal zu fol-
Latschengebüsch und auf einer kur- gen.

Die Tölzer Hütte am Aufstiegsweg zum Schafreuter.


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Gamsjoch, 2452 m
Aus der Eng
Im Gamsgebirg...
Wie eine gigantische Kulisse reihen sich die felsigen Karwendelgipfel mit
ihren eindrucksvollen Kalkwänden rund um den Großen Ahornboden auf.
Die meisten dieser Berge sind für den Wanderer unerreichbar. Nur wenige
schwache Stellen gibt es in diesem Felsenrund, und wenn wir zum Gams-
joch hinauf pilgern, nutzen wir so eine Situation aus. Natürlich bekommen
wir am Gamsjoch nichts geschenkt. Die Tour ist relativ anspruchsvoll, vor
allem wenn man direkt aus dem Engtal durch das steile, unmarkierte Geröll-
kar zum Gumpenjöchl hinaufsteigt, wo man auch ein sicheres Gespür für
die beste Routenfindung braucht. Deutlich einfacher, aber auch nicht ganz
auf die leichte Schulter zu nehmen, ist die hier vorgeschlagene Route über
das Hohljoch. Seinen Namen übrigens trägt das Gamsjoch zurecht. Es gibt
tatsächlich viele Gemsen in der Gegend hoch über dem Enger Grund. Das
Gamsjoch hat aber noch weit mehr anzubieten. Auf den steilen, grasigen,
felsdurchsetzten Gipfelhängen blüht, von der Bergwacht gut bewacht und
im Naturschutzgebiet streng geschützt, das Edelweiß.

Gehzeit: 7.00 Stunden.


Höhenunterschied: 1265 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Hinterriß, 928 m. Anforderungen: Anspruchsvolle
Ausgangspunkt: Eng (Großer Ahorn- Bergwanderung, die Trittsicherheit und
boden), 1203 m. Anfang Juli bis Mitte Ok- Schwindelfreiheit verlangt.
tober Busverbindung von Lenggries (nur Variante: Abstieg ins Laliderer Tal und
an Wochenenden/Feiertagen). Rückweg übers Hohljoch (Gegenanstieg).

Die Wanderung beginnt ganz ge- hen gegen Westen am Wanderweg


mütlich. Vom Parkplatz in der Eng durch schütteren Wald, weiter oben
bummeln wir am breiten Sträßchen über Weidewiesen, in das Hohljoch
zwischen den stämmigen Ahorn- hinauf. Im Joch erreichen wir einen
bäumen des Großen Ahornbodens Fahrweg, zu dem wir scharf rechts
zu den Engalmen hinüber und ge- abbiegen und gegen Osten, später

Frühling in der Eng. Über den Engalmen, hoch oben am Gamsjoch, ist es
noch Winter.
94 95
Juifen, 1988 m
Über die Falkenmoosalm

Über die beliebten Vorkarwendel


Am Juifen, im Naturschutzgebiet
»Alpenpark Karwendel«, haben
sich die alpinen Straßenbauer rich-
tig ausgetobt. Zwar freuen sich die
Mountainbiker darüber, daß sie fast
bis zum Gipfel mit ihren Maschinen
hinaufstrampeln können, doch die
Herzen der Wanderer schlagen an-
gesichts der grauen Straßenbänder,
die sich den Berg hinaufwinden,
nicht unbedingt höher. Trotzdem
ist der Juifen attraktiv geblieben,
denn er wartet mit einer Karwen-
delschau auf, die, ohne zu übertrei-
ben, als einzigartig und grandios
bezeichnet werden kann. Und in
Norden, zum Laliders Hochleger uns etwas links und steigen gegen der Gegenrichtung sind die Blicke
weitergehen, wo das Sträßchen en- Norden zu einer kurzen Felsenpas- zu Guffert und Rofangebirge auch
recht schön. Deshalb ist der leicht Falkenmoosalm mit Hochplatte.
det. sage, die etwas unangenehm zu
Gleich neben der Alm beginnt ein begehen ist, und schon sehen wir in und einfach zu erreichende Juifen
schmaler Wanderweg, auf dem wir die weiten Gipfelhänge am Gams- nach wie vor sehr beliebt. Nur eine Warnung muß ausgesprochen werden:
gegen Nordosten über das Weide- joch. Der Aufstieg führt an die wil- Am Gipfelgrat bilden sich im Winter gigantische Wächten. Diese bleiben oft
gelände dahingehen. Der Bergpfad den Nordwestabstürze heran und bis in den Frühsommer erhalten und dürfen keinesfalls betreten werden.
fällt leicht ab, und wir müssen höl- dann gegen Nordosten zum Gipfel-
lisch aufpassen, daß wir nicht in buch am Südwestgipfel des Gams- Tegernsee (zur Staatsgrenze).
eins der zahlreichen Lehmlöcher jochs. Dort endet die markierte Gehzeit: 5.25 Stunden.
hineinrutschen, die entstanden Route. Höhenunterschied: 1018 m im Auf-
sind, weil das Weidevieh den Weg Wer will, kann noch zum Nordost- Talort: Achental, 896 m, nördlich von und Abstieg.
Achenkirch und des langen Achensees. Anforderungen: Leichte Bergwande-
arg niedergetrampelt hat. Im weite- gipfel hinübergehen, muß aber für
AI sgangspunkt: Tiefental, 970 m. rung.
ren Verlauf knickt unsere Route ge- diese 20 Minuten lange Strecke, die Busverbindung von Jenbach bzw. von Einkehr: In der Falkenmoosalm.
gen Norden und Nordwesten ab, immer in der Nähe des scharfen
bis sie über einige Steilstellen, un- Grats dahinführt, entsprechend
bequem durch feines Geröll, in das vorsichtig sein.
Gumpenjöchl hinaufführt. Wir können auch aus dem Gumpen-
Im Jöchl gehen wir rechts und über jöchl gegen Nordwesten aufsteigen
die breiten Wiesenhänge nach und in einem weiten Rechtsbogen
Nordosten in stark abfallendes, fels- auf der weiten, ziemlich steilen Süd-
durchsetztes Berggelände. Durch westflanke, über die die Tourenski-
diese Landschaft bringt uns der abfahrt verläuft, zum Gamsjoch
weitere Anstieg steil bergauf. hinaufgehen.
Nahe einem Abbruch, weit ober- Der Abstieg verläuft entlang einer
halb einer langen Rinne, halten wir der Aufstiegsrouten.
96 97
derweg, der sich durch den Wald erst in einer leichten Linkskehre, um
hinauf zieht, bis er in einer Lichtung auf einem anfangs markierten Vieh-
wieder zum Fahrweg stößt. Auf weg über steile Weidehänge zu ei-
dem breiten Fahrweg gehen wir nur ner Schulter unterhalb der Marbich-
kurz weiter, verlassen ihn in einer ler Spitze aufzusteigen. Auf der
weiten Wiese nach links, um über Schulter steht eine Almhütte, zu der
die Weidewiese direkt zur Falken- auch die Straße hinführt. Von der
moosalm aufzusteigen. Alm gehen wir auf einer Fahrspur in
Oberhalb der Alm können wir nach das Marbichler Joch hinein, wo
links von der Straße abbiegen, um endlich alle Straßen enden. Rote
anfangs über einen steilen Hang, Markierungspfosten zeigen nun in
weiter oben etwas flacher, in schüt- den Wiesen den weiteren Aufstieg
terem Wald gegen Westen aufzu- an. Sie bringen uns aus dem Mar-
steigen. Bequemer ist es, einfach bichler Joch steil gegen Nordwesten
auf der Straße weiterzugehen, denn hinauf, an einem kleinen Tümpel
weiter oben vereinen sich Wander- (Viehtränke) vorbei und oberhalb
weg und Fahrweg wieder. einer neuen Alm zu einer Gratschul-
Wir kommen nun durch einen ter. Von dort steigen wir am lehmi-
Waldgürtel und leicht abwärts ge- gen Pfad, der sich nach oben hin
gen Südwesten bis unter die steilen immer steiler aufschwingt, den
Nordhänge der Hochplatte. Dort Weidezaun entlang und erreichen
schwenken wir rechts ab und errei- den Gipfel des Juifen.
chen die Großzemmalm. Wir blei- Der Abstieg verläuft entlang der
Blick vom Marbichler Joch in das Karwendelgebirge.
ben am Sträßchen und verlassen es Aufstiegsroute.

Von Tiefental wandern wir auf der 10 Minuten gabelt sich der Fahr- Der Juifen.
beschilderten Forststraße am Wald- weg. Wir gehen dort geradeaus
rand gegen Südwesten leicht an- weiter und folgen bei der Verzwei-
steigend dahin, und nach etwa gung nach rechts dem breiten Wan-

98 99
Mondscheinspitze, 2106 m
Überschreitung von der Gernalm

Pfiffige Karwendeltour
Diese Tour ist etwas für nervenstarke Bergfreunde, denn sie ist ziemlich an-
spruchsvoll. An zwei Stellen gehen die alpinistischen Herausforderungen
sogar fast in den zweiten Schwie-
rigkeitsgrad hinein. Da muß man
schon fit sein und auch Mut haben.
Als Belohnung für den Nervenkitzel
kann sich der Bezwinger rühmen,
einen der interessantesten Karwen-
delgipfel besiegt zu haben. Bei
schönem Wetter gibt es außerdem
Blicke zum Karwendelhauptkamm,
die ihresgleichen suchen. Mit etwas
Glück kommt sogar ein Steinbock-
rudel zu Besuch. Wen wundert's,
daß die Mondscheinspitze ein sehr
beliebtes Gipfelziel abgibt, das an
schönen Wochenenden ziemlich
stark besucht ist? Im Hochsommer
übrigens sollte man unbedingt früh
aufbrechen, denn am Südhang der
Mondscheinspitze scheint weniger
der Mond als die Sonne hin, und die
kann dem ohnehin geforderten Al-
Auf der Mondscheinspitze. pinisten ziemlich einheizen.

Busverbindung von Pertisau. Gut zu erkennen: der Anstieg von der Mondscheinsinke zur Mondschein-
Gehzeit: 7.20 Stunden. spitze wird nicht ganz einfach.
Höhenunterschied: 940 m im Auf-
Talort: Pertisau, 950 m. Fremdenver- und Abstieg.
kehrsort am Südwestufer des Achensees. Anforderungen: Anspruchsvolle Von der Gernalm führt ein schma- sinke hinweg und zum Gipfel hin-
Bademöglichkeit im Achensee. Bergtour, die Trittsicherheit und Schwin- ler, sehr steiler Fahrweg in vielen über. Der Weiterweg wird nun stel-
Ausgangspunkt: Gernalm, 1166 m delfreiheit voraussetzt (l+). Kehren zum Plumssattel hinauf. lenweise etwas schwieriger. 120
(Straße mautpflichtig). Zur Wandersaison Einkehr: Plumsjochhütte und Gernalm. Noch vor der Plumsjochhütte, die Höhenmeter müssen wir steil und
etwas westlich unterhalb des wei- ein wenig luftig in die Mondschein-
ten Sattels steht, halten wir uns sinke absteigen. Von diesem weiten
rechts und wandern über schöne Sattel geht's dann ein Stück durch
grüne Wiesen, mit herrlichem Kar- die Latschen und gegen Norden, an
wendelblick, gegen Norden den wilden Felsgebilden vorbei, durch
Markierungszeichen entlang. Der eine steile Felsenrinne mit guten
breite Grat schnürt sich etwas zu- Tritten bergwärts und das letzte
sammen bis wir zum Kreuz am Stück über steile Wiesen zum Gip-
Plumsjoch kommen. Von dort se- felkreuz der Mondscheinspitze
hen wir gut über die Mondschein- hinauf.

100 101
Vom Gipfelkreuz gehen wir gleich
einmal ziemlich steil und ein wenig
Sonnjoch, 2457 m
ausgesetzt nach Osten zum stellen-
weise recht scharfen Grat hinab Aus dem Falzthurntal
(kurze Stellen l + ). Nach einem Fel-
senband erreichen wir leichteres Leichter Karwendelgipfel
Gelände, und der Weg führt in der Wie das Sonnjoch zu seinem Ruf gekommen ist, ein anspruchsvolles, ja so-
Nähe des Gratrückens ein wenig gar ein schwieriges Gipfelziel zu sein, wird allen, die jemals am Gipfel ihre
nach links (gegen Norden) hinab. In Brotzeit ausgepackt haben, ein Rätsel bleiben. Gut, der Aufstieg ist einiger-
einer schönen Mulde haben wir maßen lang und deshalb auch anstrengend, aber schwierig ist er wirklich
dann noch einen interessanten Ab- nicht. Dabei könnte man beim Anblick dieses riesigen Felsenklotzes mit sei-
schiedsblick zum wilden, grünen nen beiden unmittelbaren Nachbarn, der Schaufelspitze und der Bettlerkar-
Gipfelzahn, und unter dem Kelberg spitze, durchaus Respekt bekommen. Lohnend sind auf der Tour nicht nur
bringt uns die Route in malerischen die Gipfelblicke. Dieser stolze Karwendelberg ist auch deshalb so schön,
Lärchenwald, durch den wir in den weil die Route nur sehr wenig im Wald verläuft.
Schleimssattel kommen. Dort bie-
gen wir rechts ab und gehen am Busverbindung von Pertisau.
Fahrweg ziemlich steil und in vielen Gehzeit: 5.20 Stunden.
Kehren nach Süden in das Gerntal Höhenunterschied: 1194 m im Auf-
hinunter. An der Stelle, an der im Talort: Pertisau, 952 m. Touristenort und Abstieg.
am Südwestufer des Achensees. Anforderungen: Gute Kondition und
Tal der Fahrweg links abknickt, fol-
Ausgangspunkt: Gramaialm, 1263 m etwas Trittsicherheit.
gen wir nach rechts den Markie- (Straße mautpflichtig). Zur Wandersaison Einkehr: Im Gramaialm-Hochleger.
rungszeichen und erreichen am
Bachgraben einen schönen Wan- Von der Gramaialm gehen wir eine te des Bachgrabens in einem weiten
derweg, der zum Ausgangspunkt gute Viertelstunde am Wanderweg Linksschwenk zum Gramaialm-
Abstieg zum Schleimssattel. an der Gernalm zurückführt. durch den weit ausgedehnten Gra- Hochleger hinauf. Hinter der Alm
maier Grund. Gemütlich bummeln (mit Bergwirtschaft und Übernach-
wir nach Südwesten dahin und tungsmöglichkeit) wendet sich der
kommen zur Wegabzweigung in Pfad nach rechts und verläuft gegen
der Nähe eines Geröllfeldes. Dort Norden weiter. Auf ihm steigen wir
biegen wir rechts ab und wandern über Wiesenhänge auf den Süd-
gegen Nordwesten in ein breites Tal ostrücken des Sonnjochs zu. Die
hinein, wo wir einen guten und weitere Route ist klar vorgegeben.
breiten Weg vor uns haben. Er Sie führt über den langen Rücken,
bringt uns zunächst auf der süd- auf Trittspuren, gut markiert, zum
lichen, dann auf der nördlichen Sei- Gipfelkreuz am Sonnjoch hinauf.

