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Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18.

Februar 1546
ebenda) war der theologische Urheber der Reformation. Als zu den Augustiner-Eremiten
gehörender Theologieprofessor entdeckte er Gottes Gnadenzusage im Neuen Testament
wieder und orientierte sich fortan ausschließlich an Jesus Christus als dem
„fleischgewordenen Wort Gottes“. Nach diesem Maßstab wollte er Fehlentwicklungen der
Christentumsgeschichte in der Kirche seiner Zeit überwinden.

Seine Betonung des gnädigen Gottes, seine Predigten und Schriften und seine
Bibelübersetzung, die Lutherbibel, veränderten die von der römisch-katholischen Kirche
dominierte Gesellschaft in der frühen Neuzeit nachhaltig. Entgegen Luthers Absicht kam es
zu einer Kirchenspaltung, zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer
Konfessionen des Protestantismus.

Leben
Herkunft und Name

Luthers Eltern Hans und Margarethe Luther (Lucas Cranach der Ältere)

Luthers Elternhaus in Mansfeld

Luthers Elternhaus Museum in Mansfeld


Luthers Eltern waren der Bauer, Bergmann, Mineneigner und spätere Ratsherr Hans (1459–
1530), der aus Möhra stammte, und dessen Ehefrau Margarethe, geb. Lindemann (1459–
1531), geboren in Neustadt an der Saale. Die Familie führte ihren Nachnamen in
unterschiedlichen Varianten: Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther.
Damit führte sie sich auf den seit etwa 1302 in Möhra ansässigen Ritter Wigand von Lüder
zurück, der aus dem Adelsgeschlecht von Lüder aus Großenlüder stammte.[1] Auch dieser Ort
wurde abwechselnd Luodera, Lutra, Luttura und Lutar genannt.[2] Der Name Luder kann auch
auf eine Form des Vornamens Lothar zurückgeführt werden.[3][4]

Martin Luther wählte seine Nachnamensform etwa 1512 oder 1517.[4] Er leitete sie vom
Herzog Leuthari II. oder vom griechischen Wort ἐλεύθερος (eleutheros = frei) ab und
benutzte vorübergehend die daraus abgeleitete Form „Eleutherios“ (der Freie).[5] Gemäß
Jürgen Udolph gab Luther nach seinem Aufstieg in die Wittenberger Oberschicht seinem
niederdeutschen Namen Luder eine hochdeutsche Form, um das hochdeutsche
Missverständnis seines Namens („liederlicher Mensch“) zu vermeiden. Das „th“ habe in
seiner Zeit als „schick“ gegolten.[6]

Luther wurde als erster oder zweiter Sohn seiner Eltern in Eisleben geboren und hatte
vermutlich neun Geschwister.[7] Am folgenden Martinstag, dem 11. November 1483, wurde
er auf den Namen des Tagesheiligen in der St.-Petri-Pauli-Kirche getauft. Er wuchs im
benachbarten Mansfeld auf, wo der Vater als Hüttenmeister im Kupferschieferbergbau
bescheidenen Wohlstand erwarb. Beide „Lutherstädte“ liegen im Mansfelder Land, heute im
Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt, und hatten damals einige tausend
Einwohner. Luthers Eltern waren kirchentreu, jedoch nicht übermäßig fromm.

Schulausbildung und Grundstudium

Von 1490/1491[8] bis 1497 besuchte er die Mansfelder Stadtschule und danach für ein Jahr
die Magdeburger Domschule. Dort unterrichteten ihn die Brüder vom gemeinsamen Leben,
eine spätmittelalterliche Erweckungsbewegung. Von 1498 bis 1501 schickten ihn die Eltern
auf die Pfarrschule zu St. Georgen in Eisenach, wo er seine Lateinkenntnisse so
vervollständigte, dass er diese Sprache von da an fließend sprechen und schreiben konnte. Zu
dieser Zeit wohnte er bei Verwandten mütterlicherseits und den Familien Schalbe und Cotta.
Luther als Augustinermönch (Lucas Cranach der Ältere, 1520)

Im Frühjahr 1501 begann Luther sein Studium an der Universität Erfurt und bezog Quartier
in der Georgenburse. Er besuchte wie im Mittelalter üblich zunächst die Artistenfakultät, die
Grundkenntnisse in den „Septem artes liberales“ (Grammatik, Rhetorik, Dialektik,
Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie) vermittelte. Im Januar 1505 schloss Luther
mit dem „Magister artium seine akademische Grundausbildung ab. Während seines Studiums
erwarb er sich Kenntnisse über die Lehren des Aristoteles, die seit Thomas von Aquin die
mittelalterliche Scholastik beherrschten. Jodocus Trutfetter und Bartholomäus Arnoldi, die
seinerzeit an der Erfurter Artistenfakultät lehrten, machten ihn mit dem Nominalismusstreit
bekannt.

Augustinermönch

Auf väterlichen Wunsch setzte Luther zum Sommersemester 1505 sein Studium an der
Juristenfakultät fort. Doch am 2. Juli 1505 wurde er nach dem Besuch seiner Eltern in
Mansfeld auf dem Rückweg nach Erfurt bei Stotternheim von einem schweren Gewitter
überrascht, hatte Todesangst und rief zur Heiligen Anna, der Mutter Marias: „Hilf du, heilige
Anna, ich will ein Mönch werden!“[9] Weshalb der junge Luther gerade dieses Gelübde
ablegte und einen kirchlichen Lebensweg einschlug, erklärt sich weder aus seiner Erziehung
noch seiner Todesangst ganz.[10]

Vorerst gegen den Willen seines Vaters trat er am 17. Juli 1505 in das Kloster der
Augustiner-Eremiten in Erfurt ein.[11] Hier übte er die Ordensregeln so genau und streng aus,
dass er schon am 27. Februar 1507 zum Diakon und am 4. April desselben Jahres zum
Priester geweiht wurde. Trotz täglicher Bußübungen gab Luther große Gewissensnöte an.
Seine Hauptfrage war: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Die Frage entzündete sich am
Sakrament der Buße, die neben der obligatorischen Beichte aller Sünden die aufrichtige Reue
aus Liebe zu Gott, nicht aber aus Angst vor Gottes Bestrafung voraussetzt. Luther nahm diese
Forderungen sehr ernst. Er erlebte sich als unfähig, aus Liebe, nicht Angst, Gottes
Forderungen zu erfüllen, so dass er an der verheißenen Vergebung zweifelte und stürzte
deshalb in verzweifelte Heilsungewissheit darüber, ob er diese Voraussetzung erfüllen könne
oder vielmehr mit einer ungültigen Absolution ewige Verdammnis auf sich ziehen würde.[12]
Sein Beichtvater Johann von Staupitz, der Generalvikar der Kongregation, empfahl Luther
daraufhin für ein Theologiestudium und versetzte ihn zu diesem Zwecke im Herbst 1508
nach Wittenberg. An der dortigen Universität lernte er die Theologie des Wilhelm von
Ockham, der Gottes Freiheit ebenso wie die menschliche Willensfreiheit betonte, sowie die
Kirchenväter, vor allem – vermittelt durch die Sentenzen des Petrus Lombardus – Augustinus
kennen. Im März 1509 erwarb Luther den Grad des „Baccalarius biblicus“, was ihm erlaubte,
kürzere biblische Abschnitte mit den Scholaren zu lesen. Wenige Monate später wurde er
„Baccalaureus sententiarius“ und durfte somit nun selbst die „Lombardischen Sentenzen“
auslegen. Kurz darauf wurde er nach Erfurt zurückbeordert.

Luthers Taufstein in Eisleben

Erste bildliche Darstellung Luthers, Leipziger Disputation (1519)

Lutherzelle im Augustinerkloster Erfurt

Romreise

Ende 1510, nach neueren Forschungen jedoch vermutlich erst im Spätsommer 1511, begab
sich Luther zusammen mit einem Mitbruder nach Rom. Die ältere Forschung[13] nahm an, er
habe dort im Auftrag seines Erfurter Konvents gegen die von oben befohlene Vereinigung
der strengen Observanten mit den liberaleren Augustinerklöstern der sächsischen Provinz
protestiert. Neuen Forschungsergebnissen zufolge fand die Reise hingegen erst nach der
erneuten Übersiedlung Luthers von Erfurt nach Wittenberg statt. Luther dürfte das
ordensintern umstrittene (und letztlich gescheiterte) Unionsprojekt dabei im Auftrag des
Generalvikars von Staupitz, der den jungen Ordensmann durch die Entsendung nach Rom
fördern wollte, vor dem Ordensgeneral verteidigt haben. Jedenfalls legte er in Rom seine
dritte Generalbeichte ab und erklomm auf Knien die „Heilige Treppe“ am Lateran, um
Sündenvergebung für sich zu erlangen und seine verstorbenen Verwandten aus dem
Fegefeuer zu befreien. Er zweifelte also damals noch nicht an der römischen Buß- und
Ablasspraxis, war gleichwohl schon entsetzt über den Unernst und Sittenverfall, die ihm in
Rom begegneten. Die Romreise war die längste und weiteste Reise im Leben Luthers, der
den thüringisch-sächsischen Raum zuvor noch nie verlassen hatte; sie gilt als ein
Schlüsselerlebnis und wurde von Luther selbst in späteren Schriften und Reden immer wieder
erwähnt.[14]

Professur für Bibelauslegung

Auf Staupitz’ Betreiben – möglicherweise im Zusammenhang mit dem ordensinternen Streit


um die Vereinigung, in dem das Erfurter Kloster zu den Gegnern des Generalvikars gehörte –
siedelte Luther im September 1511 nach Wittenberg um, wo er sich für ein theologisches
Doktorat bewarb. Luther und von Staupitz verband bis zu dessen Tod 1524 eine enge
Freundschaft. Im Oktober 1512 wurde Luther zum „Doctor Theologiae“ promoviert. Er
übernahm als Nachfolger von Staupitz den Lehrstuhl der „Lectura in Biblia“
(Bibelauslegung) an der Wittenberger Universität und behielt ihn bis zu seinem Lebensende.

In den folgenden Jahren hielt Luther Vorlesungen über die Psalmen und Paulusbriefe. Davon
sind einige Originalmanuskripte und wörtliche Nachschriften erhalten. Sie erlauben es,
Luthers Entwicklung bis zum Bruch mit den römisch-katholischen Lehren im Detail
nachzuvollziehen. Er folgte anfangs noch dem Schema des vierfachen Schriftsinns und
deutete das Alte Testament allegorisch auf Christus. Dabei hielt er sich an die überlieferte
Bibeldeutung des Ockhamismus, Neuplatonismus, der Mystik oder der „Devotio moderna“,
formte sie jedoch bereits ganz auf den Glauben des Einzelnen hin um. Dessen auswegloser
Verlorenheit stellte er schon die unmittelbare Gnade Gottes gegenüber, noch ohne deren
Vermittlung durch Kirche und Sakramente, das Papsttum und kirchliche Dogmen zu
thematisieren.

1514 wurde Martin Luther zum Provinzialvikar ernannt und übernahm damit bereits in
jungen Jahren zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in Wittenberg Leitungsaufgaben in seinem
Orden, die mit einer erheblichen Visitations- und Reisetätigkeit verbunden waren. Als Vikar
unterstanden ihm elf Konvente, darunter sein ehemaliger Heimatkonvent in Erfurt, in dem er
1516 Johannes Lange zum Prior einsetzte.[15]

Reformatorische Wende

In der Lutherforschung ist umstritten, wann Luther das Prinzip der Gerechtigkeit Gottes sola
gratia (allein aus Gnade) zuerst entdeckte und formulierte. In einer späteren Eigenaussage
beschrieb Luther diesen Wendepunkt als unerwartete Erleuchtung, die ihm in seinem
Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters widerfahren sei. Manche
datieren dieses Turmerlebnis auf die Jahre 1511 bis 1513, andere um 1515 oder um 1518,
wieder andere nehmen eine allmähliche Entwicklung der reformatorischen Wende an.
Datierung und nähere inhaltliche Bestimmung dieser Entdeckung hängen wechselseitig
voneinander ab.

Unstrittig ist, dass Luther sein Erlebnis als große Befreiung empfand. In der einsamen
Meditation über den Bibelvers Röm 1,17 LUT habe er plötzlich entdeckt, was er seit einem
Jahrzehnt vergeblich gesucht hatte:
„Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben
kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht (Hab 2,4 LUT): Der Gerechte wird aus
dem Glauben leben.“

Dieser Bibelvers führte schließlich zu seinem neuen Schriftverständnis: Gottes ewige


Gerechtigkeit sei ein reines Gnadengeschenk, das dem Menschen nur durch den Glauben an
Jesus Christus gegeben werde. Keinerlei Eigenleistung könne dieses Geschenk erzwingen.
Auch der Glaube, das Annehmen der zugeeigneten Gnade, sei kein menschenmögliches
Werk. Damit war für Luther die gesamte mittelalterliche Theologie mit ihrer kunstvollen
Balance zwischen menschlichen Fähigkeiten und göttlicher Offenbarung (Synergismus)
zerbrochen. Von nun an nahm er die Kirche, die sich in all ihren Formen und Inhalten als
Vermittlungsanstalt der Gnade Gottes an den Menschen sah, zunehmend kritisch in den
Blick.

In der Römerbrief-Vorlesung von 1515 lag Luthers neues Verständnis der Rechtfertigung
allein aus Gnade Gottes bereits ausformuliert vor, wenngleich noch vermischt mit
Denkschemata Augustins und der Mystik von Johannes Tauler. 1516 veröffentlichte er
zudem die Theologia deutsch, das Werk eines unbekannten Mystikers (genannt der
„Frankfurter“), das ihn in seiner wachsenden Ablehnung äußerlicher kirchlicher Riten
bestärkte.

