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Die Freiheitsstrafe mit und ohne Bewährung (Einleitungs-Verfügung)

Wichtig: Anrechnung von U- oder Polizeihaft aus verfahrensfremden Verfahren

BVerfG, 15.12.1999 - 2 BvR 1447/99

Es ist verfassungsrechtlich geboten, § 51 Abs. 1 StGB und auch § 52 a Satz 1 JGG


so auszulegen, daß eine Anrechnung grundsätzlich zu erfolgen hat, wenn zwischen
der die Untersuchungshaft auslösenden Tat und der Tat, die der Verurteilung
zugrunde liegt, ein funktionaler Zusammenhang oder sachlicher Bezug besteht.

BVerfG, 2 BvQ 15/01

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist im Blick auf die


Bedeutung des Freiheitsrechts aus Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG über den eigentlichen
Anwendungsbereich des § 51 Abs. 1 StGB hinaus so genannte verfahrensfremde
Untersuchungshaft jedenfalls dann auf eine Freiheitsstrafe anzurechnen, wenn
zumindest eine potentielle Gesamtstrafenfähigkeit der Strafe, auf die die
Untersuchungshaft angerechnet werden soll, besteht (BVerfG, 2 BvR 2352/93, 2
BvR 2232/94).

Zum offenen Strafvollzug:

BVerfG, 27.09.2007, 2 BvR 725/07


… Für geeignete Personen - bei denen weder Flucht- noch Missbrauchsgefahr drohe
- ist der offene Vollzug als Regelfall der Vollstreckung der Freiheitsstrafe anzusehen,
nicht als Ausnahme. ... dass Berufstätige durch den Antritt der Haftstrafe nicht aus
ihrer Beschäftigung herausgerissen würden. Im Einzelfall ist es dann zwingend
geboten, in Anwendung des § 26 Abs. 2 S. 1 StVollstrO schon vor Haftantritt von
dem allgemeinen Vollstreckungsplan abzuweichen.

Hierzu das Beispiel NRW:


Jeder auf freiem Fuß befindliche Verurteilte, mit Ausnahme von Fluchtwilligen und
Missbrauchstätern, wird - auch bei Verbrechen und langen Freiheitsstrafen -
grundsätzlich dem offenen Vollzug zugeordnet und kann bei Vorliegen der
Voraussetzungen (Antrag, Arbeitsplatzbescheinigung des Arbeitgebers,
2

Krankenversicherungsbescheinigung, tatsächliche Möglichkeit, schwierig etwa bei


Montagetätigkeit) - ggf. nach 3 Tagen bis etwa 4 Wochen Aufenthalt in der JVA –
weiter seiner Arbeit nachgehen. Bei gewollter Abweichung vom Vollstreckungsplan
ist der Antrag nebst Urteil, BZR-Auszug, Arbeits- oder Ausbildungsvertrag und
Sozialversicherungsausweis der vom Verurteilten angestrebten Justizvollzugsanstalt
zuzuleiten, bei Selbständigen die Gewerbeanmeldung sowie eine Auskunft in
Steuersachen, JM 4431 - IV. 28/Sdb

Zum Vorrang der Strafhaft vor der U-Haft:

KG, 2 Ws 504/10
…Der Vorrang der Strafhaft tritt bei einem bereits in Untersuchungshaft befindlichen
Verurteilten nicht erst mit dem Eingang des Aufnahmeersuchens in der
Justizvollzugsanstalt ein, sondern bereits dann, wenn die Staatsanwaltschaft
unmißverständlich zum Ausdruck bringt, daß die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe
nunmehr ansteht. Anmerkung: z.B. durch Erlass eines Haftbefehls oder
Aufnahmeersuchens. (vgl. KG 2 Ws 551/10)

Und bei Auslieferungshaft

Vollzug von Auslieferungshaft und Durchlieferungshaft, RV d. JM vom 27. März


1986 (4422 - IV B. 1) in der Fassung vom 20. Juli 2016

1 (Fn 3)
Für den Vollzug von Auslieferungshaft und Durchlieferungshaft gelten die
Vorschriften der Strafprozessordnung und, soweit der Verfolgte ein Jugendlicher oder
ein Heranwachsender ist, die des Jugendgerichtsgesetzes über den Vollzug der
Untersuchungshaft entsprechend (§§ 27 Abs. 1, 45 Abs. 6 des Gesetzes über die
internationale Rechtshilfe in Strafsachen - IRG - vom 23.12.1982)….

