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Beratung:

Kalksandstein-Bauberatung Verein Süddeutscher


Bayern GmbH Kalksandsteinwerke e.V.
Rückersdorfer Straße 18 Mittelpartstraße 1
90552 Röthenbach a.d. Pegnitz 67071 Ludwigshafen

8. Auflage
Telefon: 09 11/54 06 03-0 Telefon: 06 21/67 00-6100
Telefax: 09 11/54 06 03-9 Telefax: 06 21/67 00-6102
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Kalksandstein. Die Maurerfibel


Kalksandsteinindustrie Nord e.V. Kalksandsteinindustrie West e.V.
Lüneburger Schanze 35 Barbarastraße 70
21614 Buxtehude 46282 Dorsten
Telefon: 0 41 61/74 33-60 Telefon: 0 23 62/95 45-0
Telefax: 0 41 61/74 33-66 Telefax: 0 23 62/95 45-25
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Kalksandsteinindustrie Ost e.V.


Silder Moor 11
18196 Kavelstorf
Telefon: 0 30/25 79 69-30
Telefax: 0 30/25 79 69-32
info@ks-ost.de
www.ks-ost.de

KalksanDstein
Die Maurerfibel
Kalksandstein. Die Maurerfibel
Kalksandstein. Die Maurerfibel
von Dipl.-Ing., Dipl.-Berufspäd. Hans Rich
Institut für Berufswissenschaften im Bauwesen
Leibniz Universität Hannover

unter Mitwirkung von:

Dipl.-Ing. Klaus Brechner, Haltern am See Dr.-Ing. Martin Schäfers, Hannover


Dipl.-Ing. Bernd Diestelmeier, Dorsten Dipl.-Ing. Andreas Schlundt, Hannover
Dipl.-Ing. Rudolf Herz, Ludwigshafen Dipl.-Ing. Hinrich Schulze, Buxtehude

Herausgeber: Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV,


Entenfangweg 15, 30419 Hannover, Telefon 05 11/279 54-0
Kalksandstein. Die Maurerfibel
Hrsg.: Bundesverband Kalksandsteinindustrie eV
Entenfangweg 15, 30419 Hannover, Telefon 05 11/2 79 54-0
ISBN 978-3-7640-0590-0

8. überarbeitete Auflage – Stand: 1/2014

BV-901-14/01

Alle Angaben erfolgen nach bestem Wissen


und Gewissen, jedoch ohne Gewähr.

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit


schriftlicher Genehmigung

Empfohlener Ladenverkaufspreis  19,80

Gesamtproduktion und
© by Verlag Bau+Technik GmbH, Düsseldorf
VORWORT ZUR 8. AUFLAGE

Der Mauerwerksbau stellt an die Ausführenden vielseitige Anforderungen. Neubauten


werden zunehmend mit großformatigen Steinen und modernen Mauerwerkstechniken
ausgeführt. Für Arbeiten im Gebäudebestand (Sanierung, Erweiterung, Veränderung)
und für die Erstellung von Sichtmauerwerk ist jedoch das Verarbeiten von kleinen
Steinformaten nach wie vor von großer Bedeutung. Die Erfordernisse des nachhaltigen
Bauens steigern besonders die Anforderungen an die Genauigkeit der Ausführung. Der
Einbau funktionsfähiger Wärmedämmschichten zählt hierzu genauso wie die Erstellung
einer exakt ausgerichteten Kimmschicht in Normalmauermörtel als Voraussetzung
für das Weiterarbeiten mit großformatigen, in Dünnbettmörtel gesetzten Steinen. Nur
durch sorgfältige und gewissenhafte Ausführung des Maurers wird eine dauerhafte
Funktionsfähigkeit der Bauwerke sichergestellt, die durch ihre lange Nutzungszeit
einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Bauen darstellen.

Im Bauhandwerk haben wir somit die besondere Situation, dass das erforderliche
Wissen durch neue Werkstoffe, höhere Anforderungen und neue Arbeitstechniken
zunimmt, ohne dass Wissen über traditionelle Techniken überflüssig wird. Die notwen-
dige berufliche Handlungskompetenz erfordert den selbständig denkenden Handwerker,
der genau arbeitet, den Überblick in unterschiedlichsten Bausituationen behält und
Verantwortung für die Qualität seiner Arbeit übernimmt.

Die berufliche Aus- und Weiterbildung muss allen am Bau Beteiligten die Grundlagen
zur Erfüllung dieser Anforderungen liefern. Die eingeführten handlungsorientierten
Lernfeldkonzepte der berufsbildenden Schulen sind daher auf Grundlagenwerke ange-
wiesen, die es erlauben, sich schnell und anschaulich zu informieren. Die vorliegende,
nunmehr 8. Auflage der KS-Maurerfibel führt die bewährte Tradition der Kalksandstein-
industrie fort und gibt für den Bereich Mauerwerksbau Facharbeitern, Gesellen sowie
Auszubildenden ein praxisorientiertes Fachbuch mit anschaulichen Darstellungen an
die Hand. Modernen rationellen Mauerwerksweisen wird in dieser Auflage noch mehr
Raum gegeben. Ebenso werden die aktuellen Bezeichnungen und Zertifizierungen von
Baustoffen, die sich an deutschen und europäischen Normungen orientieren, berück-
sichtigt.

Wie alle wichtigen Beiträge der Kalksandsteinindustrie zum Stand des Wissens in der
Bautechnik, wird auch die Maurerfibel, die seit 1979 in einer Gesamtauflage von mehr
als 500.000 Exemplaren erschienen ist, auf der Homepage des Bundesverbandes
Kalksandstein als pdf-Datei zur Verfügung gestellt.

Hans Rich
Januar 2014
INHALT

1. Mauerwerk 9 3.3 Mörtel- und Steinbedarf 35


3.4 Mörtelarten 36
1.1 Stand der Technik 10 3.4.1 Dünnbettmörtel 36
1.2 Ausschreibung, Vergabe, 3.4.2 Normalmauermörtel 38
Abrechnung 11 3.4.3 Leichtmörtel 38
1.3 Maßordnung 11 3.5 Mörtel für Verblendschalen 39
1.3.1 Bauweise mit Fuge 12 3.6 Mörtel für Kimmschichten 40
1.3.2 Bauweise ohne Fuge 12 3.7 Baustellenmörtel 42
1.3.3 Toleranzen 14 3.8 Lieferformen von Werkmörtel 42
1.4 Ausführung 16 3.8.1 Werk-Trockenmörtel 43
1.4.1 Mauern im Verband 16 3.8.2 Werk-Frischmörtel 43
1.4.2 Arbeiten bei Frost 17 3.8.3 Werk-Vormörtel 44
1.4.3 Absäuern des Mauerwerks 18 3.8.4 Mehrkammer-Silomörtel 44

2. KalksandsteinE 19 3.8.5 Anlieferung 44


3.9 Mörtelauftrag mit dem
Mörtelschlitten 45
2.1 Herstellung 20
3.10 Stumpfstoßtechnik 46
2.2 Güteüberwachung 21
2.3 Mauersteine 21 4. Mauerwerksverbände 47
2.3.1 Steinarten 22
2.3.2 Steindruckfestigkeitsklassen 4.1 Einsteinmauerwerk 49
(SFK) 22 4.2 Verbandsmauerwerk 49
2.3.3 Steinrohdichteklassen (RDK) 24 4.2.1 Einschaliges Verblendmauer-
2.3.4 Formate 24 werk als Verbandsmauerwerk 50
2.3.5 Grenzabmaße (Toleranzen) 28 4.2.2 Verbandsmauerwerk aus KS-
2.3.6 Frostwiderstand 28 Blocksteinen 51
2.4 Bauteile zur Systemergänzung 29 4.3 Einsteinmauerwerk –
Ecklösungen 52
2.4.1 KS-Bauplatte (KS -BP) 29
4.4 Verbandsmauerwerk –
2.4.2 KS-Kimmsteine/KS-Wärme- Ecklösungen 54
dämmsteine 29
4.5 Verbände für Mauerenden 56
2.4.3 KS-Stürze 30
4.6 Mauern von Stößen
2.4.4 KS -U-Schalen 31 und Kreuzungen 58
2.4.5 KS -E-Steine 32 4.7 Vorlagen und Nischen 59
2.5 Bezeichnungen 32 4.8 Zierverbände für Sicht- und
Verblendmauerwerk 61
3. mauerMörtel 33
4.9 Pfeilermauerwerk 63
4.10 Stumpfstoßtechnik als Ersatz 64
3.1 Anforderungen
für Abtreppungen und
an Mauermörtel 34
Verzahnungen
3.2 Kennzeichnung
des Mauermörtels 35

6
INHALT

5. ArbeitsVORBEREITung 67 7.6 Stumpfstoßtechnik/


Verzahnung 110
5.1 Bestellung 69 7.7 Beimauern 111
5.2 Baustellenorganisation 70 8. KS-Sicht- und
5.3 Arbeitsraum 72 KS-Verblendmauerwerk 113
5.4 Transportkette 74
5.5 Geräte 75 8.1 Gestaltungseinflüsse
für Sicht- und
6. Mauern 77 Verblendmauerwerk 114
8.1.1 Kalksandsteine für Sicht-,
6.1 Mauern von Hand 79 Verblendmauerwerk und
geputzte Vormauerschalen 115
6.1.1 Steingewichte 79
8.1.2 Steinoberfläche 119
6.1.2 Griffhilfen 80
8.1.3 Mauerverband 120
6.1.3 Optimale Arbeitshöhe 81
8.1.4 Fugenbearbeitung 122
6.1.4 Arbeitsorganisation 82
8.1.5 Oberflächenbehandlung
6.2 Mauern mit Versetzgerät 83
und Reinigung 125
6.2.1 Versetzgerät 83
8.2 Mörtel für Sicht- und
6.2.2 Pass- und Ergänzungssteine 84 Verblendmauerwerk 127
6.2.3 Überbindemaß 84 8.3 Luftschichtanker für
6.2.4 Stoßfugenvermörtelung 85 zweischaliges
Verblendmauerwerk 129
6.2.5 Wandhöhen/Höhenausgleich 86
8.4 Wärmedämmung und
6.3 Öffnungsüberdeckung 87
Luftschicht 132
6.3.1 KS-Stürze 89
8.5 Abdichtung und
6.3.2 Gemauerte Stürze 91 Fußpunktausbildung 134
6.3.3 Gemauerte Bögen 93 8.6 Abfangungen 135
6.4 Mauern bei Frost und Hitze 99 8.7 Dehnungsfugen 137
6.5 Reinigen von KS-Mauerwerk 100 8.8 Rissesicherheit bei
Verblendmauerwerk 138
7. Arbeitstechniken zur
Baustellenoptimierung 103 8.9 Abnahme und Beurteilung
von KS-Sichtmauerwerk 139

7.1 Mauerlehren 104 9. Sichtflächen im 141


7.2 Mörtel 105 Innenbereich
7.2.1 Mörtelarten 106
7.2.2 Lieferformen 106 9.1 Hochwertiges
Innensichtmauerwerk 143
7.3 Mörtelauftrag mit dem
Mörtelschlitten 106 9.2 Sichtbar belassene
Innenwände 144
7.4 Anlegen der Ausgleichs-
bzw. Kimmschicht 108 9.3 Geschlämmte und
gestrichene Innenwände 145
7.5 KS-Mauerwerk ohne
Stoßfugenvermörtelung 109 9.4 Verputzte Innenwände 146

7
INHALT

10. Nachträgliche 149 11.2.4 Ausfachungen aus 189


Bearbeitung VON KS-Mauerwerk
KS-Mauerwerk 11.3 Frei stehende KS-Wände 192
11.4 KS-Innenwände 194
10.1 Schlitze 150 11.4.1 Tragende Innenwände 194
10.1.1 Vertikale Schlitze 150 11.4.2 Nicht tragende Innenwände 195
10.1.2 Horizontale und 11.4.3 Nicht tragende leichte Trenn- 201
schräge Schlitze 152 wände
10.1.3 Auswirkungen von Schlitzen 11.4.4 Sichtflächen 202
in tragenden Wänden 152
11.4.5 Wärmeschutz/
10.1.4 Herstellen und Schließen Wärmespeicherung 203
von Schlitzen 153
11.4.6 Schallschutz 205
10.2 Durchbrüche, Aussparungen, 154
11.4.7 Brandschutz 213
Öffnungen
11.5 Konstruktive Details 218
10.3 Elektroleitungen 154
11.5.1 Deckenauflager 218
10.4 KS -E-Steine 155
11.5.2 Ringanker/-balken 221
10.5 Befestigungen 156
11.5.3 Wandanschlüsse 222
10.5.1 Kunststoffdübel 156
10.5.2 Injektionsdübel 157 12. Bauphysik im Überblick 227
10.5.3 Anwendungsbedingungen 157
12.1 Wanddicken 228
11. Wände MIT KS-MAUERWERK 159 12.2 Wandkonstruktionen 230
12.3 Statik 233
11.1 KS-Kellerwände 162
12.4 Wärmeschutz 235
11.1.1 Wärmeschutz von
12.5 Schallschutz 236
Kelleraußenwänden 164
12.6 Brandschutz 237
11.1.2 Statik 164
12.7 Konstruktive Details 240
11.1.3 Abdichtung 170
11.1.4 Bodenfeuchtigkeit und nicht Anhang 243
stauendes Sickerwasser 171
11.1.5 Druckwasser aus Stauwasser Merkblatt für das Aufmauern
(aufstauendes Sickerwasser) 172 von Wandscheiben 244
11.1.6 Druckwasser aus Grund- oder Merkblatt für das Handhaben
Hochwasser 174 von Mauersteinen – Auszug 246
11.1.7 Querschnittsabdichtungen 175
Aus- und Weiterbildung 248
11.2 KS-Außenwände 176
11.2.1 Zweischalige Literatur 250
KS-Außenwände 177
11.2.2 KS-Außenwände mit Wärme- 182 NormEN 252
dämm-Verbundsystem
11.2.3 KS-Außenwände mit Vorhang- 187 WICHTIGE Abkürzungen 253
fassade
StichwortVERZEICHNIS 254

8
1. MAUERWERK

„Wann fangt ihr endlich an, die Aussteifungswand zu setzen?!


Wir warten schon drei Stunden… .”

9
1. MAUERWERK

Entwicklungen der Kalksandsteinindus- sondern im Regelfall die günstigste Aus-


trie haben den Mauerwerksbau in den führungsvariante.
letzten Jahrzehnten wesentlich voran-
getrieben: 1.1 STAND DER TECHNIK

 Optimierung der Griffhilfen von Stei- Grundlage für die Erstellung von Mauer-
nen zur Handvermauerung werk sind im Wesentlichen die VOB-Norm
DIN 18330 „Mauerarbeiten“ [1/1] so-
 Mauerwerk ohne Stoßfugenvermör­ wie die Anwendungsnorm Eurocode
telung (Steine mit Nut-Feder-System) 6 „Bemessung und Konstruktion von
Mauerwerksbauten“ (EC 6) [1/2] mit
 Mörtelauftrag mit dem Mörtelschlitten den dazugehörigen Nationalen Anhän-
gen DIN EN 1996/NA als Ersatz für die
 Plansteinmauerwerk durch Verwen- Anwendungsnorm DIN 1053-1 „Mauer-
dung von Dünnbettmörtel und KS- werk – Berechnung und Ausführung“
Plansteinen bzw. großformatigen [1/3]. Daneben sind Verarbeitungshin-
Kalksandsteinen (KS XL) weise der Hersteller, berufsgenossen-
schaftliche Vorschriften, technische
 Großformatige Mauersteine für das Merkblätter sowie Handwerksregeln zu
Vermauern mit Versetzgerät beachten.

Mauerwerkskonstruktionen sind damit Der „Stand der Technik“ lässt sich nicht
weiterhin nicht nur wettbewerbsfähig, ausschließlich an Normen festmachen.

Quelle: Beuth Verlag, Berlin

Bild 1/1: Eine der Grundlagen für die Erstellung von Mauerwerk sind Normen.

10
1.3 Massordnung

Deshalb ist allein durch Einhaltung der 1.2 AUSSCHREIBUNG, VERGABE,


Normen nicht gewährleistet, dass der ABRECHNUNG
Stand der Technik eingehalten ist. Die
Umsetzung neuer Erkenntnisse in Nor- DIN 18330 „Mauerarbeiten“ gibt wesent-
men oder bauaufsichtlichen Vorschriften liche Hinweise zu Ausschreibung und Ab-
erfolgt stets mit Zeitverzug. Erst wenn rechnung von Mauerwerksarbeiten. Ins-
neue Baustoffe, Verarbeitungsregeln besondere die Unterscheidung in „Neben-
etc. in der Praxis eingeführt und von der leistungen“ – die auch ohne besondere
Fachwelt anerkannt und somit bewährt Nennung vom Ausführenden erbracht wer-
sind, werden sie zum „Stand der Tech- den müssen – und „Besondere Leistun-
nik“. Die Umsetzung in der Normung gen“ – die gesondert vereinbart und ver-
erfolgt also später und kann bei neueren gütet werden müssen – sind wichtiger
Erkenntnissen dadurch schon wieder Bestandteil dieser Norm. Mit Vereinba-
überholt sein. Normen entsprechen in rung der VOB, dies ist auch heute noch
der Regel, aber nicht in jedem Fall, dem der Standardfall, sind DIN 18330 und die
aktuellen Stand der Technik und müs- damit verbundenen Normen fester Be-
sen gegebenenfalls ergänzt werden. standteil des Vertragsverhältnisses zwi-
schen Auftragnehmer und Auftraggeber.
Neue Baustoffe und Bauarten werden –
soweit sie baurechtlich relevant sind – 1.3 MASSORDNUNG
in allgemeinen bauaufsichtlichen Zulas-
Konventionell wird im Mauerwerksbau
sungen (abZ) geregelt. Allgemeine bau-
mit dem Planungsraster der DIN 4172
aufsichtliche Zulassungen regeln im
„Maßordnung im Hochbau“ [1/4] ge-
Allgemeinen die von einer Norm abwei-
plant. Darin wird unterschieden in „Bau-
chenden Sachverhalte.
weise mit Fuge“ und „Bauweise ohne Fu-
ge“. Das Grundraster der Planung (Richt-
Das Einhalten der Normen und Regel- maß) beruht auf dem oktametrischen
werke ist wichtig. Daneben sind Ver- System, in dem sich alle Maße als Viel-
arbeitungshinweise der Hersteller, be- faches von 12,5 cm nachbilden lassen.
rufsgenossenschaftliche Vorschriften, Das 12,5 cm-Raster wird auch als Ok-
technische Merkblätter sowie Hand- tametermaß oder Achtelmeter (1 am =
werksregeln zu beachten. 1/8 m = 12,5 cm) bezeichnet.

Bild 1/2: Die Maßord-


nung ist bei Verblend-
mauerwerk von beson-
derer Bedeutung.

11
1. MAUERWERK

Richtmaß ^ 50 cm
4 am = 1 am

(25 - 1)
2 am

24
Nennmaß: 49
(Außenmaß = Richtmaß - 1 cm Stoßfugenbreite)

(Richtmaß)
2 am

25
Nennmaß: 50
(Anbaumaß = Richtmaß)

(25 + 1)
2 am

26
Nennmaß: 51
(Lichtmaß = Richtmaß + 1 cm Stoßfugenbreite)

Bild 1/3: Richtmaße und Nennmaße für Bauweise mit Fuge (Mauerwerk mit Stoßfugenvermör-
telung)

1.3.1 Bauweise mit Fuge 1.3.2 Bauweise ohne Fuge


Bei Mauerwerk mit Stoßfugenvermör- Auch bei Mauerwerk ohne Stoßfugen-
telung (Stoßfugenbreite = 1 cm) wei- vermörtelung (Steine mit Nut-Feder-Sys-
chen die Nennmaße für Außenmaß, An- tem) entsprechen die Steine dem Roh-
baumaß und lichtes Maß um 1 cm vom bau-Richtmaß. Die Federn stehen über.
Rohbau-Richtmaß ab.
Die Steinlängen der Kalksandsteine mit
Nut-Feder-System sind um 2 mm kürzer
als das Rohbau-Richtmaß (z.B. 500 mm
– 2 mm = 498 mm). Die Steinlänge ist
dabei von Nut bis Feder gemessen.

Die Sollfugenbreite von Steinen mit Nut-


Feder-System beträgt 2 mm. Das Maß
des Nut-Feder-Systems ist abhängig von
der Mauersteinsorte, siehe Bild 1/7.

Das Maß des Nut-Feder-Systems – Länge


Bild 1/4: Bei KS-Verblendmauerwerk mit der Feder bzw. Tiefe der Nut – ist für die
ca. 1 cm dicken Stoß- und Lagerfugen han- Ermittlung der Maße (Außenmaß, Anbau-
delt es sich um eine Bauweise mit Fuge. maß, Innenmaß) von großer Bedeutung.

12
1.3 MASSORDNUNG

Richtmaß 4 am ^
= 50 cm 1 am

(25 - 0,2)
2 am

24,8
Nennmaß: 50,2
(Außenmaß = Richtmaß - Sollfugenbreite + Federmaß)

(Richtmaß)
2 am

25
Nennmaß: 50
(Anbaumaß = Richtmaß)

(25 + 0,2)
2 am

25,2
Nennmaß: 49,8
(Lichtmaß = Richtmaß + Sollfugenbreite - Federmaß)

Bild 1/5: Richtmaße und Nennmaße für Bauweise ohne Fuge (Mauerwerk aus Steinen mit Nut-
Feder-System)

Bei KS ist das Maß des Nut-Feder- Die Außen- und Innenmaße bei Verwen-
Systems mit 4 mm deutlich kleiner dung von Steinen mit Nut-Feder-System
als bei anderen Mauersteinsorten, weichen um die Differenz von Federlän-
das Einhalten zulässiger Toleranzen ge abzüglich Sollfugenbreite ab (Bild
somit leichter. 1/5).

Kalksandstein

4
Porenbeton

10
Ziegel

10–15

Bild 1/6: Bei Mauerwerk aus KS -R-Steinen Bild 1/7: Das Maß des Nut-Feder-Systems
(Steine mit Nut-Feder-System) handelt es (Federmaß) ist abhängig von der Mauerstein-
sich um eine Bauweise ohne Fuge. sorte.