Ablass und 95 Thesen

Die 95 Thesen am heutigen Portal der Schlosskirche zu Wittenberg

Ablassbriefe sollten den Gläubigen einen dem Geldbetrag entsprechenden Erlass zeitlicher
Sündenstrafen im Fegefeuer für sie oder für bereits gestorbene Angehörige bescheinigen. Ein
überlieferter Werbespruch von Johann Tetzel lautete: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die
Seele aus dem Feuer springt.“[16]

Genau ein Jahr vor dem Thesenanschlag in Wittenberg predigte Luther erstmals öffentlich
gegen die Ablasspraxis. Im Sommer 1517 las er die vom Mainzer Erzbischof Albrecht
verfasste Instructio Summarium, eine Anweisung für die im Land umherreisenden
Ablassprediger. Mit einem Teil dieser Einnahmen wollte der Erzbischof seine Schulden bei
den Fuggern bezahlen. Diese hatten ihm sein Kurfürstenamt finanziert. Dazu sandte er den
Ablassprediger Johann Tetzel nach Sachsen.
Am 4. September 1517 stellte Luther zunächst 97 Thesen vor, um einen Disput über die
scholastische Theologie unter seinen Mitdozenten anzuregen. Im Oktober verfasste er weitere
95 Thesen, die direkt auf den Ablass Bezug nahmen, schickte sie in einem Brief an Albrecht
und verbreitete sie unter Anhängern.[17] Philipp Melanchthon zufolge soll er diese Thesen am
31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Der
Thesenanschlag wurde lange Zeit als Legende ohne historisches Fundament betrachtet, gilt
jedoch nach der Entdeckung einer handschriftlichen Notiz von Georg Rörer, Luthers
langjährigem Sekretär, im Jahr 2006 wieder als wahrscheinlicher.[18] Fest steht allerdings,
dass die Ablassthesen schon vor ihrem möglichen Anschlag an der Kirchentür bekannt waren
und kursierten und von den Gelehrten diskutiert wurden, sodass der Aushang nicht erst als
Anlass der ablasstheologischen Diskussion angesehen werden kann, sondern allenfalls bereits
auf deren Höhepunkt stattfand.

Die Thesen fanden großen öffentlichen Widerhall, der die Reformation auslöste. Luther
protestierte darin weniger gegen die Finanzpraktiken der römischen Kirche, die auch vielen
Fürsten und Bürgern missfielen, als gegen die im Ablasswesen zum Ausdruck kommende
verkehrte Bußgesinnung.[19] In einem ebenfalls am 31. Oktober 1517 verfassten Brief an den
Mainzer Erzbischof prangerte Luther die Praxis an, dass Ablassprediger den Anschein
erweckten, als wäre für einen Ablassbrief keine Reue nötig. Diese scheinbare Milderung
bezog sich allerdings nur auf die Käufer des Ablassbriefes, nicht auf diejenigen, deren
Sünden vergeben werden sollten. Diese mussten sehr wohl in Reue gestorben sein.[20] Dem
Brief an den Erzbischof lag der Tractatus de indulgentiis bei, in dem Luther eine Theologie
des Ablasses entwirft. Er zeigte sich hierbei durch die augustinische Bußspiritualität
bestimmt.[21] Der Ablasshandel war für ihn nur der Anlass, um der allgemeinen Forderung
einer grundlegenden Reform der ganzen Kirche „an Haupt und Gliedern“ Ausdruck zu
verleihen. Dabei griff er den Papst noch nicht direkt an, sondern wähnte ihn – zumindest
rhetorisch – noch auf seiner Seite. Allerdings sah er die Funktion des Petrusnachfolgers beim
Nachlass der Sündenstrafen nur in der Fürbitte für die Gläubigen und sprach ihm damit die
verbindliche Schlüsselgewalt ab, die den Gläubigen nach der schultheologischen Ablasslehre
letzte Gewissheit über die Aufhebung jenseitiger Sündenstrafen verschaffen sollte.
Verständlich waren die Ablassthesen nur dem gelehrten Fachpublikum, das die Feinheiten
der theologischen Debatten um die Wirkweise des Ablasses kannte. Für die breitere
Bevölkerung verfasste Luther deshalb 1518 den in einfacher und verständlicher Weise
abgefassten Sermon von dem Ablass und Gnade. Luther bediente sich hierin erstmals der
Volkssprache und verließ damit die akademische Welt. Die göttliche Genugtuung wird,
plakativ gesagt, auf gute Werke statt auf käuflichen Ablass zurückgeführt.[22]

Albrecht von Mainz, inzwischen zum Kardinal kreiert, zeigte Luther daraufhin in Rom an.
Tetzel reagierte mit Gegenthesen auf die Disputationsreihe vom September, bei der ihn der
Ingolstädter Theologe Johannes Eck unterstützte. Im April 1518 durfte Luther im Auftrag
von Staupitz vor der Augustinerkongregation in der Heidelberger Disputation seine
Theologie erläutern. Hier grenzte er die exklusive Relation von Gnade zum Glauben scharf
gegen Aristoteles und die menschliche Willensfreiheit ab. Er gewann eine Reihe von
Anhängern, die später zu Reformatoren wurden, darunter Martin Bucer, Erhard Schnepf,
Johannes Brenz, Sebastian Franck. Im August berief die Universität Wittenberg außerdem
Philipp Melanchthon, der bald Luthers engster Freund und Schüler wurde.

Der römische Prozess


Martin Luther in Augsburg vor Kardinal Cajetan

Christoph von Langenmantel bringt Luther nach Hohenschwangau. Fresko von Wilhelm
Lindenschmit dem Älteren, Schloss Hohenschwangau

Im Juni 1518 hatte die Kurie Luther nach Rom vorgeladen, um die Gefahr der Häresie in
einem Verfahren zu untersuchen. Noch vor dem Termin wurde die Anklage auf notorische
Häresie geändert: Spitzel in Luthers Wittenberger Vorlesungen hatten ihn mit gefälschten
Thesen denunziert. Er ersuchte aus gesundheitlichen Gründen um eine Anhörung auf
deutschem Gebiet, wobei er sich auf die Gravamina deutscher Nation berief. Der sächsische
Kurfürst Friedrich der Weise, der ihn ausliefern sollte, unterstützte ihn dabei.

Damit wurde Luthers Prozess in politische Interessen verwickelt: Papst Leo X. brauchte den
Kurfürsten für die anstehende Kaiserwahl und gab seinem Einwand im August 1518 daher
statt. Kardinal Thomas Cajetan sollte Luther beim Reichstag zu Augsburg verhören. Vom 12.
bis 14. Oktober 1518 sprach Luther dort vor. Er weigerte sich zu widerrufen, wenn er nicht
aus der Bibel heraus widerlegt würde. Für Cajetan war er damit als Häretiker überführt und
hätte ausgeliefert werden müssen. Doch Friedrich lehnte dies weiterhin ab. Luther entzog sich
der drohenden Verhaftung in der Nacht vom 20. zum 21. Oktober 1518 durch Flucht aus
Augsburg.[23] Laut einer örtlichen Volksüberlieferung habe ihn Ritter Christoph von
Langenmantel zu seinem Schutz nach Hohenschwangau gebracht, was allerdings historisch
nicht belegt ist.[24] Der spätere bayerische König Maximilian II. ließ diese Szene 1836 von
Wilhelm Lindenschmit dem Älteren in Schloss Hohenschwangau als romantisches
Wandgemälde gestalten.[25]

Im Januar 1519 starb Kaiser Maximilian I.; er hatte seinen Enkel, den spanischen König Karl
I., als Nachfolger vorgesehen. Der Papst wollte dies verhindern, da er wegen Karls
Besitztümern in Italien eine Umklammerung des Kirchenstaates fürchtete. Deshalb ließ er
Luthers Prozess zunächst ruhen und beauftragte Karl von Miltitz, den Kurfürsten für eine
friedliche Lösung zu gewinnen. Der römische Gesandte erreichte, dass Luther sich zum
Schweigen verpflichtete.

Während der Verfahrenspause stellte Eck Thesen für ein Streitgespräch mit Luthers
Wittenberger Dozentenkollegen Andreas Bodenstein (genannt Karlstadt) auf. Sie richteten
sich so klar gegen Luther, dass dieser sein Schweigen brach und vom 4. bis 14. Juli 1519
persönlich an der Leipziger Disputation teilnahm. Dort spitzte Eck den Konflikt auf die Frage
der Papstautorität zu; Luther wagte die These, der Papst sei erst seit 400 Jahren – dem
Decretum Gratiani, das päpstliches mit kanonischem Recht gleichstellte – Führer der
Christenheit.

Eck versuchte Luther als Anhänger des 100 Jahre zuvor als Häretiker verbrannten Jan Hus zu
überführen; Luther warf Rom im Gegenzug die Abspaltung der Ostkirche vor. Er ordnete das
Konzil von Konstanz der Autorität der Heiligen Schrift unter. Dieses hatte das
Nebeneinander von drei Päpsten zwar beendet, dabei jedoch die Autoritätsfrage – Konzil
oder Papst – nicht geklärt. In diesem Kontext fiel Luthers Satz: „Auch Konzile können irren.“
Damit stellte er die individuelle Gewissensfreiheit im Hören auf die Bibel über autoritative
Konsensentscheidungen der Bischöfe. Dies war faktisch der Bruch mit der katholischen
Kirche.

Nachdem Karl am 28. Juni 1519 zum Kaiser gewählt worden war, nahm die Kurie Luthers
Häresieprozess im Frühjahr 1520 wieder auf. Nach einem weiteren ergebnislosen Verhör vor
Cajetan erließ der Papst am 15. Juni 1520 die Bannandrohungsbulle Exsurge Domine. Sie
verdammte 41 aus dem Zusammenhang gerissene und teilweise verdrehte Sätze Luthers ohne
Begründung und Widerlegung, setzte ihm eine Frist von 60 Tagen zur Unterwerfung und
drohte ihm den Kirchenbann (Ausschluss) an.[26]

Reichstag zu Worms

Dennoch widmete Luther im Oktober 1520 Papst Leo seine Schrift Von der Freiheit eines
Christenmenschen und appellierte an ein neues Konzil. Am 10. Dezember aber vollzog er den
endgültigen Bruch, indem er auf Verbrennungen seiner Bücher mit der Verbrennung der
Bulle sowie einiger Schriften der Scholastik und des kanonischen Rechts vor dem
Wittenberger Elstertor antwortete. Daraufhin wurde er am 3. Januar 1521 mit der Bannbulle
Decet Romanum Pontificem exkommuniziert.[27]

Dies und seine reformatorischen Hauptschriften machten Luther im ganzen Reich bekannt.
Der Buchdruck, die allgemeine soziale Unzufriedenheit und politische Reformbereitschaft
verhalfen ihm zu einem außergewöhnlichen publizistischen Erfolg: Bis zum Jahresende
waren bereits 81 Einzelschriften und Schriftsammlungen von ihm erschienen, vielfach in
andere Sprachen übersetzt, in insgesamt 653 Auflagen.[28] In vielen Ländern regten sich
ähnliche Reformbestrebungen, die sehr stark von den politischen Spannungen zwischen
Fürstentümern und Zentralmächten bestimmt wurden.

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1557

Kurfürst Friedrich der Weise erreichte durch zähes Verhandeln, dass Luther seine Position
vor dem nächsten Reichstag nochmals erläutern und verteidigen durfte.[29] Das zeigt den
Niedergang der mittelalterlichen Macht von Papst und Kaiser: Karl V. war der letzte Kaiser,
den ein Papst krönte. Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Reichstag zu Worms, wurde
vor den versammelten Fürsten und Reichsständen verhört und letztmals zum Widerruf
aufgefordert. Nach einem Tag Bedenkzeit und im Wissen, dass dies seinen Tod bedeuten
könne, lehnte er mit folgender Begründung ab:

„[Da] mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, ich kann und will nichts widerrufen,
weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir.
Amen.“[30]

Die oft zitierte Version „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen“, ist
nicht belegt. Sie findet sich auf einem Holzschnitt aus dem Jahr 1557.

Darauf verhängte der Reichstag am 26. Mai 1521 das auf den 8. Mai rückdatierte, vom Kaiser
gezeichnete Wormser Edikt über ihn:[31] Es verbot unter Berufung auf die Bannbulle des
Papstes im gesamten Reich, Luther zu unterstützen oder zu beherbergen, seine Schriften zu
lesen oder zu drucken, und gebot, ihn festzusetzen und dem Kaiser zu überstellen. Die
Reichsacht wurde den Ständen jedoch erst nach dem offiziellen Reichstag mitgeteilt, so dass
ihre Rechtsgültigkeit vielfach bestritten wurde. Auch so hätte jeder Luther töten können, ohne
dafür belangt zu werden: Er war nunmehr „vogelfrei“. Gemäß der Zusage an seinen
Kurfürsten erhielt er freies Geleit. Später bereute Karl V. diese Zusage, weil die folgende
Reformation die Einheit seines Reiches zerstörte.

Der Geächtete wurde am Abend des 4. Mai 1521 auf dem Heimweg nahe Schloss Altenstein
in Bad Liebenstein von Friedrichs Soldaten heimlich entführt und auf der Eisenacher
Wartburg festgesetzt, um ihn der Gefahr zu entziehen.

Bibelübersetzung und sprachprägende Wirkung

Lutherstube auf der Wartburg


Martin Luther als „Junker Jörg“. Lucas Cranach der Ältere, 1522

Auf der Wartburg blieb Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf
Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen
ins Deutsche. Als Vorlage diente ihm ein Exemplar der griechischen Bibel des Erasmus von
Rotterdam,[32] zusammen mit dessen eigener lateinischen Übersetzung sowie der Vulgata.
Eine erste Auflage des Neuen Testamentes erschien im September 1522
(„Septembertestament“). 1523 erschien die erste Teilübersetzung des Alten Testaments; beide
zusammen erlebten bis 1525 bereits 22 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke, so dass
rund ein Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch besaß.[33] Bis 1534 übersetzte
Luther zusammen mit einem Kreis aus Reformatoren und Professoren-Kollegen[34] das übrige
Alte Testament aus damals wiederentdeckten Handschriften der Masoreten; beide Testamente
zusammen – einschließlich der Apokryphen – bilden die berühmte Lutherbibel.

