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MASTERARBEIT / MASTER’S THESIS

Titel der Masterarbeit / Title of the Master‘s Thesis

„Code-Switching aus der Sicht der Dolmetschstudieren-


den“

Am Beispiel des Sprachenpaares Deutsch-Bosnisch/Kroatisch/Serbisch

verfasst von / submitted by

Rahela Cavara, BA

angestrebter akademischer Grad / in partial fulfilment of the requirements for the degree of

Master of Arts (MA)

Wien, 2017 / Vienna 2017

Studienkennzahl lt. Studienblatt / A 065 351 363


degree programme code as it appears on
the student record sheet:

Studienrichtung lt. Studienblatt / Masterstudium Dolmetschen Spanisch Bosni-


degree programme as it appears on sch/Kroatisch/Serbisch
the student record sheet:

Betreut von / Supervisor: ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Mira Kadric-Scheiber


Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung ...................................................................................................................... 1
1. Code-Switching und Code-Mixing .............................................................................. 5
Was ist Code-Switching und was ist Code-Mixing? ............................................................... 5
Die Typologie der Code-Alternierung nach Gafaranga und Torras (2002) Systematik .......... 6
Arten von Code-Switching ...................................................................................................... 8
Code-Alternierung = Halbsprachigkeit?................................................................................ 10
Sprachvermischungen durch das Code-Mixing und Code-Switching – Am Beispiel des
Sprachenpaares Deutsch-Bosnisch/Kroatisch/Serbisch............................................................ 12
Code-Switching und Code-Mixing zwischen Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Deutsch.... 14
2. Die Einstellung zum Code-Switching und die Wahrnehmung des Code-Switching
der Sprechenden ..................................................................................................................... 16
Der Sprachgebrauch in der gegenwärtigen Gesellschaft mit Fokus auf die Code-Alternierung
16
Studien zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching und zur Rolle des Code-Switching
bei bilingualer Kreativität ......................................................................................................... 20
2.2.1. „The role of code-switching in bilingual creativity“ – eine Studie von Anatoliy V.
Kharkhurin und Li Wei (2015)....................................................................................... 20
2.2.1.1. Bilinguale Kreativität nach Kharkhurin und Wei (2015)…………………………………………22

2.2.1.2. Kognitive Mechanismen, die laut Kharkhurin und Wei (2015) mit dem Code-
Switching und der Kreativität einhergehen……………………………………………………………………….23

2.2.1.3. Vorangehende Studien zur Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und
dem Code-Switching mit denen sich Kharkhurin und Wei (2015) beschäftigt haben…………24

2.2.1.4. Methode, Teilnehmende, Instrumente und Ablauf der Untersuchung von Kharkhu-
rin und Wei (2015)……………………………………………………………………………………………………………26

2.2.1.5. Die Messung der kreativen Fähigkeit und der selektiven Aufmerksamkeit nach
Kharkhurin und Wei (2015)………………………………………………………………………………………………27

2.2.1.6. Die Ergebnisse der Studie von Kharkhurin und Wei (2015)………………………………….29

2.2.1.7. Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf vorangehende Studien und Fazit der Studie
von Kharkhurin und Wei (2015)………………………………………………………………………………………30

2.2.2. „Attitudes towards code-switching among adult mono- and multilingual language
users” – eine Studie von Jean-Marc Dewaele & Li Wei (2014a)................................... 33
2.2.2.1. Vorangehende Studien zur Einstellung gegenüber dem CodeSwitching mit denen
sich Dewaele und Wei (2014a) auseinandergesetzt haben……………………………………………..34

2.2.2.2. Der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und dem Code-


Switching nach Dewaele und Wei (2014a)………………………………………………………………………38

2.2.2.3. Die Hypothesen der Studie von Dewaele und Wei (2014a)………………………………..41

i
2.2.2.4. Methoden der Studie von Dewaele und Wei (2014a)……………………………………42

2.2.2.5. Die Ergebnisse der Studie von Dewaele und Wei (2014a)……………………………..45

2.2.2.6. Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf vorangehende Studien und Fazit der Studie
von Dewaele und Wei (2014a)…………………………………………………………………………………..46

3. Empirische Untersuchung der Einstellung von Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-


Dolmetschstudierenden dem Code-Switching gegenüber .................................................. 51
Die Vorgehensweise der Untersuchung ................................................................................ 53
Die Ergebnisse der Untersuchung – Auswertung der Interviews .......................................... 59
3.2.1. Der Verlauf des Spracherwerbs der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden .................................................................................................. 59
3.2.2. Die Einstellung und das Bewusstsein für das Code-Switching – aus dem Blickwinkel
der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden............................................. 61
3.2.3. Der Multilingualismus bzw. die Vielsprachigkeit der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden .................................................................................................. 67
3.2.4. Das Umfeld der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden ...................... 71
3.2.5. Der Bildungsweg der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden ............. 75
Diskussion der Ergebnisse der Befragung von Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden und Reflexion dieser in Bezug auf die Literaturstudie....................... 79
4. Schlussfolgerung ......................................................................................................... 90
5. Literaturverzeichnis ................................................................................................... 92
6. Abstract ....................................................................................................................... 98
Deutsch .................................................................................................................................. 98
Englisch ................................................................................................................................. 98
Anhang……………………………………………………………………………………….99

ii
Danksagung

Mein Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden und meinen Professoren, die mir wäh-
rend des Studiums stets unterstützend zur Seite gestanden sind.

iii
0. Einleitung
Die vorliegende Arbeit legt den Fokus auf den Gegenstand des Code-Switching und die
Einstellung der Sprechenden diesem sprachlichen Phänomen gegenüber. Einerseits beschäf-
tigt sich diese Arbeit mit der bestehenden Literatur zum Themenbereich des Code-Switching
und mit den Studien, welche zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching durchgeführt
worden sind. Andererseits ist es ein Anliegen dieser Arbeit persönliche Interviews mit Perso-
nen, die Erfahrungen mit dem sprachlichen Phänomen des Code-Switching gemacht haben,
zu führen, um angelehnt an die bereits vorhandenen Studien zur Einstellung der Sprechenden
gegenüber dem Code-Switching, anknüpfen zu können, und um die darin präsentierten Er-
gebnisse im Hinblick auf Dolmetschstudierende zu überprüfen. Unter anderem gilt es die Fra-
gen, ob Dolmetschstudierende sich überhaupt des Code-Switching bedienen, inwiefern sie mit
dem sprachlichen Phänomen des Code-Switching in alltäglichen Situationen zu tun haben, ob
ihr Umfeld ihren Umgang mit dem Code-Switching beeinflusst, wie die Dolmetschstudieren-
den das Code-Switching wahrnehmen, ob sich ihre Einstellung dem Code-Switching gegen-
über im Laufe der Ausbildung verändert und ob sich das Praktizieren von Code-Switching
ihrer Meinung nach auf die Dolmetschkompetenz auswirkt, zu erforschen.
Im ersten Kapitel wird vorerst das Code-Switching definiert. Anschließend werden die Un-
terschiede zwischen dem Code-Mixing und dem Code-Switching dargelegt. Im folgenden
Kapitel soll dann eine ausführlichere Kategorisierung dieses sprachlichen Phänomens darge-
legt werden. Dabei soll detaillierter auf die Unterscheidungen zwischen dem Code-Switching
und dem Code-Mixing eingegangen werden.
Im weiteren Verlauf der Arbeit soll ausführlich auf das Code-Switching eingegangen wer-
den. Darin sollen die verschiedenen Formen, in denen das Code-Switching an den Tag gelegt
wird, beleuchtet werden. Zudem gilt es auf die verschiedenen Kategorisierungen des Code-
Switching einzugehen. Des Weiteren soll der vermeintliche Zusammenhang zwischen der
Halbsprachigkeit und der Code-Alternierung thematisiert werden.
Weiters soll das sprachliche Verhalten von Jugendlichen in der derzeitigen Gesellschaft im
deutschsprachigen Raum beleuchtet werden. Dieses Kapitel soll dabei helfen, nachzuvollzie-
hen, ob das sprachliche Phänomen des Code-Switching einen Einfluss auf die ausgewählten
Bosnisch-, Kroatisch- und Serbisch-Dolmetschstudierenden hatte bzw. hat. Zudem soll auf
das Code-Switching anhand eines praktischen Beispiels eingegangen werden, um die darge-
legten theoretischen Ansätze zum Code-Switching und Code-Mixing besser zu veranschauli-
chen.
Im zweiten Kapitel, soll, nachdem die theoretischen Ansätze und Erläuterungen zum The-
menbereich der Code-Alternierung anhand von praktischen Beispielen dargestellt worden
sind, auf Studien, welche sich mit dem Thema Code-Switching beschäftigt haben, eingegan-
gen werden. Das folgende Kapitel und die Untersuchungen, welche darin abgehandelt wer-

1
den, bilden den Grundstein für das Forschungsunterfangen dieser Arbeit, dessen empirische
Forschung sich an die Untersuchungsergebnisse der Studien anlehnt, um die Forschungsfra-
gen in der eigenen Untersuchung beleuchten zu können. Da sich eine der Forschungsfragen
mit der Einstellung der Sprechenden zum Code-Switching auseinandersetzt, gilt es in diesem
Kapitel, der Fragestellung, wie denn nun Personen mit dem Thema des Sprachwechsels um-
gehen und wie sie diesen wahrnehmen, auf den Grund zu gehen.
Es sollen zunächst einmal die Versuche, das soziolinguistische Phänomen der Code-
Alternierung, einem Sprachkonzept zuzuordnen, skizziert werden. In diesem Kapitel soll auf
den Sprachgebrauch in der gegenwärtigen Gesellschaft, im Hinblick auf die Code-
Alternierung, eingegangen werden, indem verschiedene Studien und ihre Untersuchungser-
gebnisse, als auch unterschiedliche soziolinguistische Ansätze herangezogen werden.
In einem weiteren Schritt konzentriert sich dieses Kapitel auf zwei Studien, nämlich auf
jene von Dewaele und Wei (2014a) und auf jene von Kharkhurin und Wei (2015), welche sich
mit dem Code-Switching beschäftigen. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) beschäftigt
sich mit der Einstellung der Sprachbenutzenden gegenüber dem Code-Switching, und die
Studie von Kharkhurin und Wei (2015) behandelt die Rolle des Code-Switching bezüglich der
bilingualen Kreativität, umfasst jedoch auch die Thematik der Einstellung gegenüber dem
Code-Switching. Wie bereits erwähnt, bilden die Studien und deren Untersuchungsergebnisse
den Grundstein für das Forschungsunterfangen dieser Arbeit, da sich der Interviewleitfaden
für das Interview mit den Bosnisch-, Kroatisch- und Serbisch-Dolmetschstudierenden an die-
se anlehnt, und sollen deshalb ausführlich beleuchtet werden.
Zunächst soll die Studie von Kharkhurin und Wei (2015) betrachtet werden. Die Frage, die
sich Kharkhurin und Wei (2015) in erster Linie gestellt haben, war, ob und wie sich das Code-
Switching bei Zweisprachigen auf ihre kreative Leistung auswirkt. Zudem erforschten sie die
Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching. Jedoch hat
diese Studie auch mit Hilfe einer Art Selbstbericht die Einstellung und das Verhalten hinsicht-
lich des Code-Switching mittels eines Online-Fragebogens erforscht. Die Ergebnisse, die For-
schungsfragen und die Hypothesen der Studie, die zu den Gründen, den verschiedenen Um-
ständen und den emotionalen Zuständen, die mit dem Code-Switching zusammenhängen,
festgehalten worden sind, waren relevant für das Forschungsunterfangen der vorliegenden
Arbeit. Dabei wird hinsichtlich der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) zunächst auf die
bilinguale Kreativität, dann auf die kognitiven Mechanismen, weiters auf die vorangehenden
Studien zur Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching,
wie auch auf die Methode, die Teilnehmenden, die Instrumente und den Ablauf der Untersu-
chung eingegangen werden. Folglich werden die Messung der kreativen Fähigkeit und der
selektiven Aufmerksamkeit und schließlich auch die Ergebnisse der Studie dargelegt. In ei-
nem letzten Schritt wird auf die Reflexion von Kharkhurin und Wei (2015) der Ergebnisse der
Studie anhand der Erkenntnisse von vorangehenden Studien eingegangen.

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Die zweite wichtige und umfangreiche Studie, auf die in dieser Arbeit Bezug genommen
werden soll, ist die Studie zur Einstellung von Erwachsenen mono- und multilingualen Spre-
chenden zum Code-Switching. Das Forschungsunterfangen dieser Arbeit stützt sich auch auf
diese Studie. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) fokussiert sich auf die Einstellung der
Vielsprachigen gegenüber dem Code-Switching, in einer Vielzahl von alltäglichen Situatio-
nen. Sie zielt darauf ab, zu untersuchen, inwieweit die sprachlichen Einstellungen gegenüber
dem Code-Switching individuell variieren. In diesem Kapitel soll zunächst ein Überblick über
die bestehende Recherche zu der Einstellung gegenüber dem Code-Switching, mit der sich
Dewaele und Wei (2014a) auseinander gesetzt haben, gegeben werden. Anschließend werden
die Persönlichkeitsmerkmale vorgestellt, von denen Dewaele und Wei (2014a) ausgegangen
sind, dass sie mit der Einstellung zum Code-Switching verknüpft sind. In diesem Zusammen-
hang soll auch ihr Forschungsdesign, welches sie für ihre Studie gewählt haben, um den Zu-
sammenhang bzw. die Beziehung zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und dem Code-
Switching zu untersuchen, angeschnitten werden. Abschließend sollen auch ihre Hypothesen,
Forschungsfragen und auch schlussendlich die Ergebnisse ihrer Studie präsentiert werden, um
im nächsten Schritt ihre Ergebnisse mit jenen der vorangehenden Erkenntnisse, und das aus
ihrer Sicht, vergleichen zu können.
Im dritten Kapitel gilt es zunächst die methodische Herangehensweise zum Thema der em-
pirischen Untersuchung, der Einstellung zum Code-Switching, darzulegen. Zunächst einmal
soll auf die Auswahl der Literatur bzw. den Prozess der Literaturstudie eingegangen werden.
Im nächsten Schritt wird die Entscheidung für ein qualitatives Forschungsdesign begründet
und im Anschluss dazu wird das Forschungsinstrument dieser Forschungsarbeit erläutert. In
der vorliegenden Arbeit wird die Methode des qualitativen Interviews angewandt. Daher soll
auch kurz skizziert werden, welche Charakteristiken ein qualitatives Interview ausmachen. In
diesem Kapitel wird auch die Auswahl der Interviewteilnehmenden beschrieben.
Weiters soll die Vorgangsweise der empirischen Untersuchung, die den genauen Ablauf
der Untersuchung bzw. des Interviews umfasst, dargestellt werden. Dazu werden die Themen-
schwerpunkte bzw. der Interviewleitfaden der Untersuchung zur Einstellung von Dolmetsch-
studierenden zum Code-Switching beleuchtet. Die Themenschwerpunkte, welche bei den In-
terviews mit den Forschungsteilnehmenden im Fokus stehen, sind die Bildung bzw. die Aus-
bildung, das Umfeld, die Einstellung und das Bewusstsein, der Verlauf des Spracherwerbs
und der Multilingualismus. Die Fragen werden demensprechend formuliert und den einzelnen
Kategorienschwerpunkten zugeordnet. Die Antworten werden anschließend transkribiert und
daher wird auch dieser Prozess kurz skizziert. Schließlich soll auch auf die Auswertungsme-
thode eingegangen werden, um darstellen zu können, wie die Interpretation und die Diskussi-
on der Ergebnisse erfolgt ist. Abschließend soll in diesem Kapitel auch noch auf die selbstre-
flektierte Kritik der Untersuchungsmethode eingegangen werden.
Nach den theoretischen Ausführungen zur methodischen Herangehensweise, zum prakti-
schen Teil dieser Untersuchung, soll zur Analyse der Ergebnisse übergegangen werden. Die

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Ergebnisse des erhobenen Datenmaterials sollen, mit Hilfe der beschriebenen Methoden, aus-
gewertet werden. Da, wie bereits erwähnt, der inhaltsanalytische Zugang der Zusammenfas-
sung gewählt worden ist, sollen die Ergebnisse der einzelnen Interviews in Kategorien zu-
sammengefasst wiedergegeben und miteinander verglichen werden. Hierzu werden die Daten
aus den Interviews in die Kategorien der Bildung, des Umfelds, der Einstellung und des Be-
wusstseins, des Verlaufs des Spracherwerbs und des Multilingualismus eingeteilt. Schließlich
sollen die Ergebnisse im Hinblick auf die Literaturstudie reflektiert und die Forschungsfragen
beantwortet werden.
Abschließend soll die Conclusio dieser Forschung formuliert werden. Im letzten Schritt
soll ein Ausblick für weitere Untersuchungen in diesem Forschungsbereich gegeben werden.

4
1. Code-Switching und Code-Mixing
Zunächst einmal gilt es, das Code-Switching zu definieren und die Unterscheidung zum
Code-Mixing vorzunehmen. Nachdem ein grober Überblick über den Themenbereich des
Sprachwechsels gegeben worden ist, soll im folgenden Kapitel eine ausführlichere Kategori-
sierung dieses sprachlichen Phänomens nach Gafaranga und Torras (2002) Systematik darge-
legt werden. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll auf das Hauptaugenmerk dieser Arbeit, näm-
lich das Code-Switching, eingegangen werden. In diesem Kapitel soll auf die verschiedenen
Formen, in denen das Code-Switching an den Tag gelegt wird, Bezug genommen werden.
Weiters soll auf das sprachliche Phänomen des Code-Switching anhand eines praktischen
Beispiels eingegangen werden. Darin soll zunächst einmal eine Art Exkurs in die derzeitige
Gesellschaft im deutschsprachigen Raum, konkret in die sprachliche Gesellschaft in Öster-
reich, vorgenommen werden. Dieses Kapitel soll Einblicke liefern, um später nachvollziehen
zu können, ob und wenn ja, welchen Einfluss das angeführte sprachliche Phänomen auf die
ausgewählten Bosnisch-, Kroatisch- und Serbisch-Dolmetschstudierenden hatte bzw. hat.

Was ist Code-Switching und was ist Code-Mixing?

Im folgenden Kapitel soll ein Überblick über die Unterscheidungen, welche beim Sprach-
wechsel vorgenommen werden, gegeben werden, indem die beiden Konzepte, Code-
Switching und Code-Mixing grob skizziert werden.
Vereinfacht gesagt handelt es sich beim Code-Switching um die alternative Verwendung
zweier oder mehrerer Sprachen, Sprachvarietäten oder auch einfach nur um Sprachregister.
Dabei werden Worte, Phrasen und Sätze zweier unterschiedlicher grammatikalischer Systeme
über die Satzgrenzen hinweg gemischt. Fabbro (2001) bezieht sich auf Paradis (1998) und
hält fest, dass Bilinguale zwischen den Sprachen wechseln, während Monolinguale zwischen
den Registern „switchen“ (vgl. Paradis 1998: 422). So wechseln Bilinguale zwischen zwei
Sprachen, während Monolinguale das gleiche zwischen den Registern einer Sprache tun. Da-
bei können laut Paradis (1998) und Fabbro (2001) bei Monolingualen ähnliche Probleme
beim Übertragen bestimmter Einheiten aus dem einen Register in das andere und das inner-
halb ein- und derselben Sprache bzw. Varietät, auftreten, wie sie bei den Bilingualen beim
Transfer zwischen den Sprachen vorkommen können (vgl. Fabbro 2001: 213).
Beim Code-Mixing hingegen werden die verschiedenen Spracheneinheiten wie Affixe (es
kann sich dabei sowohl um Suffixe als auch um Präfixe handeln), Wörter, Phrasen und Satz-
glieder verändert und sozusagen angepasst. Das eine Wort aus der einen Sprache wird mit
Hilfe der Regeln der anderen Sprache verändert und somit entsteht ein ganz neues Wort; ein
Sprachen-Mix ist die Folge. Oftmals werden Code-Mixing und Code-Switching als Synony-

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me verwendet, doch Code-Mixing1 bedeutet, dass zwei Sprachen verwendet werden und
dadurch ein neuer Code entsteht, in welchem die Elemente der beiden Sprachen ein genau
festgelegtes Muster verfolgen (vgl. Liu 2008: 3).
Nachdem der Themenbereich des Sprachwechsels grob abgesteckt worden ist, soll in den
folgenden Kapiteln näher auf die Definitionen und die Unterscheidungen zwischen den oben
angeführten Begriffen eingegangen werden. Zudem sollen die verschiedenen Möglichkeiten
der Kategorisierung von Code-Alternierung dargelegt werden.

Die Typologie der Code-Alternierung nach Gafaranga und Torras


(2002) Systematik
Im vorangehenden Kapitel ist ein grober Überblick über den Themenbereich des Sprachwech-
sels gegeben worden und daher soll im Folgenden eine ausführlichere Kategorisierung anhand
der Typologie der Code-Alternierung nach Gafaranga und Torras Systematik gegeben wer-
den. Dabei soll ausführlicher als im vorangehenden Kapitel auf die Unterscheidungen zwi-
schen dem Code-Switching und dem Code-Mixing eingegangen werden.
Wie bereits festgestellt wurde, impliziert der Terminus Code-Alternierung die Tatsache,
dass Codes (Sprachen oder Sprachvarietäten) innerhalb einer Gesprächssituation gewechselt
oder vermischt werden. In der Literatur wird dieses sprachliche Phänomen normalerweise als
Code-Switching bezeichnet, doch Musk (2010: 185) vertritt die Ansicht, dass dieser Begriff
einer bestimmten Form des Code-Wechsels vorbehalten ist. Musk (2010) bediente sich der
Typologie der Code-Alternierung nach Gafaranga und Torras (2002) Systematik und überar-
beitete diese. Die erste fundamentale Unterscheidung, welche vorgenommen wurde, war jene
des linguistischen Prinzips der Markiertheit („markedness“). Ausgehend von einem konversa-
tionsanalytischen Ansatz unterscheidet man beim Sprachwechsel zwischen zwei verschiede-
nen Code-Alternierungen: nicht markiertes Code-Mixing und markiertes Code-Switching
(vgl. Musk 2010: 186f.). Diese Unterscheidung geht auf Myers-Scotton's (1993) Anwendung
der Markiertheit im identitätsorientierten Ansatz zur Code-Alternierung zurück, da hierbei die
Markiertheit eine pragmatische Bedeutung trägt. Weiters ist Myers-Scotton (1993) der An-
sicht, dass das Code-Switching auch eine nicht-markierte Wahl in einer bestimmten Sprach-
gemeinschaft sein kann (vgl. Myers-Scotton 1993: 84).
Laut der Systematik bzw. der Taxonomie nach Gafaranga und Torras (2002), dient die
Markiertheit der Unterscheidung zwischen dem Code-Mixing, d.h. die Code-Alternierung ist
eine standardmäßige oder neutrale Wahl mit der A-Sprache als Basis und den sprachlichen

1
Eines der bekanntesten Beispiele für das Sprachenphänomen des Code-Mixing führt David Crystal (2013) an.
Dabei setzt er sich mit dem Beispiel aus den USA, genauer gesagt mit der Sprachgemeinschaft im Süden von
Texas, auseinander, wo es „zum guten Ton gehört“ Englisch und Spanisch (so genanntes Spanglish) im alltägli-
chen Gebrauch miteinander zu „mixen“. Dieses Phänomen ist längst nichts Neues und hat auch schon eine Be-
zeichnung. Man nennt diese Form von Sprache Tex-Mex (vgl. URL: David Crystal).

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Einfügungen aus der B-Sprache, und dem Code-Switching, welches sich der Code-
Alternierung bedient, um eine zusätzliche Bedeutung hinzuzufügen. Ist also ein linguistisches
Merkmal nicht gekennzeichnet, ist es die neutrale oder die standardmäßige Auswahl („default
choice“), die keine weitere oder zusätzliche Bedeutung impliziert. Ist die Code-Alternierung
jedoch markiert, weicht sie auf eine Art und Weise ab, und trägt somit eine zusätzliche Be-
deutung (vgl. Musk 2010: 186). Sprechen Zweisprachige miteinander, so sind die Grenzen
zwischen den einzelnen Sprachen locker. Jedoch wird oftmals das Code-Switching als eine
sinngebende Ressource verwendet, um eine neue Ressource und eine Bedeutung hinzuzufü-
gen, um beispielsweise andere zu zitieren, einen neuen Aspekt zu bringen oder einfach um
einen Gesichtspunkt zu wiederholen, damit man diesen dadurch hervorhebt. Der Wechsel
könnte auch von anderen kontextuellen Hinweisen begleitet sein, wie zum Beispiel Zitierver-
ben oder prosodischen Eigenschaften (vgl. Musk 2010: 195).
Wenn man sich mit der Analyse beschäftigt, wie denn nun die beiden Codes kombiniert
werden, so darf man laut Musk (2010) die Perspektive des Sprechers nicht außer Acht lassen.
Ihm zufolge man muss sich fragen, ob bei extremen Beispielen des Code-Mixing eine be-
stimmte Richtung verfolgt wird, da es oft vorkommt, dass es zu Reparaturen im Sinne von
Neustarts, d.h. eine Satzkonstruktion wird repariert, kommt (vgl. Musk 2010: 191).
Laut Musk (2010: 195) setzt die Mobilisierung von Code-Switching, um eine zusätzliche
Bedeutung hinzuzufügen, voraus, dass jemand im Stande ist, zwei Medien zu trennen. Es ist
dieses markierte Code-Switching, welches von den Zweisprachigen fordert, die beiden
sprachlichen Medien unterscheiden und trennen zu können und dementsprechend auch die
Sprachgrenzen einzuhalten. Diese Anschauung offenbart eine Kluft zwischen informellen
Sprachpraktiken und dem ideologischen Beharren auf die Aufrechterhaltung strenger Sprach-
grenzen, zum Beispiel in pädagogischen Kontexten (vgl. Musk 2010: 179).
Die Unterscheidung zwischen den Medien, dem nicht markierten standardmäßigen Medi-
um und dem markierten Medium, stellt eine Aufgabe sowohl für den Sender als auch den Re-
zipienten dar. Die Gegenüberstellung der Medien, also das Code-Switching, schlägt vor, dass
die Grenze zwischen den Sprachen potentiell ausgeschöpft werden kann und dadurch aber
gleichzeitig die Sprachtrennung auch eingehalten wird (vgl. Musk 2010: 195). Es kommt auch
vor, dass sich eine Verschiebung mitten in einer Wendung als Folge der Juxtaposition des
Codes (der Sprache) vollzieht. Ein Einschub wird aus der B-Sprache in das standardmäßige
Medium des gemischten Codes eingefügt. Im Prozess der Wiederholung des Punktes, welcher
den Code wechselt, nimmt das Wort eine markierte, zusätzliche, indexikalische Bedeutung
an, welche das Wort aus der Perspektive des Gesprächsteilnehmenden vom Code-Mixing zum
Code-Switching transformiert (vgl. Musk 2010: 193f.).
Hierbei bleibt außerdem auch anzumerken, dass beim Code-Mixing verschiedene gemisch-
te Stile erkennbar sind. So können laut Auer (1999: 314) beispielsweise sowohl jene, die ei-
nen einfügenden („insertional“) Charakter haben, als auch jene, die einen eher alternativen
Ansatz aufweisen, beobachtet werden. Das einfügende Code-Mixing impliziert, dass die Ein-

7
gliederung oder die Einbettung von Elementen aus einem Code (Sprache/ Sprachvarietät) in
den syntaktischen oder grammatikalischen Rahmen eines anderen Codes geschieht, wohinge-
gen das alternative Code-Mixing einen alternativen Gebrauch der beiden Codes impliziert,
d.h. ein Code wird länger benutzt bevor dann wiederum zum anderen Code gewechselt wird
(vgl. Musk 2010: 186).
Außerdem bleibt zu sagen, dass das standardmäßige Medium nach Musk (2010: 195) als
das gemischte Medium definiert wird. Das Fehlen des entsprechenden Vokabulars in der ei-
nen Sprache erschwert es den Sprachbenutzern bei der einen Sprache zu bleiben. Jedoch kann
das Fehlen des Vokabulars laut Musk (2010) lediglich zum Teil als Entschuldigung dienen,
um ein „code-mixed medium“ zu verwenden. In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die
Unterscheidung zwischen formalen und informalen Varietäten einer bestimmten Sprache, die
seiner Meinung nach zu Diglossie führen kann. Vereinfacht gesagt umfasst die Diglossie, die
„different functions and domains of use for each language“ (vgl. Bhatia & Ritchie 2012: 6).
Auch wenn in Ferguson`s (2000/1959) Liste der originalen Kriterien für Diglossie (Funktion,
Prestige, Standardisierung, Stabilität, Grammatik, Lexik, Phonologie, literarisches Erbe und
Erwerb) das Code-Mixing nicht angeführt steht, trägt es laut Musk (2010) jedoch maßgeblich
zu Diglossie in bestimmten Sprachen bei (vgl. Musk 2010: 195).
Nachdem nun die Unterscheidung zwischen dem Code-Mixing und dem Code-Switching
näher erläutert worden ist, soll im folgenden Kapitel im Speziellen auf die verschiedenen Ar-
ten von Code-Switching eingegangen werden.

Arten von Code-Switching


Zunächst einmal gilt es einen allgemeinen Überblick zu geben, wie der Wechsel zwischen den
Sprachen auf der Satzebene erfolgen kann, bevor dann näher auf die verschiedenen Kategori-
sierungen des Code-Switching eingegangen wird.
Die verschiedenen Arten von Code-Switching können auf Satzebene sowohl mitten im
Satz, am Satzanfang und -ende als auch als Einschub funktionieren. Erfolgt der „Switch“ am
Anfang bzw. am Ende, so kann ein Satz bspw. in Englisch begonnen und in Spanisch beendet
werden. Dieses Phänomen ist insbesondere bei Bilingualen, die zwei Sprachen fließend bzw.
auf muttersprachlichem Niveau sprechen, zu beobachten. Der Wechsel kann jedoch auch mit-
ten im Satz oder auch innerhalb einer Phrase erfolgen, indem man beispielsweise sagt: „Idem
einkaufen, pa ću poslije ići kod Hautarzt“. Hierbei ist sich der Sprecher oftmals dieses Wech-
sels gar nicht unbedingt bewusst, da es sich um Vorgänge handelt, die bereits automatisiert
ablaufen und es hier keiner großen Anstrengung oder Konzentration bedarf. Diese Art des
Sprachwechsels wird als mechanisch bezeichnet, da dieser unbewusst geschieht und man sich
der Wörter aus einer anderen Sprache bedient, weil sie einem schneller einfallen oder es even-
tuell in der ursprünglichen Sprache keine passenden oder dem Sprecher bekannten Begriffe
dafür gibt. Der Redner hat zumeist nicht das richtige Wort in der einen Sprache abrufbar, ihm

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fällt aber dafür der Begriff in einer anderen Sprache ein und somit bedient er sich des jeweils
anderen Sprachfundus. Bei der dritten Art von Code-Switching werden bestimmte Schlagwör-
ter, Floskeln oder Füllwörter der einen Sprache beim Formulieren in die andere Sprache „mit-
eingeschleust” (vgl. Brice & Anderson 1999: 17f.). Ein Beispiel dafür wäre: „Ich habe ihm
das so gesagt, mislim, das geht so nicht“. In diesem Beispielsatz wurde das kroatische Füll-
wort „mislim“ in eine deutsche Satzkonstruktion eingebaut und funktioniert genauso wie der
deutsche Einschub „ich mein`“. Diese Art von Sprachvermischung ist allem voran im
deutschsprachigen Raum, in welchem die deutschen, österreichischen, schweizerischen und
kroatischen, serbischen und bosnischen Kultur- und Sprachgemeinschaften aufeinandertref-
fen, keine Seltenheit und soll daher im folgenden Kapitel näher beschrieben werden (vgl.
URL: Fluter).
Davor soll aber noch auf die verschiedenen Kategorisierungen von Code-Switching einge-
gangen werden. Wie bereits im vorangehenden Kapitel erwähnt, ist die Code-Alternierung
beim Code-Switching in irgendeiner Art und Weise markiert und daher stellt der Wechsel
eine zusätzliche sinngebende Ressource dar. Beim Code-Switching wird durch den Wechsel
des Codes eine zusätzliche Bedeutung freigesetzt. Im Hinblick auf das Medium unterscheidet
man, basierend auf ihren formalen Eigenschaften, zwischen drei verschiedenen Kategorien
(vgl. Musk 2010: 187). „Medium repair“ umfasst eine Gesprächssituation in der eine teilneh-
mende oder eine sprechende Person die anderen darauf aufmerksam macht, dass das Medium
einer Reparatur bedarf, d.h. dass der verwendete Code zum gegebenen Zeitpunkt ungeeignet
ist. „Medium switching“ bezieht sich auf den vollkommenen Wechsel von einem Medium
zum anderen (normalerweise aus der A-Sprache in die B-Sprache). Dies bezeichnet Auer als
„sequential implicativeness of (medium) choice” (vgl. Auer 1984: 5). Der Wechsel führt ein
neues Medium innerhalb einer Interaktionssequenz ein. Dies könnte beispielsweise dann ein-
treffen, wenn das bevorzugte Medium der Person, an die man sich richtet, verwendet wird.
Die häufigste Form des Code-Switching ist „medium suspension“. „Medium suspension“ geht
einher mit dem temporären Wechsel des Codes, d.h. der ursprünglich verwendete Code bzw.
das standardmäßige Medium wird vorübergehend innerhalb einer Gesprächssituation durch
einen anderen Code ersetzt. Hier kommt die Markiertheit, welche bereits bei der Typologie
der Code-Alternierung nach Gafaranga und Torras (2002) Systematik erwähnt wurde, zum
Einsatz. Die Markiertheit („markedness“) wird von prosodischen Signalen, wie zum Beispiel
der zusätzlichen Betonung oder der vorangehenden Pause, und verbalen Markierungen, bei-
spielsweise den metalinguistischen Kommentaren oder der Zögerung, begleitet (vgl. Auer
1999: 314). Diese Merkmale signalisieren die Markiertheit und die zusätzliche Bedeutung.
Der häufigste Grund dafür ist das Zitieren von anderen Personen, um die Zitate bzw. das Ge-
sagte hervorzuheben. Der Code-Switch kann oder auch nicht über das Zitat hinaus verlängert
bzw. beibehalten werden, aber der Wechsel des Mediums ist jedenfalls von begrenzter Dauer.
Eine weitere Funktion des Code-Switching und dessen „medium suspension“ ist die Betonung
eines bestimmten Aspekts (vgl. Musk 2010: 193).

9
Sowohl bei „medium repair“, „medium switching“ und auch „medium suspension“ gehen
Sprechende oftmals fälschlicherweise davon aus, dass diese Aspekte des Sprachverhaltens,
also des Code-Switching, unmissverständlich mit der Halbsprachigkeit der Personen, die die-
se sprachlichen Praktiken an den Tag legen, zusammenhängen. Daher soll im folgenden Kapi-
tel kurz der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Semilingualismus und der Code-
Alternierung thematisiert werden.

Code-Alternierung = Halbsprachigkeit?
Wie bereits im erwähnt, soll im Folgenden der Zusammenhang zwischen der Code-
Alternierung und dem Semilingualismus, von dem oftmals ausgegangen wird, angeschnitten
werden.
Bilinguale haben mindestens zwei linguistische Repertoires, aus denen sie schöpfen kön-
nen. Dies kann zu kreativen Sprachpraktiken führen, wobei beide Sprachen dazu verwendet
werden können, um ein Spektrum an interaktionalen Zielen zu erreichen. Daher befinden sie
sich oftmals in der Schusslinie, wenn es um die Code-Alternierung geht, da dieses sprachliche
Phänomen mit der Halbsprachigkeit bzw. mit dem Begriff des Semilingualismus in Verbin-
dung gebracht wird. Trotz der Prävalenz von Code-Switching (und auch Code-Mixing) in
vielen bilingualen Sprachgemeinschaften, ist diese Praxis als Resultat der normativen doppel-
ten monolingualen Tendenz, welche üblich in den modernen europäischen Nationalstaaten ist,
oftmals negativ konnotiert. Diese Praxis wird fälschlicherweise als fehlende Sprachkompe-
tenz kategorisiert (vgl. Musk 2006: 113).
Das Anwenden von Code-Switching bedeutet jedoch nicht, dass die Sprecher die verwen-
deten Sprachen vermischen, weil sie nicht über genügend fundiertes sprachliches und gram-
matikalisches Wissen verfügen. Das Gegenteil ist der Fall, da die Sprechenden dieses Wissen
einzusetzen vermögen und dadurch eine Breite an Ausdrucksmöglichkeiten an den Tag legen
können. Dabei ist dies in der Kommunikation zu beobachten, wenn die Beteiligten mit der
Wahl der Sprache auf den Kontext und die sozialen Dimensionen, innerhalb derer sich das
Gespräch entwickelt, aufmerksam machen möchten (vgl. Liu 2008: 4).
Laut Jørgensen (2005) vertreten sogar Lehrende und Eltern, welche sich für die Zweispra-
chigkeit aussprechen, die Meinung, dass Kinder beide Sprachen vollkommen unabhängig
voneinander verwenden sollten, ohne dass Spuren von der einen Sprache in der anderen be-
merkbar sind, weil eben beide Sprachen rein bleiben sollten (vgl. Jørgensen 2005: 393). Ab-
gesehen von der Ideologie des linguistischen Purismus besteht die Besorgnis, dass die Kinder,
sofern sie regelmäßig Sprachen kombinieren, nicht in der Lage sein werden diese in ihrer ur-
sprünglich reinen Form zu verwenden, wenn dies beispielsweise in Gesprächssituationen mit
Monolingualen von ihnen verlangt wird (vgl. Jørgensen 2005: 393f.). Trotz der Tatsache, dass
solche Ansichtsweisen überwiegen, ist die Code-Alternierung bzw. das „Switchen“ zwischen
den Sprachen (oder den Codes) innerhalb einer Gesprächssituation eine äußerst gängige

10
Kommunikationspraxis zwischen Bilingualen, obwohl die Code-Wechsel-Muster sogar bei
einem einzelnen Sprachbenutzer beachtlich variieren können (vgl. Musk 2010: 181).
Code-Switching ist zum Teil sowohl unter den Einsprachigen als auch den Zweisprachigen
verpönt, doch die Schriftsprache unterliegt noch mehr der einsprachigen Norm. Laut Linell
(1998: 279) hat die geschriebene Sprache intrinsische Qualitäten, da diese dauerhaft, statisch
und diskret im Gegensatz zur kurzlebigen, dynamischen und kontinuierlichen gesprochenen
Sprache ist. Die angeführten Qualitäten tragen zu Tendenzen in der Schriftsprache bei, wobei
Schüler und Laien die schriftliche Sprache und ihre bestimmten Formen als Norm für die
Sprache, ihre Struktur, ihren Gebrauch und ihre Beschreibung heranziehen (vgl. Linell 1998:
28).
In seiner Studie mit walisischen Schulkindern stellte Musk (2010) fest, dass die monolin-
guistische Norm aufrecht ist und manchmal auch rigoros eingehalten wird, und zwar nicht
seitens der Lehrenden sondern seitens einer Minderheit von Schülern in der Bezugsgruppe,
die er untersucht hat. Die Erfahrungen mit den Normen sind ein Teil der sozialen Praktiken
von jungen Menschen und diese haben ihr Bewusstsein für Sprache geschärft. Im schulischen
Kontext ist der akademische Erfolg von der Einhaltung der Sprachgrenzen abhängig. Nichts-
destominder kann man, auch wenn man in der gesprochenen Sprache zwei Codes mischt, die-
se dennoch schriftlich voneinander unterscheiden. Hält man sich an die sprachlichen Grenzen,
so handelt man nach den Normen der monolinguistischen nationalistischen Ideologien der
europäischen Nationalstaaten (vgl. Musk 2010: 195).
Darwish (2000) argumentierte hinsichtlich zweisprachig aufgewachsener Kinder, dass kei-
ne bewusste Entscheidung seitens des Kindes gefällt wird, bevor es anfängt in einer Sprache
zu sprechen und zwischen den Sprachen zu wechseln. Hier spielen Auslöser in bestimmten
Situationen die entscheidende Rolle, wie z.B., wenn die Mutter sich bewusst dafür entschei-
det, dem Kind eine Frage in einer anderen Sprache zu stellen, das Kind diese versteht und
eben in dieser Sprache und nicht in der Sprache, in der beide normalerweise kommunizieren,
antwortet. Darwish (2000) geht hierbei davon aus, dass es sich dabei nicht um einen bewuss-
ten Vorgang beim Kind handelt, da dieses automatisch und ohne viel nachzudenken zwischen
den Sprachen wechselt (vgl. Darwish 2000: 2). Daraus ließe sich auch ableiten, dass das Phä-
nomen des Code-Switching bzw. des Code-Mixing natürlich und oftmals unbewusst abläuft,
ohne dass sich die involvierten Sprechenden des Vorganges bewusst sind.
Zudem bleibt festzuhalten, dass es laut Beardsmore (1986) vielen Bilingualen schwer fällt,
sich mit zwei Kultur- und Sprachkreisen gleichermaßen zu identifizieren, da dies oftmals bei
bestimmten Themenbereichen mit starken Interferenzen zwischen den Sprachen verbunden
ist. Auch wenn man einzelne Sprachen noch so gut beherrscht, kann es passieren, dass im
Umgang mit bestimmten Themen in einer Sprache, mit denen man nicht so viel bis wenig zu
tun hatte, die Spontanität verloren geht und ein künstlicher Zugang entsteht (vgl. Beardsmore
1986: 106). Dies ist oftmals ein weiterer Grund, weshalb Bilinguale, sobald sie mit Personen
kommunizieren, die die gleichen Sprachenpaare beherrschen, häufig ganz gerne den „Switch“

11
bei bestimmten Themenbereichen vornehmen und lieber in einer bestimmten Sprache darüber
sprechen, weil sie sich in der bevorzugten Sprache sicherer fühlen und sich dadurch auch bes-
ser ausdrücken können. Diese Tatsache hat auch Lörscher (2012) erkannt und sich somit auf
Grosjean (2001) bezogen, indem er meinte, dass Bilinguale, obwohl sie über gewisse Kompe-
tenzen in ihren beiden Sprachen verfügen – diese Kompetenzen sich oftmals nicht überlappen
– und somit die eine Kompetenz in der einen Sprache mehr und in der anderen Sprache weni-
ger gut ausgeprägt ist (vgl. Lörscher 2012: 5).
Abschließend bleibt zu sagen, dass sowohl Beardsmore (1986) als auch Grosjean (2001)
einen Ansatz bieten, der die Tatsache, weshalb Bilinguale oftmals die eine Sprache gegenüber
der jeweils anderen bevorzugen, näher erläutert. Beide sind der Meinung, dass Bilinguale
nicht auf Grund von fehlenden Kompetenzen einen sprachlichen „Switch“ innerhalb eines
Gesprächs vornehmen, sondern aufgrund von starken Interferenzen zwischen den Sprachen
und den unterschiedlich ausgeprägten Kompetenzen, die sich oftmals nicht überlappen. Die
Sprechenden führen dann wahlweise lieber die Kommunikation in der Sprache fort, in der sie
sich am wohlsten fühlen. Die Sprachvermischungen deuten also nicht unbedingt daraufhin
hin, dass man in beiden Sprachen nur „halbsprachig“ ist, d.h. keine der beiden Sprachen ver-
nünftig beherrscht oder nicht über genügend fundiertes sprachliches und grammatikalisches
Wissen verfügt. Es kann nämlich genauso gut ein Zeichen von gut ausgeprägter Zweispra-
chigkeit und einem guten Sprachgefühl sein. Wichtig ist nur zu wissen, wann und mit wem
man welchen Code verwendet, da man schließlich auch nicht im gleichen Register spricht,
wenn man sich beispielsweise mit einem Arbeitskollegen oder einem Familienangehörigen
unterhält. Beim Übertragen bestimmter Einheiten aus dem einen Register in das andere und
das innerhalb ein- und derselben Sprache bzw. Varietät, wie auch beim Transfer zwischen den
Sprachen, können, wie bereits erwähnt, Probleme vorkommen (vgl. Fabbro 2001: 213).
Jedoch soll auf das Thema des Semilingualismus, welches eng mit dem Thema des Bilin-
gualimus verwoben ist, hier nicht näher eingegangen werden, da es den Rahmen dieser Arbeit
sprengen würde und es lediglich galt, das Bestehen dieser Problematik aufzuzeigen. Um aber
die bisher dargelegten theoretischen Ansätze zum Code-Switching und Code-Mixing besser
zu veranschaulichen, soll im folgenden Kapitel das gesellschaftliche und sprachliche Phäno-
men der Code-Alternierung anhand des praktischen Beispiels aus der bosni-
schen/kroatischen/serbischen Community im deutschsprachigen Raum beleuchtet werden.