Danach müsste auch die Auslieferungshaft durch Strafhaft unterbrochen werden; ggf.
sei Rücksprache mit der betreibenden Behörde empfohlen.
3

Weitere Vorschriften, Rechtsprechung und Schrifttum zu (Jugend-)


Freiheitsstrafen

Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfale - Vollstreckungsplan für


das Land Nordrhein-Westfalen -

Abweichen vom Vollstreckungsplan – 4431 - IV. 28/Sdb.

…kann die zuständige Vollstreckungsbehörde …auch in eine andere als die nach
dem Vollstreckungsplan zuständige Justizvollzugsanstalt einweisen (§ 26
StVollstrO,
Abs. 2 , Satz1, 1 Alternative). Hierzu übersendet die zuständige
Vollstreckungsbehörde der Justizvollzugsanstalt, in die in Abweichung vom
Vollstreckungsplan eingewiesen werden soll, zur Prüfung folgende Unterlagen: -
das der Verurteilung zugrunde liegende Urteil sowie - einen aktuellen Auszug aus
dem Bundeszentralregister.
Bei Arbeitnehmern darüber hinaus: - den Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrag (in
Ablichtung) sowie - einen Nachweis über die Sozialversicherung (in Ablichtung). Bei
Selbstständigen: - die Gewerbeanmeldung (in Ablichtung) sowie - eine Auskunft in
Steuersachen (des Finanzamtes).

Stimmt die Justizvollzugsanstalt der abweichenden Einweisung vom


Vollstreckungsplan zu, unterrichtet sie die zuständige Vollstreckungsbehörde. In
diesem Fall gilt die Zustimmung der für den Justizvollzug zuständigen
Aufsichtsbehörde als erteilt. Stimmt die Justizvollzugsanstalt der abweichenden
Einweisung vom Vollstreckungsplan nicht zu, unterrichtet sie die zuständige
Vollstreckungsbehörde und die nach dem Vollstreckungsplan zuständige
Justizvollzugsanstalt von den hierfür maßgeblichen Gründen. In diesem Fall gilt die
Zustimmung der für den Justizvollzug zuständigen Aufsichtsbehörde als verweigert.
Die zuständige Vollstreckungsbehörde unterrichtet die Verurteilte bzw. den
Verurteilten über die tragenden Gründe der Ablehnung.
Von einer Weiterleitung des Schreibens der JVA ist abzusehen.

Für eine Verlegung nach Beginn des Vollzuges (§ 26 StVollstrO, Abs. 1, Satz 1, 2
4

Alternative) gilt die Zustimmung der für den Justizvollzug zuständigen


Aufsichtsbehörde für die Fälle erteilt, in denen zwischen den betroffenen
Anstaltsleitungen Einvernehmen über die beabsichtigte Verlegung erzielt worden ist.“
Vor diesem Hintergrund ist meine Beteiligung nur noch in den Fällen erforderlich, in
denen Vollstreckungs- oder Vollzugsbehörden anderer Länder beteiligt sind. pp.

