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Politik Zusammenfassung Abi

Thematischer Schwerpunkt 2: Einflussmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger im politischem


Willensbildungsprozess

a) Parteien, Verbände, Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen


 Demokratietheorien (J. J. Rousseau, E. Fraenkel) und das Demokratiemodell des
Grundgesetzes

Identitätstheorie Jean Jacques Rousseau


Sie geht von der Vorstellung einer Indentität von Regierenden und Regierten aus.
Rousseau (1712-1778) ging davon aus, dass nicht nur der Mehrheitswille, sondern der
allgemeine Wille sich im Gesetz niederschlagen sollte. Als Willensbekundung gelten
Volksabstimmungen.

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Der Grundgedanke des Gesellschaftsvertrages


 der Regierende und der Regierte sind sich im Willen einig. Es besteht also eine Identität des Wil-
lens von Regierenden und Regierten
 Herrschaft bildet sich nach einem Plebiszit ( Volksabstimmung )
 Es gibt ein imperatives Mandat, d.h. Abgeordnete sind an den Volksauftrag gebundene Delegierte.
Es könnte eine Fehlentscheidung des Volkes durch Unwissenheit oder üble Absicht zur Folge ha-
ben
 Die Abwehr von Teilinteressen unterdrückt jegliche Art von kleinen Randgruppen und ethnischen
Gruppen
 Gesetze werden erlassen zum Zweck die Freiheit zu etablieren und zu sichern, zugleich müssen
sich die Bürger dem Gesetz unterwerfen
 Rousseau wollte, dass die Bürger sich selbst Gesetze geben um sich an sie gebunden zu fühlen
(Volksentscheid)
 Er geht davon aus, dass es nur einen Willen gibt (ein Wille, ein Gesetz, Volksentscheid)
 Volk gibt sich selbst Gesetze
 Schaffung einer Freiheit im politischen Sinne

Gefahren des Gemeinwillens


 Tyrannei
 Keine Freiheit des Einzelnen
 Keine Opposition

Konkurrenztheorie
 nur Mehrheit kann Entscheidungen beschließen
 die Bevölkerung eines Flächenlandes kann nicht direkt regiert werden; man braucht Repräsentan-
ten (Herrschaft durch Vertreter)
 Im Konkurrenzmodell wird die Vielfalt der Meinungen beachtet; kein einheitlicher Volkswille
 Es bestehen unterschiedliche Interessensgruppen
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 die Mehrheit entscheidet


 die pluralistische Gesellschaft birgt viele Konflikte und Meinungen in sich

Identitätstheorie Konkurrenztheorie
Grundsätze • Identität von Regierenden und Re- • Identität von Regierenden und Re-
gierten gierten
• Volksabstimmung (Plebiszit) • Repräsentation (Herrschaft durch
• Imperatives Mandat (Abgeordnete Vertreter
als gebundene Delegierte) • Parlamentarismus
• Abwehr von Teilinteressen • Freies Mandat
• Homogener (einheitlicher) Volkswil- • Legitimer Pluralismus
le • Konkurrenz gegensätzlicher Teilinte-
• Objektives, einheitliches Gemein- ressen
wohl (a priori) • Gemeinwohl allenfalls Ergebnis von
Interessenausgleich (a posteriori)
Anwendung • autoritäre Staatslehre (Diktatur) • Pluralismustheorie, liberale Demo-
• radikale Demokratie kratie
• parlamentarisches Repräsentations-
system
• Sozialdemokratie
Kritik • totalitäre Demokratie • Hinnahme des gegenwärtigen Zu-
• widerrechtlicher Besitz der Macht standes
durch Parteienherrschaft • alles Denken, Handeln, vom Stand-
• zwanghafte Gemeinwohlorientie- punkt des praktischen Nutzens aus
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rung • Vorherrschaft von Privatinteressen


