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60 JAHRE R A U M F Ü R I N S P I R AT I O N

MEHR LICHT!
Durchflutet: Wie Architektur-Profis mit
Tageslicht arbeiten. Strahlend schön: Design-Star
India Mahdavi zeigt uns ihr Teheran
ARCHITEKTUR & WOHNEN
AUSGABE 2/2018
APRIL - MAI

LEUCHTFEUER LEUCHTSTOFF LEUCHTTÜRME


Das Wichtigste Die neuen Die Gartenfantasien
von der Kölner Textil-Trends von Isabel und
Möbelmesse aus Paris Julian Bannerman
Design in seiner
klügsten Form.
Ikonenhafte Hülle, intelligenter Kern. Der neue Audi A7 kombiniert aufregendes Design
mit zukunftsweisender Technik. Von optionalen HD Matrix LED-Scheinwerfern über das
digitale Bedienkonzept bis hin zu zahlreichen Assistenzsystemen*. Wahre Ikonen sind
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AUS DER REDAKTION

on allen Erfahrungen, die uns


unsere Umwelt und im spezi-
ellen Architekturen erlebbar
machen, erscheint mir die
Wirkung des Lichts im Raum
die grundlegendste. Was sich
wie eine Binsenweisheit liest, Für Großstadt-
ändert nichts an ihrer funda- Cowboys und
mentale Bedeutung. Mir wurde
das über den Jahreswechsel auf Sofa-Helden.
einer Hundeschlittentour durch
Nordnorwegen eindrucksvoll
bewusst. Zehn Tage ging es im
Halbdunkel des Polarwinters
über das Eis, das erste Son-
nenlicht beschien mich erst im
aufsteigenden Flieger zurück
nach Oslo. Die Wirkung der
elektromagnetischen Strahlung,
die alles Leben auf unserer Erde
ermöglicht, war so gleißend und überwältigend, dass ich minutenlang die
Augen nicht abwenden konnte.
Umgekehrt ergeht es uns oft bei guter Architektur. Solange die Licht-
führung sorgfältig geplant wurde, nehmen wir sie als selbstverständlich
war, stimmt das Licht nicht, fühlen wir uns unbewusst unwohl. Ich bin
zum Beispiel in einem Splitlevel-Bungalow der späten siebziger Jahre groß
geworden, mit Fenstern bis zum Boden.
Nicht mal Heizkörper verstellten dank Fuß-
bodenheizung den Blick nach draußen. Als
ich zum Architekturstudium nach Berlin in
eine winzige Altbauwohnung zog, brauchte
ich Monate, um mich mit den Mauseloch-
fenstern abzufinden. Noch heute kann ich
kaum in sonnenarmen Räumen leben
Wir brauchen manchmal Veränderung,
um das Wesentliche wieder erkennen zu
können. In diesem Sinne ist auch unser
neues Logo zu verstehen, das wir über Die Kollektion Brooklyn
ein Jahr lang entwickelt haben. Nach 18 in der Farbwelt Taxi Taxi.
Jahren haben wir uns dazu entschlossen, mehr Licht auf unsere Cover- Find your style.
Motive zu lassen und unserem Logo „AW“ mehr Raum zu geben. Dabei be-
ziehen wir uns mit den feinen Serifen auf dem „A“ und dem „W“ auf unsere
ganz frühen Ausgaben, als der älteste deutsche Wohntitel noch „Architektur
und kultiviertes Wohnen“ hieß. Dass wir auch im 61. Erscheinungsjahr
noch kultiviert genug sind, um Sie zu inspirieren, bitte ich Sie nun dringend
durch Nachlesen zu überprüfen. Vielleicht sind ja sogar einige erleuchtende
Momente dabei in unserer Ausgabe mit dem Schwerpunktthema Licht.
Schreiben Sie mir gern Ihre persönliche Meinung zum neuen Titel der „AW Hochwertige Home-Accessoires
Architektur & Wohnen“ unter joern.kengelbach@awmagazin.de aus Rohleder-Markenstoffen.
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Mehr Licht!
18 Der Steve Jobs des Lichts
Axel Meise mischt mit seinem Unternehmen
Occhio den Markt auf. Er entwirft
Premium-Leuchten „made in Munich“.
26 Bücher
28 So kommt Licht ins Dunkel
Lichtplanerin Ulrike Brandi erklärt, wie
man Räume ideal beleuchtet.
62
30 Immer schön cool bleiben Die wichtigsten Neuheiten von
Eine neue Leuchte bleibt mit einem der imm cologne
Tropfen Wasser auf Temperatur.
32 Grüne Täler in den Städten
Die Erfahrungen seines neuesten Hochhaus-
projekts in Singapur will Christoph Ingenhoven
nun auch in seiner Heimat nutzen.
35 Open Air, open end
Mobile Leuchten für draußen – für die blaue
Stunde und danach.
38 Turm und Drang
Die besondere Idee: neue Stoffe als Bezüge
für einfache Lampenschirme.

Design&Handwerk
44 Kaldewei-Future-Award by A&W
Drei junge Talente, die es sich zu merken lohnt.
50 Meisterstück
Guido Sengles Markenzeichen: Vasen mit
kunstvollen Netzen aus Sprüngen.
52 Lampions in Form-Vollendung
Seit über 60 Jahren fertigt die japanische Ma-
nufaktur Ozeki Isamu Noguchis Akari-Leuchten.
58 Der Raum im Raum
Living in a box. Private Wohnmaschinen
als Rückzugsort und Zuflucht.
62 Köln. Die Bilanz
Auf der imm cologne zeigt sich, auf was
wir uns gefasst machen können.
Spot an für die neuesten Möbel-Highlights.
74 Notizen

Architektur&Raum
82 Architektur-Notizen
84 Bauen mit Licht
84
Architektur braucht Licht.
Nur wenn ein Architekt das Medium Und nutzt es manchmal virtuos
Tageslicht beherrscht, kann er Räume von als Gestaltungselement.
mystischer Schönheit erschaffen.
96 Was wiegt eine Idee? 166
Der Japaner Junya Ishigami befreit die Wie aus dem Wüstenfels
Architektur vom Gewicht des Materials. Er lässt gewachsen ist Kendrick Kellogs
Räume quasi aus dem Nichts entstehen. High-Desert-House.

10 2/2018
148
Spezialisten für die Rettung
von Ruinen sind Isabell
und Julian Bannerman.

Wohnen&Stil
104 Alles im Blick
Die Frage, ob das Haus Sicht auf Berge oder
122 Meer bieten soll, entschied der Architekt
Klassisch gediegene mit: Und! Er hatte eine ziemlich geniale Idee.
Atmosphäre. Nur: Wer wohnt
denn da? 114 Licht im Schacht
Wie öffnet man dunkle Altbauräume?
Einfach mit einem Schacht.
Studio Gum zeigte auf Sizilien, wie das geht.

122 Wer wohnt denn da?


Die Einrichtung wirkt wie ein Filmset einer
Salonkomödie. Lebt in dem Londoner
Townhouse ein feiner Gentleman?
Unsere Autorin liegt knapp daneben.

130 Shopping-Erlebnis alla milanese


Das Mailänder Loft von Monika Unger ist
zweierlei: Lebensraum und Showroom. Interes-
sierte können hier Designklassiker kaufen.

Garten&Landschaft
138 Endlich raus!
Heiß ersehnt: die erste Frühlingssonne.
Zeit, die Freiluftsaison zu eröffnen
und die Gartenmöbel auszupacken.

146 Gartennotizen
Fotos: Sammy Hart; Isabel + Julian Bannerman; Bruce Buck/Living Inside; Louvre Abu Dhabi/Roland Halbe; Richard

148 „Wir sind besessen, Ruinen zu retten“


Mit ihren trutzigen Follies haben
Isabell & Julian Bannerman die Herzen der
britischen Society erobert.

Reise&Inspiration
160 Spurensuche im Iran
Stylistin India Mahdavi führt durch ihre
Heimatstadt Teheran.

166 Aus dem Fels erwachsen


Das gibt‘s nur einmal: Kendrick Kellogs
High-Desert-Haus in Kalifornien.
Powers/Photofoyer; Filippo Bamberghi/Photofoyer

114
Ein raffinierter Trick bringt
Licht in eine Altbauwohnung
auf Sizilien Rubriken
7 Editorial
74 12 Contributors
Aus Gusseisen
Grcics „Brut“ v 14 Impressum

174 Events

AW Architektur&Wohnen 11
CONTRIBUTORS

I N G E W I N T E R H A LT E R
Fragt man diese Frau nach ihren
Interessen, erhält man einen
ganzen Strauß an Antworten:
Flohmärkte, Kuriositäten, Interior,
Architektur, Fashion, Handwerk …
Insofern ist Inge als Assistentin
der A&W-Chefredaktion genau
am richtigen Platz. Angefangen
hat die Allrounderin als Model in
Paris, bevor sie 18 Jahre Er-
fahrungen im Verlag sammelte,
wo sie u. a. Modeproduktionen
organisierte. Ab jetzt organisiert
sie die Schaltzentrale unserer
Redaktion. Besser geht’s nicht …

SAMMY HART
Er ist einer, der genau
hinschaut! Szenen hinter den
Fassaden und Bilder, die man
schnell übersieht, finden sein
WINNIE PLACZKO besonderes Interesse. In seiner
Sie liebt Metropolen – und die mehr als 20-jährigen Laufbahn
Natur. Wenn sie nicht zwischen stand Sammy Hart für eine
Berlin (wo sie lebt) und London große Zahl nationaler und
pendelt, unternimmt Winnie internationaler Kunden hinter
mit Mann und Sohn lange der Kamera. Es entstanden
Wanderungen in Cornwall. Arbeiten für Magazine, Bücher,
Die Frau, die als Stylistin und Musik-Labels, Werbeagentu-
Creative Director für Magazine ren. Seine Karriere begann der
und Unternehmen arbeitet, Fotograf in London. Es folgten
schien uns prädestiniert für Stationen in den USA, Asien,
unser Shooting in der Königli- Berlin – und München. Sein
Fotos: Olaf Kroenke; Sammy Hart

chen Gartenakademie Lebensmittelpunkt liegt heute


Berlin, wo sie die neuen in einem Münchner Maler-
Outdoor-Möbel inszenierte (ab atelier am Englischen Garten.
Seite 138). Und weil für sie die Für uns sah er sich die
gute Vorbereitung eines Jobs Kölner Messe an (ab Seite 62).
unabdingbar ist, besorgte sie
sich inspirierende Lektüre: „The
Secret Garden“ von Frances
Hodgson Burnett.

12 2/2018
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Ausgabe 2/2018, April-Mai, Erstverkaufstag dieser Ausgabe ist der 6.3.2018


AW erscheint zweimonatlich in der JAHRESZEITEN VERLAG GmbH, Harvestehuder Weg 42, D-20149 Hamburg
Telefon +49(0)40/27 17-0 (Zentrale), -36 19 (Redaktion), Fax -20 73
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INTERVIEW

Magische Hände: Axel Meise


steuert die neue Leuchte
Mito über feine Gesten. „Man
berührt nicht die Leuchte,
sondern das Licht“, so der
Designer. Sein schwebender
Ring hat sich zu einem
Verkaufsschlager entwickelt.

18 2/2018
DER
STEVE JOBS
des LICHTS
FOTOS regina recht IN TERVIEW oliver herwig

Axel Meise mischt mit Occhio den


Markt auf. Der gebürtige
Düsseldorfer entwirft
High-End-Premium-Leuchten
„Designed in Munich“. Wir treffen
den Altmeister des Lichts in
seinem brandneuen Flagship-Store
im Münchner Luitpoldblock.

AW Architektur&Wohnen 19
INTERVIEW

Alles ist ein System, alles passt zusammen. Mit die-


ser genialen Idee haben Sie den Markt für Leuchten
erobert, Herr Meise. Würden Sie sich eigentlich als
Perfektionisten bezeichnen?
Ein Designer, der nicht Perfektionist ist – das
schließt sich doch aus. Wer Produkte entwickelt,
braucht einen perfektionistischen Anspruch.
Wir sehen das nicht als Selbstzweck, sondern als
Spiegel unserer Kunden und ihrer Ansprüche.

Plüschig und verspielt hat keinen Platz bei Ihnen?


Sie sehen es ja hier (deutet auf Mito). Die Form folgt
der Funktion. Das ist die Grundlage. Die neue Mito
zelebriert das geradezu. Zuerst sieht man einen
Metallring. Der leuchtet. Dann erkennt man: Ich
kann mit ihm interagieren. Reduktion ist in der
Tat mein Ding. Das Resultat darf nur nicht zu
rudimentär sein, zu technisch. Wenn Leuchten
zu Maschinen werden, dann schrecken sie ab. Sie
sollen schon gefallen. Wenn sie keiner kauft, ist es
kein gutes Design.

Sie denken in Systemen und bieten individuelle


Lösungen an. Wie viele Varianten gibt es im Augen-
blick?
Keine Ahnung.