Zur Berechnung der Freiheitsstrafe nach Unterbrechung

OLG Hamm 3 Ws 502/86, Leitsatz


Wird nach § 57 Abs. 1 StGB die bedingte Entlassung des Verurteilten, gegen den
zwei Freiheitsstrafen vollstreckt werden, abgelehnt, nachdem zuvor die Vollstreckung
der ersten Strafe nach § 43 Abs. 3 StVollstrO unterbrochen worden war, darf die
Strafvollstreckung insgesamt nicht länger dauern, als wenn die Vollstreckung der
beiden Freiheitsstrafen hintereinander ohne Unterbrechung vorgenommen worden
wäre

Zur Abgabe einer Jugend-Vollstreckung an die StA

OLG Hamm vom 02.02.1996 3 Ws 40, 41/96


Nach der Abgabe der Vollstreckung einer nach den Vorschriften des Strafvollzuges
für Erwachsene vollzogenen Jugendstrafe an die Staatsanwaltschaft gem. § 85 Abs.
6 JGG hat die Strafvollstreckungskammer die Prüfung, ob die Aussetzung einer
Reststrafe zur Bewährung in Betracht kommt, nicht nach § 57 StGB sondern
weiterhin nach Maßgabe des § 88 JGG vorzunehmen, (so auch OLG Stuttgart, 5
Ws 200/10) - gegen OLG Düsseldorf, JMBI. NW 1995, 258).

OLG Koblenz vom 13.01.2004, 2 Ws 6/04


1. Die Abgabe der Vollstreckung einer nach den Vorschriften des Strafvollzugs für
Erwachsene vollzogenen Jugendstrafe an die Staatsanwaltschaft ist nicht nach § 85
Abs. 6 S. 1 2. Hs. JGG bindend, wenn der Verurteilte das 24. Lebensjahr nicht
vollendet hat. Dies gilt auch dann, wenn das Lebensalter des Verurteilten nicht sicher
feststeht.
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2. Ein in dem zu vollstreckenden Urteil zugunsten eines Verurteilten angenommenes


Geburtsdatum bleibt grundsätzlich auch für das Vollstreckungsverfahren
maßgebend, soweit es auf Altersgrenzen ankommt.

Zum Widerruf ausgesetzter Reststrafen

BGH, 5 AR 40/11
Strafreste, deren Aussetzung widerrufen worden ist, nehmen nicht an der durch §
454b Abs. 2 Satz 1 StPO in Verbindung mit §§ 57, 57a StGB gewährleisteten
gemeinsamen Aussetzungsentscheidung teil (§ 454 b Abs. 2 Satz 2 StPO) und sind
deshalb regelmäßig der Vorwegvollstreckung überantwortet.

Dazu weiter:

OLG Celle, 1 Ws 304/13


Der Umstand, dass eine Strafe bzw. ein Strafrest bereits widerrufen worden ist, steht
auch vor dem Hintergrund der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 9.
Februar 2012 (5 AR (VS) 40/11) - einer erneuten Strafaussetzung und somit dem
Erfordernis einer gemeinsamen Entscheidung hierüber grundsätzlich nicht entgegen.
§ 454b Abs. 1 StPO, § 57 Abs. 1 StGB

Noch präziser:

OLG Rostock, I Ws 219/12


Erneute Aussetzung einer nach Widerruf der Bewährung zu verbüßenden Reststrafe:
Ausdrücklicher Antrag des Verurteilten als Verfahrensvoraussetzung!

KG, 5 Ws 105/06
Hat ein Verurteilter zweifelsfrei die Einwilligung nach § 57 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 StGB
abgelehnt, so entfällt die Möglichkeit, die Vollstreckung des Rests einer
Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen. Es genügt dann, die Weigerung in
einem Aktenvermerk festzuhalten. Dieser Vermerk ist dem Verurteilten mit dem
Hinweis auf die jederzeit mögliche Nachholung der Einwilligung mitzuteilen.
6

Aber
Fischer in KK, § 454 StPO Rdn. 26
Durch einen eigenen Antrag macht der Verurteilte seine bisherigen
Nichteinverständniserklärungen … gegenstandslos.

Der Verurteilte kann jederzeit einen Antrag auf bedingte Entlassung stellen,
auch wenn bereits eine negative Aussetzungsentscheidung ergangen ist.