Sprachvermischungen durch das Code-Mixing und Code-Switching


– Am Beispiel des Sprachenpaares Deutsch-
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch
Die Entscheidung das sprachliche Phänomen der Code-Alternierung, insbesondere in der bos-
nischen/kroatischen/serbischen Sprachgemeinschaft, die im deutschsprachigen Raum lebt, zu

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untersuchen, wurde deshalb getroffen, da im empirischen Teil jene Dolmetschstudierenden
befragt werden sollen, die aus dem sprachlichen Umfeld der bosni-
schen/kroatischen/serbischen Sprache kommen. Der Exkurs in die derzeitige Gesellschaft im
deutschsprachigen Raum, konkret in die sprachliche Gesellschaft in Österreich, in welcher
das sprachliche Phänomen der Code-Alternierung Einzug in den Alltag gehalten hat, soll dazu
dienen, nachvollziehen zu können, ob das angeführte sprachliche Phänomen auch einen Ein-
fluss auf die ausgewählten Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden hatte und
wie sie dieses wahrnehmen.
Wenn es um die Sprache geht, gibt es die wundersamsten Erscheinungen. Solche Phäno-
mene treten insbesondere dann auf, wenn nicht nur zwei Sprachen, sondern auch zwei Kultu-
ren aufeinandertreffen. Im deutschprachigen Raum wird man zunehmend Ohrenzeuge einer
gegenwärtigen Sprachmode: „Jugo-Deutsch“, „Balkan-Slang“2 oder wie Linguisten dies be-
zeichnen würden: ethnolektales Deutsch (vgl. URL: NZZ). Diese aktuelle Sprachmode ist ein
Ausdruck soziokultureller Identität zwischen den Welten, vor allem zwischen Erwachsenen
und Jugendlichen. Das Verblüffende dabei ist, dass nicht nur Immigrantenkinder, sondern
auch gebürtige schweizerische, österreichische oder deutsche Jugendliche so miteinander
sprechen, als hätten sie selbst auch einen Migrationshintergrund. Was früher Anglizismen
waren, ist heute die Sprachenmischung Deutsch-Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und bei diesem
„Hype“ machen viele Jugendliche mit. Der Grund weshalb Jugendliche mit der Sprache expe-
rimentieren, liegt auf der Hand. Sie wollen sich schlicht und einfach von der Erwachsenen-
welt abgrenzen, sie wollen rebellieren – wenn auch nur sprachlich. Es konnte sogar bis hin in
die Antike nachgewiesen werden, dass die Jugendlichen schon immer versucht haben anders
als ihre Eltern zu sprechen, und schon damals machte sich die ältere Generation Sorgen um
das Spracherbe, doch diese Sorge erwies sich immer wieder als unbegründet (vgl. URL:
NZZ).
Diese heutige, neue Sprachmode zeichnet sich durch das Weglassen von Artikeln oder
Präpositionen und durch andere grammatikalisch fehlerhafte Konstruktionen aus. Es wird also
bewusst gegen die Sprachnormen verstoßen. Die Linguistik entwarnt jedoch, da sie der Auf-
fassung ist, dass die Experimentierfreudigkeit mit der Sprache und das bewusste Verletzen
der Normen voraussetzen, dass man die Normen überhaupt kennt. Das heißt, dass Linguisten,
wie bereits im vorangehenden Kapitel erwähnt, die Sprachvermischungen nicht mit Halbspra-
chigkeit in Verbindung bringen. Zudem sind die Linguisten der Meinung, dass Sprache kei-
nen festen Zustand hat, allen gehört und ihr Gebrauch sich dadurch verändert. Sie gehen sogar
soweit und behaupten, dass „gerade dieser Slang, dieses Sprachspiel, das Bewusstsein für
Sprachen fördert” (vgl. URL: NZZ). Dabei bleibt zu erwähnen, dass genau dieses Bewusst-
sein für die Sprache vonnöten ist, wenn man zwischen den Registern wechselt und das ma-

2
Die unbekannte Verfasserin des Artikels mit dem Titel „Die Sprache der Strasse“, vom 9.10.2005, aus der
Neuen Züricher Zeitung, benutzte diese beiden Begriffe für das Vermischen der deutschen und der bosnischen,
kroatischen und serbischen Sprachen.

13
chen Jugendliche nun mal, da sie anders mit ihren Freunden als beispielsweise mit ihren Leh-
renden sprechen. Wie bereits erwähnt, beziehen sich Fabbro (2001: 213) und Paradis (1998:
422) auf die Register und halten dazu fest, dass bilinguale zwischen den Sprachen wechseln,
während Monolinguale zwischen den Registern „switchen“ (vgl. Fabbro 2001: 213).
Wie manifestiert sich aber nun dieses soziolinguistische Phänomen in der Praxis, in der
Verwendung der deutschen Sprache im Zusammenspiel mit den Bosnischen-, Kroatischen-
und Serbischen-Sprachen? Im folgenden Kapitel sollen Beispiele aus der Praxis herangezogen
werden, um dieses Ineinanderfließen und Vermischen von Sprachen besser zu veranschauli-
chen.

Code-Switching und Code-Mixing zwischen Bosni-


sch/Kroatisch/Serbisch und Deutsch
Um die theoretischen Ansätze zur Code-Alternierung besser demonstrieren zu können, sollen
in diesem Kapitel die sprachlichen Phänomene des Code-Switching und Code-Mixing anhand
von praktischen Beispielen aus der Bosnischen/Kroatischen/Serbischen-Community darge-
stellt werden. Dabei soll auch ein Beispiel aus der Praxis gebracht werden, um sowohl das
Code-Mixing als auch das Code-Switching zu veranschaulichen.
Im Folgenden soll ein Beispiel aus dem Monatsmagazin Kosmo gebracht werden, um die
verschiedenen Arten des Code-Switching, aber auch des Code-Mixing beleuchten zu können,
da sich auch ein österreichisches Monatsmagazin, wie Kosmo, welches für die bosnische,
kroatische, montenegrinische und serbische Leserschaft schreibt, mit diesem Thema beschäf-
tigt hat. Auffallend sind vor allem die grammatikalische und orthographische Veränderung
und Anpassung der deutschen an die slawischen Wörter. Um es besser zu veranschaulichen,
hier ein Beispiel, wie solche Dialoge zwischen den Familienmitgliedern, in diesem Fall Mut-
ter und Sohn, die sich über ihre Tagesaufgaben austauschen, aussehen (können):

Mama: „Sine, je l‘ možeš po brata u Kindergarten, a posle do magistrata, zvala je Frau Miler.“
Sohn: „Jao mama, ja baš nemam Lust, ali ajde. Šta ti je rekla Müller, gotova ti je nova Meldecedulja?
Mama: „Da i nemoj da vergesseniš da sutra dolaze stric i strina iz Juge kod nas na Urlab. Ajde, vidi usput
da li ima u Gešeft onaj dobar Šafskeze koji vole! Evo ti ganze Einkaufslista, pa ti vidi šta možeš da
nađeš.“
Sohn: „Dobro, bre, Mutti! Sve ću da obavim. Imaš li Sackerl?“
Mama: „Eno je u Abštellraumu. Ajde, idi više, zakasnićeš, a ja ću dalje da putzenim stan.“
Sohn: „Ajd ćüs!“
Mama: „Papa i budite brav!“
(vgl. URL: Kosmo)

[Mutter: „Mein Sohn, könntest du deinen Bruder aus dem Kindergarten abholen und später zum Magistrat
fahren? Die Frau Müller hat angerufen.“

14
Sohn: „Oh man, Mama! Ich habe nicht wirklich Lust, aber ok. Was hat die Frau Müller gesagt? Ist dein
neuer Meldezettel schon fertig?“
Mutter: „Ja, und vergiss bitte nicht, dass morgen Onkel und Tante aus Jugoslawien zu uns auf Urlaub
kommen. Auf dem Nachhauseweg könntest du im Geschäft nachsehen, ob es diesen guten Schafskäse
gibt, den sie so gerne essen. Hier hast du die ganze Einkaufsliste. Schau mal was du davon besorgen
kannst.“
Sohn: „Ok, Mutti. Ich werde das alles erledigen. Hast du ein Sackerl?“
Mutter: „Es ist im Abstellraum. Sieh nach und geh‘, du bist schon spät dran! Und ich werde die Wohnung
weiter putzen.“
Sohn: „Gut, tschüss!“
Mutter: „Tschüss und brav bleiben!“]

Es wird also auf den ersten Blick deutlich, dass manche Wörter genauso übernommen wur-
den, wie man sie in Deutsch auch aussprechen oder schreiben würde, andere wiederum gar
nicht mehr zu erkennen sind, da nur noch ihre phonetische Aussprache, fernab aller guten
linguistisch-grammatikalischen Regeln, neugeformt wurde, und nun weiter „verwertet“ wird.
Weitere Beispiele dieser Sprachmischungen, stellen Wörter wie „Mistkibel“ (Mistkübel),
„Gemise“ (Gemüse) oder „mide” (müde) dar (vgl. URL: Kosmo). Die angeführten Beispiele
wurden durch die slawische Aussprache einer phonologischen Veränderung und einer ortho-
graphischen Anpassung des Deutschen an das Slawische unterzogen.
Weiters wird dabei auf bereits existierenden Wortschatz aufgebaut und so werden lediglich
die Infinitivsuffixe „-iti” oder „-ati” an die deutschen Verben angehängt. So wird beispiels-
weise aus dem Wort „mixen“ im „Jugo-Deutsch“ zu „mixati“, aus dem Wort „putzen” wird
„putzati“, aus „schlafen“ wird „schlafeniti“ und „lesen” wird zu „leseniti“ (vgl. URL: Kos-
mo). Ein weiteres Beispiel wäre die Wortneubildung „šparati“ (sparen), bei der man sich
ebenfalls der beiden Codes, des Deutschen und des Bosnischen, Kroatischen und Serbischen,
bedient hat (vgl. URL: DerStandard). Es handelt sich hierbei größtenteils um deutsche Wör-
ter, die Deutschsprachige auch ohne Probleme verstehen können, sofern sie einer Person aus
dem slawischen Kulturkreis beim Sprechen zuhören, die lediglich an die slawische Gramma-
tik angepasst worden sind. In der Fachsprache spricht man dann, wie bereits erwähnt, von
Code-Mixing.
Doch es gibt auch Situationen, in denen man mit Freunden oder Verwandten aus dem
ehemaligen Jugoslawien spricht, welche in Österreich leben, und einem ein bestimmtes Wort,
beispielsweise auf Kroatisch, nicht einfällt oder man schlichtweg findet, dass das deutsche
Wort einfach besser passt, also bedient man sich aus dem deutschen Sprachfundus, um sich
entsprechend ausdrücken zu können. Und so kann es passieren, dass man einen Satz auf Kroa-
tisch beginnt und in deutscher Sprache beendet, wie z.B.: „Danas idem einkaufen“. Was hier
passiert, ist ein klassischer Fall von Code-Switching, da man sich kurzerhand dazu ent-
schließt, den Satz, welcher in kroatischer Sprache begonnen wurde, mit dem Wort aus dem
deutschen Code zu ergänzen.

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Nachdem die theoretischen Ansätze und Erläuterungen zum Themenbereich der Code-
Alternierung nun auch anhand von praktischen Beispielen dargestellt worden sind, soll im
nächsten Kapitel auf Studien, welche sich mit dem Thema Code-Switching beschäftigt haben,
eingegangen werden. Das folgende Kapitel und die Untersuchungen, welche darin abgehan-
delt werden, bilden den Grundstein für das Forschungsunterfangen dieser Arbeit, dessen em-
pirische Forschung sich an die Untersuchungsergebnisse der Studien anlehnt, um die For-
schungsfragen in der eigenen Untersuchung beleuchten zu können.

2. Die Einstellung zum Code-Switching und die Wahrnehmung


des Code-Switching der Sprechenden
Da sich die Forschungsfrage mit der Einstellung der Sprechenden zum Code-Switching aus-
einandersetzt, gilt es in diesem Kapitel der Fragestellung, wie denn nun Personen mit dem
Thema des Sprachwechsels umgehen und wie sie diesen wahrnehmen, auf den Grund zu ge-
hen. Im folgenden Kapitel sollen zunächst einmal die Versuche, das soziolinguistische Phä-
nomen der Code-Alternierung, einem Sprachkonzept zuzuordnen, skizziert werden. In einem
weiteren Schritt konzentriert sich dieses Kapitel auf zwei Studien, nämlich auf jene von De-
waele und Wei (2014a) und auf jene von Kharkhurin und Wei (2015), welche sich mit dem
Code-Switching beschäftigen. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) beschäftigt sich mit
der Einstellung der Sprachbenutzenden gegenüber dem Code-Switching, und die Studie von
Kharkhurin und Wei (2015) behandelt die Rolle des Code-Switching bezüglich der bilingua-
len Kreativität, umfasst jedoch auch die Thematik der Einstellung gegenüber dem Code-
Switching. Wie bereits erwähnt, bilden die Studien und deren Untersuchungsergebnisse den
Grundstein für das Forschungsunterfangen dieser Arbeit, da sich der Interviewleitfaden bzw.
das Interview mit den Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden an diese anlehnt.

Der Sprachgebrauch in der gegenwärtigen Gesellschaft mit Fokus


auf die Code-Alternierung
Wie bereits erwähnt gilt es zunächst den Sprachgebrauch in der gegenwärtigen Gesellschaft
im Hinblick auf die Code-Alternierung zu beleuchten, indem verschiedene Studien und ihre
Untersuchungsergebnisse, als auch unterschiedliche soziolinguistische Ansätze herangezogen
werden. Es soll insbesondere auf die Studie von Musk (2010), die sich mit der Einhaltung der
Grenzen zwischen den Sprachen beschäftigt hat, Bezug genommen werden.
Die Verwendung der Sprache, vor allem in gegenwärtiger urbaner Umgebung, strebt es an,
sich von den Zuschreibungen von Sprache und Identität entlang der konventionellen stati-
schen Korrelationen zwischen Nation, Sprache und Ethnizität loszusagen. Die Beziehungen,
welche zwischen der Sprache und den Zugehörigkeitsformen angenommen werden, werden

16
zunehmend hinterfragt. Dabei tritt die Code-Alternierung immer mehr in den Vordergrund, da
es immer öfter üblich ist, zwischen den Sprachen zu wechseln, zumal diese Art des Sprachge-
brauchs in Kontexten, in welchen zwei Sprachen in täglichen Interaktionen zum Einsatz
kommen, immer mehr verbreitet ist (vgl. Myers-Scotton 2006: 249f). Der gemischte Spra-
chencode ist nicht so sehr auf die Verwendung der unterschiedlichen Erst- und Zweitsprache,
sondern vielmehr auf einen bestimmten Sprachencode, welcher als Lingua Franca in einer
gegebenen Umgebung funktioniert, zurückzuführen (vgl. Otsuji & Pennycook 2010: 241).
Die jüngste Bewegung in bi- und mehrsprachigen Studien verlagert den Fokus vom Code-
Switching und Code-Mixing hin auf das Interesse, um die Ergebnisse der Grenzen, und der
Unterscheidungen, als Resultate bestimmter Sprachideologien, und wie bzw. inwiefern die
Sprachbenutzer die mehrsprachigen Ressourcen, welche ihnen zur Verfügung stehen, manipu-
lieren. Makoni und Pennycook (2007) argumentieren dabei, dass die Sprache ein soziales,
politisches und historisches Konstrukt sei. Sie schlagen vor, die Sprache neu zu erfinden und
zu rekonstruieren, indem man aus dem lokalen Wissen und dessen Bedeutung, für die Men-
schen im lokalen Kontext, schöpft. Dabei müsse man dort ansetzen, wo die Menschen ihre
multilingualen Ressourcen anwenden, dies beobachten und sich damit auseinandersetzen, wie
diese Personen das Verwenden der Sprache verstehen und wahrnehmen (vgl. Makoni & Pen-
nycook 2007: 3f.).
Laut Stroud (2007) können die soziolinguistischen Ansätze (sie stehen im Gegensatz zu
den strukturellen und grammatikalischen) im Hinblick auf die Code-Alternierung in zwei Ka-
tegorien eingeteilt werden: in eine identitätsorientierte und eine organisatorische. Der erstere
Ansatz bezieht sich auf die sozialen Identitäten der Sprechenden und auf die Beziehungen
zwischen diesen (vgl. Stroud 2007: 31). Hierbei geht man Myers-Scotton (1988) zufolge da-
von aus, dass die Sprechenden kulturell geteilte Identitäten, Rechte und Verpflichtungen zu
diesen Codes hinzufügen (vgl. Myers-Scotton 1988: 176f.). Obwohl die Verbindung zwischen
Codes und sozialen Identitäten nicht in einem organisatorischen Ansatz ausgeschlossen ist,
wird nicht davon ausgegangen. Stattdessen muss in der Rede des Sprechers gezeigt werden,
dass dies tatsächlich der Fall ist. Daher ist es ratsam die Code-Alternierung nicht immer als
ein Signal für die Identität zu betrachten, sondern diesem Wechsel stattdessen einen organisa-
torischen Ansatz, welcher der Alternierung keine Bedeutung beimisst, zuschreiben. Die Be-
deutung der Alternierung – sofern es eine gibt – ist etwas das gemeinsam in der fortlaufenden
Organisation des Gesprächs erschlossen wird (vgl. Musk 2010: 186).
Oftmals wird versucht zu erklären, warum Menschen in bestimmten Gesprächssituationen
so handeln wie sie handeln. Otsuji & Pennycook (2010: 241f.) bringen in ihrer Studie ein Bei-
spiel, bei dem eine englischsprachige Mitarbeiterin in einem japanischen Unternehmen dem
englischsprachigen Kollegen ein Telefonat mit japanischen Kunden auf Englisch und Japa-
nisch wiedergibt, wohingegen sie dem japanischen Kollegen das gleiche Gespräch zur Gänze
in englischer Sprache schildert. Anhand dieses Beispiels veranschaulichen die beiden die Tat-
sache, dass ein und derselbe Kontext in zwei verschiedenen Sprachen gebracht wird, und

17
Otsuji & Pennycook (2010: 242) finden es sinnvoller, dabei im Sinne des Metrolingualismus
zu denken und nicht etwa Versuche anzustellen, eine Erklärung zu liefern, weshalb in der
oben beschriebenen Situation zwischen den Sprachen gewechselt worden ist. In der Analyse
dieses Fallbeispiels schildern Otsuji & Pennycook (2010: 242) außerdem auch, dass das Per-
sonal der Firma, welches untersucht worden ist, grundsätzlich nur sehr wenig Bewusstsein
bezüglich der Verwendung sowohl der einen als auch der anderen Sprache hatte. Die Mitar-
beiter äußerten, dass sie nicht bewusst Englisch oder Japanisch sprechen und die meiste Zeit
frei aus dem Bauch heraus entscheiden und diejenige Sprache verwenden, in der sie sich zum
gegebenen Zeitpunkt wohlfühlen. Andere wiederum meinten, dass sie kein Bewusstsein dar-
über besitzen, ob sie denn nun tatsächlich eine bestimmte Sprache wählen, und sogar wenn sie
an eine bestimmte Gesprächssituation zurückdenken, erinnern sie sich gar nicht mehr daran in
welcher Sprache sie das Gespräch geführt haben. Und dennoch sind sich die Teilnehmenden
der Studie durchaus dessen bewusst gewesen, dass sie einen Wechsel zwischen den Sprachen
vorgenommen haben, da sie meinten „what we are doing here is bastardising English and Ja-
panese or in a casual conversation, language is chaotic“ (Otsuji & Pennycook 2010: 242). Die
Mitarbeiter sind also der Meinung, dass sie beide Sprachen sozusagen „entstellen“, versuchen
dies jedoch dadurch zu erklären, dass die Sprache an sich ja chaotisch ist. Obwohl die Stu-
dienteilnehmenden von sich behaupten, keinen Sinn dafür zu haben, Sprachen getrennt vonei-
nander zu verwenden, wissen sie offensichtlich dennoch über das Set an idealen und ord-
nungsgemäßen sprachlichen Praktiken Bescheid, da sie dadurch ihr eigenes Verhalten als her-
abwürdigend und chaotisch bezeichnen und einstufen (vgl. Otsuji & Pennycook 2010: 242).
In einer weiteren Studie beschäftigte sich Musk (2010) mit den Grenzen der Sprache und
inwiefern diese auch tatsächlich eingehalten werden. Musk (2010) hat sich an die Empfehlung
von Gafaranga und Torras (2002) gehalten und den Terminus „Code“ für die analytische Ka-
tegorie verwendet, wobei er dabei zwischen Sprache und Sprachvarietät unterschieden hat.
Demzufolge sind die Teilnehmenden eines Gesprächs weniger damit beschäftigt, welche
Codes verwendet oder gemischt werden, und daher sollte der Begriff „Medium“ benutzt wer-
den, um die Verwendung der Codes seitens der Gesprächsteilnehmenden erklären zu können.
Laut Musk (2010) ist das nicht-markierte oder standardmäßige Medium der jungen walisi-
schen Gesprächsteilnehmenden, deren sprachliches Verhalten er untersucht hat, durch Code-
Mixing gekennzeichnet, d.h. dass ihr Medium bilingual ist, da Wörter und Phrasen aus der A-
Sprache in einen überwiegend B-Sprache-lastigen syntaktischen und grammatikalischen
Rahmen eingefügt werden (vgl. Musk 2010: 187).
Weiters hielt Musk (2010) fest, dass die Walisisch-Sprachigen in Wales, in allen Generati-
onen, bilingual sind und somit häufig zwischen den verschiedenen Codes (Sprachen oder
Sprachvarietäten) alternieren. Musk (2010) beschäftigte sich damit, ob die sprachlichen Gren-
zen tatsächlich eingehalten werden bzw. ob wirklich zwischen den beiden Sprachen in alltäg-
lichen Gesprächssituationen unterschieden wird. Dabei merkte er an, dass zunächst einmal
zwischen zwei Perspektiven, und zwar zwischen jener eines Sprechenden und jener eines

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Analysierenden, zu unterscheiden sei. Laut Musk (2010) ist es für einen Analysierenden eine
einfache Aufgabe, eine Sprache morphosyntaktisch und lexikalisch von der anderen zu unter-
scheiden, obwohl es einige graue Bereiche gibt – besonders wenn es um die Lehnwörter geht.
Doch bei der Frage nach den Sprachgrenzen geht es auch darum, wie bzw. inwiefern sich die
Sprechenden selbst an diesen Codes bzw. Sprachen/ Sprachvarietäten orientieren. Musk
(2010) suchte nach Antworten, ob die Zweisprachigen in irgendeiner Weise reagieren, wenn
die Codes auf unterschiedliche Art und Weise innerhalb einer sprachlichen Einheit (Code-
Alternierung) gemischt werden oder ob sie lediglich zwischen den Codes wechseln und diese
als ein Instrument benutzen, um eine zusätzliche Bedeutung hinzuzufügen. Auch sollte mit
der Studie hinterfragt werden, ob die Juxtaposition einer der beiden Sprachen völlig willkür-
lich geschieht oder eine Bedeutung trägt. Musk (2010) hielt dazu fest, dass sofern die Code-
Alternierung bzw. der Wechsel zufällig erfolgt, dies darauf hindeute, dass die Sprachgrenzen
nicht eingehalten werden. Er setzte fort, dass jedoch – sofern der Code-Wechsel eine Bedeu-
tung impliziert – dies die Relevanz der sprachlichen Grenzen, trotz der Tatsache, dass die
Sprachen aus Sicht eines Analysierenden gemischt werden, bestätigen würde. Durch die An-
nahme der Perspektive von Teilnehmenden stellte sich heraus, dass das Standardmedium, das
von Jugendlichen in informellen Diskussionen verwendet wird, ein gemischter Code ist; B ist
in erster Linie die Grundsprache, aber mit den Einsätzen aus der A-Sprache (Wörter und
Phrasen). Es handelte sich also um ein nicht-markiertes Medium, welches keine weitere Be-
deutung trägt. Die Studienteilnehmenden benutzten ein bilinguales Medium, wobei die Gren-
zen zwischen den Sprachen oder den Codes zumeist nur locker eingehalten wurden, d.h., dass
die eine Sprache überwiegend den syntaktischen Rahmen geboten hat (vgl. Musk 2010: 180).
Schlussfolgernd kann also gesagt werden, dass Musk (2010) festgestellt hat, dass die Studien-
teilnehmenden in seiner Studie nur bis zu einem gewissen Grad die sprachlichen Grenzen
eingehalten haben.
Abschließend kann gesagt werden, dass sich die Verwendung der Sprache ständig verän-
dert und in der heutigen Gesellschaft versucht, sich von den Zusammenhängen zwischen Na-
tion, Sprache und Ethnizität loszusagen. Weiters werden diese Beziehungen, vor allem die
Beziehung zwischen Nation und Sprache, zunehmend hinterfragt. Dabei gehört die Code-
Alternierung immer mehr zum Bild der sprachlichen Landschaft, da es immer öfter üblich ist,
in Kontexten, in welchen zwei Sprachen in täglichen Interaktionen zum Einsatz kommen,
zwischen den Sprachen zu wechseln. Jedoch lässt sich dieses sprachliche Phänomen nicht so
einfach einem streng definierten Sprachkonzept zuordnen.
Im folgenden Kapitel soll auf zwei Studien, welche sich einerseits mit der Einstellung der
Sprechenden gegenüber dem Code-Switching und andererseits mit der Rolle des Code-
Switching bei der bilingualen Kreativität beschäftigen, eingegangen werden.

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Studien zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching und zur Rol-
le des Code-Switching bei bilingualer Kreativität
Zwei Studien, die als Basis für das Forschungsunterfangen dieser Arbeit ausgewählt worden
sind, sollen im Folgenden ausführlich behandelt werden. Dabei soll zuerst auf die Studie von
Kharkhurin und Wei (2015), die sich mit der Rolle des Code-Switching im Zusammenhang
mit bilingualer Kreativität auseinandergesetzt hat, Bezug genommen werden. Anschließend
soll auf jene von Dewaele und Wei (2014a), welche sich mit der Einstellung der Sprachbenut-
zenden gegenüber dem Code-Switching beschäftigt hat, eingegangen werden. Der Interview-
leitfaden, welcher dazu verwendet worden ist, um ein Interview mit den Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden zu ihrer Einstellung gegenüber dem Code-
Switching führen zu können, basiert auf diesen beiden Studien, deren Forschungsfragen und
Untersuchungsergebnissen, welche in diesem Kapitel näher betrachtet werden sollen.

2.2.1. „The role of code-switching in bilingual creativity“ – eine


Studie von Anatoliy V. Kharkhurin und Li Wei (2015)

In einem ersten Schritt soll die Studie von Kharkhurin und Wei (2015), die sich mit dem Zu-
sammenhang zwischen der bilingualen Kreativität und dem Code-Switching beschäftigt hat,
betrachtet werden. Kharkhurin und Wei (2015) haben die Antwort auf die Frage gesucht, ob
denn nun das Praktizieren von Code-Switching einen Einfluss auf die Kreativität hat. Das
Hauptaugenmerk wurde bewusst unter anderem auch auf die Studie von Kharkhurin und Wei
(2015) gelegt, da diese Studie mit Hilfe einer Art Selbstbericht die Einstellung und das Ver-
halten hinsichtlich des Code-Switchings mittels eines Online-Fragebogens erforscht hat. Die
Ergebnisse, die Forschungsfragen und die Hypothesen der Studie, die zu den Gründen, den
verschiedenen Umständen und den emotionalen Zuständen, die mit dem Code-Switching zu-
sammenhängen, festgehalten worden sind, waren relevant für das Forschungsunterfangen die-
ser Arbeit.
Dabei wurde in der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) – angelehnt an die vorange-
henden Studien – die selektive Aufmerksamkeit als der potentielle kognitive Mechanismus,
welcher einerseits vom ausgiebigen Code-Switching profitieren und andererseits die kreative
Leistung ermöglichen würde, erforscht. In ihrer Studie wurden die Teilnehmenden mit Hilfe
einer Umfrage befragt und untersucht. Diese diente dazu, die gewohnheitsmäßigen und die
nicht gewohnheitsmäßigen „Code-Switcher“ zu selektieren. Die beiden Gruppen wurden bei
Kreativitäts- und Selektive-Aufmerksamkeits-Tests verglichen. Die gewohnheitsmäßigen
„Code-Switcher“ zeugten von größerer innovativer Fähigkeit als die nicht-
gewohnheitsmäßigen „Code-Switcher“. Dennoch wiesen beide Gruppen keine Unterschiede
hinsichtlich der selektiven Aufmerksamkeit auf. Die Beziehung zwischen der selektiven
Aufmerksamkeit und der innovativen Fähigkeit konnte nur unter den nicht gewohnheitsmäßi-

20
gen „Code-Switchern“ festgestellt werden. Weiters scheint es, als würde das Code-Switching,
welches durch bestimmte emotionale Zustände und das Fehlen eines spezifischen Vokabulars
in der Zielsprache ausgelöst wird, zur Erhöhung der innovativen Kapazität beitragen (vgl.
Kharkhurin & Wei 2015: 153).
Die Beziehung zwischen der Zweisprachigkeit und der Kreativität hat eine beachtliche
Menge an Studien in den letzten vier Jahrzehnten hervorgebracht. Die bestehenden Untersu-
chungen sprechen jedoch laut Kharkhurin und Wei (2015) kaum die definierende Eigenschaft
des Bilingualismus, nämlich das Code-Switching, an. Beim Code-Switching werden, wie be-
reits in vorangehenden Kapiteln erwähnt, die verschiedenen Sprachen in ein und derselben
sprachlichen Produktionseinheit gewechselt. Das Code-Switching als kreativer Akt ist jedoch
umstritten. So haben Linguisten, welche sich der Tradition der linguistischen Ethnographie
verschrieben haben, das Code-Switching mit anderen Termini, wie zum Beispiel dem
Translanguaging ersetzt, um seine kreative und dynamische Natur zu erfassen (vgl. Garcia &
Wei 2014: 20ff.). Dabei ist das Code-Switching in den verschiedensten Kontexten, angefan-
gen von der Literatur bis hin zu den neuen Medien, wie zum Beispiel Facebook, untersucht
worden. Die Studien um das Translanguaging nehmen das Code-Switching nicht einfach als
Juxtaposition verschiedener grammatikalischer Strukturelemente, sondern als ausdrucksvolle,
kreative und oft multimodale Leistung wahr (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 153).
Tatsache ist, dass nicht alle Zweisprachigen zwischen den Codes „switchen“,und nicht alle,
die Code-Switching betreiben, wechseln zwischen den Sprachen auf die gleiche Art und Wei-
se. Die Sozilinguistik argumentiert schon sehr lange, dass das Code-Switching eine kontext-
sensitive Diskursstrategie ist (vgl. Auer 1998: 156ff.). Damit ist gemeint, dass die Zweispra-
chigen sich ihre Sprachen in verschiedenen Kontexten, auf verschiedene Arten und für ver-
schiedene Zwecke aneignen. Bilinguale haben außerdem verschiedene Sprachkombinationen
und Leistungsniveaus und dementsprechend auch eine andere Einstellung gegenüber dem
Code-Switching. Es gibt Zweisprachige, welche in bilinguale Familien geboren wurden, und
es gibt Gemeinschaften in denen das Code-Switching die Norm ist, da man nie die Erfahrung
mit der monolingualen Norm gemacht hat. Das Code-Switching ist ihr gewöhnliches Dis-
kursmodell, und diese Bilingualen finden es schwierig oder gar unmöglich, sich nur in einer
Sprache auszudrücken. Für andere wiederum ist das Code-Switching eine erlernte Fähigkeit,
welche sie nur in konkreten Kontexten, aus besonderen Anlässen und mit bestimmten Ge-
sprächspartnern anwenden. Laut Grosjean (2001) gibt es jedoch auch andere Personen, wel-
che sich alltäglich in ihren sozialen Erfahrungen zwischen den bilingualen und monolingualen
Modi bewegen. Und dann gibt es auch noch Menschen, die zwischen den Sprachen wechseln,
wenn sie sich in bestimmten emotionalen Zuständen befinden oder um dadurch spezielle Ef-
fekte in ihre Rede einzubauen (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 239). Daher könnte man zwischen
diesen Gruppen Abweichungen in der Beziehung zwischen dem Code-Switching und der
Kreativität erwarten. Zweisprachige, welche regelmäßig zwischen den Codes „switchen“,
auch „habitual code-switchers“ (HCS) genannt, weisen hochinnovative Formen, welche Ele-

21
mente aus verschiedenen Sprachen beinhalten, auf. Darüber hinaus scheint es als täten sie dies
mühelos. Von dieser Gruppe könnte daher erwartet werden, dass sie höhere kreative Leistun-
gen an den Tag legen als jene, die das Code-Switching nicht in ihre tägliche Praxis miteinbe-
ziehen, d.h. nicht gewohnheitsmäßig die Codes „switchen“ (auch „non-habitual code-
switchers“ – NHCS – genannt). Die Studie von Kharkhurin und Wei (2015) geht von dieser
Hypothese aus und untersucht die kreativen Leistungsunterschiede zwischen den beiden
Gruppen der HCS und NHCS (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 154).
In diesem Kapitel wurde die Studie von Kharkhurin und Wei (2015) lediglich grob skiz-
ziert und daher soll in den folgenden Kapiteln zu dieser Studie ausführlich auf bestimmte As-
pekte, die das Hauptaugenmerk der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) bilden, und die
eingangs in diesem Kapitel lediglich zusammengefasst erwähnt wurden, eingegangen werden.
Zunächst soll auf die bilinguale Kreativität, dann auf die kognitiven Mechanismen, weiters
auf die vorangehenden Studien zur Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und
dem Code-Switching, wie auch auf die Methode, die Teilnehmenden, die Instrumente und den
Ablauf der Untersuchung, folglich auf die Messung der kreativen Fähigkeit und der selektiven
Aufmerksamkeit und schließlich auf die Ergebnisse der Studie eingegangen werden.

2.2.1.1. Bilinguale Kreativität nach Kharkhurin und Wei (2015)

Um auf die Studie von Kharkhurin und Wei (2015), auf ihre Hypothesen und ihre Fragestel-
lungen im späteren Verlauf dieses Kapitels näher eingehen zu können, soll zunächst einmal
Bezug auf die bilinguale Kreativität genommen werden, da dies schließlich ein zentraler Be-
griff ihrer Forschungsarbeit ist.
Kharkhurin & Wei (2015) beziehen sich auf die Soziolinguistik, die die bilinguale Kreati-
vität als jene kreativen Prozesse, welche das Resultat der Kompetenzen in zwei oder mehr
Sprachen sind, bezeichnet. Darunter fällt zum Beispiel die Gestaltung eines Textes, der
sprachliche Ressourcen aus zwei oder mehr verwandten oder nicht-verwandten Sprachen
verwendet, als auch die Verwendung von mündlichen Strategien – einschließlich des Code-
Switching – in denen subtile sprachliche Anpassungen aus psychologischen, soziologischen
und anderen Gründen gemacht werden (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 154). Diese Prozesse
werden in Zusammenhang mit der Identitätsdarstellung oder der sogenannten optimalen
Grammatik des Bilingualismus gebracht (vgl. Bhatt & Bolonyai 2011: 535). Bhatia und Rit-
chie (2008) decken die verschiedenen Facetten der bilingualen Kreativität durch das Code-
Switching auf, da sich das Code-Switching im alltäglichen verbalen Verhalten der Zweispra-
chigen manifestiert, und argumentieren, dass das Code-Switching im Wesentlichen eine opti-
mierende Strategie ist, welche eine große Bandbreite an neuen Bedeutungen ermöglicht und
welche die getrennten linguistischen Systeme nicht vereinzelt erbringen können. Die kreative
Fähigkeit des bilingualen Gehirns bzw. Verstandes hängt von der Fähigkeit des Zweisprachi-
gen, die Trennung der Sprachen als auch die Integration der Sprachen gleichzeitig aufrechtzu-

22
erhalten, ab (vgl. Bhatia & Ritchie 2008: 6). Welche kognitiven Prozesse hängen aber nun mit
der kreativen Fähigkeit und dem Code-Switching zusammen? Dieser Frage soll im nächsten
Kapitel nachgegangen werden.

2.2.1.2. Kognitive Mechanismen, die laut Kharkhurin und Wei (2015) mit
dem Code-Switching und der Kreativität einhergehen

Hat man die Hypothese, dass die bilinguale Kreativität und das Code-Switching zusammen-
hängen, aufgestellt, so stellt sich im nächsten Schritt die Frage, welchen kognitiven Mecha-
nismen die Beziehung zwischen dem Code-Switching und der Kreativität unterliegt. Diese
Frage, die sich auch Kharkhurin und Wei (2015) gestellt haben, soll in diesem Kapitel beant-
wortet werden.
In der psychometrischen Tradition wird die Kreativität nach Guilford (1967) als eine Fä-
higkeit, die zahlreichen Zyklen des konvergenten und divergenten Denkens auszulösen,
wahrgenommen (vgl. Guilford 1967: 331f.). Diese Zyklen kreieren laut Mumford et al. (1991)
aktive Prozesse, welche nach Aufmerksamkeit verlangen, die wiederum zur Entwicklung von
neuen, alternativen Lösungen beitragen (vgl. Mumford et al. 1991: 94f.). Die fundamentale
Unterscheidung zwischen konvergentem und divergentem Denken ist die Tatsache, dass das
konvergente Denken ein bewusster Prozess ist, welcher nach Aufmerksamkeit fordert, wäh-
rend das divergente Denken sich im Unterbewusstsein abspielt, die Aufmerksamkeit dabei
abgelenkt ist und die Gedanken assoziativ sind (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 154). Das di-
vergente Denken umfasst eine weite Suche von Informationen und die Generierung zahlrei-
cher neuer Alternativantworten oder -lösungen für ein Problem und weist nach Guilford
(1967) die im Folgenden beschriebenen vier Charakteristiken auf. Die Sprachkompetenz bzw.
die Redegewandheit („fluency“), als eine der Eigenschaften, zeugt davon, dass man in der
Lage ist schnell eine große Zahl an Ideen oder Lösungen für ein Problem zu finden. Die Fle-
xibilität, als weitere Eigenschaft, ist die Fertigkeit, eine Vielzahl an verschiedenen Zugangs-
möglichkeiten zu einem Problem simultan in Betracht ziehen zu können. Weiteres zählen die
Erarbeitung („elaboration“), im Sinne der Fähigkeit, die Details einer Idee zu durchdenken
und auch umzusetzen, und schließlich auch die Originalität, die Tendenz zu haben, Ideen her-
vorzubringen, welche sich von der Mehrheit abheben, dazu (vgl. Guilford 1967: 312). Die
Faktorenanalyse dieser Charakteristika, welche mit etlichen unterschiedlichen soziokulturel-
len Beispielen durchgeführt worden ist, zeigte, dass diese Eigenschaften in zwei Gruppen, als
zwei Typen der kreativen Kapazitäten, eingeteilt werden können. Die Merkmale der Sprach-
kompetenz, der Flexibilität und der Erarbeitung scheinen die Fähigkeit, oftmals zusammen-
hanglose Ideen zu erarbeiten, auszumachen, wohingegen das Originalitätsmerkmal die Fertig-
keit, neue und einzigartige Ideen zu gewinnen, repräsentiert. Die erste Gruppe wird als die
generative Kapazität bezeichnet, da diese sich mit der Fähigkeit, eine Vielzahl an unzusam-
menhängenden Konzepten zu aktivieren und mit den bereits aktivierten Konzepten zu arbei-

23
ten, befasst. Die zweite Gruppe wird als die innovative Kapazität bezeichnet. Dieser wird die
Fähigkeit, originelle und brauchbare Ideen hervorzubringen, zugeschrieben. Aktuelle Studien
belegen, dass Zweisprachige diese Befähigungen in größerem Maße als Monolinguale entwi-
ckelt haben (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 154f.). Kharkhurin und Wei (2015) verwenden in
ihrer Studie die Klassifikation dieser zwei Typen der kreativen Kapazitäten, um Kreativität in
Bezug auf die generativen und innovativen Kapazitäten zu untersuchen (vgl. Kharkhurin &
Wei 2015: 155).
Laut Kharkhurin (2012) liefern die psychometrischen Untersuchungen Beweise, die die
kreativen Kompetenzen der Bilingualen positiver bewerten (vgl. Kharkhurin 2012: 53ff.).
Eine Reihe von Studien wurde an verschiedenen geographischen, linguistischen und kulturel-
len Standorten durchgeführt, und etliche kognitive Mechanismen, welche möglicherweise
dem kreativen Denken zu Grunde liegen, konnten identifiziert werden (vgl. Kharkhurin 2011:
240ff.). Der routinierte kognitive Mechanismus der selektiven Aufmerksamkeit scheint einer-
seits von der Verwendung von mehreren Sprachen eines Individuums zu profitieren und ande-
rerseits spielt dieser eine wichtige Rolle bei der kreativen Leistung des Individuums. Insbe-
sondere das Unterdrücken („inhibition“) von irrelevanten Informationen scheint die innovati-
ven Kapazitäten zu fördern (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 155).
Kharkhurin und Wei (2015) stellten sich dabei die Frage, ob es denn nun eine Beziehung
zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching gibt, welche in weiterer
Folge einen Einfluss auf die kreative Leistung ausübt. Um diese Fragestellung zu untersu-
chen, haben sich Kharkhurin und Wei (2015) mit Studien, die die Beziehung zwischen der
selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching erforscht haben, auseinandergesetzt.
Die Studien, mit denen sich die beiden Forschenden beschäftigt haben, sollen im folgenden
Kapitel behandelt werden.