Wie bitte?
Solche Zahlenspiele sind doch sinnlos, reine
Mathematik. Wichtig ist, dass der Kunde Leuchten
so individualisieren kann, dass sie perfekt zu ihm
passen. Wir fahren die Variantenvielfalt gerade
sogar zurück. Zu viel Auswahl ist ein Problem. Wer
sich ständig entscheiden muss, empfindet das wo-
möglich als zu stressig. Ab einem gewissen Punkt
sollte man schon darauf vertrauen dürfen, dass der
Designer das Ganze richtig vorkonfiguriert hat. „ Dem Lagerfeuer trauert doch jeder
Wie viel Technik braucht eine moderne Leuchte?
Von gar keiner bis zu einem halben Smartphone.
nach. Offenes Feuer besitzt Magie.“
AXEL MEISE
Ist gutes Licht also keine Frage der Technik?
Doch! Was wir anbieten, ist ein Light-Tool, mit dem
jeder in Kontakt treten kann. Das passiert berüh-
rungslos, mit Gesten – und so was geht nicht ohne del ist nichts anderes – nämlich natürliches Licht.
Elektronik. Die guten alten Zeiten, in denen man Mit der LED versuchen wir uns dieser Qualität
einen Faden zum Glühen brachte, sind vorbei. so gut es geht anzunähern.

Finden Sie das schade? Wie nahe kommen Sie denn an natürliches Licht?
Natürlich. Dem Lagerfeuer trauert doch jeder Zu 97 Prozent CRI (Colour Rendering Index). Mehr
nach. Offenes Feuer besitzt Magie. Die Glühwen- wäre etwas für die Freaks, denn schon 97 Prozent
sind nicht mehr mit dem Auge unterscheidbar.
Alle Farben sind da, knackig und kräftig. Unsere
Leuchte hat zudem andere Vorteile: Ihr Licht lässt
sich durch Linsen steuern. Elektronik bedeutet,

20 2/2018
Dinge zu tun, die mit Halogen nicht gingen,
zum Beispiel Sensoren neben die Leuchtquelle zu
packen, weil diese nicht so heiß wird, und sie dann
eben mit einer Geste ein- und auszuschalten.

Damit wären wir bei Magie. Licht per Handbewe-


gung „einwischen“ – das klingt fast nach Zauberei.
Ja, es hat wirklich was Magisches, Licht steuern zu
können, ohne dafür zum Lichtschalter zu gehen
oder einen Dimmer anzudrehen. Per Geste oder
App das Licht dirigieren, faden oder von oben
nach unten lenken, um so deutliche Effekte im
Raum zu erzeugen. Die Lichtfarbe verändern,
unabhängig von der Helligkeit. Das alles geht nur
mit LED. Früher konnte man beim Dimmen eben
nicht entscheiden: hell, aber warm – oder dunkel,
aber kühl. Das kann ich jetzt frei wählen.

Noch dazu sparen Dioden Strom.


Genau. Wir haben das letzte Jahr des Halogens
eingeläutet. Der Anteil liegt nur noch bei fünf
Prozent. Die Branche setzt inzwischen auf LED.

Das war ein Sprung …


… von der Steinzeit in die Moderne, technologisch
gesehen. Leuchten sind nun digital. Sie verbinden
lange Lebensdauer, genaue Steuerung und gerin-
gen Energieverbrauch mit der Möglichkeit der
Interaktion. Da eröffnen sich plötzlich völlig neue
Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Mito wäre früher
nicht möglich gewesen.

Hat das Digitale auch Nachteile?


Aber ja, wir sind davon abhängig, ob ein bestimm-
tes Elektronikbauteil verfügbar ist. Ein Engpass,
und man könnte die Leuchte nicht mehr bauen.

let’s spend the


Was tun Sie dagegen?
Es gibt bei uns inzwischen eine fünfköpfige Elek-
tronikabteilung, größer als die Designabteilung.
Wir entwickeln selbst, weil wir so die Verbindung

night together.
schaffen zwischen Leuchte und Mensch.

Sie zählten nicht gerade zu den Pionieren bei LED.


Wir haben in der Tat lange gewartet, bis die rich-
tige Lichtfarbe zur Verfügung stand. Unter CRI
92 wollten wir gar nicht anfangen. Es ging Schritt Im 25hours Hotel The Royal Bavarian!
für Schritt bis zur Mito. Und die ist wahnsinnig
Historische Architektur, zeitgemäßes Design: das ehemalige Königliche
erfolgreich.
Post- und Telegrafenamt direkt am Münchner Hauptbahnhof ist zu neuem
Wie erfolgreich?
Leben erwacht – gespickt mit liebevollen Details und ironisch-ikonischen
Ich möchte nicht über Stückzahlen sprechen, aber
Anspielungen auf den royalen Nachlass der Bayern. Außerdem locken
Mito macht 40 Prozent des Umsatzes aus, oben-
mediterran-orientalische Küche in ungezwungener Atmosphäre im
drauf. Damit haben wir selbst nicht gerechnet. Restaurant NENI und Highballs in der Boilerman Bar

25hours-hotels.com
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@ / # 25hourshotels
INTERVIEW

portfolio, das für jede Situation die richtige Lösung


sowie Durchgängigkeit bei Design, Lichtqualität und
Funktionalität bietet. Wir denken nicht in Leuchten,
wir denken in Lichtlösungen. Es geht um eine Kultur
„Kunden haben keine Lust, des Lichts, die das Leben unserer Kunden bereichert.

25 Bedienmöglichkeiten für Worauf sollte ein Designer achten, wenn er den


Menschen in den Mittelpunkt stellt?
Er muss Nein sagen können. Ich habe einen Stapel
Haustechniksysteme zu studieren .“ Skizzenbücher, und nur zwei Prozent darin sind
realisiert. Wir fragen immer nach dem Mehrwert
AXEL MEISE für den Verbraucher. Durch meine Arbeit in der
eigenen Lichtgalerie, durch Kontakt mit Kunden
und Architekten hatte ich stets einen direkten
Mito ist also so was wie Ihr iPhone? Draht, und das hat der gemeine Designer selten.
Für uns ist sie das, ja! Eine neue Kategorie Leuchte.
Sie kann Dinge, die keine andere Leuchte kann. Und was wollen die Leute heute?
Das ist genau der Punkt. Sie wissen es oft gar nicht.
Verraten Sie uns, wie lange Sie an der Gesten- Sie wissen nur, was sie nicht wollen. Mit LED werden
steuerung gearbeitet haben? Katastrophen verbrochen, wenn man damit nicht
Lange. Das war eine verrückte Idee, entstanden, umzugehen weiß. Wer nur Leuchten kauft und kom-
weil die Bedingungen ganz andere waren: Plötzlich binieren will, geht unter. Heute gibt es ein Sammel-
gab es die Möglichkeit, viel näher an die Lichtquelle surium an Lichtqualitäten und -stärken, selbst beim
heranzugehen, da diese nicht mehr so heiß wurde. selben Hersteller. Kunden wünschen sich einfach
Ich berühre nicht die Leuchte, sondern das Licht. eine hochqualitative, schlüssige Lichtgestaltung.

Kommt irgendwann die Sprachsteuerung? Das heißt?


Wird sich kaum vermeiden lassen. Gutes Licht und keine Blender. An jeder Stelle
Licht, das zur Situation passt. Und eine bequeme
Klingt nicht gerade begeistert. Steuerung für alle Leuchten. Das gibt es eben nur
Ich habe es unlängst in unserer Elektronik-Ab- bei uns: ein ganzheitliches System.
teilung versucht. Wir bezahlen die Leute ja nicht,
damit sie Transistoren schrubben, sondern damit Kann man sagen, dass Sie damit den heiligen Gral
sie sich neue Dinge ausdenken. Sprachsteuerung des Lichts gefunden haben?
liegt in der Luft, klar, das Problem ist nur, dass Großes Wort, aber ja, so was gibt es kein zweites
gerade 1000 Dinge in der Luft liegen. Mal. Weder qualitativ noch in den Bedienoptionen.

Stichwort „Smart Home“? Sie bieten wirklich für jede Anforderung die richtige
Wenn man sich mal anschaut, was dahintersteckt, Lösung? Wie sieht’s mit dem Büro aus?
stößt man auf gefühlt 150 Protokolle und Technolo- Warten Sie mal ab.
gien, an die man sich anbinden könnte – oder auch
nicht. Da kann man sich als Unternehmen gleich Außenleuchten?
die Kugel geben. Ich werde einfach mal abwarten, Dort drüben steht schon die Version, die wir bis
bis sich ein Königsweg auftut. Mitte des Jahres auf den Markt bringen werden.

Also auf die Zeit setzen wie bei der LED? Will heißen, Sie bauen aus?
Kunden haben überhaupt keine Lust, 25 ver- Ja. Diesen Store in der Innenstadt hätten wir sonst
schiedene Bedienmöglichkeiten oder Apps für nicht. Wir trauen uns zu, vor einem anspruchsvol-
Haustechniksysteme zu studieren. Sie wollen die len Publikum zu bestehen.
Beleuchtung steuern. Das geschieht bei uns über
Bluetooth mit einer App. Beobachten und zur Sehen Sie sich im Luxus-Segment?
richtigen Zeit auf das richtige Pferd setzen – das Die Produkte sind High-End-Premium. Aber sie
ist mein Weg. Wenn die falsche Technologie erst sind kein Luxus.
beim Kunden liegt, ist es zu spät.
Ist das Ihr Erfolgsrezept: Sie haben Geduld und Das müssen Sie erklären.
können warten? Luxus hieße, für Überflüssiges zu bezahlen. Unse-
Wir ticken einfach anders. Bei Occhio handelt
es sich nicht um eine Kollektion von Leuchten,
sondern um ein präzise abgestimmtes Produkt-

22 2/2018
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SITZSYSTEM LAWRENCE | DESIGN RODOLFO DORDONI

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INTERVIEW

re Leuchten selbst sind kein Luxus. Nur die Marke


ist im entsprechenden Ranking angekommen, weil
das, was wir mit unserem ganzheitlichen Konzept
schaffen, Luxus ist – in der Gestaltung der Räume
und der Verbesserung der Lebensqualität. „ Wir denken nicht
Und doch lassen Sie in China fertigen …
Das iPhone beweist, dass es geht. Wir könnten
in Leuchten, wir denken
draufschreiben: Designed in Munich, produced
in China. Tatsächlich sind wir nicht wegen des in Lichtlösungen.“
Preises nach China gegangen, sondern wegen
der Qualität. Wir produzierten nie selbst. Und AXEL MEISE
unser italienischer Partner weigerte sich, in höhe-
re Qualität zu investieren. Irgendwann war dann
alles China. Wollten wir in Deutschland herstellen,
wären die Produkte deutlich teurer, und wir hätten
ein elitäres Produkt.

Sie wachsen ziemlich stark.


Den Januar haben wir gerade mit einem Plus von
50 Prozent abgeschlossen. Mito hat uns nach vorn
katapultiert. Hinzu kommen neue Oberflächen
für bestehende Produkte. Auch da haben wir ge-
wartet. Wir waren nie Trendsetter, aber nehmen
gern Neues auf.

Ist OLED für Sie als Leuchtendesigner eine Option?


Nein. Das ist flächiges Licht, im Gegensatz zum
Punktlicht LED. OLED macht kein besseres Licht,
es mag für gewisse Anwendungen ganz nett sein,
ist im Moment aber nicht unser Ding.

Verschwindet die Leuchte als Objekt irgendwann?


Es wird sich einiges weiterentwickeln, logisch.
Wir sitzen hier vor einer Videowand, und es ist
absehbar, dass es in einigen Jahren OLED-Tapeten
geben wird, die ich per App als Fernseher und als
Beleuchtung verwenden kann. Trotzdem wird die
Leuchte nicht verschwinden, sie ist eben ein State-
ment, ein Einrichtungsgegenstand. Ich glaube an
das Objekt – nicht an leere Räume.

Ist die Sonne eigentlich das ideale Licht?


Blendet doch nur (lacht). Mein Gott, tagsüber ja …

Nachts scheint sie ja nicht …


Gehen Sie mal in nordische Länder zur Mittsom-
mernacht, das ist auch nicht so toll. Der Rhythmus
von Tag und Nacht ist schon wichtig. Qualitativ ist
die Sonne auf einem hohen Niveau. Aber sie sollte
ab und an durch ein Lagerfeuer ersetzt werden.
Das Schwierige bei der Sonne ist ja: Wir haben
sie nicht im Griff. Bedeckter Himmel drückt auf
die Stimmung, mit künstlichem Licht kann man
gegensteuern. Da hat man die volle Kontrolle. –

24 2/2018
Waschtisch MIENA by Anke Salomon

kaldewei.de
BÜCHER

2
1 FARB-ERZÄHLUNGEN In der Architektenszene
genießt der Brite John Pawson die maximal mögli-
che Anerkennung als Minimalist. Seine Räume sind
gern ziemlich leer, die Formen klar, die Materialien
pur. Farbe gehörte bisher nicht zu den Themen, die
man von ihm erwartet. Genau dies macht nun den
Reiz seines Bilderbuches aus, in dem er Fotoim-
pressionen seiner Reisen – von Marmortreppen
in Italien über Felsformationen in Chile bis zu
Schneelandschaften in Japan – nicht regional oder
thematisch, sondern strikt nach Farbtonwerten
ordnet. Ein Schulbuch des Sehens. John Pawson:
Spectrum , 352 Seiten (engl.), Phaidon, 39,99 Euro.
2 DEM HIMMEL SO NAH Das Hochhausdach
scheint ersehnte Terra incognita der modernen
Architektur; hier lässt sich noch einmal alles neu
erfinden. Glücklicherweise bieten die Logenplätze
in den Wolken nicht selten öffentlich zugängliche
Einrichtungen: Restaurants, Bars, Gartenanlagen,
Beach- und Fitnessclubs. 50 davon zeigt dieser
opulente Sammelband mit Dach-Ideen von Gehry,
Nouvel, Foster bis hin zu BIG. Highlight ist das
„Marina Bay Sands“-Hotel in Singapur, dessen
Dachpool gleich drei Hochhäuser verbindet. Philip
Jodidio, Boyoun Kim: Dachgärten/Rooftops –
Islands in the Sky, 384 Seiten, Taschen, 50 Euro.
3 BAUEN MIT LICHT Karl Fournier und Oli-
vier Marty leben und entwerfen seit 20 Jahren
zusammen und sind einigermaßen stolz darauf,
wie unterschiedlich ihre Arbeiten ausfallen. Zum
Glück stimmt das nur halb – was die leinenge-
bundene Werkschau des Pariser Architektenduos
Text: Rolf Mecke; Fotos: Intophoto

Studio KO zeigt. Vor allem ihre Villen in Marokko


und der Provence variieren so gekonnt das immer

3
Gleiche – strenger Baukörper aus Naturmaterialien,
inszenierte Ausblicke und dramatische Lichtspiele
–, dass man versteht, warum die zwei den Auftrag
für das Yves Saint Laurent Museum in Marra-
kesch bekamen. Karl Fournier, Olivier Marty u. a.:
Studio KO (engl.), 240 Seiten, Rizzoli, 62 Euro.

