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abstrakte Arbeit 55 56 57 58 abstrakte Arbeit

Seite der konkreten Arbeit, und die im Austausch Arbeiten kann nur in einer Abstraktion von ihrer
stattfindende Abstraktion von den tatsächlich vor­ wirklichen Ungleichheit bestehn, in der Reduktion
handenen unterschiedlichen Qualitäten der Produkte auf den gemeinsamen Charakter, den sie als Veraus­
der verschiedenen konkreten Arbeiten. gabung menschlicher Arbeitskraft, abstrakt mensch­
In der Erstausgabe von K I stellt Marx dann zwar liche Arbeit, besitzen.« (Ebd., 104; 87f)
heraus, daß der Doppelcharakter der Arbeit der Ist der erste Charakter (Befriedigung gesellschaft­
»Springpunkt« sei, »um den sich das Verständniß der licher Bedürfnisse) jeder arbeitsteiligen Produktion
politischen Oekonomie dreht« (MEGA 11.5, 22; MEW gemeinsam, so ist der zweite (gleiche Geltung als ab­
23, 56). Aber erst in der 2. Auflage wird aA von einfa­ strakt menschliche Arbeit) ein Spezifikum der Waren­
cher Arbeit streng unterschieden. Erst jetzt verwen­ produktion, und insofern liegt in ihm der spezifisch
det Marx den Begriff aA bereits zu Beginn des ersten gesellschaftliche Charakter warenproduzierender Ar­
Kapitels. So heißt es z. B. nicht mehr, ein Gebrauchs­ beit. In ihm ist ausgedrückt, daß in der bürgerlichen
wert hat Wert, »weil Arbeit in ihm vergegenständlicht« Gesellschaft individuell verausgabte Arbeit nicht un­
(MEGA 11.5, 20), sondern »weil abstrakt menschliche mittelbar gesellschaftlich ist, sondern diesen Charak­
abstrakte Arbeit Arbeit in ihm vergegenständlicht« ist (MEGA 11.6, 72; ter erst über den Tausch erhält: »Die Arbeit, die sich
MEW 23, 53). im Tauschwerth darstellt, ist vorausgesetzt als Arbeit
A: caml insani mudjarrad. - E: abstract labour.
des vereinzelten Einzelnen. Gesellschaftlich wird sie
F: travail abstrait. - R: abstraktnyj trud.
Kritischer Gehalt des Begriffs. - An der klassischen poli­ dadurch, daß sie die Form ihres unmittelbaren Ge­
S: trabajo abstracto.
tischen Ökonomie kritisiert MARX, daß sie »nirgend­ gentheils, die Form der abstrakten Allgemeinheit an­
C: chouxiang laodong 1!iJ � 3J i0
wo ausdrücklich und mit klarem Bewußtsein Arbeit, nimmt.« (Zur Kritik, MEGA H.2, 1 13; MEW 13, 21)
MARX benutzt den Begriff beiläufig in den Ms 44 die sich in Werth, von derselben Arbeit, soweit sie sich Indem die klassische wie auch die neoklassische
(MEW 40, 477; MEGA 1.2, 208) zur Charakterisierung im Gebrauchswerth ihres Produkts darstellt« , unter­ Ökonomie über kein der aA analoges Konzept ver­
entfremdeter, vereinseitigter Arbeit, womit er an schieden hat. »Sie macht natürlich den Unterschied fügen, damit auch den spezifisch gesellschaftlichen
HEGELS Verwendung von aA im Zusammenhang mit thatsächlich, da sie die Arbeit das einemal quantitativ, Charakter der Arbeit nicht erfassen können, bleibt
der Teilung der Arbeit anknüpft (RPh, § 198; Enz, das andremal qualitativ betrachtet. Aber es fällt ihr ihre Betrachtung des ökonomischen Zusammenhangs
§ § 525f). In einer neuen Bedeutung wird aA in Zur nicht ein, daß bloß quantitativer Unterschied der Ar­ auf die Perspektive des 'vereinzelten Einzelnen' redu­
Kritik zu einem zentralen Begriff. MARX unterschei­ beiten ihre qualitative Einheit oder Gleichheit voraus­ ziert: die Rationalität individueller Kalküle soll er­
det hier erstmals die Gebrauchswert hervorbringende setzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche A r­ klären, was doch das Resultat von Strukturen ist, die
von der Tauschwert schaffenden Arbeit. Weil letztere beit.« (MEGA 11.5, 48, Fn). Der kritische Gehalt des dem individuellen Handeln vorausgesetzt sind.
»gleichgÜltig gegen den besondern Stoff der Ge­ Begriffs aA erschöpft sich aber nicht darin, daß Marx
brauchswerthe« , ist sie auch » gleichgültig gegen die die Arbeitswerttheorie der Klassik lediglich präzi­ Historizität der aA . - AA, die man bei Abstraktion
besondere Form der Arbeit« und wird von Marx des­ siert, indem er eine dort nicht getroffene Unterschei­ von jeder produktiven Bestimmtheit der Arbeit er­
halb als »abstrakt allgemeine Arbeit« bezeichnet dung nachholt. Diese Unterscheidung ist auch für hält, bezeichnet MARX auch als >,verausgabung von
(MEGA 11.2, 109; MEW 13, 17). Dabei wird aA noch zentrale Bereiche der folgenden Darstellung (wie etwa menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand u.s.w.« (KI,
weitgehend mit <einfacher' Arbeit identifiziert: »Diese der Wertformanalyse) von wesentlicher Bedeutung. MEGA 11.5, 24; MEW 23, 58), und in der 2. Auflage
Abstraktion der allgemein menschlichen Arbeit existirt Mit aA faßt Marx nämlich den spezifisch gesellschaft­ von K I ist von abstrakt menschlicher Arbeit als Ver­
in der Durchschnittsarbeit, die jedes Durchschnitts­ lichen Charakter warenproduzierender Arbeit, der in ausgabung menschlicher Arbeitskraft »im physiolo­
Individuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten der Klassik verfehlt wird. Adam SMITH begründete gischen Sinn« (MEGA H.6, 79; 61) die Rede. Solche
kann. [. . . ] Es ist einfache Arbeit, wozu jedes Durch­ Arbeit als Maß des Tauschwerts mit der Existenz eines Formulierungen legen nahe, daß es sich bei aA um all­
schnitts-Individuum abgerichtet werden kann. [ . . . ] 'realen Preises'; »Der reale Preis jedes Dings, das, was gemeine, jeder Arbeitsverausgabung zukommende
Die einfache Arbeit bildet die bei weitem größte es einen Menschen kostet, der es zu erwerben wünscht, physiologische Eigenschaften handelt. An anderen
Masse aller Arbeit der bürgerlichen Gesellschaft, wie ist die Mühe und Beschwerlichkeit des Erwerbs« Stellen macht Marx aber deutlich, daß aA nicht den
man sich aus jeder Statistik überzeugen kann« (ebd., (Reichtum, 409). Arbeit erscheint hier als individuel­ Inbegriff natürlicher Eigenschaften, sondern eine ge­
1 10f; 18). ler, ungesellschaftlicher Prozeß zwischen Mensch sellschaftlich erzwungene Zuschreibung meint. In Zur
MARX knüpft damit an die Argumentation aus dem und Natur, der aufgrund seiner Mühseligkeit den Kritik spricht er von der »objektiven Gleichung, die
Elend an, daß einfache Arbeit Wertmaß ist, welches Wertcharakter der Waren konstituiert. Demgegenüber der Gesellschaftsproceß gewaltsam zwischen den un­
von der modernen Industrie hervorgebracht wurde stellt MARX den »Doppelcharakter der in den Waaren gleichen Arbeiten vollzieht« (MEGA 11.2, 136f; MEW
(vgl. MEW 4; 85). Allerdings hat Marx dort noch nicht dargestellten Arbeit« heraus (K I, MEGA II.6, 75; MEW 13, 45). Und bei der Überarbeitung der 1. Auflage von