2.2.1.3. Vorangehende Studien zur Beziehung zwischen der selektiven


Aufmerksamkeit und dem Code-Switching mit denen sich Kharkhurin
und Wei (2015) beschäftigt haben

Kharkhurin und Wei (2015) haben sich in ihrer Studie mit vorangehenden Untersuchungen,
welche sich mit der Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-
Switching beschäftigt haben, auseinandergesetzt. Dabei untersuchten sie den möglichen Ein-
fluss dieser Beziehung auf die kreative Leistung.
Die empirischen Untersuchungen stellten fest, dass die Zweisprachigen Vorteile bei non-
verbalen Aufgaben, welche der Prozesskontrolle, wie zum Beispiel der selektiven Aufmerk-
samkeit hinsichtlich relevanter Aspekte eines Problems, der Hemmung von Wachsamkeit bei
irreführenden Informationen und dem Wechsel bei konkurrierenden Alternativen, bedürfen,
aufweisen (vgl. Bialystok 2009: 6). Die fortgeschrittene selektive Aufmerksamkeit scheint
von der extensiven bilingualen Praxis mit zwei aktiven Sprachsystemen profitiert zu haben.

24
Laut Costa (2005) werden bei der bilingualen Sprachverarbeitung beide Sprachen aktiviert.
Dieser integrierte Ansatz zum bilingualen Gedächtnis sieht sich mit einer alternativen An-
schauung konfrontiert, welche dafür plädiert, dass es ein sprachspezifisches Zugangssystem
gibt, indem beide Sprachen separat gespeichert werden und die Aktivierung der einen Sprache
nicht die andere Sprache aktiviert (vgl. Soares & Grosjean 1984: 381ff.).
Bialystok et al. (2005: 41) vertreten den Standpunkt, dass sofern Zweisprachige eine Ziel-
sprache verwenden, die linguistische Repräsentation der anderen Sprache weiterhin aktiv
bleibt und daher mit der Zielsprache interferieren kann. Die simultane Aktivierung beider
Sprachen bringt bilinguale Menschen dazu, sich ständig auf eine Sprache zu konzentrieren,
die andere Sprache zu unterdrücken oder zwischen den Sprachen zu wechseln. Die selektive
Aufmerksamkeit sichert die ununterbrochene Verarbeitung in der Zielsprache, indem sie auf
das ihr zugewiesene Repräsentativsystem zurückgreift, und das System der anderen Sprache,
die nicht die Zielsprache ist, nicht berücksichtigt. Mit Hilfe von empirischen Studien konnte
festgestellt werden, dass eine umfassende Praxis mit mindestens zwei aktiven Sprachsyste-
men für die selektive Aufmerksamkeit, welche darin involviert ist, die Konflikte beim lexika-
lischen Abruf zu lösen, förderlich sein kann (vgl. Bialystok 2009: 5ff.). Diese Ergebnisse
konnten zudem auch anhand von Gehirnuntersuchungen belegt werden. Durch die sprachen-
übergreifende Praxis trainieren die Zweisprachigen entscheidende kognitive Fähigkeiten, die
jene lösungsorientierten Fertigkeiten fördern, welche eine Aufmerksamkeitssteuerung voraus-
setzen, um sich auf relevante Fragen konzentrieren und irreführende Hinweise ignorieren zu
können. (vgl. Bialystok et al. 2005: 42ff.).
In den Studien von Kiesel et al. (2010) wurde ein Überblick über das Forschungsgebiet ge-
boten, indem das Aufgabenwechsel-Paradigma verwendet wurde, um die kognitive Kontrolle
und die Aufgaben-Interferenz zu untersuchen. Diese Studien laufen mit der Idee der Fähig-
keit, den Wechsel, welcher von der sehr gut entwickelten selektiven Aufmerksamkeit ange-
regt wird, zu kontrollieren und die individuelle kognitive Leistung zu erleichtern, zusammen.
Aus den Ergebnissen dieser Studien geht hervor, dass das aktive Betreiben des Code-
Switching möglicherweise der selektiven Aufmerksamkeit umfassende Möglichkeiten bietet
(vgl. Kiesel et al. 2010: 850ff.).
Weitere Studien über das Gehirn untersuchten die Beziehung zwischen dem Code-
Switching und der selektiven Aufmerksamkeit. Dabei wurden ereignisbezogene Dichte-
Sensor-Elektroenzephalographie-Aufzeichnungstechniken („dense-sensor electroencephalo-
graphy recording techniques“) eingesetzt, um den zeitlichen Verlauf der Sprachumschaltung
während eines visuell geprägten Benennungstests zu untersuchen, bei der zweisprachige Teil-
nehmende Ziffern in ihrer ersten oder zweiten Sprache nannten. Sie fanden eine Modulation
von ereignisbezogenen elektrischen Potentialkomponenten („event-related electrical potential
components“ - ERP) in der frontalen Kortex, wenn diese Komponenten bei der Sprachum-
schaltung aktiv waren und die manuelle Antwort in einer „Go/No-Go reaction time task“ un-
terdrückt haben (vgl. Jackson et al. 2001: 175f.). Die Ergebnisse der Untersuchungen deuteten

25
darauf hin, dass ähnliche hemmende Mechanismen sowohl beim Unterdrücken der Antwort
(„response suppression“) als auch beim Sprachenwechsel gegeben sind. Eine etwas aktuellere
Studie aus dem Jahr 2007 von Abutalebi et al. (2007) zeigte, dass ein Wechsel in eine weniger
exponierte Sprache, Aktivitäten in der anterioren cingulären Cortex (ACC) und in den subkor-
ticalen Hirnstrukturen, welche vermutlich mit der selektiven Aufmerksamkeit zusammenhän-
gen, auslöst (vgl. Abutalebi et al. 2007: 13763). Kharkhurin und Wei (2015) hielten dazu fest,
dass, sofern von einer Beziehung zwischen dem Code-Switching und der selektiven Aufmerk-
samkeit ausgegangen wird, es dadurch verständlich ist, anzunehmen, dass eine umfangreiche
Code-Switching-Praxis zu einer verbesserten selektiven Aufmerksamkeitskapazität führen
kann, was wiederum möglicherweise mit einer erhöhten kreativen Leistung verbunden sein
könnte. Diese Annahme geht von zwei Hypothesen aus. Die erste Hypothese geht davon aus,
dass die umfassende Code-Switching-Praxis die kreative Leistung fördert und die zweite Hy-
pothese geht davon aus, dass die extensive Code-Switching-Praxis die selektive Aufmerk-
samkeit stärkt. Um diese beiden Hypothesen zu testen, verglichen Kharkhurin und Wei (2015)
in ihrer Studie zur Rolle des Code-Switching bei der bilingualen Kreativität eine Gruppe von
„habitual code-switchers“ (HCS) mit einer Gruppe von „non-habitual code-switchers“
(NHCS) bei einem Kreativitätstest und bei einem Test zur selektiven Aufmerksamkeit. Sie
gingen dabei von der Annahme aus, dass bei beiden Tests Unterschiede zwischen den Grup-
pen festgestellt werden würden. Außerdem galt es, mögliche Code-Switching-Faktoren, wel-
che die Kreativität fördern, zu identifizieren (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 156). Die Fragen,
die sich einem Translationswissenschaftler beim näheren Betrachten der Studie und der Hy-
pothesen von Kharkhurin und Wei (2015) möglicherweise stellen könnten, sind, ob das Code-
Switching, von dem ausgegangen wird, dass es die kreativen Kapazitäten fördert und die se-
lektive Aufmerksamkeit steigert, sich dadurch auch auf irgendeine Art und Weise auf die
Dolmetschfähigkeiten einer Person auswirkt. Da dieses Forschungsfeld bis dato kaum er-
forscht worden ist, lag es nah, im empirischen Teil dieser Arbeit genau dort anknüpfen zu
wollen. Jedoch soll, bevor dann zum praktischen Forschungsbereich dieser Arbeit übergegan-
gen wird, noch näher auf die Studie von Kharkhurin und Wei (2015), eingegangen werden,
indem ihre Methode, die Instrumente, die sie gewählt haben, und auch der Ablauf der Studie
beleuchtet werden.

2.2.1.4. Methode, Teilnehmende, Instrumente und Ablauf der Untersu-


chung von Kharkhurin und Wei (2015)

Im Folgenden sollen kurz die Methode, die Auswahl der Studienteilnehmenden, die Instru-
mente und der Ablauf der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) skizziert werden.
Bei den Teilnehmenden der Studie handelte es sich um 157 multilinguale Studierende der
Universität „American University of Sharjah (United Arab Emirates)“, im Alter zwischen 16
und 24 Jahren, „who were recruited from the General Psychology subject pool“ (vgl. Khark-

26
hurin & Wei 2015: 156). Die Teilnehmenden mussten zwei Online-Fragebögen, vor einem
„offline testing“in einem Labor, ausfüllen. Die Tests wurden in englischer Sprache durchge-
führt, da alle Teilnehmenden angaben, das Englische fließend zu sprechen. Zunächst einmal
wurden persönliche Daten und danach jene betreffend des sprachlichen Verhaltens und der
Einstellung zum Code-Switching erhoben. Im Labor wurden sie dann einem Kreativitätstest
unterzogen und schließlich wurde ihre selektive Aufmerksamkeit getestet. Ein internetbasier-
ter, mehrsprachiger und multikultureller Erfahrungsfragebogen wurde eingesetzt, um den lin-
guistischen und kulturellen Hintergrund der Teilnehmenden feststellen zu können. Dabei
mussten die Teilnehmenden auch auf einer „Likert-type 7-point scale“ ihr Können im Spre-
chen, Schreiben, Lesen und Hören in den jeweiligen Sprachen, die sie beherrschen, einschät-
zen (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 157). Danach sollten in einer Art Selbstbericht die Einstel-
lung und das Verhalten hinsichtlich des Code-Switching erfragt werden. Auch hier wurde mit
einem Online-Fragebogen gearbeitet, um die Einstellung und das Verhalten hinsichtlich des
Code-Switching zu untersuchen. Darin wurden die Gründe, die verschiedenen Umstände und
die emotionalen Zustände beim Code-Switching erfragt. Beispielsweise lautete eine der Fra-
gen, ob denn die Teilnehmenden das Code-Switching betreiben, wenn sie sich mit anderen
Zweisprachigen unterhalten, und die Antworten wurden in der Reihenfolge der absteigenden
Häufigkeit von Code-Switching dargestellt. Die Antworten sollten dazu dienen, die Teilneh-
menden in die zwei Gruppen: HCS („habitual code-switchers“) und NHCS („non-habitual
code-switchers“) einzuteilen. Vier „Likert-type 7-point scales“ werteten ihre Code-Switching-
Frequenz jeweils in einem Satz, in einem Gespräch, unbeabsichtigt und beabsichtigt, aus (vgl.
Kharkhurin & Wei 2015: 157). Außerdem mussten die Teilnehmenden in acht unterschiedli-
chen „Likert-type 7-point scales“ die Wahrscheinlichkeit von Code-Switching unter verschie-
denen Umständen angeben. Damit wollten Kharkhurin und Wei (2015) die Zuordnung zu der
richtigen Code-Switching-Gruppe bestätigt wissen. Zusätzlich wurden die Teilnehmenden
nach vier Gründen, aus welchen sie zwischen den Sprachen wechseln, gefragt (bestimmter
emotionaler Zustand, um eine Botschaft besser zu vermitteln, um bestimmte kommunikative
Effekte zu erzielen, aus Mangel an Zielsprachenvokabular). Die Teilnehmenden sollten zu-
dem auch auf einer „Likert-type 7-point scales“ angeben, welche emotionalen Zustände bei
ihnen selbst die Wahrscheinlichkeit eines Sprachwechsels beeinflussen (vgl. Kharkhurin &
Wei 2015: 157).
Mit welchen Variablen bzw. Parametern wurden nun die kreativen Fähigkeiten und die se-
lektive Aufmerksamkeit bei den Studienteilnehmenden gemessen bzw. ausgewertet? Auf die-
se Frage soll im Anschluss eingegangen werden.

27
2.2.1.5. Die Messung der kreativen Fähigkeit und der selektiven Aufmerk-
samkeit nach Kharkhurin und Wei (2015)

Nachdem Kharkhurin und Wei (2015) die Methode, die Teilnehmenden, die Instrumente und
den Ablauf des Verfahrens festgelegt hatten, galt es, die Tests und Fragebögen zur kreativen
Fähigkeit und zur selektiven Aufmerksamkeit auszuwerten. Im Folgenden sollen kurz die
Bewertungsmethoden, für die sich Kharkhurin und Wei (2015) entschieden haben, um die
selektive Aufmerksamkeit und die kreative Fähigkeit zu messen und zu bewerten, skizziert
werden.
Die kreativen Fähigkeiten der Teilnehmenden wurden mit ATTA („Abbreviated Torrance
Test for Adults“) bewertet. Das standardisierte ATTA-Assessment besteht aus vier divergen-
ten Denkeigenschaften: der Sprachkompetenz, der Originalität, der Erarbeitung und der Fle-
xibilität (vgl. Goff & Torrance. 2002). Die Sprachkompetenz misst die Fähigkeit, eine Menge
an Ideen zu produzieren, welche relevant für die Aufgabenstellung sind. Originalität misst die
Kompetenz, ungewöhnliche Ideen oder Ideen, die völlig neu oder einzigartig sind, hervorzu-
bringen. Die Erarbeitung misst die Fähigkeit, Ideen mit Details auszuschmücken, und die Fle-
xibilität misst die Kompetenz, bei gleichem Reiz die Informationen oder die Objekte auf un-
terschiedliche Weise zu verarbeiten bzw. wahrzunehmen. ATTA umfasst drei Papier-Stift-
Aufgaben, welchen schriftliche Anweisungen vorangehen, die die allgemeinen Richtlinien
erklären und die Teilnehmenden dazu ermutigen, ihre Vorstellungskraft und ihre Denkfähig-
keiten einzusetzen. Bei der ersten Aufgabe werden die verbale Sprachkompetenz („verbal
fluency“) und die Originalität abgefragt. Bei der zweiten Aufgabe gilt es, die figurale Kompe-
tenz („figural fluency“), die Originalität und die Erarbeitung zu testen. Schließlich soll mit
Hilfe der dritten Aufgabe die figurale Kompetenz, die Originalität, die Erarbeitung und die
Flexibilität untersucht werden. Bei der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) wurden die
Rohwerte, welche bei der Sprachkompetenz, der Originalität, der Erarbeitung und der Flexibi-
lität erzielt wurden, anschließend nach dem empfohlenen Verfahren in skalierte normorien-
tierte Werte („scaled norm-referenced scores“), die die altersbedingten Normen berücksichti-
gen, umgewandelt. Abschließend bewerteten zwei unabhängige Experten die kreativen Denk-
fähigkeiten der Teilnehmenden nach der „standard ATTA assessment procedure“ (vgl.
Kharkhurin & Wei 2015: 158).
Die selektive Aufmerksamkeit wurde mit Hilfe der standardisierten Eriksen-Flanker-
Aufgabe („Eriksen flanker task“) bewertet. Dieser Test dauerte 10 Minuten und die Punktzahl
reflektierte eine proportionale Reaktionszeiterhöhung während der Bedingung, die die Unter-
drückung der irrelevanten Informationen erforderte. Die Reaktionszeitdifferenz zwischen in-
kongruenten und kongruenten Bedingungen wurde durch ihre Summe geteilt und somit be-
rechnet. Der höhere Flanker-Punktwert („Flanker score value“) deutete auf eine niedrigere
Unterdrückungskapazität und damit auf eine schwächere selektive Aufmerksamkeit (vgl.
Kharkhurin & Wei 2015: 159).

28
Nachdem die Auswahl der Auswertungsmethoden für die Studie von Kharkhurin und Wei
(2015) kurz skizziert worden sind, gilt es nun auf die Ergebnisse ihrer Forschung zur Rolle
des Code-Switching bei der bilingualen Kreativität einzugehen.

2.2.1.6. Die Ergebnisse der Studie von Kharkhurin und Wei (2015)

Kharkhurin und Wei (2015) untersuchten, wie bereits erwähnt, die Beziehung zwischen der
selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching, und den Zusammenhang zwischen den
kreativen Fähigkeiten und dem Code-Switching. Anschließend werteten sie die Resultate der
Studie im Hinblick auf die gewohnheitsmäßigen und die nicht-gewohnheitsmäßigen „Code-
Switcher“, die selektive Aufmerksamkeit und die Kreativität in den jeweiligen Code-
Switching-Gruppen aber auch die Code-Switching-Faktoren, welche die Kreativität fördern,
aus. Zunächst einmal soll auf die Resultate, die in den beiden Gruppen von Personen, die ge-
wohnheitsmäßig und die nicht-gewohnheitsmäßig zwischen den Sprachen wechseln, im Hin-
blick auf die selektive Aufmerksamkeit und die sprachliche Kreativität ermittelt wurden, Be-
zug genommen werden.
Um die ursprüngliche Hypothese zu testen, wurden – wie zuvor erwähnt – zwei Gruppen
identifiziert, und zwar die Gruppe mit den HCS („habitual code-switchers“) und die Gruppe
mit den NHCS („non-habitual code-switchers“). Die Unterschiede bei der selektiven Auf-
merksamkeit und bei der kreativen Leistung wurden bei beiden Gruppen untersucht. Hinsicht-
lich der innovativen Leistung hatte die HCS-Gruppe die NHCS-Gruppe übertroffen. Es konn-
ten keine Differenzen bei der generativen Kapazität oder der selektiven Aufmerksamkeit fest-
gestellt werden. Weiters gab es keine Unterschiede zwischen den Selbstbewertungen („self
rating“) der L1- und L2-Gruppe und auch nicht beim Erwerbsalter beider Sprachen. Diese
Tatsache trug dazu bei, dass eine mögliche Kovarianz ausgeschlossen werden konnte. Ob-
wohl die erste Hypothese bestätigt werden konnte, konnte für die zweite kein Beweis gefun-
den werden. Die beiden Gruppen deuteten auf keine Unterschiede hinsichtlich der selektiven
Aufmerksamkeit hin. Bei der Suche nach einer Erklärung wurden weitere Tests durchgeführt
(vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 159f.).
Eine wiederholte Varianzanalyse (ANOVA) zeigte einen Interaktionseffekt der Code-
Switching-Gruppe und die Häufigkeit, mit der die Teilnehmenden zwischen den Sprachen
wechseln (absichtlich, unabsichtlich). Die NHCS-Gruppe wies eine höhere vorsätzliche als
unbeabsichtigte Code-Switching-Rate auf, wohingegen die HCS-Gruppe die Umkehrtendenz
aufwies. Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass die NHCS-Gruppe eher dazu neigt, kon-
trolliertes Code-Switching zu betreiben und daher einen deutlich ausgeprägteren Sprachwech-
sel-Kosteneffekt („language switch cost“) als die HCS-Gruppe an den Tag legt. Aus diesem
Grund wurde dann die Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und der Kreativi-
tät jeweils in den einzelnen Gruppen untersucht. Die NHCS-Gruppe zeigte eine hochsignifi-
kante Korrelation zwischen dem Flanker-Punktwert („Flanker score“) und der innovativen

29
Kapazität, wohingegen die HCS-Gruppe keinen bedeutenden Zusammenhang zwischen die-
sen Werten aufwies. Der negative Zusammenhang deutete darauf hin, dass die erhöhte Inno-
vationsfähigkeit bei den Teilnehmenden in der NHCS-Gruppe mit einer größeren Unterdrü-
ckungskapazität zusammenhängt (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 160f.).
Wie bereits erwähnt, wurde in der Untersuchung auch nach Faktoren, welche beim Code-
Switching vorkommen und die Innovationskapazität der HCS („habitual code-switchers“)
erleichtern können, geforscht. Zunächst einmal bleibt zu sagen, dass eine Varianzanalyse (A-
NOVA) bestehend aus vier Gründen für das Code-Switching, als unabhängigen Faktoren, und
mit der Innovationsfähigkeit, als abhängige Variable, innerhalb der HCS-Gruppe durchge-
führt worden ist. Dabei wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Code-
Switching aus Mangel an Vokabular in der Zielsprache und dem Code-Switching in einem
bestimmten emotionalen Zustand beobachtet. Nur die HCS-Teilnehmenden, welche angaben,
dass sie nur dann zwischen den Sprachen wechseln, wenn sie sich in einem bestimmten emo-
tionalen Zustand befinden oder ihnen ein Wort in der Zielsprache fehlt, erlangten im Ver-
gleich zu anderen eine höhere Innovationsfähigkeit. Die NHCS-Gruppe konnte dabei nicht
berücksichtigt werden, da sie zu klein war. Schließlich wurde eine logistische Regressions-
analyse mit der HCS-Gruppe durchgeführt, um Code-Switching in einem bestimmten emotio-
nalen Zustand vorauszusagen. Dabei wurde die Häufigkeit, mit der die verschiedenen emotio-
nalen Zustände die Wahrscheinlichkeit, die Sprache zu wechseln, beeinflussen, als sogenann-
ter Prädiktor verwendet (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 161). Schließlich war eine Gegenüber-
stellung zwischen einem „test of full model“ und einem „constant-only model“ statistisch
gesehen signifikant, und deutete darauf hin, dass die Prädiktoren als Set zuverlässig zwischen
Teilnehmenden unterscheiden, die in besonderen emotionalen Zuständen wechseln und den-
jenigen, die dies nicht tun. Das Wald-Kriterium zeigte, dass nur die Wachsamkeit einen be-
deutenden Beitrag zur Vorhersage des Code-Switching leistet. Dieses Ergebnis deutete darauf
hin, dass die Teilnehmenden mit großer Wahrscheinlichkeit die Sprachen in einem Zustand
der Wachsamkeit wechseln (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 162).
Kharkhurin und Wei (2015) verglichen schlussendlich die Ergebnisse ihrer Untersuchung
mit jenen der vorangehenden Studien und daher sollen ihre Erkenntnisse im Anschluss erläu-
tert werden.

2.2.1.7. Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf vorangehende Studien


und Fazit der Studie von Kharkhurin und Wei (2015)

Die Frage, die sich Kharkhurin und Wei (2015) in erster Linie stellten, war, ob und wie sich
das Code-Switching bei Zweisprachigen auf ihre kreative Leistung auswirkt. Zudem erforsch-
ten sie die Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit und dem Code-Switching.
Die Resultate der Untersuchungen bestätigten die Haupthypothese der Studie, indem ge-
zeigt werden konnte, dass jene Bilingualen, die regelmäßig und oft zwischen den Sprachen

30
wechseln, eine höhere Innovationsfähigkeit, im Vergleich zu anderen, die nicht auf täglicher
Basis die Codes „switchen“, aufweisen. Dieses Ergebnis führten Kharkhurin und Wei (2015)
auf die Tatsache zurück, dass Studien, wie zum Beispiel jene von Bialystok (2009), eine Be-
ziehung zwischen dem Code-Switching und der selektiven Aufmerksamkeit bereits demons-
triert hatten. Außerdem fand Kharkhurin (2011: 248) bereits heraus, dass die Inhibition irrele-
vanter Informationen, welche ein wichtiger Teil des Selektive-Aufmerksamkeit-Mechanismus
(„selective attention mechanism“) zu sein scheint, mit der Förderung der Innovationsfähigkeit
bei Bilingualen zusammenhängt. Kharkhurin argumentierte aber auch in Kharkhurin (2012),
dass das Code-Switching nachteilig für die Störunterdrückung (ein Anzeichen der selektiven
Aufmerksamkeitskapazität) sein kann, was sich wiederum negativ auf das kreative Denken
auswirken kann (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 164). Daraus folgte seinerseits das Fazit, dass
Studierenden und Schülern vom Sprachwechseln abzuraten sei. Dieses Statement seinerseits
brachte die Diskussion ins Rollen und wurde zum Anlass genommen, die Studie von Khark-
hurin und Wei (2015), die in der vorliegenden Arbeit behandelt wird, durchzuführen.
Wie bereits erwähnt, zeigten die Resultate der Studie von Kharkhurin und Wei (2015),
dass die Personen, die intensiv zwischen den Sprachen wechseln, jene, die dies nicht tun, im
Hinblick auf die Innovationsfähigkeit in der Regel übertreffen. Demnach erwarteten die For-
schenden auch, in der HCS-Gruppe eine stärkere selektive Aufmerksamkeit feststellen zu
können, jedoch war das, den Ergebnissen der Studie nach, nicht der Fall. Hinsichtlich der se-
lektiven Aufmerksamkeit konnten keine Unterschiede zwischen der HCS-Gruppe und der
NHCS-Gruppe festgestellt werden. Die Beziehung zwischen der selektiven Aufmerksamkeit
und der innovativen Kapazität konnte nur in der Gruppe der NHCS („non-habitual code-
switchers“) ermittelt werden. Eine mögliche Erklärung dafür, wäre laut Kharkhurin und Wei
(2015) die Tatsache, dass sich die HCS-Gruppe und die NHCS-Gruppe in ihrem Sprachwech-
sel-Kosteneffekt („language switch cost“) unterscheiden. Sie beziehen sich dabei auf die Ver-
haltensstudien des Code-Switching, die bei Zweisprachigen zeigten, dass es signifikante und
messbare Reaktionszeitkosten („response time cost“) gibt, die mit dem Umschalten von einer
Sprache in eine andere verbunden sind, und dass diese Kosten auch dann beobachtet werden
können, wenn der Wechsel zwischen den Sprachen vorhersehbar ist (vgl. Meuter & Allport
1999: 26ff.). Die Recherchen von Gollan und Ferreira (2009) oder jene von Macizo, Bajo und
Paolieri (2012) zeigen außerdem auch, dass die Sprachwechselkosten bei kontrolliertem und
unbeabsichtigtem Code-Switching zu beobachten sind. Daraus folgt, dass bei den Personen,
die nicht gewohnheitsmäßig die Codes „switchen“ (NHCS) sich der Sprachwechsel-
Kosteneffekt deutlich macht, was wiederum bedeutet, dass die Teilnehmenden dieser Gruppe
nochmals zusätzlich von der selektiven Aufmerksamkeit Gebrauch machen müssen, um die
Sprachwechselkosten zu kompensieren und daher besser ausgefeilte selektive Aufmerksam-
keitskapazitäten besitzen (vgl. Green & Wei 2014: 501).
Weiters bleibt zu sagen, dass sich zwei Code-Switching-Voraussetzungen als fördernd für
die kreative Funktion herausstellten. Allem voran das Code-Switching in bestimmten emotio-

31
nalen Zuständen und das Fehlen des Vokabulars in der Zielsprache konnten in direkten Bezug
mit dem Anstieg der Innovationsfähigkeit gestellt werden. Im Speziellen war die Wachsam-
keit ein signifikanter Prädiktor für emotionsgesteuertes Code-Switching, da diese durch den
temporären Wortverlust in einer bestimmten Sprache ansteigen und dadurch ein Sprachwech-
sel ausgelöst werden kann. Jedoch kann die Wachsamkeit auch nach mehr selektiver Auf-
merksamkeit verlangen, was wiederum mit der innovativen Kapazität verbunden ist. Der
emotionsgesteuerte Sprachwechsel resultiert also in der Aktivierung von kreativen Kapazitä-
ten. Aktuelle Untersuchungen, wie zum Beispiel jene von Dewaele (2010), zur Beziehung
zwischen der Zweisprachigkeit und den Emotionen zeigten, dass das Code-Switching oftmals
durch die Gefühle des Sprechers und auch andere affektive Faktoren ausgelöst wird und, dass
die Beziehungen zwischen den Gefühlen und bestimmten Sprachen im vielsprachigen linguis-
tischen Repertoire komplex und multidimensional sind (vgl. Dewaele2010: 210ff.). Manche
Emotionen lösen stärker das Code-Switching bei den Zwei- oder Mehrsprachigen aus, wäh-
rend sie bei anderen Vielsprachigen die Unterdrückung von bestimmten Sprachen auslösen.
Verschiedene Gemütszustände können den Sprachwechsel erleichtern oder hemmen und sich
so auf die kreativen Kapazitäten auswirken. Dewaele (2008) konnte bislang feststellen, dass
Bilinguale insbesondere in eine andere Sprache wechseln, um Gefühle wie Liebe, Wut oder
Frustration auszudrücken (vgl. Dewaele 2008: 1759ff.). Untersuchungen der Rolle von Emo-
tionen bei bilingualer Kreativität, durchgeführt von Kharkhurin und Altarriba (2016), erga-
ben, dass der interaktive Effekt der Stimmung (positiv vs. negativ) und der linguistische Kon-
text (die Verwendung von dominanter vs. untergeordneter Sprache) auf die kreative Leistung
eines Individuums einwirken (vgl. Kharkhurin & Altarriba 2016: 1089). Die Ergebnisse von
Kharkhurin und Wei (2015) deuten darauf hin, dass das emotionsgesteuerte Code-Switching
mit der Kreativität in Verbindung gebracht werden kann, da das Code-Switching die konven-
tionelle Konversationsroutine, durch das Einführen von neuen, emotional geladenen Spra-
chelementen, durchbricht (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 163).
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Studie von Kharkhurin und Wei (2015) als eine
explorative Studie einige Einschränkungen aufweist. Die Methode der Bewertung von
sprachbezogenen Praktiken, die Selbstbericht-Fragebögen verwendet, kann bei der Beurtei-
lung der sprachlichen Eignung sicher angewandt werden, da es sich erwiesen hat, dass die
Selbstberichte die Sprachkenntnisse adäquat reflektieren. Leider trifft das nicht auf das Code-
Switching zu, da diese Handlung sowohl bewusste als auch unbewusste Prozesse umfasst. Die
Informationen, die dazu verwendet wurden, um die Teilnehmenden in Gruppen einzuteilen,
sind eher selbstberichtend, als dass sie das tatsächliche Verhalten reflektieren. Soziolinguis-
ten, die die Einstellung der Zweisprachigen gegenüber dem Code-Switching untersucht ha-
ben, haben ein gewisses Maß an Unterberichterstattung von denen, die Code-Switching als
Zeichen sprachlichen Mangels betrachten, festgestellt. Auch in der Studie von Kharkhurin
und Wei (2015) gibt es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Teilnehmende in der NHCS-
Gruppe, die Code-Switching häufiger betreiben, als sie es selbst angeben. Daher ist die Ein-

32
führung von objektiveren Maßnahmen für die zukünftige Erforschung des Code-Switching
von ausschlaggebender Bedeutung, vor allem, wenn es um die Differenzierung von HCS und
NHCS geht (vgl. Kharkhurin &Wei 2015: 163).
Aus dem Forschungsdesign der Studie von Kharkhurin und Wei (2015) geht also klar her-
vor, dass in der Zukunft andere, objektivere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die
Einstellung der Sprechenden gegenüber dem Code-Switching und die Häufigkeit der Ver-
wendung dieses Sprachphänomens genauer untersuchen zu können.
Nachdem die Forschungsarbeit von Kharkhurin und Wei (2015) ausführlich dargestellt
worden ist, soll nun auf die Studie zur Einstellung der Sprechenden zum Code-Switching,
welche von Jean-Marc Dewaele und Li Wei (2014a) durchgeführt worden ist, eingegangen
werden.

2.2.2. „Attitudes towards code-switching among adult mono- and


multilingual language users” – eine Studie von Jean-Marc
Dewaele & Li Wei (2014a)

Die Studie zur Einstellung von Erwachsenen mono- und multilingualen Sprechenden zum
Code-Switching ist die zweite wichtige und umfangreiche Studie, auf die in dieser Arbeit Be-
zug genommen werden soll, da sich, wie bereits erwähnt, das Forschungsunterfangen dieser
Arbeit auch auf diese Studie stützt. Im Folgenden sollen der Forschungsbereich, die Hypothe-
sen und die Ergebnisse der Studie von Dewale und Wei (2014a) dargelegt werden, um einen
näheren Zugang auf den wenig erforschten Aspekt des Code-Switching, nämlich die Einstel-
lung der Personen gegenüber der Code-Alternierung, darzulegen.
Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) untersuchte die Unterschiede zwischen Indivi-
duen im Hinblick auf die Einstellung zum Code-Switching und erhob dazu die Daten mittels
Online-Fragebögen. Zusammenfassend gesagt, stellte die Studie fest, dass ein hohes Maß an
Toleranz von Ambiguität („Tolerance of Ambiguity“ im weiteren Verlauf auch TA), die kog-
nitive Empathie („Cognitive Empathy“ im weiteren Verlauf auch CE), niedrige Levels an
Neurotizismus und das Können von vielen Sprachen mit einer deutlich positiveren Einstel-
lung gegenüber dem Code-Switching zusammenhängen. Eine genauere Analyse ergab, dass
die Teilnehmenden mit mittleren globalen Sprachkompetenzwerten („mid-range global profi-
ciency values“) weniger positiv gegenüber dem Code-Switching, als jene mit niedrigeren und
höheren Werten, eingestellt waren. Jene Teilnehmenden, welche zweisprachig und in einer
ethnisch unterschiedlichen Umgebung aufgewachsen sind und später in einem ethnisch viel-
fältigen Umfeld gearbeitet haben, wiesen eine deutlich positivere Einstellung gegenüber dem
Code-Switching auf. Die weiblichen Teilnehmenden und jene mit dem niedrigsten und dem
höchsten Bildungsniveau wussten das Code-Switching am meisten zu schätzen. Die Jugendli-
chen und Mittzwanziger schätzten den Sprachwechsel deutlich weniger als ältere Teilneh-
mende. Die Ergebnisse zeigten, dass die Einstellung gegenüber dem Code-Switching eng mit

33
der Persönlichkeit, mit dem Verlauf des Spracherwerbs („language learning history“) und den
aktuellen Sprachpraktiken sowie einigen soziobiografischen Variablen verbunden sind (vgl.
Dewale & Wei 2014a: 235).
Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) fokussiert sich auf die Einstellung der Vielspra-
chigen gegenüber dem Code-Switching in einer Vielzahl von alltäglichen Situationen. Sie
zielt darauf ab, zu untersuchen, inwieweit die sprachlichen Einstellungen gegenüber dem
Code-Switching individuell variieren. In dieser Arbeit soll zunächst ein Überblick über die
bestehende Recherche zu der Einstellung gegenüber dem Code-Switching, in bestimmten
„language contact situations“ und in der Bildung, gegeben werden (vgl. Dewale & Wei
2014a: 236). Anschließend werden die Persönlichkeitsmerkmale vorgestellt, von denen De-
waele und Wei (2014a) ausgegangen sind, dass sie mit der Einstellung zum Code-Switching
zusammenhängen. In diesem Zusammenhang soll auch ihr Forschungsdesign, welches sie für
ihre Studie gewählt haben, um den Zusammenhang bzw. die Beziehung zwischen den Persön-
lichkeitsmerkmalen und dem Code-Switching zu untersuchen, angeschnitten werden. Ab-
schließend sollen auch ihre Hypothesen, Forschungsfragen und auch schlussendlich die Er-
gebnisse ihrer Studie präsentiert werden, um im nächsten Schritt auf die eigene Untersuchung
anhand eines Interviews mit Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden eingehen
zu können.

2.2.2.1. Vorangehende Studien zur Einstellung gegenüber dem Code-


Switching mit denen sich Dewaele und Wei (2014a) auseinandergesetzt
haben

Bevor sie die eigene Untersuchung durchgeführt haben, haben sich Dewaele und Wei (2014a)
mit den vorangehenden Untersuchungen, sowohl zur allgemeinen als auch zur individuellen
Einstellung gegenüber dem Code-Switching, auseinandergesetzt.
Eine der bemerkenswertesten Lücken in der Literatur, sowohl zur Einstellung gegenüber
den Sprachen als auch allgemein zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching, ist die Un-
tersuchung der individuellen Ansicht gegenüber den Sprachen. Die individuelle Einstellung
umfasst Fragen, die sich damit beschäftigen, wie die verschiedenen Personen das gleiche lin-
guistische Phänomen wahrnehmen, wie ein Individuum verschiedene Sprachphänomene sieht
und welche psychologischen, historisch-kulturellen und gesellschaftspolitischen Bedingungen
zu einer Veränderung in der Einstellung zu einer Sprache beitragen. Diese Fragen sind des-
halb entscheidend, weil sich die Betrachtungsweisen zu Sprachen unterscheiden und verän-
dern, ebenso wie sich das Sprachverhalten ändert und unterscheidet und die Abweichungen
und Änderungen jene Veränderungen in der gesamten Gesellschaft als auch im individuellen
Umfeld reflektieren. Das Verstehen der Faktoren, welche die Inter- und Intra-Sprecher-
Unterschiede („inter- and intra-speaker differences“) bei der Einstellung gegenüber Sprachen
beeinflussen, hilft den Prozess des gesellschaftlichen Wandels und die Reaktion der Individu-

34
en, in ihrer spezifischen sozio-psychologischen Sprachumgebung, auf gesellschaftliche Ver-
änderungen, zu verstehen (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 236).
Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) wurde einerseits aufgrund des Mangels von the-
oretischer Untersuchung der Unterschiede zwischen den Einstellungen der Individuen zum
Code-Switching, und andererseits aus mangelnder Berücksichtigung von Code-Switching bei
der experimentellen Gestaltung von psycholinguistischen Studien durchgeführt. In den voran-
gehenden Studien wurden die Sprechenden ausgewählt und in Gruppen jeweils nach Ge-
schlecht, Alter, Sprache, Sprachkompetenz und der Häufigkeit von Code-Switching, aber nur
selten entsprechend ihrer Ansicht gegenüber diesem linguistischen Phänomen, eingeteilt und
untersucht. Die Haltung gegenüber der Sprache wird zumeist als eine sozio-ideologische Fra-
ge gehandelt, welche ausschließlich in der Disziplin der Soziolinguistik behandelt werden
kann und sollte, jedoch beeinflusst die Einstellung gegenüber der Sprache das linguistische
Verhalten, was wiederum ein psychologischer Prozess ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass
die sozio-ideologischen Faktoren, aber auch die individuellen Faktoren, wie die Persönlich-
keit, der emotionale Zustand und die Erfahrung, diesen Prozess beeinflussen. Im Hinblick auf
das Code-Switching bleibt zu sagen, dass sich die „Bewertung“ der verschiedenen Typen von
Code-Switching bei ein und demselben Individuum, abhängig von den verschiedenen kom-
munikativen Umgebungen, verändert. So kann eine Person beispielsweise der Meinung sein,
dass es angebracht ist, sich des Code-Switching innerhalb der Familie zu bedienen, es jedoch
für völlig unangebracht am Arbeitsplatz halten, wohingegen ein anderer Sprechender die
Meinung vertreten könnte, das das Code-Switching kontrollierbar ist und nur dann auftritt,
wenn die Inhibition temporär, beispielsweise in Zuständen von Angst oder Aufregung, aufge-
hoben wird. Diese individuellen Unterschiede können erhebliche Auswirkungen auf die Er-
gebnisse von psycholinguistischen Experimenten haben und sind laut Dewaele und Wei
(2014a) in der aktuellen Literatur nicht ausreichend untersucht worden (vgl. Dewaele & Wei
2014a: 236). Daher haben sich die beiden dazu entschlossen, in ihrer Studie zur Einstellung
gegenüber dem Code-Switching diesen Forschungsgegenstand näher zu betrachten.
Wie bereits erwähnt, haben Dewaele und Wei (2014a) festgestellt, dass nur wenig im For-
schungsfeld der individuellen Einstellung zum Sprachenwechsel erforscht worden ist. Viele
Studien haben festgestellt, dass pejorative Bewertungen, wie „verbaler Salat“ oder „sehr irri-
tierend“, von Nigeria bis hin nach Hong Kong, für das Code-Switching verwendet werden.
Manche Monolinguale tendieren dazu, das Code-Switching als Kauderwelsch abzulehnen.
Auch neutral klingende Bezeichnungen wie Tex-Mex, Franglais oder Japlish sind oft negativ
konnotiert (vgl. Edwards 2004: 78). Laut Wei und Wu (2009) reflektieren diese Termini die
Ideologien des Monolingualismus und des linguistischen Purismus oder die Konzepte des
OLON („one language only“) oder OLAT („one language at a time“), welche sich hinter der
ablehnenden Einstellung gegenüber dem Code-Switching verbergen (vgl. Wei & Wu 2009:
3f.). Nach den eng definierten monolingualen Regeln hält man die Sprachen am besten rein
und bildet sie den jeweiligen grammatikalischen Regeln entsprechend. Selbst Bilinguale, die

35
gelegentlich zwischen den Sprachen wechseln oder in Gemeinschaften leben, in denen aus-
schließlich das Code-Switching als Kommunikationsform verwendet wird, glauben oftmals,
dass der Sprachwechsel einzig und allein von Faulheit oder Sprachinsuffizienz zeugt. Diese
Anschauung hinsichtlich der Einstellung zum Code-Switching konnte auch in diversen expe-
rimentellen Studien untersucht und mittels der „matched guise technique“ bestätigt werden
(vgl. Dewaele & Wei 2014a: 237).
Im pädagogischen Kontext und im Bereich des Kindersprachenerwerbs gibt es deutlich
mehr Studien zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching, aber auch in diesen Zusam-
menhängen ist dieses sprachliche Phänomen negativ konnotiert (vgl. Marin-Jones 2000: 7).
Diese Tatsache muss jedoch vor dem Hintergrund der Verhaltensnormen in den jeweiligen
Kontexten, welche von linguistischen Ideologien gesteuert werden, interpretiert werden, da
das Code-Switching beispielsweise nur selten als eine erleichternde Strategie in Erwägung
gezogen und stattdessen lediglich als ein Zeichen für fehlende Sprachkompetenz in der Ziel-
sprache abgestempelt wird. Laut De Houwer (2009) wird, vor allem bei den jüngeren Kin-
dern, das Code-Switching oftmals als ein Beispiel für schwache kognitive Kontrolle oder
mangelnde Sensibilität für die richtige Sprachauswahl herangezogen. Es sind allen voran die
Eltern, die besorgt sind, dass das Code-Switching die Kinder bei der Entwicklung von Wissen
und Fähigkeiten in den unterschiedlichen Sprachen verwirren könnte. Aktuelle Untersuchun-
gen in der bilingualen und multilingualen Bildung konnten jedoch belegen, dass das Code-
Switching sowohl als eine effektive pädagogische Strategie für das Lehren und Lernen von
Sprachen dienen kann (vgl. Canagarajah 2011: 2ff.), als auch als ein Zeichen von linguisti-
scher Kreativität zu verstehen ist (vgl. Wei 2011).
Forschende, die den Zweisprachen- und Mehrsprachenerwerb untersuchen, argumentieren,
dass das Code-Switching von fortgeschrittener exekutiver Kontrolle zeugt, da das Kind dabei
seine Sprachauswahl begründet, um den kommunikativen Ansprüchen gerecht zu werden
(vgl. Zhu & Wei 2005: 166ff.). Diese Argumente wurden durch umfangreiche linguistische
Analysen der komplexen Strukturen von Code-Switching unterstützt, die darauf hindeuten,
dass die Fähigkeit, zwischen den Sprachen in einer Konversationsinteraktion zu wechseln,
hohe Sprachkenntnisse sowie soziolinguistisches Feingefühl erfordert (vgl. Gardner-Chloros
2009: 65ff.).
Die Studie von Gardner-Chloros, McEntee-Atalianis und Finnis (2005) zur Einstellung ge-
genüber dem Code-Switching in der in London lebenden griechisch-zypriotischen Gemein-
schaft brachte hervor, dass Personen mit niedrigerer beruflicher Qualifikation dem Code-
Switching gegenüber am positivsten eingestellt waren. Umso höher man sich auf der Berufs-
skala bewegte und umso höher das Bildungsniveau war, umso negativer war die Einstellung
dem Code-Switching gegenüber. Die Jugendlichen waren dem Code-Switching gegenüber
weniger negativ eingestellt und konnten diesem sprachlichen Prozess mehr Vorteile als die
Erwachsenen abgewinnen (vgl. Gardner-Chloros et al. 2005). Allgemein hielten sie jedoch

36
fest, dass das Code-Switching zunehmend an Akzeptanz in der griechisch-zypriotischen Ge-
meinschaft in London gewinnt.
Auch Pena (2004) untersuchte die Einstellung von Spaniern erster und zweiter Generation
aus Galicien, welche in London leben, zum Thema Code-Switching. Die Interviews und Fra-
gebögen ergaben, dass die erste Generation eine negativ gefärbte Wahrnehmung des Code-
Switching hatte. Die Resultate der Untersuchung zeigten, dass die Eltern sich niemals dieser
Sprachpraktik im Umgang mit ihren Kindern bedienten, und außerdem die Kinder vielmehr
auch noch davon abhielten das Code-Switching zu praktizieren, weil sie dieses Phänomen als
ein Symptom für mangelnde Sprachkompetenz betrachteten. Die meisten Teilnehmenden der
Studie zweiter Generation drückten ebenfalls ihre negative Einstellung dem Code-Switching
gegenüber aus. Das Interessante dabei war es, festzustellen, dass die Hälfte der Teilnehmen-
den zweiter Generation, während der Befragung Gebrauch von der von ihnen selbst verpönten
Sprachpraktik gemacht hat, obwohl sie eben der Ansicht waren, dass das Code-Switching die
mangelnde Kompetenz in den Sprachen darstellt. Lediglich eine kleine Gruppe, die eine
sprachliche Ausbildung an der Universität genoss, war froh darüber, das Code-Switching zwi-
schen dem Englischen, Galizischen und Spanischen anwenden zu können, da ihnen das Code-
Switching die Möglichkeit gab, sich sowohl von den Spanischsprachigen als auch von den
Englischsprachigen abzuheben. Die Teilnehmenden der Studie gaben außerdem auch an, dass
ihre Einstellung gegenüber dem Code-Switching sich über die Jahre, die sie in London ver-
bracht haben, verändert hat, und dass sie als Teenager diese Praktik verabscheut und vermie-
den, da sie ausschließlich vom Englischen Gebrauch gemacht haben, um sich somit besser in
die Gesellschaft integrieren zu können. Mit dem Älterwerden änderten sich ihre Ansichten
und sie wurden immer stolzer auf ihr sprachliches Erbe und griffen dadurch auch häufiger auf
das Code-Switching zurück (vgl. Pena 2004: 153).
Dewaele (2010) berichtete von signifikanten positiven Beziehungen zwischen den Ebenen
der subjektiv wahrgenommenen Kompetenz in den L2- und L3-Sprachen der erwachsenen
Mehrsprachigen und den Eigenangaben zur Häufigkeit von Code-Switching. Dies führte zum
Schluss, dass das Code-Switching kein Hinweis auf ein Defizit in einer bestimmten Sprache
ist, sondern im Gegenteil, charakteristisch für die Teilnehmenden ist, welche sich selbst als
kompetent in ihren jeweiligen Sprachen fühlen und bezeichnen (vgl. Dewale 2010: 201). De-
waele und Wei sind bereits in ihrer Studie Dewaele und Wei (2014b) zu der Schlussfolgerung
gelangt, dass die subjektive Wahrnehmung des Code-Switching von Person zu Person wesent-
lich variieren kann (vgl. Dewaele & Wei 2014b: 243). Die Resultate ihrer Studie (Dewaele &
Wei 2014b) ergaben, dass jene Teilnehmenden, welche in einem vielsprachigen Umfeld auf-
gewachsen sind und gearbeitet haben, viele Sprachen beherrschen, die sie von klein auf ge-
lernt haben, und die in verschiedenen Sprachen fortgeschritten sind, auch angaben, sehr häu-
fig zwischen den Sprachen zu wechseln. Die weiblichen, extrovertierten und auch jene Teil-
nehmenden mit hohen CE-Werten („Cognitive Empathy“) wiesen eine deutlich höhere Code-
Switching-Häufigkeit auf (vgl. Dewaele & Wei 2014b: 239ff.).

