Sie sind auf Seite 1von 22

DEUTSCHE LITERATUR IM BÜRGERLICHEN REALISMUS 1848-1898

FRITZ MARTINI

Deutsche Literatur
im bürgerlichen Realismus
1848-1898

Vierte, mit neuem Vorwort und erweitertem Nachwort

versehene Auflage

MCMLXXXI

J. B. METZLERSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG

STUTTGART
CIP-Kuntitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
MARTINI, FRITZ:
Deutsche Literatur im bürgerlichen Realismus
1848 -1898 / Fritz Martini. - 4., mit neuem
Vorw. u. erw. Nachw. vers. Aufl. - Stuttgart :
Metzler, 1981.
ISBN 978-3-476-00463-5

ISBN 978-3-476-00463-5
ISBN 978-3-476-03146-4 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-476-03146-4

© Springer·Verlag GmbH Deutschland 1981


Ursprünglich erschienen bei J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
und Carl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart 1962/1981
VORWORT

Dieses Buch erscheint im Rahmen der "Epochen der deutschen Literatur".


Damit ist seine sachliche und methodische Zielsetzung vorgegeben. Es stellt die
Geschichte der deutschen Literatur in einer ihrer Entwicklungsphasen dar, die
wir, die Problematik solcher verkürzenden und vereinfachenden Formeln nicht
verkennend, die Zeit des "bürgerlichen Realismus" nennen. Die Vieldeutigkeit
des kategorial und formalästhetisch eingesetzten Kollektivbegriffs "Realismus",
dessen Unklarheit schon immer als ein Mangel der dichtungstheoretischen und
dichtungs geschichtlichen Terminologie erkannt wurde, ist in den letzten Jahren
erneut einer kritischen Diskussion unterzogen worden. Sie sieht sich sowohl in der
Geschichte der Ästhetik und Literaturtheorie wie auch bis in die jüngste Gegen-
wart hinein einer Fülle von Problemen konfrontiert, die über Fragen der literari-
schen Methoden, der formalen und sprachlichen Strategien, der inhaltlich-thema-
tischen Bezüge, der Sinngebungen bzw. Sinn deutungen bis zu den differenzierten
Problemen der Erkenntnistheorie führen. Auf diese generelle Realismus-Diskus-
sion kann sich eine historische Darstellung nicht einlassen, die eine nur begrenzte
Phase der Literatursituation und Literaturvorgänge innerhalb eines national-
sprachlich eingeschränkten Feldes vorzustellen bestimmt ist. Realismus ist für sie
kein generelles, sondern zeitspezifisches Literaturphänomen und besagt nur, daß
ihm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus bewußtseins- und gesellschafts-
geschichtlichen Gründen im Konsensus der Geschmacksträger eine dominierende
und innovierende Ausdrucksfunktion zugeschrieben wurde.
Nicht minder vieldeutig erscheint der soziologische Begriff des "Bürgerlichen".
Er hat in den letzten Jahrzehnten eine inflationäre Verbreitung erfahren, die seine
Bedeutung und Anwendung ins fast schon Schlagwortartige, zur Markenparole
aufgeweicht hat. Bei Durchsicht dieses Buches anläßlich der 4. Auflage hat jedoch
der Verfasser sich vergeblich bemüht, ihn durch adäquate Alternativen zu ersetzen.
Er kann, als Kennwort für die Gesellschaft, deren Produkt die Literatur in diesen
Jahrzehnten ist, an deren Interessen sie sich wendet, in der sie ihre Adressaten hat
und von der sie rezipiert wird, von der also diese Literatur ausgeht und auf die sie
zugeht, nicht ausgetauscht werden. In den zurückliegenden Epochen zeichnet sich
noch eine Mehrzahl von Gesellschaftsschichtungen ab, die sich in Produktion und
Rezeption der Literatur analysieren lassen; in der Zeit nach 1848, mit der dies

V
Buch einsetzen muß, hat sich diese Mehrzahl vereinheitlicht, sie hat sich zur
Klasse formiert, die sich von einer Gegenklasse, dem sog. ,vierten Stand' oder
,Proletariat' absetzt, das nur langsam erste Ansätze zeigt, sich von der dominieren-
den bürgerlichen Ästhetik zu entfernen.
Wenn wir den zunächst umstrittenen, jetzt allgemein anerkannten Begriff des
bürgerlichen Realismus beibehalten, geschieht dies einmal, weil Literaturtheorie
und Literaturkritik dieser Zeit selbst diesen Begriff einer realistischen Kunst und
Literatur als Bestimmung und Maßstab ihrer Bestrebungen und Wertungen wenn
auch nicht geprägt, so doch benutzt und in vielen Überlegungen dargelegt haben;
weil zugleich die anspruchsvollen Autoren, nicht nur die Theoretiker und Kritiker,
ihn als Bezeichnung ihrer Absichten und Leistungen anerkannten, so vielschich-
tig auch war, was sie im Genauen und Einzelnen darunter verstanden und welche
Spannungsweite sie ihm einlegten. Zwar wurde neuerdings die Formel eines "bür-
gerlichen Realismus" durch \Viederaufnahme der von O.Ludwig verbreiteten,
lange gängigen Formel eines "poetischen Realismus" kritisch in Frage gestellt.
Dies erscheint berechtigt, soweit man ihn ausschließlich poetologisch auf die
Struktur der dichterischen Gestaltungsformen bezieht, die sich durch die Span-
nung zwischen dem Subjektiven und dem Objektiven, zwischen poetischer Re-
flexion und abständiger Wirklichkeit ergibt und im Humor als "angewandter
Phantasie" Ausdruck findet. So wesentlich, neben anderen programmatischen
Postulaten (,Objektivität', ,Läuterung' bzw. ,Versöhnung', ,Wahrheit' im ,Wirk-
lichen', Erfahrungsnähe zum Leser u. a.), dieses Verständnis des Humors als wech-
selseitige Spiegelung und Mischung von äußerer und innerer 'Wirklichkeit, als
gegenseitige Durchdringung von Poetischem und Wirklichem ist, wenn man nach
der spezifischen Gestaltungsweise des deutschen realistischen Erzählens fragt - die
Geschichte dieser Gestaltungsweise führt in ihrer theoretischen Begründung wie
in ihrer praktischen Handhabung weit hinter den von uns behandelten Zeitab-
schnitt zurück: zu Jean Paul, zu Friedrich Schlegel, zur Romantik und in den Vor-
märz hinein. Wo hingegen, wie in dieser Darstellung, die geschichtliche Perspek-
tive, begrenzt auf den Ablauf zwischen 1848 und dem Jahrhundertende, vorwaltet
und die Fixierung lediglich auf das Formproblem des spezifisch humoristischen
Erzählrealismus nicht statthaft sein kann, wenn eine mögliche Vielheit der Per-
spektiven, also auch zu den weltanschaulichen, historisch-gesellschaftlichen, poli-
tischen Voraussetzungen der Literatur in dieser Zeit erreicht werden soll und es in
ihnen um ihr gesamtes Bedingungsgefüge geht, dort erscheint der Begriff des
"bürgerlichen Realismus" notwendig. Er ist am meisten geeignet, eine geschicht-
lich-gesellschaftliche Gemeinsamkeit in diesen Jahrzehnten zu kennzeichnen,
während "poetischer Realismus" im eben bezeichneten Sinne sich bereits mit einer
Auswahl, nämlich der Erzähler in den Formen des dichterischen Humors begnü-
gen muß. Das bürgerliche Bewußtsein bildet die Vorstruktur, innerhalb derer sich
diese Zeit als eine Gemeinsamkeit verstand.