zwischen abstrakter und konkreter Arbeit unterschie­ 23, 56) Sie müssen sowohl ein bestimmtes gesellschaft­ K I notiert er; »Die Reduction der verschiednen kon­
den. Mit der Identifizierung von aA und einfacher liches Bedürfnis befriedigen wie die Bedürfnisse ihrer kreten Privatarbeiten auf dieses Abstractum gleicher
Arbeit werden jetzt zwei ganz verschiedene Prozesse Produzenten. Letzteres können sie aber nur, »sofern menschlicher Arbeit vollzieht sich nur durch den
gleichgesetzt: die Tatsache, daß im Zuge der Mechani­ jede besondre nützliche Privatarbeit mit jeder andren Austausch, welcher Producte verschiedner Arbeiten
sierung bislang notwendige qualifizierte Arbeit über­ nützlichen Art Privatarbeit austauschbar ist, also thatsächlich einander gleichsetzt.« (MEGA II.6, 41)
flüssig wird, also eine historische Veränderung auf der ihr gleichgilt. Die Gleichheit toto coelo verschiedner Abstraktheit der Arbeit meint nicht die allgemeinsten

HKWM 1, 1994 © InkriT – www.inkrit.de


abstrakte Arbeit 55 56 57 58 abstrakte Arbeit

daß das Abstrakte für MARX etwas ist, das im Kapita­ Berlin/DDR 1973; D. WlTTiCH u.a., Marxistisch-leninistische Seite der konkreten Arbeit, und die im Austausch Arbeiten kann nur in einer Abstraktion von ihrer
lismus spezifische Wirksamkeit erhält. Es ist unzu­ Erkenntnistheorie, Berlin/DDR 1978;]. ZELENY, Die Wissen­ stattfindende Abstraktion von den tatsächlich vor­ wirklichen Ungleichheit bestehn, in der Reduktion
lässig, die Methode des Kapital z.B. auf vorkapitalisti­ schaftslogik bei Marx und »Das Kapital«, Frankfurt/M-Wien handenen unterschiedlichen Qualitäten der Produkte auf den gemeinsamen Charakter, den sie als Veraus­
sche oder künftige sozialistische Gesellschaftsformen 1973. der verschiedenen konkreten Arbeiten. gabung menschlicher Arbeitskraft, abstrakt mensch­
anzuwenden, denen wegen des unmittelbar gesell­ VEIKKO PIETILÄ In der Erstausgabe von K I stellt Marx dann zwar liche Arbeit, besitzen.« (Ebd., 104; 87f)
schaftlichen Charakters der Arbeit die dem Kapitalis­ Q abstrakte Arbeit, abstrakte Tätigkeit, allgemeine Arbeit, heraus, daß der Doppelcharakter der Arbeit der Ist der erste Charakter (Befriedigung gesellschaft­
mus spezifische Sphäre des Abstrakten fehlt. Analyse/Synthese, Anfang, Aufbaupläne, Doppelcharakter »Springpunkt« sei, »um den sich das Verständniß der licher Bedürfnisse) jeder arbeitsteiligen Produktion
Bisher ist kaum versucht worden, das Begriffspaar der Arbeit, Empirie/Theorie, Epistemologie, Forschung/ politischen Oekonomie dreht« (MEGA 11.5, 22; MEW gemeinsam, so ist der zweite (gleiche Geltung als ab­
in einem eigenständigen Forschungsprojekt fruchtbar Darstellung, logisch-historische Methode, Methode, Ober­ 23, 56). Aber erst in der 2. Auflage wird aA von einfa­ strakt menschliche Arbeit) ein Spezifikum der Waren­
zu machen. Zu den wenigen, nicht sehr überzeugen­ fläche/Tiefe, Realabstraktion/Formalabstraktion, Totalität, cher Arbeit streng unterschieden. Erst jetzt verwen­ produktion, und insofern liegt in ihm der spezifisch
den Beispielen gehört der Versuch von SOHN-RETHEL Wesen/Erscheinung det Marx den Begriff aA bereits zu Beginn des ersten gesellschaftliche Charakter warenproduzierender Ar­
(1972), aus der Tauschabstraktion als einer gesell­ Kapitels. So heißt es z. B. nicht mehr, ein Gebrauchs­ beit. In ihm ist ausgedrückt, daß in der bürgerlichen
schaftlichen Realabstraktion die Herausbildung des wert hat Wert, »weil Arbeit in ihm vergegenständlicht« Gesellschaft individuell verausgabte Arbeit nicht un­
abstrakten Denkens zu erklären. (MEGA 11.5, 20), sondern »weil abstrakt menschliche mittelbar gesellschaftlich ist, sondern diesen Charak­
abstrakte Arbeit Arbeit in ihm vergegenständlicht« ist (MEGA 11.6, 72; ter erst über den Tausch erhält: »Die Arbeit, die sich
BIBLIOGRAPHIE; L.ALTHusSER, ,;vorwort für die Leservon MEW 23, 53). im Tauschwerth darstellt, ist vorausgesetzt als Arbeit
A: caml insani mudjarrad. - E: abstract labour.
Buch I des 'Kapitals'«, in ders., Marxismus und Ideologie, des vereinzelten Einzelnen. Gesellschaftlich wird sie
F: travail abstrait. - R: abstraktnyj trud.
West-Berlin 1973, 75-110 (»Avertissement aux lecteurs du Kritischer Gehalt des Begriffs. - An der klassischen poli­ dadurch, daß sie die Form ihres unmittelbaren Ge­
S: trabajo abstracto.
livre I du Capital«, Vorwort zur französischen Taschenbuch­ tischen Ökonomie kritisiert MARX, daß sie »nirgend­ gentheils, die Form der abstrakten Allgemeinheit an­
ausgabe von KI, Paris 1969); ders. u. E. BALlBAR, Das Kapital C: chouxiang laodong 1!iJ 3J i0
wo ausdrücklich und mit klarem Bewußtsein Arbeit, nimmt.« (Zur Kritik, MEGA H.2, 1 13; MEW 13, 21)
lesen, Reinbek 1972; P. AuBENQuE, »Abstrakt/Konkret«, in MARX benutzt den Begriff beiläufig in den Ms 44 die sich in Werth, von derselben Arbeit, soweit sie sich Indem die klassische wie auch die neoklassische
HWPh; AUToRENKOLLEKTIV, Kategorien der marxistischen (MEW 40, 477; MEGA 1.2, 208) zur Charakterisierung im Gebrauchswerth ihres Produkts darstellt« , unter­ Ökonomie über kein der aA analoges Konzept ver­
Dialektik, Berlin/DDR 1960; AUTORENKOLLEKTIV, Geschichte
entfremdeter, vereinseitigter Arbeit, womit er an schieden hat. »Sie macht natürlich den Unterschied fügen, damit auch den spezifisch gesellschaftlichen
der materialistischen Dialektik, Berlin/DDR 1974; G. BEN­
SUSSAN, »Abstrakt/Konkret«, in: KWM 1, 30ff; H. B RINK­ HEGELS Verwendung von aA im Zusammenhang mit thatsächlich, da sie die Arbeit das einemal quantitativ, Charakter der Arbeit nicht erfassen können, bleibt
MANN, Die ll7t!re: Zu Fragen der Logik undMethode im »Kapi­ der Teilung der Arbeit anknüpft (RPh, § 198; Enz, das andremal qualitativ betrachtet. Aber es fällt ihr ihre Betrachtung des ökonomischen Zusammenhangs
tal«, Gießen 1975; B.EcHEvERRIA, »Critique of Marx' 1857 § § 525f). In einer neuen Bedeutung wird aA in Zur nicht ein, daß bloß quantitativer Unterschied der Ar­ auf die Perspektive des 'vereinzelten Einzelnen' redu­
Introduction«, in Economy and Society, 7. Jg., Nr. 4, 1978; Kritik zu einem zentralen Begriff. MARX unterschei­ beiten ihre qualitative Einheit oder Gleichheit voraus­ ziert: die Rationalität individueller Kalküle soll er­
R.0. GROPP, Grundlagen des dialektischen Materialismus, det hier erstmals die Gebrauchswert hervorbringende setzt, also ihre Reduktion auf abstrakt menschliche A r­ klären, was doch das Resultat von Strukturen ist, die
Berlin/DDR 1971; E. HAHN, HistorischerMaterialismus und von der Tauschwert schaffenden Arbeit. Weil letztere beit.« (MEGA 11.5, 48, Fn). Der kritische Gehalt des dem individuellen Handeln vorausgesetzt sind.