Gemeinsamkeit: die Mehrheit aller ist verbindlich für die anderen

Pluralismustheorie Ernst Fraenkel (gehört eigentlich auch zur Konkurrenztheorie)


 realitätsnahes Menschenbild auf Grundlage der jüdisch-christlichen Tradition
 zwar in der Lage das Gute zu erkennen, nicht jedoch es komplett zu verwirklichen
 Bestreben, eigenen Interessen bestmöglich zu dienen und eigene Bedürfnisse zu be-
friedigen
 Möglichkeit eigene Interessen zu vertreten und zu fördern
 neben kontroversem (Interessenvielfalt) Existenz eines nicht kontroversen Sektors
 Rechtsnormen und Grundprinzipien des Zusammenlebens
 Konsens-Sektor regelt friedliche Austragung von Konflikten zwischen Partikularinte-
ressen konkurrierender Gruppen
 kein vorgegebenes, sondern a-posteriori-Gemeinwohl
 „Resultante aus dem Parallelogramm der divergierenden (...) Kräfte“
 Ausgleich der unterschiedlichen Einzel- bzw. Gruppeninteressen
 wandelt sich ständig
 Organisation von Interessen
 Kollektive Interessenvertretung (Verbände, Parteien) als wirksamstes Mittel
 Partikularinteressen zu fördern
 Interessenorganisationen schützen vor Isolierung und Vereinsamung, mindern
 diese zumindest
 Möglichkeit neben Wahl von Repräsentanten auch direkt mitzubestimmen
Auswirkungen auf Fraenkels Arbeit waren die Erfahrungen der Weimarer Republik und ihres Unter-
ganges, des Nationalsozialismus des Dritten Reiches und amerikanische Demokratie, die er im Exil
kennerlernte, prägten Fraenkel.

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 Rechtlicher Rahmen und Definitionen (Parteien, Verbände, Bürgerinitiativen und Nichtre-


gierungsorganisationen) & Politische Einflussmöglichkeiten von Verbänden, Bürgerinitiati-
ven, Nichtregierungsorganisationen und deren Strategien (2. Abipunkte)
Parteien Verbände Bürgerinitiativen
• Gesamtkonzepte für • Teilinteressen • konkreten Missstand
Gesellschaft, durchsetzen, beseitigen,
Ziele/Aufgaben • behalten Gemeinwohl • „Konfrontation und • Einzelfallentscheidung
im Auge, Egoismus“ beeinflussen
• Interessenvertretung
• treffen politische Ent- • Einflussnahme auf • Diskussionsthema ma-
scheidungen, politische Entschei- chen,
Mittel(Macht u.
• Wahlteilnahme um dungen, • Unterschriften sammeln
Vorgehensweise)
Ämter zu besetzen • keine Wahlteilnah-
me
• Organisationen (mit • Organisationen • keine Organisationen,
Satzung, Programm, • loser Zusammenschluss
Struktur
Bürokratie, Hierarchie, von Gleichinteressierten
Mitgliedschaft)
• Mitgliedsbeiträge, • Mitgliedsbeiträge
Finanzierung
Spenden, Staatsmittel
• dem ganzen Volk ver- • sind den Mitglie- • sind sich ihrer Gruppe
Verantwortung
antwortlich dern verantwortlich verantwortlich
demokratischer • gesetzlich vorgeschrie- • gesetzlich nicht • keine Wahlen o.ä.,
Aufbau ben vorgeschrieben • nicht vorgeschrieben

Nichtregierungsorganisationen rechtlicher Rahmen:


 Art. 9 GG garantiert allen Deutschen Recht, Interessensverbände zu gründen,
 Verbände brauchen Macht zur Durchsetzung,
 Machtmittel: Mitgliederzahl, finanzielle Mittel, Unentbehrlichkeit für das Funktionieren des Sys-
tems, Sozialprestige,
 Ausübung des Einfluss: Kontakte zur Ministerialbürokratie, Spenden und Stimmenpakete für Par-
teien, öffentliche Unterstützung oder Ablehnung von Regierungsvorhaben, Beeinflussung der öf-
fentlichen Meinung durch Demos,
 Adressaten: auf allen politischen Ebenen, besonders Regierungen und Parlamente Organisierte
Vertretung von Interessen ist rechtmäßiger Bestandteil eines pluralistischen Systems,
 Probleme: Macht der Verbände nicht demokratisch legitimiert, gesellschaftlich bedeutende, aber
schlecht organisierte Interessen bleiben auf der Strecke, politische Entscheidungen werden durch
Blockademacht verhindert, obwohl im Interesse aller

Definition Partei:
 Vereinigung von Bürgern,
 Einfluss auf politische Willensbildung,
 Vertretung des dt. Volkes in Parlamenten auf Landes- oder Bundesebene,
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 Dauerhaft und ernsthaft (Mitgliederzahl, Organisation).