Zur Erstverbüßer-Regelung:

OLG Hamm, 3 Ws 206/09

§ 57 Abs. 2 Nr. 1 StGB (Erstverbüßerregelung) bleibt auch dann anwendbar, wenn


der Verurteilte in der Sache zuvor Untersuchungshaft verbüßt hatte, dann aber
nach Strafaussetzung zur Bewährung auf freien Fuß gelangt ist und nunmehr nach
Widerruf der Strafaussetzung zur Bewährung und Verbüßung der Hälfte der Strafe
über eine bedingte Entlassung zu entscheiden ist.

OLG Stuttgart, 4 WS 29/13


Das Erstverbüßerprivileg gemäß § 57 Abs. 2 Nr. 1 StGB ist zeitlich mit der ersten
Aussetzungsentscheidung nach tatsächlich verbüßter Strafhaft verbraucht.

OLG Karlsruhe, 2 VAs 3/01

3. § 454 b Abs. 2 Satz 2 StPO steht der erneuten Aussetzung widerrufener Strafreste
gem. § 57 StGB - wenn dies prognostisch gerechtfertigt ist - nicht entgegen.

Verlust der Amtsfähigkeit und Wählbarkeit, § 45 StGB, Nr. 12 MiStra –


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OLG Nürnberg, Ws 936/85

… Wer infolge einer Verurteilung gem. §§ 45, 45b StGB das passive Wahlrecht
verloren hat, kann nicht Mitglied einer politischen Partei sein (§ 10 Abs. 4 PartG)
Merkblatt Einleitung Freiheitsstrafe ohne Bewährung

1.Mesta-Einleitung fertigen
2. Entscheidung und Sanktion erfassen
3. Ggf. Einbeziehungen erfassen
4. Überprüfung der Rechtskraft und Angabe des Fundortes in der Einleitungs-Vfg.
5. evtl. Vollstreckungsübersicht StA 70 über den Einleitungsbutton in Mesta
erstellen
6. Untersuchungshaftzeiten notieren, falls vorhanden (Akte ist zu kontrollieren)
Gem. §§ 51 Abs. 1 S. 1, 39 StVollStrO sind unter anderem Haft und vorläufige
Unterbringung gem. §§ 81, 126 a StPO anzurechnen
7. Prüfung, ob Gesamtstrafenbildung in Betracht kommt, BZR-Auszug prüfen
8. Mitteilungen gem. Nr. 13 Mistra zum Bewährungsverfahren
9. Mitteilung zum BZR besondere Mitteilungspflichten prüfen (§§ 25 JArbSchG; 17
Abs. 2 BZRG; 45 StGB, Gewerbezusammenhang)
bei Gesamtfreiheitsstrafen muss die Einzelstrafe die Voraussetzungen des § 45
StGB erfüllen, Fischer StGB, Nr. 6 zu § 45 StGB;
10. Ggf. Verkehrszentralregister
11. Mitteilung gem. Nr. 11 MiStra online an Polizei
12. Zählkarte - Strafverfolgungsstatistik in Düsseldorf
13. Vorlage an KB für die Verfahrenskosten
14. ggf. bei Einbeziehungen Ablichtungen der Entscheidungen aus den
einbezogenen Verfahren fertigen lassen und zum VH nehmen
15. Mitteilung bei Einbeziehung gem. § 8 StVollstrO an die einbezogene Sache unter
Beifügung der Entscheidung und Mitteilung, ob Anrechnungen erfolgen oder nicht
16. AbI. der Entscheidung/en gem. Nr. 140 RiStBV an VU und Verteidiger
17. MiStra-Mitteilungen falls erforderlich Nr. 11 Abs. 2 MiStra an Einleitungsbehörde
Hauptzollamt, Bundespolizei, ARGE, Sozialamt, Finanzamt, Ausländeramt etc.
18. gfls. Beiakten trennen
19. gesiegeltes Aufnahmeersuchen fertigen
20. falls VU schon einsitzt, Buchnummer eintragen
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21. Überprüfung der Strafentscheidung sowie Art & Dauer