VI
Neben die geschichtliche Legitimation des Begriffs "Realismus" aus dem
Selbstverständnis der behandelten Zeit tritt zweitens, daß er im vorliegenden Buch
ausschließlich historisch verstanden wird: als zusammenfassende Bezeichnung für
die Darstellungsinhalte und -formen der Literatur in einigen geschichtlich be-
grenzten Jahrzehnten. Nicht von einem kategorialen Begriff her wird diese Lite-
ratur ausgewählt, er meint keine generalisierende Systematisierung, der sich die
Vielheit der einzelnen Erscheinungen unterwerfen soll. Er erhält seinen Inhalt
erst aus einer möglichst sachnahen, aus solcher Vielheit sich entwickelnden Dar-
stellung der Literatur in dieser Zeit. Er darf sich nicht über die Mannigfaltigkeit
der einzelnen Erscheinungen decken; er bekommt vielmehr seinen Aussagesinn
erst aus der Beobachtung dieser Mannigfaltigkeit. Es ist ein Problem jeder litera-
turgeschichtlichen Darstellung: wie sich die Pluralität der einzelnen Erscheinun-
gen als eine geschichtliche Einheit verstehen und das individuelle literarische Werk
mit den Voraussetzungen und Bedingungen verbinden läßt, die in der Geschicht-
lichkeit der Zeitbewegungen angelegt sind. Das individuelle Werk ist nicht ledig-
lich das Produkt der allgemeinen Bedingungen der Geschichte; es antwortet zu-
gleich auf je individuelle Weise auf sie, es bezieht Positionen ihnen gegenüber und
wird so zu einem seinerseits geschichtlich wirkenden Faktor. Die Darstellung der
politischen, sozialen, ökonomischen, bewußtseinsgeschichtlichen Bedingungen der
literarischen Produktion darf nicht die Aufmerksamkeit auf das Einzelwerk und
seine ihm eigene Strukturierung aufzehren - ebensowenig darf es gleichsam in die
Gattungsgeschichte hinein verschwinden. Man verfehlt den Zugang zu seiner
Eigenart, wenn man es nur als eine Illustration und Dokumentation von Prozessen
auffaßt, die sich im außerliterarischen Leben vollziehen. Jedoch läßt sich nicht die
Geschichte einer Literatur aus dem Gesamtprozeß der Zeitbewegungen heraus-
lösen; sie bilden ihren Lebensgrund, sie haben an der Entwicklung ihrer Themen
und Formen, von deren Spannweite und Grenzen teil. Der Blick auf das Ganze
einer Epoche darf nicht von ihrer Vielheit ablenken, in der es sich von Phase zu
Phase, von Autor zu Autor, von Werk zu vVerk bricht. Aber die Vielheit wird zum
bruchstückhaft ungeordneten Nebeneinander, wenn man sie nicht in Gewicht
oder l!ngewicht auf einen spezifischen Zusammenhang des geschichtlichen Le-
bens, auf eine gestufte und geschichtete Einheit in der Zeit bezieht. Der Satz
Leopold von Rankes, das Einzelne werde niemals in seinem vollen Licht erschei-
nen, wenn es nicht in seinem allgemeinen Verhältnis aufgefaßt wird, muß dahin
ergänzt werden, daß dies allgemeine Verhältnis erst seine konkrete Fülle erhält,
wenn es mit allen von ihm ausgelösten Gegenströmungen und Widersprüchen
vom Einzelnen her aufgebaut wird.
Die Zusammensicht, auf die jede literaturgeschichtliche Darstellung angelegt
sein muß, sollte das Typische im Individuellen erkennen lassen und am Typischen
das Individuelle sichtbar machen. So wenig einerseits die Literatur aus einem
Kausalitätsverhältnis zu dem allgemeinen geschichtlichen Lebensprozeß verstan-

VII
den werden kann, so wenig darf sie andererseits als unabhängig gegenüber diesem
Prozeß aufgefaßt werden.
Die Einordnung des vorliegenden Buches in eine umfassendere Abfolge von
Darstellungen bestimmte seine zeitlichen Abgrenzungen und die Auswahl des in
ihm behandelten Stoffes. Chronologische Gliederungen sind Notbehelfe, feste
Daten bedeuten nicht mehr als Orientierungsstützen. Sie widersprechen dem
stets im Fluß und Übergang befindlichen, sich aus simultanen Schichtungen zu-
sammensetzenden geschichtlichen Leben. Geschichtliches Dasein heißt ein Dasein
in der beständigen, voraus- und zurückweisenden, Gegensätze aufspaltenden und
wiederum unter ihnen vermittelnden Bewegung. Die Geschichte der Literatur
schließt in jedem Augenblick Vergangenes ein und bereitet im Zusammenspiel
und Wechselspiel von Älterem und Gegenwärtigem Zukünftiges vor. Jede Zeit ist
eine ,Übergangszeit'; unterschiedlich ist nur, wie sich - was in den hier behandel-
ten Jahrzehnten deutlich hervortritt - das Bewußtsein dieser Bewegung zwischen
dem Alten und Neuen, dem Überkommenen und Werdenden akzentuiert und wie
sie gewertet wird. Die Literatur des bürgerlichen Realismus ist der ihr eingeleg-
ten Geschichtlichkeit sehr bewußt. Die Erfahrung der Zeitlichkeit aller Lebens-
erscheinungen zwischen Abbrüchen und Anfängen, zwischen 'Vertverlusten,
Wertrelativierungen und Wertentwürfen ist in dieser Zeit und ihren Zeugnissen
durchgängig gegenwärtig. Zum Kennzeichen ihrer Literatur gehört das 'Yissen
um die dichte Beziehung zwischen Kunst und Geschichte, Kunst und sich ver-
änderndem Leben. Das äußert sich nicht nur darin, wie versucht wird, eine
Distanz zwischen beiden zu verringern, eine ästhetische, moralische und soziale
Funktion innerhalb der Gesellschaft zu behaupten, sondern auch darin, diese
Distanz im Bewußtsein zu halten, um eine Überlegenheit der Kunst gegenüber
dem nur Stofflichen, Zufälligen und Disharmonischen zu bewahren und sie nicht
nur in einer ästhetischen, moralischen oder sozialen Rolle aufgehen zu lassen. Es
äußert sich weiterhin darin, daß sich der Künstler enger in den sozialen, d. h.
bürgerlichen Verband eingegliedert erfährt, zugleich aber sich genötigt fühlt, seine
Unabhängigkeit in der Wahl kritischer Positionen gegenüber der Gesellschaft zu
behaupten. Die enge Verbundenheit von Kunst und Leben führt dazu, daß die
Literatur sich zunehmend aufgefordert sieht, die Vielfalt der geschichtlichen Ge-
samtbewegung mit ihren einzelnen Erscheinungen und Problemen in sich auf-
zunehmen, zugleich sich aber darauf richtet, in ihren Darstellungsarten und -for-
men der Verhaftung im nur Zeitbedingten zu entgehen. Denn die Literatur läßt
sich nicht nur zeitgeschichtlich herleiten und nicht nur sozialgeschichtlich zurück-
binden.
Die Aufteilung der Behandlung der deutschen Literaturgeschichte im Verlauf
des 19. Jahrhunderts unter mehrere Bearbeiter machte es nötig, ein bestimmtes
Einsatzdatum für dies Buch festzulegen; sie hat zugleich zu einer Aufteilung des
Stoffes und der Autoren geführt, die eine gewisse Auswahlfreiheit einschließen