13
1. MAUERWERK

die aus nur einem Stein gebildet werden,


ist die Sollfugenbreite (2 mm) nicht abzu-
ziehen, da keine Fuge vorhanden ist.

Bei Mauerwerk aus Steinen mit Nut-Fe-


der-System handelt es sich quasi um
„Bauweise ohne Fuge“. Die Abweichung
vom Rohbau-Richtmaß bei Außen- und
Innenmaß ist abhängig vom Maß des
Nut-Feder-Systems. Die zulässigen Ab-
weichungen vom Sollmaß sind in DIN
18202, Tabelle 1 definiert. Bei Maßen
bis 3 m ist eine Toleranz von ± 12 mm
zulässig.
Bild 1/8: Kalksandsteine sind sehr maß-
genau. 1.3.3 Toleranzen
Abweichungen von den Sollmaßen
(Nennmaße = Planungsmaße) der Wän-
Grundlage für alle Maße ist das Rohbau- de sind entsprechend DIN 18330, Ab-
Richtmaß (n · 12,5). schnitt 3.1.3 zulässig innerhalb der in
DIN 18202 „Toleranzen im Hochbau“
 Außenmaße sind z.B. Pfeilerlänge,
[1/5] angegebenen Grenzen.
Hauslänge, Hausbreite.
 Anbaumaße sind z.B. Längen von In DIN 18202 sind die zulässigen Abwei-
Vorlagen oder Vorsprüngen. chungen angegeben für:

 Innenmaße, auch als Lichtmaße be-  Grenzabmaße (Längen-, Breiten-, Hö-


zeichnet, sind z.B. Öffnungsmaße hen-, Achs- und Rastermaße, Öffnun­
von Fenstern und Türen. gen)
 Winkeltoleranzen
Außenmaß = Rohbau-Richtmaß – Sollfu-
genbreite + Federmaß. Bei kurzen Pfeilern,  Ebenheitstoleranzen

Tafel 1/1: Ebenheitstoleranzen für Wände nach DIN 18202, Tabelle 3 (Auszug)
Bezug Stichmaße bei Grenzwerten1) [mm]
bei Messpunktabstand
0,1 m 1m 4m
Nicht flächenfertige Wände
5 10 15
(Rohbauwand)
Flächenfertige Wände,
3 5 10
z.B. geputzte Wände
Flächenfertige Wände mit
2 3 8
erhöhten Anforderungen
1)
Zwischenwerte dürfen interpoliert werden.

14
1.3 MASSORDNUNG

Von zunehmender Bedeutung sind die den (DIN 18202, Tabelle 3, Zeile 5) ist
Grenzabmaße für die Ebenheitstoleran­ eine „Nebenleistung“, die vom Ausfüh-
zen, die in DIN 18202, Tabelle 3 de- renden immer geschuldet wird und kei-
finiert sind. Die vorhandene Ebenheit ner besonderen Vergütung bedarf. Dies
kann durch Auflegen eines Richtscheites ist z.B. auch an Wandecken, Wandenden,
und Ermittlung des Stichmaßes festge- Tür- und Fensterleibungen zu beachten.
stellt werden.
Bei einer Rohbauwand handelt es sich
Die Differenzierung der Grenzwerte er- um eine „nicht flächenfertige Wand“, die
folgt anhand folgender Kriterien: erst durch Putz oder Bekleidung zu einer
„flächenfertigen Wand“ wird.
 Art der Fläche (Boden/Decke bzw.
Wand) Bei ordnungsgemäßer Ausführung wer-
 Flächenfertige oder nicht flächenfer- den mit KS-Plansteinmauerwerk in der
tige Flächen Regelfläche auch ohne Putz oder Beklei-
dung die Anforderungen an flächenfer-
 Messpunktabstand tige Wände erfüllt. Die hohe Ebenheit
der KS-Plansteine und KS XL ist wesent-
Die Ermittlung der Ebenheit erfolgt nach liche Grundlage für die Planebenheit der
DIN 18201 [1/6]. Wand.

Nebenleistungen gehören auch oh- Vereinzelt auftretende, unvermörtelte


ne besondere Erwähnungen im Ver- Stoßfugen > 5 mm oder Griffhilfen sind
trag zur vertraglichen Leistung. Be- beim Aufmauern, spätestens aber vor
sondere Leistungen gehören dagegen Auftrag des Putzmörtels zu schließen.
nur dann zur vertraglichen Leistung,
wenn diese in der Leistungsbeschrei- Sichtbar verbliebene Nut-Feder-Systeme
bung besonders erwähnt sind (DIN an Wandecken können beim Einsatz von
18299, Absatz 4). Dies ist z.B. bei Dickputzen (d ≥ 10 mm) mit dem Auf-
erhöhten Ebenheitsanforderungen trag des Putzmörtels geschlossen wer-
für den Einsatz von Dünnlagenputz den. Bei der Verwendung von Dünnlagen­
(d = ca. 5 mm) der Fall. putzen (d = ca. 5 mm) sind Unebenheiten
> 3 mm vor Auftrag des Putzmörtels
bauseits fachgerecht zu schließen [1/7].
Werden erhöhte Anforderungen an die
Ebenheiten von Rohbauwänden gestellt
(z.B. DIN 18202, Tabelle 3, Zeile 6 oder 7), Bei den bekanntermaßen hohen Eben-
so handelt es sich um „Besondere Leis- heiten von KS-Plansteinwänden las-
tungen“ nach VOB/C (DIN 18330, Ab- sen sich in der Baupraxis auch ohne
satz 3.1.3). großen Zusatzaufwand die Ebenheits-
anforderungen nach DIN 18202, Ta-
Das Einhalten der üblichen Anforderun­ belle 3, Zeile 6 sicher einhalten.
gen an die Ebenheiten von Rohbauwän-

15
1. MAUERWERK

1.4 AUSFÜHRUNG 1.4.1 Mauern im Verband


Wesentliches Merkmal von Mauerwerk
Mauerwerk besteht aus zwei verschiede­ ist die Vermauerung im Verband. Das be-
nen Baustoffen – aus Steinen und Mör- deutet, dass die Stoß- und Längsfugen über-
tel. Die im Werk hergestellten Steine einander liegender Schichten versetzt
werden auf der Baustelle mit Mörtel ver- sein müssen. Für das Trag­verhalten des
mauert. Sowohl die Steine als auch der Mauerwerks ist dies von entscheidender
Mörtel können in Ihren Eigenschaften Bedeutung. Nach DIN EN 1996-1-1 gel-
sehr unterschiedlich sein. ten folgende Überbindemaße:

Für die sachgemäße Planung und Aus-  Steinhöhe ≥ 113 mm:


führung ist die Einhaltung der Anwen- lol ≥ 0,4 · Steinhöhe
dungsnorm EC 6 „Bemessung und Kon-  Steinhöhe < 113 mm:
struktion von Mauerwerksbauten“ mit lol ≥ 45 mm
ihren Nationalen Anhängen (DIN EN 1996)
zu beachten. Diese Norm ist für Planer
Für die Lastverteilung im Mauer-
und Ausführende von grundlegender Be-
werk ist die halbsteinige Überbin-
deutung. Im weiteren Teil der KS-Maurer-
dung günstig (lol = 0,5 · Steinlänge).
fibel wird vorrangig auf die Auswirkungen
Das Überbindemaß sollte so groß
für den Ausführenden, den Maurer, ein-
wie möglich sein.
gegangen.

Tafel 1/2: Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe

hu
Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe
Steinhöhe hu Regelfall Mindestüberbindemaß
[cm] lol = 0,4 • Steinhöhe [cm] lol $ [cm]
< 11,3 5 4,5 5 cm  lol  0,4 · hu

11,3 / 12,3 5 0,4 • 12,5


Steinhöhe = ·5h
cm  l  0,20
ol u

23,8 / 24,8 10 0,4 • Steinhöhe = 10


hu

49,8 20 0,25 • Steinhöhe = 12,5


62,3 25 0,2 • Steinhöhe = 12,5
50,0

5 cm  lol  0,4 · hu
a) b)
12,5 cm  lol  0,20 · hu 12,5 cm  lol  0,25 · hu
hu

62,5
50,0

5 cm  lol  0,4 · hu
12,5 cm  lol  0,25 · hu

Bild 1/9: a) Regelüberbindemaße


12,5 cm l  0,20 · h
ol u
lol nach DIN EN 1996-1-1/NA und b) Mindestüberbindemaße
bei KS XL

16
62,5
1.4 AUSFÜHRUNG

Auch bei großformatigen Kalksandstei- und keine besonderen Anforderungen


nen, KS XL mit Steinhöhen von 498 mm an den Frostwiderstand erfüllen müs-
bzw. 623 mm, ist das Überbindemaß sen, werden durch kurzzeitige Frostein-
von lol ≥ 0,4 · Steinhöhe der Regelfall. wirkung nicht in der Struktur beschädigt.
Da dies aber nicht an allen Stellen bau-
praktisch ausführbar ist, sind für die Bei gefrorenen Steinen kann der Haftver-
Anwendung von KS XL auch Reduzie- bund zum Mörtel erheblich gestört und
rungen des Überbindemaßes zulässig. das Aushärten des Mörtels verhindert
Das Mindestüberbindemaß beträgt da- oder beeinträchtigt werden. Das Messen
bei 12,5 cm. der Luft- oder Oberflächentemperaturen
ist zwar ein wichtiger Anhaltspunkt, hat
Die Verringerung des Regelüberbinde- jedoch als Grundlage für die Einstufung
maßes bei KS XL ist in der Bemessung „Frost“ nur beschränkte Bedeutung. Bei
der Wände zu berücksichtigen. Ände- lang andauernder Frostphase sind des-
rungen auf der Baustelle sind daher halb die ersten frostfreien Tage für das
unbedingt mit der Bauleitung bzw. Weitermauern nicht geeignet.
dem Statiker abzustimmen.
Der Einsatz von Tausalzen zum Auf-
tauen ist ebenfalls nicht zulässig. Be-
1.4.2 Arbeiten bei Frost reits bei geringen Chloridkonzentrati-
Das Mauern bei Frost bedarf nach DIN onen kann dies zu mehr oder weniger
18330, Abschnitt 3.1.2 grundsätzlich starken Schäden am Mauerwerk sowie
der Zustimmung des Auftraggebers. Auch am Beton führen. Daher sind Arbeitsplät-
in DIN EN 1996-2/NA wird darauf verwie- ze und Arbeitsflächen auf der Baustelle
sen, dass bei Frost nur unter besonde- auf keinen Fall mit Tausalzen, sondern
ren Schutzmaßnahmen gearbeitet wer- mechanisch oder unter Verwendung von
den darf. Der Einsatz von Frostschutz- Wasserdampflanzen von Eis und Schnee
mitteln ist nicht zulässig. Gefrorene Bau- zu befreien.
stoffe dürfen nicht verwendet werden.
Der Einsatz von Tausalzen auf Bau-
Aber auch Kalksandsteine nach DIN V 106,
stellen ist nicht zulässig.
die in der Tragschale verwendet werden

*
* **
* * * ** * *
* * ** *** *
** * **
*
Folie *
*
0° 0°

Bild 1/10: Lagern von Stein und Mörtel Bild 1/11: Frisches KS-Mauerwerk ist vor
Regen und Frost zu schützen.

17
1. MAUERWERK

Das frische Mauerwerk ist vor Frost 1.4.3. Absäuern des Mauerwerks
rechtzeitig zu schützen, z.B. durch Ab- Entsprechend DIN 18330 Mauerarbei-
decken. Auf dem gefrorenen Mauerwerk ten, Abschnitt 3.2.5 darf Mauerwerk aus
darf nicht weitergemauert werden. Durch Kalksandstein nicht abgesäuert werden.
Frost oder andere Einflüsse beschädigte Dies ist besonders bei Sicht- und Ver-
Teile von Mauerwerk sind vor dem Wei- blendmauerwerk zu beachten. Der Ein-
terbau abzutragen. satz von Säuren wie auch Salzlösungen
kann zur Zerstörung von Bauteilen aus
Das Mauern bei Frost bedarf nach Mauerwerk führen. Bei Beton kann eine
DIN 18330 grundsätzlich der Zustim- beschleunigte Korrosion der Stahleinla-
mung des Auftraggebers und darf gen eintreten.
nach DIN EN 1996-2/NA nur unter be-
sonderen Schutzmaßnahmen durch- Das Absäuern von KS-Mauerwerk ist
geführt werden. Das frische Mauer- nach DIN 18330 nicht zulässig.
werk ist vor Frost zu schützen.

Bild 1/12: Sichtmauerwerk als gestalterisches Element der Fassade

18
2. KALKSANDSTEINE

„Männer, lasst alles stehen und liegen!


Ich habe in meiner Alchimistenküche eine revolutionäre
Erfindung gemacht: handliche 3DF-Steine.”

19
2. KALKSANDSTEINE

Kalksandsteine sind Mauersteine, die 2.1 HERSTELLUNG


aus den natürlichen Stoffen Kalk, Sand
und Wasser hergestellt werden. Die Her- Die wesentlichen Stationen der KS-Pro-
stellung erfolgt ausschließlich mit natür- duktion sind (Bild 2/1):
lichen Stoffen, umweltschonend bei ge-
ringem Energieeinsatz. 1 Kalk und Sand aus den heimischen
Abbaustätten werden im Werk in Silos
Die Anwendungsfälle von Kalksandstein gelagert. Die Rohstoffe werden im Mi-
sind vielfältig. Sie werden für tragendes schungsverhältnis Kalk : Sand = 1 : 12
und nicht tragendes Mauerwerk vorwie- nach Gewicht dosiert, intensiv mitein-
gend zur Erstellung von Außen- und Innen- ander gemischt und über eine Förder-
wänden verwendet. Für tragende Innen- anlage in Reaktoren geleitet.
und Außenwände gilt DIN EN 1996/NA,
für nicht tragende Innenwände DIN 4103-1 2 Hier löscht der Branntkalk unter Was­
[2/1]. serverbrauch zu Kalkhydrat ab. Gegebe-
nenfalls wird das Mischgut dann im Nach-
mischer auf Pressfeuchte gebracht.

3 Mit vollautomatisch arbeitenden Pres-


sen werden die Steinrohlinge geformt
und auf Härtewagen gestapelt.


2
Reaktoren

1
Wasser
Sand Sand Kalk Kalk

Nachmischer
Steinpressen
Mischer

3

Dampferzeuger


4
Dampf-Härtekessel


5
Lagerplatz

Bild 2/1: Die Herstellung von Kalksandstein

20
2.3 MAUERSTEINE

4 Es folgt dann das Härten der Rohlin­ 2.2 GÜTEÜBERWACHUNG


ge unter geringem Energieaufwand bei
Temperaturen von ca. 200 °C unter Was- Die Durchführung der Fremdüberwachung
serdampfdruck, je nach Steinformat et- erfolgt z.B. in der Überwachungs- und Zerti-
wa vier bis acht Stunden. Der Vorgang fizierungsstelle der Qualitätsgemein-
ist von der Natur abgeschaut. Beim Här- schaft Mauerwerksprodukte e.V., einer
tevorgang wird durch die heiße Wasser- vom Deutschen Institut für Bautechnik,
dampfatmosphäre Kieselsäure von der Berlin, sowie vom Innenministerium des
Oberfläche der Quarzsandkörner ange- Landes Niedersachsen für alle Bundes-
löst. Die Kieselsäure bildet mit dem Bin- länder anerkannten Überwachungsge-
demittel Kalkhydrat kristalline Bindemit- meinschaft. Sie ist auch als „notified
telphasen – die CSH-Phasen –, die auf body“ anerkannt für Produkte nach der
die Sandkörner aufwachsen und diese europäischen Norm DIN EN 771-2.
fest miteinander verzahnen (Bild 2/2).
Die beim Herstellungsprozess gebil- Durch die kontinuierlich von den Herstell-
deten Strukturen aus Kalk, Sand und werken durchzuführende werkseigene
Wasser sind dafür verantwortlich, dass Produktionskontrolle (WPK) und die zwei-
der Kalksandstein (KS) ein festes Gefü- mal jährlich vorgenommene Stichproben-
ge hat. Es entstehen keine Schadstoffe. prüfung wird die gleich bleibend hohe
Qualität der Kalksandstein-Produkte ge-
5 Nach dem Härten und Abkühlen sind währleistet. Die Prüfung der Bauprodukte
die Kalksandsteine gebrauchsfertig, ei- und die Überwachung der WPK wird z.B. in
ne werkseitige Vorlagerung ist nicht er- der Überwachungsstelle der Qualitäts-
forderlich. gemeinschaft Mauerwerksprodukte e.V.
durchgeführt. Die Verleihung der Über-
einstimmungszertifikate erfolgt durch
die Zertifizierungsstelle erst dann, wenn
die Überwachung gemäß der bauauf-
sichtlichen Bestimmungen erfolgreich
durchgeführt wurde.

2.3 MAUERSTEINE

Von der Kalksandsteinindustrie wird eine


Vielzahl an Formaten für die Handver-
mauerung und für das Mauern mit Ver-
setzgerät angeboten. Das KS-Bausys­-
tem umfasst neben den Steinformaten
für die Erstellung von Mauerwerk nach
DIN EN 1996-2/NA auch Bauteile zur Sys-
temergänzung sowie Sonderprodukte.

Die KS-Palette reicht von traditionellen,


Bild 2/2: Raster-Elektronen-Mikroskopauf- kleinformatigen Kalksandsteinen zur
nahme (REM) von Kalksandstein: Sandkorn Handvermauerung (KS-Vollsteine und KS-
mit CSH-Phasen Lochsteine) über Steine mit Nut-Feder-Sys-

21
2. KALKSANDSTEINE

tem (KS -R-Steine) bis zu KS-Bauplatten  Schichthöhe


zur Erstellung von schlanken nicht tra-  Steinhöhe „Normal-“ oder „Planstein“
genden Wänden. Besonders wirtschaft-
lich sind KS-Plansteine und großforma-  Kantenausbildung (Fase)
tige KS XL, da diese mit Dünnbettmörtel  Frostwiderstand
verarbeitet werden. KS -E-Steine ermög-
lichen – auch nachträglich – die Verlegung 2.3.2 Steindruckfestigkeitsklassen (SFK)
von Elektroinstallation ohne Schlitzen Die Steindruckfestigkeit wird in N/mm2
und Fräsen. Steine zur Erstellung von angegeben. Kalksandsteine sind in den
Sichtmauerwerk runden die Palette ab. Druckfestigkeitsklassen 4 bis 60 ge-
normt, wobei in der Praxis im Wesent-
lichen die Steindruckfestigkeitsklassen
Das Steinformat wird i.d.R. als Viel- 12 und 20 Verwendung finden.
faches vom Dünnformat (DF) ange-
geben. Bei KS -R-Steinen ist zusätz- Zu berücksichtigen sind die Anforde-
lich die gewünschte Wanddicke hinter rungen an die Steindruckfestigkeit
dem Formatkurzzeichen anzugeben. der Kalksandsteine bei Steinen nach
DIN V 106:

Kalksandsteine sind in allen wesent-  KS-Vormauersteine: ≥ 10


lichen Eigenschaften in DIN V 106 ge-  KS-Verblender: ≥ 16
normt.
Bei der Prüfung und Güteüberwachung
2.3.1 Steinarten müssen die Steine für die Zuordnung
Kalksandsteine werden in verschiedenen in eine Steindruckfestigkeitsklasse zwei
Eigenschaften für unterschiedliche An- Anforderungen erfüllen: die Anforderung
wendungsbereiche angeboten. Bei der an den Mittelwert und die Anforderung
Unterscheidung der Steinarten sind ver- an den Einzelwert (Tafel 2/1). Die Prü-
schiedene Kriterien zu unterscheiden: fung erfolgt an sechs Probekörpern.
 Lochanteil gemessen an der Lager-
fläche (Vollsteine/Lochsteine)
Nach DIN V 106 wird zwischen KS-Vor-
 Stoßfugenausbildung, z.B. R-Steine mauersteinen und KS-Verblendern un-
(mit Nut-Feder-System für Verarbei­ terschieden. Aus Gründen der Verein-
tung i.d.R. ohne Stoßfugenvermörte- fachung wird in diesem Buch nur der
lung) Begriff „KS-Verblender” verwendet.