marxistische Soziologie, Berlin/DDR 1968; WF. HAU G ,· VOr­ »gleichgÜltig gegen den besondern Stoff der Ge­ Begriffs aA erschöpft sich aber nicht darin, daß Marx
lesungen zur Einführung ins »Kapital«, Köln 1976 (5. Aufl., brauchswerthe« , ist sie auch » gleichgültig gegen die die Arbeitswerttheorie der Klassik lediglich präzi­ Historizität der aA . - AA, die man bei Abstraktion
Berlin/W 1987); E.w. IL}ENKOW, Die Dialektik desAbstrakten
besondere Form der Arbeit« und wird von Marx des­ siert, indem er eine dort nicht getroffene Unterschei­ von jeder produktiven Bestimmtheit der Arbeit er­
und Konkreten im »Kapital« von Marx, Berlin/W 1979;
G.KLAus, »Abstraktes und Konkretes« , in: PhWb; PY.Kop­ halb als »abstrakt allgemeine Arbeit« bezeichnet dung nachholt. Diese Unterscheidung ist auch für hält, bezeichnet MARX auch als >,verausgabung von
NIN, Dialektik - Logik - Erkenntnistheorie, Berlin/DDR (MEGA 11.2, 109; MEW 13, 17). Dabei wird aA noch zentrale Bereiche der folgenden Darstellung (wie etwa menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand u.s.w.« (KI,
1970; K.KosIK, Die Dialektik des Konkreten, Frankfurt/M weitgehend mit <einfacher' Arbeit identifiziert: »Diese der Wertformanalyse) von wesentlicher Bedeutung. MEGA 11.5, 24; MEW 23, 58), und in der 2. Auflage
1971;]. MEPHAM , D.-H. RUBEN (Hg.), Issues in Marxist Philo­ Abstraktion der allgemein menschlichen Arbeit existirt Mit aA faßt Marx nämlich den spezifisch gesellschaft­ von K I ist von abstrakt menschlicher Arbeit als Ver­
sophy, Bd. 1, Atlantic Highlands 1979; O.MORF, Geschichte in der Durchschnittsarbeit, die jedes Durchschnitts­ lichen Charakter warenproduzierender Arbeit, der in ausgabung menschlicher Arbeitskraft »im physiolo­
und Dialektik in der politischen Ökonomie, Frankfurt/M­ Individuum einer gegebenen Gesellschaft verrichten der Klassik verfehlt wird. Adam SMITH begründete gischen Sinn« (MEGA H.6, 79; 61) die Rede. Solche
Wien 1970; LNARSKI, Dialektischer Widerspruch und Er­ kann. [. . . ] Es ist einfache Arbeit, wozu jedes Durch­ Arbeit als Maß des Tauschwerts mit der Existenz eines Formulierungen legen nahe, daß es sich bei aA um all­
kenntnislogik, Berlin/DDR 1973; A. NEGRI, Marx oltreMarx, schnitts-Individuum abgerichtet werden kann. [ . . . ] 'realen Preises'; »Der reale Preis jedes Dings, das, was gemeine, jeder Arbeitsverausgabung zukommende
Mailand 1979; P. NOWAK, The Structure ofIdealization, Dord­
recht, Boston 1980; S.M.ORUDSHEW, Dialektik als System, Die einfache Arbeit bildet die bei weitem größte es einen Menschen kostet, der es zu erwerben wünscht, physiologische Eigenschaften handelt. An anderen
Berlin/DDR 1979;]. PRÖHL, »Das Aufsteigen vom Abstrak­ Masse aller Arbeit der bürgerlichen Gesellschaft, wie ist die Mühe und Beschwerlichkeit des Erwerbs« Stellen macht Marx aber deutlich, daß aA nicht den
ten zum Konkreten« , in: DZPh, 22. Jg. 1974, Nr. 4, 429ff; man sich aus jeder Statistik überzeugen kann« (ebd., (Reichtum, 409). Arbeit erscheint hier als individuel­ Inbegriff natürlicher Eigenschaften, sondern eine ge­
M.M. ROSENTAL, Die marxistische dialektische Methode, Ber­ 1 10f; 18). ler, ungesellschaftlicher Prozeß zwischen Mensch sellschaftlich erzwungene Zuschreibung meint. In Zur
lin/DDR 1953; ders., Die dialektische Methode derpolitischen MARX knüpft damit an die Argumentation aus dem und Natur, der aufgrund seiner Mühseligkeit den Kritik spricht er von der »objektiven Gleichung, die
Ökonomie von Karl Marx, Berlin/W 1973; H.-]. SANDKÜH­ Elend an, daß einfache Arbeit Wertmaß ist, welches Wertcharakter der Waren konstituiert. Demgegenüber der Gesellschaftsproceß gewaltsam zwischen den un­
LER, Praxis und Geshichtsbewußtsein, Frankfurt/M 1973; von der modernen Industrie hervorgebracht wurde stellt MARX den »Doppelcharakter der in den Waaren gleichen Arbeiten vollzieht« (MEGA 11.2, 136f; MEW
D.SAYER, Marx' Method, Hassocks 1979; A. SCHMlDT, Ge­ (vgl. MEW 4; 85). Allerdings hat Marx dort noch nicht dargestellten Arbeit« heraus (K I, MEGA II.6, 75; MEW 13, 45). Und bei der Überarbeitung der 1. Auflage von
schichte und Struktur, München-Wien 1971; W SCHWARZ, zwischen abstrakter und konkreter Arbeit unterschie­ 23, 56) Sie müssen sowohl ein bestimmtes gesellschaft­ K I notiert er; »Die Reduction der verschiednen kon­
Vom »Rohentwurf< zum »Kapital«, Berlin/W 1978; W. SE­
den. Mit der Identifizierung von aA und einfacher liches Bedürfnis befriedigen wie die Bedürfnisse ihrer kreten Privatarbeiten auf dieses Abstractum gleicher
GETB, Materialistische Dialektik als Methode, Berlin/DDR
1977; A.SoHN-RETHEL, Geistige und körperliche Arbeit, Arbeit werden jetzt zwei ganz verschiedene Prozesse Produzenten. Letzteres können sie aber nur, »sofern menschlicher Arbeit vollzieht sich nur durch den
Frankfurt/M 1972; G. STAPELFELDT, Das Problem des Anfangs gleichgesetzt: die Tatsache, daß im Zuge der Mechani­ jede besondre nützliche Privatarbeit mit jeder andren Austausch, welcher Producte verschiedner Arbeiten
in der Kritik der Politischen Ökonomie, Frankfurt/M-New sierung bislang notwendige qualifizierte Arbeit über­ nützlichen Art Privatarbeit austauschbar ist, also thatsächlich einander gleichsetzt.« (MEGA II.6, 41)
York 1979; W TucHscHEERER, Bevor »Das Kapital« entstand, flüssig wird, also eine historische Veränderung auf der ihr gleichgilt. Die Gleichheit toto coelo verschiedner Abstraktheit der Arbeit meint nicht die allgemeinsten

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Bestimmungen der Arbeit, die das reflektierende Sub­ sachliche Grundlage in den Dingen selbst besitzt. Es Produkt, einem allgemeinen Aequivalent« (MEGA In den 1920erJahren wurde in der Sowjetunion eine
jekt (ganz unabhängig von gesellschaftlichen Prozes­ handelt sich bei dieser Wertgegenständlichkeit um ein 11.2, 111f; MEW 13, 19±) darstellen müsse. In K I wird intensive werttheoretische Debatte geführt, deren be­
sen wie dem Tausch) beim Vergleich verschiedener gesellschaftlich praktiziertes Geltungsverhältnis, eine dieser Zusammenhang ausführlich in den Abschnit­ deutendstes Resultat wahrscheinlich die Arbeiten von
Arbeiten feststellen kann, sondern die in der Gleich­ gesellschaftlich gültige Zuschreibung, die allerdings ten über die Wertform und den Austauschprozeß be­ RUBIN sind. Rubin setzt sich ausführlich mit aA aus­
setzung der Produkte im Tausch praktisch stattfinden­ nicht Resultat intentionalen Handelns ist, sondern gründet. Maß des Werts zu sein, ist die erste Formbe­ einander und differenziert zwischen physiologisch