26 2/2018
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SEMINAR

1 2 3
So kommt Am Anfang steht das
Tageslicht
Bevor Sie Lampen installieren
Aufs Umfeld kommt es an
Die Farbe und Stimmung einer
Leuchte ist nicht nur abhängig
Mut zu Experimenten
Es reichen eine Schreibtisch-
leuchte und ein Verlängerungs-

Licht ins und aufstellen, schauen


Sie als Erstes, wie viel Licht von
draußen überhaupt in
von Leuchtmittel und Lampen-
schirm. Ganz entscheidend
ist die Umgebung und die
kabel, mit denen man die
Wohnung erforschen kann.
Was passiert, wenn man die

Dunkel Ihre Räume gelangt und wie


sich dies am besten nutzen
lässt. Durch hellere Fensterbän-
Reflexionsfläche. Das Licht
einer Pendellampe zum Bei-
spiel wirkt über einem dunklen
Decke im Flur anstrahlt?
Wirkt der Raum dann vielleicht
höher? Welcher Effekt ergibt
PROTOKOL L christian tröster ke, Fensterrahmen, Vorhänge Holztisch warm und lässt die sich, sobald die Bilder im
oder Bodenbeläge kann man Gesichter der Menschen, die Wohnzimmer einzeln hervorge-
zum Beispiel die Reflexion um den Tisch herumsitzen, hoben werden? Was für ein
verbessern und Räume aufhel- gesund erscheinen. Fällt das Licht macht eine Leseecke
len. Mit dunklen Farben bringt Licht dagegen auf eine angenehm? Stellen Sie die
man mehr Ruhe rein. Wer Glasplatte, hat es eine kühlere, Leuchte mal niedrig, mal hoch
baut oder umbaut, sollte ungemütlichere und fahlere ein, positionieren Sie sie
das natürliche Licht schon in Wirkung. Zu einem guten mal nah an der Wand, mal
der Planungsphase auf die Licht gehören also mindestens weiter weg. Achten Sie auf
Tagesordnung setzen – zwei: die Leuchte und das jedes Detail – und spüren Sie,
und zwar ganz nach oben. Material, auf das sie trifft. wie das Licht auf Sie wirkt.

4 5 6
Design spielt eine Die neue Welt der LED Inseln schaffen
Nebenrolle Sie haben sich als Nachfolger
Die eigenen Das Gegenteil eines niedrigen
Viele Käufer lassen sich
besonders von der schönen
der Glühbirne etabliert. Viele
LED-Modelle passen in die
vier Wände richtig Lichtpunktes ist das Decken-
licht. Wenn es den Raum
Form einer Leuchte alten Halterungen, verbrau- auszuleuchten auch noch gleichmäßig aus-
verführen. Doch für die Atmo- chen weniger Energie und leuchtet, ist es ein sicherer
sphäre im Haus ist eher bieten zahlreiche Gestaltungs- ist nicht gerade Stimmungstöter. In vielen Büros
die Lichtwirkung als das möglichkeiten. Etwa bei der heißt so was dann beschöni-
Design entscheidend. Lichtfarbe: In Wohnräumen ein Kinderspiel. gend „sachliche Beleuchtung“.
Idealerweise probiert man bevorzugen die meisten Men- Das Gegenmittel? Lichtinseln!
eine Lampe zu Hause aus. schen warmweißes Licht. In
Lichtplanerin Darunter versteht man Akzente,
Gute Fachhändler bieten
diesen Service an. Ist das nicht
Küche oder Bad kann neutra-
les oder kaltes Weiß angezeigt
Ulrike Brandi etwa über dem Esstisch,
auf einem besonderen Möbel-
möglich, sollte man die sein. Neu sind die „Fila- verrät, worauf stück oder einem Bild. Auf
Leuchte zumindest im ment-LED“. Bei ihnen kommt diese Weise strukturiert man
Geschäft an einem möglichst das Licht aus fadenförmigen zu achten ist. den Raum, schafft hellere
wenig illuminierten Ort Leuchtkörpern. Das erinnert an und dunklere Zonen und
ausprobieren, um Wirkung die Glühbirnen aus Großmut- stellt einen spannungsvollen
und Stimmung ihres ters Zeiten und kann wie eine Kontrast zur Tageslicht-
Lichts wahrzunehmen. kleine Lichtskulptur wirken. atmosphäre her.

7
Dimmen nach Stimmung
Wer alle Helligkeitsvarianten
ausschöpfen möchte, für
den ist Dimmen die Technik
der Wahl. Man kann auf
unterschiedliche Dämmerungs-
und Dunkelstufen des
Tageslichts reagieren – und
auf die eigene Stimmungslage.
Menschen empfinden hier
sehr verschieden; was dem
einen schon zu hell ist, findet
ein anderer gemütlich.
Für Dimmer gilt: Unbedingt vor
dem Kauf ausprobieren.
Billige Produkte beginnen
Foto: Stephan Abry

unangenehm zu brummen, Durch Vielfalt Spannung herstellen: Verschiedene


wenn die Helligkeit herunter- Lichtquellen und Leuchtintensitäten verleihen
gefahren wird. einem Raum Struktur und Atmosphäre – und lassen das
Auge immer wieder interessante Fixpunkte finden.

28 2/2018
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LICHT & TECHNIK
Form follows function. Fast versessen dieser
Maxime folgend, hat Jake Dyson lange am
unsichtbaren Innenleben von „Csys“ getüftelt.
Die Erleuchtung fand der Designer schließlich in
einem Wassertropfen, eingesperrt in einem Kup-
IMMER SCHÖN ferrohr unter Vakuum. „Heat Pipe“ nennt er diese
Technik. Mit elektronischen Leuchtdioden (LED)
cool BLEIBEN Licht zu erzeugen bietet viele Vorteile. Sie sind ef-
fizient – und potenziell langlebig. Ein Vorteil, den
viele Hersteller nicht zu nutzen verstehen. Denn
DESIGNER JAKE DYSON ÜBERRASCHT nur wenn man LED-Elemente richtig anordnet,
verlängert sich deren Lebensdauer. Dabei – und
MIT EINER SMARTEN IDEE: das ist der Haken – stört allerdings die Hitze.
SEINE MINIMALISTISCHE LEUCHTE Anders als konventionelle Lampen erwärmen
sich die elektronischen Bauteile nämlich auf
HÄLT SICH DURCH EINEN TROPFEN der Rückseite. Sie müssen also permanent und
gleichmäßig heruntergekühlt werden. Dyson ist
WASSER AUF TEMPERATUR. dies gelungen, indem er einen einzigen Wasser-
tropfen in der Nähe des heißen Leuchtenkopfes
immer wieder verdampfen lässt, was im Vakuum
schon bei 45 Grad Celsius passiert. Durch
Druckunterschied kondensiert das Wasser an
einer kühleren Stelle. Dass diese per Berührung
dimmbar ist und nicht blendet, ist da beinahe
schon eine Selbstverständlichkeit.
Und weil Form und Funktion ja idealerweise
eine gefällige Symbiose eingehen, verbindet
„Csys“ die neuen Eigenschaften der LED mit
einer Achsenkonstruktion, die Anleihen im me-
chanischen Industriezeitalter macht und minia-
turisiert. Strenges Design und freie Beweglichkeit
der Leuchte sind inspiriert vom traditionellen
Zeichenbrett, den Umlenkrollen eines Aufzugs
sowie der Lastverteilung an einem Baukran. Um
das Licht auf eine kleine Fläche zu fokussieren,
reicht eine leichte Berührung; zugleich bleibt
„Csys“, benannt nach der englischen Abkürzung
fürs Koordinatensystem, in der gewünschten Po-
Gekühlt hält länger: Designer
sition – ohne Zugfedern oder Feststellschrauben.
Jake Dyson verlängert mit So viel Erfindergeist liegt in den Genen –
einer „Heat Pipe“ in seiner LED- zumindest bei Jake Dyson. Er ist ein Sohn des
Leuchte „Csys“ deren Lebens- streitbaren Erfinders, Designers, Unternehmers
dauer auf gut 144 000 Stunden. und Selfmade-Milliardärs James Dyson. Dessen
Die Technik wird ähnlich
Frau, die Kunstlehrerin Deirdre Hindmarsh, und
auch in Satelliten genutzt.
er stachelten ihre Kinder an, unbedingt etwas
Eigenständiges auf die Beine zu stellen. Jake
folgte Daddys Spuren, wurde Produktdesigner
und begann, Leuchten zu entwickeln.

Die freie Beweglichkeit


ist inspiriert vom
traditionellen Zeichenbrett
So viel Talent würde natürlich auch dem
Foto: Robert Grischek (1)

Familienbetrieb guttun. Vater James (inzwischen


70), der derzeit an einem Elektroauto arbeitet, re-
gelte das auf die für ihn typische Weise: Er hat die
Leuchtenfirma seines Sohnes Jake kurzerhand
erworben – und damit zugleich die Firmennach-
folge vorbereitet. Thomas Edelmann

30 2/2018
TOUR DU MONDE

DEDON COLLECTION MBRACE


Design by Sebastian Herkner

www.dedon.de
NEUBAU

GRÜNE TÄLER
in den STÄDTEN
IN T ERV IE W rolf mecke FOTOS darren saw UND hans-georg esch

„Singapur wäre Dschungel,


wenn es die Stadt nicht
gäbe“, sagt Architekt
Christoph Ingenhoven lapidar
– und gibt dem Ort mit
einem weitläufigen begrün-
ten Innenhof seines Projekts
„Marina One“ ein Stück
seiner Identität zurück. Licht
bekommen die Pflanzen trotz
der umstehenden Hochhäuser
genug – dank der meist
senkrecht stehenden Sonne.
Können wir von den Tropen lernen?
Ja, findet Christoph Ingenhoven.
Sein jüngstes Hochhaus-Projekt „Marina One“
in Singapur besticht durch das
Wechselspiel von Licht und Schatten –
und viel Grün. Jetzt will der Düsseldorfer
Architekt dieses Konzept in
unsere Breitengrade transportieren.

Die Klima- und Lichtverhältnisse hier sind Gebäudes einschließlich des Schräg-
völlig anders als in Asien. Funktioniert die dachs bepflanzt sein. Wie in Singapur
Idee eines grünen Herzens wie bei Ihrem haben wir unser Augenmerk auf ein-
Singapur-Projekt überhaupt bei uns? heimische Flora gerichtet. Vor allem die
Wir arbeiten daran. In Düsseldorf ha- Hainbuchenhecken sind sehr robust. In
ben wir einen neuen Geschäfts- und Düsseldorf entsteht gewissermaßen ein
Bürokomplex geplant, bei dem wir mög- neues grünes Zentrum, das die gesam-
lichst viel direktes Sonnenlicht erlebbar te Innenstadt prägen wird. Auch hier
machen wollen. haben wir einen vertikalen Garten. Das
Dach lädt als öffentlicher Begegnungsort
Wie hat man sich das vorzustellen? zum Sonnen, Erholen und Entspannen
Der „Köbogen 2“ wird wie „Marina ein. Das Beispiel zeigt, dass es bei einer
One“ ein grünes Tal haben, umgeben weniger hohen und dichten Bebauung
von jeweils unterschiedlich hohen Ge- durchaus möglich ist, auch bei uns hohe
bäuden. Die Fassaden werden abgestuft Wohn- und Bürogebäude um eine grüne
und zudem über die Gesamthöhe des helle Mitte zu platzieren.

33
NEUBAU

In Singapur gibt es wenige


öffentliche Plätze, die von
den Einwohnern auch als
solche genutzt werden. Die
klimatischen Bedingungen
treiben die Menschen
meist in die Häuser. Die
Grünanlage im „Marina
One“ schafft hier angenehm
Abhilfe – und lockt
einen nach draußen.