37
Die Studie von Dewaele und Wei (2014a), mit der sich diese Arbeit auseinandersetzt, legt
den Fokus auf die Variablen, wie zum Beispiel vorangehende und aktuelle Sprachpraktiken,
Alter, Geschlecht und Bildungsgrad, welche die beiden Forschenden als wichtig für die sub-
jektiv wahrgenommene Häufigkeit der Verwendung von Code-Switching erachten. Die For-
schungsfrage mit der sich die beiden in ihrer Studie zur Einstellung gegenüber dem Code-
Switching beschäftigt haben, umfasst die Wirkung der genannten Variablen auf das Code-
Switching. Dewaele und Wei (2014a) haben außerdem die Persönlichkeitsmerkmale, welche
nicht näher in anderen Studien in Bezug auf das Code-Switching erforscht worden sind, mit
denen sie sich aber in ihrer Parallelstudie (Dewaele & Wei 2014b) ausführlich auseinander
gesetzt haben, hinzugefügt (vgl. Dewaele & Wei 2014: 238). Im folgenden Kapitel soll daher
auf das Hauptaugenmerk ihrer Studie, nämlich die Persönlichkeitsmerkmale, von denen De-
wale und Wei ausgegangen sind, dass sie auf die Einstellung zum Code-Switching einwirken,
eingegangen werden.

2.2.2.2. Der Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und


dem Code-Switching nach Dewaele und Wei (2014a)

Die Persönlichkeitsmerkmale, mit denen sich Dewaele und Wei in ihrer Studie Dewaele und
Wei (2014b) detailliert auseinandergesetzt haben, haben sie auch in ihrer Studie zu der Ein-
stellung gegenüber dem Code-Switching integriert. Im Folgenden sollen diese beleuchtet
werden, und an dieser Stelle soll auch erwähnt werden, dass die Fragen, welche für das Inter-
view dieser Arbeit ausgearbeitet worden sind, nicht die Persönlichkeitsmerkmale in dem Sin-
ne behandeln, da einige Fragen gestrichen worden sind, um den Rahmen dieser Arbeit nicht
zu sprengen. Zudem haben viele der Fragen zu den Persönlichkeitsmerkmalen einen psycho-
logischen Charakter und bedürfen eines psychologischen Ansatzes, welcher in dieser For-
schungsarbeit nicht gewählt worden ist. Die Fragen, die beim Interview mit den Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden gestellt worden sind, sind jedoch an die Stu-
die von Dewaele und Wei (2014a) angelehnt und wurden in abgewandelter Form gestellt.
Dennoch wird der Teil der Studie von Dewaele und Wei (2014a), welcher sich mit dem Zu-
sammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und dem Code-Switching beschäftigt
hat, in diese Arbeit miteinfließen, da dieser als richtungsweisend in der weiteren Forschung
auf diesem Gebiet empfunden wird.
Zunächst bleibt zu sagen, dass die Persönlichkeitsmerkmale hierarchisch in fünf breiten,
unabhängigen Dimensionen und einer größeren Anzahl an spezifischeren, untergeordneten
Merkmalen angeordnet sind (vgl. Pervin, Cervone & John 2005). Dabei fokussieren sich De-
waele und Wei (2014a) auf die ersten zwei großen Dimensionen von den sogenannten „Big
Five“ nach Pervin, Cervone und John (2005), da sie von der Annahme ausgehen, dass diese
beiden im Zusammenhang mit der Einstellung gegenüber dem Code-Switching stehen. Diese
sind Extrovertiertheit bzw. Introvertiertheit und Neurotizismus bzw. emotionale Stabilität. Die

38
anderen drei, mit denen sich Dewaele und Wei (2014a) nicht auseinandersetzen sind Verträg-
lichkeit, Offenheit für neue Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit. Jedoch setzen sich Dewaele
und Wei (2014a) in ihrer Arbeit auch mit den zwei Unterkategorien, nämlich „Tolerance of
Ambiguity“ (Ambiguitätstoleranz) und „Cognitive Empathy“ (kognitive Empathie) auseinan-
der (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 238).
Das erste Persönlichkeitsmerkmal, welches Dewaele und Wei (2014a) berücksichtigt ha-
ben, war die Extraversion bzw. die Intraversion. Die Abweichungen der Extraversion-
Introversion-Dimension werden mit der Summe an kortikalen Erregungen in Verbindung ge-
bracht, welche zu unterschiedlichem Verhalten und auch differenziertem kommunikativen
Verhalten führt (vgl. Dewaele 2012: 45f.). Extrovertierte Menschen sind demnach gesellige,
gesprächige, impulsive, kontaktfreudige und risikobereite Individuen, wohingegen die intro-
vertierten Personen stille, introspektive und zurückhaltende Menschen sind, welche voraus-
planen und Aufregung vermeiden. Die Tendenz der Extrovertierten, Risiken einzugehen,
scheint sich auch auf ihr Sprachverhalten auszuwirken, da sie wesentlich mehr fluchen als die
Introvertierten (vgl. Dewaele 2013: 16ff.) und sie auch gewillter sind, stigmatisierte Sprech-
stile zu verwenden (vgl. Dewaele 2012: 45f.). Dewaele und Wei (2014b) fanden durch die
Verwendung von Daten, auf denen die vorangehende Studie basierte, heraus, dass die Extro-
vertierten angaben, viel häufiger zwischen den Sprachen zu wechseln. Sie gingen daher in
ihrer Studie zur Einstellung zum Code-Switching von der Annahme aus, dass die Extraversi-
on in Zusammenhang mit einer durchaus positiveren Einstellung dem Code-Switching gegen-
über steht (vgl. Dewaele & Wei 2014b: 239).
Ein weiteres Persönlichkeitsmerkmal, welches Dewaele und Wei (2014a) berücksichtigt
haben, war der Neurotizismus bzw. die emotionale Stabilität. Dem Persönlichkeitsmerkmal
des Neurotizimus zufolge tendieren Personen mit hohen Werten auf der Neurotizismus-Skala
(„high-N“) dazu, Denkernatur („ruminator“) und emotional labil zu sein. Zudem beschweren
sich solche Persönlichkeiten häufig über ihre Sorgen, Ängste und körperliche Schmerzen (vgl.
Pervin, Cervone & John 2005: 238). Diejenigen mit niedrigen Werten auf der Neurotizismus-
Skala können als emotional stabil, ruhig und zufrieden beschrieben werden. Dewaele (2013:
16ff.) fand heraus, dass die Individuen mit hohen Neurotizismus-Werten angaben, deutlich
öfter in Interaktionen mit Freunden und Fremden zu fluchen. Da der Neurotizismus mit der
Aktivität im limbischen System gekoppelt ist, reagieren Personen mit hohen N-Werten erheb-
lich schneller auf Bedrohung oder Stress und zeigen eine deutlich langsamere Reaktionszeit
bei negativer Wortwahl in emotionalen Stroop-Tests (vgl. Pervin, Cervone & John 2005:
316). Dazu stellten Dewaele und Wei (2014a) die Hypothese auf, dass die Individuen mit ho-
hen Neurotizismus-Werten womöglich ängstlicher im Umgang mit dem Code-Switching sind
(vgl. Dewaele & Wei 2014a: 239).
Wie bereits erwähnt, setzten sich Dewaele und Wei (2014a) in ihrer Arbeit auch mit zwei
Unterkategorien der „Big-Five-Perönlichkeitsmerkmale“ nach Pervin, Cervone und John
(2005) auseinander. Eine dieser Unterkategorien ist die Ambiguitätstoleranz („Tolerance of

39
Ambiguity“). Die Ambiguitätstoleranz wird als die Art und Weise, auf die ein Individuum
oder eine Gruppe Informationen über zweideutige Situationen auffasst und verarbeitet, wenn
die Person mit einer Reihe von unbekannten, komplexen oder inkongruenten Hinweisen kon-
frontiert wird, definiert. Eine Person mit niedrigen TA-Werten fühlt sich gestresst, reagiert
voreilig und vermeidet zweideutige Stimuli. Hingegen nimmt eine Person mit hohen TA-
Werten mehrdeutige Situationen bzw. Stimuli als wünschenswert, herausfordernd und interes-
sant wahr. Solche Menschen bestreiten oder verzerren die Komplexität der Inkongruenz die-
ser Stimuli nicht (vgl. Furnham & Ribchester 1995: 179). Dewaele und Wei (2013) fanden in
ihren Untersuchungen heraus, dass mono- und bilinguale Personen deutlich niedrigere TA-
Werte im Vergleich zu mehrsprachigen Studienteilnehmenden aufwiesen. Jene Teilnehmen-
den, mit einem höheren Grad an Mehrsprachigkeit („higher levels of multilingualism“) und
jene, die im Ausland gelebt haben, erreichten wesentlich höhere TA-Werte. Eine Regressi-
onsanalyse zeigte, dass beide Variablen wesentlich dazu beigetragen haben, die Varianz bei
den TA-Werten zu erklären (vgl. Dewaele & Wei 2013: 233). Dewaele und Wei (2014b) fol-
gerten daraus, dass die Ambiguitätstoleranz-Werte von dem gesellschaftlichen, sprachlichen
und kulturellen Umfeld und vor allem von der Erfahrung eines Individuums, in einem frem-
den kulturellen und sprachlichen Umfeld überleben zu müssen, bestimmt werden. Ein länge-
rer Aufenthalt in einer neuen Umgebung erfordert einer fortwährenden und bewussten An-
strengung, sich die neuen lokalen Regeln, welche in der Kommunikation und der gesellschaft-
lichen Interaktion vorherrschen, anzueignen. Sie stellten zudem auch fest, dass die TA-Werte
jedoch nicht mit „more frequent self-reported Code-Switching“ zusammenhängen (vgl. De-
waele & Wei 2014b: 230).
Die kognitive Empathie, als die letzte der zwei Unterkategorien der „Big-Five-
Perönlichkeitsmerkmale“ nach Pervin, Cervone und John (2005), mit der sich Dewaele und
Wei (2014a) in ihrer Arbeit auseinandergesetzt haben, bezieht sich auf die Fähigkeit, sich in
andere Menschen einzufühlen und nachvollziehen zu können, was andere Personen denken
oder fühlen. Menschen mit hohen Empathie-Werten sind besser darin, die Intentionen ihrer
Mitmenschen zu verstehen, genauer das Verhalten ihres Gegenübers vorherzusagen und Emo-
tionen, welche ihre Gesprächspartner verbergen, zu erkennen. Dewaele und Wei (2012) unter-
suchten die Beziehung zwischen der Mehrsprachigkeit und der kognitiven Empathie zwischen
mono- und multilingualen Probanden und stellten fest, dass es einen signifikanten positiven
Zusammenhang zwischen dem Multilingualismus und der kognitiven Empathie gibt (vgl.
Dewaele & Wei 2012: 361f.). Die intensive vielsprachige Übung scheint die mehrsprachigen
Personen geschickter in Gesprächen zu machen, da sie durch den Umgang mit vielen Spra-
chen lernen, die Welt aus der Perspektive ihres Gesprächspartners zu betrachten. Außerdem
ist es sehr wahrscheinlich, dass die Fähigkeit, Empathie für einen mehrsprachigen Dialog-
partner empfinden zu können, mit einer positiven Sicht auf das Code-Switching verbunden
ist, da dies eine Möglichkeit bietet, die spezifischen Verbindungen zwischen den Sprechenden
und den jeweiligen Gesprächspartnern hervorzuheben. Die kognitive Empathie wird in Zu-

40
sammenhang mit der höheren subjektiven Häufigkeit des Code-Switching („higher self-
reported frequency of Code-Switching“) gebracht (vgl. Dewaele & Wei 2014b: 229f.). Nach-
dem sich Dewaele und Wei (2014a) bereits in ihrer vorangehenden Studie mit den Persön-
lichkeitsmerkmalen auseinandergesetzt haben, haben sie für die hier beschriebene Studie
Theorien aufgestellt, von denen sie für ihre nachfolgende Untersuchung ausgegangen sind.

2.2.2.3. Die Hypothesen der Studie von Dewaele und Wei (2014a)

Dewaele und Wei (2014a) haben basierend auf ihrer Studie Dewaele und Wei (2014b) vier
Hypothesen aufgestellt, die sie in ihrer Studie zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching
überprüfen wollten. Diese Hypothesen sollen im Folgenden dargelegt werden.
Die erste Hypothese ging von der Annahme aus, dass die Persönlichkeitsmerkmale mit der
Einstellung gegenüber dem Code-Switching zusammenhängen. Es galt die Erwartungshal-
tung, dass jene Teilnehmenden, die hohe Werte bei der Extraversion, der Ambiguitätstoleranz
und der kognitiven Empathie und niedrige Werte bei Neurotizismus erreichen, eine positivere
Einstellung zum Code-Switching haben, zu überprüfen. Weiters galt es, die Beziehung zwi-
schen den früheren und den aktuellen Sprachpraktiken und der Einstellung zum Code-
Switching zu untersuchen. Dewaele und Wei (2014a) gingen von der Annahme aus, dass jene
Teilnehmenden, welche in einem sprachlich und ethnisch vielfältigen Umfeld aufgewachsen
sind, gegenüber dem Code-Switching wesentlich positiver eingestellt sind. Außerdem nahmen
sie auch an, dass jene Probanden, die mehrere Sprachen sprechen, die ein fortgeschrittenes
Wissen in ihren Sprachen aufweisen, die mit zwei oder mehr Sprachen vor dem dritten Le-
bensjahr aufgewachsen sind und die im Ausland gelebt haben, wesentlich bejahender hin-
sichtlich des Code-Switching sind. Aber sie erwarteten dies auch von jenen Teilnehmenden,
die in einem vielsprachigen und multiethnischen Umfeld arbeiten. Zudem wollten sie auch
den Zusammenhang zwischen den soziobiografischen Variablen und der Einstellung zum
Code-Switching beweisen. Es sollte bestätigt werden, dass Variablen, wie das Alter, das Ge-
schlecht und der Bildungsgrad mit der Einstellung zum Code-Switching zusammenhängen.
Zuletzt sollte die Beziehung zwischen der Einstellung zum Code-Switching und den subjekti-
ven Angaben zur Häufigkeit des Code-Switching unter die Lupe genommen werden. Dewaele
und Wei (2014a) erwarteten, einen Zusammenhang zwischen der positiven Einstellung zum
Code-Switching und der vermehrten Häufigkeit bzw. dem Praktizieren des Code-Switching
feststellen zu können (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 240).
Um ihre Hypothesen zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching zu untersuchen und
zu überprüfen, haben Dewaele und Wei (2014a) sich für Online-Fragebögen, welche Antwor-
ten zu den verschiedenen Aspekten der Untersuchung, im Hinblick auf die Einstellung der
Studienteilnehmenden zum Code-Switching liefern sollten, entschieden. Die Methoden der
Forschung sollen im folgenden Kapitel näher beschrieben werden.

41
2.2.2.4. Methoden der Studie von Dewaele und Wei (2014a)

Zu den Methoden der Studie, für die sich die beiden Forschenden entschieden haben, gehör-
ten die Studienteilnehmenden und die Online-Fragebögen. Zunächst einmal soll die Auswahl
der Studienteilnehmenden näher erläutert werden.
Zur Vorgangsweise bzw. zur Methode der Untersuchung von Dewaele und Wei (2014a)
gehörten auch die Studienteilnehmenden. Dewaele und Wei (2014a) untersuchten ihre Hypo-
thesen mit Hilfe von 2070 vielsprachigen Studienteilnehmenden. Es nahmen dreimal mehr
weibliche als männliche Probanden an dem Online-Fragenbogen teil. Allgemein kann gesagt
werden, dass die Teilnehmenden hochgebildet waren. Englisch war die meistgesprochene
Erstsprache (L1), gefolgt von Niederländisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Auch bei
der Zweitsprache (L2) war Englisch die meist gesprochene Sprache, gefolgt von Französisch,
Spanisch und Deutsch. Das durchschnittliche Alter während des Erwerbs der Zweitsprache
lag bei 10,1 Jahren, bei 15 Jahren beim Erlernen einer dritten Sprache, bei 18,4 Jahren beim
Erwerb einer vierten Sprache und bei 21,9 Jahren bei der Aneignung einer fünften Sprache.
Unter den Teilnehmenden befanden sich 36 Monolinguale, 375 Bilinguale, 543 Dreisprachi-
ge, 539 Viersprachige, 347 Fünfsprachige und 139 Sechssprachige etc. Dewaele und Wei
(2014a) fassten die Sechs- und Mehrsprachigen in einer Kategorie zusammen. Die Mehrheit
der Teilnehmenden hatte nur eine Erstsprache und ein kleiner Teil gab an, mit zwei oder drei
Sprachen aufgewachsen zu sein (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 240f.).
Dewaele und Wei (2014a) nutzten die Informationen, welche ihnen die Teilnehmenden
über die subjektiv wahrgenommene Kompetenz in den jeweiligen Sprachen zur Verfügung
stellten, um einen globalen Maßstab bzw. Grad der Mehrsprachigkeit („global measure of
multilingualism“) zu entwickeln (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 241). Laut Dewaele und
Stavans (2012) ist „global proficiency score“ die Summe der subjektiv wahrgenommenen
mündlichen und schriftlichen Kompetenzen, welche anhand einer „5-point Likert scale“, in
bis zu sechs Sprachen, gemessen wird. Diese Maßnahme eignet sich potentiell, um zwischen
Sechssprachigen, mit limitierten Kenntnissen dreier Sprachen, und den Dreisprachigen, mit
fortgeschrittenem Können in drei Sprachen, unterscheiden zu können (vgl. Dewaele &
Stavans 2012: 10). Dewaele und Wei (2014a) vermieden in ihrer Studie den Mangel an Klar-
heit, der mit Kategorisierungen wie „zweisprachig, dreisprachig“ einhergeht, da jede Sprache
davon umfasst wird, trotz der Tatsache, dass das Wissen in einigen sehr begrenzt sein kann.
Die Teilnehmenden der Studie wurden je nach den Auswertungen ihrer „global proficiency
scores“ in „Low Proficiency“, „Medium Proficiency“ und „High Proficiency“ eingeteilt. De-
waele und Wei (2014a) sind der Ansicht, dass es weitaus sinnvoller ist, nach einem „link
between a global language measure and attitudes towards CS“ zu suchen,„rather than mea-
sures for particular languages“ (Dewaele & Wei 2014a: 241). Dazu bleibt anzumerken, dass
der Mittelwert bei ethnischer und linguistischer Diversität während der Kindheit, im Ver-

42
gleich zum Mittelwert bei ethnischer und multilingualer Diversität am Arbeitsplatz, niedrig
war (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 241).
Weiters gehörten zur Methode der Forschung von Dewaele und Wei (2014a) auch die In-
strumente, wie Fragebögen. Dewaele und Wei (2014a) haben sich für die Verwendung von
Online-Fragebögen entschieden, weil Online-Fragebögen ihrer Meinung nach die Erfassung
großer Datenmengen ermöglichen und den Forschenden größere und vielfältigere Proben aus
der ganzen Welt durch das sogenannte Schneeballverfahren („snowball sampling“) liefern.
Obwohl Internet-Proben laut Dewaele und Wei (2014a) möglicherweise nicht repräsentativ
für die allgemeine Bevölkerung sind, sind sie typischerweise vielfältiger in Bezug auf das
Geschlecht, das Alter, die Herkunft, den sozio-ökonomischen Status und die geographische
Lage (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 243). Wilson und Dewaele (2010: 108) haben argumen-
tiert, dass die Forschungsteilnehmenden im Bereich der Mehrsprachigkeit nicht die „allge-
meine Bevölkerung“ repräsentieren müssen, da sie spezifische sprachliche Kriterien erfüllen
und in der Lage und bereit sein müssen, sich mit relativ abstrakten Fragen zu Sprachpräferen-
zen und zum Sprachgebrauch zu beschäftigen. Die Teilnehmenden benötigen bei dieser Art
von Umfrage ein hohes Maß an metalinguistischem und metakognitivem Bewusstsein und
müssen wirklich motiviert sein, den Fragebogen genau auszufüllen (vgl. Wilson & Dewaele
2010: 119). Zudem berufen sich Dewaele und Wei (2014a) auf Joinson et al. (2008) und füh-
ren an, dass Internet-basierte Fragebögen eine enthemmende Wirkung auf die Teilnehmenden
haben, da die Teilnehmenden dadurch weniger das Gefühl haben, entsprechende Antworten
geben zu müssen, und somit ehrlicher auch im Hinblick auf ihre subjektiv wahrgenommene
Häufigkeit von Code-Switching antworten (vgl. Joinson et al. 2008: 2159).
Konkret handelte es sich beim Fragebogen um eine „open-access survey“, welche sich an
mehrsprachige Personen in akademischen Institutionen richtete. Innerhalb eines Jahres ant-
worteten weltweit 2158 Mono- und Multilinguale auf den Fragebogen, welcher anonym be-
handelt wurde. Der Fragebogen deckte zunächst einmal die soziobiografischen Fragen nach
dem Geschlecht, dem Alter, der Nationalität, der Sprachengeschichte und dem aktuellen
Sprachgebrauch ab. Außerdem beinhaltete der Fragebogen einen Abschnitt, welcher sich mit
den Persönlichkeitseigenschaften, allem voran mit Extraversion und Neurotizismus, beschäf-
tigte. Diese zwei Dimensionen wurden mit Hilfe des Cronbach-Alpha-Koeffizienten gemes-
sen und in drei Gruppen von Personen, die Introvertierten (407 Personen), die Extrovertierten
(502) und die „Ambiverts“ (1023), eingeteilt (vgl. Dewaele und Wei 2014a: 242). Beim Neu-
rotizimus wurde die folgende Unterscheidung vorgenommen: „Low-N“ (485), „Medium-N“
(1098) und „High-N“ (348). Herman et al. (2010) erstellten die „Tolerance for Ambiguity
Scale“ (Ambiguitätstoleranz-Skala), welche in kulturübergreifender Forschung und Praxis
verwendet werden kann, um die individuelle Ambiguitätstoleranz festzustellen (vgl. Herman
et al. 2010: 62). Dewaele und Wei (2014a) verwendeten elf der zwölf Punkte der Ambigui-
tätstoleranz-Skala und führten weitere kleinere Anpassungen durch. Mit Hilfe der Cronbach-
Alpha-Analyse wurden die Teilnehmenden in drei Gruppen unterteilt: niedrige Ambiguitäts-

43
toleranz (285 Teilnehmende), mittlere Ambiguitätstoleranz (1365 Probanden) und hohe Am-
biguitätstoleranz (283 Teilnehmende) (vgl.Dewaele & Wei 2014a: 241f.).
Hinsichtlich der kognitiven Empathie haben sich Dewaele und Wei (2014a: 242) dazu ent-
schieden „five items with the highest factor loadings from the scale in Lawrence et al. (2004)“
auszuwählen, um diese zu messen. Die Fragen mussten auf einer „5-point Likert scale“ (von
„Strongly Disagree“ bis hin zu „Strongly Agree“) beantwortet werden (vgl. Dewaele & Wei
2014a: 242). Die Cronbach-Alpha-Analyse ermöglichte eine Unterteilung in drei Gruppen
und zwar in die Gruppe der niedrigen kognitiven Empathie (237 Teilnehmende), die Gruppe
der mittleren kognitiven Empathie (1426 Probanden) und die Gruppe der hohen kognitiven
Empathie (273 Teilnehmende). Die Daten bezüglich der Einstellung der Teilnehmenden zum
Code-Switching wurden durch die folgende geschlossene Frage erhoben:

To what extent do you agree with the following statements about language switching?
1. It is a sign of incomplete linguistic competence
2. It annoys me when people switch between languages I don't know in my presence
3. It displays a distinct multicultural identity
4. It is a sign of arrogance
5.It is a way to show solidarity with a particular culture
Participants were asked to choose a response on a 5-point Likert scale (1 = not at all 2 = not especially 3 =
so-so 4 = quite a lot 5 = very much). (Dewaele & Wei 2014a: 242)

Die Teilnehmenden der Umfrage sollten also die oben angeführte Frage und die dazu angebo-
tenen Antworten zum Thema Code-Switching auf einer Skala von 1 bis 5 bewerten. Wenn es
nötig war, „the scores were reversed so that a higher score indicates a more positive attitude
towards CS” (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 242). Des Weiteren zeigte ein „one-sample Kol-
mogorov–Smirnov test“, dass die Werte nicht normal verteilt waren. Die Verteilung „is ske-
wed towards the positive end of the scale“, mit 13,5% der Teilnehmenden mit einer Punkte-
zahl von 19. Infolgedessen wurden „non-parametric statistical techniques“ verwendet.
Dewaele und Wei (2014a) merkten dazu an: „unfortunately there is no non-parametric equiva-
lent of multiple regression analysis which would have allowed us to measure the relative im-
pact of all independent variables together“ (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 243).
Nachdem nun die Methoden der Studie zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching
beschrieben worden sind, sollen im nächsten Schritt die Auswertungen der Online-
Fragebögen, welche Antworten zu den verschiedenen Aspekten der Untersuchung im Hin-
blick auf die Einstellung der Studienteilnehmenden zum Code-Switching liefern sollten, dar-
gestellt werden.

44
2.2.2.5. Die Ergebnisse der Studie von Dewaele und Wei (2014a)

Im vorangehenden Kapitel wurden die Methoden der Forschung der Studie von Dewaele und
Wei (2014a) zur Einstellung der Studienteilnehmenden gegenüber dem Code-Switching be-
schrieben. Daher sollen in diesem Kapitel die Resultate dieser Untersuchung, welche mit Hil-
fe von Online-Fragebögen im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen den Persönlich-
keitsmerkmalen, dem Alter, dem Geschlecht, dem Bildungsgrad usw. und dem Code-
Switching durchgeführt worden ist, beleuchtet werden.
Der Kruskal-Wallis-Test zeigte, dass die Extraversion keinen Einfluss auf die Einstellung
zum Code-Switching hat. Jedoch wirkt sich der Neurotizismus stark auf die Haltung gegen-
über dem Code-Switching aus, „with those scoring closest to the Emotional Stability end of
the dimension reporting more positive attitudes than their high-N peer“ (vgl. Dewaele & Wei
2014a: 244). Der Test zeigte auch, dass die Ambiguitätstoleranz einen signifikanten Einfluss
auf die Einstellung zum Code-Switching hat, da jene Teilnehmenden, die hohe TA-Werte
beim Test aufwiesen, auch eine weitaus positivere Einstellung zum Code-Switching hatten.
Auch die kognitive Empathie hatte eine ähnliche Auswirkung auf die Einstellung zum Code-
Switching, da Probanden mit hohen CE-Werten deutlich positiver dem Code-Switching ge-
genüber standen (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 244).
Die Gruppe von Variablen, welche den Verlauf des Spracherwerbs und die aktuellen lingu-
istischen Praktiken der Teilnehmenden umfasst, ergab beim Kruskal-Wallis-Test, dass die
Anzahl der Sprachen, die von den Probanden beherrscht werden, lediglich einen marginalen
Effekt auf die Einstellung gegenüber dem Code-Switching hat. Die Ergebnisse der Mono-, Bi-
und Trilingualen waren sehr ähnlich und die der Fünf- und Mehrsprachigen jeweils höher.
Zudem konnte keine bedeutende Auswirkung der globalen Sprachkompetenz („global profi-
ciency“) auf die Haltung gegenüber dem Code-Switching festgestellt werden, da die Werte
aller drei Gruppen, „Low Proficiency“, „Medium Proficiency“ und „High Proficiency“, sehr
nah beieinander lagen.
Weiters zeigte der Kruskal-Wallis-Test, dass jene Teilnehmenden, die in einem ethnisch
und linguistisch vielfältigen Umfeld aufgewachsen sind, einen wesentlich positiveren Zugang
zum Code-Switching haben. Der Grad der ethnischen Diversität am Arbeitsplatz der Teil-
nehmenden und nicht der Grad der Mehrsprachigkeit in diesem Umfeld hat auch einen bedeu-
tend positiven Einfluss auf die Einstellung zum Code-Switching. Außerdem zeigte der
Kruskal-Wallis-Test, dass das Leben im Ausland einen positiven Einfluss auf die Einstellung
zum Code-Switching hat. Jene Umfrageteilnehmenden, die mehr als ein Jahr im Ausland ver-
bracht haben, „scored highest“ im Hinblick auf die Toleranz und Akzeptanz des Code-
Switching, „followed by those who remained abroad for not more than one year, with those
who had not lived abroad having the lowest score” (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 244).
Durch den Mann-Whitney-Test gelangten Dewaele und Wei (2014a) zu weiteren Erkennt-
nissen, da der Test signifikante Unterschiede zwischen Zwei- und Mehrsprachigen, bei denen

45
der Spracherwerb früh bzw. spät erfolgte, zeigte. Diejenigen, die in den frühen Kinderjahren
eine weitere Sprache erlernten, hatten eine deutlich positivere Einstellung zum Code-
Switching als jene, bei denen der Spracherwerb einer zweiten Sprache später erfolgte (vgl.
Dewaele & Wei 2014a: 244).
Eine weitere Frage, die es zu beantworten galt, beschäftigte sich mit den Auswirkungen
der soziobiografischen Variablen, wie Alter, Geschlecht oder Bildungsniveau, auf die Einstel-
lung zum Code-Switching. Die Kruskal-Wallis-Analyse zeigte, dass der Altersfaktor einer
Gruppe eine bedeutende Rolle bei der Einstellung zum Code-Switching spielt. Es wurde deut-
lich, dass „the means per age group shows that those in their forties scored highest with those
in their 30s, 50s and 60s scoring at similar levels on attitudes towards CS“ (vgl. Dewaele &
Wei 2014a: 245).
Außerdem zeigte der Mann-Whitney-Test, dass die weiblichen Teilnehmenden im Gegen-
satz zu den männlichen Probanden der Studie eine wesentlich positivere Einstellung zum
Code-Switching hatten. Zudem ergab die Kruskal-Wallis-Analyse, dass der Bildungsgrad sich
wesentlich auf die Haltung gegenüber dem Code-Switching auswirkt. Eine kurvenförmige
Beziehung konnte festgestellt werden, da die Teilnehmenden mit niedrigem Bildungsniveau
eine positivere Einstellung zum Code-Switching hatten, jene mit einem BA-Abschluss das
Code-Switching am wenigsten als wünschens- bzw. erstrebenswert empfanden und jene mit
einem Master- und Doktortitel dem Code-Switching gegenüber eine äußerst affirmative Hal-
tung aufwiesen. Die abschließende Forschungsfrage beschäftigte sich mit der Beziehung zwi-
schen der Haltung gegenüber dem Code-Switching und der subjektiv wahrgenommenen Pra-
xis bzw. Häufigkeit der Ausübung des Code-Switching. Die Rangkorrelationsanalyse nach
Spearman offenbarte eine affirmative Beziehung zwischen der Einstellung gegenüber dem
Code-Switching und der subjektiv wahrgenommenen Häufigkeit von Code-Switching mit
Familienmitgliedern, mit Freunden und mit Fremden. Jedoch war diese Beziehung beim
Code-Switching mit den Kollegen nur nebensächlich (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 246).
Abschließend sollen die Resultate der Studie von Dewaele und Wei (2014a) in Bezug auf
die vorangehenden Studien und Erkenntnisse und die Hypothesen und Forschungsfragen, von
denen anfangs ausgegangen worden ist, reflektiert und ein Fazit gezogen werden, damit ein
Ausblick für die weitere Untersuchung in diesem Forschungsbereich gegeben werden kann,
bevor dann zur eigenen Untersuchung dieser Arbeit übergegangen wird.

2.2.2.6. Reflexion der Ergebnisse im Hinblick auf vorangehende Studien


und Fazit der Studie von Dewaele und Wei (2014a)

Zunächst einmal bleibt zu sagen, dass die signifikanten Verbindungen zwischen den Persön-
lichkeitsmerkmalen und der Einstellung gegenüber dem Code-Switching darauf hindeuten,
dass die Wahrnehmung des eigenen Sprachverhaltens sich teilweise der bewussten Kontrolle
entzieht. Den Ergebnissen der Studie zufolge scheint es, als würden die niedrigeren Neuroti-

46
zismus-Werte, die höheren Ambiguitätstoleranzwerte und die höheren Werte der kognitiven
Empathie zu einer positiveren Haltung gegenüber dem Code-Switching beitragen. Es stellte
sich aber heraus, dass die Extraversion keine Auswirkung auf die Einstellung gegenüber dem
Code-Switching hat, da Menschen, die freundlicher und geselliger sind, nicht in Verbindung
mit einer deutlich höheren Wertschätzung des Code-Switching gebracht werden konnten. Je-
doch konnten diese Persönlichkeitsmerkmale mit einer wesentlich höheren Häufigkeit des
subjektiv wahrgenommenen Gebrauchs von Code-Switching in Zusammenhang gebracht
werden (vgl. Dewaele & Wei 2014b: 241). Zudem konnten Dewaele und Wei (2014a) fest-
stellen, dass emotional stabile Personen sorgenfreier sind, weniger an Angstzuständen leiden
und daher dem Code-Switching gegenüber positiv eingestellt sind. Dewaele und McCroskey
(2013) fanden heraus, dass emotional stabile Individuen den Akzent einer anderen Sprache
deutlich mehr genossen, als jene Personen, deren Neurotizimsus-Werte sehr hoch waren (vgl.
Dewaele & McCroskey 2013: 229). Bei Personen mit hohen Neurotizismus-Werten wird
nämlich davon ausgegangen, dass der Akzent einer Person eine zusätzliche Quelle der Sorge
für sie darstellt. Dies könnte man auch auf ihre Einstellung gegenüber dem Sprachwechsel
ummünzen, da emotional stabile Personen sich weniger Sorgen diesbezüglich machen, dass
ein Wechsel zwischen den Sprachen zu einem Kommunikationsproblem führen könnte, und
auch nicht davon ausgehen, dass sie sich deshalb gegenseitig blamieren könnten (vgl. Dewae-
le & Wei 2014a: 246). Dewaele und McCroskey (2013: 234) stellten zudem fest, dass Men-
schen, die hohe Ambiguitätstoleranzwerte aufweisen, und dadurch eine positivere Einstellung
gegenüber dem Code-Switching haben, „they have also been found to be more appreciative of
a FA (Foreign Accents)“(vgl. Dewaele & Wei 2014a: 246). Jedoch bleibt zu erwähnen, dass
sie deshalb nicht öfter angeben zwischen den Sprachen zu wechseln (vgl. Dewaele & Wei
2014b: 237). Allerdings neigen Personen mit niedrigen Ambiguitätstoleranzwerten weniger
dazu, das Code-Switching zu genießen, weil sie möglicherweise das Gefühl haben, dass das
Wechseln zwischen den Sprachen Unklarheit in die Interaktion bringen könnte (vgl. Dewaele
& Wei 2014a: 246). Zudem bleibt festzuhalten, dass Studienteilnehmende mit hohen Werten
der kognitiven Empathie eine positivere Einstellung gegenüber dem Code-Switching aufwei-
sen und auch die Akzente der anderen Sprachen wesentlich mehr zu schätzen wissen (vgl.
Dewaele & McCroskey 2013: 236).
Für Dewaele und Wei (2014a) war die Tatsache, dass ein hoher Grad an Mehrsprachigkeit,
also mehr Sprachen zu können und sie wirklich gut zu beherrschen, nur bedingt mit der Ein-
stellung zum Code-Switching zusammenhängt, überraschend. Schließlich gingen sie von der
Annahme aus, dass man erwarten könnte, dass erfahrene Vielsprachige daran gewöhnt sind,
mit Menschen aus verschiedenen sprachlichen und kulturellen Umgebungen zu kommunizie-
ren, deshalb regelmäßig dem Code-Switching zwischen verschiedenen Sprachen ausgesetzt
sind, und dieses sprachliche Phänomen auch dementsprechend zu schätzen wissen. Also stell-
ten sich Dewaele und Wei (2014a) die Frage, wieso Mehrsprachige das Code-Switching nicht
mehr zu schätzen wissen. Sie fragten sich, ob der Stolz, fortgeschritten in der jeweiligen

47
Sprache zu sein, es ihnen möglicherweise nicht zulässt, oder ob die fortgeschrittenen Viel-
sprachigen unbewusst das Code-Switching als ein Symptom für mangelnde sprachliche Kom-
petenz beurteilen. Laut Dewaele und Wei (2014a) besteht eine weitere Möglichkeit darin,
dass die „categorisation of global levels of frequency of use of multiple languages and global
proficiency” in drei breite Kategorien, es „did not allow us to catch a nonlinear relationship“
zwischen den genannten Variablen und der Einstellung zum Code-Switching (vgl. Dewaele &
Wei 2014a:247). Hierbei bleibt anzumerken, dass die Ergebnisse der Studie in einem Streudi-
agramm festgehalten wurden, und dass die polynomische Trendlinie im Streudiagramm, zur
Einstellungen gegenüber dem Code-Switching und zur globalen sprachlichen Kompetenz der
2080 Studienteilnehmenden, kurvenförmig verlaufen ist. Wie bereits erwähnt, scheint es so,
dass ein beachtlicher Teil der Teilnehmenden mit durchschnittlichen globalen Sprachkompe-
tenzwerten eine deutlich negativere Einstellung zum Code-Switching hat, als jene am unteren
oder oberen Ende der Skala, die dazu verwendet wurde, um die Sprachkompetenz zu messen.
Eine Vielzahl an Faktoren, die im Zusammenhang mit der Spracherwerbsgeschichte und der
aktuellen Sprachpraxis des jeweiligen Teilnehmenden stehen, konnten auch in Verbindung
mit der Haltung zum Sprachwechsel gebracht werden. Auch wurde schon zuvor erwähnt, dass
jene Probanden, die in einem sehr vielsprachigen und ethnisch diversen Umfeld aufgewach-
sen sind, das Code-Switching für gut hießen. Man könnte daher laut Dewaele und Wei
schlussfolgern, dass die sprachlichen Angewohnheiten, die man sich in der Kindheit aneignet,
sich auf das weitere Leben auswirken, da die gleichen Teilnehmenden außerdem auch anga-
ben, sich deutlich häufiger des Sprachwechsels zu bedienen (vgl. Dewaele & Wei 2014b:
240).
Auch die Verbindung zwischen dem Grad des Multilingualismus und der ethnischen Viel-
falt am Arbeitsplatz und der Einstellung zum Code-Switching konnte durch die Studie bestä-
tigt werden. Ist das Code-Switching eine gängige Praxis in einer bestimmten Gemeinschaft,
so wird diese auch als etwas Normales, etwas Selbstverständliches wahrgenommen. Dewaele
und Wei (2014b: 235) konnten dieses Muster anhand der Angaben der subjektiv wahrge-
nommenen Verwendung von Code-Switching bei Teilnehmenden, welche in einem vielspra-
chigen und ethnisch vielfältigen Arbeitsumfeld tätig sind, feststellen, da auch diese Probanden
angaben, häufiger zwischen den Sprachen zu wechseln. Den Forschenden der Studie zufolge,
könnte eine ähnliche Erklärung für die weitaus positivere Ansicht des Code-Switching bei
Menschen, welche einen Auslandsaufenthalt genossen, Rechnung tragen, da das Leben im
Ausland sich günstig auf die Ambiguitätstoleranz auswirkt und dazu führt, dass man wahr-
nimmt, dass sich die eigenen Code-Switching-Fähigkeiten entwickelt haben (vgl. Dewaele &
Wei 2013: 237).
Dewaele und Wei (2014a) hatten jedoch die bedeutende Beziehung zwischen dem Alter
und der Einstellung nicht erwartet. Die Untersuchung ergab, dass jüngere Altersgruppen (Ju-
gendliche und Zwanzigjährige) das Code-Switching nicht so sehr zu schätzen wissen, wie
dies die älteren Altersgruppen tun. Jedoch ist es möglich, dass diese Beziehung indirekt ist