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Lamsenspitze, 2508 m
Von der Gramaialm

Karwendel-Klettersteige
Der kühn geformte Gipfelzahn der Lamsenspitze überragt den Gramaier
Grund und ist Blickfang für die vielen Besucher des Berggasthofs Gramai-
alm. Gleich daneben schließt sich der lange Hochnissigrat an, der, was die
alpinen Herausforderungen angeht, der Lamsenspitze in nichts nachsteht,
aber rein optisch betrachtet kein so markantes Berggebilde darstellt. Viel-
leicht ist der bergsteigerische Betrieb auf der Hochnisslspitze deshalb im
Vergleich zum Lamsen-Nachbarn etwas eingeschränkter. Wer nur einen der
beiden Gipfel besteigen will, kann dies im Rahmen einer ausgefüllten Ta-
gestour gut bewältigen. Lohnender aber ist eine Übernachtung auf der
Lamsenjochhütte, dann lassen sich beide Gipfel fast in einem Aufwasch be-
siegen. Es erwarten uns rassige Anstiege und luftige Klettersteige, das heißt
man muß oft ordentlich zupacken, schwindelfrei und trittsicher sein, über
eine einwandfreie Kondition verfügen und - an der Lamsenspitze - auch
mit gelegentlichem Steinschlag rechnen. Das klingt alles so abweisend, ist
es aber nicht. Schließlich bekommen wir außer einem gelegentlichen Ner-
venkitzel viel spannende Abwechslung, einmalige Landschaftserlebnisse
und Gipfelausblicke von atemberaubender Vielfalt geboten.
Blick zum Sonnjochgipfel.
on mit Hochnissl 11.35 Stunden.
Man kann auch von der Eng auf das über den Binssattel und knapp 200 Höhenunterschied: 1245 m im Auf-
Sonnjoch steigen. Dieser Weg be- Höhenmeter über Wiesen zum Gra- und Abstieg, mit Hochnissl 1839 m.
ginnt bei den Engalmen am Großen maialm-Hochleger hinab und ent- Talort: Pertisau, 952 m, Touristenort Anforderungen: Beste Kondition,
am Achensee-Südwestufer. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit er-
Ahornboden und führt am Fahrweg lang der oben vorgestellten Route,
Ausgangspunkt: Gramaialm, 1263 m forderlich. Weite Strecken verlaufen auf
zum Binsalm-Hochleger. Darüber Der Abstiegsweg verläuft entlang (Straße mautpflichtig). Zur Wandersaison Steiganlagen. Handschuhe mitnehmen!
schwenkt er nach links ab, verläuft der Aufstiegsroute. Busverbindung von Pertisau. Einkehr und Übernachtung: In der
Gehzeit: 6.00 Stunden, bei Kombinati- Lamsenjochhütte.
Vom Berggasthof Gramaialm ge- führt durch einen kleinen Lärchen-
hen wir auf einer Brücke über den wald, der von Latschengebüsch ab-
Bachgraben nach Süden in den Gra- gelöst wird, und bald darauf kom-
maier Grund hinein. Der Bergweg men wir in triste Schotterböden.

104 105
guten Überblick über die weitere
Route zu verschaffen. Den Gipfel se-
hen wir allerdings noch nicht, weil
sich dieser hinter der Steinkarlspitze
verbirgt.
Der Abstieg von der Rotwandlspitze
ist wieder etwas luftiger. Er führt
am Drahtseil in den Sattel unter der
Steinkarlspitze hinein und anstren-
gend an den zweiten Gipfel, die
Steinkarlspitze heran, die wir uns
aber schenken wollen. Wir gehen
an ihr nordöstlich vorbei und steil
und ausgesetzt, stellenweise am
Drahtseil, durch eine Felsenrinne
hinab, in der eine beachtliche Stein-
schlaggefahr besteht.
Anstieg zur Lamsenspitze.
Endlich überblicken wir die restliche
Aufstiegsroute. Sie verläuft über die
len, Krampen, Holztritten und fe- steile, wenig einladende Flanke ge-
sten Griffen arbeiten wir uns sehr radewegs zum Hochnissl hinauf.
Die Lamsenjochhütte mit der Lamsenspitze.
steil und streckenweise ziemlich Beim Rückweg vom Hochnissl müs-
ausgesetzt zum Brudertunnel hin- sen wir nicht wieder durch den Bru-
Dort schwenkt der relativ gering an- rungszeichen in eine pfiffige, steile auf. Der Klettersteig taucht in den
steigende Weg ein wenig links ab Felsenrinne. Dort besteht Stein- finsteren Tunnel ein. Der Tunnelein- Pfiffiger Klettersteig zum Bruder-
und am Punkt 1 506 m wieder etwas schlaggefahr, ausgelöst durch un- gang ist wegen des sandigen Unter- tunnel.
nach rechts. Dann wendet er sich in vorsichtige, weiter oben gehende grunds nicht ganz harmlos, also
die Mitte des Talgrunds und Bergsteiger oder durch Gemsen. passen wir dort besonders gut auf.
schwingt sich deutlich gegen Süden Wir queren die Rinne vorsichtig und Sobald wir im Tunnel drinnen
auf. In unzähligen Kehren kommen folgen dem gut beherrschbaren stecken, haben wir wieder festen
wir in das Östliche Lamsenjoch, wo Klettersteig, bis wir eine steile Feis- Boden unter den Füßen, und der
die Lamsenjochhütte steht. und Geröllflanke queren können, senkrechte Ausstieg mit sicheren
Wer zur Lamsenspitze möchte, gehen durch eine kleine Felsenrinne Tritten am Fels, hinauf ins Tages-
steigt von der Hütte gegen Westen und kommen, zuletzt noch ein paar licht, ist nicht mehr schwierig.
in das breite, steile Kar hinauf und Meter über einen Grat, zum Kreuz Der Bergpfad verzweigt sich am
kommt immer näher an die steile auf der Lamsenspitze hinauf. Tunnelausgang. Die Route zum
Ostwand der Lamsenspitze heran. Zurück zur Hütte folgen wir der Auf- Hochnissigrat führt links (gegen Sü-
Unter der imposanten Felsenwand stiegsroute, und auf der Lamsen- den) und bei der nächsten Verzwei-
schwenkt der Bergpfad nach links jochhütte übernachten wir. gung gleich wieder links, nach Süd-
(Süden) und bringt uns über ein Weil's so schön ist, gehen wir am osten. Der Steig fällt über Schrofen-
breites Geröllfeld in felsiges Gelän- nächsten Tag auf den Hochnissl. Bei hänge etwas ab, und auf der Süd-
de hinein. Mit Hilfe von ein paar diesem Anstieg wählen wir den luf- westseite des Hochnissigrats gehen
Drahtseilen kommen wir einigerma- tigen Steig durch den Brudertunnel. wir im steilen Wiesengelände relativ
ßen bequem in die Lamsenscharte. Voraussetzung ist trockenes Wet- einfach zur Rotwandlspitze hinauf.
In der Scharte halten wir uns rechts, ter, sonst wird das Risiko zu groß. Sie ist unser erster Gipfelsieg auf
steigen gegen Norden, später Nord- Von der Lamsenjochhütte gehen dieser langen Tour, und wenn wir
westen, durch triste Geröllfelder wir über grobes Geröll auf den Klet- dort rasten, können wir gleich die
weiter und folgen den Markie- tersteig zu. Mit Hilfe von Drahtsei- Gelegenheit dazu nützen, uns einen
106 107
Kotalmjoch, 2122 m
Vorn Achenseehof über die Kotalm

Wo das Edelweiß blüht...


Kaum entfernt man sich im Rofan etwas von den Seilbahnbergen, schon ist
man inmitten einer stillen, verschwiegenen Berggegend. Das Kotalmjoch
gehört, zusammen mit dem benachbarten, sogar etwas höheren Stuhljöchl,
zu den allerruhigsten Bergzielen des Rofans. Im Winter kommen zwar im-
mer mehr Skitourengeher auf diese verschwiegenen Gipfel, aber zur Wan-
derzeit sind sie noch kaum entdeckt. Und das, obwohl man dort oben ein
Blümchen finden kann, das im Lied oft besungen wird, weil es sich so gut
auf »Eis« reimt. Meistens wächst es in sonnigen Wiesen, und es braucht
kalkhaltigen Boden. Jedenfalls finden wir es nicht zwischen Schnee und Eis.
Dazu aber auch gleich eine dringende Bitte: Das Edelweiß ist in den Nörd-
lichen Kalkalpen so selten geworden, daß man es auf keinen Fall pflücken
Blick aus dem Gramaier Grund auf die Lamsenspitze. sollte, auch wenn man an einem Standort gleich mehrere davon findet. In
Bayern steht es ohnehin unter Naturschutz. Ganz einfach ist der Anstieg
dertunnel absteigen. Nehmen wir senjochhütte absteigen oder abfah- aufs Kotalmjoch nicht. Bis jetzt ist die mühsame Route über die steilen Gras-
einen kurzen Gegenanstieg in Kauf, ren. Von der Hütte in den Gramaier flanken zum Gipfel hinauf nicht markiert, und man muß sich seinen Weg
können wir auch durch die Lamsen- Grund folgen wir dem Hüttenzu- selber suchen. Dafür braucht man ein sicheres Gespür, eine gute Karte, viel-
scharte über steiles Geröll zur Lam- gangsweg. leicht sogar einen Kompaß und einen Höhenmesser. Auf alle Fälle braucht
man gute Sicht. Im Nebel dort oben herumzuirren, ist zu riskant.

hof, 950 m. Busverbindung von Achen-


kirch bzw. von Jenbach.
Gehzeit: 5.05 Stunden.
Talort: Achensee, 924 m. Wie ein Fjord Höhenunterschied: 1172 m im Auf-
liegt der Achensee zwischen dem Kar- und Abstieg.
wende! und dem Rofan. Anforderungen: Unschwierige Wan-
Ausgangspunkt: Parkplatz beim See derung, die Orientierungsgabe erfordert.

Vom Parkplatz gehen wir erst ein- abzweigt. Wer Lust hat und breite
mal gegen Osten in den Wald hinein Forststraßen nicht mag, der kann
und rund 500 Meter dahin, bis nach auf diesem Weglein gegen Süden
rechts ein markierter Wanderweg aufsteigen. Bequemer ist es aller-

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dings auf dem Fahrweg zur Wildfüt- Abermals haben wir interessante
terung weiterzugehen. Man kann's Ausblicke. Dieses Mal werden uns
ja kaum glauben, aber selbst im die Unnütz-Gipfel fesseln, die sich
Herbst, wenn das Wild genug Nah- von dieser Seite besonders schön
rung findet, werden die Hirsche zeigen. Unser Anstieg ist nun relativ
dort oben gefüttert! »Wildmast« flach, und während wir ein wenig
nennt man das. ausruhen, dreht sich die Route ge-
Die Straße führt, verwegen an steile gen Südosten und bringt uns in eine
Felsenhänge gebaut, durch den wil- malerische Talmulde hinein. Zwi-
den Labschlaggraben, und in einer schen den einzelnen Bäumen liegen
kleinen Lichtung stoßen Straße und bizarre Sturzblöcke, Felsengebilde,
Wanderweg wieder zusammen. Wir die von den Nordostwänden des
gehen gegen Süden zum Kotalm- Klobenjochs herausgebrochen sind.
Niederleger weiter. Das ist der beeindruckendste
Die Alm steht in einer ausgedehn- Streckenabschnitt der gesamten
ten Lichtung mit schönen Aus- Tour, dort erleben wir das Rofan,
blicken auf die Berge jenseits des wo es am urtümlichsten ist.
Achensees. Dort schwenkt die Rou- Gefesselt von der bezaubernden
te links (gegen Nordosten) ab und Landschaft wandern wir dahin, bis
bringt uns über Almwiesen wieder sich der Berg wieder deutlich auf-
in den Wald hinein. Im Wald queren schwingt. Allerdings ist die folgen-
wir ein paarmal einen Fahrweg und de Steilstufe nur kurz, und wir kom-
wenden uns allmählich nach Süden, men an die Stelle, wo einst der in-
bis wir vor dem Kotalm-Mittelleger zwischen verfallene Kotalm-Hoch-
wieder aus dem Wald herauskom- leger stand. Unmittelbar hinter ei-
men. nem markanten Felsenklotz zwei-

Interessanter Gipfelblick vom Kotalmjoch über den Achensee ins


Karwendel-Vorgebirge.

gen wir links ab. Einen Weg gibt es Dort halten wir uns rechts und stei-
nun nicht mehr. Ohne Weg und gen über die Grathöhe die letzten
Steg plagen wir uns zwischen Meter zum einsamen Gipfel am
Krummholz den steilen Südhang Kotalmjoch hinauf.
hinauf, bis wir in den Sattel westlich Der Abstieg verläuft entlang der
des Kotalmjochs hineinkommen. Aufstiegsroute.
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Rofanspitze, 2259 m
Überschreitung von Steinberg nach Buchau
Gewaltmarsch durchs Rofan
Gemessen an den eindrucksvollen Berggestalten des Rofans, die mit schrof-
fen Kalkwänden so richtig protzen, ist die Rofanspitze mit weiten Grashän-
gen am Gipfel ein vergleichsweise unauffälliger Gipfel. Trotzdem ist sie im-
merhin nach der Hochiß die zweithöchste Erhebung des Rofangebirges.
Zwei Seilbahnen fahren ins Rofan hinauf, die eine von Kramsach zum Sonn-
wendjoch, östlich des schönen Zireinsees, die andere von Maurach zur Er-
furter Hütte. Diese Bahnen könnten die Wanderung enorm erleichtern,
aber man kommt damit auch nicht zu den vielen schönen Abschnitten der
landschaftlich großartigen Tour. Sie ist arg lang und anstrengend, beim
Anstieg zum Gipfel hinauf braucht
man sogar etwas Trittsicherheit und
Schwindelfreiheit. Die Tour beginnt
in Steinberg am Rofan und endet in
Buchau am Achensee. Um den Aus-
gangspunkt wieder zu erreichen, ist
man auf ein zweites Auto oder ein
Fahrrad angewiesen, seit die Bus- Der Zireinsee, dahinter die Rofanspitze.
linie nach Steinberg eingestellt ist.
Die Ortschaft Obersteinberg ver- rechts und bei der Straßenverzwei-
lassen wir am Holzermahdweg ge- gung gleich darauf wieder nach
gen Süden. Er führt hoch über der links. Bald schon kommen wir zu ei-
wilden und tiefen Schlucht des nem wilden Bachlauf, dem wir
Grundbaches mit eindrucksvollen bergwärts folgen. Wir verlassen das
Tiefblicken durch schütteren Wald Bachufer etwas nach links und ge-
dahin und fällt dann deutlich zum hen in einen Graben hinein, der das
Gehzeit: 7.30 Stunden. Gaismoosbach ab, den er auf einer Bachbett mehrmals quert, bis wir
Höhenunterschied: 1239 m im Auf- Brücke quert. Anschließend steigt an markierter Stelle nach rechts aus
stieg, 1310 m im Abstieg. der Weg wieder an und führt gegen dem Graben herauskommen. Nun
Talort: Steinberg am Rofan, 1010 m, Anforderungen: Beste Kondition, Süden weiter, bis er kurz vor der steigen wir auf einem Höhenzug
verträumtes Bergdorf am Fuß des Guffert. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Holzermahdalm bergab zu einem zwischen zwei Bachgräben im Wald
Ausgangspunkt: Obersteinberg, Voraussetzung.
Sträßchen stößt. Dort müssen wir zur malerischen Lichtung auf, in der
1020m. Einkehr: In der Erfurter Hütte und in der
links abbiegen und in Kehren zur die Schauertalalm steht.
Endpunkt: Buchau, 980 m. Dalfazer Alm.
Grundache hinab, die bei 1026 m Von der Alm müssen wir nach links,
nach rechts gequert wird. Ein Stück ein paar Meter absteigen und über
gehen wir gegen Nordosten weiter, einen Graben hinweg, dann aber
bis wir uns wieder rechts halten und gleich wieder rechts halten und am
gegen Süden in den Schauertalgra- Steiglein durch die Latschen, immer
ben hinein gehen. Ein schmaler, steiler hinauf. Weiter oben lichtet
markierter Weg führt im Wald links sich das Latschengebüsch, und wir
steil hinauf und aus dem Graben steigen über grobe Steine, strecken-
heraus, bis er in eine Forststraße weise sehr steil, in den Schauertal-
nündet. Dort schwenken wir nach sattel hinauf. Nun gehen wir die