Wo haben Sie diesen Grundsatz noch


umgesetzt?
Er war auch beim Stuttgarter Haupt-
bahnhof der Maßstab. Die von uns
entworfene neue Station ist ja genau
genommen ein unterirdischer Bahnhof,
der trotz seiner Lage mit Helligkeit und
Offenheit bestechen wird. Die Halle
wird über 28 große Lichtaugen mit
natürlichem Licht beleuchtet. Dies be-
dient ästhetische Ansprüche und bringt
darüber hinaus Sicherheitsvorteile.
Auch bei einem neuen Projekt in Tokio
streben wir ein Maximum an Tageslicht
an. Hier entwickeln wir eine vertikale
Gartenstadt, durch Terrassen und Decks
entstehen öffentliche Räume und Grün-
flächen, die nahtlos in die horizontalen
Vorsprünge der oberen Stockwerke
„Wir sehnen uns Bekommt Licht in der Architektur wieder übergehen. Selbst im Schatten achten
Fotos: Darren Saw; Hans-Georg Esch (3)

einen höheren Stellenwert? wir übrigens noch auf die Wirkung von
nach Sonne, Vitamin D In meiner Arbeit war natürliches Licht
immer schon ein essenzieller Bestand-
Licht – es wird kleine Wasserfälle geben,
die natürliches Licht zurückspiegeln.
und der Dramatik teil. Ich bin einfach der Überzeugung,
dass Menschen nicht ohne Luft, Licht Haben Sie eine bestimmte natürliche
des Lichts.“ und sich öffnende Perspektiven sein
wollen. Wir sehnen uns nach Sonne,
Lieblingslichtstimmung?
Ehrlich gesagt zwei verschiedene: die
Vitamin D und der Dramatik des Lichts Wahrheit bei Anbruch des Tages und
zu verschiedenen Tageszeiten. die Milde des Sonnenuntergangs. –

34 2/2018
NEWS

1
1 LATERNE, LATERNE
Kerzenlicht im Eisenrahmen:
„Lamparilla“ ist beides –
romantisch und puristisch.
149 € (Lambert).
2 DREIBEINER
Dank ihres grazilen Stativs
lässt sich „Mia“ problemlos
draußen wie drinnen
einsetzen. Ab 475 €, je nach
Variante (Kettal).
3 REINE MAGIE
Der Korpus unter dem Teak- 2
holzgriff erinnert an einen
Seidenkokon. Clou bei
„Cocoon“ aber ist ihre Autar-
kie: Die Solarzellen speichern
das Tageslicht und geben es
nachts zurück. 500 € (Gloster).
4 HÄNGEPARTIE
Lichttechnisch ist „Guidelight“
ein Alleskönner, sein
Leuchtenkopf ist dimmbar
und lässt sich über 360 Grad
drehen. 98 € (Weltevree).
5 COUNTRY MEETS HIGHTECH
„Firefly“ schaltet sich bei Be-
wegung von selber ein, Glas
und Lederriemen erinnern
an Picknick-Accessoires.
505 € (De Padova, über Boffi).

6 + 7 DOPPELT GUT
„Balad“ lässt sich tragen
wie eine Handtasche – oder an
einem Riesengestell auf-
hängen. 79 / 403 € (Fermob).
8 SCHÖN STANDFEST
Mit Platte oder Dorn steht
„Parker Flood“ flexibel
auf fast jedem Untergrund.
1250 € (Royal Botania).

OPE 5
6
OPE
FÜR D
8
STUNDE UND
DANACH: MOBILE
Text: Rolf Mecke

LEUCHTEN 7

FÜR DRAUSSEN.

35 2/2018
STIL

Turm
und Drang
1

Wenn einfache Lampenschirme


auf neue Stoff-Kollektionen
treffen, ist das mal wild, mal schräg
– und immer sehr besonders.
ST Y L ING cornelia haff FOTOS jens utzt

1 „Garden Party“ aus Leinen von Gert Voorjans, 187 Euro pro
Meter (Jim Thompson). 2 Outdoor-Jacquard „Nouria“ aus
Polyacryl, 93,50 Euro pro Meter (JAB Anstoetz). 3 „Arlequins“
mit Zeichnungen von Jean Lurçat aus dem Jahr 1925, Leinen,
170 Euro pro Meter (Pierre Frey). 4 Outdoor-Möbelstoff „Montauk“,
105,50 Euro pro Meter (JAB Anstoetz). 5 „Palm Beach Floral“,
Baumwolle, 162 Euro pro Meter (TRAVERS). 6 „Barbana“, Baum-
woll-Viskose-Leinen-Polyester-Mix, 108 Euro pro Meter (Osborne &
Little). An der Wand „Sarabande“ aus Seide von Gert Voorjans,
195 Euro pro Meter (Jim Thompson). Am Boden „Ohio“, Baum-
woll-Leinen-Mix, 122 Euro pro Meter (Pierre Frey). Clutch Vintage.

3
5

4
STIL

1 „Vogue“ aus einem Baumwoll-Mix, 173 Euro pro Meter (Manuel


Canovas). 2 „Kilt“ aus Trevira CS, 149 Euro pro Meter (DEDAR).
3 „Festival“ mit Stickerei auf Baumwolle, 177,75 Euro pro Meter
(Zimmer + Rohde). 4 „Baudolino“, Baumwolle und Leinen, 87,60
Euro pro Meter (Création Baumann). 5 „Calli“ aus einem Leinen-
Viskose-Mix, 108 Euro pro Meter (Osborne & Little). 6 „Morny“ aus
einem Baumwoll-Seiden-Mix, 218 Euro pro Meter (Manuel
Canovas). 7 „Morisot“ aus Baumwolle, 165 Euro pro Meter (Manuel
Canovas). Leopard aus Messing, 125 Euro (Maison Bensimon).

6
3

40 2/2018
Sofa mit Kissen PRADO und Anrichte EVERYWHERE, Design Christian Werner
Stehleuchte LUMIÈRE NOIRE, Design Philippe Nigro
Katalog: www.ligne-roset.com
www.facebook.com/lignerosetDE/AT
Design
&Handwerk

LEUCHTFEUER
AM RHEIN
Eintauchen in die schöne neue Welt der
Möbel – das wird alle Jahre wieder
auf der imm cologne in Köln zelebriert. Bei
der Flut an Eindrücken braucht man ab
und an eine Verschnaufpause, um
einen Kaffee zu trinken, sein Smartphone zu
checken und sich einfach mal zu setzen –
damit sich alles setzen kann wie hier auf dem
Stand von Richard Lampert.
Foto: Sammy Hart

S. 62
TALENT

WOLFGANG
HARTAUER
Stapeln, schieben,
schubsen: Der
Tischler und Architekt
zeigt mit seinen 1

Objekten Spieltrieb
und Ordnungssinn

GUT AUFGERÄUMT
1 Modulares Tischablagesystem
„Meterware“ aus Eichenholz
für Tecta (2015).
2 Couchtisch „K8B“ für Tecta mit KALDEWEI
Marmorsockel und Versteck unter
lackierter Drehtischplatte (2015).
FUTURE AWARD
3 Klapptisch „Lot“ (2017). by Architektur
Der schwenkbare Halbkreis & Wohnen
stabilisiert die bewegliche Platte.
4 Tischset „Essential“ aus Seine Spezialität ist der spielerische Umgang
massiver Eiche für Schönbuch (2018).
mit geometrischen Formen. Nach Tischlerlehre,
5 Schalensystem „Kasa“ aus
Massivholz in Eiche, Nussbaum Architekturstudium und Berufsstart als Bauleiter
und Ahorn, beide für Tecta (2017). gründete Wolfgang Hartauer (Jahrgang 1971)
Durch Wollfilz-Elemente 2014 sein Start-up „Interior Things“. Ein Jahr
auf der Unterseite lassen sie sich später begann seine Kooperation mit dem Fami-
2 einfach stapeln oder verschieben.
lienunternehmen Tecta, in dessen Manufaktur
Hartauers Objekte mit dem besonderen Dreh
gefertigt werden. Die Oberplatte des zylinder-
förmigen Beistelltischs K8 schwingt nach leich-
tem Antippen schwebend zur Seite, um
3 den darunter liegenden Stauraum freizugeben.
Auf der Suche nach einem passenden Accessoire
erfand der Designer das Ordnungssystem
„Meterware“ aus
pulverbeschichteten
Aluminium-Profilen.
Exakt daran angepasst,
Foto: Hans Hansen; Porträt: Hans-Georg Schruhl

lassen sich Ablagen


aus Aluminium, Holz
oder Filz verschieben
und neu kombinieren.
Für Alape entwarf
5 er mit „Assist“ ein ganz ähnliches System fürs
Bad. Ein um 90 Grad drehbares Halbkreis-
4 element dient „Lot“, einem Tisch für Tecta, als
Stütze für seine ausklappbare halbrunde Platte.
„Spiel und Präzision“ bilden für Hartauer
eine „schöne Paarung“. Thomas Edelmann
EINFACH. BESSER. ERNEUERT.

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TALENT

PEDRO PAULO
VENZON
Minimalismus trifft Grazie.
KALDEWEI Die Objekte des Gestalters
FUTURE AWARD
by Architektur aus Brasilien wirken in
& Wohnen
jeder Hinsicht ent-lastend

SURREALE WELTEN
1 Tische „Moça“ (für Objekto)
mit Stuhl „Tímida“ (2013).
2 Circunscrito, Hocker und
Beistelltisch (2014).
3 Designer Venzon mit
Tischleuchte „Memorial“ (2013).
4 „Bamba“ (2015).

Die Formensprache von Möbeln, die einst portu-


giesische Kolonialherren hinterließen, inspiriert
den brasilianischen Designer Pedro Paulo Ven-
zon zu abstrakten Interpretationen. Dabei betont
3

er Strukturen und Flächen, setzt Materialien


wie Marmor, Leder, Stahl oder Messing filigran
ein. So erscheinen selbst Gestelle, die Lasten
tragen, äußerst luftig und grazil. Als „luxuriösen
Minimalismus“ bezeichnet man Venzons 4
Metallmöbel. Entdeckt und bekannt gemacht
wurde der Gestalter aus Florianópolis von
Jamie Gray, dem Gründer der Galerie „Matter“
in Manhattan, die Stühle Venzons in einer
eigenen Manufaktur fertigt. Thomas Edelmann

WHIRL & ARCHI COLLECTIONS
BY HENRIK PEDERSEN

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TALENT

KALDEWEI
FUTURE AWARD
by Architektur
& Wohnen

CAITLIN
HINSHELWOOD
Die Londonerin entwirft
Textilien, die Geschichten
erzählen. In Eigenregie
und für große Labels

Farbenfreude und Fantasie zeichnen die Stoffe,


Schals, Flaggen und textilen Wandobjekte der
Londoner Designerin Caitlin Hinshelwood aus.
Seit dem Abschluss ihres Textildesign-Studiums
an der Universität Brighton 2006 gestaltet sie
liebevoll handgefertigte Textilien in limitierten
Editionen oder als Einzelstücke, die sie auch
über ihre eigene Website vertreibt. Hinshelwood
entwirft handgezeichnete kunstvolle Muster,
färbt ihre Stoffe selbst und kombiniert Sieb-
druckverfahren mit speziellen Ätz-Techniken.
Bei der Gestaltung interessieren sie vor allem
illustrative und erzählerische Aspekte. Für ihr
Projekt „Kissing the Shuttle“ griff sie Motive und
3 Symbole der Arbeiterbewegung der einstigen
Textilstandorte im Norden Englands und in
DEKORATIVE MOTIVE MIT ANSAGE Nordirland auf, um an deren Protestkultur zu
1 In ihrem Londoner Studio
erinnern. Per Siebdruck überträgt die Designerin
verwandelt Caitlin Hinshelwood
persönliche Inspirationen in einige dieser Elemente auf große Seidenbanner.
illustrative und erzählerische Dessins. Neben ihrer Eigenproduktion entwirft Hinshel-
2 Der Seidenschal aus der „Caucasus“- wood auch extrovertierte Textilien für bekannte
Porträt: Owen Richards

Serie entstand nach einer Georgien- Unternehmen aus Mode und Interior Design,
und Armenien-Reise. Für die Wand-
von Louis Vuitton über Cacharel, DKNY, Marc
objekte „Flags“ der „Ceremony“-Serie
spielt sie mit vertrauten Symbolen. by Marc Jacobs, Whistles und Coach bis hin zu
3 Die „Rural Life“-Schals Anthropologie. Zudem lehrt sie Textildruck an
interpretieren ländliche Motive. der Winchester School of Art. Thomas Edelmann
Katalog und Händler unter www.next125.de

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1
PORZELLAN
wie auch Steinzeug besteht

Meisterstück
aus dicht gebrannten Erden.
Beides nutzt Guido Sengle in
ähnlicher Weise zum Drehen
dickwandiger Gefäße. Im Ofen
sintert das Material bei 1300
Guido Sengle, einer Grad, es verglast. Um wasser-
der großen Keramiker dicht zu sein, bräuchte es –
anders als leichtes Steingut –
unserer Zeit, liebt eigentlich keine Glasur mehr.

schwere Gefäße in
Kugel- oder Zylinder-
Form. Deren
besondere Kennzei-
chen? Kunstvolle
Netze aus Sprüngen. 2
GLASUREN
Kontakt info@guidosengle.de sind hier mehr als Dekoration,
sie sollen mit dem Scherben
zur Einheit verschmelzen.
Deshalb nutzt Guido Sengle,
der über Geologie und
Geografie zur Keramik kam, im
Wesentlichen nur drei zu Mehl
zerriebene Gesteinsarten und
trägt diese – mit drei bis vier
Millimetern – extradick auf.