VIII
konnte. Der Einsatz wurde dadurch bestimmt, daß mit der Wende von 1848/49,
die nicht nur ein einschneidendes politisches Ereignis war, auch etwas wie eine
neue Generationsgruppe mit anderen Zukunftsvorstellungen ihr Werk beginnen
läßt, die relativ in sich einheitlich, ihren historischen Lebensgrund in der zu vol-
lem Selbstbewußtsein gelangten, jedoch von inneren Krisen und Bedrohungen
beunruhigten bürgerlichen Gesellschaft besitzt. Literarische Produktionen, die
noch nach 1848 publiziert wurden, sind ausgelassen oder nur am Rande beachtet
worden, wenn ihre Autoren ihre Entwicklungs- und Reifezeit bereits in den vor-
ausgehenden Jahrzehnten fanden und ihre Themen- und Formengestaltungen
nicht unabhängig von deren historischen Zusammenhängen faßbar sind. Es mußte
vermieden werden, ein Literaturwerk, nur weil es nach 1848 herauskam, isoliert,
ohne die es bewirkenden sozialgeschichtlichen und ästhetischen Bedingungen und
ohne die Entwicklungsgeschichte des Autors zu analysieren; auch dann, wenn es
in Sujet und Stil den Tendenzen des hier behandelten Zeitraums nahe war oder
sie vorausnahm. Dies gilt z.B. für F.Grillparzer, E.Mörike, A. von Droste-Hüls-
hoff, H. Heine, J. Gotthelf, J. Nestroy. Sie lassen sich nicht von der Zeit des "Bie-
dermeier" oder "Vormärz" trennen. Wir heben solche unvermeidbare Aufteilung
hier ausdrücklich hervor. Denn sie wurde mißverstanden und veranlaßte dazu,
eine willkürliche Vernachlässigung dieses oder jenes Autors zu vermuten. Dies
wird schon dadurch widerlegt, daß die Wirkungsgeschichte solcher Autoren in
unserer Darstellung den angemessenen Raum findet.
Wenn eine literarische \Verkproduktion erst nach 1848 zur vollen Reife und
Breite ihrer künstlerischen Möglichkeiten gelangt, wie im Falle von F. Hebbel -
trotz seiner Beziehungen zur Spätromantik, zum Junghegelianismus und trotz der
Verbindungslinien, die seine frühen Dramen in eine Art Zeitgenossenschaft mit
Büchner und Grabbe bringen - oder im Falle von A.Stifter, wurde sie in diese
Darstellung einbezogen. Allerdings entschlossen Friedrich Sengle und der Verfasser
sich dabei, der unvermeidlichen Schwächen eines Kompromisses bewußt, zu einer
relativen Bewegungsfreiheit. Hebbel wird hier ganz behandelt, weil in seinem
Gesamtwerk die thematischen und formalen Elemente überwiegen, die zeitlich
vorausblicken lassen und in die zweite Jahrhunderthälfte, sogar noch über sie
hinausweisen. Der Erzähler und der Dramatiker Hebbel lassen sich nicht in die
Grenzen des bürgerlichen Realismus einfangen; er hat sich ihnen zugleich re-
gressiv und progressiv zu entziehen versucht. Grillparzers Spätwerk wird hin-
gegen ausgelassen, weil es seine Fundamente in der Restaurationszeit erhielt und
auf sie wesentlich zurückbezogen bleibt. Bei Adalbert Stifter wagte der Verfasser
das Experiment eines zeitlichen Schnitts durch das Erzählwerk hindurch, den die
Wendung legitimieren kann, die die Erfahrung der Revolution von 1848/49 be-
deutete. Der Erzähler der "Studien" gehört, um den von F. Sengle bevorzugten
Begriff zu zitieren, in die von ihm ausführlich behandelte "Biedermeierzeit" hin-
ein, der Erzähler der "Bunten Steine", der beiden großen Romane und der späten

IX
Erzählungen ist ohne die geschichtlichen Voraussetzungen der Revolution nicht
zu erfassen.
Dies mag zur ersten Begründung der Anlage des vorliegenden Buches genü-
gen. Sie will nicht verhehlen, daß die Konzeption von den Autoren ausging, noch
dazu von jenen, die einen ,Höhenkamm' bedeuten. Die Methoden- und Perspek-
tivenentwicklung hat inzwischen die Akzente anders gesetzt. Sie hat in den Vorder-
grund des Interesses eine sozialgeschichtliche Literaturgeschichtsschreibung ge-
stellt, der es um die Herleitung literarischer Prozesse aus der Breite historischer
Fakten bzw. Strukturen geht. Dies muß das Augenmerk auf die einzelnen indivi-
duellen Autoren zurückdrängen, da an ihnen eine Herleitung aus der Sozial-
geschichte, so differenziert sie auch verfahren mag, eine Grenze findet. Denn so
bestimmend die historischen Faktoren und Strukturen erscheinen mögen, sie sind
in ihrer Vollständigkeit und in ihrem Zusammenspiel schwerlich zugänglich und
sie erfahren Brechungen durch eine Auswahl, die bewußt oder unbewußt der
individuelle Literaturproduzent in seine spezifische Antwort auf sie einschließt;
um so mehr, je kreativer und kritischer er auf sie reagiert. Der Autor gestaltet
innerhalb der allgemeinen zeit- und gesellschaftsgeschichtlichen Erfahrung seiner
Epoche seine spezifischen Erfahrungen, die seinem Werk das singuläre Gepräge
geben, ihm die Zeichen des Unverwechselbaren einprägen. Es gibt innerhalb der
gemeinsamen epochalen Geschichtserfahrungen jeweils die sie verarbeitende pro-
duktive Autor-Einheit, zumal in dieser Zeit, in der angesichts einer massenhaften,
in Konsensus und Konformität sich bewegenden Literaturproduktion die an-
spruchsvolleren Autoren darauf angewiesen sind, die Qualität ihres Eigenanspruchs
thematisch und formal entgegenzustellen und sich als Individuen zu behaupten,
die letztlich, als je spezifische Individuationen nicht herleitbar oder ableitbar sind.
Ähnliches gilt für den gegenwärtig in den Vordergrund gerückten gattungs-
geschichtlichen Aspekt. Jedes literarische Produkt, von der Tragödie über die
Novelle oder Ballade bis zum Feuilleton, fügt sich in einen gattungsgeschicht-
lichen Zusammenhang ein und empfängt aus ihm heraus vielfältige Konditionen
- unter Aspekten des Ästhetischen, der inhaltlichen oder formalen Auswahl, der
kommunikativen Verständigung mit dem Leser oder dessen Interessensteuerung.
Die Gattungswahl entspricht den epochalen Voraussetzungen und -erwartungen
und wird derart selbst zu einem Epochenzeichen. Es wird davon gesprochen wer-
den, welche Gattungen in der Zeit des bürgerlichen Realismus bevorzugt, wel-
che als historische Relikte und mit den Zeichen des Absterbens noch kontinuiert,
geradezu erzwungen wurden und welche sozialgeschichtlichen Faktoren sich dabei
auswirkten. Doch wird ebensowenig ausgelassen, daß Gattungsveränderungen oder
-innovationen immer auf den einzelnen Autor angewiesen sind, der fähig ist, der
von ihm gewählten Gattungsform neue Ausdrucksmöglichkeiten abzugewinnen
und sie zu seinem individuellen Produktionselement umzuprägen. So wie in der
Sozialgeschichte der einzelne Autor selbst zu einem historischen Faktor wird und