22. Strafhaftbeginn im Aufnahmeersuchen vermerken (Pkt. IV Acusta)
23. anrechenbare Zeiten eintragen (U-Haft, vorl. Unterbringung, Polizeihaft anlässlich
der Tat, Auflagenerfüllung)

24. sowohl § 21 StGB als auch der Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall
müssen sich aus dem Urteil ergeben (Pkt. V Acusta)
25. gesiegelte Ladung mit ZU an VU schicken (nur bei Maßregel & FS erfolgt die
Ladung per ZU) nicht obligatorisch, aber zweckmäßig für Fristen z.B. Strafaufschub 4
Monate ab geplantem Antrittstermin gem. § 456 StPO, § 455 StPO ist an keine Frist
gebunden.
26. Überprüfung der Strafentscheidung sowie Art & Dauer
27. bei Ladung in den offenen Vollzug Merkblatt der Weiterbeschäftigung
mitschicken - Frist zum Strafantritt beträgt hier 4 Wochen
28. bei Ausländern und einer FS ab 6 Monaten Transfermerkblatt mitschicken
29. Haftbefehl bereits speichern für den Fall, dass der VU sich nicht stellt
30. Frist: 4 oder 6 Wochen
31. ggf. Asservate bereinigen
32. gerichtliche und außergerichtliche Einziehung = Verwertung prüfen
33. wird nichts zu den Asservaten gesagt = Vorlage an den Staatsanwalt

Merkblatt: Freiheitsstrafe mit Bewährung

1. Mesta-Einleitung fertigen
2. Entscheidung und Sanktion erfassen
3. ggf. Einbeziehungen erfassen
4. Überprüfung der Rechtskraft und Angabe des Fundortes in der Einleitungs-Vfg
5. evtl. Vollstreckungsübersicht StA 70 über den Einleitungsbutton in Mesta erstellen
(nicht zwingend, je nach Haus-Richtlinien der betr. StA)
6. Untersuchungshaftzeiten notieren, falls vorhanden (Akte ist zu kontrollieren!) 7.
Belehrung nach § 268a StPO vermerken und weitere Angaben mit Blattzahl
angeben,
8. falls diese fehlt, ist die Belehrung durch das Gericht nachzuholen (Formular
Sta-8) Wenn die Festsetzung der Bewährungszeit unterblieben ist, kann dies nicht
nachgeholt werden; es gilt dann die gesetzliche Mindestdauer von 2 Jahren!
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9. Bewährungsheft angelegt (sonst Akte zurück mit der Bitte um Anlegung-sta-8)


10. Frist 3 Monate nach Ende der Bewährungszeit setzen (denn zu diesem Datum
steht erst der Erlassbeschluss an) Dies ist teilweise in MESTA voreingestellt.

11. Prüfung, ob eine Gesamtstrafenbildung in Betracht kommt, BZR-Auszug prüfen,


gfls. auch Mitteilungen gem. Nr. 13 MiStra zum Bewährungsverfahren oder
Führungsaufsicht
12. Bewährungsaufsicht und das Bewährungsheft führt das Gericht (des Wohnortes)-
§§ 453b, 462a Abs. 2 StPO, RV vom 14. August 2001 (4261 - III A. 1)
13. Mitteilung zum BZR besondere Mitteilungspflichten prüfen (§§ 45 StGB, 25
JArbSchG, 17 Abs. 2 BZRG) Gewerbezusammenhang
14. Ggf. Verkehrszentralregister
15. Mitteilung gem. Nr. 11 Mistra
16. Zählkarte - Strafverfolgungsstatistik in Düsseldorf
17. Vorlage an KB für die Verfahrenskosten
18. ggf. bei Einbeziehungen Ablichtungen der Entscheidungen aus den
einbezogenen Verfahren fertigen lassen und zum VH nehmen
19. Mitteilung gern § 8 StVollstrO an die einbezogene Sache unter Beifügung der
Entscheidung und Mitteilung, ob Anrechnungen erfolgen oder nicht
20. AbI. der Entscheidung gern. Nr. 140 RiStBV an VU und Verteidiger
21. MiStra-Mitteilungen, falls erforderlich
22. ggf. Beiakten trennen
23. zur notierten Frist
24. ggf. Asservate bereinigen
25. gerichtliche und außergerichtliche Einziehung und Verwertung prüfen 26. wird
nichts zu den Asservaten gesagt - Vorlage an den Staatsanwalt

OLG Hamm 3 Ws 386/09

…sind die Verlängerung der Bewährungszeit sowie der Widerruf der Strafaussetzung
auch nach dem Ablauf der Bewährungszeit möglich.