3
KRAKELEE
heißt das Netz aus Sprüngen,
die sich bilden, wenn das
Gefäß nach dem Brennen
abkühlt. Ihr Muster beeinflusst
Guido Sengle, wenn er dem
Ton zum Beispiel Quarz in
unterschiedlichen Mengen
beimischt. Mit einem weiteren
Brand färbt er dann die Risse
dunkel ein. Bei diesem
sogenannten Rauchbrand
verglühen im Ofen Holzspäne,
deren Ruß und Qualm
in die Sprünge einziehen.
Foto: Kai-Uwe Gundlach; Text: Elke von Radaziewsky

50 2/2018
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Zeitlos schön: Seit über 60 Jahren fertigt die japanische


Manufaktur Ozeki Isamu Noguchis Akari-Leuchten.
Skulpturen aus Licht, die Wärme schenken wie die Sonne.

52 2/2018
1 Wie ein Wagenrad: Auf
eine Eisenstange gesteckt,
lässt sich die Pendelleuchte
50EN drehen und von
allen Seiten bearbeiten.
2 Behutsames Trocknen:
Wärmelampen gewährleisten
einen sanften Prozess.
3 Scheinbar einfach: Um das
Modell werden Bambusfäden
gespannt, dann wird das
Gerüst mit Kleber bepinselt
und mit Papierlagen beschich-
tet. Die Handwerker sind auf
einzelne Formen spezialisiert.

iemlich genau in der Mitte

Z Japans, in der Präfektur Gifu,


wo klares, weiches Wasser
von den Bergen in die Tä-
ler rinnt, bewahrt der Familienbetrieb
Ozeki & Co ein berühmtes Erbe. Ein
halbes Dutzend Mitarbeiter in blauen
Overalls und Schürzen fertigt hier Isa-
mu Noguchis legendäre Papierleuchten.
Dank ihres handwerklichen Könnens
zieren und illuminieren die Licht-
skulpturen des Designers, Künstlers und
Gartengestalters, der 1988 im Alter von
84 Jahren verstarb, nach wie vor Wohn-
räume auf der ganzen Welt.
1951 reiste Noguchi, Sohn einer
amerikanischen Mutter und eines ja-
panischen Vaters, von New York nach
Gifu. Er wollte sich dort die nächtli-
che Kormoranfischerei auf dem Nag-
ara-Fluss ansehen, bei der die Fische
mit Laternen angelockt werden. Damals 3
fragte der Bürgermeister der Stadt Oze-
ki den Gast aus Übersee, ob er vielleicht
eine Idee hätte, wie man die traditio-
nelle Laternen-Industrie modernisieren
und ankurbeln könne. Isamu Noguchi wird. Und er stieß auf die Manufaktur Jahren kehrte er immer wieder nach
schaute sich um – bei den Handwerks- Ozeki, die, im Jahr 1891 gegründet, der Ozeki zurück, erinnert sich Akio Su-
spezialisten der Japanpapier-Stadt Mino, offizielle Laternenlieferant des japani- zumura, einer der Meister-Handwer-
in der seit 1300 Jahren aus dem saube- schen Kaiserhauses ist. ker der Manufaktur, der dort 1968 als
ren Wasser des Flusses und der inneren Inspiriert von den Lampions der 17-Jähriger begann und Noguchi noch
Rinde des Maulbeerbaums das handge- Fischer und deren traditioneller Fer- persönlich kannte. Dessen Schaffens-
schöpfte Mino-Washi für chôchin (Lam- tigung skizzierte Noguchi seine bei- drang kannte keine Grenzen: In vier
pions) und wagasa (Schirme) hergestellt den ersten Leuchten. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er mehr als

AW Architektur&Wohnen 53
HANDWERK

1 Wie ein in Form gestutzter


Buchsbaum: So mutet dieses
fast fertige Modell an.
Nach den letzten Hand-
griffen wird der Körper flach
zusammengefaltet – und zu
seinem Empfänger trans-
portiert. Dort machen ihn
vier gusseiserne Beinchen
zur Tischleuchte 24N.

2 Der Schatz der Manufaktur:


die alten Holzmodelle.
Sie garantieren gleichblei-
bende Leuchtenformen. 2

100 Modelle – von nur 24 Zentime-


ter kleinen Tischleuchten bis hin zu
„Meine Lampen le, nach denen die Leuchten-Repliken
gefertigt werden konnten.
2,95 Meter hohen Lichtstelen, die aus
aufeinandergestapelten Kuben beste-
taugen nicht In Asien stießen die skulpturalen
Gebilde auf wenig Gegenliebe. In Ame-
hen und an Wolkenkratzer asiatischer als Statussymbol. rika und Europa jedoch sind sie zu Be-
Metropolen erinnern. Woher kam sie, rühmtheiten geworden. Noguchi zeigte
diese einzigartige skulpturale Ästhe- Sie geben dem sie erstmals 1978 an der Universität von
tik seiner Objekte? Die Suche nach der Hawaii und am Kunstmuseum in Chi-
Antwort führt einen zurück in die Ver- Leben Qualität.“ cago – lange nachdem er in New York
gangenheit, nach Paris, wo Noguchi erfolgreich Bühnenbilder für Martha
im Atelier von Constantin Brancusi ISAMU NOGUCHI Graham und Merce Cunningham ent-
seine Lehrjahre absolvierte und dem worfen, den legendären „Noguchi tab-
Meister assistierte. Um 1927 entwarf er gen breite Bambusstreifen, schwarze le“ mit kufenförmigen Holzfüßen und
dort bereits kugelrunde Monde, qua- Punkte oder hellblaue Verzierungen Glasplatte für Herman Miller geschaf-
dratische Boxen, ovale Bojen, spitze im Art-déco-Stil. Seine Prototypen fen und 1959 in Paris einen Steingar-
Tropfen, gezackte Säulen und große fertigte Noguchi übrigens meist aus Sty- ten für die UNESCO angelegt hatte.
Ellipsen. Eine seiner markantesten ropor; den Handwerkern oblag es dann, 1984 avancierten seine Leuchten dann
Kreationen erinnert an die Hörner diese aus Holz nachzubauen. So ent- im New Yorker Nobel-Kauf haus Bloo-
eines Stiers. Es gibt Lampions, die tra- standen zusammenklappbare Model- mingdale’s zum Verkaufshit. Zwei Jahre

54 2/2018
3
4
3 Ein Erkennungsmerkmal
der Akari-Familie: aus
Würfeln, Kugeln und Trapezen
aufgebaute Körper. Das
gilt auch für diese
komplexen Lichtsäulen.
4 Kurz vor Schluss: Das
formgebende Gestell wird
vorsichtig aus dem Lampen-
schirm herausgezogen.

deren Licht durch ein Shoji-Papier ge-


filtert wird. Damit ihre Wärme auch
in der Nacht weiter unsere Räume
füllen kann“, schrieb Noguchi in sein
Notizbuch. „In einer technisierten
Welt sehnen sich moderne Menschen
nach Quellen natürlichen Lichts.“ Fast
visionär erscheinen einem diese Wor-
te heute. „Besonders ist tatsächlich,
dass das warme, wohnliche Licht nicht
vom Leuchtmittel erzeugt wird, son-
dern durch das transparente Papier“,
später repräsentierte Isamu Noguchi bestätigt ein Produktmanager bei Vi-
Amerika auf der Biennale von Venedig tra, dem offiziellen Vertriebshändler
und zeigte dabei (auch) Lichtskulptu- der Akari-Leuchten. Vitra arbeitet eng
ren. Seine Leuchten-Familie nannte zusammen mit der Isamu Noguchi L’A RT DE L A CHA M BR E
er „Akari“, was auf Japanisch Hellig- Foundation, die den Künstler-Nachlass
keit, aber auch Leichtigkeit bedeutet. betreut. In der Manufaktur Ozeki ist
„Eine Akari leuchtet wie die Sonne, heute eine ganze Etage für die Akari-

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AW Architektur&Wohnen
HANDWERK

1 Sonderfall: Die schwarzen


Punkte machen die Akari-
Leuchte UF3-Q ungewöhnlich
plakativ. Noch steht sie
auf dem Kopf, und das
Modell, auf dem sie gefertigt
wird, steckt in ihrem Inneren.
2 Treue zählt: Generation
für Generation gibt man bei
Ozeki das Know-how weiter.
Die Firma ist Lieferant des
1 japanischen Kaiserhauses.

„Die Leuchten Kerben an den Rändern der hölzer-


nen Flügel verhindern das Abrutschen.
sen Herstellung eingearbeitet hat.“ Zu
erkennen sind die Originale an dem
sind die eine Sache, Mit einem Pinsel bestreicht er dann
das Bambusgerippe mit Kleber – und
roten Signum in Form von Sonne und
Halbmond sowie Isamu Noguchis Fotos: Vincent Leroux/Temps Machine/Marie Claire Maison/Studio X

die ich aus spannt anschließend grob zugeschnitte- Schriftzeichen. Es gibt unterschiedlichs-
ne Papierstreifen darüber. Nachdem die te Metallgestelle für die Leuchten sowie
purer Liebe Leuchte von speziellen Wärmelampen Modelle, bei denen das Kabel durch
getrocknet wurde, wird das Holzgestell einen Bambusstab läuft. Rund 50 Akari-
entworfen habe.“ im Innern vorsichtig zusammenge- Leuchten sind derzeit erhältlich.
klappt und oben oder unten aus dem So weltentrückt-gestrig die Produk-
ISAMU NOGUCHI Lampenschirm herausgezogen. tion der Lampen auch erscheinen mag,
„Von den über 100 Modellen wer- sie passen in unsere Gegenwart. „Sie
Produktion reserviert. Einer der ältesten den nicht alle durchgängig herge- sind sanft und bescheiden – und ein
Mitarbeiter fertigt die Leuchten bereits stellt“, so Vitras Produktmanager. echter Geniestreich“, sagt Raf Simons,
seit 45 Jahren. Vor allem die wagenrad- „Manche Leuchten werden jahrzehn- Chefdesigner bei Calvin Klein. Seine
großen Modelle verlangen erfahrene telang von einem bestimmten Mitar- neue Stoff kollektion für Kvadrat prä-
Hände. Dabei wickelt der Spezialist zu- beiter gefertigt. Ist der nicht mehr da, sentierte er in einem New Yorker Town-
erst einen robusten Bambusfaden fest verschwindet das Modell – bis ein jün- house – vor einem leuchtenden Wald aus
um die mehrteilige Holzform; kleine gerer Lampenbauer sich wieder in des- Akari-Skulpturen. –

56 2/2018
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as Draußen, es ist feindlich

D geworden. Bedrohlich scheint


das Chaos unserer Umwelt,
unsinnig gar unsere Exis-
tenz. Und was tut der Mensch in so einer
Situation? Er immigriert – in diesem
Fall nach innen, wo er danach trachtet,
es sich gemütlich zu machen. Man
könnte auch sagen: Die private Wohn-
maschine erlebt ihre notwendige Renais-
sance. Und das nicht nur unter ästheti-
schen Existenzialisten. Für alle, die das
Außen vor der Tür lassen wollen, liefern
wir mit diesen Zeilen ein paar praktische
Heimwerkerideen. Quasi eine modulare
Gebrauchsanleitung für den Blick nach

„Jeder Mensch trägt


ein Zimmer in sich“,
schrieb Franz Kafka.
innen. Aber jetzt mal im Ernst. Dass
jeder Mensch ein Zimmer in sich trägt,
wusste schon Franz Kaf ka. Aber wie
möbliert man diesen Raum? An der Fra-
ge mögen unzählige Psychotherapeuten
schon gescheitert sein, Designer tun
dies natürlich nicht.
Konstantin Grcic etwa zeigte sich
nachhaltig beeindruckt vom heiligen
Hieronymus und der Darstellung von
dessen Verweilen im „Gehäuse“ durch
Antonello da Messina, einem wahren
alten Meister der psychologischen Tiefe.
Das Gemälde aus dem Jahr 1475 hängt
heute in London. Zwar lohnt sich ein
Besuch in der National Gallery sowieso
immer, aber in diesem Fall auch noch
zur Blaupausen-Betrachtung für eine
Rückzugsoffensive. Grcic muss den Hie-
ronymus in seinem Studiolo eindringlich
studiert haben. Wie er da so sitzt – in
einem Maßanzug von Möbel, beim Bi-
belstudium an einem perfekten Pult mit
DER RAUM im RAUM
bestem Lesewinkel und Lichteinfall, auf
einem ergonomisch durchdachten Podest
mit praktischer Buchablage, inmitten
dieser riesigen gotischen Halle, ein gi-
Living in a Box. Warum die
gantisches göttliches Gedankengebäude
auf seinen Schultern – denn Hieronymus
private Wohnmaschine uns Gehäuse,
gehört zu den Urhebern der „Vulgata“,
der lange Zeit maßgeblichen Bibelüber-
Rückzugsort und Zuflucht ist.
setzung der katholischen Kirche. TEXT r alf eibl
So oder so, Grcic adaptierte die Idee
vom eigenen Raum im großen Ganzen