x
auf sie zurückzuwirken versucht, wird in der Gattungsgeschichte der Autor zu
einem auf ihre Entwicklungen zurückwirkenden literarisch-kreativen Faktor, den
herauszunehmen bedeutet, literarische Prozesse nur begrenzt verständlich zu
machen. Es ist eine falsche Alternative, dem Entweder von Herleitbarkeit aus
Sozialgeschichte und Gattungsgeschichte das Oder einer isolierten Autonomie des
schöpferischen Subjekts entgegenzuhalten. Die schöpferische Subjektivität ist im-
mer eine Antwort auf die Gegebenheiten der geschichtlichen Bedingungen, ob es
sich in ihnen nun um Bewußtseins- und Gesellschaftsgeschichte, um Sozial- oder
Gattungsgeschichte handle, was alles nicht von einander zu trennen ist - aber sie
gibt diese Antwort, wenn sie sich diesen Bedingungen nicht lediglich unterwerfen
will, aus der ihr eingelegten kreativen Subjektivität heraus. Eine Literatur-
geschichte ist ohne den Blick zur Sozial- und Gattungsgeschichte so fragwürdig
wie eine Literaturgeschichte, die die Autoren au~ sich verdrängt. Wie im Detail
bei diesem Zusammenspiel die Akzente gelagert werden, ist eine gewiß immer
umstreitbare und selbst in der geschichtlichen Bewegung befindliche Interessen-
und Methodenfrage.
Der größere geschichtliche Zusammenhang, der durch die Revolution von
1848/49 gegliedert, jedoch nicht abgebrochen wird, kann erst jetzt erkennbar wer-
den, da gleichzeitig mit dieser vierten Auflage die Analyse der "Biedermeierzeit"
von F. Sengle abgeschlossen vorliegt. Der Einsatzpunkt 1848/49 wird durch ein
realgeschichtliches Ereignis markiert; er wird literaturgeschichtlich durch den
Beginn einer neuen Phase im politischen, sozialen wie literarischen Leben be-
gründet. Es liegt nahe, in der Reichsgründung einen analogen Einschnitt anzu-
setzen, zugleich damit eine neue Phase der literarischen Situation. Der Verfasser
bezweifelt nach wie vor, ob letzteres gerechtfertigt ist. Dies wurde schon im Nach-
wort der 3. Auflage erörtert und wird in der vorliegenden ergänzt werden. Wenn
hier als Endpunkt der Darstellung das Jahr 1898 gewählt wurde, ergab sich dies
nicht aus der runden Symmetrie eines Verlaufs von fünfzig Jahren, sondern aus
dem inneren Prozeß des literarischen Lebens: mit dem Auslaufen jener Genera-
tionsgruppe von Autoren, die in der zweiten Jahrhunderthälfte die künstlerisch
führende Bedeutung erarbeitet hatten und durchweg zu einem hohen Alter und
zu einem Spätwerk gelangten, das, geschichtlich gesehen, eine Gipfelung und
Endphase des Stils des "bürgerlichen Realismus" bedeutet, und, wie die Vielzahl
der jährlich erscheinenden Einzelstudien anzeigt' bis heute an diese Epoche und
diesen Stil fesselt. Es sind nicht zuletzt diese Spätwerke, von denen aus man die
Probleme des bürgerlichen Realismus angeht. Denn in ihnen vollzieht sich ein
Abschied von der Weltanschauung und der Kultur wie der Gesellschaft und der
Formensprache des bürgerlichen Zeitalters. Allerdings läßt er sich nicht durch ein
auffälliges politisches Datum, wie es die bürgerliche Revolution von 1848/49 dar-
stellt, bezeichnen. Gewiß war die Reichsgründung ein außen- und innenpolitisch,
ökonomisch und sozialgeschichtlich einschneidendes Ereignis; ihre literarischen

XI
Anstöße, wenn man sie in Richtung auf eine neue Programmsetzung und neue
literarische Qualitäten annimmt, waren minimal. Zwar änderten sich die Menta-
lität des öffentlich-nationalen und kulturellen Selbstbewußtseins, die Formen der
öffentlichen Selbstdarstellung, ebenso die Präferenzen von Lesermassen, die ihr
nationales Hochgefühl in der Literatur suchten, sein Pathos, seine Monumentalität.
Produktive literarische Anstöße gingen von ihr nicht aus. Sie war vielmehr eine
Provokation für die Generation des bürgerlichen Realismus, ihr ihren thema-
tischen und stilistischen Widerstand entgegenzusetzen und sich darin zur vollen
Wirkung zu entfalten. Das Ende der Generationsgruppe des bürgerlichen Realis-
mus, von der - im Gegensatz zu dem national-kaiserlichen Epigonenturn der sog.
,Gründerzeit' und zu dem nachlebend stagnierenden bürgerlichen Epigonenturn,
das noch bis ins 20. Jahrhundert hineindauerte - produktive und unwiederholbare
Leistungen ausgingen hat sich langsam, in Übergängen, vollzogen. Es zeichnet
sich bei den in diesem Buch vorgestellten bedeutenden Erzählern auf je andere
Weise ab: in Kellers "Martin Salander" anders als in Fontanes "Stechlin", in
Storms "Schimmelreiter" anders als in Raabes "Altershausen" oder C.F.Meyers
"Angela Borgia". In allen diesen Werken wird ein Abschied präsent, ein Aus-
laufen des ,Realismus' zu anderen Möglichkeiten, ein spezifischer ,Altersstil'. Ein
Anlaß zur kritischen Diskussion, bei welchem Autor und bei welchem Werk besser
der Endpunkt dieser Darstellung zu setzen ist, soll nicht bestritten werden. Wenn
wir sie hier bei C. F.Meyer auslaufen lassen, so nötigen dazu Gründe, die aus der
Geschichte seiner Lyrik wie seiner Novellenkunst hervorgehen. Bei C.F.Meyer
verdeutlicht sich eine eigentümliche Ambivalenz, denn die langsame Entwicklung
seiner Lyrik weist einerseits bis in die Jahre vor dem Einsatz des bürgerlichen
Realismus zurück, sie enthält andererseits Elemente, die ihr den Charakter einer
vorwärtsweisenden ,Modernität' verleihen. Sein 'Verk wie das Romanwerk von
Th. Fontane zeigen, wie intensiv die ältere Generation der folgenden Generation
vorgearbeitet hat. Der Naturalismus, Symbolismus und Impressionismus, um uns
auch hier um der Verständlichkeit willen der gängigen, wenn auch erheblich ver-
einfachenden Formeln zu bedienen, haben geistes- wie dichtungs geschichtliche
Strömungen und Formtendenzen dieser Jahrzehnte weitergeführt und ihre sozial-
wie bewußtseinsgeschichtlichen Voraussetzungen sind bereits in ihnen angelegt.
Nur erfuhren sie jetzt eine Radikalisierung, die der Literatur in ihrer Thematik
und Formensprache eine Wendung mitteilte, die vom bürgerlichen Realismus
sie abhebt. Zusammengehörigkeit und Neueinsatz in ihrem übergänglichen Gegen-
spiel sollte jener Band darstellen, der in der Reihe der "Epochen der deutschen
Literatur" diesem Buch chronologisch zu folgen bestimmt war und bedauerlicher-
weise bis jetzt ausgeblieben ist. Er hätte auch darzustellen gehabt, wie die deutsche
Literatur jetzt verspätet einen Kontakt mit der europäischen Entwicklung auf-
nahm, der in der Zeit des bürgerlichen Realismus einschrumpfte und so zu
ihrer vieldiskutierten ,Rückständigkeit' führte.