Damit machte Luther biblische Inhalte dem einfachen Volk zugänglich. Zwar gab es vorher
schon 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte Bibelausgaben, jedoch waren diese
Übersetzungen durch ihre oft am lateinischen Urtext orientierte Wort-für-Wort-Übersetzung
und die meist oberdeutsche Sprachfärbung schwer verständlich. Vor allem aber fußten sie auf
der Vulgata, der die griechische Septuaginta zugrunde lag: Sie hatten also zuvor mindestens
zwei Übersetzungsschritte hinter sich. Luther dagegen bemühte sich wie die Humanisten um
eine möglichst direkte Übersetzung der hebräischen und griechischen Urtexte. Dabei benutzte
er auch frühere Übersetzungen wie die Zainerbibel.[35]

Er übersetzte nicht wortgetreu, sondern versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Sinn
(sensus literalis) ins Deutsche zu übertragen. Dabei legte er die Bibel gemäß seiner
Auffassung von dem her aus, „was Christum treibet“, und dies hieß für ihn, auszugehen von
Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mitte der ganzen Schrift. Er wollte in seiner
sprachlichen Gestaltung „dem Volk aufs Maul schauen“ und verwendete daher eine kräftige,
bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche Ausdrucksweise. Sie wirkte bis zur
Gegenwart stil- und sprachbildend. So ersann er Ausdrücke wie „Feuertaufe“, „Bluthund“,
„Selbstverleugnung“, „Machtwort“, „Schandfleck“, „Lückenbüßer“, „Gewissensbisse“,
„Lästermaul“ und „Lockvogel“.[36] Metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die Säue
werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas
ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im
Schafpelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf ihn zurück.[37] Neben diesen Neuerungen
bewahrte er aber auch historische Formen der Morphologie, die schon weitgehend durch
Apokope verschwunden waren, wie das „lutherische e“ in Plural, Präteritum und anderen
Wortformen.[38]

Die Prinzipien seiner Übersetzungsarbeit hat Luther selbst in seinem Sendbrief vom
Dolmetschen von 1530 ausführlich dargestellt und gegen den katholischen Vorwurf der
Textverfälschung gerechtfertigt. Man hatte ihm zum Beispiel vorgeworfen, bei dem
Ausdruck „allein durch den Glauben“, das die katholische Lehre von den guten Werken
ausschließende „allein“ ohne Textgrundlage (lat. „sola“) eingefügt zu haben, ein Zusatz, den
Luther aus dem Sinn des Textes begründete.

„Wahr ist’s. Diese vier Buchstaben stehen nicht drinnen. Aber wo man’s will klar und
gewaltiglich verdeutschen, so gehöret es hinein.“

„...man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch
reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen,
den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie
reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit
ihnen redet.“[39]

Luthers Sprachform war das Ostmitteldeutsche seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche
Dialekte schon teilweise verschmolzen waren, was eine große Verbreitung seiner Schriften
ermöglichte. Luthers Sprache ist nach Werner Besch außerdem eingebunden in die
maßgebliche kursächsische Schreibtradition Wittenbergs.[40] Erst durch Luthers theologische
Autorität gibt seine Bibelübersetzung dem obersächsisch meißnischen Dialekt den Impuls
zum allgemensprachlichen Frühneuhochdeutsch in ganz Deutschland, vor allem im
niederdeutschen Raum, später auch im Oberdeutschen. „Das Deutsch seiner Bibel ist wohl
der wichtigste Steuerungsfaktor in der jüngeren Sprachgeschichte“ (Werner Besch).[40]

Seine Bibel gilt daneben auch dichterisch als große Leistung, da sie bis in den
Silbenrhythmus hinein durchdacht ist.[41]

Protestanten verwenden die Lutherbibel in ihren revidierten Neuauflagen bis heute. Sie ist
eine wichtige Basis der Kirchenmusik: viele Kompositionen verwenden Luthers Textfassung
für Choräle, Kantaten, Motetten und andere musikalische Formen.

Reformation in Wittenberg

In Wittenberg predigte Karlstadt inzwischen für weitreichende Gottesdienstreformen: gegen


die Klöster, Opfergebete, Bilder in Kirchen und für das Abendmahl mit dem Laienkelch. Ab
1522 setzte der Stadtrat die Neuerungen um und beschloss Maßnahmen gegen Armut und
Unzucht, wie sie Luther in seinen Schriften von 1520 vorgeschlagen hatte. Viele Nonnen und
Mönche in Sachsen verließen die Klöster. Es kam zu Ausschreitungen gegen Geistliche, die
dem alten Glauben anhingen, und die Tumulte ebbten nicht ab: Die Zwickauer Propheten, die
unter dem Visionär Nikolaus Storch und dem Lutherschüler Thomas Müntzer gegen die
Kindertaufe vorgingen und deshalb aus Zwickau ausgewiesen worden waren, verschärften
die Unruhen.

Daraufhin folgte Luther dem Hilferuf der Stadtväter und kehrte im März über Borna, wo er
den Aschermittwochbrief[42] an den Kurfürsten Friedrich den Weisen verfasste, nach
Wittenberg zurück. Mit den acht Invokavitpredigten überzeugte er die Bürger binnen einer
Woche von maßvolleren Reformen. Die Liebe, nicht äußere Dinge seien entscheidend;
Bilderbeseitigung sei unnötig, da Bilder nicht schadeten. Bis auf die Opfergebete ließ er die
römische Messordnung unverändert, führte daneben jedoch das evangelische Abendmahl ein.
Sogar die im Vorjahr vom Rat verbotene Fronleichnamsprozession ließ er 1522 zunächst
wieder wie früher stattfinden. Nachdem der alte Stadtpfarrer Simon Heins Anfang September
1523 gestorben war, wurde Johannes Bugenhagen auf Luthers Empfehlung um den 25.
Oktober 1523 vom Rat der Stadt und den Vertretern der Gemeinde Wittenberg als
Stadtpfarrer an der Stadtkirche gewählt. Damit kehrte Ruhe ein, und Karlstadt verließ die
Stadt. Am 9. Oktober 1524 gab Luther seine Lebensform als Mönch auf.[43]

Mit Luthers Abgrenzung von den „Schwärmern“ fiel eine Vorentscheidung für den Verlauf
der Reformation: Der radikale Bruch mit katholischen Gottesdienstformen blieb ebenso aus
wie gleichzeitige tiefgreifende Sozialreformen. Dafür erfuhr Luther nun Unterstützung der
Böhmischen Brüder und der Utraquisten (gemäßigten Hussiten). Diese bewahrten unter
seinem Einfluss ihre hussitische Tradition.[44] Am 29. Oktober 1525 hielt er die erste deutsche
Messe ab. Ab Weihnachten wurde sie in Wittenberg üblich. Im folgenden Jahr veröffentlichte
Luther eine Gottesdienstordnung.

Heirat und Familie, Krankheiten

Katharina von Bora. Lucas Cranach der Ältere, um 1526

Katharina von Bora war gemeinsam mit weiteren acht Nonnen zu Ostern im April 1523 aus
dem Kloster Nimbschen (Zisterzienserinnen) geflohen und lebte seitdem in Wittenberg.[45]
Luther verlobte sich mit ihr am 13. Juni und heiratete sie am 27. Juni 1525. Die Heirat
entsprach seiner Lehre, dass die Ehe kein Sakrament sei. Zudem hatte er den Zölibat
abgelehnt und die Auflösung der Klöster verlangt.

Katharina unterstützte ihn privat und sorgte durch Unterbringen von Studenten, die zahlreiche
Aussprüche Luthers aufschrieben, für Einkommen. Luther hatte mit ihr drei Töchter und drei
Söhne, die alle in Wittenberg geboren wurden:

1. Johannes (1526–1575),
2. Elisabeth (1527–1528),
3. Magdalena (1529–1542),
4. Martin (1531–1565),
5. Paul (1533–1593),
6. Margarete (1534–1570).

Derzeit leben rund 2.800 Nachkommen von ihnen und Luthers Geschwistern, die als
„Lutheriden“ organisiert sind.[46]

Die Lutherrose

Luthers Wappen war die „Lutherrose“, deren Symbolik er in einem Brief vom 8. Juli 1530
beschrieb.[47]

Luther litt fast sein ganzes Leben lang an zahlreichen Krankheiten, vor allem an Angina
pectoris, Magenschmerzen, Verstopfungen, Schwindelanfällen, Nierensteinleiden und
Tinnitus. Tinnitus (Ohrensausen), Schwindelanfälle und Schwerhörigkeit waren von 1527 bis
zu seinem Tod bei Luther auftretende Zeichen eines als Menièresche Krankheit zu
betrachtenden Anfallsleidens.[48] Seine Leiden gelten großenteils als Folge seiner enormen
physischen und psychischen Belastungen und seines Lebenswandels.[49]

Konsolidierung der Reformation

Lutherzimmer in der Veste Coburg

Nach dem Massaker an etwa 5000 aufständischen Bauern bei Frankenhausen (1525) verlor
die Reformation ihren Charakter als Volksbewegung und wurde zur Angelegenheit der
Landesfürsten, die aus der Niederlage der Bauern gestärkt hervorgingen. Konsequenz der
Zwei-Reiche-Lehre wäre ein völliger Neuaufbau der Kirche auf alleiniger Basis der
reformatorischen Theologie gewesen. Luther hielt jedoch wie die meisten Zeitgenossen eine
konfessionelle Vielfalt innerhalb eines Territoriums für undurchführbar und empfahl
Andersgläubigen auszuwandern. Da sich in deutschsprachigen Gebieten zunächst kein
katholischer Bischof der Reformation anschloss und eine willkürliche Ausgrenzung
Andersgläubiger für Luther von Gott verbotene Amtsanmaßung war, bat er 1525 den
sächsischen Kurfürsten darum, als herausragendes Mitglied der Kirche deren Visitation, also
die Überprüfung des Klerus auf Glaubenstreue und Amtsführung im Sinne des Evangeliums,
anzuordnen. Dieses pragmatische und situationsbedingte Notkonzept wurde in evangelischen
Gebieten bald zur Regel und begünstigte dort die Entwicklung zu konfessionellen
Landeskirchen, die von den Landesfürsten geschützt, aber auch gelenkt und abhängig
waren.[50]

Als die katholischen Reichsstände 1529 auf dem zweiten Reichstag zu Speyer die Aufhebung
der bisherigen partiellen Duldung der Evangelischen durchsetzten, legten die evangelischen
Stände (fünf Fürstentümer und 14 Städte aus Oberdeutschland) die Protestation zu Speyer
ein. Seitdem nennt man die evangelischen Christen auch Protestanten. Beim folgenden
Reichstag zu Augsburg 1530 wollten Luthers Anhänger den protestantischen Glauben
reichsrechtlich anerkennen lassen. Dazu verfasste Melanchthon das protestantische
Glaubensbekenntnis, die „Confessio Augustana“, die Kaiser Karl auf dem Augsburger
Reichstag überreicht und schließlich von ihm geduldet wurde. Luther konnte als Geächteter
nicht daran teilnehmen und unterstützte seine Anhänger von der Veste Coburg aus, kritisierte
aber auch einige der Kompromissformeln Melanchthons als zu entgegenkommend.

Spätzeit und Tod

Eigenhändiger Brief Luthers an Kurfürst Johann den Beständigen, Juli 1531[51]


(Briefsammlung Biblioteca Apostolica Vaticana, Ottob. Lat. 3029, fol. 4r)
Luthers Sterbehaus in Eisleben

Nach dem Augsburger Reichstag trat Luther nur noch als Seelsorger und Publizist hervor. Er
hielt bis 1545 Vorlesungen in Wittenberg, ab 1535 fast ausschließlich über die
Schöpfungsgeschichte. Mit verschiedenen Stellungnahmen zu theologischen und politischen
Einzelfragen versuchte er zudem weiterhin, den Fortgang der Reformation zu beeinflussen,
jedoch mit weit weniger direkter Wirkung.

In den Türkenkriegen (1521–1543) benutzte Luther die Gefahr der osmanischen Expansion
zunächst für seine kirchenpolitischen Zwecke.[52] Er erklärte, dass es zunächst gelte, den
„inneren Türken“, also den Papst zu besiegen, bevor man sich daran machen könne, gegen
den Großtürken von Istanbul loszuschlagen, die er beide für Inkarnationen des Antichristen
hielt. Als die Gefahr mit der Belagerung Wiens durch die Truppen Sultan Süleymans 1529
auch Mitteleuropa betraf, differenzierte er seine Haltung.[53] In seiner Schrift Vom Kriege
wider die Türken erläuterte er, dass der Papst den Türkenkrieg bisher nur als Vorwand zum
Kassieren von Ablassgeldern benutzt habe. Die Misserfolge in der Abwehr der osmanischen
Expansion erklärte er mit seiner Zwei-Reiche-Lehre: Es sei nun einmal nicht Aufgabe der
Kirche, zu Kriegen aufzurufen oder sie selbst zu leiten – dies eine deutliche Anspielung auf
den ungarischen Bischof Pál Tomori, der als einer der Kommandanten für die verheerende
Niederlage von Mohács verantwortlich war. Für die Verteidigung gegen die Türken sei allein
die weltliche Obrigkeit zuständig, der jeder Mensch Gehorsam schulde, die mit dem Glauben
jedoch nichts zu tun habe. Mit dieser Argumentation war jede Vorstellung von einem
Kreuzzug gegen die Osmanen unvereinbar. Den Krieg gegen die Türken selbst rechtfertigte
Luther als Verteidigungskrieg und mahnte zu gemeinsamem Handeln.