de Abstraktion von den besonderen Charakteren der Effekt einer bestimmten Form des gesellschaftlichen stimmung des Geldes in der einfachen Zirkulation. gleicher Arbeit, gesellschaftlich gleichgesetzter Arbeit
verschiedenen Arbeiten, die diese Produkte hervorge­ Zusammenhangs. Wie Marx im Abschnitt über den Daß diese Maßfunktion des Geldes nicht durch eine und abstrakt-allgemeiner Arbeit (1924, SOff, 100f±). Er
bracht haben. Das Resultat dieser durch eine be­ Warenfetisch hervorhebt, reflektiert sich das gesell­ Arbeitszeitrechnung (auch dann nicht, wenn sich macht entgegen dem naturalistischen Verständnis von
stimmte gesellschaftliche Praxis erzwungenen Ab­ schaftliche Verhältnis der Produzenten als sachliche diese auf »gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit« aA, das aus der 'physiologischen' Auffassung dieser
straktion ist nicht ein physiologisch Allgemeines, Eigenschaft von Dingen. Als Ausdruck eines gesell­ bezieht), außer Kraft gesetztwerden kann, wird insbe­ Kategorie entspringt, deutlich, daß es sich um eine
sondern eine spezifisch gesellschaftliche Formbestim­ schaftlichen Verhältnisses kann die Gegenständlich­ sondere in Marx' Auseinandersetzung mit den ver­ » spezifisch historische Form der Gleichsetzung von
mung von Arbeit. keit der aA aber auch nur im gesellschaftlichen Ver­ schiedenen Arbeitsgeldtheorien deutlich (MEGA Arbeit« handelt, aA mithin »nicht nur ein gesell­
Die Ambivalenz in der Bestimmung aA führte zur kehr erscheinen, was ihren 'phantastischen' Charak­ 11.2, 155ff; 67ff; MEGA 11.5, 59; 109±). schaftlicher, sondern auch ein historischer Begriff ist«
häufig diskutierten Frage, ob aA in allen Produktions­ ter noch unterstreicht. Daß Wertgegenständlichkeit (ebd., 95). - Vom aufkommenden Stalinismus, dem
weisen existiert hat oder nur in der Warenproduktion: gerade nicht dem einzelnen Gut zukommt, wird von Rezeption. - Es ist bezeichnend für die oberflächliche Rubin früh zum Opfer fiel, wurden solche Diskussio­
als Inbegriff physiologischer Eigenschaften wäre aA l:1arx nirgendwo so deutlich ausgesprochen wie im Rezeption der KrpÖ vor dem Ersten Weltkrieg, daß nen erstickt.
überhistorisch, als Ausdruck einer bestimmten, durch Uberarbeitungsmanuskript der 1. Auflage von K I: das Konzept der aA keine besondere Rolle spielt. Mit der Vernachlässigung des Konzepts der aA
den Austausch konstituierten Beziehung der Arbei­ Werden Rock und Leinwand als Werte auf vergegen­ Nicht nur in den popularisierenden Darstellungen wurde die Marxsche Werttheorie vor allem als eine
ten aufeinander nicht. Im K I äußert sich MARX zwar ständlichte aA reduziert, dann wurde »vergessen, daß von KAUTSKY (1887) und LUXEMBURG (Einführung in Erklärung der quantitativen Austauschverhältnisse
nicht explizit zum historischen Charakter der aA, keines für sich solche Werthgegenständlichkeit ist, son­ die Nationalökonomie [1925], GW 5) taucht der Be­ und als Voraussetzung zur Begründung der Ausbeu­
doch ist bei der Analyse des Arbeitsprozesses, der ein­ dern daß sie solches nur sind, soweit das ihnen gemein­ griff nicht auf. Auch HILFERDING (1904) bezieht sich tung gelesen, während die gesellschaftstheoretischen
zigen Stelle, wo dessen überhistorische Momente be­ same Gegenständlichkeit ist. Ausserhalb ihrer Bezie­ bei seiner Verteidigung der Marxschen Werttheorie Implikationen der Werttheorie meist nur verkürzt
trachtet werden, von aA nicht die Rede. In Zur Kritik hung auf einander - der Beziehung worin sie gleich­ gegen die Kritik von BÖHM-BAwERK (1896) nicht auf wahrgenommen wurden. Dies trifft insbesondere für
heißt es allerdings eindeutig: »Als zweckmäßige Thä­ gelten besitzen weder der Rock noch die Leinwand aA, und bei LENIN spielt der Begriff ebenfalls keine die durch SWEEZY (1942), MEEK (1956) und DOBB
tigkeit zur Aneignung des Natürlichen in einer oder Werthgegenständlichkeit« (MEGA II.6, 30). besondere Rolle. (1977) repräsentierte ältere angelsächsische Marx-Lite­
der anderen Form ist die Arbeit Naturbedingung der Die Größe des Werts will MARX durch das »Quan­ Die bis dahin ausführlichste Auseinandersetzung ratur zu. In Westdeutschland war die Auseinander­
menschlichen Existenz, eine von allen socialen For­ tum der in ihm enthaltenen 'werthbildenden Sub­ mit dem Konzept der aA lieferte kein Marxist, son­ setzung mit der Marxschen Theorie zunächst stark
men unabhängige Bedingung des Stoffwechsels zwi­ stanz', der Arbeit« , messen, und die Arbeit findet ihr dern Franz PETRY (1916). Ausgehend von RICKERTS durch die Kritische Theorie geprägt, die zwar deren
schen Mensch und Natur. Tauschwerth setzende Maß an der Zeitdauer (K I, MEGA 11.5, 20; MEW 23, Unterscheidung zwischen naturwissenschaftlicher philosophische und methodologische Implikationen
Arbeit ist dagegen eine specifisch gesellschaftliche 54), gemuer an der Arbeitszeit, die unter den gesell­ und kulturwissenschaftlicher Methode (vgl. Grenzen herausstellte, sich aber nicht näher mit der Marxschen
Form der Arbeit. Schneiderarbeit [. . . ] producirt den schaftlich normalen Bedingungen durchschnittlich der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, Tübingen Analyse der Ware beschäftigte. Lediglich der Adorno­
Rock, aber nicht den Tauschwerth des Rocks. Letz­ zur Produktion einer Ware benötigt wird (MEGA 1913, 530), glaubte PETRY, auch bei Marx einen Dua­ Schüler KRAHL (1971) widmete ihr eine eigene Unter­
tern producirt sie nicht als Schneiderarbeit, sondern 11.6, 73; 53). Die so bestimmte »gesellschaftlich not­ lismus von naturwissenschaftlich-kausaler Erklärung suchung, in welcher aA allerdings keine bedeutende
als abstrakt allgemeine Arbeit, und diese gehört einem wendige Arbeitszeit« reduziert aber lediglich verschie­ und einer 'gesellschaftlichen' Betrachtungsweise fest­ Rolle spielte. Eine differenziertere werttheoretische
Gesellschaftszusammenhang, den der Schneider nicht dene individuelle Verausgabungen derselben konkre­ stellen zu können. Zwar kann diese Konstruktion Debatte, die im Rahmen der 'Kapitallogik' auch die
eingefädelt hat« (MEGA 11.2, 115; MEW 13, 23f). ten Arbeitsart auf ein Durchschnittsmaß. Wird dies dem Marxschen Werk insgesamt kaum gerecht werden, gesellschaftstheoretischen Implikationen des Kon­
bereits als abschließendes Wort über das Maß der doch führte sie Petry, der den »kulturwissenschaft­ zepts der aA berücksichtigte, setzte mit den Arbeiten
AA als Wertsubstanz. Nicht Arbeit schlechthin, son­
- Wertgröße aufgefaßt, so hat man nicht nur konkrete lichen Gehalt« der Marxschen Werttheorie darstellen von BACKHAUS (1969, 1974) und REICHELT ( 1970)
dern aA wird von Marx als » Substanz« des Werts be­ Arbeit zum Maß der aA gemacht, wodurch der Un­ wollte (1916, 3), zur Auseinandersetzung mit dem ge­ em.
