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Abitur 2015 Geografie

Bayern Musterlösung Klausur I

Lösung

Diese Lösung wurde erstellt von Sylvia Jakuscheit.


Sie ist keine offizielle Lösung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und
Kultus.

Aufgabe 1) Atmosphärische und marine Zirkulation

Aufgabe 1.1) Bewölkungssituation Madagaskar im Juni erläutern

Im europäischen Sommer, hier im Monat Juni, verschiebt sich die ITC (Innertropische Kon-
vergenzzone) auf die nördliche Halbkugel, im Winterhalbjahr dagegen auf die südliche
Halbkugel. Mit dieser Nordverschiebung wandern die Luftdruckgürtel und Windsysteme bei
Madagaskar im Juni nach Norden.

Der Südostpassat bringt feuchte Luftmassen vom Indischen Ozean auf den nördlichen In-
selbereich. Die physische Situation der Insel Madagaskar ist durch eine von Nord nach Süd
verlaufende Gebirgskette gekennzeichnet. So kondensieren die Luftmassen vom Indischen
Ozean aufgrund der natürlichen Barriere im Luv des Gebirges. Ein ausgeprägtes Wolken-
band entsteht, wie es in der Anlage 1.1 im Nordosten zu sehen ist. Im Nordwesten ist keine
Bewölkung erkennbar, da sich die Wolken durch den Lee-Effekt nach dem Gebirge wieder
auflösen.

Die Südhälfte der Insel ist auf dem Satellitenbild wolkenlos dargestellt. Hier ist der Einfluss
des subtropischen Hochdruckgürtels größer. Die Luftmassen sinken ab, es erfolgt keine
Wolkenbildung.

Aufgabe 1.2) Verlauf der Meeresströmungen beschreiben und erklären

Aufgrund der Erddrehung werden die Strömungen in Luft und Wasser abgelenkt. Auf der
Nordhalbkugel bewirkt die Corioliskraft eine Ablenkung im Uhrzeigersinn, auf der Südhalb-
kugel hingegen entgegen dem Uhrzeigersinn.

Im südlichen Meeresraum der Insel ist die Westwinddrift stark ausgeprägt (West-Ost-
Strömung), in der Anlage 1.2 ist sie mit drei glatten Pfeilen gekennzeichnet. Außerhalb der
Tropen gelegen, herrschen bei dieser Meeresströmung niedrige Temperaturen vor.

Durch die Landmassen des australischen Kontinents und den Einfluss der Winde, die aus
dem Hochdruckgebiet wehen, wird der nördliche Teil der West-Ost-Strömung nach Norden
abgelenkt. Je weiter die Wassermassen in Äquatornähe gelangen, desto wärmer werden
sie.

Die Südostpassate lenken dann die Wassermassen nach Westen ab und treiben sie weiter
in Richtung Madagaskar. Die Insel wiederum lenkt die Wassermassen nach Süden ab, wo
sich der Kreislauf nach Westen im Anschluss fortsetzt.

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Aufgabe 2) Landnutzung

Aufgabe 2.1) Rückgang des Baumbestands im Westen Madagaskars und ökologi-


sche Folgen erörtern

Mit der zunehmenden Bevölkerungszahl weltweit steigt der Bedarf an Nahrungsmitteln. Um


eine bessere oder ausreichende Versorgung gewährleisten zu können, werden die land-
wirtschaftlichen Nutzflächen ausgedehnt und für den Nahrungsmittelanbau genutzt. Die
afrikanischen Entwicklungsländer, wie auch Madagaskar, orientieren sich zunehmend am
Export und sind vom Cash-Crop-Anbau geprägt. Mit dem Anbau der Erzeugnisse werden
die Bedürfnisse des internationalen Marktes und nicht die der lokalen Bevölkerung gedeckt.
Diese Exportprodukte dienen nicht der Selbstversorgung und führen in der Regel zu ver-
stärkter oder neuer Abhängigkeit der Produzenten. Auch wird mit dem Cash-Crop-Anbau
die Desertifikation verstärkt.

Neben der Erweiterung der Anbauflächen für Agrarprodukte werden auch die Viehherden
vergrößert und damit die Weideflächen ausgedehnt. Die Überweidung durch diesen ver-
mehrten Bedarf führt dazu, dass sich die natürliche Vegetation dann nicht mehr regenerie-
ren kann. So wird der Bewuchs dezimiert. Gras und Buschwerk kann mitunter noch gedei-
hen, aber Bäume überleben häufig nicht sehr lange bzw. wachsen gar nicht erst mehr her-
an.