XII
Der Aufbau der vorliegenden Darstellung wurde von der Absicht bestimmt,
Literaturgeschichte im eigenen Sinn als Geschichte der Literatur zu schreiben.
Damit war abgesteckt, was als sozial geschichtliche Faktizität, an politischer Ge-
schichte oder Ideologie und was außerhalb der fiktionalen Texte in sie einbezogen
werden sollte. Allerdings drängt sich hier vor allem die Problematik der Reich-
weite dessen auf, was unter dem generellen Begriff Literatur zu verstehen ist.
Man kann einwenden, daß z. B. zu ihr auch die bedeutende wissenschaftliche Prosa,
wie etwa die Geschichtsschreibung, die sozialpolitischen Schriften, die naturwissen-
schaftlichen Darstellungen u. a. m. gehören. Doch ist es schwierig, auf dem Gebiet
der Sach- oder Gebrauchsprosa sichere Grenzen zu ziehen, kann sie doch nicht
lediglich unter schriftstellerischem Aspekt analysiert und verstanden werden. Wir
mußten uns darauf beschränken, einzubeziehen, was auf die fiktionale Literatur
bewußtseins bildend eingewirkt hat und sie derart in den Tendenzen ihrer Welt-
ansicht nachweislich beeinflußte; sei es aus der Theologie und Philosophie (z. B.
D. Fr. Strauß, L.Feuerbach, A.Schopenhauer), sei es aus der Geschichtsschreibung
(z. B. J. Burckhardt) oder der Naturwissenschaft (z. B. Ch. Darwin). Damit ist be-
gründet, warum nicht Karl Marx, Friedrich Engels oder Friedrich Nietzsehe eine
einläßliche Darstellung erfahren haben, obwohl ihnen eine internationale Wir-
kung und sozialpolitische, bzw. bewußtseinsgeschichtliche Sprengkraft eigen war,
hinter der die hier behandelten Schriftsteller weit zurückblieben. Sie müßten den
überragenden Platz beanspruchen, wenn es hier darum ginge, eine allgemeine
Sozial- und Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts unter europäischen Aspekten
zu schreiben. In die deutsche Literaturgeschichte sind Marx, Engels und Nietzsehe
jedoch bewußtseinsprägend erst nach dem Ablauf der Generation des bürger-
lichen Realismus eingetreten; erst mit den neuen Gruppierungen gegen das
Jahrhundertende, von denen sie als Impulse einer veränderten Welt- und Gesell-
schaftssicht aufgenommen wurden, die die Sozialdominanz und damit auch die
literarische Dominanz der bürgerlichen Gesellschaft gründlich problematisierte.
Spuren einer Auswirkung der sozialistischen Gesellschaftsauffassung bei Fontane,
der Moralkritik Nietzsches bei C. F.Meyer wurden selbstverständlich vermerkt.
Aber die eingreifenden Wirkungen aktivierten sich erst in der folgenden literari-
schen Epoche. Gerade der Umstand, daß von einem Kritiker dieses Buches ihre
Behandlung vermißt wurde, veranlaßt dazu, zu unterstreichen, daß es sich hier
um eine Geschichte der Literatur handeln soll. Sie stellt sich dar als eine Ge-
schichte der Werke.
Diese Intention bestimmt die methodischen Prinzipien. Auf das Verständnis
der einzelnen Werke, je aus ihrem eigenen künstlerischen Anspruch heraus, zu-
gleich je aus ihrem geschichtlichen Ort im Schaffen des Autors, in der literarischen
Gattungsgeschichte und in der Gesellschaftsgeschichte, wurde der Akzent der Dar-
stellung gesetzt. Es sollte weder eine Sozialgeschichte noch eine Gattungsgeschichte
ohne die Produktionsresultate der einzelnen individuellen Autoren vorgelegt wer-

XIII
den. Es ging nicht primär um die Theoriebildungen des literarischen Realismus in
diesen Jahrzehnten und ihre Ideologiekritik, sondern um das, was als literarische
Leistung hervorgebracht wurde. Vielleicht ist geglückt, daß die Interpretation
von Werk und Autor jeweils mit der Bestimmung ihres geschichtlichen Ortes zu-
sammengefaßt und einleuchtend gemacht wurde; daß die Selbständigkeit des
Werkes als intendiertes Kunstwerk, als eine in sich freie, ,spontane', ihren imma-
nenten Gesetzlichkeiten folgende Schöpfung und seine Zugehörigkeit zu einem
begründenden und verbindenden Zusammenhang nicht zueinander in einen
Widerspruch treten. Hier lagen die größten Schwierigkeiten der Darstellung: das
Einzelne, das sich nicht im Detail verlieren durfte, dem eine epochale Aussage-
kraft nicht zugehört, und das Gemeinsame, das individuelle Werk und die ge-
schichtliche Verknüpfung mußten zueinander durchsichtig werden. Um eine über-
mäßige Ausdehnung des Buchumfangs zu vermeiden, sollte die Interpretation
konzentriert werden, zugleich jedoch die geschichtliche Werkbestimmung ent-
halten, die nicht über sie gelegt und nicht außerhalb von ihr aufgefunden werden
durfte. Die geschichtliche Einsicht mußte aus der Interpretation hervorgehen und
ihr als Perspektive eingebettet werden. Im gestalteten "\Verk mußte, soweit dies
auf knappem Raum möglich war, sowohl die gestaltende Autor-Subjektivität wie
die Einwirkung der Geschichtszeit erkennbar werden. Nur so war zu erreichen,
daß Autor und Werk nicht im Geschichtslosen schweben und nicht die Geschichts-
darstellung ihre individuelle Eigenwirklichkeit verdrängt. Den zentralen Gesichts-
punkt bestimmte die literarische Produktion - im Verhältnis zu ihren historischen
Bedingungen wie darin, wie sie über das nur Geschichtliche hinauszuweisen an-
gelegt ist. Vor allem wurde eine Beschränkung auf die Darstellungsinhalte und die
in ihnen enthaltenen allgemeinen gesellschaftlichen oder weltanschaulichen ,Aus-
sagen' vermieden. Denn literarische Produktionen können nicht lediglich als
historische Dokumente gelesen werden: nicht für Biographie und Psychologie der
Autoren, nicht für historisch-pragmatische Fakten. Literaturgeschichte als Ge-
schichte der literarischen Produktion ist vielmehr im ausgezeichneten Sinne eine
Geschichte der Formen. In ihnen stellt sich eine immanente Geschichte der Lite-
ratur dar, die sich nicht nur in den Gattungen oder Textsorten erschöpft. Unsere
Darstellung hat sich bemüht, die geschichtliche Qualität der Formen und die ge-
schichtliche Gesetzlichkeit ihrer Veränderungen verständlich zu machen, die nicht
aber nur historisch-kausal verstanden werden darf, sondern dem einzelnen Autor
den Raum seiner Formentscheidungen - im Gelingen, Mißglücken oder Versagen
- offen läßt. Nicht von einer ästhetischen Systematik oder Wertlehre aus konnten
diese Formen begriffen werden; die produktiven Autoren des bürgerlichen Rea-
lismus banden sich nicht an eine generelle Kunsttheorie. Was sie schrieben, ergab
sich aus ihren Bezügen zu der vorgegebenen historischen Wirklichkeit, aus ihren
Selektionen aus ihr, aus den Sinn zusammenhängen , in die sie sie einstimmend
oder widersprechend einrückten. Sie sind nicht an den Graden ihres Realismus zu