48
und im Zusammenhang mit dem Arbeitsumfeld der älteren Studienteilnehmenden steht. Gar-
dner-Chloros, McEntee-Atalianis und Finnis (2005: 73ff.) fanden jedoch genau das umge-
kehrte Muster in der griechisch-zyprischen Gemeinschaft in London, in der die junge Genera-
tion das Code-Switching weitaus mehr zu schätzen wusste. Die Sichtweisen auf das Code-
Switching scheinen sich, innerhalb bestimmter zweisprachiger Gesellschaften, von jenen der
breiten internationalen zwei- und mehrsprachigen Gemeinschaft, zu unterscheiden. Für De-
waele und Wei (2014a) überraschend war, dass die weiblichen Teilnehmenden eine durchaus
affirmativere Haltung zum Code-Switching als die Männner einnehmen. Es war insofern
überraschend, da aus den soziolinguistischen Forschungen hervorgeht, dass Frauen norma-
lerweise eher als Männer die Standardsprache bevorzugen und benutzen. Dieses Ergebnis
ergänzt die früheren Beobachtungen, bei denen festgestellt werden konnte, dass sich die weib-
lichen Studienteilnehmenden viel öfter des Code-Switching in der Interaktion mit Familien-
mitgliedern, Kollegen und Freunden bedienen, als die männlichen Probanden (vgl. Dewaele
& Wei 2014b: 239f.). In einer der früheren Untersuchungen, Dewaele (2010: 198), wurde
festgestellt, dass die weiblichen Teilnehmenden das Code-Switching vor allem unter Freun-
den benutzen.
Außerdem wirkte sich laut den Untersuchungen von Dewaele und Wei (2014a) auch das
Bildungsniveau auf die Einstellung zum Code-Switching aus, da die weniger gebildeten Teil-
nehmenden etwas positiver und jene mit BA-Abschluss negativer dem Code-Switching ge-
genüber eingestellt waren. Probanden mit einem Master- oder Doktortitel waren zuversicht-
lich hinsichtlich des Code-Switching (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 248). Gardner-Chloros,
McEntee-Atalianis und Finnis (2005) konnten ein ähnliches Muster, mit einer linearen Ab-
nahme bei der Wertschätzung des Code-Switching bei Personen mit höherer abgeschlossener
Bildung, erkennen (vgl. Gardner-Chloros et al. 2005: 68). Dewaele und Wei (2014b) stellten
zudem fest, dass hochgebildete Teilnehmende angaben, das Code-Switching öfter unter Kol-
legen zu verwenden, weil sie sich am Arbeitsplatz in einem mehrsprachigen Umfeld befinden
(vgl. Dewaele & Wei 2014b: 240).
Die abschließende Forschungsfrage der Studie von Dewaele und Wei (2014a) beschäftigte
sich mit der Beziehung zwischen der Einstellung und der Verwendung des Code-Switching.
Im Gegensatz zu den Ergebnissen von Pena (2004: 153) gaben die Teilnehmenden der Studie
von Dewaele und Wei (2014a), die einen wohlwollenden Zugang zum Code-Switching hat-
ten, auch zu, das Code-Switching öfter zu betreiben. Daraus kann schlussgefolgert werden,
dass in einer Umgebung, in der der Sprachwechsel die Norm ist, die Haltung gegenüber dem
Code-Switching nicht mehr von der Häufigkeit der Verwendung abhängig ist, da es ohnehin
keine andere Wahl gibt (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 248).
Wichtig zu erwähnen ist, dass das Forschungsdesign der Studie von Dewaele und Wei
(2014a) nicht ohne Einschränkungen möglich war. Die erste ist die Tatsache, dass die Aus-
wahl eines Punktwertes auf einer Likert-Skala, um die Haltung reflektieren zu können, einer
gewissen Abstraktion bedarf. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) war außerdem auch

49
insofern eingeschränkt, da die Informationen über den Typ der mono- und multilingualen
Teilnehmenden fehlten, das heißt, dass sie darüber keine Daten verfügten, ob es sich um Im-
migranten der zweiten oder dritten Generation handelte. Pena (2004) stellte schließlich bei der
zweiten Generation von Galiziern, die in London lebten, eine völlig andere Sichtweise auf das
Code-Switching fest. Schließlich gab es eine weitere Einschränkung: und zwar waren die
hochgebildeten Teilnehmenden sehr stark vertreten. Hier bleibt festzuhalten, was auch Pena
(2004) bereits festgestellt hat, und das ist die Tatsache, dass gebildete Vielsprachige eher dazu
tendieren, ein Bewusstsein für jene Sprachen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wer-
den, zu entwickeln, und ihre Rolle beim Sprachwechsel anzuerkennen (vgl. Pena 2004). Es
sind auch die gebildeten Mehrsprachigen, die sich dazu bereit erklären an Studien teilzuneh-
men, da es, wie Dewaele (2010) bereits anmerkte, äußerst schwierig bis unmöglich ist, bei
Mehrsprachigen mit niedrigen Bildungsniveaus an Daten durch Fragebögen und Interviews zu
gelangen, weil die potenziellen Teilnehmenden sehr misstrauisch sind und sie die Fragen als
eine Bedrohung empfinden. Infolgedessen blieben die Fragen hinsichtlich ihrer Gewohnheiten
beim Sprachwechsel unbeantwortet, weil sie vermutlich befürchteten dadurch als „deficient
users“ kategorisiert zu werden (vgl. Dewaele 2010: 45).
Schlussfolgernd bleibt festzuhalten, dass sich die vorliegende Studie zum Ziel gemacht hat,
die unabhängigen Variablen, welche in Zusammenhang mit der Einstellung zum Code-
Switching stehen, zu identifizieren. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) konnte somit
noch nie zuvor entdeckte Variationsmuster aufdecken. Die auffälligste Erkenntnis ist zwei-
felsohne jene, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale mit der Sichtweise auf das Code-
Switching verbunden sind. Jene Teilnehmenden, die hohe Werte bei der emotionalen Stabili-
tät, der Ambiguitätstoleranz und der kognitiven Empathie aufwiesen, waren dem Code-
Switching gegenüber deutlich positiver eingestellt. Zudem scheint es, als würden jene emoti-
onal stabilen Personen, welche über eine beachtliche Kapazität verfügen, sich in ihre Ge-
sprächspartner aus verschiedenen Ländern hineinversetzen zu können, das Unerwartete bei
einem Sprachwechsel deutlich mehr genießen zu können. Eine weitere überraschende Er-
kenntnis war es für Dewaele und Wei (2014a) festzustellen, dass der Grad der Multilingualität
nicht automatisch in Zusammenhang mit einer positiveren Einstellung zum Code-Switching
steht, da sich nichtlineare, kurvenförmige Beziehungen abzeichneten. Weniger überraschend
waren die positiven Ansichten des Code-Switching bei Teilnehmenden, welche in einem viel-
sprachigen und vielfältigen Umfeld aufgewachsen sind, gelebt oder gearbeitet haben. Die so-
ziobiografischen Variablen standen ebenso im Zusammenhang mit der Haltung gegenüber
dem Code-Switching, da die weiblichen Teilnehmenden eine deutlich positivere Sichtweise
auf das Code-Switching hatten als die männlichen Teilnehmenden. Die nichtlinearen Bezie-
hungen ergaben sich bei der Bildung, da jene Teilnehmende am jeweiligen Ende der Skala
deutlich affirmativer dem Code-Switching gegenüber eingestellt waren, und auch beim Alter,
da die jüngsten Probanden negativer, jene mittleren Alters wesentlich positiver und die ältes-
ten Teilnehmenden wiederum negativer dem Code-Switching gegenüber eingestellt waren.

50
Schließlich konnte schlussgefolgert werden, dass die positive Einstellung zum Code-
Switching auch mit einer deutlich höheren Häufigkeit der Verwendung von Code-Switching
mit vielen verschiedenen Gesprächspartnern einhergeht (vgl. Dewaele & Wei 2014a).
Im Hinblick auf zukünftige Forschungen im Bereich des Code-Switching merkten Dewaele
und Wei (2014a) an, dass das Design der Studien überdacht werden muss und dass die man-
gelnde Bezugnahme des Code-Switching bei experimentellen Designs von psycholinguisti-
schen Studien gelöst werden muss. Nicht nur den Variablen, wie beispielsweise dem Alter
oder Geschlecht, sondern vielmehr auch der Einstellung der Probanden zum sprachlichen
Phänomen des Code-Switching soll zukünftig mehr Beachtung geschenkt werden.
In der vorliegenden Arbeit wurden beide Studien detailliert behandelt und daher soll im
Anschluss, auf die theorethische Basis, auf die eigene Untersuchung eingegangen werden.

3. Empirische Untersuchung der Einstellung von Bosni-


sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden dem Code-
Switching gegenüber
Zunächst gilt es die methodische Herangehensweise zum Thema dieser Untersuchung, der
Einstellung zum Code-Switching, darzulegen. Dabei soll in einem ersten Schritt auf die Aus-
wahl der Literatur, und im Anschluss dazu auf das Forschungsinstrument dieser Forschungs-
arbeit eingegangen werden.
Um die Forschungsfragen zu beantworten, fiel die Entscheidung auf zwei methodologische
Vorgehensweisen. Einerseits beschäftigt sich diese Arbeit mit der bestehenden Literatur zum
Themenbereich des Code-Switching und mit den Studien, welche zur Einstellung gegenüber
dem Code-Switching durchgeführt worden sind. Andererseits war es ein Anliegen dieser Ar-
beit persönliche Interviews mit Personen, die Erfahrungen mit dem sprachlichen Phänomen
des Code-Switching gemacht haben, zu führen, um angelehnt an die bereits vorhandenen Stu-
dien zur Einstellung der Sprechenden gegenüber dem Code-Switching, anknüpfen zu können,
und um die darin präsentierten Ergebnisse im Hinblick auf die Dolmetschstudierenden zu
überprüfen. Die Studien, welche das Hauptaugenmerk der Literaturrecherche waren – jene
von Dewaele und Wei (2014a) und jene von Kharkhurin und Wei (2015) – wurden bewusst
ausgewählt, weil sie zum Zeitpunkt der Literaturauswahl, die aktuellsten beiden Studien wa-
ren, die zum Thema der Einstellung gegenüber dem Code-Switching vorhanden waren. Beide
Studien merkten in ihren Schlussfolgerungen an, dass dieses Forschungsgebiet bislang nur
wenig erforscht worden ist, und daher lag die Überlegung nah, an diese beiden Studien an-
knüpfen zu wollen. Die Studie von Dewaele und Wei (2014a) beschäftigt sich mit der Einstel-
lung der Sprachbenutzenden gegenüber dem Code-Switching, und die Studie von Kharkhurin
& Wei (2015) behandelt die Rolle des Code-Switching bei der bilingualen Kreativität. Die
Studie von Kharkhurin und Wei (2015) umfasst jedoch auch die Thematik der Einstellung

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gegenüber dem Code-Switching und geht vor allem auch auf den Themenbereich der Häufig-
keit von Code-Switching ein bzw. kategorisiert Personen, in gewohnheitsmäßige und nicht-
gewohnheitsmäßige „Code-Switcher“. Dieser Ausgangspunkt der Studie war insofern interes-
sant, da sich die Frage stellte, inwiefern denn nun Dolmetschstudierende als gewohnheitsmä-
ßige oder nicht-gewohnheitsmäßige „Code-Switcher“ zu kategorisieren sind. Der Ausgangs-
punkt war natürlich zunächst einmal festzustellen, ob überhaupt von der Ausnahme ausge-
gangen werden kann, dass Dolmetschende sich des Code-Switching bedienen. Die wissen-
schaftliche Relevanz dieser Arbeit liegt auch darin, herauszufinden, inwiefern Dolmetschstu-
dierende mit dem sprachlichen Phänomen des Code-Switching in alltäglichen Situationen zu
tun haben und inwiefern ihr Umfeld ihren Umgang mit dem Code-Switching beeinflusst. Die
zentrale Forschungsfrage, die es zu beantworten galt, beschäftigte sich mit der Einstellung der
Dolmetschstudierenden dem Code-Switching gegenüber, sowie auch mit der Wahrnehmung
dieses sprachlichen Phänomens ihrerseits. Eine weitere Frage, die sich im Laufe der Arbeit
herauskristallisiert hatte, war jene nach dem Zusammenhang der Sprachkompetenz und des
Code-Switching. Zuletzt galt es auch die Fragen, ob sich die Einstellung dem Code-Switching
gegenüber im Laufe der Ausbildung verändert, und ob sich das Praktizieren von Code-
Switching auf die Dolmetschkompetenz auswirkt, zu beantworten. Letzteres galt es anhand
von subjektiven Meinungen der Dolmetschstudierenden im Rahmen eines persönlichen Inter-
views zu beantworten, da keine objektiven Variablen, mit denen dieses Faktum messbar ge-
wesen wäre, gefunden werden konnten. Die Auswahl des Interviews, als eines zentralen For-
schungsinstruments, basierte auch auf der Tatsache, dass beide Studien in ihrer Methodenkri-
tik angeführt hatten, dass, dadurch dass vorwiegend mit Online-Fragebögen gearbeitet worden
ist, manche Fragestellungen sich im Endeffekt als wenig passend für dieses Forschungsformat
herausgestellt haben und dass ein persönliches Interview womöglich eher dafür geeignet ge-
wesen wäre. Daher fiel die Entscheidung auf eine qualitative Untersuchung, auf ein persönli-
ches Interview, mit einem Interviewleitfaden.
Des Weiteren galt es Hypothesen, welche bereits in den Studien davor aufgestellt worden
sind, zu überprüfen. Unter anderem war das Ziel herauszufinden, ob die Dolmetschstudieren-
den sich selbst als kreativ beim Code-Switching bezeichnen würden, da man bei der Studie
von Kharkhurin und Wei (2015) von der Hypothese ausgegangen ist, dass das häufige Code-
Switching mit der bilingualen Kreativität zusammenhängt bzw. diese fördert. Diese Frage
sollte jedoch nur durch eine subjektive Antwort seitens der Probanden beantwortet werden, da
kein ATTA-Test durchgeführt worden ist. Eine weitere Hypothese, mit der sich die vorange-
henden Studien beschäftigt haben, umfasste die Auswirkung des häufigen Code-Switching
auf die selektive Aufmerksamkeit. Bei dieser Hypothese wäre es im Hinblick auf das Dolmet-
schen interessant gewesen, Kenntnis darüber zu erhalten, inwiefern das Code-Switching, die
selektive Aufmerksamkeit und das Dolmetschen zusammenhängen. Jedoch fiel schlussendlich
die Entscheidung, sich auf die subjektive Meinung der Interviewteilnehmenden zum Code-
Switching zu konzentrieren, und nicht nach objektiven Variablen zu suchen, mit denen dies

52
messbar gewesen wäre. Die Auswirkung der Praxis von Code-Switching auf die selektive
Aufmerksamkeit bzw. auf das Dolmetschen war in dem Sinne nicht messbar, da dieser Be-
reich noch kaum erforscht worden ist, und daher konnten auch keine Bezüge zur vorangehen-
den Literatur hergestellt werden. Also sah man schlussendlich von diesem Forschungsansatz
ab, und befragte die Studierenden lediglich zu ihrer eigenen Empfindung, inwiefern sich das
Code-Switching ihrer Meinung nach auf ihre Dolmetschfähigkeiten ausgewirkt hat bzw. ob
dies ihrer Ansicht nach überhaupt der Fall war. Die genaue Vorgehensweise der empirischen
Untersuchung soll im Folgenden näher beschrieben werden.

Die Vorgehensweise der Untersuchung


Zunächst wird auf die Auswahl der Interviewteilnehmenden eingegangen. Im nächsten Schritt
wird der Prozess der Literaturstudie erläutert, um anschließend die Entscheidung für ein qua-
litatives Forschungsdesign bzw. ein qualitatives Interview begründen zu können. Zuletzt gilt
es auch zu erklären, wie die Themenschwerpunkte gesetzt worden sind, wie die Untersuchung
abgelaufen ist und welche Transkriptions- und Auswertungsmethoden ausgewählt worden
sind. Zudem soll Ein zentraler Aspekt des Forschungsunterfangens war die Auswahl der Pro-
banden. Das Ziel dieser Arbeit war es nicht zu generalisieren und auch nicht Anspruch auf
Repräsentativität zu erheben. Auch sollte durch die eigenen theoretischen Vorkenntnisse kei-
ne untypische Auswahl an Interviewteilnehmenden getroffen werden. Die Auswahl und die
Anzahl der Interviewteilnehmenden wurden von zeitlichen und personellen Ressourcen beein-
flusst und standen zu Beginn der Forschung nicht fest. Das Ziel war es genügend Meinungen
zur Einstellung gegenüber dem Code-Switching einzuholen, um eine theoretische Sättigung
erreichen zu können (vgl. Lamnek 2005: 189). Der Kontakt zu den Interviewteilnehmenden
bestand schon im Vorfeld, da es sich um Studienkolleginnen handelte. Die Stichprobe setzte
sich aus Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden aus dem Masterprogramm
Dolmetschen und aus dem Masterprogramm Translation vom Zentrum für Translationswis-
senschaften in Wien (im Folgenden auch ZTW), im Alter von 23 bis 26 Jahren, zusammen.
Alle Probanden befanden sich kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums, d.h. sie waren
schon in fortgeschrittenen Semestern und standen nicht am Anfang ihres Studiums. Bei den
Interviewteilnehmenden handelte es sich ausschließlich um weibliche Probandinnen, da in
den Sprachen Bosnisch, Serbisch und Kroatisch am ZTW allgemein nicht viele männliche
Studierende zu finden sind, und da die Untersuchung zeitlich begrenzt war, meldeten sich auf
die persönliche Anfrage für ein Interview nur weibliche Studierende. Von Beginn an war ge-
plant, Dolmetschstudierende aus dem Bosnischen/Kroatischen/Serbischen zu befragen, da
folglich einerseits der Bezug zum Dolmetschen und andererseits auch der Bezug zum bosni-
schen, kroatischen und serbischen Kulturkreis hergestellt werden sollte. Dadurch sollte auch
der Verbindung zum Code-Switching in der bosnischen, kroatischen und serbischen Commu-
nity in Österreich aufgebaut werden. Die befragten Personen werden in dieser Arbeit nicht

53
namentlich genannt, weil die Entscheidung getroffen wurde, die Daten des Interviews ano-
nym zu behandeln. Doch bevor zum praktischen Teil der Untersuchung übergegangen werden
konnte, galt es zunächst die Literatur einzugrenzen und sich intensiv in das Thema hineinzu-
lesen.
Ein entscheidender Teil des Forschungsprozesses war die Literaturstudie. In einem ersten
Schritt galt es, eine theoretische Basis zu schaffen, um Forschungsfragen und Hypothesen im
Hinblick auf die Empirie formulieren und untermauern zu können. Die vorhandene Literatur
wurde nach bestimmten Auswahlkriterien gewählt, da es im Rahmen dieser Arbeit unmöglich
erscheint, die gesamte vorhandene Literatur zu bearbeiten, zumal der empirische Teil dieser
Arbeit im Vordergrund stehen soll. Trotzdem wurde versucht eine kurze Einführung in das
Themengebiet zu geben, um sich bezüglich des neuesten Forschungsstandes orientieren zu
können. Die Literaturstudie bietet daher auch eine Art Skizze des derzeitigen Forschungsstan-
des. Ausgewertet wird die Literatur anhand der Methode der Hermeneutik, um diese reflek-
tiert deuten, und somit die zentralen Aspekte, herausarbeiten zu können. Demnach soll durch
die Reflexion der Literatur, die sich mit der Einstellung der Personen gegenüber dem Code-
Switching beschäftigt, mit Hilfe einer empirischen Untersuchung überprüft werden, inwiefern
diese Erkenntnisse auch auf die Dolmetschstudierenden zutreffen. Nach der Literaturstudie
galt es eine Entscheidung bezüglich des Forschungsdesign zu treffen. Im Folgenden soll näher
darauf eingegangen werden, warum die Entscheidung auf das qualitative Forschungsdesign
gefallen ist.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Feldforschung war die Entscheidung für ein qualitatives
Forschungsdesign. Warum bei der Datenerhebung die Wahl auf die qualitative und nicht auf
die quantitative Methode gefallen ist, soll im Folgenden kurz skizziert werden. Zunächst ein-
mal bleibt zu sagen, dass es sich um die Einzelfallbezogenheit handelt, d.h. der Gegenstand
dieser Forschung sind einzelne Personen, die im Fokus des Interesses stehen. Weiteres ist das
Thema relativ offen, da es keine richtigen oder falschen Antworten auf die gestellten Fragen
gibt. Zudem sind die Messungen, im Sinne von Zahlen, in diesem Kontext nicht von weiterer
Bedeutung, da die Interpretation des Gesagten und die Personen vordergründig sind. Des
Weiteren sind die Resultate dieser Untersuchung nicht verallgemeinerbar, da sie sich lediglich
auf diese eine Forschung beziehen (vgl. Mayring 1999: 20ff.)
Lamnek (2010) nennt für die qualitative Sozialforschung sechs Prinzipien, an denen sich
die vorliegende Forschungsarbeit orientiert. Diese sollen im Folgenden kurz angeschnitten
werden. Zunächst einmal bleibt zur Offenheit zu sagen, dass auf eine Hypothesenbildung ex
ante verzichtet wird, da die qualitative Forschung Hypothesen generierend ist (vgl. Lamnek
2010: 20). Weiteres stehen die Regeln der Alltagskommunikation im Vordergrund und die
Forschung wird als die Kommunikation zwischen Forschenden und Probanden verstanden
(vgl. Lamnek 2010: 21). Dabei muss auch der Prozesscharakter der sozialen Phänomene be-
rücksichtigt werden, da die Deutung von Handlungsmustern ein zentraler Punkt der qualitati-
ven Forschung ist, d.h., dass hierbei keine statischen Repräsentationen von unveränderlichen

54
Wirkungen wiedergegeben werden (vgl. Lamnek 2010: 21f.). Auch ist eine reflektierende
Haltung der Forschenden sowie die Anpassungsfähigkeit des Untersuchungsinstruments eine
Voraussetzung (vgl. Lamnek 2010: 22). Die Explikation nach Lamnek bezieht sich auf die
Erwartung an die Forschenden, das Vorgehen der Untersuchung transparent zu präsentieren
und die Regeln, nach welchen die erhobenen Daten interpretiert werden, darzulegen (vgl.
Lamnek 2010: 23). Auch bleibt hierbei zu erwähnen, dass der gesamte Forschungsprozess
flexibel bleiben muss, und die Forschenden die Möglichkeit haben sollten, neue Richtungen
und Wege einzuschlagen, um den Untersuchungsgegenstand anpassen zu können. Es kann
also gesagt werden, dass der Blickwinkel bei der qualitativen Sozialforschung zu Beginn weit
ist und erst im Laufe der Untersuchung immer enger wird (vgl. Lamnek 2010: 23). Schluss-
endlich bleibt anzumerken, dass in der qualitativen Forschung diverse Erhebungsmethoden
eingesetzt werden. Das Interview, die Gruppendiskussion und die teilnehmende Beobachtung
sind die drei wichtigsten Erhebungsmethoden, und in der vorliegenden Arbeit wird die Me-
thode des qualitativen Interviews angewandt. Daher soll im Folgenden kurz skizziert werden,
welche Charakteristiken ein qualitatives Interview ausmachen.
Die qualitativen Interviews können nach den Aspekten der Strukturiertheit bzw. der Un-
strukturiertheit der Fragen und nach der Offenheit bzw. der Geschlossenheit von Antwort-
möglichkeiten eingegliedert werden. Zu den wenig strukturierten mündlichen Befragungen
zählen u.a. Experteninterviews und informelle Gespräche, zu den teilstrukturierten zählen
Intensivinterviews, Expertenbefragungen und Leitfadengespräche und zu den stark struktu-
rierten verbalen Erhebungen zählen u.a. Einzelinterviews in Form von telefonischen Befra-
gungen und Panelbefragungen (vgl. Atteslander 2010: 133). Üblich sind in der Forschung
halb- bzw. teilstrukturierte Interviews mit einem Leitfaden. Deswegen wurde auch in der vor-
liegenden Forschungsarbeit ein Mittelweg angesteuert. Nach der Auseinandersetzung mit der
Fachliteratur wurde ein Interviewleitfaden mit offenen und teilstandardisierten Fragen erstellt,
um sich im Gespräch daran orientieren zu können. Dabei wurden größtenteils die gleichen
Fragen gestellt, um später bei der Analyse Vergleiche in Bezug auf Ähnlichkeiten und Unter-
schiede feststellen zu können. Im Verlauf der Gespräche ergaben sich jedoch leichte Variatio-
nen der Fragen, da die Reihenfolge nicht starr eingehalten worden ist und sich die Fragen
nach dem Gesprächsverlauf richteten. So wurden manchmal auch Zwischenfragen sowie zu-
sätzliche Fragen gestellt, um den Gesprächspartnern zu helfen, eine konkrete Antwort formu-
lieren zu können.
Des Weiteren unterscheidet die qualitative Forschung zwischen unterschiedlichen Inter-
viewtypen, wie dem episodischen, dem narrativen, dem halbstandardisierten, dem fokussier-
ten, dem problemzentrierten und dem Experteninterview (vgl. Lamnek 2010). Bei den Inter-
views der vorliegenden Arbeit handelt es sich um halbstandardisierte Befragungen. Neben der
fachlichen Literatur stellen die Interviews eine weitere Datenquelle dar und bieten neue Er-
kenntnisse, die durch die reine Literaturstudie und Recherche nicht zu erschließen sind. Bei
der Feldforschung wird dabei mit einem Theoriekonzept und mit Vorwissen im Feld ge-

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forscht, jedoch hält man sich dabei nicht starr an die theoretischen Konzepte, sondern passt
diese im Laufe der Interviews an. Bei einem halbstandardisiertem Interview wird basierend
auf dem theoretischen Vorverständnis ein Interviewleitfaden als ein Hilfsmittel für die Ge-
sprächsstruktur erstellt. Zudem gilt es beim Interview das Vorwissen der forschenden Person
nicht zu offenbaren und die suggestive Beeinflussung zu vermeiden. Die Fragen sollten ledig-
lich dazu dienen, das Thema einzugrenzen und die Probanden zum Erzählen zu animieren
(vgl. Lamnek 2010: 332ff.). Hierbei bleibt anzumerken, dass die Probanden, die für das Inter-
view ausgewählt worden sind, neben ihrer praktischen Erfahrung auch durch ihre Ausbil-
dungswege eine bestimmte Basis an theoretischem Fachwissen zum Forschungsgebiet verfü-
gen. Jedoch stehen sie auch direkt damit in Verbindung und deshalb ist der intersubjektive
Abstand nicht immer gegeben und kann sich daher auch auf ihre Sichtweise der Dinge aus-
wirken.
Der nächste Schritt war es die Themenschwerpunkte bzw. den Interviewleitfaden der Un-
tersuchung zur Einstellung von Dolmetschstudierenden zum Code-Switching zu erstellen.
Nachdem die Literatur gesichtet worden ist und die Themenbereiche, die es zu untersuchen
galt, abgesteckt worden sind, galt es die Themenschwerpunkte in einem Interviewleitfaden
festzuhalten, die Fragen demensprechend zu formulieren und den einzelnen Kategorien-
schwerpunkten zuzuordnen. Die Themenschwerpunkte, welche bei den Interviews mit den
Forschungsteilnehmenden im Fokus standen, waren die Bildung bzw. die Ausbildung, das
Umfeld, die Einstellung und das Bewusstsein, der Verlauf des Spracherwerbs und der Multi-
lingualismus.
Die Fragenkomplexe richteten sich nach den Themenschwerpunkten, welche bei allen ge-
führten Interviews die gleichen waren, und bildeten somit die Orientierung und das Gerüst des
Interviews. Der Interviewleitfaden war somit teilstandardisiert. Wie bereits angeführt, variier-
te die Reihenfolge der Fragen, aber der Verlauf der Interviews war dennoch größtenteils
gleich und erlaubte somit einen Vergleich und eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit (vgl.
Mayring 1999: 52). Bevor die Interviews mit ausgewählten Teilnehmenden bzw. mit jenen,
die sich dazu bereiterklärt haben, ein Interview zu geben, durchgeführt worden sind, wurden
im Freundeskreis – sowohl mit Personen, die auf dem Themengebiet bewandert waren als
auch mit jenen, die nur sehr wenig damit anfangen konnten – Probeinterviews geführt.
Dadurch sollte getestet werden, ob das Gefragte auch verstanden wird bzw. verständlich for-
muliert worden ist. Danach wurden einige Änderungen vorgenommen, um die Fragen etwas
offener und allgemeiner zu gestalten.
Wie nun der genaue Ablauf der Untersuchung bzw. des Interviews ausgesehen hat, soll
nun auch geschildert werden. Wie bereits erwähnt, wurde auf die Anonymität und den Daten-
schutz der Probanden Rücksicht genommen. Bei den qualitativen Interviews ist der persönli-
che Kontakt von besonderer Bedeutung und daher wurden ausschließlich persönliche Befra-
gungen, in Form von Einzelbefragungen, durchgeführt. Der Ort, an dem die Interviews statt-
fanden, wurde von beiden Seiten, auf ein ruhiges und ungestörtes Ambiente abgestimmt. So

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wurden die Interviews in Seminarräumen an verschiedenen Universitäten als auch in den ei-
genen vier Wänden durchgeführt. Die für diese Forschung notwendigen Interviews wurden
mündlich in einem Zeitraum von zwei Wochen, im Juni 2017, durchgeführt. Die Interview-
länge variierte von 20 bis 28 Minuten. Die Vor- und Nachgespräche variierten auch und hin-
gen von der zeitlichen Verfügbarkeit der Interviewteilnehmenden ab. Nachdem kurz der Ab-
lauf besprochen, und allgemein erläutert wurde, was es mit dem Thema der Arbeit auf sich
hat, sowie eine Begriffserklärung des fachlichen Code-Switchings bzw. in der Alltagssprache
genannten Wechselns zwischen den Sprachen vorgenommen wurde, startete die Befragung.
Dabei muss hinzugefügt werden, dass vor dem Interview darauf geachtet wurde, den Proban-
den so wenige Informationen wie nur möglich zu geben, um sie nicht durch das Wissen der
forschenden Person zu beeinflussen.
Während des Interviews diente der Leitfaden als Orientierung, jedoch war das Einhalten
der Reihenfolge von Fragen nicht immer möglich, da sich die Gespräche oftmals in andere
Richtungen entwickelt haben. So wurden manche Fragen vorgezogen, manche haben sich
erübrigt, weil die Fragen schon zuvor beantwortet worden sind, und manche Fragen wurden
nach hinten verschoben. Manchmal wurde auch mehrmals nachgefragt, um sicher gehen zu
können, dass die Frage richtig verstanden worden ist, und dass eine präzise Antwort darauf
gegeben werden kann. Auch mussten manche Fragen näher erläutert, mit Hilfe von Zwischen-
fragen ergänzt werden, und es mussten auch Beispiele bzw. zusätzlicher Input im Sinne von
Antwortmöglichkeiten gegeben werden, um den Probanden das Verständnis der Frage näher-
zubringen bzw. zu erleichtern. Oftmals wurde an ihre Antworten angeknüpft, um zusammen-
fassende Fragen zu stellen bzw. um eine konkrete Antwort festhalten zu können, sofern die
gebotene Antwortmöglichkeit etwas wage und unklar formuliert worden war. Zusammenfas-
send lässt sich sagen, dass bei allen Interviews eine angenehme Gesprächsbasis herrschte. Ihre
Antworten wurden anschließend transkribiert.
Die Interviews wurden, wie bereits erwähnt, in unterschiedlichen Settings geführt, jedoch
wurden sie alle mit Hilfe des Programms Audacity am Laptop aufgenommen. Angelehnt an
das GAT2-Minimaltranskript wurden die mündlichen Befragungen in späterer Folge wörtlich
und ohne Transkriptionszeichen transkribiert. Auf nonverbale Elemente wurde verzichtet, da
die Informationen das Thema betreffend vordergründig waren. Da die Form der Transkripte
nicht von weiterer Bedeutung für die inhaltliche Forschung war, wird im Anhang auch ledig-
lich der Interviewleitfaden – und nicht die sechs transkribierten Interviews – angehängt.
Zur Auswertung der wörtlich transkribierten Interviews wurde die qualitative Inhaltsanaly-
se nach Philipp Mayring herangezogen. Die Auswertung bzw. die Interpretation der Inter-
views lehnt sich an die systematische Interpretation an. „Die Stärke der Inhaltsanalyse ist,
dass sie streng methodisch das Material schrittweise analysiert.“ (Mayring 2016: 114)
Das Interviewmaterial bzw. das Forschungsmaterial wird basierend auf entwickelten Kate-
goriensystemen bearbeitet. Hierbei bleibt zu erwähnen, dass die drei Grundformen der quali-
tativen Inhaltsanalyse die Explikation, die Strukturierung und die Zusammenfassung sind. Mit

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Hilfe von zusätzlichem Material werden bei der Explikation einzelne unklare Textstellen er-
weitert und näher erklärt. Wird das Material auf die wesentlichen Inhalte reduziert, sodass ein
überschaubares Korpus entsteht, spricht man dann von der Zusammenfassung (vgl. Mayring
2016: 114). Diese Arbeit lehnt sich primär an die Form der Zusammenfassung an, wobei für
die Analyse des Materials – wenn notwendig – auch die inhaltsanalytische Technik der Expli-
kation herangezogen wird. Das Kategoriensystem basiert bzw. orientiert sich an den Themen-
schwerpunkten der Fragen. Wie bereits erwähnt, liegt der Fokus auf den Kategorien der Bil-
dung, des Umfelds, der Einstellung und dem Bewusstsein, des Verlaufs des Spracherwerbs
und des Multilingualismus. Die Interpretation der Ergebnisse erfolgt im Anschluss und orien-
tiert sich an den Forschungsfragen.
Abschließend soll auch noch auf die selbstreflektierte Kritik der Untersuchungsmethode
eingegangen werden. Auch einer forschenden Person, ist es nicht immer möglich, vollkom-
men unvoreingenommen zu sein und den Forschungsgegenstand objektiv zu betrachten; vor
allem dann nicht, wenn Personen und ihre subjektive Ansichten im Fokus stehen. Aus diesem
Grund soll eine kurze Selbstreflexion bzw. Selbstkritik zum Forschungsvorhaben in die vor-
liegende Arbeit miteinfließen.
Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Interviews nicht ohne Suggestivfragen abgelaufen
sind und oftmals auch direkte bzw. konkrete Fragen gestellt und somit die Interviewteilneh-
menden in eine bestimmte Richtung gelenkt worden sind, um zu Antworten zu gelangen. Das
eigene Vorwissen ist dabei teilweise zum Vorschein gekommen. Auch das Kriterium der Un-
voreingenommenheit wurde nicht immer eingehalten, da gewisse Antworten schlichtweg er-
wartet wurden. Während des Transkriptionsprozesses stellte sich heraus, dass manche Fragen
überflüssig und zum Teil auch irrelevant waren. Zu der Auswahl der Probanden lässt sich
sagen, dass eine heterogene Gruppe im Hinblick auf das Geschlecht auch sinnvoll gewesen
wäre, jedoch waren die personellen Ressourcen dafür nicht ausreichend, da es ohnehin
schwierig war, zum Zeitpunkt der Untersuchung Probanden zu finden, die sich dazu bereiter-
klärt hätten. Die einen waren aus zeitlichen und die anderen wiederum aus örtlichen oder per-
sönlichen Gründen verhindert, am Interview teilzunehmen. Daher sollte in Zukunft, um näher
auf den Aspekt der Relevanz des Geschlechts bei der Einstellung gegenüber dem Code-
Switching eingehen zu können, darauf geachtet werden, dass auch männliche Probanden an
der Befragung teilnehmen. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Voreingenommenheit
der Forschenden ein zentraler Kritikpunkt dieser Arbeit ist, und dass bei zukünftigen For-
schungen in diesem Bereich ein differenzierter Zugang zum Thema gewählt werden sollte, um
die Ergebnisse möglichst nicht zu verfälschen. Dennoch bleibt anzumerken, dass die For-
schungsergebnisse oder der Forschungsprozess an sich dadurch nicht negativ beeinflusst wor-
den sind, und dass diese Arbeit einen Beitrag zur Erforschung der Einstellung von Dol-
metschstudierenden gegenüber dem Code-Switching liefert.
Nach den theoretischen Ausführungen zur methodischen Herangehensweise, soll nun im
folgenden Kapitel zum praktischen Teil der Analyse, den Ergebnissen übergegangen werden.

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Die Ergebnisse des erhobenen Datenmaterials sollen, mit Hilfe der in diesem Kapitel be-
schriebenen Methoden, ausgewertet werden.

Die Ergebnisse der Untersuchung – Auswertung der Interviews


Das erhobene Datenmaterial soll nun mit der im Methodenkapitel beschriebenen Methode
ausgewertet bzw. analysiert werden. Hierzu werden die Daten aus den Interviews in die Kate-
gorien der Bildung, des Umfelds, der Einstellung und des Bewusstseins, des Verlaufs des
Spracherwerbs und des Multilingualismus eingeteilt und miteinander verglichen. Wie bereits
im Methodenkapitel erwähnt, erfolgt die Auswertung anhand der inhaltsanalytischen Technik
der Zusammenfassung. Zunächst soll auf den Verlauf des Spracherwerbs, anschließend auf
die Einstellung und das Bewusstsein, folglich auf den Multilingualismus, dann auf das Um-
feld und schließlich auf die Kategorie der Bildung eingegangen werden.

3.2.1. Der Verlauf des Spracherwerbs der Bosni-


sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden

Die Fragen, welche sich damit beschäftigen, wo die Probanden aufgewachsen sind, wie,
wann, wo und mit wem sie ihre Sprachen gelernt haben, wurden der Kategorie des Verlaufs
des Spracherwerbs zugeordnet. Diese Klasse wurde angelehnt an die Studie von Dewaele und
Wei (2014a), die sich mit der Einstellung der Sprachbenutzenden gegenüber dem Code-
Switching, beschäftigt hat, benannt.
Zunächst wurde die Frage nach dem Ort, wo die Teilnehmenden aufgewachsen sind, ge-
stellt. Von den sechs weiblichen Interviewteilnehmenden sind fünf in Österreich groß gewor-
den. Eine von ihnen ist im Burgenland, eine in Kärnten, eine in Niederösterreich und zwei
von ihnen sind in Wien aufgewachsen. Wiederum ist eine Person in Serbien geboren und mit
ca. 8 Jahren nach Österreich gekommen. Auf die Frage, in welchem Umfeld sie ihre Sprachen
erworben haben, hat die Probandin A Bosnisch von ihrer Mutter zuhause von klein an, und
Deutsch von ihrem Vater, aber auch im Kindergarten und in der Schule, gelernt. Person B hat
zuhause mit beiden Elternteilen Bosnisch gelernt und gesprochen, wonach sie Deutsch dann
in der Schule erworben hat. Die Studierende C hat in ihrer Kindheit zuhause ausschließlich
Kroatisch gesprochen und sich Deutsch ab dem dritten Lebensjahr im Kindergarten und später
auch in der Schule angeeignet. Die Dolmetschstudierende D hat Serbisch und Bosnisch zu
Hause mit der Familie und mit den Freunden Kroatisch gelernt und gesprochen. Deutsch war
ihre Umgebungssprache, weswegen sie diese zunächst im Kindergarten und später auch in der
Schule gelernt hat. Jedoch gibt sie an, auch Deutsch zuhause gesprochen zu haben. Person E
hat bis zum siebenten Lebensjahr sowohl zuhause, als auch im Kindergarten und in der Schu-
le, ausschließlich Serbisch gelernt und gesprochen. Mit ihrem Umzug nach Wien hat sie in
der Volksschule angefangen, Deutsch zu lernen, und hat dann eine Zeit lang das Serbische

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etwas vernachlässigt. Ihre Erstsprache wurde ausschließlich zuhause gesprochen, da sie keine
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Sprechenden in ihrem Freundeskreis hatte, und so fing sie erst
im Studium wieder damit an, sich intensiv mit der serbischen Sprache auseinanderzusetzen.
Die Teilnehmende F sagt, dass sie „hauptsächlich in Österreich“ aufgewachsen sei und meint
damit, dass sie sehr oft mit den Eltern nach Kroatien gefahren sei und als Kind den ganzen
Sommer bei den Großeltern verbracht habe. Sie führt weiter aus und sagt, dass sie die deut-
sche Sprache erst im Kindergarten gelernt habe und von klein auf mit einem Dialekt im Kroa-
tischen, den sie mit ihrer Familie gesprochen hat, aufgewachsen sei.
Eine weitere Frage, welche im Laufe der Untersuchung, zur Kategorie des Verlaufs des
Spracherwerbs, hinzugefügt worden ist, sollte die Einstellung der Probanden zur Sprache im
Kindesalter erfragen. Dabei wurden sie gefragt, ob sie sich als Kinder eventuell schon der
Wichtigkeit der Sprache bei der Integration in das Land, in welchem sie leben, bewusst gewe-
sen seien. Weiters wurden sie danach gefragt, ob sie sich daran erinnern können, im Kinder-
garten bzw. Volksschulalter die Sprache, welche sie zuhause gesprochen haben, unter den
anderen Kindern – in gemischten Gruppen (bilinguale und monolinguale) – vermieden zu
haben. Für die vorliegende Untersuchung war auch notwendig herauszufinden, ob sie sich
beim Verwenden der anderen Sprache, die nicht die Umgebungssprache war, unwohl gefühlt
haben, oder ob sie, wenn sich ihnen die Gelegenheit mit anderen Kindern geboten hat, zwi-
schen den Sprachen gewechselt haben. Person A merkte dazu an, dass sie tendenziell immer
Deutsch gesprochen habe, weil sie „offenbar ziemlich früh begriffen habe, dass Deutsch alle
verstehen“. Sie gab zu, „jahrelang kaum Bosnisch“ gesprochen zu haben, da es ihr „ziemlich
lange sehr unangenehm und peinlich“ gewesen sei, „weil sie sich geschämt“ habe. Bis zu ih-
rem 15. Lebensjahr habe sie nur Deutsch gesprochen (vgl. Person A). Auch B gab an, dass sie
und ihre Freunde mit bosnischem/kroatischem/serbischem Hintergrund „eher Deutsch gespro-
chen“ haben. Sie fügte jedoch hinzu, sich „nie geschämt zu haben, Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch zu reden“, da sie eigentlich „eher stolz darauf war, Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch zu sprechen“. Sie meint, im Kindergarten „nie Angst davor“ gehabt zu
haben, „eine andere Sprache zu sprechen“, jedoch habe sich das Blatt dann in der Schule ge-
wendet, und sie und ihre Freunde haben sich zwar noch immer nicht für das Bosni-
sche/Kroatische/Serbische geschämt, hätten jedoch immer versucht, es möglichst zu „vermei-
den“ (vgl. Person B). Probandin C gab an, sich an den Kindergarten nicht mehr erinnern zu
können, beantwortete die Frage aber im Hinblick auf die Volksschule. Sie sagte, sie wäre als
einzige mit bosnischem/kroatischem/serbischem Hintergrund immer von österreichischen
Kindern umgeben gewesen. Auch im Gymnasium sei es so gewesen und somit könne sie die
Frage dahingehend nicht beantworten. Auch die Person D gab an, sich nicht mehr an den
Kindergarten erinnern zu können, brachte aber in Erfahrung, von ihrem schulischen Umfeld
dahingehend beeinflusst worden zu sein. Laut ihr hätten die Lehrenden die Kinder in der
Schule ausdrücklich darauf hingewiesen, ausschließlich Deutsch zu sprechen. Sie habe sich
aber, genauso wenig wie Person B, dafür geschämt, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu sprechen.