Tafel 2/1: Übliche Steindruckfestigkeitsklassen (SFK) von Kalksandstein


Steindruckfestigkeitsklasse (SFK)1) 10 2) 12 16 2) 20 28 2)
Mittlere Mindestdruckfestigkeit fst 12,5 15,0 20,0 25,0 35,0
[N/mm2]
1)
Entspricht auch dem kleinsten zulässigen Einzelwert der jeweiligen SFK
2)
Nur auf Anfrage regional lieferbar

22
2.3 MAUERSTEINE

Tafel 2/2: Wichtige Steinarten und -bezeichnungen nach DIN V 106 bzw. DIN EN 771-2/
DIN V 20000-402
a) Kalksandsteine: Lochanteil # 15 % der Lagerfläche
Bezeichnung Kurz- Schicht­ Eigenschaften und Anwendungsbereiche
zeichen höhe [cm]
1 KS-Vollsteine KS # 12,5 Für tragendes und nicht tragendes
Mauerwerk in Normalmauermörtel versetzt
2 KS -R-Blocksteine KS -R > 12,5 Wie Zeile 1, zusätzlich mit Nut-Feder-System an
# 25 den Stirnseiten; Stoßfugenvermörtelung kann
daher im Regelfall entfallen.
3 KS-Plansteine KS P # 25 Wie Zeile 2, aufgrund Einhaltung geringerer
KS -R-Plansteine KS -R P Grenzabmaße der Höhe*) (D h = ± 1,0 mm) zum
Versetzen in Dünnbettmörtel geeignet
4 KS-Fasensteine KS F # 25 Wie Zeile 3, jedoch mit beidseitig umlaufender
Fase an der Sichtseite von ca. 4 bis 7 mm
5 KS XL-Raster- KS XL-RE $ 50 Wie Zeile 3; Lieferung von Regelelementen der
elemente1) # 62,5 Länge 498 mm sowie Ergänzungselementen der
Längen 373 mm und 248 mm
6 KS XL-Plan- KS XL-PE $ 50 Wie Zeile 3; Lieferung von werkseitig vorkonfek­
elemente1) # 65 tionierten Wandbausätzen mit Regelelementen
der Länge 998 mm
7 KS -E-Steine KS -E # 25 Wie Zeilen 3 und 5, jedoch mit durchgehenden
KS XL-E = 50 Installationskanälen
b) Kalksandsteine: Lochanteil > 15 % der Lagerfläche
Bezeichnung Kurz- Schicht­ Eigenschaften und Anwendungsbereiche
zeichen höhe [cm]
8 KS-Lochsteine KS L # 12,5 Für tragendes und nicht tragendes
Mauerwerk in Normalmauermörtel versetzt
9 KS -R-Hohl- KS L-R > 12,5 Wie Zeile 8, zusätzlich mit Nut-Feder-System an
blocksteine # 25 den Stirnseiten; Stoßfugenvermörtelung kann
daher im Regelfall entfallen.
10 KS-Plansteine KS L P # 25 Wie Zeile 9, aufgrund Einhaltung geringerer
KS -R-Plansteine KS L-R P Grenzabmaße der Höhe*) (D h = ± 1,0 mm) zum
Versetzen in Dünnbettmörtel
c) Frostwiderstandsfähige Kalksandsteine 2)
Bezeichnung Kurz- Schicht- Eigenschaften und Anwendungsbereiche
zeichen höhe [cm]
11 KS-Vormauer- KS Vm # 25 KS-Vormauersteine sind Mauersteine
steine oder mindestens der Druckfestigkeitsklasse 10, die
KS Vm L frostwiderstandsfähig sind (mindestens 25-facher
Frost-Tau-Wechsel).
12 KS-Verblender2) KS Vb # 25 KS-Verblender sind Mauersteine
oder mindestens der Druckfestigkeitsklasse 16 mit
KS Vb L geringeren Grenzabmaßen der Höhe*) als Zeile 11
und erhöhter Frostwiderstandsfähigkeit (mindes-
tens 50-facher Frost-Tau-Wechsel), die mit aus­
gewählten Rohstoffen hergestellt werden.
*) 2)
Maßtoleranzen KS-Verblender werden regional auch als bossierte
1)
Im Markt sind unterschiedliche Marken bekannt. Steine oder mit bruchrauer Oberfläche angeboten.
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

23
2. KALKSANDSTEINE

2.3.3 Steinrohdichteklassen (RDK) sentlichen für Lochsteine die RDK 1,4


Die Steinrohdichte wird in kg/dm3 an- und für Vollsteine die RDK 1,8 – 2,0 ver-
gegeben. Das Steinvolumen wird ein- wendet.
schließlich etwaiger Lochungen und Griff-
öffnungen ermittelt. Die Steinrohdichte
2.3.4 Formate
wird auf den bis zur Massenkonstanz bei
Die Kalksandsteinindustrie bietet für je-
105 °C getrockneten Stein bezogen.
den Anwendungsfall das richtige Stein-
format an. Alle Steinformate entspre-
Voll- und Blocksteine sind Stein­r oh­
chen der DIN 4172 „Maßordnung im
dichte­klassen ≥ 1,6 zuzuordnen, Loch-
Hochbau“ [2/2]. Sie werden i.d.R. als
und Hohlblocksteinen den Steinroh­dich­
Vielfaches vom Dünnformat (DF) ange-
te­klassen ≤ 1,6. Ob Steine der Steinroh-
geben.
dichteklasse 1,6 zu den Voll- oder Loch-
steinen zu zählen sind, ist abhängig von
der Querschnittsminderung durch die Die regionalen Lieferprogramme sind
Lochung. In der Praxis werden im We- zu beachten.

Tafel 2/3: Übliche Steinrohdichteklassen (RDK) von Kalksandstein


Steinrohdichteklasse (RDK) 1) 1,2 2) 1,4 1,6 2) 1,8 2,0 2,2 2)
Klassengrenzen3) 1,01 1,21 1,41 1,61 1,81 2,01
in kg/dm3 bis bis bis bis bis bis
1,20 1,40 1,60 1,80 2,00 2,20
1) 2)
Steinrohdichteklassen werden jeweils ohne Be- Nur auf Anfrage regional lieferbar
3)
zeichnung (Einheit) angegeben. Einzelwerte dürfen darunter liegen.

DF NF Standardformat
52

71

0 0
115 24 115 24
248

248

2 DF 3 DF 3
8 37
d 24 d
113

Endstein
113

0 17 0
11
5 24 5 24

4 DF 5 DF
248

248

3
113

113

d 8 37
24 d
24 0 24 0
0 24 0 30
Wanddicke d = 1151), 175, 240 mm
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.
1)
Nur für nicht tragende Wände

Bild 2/3: Beispiele für KS-Steine, KS-Verblen- Bild 2/4: Beispiele für KS-Fasensteine, zu ver-
der, zu versetzen in Normalmauermörtel setzen in Dünnbettmörtel

24
2.3 MAUERSTEINE

4 DF (240) 5 DF (300) 6 DF (365)


113

113
113
24 8
0 24 30
0 36
8
24 5 8
24

Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/5: Beispiele für KS -R-Steine (h = 113 mm), zu versetzen in Normalmauermörtel

4 DF (115) 6 DF (175) 8 DF (240)

238
238
238

8 8 24 8
11
5 24 17
5 24 0 24

10 DF (300) 12 DF (365)238
238

30 36
0 8 5 8
24 24

8 DF (115) 12 DF (175)
238

238

8
49 8
115
17 49
5

16 DF (240) 20 DF (300)
238

238

8
24 49 8
0 30
0 49

Steine mit einem Gewicht bis zu 25 kg lassen sich von Hand mauern.
Bei größerem Einzelsteingewicht werden Versetzgeräte eingesetzt.
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/6: Beispiele für KS -R-Blocksteine (h = 238 mm), zu versetzen in Normalmauermörtel

25
2. KALKSANDSTEINE

4 DF (240) 5 DF (300) 6 DF (365)


123

123
123
24 8 30
0 24 0 8 36
24 5 8
24

4 DF (115) 5 DF (150) 6 DF (175) 7 DF (200)

248
248
248

248
11 8 15 8 20 8
5 24 0 24 17
5 24
8 0 24

8 DF (240) 10 DF (300) 12 DF (365)

248
248

248

24 8 36
0 24 5 8
30
0 24
8
24

8 DF (115) 10 DF (150) 12 DF (175)


248
248

248

8 8
49 49 8
115 15
0 17 49
5

14 DF (200) 16 DF (240) 20 DF (300)


248
248

248

8
20 49 24 49
8
0 8
0 30
0 49

Steine mit einem Gewicht bis zu 25 kg lassen sich von Hand mauern.
Bei größerem Einzelsteingewicht werden Versetzgeräte eingesetzt.
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/7: Beispiele für KS -R-Plansteine (h = 123 mm bzw. 248 mm), zu versetzen in Dünnbett-
mörtel
26
2.3 MAUERSTEINE

Regelelement Ergänzungselemente 1/4


1/1 3/4 1/2

248
8
d 24

498
623
498
623

1/8
498
623
8
49 8
24

123
d 3 d
d 37 8
d 24

d = 1001), 115, 150, 175, 200, 240, 300, 365 mm Im Markt sind unterschiedliche Marken bekannt.
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. 1)
Nur für nicht tragende Wände

Bild 2/8: Beispiele für KS XL-Rasterelemente, zu versetzen in Dünnbettmörtel


623/648
623/648

498
498

8 8
99 99

11 15
0
10 5
0 1)
623/648
498

8
99
623/648
498

8 20
99 21 0
4

17
5
623/648
498

8
99
623/648
498

24
0
8
99

Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. 30


36 0
5
Im Markt sind unterschiedliche Marken bekannt.
1)
Nur für nicht tragende Wände

Bild 2/9: KS XL-Planelemente, zu versetzen in Dünnbettmörtel

27
2. KALKSANDSTEINE

Tafel 2/4: Zulässige Grenzabmaße nach DIN V 106


Bezeichnung KS und KS -R KS -R P1) KS XL1) KS Vm KS Vb2)
Steinlängen und
-breiten
Einzelwerte ± 3 mm ± 2 mm
Mittelwerte ± 2 mm ± 1 mm
Höhenmaß
bei DF und NF
Einzelwerte ± 3 mm – ± 3 mm ± 2 mm
Mittelwerte ± 2 mm – ± 2 mm ± 1 mm
Höhenmaß
bei Steinen ≥ 2DF
Einzelwerte ± 4 mm ± 1,0 mm ± 4 mm ± 2 mm
Mittelwerte ± 3 mm ± 1,0 mm ± 3 mm ± 1 mm
1) 2)
Die hohe Maßgenauigkeit ermöglicht be-  S-Verblender mit strukturierter Oberfläche haben eine
K
sonders ebenflächiges und sauberes Mau- oder zwei bossierte bzw. bruchraue Sichtflächen.
erwerk. Der Einsatz von Dünnlagenputzen Das Längen- oder Breitenmaß darf hier bis zu 5 mm
ist dadurch möglich. (im Mittelwert 4 mm) unterschritten werden.

2.3.5 Grenzabmaße (Toleranzen) 2.3.6 Frostwiderstand


Kalksandsteine sind durch das Herstell­ Kalksandsteine, die der Witterung aus-
verfahren sehr maßgenau. In Abhängig- gesetzt sind (z.B. in der Verblendschale
keit von der Steinart sind die Anforde- von zweischaligem Mauerwerk), müssen
rungen an die Grenzabmaße (Maßtole- frost­widerstandsfähig sein. Der Nach-
ranzen) der Kalksandsteine in DIN V 106 weis dieser wichtigen Eigenschaft er-
festgelegt (Tafel 2/4). folgt nach einem in DIN V 106 defi-

KS-Verblender, glatt KS-Verblender, bruchrau/bossiert

DF NF eine Läuferseite
Tafel 2/5: KS-Produkte für
40 Sicht- und Verblendmauerwerk.
DF 1)
52

NF 2 DF
71

115 402 115 2

2 DF 0
71
52

24 0
113

3 DF ~9 ~9 24 0
5 5 ~9 24
5
113

113

0
11 24 0
5 17 24
5
je eine Kopf- und Läuferseite
4 DF 5 DF 2 DF
DF NF
113

113

113

20
52

71

~2 20 20
24
0 24
0 24 0 ~9
5 ~9 ~2 ~9 ~2
0 30 5 5

Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/10: Beispiele für KS-Produkte für Sicht- und Verblendmauerwerk

28
2.4 BAUTEILE ZUR SYSTEMERGÄNZUNG

nierten Prüf­verfahren. Die Steine werden 2.4.1 KS-Bauplatte (KS -BP)


dabei einer extremen Beanspruchung Für nicht tragende innere Trennwände
(25 Frost-Tau-Wechsel bei KS Vm bzw. nach DIN 4103-1 können KS-Bauplatten
50 Frost-Tau-Wechsel bei KS Vb) ausge- eingesetzt werden. KS-Bauplatten sind
setzt. Die Temperatur wechselt im Ver- Kalksandsteine nach DIN V 106 mit Re-
lauf der Prüfung, die mit einer optischen gelhöhen von 248 mm und 498 mm und
Beurteilung abschließt, zwischen - 15 °C einer Dicke < 115 mm, die mit einem
und + 20 °C. umlaufenden Nut-Feder-System ausge-
bildet sein können. Die Stoßfugen der
2.4 BAUTEILE ZUR SYSTEMERGÄNZUNG KS-Bauplatten werden i.d.R. vermörtelt.

Die Bauteile zur Systemergänzung run- 2.4.2 KS-Kimmsteine/


den das Lieferprogramm ab und ermög- KS-Wärmedämmsteine
lichen somit die Erstellung von Wänden KS-Kimmsteine sind Steine, die in un-
aus einem Baustoff. terschiedlichen Höhen zum Höhenaus-
gleich am Wandfuß bzw. am Wandkopf
eingesetzt werden.
KS-Bauplatte BP7
KS-Wärmedämmsteine sind druckfeste
wärmetechnisch optimierte Mauersteine
nach DIN V 106, die unter Verwendung
248

49
8 eines natürlichen Leichtzuschlages her-
70 gestellt werden. Sie werden als Voll-
stein in den Steindruckfestigkeitsklas-
248

KS-Bauplatte BP10 8 sen 12 und 20 mit einem Bemessungs-


49 /248
10
0 37
3 wert der Wärmeleitfähigkeit λ ≤ 0,33 W/
KS XL-RE (100) (m·K) angeboten, regional auch mit ande-

KS-Kimmsteine
für alle Wanddicken d
1)
in unterschiedlichen Höhen h
498
623

8
49 d 8 8
24
h

49
10 d
0

KS XL-PE (100) KS-Wärmedämmsteine1)


mit einem Bemessungswert der Wärmeleit-
fähigkeit λ  0,33 W/(m·K)
zur Reduzierung von Wärmebrücken
498
623

8
1132)

99
113 2)

8 8
d 24 49
d
10
0 1)
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.
2)
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. Andere Höhen auf Anfrage

Bild 2/11: KS-Produkte für nicht tragende Bild 2/12: Beispiele für KS-Kimmsteine/
Wände nach DIN 4103 KS-Wärmedämmsteine

29
2. KALKSANDSTEINE

ren Steineigenschaften. Sie werden an 2.4.3 KS-Stürze


geometrisch bedingten Wärmebrücken Als vorgefertigte Bauteile zur leichteren
wie z.B. Wandfußpunkten von Außen- Öffnungsüberdeckung werden vorgefer-
und Innenwänden über nicht beheizten tigte KS-Stürze angeboten.
Kellern, Fundamentplatten oder belüf-
teten Kriechkellern eingesetzt.

Sturzbreite Sturzhöhe Nennlänge


abZ: Z-17.1-978 d [mm] [mm] [mm]
115
71
175
1)
0 115
00 1000
–3 150
00 bis
10 175 30001)
113
200
71

d 1) 214*)
0
3 00 240
0 0– 1003)*)
10
113

115
d 875
150
123 bis
2) 175
30002)
00 200
30
5– 240
87
123

1)
d Abgestuft in 250 mm-Schritten
2)
Abgestuft in 125 mm-Schritten
3)
Nur für nicht tragende Wände
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. *)
Auf Anfrage

Bild 2/13: KS-Flachstürze nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ)

abZ:
abZ:Z-17.1-621
Z-17.1-621 abZ:
abZ:Z-17.1-774
Z-17.1-774
1)
Abgestuft in 250 mm-Schritten
2)
Nur für nicht tragende Wände
3)
Sonderhöhen sind zulässig
*)
Auf Anfrage
1) 1) 1) 1)
248–498
248–498

00 Die regionalen Lieferprogramme


196–498
196–498

0000 0000
–2–2 2020 sind zu beachten.
00000 0 00–0–
0
11 1010
dd dd
3)
Sturzbreite Sturzhöhe Nennlänge Sturzbreite Sturzhöhe3) Nennlänge
d [mm] [mm] [mm] d [mm] [mm] [mm]
1002) 115
115 150
196 1000
150 175
bis bis
175 248 200
1000 748 20001)
200 373 214
*) bis
214 480 240
2000
240 498
265*)
300
365

Bild 2/14: KS-Fertigteilstürze nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ)

30
2.4 BAUTEILE ZUR SYSTEMERGÄNZUNG

Es wird unterschieden zwischen KS-Flach- 2.4.4 KS -U-Schalen


stürzen (h ≤ 12,5 cm), deren Druckzone KS -U-Schalen sind Kalksandsteine nach
(Übermauerung) auf der Baustelle her- DIN V 106, die aus anwendungstech-
gestellt wird und KS-Fertigteilstürzen nischen Gründen von der Form eines ge-
(h > 12,5 cm). Die Bemessung erfolgt schlossenen Mauersteins abweichen.
nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zu- Sie werden z.B. für Ringbalken, Stürze,
lassung (abZ). Stützen und Installationsschlitze im Mau-

35
1151) 32 5
150 37 5
175 10 200 37 5
12
50 75 5 5
32 5 37 5 35 37 5

240

65 175
65 175

240
240
65 175

240
65 175

0
24 5) 0
24 5)
0
11
5 (11 15
0 24 17
5 (11 20
0 24
0

52 5 52 5
240 45 300 19
365 26
15 5 0
0
45 52 5 52 5

240
65 175
65 175
240
240
65 175

0
24 24 5) 30 0
36
5 0
0 24 24
0 (11

1) Als Bewehrung sind korrosionsgeschützte Stähle einzusetzen.


Regional können die Wandungsdicken der KS -U-Schalen unterschiedlich sein. Dadurch verändern sich u.U. die lichten
Innenmaße.
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/15: KS -U-Schalen

Wanddicke
d [mm]
175
200
623
498

214
100 200

240
200

d Regional können die Wandungsdicken


5 d
30

12 unterschiedlich sein. Dadurch verändern


1 25 sich u.U. die lichten Innenmaße bzw.
die Lage der Öffnung.

Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.

Bild 2/16: KS-Gurtrollersteine

31
2. KALKSANDSTEINE

KS -E-Steine
248

248

498
8 8
d 24 49
d
8
49
d

Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten.


Bild 2/17: Beispiele für KS-Produkte mit durchgehenden Installationskanälen

erwerk verwendet. KS -U-Schalen werden fräst werden müssen, sondern geschützt


für tragendes und nicht tragendes Mauer- in der Wand liegen.
werk und für Verblendmauerwerk ange-
boten. Die Lieferung erfolgt i.d.R. folien- 2.5 BEZEICHNUNGEN
verpackt auf Paletten.
Die Bezeichnung der Kalksandsteine er-
2.4.5 KS -E-Steine folgt nach DIN V 106. Sie setzt sich zu-
KS-Produkte mit durchgehenden verti- sammen aus der Steinsorte, der DIN-
kalen Installationskanälen (Ø ≤ 60 mm) Hauptnummer, der Steinart, der Druck-
im Abstand von 12,5 bzw. 25 cm werden festigkeitsklasse, der Rohdichteklasse
als KS -E-Steine bezeichnet. Sie sind so und dem Format-Kurzzeichen.
im Verband zu mauern, dass über die ge-
samte Wandhöhe eines Geschosses Ab dem Format 4 DF ist zusätzlich die
durchgehende Kanäle entstehen. In die- Wanddicke anzugeben. Anstelle des For-
se Kanäle können nach Fertigstellung mat-Kurzzeichens dürfen auch die Maße
der Wände von der oberen Decke her in der Reihenfolge Länge/Breite/Höhe
Leerrohre für die Installation eingezogen angegeben werden. Dies gilt stets bei
werden. Der Vorteil dieser Bauweise ist, Plansteinen, Planelementen, Fasenstei-
dass Installationsleitungen nicht einge- nen und Bauplatten.

Wanddicke
Steindruck- Steinroh- (bei Steinen
festigkeits- dichte- mit Nut-Feder-
Steinsorte KS-Norm Steinart klasse klasse Format System an
den Stirn-
flächen)
Kalksandstein DIN V 106 – KS L-R P 12 – 1,4 – 8 DF (240)

Hohlblockstein Plan- mind. 1,21 bis 248 x 240 x 248 240 mm


mit Nut-Feder- stein 12 N/mm2 1,40 kg/dm3
System Trockenrohdichte

Bild 2/18: Bedeutung der Kurzzeichen (Beispiel)

32
3. MAUERMÖRTEL

„Sowas nennt man dann ja wohl Verbundmauerwerk.”

33
Muster-CE-Kennzeichnung für den Normalmauermörtel „MURODURplus“
3. MAUERMÖRTEL

3.1 ANFORDERUNGEN AN
MAUERMÖRTEL M1

Die Bestimmungen über die Mörtelbe-


standteile, die Mörtelzusammenset- 0778 M2

zung sowie die Anforderung an Mauer- Mörtel GmbH


Musterstraße 1 M3

mörtel sind in DIN EN 1996-1-1 enthal- D-12345 Musterstadt

13
ten. Durch die Harmonisierung der euro-
M4

Nr. AAA-PPP-6793-NM M5

päischen Normen gilt für Mauermörtel


EN 998-2 :2010 M6

die europäische Produktnorm DIN EN


Normalmauermörtel (G) M7

998-2 [3/1]. Die in DIN EN 998-2 ge- Normalmauermörtel nach Eignungsprüfung zur Verwendung in Wänden , Pfeilern und

stellten Anforderungen an Mauermör- Trennwänden aus Mauerwerk (Innen- und Außenbauteile), die Anforderungen an die
Standsicherheit unterliegen.
M8

tel umfassen nicht alle Anforderungen, Druckfestigkeit: M5 M9

die in Deutschland an Mauermörtel ge-


Charakteristische Anfangsscherfestigkeit
Verbundfestigkeit: (Haftscherfestigkeit): M 10
0,15 N/mm² (Tabellenwert)
stellt werden. Damit Planer und Verarbei- Chloridgehalt: ≤ 0,1 M.-% M 11

ter mit Mauermörtel nach DIN EN 998-2 Brandverhalten: A1 M 12

Mauerwerk herstellen können, ist auch Wasseraufnahme:


Wasserdampfdurchlässigkeit:
≤ 0,40 kg/(m²·min0,5)
15/35 (Tabellenwert)
M 13

M 14

DIN V 20000-412 [3/2] anzuwenden. Wärmeleitfähigkeit:


l10,dry,mat ≤ 0,82 W/(m⋅K) für P=50%
l10,dry,mat ≤ 0,89 W/(m⋅K) für P=90% M 15
(Tabellenwerte)

Aufgrund vorliegender Erfahrungen bei sachgerechter


Dauerhaftigkeit:
Die Anwendung von Mauermörteln (Frostwiderstand)
Anwendung geeignet für stark angreifende Umgebung nach
EN 998-2 Anhang B
M 16

ohne Ü-Zeichen nach DIN V 18580 ist Gefährliche Substanzen: NPD M 17

nicht zu empfehlen. 61

7_2034_Bauproduktenverordnung.indd 61 26.10.12 08:51

3.2 KENNZEICHNUNG DES


MAUERMÖRTELS
Die Mauermörtel nach DIN EN 998-2
werden mit einem CE-Kennzeichen ge-
kennzeichnet. Entsprechen diese Mör-
tel zusätzlich der DIN V 18580, erhalten
sie zusätzlich ein entsprechendes Ü-Zei-
chen, siehe Bild 3/1.