XIV
messen, sondern daran, welche Sinnstrukturen sie in der von ihnen erfahrenen
und dargestellten Welt entdeckten oder ihr konfrontierten.
'Wertungen, unvermeidlich schon in der Gliederung und Auswahl des Stoffes
enthalten, mußten stets innerhalb dieser geschichtlichen Perspektive bleiben. Es
ist unbestreitbar, daß die Zeitgenossen die Akzente in Distribution und Rezeption
erheblich anders setzten, die Auswahl der für sie dominierenden Autoren anders
bestimmten, ihr Wertkanon sich anders ausnahm als heute. Doch ist dies kein Ein-
wand gegen in diesem ,Heute' vollzogene Wertbestimmungen oder Kanonbildun-
gen, wenn nur sie sich an den geschichtlichen Möglichkeiten und Grenzen der
Zeit orientieren. Man kann Ideologiekritik treiben, nicht aber Geschichte schrei-
ben, wenn man diese Orientierung vernachlässigt oder ablehnt. Die Geschichts-
darstellung verlangt eine Auswahl nach den produktiven und innovativen Kräften,
nach jenen, die im Rückblick als die geschichtlich dominierenden Autoren und
'Werke erscheinen. Daß auch Kanonbildungen sich im ständigen historischen
vVandlungsprozeß befinden, versteht sich von selbst.
Bestimmend wurde für das vorliegende Darstellungsverfahren die Verlage-
rung vom Beschreiben des Gedankengehalts, sei er mehr zeittypischer oder mehr
individueller Art, zum Beschreiben der Formerscheinungen und Formproblenw.
Es sollte deutlich werden, wie die Darbietungsstrukturen ebenso im geschicht-
lichen Charakter der Zeit und ihrer Bewegungen wie im jeweiligen individuellen
künstlerischen Bedürfnis und Vermögen des einzelnen Autors, der eine Freiheit
der Auswahl innerhalb der geschichtlichen Bindungen hat, begründet ist. Es
wurde davon ausgegangen, daß mehr in der Geschichte der künstlerischen Formen
als im vVechsel der Darstellungsinhalte sich die Welt- und Selbsterfahrung der
Autoren in ihrer Geschichtszeit manifestiert. Deshalb wurde die Darstellung der
allgemeinen geschichtlichen Grundlagen, also das Geschichtspanorama der Zeit,
soweit es bis in die Sprachgeschichte und in die Arten der literarischen Publika-
tionen hinein das literarische Leben beeinflußte, in dem ersten Kapitel abgeson-
dert; es bildet die Einleitung in die Gesamtsituation, an der jeder einzelne Autor
als Zeitgenosse in individueller Weise teilhat. Die Darstellung der biographischen
Fakten wurde möglichst eingeschränkt und nur dort einverflochten, wo sie zum
Verständnis des Werkes unentbehrlich zu sein schienen oder zeittypische Züge an-
nahmen, die auf eine historische Gemeinsamkeit der Lebensabläufe verweisen.
Eine Literaturgeschichte erfüllt ihre Aufgabe nicht, wenn sie nur eine chronolo-
gisch geordnete Folge von Schriftstellerporträts und ihrer Werkreihe in Gruppie-
rungen zusammen ge faßt mitteilt, die ihre Bestimmungsgründe außerhalb des
Literarischen finden: etwa im Stofflichen, Stammestümlichen, Landschaftlichen,
Gesellschaftlichen oder in überspitzten und verengten Phasenabläufen. Sie erfüllt
ebensowenig ihre Aufgabe, wenn sie nur als chronologische Folge der ästhetischen
Analysen und Wertungen einzelner Werke aufgebaut wird. Eine Literaturge-
schichte, der es um das geschichtliche Verständnis eines literarischen Zeitraums,

XV
um die Geschichte des Lebens der Literatur geht, darf sich nicht auf die künstleri-
schen Gipfelungen begrenzen; sie muß das in sich aufnehmen, was literarisch
charakteristisch und typenbildend war und etwas über das Kunstverständnis und
den Kunstgeschmack des zeitgenössischen Publikums aussagt. Die Grenze der Aus-
wahl wurde dort gezogen, wo es sich in den breiten literarischen Niederungen der
Gebrauchs- und Unterhaltungsliteratur nur um die Wiederholung typisierter
Werkformen handelt. Die Analyse eines einzelnen Textes kann dabei historisch-
kommunikativ aufschlußreich sein, ein Sich-Einlassen auf das literarische Massen-
angebot in den unterschiedlichen Gattungs- bzw. Spezies formen würde nur zu
Rekapitulierungen und in ihnen zur Monotonie führen. In diesen Fällen genügt
die Kennzeichnung durch wenige repräsentative Erscheinungen.
Die Zielsetzung des Buches hat seine Gliederung bestimmt. In seiner Mitte
befindet sich, nach Vorangang der Darstellung der umfassenden geschichtlichen
Grundlagen, die Geschichte des Dramas, der Lyrik und der typisierten Erzähl-
formen im bürgerlichen Realismus. Sie beschreibt jeweils die vVandlungsge-
schichte einer Gattungs- oder Speziesform in ihren Variationen durch den ein-
zelnen Autor und dessen geschichtlichen Ort. Es soll dabei das Begreifen der indivi-
duellen Produktion jeweils auf das Verständnis der übergreifenden historischen
Entwicklung der Darbietungsform bezogen bleiben und in deren Veränderungen,
durch den einzelnen Autor ein gemeinsamer geschichtlicher Ablauf sichtbar wer-
den. In ihm bewegt sich die einzelne Form; sie kann sich nicht von ihm emanzi-
pieren. Er bedeutet die Bindung, die der einzelnen Leistung auferlegt ist. Bin-
dung braucht aber noch nicht eine Fesselung zu bedeuten; das einzelne ·Werk läßt
sich in seiner individuellen Beschaffenheit nicht kausal aus den gemeinsamen zeit-
und sozialgeschichtlichen Bedingungen und Bedingtheiten herleiten. Die Ent-
wicklung bzw. Veränderung der Darbietungs- oder Gattungsformen ist von den
geschichtlichen Möglichkeiten und Grenzen, die die allgemeine historische Situa-
tion bestimmt, abhängig; sie erhält gleichzeitig aber Antriebe und Ordnungen
von den individuellen Kräften, die sich in ihr ausdrücken. Aus der Kongruenz der
Geschichtszeit, ihrer Faktoren und Forderungen und der individuellen kreativen
Leistung ergibt sich das Kunstwerk, das ästhetisch und geschichtlich einen Gipfel-
wert erreicht. Es läßt sich nicht mehr den typisierten Formen eingliedern, zumal
dort, wo die originärsten Gestaltungen einsetzen: auf dem Gebiet des dichterischen
Erzählens. Es ist in der Sache begründet, daß die Erzählprosa von Stifter, Keller,
Storm, Raabe, Fontane, Meyer jeweils in einem gesonderten Abschnitt dargestellt
wurde. Ihr Werk stellt sich aus einem kreativen Vermögen her, das zu einer unver-
wechselbar individuellen Sprache geführt hat; zugleich hat es stets einen spezifi-
schen geschichtlichen Stellen- und Bedeutungswert. Während in den typisierten
Formen das individuelle Gepräge zurücktritt und in Sujet und Technik, thematisch
und formal eine beträchtliche Konstanz, wie z. B. in der Verserzählung, im gesell-
schaftskritischen Roman jungdeutscher Provenienz, im historischen Roman bei-