OLG Köln, 2 Ws 512/13


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Dem gegenüber wird in der oberlandesgerichtlichen Rechtsprechung und Literatur


überwiegend vertreten, dass eine Verlängerung der Bewährungszeit über den
Zeitraum von fünf Jahren hinaus zuzüglich der Hälfte der ursprünglich festgesetzten
Bewährungszeit möglich sei …
Die Verlängerung der Bewährungszeit ist also über den gesetzlichen Rahmen
des § 56 a StGB hinaus, ergo auf über 5 Jahre möglich!

Beispiel:
Ursprüngliche Bewährungszeit 3 Jahre, verlängert auf 5 Jahre. Eine Verlängerung ist
auf bis zu 6 Jahre 6 Monate möglich!

Hierzu (§§ 45, 45a StGB, Nr. 12 MiStra)

LG Ravensburg, 2 KLs 37/77 (Sonstiger Orientierungssatz)

1. Die Überschreitung des Höchstmaßes der Bewährungszeit nach StGB § 56f Abs 2
findet bei der Berechnung der Dauer des Verlustes der Amtsfähigkeit, der
Wählbarkeit und des Stimmrechts keine Berücksichtigung.

Anmerkung:
Der Sicherungshaftbefehl nach § 453 c StPO geht grundsätzlich dem Widerrufs-
Beschluss als mildere Maßnahme vor! Die Zeit verbüßter Sicherungshaft ist bei
Widerruf in die Strafzeit „einzurechnen“. Im Falle des Widerrufes wegen einer neuen
Freiheitsstrafe ohne Bewährung empfehle ich grundsätzlich eine Haftdatei-Anfrage
an die Fahndung-Sachbearbeiter; oft wird der Widerrufsbeschluss an die
Wohnadresse zugestellt, obwohl der Verurteilte bereits für die neue Strafe einsitzt.
Dann ist die Zustellung erneut mit Gefangenen-EB auszuführen und die Rechtskraft
zu berichtigen!

Wird mit öffentlicher Zustellung widerrufen, ist der Verurteilte nach Festnahme
mit Rechtsmittelbelehrung „Wiedereinsetzung“ (RMB 93) zu belehren.

Widerruf des Straferlasses gem. § 56 g Abs. 2 StGB


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RK der erlassenen Entscheidung: 04.04.2006


Bew.Zeit: 3 Jahre ~ 03.04.2009
Erlass erfolgte am 08.05.2009
1. Voraussetzung für Widerruf des Erlasses: § 56 g II StGB
2. vorsätzliche Straftat während Bew.-Zeit ~ 15.12.2008
3. Verurteilung von mind. 6 Monate ~ RK am 05.11 .2009 6 Monate
4. Widerruf binnen 1 Jahres ab Ablauf der Bew.-Zeit ~ 03.04.09 (03.04.09-02.04.10)
~ 24.03.2010
5. Widerruf muss innerhalb von 6 Monaten ab rechtskräftiger Verurteilung ~
05.11 .09 ( 05.1109 - 04.05.10)
6. Folge: Erlass wird widerrufen
+ Widerruf der Bewährung gem. § 56 f StGB
7. Widerruf des Erlasses + Widerruf der Strafaussetzung zum BZR mitteilen
8. VU laden mit ZU nicht obligatorisch, aber empfehlenswert
9. AE doppelt an JVA übersenden 1 Blatt kommt mit Berechnung von der JVA
zurück
10. ggf. Anrechnungen berücksichtigen im AE