Ist ein Mauermörtel nicht mit einem Ü-


Zeichen gekennzeichnet, so sind für die
Herstellung von Mauerwerk mit diesem
Mörtel zusätzlich die Anwendungsregeln
der DIN V 20000-412 zu beachten.

Die Bezeichnung der Mörtel erfolgt nach


DIN EN 998-2. Zusätzlich ist der Mörtel
mit Bezug auf DIN V 18580 mit der An-
gabe der Mörtelart und Mörtelgruppe zu
bezeichnen, z.B. für Normalmauermörtel
DIN V 18580 – NM IIa oder für Dünnbett- Bild 3/1: Beispiel für CE- und Ü-Kennzeich-
mörtel DIN V 18580 – DM. nung von Normalmauermörtel

34
3.3 MÖRTEL- und steinbedarf

3.3 MÖRTEL- UND STEINBEDARF

Tafel 3/1: Mörtelbedarf für KS-Vollsteine, KS-Lochsteine, KS -R-Steine und


KS -R-Blocksteine
KS-Vollsteine und KS-Lochsteine in Normalmauermörtel1) (mit Stoßfugenvermörtelung)
Wand- Richtwerte für den Bedarf an NM in Liter je m2 Wandfläche
dicke: 11,5 cm 17,5 cm 24 cm 30 cm 36,5 cm
Format Stein Mörtel Stein Mörtel Stein Mörtel Stein Mörtel Stein   Mörtel
DF 64 26 – – 128 62 – – 192 98
NF 48 24 – – 96 57 – – 144 90
2 DF 32 17 – – 64 44 (32 · 2DF 96 71
53
3 DF – – 32 26 44 38 +32 · 3DF) (48 · 2DF
69
4 DF – – – – 32 36 – – +32 · 3DF)
5 DF – – – – 26 34 32 44 – –

KS -R-Steine und KS -R-Blocksteine in Normalmauermörtel1) (unvermörtelte Stoßfugen)


Richtwerte für den Bedarf an NM in Liter je m2 Wandfläche bei einer Frischmörtel-
auftragsdicke von 15 mm, unvermörtelter Stoßfuge und Auftrag mit Mörtelschlitten
Steinhöhe Wanddicke [cm]
[mm] 11,5 15 17,5 20 24 30 36,5
113 14 18 21 24 29 36 44
238 7 9 11 12 15 18 22
1)
 ie angegebenen Werte sind durchschnittliche Ver­brauchs­werte üblicher Baustellen. Je nach Baustelle sind
D
Mörtelverluste bzw. erhöhter Mörtelbedarf einzuplanen.

Tafel 3/2: Mörtelbedarf1) (Dünnbettmörtel ohne Stützkorn; Korngröße bis 1 mm) für
KS-Plansteinmauerwerk aus KS-Plansteinen, KS-Bauplatten2) und KS-Fasensteinen3)
Richtwerte1) für den Bedarf an Dünnbettmörtel in kg Trockenmasse je m² Wandfläche
bei einer Frischmörtelauftragsdicke von 3–4 mm
Steinhöhe Wanddicke [cm]
[mm] 72) 10 11,5 15 17,5 20 21,4 24 26,5 30 36,5
123 – – 3,5 4,7 5,3 6,0 – 7,2 – 9,0 11,0
248 1,5 1,5 1,7 2,3 2,6 3,0 – 3,6 – 4,5 5,5

Tafel 3/3: Mörtelbedarf1) (Dünnbettmörtel mit Stützkorn; Korngröße über 1 mm) für
KS-Plansteinmauerwerk aus großformatigen Kalksandsteinen, KS XL4)
Richtwerte1) für den Bedarf an Dünnbettmörtel in kg Trockenmasse je m² Wandfläche
bei einer Frischmörtelauftragsdicke von 3–4 mm
Steinhöhe Wanddicke [cm]
[mm] 72) 10 11,5 15 17,5 20 21,4 24 26,5 30 36,5
123 – – 4,7 6,4 7,2 8,1 – 9,7 – 12,2 14,9
248 2,0 2,0 2,3 3,1 3,5 4,1 – 4,9 – 6,1 7,4
498 – 1,1 1,2 1,6 1,9 2,0 2,3 2,4 2,7 3,1 3,8
623 / 648 – 0,8 1,1 1,4 1,5 1,6 1,9 2,0 2,3 2,6 3,1

Randbedingungen für Tafel 3/2 und Tafel 3/3:


– Auftrag mit dem Mörtelschlitten und der vom Mörtelhersteller empfohlenen Zahnschiene
(Abstreifschiene)
– Mauerwerk ohne Stoßfugenvermörtelung
1)
Die angegebenen Werte sind durchschnittliche Verbrauchswerte üblicher Baustellen bei Auftrag mit einem
Mörtelschlitten. Je nach Baustelle sind Mörtelverluste bzw. erhöhter Mörtelbedarf einzuplanen, z.B. für:
– Vermörteln von Anschlussfugen bei Anwendung der Stumpfstoßtechnik
– Planmäßiges Vermörteln der Stoßfugen (zur Herstellung der Druckzone in der Übermauerung von Stürzen,
bei unverputztem Mauerwerk und gleichzeitigen Anforderungen an Luftdichtheit, Schallschutz etc.)
– Verschließen von unvermörtelten Stoßfugen > 5 mm
2)
Stoßfugen vermörtelt
3)
Stoßfugen sind ggf. aus bauphysikalischen Gründen zu vermörteln, z.B. bei Verzicht auf Putz und Anforderungen an
Schallschutz, Luftdichtheit oder Witterungsbeanspruchung.
4)
Im Markt sind unterschiedliche Marken bekannt.

35
3. MAUERMÖRTEL

3.4 MÖRTELARTEN 3.4.1 Dünnbettmörtel


Dünnbettmörtel wird als Werk-Trocken-
Die Mörtelarten werden nach ihren je- mörtel hergestellt. Er ist für Planstein-
weiligen Eigenschaften und/oder dem mauerwerk mit Fugendicken von 1 bis
Verwendungszweck unterschieden in: 3 mm geeignet. Die Sollhöhe der Plan-
steine (123 mm, 248 mm, 498 mm,
 Dünnbettmörtel 623 mm) entspricht dem Baurichtmaß
(Vielfaches von 12,5 cm) zuzüglich
 Normalmauermörtel 2 mm Lagerfugendicke.
 Leichtmauermörtel
In DIN V 18580 werden folgende Anfor-
derungen an Dünnbettmörtel gestellt:
Die Unterscheidung in Mörtelgruppen,
wie sie nach DIN EN 1996/NA üblich ist,  Größtkorn der Zuschläge ≤ 1,0 mm
erfolgt in erster Linie durch ihre Festig-
keit. Bei Leichtmauermörtel wird auch  Charakteristische Anfangsscherfestig-
nach Wärmeleitfähigkeiten differenziert. keit (Haftscherfestigkeit) ≥ 0,20 N/
mm2 und Mindesthaftscherfestigkeit
Mörtelart und Mörtelgruppe werden für (Mittelwert) ≥ 0,50 N/mm 2, siehe
die Wände eines Gebäudes nach den Tafel 3/4.
jeweiligen Erfordernissen ausgewählt.
Grundsätzlich können in einem Gebäude  Trockenrohdichte ≥ 1.500 kg/m3
oder einem Geschoss verschiedene Mör-
tel verarbeitet werden. Aus wirtschaft­  Korrigierbarkeitszeit ≥ 7 Minuten
licher Sicht ist die Beschränkung auf
einen Mörtel sinnvoll.  Verarbeitungszeit ≥ 4 Stunden

 Der Festigkeitsabfall nach Feuchtlage­


Bei Verwendung unterschiedlicher rung darf 30 % nicht überschreiten.
Mörtel auf einer Baustelle muss aus-
geschlossen werden, dass diese ver- Über allgemeine bauaufsichtliche Zulas­
wechselt werden können. sungen (abZ) sind weitere Mörtel mit
Stütz­korn geregelt.

Tafel 3/4: Bezeichnungen von Dünnbettmörtel nach DIN EN 998-2 und zusätzliche Anforde-
rungen nach DIN V 18580 bzw. DIN V 20000-412.
Dünnbettmörtel nach Zusätzliche Anforderungen an Dünnbettmörtel (DM)
DIN EN 998-2 nach DIN V 18580 bzw. DIN V 20000-412
Dünnbettmörtel (T) Charakteristische Mindesthaftscherfestigkeit
Anfangsscherfestigkeit (Mittelwert) 2)
(Haftscherfestigkeit) 1)
[N/mm2] [N/mm2]
M10 0,20 0,50
1)
maßgebende Verbundfestigkeit = charakteristische Anfangsscherfestigkeit • 1,2, geprüft nach
DIN EN 1052-3
2)
maßgebende Verbundfestigkeit = Haftscherfestigkeit (Mittelwert) • 1,2, geprüft nach DIN 18555-5

36
3.4 MÖRTELARTEN

Die Anforderungen der Mindestverarbei-


tungszeit von vier Stunden soll sicher-
stellen, dass dem Maurer für ein an-
gerührtes Gebinde (Sack) eine ausrei-
chend lange Zeit zur Verarbeitung zur
Verfügung steht.

Beim Vermauern wird dem Mörtel von


den Mauersteinen ein Teil des Anmach-
wassers entzogen, so dass die Position
des Mauersteins nur innerhalb weniger
Minuten korrigiert werden kann. Nach-
trägliche Korrekturen zerstören den Ver- Bild 3/2: Die Lage der Kimmschicht ist vor
bund und damit die Zug- und Biegezug­ allem in Wandquerrichtung zu kontrollieren.
festigkeit des Mauerwerks.

Da nachträgliche Korrekturen (z.B. An­


keilen) zur Zerstörung des Haftver-
bundes führen können, ist darauf zu
achten, dass die Kimmschichten
­exakt angelegt werden. Das Legen in
Waage (ins Wasser) ist sowohl in
Wandlängsrichtung als auch in Wand-
querrichtung zu kontrollieren.

Die von der KS-Industrie empfohlene La- Bild 3/3: Kontrolle der Ebenheit in Wand-
gerfugendicke im fertigen Mauerwerk längsrichtung
von mindestens 2 mm ist vorteilhaft für
Verarbeitung und Verbund. Um dies zu
erreichen, werden optimierte Dünnbett-
mörtel angeboten, z.B. mit Stützkorn.

Die Kalksandsteinindustrie empfiehlt,


bei der Herstellung von KS-Planstein-
mauerwerk den werkseitig angebote-
nen Dünnbettmörtel zu ver­wenden,
der i.d.R. als besonders geeignet für
KS-Mauerwerk zertifiziert ist. Die vom
Dünnbettmörtel-Hersteller empfoh-
lene Zahnschiene, üblicherweise auf
Bild 3/4: Der Dünnbettmörtel wird mit dem
dem Mörtelsack abgebildet, ist zu Mörtelschlitten und der vom Dünnbettmörtel-
verwenden. Hersteller empfohlenen Zahnschiene aufge-
tragen.

37
3. MAUERMÖRTEL

3.4.2 Normalmauermörtel
Die Trockenrohdichte von Normalmauer-
mörteln beträgt mindestens 1.500 kg/
m3.

In Abhängigkeit von der Druck- und der


Haftscherfestigkeit werden Normalmör-
tel in Mörtelgruppen (nach DIN EN 1996/
NA) bzw. Mörtelklassen (nach DIN EN
998-2) unterschieden, siehe Tafel 3/5.

Normalmauermörtel wird aus Gründen


der Wirtschaftlichkeit im Regelfall als
Werkmörtel (Trocken- oder Frischmörtel)
verarbeitet. NM I ist nicht als Mauermör-
tel verwendbar.
Bild 3/5: Verarbeitung von Normalmauer-
mörtel
3.4.3 Leichtmörtel
Leichtmörtel wurden speziell für mono­ bei den Rechenwerten eines Bemes-
lithisches Mauerwerk entwickelt und sungswerts der Wärmeleitfähigkeit λ
haben eine Rohdichte ≤ 1.000 kg/m3. von 0,36 W/(m·K) und 0,21 W/(m·K).
In Abhängigkeit von ihrer Wärmeleitfä- Ihre Druckfestigkeit entspricht der Mör-
higkeit werden sie in die Leichtmörtel- telgruppe NM IIa (nach DIN EN 1996/
gruppen LM 36 und LM 21 eingestuft. NA) bzw. einer Mörtelklasse M 5 (nach
Die Ziffern 36 und 21 entsprechen da- DIN EN 998-2 oder DIN EN 1996/NA).

Tafel 3/5: Bezeichnungen von Normalmauermörtel nach DIN EN 998-2 und zusätzliche Anfor-
derungen nach DIN V 18580 bzw. DIN V 20000-412.
Mörtelgruppen Mörtel- Mörtelgruppen nach DIN V 18580 bzw. DIN V 20000-412,
nach klassen zusätzliche Anforderungen
DIN V 18580 nach
Fugendruckfestigkeit 1) Charakteris- Mindest-
DIN V 20000-412 DIN EN 998-2
nach Verfahren tische An­ haftscher-
fangsscher- festigkeit
Normal- Normal- I II III
festigkeit (Mittel-
mauer- mauer-
(Haftscher- wert) 3)
mörtel (NM) mörtel (G)
festigkeit) 2)
[N/mm2] [N/mm2] [N/mm2] [N/mm2] [N/mm2]
NM II M 2,5 1,25 2,5 1,75 0,04 0,10
NM IIa M5 2,5 5,0 3,5 0,08 0,20
NM III M 10 5,0 10,0 7,0 0,10 0,25
NM IIIa M 20 10,0 20,0 14,0 0,12 0,30
1)
Prüfung der Fugendruckfestigkeit nach DIN 18555-9 mit KS-Referenzsteinen
2)
maßgebende Verbundfestigkeit = charakteristische Anfangsscherfestigkeit • 1,2, geprüft nach
DIN EN 1052-3
3)
maßgebende Verbundfestigkeit = Haftscherfestigkeit (Mittelwert) • 1,2, geprüft nach DIN 18555-5

38
3.5 MÖRTEL FÜR VERBLENDSCHALEN

In DIN V 18580 werden zusätzliche An- Der Mauermörtel in Verblendschalen


forderungen an die Verformbarkeit von muss ausreichend druckfest und gleich-
Leichtmörtel (Längsdehnungsmodul und zeitig genügend verformungsfähig sein.
Querdehnungsmodul) gestellt. Da Verblendschalen nicht vertikal belas-
tet sind, sind Verformungen, z.B. infolge
3.5 MÖRTEL FÜR VERBLENDSCHALEN Temperaturänderung, größer als in belas-
tetem Mauerwerk. Die Formänderungen
In der Verblendschale hat der Mauer- führen i.d.R. auch zu Zugspannungen,
mörtel die Aufgabe, gemeinsam mit dem die von Mauersteinen und Fugen­mörtel
Mauerstein eine geschlossene Fläche aufgenommen werden müssen.
zu bilden, die den Witterungsbeanspru-
chungen widersteht. Für diesen Zweck
muss der Mauermörtel gut am Stein haf- Für das Aufmauern der Verblend-
ten. Andernfalls bilden sich flache Öff- schale ist Normalmauermörtel (NM
nungen zwischen Stein und Fugenmör- IIa) zu verwenden. Für das nachträg-
tel, so genannte Blattkapillaren, die das liche Verfugen darf Normalmauer-
Eindringen von Niederschlagswasser in mörtel (NM III) verwendet werden.
das Mauerwerk fördern und damit seine
Dauerhaftigkeit beeinträchtigen.

Richtige Ausführung

15 bis 20 mm Fugenglattstrich Fugenglattstrich


Nachträgliche Verfugung

Ungünstige Ausführung

Falsche Ausführung

Bild 3/6: Ausführung von Mörtelfugen in Verblendschalen

39
3. MAUERMÖRTEL

Wird der Vormauermörtel als Baustellen- 3.6 MÖRTEL FÜR KIMMSCHICHTEN


mörtel hergestellt, ist er mit der Mörtel-
gruppe IIa nach Tafel 3/6 herzustellen. Das Aufmauern der Wände beginnt
Sand und Wasser dürfen keine Be- grundsätzlich mit einer Ausgleichs-
standteile wie Salze, Lehm oder Orga- schicht aus Normalmauermörtel der
nisches enthalten, da diese zu Ausblü- Mörtelgruppe III (zügig abbindender Ze-
hungen des Mauerwerks führen können. mentmörtel), Dicke d = 1 bis 3 cm. Die
Es sollen möglichst gewaschene San- üblichen Putz- und Mauermörtel sind von
de eingesetzt werden. Baustellenmör- der Sieblinie und dem Anbindeverhalten
tel eignet sich nur für eine nachträgliche nicht zu empfehlen. Die Mörtelindustrie
Verfugung. Aufgrund möglicher Farb­ bietet spezielle Anlegemörtel für hoch
unterschiede beim Baustellenmörtel ist belastbares KS-Mauerwerk an.
eine Verfugung im Fugenglattstrich nicht
empfehlenswert. Hierfür sind Werkmör- Die Ausgleichsschicht dient dem Hö-
tel einzusetzen. henausgleich der Wand, der Herstellung
eines planebenen Niveaus in Längs- und
Der Werkmörtel ist entsprechend Her- Querrichtung und dem Ausgleich von Un-
stellervorschrift aufzubereiten. Beim ebenheiten in der Betondecke. Das ge-
Fugenglattstrich („Verfugung im eigenen naue Anlegen der Ausgleichsschicht ist
Saft“, Bild 3/11) ist bei mehreren Liefe- insbesondere bei Mauerwerk mit Dünn-
rungen auf Farbgleichheit zu achten. Bei bettmörtel wichtig.
nachträglicher Verfugung können dem
Fugenmörtel auf Wunsch Farbzusätze Die Ausgleichsschicht muss vor dem Wei-
zugegeben werden. Hierbei ist zu beach- termauern ausreichend erhärtet sein.
ten, dass die Stoß- und Lagerfugen flan-
kensauber 1,5 cm tief ausgekratzt wer-
den. Die Ausführung der Mörtelfugen Es empfiehlt sich, die Kimmschichten
sollte Bild 3/6 entsprechen. mindestens einen Tag vor dem Auf-
mauern des restlichen Mauerwerks
anzulegen.

Das Erstellen der Kimmschicht mit Hilfe


von verfahrbaren Mörtelwagen und spe-
ziellen Mörtelschaufeln erleichtert und
beschleunigt das Anlegen und hat sich
in der Praxis bewährt.

Bei Großobjekten bietet sich sogar der


Einsatz spezialisierter Teams für das An-
legen der Kimmschicht an.

Bild 3/7: Fugenglattstrich mit Normal-


mauermörtel, Verfugung im eigenen Saft

40
3.6 MÖRTEL FÜR KIMMSCHICHTEN

Empfehlungen für das Anlegen der Kimm­ zulegen. Kontrolle der Ebenheit in
schicht: Längs- und Querrichtung.

 Verwendung von Mauermörteln der  In den Kimmschichten ggf. erforder-


Mörtelgruppe III (höhere Anfangsfes- liche Lücken zum Verfahren der Ver-
tigkeit). setzgeräte lassen.

 Dicke des Anlegemörtels ≤ 3 cm  Anlegen der Kimmschichten ca.


1 Tag vor dem Aufmauern der Wand-
 Die Kimmschicht ist sorgfältig an- scheiben.

Bild 3/8: Die Kimmsteine werden in Normal- Bild 3/9: Das Niveau der Kimmschicht wird
mauermörtel der MG III versetzt. in Querrichtung geprüft.

Bild 3/10: Das Niveau der Kimmschicht wird Bild 3/11: In der Kimmschicht sind ggf.
in Längsrichtung geprüft. ­Lücken für das Versetzgerät frei zu lassen.

41
3. MAUERMÖRTEL

3.7 BAUSTELLENMÖRTEL Bei abweichenden Mörtelzusammen-


setzungen, z.B. unter Verwendung von
Die Herstellung von Baustellenmörtel ist Zusatzmitteln oder Zusatzstoffen, ist
nur für Normalmauermörtel (NM) zuläs- eine Erstprüfung durchzuführen und
sig. Die Bindemittel, Zusatzstoffe und DIN V 18580 einzuhalten.
Zusatzmittel müssen trocken und witte-
rungsgeschützt gelagert werden. Die Zu- Für Baustellenmörtel der Mörtelgruppe
schlagstoffe sind sauber zu lagern. IIIa (entspricht der Mörtelklasse M20
nach DIN EN 998-2) sind stets Eignungs-
Nach DIN V 18580 sind Bindemittel und prüfungen erforderlich. Sie haben in der
Zuschläge und ggf. Zusatzstoffe und Zu- Baupraxis keine Bedeutung und sind als
satzmittel so abzumessen, dass eine Baustellenmörtel in DIN V 18580 nicht
gleichmäßige Mörtelzusammensetzung enthalten. MG I ist nicht als Mauermör-
gewährleistet ist (z.B. Behälter oder tel verwendbar.
Mischkästen mit volumetrischer Eintei-
lung, jedoch keine Schaufeln). Im Mischer 3.8 LIEFERFORMEN VON WERKMÖRTEL
werden die Stoffe so lange gemischt, bis
ein gleichmäßiges Gemisch entstanden Mauermörtel werden in der Regel als
ist. Eine Mischanweisung ist deutlich Werkmörtel hergestellt.
sichtbar anzubringen.
In DIN V 18580 werden Mörtelarten u.a.
Bei Einhaltung der Mischungsverhältnis­ nach dem Ort und der Art der Herstel-
se nach Tafel 3/6 sind keine weiteren lung unterschieden.
Nachweise erforderlich.