Ein weiterer Grund für den abnehmenden Baumbestand ist der erhöhte Holzeinschlag, der
auf einen größeren Bedarf für Handwerk und Industrie zurückzuführen ist. Nicht unbeträcht-
lich ist auch die Menge an Holz, die die lokale Bevölkerung für Brenn- oder Bauholz benö-
tigt.

Als mögliche Folgen können mehrere Aspekte aufgezählt werden, die mit der größten
Bedeutung sind hier genannt:

Die Gefahr der Desertifikation besteht als Folge der Bodendegradation und Erosion, die
wiederum auf die abnehmende Vegetationsfläche oder den verringerten Pflanzenbestand
zurückzuführen ist. Boden, der nicht durch eine Vegetationsdecke geschützt wird, erodiert
viel schneller und wird abtransportiert, die Nährstoffe werden aus dem Boden ge-
schwemmt, was wiederum zu verringerter Bodenfruchtbarkeit führt.

Mit dem Rückgang des Baumbestandes verändern sich die vorherrschenden Lebensräume
für Flora und Fauna, die Artenvielfalt (Biodiversität) sinkt. Das momentan vorherrschende
ökologische Gleichgewicht verschiebt sich.

Die veränderten Wasserbedingungen haben eine Einfluss auf das Klima auf engstem
Raum (Mikroklima) durch die unterschiedlichen Verdunstungssituationen. Ein Stausee ver-
größert in der Regel die Wasseroberfläche, so verdunstet ein großer Teil des benötigten
Wassers durch die vorherrschenden Temperaturen.

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Aufgabe 2.2) Maßnahmen zur Gewinnung zusätzlichen Bewässerungswassers: Vor-


teile und Probleme darstellen

Der Bau von Brunnen, Stauseen und Meerwasserentsalzungsanlagen beeinflusst die Um-
welt in vielerlei Hinsicht. Durch den Bau dieser technischen Einrichtungen als Möglichkeit
der zusätzlichen Bewässerungen kann der Grundwasserspiegel sinken.

Brunnen:

Der Aufwand für den Bau von Brunnen ist verhältnismäßig gering und kann in unmittelbarer
Nähe zu den Feldern erfolgen. Beides sind Vorteile, die von den lokalen Bauern im ganzen
Land durchgeführt werden können. Allerdings kann der Brunnenbau nicht bis zu einer un-
endlichen Anzahl erhöht werden. In der Regel ist die Absenkung des Grundwasserspiegels
die Folge. Die Dichte bzw. Verteilung der Brunnen sollte deshalb kontrolliert werden. Die
unterirdischen Wasserreserven sind begrenzt und deren Nutzung führt häufig zu Nutzungs-
konflikten und Auseinandersetzungen.

Stauseen:

Vorteilhaft am Bau von Stauseen ist, dass das Oberflächenwasser ganzjährig und in gro-
ßen Mengen zur Verfügung gestellt werden kann. Aufgrund der klimatischen Bedingungen
verdunstet allerdings ein sehr großer Teil dieses Wassers – vor allem in den ariden Mona-
ten, was sich als problematisch erweisen kann. Der Transport von den Stauseen zu den
Feldern ist im Vergleich zu den Brunnen sehr aufwändig und auch kostenintensiver. Häufig
hat der Stauseebau unabsehbare Folgen für die Flussökologie und angrenzende oder be-
einflusste Gebiete können zu einem massiven Eingriff für Flora und Fauna und damit auch
für den Menschen werden.

Meerwasserentsalzungsanlagen:

Die großen Ressourcen des Salzwassers aus dem Ozean scheinen unbegrenzt verfügbar
zu sein. Die Aufbereitung von Meerwasser ist hingegen die kosten- und energieintensivste
Methode. Enormer Energieverbrauch, die lokale Beschränkung auf die Küstenräume oder
der notwendige Bau von Pumpanlagen, die für die Verteilung der gewonnenen Wasser-
mengen in höher gelegene Gebiete sorgen, stehen als große Nachteile dem Vorteil der
Verfügbarkeit gegenüber.

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Aufgabe 3) Nachhaltigkeit von Wirtschafts- und Nutzungsformen

3.1) Fair-Trade-Projekt auf Madagaskar

Der größte Vorteil der Fair-Trade-Projekte liegt im Erhalt der Selbstständigkeit der Klein-
bauern und der damit verbundenen Möglichkeit der Selbstversorgung und Existenzsiche-
rung. Im Gegensatz dazu stehen die große Abhängigkeit vom Weltmarktgeschehen und
den ausländischen Unternehmen sowie die niedrigen Löhne für die Beschäftigten im Cash-
Crop-Anbau.