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weite Talsenke östlich des Zirein- kante, von der wir über weite Gras-
sees aus, wenden uns gegen We- hänge zum unscheinbaren Gipfel
sten und stoßen nach einer kleinen der Rofanspitze schräg hinüber-
Hütte zum malerisch gelegenen queren.
Zireinsee. Er liegt idyllisch vor der Vom Rofanspitz-Gipfel steigen wir
wilden Kulisse der scharfgeschnitte- auf einem markierten Pfad gegen
nen Höhen des Rofangebirges. Westen ab, in den Sattel oberhalb
Mit diesem Ziereinsee hat es eine des Grubersees hinein und durch
besondere Bewandtnis. Es gibt im muldiges Gelände unterhalb der
dunklen Wasser nicht nur eine grim- markanten Haidachstellwand nach
mige Schlange, auch Gold ist dort in Südwesten zur Bergstation der Ro-
Massen versenkt. Der Senner auf fan-Seilbahn und der Erfurter Hüt-
der kleinen Hütte, an der wir eben te. Von dort könnten wir mit der
vorbeigegangen sind, ist eines Seilbahn nach Maurach hinab-
schönen Tages von einem kleinen schweben. Sportlicher ist der Ab-
Männchen aufgefordert worden, stieg am schönen Wanderweg in ei-
seine Hütte mit Lehm auszubessern. nem weiten Rechtsbogen zur be-
Da der Senn dort noch nie Lehm ge- wirtschafteten Dalfazer Alm und
funden hatte (wir werden ihn noch von dort steil und in vielen Kehren
zur Genüge antreffen) zeigte ihm nach Südwesten über Weidehänge,
das Männlein auch gleich, wo er das unten im Wald, zur neuen Alm-
Ausbesserungsmaterial zu holen erschließungsstraße, mit der auch
habe. Fleißig hat der Bursche die diesem Berg schwere Wunden zu-
Hütte ausgebessert, und weil's so gefügt worden sind.
gut ging, auch gleich noch den Wenn wir Lust haben, können wir
Ofen dazu. Über Nacht ist dann al- uns noch einen Abstecher zum ein-
les zu reinem Gold geworden. Sol- drucksvollen Dalfazer Wasserfall
che Kräfte wirken also am Zireinsee. gönnen. Dann wandern wir am
Wir folgen dem markierten, arg leh- Bergweg nach Buchau hinunter,
migen Steig, der am Südufer des um mit dem bereitgestellten Auto
Zireinsees dahinführt, nach Westen bzw. Rad zum Ausgangspunkt zu-
bis zur Abzweigung auf 1905 m, rückzufahren.
kurz vor der Marchalm, wo ein Not-
ruftelefon installiert ist. Dort biegen
wir links ab und queren am Steig die
Hänge nordöstlich der Rofanspitze.
Die Wegspur wird steiler und führt
in Felsengelände hinein. Über län-
gere Abschnitte ist sie mit Drahtsei-
len gut gesichert. Dieser Felsensteig
endet in einem Sattel, der zu Sai-
sonbeginn wegen einer mächtigen
Wachte nicht erreicht werden kann.
In diesem Falle müssen wir der be-
schilderten Wächtenumgehung fol-
gen, die über steile Grashänge
rechts vom Sattel hinaufleitet.
Oben erreichen wir eine Gelände-
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Kienberg, 1786 m
Über die Jocheralm
Stille Tour im Brandenberger Tal
Wer weiß schon, daß das berühmte und viel besuchte Rofangebirge nur ein
Teil der Brandenberger Alpen ist? Die Brandenberger Alpen haben weit
mehr zu bieten als das mitunter arg überlaufene Rofan. Unsere Gipfel, der
Kienberg, der Heuberg und der Plessenberg, die alle im Rahmen einer einzi-
gen Tour besiegt werden können, zählen zu einem stillen Bezirk der Bran-
denberger Alpen, der von tiefen Wäldern, lichten Almen und aussichtsrei-
chen Gipfelhöhen geprägt ist. Fast scheint es, als sei die Massen-Wander-
bewegung an diesem schönen Fleckerl Erde spurlos vorübergegangen. Für
kurze Herbsttage finden sich dort prächtige Wanderungen, auf denen man
stundenlang keiner Menschenseele begegnet. Blick vom Kienberg-Gipfel zum Kaisergebirge.

1080 m. Busverbindung von Kramsach. Der Abstiegsweg ist landschaftlich Einkehralm abknickt. Dort erreichen
Gehzeit: 4.10 Stunden. besonders ansprechend, aber etwas wir wieder einen guten und breiten
Höhenunterschied: 726 m im Auf- weiter als die Aufstiegsroute. Wir Bergweg, der uns gegen Süden zur
Talort: Brandenberg, 919 m, idyllisches und Abstieg. folgen vom Gipfel dem Steig ein Kreuthalm hinunterbringt, von der
Bergdorf oberhalb von Kramsach. Busver- Anforderungen: Leichte Bergwande-
Stück gegen Nordwesten, schwen- wir auf einem steilen Fahrweg (bei
bindung von Rattenberg und Kramsach. rung.
Einkehr: Im Gasthaus Kink. ken aber bald links ab und kommen der Verzweigung rechts) nach
Ausgangspunkt: Gasthaus Kink,
durch einen weiten Graben auf ei- Obernberg hinunterkommen. Auf
den. Bei der Alm plätschert ein nen breiten Höhenzug hinauf. Ihm der Asphaltstraße gehen wir am
Vom Parkplatz neben dem Gast-
Brunnen vor sich hin, und im Hinter- folgen wir, bis auf der Höhe von Cafe Rofanblick vorbei zum Aus-
haus folgen wir der Straße nach Os-
grund steigt das felsige und mächti- etwa 1550 m die Route scharf zur gangspunkt zurück.
ten in einen weiten Sattel, in dem
ein schöner Hof steht. Von dort ge Rofangebirge wie eine Kulisse
gehen wir noch ein Stück weiter, auf.
bis nach links ein Wanderweg ab- Nach der gemütlichen Pause folgen
biegt. Er ist deutlich markiert und wir dem Weglein in der gleichen
bringt uns zunächst etwas schmal Richtung weiter, durch einen Wald-
und steil durch den Wald zu einem gürtel hindurch und auf den Heu-
breiten Bergweg hinauf, der uns ge- berg zu. Kurz unter dem Heuberg
gen Nordosten zur Jocheralm wei- aber (ein Abstecher dort hinauf
terführt, die malerisch in einer wei- wäre lohnend) halten wir uns bei
ten Lichtung steht. Herrliche Ausbli- der Wegverzweigung links und ge-
cke gibt es von dort zu betrachten, hen auf der Pfadspur geradewegs
und einen schöneren Rastplatz wer- zum Gipfelkreuz am Kienberg hin-
den wir am Aufstieg nicht mehr fin- auf.

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Guffert,2195 m
Von Steinberg
Steile Pfade zum Guffert
Der Guffert ist ein riesiger Bergklotz am Rande des Rofangebirges mit ei-
nem interessanten Trabanten, dem »Guffertstein«. Beide zusammen bilden
ein mächtiges, felsiges Gipfel-Bollwerk, das von jeder Seite einen anderen
Eindruck vermittelt. Am schärfsten sieht es von Westen aus, wo es zusam-
men mit dem vorgelagerten Westgipfel wie ein spitz zulaufender Zahn in
den Himmel ragt. Von der Nord- und Südseite wirkt der Berg eher wie ein
breiter Rücken, mit einem schroffen Felsenaufbau. Von Osten fehlt ihm das
markante Aussehen, da fällt er nicht besonders auf. Den unbedarften Berg-
steiger wird es wundern, daß die Tour dort hinauf im Grunde relativ einfach
ist, sofern man sich an die markierten Wanderwege hält. Der Gipfelanstieg
ist zwar steil und auch ein klein wenig ausgesetzt, aber das meiste kann
man freihändig gehen, und wo es doch etwas brenzlig werden könnte, gibt
es einigermaßen gute Drahtseilsicherungen. Die Gipfelschau wird zu einem
tiefgreifenden Erlebnis. Vor allem zu den markanten Nachbarbergen des
Rofans ist die Schau besonders eindrucksvoll. Sie reicht bis zum Alpen-
hauptkamm hinaus, in dem man an klaren Tagen zwischen Großglockner
und den westlichen Zillertaler Alpen unzählige Gipfel bestaunen kann.

Höhenunterschied: 1265 m im Auf


und Abstieg.
Anforderungen: Für den Gipfelan-
Talort: Steinberg am Rofan, 1010 m. stieg sind Trittsicherheit und Schwindel-
Ausgangspunkt: Feuerwehrhaus in freiheit von Vorteil (manche Passagen
Unterberg, 1000 m. drahtseilgesichert).
Gehzeit: 5.30 Stunden.

Ein markierter Wanderweg führt kommen schon nach wenigen Mi- Der Guffert.
von der Straßenkreuzung beim Feu- nuten wieder auf eine Straße. Auf
erwehrhaus in Unterberg gegen ihr gehen wir kurz nach links und
quert einige Bachreißen, bis er am rain. Der Wanderweg gabelt sich.
Norden in den Wald hinein und dann gegen Norden im Wald wei-
Punkt 1423 m im Wald scharf rechts Wir gehen links, gegen Nordosten,
stößt nach einer Viertelstunde zu ei- ter. Der schmale Bergpfad verläuft
abknickt. Nach einigen Kehren durch das steinige Latschengelände
ner Forststraße. Wir queren den relativ lange, aber nicht steil gegen
kommen wir wieder aus dem Wald zu einer weiteren Wegverzweigung.
Fahrweg (etwas links haltend) und Norden durch den Wald dahin,
heraus und an eine breite Rinne, Auch dort halten wir uns links und
durch die wir kurz aufsteigen, ehe über das wenig steile Schrofenge-
die Markierungszeichen nach rechts lände nach Nordwesten auf den
aus der Rinne herausführen. Die an- Ostgrat zu. Über ihn kraxeln wir,
schließende Wegspur verläuft ziem- stellenweise etwas eng, aber sicher
lich steil durch felsiges Gelände ge- am Drahtseil, zum Gipfel am Guf-
gen Norden. Neben der Rückfall- fert hinauf.
schulter, einem steilen Felsenab- Für den Rückweg steigen wir zu-
bruch, erreichen wir über eine Ge- nächst am Ostgrat wieder ab und
ländekante wieder flacheres Ter- folgen der geraden Wegspur in die
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weite Senke zwischen Guffertspitze
und Guffertstein. Wir erreichen sie
Halserspitze, 1863 m
etwas oberhalb der Schmiedtquel-
le. In nicht zu strenger Steigung fol- Durch die Wolfsschlucht
gen wir nun markierten Wegspuren
zwischen Latschenbüschen nach Der Blaubergkamm
Südosten bergauf, in weitläufiges »Von den blauen Bergen kommen wir...« Dieses Liedchen kennt wohl jeder
Gelände hinein und auf den weiten in der einen oder anderen Fassung. Irgendwie paßt es ja auch ganz gut zu
Sattel östlich des Guffertsteins. den Blaubergen. Wer es auf den Lippen hat und tatsächlich von den Blau-
Aus dem Sattel müssen wir nach Sü- bergen herunterkommt, beweist, daß er eine Bärenkondition hat. Die mei-
den absteigen und durch Latschen- sten Bezwinger des Blaubergkamms werden nämlich nach der Tour so k. o.
gebüsch, später im Wald und durch sein, daß ihnen nicht mehr nach Singen zumute ist. Anders sieht es aus,
Lichtungen, an der Luxeggalm und wenn man sich auf der langen Tour eine Nacht in der Blaubergalm gönnt.
dem Forchkogel vorbei, zu einem Der Blaubergkamm, der als auffälliger Grenzwall eine markante Trennlinie
Ziehweg, auf dem wir zu einer zwischen Bayern und Tirol zieht, sieht vom malerischen Weißachtal wie ein
Forststraße kommen. Wir folgen ihr unerreichbares Bollwerk aus. Und doch gibt es über den Schildenstein hin-
nach links bis Vordersteinberg hin- über einen Weg, der völlig problemlos ist. Die Route durch die Wolfs-
ab, von wo wir auf der Asphaltstra- schlucht ist dagegen schon um Klassen rassiger. Ausgesetzt und steil, er-
ße die letzten 15 Minuten gegen reicht sie beinahe die Dimensionen eines Klettersteigs. Man braucht schon
Westen zum Ausgangspunkt zu- etwas bergsteigerische Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit,
Unterwegs mit Kurzski. wenn man diese landschaftlich hochinteressante Route wählt. Vor allem
rückgehen.
darf man nicht bei Frost durch die nasse Wolfsschlucht aufsteigen. Der
Hauptgipfel auf der langen Wanderung über den Blaubergkamm ist die Hal-
serspitze, ein wenig auffallender, pyramidenförmiger Bergspitz mit hervor-
ragender Aussicht. Vor allem die Bayerischen Voralpen, das Rofan und die
mächtigen Karwendelriesen brillieren in der einzigartigen Schau.

Gehzeit: 7.30 Stunden.


Höhenunterschied: 1054 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Wildbad Kreuth, 800 m. Der Ort Anforderungen: Für die Wolfs-
an der Leitzach lebte einst von den Kur- schlucht braucht man Trittsicherheit und
gästen, heute dreht sich fast alles um die Schwindelfreiheit. Die Tour darf nicht bei
Hans-Seidel-Stiftung der CSU. Frostwetter durchgeführt werden.
Ausgangspunkt: Parkplatz westlich Einkehr: In der Siebenhüttenalm, in der
von Wildbad Kreuth, 810 m. Busverbin- Blaubergalm (Übernachtungsmöglich-
dung von Tegernsee und Wildbad Kreuth. keit) und bei der Königsalm.

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stiegsweg erreicht wird. Auf diesem
zurück zum Ausgangspunkt.
Wem die Route durch die steile
Wolfsschlucht zu anspruchsvoll ist,
der kann über Königsalm und Schil-
denstein zu den Blaubergen aufstei-
gen. Für diese Route steigen wir am
gleichen Weg (wie oben beschrie-
ben) Richtung Siebenhüttenalm
auf, biegen aber nach dem Schieß-
platz zu Geißalm und Königsalm
rechts ab. Der gute Weg verläuft
ziemlich eben, wird aber immer
steiler und führt im schönen Laub- ten Weg zu nehmen, der zur
wald gegen Westen dahin. Unter Königsalm führt, von der man ge-
dem Hohen Gernbergkopf flacht gen Nordosten zur direkten Route
das Gelände ab, und der gute Berg- aufsteigen kann, die südlich des
pfad wendet sich gegen Süden, zur Grasecks erreicht wird.
Geißalm. Oberhalb der Alm kann Am steilen Rücken der Graseck-
man links abbiegen und zum Gras- wand überschreiten wir das Schanzl
Die Blaubergalm am Blaubergkamm.
eck weitergehen. und gehen durch die steilen Wald-
Interessant wäre es auch, den rech- hänge gegen Süden weiter berg-
Wer zackig durch die Wolfsschlucht Sennerin bereitet selbst hervorra-
aufsteigen möchte, geht vom Park- genden Naturkäse, trocknet Krau-
platz an der Achenpaßstraße, west- ter, bäckt Brot und manchmal auch
lich von Wildbad Kreuth, auf einem Kuchen. Alles gibt es auch zum Kau-
breiten Weg am Schießplatz vorbei fen. Selbst ein paar Übernachtungs-
gegen Süden zur bewirtschafteten möglichkeiten stehen bereit.
Siebenhüttenalm. Wir gehen nicht Man(n) wäscht sich am Brunnen vor
bis zur Wirtschaft hinab, sondern der Hütte. Frau auch.
wandern auf gutem Weg nach Sü- Der weitere Aufstiegsweg führt ein
den weiter, gemütlich der Felsweiß- kurzes Stück gegen Norden und auf
ach entlang, an der Oberhofer den langen Blauberggrat zu. Auf
Weißachalm und der Königshütte ihm überschreiten wir die Wichtel-
vorbei und in die Wolfsschlucht hin- platte, die Blaubergschneid, den
ein. Die Schlucht verengt sich im- Blaubergkopf und den Karspitz, bis
mer mehr, und wir müssen uns, den endlich die Halserspitze erreicht
Markierungszeichen folgend, über ist.
einige Wasserläufe hinweg auf der Beim Abstieg biegen wir unter dem
Steiganlage steile Felsen hinauf pla- Gipfel zwischen Halserspitze und
gen. Schließlich erreichen wir den Karspitz vom Aufstiegsweg auf ei-
weiten Sattel zwischen Schildens- nen schmalen Bergweg gegen Nor-
tein und den Blaubergen. den ab und steigen über sehr steile
Im schönen Laubwald schlendern Hänge zu einem licht bewaldeten
wir nun, dankbar für die Ver- Höhenrücken. Das Weglein leitet
schnaufpause, zur Blaubergalm am verfallenen Stangenhäusl und
weiter. Auf der bewirtschafteten dem Wenigberghaus vorbei zur Sie-
Alm läßt sich's gut einkehren. Die benhüttenalm hinab, wo der Auf-
122 123
»Iß Königsalm-Topfen, Dann brauchst Das Erdgeschoß ist gemauert, und da-
Du keine Herztropfen.« So steht es auf rin befanden sich die Molkenküche
der Königsalm zu lesen, wenn man in und die Wohnung des Senners. Die
die Käserei, das sogenannte »Kava- Milch wird dort im Parterre mit küh-
liershaus«, hineingeht. In den Bayeri- lem Quellwasser frisch gehalten. Es
schen Alpen gibt es kein vergleichba- läuft über den Marmorboden ab.
res Almbauwerk. Fast ein wenig herr- Das Almgebäude steht neben dem
schaftlich mutet es dem Besucher an, Kavaliershaus. Es ist mit 46 Meter ein
und wer in das Gebäude eintritt, dem auffallend langes Anwesen, das im
wird sofort der edle Marmorboden 18. Jahrhundert erbaut worden ist
auffallen. Die groben, roten Blöcke und ursprünglich zu den Besitzungen
aus Scharlinger Marmor wurden bei des Klosters Tegernsee gehört hat.
einer Renovierung der Tegernseer Kir- Vom Kloster wurde es als Ochsenalm
che entnommen und auf der Königs- verwendet. Im Jahr 1817 hat König
alm eingebaut. Max l. die Alm erworben und sich
Wegen des besonderen Flairs auf der auch selbst viel um die Almwirtschaft
Alm wird man bald erkennen, daß die gekümmert. Schon während der
Geschichte der Alm einen hochnoblen Glanzzeit des Kreuther Kurbetriebs
Hintergrund hat. Auch heute noch war die Königsalm ein beliebtes Aus-
gehört sie Herzog Max von Bayern. flugsziel der Kurgäste. Heute sind es
Selbst die spätere Österreichische Kai- mehr die Städter, die am Wochenen-
serin Elisabeth (genannt »Sissi«) war de zur Königsalm hinauf pilgern und
auf der Königsalm gelegentlich zur sich dort eine Brotzeit, ein Bier oder
Sommerfrische und hat ihr Mono- eine frische, auf der Alm selbst er-
gramm in ein Fenster des oberen Sa- zeugte Milch gönnen. Leider kann
lons eingeritzt. Allerdings ist das obe- man nur im Freien sitzen. Doch die
re Stockwerk dem Besucher nicht zu- Freisitze am Almgebäude sind regen-
gänglich. sicher überdacht.