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E beantwortete die Frage im Hinblick auf die Volksschule, da sie den Kindergarten in Serbien
besucht hatte. Die Interviewteilnehmende merkte diesbezüglich an, dass es in ihrer schuli-
schen Laufbahn „Phasen“ gab, in denen sie „ausschließlich nur Deutsch gesprochen“ habe, da
sie „in so einem Umkreis war, wo sie nur österreichische Freunde hatte“ und „mit serbischen
oder generell bosnischen/kroatischen/serbischen Freunden nichts zu tun hatte“. Ihre Situation
ist somit vergleichbar mit jener der Person C. Im Hinblick auf die Integration in das neue
Land merkte sie an, dass sie „schon immer der Meinung war, man muss die Sprache lernen,
um gut… um sich gut im Land zu integrieren.“ Für sie war die „Sprache wichtig für die In-
tegration“. Dennoch würde sie nicht behaupten, sie habe sich „selbst dazu gezwungen, die
andere Sprache zu vermeiden“, sondern, dass sich das „einfach so ergeben“ hätte (vgl. Person
E). Schließlich gab auch die Studierende F an, sich nicht mehr an den Kindergarten erinnern
zu können, führte aber aus, dass sie glaubt, sowohl in der Schule als auch im Kindergarten
vorwiegend Deutsch gesprochen zu haben. Sie meinte, sie habe darauf geachtet ausschließlich
Deutsch zu sprechen, merkte aber auch an, dass sie, wie die Studierenden C und E, eigentlich
niemanden hatte, der den Dialekt im Kroatischen, den sie spricht, sprechen konnte und führte
es zum Teil auch darauf zurück. Im weiteren Verlauf des Interviews, in der Kategorie Umfeld,
ergänzte sie diese Frage, indem sie angab, dass auch bei ihr, ähnlich wie bei Person D, seitens
des Lehrkörpers darauf geachtet worden sei, die Kinder nur Deutsch miteinander sprechen zu
lassen (vgl. Person F). Anschließend an die Kategorie des Verlaufs des Spracherwerbs wurde
in dem folgenden Abschnitt näher auf die Einstellung zum Code-Switching eingegangen.

3.2.2. Die Einstellung und das Bewusstsein für das Code-Switching


– aus dem Blickwinkel der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden

Da die Einstellung und das Bewusstsein im Hinblick auf das Code-Switching den Schwer-
punkt dieser Arbeit bilden, war der Fokus in den Interviews, die mit den Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden durchgeführt worden sind, auf diese beiden
Aspekte gerichtet. Dementsprechend ausführlich sollen sie behandelt werden.
Zunächst einmal galt es herauszufinden, ob die Teilnehmenden überhaupt zwischen den
Sprachen wechseln. Auf die Frage, ob gewechselt wird, antworteten alle Probanden bejahend.
In weiterer Folge wurde auf ihr eigenes Empfinden eingegangen, indem ihnen die Frage ge-
stellt wurde, wie sie es finden, wenn sie selbst zwischen den Sprachen alternieren. Person A
meinte, dass das Code-Switching für sie „ganz normal, manchmal auch innerhalb eines Sat-
zes“ sei (vgl. Person A). Hingegen gab B an, dass es sie sehr störe, wenn sie selbst zwischen
den Sprachen hin- und herwechselt. Sie erläuterte, dass sie es nicht als schlimm empfinde,
wenn sie den Begriff ohnehin weiß, sie aber auf Grund von Schnelligkeit und Bequemlichkeit
auf die andere Sprache zurückgreife, jedoch störe es sie „schon sehr“, wenn ihr ein bestimm-
ter Begriff in der Sprache, die sie verwendet, nicht einfalle (vgl. Person B). Bei Probandin C

61
waren im ganzen Interview zum Teil widersprüchliche Antworten herauszuhören. So gab sie
anfangs an, dass es ihr kaum auffalle, wenn sie zwischen den Sprachen alterniert, da es
„schon so automatisch abläuft“, meinte aber im weiteren Verlauf des Interviews, dass sie be-
wusst versuche, es zu unterdrücken und sich in nur einer Sprache auszudrücken. Zudem
machte sie es in Abstimmung darauf, mit welchen Personen sie sich unterhalte und merkte
auch noch an, dass sie dem Code-Switching gegenüber aber eigentlich „ziemlich neutral“ ste-
he (vgl. Person C). Die Studierende D meinte, dass sie es nicht positiv finde, aber sich
manchmal des Code-Switching bediene, „weil ihr ein Wort beispielsweise auf Deutsch dann
schneller einfällt“. Sie fügte hinzu, dass es sie nicht störe, dass sie sich aber, vor allem seit sie
Dolmetschen studiert, bemühe, es nicht zu tun (vgl. Person D). Die Teilnehmende E äußerte,
sie möge „es eigentlich nicht“, sie wolle es eigentlich nicht. Zudem meinte sie, es zu unter-
drücken und es eine Zeit lang bewusst vermieden zu haben (vgl. Person E). Ähnlich wie Per-
son A, erklärte auch die Probandin F, dass es „früher“ für sie „irgendwie normal“ war, zwi-
schen den Sprachen zu wechseln. Es sei ihr „mit dem Studium der Translation bewusst ge-
worden, dass das vielleicht nicht so sinnführend ist, wenn man zwischen den Sprachen wech-
selt“, und jetzt versuche sie „schon immer, in einer Sprache zu bleiben“ und merkte an, sie
„achte schon darauf“. Schlussendlich merkte sie an, dass es ihr jetzt „teilweise schon negativ“
auffalle, sie es aber nicht immer schaffe, es zu unterdrücken, da es „oft automatisch“ ablaufe,
„ohne dass man es irgendwie unterdrücken“ könne (vgl. Person F).
Des Weiteren galt es herauszufinden, ob sich die Einstellung gegenüber dem Code-
Switching im Hinblick auf andere Personen in ihrem Umfeld verändert habe, d.h., wenn nicht
sie selbst den Sprachwechsel vornehmen, sondern sie lediglich passiv anderen Personen dabei
zuhören. Alle Befragten gaben an, dass es ihnen auffalle, wenn andere Menschen in ihrem
Umfeld sich des Code-Switching bedienen. Die Studierende A meinte, dass es sich bei ihr um
selektives Zuhören bei einer Sprache, die sie nicht beherrscht, handle, da sie immer nur die
deutschen Wörter heraushöre und dann oftmals anfange, darüber nachzudenken, „warum die
Person jetzt dieses deutsche Wort“ und nicht den äquivalenten Ausdruck in der jeweils ande-
ren Sprache verwende (vgl. Person A). Und auch B führte an, dass, sofern eine Person eine
Sprache spricht, und dann immer wieder deutsche Worte fallen, auch sie anfängt nachzuden-
ken, „warum die Person dieses Wort verwendet“ habe, „ob die Person es einfach nicht“ kenne
„in der anderen Sprache, oder ob es das Wort in der Sprache überhaupt“ gebe. Als Beispiel
führte sie den Begriff „Kinderbeihilfe“ an (vgl. Person B). Ob ihr das Code-Switching positiv
oder negativ auffällt, mache A von der jeweiligen Person, ihrer Lautstärke und der Sprache
abhängig (vgl. Person A), wohingegen die Studienteilnehmende B meinte, dass es ihr erkenn-
bar werde, sie aber „nicht wirklich“ störe (vgl. Person B). Zudem meinte die Interviewte A im
weiteren Verlauf des Interviews, dass ihr jedoch „die Trendentwicklung in Richtung man ist
cool“, beim Sprechen englische Begriffe in die deutsche Sprache miteinfließen zu lassen, ei-
nen negativen Eindruck hinterlasse und das für sie das Deutsche verfälsche. Als Beispiel führ-
te sie „der Tag war voll nice“ an (vgl. Person A). Die Interviewteilnehmende C machte deut-

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lich, dass es ihr schon auffalle, jedoch nicht negativ, aber dass sie sich manchmal schon den-
ke, dass „das mit den mangelnden Sprachkenntnissen einer Person zu tun“ habe (vgl. Person
C). Person D stört es ebenfalls nicht, und sie findet es nicht schlimm, da sie es „schon ge-
wohnt“ sei, weil sie so aufgewachsen sei und „fast alle Zweisprachigen in ihrer Umgebung
das machen“ (vgl. Person D). „Also jetzt fällt es mir schon auf. Früher wäre es mir nicht auf-
gefallen, aber durch das Studium fällt es mir natürlich auf“, sagt Probandin E. Wenn sie ande-
ren dabei zuhöre, denke sie sich oftmals dabei, dass man das nicht tun sollte (vgl. Person E).
Abweichend von den Antworten der anderen Interviewteilnehmenden, sagte Person F, dass es
für sie am meisten bei Freundinnen aus dem Sportverein hervorrage und es sie störe, da sie
viele deutsche Wörter einwerfen, es sie aber im Gegenteil dazu bei unbekannten Personen,
beispielsweise im Bus, nicht störe und sie es teilweise sogar lustig finde (vgl. Person F).
Mit der nächsten Frage sollte beantwortet werden, ob es den Probanden leichter oder
schwerer fällt, sich nur an eine Sprache zu halten. Person A meinte, dass es kontextabhängig
sei, sie aber dennoch sagen würde, dass sie im privaten Umfeld eher Probleme damit habe,
sich „auf eine Sprache zu fokussieren“ (vgl. Person A). Auch B meinte, dass es kontextab-
hängig sei und fügte hinzu, dass es ihr sehr schwer falle, „nur eine Sprache zu verwenden“
(vgl. Person B). Probandin C merkte an, dass sie es wesentlich leichter finde, das Wort, wel-
ches ihr als erstes einfällt, zu verwenden (vgl. Person C). Dies ist auch der Fall bei Person D,
da sie dazu neige, einfach nur das Wort aus der jeweils anderen Sprache, welches ihr am
schnellsten in den Sinn komme, zu verwenden. Daher falle es ihr in manchen Situationen
schwer, sich an nur eine Sprache zu halten (vgl. Person D). Die Dolmetschstudierende E
meinte, dass es leichter sei, wenn sie mischt und die Wörter aus den Sprachen beliebig zu-
sammensetzt (vgl. Person E). Person F führte dazu aus:

Also es ist ein bisschen schwieriger, nur in einer Sprache zu sprechen, weil ich eben auch so aufgewach-
sen bin, dass man sich immer wieder mit Wörtern aus der anderen Sprache geholfen hat. Ich glaube, es ist
natürlicher und einfacher beim Switchen, weil, wenn mir ein Wort auf Kroatisch nicht einfällt, ist es auf
Deutsch sofort da, und dann kann ich das so einwerfen. Und beim Benutzen nur einer Sprache muss ich
mich... also beim Deutschen funktioniert es leichter, weil es meine Alltagssprache ist. Beim Kroatischen,
wenn mir da ein paar Vokabeln nicht einfallen, dauert es, bis die mir vielleicht einfallen und dann stockt
ein bisschen das Gespräch. (Person F)

Ihre Aussage ist somit mit jenen von den Personen C und D vergleichbar, da sie alle der Mei-
nung sind, dass sie es als leichter empfinden, sich einfach jenes Wortes und jener Sprache zu
bedienen, welches bzw. welche ihnen schneller einfallen.
Die folgende Frage beschäftigte sich mit der Häufigkeit bzw. damit, wie oft die Teilneh-
menden, beispielsweise im täglichen Ausmaß, zwischen den Sprachen hin- und herwechseln.
Diese Frage zu beantworten, fiel A sehr schwer. Sie konnte sie aber indirekt in der folgenden
Zusatzfrage beantworten, indem nochmals nachgefragt wurde, ob sie sich dessen bewusst sei,
wenn sie wechselt. Person A führte dabei das Beispiel mit Telefonaten an und meinte, dass

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die „klassische Situation“, in der sie wechsle, und sich dessen bewusst sei, beim Telefonieren
mit ihrer besten Freundin sei (vgl. Person A). Wie oft sie am Tag zwischen den Sprachen hin-
und herwechsle, konnte auch die Studierende B nicht beantworten, sie machte jedoch auf eine
Unterscheidung ihrerseits aufmerksam. Und zwar meinte sie, dass es bei ihr eine Ungleichheit
zwischen den Personen und den Sprachenpaaren gebe, da sie zwischen Italienisch und
Deutsch niemals wechseln würde, weil sie da einen anderen Zugang habe, es nicht gewohnt
sei und es somit unter Kontrolle habe. Diese Tatsache sei ganz und gar nicht proportional zum
zeitgleichen Gebrauch zwischen dem Bosnischen und dem Deutschen. (vgl. Person B). Auch
Person C hatte keine konkrete Antwort auf diese Frage. Sie führte aus, dass es ihrer Meinung
nach „prinzipiell unterbewusst“ geschehe und sie, seitdem sie Dolmetschen studiert, versuche,
„es schon zu unterdrücken“. Sie führte die Gespräche mit ihrem Bruder als Beispiel an und
meinte, dass es ihr mit ihm oft passiere, dass sie „switcht, einfach nur, weil sie beide swit-
chen“. Mit ihrer Mutter hingegen versuche sie „viel eher nicht zu switchen, einfach nur, weil
sie sich eben selbst auch testen möchte, ob es ihr möglich“ sei, „nicht zu switchen“ (vgl. Per-
son C). Die Dolmetschstudierende D konnte die Frage nach der Häufigkeit beantworten und
berichtete, dass es bei ihr vor allem darauf ankomme, mit wem sie spricht, da sie mit ihrer
Freundin sehr oft, aber mit ihren Eltern „fast gar nicht mehr“ wechsle (vgl. Person D). Bei E
kam die Antwort, dass sie es „unendlich“ oft mache (vgl. Person E). Im Hinblick auf das Be-
wusstsein antwortete Person F, dass sie durch das Studium „ein bisschen aufmerksamer“ ge-
worden sei und auch „ein wenig darauf achtet, wann es zu diesem Switchen kommt“. Hin-
sichtlich der Häufigkeit merkte sie an, dass es „hauptsächlich im Gespräch mit ihren Eltern“
vorkomme, weil sie mit ihnen hauptsächlich Kroatisch spricht, aber „wenn ihnen dann Worte
nicht einfallen, dann werfen sie oft deutsche Worte ein“ (vgl. Person F).
Des Weiteren galt es herauszufinden, ob die Studierenden in bestimmten Situation, vor al-
lem wenn Emotionen im Spiel sind, wechseln. Dazu meinte Person A, dass es bei ihr eher von
der Person als von der Situation abhänge, fügte aber dennoch hinzu, dass sie wahrscheinlich
am ehesten alterniere, wenn sie traurig ist (vgl. Person A). B hingegen behauptete, dass sie in
„Stresssituationen ohnehin eher im Bosnischen/Kroatischen/Serbischen bleibt“ und wenn sie
„so richtig wütend“ sei, dann drückt sie das auch in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch aus (vgl.
Person B). Mit einer ganz anderen Emotion brachte die Studierende C das Code-Switching in
Zusammenhang:

Also, vor allem wenn Emotionen im Spiel sind, ist es mir aufgefallen, zum Beispiel beim Autofahren, ich
weiß nicht warum, aber ich fluche nicht auf Deutsch, ich fluche auf Kroatisch. Alles was mit Schimpf-
wörtern zu tun hast, das ist eher Kroatisch, aber ich glaube das liegt auch daran, dass unsere Kultur, was
die Schimpfwörter betrifft, einfach, ich will nicht sagen aggressiver ist, aber einfach in der Hinsicht, mehr
Wortwahl hat. Also ja, was Emotionen betrifft, wie Wut, vielleicht auch Freude, auch so Ausrufe wie
„joj!“ oder so Sachen, mixe ich teilweise ins Deutsche rein. (Person C)

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Im Gegensatz zu den anderen Personen, meinte D, das Code-Switching nicht im Zusammen-
hang mit Emotionen zu verwenden, sondern behauptete wiederholt, es lediglich personenab-
hängig auszuüben (vgl. Person D). In Situationen, in denen die Probandin E „was unbedingt
erzählen will und schnell erzählen will und es ist grad voll spannend“, da spüre sie den Druck
schnell sprechen zu müssen und wechsle dann, sie habe es aber noch nie im Zusammenhang
mit Emotionen wie Wut, Hass oder Liebe gebracht, jedoch schon mit Stresssituationen (vgl.
Person E). Ähnlich wie Person E geht es auch der Probandin F, da auch diese meinte, vor al-
lem in Stress- und Streitsituationen zwischen den Sprachen zu wechseln. Sie fügte hinzu:

Also eigentlich stimmt das schon. Es ist hauptsächlich, wenn ich mich über etwas aufrege oder wenn ich
dann auch etwas schneller spreche oder mir etwas von der Seele spreche, wo ich dann wirklich ohne viel
nachzudenken einfach spreche. Dann kommt es eher häufiger zu dem Switchen. Wenn ich bewusst über
ein Thema spreche oder mich mit jemandem bewusst unterhalte, dann habe ich auch Zeit zum Nachden-
ken und zum Überlegen, was ich wirklich sagen möchte und da habe ich dann mehr Zeit, auch die richti-
gen Worte in der richtigen Sprache zu finden. (Person F)

Demnach hänge auch bei ihr das abwechselnde Verwenden mehrerer Sprachen mit der Aufre-
gung, etwas unbedingt sagen zu wollen, zusammen.
Auch sollte im Interview herausgefunden werden, ob die Probanden glauben, den Wechsel
steuern zu können. Darauf hatte A keine Antwort, ergänzte jedoch, dass sie glaube, dass es
unbewusst passiert (vgl. Person A). Person B führte diesbezüglich an, dass es ihr „richtig
schwerfalle, sich bewusst zu konzentrieren bei Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Deutsch“
und dass es bei ihr auch von der Gewohnheit abhänge. Bei den Personen, bei denen sie weiß,
dass sie beide Sprachen sprechen, versuche sie es auch „gar nicht“, etwas zu umschreiben,
wenn ihr ein Wort nicht einfällt. Sie rechtfertigt es damit, dass diese Personen sie ohnehin
verstehen (vgl. Person B). Obwohl Person C gemeint hatte, dass das Code-Switching bei ihr
unterbewusst und automatisch ablaufe, ist sie dennoch der Meinung, das Code-Switching
steuern zu können. Sie führte verschiedene Situationen, wie z.B. ein Gespräch mit einer Uni-
versitätsprofessorin, an und sagte, dass sie sich in solchen Situationen schon soweit kontrol-
lieren könne, nicht Begriffe aus einer anderen Sprache „einzuwerfen“. Zumal finde sie es
„nicht adäquat“ in bestimmten Institutionen, wie z.B. der Universität, zwischendurch anders-
sprachliche Wörter „reinzupressen“. Abschließend meinte sie noch, dass es von der Person
abhänge, ob sie es unter Kontrolle hat oder nicht, da sie sich im Gespräch mit ihrer Freundin
oder ihrem Bruder auch gar nicht bemühe, weil es ihr da „auch egal“ sei (vgl. Person C). Im
Gegenteil zu den anderen Probanden war Person D fest davon überzeugt, das Code-Switching
„unter Kontrolle“ zu haben (vgl. Person D). Ähnlich wie B meinte auch E, dass sie es nicht
„immer unter Kontrolle, vor allem nicht mit Freunden“ habe. Sie habe es „an der Uni wahr-
scheinlich noch am ehesten, aber in der Familie und mit Freunden im privaten Umfeld“ nicht
unter Kontrolle, da sie einfach so wechsle, wie es ihr gerade passe (vgl. Person E). Probandin
F antwortete folgendes:

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Also ich versuche schon, es zu steuern. Aber ich glaube tatsächlich, dass es nicht ganz möglich ist, weil
es doch irgendwo ein jahrelanger Prozess war, der uns irgendwie tagtäglich begleitet hat – dieses Swit-
chen – und das dann auch irgendwie natürlich passiert. Und wenn ich eben dann schnell spreche oder
nicht darauf achte, wie ich spreche oder was ich sage, dann, glaube ich, kommt es schon irgendwann au-
tomatisch vor, dass mir da ein Wort unterläuft. (Person F)

Demnach beziehe sie die Kontrolle auf die Gewohnheit und die Geschwindigkeit, in der sie
spricht. Sie meinte zudem, dass es ein langer, alltäglicher Prozess gewesen sei, durch den das
Wechseln zu etwas Natürlichem geworden sei (vgl. Person F).
Bei der Frage nach der Kreativität, sollten die Probanden dahingehend eine Antwort geben,
ob das Code-Switching für sie lediglich ein Mittel zum Zweck, oder ob es auch als Ausdruck
ihrer Kreativität zu werten sei. „Sowohl als auch“, meinte die Interviewte A und fügte hinzu,
dass sie mit ihrer Mutter die Wörter beliebig kreiere oder sie auch einfach ersetze (vgl. Person
A). Hierbei unterschied die Interviewteilnehmende B zwischen „Menschen, die zweisprachig
aufgewachsen sind und Menschen, die eine weitere Sprache gelernt haben“. Bei den einen
sehe sie es als Mittel zum Zweck und bei den anderen als den Ausdruck ihrer Kreativität. Sie
führt dazu aus:

Bei den Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind, empfinde ich es eher als einen Mangel, wenn sie
zwischen den Sprachen wechseln. Da verbinde ich das nicht mit Kreativität. Es ist aber eigentlich schwer
zu beurteilen, es kommt auf die Situation ja auch an. Wenn jetzt jemand ein Fachwort in der anderen
Sprache verwendet, dann gehe ich davon aus, dass er es, in der Sprache, in der gerade gesprochen wird,
nicht kennt oder es ihm nicht einfällt. Wenn man aber etwas einfach nur spaßhalber in der anderen Spra-
che sagen will, was einfach lustig ist, und zur Situation passt, man es so besser ausdrücken und rüberbrin-
gen kann... Wenn ich eine Sprache, die ich gelernt habe, wie zum Beispiel Italienisch verwende, bzw.
wenn ich beim Sprechen im Deutschen, ein italienisches Wort einwerfen würde, dann würde ich sagen,
dass ich das einfach mache, weil ich es kann, aber eben auch nur, wenn die andere Person es versteht. Da
spiele ich ja dann schon irgendwie mit den beiden Sprachen. (Person B)

Die Dolmetschstudierende C hingegen meinte, dass das Code-Switching nicht primär als Mit-
tel zum Zweck diene und dass sie es vor allem im Hinblick auf die „Anglizismen in ihrer
Wortwahl“ eher als „eine kreative Komponente“, die einem „mehr Möglichkeiten“, sich aus-
zudrücken, bietet, betrachte (vgl. Person C). Eine andere Sichtweise, die sich von den restli-
chen unterscheidet, bot Person D an, indem sie anmerkte: „Naja kreativ, ich glaube man
macht das, weil einem die Kreativität in der Sprache fehlt, in der man gerade spricht. Ich
glaube deshalb, weil einem dann halt das Wort in der anderen Sprache schneller kommt. Also
ich würde schon sagen, dass es eher ein Mittel zum Zweck ist.“ (Person D) So ähnlich wie D
sieht es auch E und meint, dass sie es deshalb mache, „weil sie es in dem Moment“ brauche,
vor allem bei Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Deutsch. Bei Englisch hingegen würde sie
sagen, dass es „vielleicht mehr aus Kreativität“ heraus passiere (vgl. Person E). Die Personen
A, C, E und F hatten eine ähnliche Meinung diesbezüglich, da auch die Studierende F meinte,

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dass sie die Kreativität vor allem mit der englischen Sprache, weil sie diese auch gerne
spricht, verbinde. Sie meinte, sie wechsle nicht nur zwischen den Sprachen als Mittel zum
Zweck (vgl. Person F).
Auf die Frage, ob ein Mensch denn nun bequem ist, es nicht besser weiß oder kann oder
einfach so gut in den Sprachen ist und man einfach damit spielt, wenn er Code-Switching
betreibt, waren unterschiedliche Antworten zu hören. So meinte A, dass diese Fähigkeit von
hohen Sprachkenntnissen zeuge, und dass es in ihrem Fall ein „beliebiger Austausch“ sei, da
sie meint, dass sie es „in den meisten Fällen […] in beiden Sprachen sagen könnte“ (vgl. Per-
son A). Probandin B meinte hingegen, dass das Wechseln einerseits mit der Bequemlichkeit
und anderseits mit den mangelnden Sprachkenntnissen zusammenhänge (vgl. Person B). Das
Code-Switching hänge, laut der Dolmetschenden C, von den sprachlichen Kenntnissen ab.
Bei sich selbst sehe sie es aber als eine „kreative Komponente“ an, da sie vorwiegend in Ge-
sprächen mit ihrem Bruder lediglich das sage, „was ihr zuerst einfällt“ (vgl. Person C). Die
Person D führte es eindeutig auf die Bequemlichkeit zurück (vgl. Person D). Auch hierbei
waren die Antworten der Personen B und E ähnlich, da auch die Dolmetschende E der An-
sicht war, dass es sowohl Gemütlichkeit als auch die mangelnden Sprachkenntnisse sein kön-
nen. Sie führte dazu an: „[…] wenn ich wechsle, dann ist es meistens, weil ich mich gerade
nicht ausdrücken kann, weil mir ein Wort oder der Wortschatz einfach fehlt“. Sie führte es
aber auch auf die Personen, mit denen sie sich unterhalte, zurück. Zudem sagte sie, dass sie
auch vor allem dann wechsle, wenn sie jemanden zitiert, weil sie möchte, dass „alles beibe-
halten bleibt und dass ja nichts verloren geht“ (vgl. Person E). Hingegen meinte F, dass das
Wechseln zwischen den Sprachen sowohl mit der Bequemlichkeit, dem „Unwissen von
sprachlichen Mitteln“ und auch der sprachlichen Kreativität zusammenhänge. Dennoch glaubt
sie, „dass wenn man in beiden Sprachen sehr gut ist, dass man dann eher nicht“ sprachalter-
nierend handle. Bei der Zusatzfrage ergänzte sie, sie glaube, dass „in einem Land, wo, oder
mit Personen, die beide Sprachen sprechen“ man aus Gemütlichkeit wechsle, weil man sich,
laut ihr, einfach denke: „Ja ok, ich weiß, ich darf jetzt nicht wechseln, aber ich mach es trotz-
dem, weil es einfach schneller geht in dem Moment, oder weil ich damit schneller auf den
Punkt kommen kann, auf den ich kommen möchte, ohne viel umschreiben zu müssen, weil
mir Vokabeln fehlen“ (vgl. Person F).

3.2.3. Der Multilingualismus bzw. die Vielsprachigkeit der Bosni-


sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden

In der Kategorie Multilingualismus wurden verschiedene Fragen, welche im Folgenden skiz-


ziert werden sollen, gestellt. Zunächst einmal wurden die Probanden nach der Anzahl der
Sprachen, die sie beherrschen, gefragt. Weiters sollte ihre Meinung, ob das Code-Switching
mit dem sprachlichen Können zusammenhängt, erkundet werden. Außerdem galt es auch,
konkret herauszufinden, welche ihrer Sprachen sie besser und welche weniger gut beherr-

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schen. Ein zentraler Punkt in dieser Kategorie war die Frage, ob sie hauptsächlich dann zwi-
schen den Sprachen wechseln, wenn ihnen ein Wort fehlt, oder ob sie es genauso aus anderen
Gründen, wie beispielsweise der Kreativität, machen. Auch sollten sie sich dazu äußern, ob
sie vor allem dann dazu tendieren, in eine andere Sprache zu wechseln, wenn sie ein bestimm-
tes Konzept, eine Idee, eine Botschaft oder einen Gedanken möglichst präzise vermitteln
möchten, oder ob sie eher in der Sprache bleiben und riskieren, auch mal missverstanden zu
werden.
Die Person A gab an, vier Sprachen (Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Englisch und
Französisch) zu sprechen, merkte jedoch an, dass sie mit der französischen Sprache „wenige
Berührungspunkte im täglichen Leben“ habe, sich aber in „Deutsch, Bosnisch und Englisch
eigentlich problemlos verständigen“ könne (vgl. Person A). Auch B gab an, vier Sprachen
(Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Englisch und Italienisch) zu sprechen und fügte hin-
zu, dass Italienisch ihre „schwächere Sprache“ sei (vgl. Person B). Die Probandin C sagte,
dass sie fünf Sprachen (Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Englisch, Italienisch und Rus-
sisch) spreche, jedoch „nicht alle fließend, Russisch am wenigsten“ (vgl. Person C). Laut Ei-
genaussagen von der Dolmetschenden D, lernte diese vier Sprachen (Deutsch, Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch, Englisch und Spanisch), beherrsche jedoch nur drei davon, da sie im
Spanischen sehr viel versteht, es jedoch „nicht mehr so viel“ sprechen kann (vgl. Person D).
Person E gab an, drei Sprachen (Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Englisch) gelernt
zu haben, jedoch nur Deutsch und Serbisch täglich und Englisch „nicht so oft“ zu sprechen
und daher „Schwierigkeiten“ zu haben, sich in dieser Sprache zu verständigen (vgl. Person E).
Die Interviewte F gab an, drei Sprachen (Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Englisch)
gelernt zu haben und diese auch fließend zu sprechen bzw. sich problemlos verständigen zu
können (vgl. Person F).
Auf die Frage, ob das Code-Switching mit dem sprachlichen Können zusammenhängt,
meinte A, dass dies der Fall sei und dass es vom Kontext abhänge, ob man sich in einer Spra-
che besser oder schlechter ausdrücken könne (vgl. Person A). Hierzu meinte Person B zu-
nächst, dass es schwer zu sagen sei, führte jedoch aus: „Es stimmt schon, glaube ich. Natür-
lich wenn du eine Sprache gut beherrscht, dann gibt es keinen Grund jetzt, Wörter aus einer
anderen Sprache zu verwenden“. Dennoch meinte sie, niemals zwischen Italienisch und
Deutsch hin- und hergewechselt zu haben, obwohl Italienisch ihre schwächste Sprache sei.
Außerdem fügte sie hinzu, dass bei ihr die beiden Auslöser für das Wechseln die Gesprächs-
partner und die Gewohnheit an sich seien (vgl. Person B). Bereits zuvor führte die Dol-
metschstudierende C an, dass ihrer Meinung nach Personen deshalb zwischen den Sprachen
wechseln, weil sie diese nicht beherrschen, doch bei dieser Frage meinte sie lediglich, dass es
schon damit zusammenhängen könne, aber eben nicht müsse. Über sich selbst betonte sie
wiederholt, dass die Komponenten der Geschwindigkeit und der Konzentration, und nicht ihr
sprachliches Können, eine entscheidende Rolle spielen (vgl. Person C). Auch D bejahte, so-
wie die Personen A und B auch schon zuvor, dass das Code-Switching mit dem sprachlichen

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Können zusammenhänge (vgl. Person D). Der Überzeugung, dass das sprachliche Können mit
dem Wechseln zwischen den Sprachen verbunden werden könne, ist auch E. Sie meinte, sie
habe, als sie eine Zeit lang bewusst versucht habe nicht zu wechseln, gemerkt, dass ihre
Sprachkenntnisse besser geworden seien. Jedoch antwortete sie auf die folgende Zusatzfrage,
dass das auch individuell sein könne und auf die Situation ankomme, und dass das Wechseln
„vielleicht nichts mit den Sprachkenntnissen zu tun haben“ müsse. Sie führte aus: „Aber wenn
man, z.B. in irgendeiner Situation ist und aufgewühlt und gestresst ist und streitet, dann macht
man es vielleicht, obwohl man beide Sprachen perfekt spricht, aber trotzdem wechselt man da
dann“ (vgl. Person E). Auch die Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierende F war
derselben Meinung wie die Personen A, B, D und E, dass die mangelnden Sprachkenntnisse
ein Grund für das Wechseln seien, und führte aus:

Also ich glaube, dass tatsächlich Menschen eher wenn sie Sprachen schlechter... also nicht so gut beherr-
schen, dann eher switchen, vor allem jetzt aus meiner Erfahrung mit Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Da ist
es dann oft, dass viele die, die Vokabeln nicht können dadurch dann eher zwischen den Sprachen wech-
seln. Mit dem Englischen, glaub ich, ist es aber umgekehrt. Da glaub ich, dass Leute gerne switchen, weil
Englisch doch eine Lingua franca ist und das ja auch ein Trend ist, dass man englische Wörter irgendwie
einbaut. (Person F)

Auch der Aspekt des Englischen als einer Lingua franca und als einer Trendentwicklung, bei
der kreativ mit der Sprache umgegangen wird, zieht sich – jedoch zum Teil in unterschiedli-
chen Kategorien – durch alle Interviews, und scheint eine weit verbreitete Ansicht zu sein.
Die nächste Frage sollte festhalten, ob die Teilnehmenden zwischen den Sprachen wech-
seln, wenn ihnen ein bestimmter Begriff nicht einfällt, oder ob sie das genauso häufig in ande-
ren Situationen machen. Person A bestätigte, vor allem dann zu wechseln, wenn ihr ein be-
stimmtes Wort nicht einfalle (vgl. Person A). Hingegen bezog sich B auch hier zunächst auf
die Personen, mit denen sie spricht, und erwähnte aber dann „die sprachliche Finesse“ als
einen Grund für das Wechseln. Sie meinte, sie würde vor allem dann wechseln, wenn ihr nicht
nur Worte, sondern auch Ideen und Konzepte fehlen (vgl. Person B). Die Probandin C führte
an, dass es bei ihr allem voran auf die Gesprächspartner ankomme und darauf, ob sie es ge-
wöhnt sei mit ihnen zu wechseln oder nicht (vgl. Person C). Die Interviewte meinte zwar
schon in vorangehenden Fragen, dass sie sich des Code-Switching hauptsächlich dann bedie-
ne, wenn ihr ein Wort in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch nicht einfalle, meinte aber bei dieser
Frage, dass sie es genauso häufig aus der Kreativität heraus mit englischen Wörtern mache.
Zudem nannte sie Füllwörter im Bosnischen/Kroatischen/Serbischen, wie „joj“ und meinte,
dass sie diese oftmals „einfach so“ in ihre Gespräche einbaue (vgl. Person D). E wiederholte,
dass sie vor allem dann wechsle, wenn ihr ein Wort fehle, aber genauso wenn sie jemanden
zitiere oder wenn sie aufgeregt sei und „ganz schnell etwas loswerden“ wolle (vgl. Person E).
Ähnlich wie die Personen A und E meinte auch F, dass die Fälle, in denen sie „aus der Not-
wendigkeit heraus“ wechsle, überwiegen, weil sie eben darauf achte, „nicht zwischen den

69
Sprachen“ zu alternieren. Genauso wie die Dolmetschende E benutze auch sie vor allem dann
zwei Sprachen abwechselnd, wenn sie „direkt in derselben Sprache“ jemanden zitiert (vgl.
Person F).
Bei der Frage, ob sie kreativ werde und versuche ein Wort zu umschreiben oder dann doch
eher manchmal auch dazu neige, es unter den Tisch fallen zu lassen, gab die Dolmetschstudie-
rende A an, die Information zu umschreiben (vgl. Person A), wohingegen die Interviewte B
meinte, eher dazu zu tendieren, Informationen auszulassen. Wenn es jedoch um „etwas wirk-
lich Wichtiges“ geht, das sie unbedingt mitteilen möchte, dann gebe sie sich „natürlich Mühe“
und umschreibe es (vgl. Person B). Auch Person C versucht das Wort, welches ihr entfällt, in
andere Worte zu fassen (vgl. Person C). D meinte, dass sie kreativ werde und versuche das
Wort, welches ihr fehlt, zu umschreiben (vgl. Person D). Folgendes hatte die Interviewteil-
nehmende E zu berichten:

Also es passiert mir beides. Manchmal versuche ich, wenn ich, zum Beispiel, mit der Mama rede, dann
versuche ich, zum Beispiel, nur Serbisch zu reden, dann fällt mir ein Wort nicht ein, dann frage ich sie,
wie man es auf Serbisch sagt. Und dann versuche ich, den Satz neu zu formulieren mit dem Wort, das ich
auf Serbisch verwenden wollte. Dann gibt es aber Situationen, wie gesagt, wenn es mir nicht einfällt,
dann umschreibe ich es oder ich lasse es auch schon mal aus. (Person E)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sie beides tut. Und auch Person F teilte diese Mei-
nung. Sie merkte dazu an:

Ja, also ich gebe mir schon immer Mühe, dass ich das, was ich sagen möchte irgendwie umschreibe, oder
dass ich dann der Person erkläre, was ich... oder nach welchem Wort ich suche, dass sie mir das richtige
Wort sagen kann, weil ich dann auch für mich selber einfach die Vokabeln automatisch lerne. Aber ich
glaube, es kommt schon auch vor, dass man dann aus Bequemlichkeit sich einfach mal denkt: „Ok egal,
ich sage das jetzt nicht, weil mir da grad das Wort dazu nicht einfällt“. (Person F)

Einerseits versuche sie, das, was sie sagen möchte, zu umschreiben, und andererseits sage sie
aber auch aus Bequemlichkeit das, was ihr zuerst einfällt (vgl. Person F).
Als es um die Frage ging, ob sie auch, wenn ein bestimmtes Konzept, eine Idee, eine Bot-
schaft oder ein Gedanke möglichst präzise vermittelt werden sollte, dazu tendiere, in eine an-
dere Sprache zu wechseln oder es riskiere, auch mal missverstanden zu werden, antwortete
die Person A, dass sie in so einer Situation definitiv wechsle. Ihrer Meinung nach, können in
einer Sprache, wie dem Bosnischen/Kroatischen/Serbischen, „manche Nuancen viel präziser
beschrieben werden“. Sie bezog sich dabei aber auch wieder auf den Kontext (vgl. Person A).
B antwortete auch bejahend und sagte: „Wenn ich das Gefühl habe, dass ein Begriff in einer
Sprache genau das ausdrückt, was ich sagen möchte, dann wechsle ich definitiv“ (vgl. Person
B). Probandin C führte dazu aus:

70
Also da würde ich auch sonst in die Sprache, in der ich auf alle Fälle das Konzept, die richtigen Wörter
parat habe, wechseln. Also auch um eine bestimmte Idee, die’s in der einen Sprache bestimmt auch gibt,
sie aber für mich eher besser in der anderen Sprache zur Geltung kommt und ich sie besser ausdrücken
kann, auszudrücken. (Person C)

Die Teilnehmende D macht diese Situation von der Person abhängig und gibt das Konzept,
die Idee oder die Botschaft nur dann in einer anderen Sprache wieder, wenn sie „auf so einer
Ebene“ sei, dass sie es machen“ könne und setzte fort: „[…] also wenn ich mit einer Professo-
rin rede, dann ja, vielleicht auch, wenn ich sie schon länger kenne“. In einer Zusatzfrage, be-
jahte sie, bestimmte Konzepte immer wieder in nur einer Sprache wiederzugeben (vgl. Person
D). Person E meinte, in solchen Situationen die Sprache zu wechseln, weil sie möchte, „dass
die Wirkung“ dieselbe bleibt (vgl. Person E). Wie auch die anderen Studierenden, würde auch
Person F in die jeweils andere Sprache wechseln, um etwas Bestimmtes möglichst genau aus-
zudrücken, und sagte dazu: „Also oft ist es mir untergekommen, dass mir Sprichworte nur auf
Deutsch oder eben nur auf Bosnich/Kroatisch/Serbisch einfallen, und wenn die andere Person
auch beide Sprachen versteht, tendiert man schon auch sehr dazu, dass man dann doch wech-
selt.“ Bei der Zusatzfrage ergänzte sie und führte ihren Gedankengang fort: „[…] ich glaube
hauptsächlich tatsächlich wegen der Botschaft und dass auch der ganze Sinn und das ganze
Flair der Botschaft, was man jetzt damit sagen möchte oder mit dem Sprichwort, zum Bei-
spiel, dass das rüberkommt, so wie es das soll“ (vgl. Person F). Ihre Aussagen ähnelten somit
den Aussagen von A, die auch die Nuancen in einer bestimmten Sprache als ausschlaggebend
für das Code-Switching bezeichnete.