Tafel 3/6: Rezeptmörtel (Normalmauermörtel); Zusammensetzung und Mischungsverhältnis in


Raumteilen (aus DIN V 18580 Anhang A)
Hydrau- Hochhydrau-
Mörtel- Mörtel- Sand1) aus
Luftkalk lischer lischer Kalk
gruppe klasse natür-
Kalk (HL5), Putz- Zement
nach DIN lichem Ge-
und Mauer­
NM EN 998-2 Kalkteig Kalkhydrat (HL2) stein
binder (MC5)
1 – – – – 4
– 1 – – – 3
I M1
– – 1 – – 3
– – – 1 – 4,5
1,5 – – – 1 8
– 2 – – 1 8
II M2,5
– – 2 – 1 8
– – – 1 – 3
– 1 – – 1 6
IIa M5
– – – 2 1 8
III M10 – – – – 1 4
1)
Die Werte des Sandanteils beziehen sich auf den lagerfeuchten Zustand.

42
3.8 LIEFERFORMEN VON WERKMÖRTEL

Werkmörtel sind Mörtel, die in einem 3.8.1 Werk-Trockenmörtel


Werk oder außerhalb unter werkmäßigen Werk-Trockenmörtel sind fertige Ge-
Bedingungen aus Ausgangsstoffen zu- mische aller trockenen Ausgangsstoffe,
sammengesetzt und gemischt werden. denen auf der Baustelle zur Herstellung
Es kann sich hierbei um „Trockenmör- eines verarbeitbaren Mörtels nur noch
tel“ handeln, der gemischt ist und ledig- Wasser zugegeben werden muss. Werk-
lich die Zugabe von Wasser erfordert, Trockenmörtel werden in Säcken oder
oder um „Nassmörtel“, der gebrauchs- Silos angeliefert und können bei Bedarf
fertig geliefert wird. jederzeit frisch hergestellt werden.

Werkmörtel müssen bei fachkundiger 3.8.2 Werk-Frischmörtel


Verarbeitung nach den Vorgaben des Werk-Frischmörtel werden in Mörtel­
Mörtelherstellers einen Mauermörtel er- werken fertig zusammengesetzt und
geben, der den Anforderungen der DIN bedürfen auf der Baustelle keiner wei-
EN 998-2 entspricht. teren Bearbeitung. Sie enthalten Verzö-
gerungsmittel, die die Verarbeitungszeit
Mit Bezug auf die Lieferformen wird zwi- i.d.R. um 36 Stunden verlängern. Wenn
schen Werkmörteln und werkmäßig her- Werk-Frischmörtel z.B. für Kimmschich-
gestellten Mörteln unterschieden (Ta- ten verwendet werden, müssen längere
fel 3/7). Abbindezeiten einkalkuliert werden.

Tafel 3/7: Lieferformen von Werkmörtel


Lieferform Zumischungen
Bearbeitung
auf der Baustelle
Werkmörtel
Werk-Trockenmörtel im Silo oder in Wasser
Säcken geliefert
Werk-Frischmörtel gebrauchsfertiger keine
Mörtel in verarbeit-
barer Konsistenz,
i.d.R. bis zu 36 h
verarbeitbar
Werkmäßig hergestellte Mörtel
Mehrkammer- Mörtelausgangsstoffe Siloentnahmen
Silomörtel in mehreren Kammern nach vorgegebener
(nur regionale Bedeutung) eines Silos angeliefert Mischungs-
zusammensetzung
Werk-Vormörtel Gemisch aus Sand, Zement und
(nur regionale Bedeutung) Kalk und evt. Zusatz- Wasser
stoffen und -mitteln

43
3. MAUERMÖRTEL

3.8.3 Werk-Vormörtel
Werk-Vormörtel ist ein Gemisch der
nicht hydraulisch erhärtenden Mörtelbe-
standteile erdfeuchter Sand, Kalk, Was-
ser sowie Zusatzstoffe und Zusatzmit-
tel. Auf der Baustelle muss dann die
notwendige Zementmenge sowie ggf.
Wasser zugegeben werden. Dieser Mör-
tel hat nur begrenzte regionale Bedeu-
tung.

3.8.4 Mehrkammer-Silomörtel
Bei Mehrkammer-Silomörtel sind die
Bild 3/12: Das Wasser wird entsprechend der Mörtelausgangsstoffe in mehreren Kam-
Verarbeitungsanweisung zuerst eingefüllt. mern eines Silos enthalten. Dabei sind
erdfeuchte Zuschläge und feuchteemp-
findliche Bestandteile wie Zement und
Zusatzmittel in verschiedenen Silokam-
mern getrennt gelagert. Auf der Baustelle
werden die Bestandteile nach vom Her-
steller vorgegebenen Mischungsverhält-
nissen, evt. unter Zugabe einer bestimm-
ten Wassermenge, zu einem verarbeit-
baren Mauermörtel gemischt. Auch diese
Lieferform hat nur eine regionale Be-
deutung.

3.8.5 Anlieferung
Bei der Anlieferung der Mörtel im Silo
Bild 3/13: Der Werkmörtel wird in den Mau- sind die Hinweise der Mörtelhersteller
rerkübel eingestreut.
zur Aufstellung der Silos zu beachten
[3/3]. Der Besteller des Mörtels ist für
den s
­ icheren Stellplatz verantwortlich:

 Tragfähiger Untergrund

 Ausreichender Sicherheitsabstand
zu Böschungen

 Mindestabstand zu Strom führenden


Freileitungen

 Eindeutige Markierung des Stellplat­


zes
Bild 3/14: Der Mörtel wird nach Verarbei-
tungsanweisung durchgemischt.

44
3.9 MÖRTELAUFTRAG MIT DEM MÖRTELSCHLITTEN

3.9 MÖRTELAUFTRAG MIT DEM


MÖRTELSCHLITTEN

Der Mörtel wird zweckmäßigerweise mit


dem Mörtelschlitten aufgetragen, das
Mauerwerk ist ggf. abzufegen und vor-
zunässen. Mörtelschlitten lassen sich
Bild 3/15: Beispiele verschiedener Zahn-
für Normalmauer- und Dünnbettmörtel schienen für Dünnbettmörtel
in der gewünschten Fugendicke genau
einstellen, sorgen für einen gleichmä- Blockstein mit Planstein mit
ßigen Mörtelauftrag und reduzieren Mör- Normalmauermörtel Dünnbettmörtel
telverluste.

12 238

248
250
Für Dünnbettmörtel ist die passende

2
Zahnschiene („Schließblech“) zu ver-
wenden, Bild 3/15. Die Angaben der

12 238

248
250

Mörtelhersteller, die auf den Säcken


aufgedruckt oder durch spezielle Pro-

2
duktbeschreibungen vorliegen, sind
einzuhalten.

12 238

248
250

2
Für Mauerwerk in Normalmauermörtel
oder bei Mörtel für Verblendschalen be- Bild 3/16: Schichtmaßeinteilung am Beispiel
trägt die Mörtelfugendicke i.d.R. 12 mm. von Steinen der Schichthöhe 250 mm
Bei Mauerwerk in Dünnbettmörtel be-
trägt die Fugendicke 2 mm, siehe Bild
3/16. Die Maße beziehen sich jeweils
auf den eingebauten Zustand.

Die Lagerfuge wird in Abhängigkeit von der


Witterung etwa 2 m vorgezogen und die
Steine werden in Reihenverlegetechnik
knirsch aneinander gereiht. Gege­benen-
falls werden die Steine anschließend mit
einem Gummihammer ausgerichtet.

Der gleichmäßige Mörtelauftrag beim


Einsatz von Mörtelschlitten ermöglicht Bild 3/17: Der Dünnbettmörtelauftrag erfolgt
einfach und schnell mit dem Mörtelschlitten.
ein lückenloses Versetzen der Steine.
Bei zweischaligen Haustrennwänden hat
das fachgerechte Aufziehen mit dem Der Einsatz des Mörtelschlittens spart
Mörtelschlitten den Vorteil, dass kein Zeit, reduziert die Mörtelverluste und
Mörtel in die Luftschicht fällt und die sorgt für eine gleichmäßige und voll-
Schalldämmung somit nicht beeinträch- flächige Mörtelschicht.
tigt wird.

45
3. MAUERMÖRTEL

3.10 STUMPFSTOSSTECHNIK fenen Stoßfugenbreiten von 5 mm sind


mit den planebenen KS-R-Steinen und
Beim stumpfen Anschluss der Wände KS XL problemlos einzuhalten.
mittels Stumpfstoßtechnik ist die An-
schlussfuge zu vermörteln. Dies ist ins- Vereinzelt auftretende Stoßfugen > 5 mm
besondere für den Schallschutz von Be- sind beim Aufmauern, spätestens aber
deutung. vor dem Putzauftrag mit Mauermörtel zu
schließen.
Beim Mauerwerk ohne Stoßfugenvermör­
telung werden Kalksandsteine mit Nut-Fe- Fugen zum Toleranzausgleich im Be-
der-System auf der mit Mörtel vorher auf- reich des Stumpfstoßanschlusses sind
gezogenen Lagerfuge knirsch aneinan- ungüns­tig. Es empfiehlt sich, die Versetz-
der gereiht. Das Mauerwerk ist bereits reihenfolge nach Bild 3/18 einzuhalten.
in der Rohbauphase optisch dicht. Die in Die korrekte Ausführung des Stumpf-
DIN EN 1996/NA maximal zulässigen of- stoßes ist damit problemlos möglich.

10 bis 30 mm: Normalmauermörtel 10 bis 30 mm: Normalmauermörtel


1 bis 3 mm: Dünnbettmörtel 1 bis 3 mm: Dünnbettmörtel
(Konsistenz pastös) (Konsistenz pastös)

ggf. Längenausgleiche mit Mörtelfuge

Bild 3/18: Eine evtl. erforderliche Toleranzfuge wird am zuletzt zu versetzenden Stein ausge-
führt.

Bild 3/19: Der Mörtel für den Stumpfstoß Bild 3/20: Der Randstein wird fest an die
wird aufgetragen. Querwand gedrückt.

46
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

„Nun regen 'se sich mal nicht über den Verband auf.
Wir arbeiten nach der alten Baudevise: …und haben die
Maurer es noch so doll getrieben, es wird verputzt und abgerieben.”

47
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

Mauerwerk wird grundsätzlich im Ver- Beim Einsteinmauerwerk ist die Einhal-


band erstellt. Dies bedeutet, dass die tung des Überbindemaßes nur in Wand-
Steine unter Einhaltung des Überbinde- längsrichtung zu beachten. Beim Ver-
maßes versetzt werden. Besonders zu bandsmauerwerk muss zusätzlich das
empfehlen ist die größtmögliche Über- Überbindemaß auch in Wandquerrich-
bindung, die auch mittige Überbindung tung (Wanddicke) eingehalten werden.
(Halbsteinverband) genannt wird.
Die Bezeichnung „Verbandsmauer­
Es wird unterschieden zwischen zwei Ar-
werk“ wird in der Praxis oft mit der
ten von Mauerwerk:
Einhaltung der Verbandregeln, der
 Einsteinmauerwerk – eine Steinreihe Überbindemaße, verwechselt. Mauer­
pro Schicht. Die Wanddicke entspricht werk ist grundsätzlich im Verband un­
der Steinbreite oder der Steinlänge. ter Einhaltung der Überbindemaße zu
erstellen.
 Verbandsmauerwerk – zwei oder
mehr Steinreihen in jeder oder in je-
der zweiten Schicht.
Tafel 4/1: Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe
Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe
Steinhöhe hu Regelfall Mindestüberbindemaß
[cm] lol = 0,4 • Steinhöhe [cm] lol $ [cm]
< 11,3 5 4,5
11,3 / 12,3 5 0,4 • Steinhöhe = 5
23,8 / 24,8 10 0,4 • Steinhöhe = 10
49,8 20 0,25 • Steinhöhe = 12,5
62,3 25 0,2 • Steinhöhe = 12,5

Beispiel: 5 DF (150), Schichthöhe 25 cm Beispiel: 6 DF (365), Schichthöhe 12,5 cm

15 cm 36,5 cm

Bild 4/1: Beispiele für Einsteinmauerwerk

48
4.2 VERBANDSMAUERWERK

4.1 EINSTEINMAUERWERK sandsteinindustrie für jede Wanddicke


geeignete Steinformate für die Verarbei-
Wände aus Einsteinmauerwerk beste- tung als Einsteinmauerwerk an. Mit der
hen aus einer Steinreihe pro Schicht, Ausweitung der Produktpalette hat die
Bild 4/1. Bedeutung des Verbandsmauerwerks im
Bereich des Neubaus nahezu keine Be-
Die Kalksandsteinindustrie bietet für deutung mehr.
jede Wanddicke Produkte für Einstein­
mauerwerk an. Die regionalen Liefer­ Lediglich im Bereich von kleinteiligem
programme sind zu beachten. Sichtmauerwerk oder bei Sanierungen
im Altgebäudebestand kommt ­diese Art
des Mauerns weiterhin zur Anwendung.
4.2 VERBANDSMAUERWERK
Bei Verbandsmauerwerk ist das Über­
Verbandsmauerwerk ist Mauerwerk mit bindemaß nicht nur in Wandlängs­
zwei oder mehr Steinreihen in jeder oder richtung, sondern auch im Wandquer­
in jeder zweiten Schicht. In der Vergan- schnitt einzuhalten. In der Praxis sind
genheit wurden vornehmlich die Formate hier oftmals Fehler festzustellen.
2 DF und 3 DF dafür verwendet.

Neben den klassischen Kleinformaten


DF, NF, 2 DF und 3 DF bietet die Kalk-

Zwei Steinreihen in jeder zweiten Schicht Zwei Steinreihen in jeder Schicht

Längsfuge

Überbindemaß lol
Überbindemaß lol

24 cm 36,5 cm

Bild 4/2: Beispiele für Verbandsmauerwerk aus 2 DF-Steinen

49
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.2.1 Einschaliges Verblendmauerwerk  Die Verblendung gehört zum tra-


als Verbandsmauerwerk genden Querschnitt.
An unverputzte einschalige Außenwände
(einschaliges Verblendmauerwerk) wer-  Sofern im Querschnitt Mauersteine­
den folgende Anforderungen gestellt: mit unterschiedlichen Festigkeiten
eingesetzt werden, z.B. KS-Verblen-
 Ausführung als Verbandsmauerwerk der der SFK 20 und „normale“ Kalk-
mit mindestens zwei Steinreihen sandsteine der SFK 12, so ist die
gleicher Höhe je Schicht niedrigere Steinfestigkeitsklasse für
die zulässige Beanspruchung maß-
 Mindestwanddicke: 31 cm geblich. Zur Vermeidung der mög-
lichen Verwechslungsgefahr ist
 Die schichtweise versetzte Längsfu- grundsätzlich zu empfehlen, Steine
ge ist hohlraumfrei zu vermörteln. mit gleichen Eigenschaften (SFK,
RDK etc.) einzusetzen.
 Die Dicke der Längsfuge beträgt min-
destens 2 cm.

6 2 cm 6 2 cm

4 DF
3 DF 2 DF 4 DF 2 DF (240)
(240)

1/ 2 DF 1/ 3 DF 1/ 2 DF 2 DF
2 2 2

31 cm 37,5 cm

Bild 4/3: Ausführungsbeispiele für einschaliges Verblendmauerwerk

50
4.2 VERBANDSMAUERWERK

4.2.2 Verbandsmauerwerk aus blocksteinen errichtet werden. Das zeigt


KS-Blocksteinen auch das Beispiel der 36,5 cm dicken
Entsprechend DIN EN 1996/NA darf in Wand aus Steinen im Format 16 DF (240)
Schichten mit Längsfugen (Verbands- und 8 DF (115), Bild 4/4. Die Anforde-
mauerwerk) die Steinhöhe nicht größer rung an das Überbindemaß lol ≥ 0,4 h
als die Steinbreite sein. Abweichend da- wird dabei eingehalten.
von muss die Aufstandsbreite von Stei-
nen der Höhe 175 und 240 mm mindes­ Großformatige Kalksandsteine KS XL mit
tens 115 mm betragen. Schichthöhen ≥ 50 cm sind für die Aus-
führung als Einstein­mauerwerk geregelt.
Somit kann problemlos auch Verbands- Die Ausführung von KS XL als Verbands-
mauerwerk aus KS-Block- und KS-Hohl- mauerwerk ist nicht zulässig.

Beispiel mit Blocksteinen der Länge 498 mm Beispiel mit Blocksteinen der Länge 248 mm

16 DF (240)
8 DF (240)
8 DF (115)
4 DF
(115)

36,5 cm 36,5 cm

Bild 4/4: Beispiele für einschaliges Verbandsmauerwerk aus KS-Blocksteinen

51
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.3 EINSTEINMAUERWERK – Im Folgenden wird für typische Mauer-


ECKLÖSUNGEN werkswände aus klein- und mittelforma-
tigen Steinen jeweils eine Ecklösung dar-
Als Einsteinmauerwerk werden Wände gestellt, da hier die Einhaltung der er-
bezeichnet, die aus einer Steinreihe pro forderlichen Überbindemaße besondere
Schicht bestehen. Sorgfalt erfordert.

Ein „Halber”
2 DF von 2 DF

17
24

,5
Läuferverband Läuferverband mit

11,3

17
mit „halbsteiniger” Überbindungen
11
,5
,5

,5
11
11,311

Überbindung von
,5
24

abwechselnd von rund


11,5 cm =^ 1 am
18 (17,75) cm ^= 1 1/2 am
(Ein„Kopf”) und
5 (5,25) cm ^
= 1/2 am

am
1 /2
am

7
=^
7
~7

~6
=^

cm
4

7,
cm

5
cm

5
2,
cm
5
^= 6

~9
6,

^= 5
~8
am

1 /2
am

Bild 4/5: Ecke von 11,5 cm dicken Wänden Bild 4/6: Ecke von 17,5 cm dicken Wänden
aus 2 DF-Steinen aus 3 DF-Steinen

5
5

2
,
11

8,

24
,5

24
11

11,3
11,3

,5
,5

14
17

24
24

24
24

11,3
11,3

Unregelmäßige
Abtreppungen mit
Überbindungen Mittige Überbindung und
von 6 und 11,5 cm gleichmäßige Abtreppungen
von 8,25 cm
am
am

8
=^
8

~6
~6

=^

cm
1,
1,

cm

5
5

00
cm
cm

00

~1
^= 5
~1
^= 5

am
am

Bild 4/7: Ecke von 24 cm dicken Wänden Bild 4/8: Ecke von 24 cm dicken Wänden
aus 3 DF-Steinen mit 2 DF-Steinen zum Aus­ aus 3 DF-Steinen und Teilsteinen zum Aus­
gleich gleich

52
4.3 EINSTEINMAUERWERK – ECKLÖSUNGEN

5
2,

5
~1

24

2,
~1

24
11,3
Schnittfläche

23,8
Schnittfläche

Regelmäßige

24
Regelmäßige

24
Abtreppungen mit

5
5

~2
Abtreppungen mit
~2

einer Überbindung
einer Überbindung
von ~12,5 cm
von ~12,5 cm
( 1/2 Stein
( 1/2 Stein
oder 1 am)
oder 1 am)
am

am
~7

7
5

=^

=^
cm

cm

cm
^= 6

~5
,5

,5
0
6
am

6
cm
~8

~8
^= 4
am

Bild 4/9: Ecke von 24 cm dicken Wänden aus Bild 4/10: Ecke von 24 cm dicken Wänden
4 DF (240) mit halben Steinen zum Ausgleich aus 8 DF (240) mit halben Steinen zum Aus­
gleich

Schnittfläche „Dreiviertel“ von 10 DF


Schnittfläche „Dreiviertel“ von 5 DF
,5 7

30
23,8 1
,5
17

30
11,3

Regelmäßige Regelmäßige
30

Abtreppung mit
30

Abtreppungen mit
25

Überbindung
25

einer Überbindung
von 11,5 cm von 11,5 cm
(1/2 Stein (1/2 Stein
oder 1 am) oder 1 am)
am
am

1 /2 1 /2
~8

7
7
0

=^
=^
cm

cm
cm
^=

~5

5
5
6

5
1 /2

2,
2,

cm

~9
~9
am

^=4
1 /2
am

Bild 4/11: Ecke von 30 cm dicken Wänden Bild 4/12: Ecke von 30 cm dicken Wänden
aus 5 DF (300)-Steinen mit 1/2- und 3/4-Stei­ aus 10 DF (300)-Steinen mit 1/2- und 3/4-Stei­
nen zum Ausgleich nen zum Ausgleich

53
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.4 VERBANDSMAUERWERK –

5
ECKLÖSUNGEN

2,
11,3 ~1

36
,5
Die Überbindung Verbandsmauerwerk ist Mauerwerk mit
beträgt einheitlich
etwa 12,5 cm
zwei oder mehr Steinreihen in jeder oder
^ 1 am).
( 1/2 Stein = in jeder zweiten Schicht, wie z.B. beim
25
,5

Kreuzverband.
36

36
11,3

,5
Die Ausbildung der Ecken ist hier un-
ter Einhaltung der Überbindemaße be-
sonders schwierig. Nur durch Verwenden
von ¼-, ½- und ¾-Steinen lässt sich das
Mauerwerk normgerecht erstellen. Im
Vergleich zum Einsteinmauerwerk sind
diese Lösungen sehr aufwändig und be-
~1

am
00

dürfen großer Sorgfalt.


8
=^
cm

cm
^= 8

00
am

~1

Eckausbildungen können auch mit


Stumpfstoß (Ausnahme Kelleraußen­
Bild 4/13: Ecke von 36,5 cm dicken Wänden ecken) ausgeführt worden.
aus 6 DF (365)-Steinen mit halben Steinen
zum Ausgleich
5
2,
23,8 ~1

36
,5
25
,5
36
23,8

Die Überbindung
36

beträgt einheitlich
,5

etwa 12,5 cm
^ 1 am).
( 1/2 Stein =
am
8
~7

=^
5

cm
cm

00
^= 6

~1
am

Bild 4/14: Ecke von 36,5 cm dicken Wänden Bild 4/15: Eckausbildung mit Kalksand-
aus 12 DF (365)-Steinen mit halben Steinen steinen mit Normalmauermörtel
zum Ausgleich

54
4.4 VERBANDSMAUERWERK – ECKLÖSUNGEN

11
5
Dem Maßausgleich dienen an den

7,

,5
11,3 1

17
Ecken „Viertel” von 3 DF und an

,5
den Mauerenden 1/2 und 3/4 von
3 DF sowie
1/4 von 2 DF und 3 DF.