Der Blaubergkamm. Im Hintergrund die Halserspitze.

wärts zu einem weiten, schwach absteigen und dem Wanderweg ge-


ausgeprägten Sattel südwestlich gen Südosten folgen, bis wir den
des Schildensteins. Von dort erklim- oben beschriebenen Aufstiegsweg
men wir auf Steigspuren den steilen erreichen, der durch die Wolfs-
Gipfel des Schildensteins. schlucht heraufkommt. Auf ihm
Vom Schildensteingipfel müssen wandern wir über die Blaubergalm
wir direkt gegen Süden sehr steil zur Halserspitze weiter.
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Roß- und Buchstein, 1701 m
Über Sonnbergalm und Tegernseer Hütte
Zum Fürchten auf den Buchstein
Roß- und Buchstein, diese beiden unzertrennlichen Berggipfel, werden
nicht nur in einem Atemzug genannt, sondern auch in einem Zug bestiegen
- wenn man sich traut. Und zwischen diesen beiden markanten Felsengip-
feln steht, eingeklemmt in eine enge Scharte, die Tegernseer Hütte, eine ge-
mütliche Alpenvereinshütte und zugleich eine willkommene Rast- und
Übernachtungsstätte mit Einkehrmöglichkeit. Der Roßstein, ein Wander-
gipfel, der ohne besondere Schwierigkeiten zu erreichen ist, hat einen stei-
len Gipfelanstieg zu bieten. Er ist nur ein wenig luftig und erfordert etwas
Trittsicherheit. Der Buchstein geht nicht so leicht her. Er ist bedeutend
zackiger und erfordert eine satte Portion Mut. Der kurze, aber steile Gipfel-
aufstieg ist schon fast ein Zweier, und wenn es regnet, sollte man keines-
falls dort hinaufkraxeln. Schon mancher Bergsteiger ist am Gipfel vom
Schlechtwetter überrascht worden und hat arg weiche Knie beim Abstieg
vom Buchstein zur Tegernseer Hütte bekommen. Die Felsen sind vom Roßstein (links) und Buchstein (rechts).
Angstschweiß der vielen Bergsteiger glattpoliert, und wenn sie naß sind,
entwickeln sie eine Gleitfähigkeit, als wären sie mit Schmierseife abgerie- Wer diesem Routenvorschlag folgt, den Hang hinauf, quert einen Bach-
ben. Die hier vorgestellte Aufstiegsroute entspricht dem üblicherweise be- verläßt den großen Parkplatz am lauf und stößt zum schönen Sonn-
gangenen Weg. Die Abstiegsvariante über die Buchsteinhütte hingegen markierten Wanderweg gegen Nor- bergalm-Niederleger. Der Bergpfad
wird weniger durchgeführt, denn sie ist enorm lang und anstrengend. den, tritt in den Wald ein, steigt in steigt in derselben Richtung weiter
vielen Kehren den stark ansteigen- an und verläßt erst beim Sonnberg-
Busverbindung von Tegernsee über
Kreuth.
Gehzeit: 5.30 Stunden.
Talort: Kreuth, 772 m, berühmt nicht Höhenunterschied: 1009 m im Auf-
nur durch die Hans-Seidel-Stiftung der und Abstieg.
CSU, sondern auch als Wohnort des le- Anforderungen: Für den Anstieg bis
gendären Franz-Josef Strauß. Der Ort liegt zur Tegernseer Hütte genügen etwas
in waldreicher Berglandschaft an der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.
Leitzach zwischen Hirschberg und Leon- Schwieriger sind der Auf- und Abstieg am
hardstein auf der einen und Wallberg und Buchstein, der Kletterpassagen im II.
Risserkogel auf der anderen Seite. Schwierigkeitsgrad aufweist.
Ausgangspunkt: Parkplatz an der Einkehr: In der Tegernseer Hütte und in
B 307, westlich von Bayerwald, 852 m. der Buchsteinhütte.

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alm-Hochleger den schattenspen-
denden Wald. Der Sonnberg macht
ab dort seinem Namen alle Ehre. Für den Naturfreund ist es ein beson- nen Geschwistern nicht mehr viel
Auch die Aussicht wird sehr schön, deres Erlebnis, wenn an milden Ähnlichkeit.
und so bleibt sie bis zu den beiden Herbsttagen die Sonne auf den süd- Die Blüte der Silberdistel ist übrigens
Gipfeln. seitigen und oft bis in den Dezember aus zahlreichen unscheinbaren, stroh-
Über dem Hochleger kommen wir hinein aperen Hängen die Jahreszei- farbenen, röhrenförmigen Einzelblü-
auf einen breiten Rücken, gehen auf ten gehörig durcheinander bringt. Oft ten zusammengesetzt. Sie sind zu
ihm ein Stück Richtung Sonnberg, lockt sie noch so spät im Jahr das eine Hunderten in dichten Kreisen ange-
biegen aber rechts ab, um unter oder andere Blümchen heraus. Nicht ordnet und beginnen vom Rand des
dem Sonnberg gegen Nordwesten selten treffen dann die letzten Herbst- Blütenkörbchens her aufzublühen.
weiter aufzusteigen. Der Pfad blumen mit den ersten Frühlingsbo- Die sternförmigen und stechenden
schwingt sich deutlich auf und ten zusammen. Silberdistel und Le- Hüllblätter umgeben das Körbchen
führt in die Felsen hinein. Stre- berblümchen stehen wie ein Strahlenkranz.
ckenweise ist er mit Drahtseil gesi- einträchtig nebenein- Mit ihrer silbrigwei-
chert und führt zum Roßstein hin- ander in voller Blüte. ßen Innenseite sollen
Tegernseer Hütte mit Buchstein.
auf. Die auffälligen Silber- sie die Blüten für die
Vom Roßstein steigen wir in weni- disteln recken ihre Insekten attraktiver
gen Minuten über den Grat nach herrscht, sollte sich das Vergnügen großen Blütensterne machen. Die Blüten
Osten zur Tegernseer Hütte hinab. gönnen, auch noch auf den Buch- in die wärmenden bilden reichlich Pollen
Nur wer sich wirklich sicher ist und stein zu kraxeln. Dazu steigt man Sonnenstrahlen und und locken bei Son-
den zweiten Schwierigkeitsgrad be- von der Tegernseer Hütte in den warten auf die letzten nenschein viele Bie-
breiten, aber steilen Kamin ein, der Insekten. Die dekorative Herbstblume nen und Hummeln an. Bei Schlecht-
Der Roßstein, gesehen vom Buch- sich über glatte Felsen zum Buch- ist vielerorts zu einem Wahrzeichen wetter biegen sich die Hüllblätter ein,
stein. stein aufschwingt. der Berge geworden, obwohl sie ei- um die Körbchen vor Regen zu schüt-
Man kann am Aufstiegsweg ins Tal gentlich gar keine typische Gebirgs- zen.
absteigen, oder man nimmt den pflanze ist. Ihre Heimat sind trockene In den Alpen beschränkt sich das Vor-
langen, aber schönen Abstieg über Wiesen und Waldränder aller Höhen- kommen der Silberdisteln vorwiegend
die Buchsteinhütte auf sich. Dazu lagen. Wir finden die stattliche Pflan- auf die nördlichen und südlichen
steigen wir von der Tegernseer Hüt- ze häufig im schwäbischen und baye- Kalkalpen. Von dort reicht ihr Sied-
te die steile Bergflanke über einen rischen Jura. Die Rhön, das nördlich- lungsgebiet durch die südeuropäi-
Steig nach Nordwesten ab, halten ste bayerische Mittelgebirge, führt sie schen Gebirgszüge bis Bulgarien, in
uns bei der Wegverzweigung rechts sogar als Wappenblume. Ihr lateini- die Abruzzen und zu den Pyrenäen.
und stoßen auf einen Forstweg. Wir scher Name Carlina acaulis leitet sich Nach Osten zu besiedelt sie ganz Mit-
folgen ihm, mit der Möglichkeit, in möglicherweise von Kaiser Karl dem tel- und Osteuropa bis tief nach Ruß-
einem kurzen Abstecher die Buch- Großen ab. Sein Heer wurde der Sage land hinein. Verwandte Arten kom-
steinhütte zu besuchen. Nun wan- nach durch diese Pflanze vor der Pest men in Südeuropa vor.
dern wir am Fahrweg zur Straßen- bewahrt. In manchen Gegenden wird Silberdisteln sind ein beliebter Zim-
verzweigung gegen Nordosten wei- sie deshalb auch Karlsdistel genannt. merschmuck. Die abgeschnittenen
ter, müssen dort links abbiegen, um Der Beiname acaulis bedeutet sten- Blütenkörbe halten sich lange frisch,
auf einem schmalen Pfad zu einem gellos, weil die großen Blütenkörbe und auch in getrocknetem Zustand
weiteren Forstweg hinunterzuge- scheinbar ungestielt auf einer dem ergeben sie einen dekorativen Wand-
hen, dem wir durch das Tal des Boden angedrückten Blattrosette sit- schmuck. In einigen Gegenden, vor
Schwarzenbachs folgen. Auf ihm zen. In tieferen Lagen kann sich aller- allem außerhalb der Alpen, hat dieser
erreichen wir die Achenpaß-Bun- dings ein kräftiger, bis 30 cm hoher Brauch die Pflanze recht selten wer-
desstraße, neben der wir, entlang Stengel ausbilden. Die »Stengellose den lassen. Deshalb steht die Silberdi-
der Weißach, zum Ausgangspunkt Eberwurz«, wie die Silberdistel auch stel in Bayern seit langem unter Natur-
zurückwandern. genannt wird, hat dann mit ihren alpi- schutz.
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Risserkogel,1826 m
Über den Westgrat

Rundtour am Risserkogel
Der Risserkogel ist ein Münchner Wanderberg, der in keinem Repertoire
fehlen darf. Anstiegsrouten gibt 's genug, und am bequemsten ist der Gip-
fel von der Wallberg-Bahnstation über den Setzberg herüber zu erreichen.
Eigentlich ist es fast schade, daß ein so schöner und auch etwas anspruchs-
voller Gipfel mit derartigem Minimalaufwand zu besiegen ist. Ein wenig
Mühe darf schon sein, und deshalb wird hier eine Rundtour vorgeschlagen,
die nicht nur etwas Kondition verlangt, sondern auch reich an Eindrücken
ist. Alle Gipfelsieger, egal woher sie kommen, können die überaus lohnen-
de Gipfelschau bestaunen. Sie reicht weit über den Nahbereich hinaus und
bis auf weite Teile des Alpenhauptkamms. Trotzdem sind auch die Blicke
auf die schönen Nachbarberge des Mangfallgebirges nicht zu verachten,
denn diese hat man von dort oben auch dann, wenn der Föhn mal nicht ge-
rade über die Gipfel und Grate hinüberbläst. Damit ist das Angebot dieses
urbayerischen Sonntagsgipfels aber noch lange nicht erschöpft. So hat sein
felsiger Nachbar, der Plankenstein, schon manchem naiven Anfänger im al-
pinen Fels das Fürchten gelehrt. Außerdem gibt es einen Alpenlehrpfad, der
interessante Informationen über die geologischen Verhältnisse in diesem
Alpenbezirk vermittelt, und einen Gipfelgrat, an dem es bisweilen sogar et-
was spannend zugeht, denn er ist zackig und eindrucksvoll, aber nicht über- Gipfelschau vom Risserkogel über Plankenstein, Setzberg und Wallberg
mäßig schwierig. Eine weitere Attraktion finden wir erst im Tal, die Schwai- zum Tegernsee.
geralm. Man geht zwar schon beim Anstieg bald nach dem Ausgangspunkt
an dem hervorragenden Wirtshaus vorbei, aber am frühen Morgen ist dort Vom großen Parkplatz bummeln relativ steil auf einem bewaldeten
natürlich noch kein Gastbetrieb. wir erst einmal am Wanderweg zur Rücken zwischen zwei Bachgrä-
Schwaigeralm hinauf und am ben zur Scheuerer Alm hinauf.
Gehzeit: 4.50 Stunden. Fahrweg weiter, bis nach links die Dort lichtet sich der Baumbestand,
Höhenunterschied: 1033 m im Auf- markierte Route zum Risserkogel und das Weglein führt im schütte-
und Abstieg. aus der Langen Au gegen Nord- ren Wald und über freie Wiesen zur
Talort: Kreuth, 772 m. Anforderungen: Der Gipfelgrat erfor-
osten abzweigt. Sie schlängelt sich Ableitenalm. Weiter geht es zwi-
Ausgangspunkt: Parkplatz an der dert etwas Trittsicherheit und Schwindel-
B 307 (Schwaigeralm), 793 m. Busverbin- freiheit, ansonsten ist die Tour leicht.
dung von Tegernsee. Einkehr: In der Schwaigeralm.