 Aufgabe und Funktionen der Parteien im politischen System der Bundesrepublik Deutsch-
land (Parteiengesetz)
Verfassungsrechtliche Stellung und Aufgaben der Parteien laut Grundgesetz Artikel 21:
 Demokratische innere Ordnung,
 Gründung frei,
 Öffentliche Rechenschaft über Finanzen,
 Mitwirkung an der politischen Willensbildung,
 Falls undemokratisch: Verbot durch BVG

Verfassungsrechtliche Stellung und Aufgaben der Parteien laut Parteiengesetz §1:


 Teilnahme an Wahlen und Konkurrenz um politische Ämter,
 Mitwirkung an der politischen Willensbildung des Volkes
 Rekrutierung bzw. politische Sozialisierung von Führungspersonal,
 Repräsentation der gesellschaftlichen Interessen im politischen System,
 Orientiert am Gemeinwohl,
 Ziele und Inhalte von Politik erarbeiten (Programm, öffentliche Meinung beeinflussen, politische
Bildung).

 Innerparteiliche Willensbildung

 Parteien und gesellschaftlicher Wandel

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Früher war die SPD eine Klassen- bzw. Arbeiterpartei. Dann wurde sie zu einer Massenpartei. Heutzu-
tage SPD keine Massenpartei mehr, sondern Klassenpartei?!
CDU war früher eine Klassen- bzw. Unternehmerpartei. Heutzutage ist sie eine Massenpartei.

 Rolle und Funktion der Medien im politischen Prozess


„Mediendemokratie“
Man spricht von einer Amerikanisierung der Wahlkämpfe, d.h.:
- Personalisierung,
- Einsatz der Massenmedien,
- Professionalisierung.

Personalisierung: Die Wahlkämpfe werden zunehmend auf den Spitzenkandidaten einer Par-
tei ausgerichtet. Dieser verkörpert die Politik und die Ziele seiner Partei.
Einsatz der Massenmedien(„Mediatisierung“): Politik wird zunehmend im Fernsehen erlebt
und verfolgt.

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Professionalisierung: Parteien ziehen professionelle Experten hinzu. Dies sind Demoskopen,


Sozialwissenschaftler, oder Fachleute aus Werbung, Management, Journalismus. Diese wer-
den in Amerika „Spin Doctors“ genannt.
Vier Gewalten des Staates
1. Exekutive,
2. Legislative,
3. Judikative
4. Medien als vierte, neue Gewalt (Mediendemokratie)

Erscheinungsformen:
 Themen: Medien bestimmen Themen und Ausdehnung  bestimmen politische Geschehen
mit Kritik und Kontrolle: decken Missstände auf, zwingen Politik zu Korrekturen im Interesse
der Bürger,
 Instrumentalisierung: Medien werden zur Verbreitung von politischen Botschaften genutzt,
im Extremfall wird Volk von Politik durch Medien manipuliert (3. Reich),
 Zensur: Mediendemokratie nur, wenn Meinungs- und Pressefreiheit,
 Massenkommunikation: Massenmedien(Fernsehen) sorgen für Informationen und Mei-
nungsbildung; direkte Informationsquellen wie Parteien, Gewerkschaften, Kirche oder
Stammtische werden seltener genutzt,
 Inszenierung: Politiker: redegewandte Schauspieler; für Bürger ist Politik „dargestellte Poli-
tik“; Politik wird personalisiert und emotionalisiert (zuungunsten der Sachfragen).

Medien als „vierte Gewalt“ im Staat


 Medien wegen Meinungsfreiheit (GG Art. 5) besondere Bedeutung (Meinungsfreiheit: tra-
gende Säule der Demokratie; BVG)
 Medien haben großen Einfluss auf die politische Willensbildung
 Themen werden erst in den Medien, dann im Parlament debattiert,
 Medien dienen der Opposition als Forum der Kritik, deshalb sind Medien auch für
Regierungsparteien wichtig,
 Medien üben Meinungsbildung-, Kontroll- und Kritikfunktion aus (weisen auf Miss-
stände hin, zwingen Politiker zur Übernahme von Verantwortung).
 Problem: Wer kontrolliert die Medien? Wie können Persönlichkeitsrechte geschützt werden,
ohne, dass die Pressefreiheit eingeschränkt wird?
 Richard von Weizsäcker: Medien leisten durch Kritik- und Kontrollfunktion wichtigen
Beitrag zur Reform und Verbesserung des politischen Systems, müssen aber auch
Persönlichkeitsrechte wahren