Luther auf dem Totenbett. Kreidezeichnung, 16. Jahrhundert. Deutsches Historisches


Museum Berlin

Diese rigide Trennung von geistlichen und weltlichen Zuständigkeiten hob Luther wenige
Monate später wieder auf, als er im Herbst 1529 in seiner Heerpredigt wider die Türken diese
als Feinde Christi und eschatologische Vorzeichen des bevorstehenden Jüngsten Gerichts
hinstellt und es zur Aufgabe gerade der Christen erklärt, „getrost dreinzuschlagen“. Mit
diesen entschiedenen Tönen wollte er Vorwürfen den Boden entziehen, er habe sich durch
Untergraben der Einheit des Christentums zum Handlanger der Türken gemacht.[54]
So befürwortete er gegen seinen Grundsatz „Ketzer verbrennen ist wider den Willen des
Heiligen Geistes“ (1519) die Verfolgung der Täuferbewegung. 1535 beendeten katholische
und evangelische Fürsten gemeinsam das Täuferreich von Münster. 1543 erschien Von den
Jüden und jren Lügen, 1545 Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet.

Trotz eines schon länger währenden Herzleidens reiste Luther im Januar 1546 über Halle
nach Eisleben, um einen Streit der Grafen von Mansfeld zu schlichten. Er starb am Zielort am
18. Februar 1546. Das heutige Haus Andreaskirchplatz 7 wird als sein Sterbehaus bezeichnet,
gilt aber nach letzten Forschungen nicht mehr als der historische Ort, an dem Luther verstarb
– das wirkliche Sterbehaus war vermutlich das Stadtschloss (Markt 56), in dem sich heute das
Hotel „Graf von Mansfeld“ befindet. Sein Leichnam wurde nach Wittenberg überführt und
am 22. Februar in der Schlosskirche beigesetzt. Vormund seiner Kinder wurde sein treuer
Anhänger und Freund, der Arzt Matthäus Ratzenberger.

Als seine letzten schriftlichen Worte wird der lateinische Aufschrieb auf einem Zettel vom
16. Februar betrachtet, der nach seinem Tode gefunden wurde:

„Die Hirtengedichte Vergils kann niemand verstehen, er sei denn fünf Jahre Hirte gewesen.
Die Vergilschen Dichtungen über die Landwirtschaft kann niemand verstehen, er sei denn
fünf Jahre Ackermann gewesen. Die Briefe Ciceros kann niemand verstehen, er habe denn 25
Jahre in einem großen Gemeinwesen sich bewegt. Die Heilige Schrift meine niemand
genügsam geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elias
und Elisa, Johannes dem Täufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert. Versuche
nicht diese göttliche Aeneis, sondern neige dich tief anbetend vor ihren Spuren! Wir sind
Bettler, das ist wahr.“ [55]

Theologie
Grundlinien und Phasen

Luthers komplexe Theologie wird systematisch oft mit dem vierfachen Sola/Solus
zusammengefasst:

 solus Christus: „Allein Jesus Christus“, der wahre Mensch und wahre Gott, schaffe
durch seine stellvertretende Hingabe am Kreuz ein für alle Mal des Glaubenden
Rechtfertigung und Heiligung, die ihm im mündlichen Evangelium und im Sakrament
des Abendmahls zugeeignet werde. Dies ist der tragende Grund der übrigen drei
Prinzipien:
 sola gratia: „Allein durch Gnade“ ohne jedes eigene Zutun werde der Mensch von
Gott gerechtfertigt.
 sola fide: „Allein durch den Glauben“, die geschenkte (nicht geleistete) Annahme
Jesu Christi, komme unser Heil zustande.
 sola scriptura: „Allein die Heilige Schrift“ sei die Quelle diesen Glaubens an und
Wissens von Gott und daher der kritische Maßstab allen christlichen Redens und
Handelns. Sie sei aber von ihrer „Mitte“ Jesus Christus her kritisch zu beurteilen.

Luthers Schriften werden vier nicht genau abgrenzbaren Phasen zugeordnet:

 Reformatorische Wende (~1509–1518)


 Hervortreten gegen römisch-katholische Lehren (~1517–1520)
 Innerevangelische Abgrenzungen (~1521–1530)
 Spätschriften (~1530–1546).

Wichtige Frühschriften

Schon in seinen Randbemerkungen zu Augustin und Petrus Lombardus (1509/10) betont


Luther gegen die Scholastik, aber noch mit dem Ockhamismus den Gegensatz zwischen
Glauben und Wissen und die Autorität der Bibel gegenüber der kirchlichen Tradition. Er
grenzt Glauben von einem menschlichen habitus ab und betont seine Identität mit Hoffnung
und Liebe, so dass er nicht neben unrechtem Handeln (Sünde) bestehen könne.[56]

Indem Luther die menschliche Antwort auf Gottes Wort radikalisiert, wird ihm Gottes
Gerechtigkeit selbst zum Problem. Obwohl er alle damaligen theologischen Denkschulen
genau kennt, legt er die Bibel in seiner ersten Psalmenvorlesung (1512/13) fast ohne
scholastische Begriffe aus und grenzt ihren Wortlaut gegen die überkommenen, besonders die
aristotelischen Deutungsmuster ab. Dabei fasst er den Literalsinn des Bibeltextes unmittelbar
als Hinweis auf Christus auf: Dieser selbst ist für ihn der Ausleger der Psalmen, der Geist in
allen Buchstaben, der Grundtext, der sich selbst mitteilt und Glauben an ihn schafft. Der
Mensch könne sein Dasein nur entweder aus dem Gesetz oder dem Glauben, dem Sichtbaren
oder dem Unsichtbaren, der sinnlichen Wahrnehmung oder dem Von-Gott-erkannt-Sein
heraus verstehen. Das, was Menschen aus dieser wahrnehmbaren Welt heraus für das
höchste, göttliche Wesen halten, könne im Angesicht Jesu Christi nur der Gipfel ihrer
Selbstgerechtigkeit und Heuchelei sein. Eine Vermittlung ist undenkbar.[57] Die theologia
crucis (Gottes aktuelles Urteil im Gekreuzigten) und die theologia gloriae (der zum
Eigenruhm menschlichen Erkenntnisvermögens geschaffenen Gottesbegriff der
aristotelischen Metaphysik) schließen einander unbedingt aus (Römerbriefvorlesung 1515;
Heidelberger Disputation 1518).

Reformatorische Hauptschriften

An den christlichen Adel


Mit der Schrift An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes
Besserung (deutsch) rief Luther die Fürsten auf, die Reformation praktisch durchzuführen,
weil die Bischöfe darin versagt hätten. Denn die „Romanisten“ stellten die kirchliche
Obrigkeit über die weltliche und behaupteten, nur der Papst dürfe die Bibel auslegen und ein
Konzil einberufen.[58] Bildung solle allen zugänglich sein, nicht nur dem Klerus. Zölibat und
Kirchenstaat sollten abgeschafft, das Zinsnehmen eingeschränkt und das Betteln zugunsten
einer geregelten Armenfürsorge verboten werden.

Er verwarf das Papsttum, das katholische Bischofsamt und das Sakrament der Priesterweihe,
weil das NT das „allgemeine Priestertum“ der Gläubigen lehre. Die Geistlichen sollen nur die
Gemeinde leiten, besonders im Gottesdienst, mit Unterricht und Seelsorge. Jede
Kirchengemeinde dürfe ihre Lehrer (Pfarrer) wählen und gegebenenfalls abwählen (Daß eine
christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und
Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen, 1523). Dieser Grundsatz wurde nach dem Klevischen
Krieg 1543 und dem Schmalkaldischen Krieg 1546/47, den Luther nicht mehr erlebte, nicht
weiterverfolgt. Das als Provisorium gedachte „landesherrliche Kirchenregiment“, das auch
das Ein- und Absetzen von „Notbischöfen“ (Luther) umfasste, blieb bis 1918 bestehen.

Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche

Die Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche (lateinisch) reduziert die
sieben katholischen Sakramente auf jene drei, die Jesus im NT selbst eingesetzt habe: Taufe,
Abendmahl und Buße (Beichte). Er betont in der Schrift die fundamentalen Bestandteile des
Sakraments: a) Das Zeichen, b) die Bedeutung und c) den Glauben. Gerade dem Glauben
misst Luther die größte Bedeutung zu, womit er dem katholischen Konzept des „ex opere
operato“ die Signifikanz abspricht. Er hingegen betont die Wichtigkeit des Glaubenden, d. h.
des Subjekts und somit das Konzept des „opus operantis“. Bahnbrechend war vor allem die
theologische Begründung: Jesu eigenes, gepredigtes Wort vermittelt das Heil. Die
Sakramente veranschaulichen seine Zusage und dienen ihrer Vergewisserung, fügen ihr aber
nichts hinzu.

Luthers Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen (1520) fasst die „evangelische
Freiheit“ eines Christen in Anlehnung an Paulus von Tarsus in zwei Sätzen dialektisch
zusammen: „Ein Christ ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan – durch
den Glauben. – Ein Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und jedermann untertan – durch die
Liebe.“
In der Schrift De servo arbitrio (1525) wandte er sich gegen die in Erasmus von Rotterdams
Schrift De libero arbitrio entfaltete Lehre von der Vorherbestimmung zum Heil und vom
Willen zum Guten. Luther selbst maß seiner Schrift höchste Bedeutung zu. Mit dem Thema
habe Erasmus von Rotterdam den „cardo rerum“, den Dreh- und Angelpunkt der Theologie
getroffen.[59] Wie Klaus Schwarzwäller hervorhebt, können die Rechtfertigung allein durch
Christus und allein durch Gnade nicht gedacht werden ohne den unfreien Willen des
Menschen zur Seligkeit.[60]

Abendmahl

Die katholische Kirche versteht die Eucharistie als Opfer, in dem das Opfer Christi
vergegenwärtigt und Gnade für die Sünden der Menschen erwirkt wird. Luther sah im
Messopfer jedoch ein erneutes Opfer, welches neben den einmaligen Kreuzestod Christi träte.
Seit dem Hochmittelalter war es üblich geworden, den Gläubigen nur die Hostie, nicht aber
den Kelch zu reichen. Weil schon das Sehen der Konsekration als segensvoll galt, nahmen
die mittelalterlichen Messbesucher teilweise nicht an der Eucharistie teil.

Luther galt die römische Messe als „das größte und schrecklichste Greuel“ von allen
„päpstlichen Abgöttereien“. Für ihn war Christi Opfer am Kreuz ein für alle Mal gültig, so
dass der Pfarrer den Gläubigen im Abendmahl die durch Christus erwirkte Gnade nur austeilt.
Luther führte den „Laienkelch“ ein. Er wies in seinen Katechismen die Auffassung zurück,
dass das Sakrament auch ohne den Glauben der Empfänger Heil bewirke (ex opere operato).
Entscheidend war für ihn der Glaube an die Realpräsenz (wirkliche Gegenwart) von Christi
Leib und Blut in den Elementen von Brot und Wein aufgrund der Zusage Christi („Das ist
mein Leib; das ist mein Blut“). Wer als Teilnehmer am Abendmahl daran nicht glaube,
empfange mit Brot und Wein nicht die Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit, sondern
das ewige Gericht. So setze das Abendmahl den Glauben voraus, wecke ihn aber auch.

Weil es Luther auf den individuellen Empfang des Heils ankam, machte er das Abendmahl
neben Predigt und Lesung des Evangeliums in deutscher Sprache zum festen Bestandteil
jedes Gottesdienstes (Deutsche Messe). Er verwarf die römische Transsubstantiationslehre
nicht, betrachtete sie aber nicht als verbindliches Dogma, sondern kritisierte ihre
Dogmatisierung beim IV. Laterankonzil (1215) als unbiblische und für den Glauben unnötige
„Sophisterei“. Für ihn war das Sakrament eine besondere, sichtbare Gestalt des Wortes
Gottes (verbum visibile).

Luthers Abendmahl
Luther führte sein Verständnis der Realpräsenz Christi in Brot und Wein seit 1523 auch
gegenüber anderen evangelischen Christen aus: Wer das IST in Jesu Zusage „Das ist mein
Leib/mein Blut“ nicht wörtlich verstehe, der entferne sich vom rechtfertigenden Glauben
selbst. Dagegen vertraten Andreas Karlstadt und Ulrich Zwingli ab 1523 eine signitative
Auffassung: Brot und Wein seien nur Zeichen der leibhaften Anwesenheit Christi im
Abendmahl. Dieses sei ein reines Erinnerungsmahl an den einmaligen Opfertod Christi am
Kreuz und nur deshalb geistlich wirksam. Von da an entfaltete sich der innerevangelische
Abendmahlsstreit bis zur direkten Begegnung Luthers und Zwinglis im Marburger
Religionsgespräch (1. bis 4. Oktober 1529). Dabei konnten sich beide über 14 von 15
Punkten einigen. Zentrale Differenz blieb die Auslegung von Joh 6,53-63 und damit die
Ubiquitätslehre.

Gottesdienstordnungen

Luther verfasste 1523 eine erste lateinische Messordnung, die Formula Missae et
Communionis pro ecclesia Wittenbergensi, eine gereinigte Form der Messe. Erst 1526
erschien auf Drängen von Nikolaus Hausmann die Deutsche Messe und Ordnung
Gottesdiensts. Das in dieser Schrift enthaltene Gottesdienstformular war vor allem als
Sonntagsgottesdienst für die Laien gedacht, die kein Latein verstanden. Am 29. Oktober 1525
hielt Luther in Wittenberg die erste Messe in deutscher Sprache. Daneben war aber auch die
lateinische Messe, vor allem an Festtagen, weiterhin vorgesehen, damit die Jugend auch diese
erlerne.