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sehen Latschengebüsch nach Nor-
den zum Alpenlehrpfad am Grat
Hirschberg, 1670 m
zwischen Grubereck und Risser-
kogel. Dort schwenken wir rechts Über die Rauheckalm
ab und steigen über den felsigen,
latschenbewachsenen Westgrat Paradegipfel für alle Jahreszeiten
zum Gipfelkreuz auf dem Risser- Es gibt in den Bayerischen Alpen kaum einen Berg, der beliebter und stärker
kogel hinauf. besucht ist als der Hirschberg. Wen wundert's? Schließlich hat er alles zu
Am einfachsten ist es, am Aufstiegs- bieten, was zu einem zünftigen Wanderziel gehört: Ein paar Schweißtröpf-
weg wieder abzusteigen. Es lohnt chen am Aufstieg auf guten Wegen, eine gemütliche, hervorragend bewirt-
sich wegen der tiefgreifenden land- schaftete Hütte und eine freie Aussicht, wie sie schöner kaum sein kann.
schaftlichen Eindrücke, am sehr Viele Berge aus dieser Tourensammlung liegen dem Hirschberg-Besucher zu
steilen und durchaus etwas pfiffi- Füßen oder wenigstens auf gleichem Niveau. Und obendrein kann man für
gen Steig dem Gratrücken vom Gip- Auf- und Abstieg verschiedene Routen wählen, so daß immer wieder neue
fel nach Süden hinunterzufolgen, Eindrücke gewonnen werden. Selbst im Winter, wenn der Schnee nicht ge-
bis in Höhe der verfallenen Rissalm rade meterhoch liegt, kommen die
(1509 m) ein Pfad erreicht wird, der Wanderer in Scharen, und die weni-
nach rechts, also gegen Westen, zur gen Skitourengeher, die sich vom
Ableitenalm führt. Dort erreichen Brunnbichlhang über die Rauheck-
wir wieder die Aufstiegsroute und alm steil heraufgeplagt haben, wir-
folgen ihr zur Schwaigeralm und ken im Kreis der Wandergesellen
Der Gipfelgrat zwischen Risserkogel am Gipfel fast ein wenig exotisch,
zum Ausgangspunkt zurück.
und Grubereck. obwohl der Hirschberg als klassi-
sches Skitourenziel durchaus seine
Rückblick vom Risserkogel-Südabstieg zum Gipfel. Der Pfad führt über die
Berechtigung behalten hat. Im Win-
Wiese im Vordergrund links hinab.
ter eignet sich übrigens die be-
schriebene Abstiegsroute besser
für den Aufstieg. Man muß darauf
achten, daß man den speziell als
»Winterweg« bezeichneten Pfad
wählt, weil der Sommerweg biswei-
Das
len von Lawinen bedroht ist. Hirschberghaus.

Gehzeit: 4.00 Stunden.


Höhenunterschied: 903 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Kreuth, 772 m. Anforderungen: Einfache Bergwan-
Ausgangspunkt: Scharling, 767 m. derung ohne alpine Herausforderungen.
Busverbindung von Tegernsee. Einkehr: Im Hirschberghaus.

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Von dort folgen wir der Lichtung Rauheckalm abbiegen. Interessan-
gegen Westen weiter und halten ter ist es, wenn wir uns etwas links
uns beizeiten rechts, um im Wald halten und zum Hirschberghaus
zur Rauheckalm, die leider eine Zu- hinübergehen, denn dort können
fahrtsstraße erhalten hat, aufzustei- wir pfundig einkehren. Und die
gen. Knapp vor der Alm tritt der Wirtsleute sind auch recht freund-
Weg aus dem Wald heraus, und lich.
erstmals öffnen sich freie Ausblicke. Nach der gemütlichen Rast auf der
Von der Rauheckalm führt der Berg- Hüttenterrasse steigen wir in steilen
pfad gegen Westen weiter, Latschenhängen zur Talstation der
schwenkt nach Norden und knickt Materialseilbahn ab, wo wir auf
im Latschengelände scharf nach eine Schotterstraße stoßen, der wir
links ab, bis er in einem weiten nach Scharling folgen können. Es
Rechtsbogen, nur noch schwach wäre auch möglich, die Straße bald
ansteigend, zum Kreuz am freien, wieder nach rechts zu verlassen und
weiten Gipfel des Hirschbergs hin- am schmalen, aber schönen Steig in
aufführt. vielen Serpentinen zum Bolzeck ab-
Das erste Wegstück wandern wir für zusteigen. Dort wird wieder ein
den Rückweg entlang der Auf- Fahrweg erreicht, auf dem wir nach
stiegsroute zurück. Doch sollten wir Scharling und zum Ausgangspunkt
in den Latschen nicht unbedingt zur zurückgehen können.

Blick vom Hirschberg zu Schönberg, Seekarkreuz und Kämpen. Urbayerische Voralpenlandschaft am Hirschberggipfel, unten der Tegern-
see.
An der Talstation des Hirschberg- breite Schneise der Brunnbichlab-
lifts in Scharling gibt es neben dem fahrt ab. Am rechten Rand der Piste
Liftstüberl einen großen Parkplatz. schlängelt sich ein schmaler Pfad
Von dort gehen wir am unteren nach Westen hinauf, wird immer
Ende der Skipiste kurz gegen Süden steiler und stößt zur Gründhütte an
und biegen bald nach rechts in die der Bergstation des Schlepplifts.

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Fockenstein, 1564 m
Über die Aueralm
Almtour mit Felsengipfel
Der Fockenstein zählt zu den beliebtesten bayerischen Wandergipfeln über-
haupt. Und das zu Recht. Er hat zwei schwache Seiten. Einmal kann man ihn
aus dem Isarwinkel, von Lenggries durch den Hirschtalsattel (vielleicht so-
gar über den Geierstein) angehen. Oder man wandert vom Tegernsee her-
auf, wie es hier vorgestellt ist. Wenn auch beide Wege auf den Gipfel steil
und bisweilen felsig sind, so ist die Tour insgesamt noch als leicht einzustu-
fen. Gerade so, wie wir es gerne
mögen: Gemütlich hinauf, ein we-
nig Herausforderung am Gipfel und
eine schöne Alm mit Biergarten für
den Abstieg. Wer eine sehr feine
Nase hat, der kann am Gipfel übri- Die Aueralm.
gens Schwefeldämpfe ausmachen,
die aus einem felsigen Loch austre-
Vom Parkplatz am Zeiselbach, et- Südwesten hinauf. Bei 999 m Höhe
ten - zumindest an kalten, klaren
was oberhalb des Sportplatzes von wird die Straße deutlich schmaler,
Wintertagen. Im Sommer und im
Bad Wiessee, folgen wir einem be- führt weiter oben an einem Unter-
Herbst dagegen, wenn die Sonne
quemen, sehr flachen Sträßchen stand vorbei und schwingt sich et-
hoch am weiß-blauen Himmel
dem Zeiselbach entlang. Die Straße was auf. Rund 10 Minuten bevor
steht, ein mildes Gipfellüftchen
verläuft durch Mischwald gegen wir die Aueraim erreichen, tritt der
weht und es nach Salami-Brotzeit,
Westen, in einer weit ausholenden Fahrweg aus dem Wald heraus und
ein paar Fläschchen Bier oder Tee
Linkskehre um die Ausläufer des bringt uns geradewegs zur Auer-
und gelegentlich sogar nach etwas
Waxelmoosecks herum und gegen alm am Buchetskogel.
Klarem riecht, dann merkt man
Der Gipfelanstieg nichts vom Schwefeldampf.

Gehzeit: 4.50 Stunden.


Höhenunterschied: 784 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Bad Wiessee, 742 m, Kurort am Anforderungen: Bis auf ein paar Me-
Westufer des Tegernsees. Busverbindung ter am Gipfelanstieg (für die Trittsicher-
von Gmund bzw. von Tegernsee. heit von Vorteil ist) ist die Wanderung
Ausgangspunkt: Parkplatz am Zeisel- leicht.
bach, 780 m. Einkehr: In der Aueralm.

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Bodenschneid, 1669 m
Von der Monialm
Zwischen Tegernsee und Spitzingsee
Früher, als die Münchner noch mit der Bahn nach Fischhausen-Neuhaus ge-
fahren sind und von dort zu Fuß zur Bodenschneid hinauf pilgerten, da war
es noch eine stattliche Tour, auf diesen klassischen Wandergipfel hinauf. Es
war halt noch eine andere Zeit und
eine Besonderheit, im Kreise der
wenigen Bergler dort oben aus dem
Leinenrucksack seine Brotzeit her-
auszuholen und mit Blick auf den
Tegernsee sein Bier genüßlich
durch die Kehle rinnen zu lassen.
Heute ist die Tour zur Halbtages-
tour abqualifiziert: man fährt zum
Spitzingsee und spaziert über die
Firstalmen zur Bodenschneid hin-
auf. Dennoch ist die Bodenschneid
ein lohnendes Bergziel geblieben.
Nicht nur die Gipfelschau hinaus ins
Oberland, auf die Waldberge der Almhütte bei der Oberen Firstalm.
näheren Umgebung und hinüber
ins Karwendel lockt viele Besucher an, auch ein paar Hütten mit Einkehr-
möglichkeiten steigern die Attraktivität dieser Tour. Weil die Wege in der
Nähe der Firstalmen so überlaufen sind, wird hier eine Route vorgestellt, die
Die Neuhüttenalm. zwar etwas steiler, dafür aber verhältnismäßig ruhig geblieben ist.

Sieht man die schöne Aueralm mit Fockenstein hinauf. Rottach-Egern.


Das erste Stück des Rückwegs fällt Gehzeit: 4.15 Stunden.
ihrer herrlichen sonnigen Terrasse,
Höhenunterschied: 828 m im Auf-
die weiß-blauen Fahnen im lauen gegen Osten auf einem markierten
Talort: Enterrottach, 784 m, Vorort öst- und Abstieg.
Bergwind flattern und die gemütli- Pfad über den bewaldeten Gratver- lich von Rottach-Egern am Tegernsee, an Anforderungen: Leichte, aber lange
chen Plätze vor der Hüttentüre, fällt lauf steil ab. Dann treffen wir zum der (weiter oben) mautpflichtigen Forst- Bergwanderung.
es besonders schwer, mit dem Bier Aufstiegsweg, dem wir wenigstens straße in die Valepp gelegen. Einkehr: Bodenschneidhaus, Obere
noch bis zum Abstieg zu warten. bis zur Hüttenterrasse der Aueralm Ausgangspunkt: Kisten-Winterstube, Firstalm, Untere Firstalm, Suttenalm und
Wer es schafft, sich zu überwinden, folgen. 950 m. Im Sommer Busverbindung von Bäckeralm.
der geht am breiten Weg weiter, an Von der Alm kann man am Auf-
einer kleinen Kapelle vorbei und - stiegsweg ins Tal zurückgehen
bei der Weggabelung links - bis zur oder, wenn noch viel Zeit ist, der be-
Neuhüttenalm. Der weitere Anstieg schilderten Skiabfahrt über das Wa-
führt von der Alm in den weiten Sat- xelmooseck und den Zwergelberg
tel zwischen Neuhütteneck und folgen. Das letzte Stück dieses Ab-
Fockenstein, in der Einsattelung stiegs ist arg steil. Es bringt uns zum
rechts und steil gegen Norden über Gasthaus Sonnenbichl hinunter und
Wiesen und ganz zum Schluß etwas von dort über den Zeiselbach zum
durch die Felsen zum Gipfel des Ausgangspunkt zurück.

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Die Versuchung ist groß, bei der großzügig angelegten Spazierweg
Müllsammelstelle Sutten-West gut 5 Minuten talwärts, bis sich im
(Kisten-Winterstube) den Wegwei- Wald breite Wege kreuzen. Dort
sern Richtung Sutten zu folgen. Wir halten wir uns rechts und folgen in
aber gehen links (gegen Norden), Kehren der alten, befestigten
also neben der Straße dahin und am Wegetrasse durch schattenspen-

Der Bodenschneid-Nordgrat über dem Tegernsee. Blick über die Untere zur Oberen Firstalm, dahinter der Freudenreichsattel.

denden Buchenwald bergwärts. Der Osten steil und mühselig in Kehren


Weg wendet sich von Osten nach weiter, zum Schluß ein wenig über
Norden zum Jagdhaus und führt Felsen, bis wir endlich das Gipfel-
aus dem Laubwald in dichten Fich- kreuz auf der Bodenschneid errei-
tenwald hinein. In etlichen weiten chen.
Kehren kommen wir durch Berg- Bei der Vielzahl der Wanderwege
wald, dann wieder über ausge- rund um die Bodenschneid wäre es
dehnte Lichtungen auf die Matten schade, würden wir einfach am Auf-
der Bodenalm. Von dort zeigen sich stiegsweg wieder absteigen. Außer-
der Tegernsee und hoch oben auch dem gibt es noch gemütliche Hüt-
das gewaltige Gipfelkreuz der ten und Wirtshäuser, die wir besu-
Bodenschneid recht eindrucksvoll. chen können. Wir gehen also vom
Doch dürfen wir uns nicht täuschen Gipfelfelsen nur ein paar Meter am
lassen. Der Höhenunterschied be- Aufstiegsweg zurück, biegen dann
trägt noch rund 300 Meter und das rechts ab, um südöstlich des Rinner-
bedeutet noch eine knappe Stunde spitz über das glattpolierte Kalkge-
Aufstiegszeit. stein Richtung Bodenschneidhaus
Von der Bodenalm und der kleinen zu schlittern. An einigen Stellen
Skihütte, die etwas darüber steht, muß man schon gehörig aufpassen,
steigen wir am Waldrand gegen daß man nicht unfreiwillig zum Sit-

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zen oder gar ins Rutschen kommt. aus dem Lautsprecher, und das hört
Im schütteren Wald stoßen wir zu man bis zur Unteren Firstalm dröh- Schinder, 1808 m
einer Wegverzweigung, von wo es nen. Das ist schon eine besondere
nach links zum Bodenschneidhaus Art von Bergidylle... Über die Trausnitzalm
der DAV-Sektion Bodenschneid Wir erreichen die Untere Firstalm
geht. Ein Hausnummernschild am am gut hergerichteten Weg gegen Zum Schinder ohne Schinderei
Wintereingang verrät letzten Zweif- Süden in 10 Minuten. Von dort stei- Der Name dieses beliebten Wanderberges ist eine Falle. Nein, es ist keine
lern, wo sie sind: »Bodenschneid 1« gen wir über die weite Wiese neben Schinderei zum Schinder hinauf. Zugegeben, wenn man durch das Schin-
steht darauf geschrieben. dem Skilift Richtung Suttenstein derkar aufsteigt, wie das oft gemacht wird, ist der Aufstieg schon ziemlich
hinauf und stehen dann auf der mühsam. Doch gibt es eine viel gemütlichere, leichtere und obendrein auch
Höhe von rund 1400 m im bewalde- noch schönere Aufstiegsroute auf den Berg, der zwei Gipfel hat - einen
ten Sattel neben dem Suttenstein. bayerischen und einen österreichischen. Genau genommen heißt der Öster-
Nun gehen wir gegen Süden in den reichische Schinder »Trausnitzberg«, und er ist trotz seiner geringfügig grö-
Wald hinein. Rechts ragen die Fel- ßeren Höhe nicht so markant wie der Bayerische. Während der Aufstieg
sen des Suttensteins auf, doch wird zum Trausnitzberg einfach und problemlos ist, ist der kurze Abstieg zum
der Wanderer keinen Blick für diese Kar, am Drahtseil steil hinab, schon etwas schärfer. Der obere Teil des Ab-
bizarren Gebilde haben, denn seine stiegs durch das Schinderkar und durch das Tor hindurch ist sehr steil und
Aufmerksamkeit gilt vorsichtshal- auch etwas ausgesetzt. Insgesamt sind also für den Abstieg Trittsicherheit
ber dem enorm steilen Lehmboden, und Schwindelfreiheit erforderlich. Wem diese Anforderungen zu hoch
über den er irgendwie aufrecht hin- sind, dem wird empfohlen über die Trausnitzalm nicht nur auf-, sondern
unter sollte. auch wieder abzusteigen.
Nach den schwierigeren Abstiegs-
metern und mit hoffentlich noch Egern und von Spitzingsee.
sauberem Hosenboden erreichen Gehzeit: 4.35 Stunden.
Die Bäckeralm vor dem Brand von Höhenunterschied: 1032 m im Auf-
wir ein Weglein, das durch feuchte
1994. Talort: Rottach-Egern, 738 m. und Abstieg.
Wiesen gegen Südwesten zur Sut-
tenalm und unter den Sessellift der Ausgangspunkt: Parkplatz zwischen Anforderungen: Trittsicherheit und
Brennerklamm und Valepp, 872 m. Im Schwindelfreiheit erforderlich.
Der weitere Rückweg führt bis zur Suttenbahn führt. Wir wandern ein
Sommer Busverbindung von Rottach- Einkehr: In der Trausnitzalm.
Wegverzweigung am Hüttenzuweg Stück gegen Süden, später Südwe-
zurück, dann aber links weiter und sten zur Bäckeralm. Schön war's,
Vom Parkplatz gehen wir erst ein- aus unter dem Brennereck durch
in Kraut und Buschwerk mehrmals wenn die Küche der Bäckeralm so
mal kurz auf der Fahrstraße in Rich- den Wald gegen Süden verläuft. Der
leicht auf und ab. Besonders bei gut wäre, wie die malerische Hütte
tung Brennerklamm zurück und bei markierte Steig beschreibt einen
feuchtem Wetter wird es dort wie- noch auf dem Bild aussieht. Leider
der Brücke über den Bach nach Sü- Rechtsbogen, führt südlich des
der arg rutschig, bis die Wegver- ist die Bäckeralm aus ungeklärter
den am Fahrweg hinauf. Das Sträß- Brennerecks durch einen Bachgra-
zweigung westlich der Krottenburg Ursache im Jahr 1994 abgebrannt,
chen biegt rechts weg, und wir fol- ben, um dann wieder gegen Süden
erreicht wird. Nach dem Weidezaun inzwischen aber wieder aufgebaut.
gen dem Wanderweg, der gerade- anzusteigen, bis er auf eine Forst-
gehen wir im Wald links und kom- Von der Alm folgen wir noch ein
men bald darauf zur Oberen First- kurzes Stück dem asphaltierten
alm. Sie ist ein sehr beliebtes Aus- Fahrweg hinab und biegen dann
flugsziel, das vom Spitzingsattel am rechts ab, um dem Wegschild zur
Trautweinweg schnell und leicht er- Suttenbahn-Talstation zu folgen.
reicht werden kann. Bewirtschaftet Wieder kommen wir in feuchte Wie-
ist sie das ganze Jahr über. Es gibt sen, bis die Route über eine Brücke
17 Betten und zusätzlich Lager. Die zu einem Fahrweg stößt. Dort ge-
Brotzeiten, die dort gereicht wer- hen wir nach Westen weiter, an vie-
den, holt man sich in Selbstbedie- len Wochenend-Quartieren vorbei
nung an der Theke. »Germknödel und steil zum Ausgangspunkt zu-
mit Vanillesoße abholen!«, tönt es rück.
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Blick vom Österreichischen zum Bayerischen Schinder.