Auf den großen Plantagen der Exportprodukte ist der Einsatz von Maschinen notwendig.
Die viel arbeitsintensivere Produktion von Fair-Trade-Produkten, die zum Teil auf Handar-
beit basiert, fördert bewusst den Erhalt von Arbeitsplätzen oder schafft neue. Die Zusam-
menarbeit unter den Kleinbauern und mit Entwicklungshilfeorganisationen ermöglicht ge-
genseitige Unterstützung und einen Erfahrungsaustausch untereinander, was wiederum ein
Zusammengehörigkeitsgefühl zur Folge hat, im Gegensatz zu möglichen Konflikten, die auf
mangelnde Einflussnamemöglichkeiten wie in Großplantagen zurückzuführen sind.

Produkte für die Selbstversorgung auf den lokalen Märkten sind beispielsweise Kaffee,
Ananas, Kokosnüsse oder Pfeffer (Anlage 1.3). Vanille und Gewürznelken hingegen kön-
nen für den Export genutzt werden. Die damit erwirtschafteten Erlöse verbleiben in lokalen
Wirtschaftskreisläufen. Die vorherrschenden ökonomischen Strukturen bleiben erhalten, im
Gegensatz zum rein exportorientierten Wirtschaften bei Cash-Crop-Anbau, bei dem aus-
ländische Betriebe dominieren. Die Prämien aus dem Fair-Trade-Anbau werden im Inland
für die Infrastruktur und Bildungsmaßnahmen oder für den Know-how-Transfer genutzt. Der
Gewinn fließt hier also nicht an die internationalen Investoren.

Die Bearbeitung nach ökologischen Prinzipien führt zur Produktvielfalt im Gegensatz zu


den Monokulturen des Cash-Crops-Anbaus, der außerdem einen intensiven Einsatz von
Pestiziden und Dünger notwendig macht.

3.2) Voraussetzungen für einen ökologisch verträglichen Tourismus darlegen

Der Hotelbetrieb erfordert einen sensiblen Umgang mit dem Lebensraum Atoll, weshalb
besondere Schutzzonen sowohl auf den Inseln als auch im Riffbereich notwendig sind.
Häufig ist den Touristen nicht bewusst, wie zerbrechlich oder labil dieses Ökosystem, das
für sie oft das „Paradies“, ist, und welchen Schutz es benötigt. Informationen können das
Verhalten der Touristen so beeinflussen, dass sie für ein umweltbewusstes Verhalten sen-
sibilisiert werden.

Eine Voraussetzung ist die möglichst naturnahe Bauweise mit stark beschränkter Betten-
anzahl, wie beispielsweise Bungalows, die in einer dorfartigen Weise auf den Inseln verteilt
liegen. Durch die verhältnismäßig geringe Kapazität können hohe Preise bei exklusiven
Angeboten verlangt werden. Dies führt zu hohen Renditen der Betreiber im gehobenen
Tourismus-Segment, welche für den Schutz der Umwelt in diesem Raum als Reinvestition
eingesetzt werden sollten.

Die Nutzung erneuerbarer Energien sollte im Vordergrund stehen. Die Sonneneinstrahlung


ist in diesen Breiten sehr intensiv, weshalb die Solarenergie eine Rolle spielen sollte. Auch
Windenergie kann unter bestimmten Bedingungen genutzt werden.

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Grenzen aufzeigen

Ein Eingriff in das Ökosystem Atolle (Inselwelten) ist mit dem Aufbau einer Infrastruktur fast
unvermeidbar. Ver- und Entsorgung müssen gewährleistet sein, Transport und Medienver-
bindungen werden oft von hohem Standard erwartet. Ein umweltverträglicher Tourismus ist
möglicherweise im Einzel- oder Individualtourismus zu sehen, bei dem die sogenannten
Rucksacktouristen bei und mit den Einheimischen leben und ihre Reise- und Ernährungs-
gewohnheiten während des Aufenthalts teilen.

Die periphere Lage der Inseln verlangt meist eine Anreise mit dem Flugzeug, was große
Emissionen verursacht. Eine Anreise mit dem Boot dauert häufig sehr lange und steht dann
nicht mehr im richtigen Verhältnis zur Anzahl der verfügbaren Urlaubstage. Die Inseln sind
sehr klein und können kaum eigene Ressourcen aufweisen, weshalb eine externe Versor-
gung notwendig ist. So wird durch die langen Transportwege häufig das Versorgungsprob-
lem mit dem Flugzeug gelöst, der Energieverbrauch steigt.

Problematisch ist die Entsorgung von Müll und Abwasser auf den Inseln, die oft durch in-
seleigene Müllverbrennungsanlagen oder durch Abtransport gelöst werden. Das führt wie-
derum zu hohen Kosten und Emissionen.

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