58 2/2018
1 „Der heilige Hieronymus
in seiner Kleinserie für die Pariser tet mit einer Biografie, die zwischen
in seinem Gehäuse“ –
nach einer Darstellung von
Galerie Kreo. Und er tat dies auf eigene, Moskau, dem alten Ost- und dem neuen
Antonella da Messina reduzierte Weise: In fünf Objekten aus Nach-der-Wende-Berlin oszilliert. Seine
aus dem Jahr 1475. fünf Materialien – Holz, Aluminium, sozialistische Sozialisation spiegelt sich
2 Joe Colombos „Total Beton-Komposit, Marmor sowie eine in den Arbeiten dieses Künstlers, der
Furnishing Unit“ von Sand-Kunstharz-Mischung – spielte eigentlich von der Malerei kommt, da-
1971 für das New Yorker
Museum of Modern Art.
er fünf Möglichkeiten des Bei-sich- mit aber zusehends haderte. Inzwischen
Das Design revolutionierte selbst-Seins durch. Trotz des offenen agiert MK Kaehne als Bildhauer, der
die modulare Wohnwelt. Designs flirtet Konstantin Grcic mit den Systeme erdenkt und vollständig selbst
vielen Möglichkeiten baut. So auch seine installative Arbeit
der Einsamkeit: Ku- „Koffer: Wohnung“, die vergangenes
bische Schnitte und Jahr in der Berliner Galerie Michael
gestaffelte Kanten er- Schultz debütierte. „Die glamouröse
möglichen Sitz- und Erscheinung dieser schwarz lackierten
Studierecken, Fuß- und mit verchromten Spannverschlüs-
und Gedankenabla- sen ausgestatteten mobilen Wohnein-
gen. Dergestalt ist heit evoziert zunächst puren Luxus,
das Gehäuse des Hie- bevor sich beim Betrachter phobische
ronymus also im 21. Reflexe bemerkbar machen“, so MK
Jahrhundert gelandet. Kaehne. In Zeiten weltweiter Mobilität
Und weiter geht sie, scheint die ultimative Lösung darin
unsere Grand Tour ins zu liegen, sein komplettes Heim wie
modulare Ich … ein Einsiedlerkrebs jederzeit mit sich
Der 1963 im litau- tragen zu können. Durch den aktuellen
ischen Vilnius gebo- Bezug zu Entwicklungen in unserer
rene Künstler MK globalisierten Gesellschaft lockt auch
2 Kaehne ist ausgestat- dieses Kunstwerk mit dem Blick nach

3 Wie schaffe ich mir


einen eigenen Raum im
großen Ganzen? Konstantin
Grcic spielte – mit einem
Seitenblick auf Antonella
da Messinas Gemälde –
eigene Varianten durch:
„Hieronymus“, 2016.

AW Architektur&Wohnen
SEMINAR
1 Aus dem Koffer leben:

Fotos: Antonello da Messina: Saint Jerome in his Study/The National Gallery, London; Total Furnishing Unit by Joe Colombo in collaboration with Ignazia Favata, arch., 1972. Illustration from ‚The New Domestic Landscape‘ catalogue of MoMA exhibition, 1972. New
Wer sein Heim wie ein
Einsiedlerkrebs mit sich
herumtragen möchte, endet
innen. Wie lockenswert das Verweilen bei der „Koffer: Wohnung“
auf dem Hochbett sich ausgestaltet, des litauisch-russischen
bleibt abzuwarten. Nicht nur für Ere- Künstlers MK Kaehne.
miten lohnte es sich, über das Pro und 2 Das „Mobile Totale“
Kontra einer totalen Privatsphäre im von Ammannati und
Vitelli aus dem Jahr 1968.
Rückzugsraum länger nachzudenken.
Auch in der Rückschau: 1921 spricht Le
Corbusier in seiner Zeitschrift „L’Esprit

York, MoMA. The Museum of Modern Art Library, ref. no.: 300062429_0183.© 2018. Digital image, The Museum of Modern Art, New York/Scala, Florence; Fabrice Gousset/Galerie Kreo; Quittenbaum (3); Eric Tschernow
Nouveau“ erstmals vom Haus als „Wohn-
maschine“. Ein Diktum, das zum Sinn-
bild einer modernen Architektur- und
Einrichtungsphilosophie werden sollte.
Genau 50 Jahre später, also 1971,
greift das italienische Universal-
design-Genie Joe Colombo den Ge-
danken für eine Ausstellung im New
Yorker Museum of Modern Art in seiner
„Total Furnishing Unit“ wieder auf und
präsentiert damit ein futuristisches
Wohnkonzept, das zwischen Architek-
tur und Möbel Platz nimmt und den
Raum dominiert. Primär ist die Unit
in vier Zellen oder Module unterteilt,
die der Designer Küche, Regal, Bett
und Privatsphäre sowie Badezimmer
1
nennt. Alle Zellen können aus dem
28 Quadratmeter großen Block gelöst
und frei im Raum verteilt, aber auch
als zusammenhängendes Ganzes ge- „Total furniture
nutzt werden, sofern das keine klaus-
trophobische Ich-Erfahrung auslöst. means everything.”
Jedenfalls wird bei der Präsentation im
MoMA ein Imagefilm gezeigt, in dem jubilierte die „New
eine weibliche Figur aus der absoluten
Dunkelheit, unter bunt blinkenden Dis- York Times“ einst.

colichtern, begleitet von einer frühtech-


noiden Partitur von Livio Castiglioni,
den Raum betritt und dann Stück für
Stück beginnt, das Ensemble zu öffnen:
Mehr Erotik geht kaum in modularen
Wohnerfahrungswelten.
Wobei: „It’s a bed, it’s a kitchen, it’s
an environment“, jubilierte die „New
York Times“ einst angesichts des „Mo-
bile Totale“ von Titina Ammannati und
Giampiero Vitelli aus dem Jahr 1968
– also maximale Emotion über Bett,
Küche und Wohnwelt in einem. „Total
furniture means everything“, schrieb
das Leitmedium damals, sofern man
sich dann auf der vergeblichen Suche

60 2/2018
3 Falls sich bei so viel Bei-
sich-Sein in dem heimischen
Gehäuse irgendwann trotz
pessimistischer Weltsicht doch
Nachwuchs ankündigt, dann
empfiehlt es sich nach einer
„Rappelkiste“ vom größten deut-
schen Design-Derwisch Luigi
Colani Ausschau zu halten. 1975
wurde selbige in einer Klein-
serie für Elbro gefertigt – mit
Bett, Garderobe, Kletterleiter,
Schreibtischkoje und integrier-
ter Tafel auf der Schranktür. Ist
doch prima, wenn in der früh-
kindlichen Erziehung gleich die
Erkundung der Wohnmaschine
auf der Tagesordnung steht.
Damit bekäme das Bei-sich-
nach einer Nasszelle nicht verirrt. Denn Sein noch mal eine neue Wendung.
die ist im „Mobile Totale“ noch nicht In der Zwischenzeit überdenken wir
3 Es rappelt in der Kiste: integriert. Das totale Wohnerlebnis ist das Gesagte vielleicht in aller Ruhe,
Luigi Colanis modulare
Erfahrungswelt für designaffine
derzeit bei der Appel Design Gallery im Zurückgezogenheit und Selbstversun-
Nachkömmlinge von 1975. Angebot, den stratosphärischen Preis kenheit. Kontemplatives Verweilen ist
nennt der Berliner Galerist Tilmann schließlich eine elementare Tugend in
Appel auf Anfrage. jeder modularen Wohnwelt. –

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62 2/2018
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Die Eckkombination „Oryx“ bietet Varianten
ohne Ende – auch integrierte Tischelemente (Jori).

AW Architektur&Wohnen 63
IMM 2018

OPTISCHES VERWIRRSPIEL
Aus der Vogelperspektive wirken die Platten rund,
die Ränder sind leicht gebogen (Leolux).

ZEIT FÜR EINEN DRINK


Im Museum für Angewandte Kunst (
die Highlights der Messe gefeiert.

64 2/2018
ZWEI FÜR EINEN
Die Helden des Mid-Century-Styles, Charles Eames und
Eero Saarinen, schufen den „Organic Chair“ (Vitra).

HINTER GITTERN
Streng geometrisch konstruiert und trotzdem
bequem ist der Sessel „Grace“ (Brühl).

IN STEIN GEMEISSELT
Aus einem Marmorblock schuf der Architekt
Hadi Teherani eine Chaiselongue. Um genau zu sein:
Es gibt davon gerade mal 15 Stück (Draenert).

ZEITLOSE ELEGANZ
Die schwedische Designerin Monica Förster
schuf das Sofa „Melange“ (Wittmann).

AW Architektur&Wohnen 65
IMM 2018
LUFTKAMMERN
Das englische Duo Doshi Levien entwickelte Outdoormöbel
mit doppelwandigem Geflecht (B&BItalia).

TONANGEBEND
Auch Sofas mögen Trendfarben.
ist im Farbton „Nude“ zu haben (

WHAT‘S NEW?
Die Messebesuch
zwischen realen u

BIG SMILE
Facelifting für Klassiker „Componibili“. Designer Fabio
Novembre im Gespräch mit Kartell-Chef Claudio Luti.

66 2/2018
AW Architektur&Wohnen 67
68 2/2018
LINIENTREU
Hier fühlen sich „Bobos“ wohl. Lässiges Sofa für
die „Bourgeois Bohemians“ (Freistil Rolf Benz).

ABGEHOBEN
Metallkonstruktionen bringen die Platte von
Tischmodell „964“ zum Schweben (Rolf Benz).

MIT LEICHTER HAND


Designer Sebastian Herkner hat einen
Klassiker neu interpretiert (Thonet).

KUNSTSTÜCK
Fronten aus antikisierten Spiegeln sind die
Neuheit bei den Kastenmöbeln von Piure.

AW Architektur&Wohnen 69
IMM 2018

SELBSTBETRACHTUNG
Standhaft und dekorativ ist das
„Geoffrey“ von Alain Gilles (Lign

SCHAU MICH AN
Versetzt nimmt man Platz im „Polo vis á vis“. Ideal für
einen kleinen Small Talk (BW Bielefelder Werkstätten).

SCHWEBENDES VERFAHREN
Der italienische Hersteller Riva 1920 ist Spezialist
für Holz. Kann aber auch Stützen aus Plexiglas.

SEITENSPRUNG
Johanna Perret vom Modelabel Perret Schaad
hat für Freifrau Möbel eingekleidet.

70 2/2018
LUFT-POLSTER
Wie immer sehr eigenwilliges Design bei
Rückenlehnen mit freitragenden Ausläufe

ks) und Anna Lindgren


Teppich „Parquet“ (Gan).

AW Architektur&Wohnen 71
IMM 2018
EINSCHLAFHILFE
Der Roboter im Kissen reagiert auf
beruhigt – bis die Augen zufallen (

NEUES OUTFIT
Der Bezug aus rosafarbenen Stoffprints stammt
vom Mode-Duo Perret Schaad (Freifrau).

LESEFREUNDLICH
Das Bett „Portofino“ punktet mit rechtwinklig
unterteiltem Kopfteil und Sitzlehne (Treca Paris).

Fotos: Sammy Hart (14)

RSUCH
Sofa zu mir? Und passe ich zum Sofa?
vor Ort gibt anschaulich Auskunft.

72 2/2018
THE SPIRIT OF PROJECT
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EIN KÖNIGREICH
BIS AN DEN HORIZONT
Wenn der King auf seinem Thron sitzt, dann gehört
ihm die Welt. Nick und Rachel Cope, Gründer der
Firma Calico in New York und bekannt für ihre sinn-
lichen Wandverkleidungen, öffnen mit der von Faye
Toogood gemalten Tapete „Fields“ den Blick auf ferne
Horizonte. Den passenden Königssitz aus Fiberglas
entwarf die Londoner Designerin auch. Sein Name ist
„Roly Poly“. Das heißt zwar Moppelchen, tut aber der
imperialen Würde keinen Abbruch. calicowallpaper.com

GLAMOUR UND GLITTER


Der Designer Konstantin Grcic ist Jahrgang ’65 – alt genug für einen
umfassenden Rückblick auf die Clubkultur und ihr manchmal
verrücktes, oft stilprägendes Design. Stars seiner Ausstellung „Night
Fever“ (bis 9. September) im Vitra Design Museum in Weil am Rhein
sind Keith Haring, Andy Warhol, Arata Isozaki, Rem Koolhaas und
Grace Jones. Musik und Lightshow gehören natürlich dazu.
design-museum.de

VON der NATUR GEGEBEN

Texte: Martin Tschechne; Fotos: Timothy Hursley, Garvey/Simon Gallery New York; Bill Bernstein, David Hill
Gallery, London; Paolo Mussat Sartor; Lauren Coleman/Calico Wallpaper; Sebastian Cox (2); Petr Krejci
Der Mann hat ein solch ausgeprägtes Gespür für Schönheit, dass
man das schon als Geschenk bezeichnen muss. Manchmal streift
der Brite Sebastian Cox planlos durch die Wälder seiner Heimat
und sammelt auf, was sich ihm in den Weg legt: Äste, Rinden,
Unterholz, sogar das Myzel von Pilzen bringt er in sein Atelier im
Südosten Londons, um es dort zu einer festen, weichen und ledri-
gen Haut für Lampenschirme wachsen zu lassen. Selbst wenn er
zu Brettern gesägtes Holz verwen-
det, zum Beispiel Kirschbaum,
Esche, Eiche oder Haselnuss, sind
für ihn die Nähe, die Provenienz,
das Terroir entscheidend: Was
Sebastian Cox zu Korbgeflecht,
Hockern, Tischen oder ganzen
Küchen verarbeitet, kommt aus der
Region, ist dem natürlichen
Zustand so nahe wie nur möglich –
und genau deshalb von
einer schlichten, bisweilen
atemberaubenden Klarheit und
Ästhetik. Seine Forderung
nach Respekt und Nachhaltigkeit
formuliert Cox dabei in denkbar
rücksichtsvoller Form: Selten
war es eleganter, die Reinheit des
Natürlichen erleben.
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BLUMEN für DIE KAISERIN