3.2.4. Das Umfeld der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-


Dolmetschstudierenden

Mit Hilfe der Kategorie Umfeld sollten Antworten auf die Fragen, inwiefern das Umfeld den
Umgang mit der Sprache und in weiterer Folge auch mit dem Code-Switching beeinflusst,
gegeben werden. Durch weitere Fragen galt es außerdem auch zu erfragen, mit wem die Teil-
nehmenden sich am wohlsten fühlen, wenn sie zwischen den Sprachen wechseln. Weiters galt
es zu erforschen, ob die Studierenden der Meinung sind, dass es Situationen gibt, in denen das
Code-Switching nicht angebracht ist. Zentrale Fragen in dieser Kategorie beschäftigten sich
damit, welche Sprache zuhause gesprochen wird, ob die Eltern zwischen den Sprachen wech-
seln, ob sie jemals verlangt haben, dass eine bestimmte Sprache zuhause gesprochen wird und
zuletzt auch ihre Einstellung dem Code-Switching gegenüber.
Die Frage, ob das Umfeld einen Einfluss auf ihr sprachliches Verhalten hat, hat die Pro-
bandin A bejaht (vgl. Person A) und auch die Personen B, C und E stimmten dem zu. Auch
führte B aus: „Wenn eine Freundin nur BKS mit mir redet, dann rede ich auch nur Bosni-
sch/Kroatisch/Serbisch mit ihr, da wechsle ich dann nicht“ (vgl. Person B). Den Einfluss be-
schrieb die Studierende C wie folgt:

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Oh ja, das färbt schon ab, das ist klar. Also wenn jemand mit mir jetzt beginnt, Kroatisch zu sprechen und
dann immer wieder auch Wörter aus dem Deutschen verwendet, dann sinkt bei mir auch die Hemmung
mit dieser Person, weil ich ja weiß, dass sie auch wechselt und dann mache ich es wahrscheinlich auch.
(Person C)

Die Personen D und F meinten, sich „nicht so leicht“ von ihrem Umfeld beeinflussen zu las-
sen. Probandin D meinte, dass sie, vor allem seit sie Dolmetschen studiert, versuche, es nicht
mehr so oft zu machen. Somit lasse sie sich nicht vom Code-Switching-Verhalten ihrer
Freunde beeinflussen (vgl. Person D). Im Gegensatz dazu meinte E, sich „extrem“ von ihrem
Umkreis, insbesondere von ihren Freunden, lenken zu lassen. Sie meinte, sie passe sich so-
wohl an Personen an, die zwischen den Sprachen wechseln, als auch an jene, die dies nicht
tun (vgl. Person E). F meinte, sie versuche es schon, sich daran zu halten, nicht zu alternieren
und darauf zu achten, sich gewählt in der jeweiligen Sprache auszudrücken (vgl. Person F)
Auf die Frage, mit wem zwischen den Sprachen alterniert wird, antwortete die Studierende
A, dass sie mit Freunden und Familie wechsle, es aber am Arbeitsplatz auf den Gesprächs-
partner ankomme (vgl. Person A). Hingegen gab B an, sehr wohl „am Arbeitsplatz mit den
Kollegen“ und auch mit den Freunden mehrere Sprachen in einem Satz zu verwenden, mit der
Familie jedoch „eher nicht“ (vgl. Person B). Die Teilnehmende C meinte, dass sie mit der
Familie „eigentlich wirklich fast immer Kroatisch“ spreche, jedoch bei Telefonaten mit ihrem
Bruder „immer wieder komischerweise“ wechsle. Sie gab auch an, mit den Freunden sich des
Code-Switching zu bedienen, am Arbeitsplatz aber „nur teilweise“ im Umgang mit Kunden
von dieser sprachlichen Praxis Gebrauch zu machen (vgl. Person C). Probandin D gab – ähn-
lich wie die Personen B und C – an, mit der „Familie eher nicht“, aber dafür mit ihren Freun-
den, sprachalternierend zu sprechen. Auch am Arbeitsplatz mache sie das eher nicht (vgl. Per-
son D). Im Unterschied zu den anderen Studierenden gab Person E an, mit allen ihren Ge-
sprächspartnern, sowohl mit der Familie, als auch mit Freunden und auch am Arbeitsplatz,
zwischen den Sprachen zu wechseln (vgl. Person E). Die Dolmetschende F erzählte, dass sie
sowohl im Freundes- als auch im Familienkreis mehrere Sprachen auf einmal verwende, was
sie auch am Arbeitsplatz tue, da es dort „tatsächlich eigentlich noch häufiger zum Wechseln
kommt, weil da eben auch technische Begriffe fallen“, die Person F „nicht einmal auf
Deutsch“ kenne. Sie versuche es dennoch, sich strikt an eine Sprache zu halten, jedoch falle
ihr das bei Fachausdrücken sehr schwer (vgl. Person F).
Weiters galt es herauszufinden, mit wem sich die Teilnehmenden beim Wechseln am
wohlsten fühlen. Die Personen A und D gaben an, sich mit Freunden am wohlsten zu fühlen,
wenn sie zwischen den Sprachen wechseln. B führte an, sich mit jenen Gesprächspartnern
wohl zu fühlen, die selbst auch wechseln und machte hierbei keine Unterscheidung zwischen
Freunden, Familie und Arbeitskollegen (vgl. Person B). Person C sah es ähnlich wie Person B
und sagte, dass sie sich im Freundeskreis am wohlsten fühle und ergänzte, dass dies „vor al-
lem bei denen, die auch den gleichen Background haben“ wie sie, der Fall sei, und „die das

72
Wechseln nicht so ernst nehmen.“ Mit ernst nehmen meinte sie, dass es „einfach spielerisch“
geschehe (vgl. Person C). Im Unterschied zu den anderen Studierenden antworteten die Pro-
banden E und F, dass sie sich beim „Switchen“ am wohlsten mit den Familienmitgliedern
fühlen, da „sie es selbst auch alle machen“. Mit ihren Freunden, die auch wechseln, fühle sich
E aber auch wohl, da sie mit ihnen „nicht darauf aufpassen“ müsse (vgl. Person E). F ergänz-
te, dass sie sich bei den Familienangehörigen „eigentlich fallen lassen“ könne und es dadurch
„eigentlich auch öfter zum Wechsel als mit anderen Gesprächspartnern“ komme (vgl. Person
F).
Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass es Situationen gebe, in denen es nicht ange-
bracht sei, sprachalternierend zu sprechen. Die Reaktion der Person A war, dass sie die ande-
ren ermahne, sofern in einer Gruppe, in der es Menschen gebe, die nicht die beiden Sprachen,
in denen abwechselnd gesprochen wird, verstehen. Sie merkte an, dass sie es diesen Personen
gegenüber unfair empfinde (vgl. Person A). Als „unangenehm“ beschrieben die Studierenden
B, C und E so eine Situation, jedoch ergänzte B, dass sie es „ok“ finde, „ein oder zwei Wörter
in der anderen Sprache zu sagen“, sofern diese Wörter denjenigen, die die Sprache nicht ver-
stehen, „erläutert werden“ (vgl. Person B). Auch die Probandin C meinte dazu, dass sie es
oftmals mache, „weil es einfach in dem Moment passender“ sei, sie aber prinzipiell versuche,
es nicht zu machen (vgl. Person C). Auch als „unfair der Person gegenüber, die es nicht ver-
steht“, beschreibt es die Dolmetschende D, jedoch sei es schon in Ordnung, wenn es ein- bis
zweimal im Laufe eines Gesprächs passiere (vgl. Person D). Ähnlich sah dies auch E und
meinte, dass sie es „leider schon“ auch selbst mache, wenn sie jemanden in der Gruppe hat,
mit dem sie wechseln kann (vgl. Person E). Dazu meinte Probandin F, dass sie es „nicht ok“
finde, ergänzte jedoch genauso wie die Teilnehmende B, dass es aber in Ordnung sei, „wenn
man wechselt und dann dem anderen dolmetscht, was gerade gesagt oder kurz erklärt, was
gerade gesagt wurde, eben zusammenfassend.“ Den „Gesprächspartner einfach nicht darüber
in Kenntnis“ zu setzen, „was gerade auf einer anderen Sprache gesprochen wird“, verurteile
sie (vgl. Person F).
Die Sprachen, die bei der Studierenden A zuhause gesprochen werden, sind vorwiegend
Deutsch, wobei die Mutter Bosnisch und der Vater und die Befragte selbst größtenteils
Deutsch sprechen (vgl. Person A). Bei Person B wird zuhause vorwiegend das Bosnische
verwendet (vgl. Person B). Im Familienkreis wird bei der Teilnehmenden C „prinzipiell“
Kroatisch gesprochen, jedoch tendiere sie dazu, mit dem Bruder zu wechseln (vgl. Person C).
Die Familie der Studierenden D spricht zuhause vorwiegend Bosnisch und Serbisch, jedoch
kommt Deutsch auch immer wieder mal vor, aber „eher weniger“ (vgl. Person D). Die Spra-
chen, die bei der Person E zuhause verwendet werden, sind Deutsch und Bosnisch (vgl. Per-
son E). Ähnlich ist es auch bei der Dolmetschstudierenden F im Familienkreis, da gleicher-
maßen Deutsch und Kroatisch gesprochen werden (vgl. Person F).
Auf die Frage, ob die Eltern jemals verlangt hätten, dass eine bestimmte Sprache zuhause
gesprochen wird, antworteten die Personen A, D und E, dass dies nie der Fall gewesen sei,

73
bzw. dass ihre Eltern nicht auf eine Sprache bestanden haben. Und auch die Studierenden B
und C stimmten dem zu und fügten hinzu, dass ihre Eltern nie etwas dagegen eingewandt ha-
ben, wenn sie in einem Gespräch auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch ein Wort aus dem Deut-
schen verwendet haben. Person F bestätigte die Antworten der anderen Studierenden und füg-
te hinzu: „Nein, meine Eltern haben kein Problem damit, wenn wir zwischen den Sprachen
wechseln. Und sie haben auch immer geschaut, dass wir sowohl Kroatisch als auch Deutsch
sprechen“ (vgl. Person F).
Es stellte sich heraus, dass bei der Studierenden A der Vater derjenige sei, der zwischen
den Sprachen wechsle, und die Mutter ihn dann immer wieder dazu auffordere, in einer Spra-
che zu bleiben. Die Mutter selbst „switcht“ aber selten, wobei das, laut A, an ihrer Sprachbe-
herrschung liege, weil es der Mutter „schwerer“ falle, Deutsch zu sprechen“ (vgl. Person A).
Person B meinte, dass die Eltern grundsätzlich Bosnisch sprechen, jedoch:

Also bei Bosnisch, bei so Begriffen wie eben Familienbeihilfe, da wechseln sie dann schon ins Deutsche.
Ja, also ab und zu verlangt es die Situation einfach deutsche Begriffe, die im Bosnischen nicht so gängig
sind, die wir nicht täglich verwenden… dann eben aufs Deutsche zurückzugreifen und eben deutsche Be-
griffe zu verwenden. Aber grundsätzlich bleiben sie schon beim Bosnischen. (Person B)

Bei der Dolmetschstudierenden C sprachen die Eltern im familiären Umfeld prinzipiell nur
Kroatisch (vgl. Person C). Die Teilnehmende D meinte, dass ihre Eltern vorwiegend dann
wechseln, wenn es um „Behördensachen, Amtssachen und so weiter und diese ganzen Doku-
mente“ gehe, da sie dann „meistens die deutsche Benennung“ verwenden. Weiters ergänzte
sie, dass ihre beiden Elternteile schon lange in Österreich leben und ihnen daher manchmal
genauso im Bosnischen/Kroatischen/Serbischen ein Wort fehle (vgl. Person D). Auch die El-
tern der Interviewten E verwenden selten mehrere Sprachen alternierend und sprechen vor-
wiegend Serbisch (vgl. Person E). Einen neuen Blickwinkel bot Person F an, indem sie mein-
te:

Nein, meine Eltern versuchen... oder ihnen passiert es auch, wenn sie mit Leuten aus Kroatien sprechen,
dass ihnen dann Worte nicht einfallen und sie dann deutsche Worte einbauen, weil sie schon lange in Ös-
terreich leben und auch eher die deutsche Sprache im alltäglichen Gebrauch verwenden. Und ja, sie
wechseln auch. (Person F)

In einer Zusatzfrage führte sie aus, dass sie glaube, dass das Kroatisch ihrer Eltern noch im-
mer besser als ihr Deutsch sei und „grammatikalisch richtiger als das Deutsche“, aber sie
merke dennoch auch, „dass ihnen teilweise einige Wörter im Kroatischen also schon fehlen,
die sie früher noch wussten“ (vgl. Person F).
Das Thema Sprachwechsel und seine Vorteile bzw. Nachteile wurden jedoch nie in den
Familien der Personen A, D, E und F angesprochen. Und auch bei den Studierenden B und C
wurde das Code-Switching nie thematisiert. Bei der Probandin B haben ihre Eltern ihr auch

74
„nie etwas gesagt, also dass sie das nicht tun sollte“ (vgl. Person B). Person C fügte jedoch
hinzu, dass ihre Mutter meinte, „im Endeffekt froh“ zu sein, mit ihren Kindern nicht Deutsch
gesprochen zu haben, da sie ansonsten ihre Muttersprache nicht auf dem Niveau beherrschen
würden, auf dem sie es heutzutage sprechen (vgl. Person C). Die Dolmetschstudierende D
ergänzte jedoch und meinte, dass ihre Eltern sie aber schon ausbessern, „einfach nur um zu
helfen“, wenn ihr ein Wort in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch nicht einfalle und sie stattdessen
das deutsche Äquivalent verwende (vgl. Person D). Weiters baute Person E ihre Antwort aus
und meinte, dass es ihre Eltern nie gestört habe, dass sie zwischen den Sprachen wechselt
(vgl. Person E). F zufolge, seien ihre Eltern „ziemlich offen“, da sie manchmal mit ihren
Schwestern „aus Spaß Englisch“ spreche (vgl. Person F).

3.2.5. Der Bildungsweg der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-


Dolmetschstudierenden

Die Kategorie der Bildung ist mitunter die wichtigste Kategorie, da anhand dieser versucht
wurde, zwei zentrale Forschungsfragen, jene nach dem Einfluss des Studiums auf das Code-
Switching und jene nach der Einwirkung des Code-Switching auf die Dolmetschkompetenz,
zu beantworten. Weiters wurde die Frage, die sich mit dem Einfluss von Lehrpersonen auf die
Studierenden befasste, in diese Kategorie eingeordnet.
A meinte, dass sich ihre Einstellung dem Code-Switching gegenüber „dahingehend eigent-
lich nicht“ verändert habe, ihr „Wortschatz“ jedoch durch das Studium „größer und die
Sprachbeherrschung besser geworden“ seien und sie daher, wenn sie Bosnisch spricht, nicht
mehr so wie früher (also „seltener“) dazu tendiere, „aus der Not heraus ins Deutsche wechseln
zu müssen“, weil ihr ein Wort nicht einfällt (vgl. Person A). Auch Person B merkte an, dass
sich ihre Einstellung zum Code-Switching „durch das Studium nicht verändert“ habe, da sie
es nach wie vor „nicht schlimm“ finde, wenn man wechselt. Auch sie hat festgestellt, dass sie
sich jedoch durch das Studium „auf alle Fälle weniger“ sprachalternierend verhalte, weil sich
„eben ihre Sprachkenntnisse verbessert“ haben und ihr „Wortschatz sich sehr erweitert“ habe
(vgl. Person B). Dazu merkte die Studierende C an:

[…] dass das Studium sehr wohl ein Grund dafür war, dass ich bissi mehr drauf achte, wie ich mich prin-
zipiell, also allgemein, ausdrücke. Und zum Wechsel der Sprachen kann ich nur so viel sagen, dass ich
eben nach wie vor Personen habe, bei denen ich mich bemühe nicht zu wechseln, und dann gibt’s wieder
die, wo‘s eigentlich egal ist. Aber das heißt jetzt nicht, dass diese Personen es nicht wert sind, dass mit
ihnen nur eine Sprache gesprochen wird, sondern eben wie du, die beide Sprachen genauso gut be-
herrscht, wo’s eigentlich nur spielerisch, eine, eine kreative Form ist, indem wir einfach die Sprache ein-
setzen, die gerade besser zur Situation passt. (Person C)

Abschließend meinte sie, dass das Studium insofern etwas bewirkt habe, als dass sie „teilwei-
se die Sprache bewusster“ verwende (vgl. Person C). Anknüpfend daran bleibt zu sagen, dass

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auch die Dolmetschende D der Meinung ist, dass sie durch das Studium mehr darauf aufpasse,
nicht zu wechseln. Sie würde jedoch nicht sagen, dass es etwas Schlechtes sei, und merkte an:
„[…] im Gegenteil, ich finde es bereichert einen, da man sich halt in beiden Sprachen gleich-
zeitig ausdrücken kann“. Sie findet es jedoch „ein bisschen unprofessionell, wenn man so
switcht, vor allem zwischen Bosnich/Kroatisch/Serbisch und Deutsch“, da sie der Meinung
ist, dass man es sich nicht erlauben sollte, „so oft zu switchen“, wenn man Sprachen studiert.
Hingegen finde sie aber das Wechseln zwischen Deutsch und Englisch akzeptabel, weil sie
sagt: „Ich switche eher seltener ins Englische, finde es auch irgendwie gängiger, und Englisch
ist eine Lingua franca, und ich glaube auch, wenn man da englische Wörter einbaut, dass die
von den meisten verstanden werden“ (vgl. Person D). Das Studium hat auch etwas bei der
Person E bewirkt, und zwar meinte sie, dass ihr das Wechseln früher „nicht einmal aufgefal-
len“ sei, „weil sie das als normal empfunden“ habe. Sie fügte hinzu:

Und dann hatte ich eine Übung bei einer Professorin, und sie hat gesagt, sie möchte nicht, dass wir das
machen. Und jedes Mal, wenn wir das gemacht haben, hat sie auf den Tisch geklopft. Also waren wir
wirklich gezwungen, nur in einer Sprache zu sprechen. Weil das eine Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Übung war, waren wir eben gezwungen, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu sprechen. Und da hab, ich in
dieser Zeit, hab ich dann wirklich versucht, auch privat mit Freunden, zu Hause, überall, wirklich nur eine
Sprache zu verwenden. Und ich muss sagen, ich hatte dann keinen Unterricht mehr bei dieser Professorin,
und dann habe ich wieder begonnen, zwischen den Sprachen zu wechseln, was mich aber persönlich eher
stört, weil das hat mir, find ich, geholfen, dieses, es versuchen sich nur in einer Sprache auszudrücken.
(Person E)

Die Dolmetschstudierende E ergänzte ihre Aussage und meinte eine Kurve in ihrem Umgang
mit dem Code-Switching festgestellt zu haben, da sie vor dem Studium „viel gewechselt“
habe, „dann eine Zeit lang im Studium eher nicht geswitcht“ habe und es jetzt „wieder inten-
siver“ mache (vgl. Person E). Die Probandin F zog die nächste Frage vor und beantwortete
bereits in dieser zum wiederholten Male, dass ihre Einstellung zum Code-Switching sich inso-
fern durch das Studium geändert habe, als ihr vom Lehrpersonal abermals gesagt worden sei,
dass sie darauf schauen müsse, nur eine Sprache zu verwenden und beide Sprachen auf dem
gleichen Niveau beherrschen sollte. „Und da sind meine Sinne schon sehr geschärft worden“,
fügte sie an und meinte, dass sie vor dem Studium „auf jeden Fall“ öfter zwischen den Spra-
chen gewechselt habe. Jetzt tue sie das seltener, weil sie sich „mittlerweile in beiden Sprachen
besser ausdrücken kann als vorher“ (vgl. Person F).
Vom Lehrkörper haben die Studierenden A, B und C nie gesagt bekommen, das Code-
Switching nicht anwenden zu sollen. Laut Person C haben die Lehrenden, bei denen sie die
Lehrveranstaltungen besucht hat, alle auch selbst zwischen den Sprachen gewechselt (vgl.
Person C). Im Gegensatz dazu, behaupteten die Teilnehmenden D und F bereits im Schulalter,
von den Lehrpersonen verwarnt worden zu sein, sich in der Schule lediglich des Deutschen
bedienen zu müssen. Aber auch im Studium seien seitens des Lehrpersonals negative Äuße-

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rungen hinsichtlich des Code-Switching gefallen. Dies habe vor allem die eigene Meinung der
Person D verstärkt, als Dolmetschstudierende mit dem Code-Switching aufhören zu müssen
(vgl. Person D). In der vorangehenden Frage wies E bereits darauf hin, dass sie von einer
Universitätslehrperson darauf „hintrainiert“ worden wäre, das Code-Switching möglichst zu
vermeiden (vgl. Person E). Weiters erzählte F, dass „es nicht gern gesehen war, wenn man
zwischen den Sprachen“ wechsle, und zwar hätten die Lehrenden „vor allem wenn man eben
nicht Deutsch als Muttersprache“ hatte, „dann doch darauf geschaut, dass diese Kinder mitei-
nander Deutsch sprechen“. Vor allem beim Unterricht in Gruppen sei dies der Fall gewesen,
jedoch habe man die Kinder in den Pausen nicht kontrolliert (vgl. Person F).
Bei der subjektiven Einschätzung der Probanden, inwiefern und ob sich das Code-
Switching überhaupt auf ihre Dolmetschfertigkeiten ausgewirkt hat, gab A an, dass sie beim
Code-Switching im Hinblick auf das Dolmetschen Vorteile sehe und führte dazu aus:

Also konkret, mir kam letzte Woche der Gedanke, als ich mit einer Kollegin in der Kabine war. Wir hat-
ten eine deutsche Rede, sie hat ins Spanische gedolmetscht, das ist eine Fremdsprache für sie, und ich hab
ins Bosnische/Kroatische/Serbische gedolmetscht. Und ich hab sie jetzt inhaltlich nicht nachvollziehen
können, aber ich habe einfach von der Art der Dolmetschung, vom Tempo, vom Time Lag usw., ist mir
aufgefallen, dass ich zeitlich viel näher am Ausgangstext dran war, einfach weil ich diese Verarbeitungs-
zeit nicht gebraucht habe. Dadurch dass es ein deutscher Ausgangstext war, hab ich ihn ja sofort verstan-
den und begriffen und hab es fast zeitgleich wiedergeben können in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, wäh-
rend meine Kollegin schon länger gebraucht hat um das zu formulieren im Spanischen. Und ich glaube,
das ist sicher ein Vorteil. Dadurch, dass man es ein Leben lang schon gewohnt ist, in dieser Situation zu
sein, und immer beide Wörter in beiden Sprachen kann. (Person A)

Weiters fügte sie hinzu, dass sie aufgrund des Code-Switching nicht eine schlechtere Dolmet-
scherin sei, und dass, ihrer Meinung nach, die „Auffassungsfähigkeit bei zweisprachig Auf-
gewachsenen besser“ sei, weil sie glaube, dass der Ablauf im Gehirn beim Code-Switching
„einem später dann“ helfe „etwas schneller zu erfassen“ (vgl. Person A). Person B merkte
hingegen an, dass sie der Meinung sei, dass sich das Code-Switching „eher nicht so gut“ auf
ihre Dolmetschkompetenz ausgewirkt habe, weil sie sich „daran gewöhnt“ habe, „zwischen
den Sprachen wechseln zu können, und sich nicht darauf konzentriert“ habe, „in einer Sprache
zu bleiben“. Vor allem beim Simultandolmetschen sei ihr das negativ aufgefallen, da es ihr
schwergefallen sei, „diese Gewohnheit […] zu unterdrücken“ (vgl. Person B). Dazu sagte die
Probandin C, dass sie hoffe, dass das Code-Switching „einen positiven Einfluss“ auf ihre
Dolmetschfähigkeit gehabt habe, und setzte fort:

Und bis jetzt, also beim Simultandolmetschen, da würd ich es eher positiv empfinden, dadurch dass ich
immer wieder switche teilweise, dass das vielleicht… vermutlich fallen mir einfach mehr Begriffe ein in
dem Moment, und ich muss mich mehr konzentrieren wahrscheinlich, dass ich eben nicht switche beim
Dolmetschen. Weil ich ja immer wieder so Begriffe, also mehrere Begriffe im Kopf habe, ist auf jeden
Fall der Einfluss da, aber ich würde nicht sagen, dass ich eine bessere Dolmetscherin geworden wäre oder
wäre, wenn ich nicht, ahm, so viel switchen würde. Ich denke aber schon, dass dieser Prozess, der da im

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Kopf stattfindet beim Code-Switching, hilfreich ist später beim Dolmetschen, weil man es quasi von klein
auf schon gewohnt ist, in zwei Sprachen zu denken. (Person C)

Einerseits ähnelte ihre Aussage im Hinblick auf die Prozesse, die im Gehirn ablaufen, jener
von Person A, und die Vorteile, die das Code-Switching mit sich bringt, und andererseits
nannte sie aber die Anstrengung, sich beim Dolmetschen im Unterschied zum Code-
Switching auf nur einen Begriff konzentrieren zu müssen, als eine mögliche Schwierigkeit
(vgl. Person C). Die Interviewte D antwortete, dass sie durch das Code-Switching gelernt ha-
be, viel bewusster mit der Sprache umzugehen und in der jeweiligen Sprache zu kommunizie-
ren. Sie vertritt die Ansicht, dass das Code-Switching „beim Dolmetschen, beim Suchen eines
Wortes“, vor allem „konkret beim Simultandolmetschen“, von Nutzen sei, weil man dann
„viel disziplinierter“ sei und somit ein „viel größeres Bewusstsein dafür“ habe. Außerdem
ergänzte sie:

Im Bezug auf das Dolmetschen, kann es sich eigentlich sowohl negativ als auch positiv auswirken, weil,
wie gesagt, wenn ich jetzt dolmetsche, und ich dolmetsche jetzt aus dem Bosni-
schen/Kroatischen/Serbischen ins Deutsche, und dann fällt mir dieses Wort aber beispielsweise nur im
Englischen ein, aber nicht im Deutschen… ich würde dann, wenn ich mit jemandem einfach so sprechen
würde, wahrscheinlich einfach das englische Wort verwenden, aber so in der Kabine geht das ja nicht.
Und da ist eben wieder die Disziplin gefragt, dass man bei solchen Gewohnheiten niemals nachgibt, in so
einem professionellen Setting. (Person D)

Zusammenfassend sagt sie also, dass es sich auch negativ auf einen auswirken kann, wenn es
im professionellen Setting nicht machbar sei, diese Angewohnheit zu unterdrücken. Das
kommt daher, weil im privaten Umfeld ein eher bequemer bzw. beliebiger Umgang mit den
Sprachen geläufig sei (vgl. Person D). Auch bei dieser Frage waren die Antworten von Person
B und E ähnlich, da auch E meinte, dass sich das Code-Switching „eher negativ“ auf ihre
Dolmetschkompetenz ausgewirkt habe. Das habe sie vor allem in der Zeit, in der sie sich be-
wusst gegen das Code-Switching entschieden habe, an ihren Sprachkenntnissen gemerkt. Zu-
dem führte sie aus:

Wenn mir das Wort nicht eingefallen ist, dann habe ich es umschrieben, aber ich bin bei der Sprache ge-
blieben, bis es mir wieder eingefallen ist. Und ich finde, dass das auch eine gute Übung ist, weil sich auch
der Wortschatz dadurch erweitert und den braucht man nun mal als Dolmetscher. Wir brauchen ja den
Wortschatz beim Dolmetschen, ohne den sind wir verloren. Deswegen finde ich schon, dass es sich nega-
tiv auswirkt. Weil jetzt, wenn ich mit dir spreche, und mir was nicht einfällt, dann sage ich es halt auf
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und du wirst mich verstehen, in der Kabine kann ich das aber nicht machen.
(Person E)

Probandin F war der Meinung, dass das Wechseln sich schon positiv auf ihre Sprachkenntnis-
se ausgewirkt habe, weil es sie „oft interessiert hat, wie jetzt das Wort“, das ihr „gerade nicht

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einfällt, in der anderen Sprache“ heiße. Dadurch habe sie „dann auch die Worte nachge-
schaut“, jedoch hielt sie auch fest:

Obwohl ich glaube, dass dieses Wechseln mir hilft bei der Kompetenz, weil man ja doch dann merkt,
welche Wörter man nicht kann, und die schaut man dann vielleicht interessenshalber natürlich nach und
merkt sich die vielleicht auch noch eher, ist es mir aber tatsächlich auch schon so ergangen, dass ich dann
eben so Worte, die ich dann irgendwie nicht verwende im Sprachgebrauch zu Hause, oder wo ich dann ir-
gendwie die eher umschreibe oder mir dann mit deutschen Worten irgendwie behilflich bin, die sind mir
dann tatsächlich nicht eingefallen und die haben mir dann tatsächlich auch gefehlt in der Kabine. (Person
F)

Zusammenfassend meinte also auch F, genauso wie die Personen B, C und D, dass sich durch
die Gewohnheit, im privaten Umfeld zwischen den Sprachen zu wechseln, schon einige
Schwierigkeiten im professionellen Umfeld ergeben haben.

Diskussion der Ergebnisse der Befragung von Bosni-


sch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden und Reflexion dieser
in Bezug auf die Literaturstudie
Nachdem nun die Ergebnisse der Studie detailliert geschildert worden sind, sollen diese nun
diskutiert und im Hinblick auf die Literatur reflektiert werden. Das vorangehende Kapitel, mit
den Unterkapiteln zu den jeweiligen Kategorien, soll nun zu der Beantwortung der for-
schungsrelevanten Fragen herangezogen werden.
Um die Forschungsfrage, ob denn die Dolmetschstudierenden als gewohnheitsmäßige oder
nicht-gewohnheitsmäßige „Code-Switcher“ zu kategorisieren sind, galt es zunächst einmal
herauszufinden, ob die Teilnehmenden überhaupt zwischen den Sprachen wechseln. Auf die
Frage, ob gewechselt wird, antworteten alle Probanden bejahend. Den Teilnehmenden wurde
eine explizite Frage zur Häufigkeit der Verwendung von Code-Switching gestellt. Die Hälfte
der Studierenden konnte diese Frage nicht konkret beantworten, führte jedoch Situationen,
wie Telefonate und Gespräche mit Freunden und Familie an, bei denen sie ihrer Meinung
nach regelmäßig wechseln. Zwei Personen unterschieden dabei zwischen den Sprachenpaaren
und machten es davon abhängig, wie oft sie zwischen den Sprachen wechseln. Somit kann
schlussgefolgert werden, dass es sich bei den Probanden dieser Untersuchung um HCS bzw.
gewohnheitsmäßige „Code-Switcher“ handelt. Die affirmative Beziehung zwischen der Hal-
tung gegenüber dem Code-Switching und der subjektiv wahrgenommenen Praxis bzw. Häu-
figkeit der Ausübung des Code-Switching, die Dewaele und Wei (2014a: 246) festgestellt
haben, konnte bei einer Studierenden nicht bestätigt werden, da diese dem Code-Switching
gegenüber negativ eingestellt war, jedoch angab, bei jeder Gelegenheit, die sich ihr bietet, zu
„switchen“.

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Die zentrale Forschungsfrage, die es zu beantworten galt, beschäftigte sich mit der Einstel-
lung der Dolmetschstudierenden dem Code-Switching gegenüber, sowie auch mit der Wahr-
nehmung dieses sprachlichen Phänomens ihrerseits. Auf ihr eigenes Empfinden wurde einge-
gangen, indem ihnen die Frage gestellt wurde, wie sie es denn finden, wenn sie selbst zwi-
schen den Sprachen wechseln. Dabei fanden es drei Personen „normal“, eine störte sich daran
und eine fand es früher „normal“, empfindet es jetzt jedoch als störend. Im Hinblick auf ande-
re Personen in ihrem Umfeld, die zwischen den Sprachen wechseln, gaben alle Personen an,
dass es ihnen auffällt, wenn andere Menschen in ihrem Umfeld sich des Code-Switching be-
dienen und zwei von ihnen konstatierten, dass sie es bei fremden Personen oftmals auf die
mangelnden Sprachkenntnisse zurückführen. Es fiel nur einer Teilnehmenden bei Freunden
und Bekannten negativ auf, bei fremden Menschen dagegen nicht. Die restlichen Probanden
sahen es „neutral“ bzw. machten ihre Einstellung von den involvierten Sprachen und Perso-
nen abhängig. Eine Teilnehmende gab an, es vor dem Studium gar nicht wahrgenommen zu
haben. Auf die Frage, ob man denn nun bequem ist, es nicht besser weiß oder kann oder ein-
fach so gut in den Sprachen ist, dass man es sich erlauben kann einfach damit zu spielen,
wenn man Code-Switching betreibt, waren unterschiedliche Antworten zu hören. Es war so-
wohl die Meinung vertreten, dass es sich dabei um einen beliebigen Austausch handelt, da
man einerseits die Sprachen gut genug beherrscht und andererseits bequem ist, als auch die
Ansicht, dass es sich dabei um mangelnde Sprachkenntnisse handelt. Zudem war auch der
Standpunkt vertreten, dass gute Sprachkenntnisse und der Ausdruck der individuellen Kreati-
vität dadurch zum Ausdruck gebracht werden. Aber es gab auch Antworten, die lediglich die
Bequemlichkeit als Grund angaben. Nur eine Probandin war der Überzeugung, dass die Code-
Alternierung sowohl mit den mangelnden Sprachkenntnissen, mit der Bequemlichkeit als
auch mit der Kreativität zu tun haben kann. Zusammenfassend kann dennoch gesagt werden,
dass das Code-Switching, trotz seiner Prävalenz in vielen bilingualen Sprachgemeinschaften,
aufgrund der normativen doppelten monolingualen Tendenz, welche üblich in den modernen
europäischen Nationalstaaten ist, auch bei den Dolmetschstudierenden negativ konnotiert war,
da auch die Studierenden diese Praxis fälschlicherweise als fehlende Sprachkompetenz kate-
gorisiert haben (vgl. Musk 2006: 113). Auch die Studienteilnehmenden dieser Studie waren
zum Teil der Meinung, dass man die Sprachen am besten rein nach den eng definierten mono-
lingualen Regeln hält (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 237). Obwohl Dewaele und Wei (2014a)
in ihrer Studie von der Annahme, dass jene Teilnehmenden, welche in einem sprachlich und
ethnisch vielfältigen Umfeld aufgewachsen sind, dem Code-Switching gegenüber wesentlich
positiver eingestellt sind, ausgegangen sind, konnte dieser Ausgangspunkt in der Untersu-
chung der vorliegenden Arbeit nur bedingt bestätigt werden. Wenngleich die Studierenden
unter ähnlichen Bedingungen aufgewachsen sind, unterschied sich ihre Einstellung dem
Code-Switching gegenüber zum Teil stark. Und dennoch konnte bestätigt werden, dass in
einer Umgebung, in der der Sprachwechsel die Norm ist, die Haltung gegenüber dem Code-

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Switching nicht mehr von der Häufigkeit der Verwendung abhängig ist (vgl. Dewaele & Wei
2014a: 248).
Bei der Frage, ob es den Probanden leichter oder schwerer fällt sich an nur eine Sprache zu
halten, waren alle der Meinung, dass es leichter ist zu mischen und dass sie es gewöhnt sind,
sich mit Worten aus verschiedenen Sprachen, die ihnen einfach schneller einfallen, zu helfen.
Sich an nur eine Sprache zu halten, fiel den meisten, vor allem im privaten Umfeld, schwer.
Schließlich konnte also bestätigt werden, was bereits Beardsmore (1986) festgehalten hat, und
zwar, dass es vielen Bilingualen schwer fällt, sich mit zwei Kultur- und Sprachkreisen gleich-
ermaßen zu identifizieren, da dies oftmals bei bestimmten Themenbereichen mit starken Inter-
ferenzen zwischen den Sprachen verbunden ist. Auch wenn man einzelne Sprachen noch so
gut beherrscht, kann es passieren, dass es im Umgang mit bestimmten Themen in einer Spra-
che, mit denen man nicht so viel bis wenig zu tun hatte, zu Verständigungsschwierigkeiten
kommt (vgl. Beardsmore 1986: 106). Dieser Ansatz erklärt auch weshalb Bilinguale, sobald
sie mit Personen kommunizieren, die die gleichen Sprachenpaare beherrschen, häufig ganz
gerne den „Switch“ bei bestimmten Themenbereichen vornehmen und lieber in einer be-
stimmten Sprache darüber sprechen, weil sie sich in der bevorzugten Sprache sicherer fühlen
und sich dadurch auch besser ausdrücken können. Bilinguale wechseln also nicht unbedingt
auf Grund von fehlenden Kompetenzen, sondern aufgrund von starken Interferenzen zwischen
den Sprachen und den unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten. Zudem führen sie die Kom-
munikation wahlweise lieber in der Sprache fort, in der sie sich am wohlsten fühlen und daher
deuten die Sprachvermischungen nicht unbedingt daraufhin hin, dass sie in beiden Sprachen
halbsprachig sind (vgl. Beardsmore 1986).
Des Weiteren galt es herauszufinden, ob die Studierenden in bestimmten Situation, vor al-
lem wenn Emotionen im Spiel sind, wechseln. Dabei stellte sich heraus, dass eine Person das
Wechseln mit der Trauer, eine mit Stress und Streit, zwei mit der Aufregung und eine mit
dem Ärgern verbinden. Eine Probandin gab an das Wechseln nie im Zusammenhang mit
Emotionen bemerkt zu haben und eine meinte, dass sie in emotionalen Situationen immer im
Bosnischen/Kroatischen/Serbischen bleibt. Folglich können daraus Schlüsse gezogen werden,
dass auch Dolmetschstudierende unter anderem auch zwischen den Sprachen wechseln, wenn
sie sich in bestimmten emotionalen Zuständen befinden oder um dadurch spezielle Effekte in
ihre Rede einzubauen (vgl. Dewaele & Wei 2014: 239). Der emotionsgesteuerte Sprachwech-
sel resultiert in der Aktivierung von kreativen Kapazitäten. Kharkhurin und Wei (2015: 161)
beobachteten einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Code-Switching und den
Emotionen. Dabei stellten sie fest, dass allem voran die HCS-Teilnehmenden, welche anga-
ben, dass sie nur dann zwischen den Sprachen wechseln, wenn sie sich in einem bestimmten
emotionalen Zustand befinden, im Vergleich zu anderen, eine höhere Innovationsfähigkeit
aufweisen (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 161). Dewaele (2008) hielt dabei fest, dass manche
Emotionen stärker das Code-Switching bei den Zwei- oder Mehrsprachigen auslösen, wäh-
rend sie bei anderen Vielsprachigen die Unterdrückung von bestimmten Sprachen auslösen.

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Das letztere konnte bei einer Studierenden, die angab, bei emotionalen Gesprächen immer in
einer Sprache zu bleiben, bestätigt werden. Dewaele (2008) stellte fest, dass Bilinguale insbe-
sondere in eine andere Sprache wechseln, um Gefühle wie Liebe, Wut oder Frustration aus-
zudrücken (vgl. Dewaele 2008: 1759ff.). In der Untersuchung der vorliegenden Arbeit konnte
lediglich der Zusammenhang mit dem emotionalen Zustand der Wut und der Frustration fest-
gestellt werden.
Ein weiteres Ziel war es, im Interview herauszufinden, ob die Probanden glauben, den
Wechsel steuern zu können oder nicht. Eine Teilnehmerin deutete darauf hin, dass der Wech-
sel unbewusst abläuft, und eine andere, dass es ihr, auf Grund von mangelndem Willen und
schlechter Konzentration, sehr schwer falle den Wechsel zu steuern. Weiters waren die Mei-
nungen vertreten, dass der Wechsel unbewusst abläuft – man ihn jedoch steuern kann –, dass
man ihn vollkommen unter Kontrolle haben kann, dass man das Code-Switching im privaten
Umfeld gar nicht kontrollieren kann und dass man die Code-Alternierung auch bewusst steu-
ern kann, sich dies jedoch bei schnellem Sprechtempo schwierig gestaltet. Dahingehend
konnte also die Hypothese von Darwish (2000: 2), dass es sich beim Wechsel nicht um einen
bewussten Vorgang handelt, da dieser automatisch und ohne viel nachzudenken, erfolgt, nur
teilweise bestätigt werden, da einige der Probanden auch angaben, den Wechsel zu unterdrü-
cken und das kann schließlich nur dann erfolgen, wenn sie diesen überhaupt erst wahrneh-
men. Im Fallbeispiel von Otsuji und Pennycook (2010: 242) schilderten die beiden, dass das
Personal der Firma, welches sie untersucht haben, nur sehr wenig Bewusstsein bezüglich der
Verwendung sowohl der einen als auch der anderen Sprache hatte. Die Mitarbeiter gaben an
sich nicht bewusst ihrer Sprachen zu bedienen und sich lediglich in jener Sprache auszudrü-
cken, in der sie sich zum gegebenen Zeitpunkt wohlfühlen, sie seien sich aber dennoch des
Wechsels bewusst, da sie diesen negativ einstuften. Einerseits gaben sie also an keinen Sinn
für Sprachen zu haben und andererseits wussten sie aber ganz genau, dass das was sie machen
ihrer Meinung nach falsch ist. Diese Wahrnehmung ihrerseits war ein Widerspruch in sich
(vgl. Otsuji & Pennycook 2010: 242). Im Falle der Dolmetschstudierenden waren, ähnlich
wie beim untersuchten Personal, teilweise widersprüchliche Äußerungen zu hören.
Unter anderem war es auch das Ziel dieser Arbeit, herauszufinden, ob die Dolmetschstu-
dierenden sich selbst als kreativ beim Code-Switching bezeichnen würden, da Kharkhurin und
Wei (2015) von der Hypothese ausgegangen sind, dass das häufige Code-Switching mit der
bilingualen Kreativität zusammenhängt bzw. diese fördert, und dass Zweisprachige, die zwi-
schen den Sprachen wechseln, hochinnovative Formen, welche Elemente aus verschiedenen
Sprachen beinhalten, aufweisen (vgl. Kharkhurin & Wei 2015: 154). Bei der Frage nach der
Kreativität, sollten die Probanden dahingehen eine Antwort geben, ob das Code-Switching für
sie lediglich ein Mittel zum Zweck ist, oder ob es auch als Ausdruck ihrer Kreativität zu wer-
ten ist. Drei der Probanden waren der Ansicht, dass das Code-Switching lediglich beim
Wechseln ins Englische als Ausdruck ihrer Kreativität zu bezeichnen ist, eine war der Mei-
nung, dass sie sich der Code-Alternierung sowohl aus Notwendigkeit als auch aus Einfalls-

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reichtum bedient. Eine andere Person gab allerdings an, zwischen Menschen, die zweispra-
chig aufgewachsen sind und Menschen, die eine weitere Sprache gelernt haben, zu unter-
scheiden, da sie es bei den einen als Mittel zum Zweck, und bei den anderen als Ausdruck
ihrer Kreativität betrachtete. Weiters hielten zwei Interviewteilnehmende fest das Code-
Switching nicht primär aus Notwendigkeit, sondern auch als eine kreative Komponente, beim
Wechseln in die englische Sprache, in ihre Gespräche miteinzubauen. Eine weitere Probandin
äußerte, dass das Code-Switching eher als Mittel zum Zweck dient, da man, wenn man krea-
tiv wäre, eher nicht wechseln würde. Und schließlich war eine Studierende der Ansicht, das
Code-Switching lediglich aus der Notwenigkeit heraus zu verwenden, bezog sich aber im
Hinblick auf das Englische jedoch auf den Kreativitätsfaktor. Bei der Frage, ob sie kreativ
werden und versuchen ein Wort zu umschreiben oder dann doch eher manchmal auch dazu
neigen, es unter den Tisch fallen zu lassen, konstatierte die Hälfte, das Wort, welches ihnen
momentan nicht einfällt, zu umschreiben. Eine Person meinte die Information eher auszulas-
sen und nur bei wichtigen Details etwas zu umschreiben und zwei Personen bestätigten beides
zu tun. Hierbei bleibt zu sagen, dass die kreativen Leistungsunterschiede zwischen den ge-
wohnheitsmäßigen und den nicht-gewohnheitsmäßigen „Code-Wechsler“ in der empirischen
Forschung dieser Studie nicht festgestellt werden konnten, da sie Untersuchung lediglich sub-
jektive Variablen betrachtete und alle Studienteilnehmenden angaben, gewohnheitsmäßige
„Sprachwechsler“ zu sein. Auch der Aspekt der englischen Sprache, der seitens der Studie-
renden als eine Lingua Franca und als eine Trendentwicklung, bei der kreativ mit der Sprache
umgegangen wird, bezeichnet wird, machte sich – jedoch zum Teil in unterschiedlichen Kate-
gorien – in alle Interviews bemerkbar, und scheint eine weit verbreitete Ansicht zu sein. Die-
ser Aspekt der Arbeit lässt sich im Hinblick auf die Anschauung von Otsuji und Pennycook
(2010) beleuchten. Diese beiden Forschenden sind der Ansicht, dass der gemischte Sprachen-
code nicht so sehr auf die Verwendung der unterschiedlichen Erst- und Zweitsprache, sondern
vielmehr auf einen bestimmten Sprachencode, welcher als Lingua Franca in einer gegebenen
Umgebung funktioniert, zurückzuführen ist (vgl. Otsuji & Pennycook 2010: 241). Eventuell
könnte man auch den Sprachencode der Sprachmischung des Sprachenpaares Deutsch-
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als eine Art Lingua Franca eines bestimmten Gesellschafts- und
Sprachkreises bezeichnen. Abschließend bleibt zu sagen, dass sich zwei Code-Switching-
Voraussetzungen als fördernd für die kreative Funktion herausstellten. Allem voran das Code-
Switching in bestimmten emotionalen Zuständen und das Fehlen des Vokabulars in der Ziel-
sprache konnten in direkten Bezug mit dem Anstieg der Innovationsfähigkeit gestellt werden
(vgl. Dewaele & Wei 2014a). Der Aspekt des fehlenden Vokabulars konnte auch in dieser
Studie bestätigt werden; jener der Emotionalität lediglich zum Teil.
Weiters galt es auf die Beziehung der Mehrsprachigkeit und der Einstellung zum Code-
Switching einzugehen. Die Personen gaben jeweils an, fünf, vier und drei Sprachen zu spre-
chen. Hierbei sei anzumerken, dass die Klassifikation von Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfspra-
chigkeit in dieser Arbeit außen vor gelassen worden ist, da einzig und allein die subjektive