Daneben nennt Luther eine dritte Form für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen, „die
ienigen, so mit ernst Christen wollen seyn und das Euangelion mit hand und munde
bekennen“.[61] Dabei hat Luther wohl eine Art „Kerngemeinde“ vor Augen, die sich in
privaten Häusern trifft und Gottesdienst hält und wo die Mitglieder sich gegenseitig
ermahnen, wenn sie untereinander Sünden begehen, ganz nach dem Befehl Christi. Luthers
Vorhaben mit dieser dritten Weise des Gottesdienstes ging in die Richtung einer Integration
derjenigen, die ernsthaft nach neutestamentlichen Vorgaben leben mochten. Auch sie sollten
neben den anderen einen Platz in der Gemeinde haben, indem ihre Bedürfnisse befriedigt
wurden.

Luther war wichtig, dass seine Messordnungen nicht als allgemein verbindlich angesehen
werden sollten. Vielmehr sah er sie als Beispiele eines evangeliumsgemäßen Gottesdienstes.

Musik

Luther maß der Musik wie der Theologie höchste Bedeutung für das Seelenheil des
Menschen zu, weil sie „den Teufeln zuwider und unerträglich sei“ und „solches vermag, was
nur die Theologie sonst verschafft, nämlich die Ruhe und ein fröhliches Gemüte.“[62] Er war
selbst ein geübter Sänger, Lautenspieler und Liedkomponist und kannte Werke von
Komponisten wie Ludwig Senfl, Pierre de la Rue, Heinrich Finck und Josquin Desprez.[63]
„Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ im Achtliederbuch

Dabei wies Luther im Unterschied zum mittelalterlichen Verständnis der Musikausübung


(musica practica) eine stärkere Bedeutung bei als der Musiktheorie und Musikphilosophie
(musica speculativa).[64] So reimte er in seiner Vorrede auf alle guten Gesangbücher von
1583 als Lob der „Frau Musica“: „Hier kann nicht sein ein böser Mut, / wo da singen
Gesellen gut. / Hie bleibt kein Zorn, Zank, Haß noch Neid / weichen muß alles Herzeleid. /
Geiz, Sorg und was sonst hart anleiht / fährt hin mit aller Traurigkeit. […] Dem Teufel sie
sein Werk zerstört / und verhindert viel böser Mörd.“ Laut Friedrich Schorlemmer fasste er
damit therapeutische, kathartische, sublimierende und friedensstiftende Funktionen der Musik
zusammen.[65]

Luther sah Musik als notwendigen Teil der schulischen und universitären Ausbildung. Jeder
Schulmeister müsse singen können und auch der angehende Pfarrer solle theoretische und
praktische Fertigkeiten in der Musik mitbringen.[66] Er sagte etwa in einer Tischrede:
„Könige, Fürsten und Herren müssen die Musica erhalten. Denn grossen Potentaten und
Regenten gebühret, über guten freyen Künsten und Gesetzen zu halten. […] Man muß
Musicam von Noth wegen in Schulen behalten. […] Die Jugend soll man stets zu dieser
Kunst gewöhnen, denn sie machet fein geschickte Leute.“[67]

Luthers Choral Vom Himmel hoch, da komm ich her, 1567

Luther wandte sich gegen Tendenzen in der Reformationsbewegung, für ein rein innerlich-
geistiges Glaubensverständnis auf Kunst und Musik zu verzichten:[68] „Auch daß ich nicht der
Meinung bin, daß durchs Evangelion sollten alle Künste zu Boden geschlagen werden und
vergehen, wie etliche Abergeistliche fürgeben, sondern ich wollt alle Künste, sonderlich die
Musica, gerne sehen im Dienst des, der sie geben und geschaffen hat.“[69]
Um die Gemeinde stärker aktiv zu beteiligen, plädierte Luther für deutsche Lieder an
bestimmten Stellen des Gottesdienstes. Nach seiner Schrift Deutsche Messe und Ordnung
Gottesdiensts von 1526 sollten deutschsprachige Gemeindelieder, sogenannte
Ordinariumslieder, lateinische Teile der Messe ersetzen oder ergänzen.[70] Dabei wollte er
nicht nur den lateinischen Text übersetzen, sondern auch die Melodik den Erfordernissen der
deutschen Sprache anpassen:[71] „Es muß beide, Text und Noten, Accent, Weise und Geberbe
aus rechter Muttersprache und Stimme kommen; sonst ist Alles ein Nachahmen wie die
Affen thun.“[72]

Von Luther sind 36 Lieder überliefert. Wahrscheinlich verfasste er insgesamt 45 Lieder und
Gesänge und komponierte bei mindestens 20 davon auch die Melodien selbst. Bei einigen
unterstützten ihn der kurfürstliche Sangmeister Konrad Rupff und der Kantor Johann
Walter.[73] Dabei verwendete Luther viele Formen der Übersetzung, Erweiterung und
Kontrafaktur und schuf auch freie neue Lieder und Texte.[74] Er übersetzte traditionelle
lateinische gregorianische Hymnen und veränderte bei Bedarf die Melodie, um sie dem
Duktus der deutschen Sprache anzupassen. Seine eigenen dichterischen Fähigkeiten sah er
dabei mit Äußerungen wie „garstige und schnöde Poeterey“ durchaus kritisch.[75] Daneben
verwandte er Melodien von Volks- oder Weihnachtsliedern sowie Studenten- oder
Kirchenliedern und wandelte sie teilweise geringfügig ab.[76] Durch neue Texte wollte er
damals populäre weltliche Lieder allmählich dem geistlichen Gebrauch widmen:[77]
„Gassenhauer, Reiter- und Bergliedlein christlich, moraliter und sittlich verändert, damit die
bösen ärgerlichen Weisen, unnützen und schandbaren Liedlein auf der Gassen, Feldern,
Häusern und anderswo zu singen, mit der Zeit abgehen möchten, wenn man christliche, gute,
nützliche Texte und Worte darunter haben könnte.“

Luthers Lieder werden in Gattungen gegliedert:[78]

 Hymnenbearbeitungen und -übertragungen wie Nun komm, der Heiden Heiland (EG
4), Christum wir sollen loben schon, Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG
126)[79]
 Katechismuslieder wie Dies sind die heilgen Zehn Gebot (EG 231), Mensch, willst du
leben seliglich, Wir glauben all an einen Gott (EG 183), Vater unser im Himmelreich
(EG 344).
 Leisen wie Gelobet seist du, Jesu Christ (EG 23), Nun bitten wir den Heiligen Geist
(EG 124), Christ ist erstanden (EG 99).
 Liturgische Gesänge: ein deutsches Sanctus, ein Kyrie (EG 192), ein Agnus Dei (EG
190.2), das Te Deum Herr Gott, dich loben wir (EG 191), Mit Fried und Freud ich
fahr dahin (EG 519).
 Psalmlieder wie Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299), Wär Gott nicht mit uns
diese Zeit, Ach Gott, vom Himmel sieh darein (EG 273), Es woll uns Gott genädig
sein (EG 280), Lieder zu den Psalmen 14, 128. Diese Gattung gilt als „ureigenste
Erfindung Luthers“, die alte Gesänge und Gebete Israels für die Christen seiner Zeit
zugänglich machen und ihre Formen im reformatorischen Gottesdienst erhalten
sollte.[80]
 Eigene Schöpfungen wie Ein neues Lied wir heben an (über die ersten Märtyrer der
Reformation Hendrik Vos und Johannes van Esschen) und Ein feste Burg ist unser
Gott (EG 362, angelehnt an Ps 46). Bei anderen Lutherliedern sind textliche und
musikalische Vorbilder nicht auszuschließen.
Die Lutherchoräle erschienen erstmals 1523/24 im Achtliederbuch und 1524 in Wittenberg in
einem evangelischen Gesangbuch. Sie wurden zu einer Säule des reformatorischen
Gottesdienstes und prägten die Geschichte des geistlichen Liedes auf dem europäischen
Kontinent nachhaltig.

Siehe auch: Liste der Kirchenlieder Luthers

Verhältnis zu verschiedenen Gruppen

Luther-Fenster in der Straßburger Erlöserkirche

Bauern

In deutschen Gebieten kam es 1524 bis 1526 zum Großen Bauernkrieg. Ausgehend von
schweizerischen, schwäbischen und badischen Bauern breiteten sich die Aufstände rasch aus.
Auch einige Städte schlossen sich an, da die Unzufriedenheit mit Fürsten und Bischöfen
allgemein sehr groß geworden war. Mit den 12 Artikeln gaben sich die Aufständischen
einheitliche Ziele, die von der bloßen Wiederherstellung ihrer Gewohnheitsrechte bis zur
Aufhebung der Leibeigenschaft und zu demokratischen Grundrechten reichten. Sie beriefen
sich dabei auf das „göttliche Recht“ und Luthers Schriftprinzip sola scriptura. Wie er
erklärten sie sich bereit, ihre Forderungen fallenzulassen, sobald man ihnen aus der Bibel ihr
Unrecht beweise. Dies gab ihren schon früher religiös begründeten Hoffnungen auf soziale
Befreiung erstmals Durchschlagskraft.[81]

Luther distanzierte sich von den 12 Artikeln wegen ihrer aus seiner Sicht falschen Berufung
auf die Bibel. Im April 1525 bemühte er sich in einer Flugschrift jedoch um eine gütliche
Einigung und ein abgewogenes Urteil, griff einige berechtigte Forderungen der Bauern auf
und wies sowohl sie als auch die Fürsten zurecht. Doch nachdem einige Bauern einen Grafen
und seine Begleiter ermordet hatten (Weinsberger Bluttat), verfasste Luther seine Schrift
Wider die mörderischen Rotten der Bauern. In ihr verdammte er die Aufstände nunmehr als
Werk des Teufels und forderte alle Fürsten – unabhängig von ihrer Konfession – dazu auf,
die Bauern mit aller notwendigen Gewalt niederzuschlagen. Daraufhin verstärkten die
Fürsten, bei denen Luthers Wort Gewicht hatte, ihr Gegenheer.

1525 erreichten die Aufstände Thüringen und Sachsen. Hier war Thomas Müntzer zum
Wortführer der Bauern geworden. Anfangs hatte er wie Luther versucht, die Landesfürsten
für Reformen zu gewinnen. Nachdem Luther den Kurfürsten ermutigt hatte, Müntzers
Forderungen abzulehnen, wurden dessen eigenständige Reformversuche in Allstedt verboten.
Nun übernahm Müntzer die Führung des Bauernheeres und wollte es nach Mansfeld führen,
um den dort ansässigen Grafen zu entmachten. Bei Bad Frankenhausen wurde sein Heer vom
Fürstenheer gestellt und umzingelt. Die Bauern waren nur mit Schlegeln und Sensen
bewaffnet und hatten kaum Kampferfahrung. Müntzer war kein Militärführer, sondern ein
wortgewaltiger Prediger. Nach Scheinverhandlungen trieben die berittenen Soldaten die
Bauern auseinander und ermordeten etwa 5000 von ihnen. Müntzer wurde wenige Tage
später gefasst und enthauptet.
Nach dieser Niederlage wurden alle übrigen Aufstände nach und nach niedergeschlagen. Man
schätzt, dass im deutschen Sprachraum 75.000 bis 130.000 Bauern dabei ihr Leben verloren.
Nur in einigen süddeutschen Städten und Gebieten wurden einige ihrer Forderungen erfüllt;
vielfach wurden ihre Lasten sogar noch verschärft. Nach diesem ersten Revolutionsversuch
dauerte es über 300 Jahre, bis der Feudalismus, und 400, bis die Monarchie in Deutschland
überwunden wurden.

Hinter Luthers Ablehnung der Bauernaufstände stand sein Zerwürfnis mit Müntzer. Dieser
hatte als Lutherschüler in der Bibel Impulse für die soziale Revolution gefunden. Er glaubte,
es sei Gottes Wille, die Lage der Elenden direkt zu ändern und die politischen Verhältnisse
dem kommenden Reich Gottes anzugleichen, um so die Ungebildeten zum Empfang des
Evangeliums bereit zu machen. Luther dagegen lehnte die unmittelbare Verwendung der
Bibel für politische Ziele strikt ab und wehrte sich schon 1521 gegenüber Ulrich von Hutten
dagegen, „mit Gewalt und Mord für das Evangelium [zu] streiten“. Er unterschied den
„weltlichen“ vom „geistlichen“ Bereich; zwar begegne der Christ in beiden Gottes Willen,
aber in verschiedener Gestalt. Die biblischen Gebote gälten nur für die Gläubigen; wer sie
direkt auf die Politik übertrage, gefährde das Evangelium, das die Gewissen befreien und
nicht durch neue Gesetze versklaven solle (siehe dazu Zwei-Reiche-Lehre). Daher begrüßte
er Müntzers Ende als gerechte Strafe für den „Teufel“, der gegen Gottes Ordnung rebelliert
habe. Trotzdem fühlte er sich mitverantwortlich für das Gemetzel, das nicht zuletzt auf seinen
Aufruf hin geschehen war. Mit seiner Empfehlung des Weingartner Vertrages unterschied er
weiterhin für ihn berechtigte von unberechtigten Reformen.[82]

Juden

→ Hauptartikel: Martin Luther und die Juden

Luther beurteilte das Judentum mit Papsttum und Islam als werkgerechte
Gesetzesreligion,[83][84] die Gottes Gnade im gekreuzigten Jesus Christus verleugne und damit
den wahren Glauben gefährde.[85][86] Er hielt an Israels ursprünglicher, zeitlich begrenzter und
seit Christus abgeschlossener Erwählung zum Volk Gottes fest,[87] verwarf aber ganz im
Gegensatz zur üblichen Praxis noch 1523 (Dass Christus ein geborener Jude sei)
Gewaltmission, Legenden von Ritualmord und Hostienfrevel. Er warb dabei nicht aus
Toleranz für eine menschliche Behandlung der Juden, sondern weil er es noch für möglich
hielt, viele Juden zum evangelischen Glauben zu bekehren. Später betrachtete er diese
judenfreundliche Position als schweres Versagen.[88]

Eine angebliche Gefahr der Konversion zum Judentum sowie angebliche „judaisierende“
Tendenzen unter den Reformierten verstärkten Luthers Angst um den Erfolg seiner
Bemühungen und dienten seiner Darstellung der Gefährlichkeit des Judentums. Er
unterstellte Juden Missionierung, Subversion und verführerische Propaganda, geheuchelte
Konversion, Mordabsichten gegen ihn persönlich[89] und Vernichtungsabsichten gegen das
Christentum allgemein. 1537 wies er den Gesprächswunsch Josel von Rosheims ab, des
Anwalts der Juden im Reich. 1538 führte er die Entstehung der christlichen Sekte der
Sabbater, die die Sabbatheiligung wiederherstellen wollten, wider besseres Wissen auf
jüdischen Einfluss zurück, um die Vertreibung der Juden aus Mähren zu erreichen.