XVI
behalten wird, hat es sich in der Erzählprosa der genannten Autoren mit der Aus-
prägung der wesentlichen geschichtlichen Wandlungen in dieser Zeit vereinigt.
Der Weg von Stifter zu Fontane und Meyer beschreibt den in eine kurze Zeit-
spanne zusammengedrängten, ebenso vielschichtigen wie spannungsreichen
Wandlungsprozeß, der diese Jahrzehnte, sO'.veit sie sich in der Literatur ausdrük-
ken, mit zunehmender Beschleunigung durchzogen hat und der es schwer macht,
in der Literatur dieser Epoche eine Einheit festzuhalten. Das letzte abschließende
Kapitel will, trotz der monographischen Aufteilung unter diese Autoren, als ein
Zusammenhang verstanden werden, bei dessen Gliederung der umfassende ge-
schichtliche Ablauf, der sich in ihrer Abfolge darlegt, bestimmend war. Auch in
diesem Kapitel, das in seiner Auswahl auch von ästhetischen Wertungen beein-
flußt ist, begründet die geschichtliche Perspektive die vorliegende Darstellung.
Eine wertneutrale Literaturgeschichte würde gerade das Wesentliche einer Ge-
schichtsschreibung vermissen lassen: eine Verknüpfung des Ästhetischen mit ge-
schichtsphilosophischen Aspekten.
Für die jetzt vorliegende 4. Auflage wurden das Vorwort und das Nachwort,
das bereits der 3. Auflage von 1974 beigefügt war, ergänzt bzw. verändert. Der
Haupttext blieb unverändert als eine einheitlich angelegte Konzeption, die um-
zubilden eine Neufassung des ganzen Textes gefordert hätte, eines Textes, der,
ungeachtet seiner Grenzen, offenbar sich als brauchbar erwiesen hat. Dies beweist
das Bedürfnis nach einer 4. Auflage des Buches. Seine Grenzen zog die Forschungs-
lage in den Jahren seiner Entstehung. Soweit die Forschung der letzten Jahre, seit
etwa 1973, auf grundsätzliche epochengeschichtliche Fragen eingeht, wurde sie in
den Text und in die Anmerkungen des erweiterten Nachworts eingearbeitet. Dies
Nachwort soll jedoch nicht an die Stelle eines umfassenden Forschungsberichtes
treten, wie ihn mit guten Gründen Richard Brinkmann in der 3. Auflage seines
Buches ,;VVirklichkeit und Illusion" 1977 angeregt hat und als Desiderat bezeich-
nete. In ihm müßte die umfangreiche monographische Forschungsliteratur zu den
einzelnen Autoren, einzelnen Werken, zu den Einzelproblemen der sozialgeschicht-
lichen Voraussetzungen und zu den Einzelproblemen der literarischen und gesell-
schaftlichen Kommunikationsformen einer kritischen Untersuchung unterzogen
werden. Dies muß den Umfang eines Nachworts sprengen, das für die Konfronta-
tion des vorliegenden Buches mit neuen Aspekten und Fragestellungen der fort-
schreitenden Forschung zur Geschichte der Epoche bestimmt ist und es nicht mit
Biographie, Psychologie und Produktionsleistung der einzelnen Autoren zu tun
hat. Monographische Arbeiten der letzteren Themenstellung sind in den Anmer-
kungen bzw. der Bibliographie als Zusätze eingetragen, so daß der Benutzer sich
über die selbständigen Veröffentlichungen orientieren kann, die seit der 3. Auflage
1974 erschienen sind; ebenso über die dominierenden Forschungsinteressen, die
sich auch in den letzten Jahren auf die Autoren konzentrierten, die in diesem Buch
hervorgehoben wurden. Die Forschung hat derart ihre epochale Repräsentanz be-

XVII
stätigt. Daß neben solcher Konstanz der dominierenden Interessenpunkte sich
andere Fragestellungen sozialgeschichtlicher, psychoanalytischer psychosozialer
und rezeptionsgeschichtlicher Herkunft an sie richten, ist aus der generellen Er-
weiterung der Problemstellungen in der gegenwärtigen Forschung selbstver-
ständlich. Nicht aufgenommen werden konnten die Einzelaufsätze in den bekannten
Jahrbüchern der literarischen Gesellschaften, den Zeitschriften wie auch in Fest-
schriften. Allein die Festschrift für Charlotte Jolles, "Formen realistischer Er-
zählkunst" (hrsg. v. Jörg Thunecke und E. Sagarra, Nottingham 1979), zählt 60
einschlägige Beiträge, unter denen Studien zu Th. Fontane bei weitem über-
wiegen. Solche Vielzahl gehört in einen detaillierten Forschungsbericht, der wahr-
scheinlich die Möglichkeiten eines einzelnen Referenten übersteigt. Die Ergän-
zungen im Nachwort beschränken sich auf jene Untersuchungen, die für das
epochengeschichtliche Problem des bürgerlichen Realismus von grundsätzlichem
Belang sind. Es geht darin insbesondere um die Weiterführung der ,Realismus-
Diskussion', um die Auswirkungen der Arbeiten zum ,programmatischen Realis-
mus', um den Fragenkreis, der durch die Endterminierung des bürgerlichen
Realismus durch die "Gründerzeit" aufgeworfen wurde.
Die Danksagungen, die das Vorwort der 1. bis 3. Auflage beschlossen, sollen
hier nicht nochmals wiederholt werden. An ihrer Stelle wird ein Wort des Dankes
an den Verlag eingefügt, der es möglich machte, daß immer wieder neue Inter-
essenten den Zugang zu diesem Buch fanden und der es dem Verfasser leicht ge-
macht hat, Mut zu einer neuen Auflage trotz der mit ihr verbundenen Schwierig-
keiten zu fassen.

März 1980 FRITZ MARTINI

XVIII
INHALT

VORWORT V-XVIII
I
GRUNDLAGEN UND GRUNDFORMEN
1-115

Wandlungen des Geschichtsbildes - Die Revolution 1848/49 und ihre Folgen - Die Reichs-
gründung 1871 und ihre Enttäuschungen - Staat, Gesellschaft und Dichtung - Liberalismus
und Fortschrittsideologie - Umschichtungen der Gesellschaft - Das Grundproblem des
bürgerlichen Realismus - Die Dichtung zwischen Gemeinsamkeit und Vereinzelung - Die
bürgerliche Krisensituation - Literatur und Gesellschaft - Die Situation der Philosophie -
Hebbel und die Philosophie - Ludwig Feuerbach - Arthur Schopenhauer - Der Materialis-
mus - Die Philosophie in der zweiten Jahrhunderthälfte - E. Dühring, H. Lotze, G. Th. Fech-
ner - E. v. Hartmann, J.Bahnsen - Dichtung und Glaube - Die Abwehr des romantischen
und jungdeutschen Subjektivismus -Wirkungen Goethes - Außerdeutsche Einflüsse: Dickens,
Turgenjew - Die Sprache des Humors - Kellers Humor - Raabes Humor - Fontane zwischen
Ironie und Humor - Der Sentimentalismus - Subjektivierung und Objektivierung in den
Gattungsformen - Wandlungen der Symbolsprache - Die Erzählmethode des Realismus -
Die Polarität des Subjektiven und Objektiven - Die Bestimmung der Kunst - Künstler und
Gesellschaft - Literatur in Zeitschriften - Der Essay - Wandlungen des Sprachstils - Die
Auseinandersetzung mit der Tradition - Die Kunst der Prosa - Die Sprache der Epigonen -
Der Sprachstil in Hebbels Drama - Stilformen der Erzählsprache - Literarische Sonder-
sprachen - Bereicherungen der Dichtungssprache.

II
DAS DRAMA
116-236

Die Situation des Dramas - Hegels Ästhetik des Dramas - Schopenhauers Bestimmung der
Tragödie - F. Th. Vischer - Hermann Hettner - Gustav Freytags Theorie und Technik des
Dramas - Das Drama im Münchener Dichterkreis - Das Drama Friedrich Hebbels. Die
Voraussetzungen - Hebbels religiös-dichterische Erfahrung des Weltwiderspruchs - Hebbel
in der Krise der Zeit - Hebbels tragische Existenzerfahrung - Mensch und Schicksal in Heb-
bels Tragödie - Die Spaltung Gottes - Die Leidenschaft zum Unbedingten - Hebbels Ge-
schichtsdrama - Die tragische Versöhnung - Hebbels Gestaltungsproblem - »Judith« - »Ge-
noveva« - Komik und Tragik - »Der Diamant« - »Maria Magdalene« - »Ein Trauerspiel
in Sizilien«, »Julia« - Hebbels Wendung in Wien - Die Aufnahme der klassischen Tradition
- »Herodes und Mariamne« - Hebbel und die Revolution - »Der Rubin«, »Michel Angelo«
- »Agnes Bernauer« - »Gyges und sein Ring« - »Die Nibelungen« - Der »Christus«-Plan-
»Der Moloch« - »Demetrius« - Richard Wagners Ablösung derWortkunst durch die Oper -
Otto Ludwig. Jahre des Werdens - »Der Erbförster« - »Die Makkabäer« - Ludwigs dramati-

XIX
sehe Entwürfe - Ludwigs Theorie des Dramas - Robert Griepenkerls Revolutionsdrama -
Ferdinand Lassalles »Franz von Sickingen« - Das Geschichtsdrama - Friedrich Halm, »Der
Fechter von Ravenna« - Gustav Freytag, »Die Fabier» - Ferdinand von Saars Geschichts-
drama - Das Scheitern des politischen Lustspiels - Das kritische Gesellschaftsspiel - Das
Drama der Epigonen - Das nationale Drama - Ludwig Anzengruber.