17
Regelmäßige

5,

,5
Abtreppungen mit

24
,5

30
17

24
einer Überbindung

11,3
Regelmäßige

24
11,3
von 11,5 cm =
Abtreppungen mit ( 1/2 Stein
Überbindung von oder 1 am)
5,2 cm
(1/2 Stein oder 1/4 am) am

~9

am
8

2,
=^
~6

8
cm
cm

=^
1,
5

cm
^= 7
00
cm

1 /2

00
~1
^= 5

~1
am
am

Bild 4/16: Ecke von 24 cm dicken Wänden Bild 4/17: Ecke von 30 cm dicken Wänden
aus 2 DF-Steinen im Kreuzverband mit aus 2 DF- und 3 DF-Steinen im Verband mit
3 DF-Steinen zum Ausgleich Schnittfugen
11

,5
5

17
7,

11,3 11
,5
11,3 1

,5
17
,5
17

Regelmäßige
5
7,

,5
24
24
11,3 1

Abtreppungen
17
11,3

mit einer
,5

Überbindung von
36

Regelmäßige 11,5 cm =
,5

Abtreppungen mit einer (1/2 Stein oder 1 am)


36

Überbindung von
,5

5,2 cm
( 1/2 Stein
oder 1/4 am)
am

~1

1 /2
11

am
~8

cm
8

7
7

=^

=^
cm

^= 9
cm

cm
^= 7

am
04

5
6,
am

~1

~8

Bild 4/18: Ecke von 36,5 cm dicken Wänden Bild 4/19: Ecke von 36,5 cm dicken Wänden
aus 2 DF-Steinen im Kreuzverband mit 3 DF- aus 2 DF- und 3 DF-Steinen im Läuferver­
und ¾ 2 DF-Steinen sowie 1/2 3 DF-Steinen band mit 3 DF-Steinen in der Ecke und
an Ecke und Mauerende 1/2 3 DF am Mauerende

55
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.5 VERBÄNDE FÜR MAUERENDEN


Mauerenden und Pfeiler sind meist
Auch Mauerenden und Pfeiler sind aus besonders hoch belastet. Unnötige
Gründen der Gestaltung (bei Sichtmau- Teilsteine mindern die Festigkeit und
erwerk) und aus Gründen der erforder- sind deshalb zu vermeiden.
lichen Festigkeit (Überbinderegeln) ge-
nau zu planen.

cm 74 74 74 74

erforderlich: 3 x 2 DF (NF o.DF) 3 x 3 DF 5 x 2 DF + 1/2 2 DF 5 x 2 DF + 1/2 3 DF


11,5

17,5
1. Schicht

24
Überbindung : 11,5 (1 am) 11,5 (1 am) 5,2 (1/2 am) 5,2 (1/2 am)

2. Schicht

erforderlich : 2 x 2 DF + 2 x 1/2 2 DF 2 x 3 DF + 2 x 1/2 3 DF 2 x 2 DF + 3 DF + 4 x 2 DF + 3 DF + 1/4 2 DF


2 x 1/2 3 DF + 1/2 2 DF
am : 6 6 6 6

cm 74 74 74 74
2 x 3 DF + 2 x 3 x 3 DF + 2 DF + 2 x 3 DF + 5 DF +
erforderlich: 1/2 3 DF + 2 DF 1/4 2 DF 2 x 5 DF + 1/2 2 DF 1/4 2 DF

1. Schicht
24

24

24

5,2 ( 1/2 am)


Überbindung : 5,2 (1/2 am) 5,2 (1/2 am) 11,5 (1 am) 11,5 (1 am)

2. Schicht

erforderlich: 2 x 3 DF + 2 x 2 DF 2 x 3 DF + 2 x 2 DF 3 DF + 5 DF + 5 DF + 3 DF + 2 DF
+ 1/2 2 DF + 1/2 3 DF 2 DF + 1/2 2 DF + 1/2 3 DF)
am: 6 6 6 6

cm 74 74 74 74
2 x 3 DF + 3 x 2 x 3 DF + 1/4 3 DF + 2 x 3 DF + 3 x 1/2 2 DF + 3 x 2 DF
erforderlich: 2 DF + 1/2 3 DF 3 x 2 DF + 1/2 2 DF 1/2 3 DF + 2 DF + 1/2 2 DF + 1/4 3 DF + 2 x 3 DF

1. Schicht
30

30

30

Überbindung: 11,5 (1 am) 5,2 ( 1/2 am) 5,2 (1/2 am) 5,2 (1/2 am)

2. Schicht

erforderlich: 2 x 1/2 2 DF + 2 x 2 DF 3 x 3 DF + 2 DF + 1/2 3 DF 2 DF + 2 x 3 DF + 1/2 3DF + 2 DF + 3 x 3 DF


+ 2 x 3 DF + 1/2 3 DF + 1/4 2 DF + 1/2 2 DF 3 x 1/2 3 DF + 1/2 2 DF + 1/2 2 DF + 1/4 2 DF
am: 6 6 6 6

Bild 4/20: Verbände für Mauerenden, Mauerpfeiler, mit und ohne Anschlag aus kleinformatigen
2 DF und 3 DF

56
4.5 VERBÄNDE FÜR MAUERENDEN

cm 74 74 74 74
2 x 5 DF + 2 DF 1/2 3 DF + 2 x 5 DF 2 DF + 2 x 5 DF
erforderlich: 3 x 5 DF + 1/2 3 DF + 1/2 2 DF + 1/2 2 DF + 1/4 3 DF

1. Schicht

30

30

30
Überbindung: 11,5 (1 am) 11,5 (1 am) 11,5 (1 am) 5,2 (1/2 am)

2. Schicht

erforderlich: 1/2 5 DF 3 DF + 1/2 2 DF + 5 DF 1/8 2 DF


3 DF + 2 x 5 DF + 1/4 2 DF
2 x 5 DF + 2 x 1/2 5 DF + 2 x 5 DF + 1/2 2 DF + 1/2 3 DF + 2 DF
am: 6 6 6 6

Bild 4/21: Verbände für Mauerenden, Mauerpfeiler, mit und ohne Anschlag aus 5 DF
(300)-Stei­nen und 2 DF-Teilsteinen für den Anschlag

cm bei KS -R: ~62,5 ~75 ~87,5 ~100


cm bei KS: 61,5 74 86,5 99

erforderlich: 2 x 4 DF + 2 DF 3 x 4 DF 3 x 4 DF + 2 DF 4 x 4 DF

1. Schicht

Überbindung: 11,5 (1 am) 11,5 (1 am) 11,5 (1 am) 11,5 (1 am)

2. Schicht

erforderlich: 2 x 4 DF + 2 DF 2 x 4 DF + 2 x 2 DF 3 x 4 DF + 2 DF 3 x 4 DF + 2 x 2 DF

am: 5 6 7 8

Bild 4/22: Verbände für Mauerenden, Mauerpfeiler, ohne Anschlag aus 4 DF (240)- und 8 DF
(240)-Steinen

Pfeiler ohne Anschlag (stumpf endend)  Spalten mit einem Steinspaltgerät


sind auch für 25 cm Schichthöhe aus (hydraulisch oder mit Doppelhebel)
KS-Block- und KS-Hohlblocksteinen ge-
eignet, jedoch sollen nach DIN EN 1996/  Trennen mit einem Trennschleifer
NA in einer Schicht nur Steine gleicher (Winkelschleifer oder Flex)
Höhe verwendet werden.
 Sägen mit einer diamantbestückten
Bei Mauerwerk aus KS-Block- und KS- Steinsäge
Hohlblocksteinen sind an Mauerenden,
-stößen, -kreuzungen und -ecken Teilstei-  Verwenden anderer geeigneter Stein-
ne erforderlich. Sie können hergestellt formate; Kleinformate jedoch nur in
werden durch: Ausnahmefällen und dann mit glei-
cher Steinfestigkeitsklasse und glei-
cher Steinrohdichteklasse

57
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.6 MAUERN VON STÖSSEN UND liegen. Durch Teilsteine oder andere For-
KREUZUNGEN mate ist ein ausreichendes Überbinde-
maß lol herzustellen.
Einbindende Wände, die aussteifend wir-
ken, sind gleichzeitig oder mit Abtreppung Beim stumpfen Wandanschluss in
hochzumauern. Eingebunden wird jeweils Stumpfstoßtechnik sind Abtreppun­
in der Schicht, deren Stoßfugen günstig gen der Querwände nicht erforderlich.

24 17,5
2 x 3 DF, um wieder
in das Raster zu kommen
1. Schicht
lol

lol
lol

lol ( 1/2 am)

2,19 m (17 1/2 am)


2. Schicht

75 (6 am) 24 88,5 (7 am) 24 1,01 (8 am) 11,5

Bild 4/23: 24 cm dicke Wand aus 2 DF im Kreuz- und Blockverband

2 DF zum Ausgleich
1. Schicht
lol
lol

lol lol

lol lol lol


2. Schicht
lol

lol lol

Bild 4/24: 24 cm dicke Wand aus 3 DF im Binderverband

1. Schicht

lol

2. Schicht 2 x 3 DF zum Ausgleich

lol (1 am) lol (1 am) lol ( 1/2 am) lol ( 1/2 am)

Bild 4/25: 24 cm dicke Wand aus 4 DF(240) als Einsteinmauerwerk

58
4.7 VORLAGEN UND NISCHEN

4.7 VORLAGEN UND NISCHEN

Bei 6,25 cm Vorlagen sind Schrägfugen


oft günstig, z.B. Bild 4/29. Bei 11,5 cm
Vorlagen wird durch unterschiedliche
Ausbildung der beiden Vorlagenseiten
(„umwerfen“) der Verband der Wand we-
niger gestört. ¾ 2 DF-Steine sind mög-
lichst durch Halbieren von 3 DF herzu-
stellen.

An einspringenden Ecken darf immer nur


eine Stoßfuge liegen. Die nächste Stoß-
fuge muss mindestens um lol davon ent-
fernt sein, Bild 4/26. Kreuzfugen sind un-
bedingt zu vermeiden.

Senkrechte Aussparungen (Schlitze)


sind wie Nischen zu behandeln. Es
gelten deshalb die gleichen Verbands­
regeln. Bild 4/27: Gemauerte, senkrechte Wand­
schlitze
 lol

1. Schicht

 lol

2. Schicht

falsch

Bild 4/26: An einspringenden Ecken darf im­ Bild 4/28: Gemauerter Pfeiler aus KS-Ver­
mer nur eine Stoßfuge liegen. blendern

59
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

1. Schicht 1. Schicht

61,5 (5 am)
2. Schicht 2. Schicht

Bild 4/29: 6,25 cm (½ am) Vorlage in einer Bild 4/30: 11,5 cm (1 am) Vorlage in einer
24 cm dicken Wand 24 cm dicken Wand

1. Schicht 1. Schicht

2. Schicht 2. Schicht

Bild 4/31: 6,25 cm (½ am) Vorlage in einer Bild 4/32: 11,5 cm (1 am) Vorlage in einer
30 cm dicken Wand 30 cm dicken Wand

1. Schicht 1. Schicht

1,01 (8 am)
2. Schicht 2. Schicht

Bild 4/33: 6,25 cm (½ am) tiefe Nische in Bild 4/34: 11,5 cm (1 am) tiefe Nische in
einer 30 cm dicken Wand ­einer 30 cm dicken Wand

1. Schicht 1. Schicht

2. Schicht
2. Schicht

Bild 4/35: 6,25 cm (½ am) tiefe Nische in Bild 4/36: 11,5 cm (1 am) tiefe Nische in
einer 36,5 cm dicken Wand ­einer 36,5 cm dicken Wand

60
4.8 ZIERVERBÄNDE FÜR SICHT- UND VERBLENDMAUERWERK

4.8 ZIERVERBÄNDE FÜR SICHT- UND


VERBLENDMAUERWERK Jeder Grundverband kann durch Ver­
schieben der Schichten abgewandelt
Für ein- und zweischaliges Verblend­mau­ werden. Jeder Verband kann mit al­
er­werk werden Zierverbände verwendet. len Steinformaten gemauert werden.
Der Formenvielfalt ist bei den Zierver- Der Läuferverband, mit der maxima­
bänden mit seinen wechselnden Läufer- len Überdeckung von 11,5 cm, ist am
und Binderschichten kaum eine Grenze­ sichersten.
gesetzt.
Für Verbandsmauerwerk kommen in der
Die Überbindung soll mindestens 5,2 cm Regel Kreuzverband oder Blockverband
(1/2 am) oder 11,5 cm (1 am) betragen. zum Einsatz.
Die Stoßfugen müssen lotrecht überein-
ander und genau mittig über, unter oder Für die Verblendschale zweischaliger Au-
zwischen den Köpfen liegen. ßenwände sowie bei sonstigem Sicht-
mauerwerk im Innen- und Außenbereich
Sauberes, sorgfältiges Vermauern und kommen zahlreiche Zierverbände zum
Verfugen sind die entscheidenden Punkte Einsatz. Die Zugfestigkeit ist beim Läu-
für die Wirkung der Zierverbände. ferverband mit mittiger, halbsteiniger
Überbindung besonders günstig.

Bild 4/37: Kreuzverband Bild 4/38: Blockverband

Bild 4/39: Läuferverband, besonders günstig Bild 4/40: Binderverband


mit ½-Stein-Überbindung

61
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

Bild 4/41: Holländischer Verband Bild 4/42: Wilder Verband

Bild 4/43: Gotischer Verband mit Läufer-Bin­ Bild 4/44: Gotischer Verband – Abwandlung
der-Schichten

Bild 4/45: Gotischer Verband – Abwandlung Bild 4/46: Gotischer Verband – Abwandlung
als Zickzack-Verband mit Läuferschichten

Bild 4/47: Märkischer Verband mit Läufer- Bild 4/48: Märkischer Verband – Abwandlung
Binderschichten

62
4.9 PFEILERMAUERWERK

Bild 4/49: Märkischer Verband – Abwandlung Bild 4/50: Märkischer Verband – Abwandlung
als Zickzack-Verband mit Läuferschichten

4.9 PFEILERMAUERWERK

Nach DIN EN 1996/NA sind gemauerte Tafel 4/2: Mindestlänge tragender Pfeiler
Querschnitte mit Flächen kleiner als (Querschnittsfläche ≥ 400 cm2)
400 cm2 als tragende Teile unzulässig. Pfeilerbreite [cm] Pfeilerlänge [cm]
Die Mindestmaße tragender Pfeiler sind
Tafel 4/2 zu entnehmen. 11,5 ≥ 35

15 ≥ 27
Die Einhaltung der Überbindemaße ist
auch bei Pfeilern zu beachten. Wichtig 17,5 ≥ 23
ist hierbei, dass Pfeiler auch aus einem 20 ≥ 20
Stein je Schicht bestehen können.
24 ≥ 17

Zusätzliche Längs- oder Stoßfugen 30 ≥ 14


erhöhen die Tragfähigkeit nicht! 36,5 ≥ 11,5

Lösung mit 2 DF Lösung mit 4 DF Lösung mit 8 DF (240)


cm
cm

cm

25
24

24

24 cm 24 cm 24 cm

Bild 4/51: Pfeiler, Ausführung mit verschiedenen Steinformaten

63
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

4.10 STUMPFSTOSSTECHNIK ALS über Abtreppungen wird deutlich weniger


ERSATZ FÜR ABTREPPUNGEN UND Platz benötigt. Das aufwändige Eckmau-
VERZAHNUNGEN ern entfällt.

Aus arbeitstechnischen Gründen, z.B. um Sofern in der statischen Bemessung


das Aufstellen von Gerüsten zu erleich- oder in der Ausführungsplanung nichts
tern, können die tragenden Wände und anderes angegeben ist, darf die Stumpf-
die quer dazu stehenden aussteifenden stoßtechnik bei allen Wänden und allen
Wände nur selten gleichzeitig hochge­ Stein­formaten ausgeführt werden.
zogen werden.
Kelleraußenecken werden im Verband
Besonders wirtschaftlich ist der Wand- (mit Verzahnung) gemauert.
anschluss in Stumpfstoßtechnik. Gegen-

Bild 4/52: Beim Aufmauern wird der Edel­ Bild 4/53: Aus Gründen der Arbeitssicherheit
stahl-Flachanker im Mörtelbett eingelegt. wird der hervorstehende Teil der Edelstahl-
Flachanker abgewinkelt.

Bild 4/54: Vor dem Aufmauern der Querwand Bild 4/55: Beim Aufmauern der Querwand
wird der Edelstahl-Flachanker aufgebogen. wird die Stumpfstoßfuge mit Mörtel aufge-
zogen.

64
4.10 STUMPFSTOSSTECHNIK

Die Stumpfstoßtechnik – der stumpfe aus statischen und schalltechnischen


Anschluss von Längs- und Querwänden Gründen wichtig. Aus baupraktischen
– bietet wesentliche Vorteile für den Ar- Gründen wird empfohlen, den stumpfen
beitsablauf: Wandanschluss durch Einlegen von Edel-
stahl-Flachankern in den Mörtelfugen zu
 Die Wände können ohne störende sichern.
Verzahnung in einem Arbeitsgang
hochgemauert werden. Zuerst die Solange die vorgesehenen Ausstei­
Längswände, dann die Querwände. fungswände noch nicht erstellt sind,
So verbleibt viel Platz für Steinpa- können zusätzliche Absteifungen ge­
kete, Mörtelkübel, Gerüste und ggf. gen Kippen durch Windlast erforder­
Versetzgeräte. lich sein. Das BG-Merkblatt „Aufmau­
ern von Wandscheiben“ [4/1] ist zu
 Durch den stumpfen Wandanschluss beachten.
sind weniger Ergänzungssteine erfor-
derlich.
Bei Einsatz der Stumpfstoßtechnik ist
 Das Aufstellen und Versetzen von Ar- zu beachten, dass nach DIN EN 1996/
beitsgerüsten sowie das Verfahren NA gemauer te Querschnitte kleiner
der Versetzgeräte wird wesentlich er- 400 cm2 als nicht tragend anzusetzen
leichtert. sind. Damit Türanschläge als tragende
Sturzauflager angesetzt werden können,
Bei der Bauausführung ist zu beachten, muss in Abhängigkeit von der Wand-
dass die Stoßfuge zwischen Längswand dicke die Anschlaglänge der Tafel 4/3
und stumpf gestoßener Querwand voll entsprechen.
vermörtelt wird. Die Vermörtelung ist

Tafel 4/3: Mindestlänge von Anschlägen bei tragenden Sturzauflagern, Querschnitt ≥ 400 cm2
Wanddicke d [cm] Anschlaglänge l [cm]
11,5 ≥ 35
15 ≥ 27
17,5 ≥ 23
20 ≥ 20
24 ≥ 17
30 ≥ 14
36,5 ≥ 11,5
Bei kürzeren Anschlägen sind andere konstruktive Lösungen vorzusehen, z.B. Einbinden des tragenden
Sturzes in die Querwand.

65
4. MAUERWERKSVERBÄNDE

Bild 4/56: Der Randstein wird fest an die Querwand gepresst.

66
5. Arbeitsvorbereitung

„Wer war dafür eingeteilt, den Kran abzubauen?!”

67
5. ARBEITSVORBEREITUNG

Der Erfolg einer Baustelle hängt in star- den Planungsbüros geht es darum, für
kem Maß von der Qualität der Arbeits- stetigen Material- und Arbeitsfluss zu
planung und Arbeitsvorbereitung ab. Auf sorgen.
den Baustellen, in den Betrieben und in
Kosten

Kosten

Kosten-
beeinflussungs-
möglichkeit

Zeit
Planung Bau Nutzung

Bild 5/1: Die Planung entscheidet: Der größte Einfluss auf die Baukosten ist in der Planungs-
phase möglich. Je weiter die Planung voranschreitet, desto geringer sind die Spielräume für
eine Kostensenkung. In der Bauausführung sinken sie fast auf Null [5/1].

Tafel 5/1: Hinweise für Arbeitsplanung und Arbeitsvorbereitung


 Objektunterteilung in Ausführungsabschnitte
 Materialbedarfslisten, unterteilt nach Ausführungsabschnitten. Baustoffhändler und
Polier erhalten Materialbedarfslisten, so dass der Abruf direkt erfolgen kann.
 Rechtzeitig die richtigen Mengen abrufen
 Überlegtes Abstellen der Mauersteine und Mörtelkübel an der Arbeitsstelle
 Aktiver Einsatz von Kurbelböcken, Arbeitsbühnen oder Rollgerüsten, damit die
­Arbeitshöhe des Maurers zwischen 60 und 90 cm über Tritthöhe beträgt
 Mörtelkübel 40 cm über Trittfläche aufbocken, um unnötige Bewegungen und
­Ermüdung zu vermeiden
 Mauerlehren für das Anlegen von Ecken und Öffnungen einsetzen, um die ständige
Unterbrechung des Arbeitsrhythmus durch das Benutzen der Wasserwaage zu ver-
meiden
 Wahl der jeweiligen Mauertechnik und der Steinformate in Abhängigkeit von
Gebäude­art und -größe
 Platz für Versetzgeräte, Steinsäge, Knacker und Gerüste einplanen
 ersonal planen, passend zur Bauaufgabe und den jeweiligen Geräten

68
5.1 BESTELLUNG

5.1 BESTELLUNG  Lage der Baustelle


Lkw-Größe, Gewichtsbegrenzung,
Damit die richtigen Kalksandsteine auf Hanglage, enge Kurven mitteilen
der Baustelle angeliefert werden, ist bei
der Bestellung anzugeben: Hinweis:
Verblender sollten wegen der rohstoffbe-
 Stückzahl/Menge dingten Farbnuancen und Oberflächen-
beschaffenheit nur von einem Werk be-
 Kurzbezeichnung stellt werden – bei kleinen Objekten die
Gesamtmenge, bei größeren Objekten je-
 Liefertermin weils ausreichend für einen Bauabschnitt.
Rechtzeitig bestellen, Tag und evt. Dem Lieferwerk sollte darüber hinaus die
Uhrzeit angeben Gesamtmenge angegeben werden.