stimmt; Wertgegenstand ist ein Gut, insofern in ihm terschied zwischen beiden eingeebnet wird, sondern sellschaftstheoretischen Charakter der Marxschen In industriesoziologischen Studien dagegen wurde
aA »vergegenständlicht« ist (KI, MEGA II.6, 72; MEW es wird dann auch unterstellt, der Wert eines einzelnen Begriffe. So hebt er etwa bei der aA hervor, daß es sich aA zuweilen als sinnlich faßbare Kategorie, die die
23, 52f). Daß es sich hierbei nicht darum handelt, daß Gutes könne unabhängig vom Austausch gemessen keineswegs um einen naturwissenschaftlichen Gat­ Mechanisierung und Sinnentleerung der Arbeitsvor­
ein quasi-materielles Substrat in das einzelne Produkt werden. Wenn Wertgegenständlichkeit den Waren aber tungsbegriff handelt, sondern um die gesellschaftliche gänge im Verlaufe der Automation ausdrückt, miß­
gelegt wird, das dann dessen Wertsein ausmacht, wird nur gemeinsam zukommt, innerhalb des Austausch­ Form der Privatarbeiten, wobei dann aber diese Ge­ verstanden.
bereits durch die von MARX benutzte Metaphorik verhältnisses, so kann auch die Größe des Wertes nicht sellschaftlichkeit gleich auf die Betätigung des Men­ Im angelsächsischen Raum führte u.a. die Überset­
deutlich. Er nennt diese Gegenständlichkeit der aA außerhalb dieses Verhältnisses bestimmt werden. In­ schen als Rechtssubjekte reduziert wird (ebd., 23f). - zung des Buches von RUBIN zu einer Intensivierung
»abstrakte Gegenständlichkeit, ein Gedankending« nerhalb des Austauschverhältnisses kann der Wert WährendHILFERDING (1919) in einer längeren Rezen­ der werttheoretischen Debatte und einer Auseinan­
(MEGA 11.5, 30), »gespenstige Gegenständlichkeit« einer Ware ' aber nur adäquat ausgedrückt werden, sion zwar die neukantianische Methodologie PETRYS dersetzung mit dem Konzept der aA (vgl. lTOH 1976
(MEGA 11.6, 72; 52), »rein phantastische Gegenständ­ wenn er auf Geld als selbständiges Dasein des Werts kritisierte, dessen Auseinandersetzung mit aA aber und die Beiträge in ELsoN 1,979). Zugleich nahm aber
lichkeit« (MEGA 11.6, 32). Das Wertsein der Waren ist bezogen wird. In Zur Kritik wird dies bereits auf den unbeachtet ließ, kam RUBIN zu dem wohl zutreffen­ auch die Kritik an der Marxschen Werttheorie zu.
insofern eine phantastische Gegenständlichkeit, weil ersten Seiten der Darstellung festgehalten, wenn Marx den Urteil, daß PETRY eine Reihe von Fragen der Unter Verwendung des von SRAFFA (1960) entwickel­
sich dieses Wertsein den Warenbesitzern gegenüber betont, daß sich im Wert die Arbeitszeit des Einzel­ Marxschen Theorie aufwarf, die von Marxisten nicht ten neoricardianischen Konzepts der Berechnung von
zwar als von ihnen unabhängige sachliche Eigenschaft nen als »allgemeine Arbeitszeit« ausdrückt und sich einmal behandelt wurden, die Petry selbst aber auch Produktionspreisen aufgrund der mengenmäßigen
von Dingen geltend macht, aber überhaupt keine diese allgemeine Arbeitszeit in einem »allgemeinen nicht lösen konnte (1928, 365). Reproduktionsstruktur eines ökonomischen Systems

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Bestimmungen der Arbeit, die das reflektierende Sub­ sachliche Grundlage in den Dingen selbst besitzt. Es Produkt, einem allgemeinen Aequivalent« (MEGA In den 1920erJahren wurde in der Sowj etunion eine
jekt (ganz unabhängig von gesellschaftlichen Prozes­ handelt sich bei dieser Wertgegenständlichkeit um ein 11.2, 111f; MEW 13, 19±) darstellen müsse. In K I wird intensive werttheoretische Debatte geführt, deren be­
sen wie dem Tausch) beim Vergleich verschiedener gesellschaftlich praktiziertes Geltungsverhältnis, eine dieser Zusammenhang ausführlich in den Abschnit­ deutendstes Resultat wahrscheinlich die Arbeiten von
Arbeiten feststellen kann, sondern die in der Gleich­ gesellschaftlich gültige Zuschreibung, die allerdings ten über die Wertform und den Austauschprozeß be­ RUBIN sind. Rubin setzt sich ausführlich mit aA aus­
setzung der Produkte im Tausch praktisch stattfinden­ nicht Resultat intentionalen Handelns ist, sondern gründet. Maß des Werts zu sein, ist die erste Formbe­ einander und differenziert zwischen physiologisch
de Abstraktion von den besonderen Charakteren der Effekt einer bestimmten Form des gesellschaftlichen stimmung des Geldes in der einfachen Zirkulation. gleicher Arbeit, gesellschaftlich gleichgesetzter Arbeit
verschiedenen Arbeiten, die diese Produkte hervorge­ Zusammenhangs. Wie Marx im Abschnitt über den Daß diese Maßfunktion des Geldes nicht durch eine und abstrakt-allgemeiner Arbeit (1924, SOff, 100f±). Er
bracht haben. Das Resultat dieser durch eine be­ Warenfetisch hervorhebt, reflektiert sich das gesell­ Arbeitszeitrechnung (auch dann nicht, wenn sich macht entgegen dem naturalistischen Verständnis von
stimmte gesellschaftliche Praxis erzwungenen Ab­ schaftliche Verhältnis der Produzenten als sachliche diese auf »gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit« aA, das aus der 'physiologischen' Auffassung dieser
straktion ist nicht ein physiologisch Allgemeines, Eigenschaft von Dingen. Als Ausdruck eines gesell­ bezieht), außer Kraft gesetztwerden kann, wird insbe­ Kategorie entspringt, deutlich, daß es sich um eine
sondern eine spezifisch gesellschaftliche Formbestim­ schaftlichen Verhältnisses kann die Gegenständlich­ sondere in Marx' Auseinandersetzung mit den ver­ » spezifisch historische Form der Gleichsetzung von
mung von Arbeit. keit der aA aber auch nur im gesellschaftlichen Ver­ schiedenen Arbeitsgeldtheorien deutlich (MEGA Arbeit« handelt, aA mithin »nicht nur ein gesell­
Die Ambivalenz in der Bestimmung aA führte zur kehr erscheinen, was ihren 'phantastischen' Charak­ 11.2, 155ff; 67ff; MEGA 11.5, 59; 109±). schaftlicher, sondern auch ein historischer Begriff ist«
häufig diskutierten Frage, ob aA in allen Produktions­ ter noch unterstreicht. Daß Wertgegenständlichkeit (ebd., 95). - Vom aufkommenden Stalinismus, dem
weisen existiert hat oder nur in der Warenproduktion: gerade nicht dem einzelnen Gut zukommt, wird von Rezeption. - Es ist bezeichnend für die oberflächliche Rubin früh zum Opfer fiel, wurden solche Diskussio­
als Inbegriff physiologischer Eigenschaften wäre aA l:1arx nirgendwo so deutlich ausgesprochen wie im Rezeption der KrpÖ vor dem Ersten Weltkrieg, daß nen erstickt.