1543 (Von den Juden und ihren Lügen) griff er sämtliche damalige antijudaistische
Stereotype auf, um alle evangelischen Fürsten zur Vertreibung der Juden aus ihren Gebieten
zu bewegen. Er verlangte, ihre Synagogen, Schulen und Häuser zu zerstören, körperliche
Zwangsarbeit für sie sowie ein Verbot ihrer Religionsausübung und des Geldgeschäfts.
Private Gewaltakte gegen Juden lehnte er jedoch weiterhin ab. Zudem verhöhnte er die
rabbinische Bibelexegese mit einer obszönen Interpretation der Wittenberger Judensau
hinsichtlich des Talmuds. (vgl. Vom Schem Hamphoras).

Kurz vor seinem Tod fasste er seine Haltung zusammen: Den Juden solle man als Brüdern
zunächst die christliche Taufe anbieten; im Fall ihrer Taufverweigerung solle man sie
vertreiben, da ihre Religionsausübung sonst Gotteslästerung fortsetze und damit auch das
Christentum bedrohe. Grund dafür war, dass er nur seine christologische Bibelauslegung als
wahr gelten ließ und eine Gefährdung der Reformation durch die rabbinische Bibelauslegung
befürchtete.[90]

Das Kurfürstentum Sachsen (1536), Böhmen (1542), das Herzogtum Braunschweig (1546),
die Landgrafschaft Hessen und die Grafschaft Mansfeld (beide 1547) sowie einige
Reichsstädte folgten Luthers Vertreibungsforderung. Andere lutherische Regionen und Städte
lehnten diese jedoch ebenso wie einige andere Reformatoren ab. Aus der Kurpfalz und dem
Herzogtum Württemberg waren die Juden schon vorher vertrieben worden.[91] In Schweden
wurde das bestehende Ansiedlungsverbot für Juden auch unter Berufung auf Luther
begründet.[92]

Der Pietismus des 18. Jahrhunderts begründete seine gewaltfreie Judenmission mit Luthers
Schrift von 1523. Diese war auch für die lutherischen Kirchenleitungen im 19. Jahrhundert
maßgebend.[93] Dagegen vereinnahmten Antisemiten seit der Gründung des Deutschen
Kaiserreichs 1870 Luthers judenfeindliche Spätschriften. Seit 1923 dienten diese auch zur
NS-Propaganda. Die Deutschen Christen rechtfertigten damit seit 1933 den Ausschluss von
Judenchristen aus der evangelischen Kirche und die staatliche Judenverfolgung, besonders im
Kontext der Novemberpogrome 1938.

Ab 1950 distanzierten sich die evangelischen Kirchen allmählich von Luthers Antijudaismus.
Die Lutherforschung führte Luthers judenfeindliche Forderungen seit 1960 nicht mehr nur
auf enttäuschte Missionserwartungen zurück, sondern begriff sie als Folge seiner
antijudaistischen Theologie. Mit drei Denkschriften revidierte die Evangelische Kirche in
Deutschland (EKD) bis 2000 die Thesen von Bundesverlust, Christenfeindlichkeit und
wertloser Bibelexegese des Judentums.[94]

Täufer

In seinen Frühschriften warb Luther noch um Toleranz für abweichende religiöse Positionen.
So schrieb er 1524, dass Häretikern mit der Schrift und nicht mit dem Feuer begegnet werden
solle.[95] In seiner Ende 1527 verfassten Schrift Von der Wiedertaufe an zween Pfarrherrn
wies Luther die Forderung der reformatorischen Täuferbewegung nach einer Bekenntnistaufe
zwar zurück, kritisierte jedoch auch die bereits begonnenen Verfolgungen der noch jungen
Bewegung. So schreibt er, es sei ihm „nicht recht und wahrlich leid, dass man solche elenden
Leute so jämmerlich ermorde, verbrenne und greulich umbringe […] Man soll einen
jeglichen lassen glauben, was er will. Glaubt er unrecht, so hat er genug Strafen an dem
ewigen Feuer“.[96] Allein die täuferischen Anführer sollten außer Landes gewiesen werden.

Ab 1530 jedoch wollte auch Luther die Todesstrafe für die Täufer nicht mehr
ausschließen.[97] Dieser Umschwung ist eventuell auf den Einfluss Melanchthons und auf das
ein Jahr zuvor vom Reichstag erlassene Wiedertäufermandat zurückzuführen. Im Jahr 1531
unterschrieb Luther zusammen mit Melanchthon schließlich ein Gutachten, das sich
ausdrücklich für die Todesstrafe für Täufer aussprach. Luther sah die Täufer nun vor allem
unter den Aspekten des Aufruhrs und der Blasphemie. Staatliche Stellen sollten sie nicht
wegen ihres abweichenden Glaubens, sondern vor allem aufgrund des durch sie geschürten
Aufruhrs verfolgen.[98] Für ihn waren die Täufer von einem „mörderischen, aufrührerischen,
rachgierigen Geist, dem der Odem nach dem Schwert stinkt“.[99] Die infolge der
zunehmenden Verfolgung geheim abgehaltenen Zusammenkünfte der Täufer waren für
Luther „ein gewiss Zeichen des Teufels“.[100] Luther sprach selbst stets mit anti-täuferischer
Tendenz von Wiedertäufern.[101]

„Hexen“

Luther glaubte wie viele seiner Zeitgenossen an die Existenz von Hexen. In seiner Erklärung
der Zehn Gebote von 1518 forderte er die Exkommunikation von als Hexen verdächtigten
Frauen. In einer Predigtreihe über das 2. Buch Mose predigte er zwischen März und Mai
1526 auch über Ex 22,17 LUT:

„[…] sie können nämlich Milch, Butter und alles aus einem Haus stehlen; […] Sie können
ein Kind verzaubern… Auch können sie geheimnisvolle Krankheiten im menschlichen Knie
erzeugen, dass der Körper verzehrt wird; […] Schaden fügen sie nämlich an Körpern und
Seelen zu, sie verabreichen Tränke und Beschwörungen, um Hass hervorzurufen, Liebe,
Unwetter, alle Verwüstungen im Haus, auf dem Acker, über eine Entfernung von einer Meile
und mehr machen sie mit ihren Zauberpfeilen Hinkende, dass niemand heilen kann; […] Die
Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder… Sie
schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern
auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“

Damit forderte er wie seine Zeitgenossen die Todesstrafe für vermeintliche


Schadenszauberei. Obwohl er selbst sich nicht als Hexenjäger betätigte, wurden 1540 in
Wittenberg Prista Frühbottin und andere Angeklagte verbrannt.

Zu den übrigen Teilen der mittelalterlichen Hexenlehre wie Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft


und Hexensabbat äußerte sich Luther eher kritisch. Darum beriefen sich später sowohl
Befürworter der Hexenverfolgung als auch Gegner wie Johann Georg Gödelmann (1591) auf
ihn.

Behinderte

Zur Zeit Luthers wurden mit Behinderungen geborene Kinder Wechselbälger genannt, weil
man sich ihre später ausgeprägte Behinderung damit erklärte, dass der Teufel das gesund
geborene Kind heimlich gegen das behinderte Kind ausgewechselt habe. Luther übernahm
diese Sicht und beschrieb Behinderte in seinen Reden und Schriften ausnahmslos als
Teufelsgeschöpfe. Er folgte damit den Quellen, auf die er sich berief.[102]

Zwei Tischreden (Nr. 4513 und 5207) werden oft für Luthers Haltung zu Behinderten zitiert:
Darin beschrieb er den Fall eines geistig schwer behinderten Kindes, zu dem zwei Fürsten
seinen Rat als Autorität für Dämonologie eingeholt hatten. Er beschrieb das Kind als
„Fleischmasse“, das keine Seele besitze. In ihm habe der Teufel den Platz der Seele
eingenommen. Deshalb habe er den Fürsten geraten, es im Fluss zu ertränken. Als Fürst hätte
er diese Tötung (lat. homicidium) durchgeführt, doch man habe nicht auf ihn gehört. Darum
habe er dann zum Beten eines Vaterunsers für das Kind geraten. Auf Nachfrage befürwortete
er die Taufe solcher „Wechselbälger“, da man ihnen die Behinderung nach der Geburt noch
nicht ansehen könne.

Diese Aussagen lassen sich nicht als Handlungsanweisung deuten, da Luther den
beschriebenen Fall nur vom Hörensagen kannte und keine konsistente Haltung dazu einnahm.
Dass seine Hörer das Töten Behinderter hinterfragten und die Fürsten Luthers Rat ablehnten,
zeigt, dass diese Praxis damals unüblich war und blieb.[103] Luther war subjektiv überzeugt,
dass er nicht die Tötung eines Menschen, sondern eines teuflischen Dämonen
befürwortete.[104]

Gleichwohl rechtfertigte der NS-Gutachter Werner Catel 1940 die „Euthanasie“ genannte
Ermordung von bis zu 16.000 missgebildeten Kindern mit Luthers Aussagen: Sie besäßen
keine Persönlichkeit und Willensentscheidung. Ein Kriterium dafür gab er nicht an.[105] 1964
beriefen sich Werner Heyde und Hans Hefelmann, die am Massenmord der „Aktion T4“
beteiligt waren, erneut auf diese Aussagen Luthers.[106] Der Teufelsglaube ist jedoch mit der
modernen Medizin unvereinbar und scheidet daher als Rechtfertigung aus. Auch
gesellschaftliche Nützlichkeitserwägungen, die oft für Euthanasie geltend gemacht wurden
und werden, hätte Luther nicht als Maßstab gelten lassen, da er als Theologe den Geboten
Gottes verpflichtet war.[105]

Türken

→ Hauptartikel: Martin Luther und die Türken

Luther hat drei große Türkenschriften verfasst: Vom Kriege wider die Türken (1528),
Heerpredigt wider die Türken (1530) und Vermahnung zum Gebet wider den Türken (1541).
In seinen Türkenschriften reagierte Luther auf eine aktuelle Bedrohung. In der Einleitung
zum ersten Teil von Vom Kriege wider die Türken erklärte er: „Die Veranlassung zu dieser
Schrift war die Besorgniß vor einem Einfalle der Türken in Deutschland und der durch einige
Prediger erzeugte Wahn, man solle und dürfe den Türken nicht widerstehen.“ 1529 standen
die Türken erstmals vor Wien. Luthers große Türkenschrift Heerpredigt wider die Türken
folgte 1530. Zugleich begriff Luther den Türkeneinbruch heilsgeschichtlich als Strafe Gottes:
Der Türke „ist Gottes rute und des Teuffels diener, das hat keinen Zweifel“, so urteilt Luther
in Vom Kriege wider die Türken. Dass durch den Türkenglauben der Teufel wirke, begründet
Luther mit Verweis auf Joh. 8, 44, wo der Teufel als Lügner und Mörder identifiziert wird.
Der Türkenglaube sei nicht mit Predigen, sondern mit Schwert und Morden so weit
gekommen.

Rezeption

Portalinschrift Ein feste Burg ist unser Gott an der Georgenkirche in Eisenach
Siehe auch: Liste Martin Luther als Namensstifter

Forschung
Luthers Theologie wird seit 1800, systematisch seit etwa 1900 erforscht. Ihre Deutung war
stets eng mit der Zeitgeschichte verbunden. Wichtige Lutherforscher waren Theodosius
Harnack (konfessionelle preußisch-konservative Restauration), Albrecht Ritschl und Wilhelm
Herrmann (neukantianischer Individualismus), Karl Holl und Erich Seeberg
(Lutherrenaissance), wichtige Lutherinterpreten waren Friedrich Gogarten, Rudolf Bultmann,
Gerhard Ebeling (existentiale Interpretation), Walther von Loewenich, Ernst Wolf und Hans
Joachim Iwand (sozialkritisches Luthertum nach 1945).

Die kritische Weimarer Gesamtausgabe entstand seit 1883. Bis 1920 wurden viele
Luthermanuskripte entdeckt (Vorlesungen 1509–1518, Predigtnachschriften,
Disputationsprotokolle 1522–1546). 1918 wurde die Luther-Gesellschaft gegründet, die sich
der Erforschung des Lebens und Wirkens Martin Luthers widmet und die Zeitschrift Luther
sowie die Lutherjahrbücher herausgibt. Seit 1945 finden im mehrjährigen Turnus
interkonfessionelle und internationale Kongresse für Lutherforschung in verschiedenen
Städten weltweit statt.