Straße stößt. Wir folgen ihr nach die weite Mulde nach links (Südwe-
rechts und steigen auf einem be- sten) und folgen dem rechten der nigermaßen ordentlich da hinunter- mählich kommen wir in schütteren
waldeten Höhenrücken, weiter beiden Wege, der oberhalb eines kommen, gibt es ein Drahtseil zum Wald hinein, der sich mehr und
oben in einer steilen Lichtung, zur Bachgrabens nach links abknickt. In Einhalten, bis wir wieder einen mehr verdichtet. Unser Weg führt
malerisch gelegenen Trausnitzalm einem weiten Bogen kommen wir Wanderweg erreichen. Er wendet an der Schlagalm vorbei und über
auf. immer mehr in Latschengebüsch sich nach rechts, also Westen, und Wiesen und Weiden zur Fahrstraße
Wer rasten will, kann keinen schö- hinein, und die Ausblicke zum Guf- bringt uns in den Sattel am oberen zurück, auf der wir durch die ein-
neren Platz als den vor der Hütte fert hinüber werden immer schö- Rand des Schinderkars hinein. drucksvolle Brennerklamm zum
finden. Nach der Pause queren wir ner. Bald wird der Steig unsere volle Von dort können wir in etwa 20 Mi- Ausgangspunkt zurückgehen.
Konzentration fordern, er schwingt nuten leicht, aber durch enges Lat-
Abstieg vom Bayerischen Schinder. sich nämlich deutlich auf und führt schendickicht, auf den Bayerischen Anspruchsvoll: das Schindertor.
über den Ostrücken des Trausnitz- Schinder steigen. Wegen der gran-
berges zum Kreuz am Österreichi- diosen Gipfelschau lohnt sich das
schen Schinder. an klaren Tagen ganz besonders.
Vom Gipfel folgen wir zunächst ein Und am Bayerischen Schinder ist es
Stück dem Grat durch dichtes Lat- viel ruhiger als am Trausnitzberg.
schengebüsch nach Westen. Es ist Zurück am Schinderkar, haben wir
auf den ersten Blick kaum zu glau- wieder ein rassiges Stück Abstieg
ben, aber mitten in den Latschen vor uns. Ziemlich steil, felsig und
biegt nach links ein Steiglein zum auch etwas ausgesetzt steigen wir
oberen Rand einer enorm steilen am Drahtseil nach Norden zum
Felsenrinne ab. Dort sind offenbar Schindertor hinab. Das Tor ist mei-
schon sehr vielen Bergfexen Zweifel stens offen. Nur im Frühjahr, wenn
gekommen, denn eine deutliche noch viel Schnee liegt, dann ist es
Wegspur verläuft an dieser Stelle geschlossen und wir müssen links
geradeaus weiter. Doch sie ist davon durch die Felsen abklettern.
falsch! Also noch einmal: Links in Die Route führt also normalerweise
die Rinne hinein abbiegen! Durch durch den engen Tunnel hindurch
diese felsige Reiße kraxeln wir nun und das weite Kar hinaus. Die Tritt-
ziemlich luftig hinab. Damit wir ei- spur wird immer flacher, und all-

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Klause ab. Wir gehen geradeaus
Hinteres Sonnwendjoch, 1986 m weiter bis zur Winterstube neben
dem Enzenbach. Dort verlassen wir
Aus der Valepp die Straße nach rechts, folgen ei-
nem Pfad gegen Nordosten und
»Geheime« Pfade über der Valepp über die Grenze nach Tirol. Nun
Die Gipfelschau ist auf den meisten Bergen dieser Sammlung ein echter wird es ein wenig mühselig. Der
Höhepunkt, ein Erlebnis, das eine zünftige Bergtour richtig abrundet. Doch schmale Pfad schlängelt sich ziem-
am Hinteren Sonnwendjoch ist sie einzigartig. Sie reicht vom Großglockner lich steil durch den dichten Wald
bis zum Olperer, also von den Hohen lauern über die Venedigergruppe bis hinauf, bis er sich auf etwa 1600 m
hin zu den westlichen Zillertaler Alpen! Das ist ein Panorama, wie man es Höhe nach rechts wendet und aus
sich kaum vorstellen kann. Man muß es gesehen haben! Spezialisten be- dem Wald heraustritt. Wir queren
zeichnen diese Rundschau auch als Dreimeeresblick: »Ein Gipfelmeer, ein zum Westgrat des Bärenjochs hin-
Wolkenmeer und sonst nichts mehr.« Deshalb zählt das Hintere Sonnwend- über, biegen scharf links ab und ge-
joch zum Pflichtprogramm eines jeden Münchner Bergwanderers, und des- hen auf der Südseite des Bärenjochs
halb geht es dort oben auch oft zu wie auf dem Jahrmarkt: Die Anreise mit zur Bärenbadalm, wo wir ein Fahr-
dem Auto aus dem Ursprungtal über die Mautstraße zur Ackernalm ist pro- sträßchen erreichen. Auf ihm wan-
blemlos, und die V/2 Stunden Aufstieg zum Gipfel schafft auch noch (fast) dern wir kurz zu einem schmalen
jeder. Wer dem Rummel entfliehen und trotzdem die Gipfelschau erleben Bergpfad, auf dem wir über die son- Aufstieg zum Hinteren Sonnwend-
will, dem sei die hier vorgeschlagene Alternativroute empfohlen. Sie ist nigen Südhänge gegen Osten wei- joch, hinten der Schinder.
zwar weiter und anstrengender als der Aufstieg von der Ackernalm, aber sie tergehen, bis sich der Weg nach
wird nur wenig durchgeführt und ist relativ ruhig geblieben. Sogar dem links wendet, zum Grat hinaufführt aufströmt. An schönen Wanderta-
Gipfelstreß kann man entkommen, weil das Hintere Sonnwendjoch einen und über ihn zum Gipfel leitet. Erst gen, vornehmlich im Herbst, wird
kleinen Nebengipfel hat, auf den sich nicht viele verirren. Es ist der Kren- kurz unter dem Gipfel müssen wir auf dem Gipfel des Hinteren Sonn-
spitz, und der ist vom Hauptgipfel nur eine Viertelstunde entfernt. uns in die Menschenkarawane ein- wendjochs kein Platz mehr frei
reihen, die von der Ackernalm her- sein. Damit wir uns trotzdem eine
Gehzeit: 6.00 Stunden.
Höhenunterschied: 1114 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Rottach-Egern, 738 m. Anforderungen: Die Wanderung ist
Ausgangspunkt: Forsthaus Valepp, leicht, aber lang und deshalb anstren-
872 m. Im Sommer Busverbindung von gend.
Rottach-Egern. Einkehr: Im Forsthaus Valepp.

Vom Forsthaus in der Valepp gehen Der Fahrweg wendet sich nach
wir am Sträßchen gegen Süden hin- Osten, und bald zweigt nach rechts
auf und an der Ochsenalm vorbei. die Route zur Erzherzog-Johann-

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gemütliche Gipfelrast gönnen kön-
nen, sollten wir dem Grat gegen
Rotwand, 1884 m
Osten etwa eine Viertelstunde fol-
gen. Dann kommen wir zum Kren- Über die Wildfeldalm
spitz hinüber, der nur ein paar Me-
ter niedriger als das Hintere Sonn- Zur High-Tech-Hütte an der Rotwand
wendjoch ist. Von dort lassen sich Nein, ein einsamer Individualisten-
in Ruhe die Aussicht und auch das berg ist die Rotwand schon lange
Hintere Sonnwendjoch selbst be- nicht mehr. Da hilft kein Auswei-
trachten, das nach Süden als harm- chen auf Tage mit schlechtem Wet-
loser Wiesenrücken abfällt, wäh- ter oder auf die Winterszeit. An der
rend es gegen Norden in wilden Rotwand ist immer viel los. Sie ist
Schrofen fast senkrecht abbricht. eben ein klassisches Bergziel und
Damit wir den Ausgangspunkt wie- entsprechend beliebt. Das liegt an
der erreichen, müssen wir entlang der leichten Erreichbarkeit (auch
Blick vom Krenspitz zum Hinteren der Aufstiegsroute absteigen. von der Taubensteinbahn-Bergsta-
Sonnwendjoch. tion), am Rotwandhaus, das knapp
unter dem Gipfel eine gute Einkehr-
möglichkeit bietet, und an der
Am Gipfelrücken des Sonnwendjochs, rechts das Bärenjoch. rundum interessanten Gipfelschau.
Neben dem Gipfelkreuz findet sich
eine Windrose, auf der alle wichti-
gen Gipfel genau bezeichnet sind.
So haben wir es leicht, die Berge zu
bestimmen, die man an klaren Ta- Vielbesuchter Rotwandgipfel.
gen vom Gipfel bestaunen kann.
Das benachbarte Hintere Sonnwendjoch behindert leider das weite Panora-
ma. Ansonsten sind die Blicke auf den Alpenhauptkamm frei, und sie rei-
chen vom Großglockner bis zum Olperer.

1090 m. Busverbindung von Schliersee.


Gehzeit: 5.35 Stunden.
Höhenunterschied: 807 m im Auf-
Talort: Fischhausen-Neuhaus, 801 m. und Abstieg.
Der Ort liegt südlich des Schliersees und Anforderungen: Leichte Bergwande-
fällt dem Reisenden durch seine maleri- rung.
sche Kirche auf. Bahnverbindung über Einkehr: Im Rotwandhaus, Tauben-
Schliersee nach München. steinhaus, in der Maxirainer Alm und im
Ausgangspunkt: Spitzingsee, Gasthaus Igler.

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Wer geradeaus weitergeht, kommt an, die der bei Skitourengehern be-
zum Rotwandhaus, neben dem liebten Rotwandreibe ähnelt. Sie
eine moderne Windkraftanlage bringt uns vom Rotwandhaus ge-
steht. Auf einer Achse laufen drei gen Osten zur Kümpfelscharte,
senkrechte Rotorblätter im Wind dann nach Norden, zwischen
und erzeugen elektrischen Strom. Sebaldstein und Nebelwand Rich-
Durch raffinierte Technik ist ein tung Großtiefental hinab und nach
störanfälliges Getriebe überflüssig links am Wanderweg in den Mie-
geworden und die Nachführung in singsattel hinauf und zur Klein-
den Wind entfällt. Diese innovative tiefentalalm hinunter. Von dort
Anlage arbeitet kombiniert mit ei- könnten wir über den Taubenstein
ner effektiven Solaranlage, und die zur Unteren Maxirainer Alm abstei-
optimale Abstimmung zwischen gen. Bequemer ist es, noch dem
Energieerzeugung und Verbrauch Taubensteinhaus einen Besuch ab-
wird automatisch geregelt. zustatten und von der Alpenver-
Der Gipfelanstieg führt vom Rot- einshütte, an der Bergstation der
wandhaus 120 Höhenmeter ober- Seilbahn vorbei, über die Obere
halb der markanten Nebelwand Maxlrainer Alm auf der Piste zur
über freie, steile Wiesenhänge zum Talstation des Skilifts hinabzuge-
Kreuz auf der Rotwand hinauf. hen. Dort erreichen wir einen brei-
Das Rotwandhaus, links im Hintergrund die Rotwand.
Man kann am Aufstiegsweg natür- ten Fahrweg, der zum Gasthaus Ig-
lich auch bequem wieder abstei- ler und zur Unteren Maxirainer Alm
Wir wandern vom Spitzingsee an weiter. Dort müssen wir links abbie- gen. Doch sollte man das wirklich führt. Auf der Straße kommen wir
der alten Wurzhütte vorbei und auf gen und dem Weg zur Wildfeldalm nur dann tun, wenn auf den Nord- wieder zum Aufstiegsweg und fol-
der schmalen asphaltierten Straße folgen, die idyllisch vor dem wilden seiten zu viel Schnee liegt. Anson- gen ihm zum Ausgangspunkt zu-
im Wald in einem weiten Bogen von Klammstein steht. Am stark fre- sten bietet sich eine weite Runde rück.
Süden nach Osten um den Schwar- quentierten Weg gehen wir gegen
zenkopf herum. Bei der Winterstu- Osten dahin, bis wir auf einem Das Taubensteinhaus.
be biegen wir zu einem breiten Weg schmalen, steilen Steig direkt zum
rechts ab und gehen mitten im Gipfel der Rotwand aufsteigen kön-
Wald gegen Süden zum Gleiselstein nen.