Werden die Massenmedien ihrer Aufgabe als „vierte Gewalt“ im Staat gerecht?
Ja:
 Es gibt immer schwarze Schafe und gute und weniger gute Journalisten
 Die meisten tun wichtige und verantwortungsvolle Arbeit
 Lassen Volk an Vorgängen teilhaben, die sonst verborgen bleiben
 Es gibt immer schwarze Schafe und gute und weniger gute Journalisten
 Journalist sucht nach Missständen
 Zweifelt an Sachverhalten
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 Deckt Skandale auf


 Verschafft der Demokratie die notwendige Offenheit
 Findet Umweltsünden
 Klagt Menschenrechtsverletzungen in aller Welt an
Nein:
 Journalisten interessieren sich wenig für ihre politische Aufgabe
 Orientieren sich am persönlichen Erfolg und Vorteil, nicht am Schutz der Demokratie
 Benutzen Macht um Sensationsgier des Lesers zu befriedigen
 Wollen möglichst hohe Quote, Auflage
 Benutzen jedes Mittel (verzweifelte Menschen, Spott der Öffentlichkeit)
 Dramatisierung
 Emotionalisierung
 Nur negativ
 Massenmedien sind schuld, dass Menschen mit Zuständen in Politik und Gesellschaft unzu-
frieden sind

b) Wahlen und direktdemokratische Formen der Beteiligung


 Funktionen von Wahlen in der parlamentarischen Demokratie
Partizipationsfunktion: Wähler sind an Auswahl der Volksvertreter beteiligt
Legitimationsfunktion: politische Herrschaft wird den Volksvertretern für begrenzte Zeit
übertragen
Kontrollfunktion: Wähler können Regierungen bestätigen oder abwählen Wahlen sind in der
BRD nach Wahlgrundsätzen:
- allgemein(alle dürfen wählen),
- unmittelbar(Kandidat wird direkt gewählt, nicht von Wahlmännern),
- frei,
- gleich (gleiche Anzahl von Stimmen, jede Stimme zählt gleich viel),
- geheim.

 Das Wahlsystem für die Wahlen zum Deutschen Bundestag


In der Basis des Wahlsystems steht das Grundgesetz mit dem Artikel 1 (Menschenwürde, Grund-
rechtsbindung der staatlichen Gewalt und dem Artikel 20 (Staatsstrukturprinzipien).
Das Wahlsystem für die Wahlen des Deutschen Bundestages ist die personalisierte Verhältniswahl
(jeder Wähler hat 2 Stimmen, schließt Nachteile von Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht aus).
• Bedeutung von Erst- und Zweitstimme:
• Wahlkreiskandidat wird mit Erststimme gewählt (je Wahlkreis 1); Sieger ist der mit
einfacher Mehrheit  Direktmandat
• Landesliste wird mit Zweitstimme gewählt; jede Liste hat festgelegte Kandidaten;
Zahl der Zweitstimmen legt fest, wie viele Mandate an die Partei zu vergeben ist
• 5%-Hürde: Parlamentssitze erhalten nur Parteien mit mehr als 5% der Zweitstimmen oder
drei Direktmandaten; Regelung verhindert Zersplitterung des Parlamentes
• Überhangmandat: Soll-Zahl der Parlamentsmandate wird überschritten, wenn eine Partei
mehr Mandate erringt, als ihr nach Anzahl der Zweitstimme zustehen; die Mehrzahl heißt
dann Überhangmandat
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• Hare-Niemeyer-Verfahren
• Stimmensplitting: Erststimme für den Kandidaten einer Partei (große Partei), Zweitstimme
für Landesliste einer anderen Partei (kleine), mit Ziel, dass kleine Partei nicht an 5%-Hürde
scheitert und ins Parlament kommt