Zahlreiche Studien zu bestimmten Lebensabschnitten oder Einzelfragen erschienen. Dabei


wurde auf evangelischer Seite lange vorrangig die reformatorische Wende erforscht. Neuere
Textfunde und interkonfessionelle Forschungsprojekte hellten allmählich das differenzierte
und komplexe Verhältnis Luthers zur katholischen Tradition auf.[107] Der Kirchenhistoriker
Otto Scheel stellte als Erster fest, dass Luther vor seinem Theologiestudium mit keinen
häretischen, humanistischen und kirchenkritischen Strömungen seiner Zeit in Berührung
gekommen war.[108] Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson versuchte 1958, Luthers Theologie
aus frühkindlichen Deformationen seiner Sexualität und angestauten Schuld- und
Hassgefühlen gegen seinen Vater zu erklären.[109]

Nationaler Mythos

Hermann Wislicenus (1825–1899): Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521

Im 19. Jahrhundert entstand in Deutschland ein nationaler Mythos, der Luther zum
Vorkämpfer deutscher Sprache, Unabhängigkeit und Identität stilisierte.[110] So fand beim
Wartburgfest am Reformationstag 1817 auch eine Bücherverbrennung statt, die an Luthers
Verbrennung der päpstlichen Bannbulle und des kanonischen Rechts im Jahre 1520
anknüpfte.
Paul Thumann: Luther verbrennt die Papstbulle (1872)

Die nationalistische Vereinnahmung Luthers bestimmte den Kulturkampf mit. Zum


Jubiläumsjahr 1883 besuchten Zehntausende die Stätten seines Wirkens. Der Historiker
Heinrich von Treitschke behauptete in seinem Vortrag Luther und die deutsche Nation ein
germanisches Erbe als Erfolgsbedingung der Reformation und fasste so seine antikatholische,
antirepublikanische und implizit antifranzösische Lutherdeutung zusammen.[111] Auch die
Hohenzollern arbeiteten an diesem Mythos mit.

Bilder

Martin Luther, Holzschnitt von Albrecht Altdorfer

Martin Luther. Lucas Cranach der Jüngere


Luther gehört zu den am häufigsten abgebildeten Personen der deutschen Geschichte. Er war
die erste Person des christlichen Mittelalters, die ähnlich wie katholische Heilige bildlich
verehrt wurde.[112] Zu Lebzeiten schuf die Cranach-Werkstatt rund 500 Bilder von ihm, davon
mindestens 306 Porträts. Viele davon beruhen auf elf Porträts, die Lucas Cranach der Ältere
und seine Söhne als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten herstellten und für die Luther
Modell saß. Originale Federzeichnungen erstellte außerdem Johann Wilhelm Reifenstein, der
auch die Lutherrose schuf. Das Totenbild schuf Lucas Furtenagel. Zudem malten fast alle
damalige wichtigen Künstler nicht persönlich autorisierte Lutherbilder. Nur Albrecht Dürer,
der Luthers Lehren seit 1520 anhing und wünschte, ihn abbilden zu dürfen, fehlt aus
unbekannten Gründen. Zudem wird eine hohe Dunkelziffer verschollener Lutherbilder aller
Art vermutet.[113]

Verschiedene Bildmerkmale kennzeichnen bestimmte Aspekte seiner Biografie: Luther als


Mönch (mit Tonsur und Mönchskutte), Theologe (mit Doktorhut), Junker Joerg (mit
Vollbart), Ehemann (mit Katharina von Bora), Prediger bzw. Kirchenvater (in schwarzem
Gewand, mit Buch oder Schriftrolle), Professor (in Schaube mit Pelzkragen).[114]

Evangelische Kirche (Rodheim-Bieber): Luther als Schwan symbolisiert

Im 19. Jahrhundert trugen massenhaft hergestellte Lutherbilder zu einem national-heroischen


Lutherimage bei.[115]

Film

→ Hauptartikel: Lutherfilm

Seit der Stummfilmzeit wurde Luthers Biografie verfilmt. Der bisher neueste Spielfilm
Luther (2003) stellt sein Leben vom Ordenseintritt 1505 bis 1530 dar. Martin Luther – Ein
Leben zwischen Gott und Teufel, ebenfalls aus dem Jahr 2003, ist eine bekannte
Dokumentation.

Musik

 Der Komponist Günter Kochan komponierte das Melodram Luther. für zwei
Sprecher, gemischten Chor und großes Orchester (1981) nach einem Text von
Johannes R. Becher.
 Kari Tikka veröffentlichte im Jahr 2000 eine Oper namens Luther.
 Anlässlich der Eröffnung des Theater Erfurt 2003 wurde Peter Aderholds Oper Luther
uraufgeführt.
 Neal Morses Konzeptalbum Sola Scriptura (von 2007) beschäftigt sich mit dem
Wirken Luthers und seinen Auseinandersetzungen mit der katholischen Elite.
 2008 wurde in Erfurt Martin L. – Das Musical von Gisle Kverndokk und Øystein
Wiik uraufgeführt.
 Anfang Juli 2013 wurde in Eisenach das Musical Luther! Rebell wider Willen (Regie
und Libretto: Tatjana Rese, Musik: Erich A. Radke) uraufgeführt.
 Lukas Markus Schmid komponierte für die Lutherdekade The Martin Luther Suite – A
Jazz Reformation.[116]
 Der Komponist Bernfried E. G. Pröve komponierte für das Reformationsjubiläum
2017 eine Martin-Luther-Oper. Das Libretto schrieb die Autorin und
Musikwissenschaftlerin Barbara Stühlmeyer.
 Das Doppelalbum The Sound of Martin Luther zeigt als eine Art Zeitreise
Kompositionen aus Luthers Geist heraus bis ins späte 19. Jahrhundert hinein.

Gedenken

Büste in der Walhalla bei Regensburg, Bildhauer Ernst Rietschel (1831)

Im 19. Jahrhundert erhielten viele deutsche Städte ein Lutherdenkmal. Darunter sind das
Lutherdenkmal Wittenberg von Johann Gottfried Schadow (1821) und das Lutherdenkmal
Worms (1868) als größtes seiner Art. In vielen Orten sind Straßen und Plätze nach Luther
benannt, so seit dem 16. September 2015 die Piazza Martin Lutero in Rom.[117] Zum 500.
Luthergeburtstag 1983 prägte die Bundesrepublik Deutschland eine Gedenkmünze.
5-DM-Gedenkmünze zum 500. Geburtstag Martin Luthers

Viele Kirchengebäude heißen Lutherkirche. In der Stadtkirche St. Michael in Jena steht seit
1571 sein Grabstein. Der Evangelische Namenkalender hebt vielfach seinen Geburtstag (10.
November), Todestag (18. Februar) und seine NT-Übersetzung (20. September) hervor, an
die auch Gottesdienste erinnern.[118] Anglikaner und Lutheraner feiern die Reformation
jährlich am 31. Oktober mit einem besonderen Gottesdienst im Kirchenjahr.

Im September 2008 eröffnete der Lutherische Weltbund die Luther-Dekade, die auf das 500-
jährige Jubiläum des Thesenanschlags in Wittenberg hinführen und die weltweite Bedeutung
der Reformation vermitteln soll. Dazu wird ein Luthergarten Wittenberg angelegt.

Martin Luthers Geburtshaus in Eisleben wurde 1689 bei einem Brand zerstört. 1693
errichtete die Stadt auf dem Grundstück einen Barockbau als Luthergedenkstätte und als
eines der ersten deutschen Museen. Als Martin Luthers Sterbehaus galt seit 1726 ein Haus am
Andreaskirchplatz 7. Es wurde 1862 von Preußen erworben und zu einem weiteren
Luthermuseum ausgebaut.[119] Beide Häuser wurden 1972 zum Weltkulturerbe erklärt.[120]
Als tatsächliches Sterbehaus nehmen Historiker heute jedoch das Stadtschloss an, das auf
dem Grundstück am Markt 56 stand.[121]

Das Augusteum und Lutherhaus Wittenberg beherbergt das größte


reformationsgeschichtliche Museum der Welt.[122] Das Lutherhaus Eisenach legt den Fokus
auf seine Bibelübersetzung und deren Wirkungen.[123] Das Stadtmuseum Erfurt zeigt eine
Dauerausstellung zum Leben und Werk Martin Luthers.[124]

Eine 2015 als Playmobil hergestellte Lutherfigur verwenden die EKD und die Deutsche
Zentrale für Tourismus (DZT) als „Reformationsbotschafter“ für das Reformationsjubiläum
2017.[125] Bis Februar 2016 wurden über 400.000 Stück davon verkauft.
Martin Luther

Luther pada tahun 1533 oleh Lucas Cranach yang Tua

10 November 1483
Lahir Eisleben, Sachsen, Kekaisaran Romawi
Suci

18 Februari 1546 (umur 62)


Meninggal Eisleben, Sachsen, Kekaisaran Romawi
Suci

Pekerjaan Biarawan, pendeta, teolog

Sembilan Puluh Lima Tesis, Katekisma


Besar Luther,
Karya
Katekisma Kecil Luther, Kebebasan
Seorang Kristen

Pasangan Katharina von Bora

Hans (Johannes), Elisabeth, Magdalena,


Anak
Martin, Paul, Margarethe

Dipengaruhi Rasul Paulus, Augustinus dari Hippo

Philipp Melanchthon, Lutheranisme,


Mempengaruhi
John Calvin, Karl Barth

Tanda tangan
Martin Luther (lahir di Eisleben, Kekaisaran Romawi Suci, 10 November 1483 – meninggal
di Eisleben, Kekaisaran Romawi Suci, 18 Februari 1546 pada umur 62 tahun) adalah seorang
pastur Jerman dan ahli teologi Kristen dan pendiri Gereja Lutheran, gereja Protestan, pecahan
dari Katolik Roma. Dia merupakan tokoh terkemuka bagi Reformasi. Ajaran-ajarannya tidak
hanya mengilhami gerakan Reformasi, namun juga memengaruhi doktrin, dan budaya
Lutheran serta tradisi Protestan. Seruan Luther kepada Gereja agar kembali kepada ajaran-
ajaran Alkitab telah melahirkan tradisi baru dalam agama Kristen. Gerakan pembaruannya
mengakibatkan perubahan radikal juga di lingkungan Gereja Katolik Roma dalam bentuk
Reformasi Katolik. Sumbangan-sumbangan Luther terhadap peradaban Barat jauh melampaui
kehidupan Gereja Kristen. Terjemahan Alkitabnya telah ikut mengembangkan versi standar
bahasa Jerman dan menambahkan sejumlah prinsip dalam seni penerjemahan. Nyanyian
rohani yang diciptakannya mengilhami perkembangan nyanyian jemaat dalam Gereja
Kristen. Pernikahannya pada 13 Juni 1525 dengan Katharina von Bora menimbulkan gerakan
pernikahan pendeta di kalangan banyak tradisi Kristen.

Masa kecil Luther

"Rumah Luther", asrama tempat tinggal Luther dari usia 14-17 tahun ketika belajar di sekolah swasta
di Eisenach.

Martin Luther adalah anak dari seorang penambang bernama Hans Luther dan ibunya,
Margarethe.[1] Karena berhasil berkembang dari kalangan buruh tani, ayahnya bertekad
bahwa anaknya harus menjadi pegawai negeri dan memberikan kehormatan kepada
keluarganya. Dengan harapan itulah Hans mengirimkan Martin yang masih kecil untuk
belajar di Mansfeld, Magdeburg dan Eisenach.

Pada usia 17 tahun, pada tahun 1501, Luther masuk ke Universitas Erfurt. Mahasiswa yang
muda ini mendapatkan gelar sarjananya pada 1502, dan gelar magisternya pada 1505.
Mengikuti harapan ayahnya, Luther mendaftarkan diri di sekolah hukum di universitas itu.

Semuanya itu berubah ketika pada suatu hari di musim panas tahun 1505, saat terjadi
serangan badai. Petir menyambar di dekatnya ketika ia sedang berjalan pulang dari sekolah.
Dalam ketakutan, ia berseru, "Tolonglah, Santa Anna! Saya akan menjadi biarawan!". Karena
nyawanya selamat, Luther meninggalkan sekolah hukumnya dan masuk ke biara Augustinian
di Erfurt. Bisa dibayangkan betapa marah ayahnya kepada Martin, karena ayahnya
menginginkan ia menyelesaikan studi hukumnya.
Pergumulan Luther untuk mendapatkan kedamaian
bersama Allah

Lukisan Martin Luther di saat menjadi Pendeta Agustinian.

Biarawan muda Martin Luther sepenuhnya mengabdikan dirinya pada kehidupan biara,
berusaha melakukan segala perbuatan baik untuk menyenangkan Allah dan melayani orang
lain melalui doa-doa untuk jiwa-jiwa mereka. Ia mengabdikan diri dengan puasa, menyiksa
diri, berdoa selama berjam-jam, melakukan ziarah, dan terus-menerus melakukan pengakuan
dosa. Semakin ia berusaha untuk Allah tampaknya ia semakin sadar akan keberadaannya
yang penuh dengan dosa.

Johann von Staupitz, atasan Luther, menyimpulkan bahwa orang muda ini membutuhkan
lebih banyak pekerjaan untuk mengalihkannya dari rasa khawatirnya yang berlebihan. Ia
memerintahkan biarawan itu untuk mengembangkan kariernya sebagai akademisi. Pada 1507
Luther ditahbiskan menjadi imam. Pada 1508 ia mulai mengajar teologi di Universitas
Wittenberg. Luther mendapatkan gelar sarjananya dalam Studi Alkitab pada 9 Maret 1508,
dan gelar sarjananya dalam Sentences karya Petrus Lombardus (buku ajar teologi yang
terutama pada Zaman Pertengahan), pada 1509. Pada 9 Oktober 1512, Martin Luther
menerima gelar Doktor Teologinya dan pada 21 Oktober 1521, ia "diterima menjadi anggota
senat dosen teologi" dan diangkat menjadi Doktor dalam Kitab Suci.