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Breitenstein, 1622 m
Von Birkenstein über die Hubertushütte

Wallfahrt über Birkenstein


Wer auf den Breitenstein hinaufgeht, sollte sich Zeit lassen. Denn nicht nur
die eindrucksvolle Schau vom Gipfel zum Wendelstein hinüber, ins Ober-
land hinaus und zur Rotwandgruppe wird uns in Anspruch nehmen, auch
die beliebten Wirtshäuser Kesselam und Hubertushütte bereichern die klei-
ne Voralpentour. Das wissen natürlich viele gleichgesinnte Wochenend-
Alpinisten, und deshalb ist der Breitenstein kein Gipfel, der stille Bergerleb-
nisse bieten kann. Für die Individualisten hat der Liebe Gott dem Breiten-
stein aber einen Nachbarn gegeben, der den wenig einladenden Namen
»Schweinsberg« hat. Er führt zwar auch kein Dornröschendasein, aber ruhi-
ger als der Breitenstein ist er allemal. Beide Berge lassen sich auch gut zu ei-
ner Wanderung verbinden - Schnittstelle ist der Schweinsbergsattel. Wenn
wenig Schnee liegt, kann man die Gipfel auch gut im Winter besteigen. Viel-
leicht lohnt es sich sogar, einen Schlitten mitzunehmen und auf der schma-
len Fahrstraße von der Kesselalm zünftig nach Birkenstein hinunterzu-
rodeln. Aber Vorsicht! Nördlich des Schweinsbergsattels muß man auch bei
geringer Schneelage mit gewaltigen Lawinen rechnen. Deshalb ist dieser Der Breitenstein, gesehen vom Schweinsberg.
Bereich im Winter absolut tabu.
uns rechts (es sei denn, wir wollen Steig zur Hubertushütte und nach
Ausgangspunkt: Birkenstein, 853 m. einkehren), queren einen weiten Nordosten zum Gipfelkreuz am
Gehzeit: 3.25 Stunden. Wiesenhang und gehen in den Breitenstein hinauf.
Höhenunterschied: 769 m im Auf-
Schweinsbergsattel, der zwischen Vom Gipfelkreuz steigen wir zu-
Talort: Fischbachau, 771 m, bekannt und Abstieg.
Schweinsberg und Breitenstein nächst ein Stück gegen Südwesten
durch die Fischbachauer Sängerinnen und Anforderungen: Leichte Bergwande-
durch das Cafe-Restaurant Winkelstüberl, rung. liegt. ab und gehen dann nach rechts ge-
wo üppige Tortenstücke ausgegeben Einkehr: In der Kesselalm, in der Huber- Zum Breitenstein biegen wir dort gen Westen zum Kreuz auf dem
werden. Busverbindung von Miesbach. tushütte und in der Aiblinger Hütte. links ab, steigen gegen Norden Westgipfel weiter. Von diesem
bergwärts und in einen weiteren, scharfgeschnittenen, felsigen Gip-
breiten Sattel hinein. Durch lichten, fel weisen Markierungszeichen über
Vom großen Parkplatz rechts unter- Wald in geringer Steigung dahin,
steinigen Wald führt von dort ein steile Almwiesen und durch Wald
halb vom Ende der freigegebenen wendet sich gegen Osten und wird
Fahrstraße wandern wir gemütlich nach dem Sattelbach etwas steiler.
am Oberwirt vorbei und am breiten Sie schwenkt gegen Norden ab und
Weg nach Norden hinauf. Die verläßt kurz vor der Kesselalm den
schmale Straße führt durch den Wald. Vor der Wirtschaft halten wir

152 153
zur Lichtung der Bucheralm hinab. Sattel, mit schönem Blick zum Wendelstein, 1838 m
Bei der Alm gehen wir links (gegen Wendelstein hinüber, folgen wir
Südwesten) und kommen wieder in der Wegtafel links hinauf und ge- Vom Sudeifeld über die Lacherspitze
den Wald hinein. Ein guter, markier- hen am Waldrand etwas steiler,
ter Wanderweg geleitet uns zum dann über einen Gratrücken zum Am Techno-Gipfel
Aufstiegsweg hinunter und zum Kreuz am Südgipfel des Schweins- Eine Wetterstation, ein Sonnenobservatorium (das heute als Sternwarte ge-
Ausgangspunkt zurück. berg. nutzt wird), je eine Bergstation für Seil- und Zahnradbahn, ein Windgenera-
Wer zum Schweinsberg hinauf Für den Rückweg folgen wir der tor, eine riesige Solaranlage, ein Wirtshaus, Richtfunkantennen und Neben-
möchte, folgt bis zur Kesselalm der Aufstiegsroute bis in den Sattel un-
gebäude stehen am Wendelstein. (Das kleine Wendelsteinkircherl ist in die-
gleichen Route wie zum Breiten- ter dem Gipfelrücken. Dort können se Aufzählung bewußt nicht aufgenommen.) Es bleibt kaum eine Anlage,
stein. Erst oberhalb der Kesselalm wir uns links halten und zur Aiblin- mit der man den Wendelstein noch weiter verschandeln könnte. Vielleicht
müssen wir zum Schweinsberg auf ger Hütte hinabgehen. Von der fällt Technikern und Erschließern noch etwas ein. Es muß allerdings etwas
einer schmalen Trittspur nach Hütte folgen wir dem Wanderweg Platzsparendes sein, denn viel Raum ist am Wendelstein nicht mehr frei.
rechts abbiegen und über den stei- ein Stückchen hinauf und unter Trotzdem ist der Gipfel sehr beliebt, und das nicht nur bei den Fahrgästen
len Wiesenhang gegen Süden hin- steilen Schrofenhängen (Vorsicht, der Zahnrad- oder der Seilbahn. Sicher wird man sich auf der technisierten,
aufsteigen, bis ein Fahrweg erreicht bei Schneelage beachtliche mit Betonsteinen gepflasterten Gipfelplattform nicht zu einer gemütlichen
wird. Er bringt uns durch einen Lawinengefahr!) leicht ansteigend Gipfelrast niederlassen. Doch wer weiß, daß der Wendelstein mit seinem
Waldgürtel zur Kothalm. Unmittel- in den Schweinsbergsattel. Von hier charakteristischen Sendemast weithin zu sehen ist, der kann auch verste-
bar bei der Kothalm verlassen wir kann man noch einen Abstecher auf
hen, daß die Gipfelschau von dort oben umfassend und in ihrer Art fast ein-
den Fahrweg nach links und gehen den Breitenstein unternehmen (sie-
zigartig ist. Gegen Süden sieht man auf weite Teile des Alpenhauptkamms,
zu einem Rücken hinauf. Auf die- he oben). Gehen wir hingegen nach und nach Norden reicht die Schau an Föhntagen bis in den Bayerischen
sem halten wir uns wieder etwas Westen weiter, so gelangen wir hin-
Wald. Die hier vorgestellte Wanderung leitet nicht auf direktem Weg über
links, wandern durch steinigen ab zur Kesselalm und über die Auf-
die Wendelsteiner Almen zum Gipfel hinauf. Weil wir am Gipfel ohnehin mit
Wald nach Nordosten und in einen stiegsroute zurück nach Birken- Menschenmassen konfrontiert sind, darf wenigstens der Aufstieg einiger-
breiten Sattel hinein. In diesem stein. maßen still und verschwiegen sein. Unsere Route verläuft deshalb durch das
Lacherkar mit der Option, fast nebenbei den Lacherspitz, die Kesselwand
Blick vom Schweinsberg nach Fischbachau - rechts im Bild die Kesselalm. und die Soinwand zu besteigen. Diese drei Gipfel haben ihre besonderen
Reize und Ausblicke und sollten uns die kleinen Umwege schon wert sein.

Gehzeit: 5.15 Stunden.


Höhenunterschied: 1075 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Bayrischzell, 800 m. Der beliebte Anforderungen: Für manche Passa-
Wintersportort liegt zu Füßen des Wen- gen sind Trittsicherheit und Schwindel-
delsteins, am Beginn des Ursprungtals freiheit von Vorteil. Man kann diesen Pas-
und der Straße zum Sudelfeld. sagen aber bei entsprechender Routen-
Ausgangspunkt: Sudelfeld, 1000 m. wahl ausweichen.
Busverbindung von Bayrischzell. Einkehr: Im Wendelsteinhaus.

154 155
berge vorbeigehen und östlich des
Mitterbergs aufsteigen, oder wir
halten uns vor der Jugendherberge
links, steigen durch schöne Wiesen
und lichten Wald mehrmals auf und
ab und am Mitterberg östlich vor-
bei. Nördlich des Mitterbergs bie-
gen wir in einer Lichtung auf einen
kurzen Wanderweg rechts ab, der
sogleich zu einer asphaltierten
Fahrstraße stößt. Diese Straße
schlängelt sich in Kehren zur
Lacheralm hinauf und endet bei ei-
nem kleinen Parkplatz (nur für Be-
rechtigte). Dort beginnt ein schma-
ler Weg, der über eine nasse Wiese
in das Lacherkar hineinführt. Er ver-
läuft am rechten Rand des Kars ge-
gen Westen hinauf, knickt unter der
Das Wendelsteinkircherl.
Materialseilbahn rechts ab und
bringt uns über Wiesen in den
Vom Parkplatz, der vor allem bei Lachersattel hinein, zur Bergstation
Motorrad-Spazierfahrern beliebt das Lacher-Skilifts.
ist, folgen wir dem gepflasterten Wer Lust auf einen kleinen Zwi-
Fahrweg zum Tennisplatz hinauf. schengipfel hat, steigt über den lat-
Wir können unter der Jugendher- schenbewachsenen Grat nach links

Der Wendelstein, gesehen vom Lacherspitz.

und die letzten Meter über Felsen Von ihr plagen wir uns in Kehren am
zum Gipfelkreuz am Lacherspitz steilen Hang zum Wendelsteinkir-
hinauf. cherl und zum Wendelsteinhaus
Der Weiterweg zum Wendelstein hinauf.
bringt uns aus dem Lachersattel ge- Die letzten 102 Höhenmeter gehen
gen Westen, später Nordwesten, wir in der Kolonne am grauslichen
unter der Kesselwand abwärts und Gipfelsteig, von Geländern einge-
in die Zeller Scharte hinein. In der faßt, über unzählige Treppenstufen
eindrucksvollen Scharte halten wir zur Betonplatten-Terrasse zwischen
uns links und steigen auf einer Trep- den technischen Anlagen am Wen-
penanlage zu einer Hütte hinauf. delstein. Damit haben wir den,
156 157
nach der Zugspitze, häßlichsten
bayerischen Alpengipfel erreicht.
wand weiter.
Auch ein Abstecher zu den markan-
Trainsjoch, 1707 m
Bis zur Zeller Scharte folgen wir ten Felsen der Kesselwand lohnt
beim Rückweg der Aufstiegsroute. sich, ist aber wegen des steilen An- Über die Trockenbachalm
Wer will, kann links der Scharte in stiegs und des losen Gerölls etwas
Der Berg von Kaiser Trajans Gnaden
etwa 10 Minuten zur Soinwand auf- anspruchsvoller,
steigen, was nicht schwierig, aber Unter der Kesselwand gehen wir ge- Die Tour zum Trainsjoch ist mehr als
lohnend wäre. Von dort wandern gen Süden weiter und erreichen die königlich. Der Name des Trainsjoch
wir am schmalen Pfad gegen Süden Aufstiegsroute, der wir zurück ins geht nämlich auf einen römischen
Kaiser namens Trajan zurück. Und
hinab und links unter der Kessel- Tal folgen.
die Wanderung dort hinauf hat
wahrhaft Kaiserliches an sich, denn
Der Lacherspitz über dem Lacherkar. sie führt auf einen Aussichtsgipfel
der Luxusqualität. Nicht nur das
Kaisergebirge, große Teile des
Mangfallgebirges und die Inntaler
Berge, auch weite Bereiche des
Alpenhauptkamms kann man vom
Gipfel und vom Trainssattel be-
staunen. Und man kann in der
Trockenbachalm mit ihrer sonnigen
Hüttenterrasse wunderbar ein-
kehren. Die Tour auf das Trains-
joch lohnt sich also, und sie ist
nicht zu lang und nicht zu schwie- Blick vom Trainsjochgipfel nach
rig. Sie verläuft auf Forstwegen Thiersee.
und guten Wanderpfaden. Wer das
zu fad und langweilig findet, hat die Möglichkeit, in schärferes Gelände
auszuweichen, wie dies beim Abstieg beschrieben ist.

Gehzeit: 3.45 Stunden.


Höhenunterschied: 868 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Bayrischzell, 800 m, kleiner Ort Anforderungen: Der Gipfelanstieg ist
am Eingang in das stille Ursprungtal. etwas steil, aber insgesamt ist die Route
Ausgangspunkt: Parkplatz am Ein- unschwierig. Anspruchsvoller ist die Ab-
gang ins Trockenbachtal, 839 m. Busver- stiegsvariante über den Nesselberg (Tritt-
bindung von Bayrischzell, im Sommer sicherheit erforderlich).
auch von Kufstein. Einkehr: In der Trockenbachalm.

158 159
Trockenbachalm, die in einem wei- Der Weg wird ein wenig steinig und
ten Straßenbogen bequem zu errei- auf die letzten Meter auch steil, bis
chen ist. Dort endet der Fahrweg, der Gipfel des Trainsjoch erreicht
und die Alm bietet sich zu angeneh- ist.
mer Einkehr an. Am einfachsten ist es, talwärts der
Der folgende Routenabschnitt ver- Aufstiegsroute zu folgen. Wer es et-
läuft auf einem Bergpfad zunächst was anspruchsvoller mag, der kann
nach Südosten. Er quert eine vom Gipfel gegen Westen zum Fel-
schmale Bachreiße, ehe er im weite- senzacken mit dem Vermessungs-
ren Verlauf nach Osten abschwenkt signal hinübergehen und von dort
und die Schritte an die südseitigen sehr steil und felsig nach Westen
Hänge des Trockenbachtales lenkt. absteigen. Auf dem breiten Grat-
Von dort steigen wir in den weiten rücken erreichen wir den Nessel-
Sattel zwischen Trainsjoch und berg, wo wir links abbiegen und am
Ascherjoch hinein, wo sich ein ausgetretenen Pfad nach Süden zur
phantastischer Weitblick öffnet. Jausenstation absteigen, bis wir
Zum Gipfelsturm biegen wir links ab wieder den Aufstiegsweg erreichen.
und kommen gegen Norden über Auf ihm gehen wir zum Ausgangs-
weite Wiesen in den Wald hinein. punkt zurück.

Strahlender Tag am Trainsjoch. Hinten der Wilde Kaiser.

Das Trainsjoch vom Abstiegsweg.

Erst einmal wandern wir gemäch- kommen aus dem Wald heraus.
lich am Forstweg durch das Vom Waldrand sehen wir schön zur
Trockenbachtal. Die Route führt an Unteren Trockenbachalm, und es ist
der Absperrschranke vorbei, wird auch nicht mehr weit zu ihr hin-
etwas steiler und bringt uns durch über.
schönen Mischwald dahin. Nach ei- Hoch oberhalb der Unteren
nem scharfen Straßenknick nimmt Trockenbachalm steht in einem stei-
die Steigung deutlich ab, und wir len Wiesenhang die Jausenstation

160 161
Brünnstein 1619 m
Von Oberaudorf

Die neue Heimat der Steinböcke


Kurz unter dem Brünnsteingipfel hörte ich meine tierliebende bessere Hälf-
te mit jemandem reden. Da ich außer uns beiden niemand auf der Route
vermutete, kam mir das höchst merkwürdig vor. »Ihr seid dumm wie Gem-
sen und stinkt wie Geißen«, schimpfte sie, »und wenn ihr nicht den Weg
frei macht, dann schiebe ich euch weg!« Die Kommunikation, die meine
Frau da oben pflegte, galt ein paar Steinböcken, die ausgerechnet auf den
letzten Metern des Wegleins zum Brünnstein grasten. Damals waren wir im
Winter oben, und es schien kräftig die Sonne, die das leckere, aber trockene
Gras für die stämmigen Berggesellen vom Schnee freigab. Eigentlich haben
am Brünnstein Steinböcke nichts verloren, denn von Natur aus waren sie
dort nie anzutreffen. Sie sind am Brünnstein ausgewildert worden und ver-
halten sich ausgesprochen zahm, weil sie nicht bejagt werden. Sie finden in
den Gipfelregionen des Brünnsteins an den steilen, stark besonnten und
felsdurchsetzten Grashängen ideale Lebensbedingungen. Steigt man den
endlos langen Waldweg zum Brünnstein hinauf, erwartet man sehnlichst
die weite Schau vom zackigen Gipfel. Denn schließlich ist bis zum Brünn-
steinhaus nicht viel von der schönen Voralpenlandschaft zu sehen. Entschä-
digt wird man erst ab der Alpenvereinshütte. Schaumagnet vom Brünnstein
ist das Kaisergebirge. Aber auch zum Alpenhauptkamm und natürlich in die
Bayerischen Voralpen hat man besonders schöne Blicke.