III
DIE LYRIK
237-354

Lyrik und Tradition - Die Theorie der Lyrik: Hegel, Schopenhauer - F. Th.Vischer - Heb-
bels Theorie der Lyrik - Storms Ästhetik des Gedichts - Grundformen der Lyrik in der zwei-
ten Jahrhunderthälfte - Der Lyriker Hebbel - Die Ballade des Grafen Strachwitz - Geibel
als Lyriker - Das Ende der politischen Lyrik - Heinrich Heine nach 1848 - Geibels spätere
Lyrik - Gottfried Kellers lyrisches Werk - Der Lyriker Theodor Storm - Die Balladen-
dichtung Theodor Fontanes - Klaus Groths »Quickborn« - Die Erfolgslyrik der Zeit. Fried-
rich Bodenstedt - J. Viktor von Scheffel- Die Parodie in der Lyrik - Die Lyrik im Münche-
ner Dichterkreis - Hermann Lingg - Heinrich Leuthold - Die Lyrik in Österreich: Robert
Hamerling - Hieronymus Lorm, Ada Christen - Ferdinand von Saar - Conrad Ferdinand
Meyers lyrisches Werk.

IV
DIE TYPEN DER ERZÄHLFORMEN

DIE VERSEPIK 355-390

Die ironische Verserzählung - Wilhelm Busch - Die idyllische und historische Verserzäh-
lung - Friedrich Hebbels »Mutter und Kind« - Fritz Reuters Verserzählungen - Christian
Friedrich Scherenberg - Die Versepik Paul Heyses - Die Erneuerung der historischen Epen-
tradition - Der »Demiurgos« Wilhelm Jordans - Der Epiker Robert Hamerling - Eduard
Grisebach - Die Verserzählungen von Adolf Friedrich Graf Schack - Wilhelm Jordans natio-
nales Epos - Hermann Lingg, »Die Völkerwanderung« - Friedrich W.Weber, »Dreizehn-
linden«.

DER ROMAN 390-498

Die Theorie des Romans: Hegel, Schopenhauer - F. Th. Vischers Bestimmung des Romans-
Otto Ludwigs Romanstudien - Friedrich Spielhagens Theorie und Technik des Romans - Die
geschichtliche Situation des Romans - DER GESELLSCHAFTSKRITISCHE ZEITROMAN - Karl
Gutzkows »Die Ritter vom Geiste« - Soziale Thematik im Roman - Gustav Freytag, »Soll
und Haben « - Der Roman des bürgerlichen Aufstiegs - Die Romane Friedrich Spielhagens -
F. Th.Vischer, »Auch Einer« - Die Zeitromane von Paul Heyse - GESCHICHTSROMAN UND
GESCHICHTSERZÄHLUNG - Willibald Alexis, Hermann Kurz - Historischer Roman und bür-
gerlicher Historismus - Joseph V. von Scheffel, »Ekkehard« - Der historisch-archäologische
Roman - Wilhelm Heinrich Riehls kulturgeschichtliche Novellen - Gustav Freytag, »Die
Ahnen« - Die Erzählerin Louise von Fran!;ois - DORFROMAN UND DORFERZÄHLUNG - Das
Spätwerk von Jeremias Gotthelf - Berthold Auerbachs Dorfgeschichten - Der Erzähler
Otto Ludwig - Die niederdeutschen Erzähler: John Brinckmann, Fritz Reuter - Der Erzäh-
ler Ludwig Anzengruber - Die österreichische Erzählliteratur nach 1848 - Die späte Gene-
ration - Ferdinand von Saar - Marie von Ebner-Eschenbach.

xx
V
DIE ERZÄHLDICHTUNG IN DER ZWEITEN JAHRHUNDERTHÄLFTE

ADALBERT STIFTER 499-556

Stifter und die Revolution von 1848 - Stifter und die Tradition - Stifters Dichtungsver-
ständnis - Grundformen von Stifters Erzählprosa - Die Vorrede der »Bunten Steine« -
»Bunte Steine« - »Der Nachsommer« - »Witiko« - »Die Nachkommenschaften« - »Der
Waldbrunnen« - »Der Kuß von Sentze«, »Der fromme Spruch« - »Die Mappe meines
Urgroßvaters« .

GOTTFRIED KELLER 557-610

Keller und Stifter - Der Klassiker der bürgerlichen Schweiz - Der epische Humor Kellers -
Kellers Bemühungen um das Drama - »Der grüne Heinrich« 1. Fassung - »Die Leute von
Seldwyla« Erster Band - »Romeo und Julia auf dem Dorfe« - »Die Leute von Seldwyla«
Zweiter Band - »Sieben Legenden« - »Züricher Novellen« - »Der grüne Heinrich«
2. Fassung - »Das Sinngedicht« - »lVlartin Salander«.

DIE NOVELLE 611-629

Der Erzähler Friedrich Hebbel - Die Novellen von Friedrich Halm - Novelle und Welt-
auslegung - Paul Heyses Novellentypus.

THEODOR STORM 630-664

Die Entwicklung des Erzählers - Die typischen Erzählmotive - Storms erzählerisches Früh-
werk - Storms Märchen - Die Novellen seit der Heimkehr - Storms geschichtliche Novellen
- Die Novellen der Alterszeit. - »Der Schimmelreiter«.

WILHELM RAA BE 665-736

»Der Nachsommer« und »Die Chronik der Sperlingsgasse« - >Innerlichkeits<-Thematik


und >Zusammenhang der Dinge< - Der Mensch in der »Tragikomödie« des Lebens - Raabes
epischer Humor - Raabes Erzählformen - Die Entwicklung des Erzählers - Vom »Hunger-
pastor« zum »Schüdderump« - Die Novellen und Erzählungen - Die Erzählungen aus der
Zeitgeschichte - Die Erzählungen von Verstörung und Heilung des Menschen - Der Weg
zum Altersstil - »Stopfkuchen« - »Die Akten des Vogelsangs« - »Altershausen« .

THEODOR FONTANE 737-800

Der Zeitroman als dichterische Form - Das Dasein im Widerspruch und Ungewissen - Der
Mensch in der Gesellschaft - Objektivismus und Subjektivierung in Fontanes Erzählen -
Fontanes Auffassung der Kunst - FontanesWeg zum Roman - »Vor dem Sturm« - Zwischen
Roman und Novelle - »Schach von Wuthenow« - Fontanes Gesprächsstil - Die Wendung
zum Gesellschaftsroman - »Irrungen, Wirrungen« und »Stine« - Der Erzähler als Zeit-
kritiker - »Effi Briest« - »Der Stechlin«.

XXI
CONRAD FERDINAND MEYER 801-844

C. F.Meyers dichterische Geschichtserfahrung - Der Dichter in der Spätzeit - Das Dasein


im Gegensatz - Maske und Enthüllung des Dichters - Der Glaube und der Tod - Meyers
Gestaltung der Novelle - Novelle und Drama - Meyers Weg zur Reife - »Jürg Jenatsch«-
Heiteres Zwischenspiel - »Der Heilige« - Von »Plautus im Nonnenkloster« zu »Die
Richterin« - »Die Versuchung des Pescara« - »Angela Borgia«.

SCHLUSSWORT 845-855

ANMERKUNGEN 857-909

NACHWORT 911-985

PERSONENREGISTER 986-992

ZEITTAFEL 1 *-31 *
DEUTSCHE LITERATUR

IM BÜRGERLICHEN REALISMUS

1848-1898