überhistorisch, als Ausdruck einer bestimmten, durch Uberarbeitungsmanuskript der 1. Auflage von K I: das Konzept der aA keine besondere Rolle spielt. Mit der Vernachlässigung des Konzepts der aA
den Austausch konstituierten Beziehung der Arbei­ Werden Rock und Leinwand als Werte auf vergegen­ Nicht nur in den popularisierenden Darstellungen wurde die Marxsche Werttheorie vor allem als eine
ten aufeinander nicht. Im K I äußert sich MARX zwar ständlichte aA reduziert, dann wurde »vergessen, daß von KAUTSKY (1887) und LUXEMBURG (Einführung in Erklärung der quantitativen Austauschverhältnisse
nicht explizit zum historischen Charakter der aA, keines für sich solche Werthgegenständlichkeit ist, son­ die Nationalökonomie [1925], GW 5) taucht der Be­ und als Voraussetzung zur Begründung der Ausbeu­
doch ist bei der Analyse des Arbeitsprozesses, der ein­ dern daß sie solches nur sind, soweit das ihnen gemein­ griff nicht auf. Auch HILFERDING (1904) bezieht sich tung gelesen, während die gesellschaftstheoretischen
zigen Stelle, wo dessen überhistorische Momente be­ same Gegenständlichkeit ist. Ausserhalb ihrer Bezie­ bei seiner Verteidigung der Marxschen Werttheorie Implikationen der Werttheorie meist nur verkürzt
trachtet werden, von aA nicht die Rede. In Zur Kritik hung auf einander - der Beziehung worin sie gleich­ gegen die Kritik von BÖHM-BAwERK (1896) nicht auf wahrgenommen wurden. Dies trifft insbesondere für
heißt es allerdings eindeutig: »Als zweckmäßige Thä­ gelten besitzen weder der Rock noch die Leinwand aA, und bei LENIN spielt der Begriff ebenfalls keine die durch SWEEZY (1942), MEEK (1956) und DOBB
tigkeit zur Aneignung des Natürlichen in einer oder Werthgegenständlichkeit« (MEGA II.6, 30). besondere Rolle. (1977) repräsentierte ältere angelsächsische Marx-Lite­
der anderen Form ist die Arbeit Naturbedingung der Die Größe des Werts will MARX durch das »Quan­ Die bis dahin ausführlichste Auseinandersetzung ratur zu. In Westdeutschland war die Auseinander­
menschlichen Existenz, eine von allen socialen For­ tum der in ihm enthaltenen 'werthbildenden Sub­ mit dem Konzept der aA lieferte kein Marxist, son­ setzung mit der Marxschen Theorie zunächst stark
men unabhängige Bedingung des Stoffwechsels zwi­ stanz', der Arbeit« , messen, und die Arbeit findet ihr dern Franz PETRY (1916). Ausgehend von RICKERTS durch die Kritische Theorie geprägt, die zwar deren
schen Mensch und Natur. Tauschwerth setzende Maß an der Zeitdauer (K I, MEGA 11.5, 20; MEW 23, Unterscheidung zwischen naturwissenschaftlicher philosophische und methodologische Implikationen
Arbeit ist dagegen eine specifisch gesellschaftliche 54), gemuer an der Arbeitszeit, die unter den gesell­ und kulturwissenschaftlicher Methode (vgl. Grenzen herausstellte, sich aber nicht näher mit der Marxschen
Form der Arbeit. Schneiderarbeit [. . . ] producirt den schaftlich normalen Bedingungen durchschnittlich der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung, Tübingen Analyse der Ware beschäftigte. Lediglich der Adorno­
Rock, aber nicht den Tauschwerth des Rocks. Letz­ zur Produktion einer Ware benötigt wird (MEGA 1913, 530), glaubte PETRY, auch bei Marx einen Dua­ Schüler KRAHL (1971) widmete ihr eine eigene Unter­
tern producirt sie nicht als Schneiderarbeit, sondern 11.6, 73; 53). Die so bestimmte »gesellschaftlich not­ lismus von naturwissenschaftlich-kausaler Erklärung suchung, in welcher aA allerdings keine bedeutende
als abstrakt allgemeine Arbeit, und diese gehört einem wendige Arbeitszeit« reduziert aber lediglich verschie­ und einer 'gesellschaftlichen' Betrachtungsweise fest­ Rolle spielte. Eine differenziertere werttheoretische
Gesellschaftszusammenhang, den der Schneider nicht dene individuelle Verausgabungen derselben konkre­ stellen zu können. Zwar kann diese Konstruktion Debatte, die im Rahmen der 'Kapitallogik' auch die
eingefädelt hat« (MEGA 11.2, 115; MEW 13, 23f). ten Arbeitsart auf ein Durchschnittsmaß. Wird dies dem Marxschen Werk insgesamt kaum gerecht werden, gesellschaftstheoretischen Implikationen des Kon­
bereits als abschließendes Wort über das Maß der doch führte sie Petry, der den »kulturwissenschaft­ zepts der aA berücksichtigte, setzte mit den Arbeiten
AA als Wertsubstanz. Nicht Arbeit schlechthin, son­
- Wertgröße aufgefaßt, so hat man nicht nur konkrete lichen Gehalt« der Marxschen Werttheorie darstellen von BACKHAUS (1969, 1974) und REICHELT ( 1970)
dern aA wird von Marx als » Substanz« des Werts be­ Arbeit zum Maß der aA gemacht, wodurch der Un­ wollte (1916, 3), zur Auseinandersetzung mit dem ge­ em.
stimmt; Wertgegenstand ist ein Gut, insofern in ihm terschied zwischen beiden eingeebnet wird, sondern sellschaftstheoretischen Charakter der Marxschen In industriesoziologischen Studien dagegen wurde
aA »vergegenständlicht« ist (KI, MEGA II.6, 72; MEW es wird dann auch unterstellt, der Wert eines einzelnen Begriffe. So hebt er etwa bei der aA hervor, daß es sich aA zuweilen als sinnlich faßbare Kategorie, die die
23, 52f). Daß es sich hierbei nicht darum handelt, daß Gutes könne unabhängig vom Austausch gemessen keineswegs um einen naturwissenschaftlichen Gat­ Mechanisierung und Sinnentleerung der Arbeitsvor­
ein quasi-materielles Substrat in das einzelne Produkt werden. Wenn Wertgegenständlichkeit den Waren aber tungsbegriff handelt, sondern um die gesellschaftliche gänge im Verlaufe der Automation ausdrückt, miß­
gelegt wird, das dann dessen Wertsein ausmacht, wird nur gemeinsam zukommt, innerhalb des Austausch­ Form der Privatarbeiten, wobei dann aber diese Ge­ verstanden.