sicherheit und Schwindelfreiheit nicht


schaden.
Einkehr: Im Brünnsteinhaus.
Talort: Oberaudorf, 483 m, im Inntal. Variante: Ebenfalls lohnend, wenn Blick vom Brünnstein zum Wendelstein mit seinen Trabanten.
Schöner, autobahngeschädigter Gebirgs- auch länger, ist der Aufstieg von der Ro-
ort am Fuß des Mangfallgebirges. sengasse aus. Er verläuft auf weiten Stre-
Ausgangspunkt: Buchau, 699 m. cken in freiem Gelände mit schöner Aus- Das erste Wegstück vom Wander- aus dem Wald heraus, und es öff-
Gehzeit: 5.20 Stunden. sicht auf die Berge rund um den Wendel- parkplatz etwa 1 km vor Buchau nen sich schöne Blicke zum benach-
Höhenunterschied: 950 m im Auf stein und führt über die Gassenleite zur oder vom idyllischen Ort selbst nach barten Trainsjoch hinüber und auf
und Abstieg. Seeonalm, zur Himmelmoosalm und von Süden hinauf ist sehr flach. Erst bei den Großen Traithen mit seinen
Anforderungen: Für den Gipfelan- Westen auf den Gipfel (Gehzeit hin und der Straßenverzweigung, wo wir Vorgipfeln.
stieg am gesicherten Steig können Tritt- zurück gut 5 Stunden). geradeaus weiter gehen, wird es et- Der Gipfelanstieg über den Dr.-
was steiler. Bald darauf wendet sich Julius-Maier-Weg ist zwar steil und
der markierte Anstieg nach rechts verschiedentlich gesichert, aber das
und führt gegen Westen in den Prädikat »Klettersteig«, wie es ihm
Wald hinein. Im dunklen Buchen- gerne verliehen wird, hat er nicht
mischwald verläuft der Steig unter verdient. Am Drahtseil, über eine
den Felsenwänden an der Geißgretl Treppe und durch einen engen Fels-
vorbei und noch immer in nicht zu durchschlupf mühen wir uns zur
strenger Steigung dahin. Erst un- Gipfelkapelle und dem Eisenkreuz
mittelbar an der Terrasse des am höchsten Punkt des Brünnstein
Brünnsteinhauses kommen wir hinauf.
162 163
Hochries, 1568 m
Über die Seitenalm

Zur Gipfeleinkehr
Ein Wirtshaus direkt am Gipfel, das
ist nichts Alltägliches. Auf der Hoch-
ries bekommen wir diesen Luxus
geboten, und wir sollten ihn in An-
spruch nehmen. Denn nichts tut so
gut, wie eine kühle Gipfel-Radler-
maß oder, wenn's ein kalter Tag
oder gar im Winter ist, eine warme
Leberknödelsuppe. Die Hochries ist
ein beliebter und trotz Seilbahner-
schließung oft zu Fuß bestiegener
Chiemgauer Parade-Aussichtsgip-
Steinböcke am Brünnstein. Der Kaiser überragt das herbstliche Nebelmeer. fel. Wenn im Herbst das Inntal mit
Nebel gefüllt ist, strahlt dort oben
oft die Sonne und gibt Blicke frei,
Der Rückzug führt gegen Westen in Weg stoßen, der geradewegs zum
die weit zum Alpenhauptkamm rei-
einen kleinen Grateinschnitt hinein. Brünnsteinhaus zurückführt.
chen, aber auch in der näheren Um- Das Hochrieshaus auf dem Gipfel,
Er ist anfangs mit einem Halteseil Nach der Einkehr folgen wir dem
gebung nichts verbergen. Grund
versehen, was ängstlichen Wande- Fahrweg über die Brünnbergkante
genug, dort hinauf zu pilgern. Wer sich die Beine weiter vertreten möchte,
rern den Abstieg erleichtert. Im in den Fleckgraben und stellenweise
der kann gut noch dem Karkopf und dem Feichteck seine Aufwartung ma-
Steilhang halten wir uns ein klein ziemlich steil nach Rechenau hin-
chen, wie es hier beschrieben ist.
wenig links und kommen zur schö- aus. In dem kleinen Weiler gehen
nen Himmelmoosalm hinunter. wir links, auf der Straße, nach Wild-
Dort drehen wir uns fast um 180 grub und von dort nahezu eben ge- Gehzeit: 5.10 Stunden.
Grad, damit wir zum gemütlichen gen Norden nach Buchau zurück. Höhenunterschied: 942 m im Auf-
und Abstieg.
Talort: Samerberg, 700 m. Anforderungen: Leichte Wanderung.
Ausgangspunkt: Parkplatz »Spate- Einkehr: In der Spatenaualm und im
nau« bei Unterstuff, 760 m. Hochrieshaus am Gipfel.

Der Parkplatz, an dem die Wande- gegen Nordosten hinauf, kürzen


rung beginnt, ist oft überfüllt. Wir aber bei der Wegabzweigung nach
verlassen ihn und gehen auf der mit rechts die lange Straße ab. Im Wald
einer Schranke abgesperrten Straße folgen wir einem guten Pfad, bis

164 165
wieder der Fahrweg erreicht wird. ten Wanderweg, der gegen Nord-
Auf diesem wandern wir gegen osten in den Sattel südöstlich der
Süden in die freie Wiese der Spate- Wimmeralm hinaufführt. Im weiten
naualm hinauf, in deren Mitte ein Sattel müssen wir uns rechts halten
wunderschöner Baum steht. Das und etwas steiler zur Seitenalm auf-
Sträßchen führt durch die Wiese, steigen. Die Alm liegt recht schön
und wir stoßen wieder auf den brei- am breiten, freien Bergrücken, und

Am Hochries-Gipfelrücken.
Das Feichteck ist erreicht. Rechts die Hochries.

wir gehen an den Hütten in der glei- steilen Grat und einen Absatz hin-
chen Richtung weiter, bis nach der auf, den wir überklettern oder
langen Hangquerung ein Höhen- rechts umgehen, bis wir, wieder am
rücken erreicht wird, dem wir nach Grat angekommen, nach links
links bis zum Gipfelkreuz und dem gemütlich in den Sattel zwischen
Hochrieshaus folgen. Karkopf und Feichteck hinunterstei-
Vom Hochrieshaus wandern wir ge- gen können. Von dort kommen wir
mütlich am breiten Höhenrücken in den Wald hinein und am Wander-
entlang der Aufstiegsroute zurück, weg, streckenweise etwas steil, auf
biegen aber nicht zur Seitenalm ab, den dritten Gipfel dieser Tour, das
sondern bleiben auf dem Grat- Feichteck hinauf.
rücken, der sich bald deutlich zu- Beim Rückweg vom Feichteck müs-
sammenschnürt. Wir gehen über sen wir erst einmal in den Sattel vor
ein paar unbedeutende Erhebun- dem Karkopfzurück und am schma-
gen kurz hinweg und in den ausge- len Fahrweg zum Alfred-Drexel-
dehnten Sattel vor dem Karkopf Jagdhaus hinab. Dort biegen wir
hinein. Über Wiesen und durch rechts ab und gehen durch den
schütteren Wald bringt uns die Rou- Wald zur Spatenaualm zurück, wo
te zum Karkopf hinauf. Gleich hin- wir die Aufstiegsroute erreichen,
ter dem Karkopf wird es etwas pfif- der wir bis zum Ausgangspunkt fol-
fig. Das Weglein führt auf einen gen.

166 167
Hochgern,1748 m
Über das Hochgernhaus
Chiemgauer Aussichtswarte
Der Hochgern ist wie ein versierter Kartenspieler. Erst zum Schluß, wenn
sich das Ereignis dem Höhepunkt nähert, rückt er mit seinen Trümpfen her-
aus. Am Gipfel zieht er eine Schau ab, die kaum zu glauben ist: Blicke, die
von den Berchtesgadener Alpen über die Loferer Steinberge zu Großglock-
ner, Venediger, Kaisergebirge, in
das Karwendel und an klaren Tagen
bis weit in den Bayerischen Wald
reichen. Und wenn das Wetter nicht
so durchschaubar ist, wie es sich für
herbstliche Föhntage gehört, dann
sieht man immerhin direkt zum
Chiemsee hinunter, der dem Hoch-
gern zu Füßen liegt. Wem reicht das
nicht? Wer will noch mehr haben?
Also auch da gibt es am Hochgern
noch eins drauf, nämlich ein gemüt-
liches Berghaus mit einer pfundigen
Sonnenterrasse, einem guten Kai-
serschmarren oder einer Radlermaß
Das Hochgernhaus. samt deftiger Brotzeit, je nach Gu-
sto... Im Winter hat das Wirtshaus
bisweilen zu. Schade ist 's drum, denn in schneearmen Wintern hat sich der
Hochgern als Ausweichziel für nimmermüde Winter-Bergwanderer oder
frustrierte Skifahrer recht gut bewährt.

Ausgangspunkt: Au, 620 m.


Gehzeit: 5.25 Stunden.
Höhenunterschied: 1128 m im Auf-
Talort: Unterwössen, 555 m. Bekannter und Abstieg.
Ausflugsort, der einen Flugplatz hat, von Anforderungen: Leichte Bergwande-
dem bei schönem Wetter unzählige Se- rung mit einer kurzen Etappe, die Tritt-
gelflugzeuge starten. Busverbindung von sicherheit verlangt.
Traunstein bzw. von Prien am Chiemsee. Einkehr: Im Hochgernhaus. Durchblick vom Weg nach Unterwössen.

Vom großen Parkplatz in Au gehen Wald hinein und nach Norden


wir auf der Asphaltstraße in we- hinauf, bis er zu einer breiten Forst-
nigen Minuten zur Straßengabe- straße stößt. Dort, bei der Absperr-
lung in Wiesen hinauf. Die Teer- schranke, biegen wir rechts ab und
decke der Straße endet dort, und folgen dem Forstweg zur Ager-
der Aufstiegsweg knickt scharf gschwendalm.
nach links ab. Ein schmaler Fahr- Das Sträßchen wird etwas schmaler
weg führt anschließend in den und führt im Wald nach Nordosten
168 169
hinauf. Weiter oben leitet es in vie- Osten hinziehen, und erreichen ei-
len Kehren aus dem Wald heraus nen breiten Bergrücken. Auf dessen
und zum bewirtschafteten Hoch- nördlicher Seite wandern wir in der
gernhaus. Dort endet der Fahrweg gleichen Richtung weiter, queren
endgültig. einen steilen Wiesenhang und kom-
Auf einem schönen und guten Wan- men am Rande markanter Felsen-
derweg queren wir anschließend gebilde in eine kleine Einsattelung.
steile Wiesenhänge, die sich unter Dort biegt die Anstiegsroute etwas
Hochlerch und Zwölferspitz gegen links ab und führt an den Felsen

Aufstieg zum Hochgern.

Das Hochgernhaus gegen das Kaisergebirge.

entlang. Weiter oben bringt sie uns tel hinab und zum höchsten Punkt
wieder auf freie Wiesenhänge und des Hochgern hinauf,
zum Gipfelkreuz. Vom Kreuz stei- Der Abstieg erfolgt entlang der Auf-
gen wir ein paar Meter in einen Sät- stiegsroute.

170 171
Stichwortverzeichnis Hochplatte 23 M
Hochries 167 Marbichler Joch 99
A Ettal 33 Hochrieshaus 167 Mariaeck 83
Achenkirch 97 Ettaler Manndl 34 Höfle 67 Maxirainer Alm 151
Achensee 97, 100, 103, 105, 109 F Hohen Munde 43 Meilerhütte 51
Achental 97 Falkenmoosalm 99 Hoher Brand 39 Mittenwald 61
Aiblinger Hütte 1 54 Fall 88 Hohljoch 94 Mondscheinspitze 101
Ammerwald, Hotel 19,24 Farchant 70 Höllentalangerhütte 53 Mühldörfl 70
Ammerwaldalm 22 Feichteck 167 Höllentalklamm 53 Münchner Haus 52
Au 168 Feigenkopf 26 Hubertushütte 153 Muthenaualm 41
Aueralm 137 Feldernkopf 66 Hühnerberg 89 N
Auerkamp 82 Fernpaß 40 J Nassereither Alm 41
August-Schuster-Haus 29 Firstalm 142 Jachenau 84 Neuschwanstein 16
B Fischbachalm 65 Jochberg 76 Niedere Munde 44
Bäckeralm 142 Fischbachau 1 52 Jocheralm 77 O
Bad Tölz 78 Fischhausen-Neuhaus 149 Juifen 99 Oberammergau 31,34
Bad Wiessee 136 Fleck 83 K Oberaudorf 162
Bayerwald 126 Fockenstein 138 Kareck 72 Obersteinberg 11 2
Bayrischzell 155, 159 Fricken 71 Karkopf 167 Ochsenälpeleskopf 21
Benediktenwand 87 Frieder 37 Kesselalm 152 Ochsenhütte 35
Biberwier 40 Friederspitz 37 Kesselberg 76 Ochsenkamp 82
Birkenstein 152 G Kienberg 116 Oswaldhütte 92
Bischof 72 Gabelschrofen 24 Kisten-Winterstube 139 P
Blaubergalm 122 Gamsjoch 96 Klammspitze 26 Pertisau 100, 103, 105
Blomberghaus 80 Garmisch-Partenkirchen 52, 67, 70 Kleintiefentalalm 151 Pf lach 16
Bodenschneid 141 Gernalm 100 Kofel 32 Plansee 19
Bodenschneidhaus 142 Gramaialm 103, 1 05 Kolbenalm 32 Pleisenhütte 58
Brandenberg 116 Griesen 35, 38 Königsalm 125 Pleisenspitze 58
Breitenstein 153 Grubenkopf 26 Kotalmjoch 111 Plumsjochhütte 101
Brunnenkopf 26 Gschwandtnerbauer 68 Krähe 24 Prinzregentensteig 35
Brunnenkopfhäuser 25 Guffert 119 Krenspitz 148 Pürschling 29
Brünnstein 163 H Kreuth 121, 126, 130, 133 Pürschlinghaus 29
Brünnsteinhaus 163 Halserspitze 122 Kreuzkopf 21 R
Buchau 114, 162 Hammersbach 52 Krottenkopf 72 Rauthhütte 43
Buchstein 128 Heimgarten 75 Krün 64 Reißende Lahnspitze 66
Buchsteinhütte 128 Heimgartenhütte 75 Kuhflucht 71 Risserkogel 132
D Hennenkopf 29 L Rofanspitze 114
DalfazerAlm 114 Herzogstand 75 Laberhaus 33 Röhrlmoosalm 83
Demeljoch 90 Herzogstandhaus 74 Lacherspitz 1 57 Roßstein 128
Dreisäuler Kopf 29 Heuberg 116 Lamsenjochhütte 106 Rottach-Egern 139, 143, 146
Dürnbergjoch 90 Hinteres Sonnwendjoch 147 Lamsenspitze 106 Rotwand 151
Dürrebergalpe 18 Hinterriß 91, 94 Laubeneck 29 Rotwandhaus 151
E Hirschberg 135 Lausbichl 37 Rotwandlspitze 107
Elmau 49 Hirschberghaus 135 Lenggries 78, 81 S
Eng 94, 104 Hochgern 171 Lenggrieser Hütte 82 Sachenbach 77
Enterrottach 139 Hochgernhaus 170 Leutasch 42, 45 Samerberg 165
Erfurter Hütte 114 Hochlandhütte 61 Linderhof 22, 25, 28 Säuling 17
Esterbergalm 69, 72 Hochnissl 107 Säulinghaus 17
172 173
Schachenhaus 51 Teufelstättkopf 29
Schafreuter 92 Tiefental 97
Scharling 133 Tölzer Hütte 92
Scharnitz 58 Trainsjoch 161
Schellschlicht 39 Trausnitzalm 144
Schildenstein 124 Trausnitzberg 144
Schinder 144 Trockenbachalm 161
Schliersee 149 U
Schönberg 83 Unterberg 118
Schöttelkarspitze 66 Unterstuff 165
Schürpfeneck 89 Unterwössen 168
Schwaigeralm 130 Urfeld 76
Schweinsberg 154 V
Seekarkreuz 82 Valepp 143, 146
Siebenhüttenalm 122 W
Soiernhaus 65 Wackersberg 78
Soiernschneid 66 Walchenklamm 89
Soiernsee 66 Walchensee 73, 76
Soiernspitze 66 Waldherr, Gasthaus 78
Soilesee 34 Wank 69
Sonnbergalm 127 Wankhaus 69
Sonnenbichl, Gasthaus 138 Wannig 41
Sonnjoch 103 Weilheimer Hütte 72
Sonnwendjoch, Hinteres 147 Wendelstein 157
Spitzingsee 149 Wendelsteinhaus 157
Spitzkamp 82 Wettersteinspitze 47
Steinberg 112, 118 Wildbad Kreuth 121
Steinkarlspitze 107 Wolfsschlucht 122
Straußbergsattel, Niederer 24 Wörner 62
Sudelfeld 155 Wörnersattel 62
Suttenalm 142 Z
Sylvensteinsee 88 Zeller Scharte 157
T Zireinsee 114
Taubensteinhaus 151 Zugspitze 55
Tegernseer Hütte 128 Zwiesel 80

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