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Wahrnehmung bzw. die Aussagen der Probanden festgehalten worden sind, und ihre tatsäch-
liche Sprachbeherrschung nicht gemessen worden ist, um sie dementsprechend einstufen zu
können. Diese Einstufung hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt und ist heutzutage ohne-
hin umstritten. Auf die Frage, ob das Code-Switching mit dem sprachlichen Können zusam-
menhängt, waren sich die Sprechenden nicht sicher, inwiefern die beiden Faktoren miteinan-
der zusammenhängen. So waren Ansichten vertreten, dass das Code-Switching situationsab-
hängig sein kann, da man beispielsweise im Zustand der Aufregung, wenn man Stress hat und
mit jemandem streitet, womöglich auch wechselt, obwohl man aber eigentlich die beiden
Sprachen perfekt beherrscht. Auch war man der Überzeugung, dass das Code-Switching vom
Kontext oder den Gesprächspartnern, vom Sprechtempo oder auch der Konzentration und der
Angewohnheit abhängen kann. Dennoch waren die Probanden auch der Meinung, dass es sehr
wohl auch mit dem sprachlichen Können zusammenhängen kann, da man eigentlich keinen
Grund habe, zwischen den Sprachen zu wechseln, wenn man beide gleich gut beherrscht, aber
auch hier war das Englische die Ausnahme, da man es im Englischen primär aus Spaß ma-
chen würde. Die Erkenntnis von Dewaele und Wei (2014a), die auf signifikante Unterschiede
zwischen Zwei- und Mehrsprachigen, bei denen der Spracherwerb früh bzw. spät erfolgte,
hindeutet, konnte vor allem bei einer Studierenden, die erst mit acht Jahren in ein anderes
Land gezogen ist, festgestellt werden. Laut Dewaele und Wei (2014a) haben diejenigen, die in
den frühen Kinderjahren eine weitere Sprache erlernen, eine deutlich positivere Einstellung
zum Code-Switching als jene, bei denen der Spracherwerb einer zweiten Sprache später er-
folgt (vgl. Dewaele & Wei 2014a: 244). Diese Probandin war dem Code-Switching gegenüber
am wenigsten positiv eingestellt und störte sich sehr daran. Auch konnte in der empirischen
Untersuchung dieser Arbeit, genauso wie bei der Studie von Dewaele und Wei (2014a), fest-
gestellt werden, dass ein hoher Grad an Mehrsprachigkeit, also mehr Sprachen zu können und
sie wirklich gut zu beherrschen, nur bedingt mit der Einstellung zum Code-Switching zu-
sammenhängt. Geht man von der Annahme aus, dass erfahrene Vielsprachige daran gewöhnt
sind, mit Menschen aus verschiedenen sprachlichen und kulturellen Umgebungen zu kommu-
nizieren, deshalb regelmäßig dem Code-Switching zwischen verschiedenen Sprachen ausge-
setzt sind, und dieses sprachliche Phänomen auch dementsprechend zu schätzen wissen, liegt
man auch laut den Ergebnissen der Interviews nicht unbedingt richtig. Dewaele und Wei
(2014a) stellten sich die Frage, wieso Mehrsprachige das Code-Switching nicht mehr zu
schätzen wissen. Sie fragten sich, ob der Stolz, fortgeschritten in der jeweiligen Sprache zu
sein, es ihnen möglicherweise nicht zulässt, oder ob die fortgeschrittenen Vielsprachigen un-
bewusst das Code-Switching als ein Symptom für mangelnde sprachliche Kompetenz beurtei-
len. Aus den Antworten der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden waren im
Grunde genommen beide Gründe herauszuhören. Weiters bleibt zu erwähnen, dass Dewaele
(2010) von signifikanten positiven Beziehungen zwischen den Ebenen der subjektiv wahrge-
nommenen Kompetenz in den L2- und L3-Sprachen der erwachsenen Mehrsprachigen und
den Eigenangaben zur Häufigkeit von Code-Switching berichtete. Dies führte zum Schluss,

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dass das Code-Switching kein Hinweis auf ein Defizit in einer bestimmten Sprache ist, son-
dern im Gegenteil, charakteristisch für die Teilnehmenden ist, welche sich selbst als kompe-
tent in ihren jeweiligen Sprachen fühlen und bezeichnen (vgl. Dewale 2010: 201). Diese An-
schauung konnte bei einer Studierenden deutlich festgestellt werden, da diese sich trotz der
Verwendung von Code-Switching, als kompetent in ihren beiden Sprachen bezeichnete und
die Code-Alternierung lediglich als eine kreative Komponente in ihrem sprachlichen Ge-
brauch betrachtete. Leider konnte im empirischen Teil nicht überprüft werden, ob die weibli-
chen Teilnehmenden genauso wie bei Dewaele und Wei (2014b: 239f.) tatsächlich eine
durchaus affirmativere Haltung zum Code-Switching als die Männer einnehmen und sie sich
auch viel öfter des Code-Switching in der Interaktion mit Familienmitgliedern und Freunden
bedienen, als die männlichen Probanden, da die personellen Ressourcen dies nicht erlaubt
haben. Für Dewaele und Wei (2014a) war diese Feststellung überraschend, da aus den sozio-
linguistischen Forschungen hervorgeht, dass Frauen normalerweise eher als Männer die Stan-
dardsprache bevorzugen und benutzen. Jedoch konnte das Ergebnis der früheren Studien von
Dewaele (2010), dass die weiblichen Teilnehmenden das Code-Switching vor allem unter
Freunden benutzen, in den Interviews mit den Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden bestätigt werden.
Allgemein kann gesagt werden, dass die Teilnehmenden nicht nur dann zwischen den
Sprachen wechseln, wenn ihnen ein bestimmter Begriff nicht einfällt, sondern sich des Code-
Switching genauso häufig in einer Vielzahl von anderen Situationen bedienen, wenn sie z.B.
die sprachliche Finesse, bestimmte Ideen, Konzepte, Gedanken und Botschaften zur Geltung
bringen möchten. Außerdem tun sie dies beim spielerischen Umgang mit der englischen
Sprache, beim Integrieren von Füllwörtern aus verschiedenen Sprachen in ihre Gespräche
oder um die Zitate einer Person hervorzuheben. Folglich kann das Argument von Bhatia und
Ritchie (2008), dass das Code-Switching im Wesentlichen eine optimierende Strategie ist,
welche eine große Bandbreite an neuen Bedeutungen ermöglicht und welche die getrennten
linguistischen Systeme nicht vereinzelt erbringen können, bestätigt werden. Das Fehlen des
entsprechenden Vokabulars in der einen Sprache erschwert es den Sprachbenutzern zwar bei
der einen Sprache zu bleiben, jedoch kann das Fehlen des Vokabulars laut Musk (2010: 195)
lediglich zum Teil als Entschuldigung dienen, um ein „code-mixed medium“ zu verwenden.
Als explizit gefragt wurde, ob auch, wenn ein bestimmtes Konzept, eine Idee, eine Botschaft
oder ein Gedanke möglichst präzise vermittelt werden sollen, die Tendenz bei den Studieren-
den in eine andere Sprache zu wechseln besteht, waren sich alle darin einig, definitiv zu
wechseln, sofern es die Situation und ihre Gesprächspartner zulassen. Demzufolge konnten
die Erkenntnisse von Musk (2010: 195) bestätigt werden, da dieser festhielt, dass das Code-
Switching als eine sinngebende Einheit verwendet wird, um eine neue Ressource und eine
Bedeutung hinzuzufügen, um beispielsweise andere zu zitieren, einen neuen Aspekt zu brin-
gen oder einfach um einen Gesichtspunkt zu wiederholen und hervorzuheben.

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Bei der Frage, mit wem die Studienteilnehmenden zwischen den Sprachen wechseln, wa-
ren verschiedene Antworten zu hören. Ein Teil der Teilnehmenden gab an mit Freunden und
mit der Familie zu wechseln, während ein Teil meinte dies auch am Arbeitsplatz mit den Kol-
legen zu tun. Wiederum gab es auch Antworten, die darauf hinwiesen, dass in der Familie
nicht gewechselt wird und möglichst nur eine Sprache gesprochen wird. Mit Hilfe der Zusatz-
frage sollte herausgefunden werden, mit wem sich die Teilnehmenden beim Wechseln am
wohlsten fühlen. Zwei Personen gaben an sich mit all jenen wohl zu fühlen, die auch selbst
wechseln, und machten dabei keine Unterscheidung zwischen Familienmitgliedern, Freunden
und Arbeitskollegen. Wiederum fühlten sich zwei Probanden mit Freunden und zwei im fami-
liären Umkreis am wohlsten. Im Hinblick auf das Code-Switching bleibt zu sagen, dass sich
laut Dewaele und Wei (2014a) die „Bewertung“ der verschiedenen Typen von Code-
Switching bei ein und demselben Individuum, abhängig von den verschiedenen kommunika-
tiven Umgebungen, verändert. So kann Dewaele und Wei (2014a) zufolge, eine Person bei-
spielsweise der Meinung sein, dass es angebracht ist, sich des Code-Switching innerhalb der
Familie zu bedienen, es jedoch für völlig unangebracht am Arbeitsplatz halten (vgl. Dewaele
& Wei 2014a: 236). Mit der Befragung der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden konnten diese Ansätze bestätigt werden.
Eine weitere zentrale Frage, die es zu beantworten galt, betraf den Einfluss des Umfelds
auf das sprachliche Verhalten bzw. den Umgang der Sprechenden mit dem Code-Switching.
Vier Personen gaben an vor allem von ihren Freunden beeinflusst zu werden und sich an ihre
Freunde, je nachdem ob diese wechseln oder nicht, anzupassen. Hingegen meinten zwei Pro-
banden, sich nicht so leicht von ihrem Umfeld beeinflussen zu lassen. Bei der Frage nach dem
Einfluss der Bildung bzw. der Ausbildung auf den Umgang mit dem Code-Switching, welche
im späteren Verlauf des Interviews gestellt worden war, vertraten drei Personen die Ansicht,
von den Lehrkörpern im Laufe ihrer schulischen und universitären Laufbahn beeinflusst wor-
den zu sein.
Außerdem war es ein Anliegen dieser Arbeit herauszufinden, ob die Eltern der interview-
ten Personen jemals von ihnen verlangt haben, dass eine bestimmte Sprache zuhause gespro-
chen wird. Allgemein kann gesagt werden, dass im familiären Umfeld sowohl Deutsch als
auch Bosnisch/Kroatisch/Serbisch gesprochen wird. In manchen Familien wird jedoch über-
wiegend Deutsch und in anderen vorwiegend Bosnisch/Kroatisch/Serbisch gesprochen.
Nichtsdestotrotz waren sich alle einig, dass ihre Eltern diesbezüglich offen sind und nie von
ihnen verlangt haben, sich an nur eine Sprache zu halten. Zudem sollte hierbei in Erfahrung
gebracht werden, ob die Eltern selbst auch wechseln oder sich eher strikt an eine Sprache hal-
ten. Die Antworten bei dieser Frage waren sehr unterschiedlich, da sowohl zum Ausdruck
kam, dass die Eltern wechseln, versuchen sich an nur eine Sprache zu halten, als auch bemüht
sind nur eine Sprache zu sprechen, allerdings bei bestimmten Fachbegriffen wechseln. Mit
Hilfe einer letzten Frage sollte explizit die Einstellung der Elternteile gegenüber dem Code-
Switching eruiert werden. Auch hier waren die Studierenden der Meinung, dass die Vorteile

86
und Nachteile der Code-Alternierung nie direkt mit den Eltern angesprochen worden sind. Bei
einer Probandin kam jedoch die Einstellung der Mutter indirekt zum Vorschein, da die Person
meinte, dass ihre Mutter im Endeffekt froh sei, mit ihren Kindern ausschließlich die kroati-
sche Sprache gesprochen zu haben, da sie ansonsten so schlechte Muttersprachenkenntnisse
wie die Nachbarskinder hätten. Weiters gab eine Studierende an, dass ihre Elternteile zwar nie
etwas sagen, wenn sie zwischen den Sprachen mischt, ihr aber allerdings helfen, indem sie sie
ausbessern, wenn ihr ein Wort auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch nicht einfällt. Somit konnte
der Standpunkt von Jørgensen (2005), dass Eltern die Meinung, dass Kinder beide Sprachen
vollständig unabhängig voneinander verwenden sollten, ohne dass Spuren von der einen
Sprache in der anderen bemerkbar sind, weil beide Sprachen rein bleiben sollten, nicht bestä-
tigt werden (vgl. Jørgensen 2005: 393).
Somit konnten auch die Untersuchungsergebnisse von Pena (2004), der die Einstellung von
Spaniern erster und zweiter Generation aus Galicien, welche in London leben, zum Thema
Code-Switching untersuchte, nicht bestätigt werden. Dieser stellte mit Hilfe von Interviews
und Fragebögen fest, dass die erste Generation eine negativ gefärbte Wahrnehmung des
Code-Switching hatte. Die Resultate der Untersuchung zeigten, dass die Eltern sich niemals
dieser Sprachpraktik im Umgang mit ihren Kindern bedienten, und außerdem die Kinder
vielmehr auch noch davon abhielten das Code-Switching zu praktizieren, weil sie dieses Phä-
nomen als ein Symptom für mangelnde Sprachkompetenz betrachteten. Dieser Umgang mit
dem Code-Switching trifft laut den BKS-Dolmetschstudierenden nicht auf ihre Elternteile zu.
Zuletzt galt es auch die Frage, ob sich die Einstellung dem Code-Switching gegenüber im
Laufe der Ausbildung verändert hat, zu beantworten. Die interviewten Dolmetschstudieren-
den hatten diesbezüglich unterschiedliche Auffassungen. Manche von ihnen meinten, dass
sich ihre Einstellung dem Code-Switching gegenüber dahingehend eigentlich nicht verändert
hat, da sie es nach wie vor nicht schlimm finden, wenn man wechselt und sie selbst schließ-
lich noch immer wechseln. Sie hätten jedoch gemerkt, dass ihr Wortschatz durch das Studium
größer und die Sprachbeherrschung besser geworden ist, und sie daher nicht mehr so oft wie
früher, aus der Not heraus, sich der Wörter aus der anderen Sprache bedienen müssen. Auch
ihr Bewusstsein und ihre Sinne für Sprachen seien durch das Studium geschärft worden. Eine
Person meinte, dass sie es nach wie vor nicht schlimm finde, jedoch ein bisschen unprofessio-
nell, wenn man es als jemand, der Sprachen studiert, macht. Interessant war die sich wieder-
holende Ansicht, dass die Einstellung dem Code-Switching gegenüber von den Sprachenpaa-
ren abhängt, da die meisten Teilnehmenden das Wechseln in die englische Sprache nicht als
störend empfanden, den „Switch“ in die bosnische/kroatische/serbische Sprache dagegen
schon. Ferner gaben Probanden an, dass es sie nach wie vor stört, wenn sie wechseln und dass
ihre Meinung, dass man das Code-Switching möglichst unterlassen sollte, durch die Lehrper-
sonen im Studium zusätzlich verstärkt worden ist. Um daran anzuknüpfen, bleibt zu sagen,
dass auch eine explizite Frage, ob die Studierenden, im Laufe ihrer universitären Ausbildung,
seitens der Lehrenden, durch ihre negativen oder positiven Äußerungen zum Code-Switching

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beeinflusst worden sind, gestellt worden ist. Die Resultate zeigten, dass die Hälfte nie von
Universitätslehrenden zu hören bekommen hat das Wechseln zu unterlassen. Ferner gab eine
dieser Personen sogar an, dass die Lehrenden im Unterricht auch selbst davon Gebrauch ge-
macht haben. Andrerseits gaben zwei Probanden an, dass sich durch die negativen Äußerun-
gen zum Code-Switching seitens des Lehrpersonals auch ihre eigenen Meinungen, dass man
es möglichst unterlassen sollte, verstärkt haben. Eine Probandin gab sogar an, von einer Uni-
versitätslehrperson „hintrainiert“ worden zu sein, die Code-Alternierung stets zu unterdrü-
cken. Hier bestätigte sich die Kluft, zwischen informellen Sprachpraktiken und dem ideologi-
schen Beharren auf die Aufrechterhaltung strenger Sprachgrenzen in pädagogischen Kontex-
ten, von der Musk (2010: 179) berichtete. Er teilte die Anschauung, dass die Mobilisierung
von Code-Switching, um eine zusätzliche Bedeutung hinzuzufügen, voraussetzt, dass jemand
im Stande ist, zwei Medien zu trennen und zu unterscheiden und dementsprechend auch die
Sprachgrenzen einzuhalten weiß (vgl. Musk 2010: 195). Auch die Feststellung von Jørgensen
(2005), dass Lehrende die Meinung, dass Kinder beide Sprachen vollkommen unabhängig
voneinander und rein verwenden sollten, ohne dass Spuren von der einen Sprache in der ande-
ren bemerkbar sind, konnte somit durch das Interview mit den Studierenden nur zum Teil
bestätigt werden (vgl. Jørgensen 2005: 393). Dazu bleibt anzumerken, dass trotz der Tatsache,
dass solche Ansichtsweisen überwiegen, die Code-Alternierung bzw. das „Switchen“ zwi-
schen den Sprachen innerhalb einer Gesprächssituation eine äußerst gängige Kommunikation-
spraxis auch zwischen den Dolmetschstudierenden ist (vgl. Musk 2010: 181). Manche von
ihnen ließen sich zwar von der Meinung des Lehrpersonals beeinflussen, sahen aber dennoch
nicht von dieser Praxis ab.
Die wichtigste Forschungsfrage, auf die in dieser Arbeit eine Antwort gegeben werden
sollte, war jene nach der subjektiven Empfindung der Teilnehmenden, ob bzw. inwiefern sich
das Code-Switching auf ihre Dolmetschfähigkeiten ausgewirkt hat. Hierbei bleibt zu sagen,
dass die Standpunkte und Sichtweiten auf den Einfluss des Code-Switching bei den Inter-
viewteilnehmenden zum Teil stark auseinander gingen. Eine Person erzählte, dass ihr aufge-
fallen sei, im Hinblick auf das Simultandolmetschen, beim Sprechtempo bzw. beim Timelag,
zeitlich viel näher am Ausgangstext sein zu können, wenn sie zwischen ihren beiden Mutter-
sprachen dolmetscht, als eine Kabinenpartnerin, die in eine ihrer Fremdsprachen dolmetscht.
Sie sei davon überzeugt, dass sie die Verarbeitungszeit nicht brauche und im Vorteil sei, da
sie von klein auf daran gewöhnt gewesen sei, in zwei Sprachen gleichzeitig zu denken. Zu-
dem ergänzte sie, dass die Auffassungsfähigkeit bei zweisprachig aufgewachsenen, die sich
des Code-Switching bedienen, besser sei, weil sie glaube, dass der Prozess, der beim Sprach-
wechsel im Gehirn stattfindet, ihr geholfen hat, etwas schneller zu erfassen und sie es in wei-
terer Folge dadurch auch leichter beim Erlernen der Dolmetschfähigkeit hatte. Zwei Proban-
den vertraten den Standpunkt, dass sich das Code-Switching nicht unbedingt positiv auf ihre
Dolmetschkompetenz ausgewirkt habe, da sie durch die Code-Alternierung daran gewöhnt
waren zwischen den Sprachen wechseln zu können und sich nicht darauf konzentrieren zu

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müssen, in nur einer Sprache zu bleiben. Vor allem beim Simultandolmetschen sei es ihnen
besonders schwer gefallen diese Gewohnheit zu unterdrücken. Zusammenfassend kann gesagt
werden, dass vier Studierende die Angewohnheit zwischen den Sprachen zu wechseln als
problematisch einstuften. Dagegen gab eine andere Studierende an, dass sich das Code-
Switching positiv auf ihre Dolmetschkompetenzen ausgewirkt hat, da sie von klein auf daran
gewöhnt war, sich in beiden Sprachen gleichzeitig ausdrücken zu können. Jedoch merkte auch
sie an, dass es ihr manchmal schwer fällt, die vielen Begriffe, die sie zeitgleich im Kopf hat,
bewusst zu kontrollieren. Dennoch teilte sie die Auffassung, dass sie ohne dem Code-
Switching bzw. wenn sie im Laufe ihres Lebens nicht so viel „geswitcht“ hätte, nicht eine
bessere Dolmetscherin geworden wäre. Auch sie war überzeugt, vom Prozess, welcher beim
Code-Switching im Gehirn abläuft, profitiert zu haben. Zudem waren die Studienteilnehmen-
den sich darin einig, dass sie mit Hilfe der Code-Alternierung gelernt haben, bewusster mit
der Sprache umzugehen. Wiederholt war die Auffassung vertreten, dass der Sprachwechsel
dabei hilft, disziplinierter mit der Suche nach den fehlenden Vokabeln umzugehen. Dabei
empfanden sie das als besonders förderlich für das Dolmetschen, da das Bewusstsein für die
Sprache durch das Code-Switching mit den Jahren geschärft worden ist, und sie oftmals aus
Interesse bzw. aus Bedarf die Wörter nachgeschlagen haben. Zusammenfassend kann ange-
merkt werden, dass die Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden der Ansicht wa-
ren, dass sich das Code-Switching in Bezug auf das Dolmetschen sowohl negativ als auch
positiv auswirken kann, da ihnen die Angewohnheit, sehr viel Disziplin abverlangt, um nicht
in einem professionellen Setting, in die gewohnten Verhaltensmustern zurückzufallen. Dies-
bezüglich merkte eine Studierende an, dass sie auch schon mal in der Situation war, dass ihr
die Worte, die sie nicht in ihrem Sprachgebrauch hat, und die sie zuhause eher umschreibt
oder sich der Wörter aus der jeweils anderen Sprache behilft, auch tatsächlich in der Kabine
nicht eingefallen sind. Die Studierenden waren wiederholt der Meinung, dass beide Sprachen
gleichzeitig aktiviert werden. Das würde somit dem Ansatz von Costa (2005), der den Stand-
punkt vertritt, dass bei der bilingualen Sprachverarbeitung beide Sprachen aktiviert werden,
entsprechen, jedoch gibt es dazu alternativen Anschauungen. Diese besagen, dass es ein
sprachspezifisches Zugangssystem gibt, indem beide Sprachen separat gespeichert werden
und die Aktivierung der einen Sprache nicht die andere Sprache aktiviert (vgl. Soares & Gros-
jean 1984: 381ff.).
Abschließend bleibt zu sagen, dass das Interviewmaterial sehr viel Stoff für eine Diskussi-
on der Ergebnisse geliefert hat, und dass sehr viele Erkenntnisse sich mit jenen aus den vo-
rangehenden Studien überlappten. Jedoch waren auch einige Unterschiede bei den Dol-
metschstudierenden festzustellen. Im letzten Schritt soll die Conclusio dieser Forschung for-
muliert und ein Ausblick für weitere Untersuchungen in diesem Forschungsbereich gegeben
werden.

89
4. Schlussfolgerung
Allgemein kann gesagt werden, dass einige der Hypothesen und der Ergebnisse aus vorange-
henden Studien zur Einstellung von Sprechenden gegenüber dem Code-Switching bestätigt
werden konnten. Sie scheinen tatsächlich auch für die Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden zu gelten. Andere wiederum nicht. Im Folgenden sollen abschließend
die Erkenntnisse dieser Arbeit festgehalten werden.
Wenig überraschend war die Feststellung, dass alle befragten Studierenden regelmäßig
zwischen den Sprachen wechseln. Bei der Frage nach der Einstellung gegenüber dem Code-
Switching waren sich die Dolmetschstudierenden jedoch nicht einig, ob sie es negativ, positiv
oder neutral werten, jedoch gaben alle an, dass es ihnen auffällt – vor allem seitdem sie Dol-
metschen studieren – wenn andere Personen in ihrer Anwesenheit wechseln. Auch war man
hierbei unterschiedlicher Auffassungen, wie das Code-Switching bei bekannten und fremden
Personen zu bewerten ist. Interessant waren die Antworten auf die Frage nach den Gründen
bzw. Ursachen für das Code-Switching, da auch hierbei genauso wenig Einigkeit herrschte,
weil die Antworten von Bequemlichkeit, Sprachinsuffizienz bis hin zur Kreativität reichten.
Trotz der Prävalenz von Code-Switching war ein beachtlicher Teil der Dolmetschstudieren-
den der Meinung, dass das Code-Switching auch mit den fehlenden Sprachkompetenzen zu-
sammenhängen kann. Zu erwarten war, dass die Probanden der Ansicht sein werden, dass es
ihnen leichter fällt zwischen den Sprachen zu wechseln, und dass es ihnen vor allem im priva-
ten Umfeld schwer fällt, sich an nur eine Sprache zu halten. Dass ein beachtlicher Teil der
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden tatsächlich zwischen den Sprachen
wechselt, wenn Emotionen im Spiel sind, aber auch um spezielle Effekte in ihre Rede einzu-
bauen, war auch in gewisser Weise zu erwarten, da Sprachen eng mit dem Ausdruck der Per-
sönlichkeit und des persönlichen Befindens zusammenhängen. Als sie gefragt wurden, ob sie
glauben den Sprachwesel bewusst kontrollieren zu können, waren teilweise widersprüchliche
Antworten zu hören, da sie beispielsweise meinten, dass das Code-Switching unbewusst ab-
läuft, sie jedoch im Stande sind die Code-Alternierung zu unterdrücken. Der Widerspruch, der
aus den Antworten herauszuhören war, zeugte davon, dass das Bewusstsein für den Umgang
mit dem Code-Switching oftmals noch einer weiteren Bewusstseinsbildung und einer schärfe-
ren Wahrnehmung bedarf. Bei der Frage nach dem kreativen Aspekt des Code-Switching,
waren einige der Probanden der Meinung, dass die kreative Komponente lediglich beim Spra-
chenpaar Deutsch-Englisch festzumachen sei. Beim Bosnischen/Kroatischen/Serbischen ist es
ihrer Ansicht nach größtenteils ein Mittel zum Zweck. Das ist aus der forschenden Sicht inso-
fern nachvollziehbar, da es vertretbar ist, die Kreativität bzw. die Notwendigkeit beim Wech-
seln zwischen den Sprachen von den Sprachenpaaren abhängig zu machen. Auf die Frage, ob
das Code-Switching mit dem sprachlichen Können zusammenhängt, waren sich die Spre-
chenden nicht sicher, inwiefern die beiden Faktoren miteinander verknüpft sind. Sie meinten
sowohl, dass ein Zusammenhang besteht aber gleichzeitig auch nicht. Auch hier war man der

90
Meinung, dass das Englische die Ausnahme sei, da man lediglich aus Spaß an der Sprache
und Kreativität ins Englische wechsele. Und auch hier fällt es schwer tatsächlich sagen zu
können, inwiefern das Wechseln zwischen den Sprachen mit dem Können bzw. mit den Defi-
ziten in den jeweilgen Sprachen zusammenhängt. Zudem konnte festgestellt werden, dass die
Mehrsprachigkeit nicht unbedingt mit einer positiveren Einstellung gegenüber dem Code-
Switching zusammenhängt, und dies war auch bei dieser Forschung, genauso wie bei den vo-
rangehenden, etwas ungewöhnlich bzw. nicht zu erwarten. Dennoch waren sich die Studie-
renden zum Teil auch darüber einig, dass die Code-Alternierung auch eine optimierende Stra-
tegie sein kann, welche eine große Bandbreite an neuen Bedeutungen ermöglicht und welche
die getrennten linguistischen Systeme nicht vereinzelt erbringen können. Grundsätzlich wech-
selten die Studienteilnehmenden sowohl mit Freunden, Familie als auch am Arbeitsplatz. Da-
bei fühlten sie sich unter Freunden am wohlsten. Auch beim Einfluss des Umfelds auf ihren
Umgang mit dem Code-Switching herrschte Uneinigkeit, da ein Teil angab, sich vor allem
von Freunden beeinflussen zu lassen, während der andere Teil meinte, sich nicht beirren zu
lassen. Ihre Eltern, und darin waren sich alle einig, hätten jedoch insofern keinen Einfluss auf
sie gehabt, da sie sich nie negativ oder positiv zum Code-Switching geäußert hätten. Diese
Feststellung war überraschend, da in den vorangehenden Studien zumeist die umgekehrte
Einstellung seitens der Eltern festgehalten worden ist. Zuletzt konnte in Erfahrung gebracht
werden, dass sich die Einstellung der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-Dolmetschstudierenden
vor allem im Laufe ihrer universitären Ausbildung verändert hat. Das Code-Switching wurde
weniger, jedoch machen es alle Studierenden nach wie vor. Interessant war es auch festzustel-
len, dass die Dolmetschstudierenden, obwohl ein Großteil von ihnen unter ähnlichen Bedin-
gungen aufgewachsen ist, dennoch einen differenzierten Zugang zum Code-Switching und
vor allem zum Einfluss des Code-Switching auf ihre Dolmetschkompetenz hatten. Dies war
weniger zu erwarten.
Schlussendlich bleibt zu sagen, dass auch beim Forschungsdesign dieser Studie, genauso
wie dies bei den beiden Studien von Kharkhurin und Wei (2015) und auch Dewaele und Wei
(2014a) der Fall war, in Zukunft objektivere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die
Einstellung der Sprechenden gegenüber dem Code-Switching und die Häufigkeit der Ver-
wendung dieses Sprachphänomens genauer untersuchen zu können. Die individuellen Unter-
schiede können erhebliche Auswirkungen auf die Ergebnisse haben und sind – so wie es be-
reits die anderen Forschenden betont haben – in der aktuellen Literatur nicht ausreichend un-
tersucht worden. Auch im Hinblick auf die eigene Untersuchung, die im Rahmen dieser Ar-
beit durchgeführt worden ist, bleibt zu sagen, dass bei zukünftigen Feldforschungen die pas-
senden Variablen gefunden werden müssen, um den tatsächlichen Einfluss der Code-
Alternierung auf die Dolmetschkompetenz untersuchen und vor allem messen zu können.

91
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97
6. Abstract

Deutsch
In der vorliegenden Forschungsarbeit mit dem Titel „Code-Switching aus der Sicht der
Dolmetschstudierenden - Am Beispiel des Sprachenpaares Deutsch-
Bosnisch/Kroatisch/Serbisch“ wurde die Einstellung der Bosnisch/Kroatisch/Serbisch-
Dolmetschstudierenden dem Code-Switching gegenüber erforscht. Das Ziel dieser Arbeit war
es zu überprüfen, inwiefern die Erkenntnisse aus vorangehenden Studien mit den Ergebnissen
dieses Forschungsunterfangens übereinstimmen bzw. auf die Zielgruppe der Dolmetschstu-
dierenden zutreffen. Dabei galt es zu erforschen, inwiefern die Bildung, das Umfeld, die
Sprachpraxis, die Vielsprachigkeit, der Spracherwerb und die Einstellung und das Bewusst-
sein für das Code-Switching das sprachliche Verhalten der Dolmetschstudierenden beeinflus-
sen. Die Daten wurden mittels qualitativen Interviews erhoben und ausgewertet. Die Ergeb-
nisse waren zum Teil überraschend und zum Teil auch zu erwarten.

Englisch
The present study „Code-switching from the perspective of interpretation students of Ger-
man and Bosnian/Croatian/Serbian“ investigates the attitude towards code-switching among
interpretation students. The aim of this study was to investigate to which extent the results
from the previous studies correspond with the results from the present study, especially when
it comes to interpretation students. Therefore the interpretation students were asked about
possible factors like education, environment, language acquisition, linguistic practices, multi-
lingualism and attitude, in order to find out whether or not these factors influence their lingu-
istic behaviour. Data were collected through interviews. The results were surprising but also
expected to a certain degree.

98
Anhang
Interviewfragen
Verlauf des Spracherwerbs
1. Wo bist du aufgewachsen? Mit welchen Sprachen bist du großgeworden?
2. Wie, wann und wo hast du deine Sprachen gelernt?
3. Warst du als Kind / Jugendlicher durch das ausschließliche Verwenden der Umgebungs-
sprache vielleicht davon überzeugt, dich dadurch besser integrieren zu können und hast
dadurch womöglich den Wechsel zwischen den Sprachen vermieden oder hattest du nie das
Gefühl, dich nur für eine Sprache entscheiden zu müssen?
(Hast du als Kind geglaubt, dass du nur so wie die Anderen in deiner Umgebung sprechen
darfst und hast dann dadurch nicht zwischen den Sprachen gewechselt? Hast du das getan,
weil du vielleicht geglaubt hast, dass du dich dadurch besser in die Gesellschaft einfügen
kannst? Bsp. Kindergarten, gemischte Gruppe, Kinder sowohl mit BKS-Hintergrund als auch
ohne – hast du in so einer Gruppe das Wechseln zwischen den Sprachen mit den BKS-
Kindern vermieden, weil du womöglich gedacht hast, dass die anderen Kinder dich ausgren-
zen könnten oder hast du zwischen den beiden Sprachen hin-und hergewechselt? Gab es viel-
leicht auch mal eine Periode in deinem Leben, in der du eine Sprache vermieden hast bzw. sie
nicht gesprochen hast?)
Einstellung und Bewusstsein
Hauptfragen: Wechselst du zwischen den Sprachen? Wenn ja, wie findest du es, wenn du es
selbst tust? Stört es dich, macht es dir Spaß, versuchst du es zu unterdrücken oder entschei-
dest du dich bewusst dafür? Wie empfindest du es, wenn andere es tun bzw. fällt es dir über-
haupt auf?
Unterfragen / zusätzliche Fragen:
1. Wie ist deine Einstellung zum Wechseln von Sprachen während eines Gesprächs?
(Was hältst du davon, wenn Menschen zwischen den Sprachen wechseln? Fällt dir so etwas
positiv oder negativ auf oder ist es dir egal?)
2. Fällt es dir auf, wenn eine unbekannte Person, z.B. im Bus, beim Telefonieren zwi-
schen den Sprachen hin- und herwechselt? Stört es dich oder ist es dir egal?)
(Mir ist es öfter passiert, dass mir im Bus aufgefallen ist, wie Menschen beim Telefonieren
zwischen den Sprachen hin- und herwechseln. Ist es dir auch schon mal aufgefallen? Was
denkst du darüber? Stört es dich, ist es dir egal oder findest du es lustig?)
3. Fällt es dir eher schwer dich nur in einer Sprache auszudrücken oder bereitet es dir
keine weiteren Schwierigkeiten? Fallen dir bestimmte Gesprächs-Situationen ein, in
denen es dir leichter fällt die Sprachen zu kombinieren bzw. zu trennen? (Tust du dich
damit leicht nur eine Sprache zu verwenden oder fällt es dir eher schwer dich daran zu
halten?)

99
Wechselst du zwischen den Sprachen? Wenn ja, kannst du es grob einschätzen, wie oft du
zwischen den Sprachen wechselst? Nimmst du es bewusst wahr oder geschieht es automatisch
bzw. so dass du es gar nicht mehr registrierst?
(Kannst du ungefähr einschätzen wie oft du das z.B. im täglichen Ausmaß tust? Passiert es
bewusst oder passiert es so, dass du es gar nicht bemerkst?)
4. Wenn du zwischen den Sprachen wechselst, sind dir dann bestimmte Situationen auf-
gefallen, in denen du häufiger bzw. eher zwischen den Sprachen wechselst als üblich?
Wechselst du häufiger zwischen den Sprachen, wenn du emotional bist oder wirkt sich
dein emotionaler Zustand nicht darauf aus?
(Stress, Streit, Angst)
5. Kann man den Wechsel zwischen den Sprachen bewusst kontrollieren oder hat man es
selbst nicht unter Kontrolle?
(Glaubst du den Wechsel selbst steuern zu können oder nicht?)
6. Handelt es sich deiner Meinung nach beim Sprachwechsel um eine kreative Fähigkeit
oder ist es lediglich ein Mittel zum Zweck, also eine Notwendigkeit?
(Ist man kreativ, wenn man zwischen den Sprachen wechselt oder ist es einfach ein Mittel
zum Zweck?)
7. Wechseln die Menschen zwischen den Sprachen aus Bequemlichkeit oder mangelt es
dabei eher an ihren sprachlichen Fähigkeiten oder machen sie das auf Grund ihrer
ausgeprägten Sprachkenntnisse?
(Wenn man zwischen den Sprachen wechselt, ist man dann deiner Meinung nach einfach nur
bequem, kann und weiß man es einfach nicht besser oder kann man die Sprache sehr gut und
kann es sich dadurch erlauben mit der Sprache zu spielen, also x-beliebig zwischen den Spra-
chen wechseln?)
Multilingualismus
Hauptfragen: Hängt der Wechsel zwischen den Sprachen mit dem sprachlichen Können zu-
sammen? Denkst du, dass man je nachdem wie gut man die Sprache kann, dann auch oder
eben nicht zwischen den Sprachen wechselt?
Unterfragen / zusätzliche Fragen:
1. Wie viele Sprachen beherrscht du?
2. Kannst du dich in all deinen Sprachen fließend/ gut verständigen oder gibt es auch
Sprachen, in denen es dir nicht so leicht fällt?
(Gibt es Sprachen die du besser oder weniger gut beherrscht?)
3. Wechselt man zwischen den Sprachen vor allem (häufiger) dann, wenn einem spezifi-
sches Vokabular in der Zielsprache fehlt oder geschieht das nicht nur primär in sol-
chen Situationen? Lässt das Fehlen des Vokabulars in der Zielsprache eine Person in-
novativer bzw. kreativer werden oder ist das Gegenteil der Fall?

100
(Wechselst du zwischen den Sprachen hauptsächlich dann, wenn dir ein Wort fehlt bzw. nicht
einfällt oder machst du das genauso häufig auch in anderen Situationen? Hast du das Gefühl,
dass du kreativ wirst, wenn dir ein Wort in einer bestimmten Sprache nicht einfällt? Fängst du
damit an etwas zu umschreiben? Oder wirst du ganz in Gegenteil einfach nur bequem und
lässt sogar die Wörter/Informationen aus?)
4. Wenn du in einem Gespräch mit einer Person, die die gleichen Sprachen beherrscht,
auf Anhieb oder grundsätzlich kein Wort findest, welches passend ist und das aus-
drückt, was du zum gegebenen Zeitpunkt sagen möchtest, was machst du dann?
Wechselt du dann bewusst in eine andere Sprache, um die Botschaft /Gedanken besser
zu vermitteln oder bleibst du in der Ausgangssprache und riskierst damit, dass die be-
absichtigte Botschaft nicht verstanden wird/ankommt?
(Wenn du mit jemandem sprichst, der die gleichen Sprachen kann, und du dann was bestimm-
tes sagen willst, was du aber nicht in der Sprache, in der ihr beiden gerade sprecht, ausdrü-
cken kannst, weil du kein passendes Wort findest, um auch wirklich das zu sagen was du auch
meinst, was machst du dann? Wechselst du dann in eine andere Sprache, damit deine Bot-
schaft auch so ankommt wie du es meinst? Oder riskierst du es missverstanden zu werden und
bleibst in der Sprache?)
Umfeld
Hauptfragen: Beeinflusst dein Umfeld deinen Umgang mit der Sprache bzw. mit dem CS?
Passt du dich an andere an bzw. färben sie auf dich ab? (Bsp.: Du unterhältst dich mit jeman-
dem der andauernd zwischen den Sprachen wechselt.)
Unterfragen / zusätzliche Fragen:
1. Wechselst du mit deinen Freunden, mit der Familie oder am Arbeitsplatz zwischen
den Sprachen oder versuchst du es zu vermeiden? Wenn ja, mit welchen der angeführ-
ten Gesprächspartner fühlst du dich am Wohlsten, wenn du zwischen den Sprachen
wechselst? Passt du dich an deine Gesprächspartner an? Wenn sie wechseln, wechselst
du dann auch bzw. wenn sie nicht wechseln, versuchst du es dann auch zu vermeiden?
(Wechselst du mit deinen Freunden, mit der Familie oder am Arbeitsplatz zwischen den Spra-
chen oder versuchst du es zu vermeiden? Mit wem fühlst du dich am wohlsten, wenn du
wechselst?)
2. Empfindest du das Wechseln zwischen den Sprachen in bestimmten Situationen als
unangebracht oder ist es für dich in jeder Situation in Ordnung zwischen den Sprachen
zu wechseln?
(Gibt es Situationen, in denen das Wechseln zwischen den Sprachen deiner Meinung nach
nicht in Ordnung ist? Beispiel: Zwei sprechen, zwei in der Gruppe können bspw. BKS, der
Dritte nicht. Die beiden wechseln kurz ins BKS und besprechen etwas. Wie findest du das?
Warst du vielleicht auch schon mal selbst die dritte Person?)
3. Welche Sprache wird bei euch zuhause gesprochen? Verlangen deine Eltern, dass eine
bestimmte Sprache zuhause gesprochen wird oder bestehen sie nicht darauf?
4. Wechseln deine Eltern zwischen zwei oder mehr Sprachen oder verwenden sie nur ei-
ne Sprache?

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5. Finden deine Eltern, dass das Wechseln zwischen den Sprachen sich negativ auf das
sprachliche Können auswirkt oder vertreten sie die Ansicht, dass das Kombinieren von
Sprachen förderlich ist? Wenn sie dem Sprachwechsel gegenüber negativ eingestellt
sind, ermahnen sie wenn zwischen den Sprachen gewechselt wird?
(Sind deine Eltern für oder gegen das Wechseln zwischen den Sprachen bzw. war das über-
haupt jemals ein Thema bei euch zuhause? Finden sie, dass es mehr Vorteile oder mehr Nach-
teile mit sich bringt? Wenn sie dagegen sind, ermahnen sie dann auch schon mal, wenn ge-
wechselt wird?)
Bildung
Hauptfragen: Verändert sich die Einstellung zum CS durch die Ausbildung? Verändert sich
die Einstellung bzw. Wahrnehmung im Laufe der Zeit? Beeinflusst das Praktizieren von CS
die Dolmetschkompetenz?
Unterfragen:
1. Hatte bzw. hat das Studium einen Einfluss darauf, wie du mit den Sprachen umgehst
bzw. ob du zwischen den Sprachen hin- und herwechselst oder spielte das Studium
dabei keine entscheidende Rolle?
(Hast du im Laufe des Studiums gemerkt, dass sich deine Einstellung zum Wechseln zwi-
schen den Sprachen verändert hat? In welche Richtung? Hast du durch das Studium noch öf-
ter zwischen den Sprachen gewechselt, ganz im Gegenteil komplett damit aufgehört oder ist
alles beim alten geblieben?)
2. Welchen Einfluss bzw. hatten deine Lehrpersonen überhaupt einen Einfluss auf dich?
Gab es jene, die sich explizit für oder gegen das Wechseln zwischen den Sprachen
ausgesprochen haben?
3. Würdest du rückblickend sagen, dass sich das Wechseln zwischen den Sprachen auf
irgendeine Art und Weise auf deine Dolmetschfähigkeit ausgewirkt hat oder glaubst
du, dass es da keinen Zusammenhang gibt?

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