bereits durch die von MARX benutzte Metaphorik verhältnisses, so kann auch die Größe des Wertes nicht sellschaftlichkeit gleich auf die Betätigung des Men­ Im angelsächsischen Raum führte u.a. die Überset­
deutlich. Er nennt diese Gegenständlichkeit der aA außerhalb dieses Verhältnisses bestimmt werden. In­ schen als Rechtssubjekte reduziert wird (ebd., 23f). - zung des Buches von RUBIN zu einer Intensivierung
»abstrakte Gegenständlichkeit, ein Gedankending« nerhalb des Austauschverhältnisses kann der Wert WährendHILFERDING (1919) in einer längeren Rezen­ der werttheoretischen Debatte und einer Auseinan­
(MEGA 11.5, 30), »gespenstige Gegenständlichkeit« einer Ware ' aber nur adäquat ausgedrückt werden, sion zwar die neukantianische Methodologie PETRYS dersetzung mit dem Konzept der aA (vgl. lTOH 1976
(MEGA 11.6, 72; 52), »rein phantastische Gegenständ­ wenn er auf Geld als selbständiges Dasein des Werts kritisierte, dessen Auseinandersetzung mit aA aber und die Beiträge in ELsoN 1,979). Zugleich nahm aber
lichkeit« (MEGA 11.6, 32). Das Wertsein der Waren ist bezogen wird. In Zur Kritik wird dies bereits auf den unbeachtet ließ, kam RUBIN zu dem wohl zutreffen­ auch die Kritik an der Marxschen Werttheorie zu.
insofern eine phantastische Gegenständlichkeit, weil ersten Seiten der Darstellung festgehalten, wenn Marx den Urteil, daß PETRY eine Reihe von Fragen der Unter Verwendung des von SRAFFA (1960) entwickel­
sich dieses Wertsein den Warenbesitzern gegenüber betont, daß sich im Wert die Arbeitszeit des Einzel­ Marxschen Theorie aufwarf, die von Marxisten nicht ten neoricardianischen Konzepts der Berechnung von
zwar als von ihnen unabhängige sachliche Eigenschaft nen als »allgemeine Arbeitszeit« ausdrückt und sich einmal behandelt wurden, die Petry selbst aber auch Produktionspreisen aufgrund der mengenmäßigen
von Dingen geltend macht, aber überhaupt keine diese allgemeine Arbeitszeit in einem »allgemeinen nicht lösen konnte (1928, 365). Reproduktionsstruktur eines ökonomischen Systems

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wurde die Werttheorie für 'redundant' erklärt, da Soziale Form und ökonomisches Objekt. Studien zum Gegen. der persönlichen Entwicklung (368f), ein »fixes Kapi­ die psychologische Aktivität in Gegensatz zu sich
Produktionspreise auch ohne vorherige Kenntnis der stands· und Methodenverständnis der Kritik der politischen tal« an Fähigkeiten (219f). Zentrale Momente sind selbst und zwingt ihr eine Entwicklungsweise auf, die
Wertgrößen bestimmt werden könnten (STEEDMAN Ökonomie, Opladen 1989; M.DEVROEY, »On the Obsoles­ Lernfähigkeit und - damit zusammenhängend - Zeit· sie in unüberschreitbare Grenzen einschließt.« (349)
1977). Die Berechnung von Werten war im Rahmen cence of the Marxian Theory of Value: A Critical Review« , plan (=»Infrastruktuf« im Sinne der Basis einer »Su­ Relativ befriedigendes Leben im Kapitalismus sei
neoricardianischer Modelle aber nur deshalb mög­ in: Capital & Class 17, 1982, 34-59; M.DoBB, Wert· und Ver· perstruktur« ; 338ff), der auf seine »organische Zusam­ einer kleinen Minderheit von Forschern und Künst­
teilungstheorien seit Adam Smith, Frankfurt/M 1977; D. EL­
lich, weil einerseits ein stationäres Reproduktions­ mensetzung« aus Zeitquanten hin betrachtet wird, die lern vorbehalten. Als Normalfall bietet der Kapitalis­
sON (Hg.), Value. TheRepresentation ofLabourin Capitalism,
gleichgewicht vorausgesetzt und wertbildende aA um­ London 1979; H. GANSSMANN, »Marx ohne Arbeitswert­ »abstrakten« oder »konkreten« Persönlichkeitsantei­ mus das entzweite Leben, das aus der Flucht ins Priva­
standslos mit einer bereits vor dem Tausch feststehen­ theorie?«, in: Leviathan, 11. Jg., 1983, H. 3, 394-412; len zugute kommen, sowie, quer dazu, die sich in te seine Kraft zieht. Schließlich gibt es das kämpferi­
den Menge zur Produktion notwendiger homogener M. HEINRICH, Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche einem Zuwachs an Fähigkeiten niederschlagenden im sche Leben, das - etwa auf dem Umweg über die Liebe
Arbeit identifiziert wurde. Gegen die neoricardiani­ Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Unterschied zu den diese Fähigkeiten nur anwenden­ zum Beruf - auf seine Konkretisierung, also die Teil­
sehe Formulierung der Marxschen Werttheorie wurde Revolution und klassischer Tradition, Hamburg 1991; R. HIL ­ den Tätigkeiten (388). Das resultierende Muster »ist habe an seiner Gesellschaftlichkeit drängt und sich
daher eingewandt, daß gerade die mit dem Konzept FERDING, »Böhm-Bawerks Marx-Kritik« (1904), in: Eberle, soviel wie ein hypothetischer Entwurf zur allgemei· auf diese Weise zwangsläufig in politisch-kämpferi­
der aA anvisierte Problematik des spezifisch gesell­ aaO., 130·92; ders., Rezension von Petry, in: Grünberg· nen Topologie von in kapitalistischen Individualitäts· sches Leben wandeln muß.
schaftlichen Charakters Waren produzierender Ar­ Archiv, 8. Jg., 1919, 439-48; M.lTOH, »A Study of Marx's formen produzierten Persönlichkeiten« (356). Der analogisierende Charakter der Begriffsführung
Theory of Value«, in: Science & Society, 40. Jg., 1976, H. 3;
beit verfehlt wird (DEVROEY 1982, GANSSMANN 1983). Ausgangspunkt ist die MARxsche Auffassung von SEVES wurde u.a. von Ute HOLZKAMP-ÜSTERKAMP
K. KAUTSKY, Karl Marx' Oekonomische Lehren. Gemeinver·
Eine erneute werttheoretische Diskussion setzte in ständlich dargestellt und erläutert, Stuttgart 1887; H.-J. KRAHL, der menschlichen Entfremdung im Zusammenhang (1976, 150-183) scharf kritisiert: »Diese Annahme,
der Bundesrepublik Ende der 1980er Jahre ein. BREN­ "Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse« , in: ders., mit abstrakter Arbeit. Diese versteht SEVE so: Indem daß der Fortschritt der Fähigkeitsentwicklung beim
TEL (1989) stellte die Arbeitswertheorie als Theorie der Komtitution und Klassenkampf, FrankfurtiM 1971, 31-81; der Lohnarbeiter gesellschaftliche Arbeit unter frem­ Anwachsen der bereits erworbenen Fähigkeiten not­
Konstitution einer - von Marx entdeckten - spezifi­ R.L.MEEK, Studies in the Labour Theory of Value, London der und privater Verfügung verrichtet, sei diese Arbeit wendigerweise geringer ist (die Seve in Analogie zu
schen ökonomisch-sozialen Gegenständlichkeit dar. 1956; F. PETRY, Der soziale Gehalt der Marxschen Werttheorie, abstrakt und könne er aus ihr, weil sie nicht auf ihn dem ökonomischen Sachverhalt trifft, daß bei relati­
Da diese Werttheorie nur als Kapitaltheorie explizier­ Jena 1916; H. REICHELT, Zur logischen Struktur des Kapitalbe. selbst bezogen ist, nichts lernen. Übrige Tätigkeiten, vem Anwachsen des konstanten zum variablen Anteil
bar sei (ebd., 265f), versteht Brentel aA als » antizipato­ griffs bei Karl Marx, FrankfurtiM 1970; I I. RUBIN, Studien
.