Tafel 5/2: Beispiele für Stein-Kurzbezeichnungen


Format
Steinart Kurzbezeichnung
(Länge x Breite x Höhe)
2 DF
KS-Vollstein DIN V 106 – KS 12 – 1,8 – 2 DF
(240 · 115 · 113)
3 DF
KS-Lochstein DIN V 106 – KS L 12 – 1,4 – 3 DF
(240 · 175 · 113)
8 DF DIN V 106 –
KS-Planstein
(248 · 240 · 248) KS L-R P 12 – 1,4 – 8 DF (240)
9 DF DIN V 106 – KS F 12 – 1,8 – 9 DF (175)
KS-Fasenstein
(373 · 175 · 248) Aufstandsbreite < 175
DIN V 106 –
KS XL-Rasterelement 498 · 150 · 498
KS XL-RE 20 – 2,0 – 498 x 150 x 498
DIN V 106 –
KS XL-Planelement 998 · 200 · 623
KS XL-PE 20 – 2,0 – 998 x 200 x 623
NF
KS-Verblender DIN V 106 – KS Vb 20 – 2,0 – NF
(240 · 71 · 113)

Wanddicke
Steindruck- Steinroh- (bei Steinen
festigkeits- dichte- mit Nut-Feder-
Steinsorte KS-Norm Steinart klasse klasse Format System an
den Stirn-
flächen)
Kalksandstein DIN V 106 – KS L-R P 12 – 1,4 – 8 DF (240)

Hohlblockstein Plan- mind. 1,21 bis 248 x 240 x 248 240 mm


mit Nut-Feder- stein 12 N/mm2 1,40 kg/dm3
System Trockenrohdichte
Bild 5/2: Bedeutung der Kurzzeichen (Beispiel)

69
5. ARBEITSVORBEREITUNG

Tafel 5/3: Hinweise für die Lagerung von Baumaterial auf der Baustelle
 Lagerung auf ebenem und tragfähigem Untergrund, z.B. auf Bohlengelege
 Ausreichend Abstand zu Böschungen einhalten
 Materialstapel gegen Umsturz sichern
 Steine und Mörtel durch Abdecken der Materialstapel, z.B. mit Folien, vor Durchnäs­
sung, Eis und Schnee schützen. Anfallendes Regenwasser vom Materiallager ableiten.
 Bei der Lagerung auf Decken ggf. Montagestützen setzen. In jedem Fall mit der Baulei-
tung abstimmen.
 Die Lagerung im Schwenkbereich des Kranes ist wirtschaftlich.

5.2 BAUSTELLENORGANISATION Bei beengten Baustellen, wie z.B. bei


Lückenbebauungen im Stadtkern, las-
Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel sen sich allerdings solche Mehrarbeiten
Material. Das ist ein Geheimnis des nicht immer vermeiden. Um so wichtiger
Bau­stellenerfolgs. Deshalb ist nur so- ist auch hier die Vorplanung in der Ar-
viel Material am Verarbeitungsort bereit- beitsvorbereitung und die Organisation
zustellen, z.B. auf der Zwischendecke, vor Ort durch den Polier.
wie gerade benötigt wird.
Auch beim Personaleinsatz kann weni-
Unnötige Materialtransporte und damit ger mehr sein. Geräteeinsatz und Perso-
verbundene Umschlagzeiten kosten Zeit nalbedarf sind deshalb aufeinander ab-
und Geld. Deshalb ist es vorteilhaft, die zustimmen. Beim Mauern mit Versetz­
Materialien möglichst nah am Verarbei- gerät z.B. ist zu entscheiden, ob im
tungsort abzulagern. Zwischentranspor­ Zwei-Mann-Team gearbeitet wird oder
te lassen sich dann auf ein Minimum re- das Ein-Mann-Mauern erfolgt. Mehr als
duzieren. zwei Maurer je Gerät sind unwirtschaft-
lich und senken die Arbeitsleistung.

Folie

Montagestützen
Bild 5/3: Steine und Mörtel sind vor Witte- Bild 5/4: Montagestützen sind bei der Zwi-
rungseinflüssen zu schützen. Materiallage- schenlagerung auf den Decken ggf. erforder-
rung soll sicher auf tragfähigem, ebenen lich.
Untergrund erfolgen.

70
5.2 BAUSTELLENORGANISATION

Die sachgemäße Lagerung ist nicht nur geneigt. Was ordentlich aussieht, wird
wichtig für strukturiertes Arbeiten. Eine auch ordentlich gemacht sein. Wenn
aufgeräumte Baustelle sehen auch Pla- dagegen auf der Baustelle das Chaos
ner, Bauträger und Bauherren gern. Denn herrscht, kommt der Bauherr leicht zu
bei einer ordentlichen Baustelle sind zu- dem Schluss, dass die Verarbeitung
künftige Investoren eher zum Abschluss auch keine hohe Qualität haben kann.

Bild 5/5: Anzeichnen von Steinstapeln und Bild 5/6: Das Absetzen der Steinstapel er-
Mörtelkübeln am Verarbeitungsort folgt zweckmäßig auf Paletten oder Bohlen-
gelege.

Bild 5/7: Absetzen der Steinpakete mit dem Bild 5/8: Eine aufgeräumte Baustelle ist die
Baustellenkran auf der Zwischendecke beste Werbung.

71
5. ARBEITSVORBEREITUNG

5.3 ARBEITSRAUM stapel und der aufzumauernden Wand


verbleibt. Bei größeren Abständen steigt
Der Arbeitsraum ist so zu gestalten, dass die Belastung des Maurers an, bei klei-
ausreichend Bewegungsspielraum für neren Abständen wird der Bewegungs-
den Maurer sowie für eine „Rolltreppe“ spielraum des Maurers eingeschränkt
verbleibt. Optimal werden Steinstapel und sowie das Aufstellen der Gerüste er-
Mörtelkübel so platziert, dass ein Arbeits- schwert.
raum von ca. 1,20 m zwischen Material-

Kurze Wege

Steuereinheit
Steuereinheit
mit Stein Wand
mit Stein Wand
cm
120cm

Arbeitsraum
Arbeitsraum
cm 120

Steinlagerung
100cm

Steinlagerung
undMörtel
Mörtel
100

und
cm
230 cm
230

m
00m
55,0,
rr ==

Steinlagerung
Steinlagerung falsch!
falsch !
UNNÖTIGES
UNNÖTIGES SCHWENKEN
SCHWENKEN VERMEIDEN!
VERMEIDEN!

Bild 5/9: Optimale Baustelleneinrichtung

72
5.3 ARBEITSRAUM

Beim Mauern mit Versetzgerät ist darauf Die Reihenfolge, in der die Wände er-
zu achten, dass das Versetzgerät paral- stellt werden, ist in der Arbeitsvorberei-
lel zur Wand verfahrbar ist. tung sinnvoll festzulegen. Die Verfahr-
barkeit des Versetzgerätes von einem
Die kürzesten Taktzeiten werden erzielt, Raum zum nächsten ist dann sicherge-
wenn die Steinpakete zwischen Versetz- stellt. Die Kimmschichten werden i.d.R.
gerät und Mauer abgestellt werden. So- vorab erstellt. Um das Versetzgerät auch
mit werden unnötige Schwenkzeiten ver- dann noch verfahren zu können, sind in
mieden. der Kimmschicht Lücken für das Versetz-
gerät vorzusehen.

Bild 5/10: Das Versetzgerät lässt sich opti­ Bild 5/11: Nach dem Umsetzen des Versetz­
mal verfahren, wenn es hinter den Stein­sta­ gerätes werden die Lücken in der Kimm-
peln aufgebaut wird. schicht geschlossen.

Bild 5/12: Ausreichender Arbeitsraum und Bild 5/13: Das Anlegen der Kimmschicht
der Einsatz von Rolltreppen erleichtern das ­erfolgt mit zeitlichem Vorlauf.
Verarbeiten.

73
5. ARBEITSVORBEREITUNG

5.4 TRANSPORTKETTE

Die Transportkette beginnt im Kalksand-


steinwerk mit der Verladung der Stein-
stapel und des Zubehörs. Bei Anliefe-
rung an der Baustelle sind Wege und La-
gerplätze entsprechend frei zu halten.

Verkehrsbehinderungen, wie z.B. unbe-


fes­tigte Wege, enge Durchfahrten oder
enge Kurven im Baustellenumfeld, soll-
ten deshalb im Vorfeld zwischen Bau-
stelle und Kalksandsteinwerk geklärt
sein.

Die Lagerplätze werden von der Baustel-


le rechtzeitig vorher vorbereitet. Die Ab-
ladung erfolgt an dem vom Bauleiter
oder Polier bezeichneten Ort.

Beim Transport auf der Baustelle sind Bild 5/14: Der Kimmschichtmörtel lässt sich
die gesetzlichen und berufsgenossen­ mit dem Mörtelwagen leicht zum Verarbei-
schaft­lichen Vorschriften einzuhalten. tungsort transportieren.
Insbesondere die UVV „Lastaufnahme-
einrichtungen im Hebezeugbetrieb“
(VBG 9a) [5/2] ist zu beachten.

Für den Transport bieten sich folgende


Möglichkeiten an:

 Vom Werk zur Baustelle: mit Lkw auf


Paletten (mit oder ohne Folie) oder
als Paket mit Bandagierung; Anfahrt-
möglichkeit für große und schwere
Lkw schaffen

 Innerhalb der Baustelle mit


– Baustellenkran und Steinkorb oder
– Hubwagen/Gabelstapler für den
bodennahen Transport

Bild 5/15: Der Transport auf der Baustelle


mit dem Baustellenkran sowie geeigneten
Steinkörben ist leicht und sicher.

74
5.5 GERÄTE

5.5 GERÄTE Der Mörtelschlitten hilft dabei, den Mör-


telauftrag zu beschleunigen. Insbeson-
Für das Vermauern der Kalksandsteine dere bei Dünnbettmörtel ist darauf zu
von Hand wird das übliche Handwerks- achten, dass die empfohlene Zahnschie-
zeug eines Maurers benötigt. Für das ne entsprechend Sackaufdruck oder Her-
Mauern mit Versetzgerät sind weitere stellerangabe verwendet wird. Das regel-
Gerätschaften erforderlich, z.B. Stein- mäßige Reinigen des Mörtelschlittens –
zange und Versetzgerät. auch bei Arbeitsunterbrechungen – ist
erforderlich, damit keine Mörtelreste im
Mit dem richtigen Gerät lässt es sich Schlitten haften bleiben und ein einwand­
leichter und schneller arbeiten. Deshalb freier Mörtelauftrag erfolgt.
sind alle Geräte bei Arbeitsunterbrechun­
gen und am Ende des Tages zu reini- Weiteres Zubehör, wie Schlauchwaage
gen. oder Hochbau-Laser, Eck- und Öffnungs-
lehren vereinfachen den Arbeitsablauf
Dies gilt nicht nur für die „persönliche noch weiter. Die Arbeit geht damit leich-
Ausrüstung“ (Kelle, Quast, Hammer etc.), ter von der Hand. Dies bedeutet höhere
sondern genauso für das „Allgemeingut“ Motivation der Maurer und kürzere Ar-
(Mörtelschlitten, Mischmaschine etc.). beitszeiten.

KS XL-Quergreifer KS XL-Greifer

KS XL-Einmannsteuerung

KS
Dünnbett-
mörtel
Wasser

Bild 5/16: Mit dem richtigen Gerät lässt es sich leichter arbeiten.

75
5. ARBEITSVORBEREITUNG

Bild 5/17: Kalksandsteine zur Handvermauerung sind mit ergonomisch optimierten Griffhilfen
ausgestattet.

76
6. MAUERn

77
6. MAUERN

Der Begriff des „Mauerns“ steht für so-  Stoßfugenausbildung/


lide, dauerhafte Arbeit, die allen gestell- Stoßfugenvermörtelung:
ten Anforderungen gerecht wird. Dies Von der Kalksandsteinindustrie wer-
wird auch in der Umgangssprache deut- den neben den klassischen Kleinfor-
lich: Wenn beim Fußball die Mauer richtig maten mit glatten Stoßfugenausbil-
steht, ist sie stark und unüberwindbar. dungen vor allem Steine mit Nut-Fe-
der-System angeboten. Bei Steinen
Das ist auch bei der Mauer aus Stein mit Nut-Feder-System (Kurzzeichen R
und Mörtel so. Mauersteine aus Kalk- für rationell) wird im Regelfall auf die
sandstein der Steindruckfestigkeits- Vermörtelung der Stoßfugen verzich-
klasse (SFK) 12 weisen eine Druckfes- tet.
tigkeit auf, die einem Beton der Güte
C12/15 entspricht. Kalksandsteine der  Mörtelart:
SFK 20 weisen eine Druckfestigkeit auf, Das Versetzen der Kalksandsteine
die einem Beton der Güte C20/25 ent- erfolgt in Normalmauermörtel oder
spricht. bevorzugt in Dünnbettmörtel.

Mauerwerk kann schnell und wirtschaft-  Bauweise mit Fuge/


lich hergestellt werden. Im Gegensatz zu Bauweise ohne Fuge:
Fertigbauteilen lassen sich auf der Bau- Die Unterscheidung nach DIN 4172
stelle noch Planänderungen ohne gro­ in „Bauweise mit Fuge“ – gemeint ist
ßen Aufwand umsetzen. mit 1 cm Stoßfuge – und „Bauweise
ohne Fuge“ hängt eng mit der Stoß-
Wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaft- fugenausbildung und der verwende-
lichkeit einer Bauart haben die verwen- ten Mörtelart zusammen.
deten Arbeitstechniken sowie die Ar-
beitsvorbereitung. Ein kontinuierlicher Die Unterscheidung der Erstellung von
Materialfluss, ablaufgerechte Baustel- Mauerwerk wird im Folgenden nach dem
leneinrichtung und die sinnvolle Anord- Kriterium Verarbeitungsart beschrieben.
nung der Lagerplätze der Baustoffe sor- Die Unterschiede zwischen Mauern von
gen für höchste Leistungsfähigkeit. Auf Hand und Mauern mit Versetzgerät sind
diese Weise werden Transporte inner- deutlich höher als die Unterteilung nach
halb der Baustelle auf ein Minimum be- anderen Kriterien.
grenzt und Arbeitsunterbrechungen für
die Umrüstung von Geräten und Ge- Die Handvermauerung hat insbesondere
rüsten reduziert. bei Sichtmauerwerk (innen und außen),
als auch bei nachträglich zu errichten-
Das Mauern lässt sich nach verschie- den Fassaden (z.B. Sanierungen) seine
denen Kriterien unterscheiden: Berechtigung.

 Verarbeitungsart: In der Ausbildung hat die Vermauerung


In der Regel ist die Art der Verarbei- von Hand auch heute noch eine große
tung abhängig vom Gewicht. Man un- Bedeutung.
terscheidet das Mauern von Hand
und das Mauern mit Versetzgerät.

78
6.1 MAUERN VON HAND

Das Vermitteln der Handwerkskunst 6.1.1 Steingewichte


lässt sich an der Handvermauerung op- Mauersteine mit einem Gewicht von bis
timal zeigen, wie z.B.: zu 25 kg lassen sich noch von Hand ver-
mauern. Bei Steingewichten über 25 kg
 Anlegen der Mauerwerksverbände sind Versetzgeräte einzusetzen. Um das
theoretische Verarbeitungsgewicht eines
 Einhalten der Überbindemaße Kalksandsteins zu ermitteln, werden fol-
gende Angaben benötigt:
 Herstellen von Pass-Steinen
 Format (Länge · Breite · Höhe)
Das Mauern von Hand, als klassische
Form des Mauerns, nimmt bei Neubau­  Steinrohdichte (angegeben in Roh-
ten immer weiter ab. Verstärkt werden dichteklassen)
dort großformatige Steine, z.B. KS XL,
mit Versetzgerät verarbeitet.  Einbaufeuchte (in Masseprozent, so-
fern gemessen)
Das Mauern mit großformatigen Steinen
und Versetzgeräten hat den Arbeits­alltag Hierzu ein Beispiel:
und das Arbeitsbild des Maurers verän-
dert. Die hohe Arbeitsleistung, die durch  Format
den Einsatz von maschinellen Versetzhilfen
2 DF (240 mm · 115 mm · 113 mm)
und Versetzgeräten erzielt wer­den kann,
macht Mauerwerksbauten wirt­schaftlich
 Steinrohdichteklasse RDK 1,8
noch interessanter. Wie bei der Handver-
mauerung gelten auch hier die gleichen
 Einbaufeuchte 5 M.-%
grundsätzlichen Handwerksregeln.
Die Berechnung des Einzelsteingewich­
Für den Erfolg einer Baustelle sind ar-
beitsgerechte Lieferung, Baustellenvor- tes erfolgt näherungsweise wie folgt:
bereitung und Arbeitsorganisation von
wesentlicher Bedeutung. 1. Volumen des Steins:
240 mm · 115 mm · 113 mm =
6.1 MAUERN VON HAND 3.118.800 mm3 = 3.118 cm3 =
3,1 dm3
Die Handvermauerung findet vor allem
Anwendung für: 2. Mittlere Steinrohdichte der Steinroh-
dichteklasse 1,8:
 Innen- und Außensichtmauerwerk aus RDK 1,8 (1,61 kg/dm3 bis
kleinformatigen Steinen 1,80 kg/dm3) = 1,7 kg/dm3

 Nachträgliches Erstellen von Innen- 3. Einbaufeuchte des Mauersteins: Eine


wänden übliche Lagerungsbedingung voraus-
gesetzt, beträgt der Feuchtegehalt
 Sanierung und Umbau bestehender von Kalksandstein: 5 M.-%
Gebäude

 Arbeiten geringen Umfangs

79
6. MAUERN

4. Das anzusetzende Einzelsteinge­ tige ergonomische Gestaltung dieser


wicht beträgt also: Steine mit optimierten Griffhilfen und
3,1 dm3 · 1,7 kg/dm3 · 1,05 = die durchdachte Einrichtung des Arbeits-
5,5 kg platzes. Kalksandsteine für die Hand-
vermauerung sind mit optimierten Griff-
hilfen versehen. Hierbei handelt es sich
Das Merkblatt der Bau-Berufsgenossen-
um ergonomisch angeformte Ober- und
schaften „Handhabungen von Mauer­
Untergriffe (Bild 6/1), die zu einer Ar-
steinen“, Oktober ‘92 [6/1] ist zu be-
beitserleichterung und körperlichen Ent-
achten.
lastung des Maurers führen.

6.1.2 Griffhilfen Neben der geringeren körperlichen Be-


Die Handhabung von Mauersteinen lässt lastung des Maurers ergeben sich er-
sich nicht allein auf Grund des Einzel- hebliche Arbeitszeiteinsparungen gegen-
steingewichts beurteilen. Dies führt zu über dem Vermauern von klein- und mit-
einer falschen Bewertung, wie Prof. Dr. telformatigen Steinen ohne Griffhilfen.
Landau, TH Darmstadt, Institut für Ar- Das Merkblatt der Bau-Berufsgenossen-
beitswissenschaft, im Rahmen einer Un- schaften „Handhabungen von Mauerstei-
tersuchung über die Verarbeitbarkeit von nen“, Oktober ‘92 [6/1] wird dabei ein-
Steinen feststellte [6/2]. gehalten.

Auch großformatige Kalksandstein-Block­ Weitere Erleichterungen und Arbeitszeit-


steine mit hohem Gewicht lassen sich ersparnisse bringen Hilfsmittel wie Mör-
ohne große körperliche Belastung ver- telschlitten und Versetzgeräte.
mauern. Voraussetzungen sind eine rich-

MBv = 0,56 · a
(Volarflexion)

Hn

H
HV
F DV
D
DV
DH
Fn

0,56 RV = 0,56 = DV · FV

Bild 6/1: Mittelformatiger Kalksandstein mit optimierter Griffhilfe

80
6.1 MAUERN VON HAND

6.1.3 Optimale Arbeitshöhe


Ein Maurer verarbeitet bei der Handver-
mauerung die größte Menge an Mauer­
steinen bei geringster Anstrengung,
wenn die Arbeitshöhe zwischen 60 und
90 cm über Tritthöhe liegt. Durch den
akti­ven und rechtzeitigen Einsatz von
Kurbelböcken, Arbeitsbühnen oder Roll-
gerüsten lässt sich die Arbeitshöhe flexi-
bel anpassen.

Ermüdungsfreies Arbeiten bei geringst-


möglicher körperlicher Belastung ist ei-
ne Voraussetzung für hohe Motivation.

Foto: Steinweg
Durch die verringerte körperliche Be-
lastung wird die Leistungsfähigkeit und
Leistungsbereitschaft des Maurers er-
halten. Bild 6/2: Fahrbare Mauerbühnen sind hoch
belastbar und flexibel in der Höhe einstellbar.

Bild 6/3: Hydraulisch höhenverstellbare Arbeitsbühnen führen zu effektivem und belastungs-


armem Mauern von Hand.

81
6. MAUERN

Das richtige und überlegte Abstellen der 6.1.4 Arbeitsorganisation


Steinpakete und der Mörtelkübel ist ent- Der Arbeitsraum zwischen Materiallage-
scheidend für die optimale Arbeitshal- rung und zu errichtender Wand ist für die
tung. Es empfiehlt sich, die Mörtelkübel ungehinderte Bewegung des Maurers frei
ca. 40 cm über Trittfläche aufzubocken. zu halten. Mörtelkübel und Steinstapel
Dadurch werden unnötige Hubbewe- stehen deshalb in einer Flucht. Bei zu
gungen und somit vorzeitige Ermüdung kleinem Arbeitsraum werden die Dreh-
vermieden. bewegungen des Maurers behindert. Bei
zu großem Arbeitsraum sind Zwischen-
Auch elektrische oder hydraulische Ar- schritte erforderlich, die zu längeren Takt-
beitsbühnen sind flexibel auf jede Ar- zeiten führen. Die Belastung des Mau-
beitshöhe einstellbar. Der Transport der rers steigt in beiden Fällen an, da die
Arbeitsbühnen erfolgt per Lkw, das Ver- Zeit zum Versetzen des Steins verlängert
laden und Umsetzen auf der Baustelle in wird und somit die Leistung absinkt.
der Regel durch den Baustellenkran.
Unnötige Arbeitsunterbrechungen ent-
stehen, wenn der Materialnachschub
nicht stimmt. Es ist deshalb wichtig,
dass die jeweils benötigten Mengen
recht­zeitig abgerufen und am Arbeits-
platz zur Verfügung gestellt werden.