So ein Kleinod muss man finden! Mitten in Wien, zwischen Stephansdom
und Hofburg, liegt das Geschäft, in dem schon Kaiser Franz Joseph I.
seine Damast-Servietten einkaufen und Gattin Sisi Blumenmeere auf ihre
Bettwäsche sticken ließen. Der Gründer kam 1720 aus Schwaben, das
Bildnis seiner Tochter krönt die Fassade. Also: Wer ein ganz besonderes Blümchen
auf seinem Kopfkissen haben möchte – dem wird hier geholfen.
zsj.at

Foundation/Blanton Museum of Art, The University of Texas at Austin


WAS BLEIBT,
Texte: Martin Tschechne; Fotos: Johann Kopf; Ellsworth Kelly

SIND FRIEDEN &


ERLEUCHTUNG
Am Ende aller Kunst fällt sanftes
Licht in Räume der Stille: Zwei ES WERDE MUSIK!
Jahre nach dem Tod des Malers Die Scala, die Met, das Bolschoi-Theater … auch wer sich
Ellsworth Kelly (1923–2015) ver- auskennt, muss bei den klaren Formen der
wirklicht das Blanton-Museum in Leuchtenkollektion „The Neverending Glory“ zweimal
Austin sein letztes Projekt. Die hinschauen: Die Glasbläser der böhmischen Manufaktur
Kritik jubelte: Der Andachtsraum Lasvit haben fünf ikonische Kronleuchter aus den
mit den farbigen Fenstern sei Musikhäusern der Welt aufgegriffen und ihre Silhouetten
ein Gipfel der Kunst in den USA. modern und handwerklich perfekt interpretiert.
blantonmuseum.org lasvit.com

76 1/2018
THE ESSENCE OF LIVING.
Tama Living gestaltet den besonderen Moment des Ankommens. Großzügig breiten sich die
weichen, eleganten Kissen aus. Das Sofa entfaltet seinen Rhythmus – wie ein klassisches Musikstück.
Mit Side Tables und Trays aus feinsten Materialien. Eine Komposition für das kultivierte Wohnen.
Design: EOOS. www.walterknoll.de
SCHWER ELEGANT Schluss mit der Stümperei im
Bastelkeller! Jetzt entstehen auf der
Manchmal liegt das Abenteuer im Material. Aber heimischen Werkbank echte
Gusseisen? War gut für Bratpfannen, Gullydeckel Designer-Möbel. Der Däne Sigurd
und Geländer von Brücken in alten Zeiten. Der Larsen hat den Lounge Chair
Münchner Konstantin Grcic stellte sich der Heraus- entworfen, Material zum Werkstück
forderung, den spröden Werkstoff für junges gibt’s im Baumarkt. Die Anleitung
Design zu erschließen. In Zusammenarbeit mit auf der Homepage? Ist spitze.
Magis aus Italien entstand eine Kollektion hornbach.de
aus Tischen, Bänken und Sofas, die zwar den
materialtypischen Namen „Brut“ trägt – doch
zugleich beweist, dass das Schwere auch leicht
UNSER
und elegant auftreten kann. magisdesign.com KELLER
wird zum
ATELIER

DIE NEHMEN’S LEICHT


Wer immer nur nach vorn schaut, verliert die Hälfte der Zeit aus dem
Blick. Wer nur der Funktion huldigt, versäumt Spiel, Witz und
Illusion. Die Schweizer Trix und Robert Haussmann (geboren 1933 und
1931) stemmen sich mit Entwürfen voller Charme und Leichtigkeit
gegen die Kühle der Moderne. Die Kunst-Werke Berlin ehren
das Architekten- und Designerpaar mit einer Werkschau (bis 29. April).
kw-berlin.de

Texte: Martin Tschechne; Fotos: Fred Waldvogel/Trix & Robert Haussmann; Museum für
Gestaltung Zürich/ZHdK; Rita Palanikumar; Quittenbaum

78 1/2018
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DIE SONNE ALS
BAUMEISTER
Die aufwendig gemusterte und in vielen
Schichten durchbrochene Kuppel des Louvre
Abu Dhabi sorgt für geheimnisvolle
und zauberhafte Lichtspiele, die sich mit der
Sonne im Raum bewegen. So wird
das Tageslicht zum gestaltenden Element.

S. 84

Architektur
&Raum
Foto: Louvre Abu Dhabi/Mohamed Somji
NEWS

SCHILLERNDE FIGUR Die emotionale Ästhetik einer Pferdeshow mit den funktionalen Anforde-
rungen zeitgenössischer Architektur in Einklang zu bringen –
Magnet, Hingucker, Anziehungspunkt… Welche Stadt- das war der Auftrag für die Architekten des Berliner Büros Graft.
väter wollten nicht mit derlei Schlagworten werben? „Apassionata“ heißt die Veranstaltung, ihr festes Quartier steht
Schwierig bei Esslingen. Zweitgrößte Mittelstadt Baden- in München Fröttmaning. Im Zentrum dort: ein Theater mit 40 Meter breiter
Württembergs, nahe Stuttgart – solche Aussagen sind Bühne und 1700 Plätzen. Graft, die als Spezialisten für fließende
nicht wirklich zugkräftig. Daher stießen Pläne des Rotter- Räume und wogende Formen gelten, verliehen dem ansonsten nüchter-
damer Architekturbüros MVRDV für den ehemaligen nen Bau eine ausgelassene Fassade aus Lärchenholzstäben.
Güterbahnhof in der Kommune auf Zustimmung – trotz Deren tänzelnde Anordnung gibt dem Haus Leichtigkeit, Sinn und Sinn-
oder weil der Entwurf schillernd ist. Die Architekten, lichkeit – ein spielerischer Verweis auf die allabendlichen Sprünge
bekannt für ihre phantasievollen Planungen, brechen der Pferde. Weitere, holzverkleidete Gebäude auf dem Gelände sollen
dabei in die Fassade eines 40 Meter hohen Büroge- folgen, darunter eine Hufschmiede, ein Museum und ein Fohlenhaus.
bäudes eine Öffnung, die die Umrisse der Gemeinde
nachzeichnet. Das Haus wird Terrassen und Durchblicke
bieten, außerdem QR-Codes in der Fassade, mit denen SINN und SINNLICHKEIT
Wissenswertes über Esslingen abrufbar ist.

en

GELUNGENER SPAGAT
Unten Kultur, oben Hotel, einerseits kleinteilig, anderer-
seits wuchtig – es ist eine Art Spagat, den der deutsche
Architekt Ole Scheeren mit dem Guardian Fine Art Center

Text: Christian Tröster; Fotos: MVRDV; Apassionata/Equila; Büro-OS/Iwan Baan; Büro-OS


in Beijing vollbringt. Konstruktiv dürfte das für Scheeren
eine leichte Übung gewesen sein, verantwortet er doch
als leitender Architekt schon das CCTV Center in Beijing,
eines der spektakulärsten Gebäude der vergangenen
Jahrzehnte. Beim Guardian Art Center bestand die Her-
ausforderung darin, dem Volumen die Schwere zu nehmen
und es in die kleinteilige Umgebung nahe der Verbotenen
Stadt einzupassen. Insgesamt gibt es fast 30 000 Qua-
dratmeter überirdische und 26 000 Quadratmeter unter-
irdische Flächen, darin untergebracht sind neben 120
Hotelzimmern Auktions- und Ausstellungssäle, Büros,
Restaurants und ein Buchladen.

82 2/2018
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LICHTARCHITEKTUR

BAUEN
mit LICHT
Tageslicht ist das Medium, zu dem sich jedes
Bauwerk verhalten muss. Nur wenige Architekten
verstehen, damit meisterlich umzugehen –
sie erschaffen Räume von mystischer Schönheit.

84 2/2018
1/2018
Der Louvre von Abu Dhabi
zeigt sich nach außen flach
gewölbt wie ein Schildkröten-
panzer. Doch die Kuppel
mit einem Durchmesser von
180 Metern ist lichtdurchläs-
sig. Darunter inszenierte
Architekt Jean Nouvel einen
grandiosen Raum, der von
Lichtstrahlen und erhabener
Schönheit geprägt ist.

TEXT christian tröster

AW Architektur&Wohnen 85
LICHTARCHITEKTUR

E s ist eine Kuppel, wie


sie die Welt noch nicht gesehen hat. 36
Meter hoch, aber mit unglaublichen
180 Metern Durchmesser wölbt sie sich
schützend über eine Ansammlung wei-
ßer Gebäude, die mit ihrer Geometrie
an eine arabische Altstadt erinnern. Still
schwappen die Wasser des Golfs an die
Stufen dieses Ensembles und darüber,
durch die Kuppel hindurch dringen ein-
zelne Sonnenstrahlen – ein „Regen aus
Licht“. So jedenfalls beschreibt es der
Schöpfer des Komplexes, der Architekt
Jean Nouvel, während sein Blick hinauf
an die Wölbung des Domes wandert und
er aufzählt, was er von der Wüste gelernt
hat. „Vor allem die Schönheit der Weite
und des unendlichen Horizonts“, sagt er, „und die Jean Nouvel, ebenfalls mit dem Pritzker-Preis aus-
Poesie von Sand, Wind und Licht.“ gezeichnet, stellt fest: „Wenn ich eine Obsession
Unübersehbar ist der Louvre von Abu Dhabi hätte, dann wäre das Licht.“ Und er erklärt dann
eine Architektur nicht nur aus Stahl und Beton, sein neuestes Prestigeprojekt, den Louvre von Abu
sondern auch aus Licht und Schatten. Und weil Dhabi: „Das Licht wird durch die Schichten des
Jean Nouvel deren Präsenz dramatisiert und in- Domes gefiltert.“ Durch dessen Gitter fallen einzel-
szeniert, macht der Bau das Selbstverständliche ne Lichtstrahlen, die sich als Punkte über Böden
sichtbar: Tageslicht ist das Medium, zu dem sich und Wände ergießen. Das alles, sagt der Architekt,
jedes Gebäude verhalten muss – ohne Licht geht „schafft einen dynamischen Zyklus. Der Schatten
nichts in der Architektur. Was zunächst klingt wie bewegt sich konstant entsprechend der Tages- und
eine Plattitüde, ist eine Wahrheit, die gern über- Jahreszeiten.“ Das Museum ist auf diese Weise in
sehen wird. Form, Funktion und Grundrisse von die Natur eingebunden und überhöht sie zugleich
Gebäuden werden ausgiebig diskutiert, Kosten und zu einer erhabenen, kulturellen Aussage.
Energieersparnis akribisch bewertet. Aber wann Damit setzt Jean Nouvel ein Zeichen, das nicht
wird über das natürliche Licht gesprochen, das alle an der Tagesordnung ist. „Leider“, sagt die Lichtpla-
Gebäude umgibt, durchdringt und gestaltet? nerin Ulrike Brandi, die kürzlich im benachbarten
Vielleicht braucht es Ausnahmefiguren wie Doha gearbeitet hat, „wird Licht in vielen Fällen nur
den amerikanischen Pritzker-Preisträger Steven technisch bewertet.“ Die Hamburgerin, die zu den
Holl, um dem Tageslicht seinen Platz in der Ar- Pionieren ihres Fachs gehört und Lichtkonzepte
chitektur zuzuweisen. „Wenn Leute mich fragen, von der Elbphilharmonie bis zur Rotterdamer
mit welchem Material ich am liebsten arbeite“, Centraal Station realisiert hat, ist in ihrer Arbeit
sagt er, „dann antworte ich: mit Licht! Die Arbeit häufig mit starren Vorschriften zur Beleuchtung
mit Licht hat mich schon immer fasziniert.“ Und konfrontiert – es geht darin um Arbeitsplatzsi-
cherheit, Verkehrswege, Gesundheit und Energie.
Das alles sei wichtig, sagt die Planerin, „aber der
gestalterische Aspekt wird dabei häufig übersehen.“
Welche Bandbreite das architektonische Licht-

86 2/2018
THE LOUVRE ABU DHABI

Die Kuppel des Louvre in Abu


Dhabi ist kunstvoll durchbro-
chen. Dadurch ergeben sich
Lichtpunkte, die im Laufe des
Tages und der Jahreszeiten
ihre Bahnen auf den darun-
terliegenden Gebäudekuben
ziehen. Nach dem gleichen
Prinzip, nur rationaler geord-
net funktioniert die
Verschattung mittels eines
streng geometrischen Gitters.