etwa zu Hause, seien konkret, soweit sie diesen Selbst­ des Kapitals die Profitrate sinkt), ist eine absurde me·
rischen Totalitätsbegriff« der Vergesellschaftung der zur Marxschen Werttheorie (1924), FrankfurtiM 1973; ders., bezug für ihn haben; aber auch aus ihnen, etwa aus chanistische Konstruktion, die die wahren formations­
"Zwei Schriften über die Marxsche Werttheorie« , in: Marx·
Arbeit unter kapitalistischen Bedingungen (ebd., 124). i.e.S. konsumtiven, lernlosen Beschäftigungen, müsse spezifischen Ursachen für ein Nachlassen der Entwick­
Engels Archiv, Bd. I, 1928, 360·69; P.SRAFFA, Warenproduk·
Während Brentel die Marxsche Entdeckung rekon­ tion mittels Waren. Einleitung zu einer Kritik der ökonomi· er nichts lernen; diese Bezogenheit als Bestimmungs­ lungsmotivation im höheren Alter hinter einem un­
struieren und gegen Fehlinterpretationen verteidigen schen Theorie (1960), FrankfurtiM 1976; 1. STEEDMAN, Marx kategorie ist also nicht ausreichend. Ausreichend aber historisch-essentialistischen Etikett verbirgt.« (Ebd.,
will, Probleme also nicht bei Marx, sondern bei den In­ after Sraffa, London 1977; P.M. SWEEZY, Theorie der kapitali· seien diese Grundlagen für die Einsicht, daß die Pro­ 177) Die Analogie verschiebt zugleich das in der KrpÖ
terpreten sieht, stellt HEINRICH (1991) gerade auf die in­ stischen Entwicklung (1942), Frankfurt/M 1970. duzenten im Kapitalismus gespaltene Persönlichkei­ Gemeinte eigenartig. Gleichwohl sind SEVES Vor­
ternen Probleme der Marxschen Theorie ab: einerseits ten haben müssen; die Spaltung verlaufe zwischen der schläge für empirische Forschung über Persönlichkeit
handle es sich bei ihr um eine wissenschaftliche Revo­ MICHAEL HEINRICH und Arbeit anregend (vgl. dazu PAQ 1978, 22ff). Ein­
Abstraktheit der in kapitalistischem Sinn gesellschaft­
lution, die mit dem theoretischen Feld der klassischen Arbeitszeit, Arbeit, Ausbeutung, Bedürfnisse, bürgerliche
t;;;;> lich produktiven Arbeit und der Konkretheit privater zuwenden ist auch, daß menschliche Natur nicht voll­
politischen Ökonomie bricht, andrerseits bleibe sie Gesellschaft, Denkform, Doppelcharakter der Arbeit, ein­ Tätigkeiten. Die MARxsche Analyse des Doppelcha­ ständig in soziale Formung aufgelöst werden kann.
diesem Feld weitgehend verhaftet, so daß die Überlage­ fache Zirkulation, Fetischcharakter, Form und Substanz, rakters der Arbeit mit dem Gedanken der 6. Feuer­ Eine Forschung, die dem Rechnung trägt, wird gerade
rung beider Diskurse zu vielfältigen Ambivalenzen Geld, Kantianismus/Neukantianismus, Kapitallogik, Kate­ bach.:rhese verknüpfend schreibt SEVE: »Die abstrak­ die soziale Formung der Naturgrundlage sowie die
führe. So würden sich im Begriff aA miteinander un­ gorie, Kritik der politischen Ökonomie, Kritische Theorie, te Aktivität [ . . . ] erscheint gleich als entfremdete Akti­ Wechselwirkung beider Momente erarbeiten müssen.
lebendige Arbeit, Naturwissenschaft, Neoricardianismus,
vereinbare Konzepte überkreuzen: eine 'gesellschaft­ vität, die der äußeren Notwendigkeit unterworfen
Produktionsweise, Sraffaismus, Stalinismus, Stoffwechsel,
liche' Auffassung (aA als Resultat einer gesellschaftlich Wertform, Wertsubstanz, -maß, Wert, Zeit und den Bestrebungen der konkreten Persönlichkeit
BIBLIOGRAPHIE: U. HOLZKAMP-OSTERKAMP, Motivations·
erzwungenen Gleichsetzung von qualitativ Verschie­ mehr oder minder fremd ist; und doch hat das Indivi­ forschung 2. Die Besonderheit menschlicher Bedürfnisse - Pro·
denem) wird von einer 'naturalistischen' Auffassung duum gerade in der abstrakten Aktivität Kontakt mit blematik und Erkenntnisgehalt der Psychoanalyse, Frank­
(aA als Inbegriff physiologischer Bestimmungen) über­ den entwickelten Produktivkräften und gesellschaft­ furtiM 1976; PROJEKTGRUPPE AUTOMATION UND QUALIFI­
lagert. Vor allem unter erkenntniskritischen Gesichts­ lichen Verhältnissen [ . . ], kurz mit dem Hauptteil des
. KATION (PAQ), Entwicklung der Arbeitstätigkeiten und die
punkten wird die werttheoretische Debatte in den bei Erbes, des wirklichen Wesens der Humanität; das Methode ihrer Erfossung, Berlin/W 1978; L. SEVE, Marxisme
BEHRENS (1993) versammelten Aufsätzen weiterge­ heißt, in dieser Aktivität müßte sich das Individuum et theorie de la personnalite, Paris 1972 (Marxismus und Theo·
führt. tatsächlich das menschliche Wesen aneignen kön­ rie der Persönlichkeit, Berlin/DDR-Frankfurt/M 1972).
nen.« (349f) Doch die Abstraktheit der gesellschaft­ FRIGGA HAUG
BIBLIOGRAPHIE: H.-G. BACKHAUS, »Zur Dialektik der lichen Handlungen verhindere den Entwicklungs­
Wertform« , in: A.Schmidt (Hg.), Beiträge zur marxistischen und Lerneffekt, der aus ihnen resultieren könnte, abstrakte Arbeit, Aneignung, Bedürfnis, Befriedigung,
t;;;;>

Erkenntnistheorie, FrankfurtiM 1969, 128-52; ders., »Mate­ ohne daß im konkret-privaten Bereich kompensato­ Doppelcharakter der Arbeit, Entfremdung, Individualitäts­
rialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie«, in: risch gearbeitet würde - im Gegenteil, dieser Bereich, formen, Kritik der politischen Ökonomie, Lernen, Notwen­
Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 1, FrankfurtiM digkeit, Ökonomie der Zeit, Persönlichkeitstheorie, Sub­
1974, 52-77; D BEHRENS (Hg.), Gesellschaft und Erkenntnis.
.
in dem Lernerfahrungen noch möglich wären, werde jektwissenschaft, Tätigkeit, Zeithaushalt
Zur materialistischen Erkenntnis· und Ökonomiekritik, Frei­ zum bloßen Abklatsch der Lernlosigkeit des abstrak­
burg 1993; E. V.BÖHM-BAWERK, " Zum Abschluß des Marx­ ten. Die Entwicklung wird blockiert, die Persönlich­
sehen Systems« (1896), in: F. Eberle (Hg.), Aspekte der Marx· keit u.u. zerstört. »Die Spaltung zwischen konkreter
schen Theorie 1, Frankfurt/M 1973, 25-129; H.BRENTEL, Persönlichkeit und abstrakter Persönlichkeit bringt

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