 Wahlbeteiligung und strukturelle Veränderungen des Wählerverhaltens


Symptom: mehr Wechselwähler, Mitgliedschaft in einer Partei seltener
 machtversessen:
• Parteipolitisch dominierte staatliche Entscheidungsprozesse,
• Rekrutierung des politischen Personals und Vergabe von Staatsämtern parteipolitisch
monopolisiert,
• Öffentlichkeit parteipolitisch übermäßig durchsetzt, Machtanspruch auf weite Teile der
Gesellschaft ausgedehnt (Medien).
 machtvergessen:
• Parteien als bloßes Karrierevehikel (Problemlösung leidet unter persönlichen. Geltungs-
drang),
• Parteien als Kompensationsplattform,
• Zukunftsrelevante, politische Sachfragen von langfristiger Bedeutung werden kurzatmig
mit Blick auf die nächsten Wahlen diskutiert (getan wird, was Stimmen bringt – sachlich
beste Lösung bleibt u.U. auf der Strecke),
• Parteien versäumen, Jugend an sich zu binden, sie gehen nicht flexibel auf zukünftige
Generationen ein und halten an alten Strukturen fest.
 Folgen:
 Parteienverdrossenheit/Politikverdrossenheit,
 Beeinträchtigung von Legitimation und somit Stabilität des demokratischen Systems.
 Hintergrund:
• Wenn Parteien zu viel Macht haben, leidet das Allgemeinwohl (Kritik des Konservatismus
an der parlamentarischen Demokratie).
 Gegenkritik:
 Anspruchshaltung der Wähler,
 Wahlhäufigkeit,
 Einfluss der Parteien ist auch als gelungene, umfassende Transmission gesellschaftlicher Kräfte
auf den Staatsapparat interpretierbar,
 „Demoskopiehörigkeit“ der Parteien (auch als Interesse der Parteien am Volkswillen interpretier-
bar),
 Anstatt gegen den pluralistischen, parteilichen Konkurrenzkampf zu wettern, solle Weizsäcker
lieber konstruktive Kritik üben und darstellen, wie Machtkampf und langfristige Gemeinwohlori-
entierung vereinbar sein können.

Oligarchie

 Entwicklung direktdemokratischer Beteiligungsmöglichkeiten an ausgewählten Beispielen


1) Mehrheitswahlrecht

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Definition: beinhaltet die Wahl von Wahlkandidaten und nicht die von Parteien. Die Kandidaten
werden von den Parteien demokratische aufgestellt. Das Wahlgebiet ist in so viele Wahlkreise aufge-
teilt wie es Sitze im Parlament gibt. Jeder Wahlkreis ist mit einem Abgeordneten im Parlament ver-
treten.
Relatives Mehrheitswahlrecht: einfache Mehrheit der Stimmen  Sitz
Absolutes Mehrheitswahlrecht: 50% + 1 Stimme mindestens
Vorteile:
 Enger Kontakt zwischen Wahlkreis und Angeordneten
 Gewählter Abgeordneter fühlt sich weniger der Partei als seinen Wählern verantwortlich
 Wahlkreissieger sind meist aus großen Parteien  Zweiparteienparlament  leichtere Re-
gierungsbildung

Nachteile:
• Viele Stimmen können verloren gehen
• Zusammensetzung des Parlamentes drückt den Wählerwillen nur unzureichend aus
• Kleinere Parteien chancenlos  politische Meinungsvielfalt gefährdet
• Bei Ausscheiden aus Parlament muss im Wahlkreis Nachfolger gewählt werden

2) Verhältniswahlrecht
Definition: = Listenwahl; Wahl einer Partei; Kandidatenlisten, die festgelegt sind(von Partei) und vom
Wähler nicht verändert werden können; es muss nicht gleichviel Sitze wie Wahlkreise geben; der
Wähler wählt durch ankreuzen der Liste; Aufteilung der Sitze prozentual nach Stimmenzahl
Vorteile:
• Kein Stimmenverlust, jede Stimme wird gewertet
• Zusammensetzung des Parlamentes entspricht dem Wählerwillen
• Bei Ausscheiden rückt der nächste Listenkandidat nach

Nachteile:
• Wahlkandidaten sind unbekannt
• Abgeordneter eher für Partei wie für Wähler verantwortlich
• Viele kleine Parteien im Parlament  schwere Koalitionsbildung
• Regierungsarbeit wird langatmig
Anwendung fand dies beispielsweise im Kaiserreich zur konstitutionellen Monarchie oder Weimarer
Republik.

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