Teologi Luther tentang anugerah


Disiplin yang sangat ketat untuk mendapatkan gelar-gelar akademik dan mempersiapkan
kuliah-kuliah, mendorong Martin Luther untuk mempelajari Kitab Suci secara mendalam.
Karena terpengaruh oleh seruan Humanisme ad fontes ("kembali ke sumbernya"), Luther
menenggelamkan dirinya dalam mempelajari Alkitab dan Gereja perdana. Dengan segera
istilah-istilah seperti penyesalan dan pembenaran mendapatkan makna yang baru bagi Luther.
Ia menjadi yakin bahwa Gereja telah keliru dalam beberapa kebenaran sentral dari
Kekristenan yang diajarkan dalam Kitab Suci—yang terpenting di antaranya adalah doktrin
tentang pembenaran oleh iman semata. Luther mulai mengajarkan bahwa keselamatan
sepenuhnya adalah pemberian dari anugerah Allah melalui Kristus yang diterima oleh iman.
Belakangan, Luther mendefinisikan dan memperkenalkan kembali prinsip tentang
pembedaan yang semestinya antara Hukum Taurat dan Injil yang mendasari teologinya
tentang anugerah. Secara keseluruhan, Luther percaya bahwa prinsip penafsiran ini
merupakan titik awal yang penting dalam mempelajari Kitab Suci. Luther melihat kebenaran
yang berasal dari Alkitab mula-mula dan melihat kesalahan orde gereja katolik yang banyak
menutup-nutupi doktrin Alkitab yang sebenarnya .

Pertikaian indulgensia
Selain tugas-tugasnya sebagai seorang profesor, Martin Luther melayani sebagai
pengkhotbah dan penerima pengakuan dosa di Gereja Kastil, "fondasi" dari Frederick yang
Bijak, Pemilih dari Saxony. Gereja ini dinamai "Semua orang Suci" karena di sinilah
disimpan koleksi relikui sucinya. Gereja ini berfungsi sebagai biara Augustinian dan
universitas. Dalam melakukan tugas-tugas inilah pastor muda itu diperhadapkan dengan
berbagai akibat yang timbul ketika orang biasa harus mendapatkan indulgensia.

Indulgensia adalah penghapusan (sepenuhnya atau sebagian) dari penghukuman sementara


yang masih ada bagi dosa-dosa setelah kesalahan seseorang dihapuskan melalui absolusi
(pernyataan oleh imam bahwa dosa seseorang telah dihapuskan). Saat itu terjadi
penyalahgunaan indulgensia oleh oknum-oknum Gereja, yaitu sebuah indulgensia dapat
dibeli seorang umat untuk dirinya sendiri ataupun untuk salah seorang sanak keluarga yang
sedang berada di api penyucian. Johann Tetzel, seorang imam Dominikan, ditugasi
berkeliling di seluruh wilayah keuskupan Uskup Agung Albert dari Mainz untuk
mempromosikan dan menjual indulgensia untuk merenovasi Basilika St. Petrus di Roma.
Tetzel sangat berhasil dalam hal ini. Ia menganjurkan: "Begitu mata uang bergemerincing di
dalam kotak, jiwa yang sedang menanti di api penyucian pun akan terlepas" [2].

Luther menganggap penjualan indulgensia ini sebagai penyelewengan yang dapat


menyesatkan umat sehingga mereka hanya mengandalkan indulgensia itu saja dan
mengabaikan pengakuan dosa dan pertobatan sejati. Luther menyampaikan tiga khotbah
menentang indulgensia ini pada 1516 dan 1517. Pada 31 Oktober 1517, menurut laporan
tradisional, 95 dalil Luther dipakukan pada pintu Gereja Kastil sebagai undangan terbuka
untuk memperdebatkannya[3]. Luther sebetulnya tidak menempatkan ke-95 dalil itu di pintu
Gereja Wittenberg yang sebagaimana dikatakan legenda, tetapi menerbitkan salinannya.

Dalil-dalilnya ini mengutuk keserakahan dan keduniawian di dalam Gereja Katolik dan
dianggap sebagai penyimpangan. Luther mengeluarkan bantahan teologis tentang apa yang
dapat dihasilkan oleh indulgensia itu. Luther tidak menantang wewenang paus untuk
mengeluarkan indulgensia dalam dalil-dalilnya itu. Ke-95 dalil Luther segera diterjemahkan
ke dalam bahasa Jerman, disalin dan dicetak secara luas. Dalam waktu dua minggu, dalil-
dalilnya telah menyebar ke seluruh Jerman, dan dalam waktu dua bulan ke seluruh Eropa. Ini
adalah salah satu peristiwa pertama dalam sejarah yang dipengaruhi secara mendalam oleh
mesin cetak, yang membuat distribusi dokumen lebih mudah dan meluas.

Jawaban Paus
Bila cetakan kayu ini dibalikkan, kita dapat melihat bagaimana pandangan lawan-lawan Luther
terhadapnya.

Setelah meremehkan Luther sebagai "seorang Jerman mabuk yang menulis dalil-dalil itu"
yang "bila ia kembali sadar, ia akan berubah pikiran," Paus Leo X memerintahkan Sylvester
Mazzolini, seorang profesor teologi Dominikan, yang juga dinamai Prierias (atau Prieras),
sesuai dengan nama tempat kelahirannya Priero, pada 1518, untuk menyelidiki masalahnya.
Prierias mengenali perlawanan Luther yang tersirat terhadap kewibawaan paus karena
berbeda pendapat dengan bula kepausan. Karena itu ia menyatakan Luther sebagai penyesat,
dan menulis bantahan ilmiah terhadap dalil-dalilnya. Bantahan ini menegaskan kewibawaan
paus terhadap Gereja dan menolak setiap penyimpangan daripadanya yang dianggap sebagai
ajaran sesat. Luther menjawab dalam cara yang sama, sehingga berkembanglah suatu
pertikaian.

Sementara itu, Luther ikut serta dalam sebuah pertemuan biarawan Augustinian di
Heidelberg. Di sana ia menyajikan tesisnya tentang perbudakan manusia di dalam dosa dan
tentang anugerah ilahi. Dalam pertikaian mengenai indulgensia, muncullah pertanyaan
tentang kekuasaan dan wewenang mutlak paus, karena doktrin tentang "Khazanah Gereja,"
"Khazanah Jasa," yang mendasari doktrin dan praktik indulgensia, didasarkan pada Bula
Unigenitus (1343) dari Paus Clemens VI. Karena perlawanannya terhadap doktrin itu, Luther
dicap sesat, dan paus, yang telah bertekad untuk menekan pandangan-pandangannya,
memanggilnya ke Roma.

Namun karena mengalah kepada Frederick sang Pemilih, yang diharapkan oleh Paus akan
menjadi Kaisar Romawi Suci berikutnya dan yang tidak rela berpisah dengan teolognya, Paus
tidak menekan masalahnya lebih jauh. Kardinal Kayetanus diutus Paus untuk menerima janji
ketaatan Luther di Augsburg - Jerman(Oktober 1518).

Luther, meskipun secara tersirat mengaku taat kepada Gereja, kini dengan berani menyangkal
kewibawaan Paus, dan naik banding pertama-tama "dari Paus yang kurang pengetahuan
kepada Paus yang mestinya lebih tahu" dan kemudian (28 November) kepada konsili umum.
Luther kini menyatakan bahwa lembaga kepausan bukanlah bagian dari hakikat Gereja yang
asli dan yang tidak dapat berubah.

Karena ingin tetap memelihara hubungan baik dengan Luther, Paus membuat upaya terakhir
untuk menyelesaikan konfliknya dengan Luther secara damai. Sebuah konferensi dengan
pejabat tinggi kepausan, Karl von Miltitz di Altenburg pada Januari 1519 membuat Luther
sepakat untuk berdiam diri selama lawan-lawannya pun demikian, menulis sebuah surat yang
rendah hati kepada Paus, dan menyusun sebuah risalat yang membuktikan rasa hormatnya
kepada Gereja Katolik. Surat itu ditulis, namun tidak pernah dikirim, karena tidak
mengandung pernyataan bahwa Luther menarik ajaran-ajarannya. Dalam risalat bahasa
Jerman yang ditulisnya belakangan, Luther, meskipun mengakui api penyucian, indulgensia,
dan pemanggilan kepada orang-orang kudus, menolak seluruh manfaat indulgensia terhadap
api penyucian.

Ketika Johann Eck menantang rekan Luther, Carlstadt, untuk berdebat di Leipzig, Luther
bergabung di situ (27 Juni–18 Juli 1519). Sementara debat berlangsung Luther menyangkal
hak ilahi jabatan dan wewenang kepausan, dan berpendapat bahwa "kuasa atas kunci-kunci
itu" telah diserahkan kepada Gereja (yaitu, jemaat yang setia). Ia menyangkal bahwa
keanggotaan dalam Gereja Katolik Barat di bawah Paus merupakan prasyarat bagi
keselamatan, dan berpegang pada keabsahan Gereja (Ortodoks) Yunani. Setelah perdebatan
itu, Johann Eck mengklaim bahwa ia telah memaksa Luther untuk mengakui bahwa
doktrinnya sama dengan doktrin Jan Hus yang telah dihukum mati dengan dibakar. Eck
menganggap bahwa hal ini membuktikan klaimnya sendiri bahwa Luther adalah "si Hus dari
Saxon" dan gembong penyesat.

Luther memberi judul (dalam bahasa Inggris) The Disputation of Doctor Martin Luther on
the Power and Efficacy of Indulgences, dan mengkritik dalamnya ajaran Gereja barat
mengenai asas menghapuskan dosa, kuasa Paus dan lain sebagainya.

Kajian mengenai Surat Paulus, terutamanya surat kepada jemaat di Roma memberikan kesan
kepada Luther akan asas sola fide (hanya karena iman). Hanya imanlah yang dapat
menyelamatkan manusia yang diberikan Tuhan berdasarkan anugerahnya (sola gratia)
kepada manusia seperti yang dijelaskan menurut Alkitab (sola scriptura). Luther sangat
menentang ajaran gereja pada saat itu yang dianggapnya menawarkan keselamatan dengan
murah dengan cara menjual surat-surat penghapusan dosa (indulgensia).

Pada mulanya Luther percaya bahwa dia akan dapat memperbarui Gereja Roma dari dalam
dengan dalil-dalilnya tetapi Paus menganggap pendapatnya sesat dan mengucilkannya
(ekskomunikasi dari Gereja Katolik dengan akta Exsurge Domine pada tanggal 15 Juni 1520.
Pada bulan Oktober Luther membakar ijazahnya di tempat umum dan menunjukkan
kesungguhannya bahwa dia tidak akan taat kepada Gereja kecuali mereka menurut kata-
katanya.

Kaisar Charles V meresmikan persidangan imperial Diet of Worms pada 22 Januari 1521. Ini
merupakan peluang terakhir Luther untuk mengakui bahwa apa yang diajarkannya adalah
salah. Namun Luther tetap mempertahankan ajarannya. Selepas persidangan Diet, Luther
dinyatakan sebagai orang buangan oleh Diet.

Dengan bantuan rekannya, Luther bermukim di balaikota Wartburg, berdekatan dengan


Erfurt. Dalam balaikota tersebut, dia menerjemahkan Alkitab Perjanjian Baru dari bahasa
Yunani ke bahasa Jerman. Kemudian dia juga menerjemahkan Perjanjian Lama ke dalam
bahasa Jerman.

Luther mengasaskan ajarannya sendiri dengan rekannya Philip Melanchton dan meninggal
pada tahun 1546.
Keluarga
Luther menikah dengan Katharina von Bora, seorang mantan biarawati, pada 13 Juni 1525.
Pasangan ini mendapatkan enam orang anak, tiga laki-laki dan tiga perempuan:

 Hans, lahir pada 7 Juni 1526, belajar hukum, menjadi pejabat hukum dan meninggal pada
1575.
 Elizabeth, lahir pada 10 Desember 1527 dan meninggal pada usia sangat muda pada 3
Agustus 1528.
 Magdalena, lahir 5 Mei 1529, meninggal di dalam pelukan ayahnya pada 20 September
1542. Kematiannya merupakan pukulan yang sangat hebat bagi Luther dan Katharina.
 Martin, Jr., lahir 9 November 1531, belajar teologi tetapi tidak pernah dipanggil menjadi
pendeta hingga ia meninggal pada 1565.
 Paul, lahir 28 Januari 1533, menjadi dokter. Ia mempunyai enam orang anak hingga ia
meninggal pada 1593. Garis keturunan laki-laki keluarga Luther berlanjut melalui dia kepada
John Ernest, yang berakhir pada 1759.
 Margaretha, lahir 17 Desember 1534, menikah dengan George von Kunheim, keturunan
keluarga bangsawan Prusia yang kaya, tetapi meninggal pada 1570 pada usia 36 tahun.
Keturunannya berlanjut hingga sekarang.

Penerjemahan Alkitab
Pada tahun 1522 Luther menerbitkan terjemahan Perjanjian Baru dalam bahasa Jerman, dan
pada 1534 ia dan rekan-rekannya menyelesaikan terjemahan Perjanjian Lama yang kemudian
secara keseluruhan Alkitab diterbitkan. Dia terus bekerja memperbaiki terjemahan sampai
akhir hidupnya.[4]

Terjemahan Luther menggunakan varian dari bahasa Jerman sehari-hari, yang dimengerti
baik di Jerman Utara maupun Selatan.[5] Tujuannya adalah supaya Alkitab dengan mudah
diakses di Jerman, "kita menghilangkan hambatan dan kesulitan sehingga orang lain dapat
membacanya tanpa hambatan."[6]

Alkitab terjemahan Luther menjadi Alkitab berbahasa Jerman pertama yang diterbitkan.
Dalam dua bulan sejak diterbitkan, Alkitab ini telah terjual hingga 5000 kopi.

Perjamuan Kudus
Salah satu hal yang dengan tegas ditolak oleh Luther dalam pekerjaan pembaharuannya pada
gereja Katolik adalah ajaran gereja tentang Perjamuan Malam yang mengatakan bahwa waktu
imam yang melayani Perjamuan Malam mengucapkan kata-kata penetapan "Inilah tubuhku...
Inilah darahku" , maka substansi roti dan anggur secara otomatis berubah menjadi tubuh dan
darah Kristus.[7] Peristiwa perubahan ini disebut transsubstansiasi.[7] Bagi Luther, yang
penting adalah Kristus benar-benar hadir dalam ekaristi.[8] Jadi, bukan ajaran
transsubstansiasi yang harus dipercaya, melainkan bahwa Kristus benar-benar hadir dalam
ekaristi.[8]