Die Mörtelkübel werden so angeordnet,


dass die Füllung eines Mörtelschlittens
bis zum nächsten Mörtelkübel reicht.
Der Raum zwischen den Mörtelkübeln
wird mit Mauersteinen aufgefüllt. Am
zweckmäßigsten wird die Einrichtung des
Arbeitsplatzes (die Standorte für Mörtel-
kübel und Steinpakete) im Vorfeld ange-
zeichnet, Bild 6/4.

Kurze Wege

Bild 6/4: Das Anzeichnen der Steinpakete Bild 6/5: Kurze Wege sind die Voraussetzung
und der Mörtelkübel erfolgt rechtzeitig vor für eine hohe Mauerleistung.
Anlieferung des Materials.

82
6.2 MAUERN MIT VERSETZGERÄT

6.2 MAUERN MIT VERSETZGERÄT

Der Einsatz großformatiger Steine wurde


durch Versetzgeräte erst möglich. Sie sind
bei Steingewichten ab 25 kg zu verwenden.

6.2.1 Versetzgerät
Verschiedene Baugerätehersteller bie-
ten unterschiedliche Versetzgeräte an.
Versetzgeräte, wie auch besonders Ver-
setzzangen, sind nur in einwandfreiem
technischem Zustand einzusetzen. Die
Dornen der Zange greifen in die dafür
vorgesehenen Dornlöcher der Elemente,
Block- und Plansteine. Durch die Kine-
matik der Zange entsteht nach dem Auf- Montagestützen
nehmen ein Formschluss zwischen den
Dornen und dem KS-Stein. Es ist zu Bild 6/7: Erforderliche Montagestützen sind
gewährleisten, dass die Dorne ausrei- in Abstimmung mit dem Statiker zu setzen.
chend tief eintauchen. Die mindestens
70 mm tiefen Dornlöcher der Steine mäßig vom Maurer zu überprüfen, damit
sind daher von eventuellen Verschmut- ein sicheres Arbeiten mit Versetzgeräten
zungen zu be­freien. Die Kontakt­flächen gewährleistet ist.
an den Dornen der Zange (z.B. Kegel-
spitze oder Schweißpunkt) sind regel­- Beim Einsatz von Versetzgeräten ist auf
die Tragfähigkeit der Stahlbetondecken
zu achten. Da während der Bauphase
höhere Verkehrslasten auftreten können
als im Nutzungszustand, z.B. durch un-
günstige Lastfallkombinationen infolge
Lagerung von Steinpaketen auf Zwi-
schendecken, sind ggf. Montagestützen
nach Anweisung des Statikers zu setzen.
Um die Verfahrbarkeit der Versetzgeräte
sicherzustellen, legt die Bauleitung vor
Beginn des Mauerns in einem Ablauf-
plan die Reihenfolge der Wände und das
Umsetzen des Versetzgerätes fest. Da-
mit der Normalmauermörtel der Kimm-
schichten ausreichend fest werden kann,
werden diese mit ausreichendem Vorlauf
zum Aufmauern der Wände angelegt. Ge-
Foto: Steinweg

gebenenfalls sind Fahrspuren in den Kimm-


schichten freizuhalten, um das Verfahren
der Versetzgeräte von einem Raum in
Bild 6/6: Mauern mit dem Versetzgerät den anderen zu ermöglichen.

83
6. MAUERN

6.2.2 Pass- und Ergänzungssteine Wenn Pass- und Ergänzungssteine auf


Die Bereitstellung von Pass- und Ergän- der Baustelle hergestellt werden, so
zungssteinen kann die wirtschaftliche Er- wer­den diese zu Beginn der Mauerar-
stellung einer Mauerwerkswand wesent- beiten jeweils für eine Wand aus Stan-
lich unterstützen. Die Verwendung vorge- dardsteinen hergestellt. Dies geschieht
fertigter Pass- und Ergänzungssteine ist bei Steinen für Dünnbettmörtel vorzugs­
deshalb grundsätzlich zu empfehlen. Be- weise mit einer Steinsäge – wegen der
reits in der Planungsphase werden hier exakten Schnittkante, z.B. im Bereich
die Weichen für wirtschaftliches und ra- der Stoßfuge.
tionelles Mauern gestellt.
hu Bei großformatigen Kalksandsteinen
Je nachdem, welches Steinsystem ge- KS XL können Ergänzungselemente im
wählt wurde, werden Pass- und Ergän- 12,5 cm-Raster (Oktametermaß) und/oder
zungssteine bereits auf die Baustelle geschnittene Passelemente systemge-
fertig angeliefert. recht vom Werk mitgeliefert werden.

5 cm  lol  0,4 · hu 6.2.3 Überbindemaß


Bei großformatigen Kalksandsteinen,
 10 cm KS XL mit Steinhöhen von 498 mm bzw.
623 mm, ist das Überbindemaß von
lol ≥ 0,4 · Steinhöhe der Regelfall. Da dies
aber nicht an allen Stellen baupraktisch
ausführbar ist, sind nach DIN EN 1996/
NA für Ausnahmefälle für die Anwendung
von KS XL auch Reduzierungen des Über-
bindemaßes zulässig. Das Mindest­über-
25 cm

bindemaß beträgt immer 12,5 cm.

Die Verringerung des Überbindemaßes


12,5 cm  lol  0,25 l· hfür
Bild 6/8: Mindestüberbindemaß ol u KS- ist in der Bemessung der Wände zu be-
Plansteine rücksichtigen. Änderungen auf der Bau-

Tafel 6/1: Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe


Überbindemaß lol in Abhängigkeit von der Steinhöhe
62,5

Steinhöhe hu Regelfall Mindestüberbindemaß


[cm] lol = 0,4 • Steinhöhe [cm] lol $ [cm]
< 11,3 5 4,5
11,3 / 12,3 5 0,4 • Steinhöhe = 5
23,8 / 24,8 10 0,4 • Steinhöhe = 10
49,8 20 0,25 • Steinhöhe = 12,5
62,3 25 0,2 • Steinhöhe = 12,5

84
6.2 MAUERN MIT VERSETZGERÄT

stelle sind daher unbedingt mit der Bau- Einzelfällen 20 mm nicht überschreiten.
leitung bzw. dem Statiker abzustimmen. Bei KS XL-Mauerwerk soll eine vermörtelte
Stoßfuge zum Längenausgleich 30 mm
Für die Lastverteilung im Mauerwerk nicht überschreiten.
ist die halbsteinige Überbindung ideal
(lol = 0,5 · Steinlänge). Das lässt sich Das an den Stirnflächen der Steine vor-
nicht immer realisieren. Das Über­bin- handene Nut-Feder-System erleichtert
demaß sollte aber dennoch so groß es dem Maurer, ebene Wandflächen
wie möglich sein. zu erstellen. Ein Verkanten der Steine
wird vermieden und das Mauerwerk ist
bereits in der Rohbauphase optisch
6.2.4 Stoßfugenvermörtelung dicht.
Großformatige Kalksandsteine werden
i.d.R. ohne Stoßfugenvermörtelung knirsch In Ausnahmefällen kann es erforderlich
versetzt. Die in DIN EN 1996/NA maxi- sein, die Stoßfugen zu vermörteln, z.B.
mal zulässige Stoßfugenbreite von 5 mm bei:
kann mit KS-Plansteinmauerwerk pro-
blemlos eingehalten werden. Stoßfugen  der Druckzone von Flachstürzen,
> 5 mm sind im Steinrandbereich beid-
seitig mit Mörtel zu schließen. Die Fugen-  Kelleraußenwänden, in Abhängigkeit
breite bei vermörtelten Stoßfugen soll in von der Lastabtragung,

Tafel 6/2: Stoßfugenausbildung von KS-Mauerwerkswänden


Stoßfugenausbildung – Anforderungen Schemaskizze (Aufsicht auf Steinlage)
1 Ebene Stoßfugenausbildung ≤ 55mm
mm

 Steine knirsch verlegt


10 mm
 Gesamte Stoßfuge vollfächig vermörtelt 10 mm
Stoßfugenbreite: 10 mm

2 Stoßfugenausbildung mit Mörteltaschen 5 mm


≤ 5 mm
 Steine knirsch verlegt,
Mörteltasche mit Mörtel gefüllt
≤ 1010 (20) mm
(20) mm
 Steinflanken vermörtelt

3 Stoßfugenausbildung mit Nut-Feder-System ≤ 55 mm


mm

 Steine knirsch verlegt


10 (20) mm
≤ 10 (20) mm
 Steinrandbereiche vermörtelt

4 Stoßfugenausbildung eines geschnittenen


Steins an Nut-Feder-System (knirsch gestoßen)
 Empfehlung: Steinrandbereiche vermörteln
Im statischen Sinn als vermörtelt gilt eine Stoßfuge, wenn mindestens die halbe Steinbreite über die ge-
samte Steinhöhe vermörtelt ist.

85
6. MAUERN

 einschaligem Mauerwerk ohne Putz, Das Versetzen der ersten Steinschicht


bei dem Winddichtigkeit gefordert (Kimmschicht) erfolgt in Normalmauer-
ist, sowie mörtel NM III (zügig abbindender Ze-
mentmörtel), Dicke d = 1 bis 3 cm.
 ggf. bei nicht tragenden inneren Trenn- Diese Ausgleichsschicht dient dem
wänden wie z.B. bei dreiseitig gehal- Höhenausgleich der Wand, der Herstel-
tenen Wänden mit oberem freiem Rand. lung eines planebenen Niveaus in Längs-
und Querrichtung und dem Ausgleich
 Beim Zusammentreffen eines Plan- von Unebenheiten in der Betondecke.
elements mit Nut-Feder-System und Das ist für das Versetzen der folgenden
einem geschnittenen Teilelement ist Steinschichten in Dünnbettmörtel be-
es empfehlenswert, die Stoßfuge sonders wichtig. Putz- und Mauermörtel
aus optischen Gründen mit Mörtel sind als Anlegemörtel ungeeignet.
zu schließen.
Zum Höhenausgleich können kleinfor-
6.2.5 Wandhöhen/Höhenausgleich matige Mauersteine oder spezielle KS-
Jede Wandhöhe lässt sich durch die rich- Kimmsteine eingesetzt werden. KS-
tige Auswahl der Steinformate herstel- Kimmsteine werden von den KS-Wer-
len. Die Wandhöhe ergibt sich aus: ken in unterschiedlichen Höhen ange-
boten.
1. Höhe des Anlege-, Kimmschichtmör-
Wärmetechnisch optimierte KS-Wär­me­
tels (1 bis 3 cm)
dämmsteine, zur Reduzierung von Wär-
mebrücken, werden in verschiedenen
2. Höhe der KS-Kimmsteine (Höhenaus-
Steinhöhen angeboten.
gleichssteine)

3. Höhe und Anzahl der Regelschichten Die regionalen Lieferprogramme sind


(Vielfaches von 50 cm bzw. 62,5 cm) zu beachten.

3 Regelelemente
h = 50,0 cm und
h = 62,5 cm
50

625
50 50

625 625

2 KS-Kimmsteine für
2,50
2,50

die untere Ausgleichsschicht 3


3
50

625

1 Normalmauermörtel NM III 2 2
50

1 1

Bild 6/9: Jede Wandhöhe kann hergestellt werden.

86
6.3 ÖFFNUNGSÜBERDECKUNG

Der Einsatz von Steinen zum Höhenaus- sich, den Höhenausgleich nach Möglich-
gleich ist sowohl am Wandfuß als auch keit am Wandfuß so zu wählen, dass die
am Wandkopf möglich. Bei der Fest- Restwandhöhe durch die Regelelement-
legung der Kimmschicht empfiehlt es höhe teilbar ist.

6.3 ÖFFNUNGSÜBERDECKUNG

Übliche Ausführung mit KS-Flachsturz Die Überdeckung von Öffnungen erfolgt


Übliche Ausführung mit KS-Flachsturz
i.d.R. mit vorgefertigten Stürzen, die
Regel- schnell und rationell versetzt werden
schicht
Regel-
schicht können. Für optisch anspruchsvolles
Regelschicht Sichtmauerwerk kommen vorgefertigte
Regelschicht
Mauerstürze, aber auch vor Ort erstellte
Regelschicht Stürze oder Bögen zum Einsatz.
Regelschicht

Regelschicht Stürze und Bögen haben die Aufgabe, die


Regelschicht
darüber liegenden Lasten über die Sturz­
Regelschicht auflager in die Wände abzuleiten. Bei der
Regelschicht
Kimmschicht
Ableitung dieser Lasten entstehen Hori-
Kimmschicht zontalkräfte, die im Sturz und in den Auf­
lagern aufgenommen werden müssen.
Optimierte Lösung mit KS-Fertigteilsturz
Optimierte Lösung mit KS-Fertigteilsturz
Stürze werden auf Biegung beansprucht.
Regel- Die Unterseite will sich auf Grund der
schicht
Regel-
schicht
Fertigteil- darüber liegenden Last verlängern, die
sturz
Fertigteil-
Regelschicht sturz Oberseite verkürzen. Auf der Untersei-
Regelschicht te entstehen somit Zugspannungen, auf
Regelschicht der Oberseite Druckspannungen.
Regelschicht

Regelschicht Mauerwerk kann sehr gut Druckkräfte­ auf-


Regelschicht nehmen. Es ist aber nur sehr begrenzt in der
Regelschicht
Lage, Biegezugspannungen aufzunehmen.
Regelschicht Aus diesem Grund bestehen Mauer­werks­
Kimmschicht stürze aus einem oben liegenden Druck-
Kimmschicht
gurt und einem unten liegenden Zuggurt
(Bild 6/11). Dabei wird der Zuggurt aus
Regelschicht
der Stahlbewehrung des Sturzes und der
Bild 6/10: Bei der Festlegung der Kimm- Regelschicht
schichthöhen sollten Brüstungshöhe und Druckgurt aus der Übermauerung (mit ver-
Sturzauflager berücksichtigt werden. mörtelten Stoßfugen) gebildet.

87
6. MAUERN

KS, mindestens SFK ≥ 12, Mörtelgruppe II


Druck

Schub
Druck
Zug
Zug
Stahl-Bewehrung
Schub

Modellvorstellungen

Bogenbrücke
mit Zugband

Bild 6/11: Zur Lastableitung über Öffnungen muss ein Zuggurt (unten) und ein Druckgurt
(oben) ausgebildet werden.

Die Stoßfugen in der Sturzübermauerung


sind mit NM oder DM zu vermörteln.
variabel

A A A
Druckzone
d

Kalksandstein-

oder:
als Zuggurt
Flachsturz

> 115 > 115

Bild 6/12: Die Druckzone oberhalb des KS-Sturzes kann aus Mauerwerk, Beton oder einer
Kombination davon bestehen.

88
6.3 ÖFFNUNGSÜBERDECKUNG

6.3.1 KS-Stürze  KS-Fertigteilstürze, mit Schichthöhen


Vorgefertigte Stürze sind Bauteile, die bis zu 50 cm
als Fertigteile auf die Baustelle angelie-
fert werden. Lieferbar sind: Während Flachstürze erst durch die
Übermauerung ihre volle Tragfähigkeit
 KS-Flachstürze, mit Schichthöhen und Funktion erhalten, sind Fertigteil-
bis zu 12,5 cm (auch für Sichtmau- stürze direkt nach dem Versetzen voll
erwerk) belastbar.

Sturzbreite Sturzhöhe Nennlänge


abZ: Z-17.1-978 d [mm] [mm] [mm]
115
71
1) 175
0
00 115
–3 1000
00 150 bis
10 175
113 10001)
71

200
d 1)
214*)
0
00 240
–3
00
10 1003)*)
113

115
d 150
875
2) 123 bis
175
00 30002)
30 200
5– 240
87
123

1)
d Abgestuft in 250 mm-Schritten
2)
Abgestuft in 125 mm-Schritten
3)
Nur für nicht tragende Wände
Die regionalen Lieferprogramme sind zu beachten. *)
Auf Anfrage
Bild 6/13: KS-Flachstürze nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ)

abZ: Z-17.1-621 abZ: Z-17.1-774


1)
Abgestuft in 250 mm-Schritten
2)
Nur für nicht tragende Wände
3)
Sonderhöhen sind zulässig.
*) Auf Anfrage
248–498

1)
196–498

1)
0 Die regionalen Lieferprogramme
00 00
0 –2 –20 sind zu beachten.
00 00
1 10
d d

Sturzbreite Sturzhöhe3) Nennlänge Sturzbreite Sturzhöhe3) Nennlänge


d [mm] [mm] [mm] d [mm] [mm] [mm]
1002) 115
115 150
196 1000
150 175
bis bis
175 248 200
1000 748 20001)
200 373 214
bis
214*) 480 240
2000
240 498
265*)
300
365

Bild 6/14: KS-Fertigteilstürze nach allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ)

89
6. MAUERN

Die Ausführung eines vor Ort geschal- Vor dem Aufmauern bzw. dem Aufbeto-
ten Betonsturzes ist wesentlich aufwän- nieren muss die Oberseite der KS-Stürze
diger und damit kostenintensiver als der sorgfältig gereinigt und vorgenässt wer-
Einsatz eines vorgefertigten KS-Sturzes. den. Die vorgefertigten KS-Stürze wer-
KS-Stürze bieten zusätzlich den Vorteil den von Hand oder mit Versetzhilfe satt
eines einheitlichen Putzgrundes mit dem im Mörtel (NM III) verlegt. Die Auflager-
angrenzenden Mauerwerk. länge beträgt mindestens 11,5 cm. Für
das Auflager ist zu beachten, dass tra-
Die Bemessung von KS-Flachstürzen gende Querschnitte nach DIN EN 1996-
und KS-Fertigteilstürzen erfolgt nach all- 1-1 eine Mindestfläche von 400 cm2 auf-
gemeiner bauaufsichtlicher Zulassung weisen müssen.
(abZ). KS-Stürze dürfen nicht durch Ein-
zellasten belastet werden. Die Herstel- KS-Flachstürze sind bis zur Aushärtung
ler von KS-Flachstürzen und KS-Fertig- der Druckzone (Übermauerung oder Be-
teilstürzen haben sich zur Werbegemein- tondecke) abzustützen, Bild 6/15. Als
schaft KS-Sturz zusammengeschlos- Anhaltswert kann hierbei von sieben Ta-
sen und bieten in ihrem Internet-Auftritt gen ausgegangen werden.
(www.ks-sturz.de) einfache Bemes-
sungstafeln.

Über den KS-Stürzen darf statisch eine


Gewölbe­wirkung angesetzt werden.


Bild 6/15: Bei der Übermauerung von Flachstürzen und im Bereich des Stumpfstoßes sind die
Stoßfugen grundsätzlich mit Normalmauer- oder Dünnbettmörtel zu vermörteln.

90
6.3 ÖFFNUNGSÜBERDECKUNG

Bei der Herstellung der Druckzone sind Gemauerte Stürze aus KS -U-Schalen
die Stoßfugen vollflächig zu vermörteln. wer­den mit vermörtelter Stoßfuge auf
Für die Übermauerung müssen Steine vorgefertigter Schalung versetzt, be-
mindestens der Steindruckfestigkeits- wehrt und mit Beton verfüllt. KS -U-Scha-
klasse 12 und Normalmauermörtel der len für witterungsbeanspruchtes Sicht-
Gruppen II, IIa, III oder Dünnbettmör- oder Ver­blendmauerwerk sollen frostwi-
tel verwendet werden. Stark saugende derstandsfähig sein. Dies ist bei der Be-
Steine sind am Tag vorher kräftig zu näs- stellung anzugeben.
sen – sie sollten jedoch beim Vermauern
oberflächlich wieder abgetrocknet sein. Bei außen liegendem Sicht- und Verblend­-
mauerwerk sind bei der Verwendung von
Bei KS-Fertigteilstürzen ist die Druckzo- 11,5 cm dicken KS -U-Schalen korrosions­-
ne fester Bestandteil des Sturzes. Eine geschützte Bewehrungsstähle zu verwen-
Montageunterstützung ist daher nicht er- den. Die Mindestbetonüberdeckungen
forderlich. sind einzuhalten.

Beschädigte Stürze dürfen nicht ver- Produktionsbedingt können Farbnuan­-


wendet werden. cen zwischen KS -U-Schalen oder KS-
Stürzen und dem übrigen Mauerwerk
auftreten.
6.3.2 Gemauerte Stürze
Bei anspruchsvollem KS-Sichtmauer-
werk werden Öffnungen mit KS -U-Scha-
len übermauert. Sie lassen sich archi-
tektonisch in den Mauerwerksverband
eingliedern.

Schalung

Bild 6/16: Ein aus KS -U-Schalen gemauerter Sturz ist bis zum Aushärten des Betons abzustützen.

91
6. MAUERN

2 Einzellasten als Ersatz für


eine gleichmäßig verteilte Last

Schub Schub

Lotrechte Kräfte = Lasten

Lasten

Schub Schub

Lotrechte Kräfte = Lasten

Lasten

Schub Schub

Lotrechte Kräfte = Lasten


(Auflagerkräfte)

Bild 6/17: Je kleiner die Überhöhung (der Stich) eines Bogens ist, desto größer ist der Horizon-
talschub in den Widerlagern.

92
6.3 ÖFFNUNGSÜBERDECKUNG

6.3.3 Gemauerte Bögen werden. Dabei ist bei größerem Bogen­


Die Herstellung von gemauerten Bögen stich die Horizontallast (das „Schieben“)
setzt grundlegende Kenntnisse der Trag- im Vergleich zur Vertikallast geringer.
wirkung von Bögen voraus. In gemau- Aus diesem Grund wurden im Mittelal-
erten Bögen herrschen theoretisch nur ter Bögen nur als gotische Bögen (Spitz-
Druckspannungen. Tatsächlich müssen bogen) oder romanische Bögen (Rundbo-
die Vertikallasten, die auf den Bogen gen) verwendet.
einwirken, in die seitlichen Widerlager
eingeleitet werden. Deshalb wird die Heute übliche Fo