AW Architektur&Wohnen 87
LICHTARCHITEKTUR

Das Maggie’s Centre von Steven


Holl fügt sich passgenau in die
kleinteilige Bebauung des Londoner MAGGIE’S CENTRE LONDON
Zentrums ein. Die Fassade aus weiß
mattiertem Glas schafft innen eine
gedämpfte Tageslicht-Atmosphäre.

88 2/2018
Nur im Erdgeschoss öffnet
sich das Maggie’s Centre zur
Umgebung hin. Darüber
sorgt opakes Glas für Licht
ohne harte Schatten. Einzelne
Farbflächen setzen in der
milchigen Fassade kleine
Akzente. Direkt hinter dem
Glas liegt eine Betonstruktur,
die sich abends und
„Mit welchem nachts als grafisches Muster
in der Fassade abzeichnet.

Material ich am
liebsten arbeite ?
Mit Licht!”
STEVEN HOLL

AW Architektur&Wohnen 89
LICHTARCHITEKTUR

Die Fenster
der Kirche saugen
das Licht von
allen Seiten an.

90 2/2018
Das Tageslicht fällt sanft,
fast streichelnd durch
die Altarwand der Kirche
ein. Dabei scheint es
ein Beratungszentrum für Kreb-
durch die Ausrichtung der
Lichttrichter aus sieben spatienten und deren Angehörige.
verschiedenen Richtungen Das Gebäude ist mit einer Fassade
zu kommen. verschleiert aus weiß mattiertem Glas versehen.
und mystisch überhöht. Sie schirmt das Haus gegen die
eng bebaute, historische Altstadt
von London ab und lässt dennoch
genug Tageslicht ein. Die opake
Fassade sorgt für sanftes Licht ohne
harte Schatten und wenn abends
die Leuchten eingeschaltet werden,
glimmt das ganze Gebäude sanft
in seine Umgebung hinein. Farbige
Elemente in der Fassade sowie von in-
nen durchscheinende Betonstützen
gliedern die ansonsten einheitliche
Fassade und verleihen ihr eine zarte
Dynamik.
Dass man mit Tageslicht auch
ganz anders und nicht weniger poe-
tisch umgehen kann, zeigen Kazuyo
Sejima und Ryue Nishizawa vom
Tokioter Büro SANAA mit ihrem
River Building. Dessen Transparenz
ist der größtmögliche Gegensatz zu
SANTA MONICA MADRID der Verschlossenheit des Maggie’s
Centre. Wie ein Fluss schlängelt sich
der Bau durch das Gelände der Grace
Farm in New Canaan/Connectitut
und weitet sich an manchen Kurven
wie zu kleinen Seen aus. Das Haus
design haben kann, hat ihre Kollegin Marilyne dient als Gemeindezentrum, in dem Naturerlebnis,
Andersen aufgezeichnet. Die Professorin an der Erholung und gemeinschaftliches Erleben möglich
Polytechnischen Hochschule in Lausanne hat das werden sollen. Sein durchgehendes Dach scheint
Tageslicht zwischen zwei Extremen vermessen. zu schweben, ein Effekt, der durch feine Stützen
Das eine Ende der Skala besteht demnach in direk- und eine voll verglaste Fassade entsteht. Die Wände
ter Sonneneinstrahlung bei klarem, blauem Him- im Inneren sind weitgehend entmaterialisiert und
mel – ein Licht, das harte Konturen schafft und bestehen so weit wie möglich ebenfalls aus Glas.
die Energien der Menschen aktiviert. Am anderen Doch was da so leicht aussieht, ist energetisch
Ende steht das diffuse Licht eines bedeckten Him- schwer zu managen – schließlich sollte die Sonne
mels. Es führt zu einer gedämpften Atmosphäre das Gebäude nicht wie ein Gewächshaus auf hei-
und beruhigt die Seele. Aus dieser Analyse leiten zen. Berechnet wurde das Energiekonzept für das
Andersen und ihre Kollegin Siobhan Rockcastle River Building von der deutschen Firma Transso-
zehn architektonische Grundtypen ab: von solchen lar. Die Stuttgarter Ingenieure stellten fest, wie
mit präzisen und starken Schattenkontrasten in ih- weit das Dach an welchen Positionen überstehen
rem Inneren bis zu jenen, die völlig mit weichem, müsse, um angemessene Verschattung und gutes
indirektem Licht arbeiten. Licht zu erreichen. Sie berechneten die Thermik
Besonders Steven Holl ist dafür bekannt, dass an den gekrümmten Scheiben, überprüften meh-
er gedämpftes und gefiltertes Licht einsetzt – er er- rere mögliche Heizungsvarianten und empfahlen
hielt für seine sensible Arbeit den Daylight-Award schließlich ein Kunstlichtsystem, das über Senso-
der Velux-Foundation. Das jüngste Beispiel seiner ren auf das Umgebungslicht reagiert.
Lichtarbeit ist das Maggie’s Centre in London, Traditionell wichtig ist der Umgang mit na-
türlichem Licht für sakrale Gebäude. Eine originel-
le und sehr zeitgenössische Lösung fanden die Ar-
chitekten Ignacio Vicens und José Antonio Ramos
in einem Vorort von Madrid. Dort haben sie die

AW Architektur&Wohnen 91
LICHTARCHITEKTUR

Viele Glasflächen be-


deuten viel Tageslicht,
viel Tageslicht verursacht
Wärmeeintrag. Und
der ist nur begrenzt
erwünscht, schließlich
ist ein Gemeindezentrum
kein Gewächshaus.

92 2/2018
GRACE FARM NEW CANAAN

Für die Grace Farm, die die


japanischen Architekten
Kazuyo Sejima und Ryue
Nishizawa entwarfen, wurde
ein ausgeklügeltes Energie-
konzept entwickelt. Das

Die Wände des betrifft sowohl die Thermik


an den gebogenen Scheiben
wie die Dachüberstände,
Gebäudes wirken die genau berechnet wurden,
um die Räume optimal
zu verschatten.
entmaterialisiert.
Das Dach scheint
zu schweben.

AW Architektur&Wohnen 93
LICHTARCHITEKTUR
Kirchenbauten schon immer die Gebetsrichtung
Osten vorschreiben – ausgerichtet zum Sonnen-
aufgang. Ein besonders schönes Beispiel für die
sakralen Lichttraditionen ist die kleine Bait Ur
Ostseite der Kirche Santa Monica zu skulpturalen Rouf Moschee in Bangladesch. Der Architektin
Schwüngen ausgearbeitet. Die expressiven Formen Marina Tabassum, die ihr Büro in Dhaka betreibt,
aus Corten-Stahl funktionieren nicht nur nach au- gelang mit bescheidenen Mitteln und lokalen
ßen als urbanes Großzeichen, sondern filtern das Handwerkern ein poetischer Lowtech-Bau. Ta-
Licht nach innen in irritierender Weise – es scheint geslicht ist in dem komplex konstruierten Raum
aus sieben verschiedenen Richtungen zu kommen. das prägende Moment – von dem abgeschatteten
Ein Eindruck, der den gewohnten Effekten substan- Arkadengang am Eingang über durchbrochene
ziell widerspricht, die Herkunft des Lichtes wird Ziegelwände bis hin zu einem Lichtschlitz, der im
hier zugleich verschleiert und mystisch überhöht. Gebetsraum die Richtung nach Mekka weist. Die
Referenzpunkt dafür sind liturgische Aspekte, die Architektin erhielt für dieses Werk 2016 den Aga
Khan Award. Mit ihrer Moschee schließt
sich auch der Kreis zu Jean Nouvel und
seinem Louvre in Abu Dhabi. Schon
mit seinem meisterlichen Frühwerk,
dem Institute du monde arabe in Paris,
hatte Nouvel sich 1987 von der ara-
bisch-muslimischen Architektur inspi-
rieren lassen, genau wie Marina Tabas-
sum heute für ihre Moschee. Mit dem
Museum der Weltkunst im Emirat kehrt
Nouvel an diese Wurzeln zurück. In der
arabischen Kultur, erläutert er, sei es
ganz alltäglich, gefiltertes und gebro-
chenes Licht zu erleben. „Ich wollte“,
bekennt er, „keine typisch westliche
Museumsatmosphäre mit weißen Wän-
den und weißen Sockeln.“ Und schließt
dann: „Es ist nicht nur ein funktionales
Gebäude. Es hat eine symbolische und

Fotos: Louvre Abu Dhabi by Roland Halbe (3), Iwan Baan (6), Pablo Vicens (2), Aga Khan Trust for Culture/Rajesh Vora (3)
sogar eine spirituelle Bedeutung“, – und
die verdankt es vor allem dem Licht. –

Die Bait Ur Rouf Moschee


in Dhaka bietet eine
raffinierte Lichtregie.
Die Gebetsrichtung
nach Mekka wird durch
einen Lichtschlitz in der
Wand markiert.

94 2/2018
Das Tageslicht wird in der
Moschee geradezu
bildhauerisch eingesetzt.
Die künstlerischen Mittel
sind durchbrochenes Mauer-
werk, das auch für Belüftung
sorgt, und abgerundete
Ecken für sanftes Seitenlicht.
Kleine Öffnungen im Dach
schließlich streuen poetische
Lichtpunkte über den Boden.

BAIT UR ROUF MOSCHEE DHAKA

AW Architektur&Wohnen 95
LICHTARCHITEKTUR

WAS WIEGT
eine
e IDEE?

Junya Ishigami befreit die Architektur vom


Gewicht des Materials. Der Japaner
lässt massige Volumen schweben und Räume
(fast) aus dem Nichts entstehen.
TEXT martin tschechne

96 2/2018
KAIT INSTITUTE, JAPAN
Wie ein Wald aus Bambus-
stangen: 305 Säulen stützen
das Dach im Erfinderzentrum
der Technischen Universität
von Kanagawa im Groß-
raum Tokio-Yokohama. Jede
von ihnen ist minutiös
berechnet, keine zwei sind
gleich in Profil und Dicke. Der
Effekt: lichte Helligkeit und
Offenheit auch im Inneren
des rund 2000 Quadratmeter
großen, von Glaswänden
eingefassten Raumes.

HOPE, KOPENHAGEN
Eine sinnliche Erfahrung von
Stille und Frieden: Das soll
das House of Peace vermit-
teln. Besucher bewegen sich
auf Booten durch die schwe-
bend weiße, auf dem Wasser
des Nordhafens ruhende
Struktur gegenüber dem 2013
eröffneten Zentrum der Ver-
einten Nationen. Ishigami
entwarf das Bauwerk gemein-
sam mit dem dänischen Team
von Svendborg Architects.

AW Architektur&Wohnen 97
LICHTARCHITEKTUR

hin und her dirigieren. Zwei Jahre zuvor, er hatte


sich gerade von seinen Lehrern Kazuyo Sejima
und Ryue Nishizawa und deren Architekturbüro
SANAA verabschiedet und sich mit einem eige-
nen Büro selbstständig gemacht, war er in einer
Kunstgalerie mit einem Tisch aufgetreten, der ihn
berühmt machen sollte: Die knapp zehn Meter
o der Geist aufsteigen soll, da braucht er Licht. lange Stahlplatte war gerade drei Millimeter dick,
Da engen Wände ihn ein, Schatten stoßen ihn ab. ruhte auf vier Beinen, ohne Zargen, ohne Wangen,
Ein schweres Dach hielte ihn am Boden. Wo also und bog sich trotzdem nicht unter der Last der
der Geist abheben und fl iegen soll, da muss die Töpfe, Schüsseln und Teller, die auf ihr verteilt
Architektur ihm Raum und Freiheit geben, sich waren. Und auch, wenn das ganze Arrangement
zu bewegen. zu schwingen und zu tanzen begann, sobald auch
Draußen stehen Kirschbäume in strahlender nur ein Weinglas davon aufgenommen wurde – für
Blüte; drinnen ragen Stäbe auf, zart und filigran die Besucher stand fest: Der Mann kann zaubern.
wie die Stangen eines Bambushains und – ebenso Kann er natürlich nicht. Für den Tisch hatte
wie diese – scheinbar zufällig hingestreut, keiner Ishigami die Möglichkeiten des Materials und der
Ordnung folgend, zumindest keiner erkennbaren. Statik bis an die Grenzen ausgereizt. Ebenso beim
Durch lange, breite Streifen in der Decke strömt
Oberlicht herein. Und zwischen dem Innen und
dem Außen: so gut wie nichts. Glas, fünf Meter
hoch, randlos und unsichtbar. Weniger Gehäuse
geht eigentlich nicht. A
Es ist taghell in diesem Erfinderzentrum der xtre
Technischen Universität von Kanagawa am westli- chin
chen Rand der Metropolregion Tokio. Arbeitstische dong
und Stühle stehen über den lichtgrauen Boden zu s
y. Si
verteilt, ein paar Kübel mit Pflanzen dazwischen;
ab
ihre Ordnung erzählt von der Arbeit, die hier zwi
getan wird. Da grübeln angehende Ingenieure an nW
einem Projekt, da diskutieren sie, zeichnen oder ch
bauen ein Modell, rücken zusammen oder ziehen er
sich auf ihre eigenen Gedanken zurück. Das alles ssc
ech
spontan und flexibel, jederzeit und ohne Aufwand.
Rund 2000 Quadratmeter groß ist dieser Raum,
Werkstatt und Forum zugleich, Studierstube und
Kommunikationszentrum. 305 schlanke Säulen
stützen und sichern ihn, und keine zwei von ih-
nen sind identisch. Doch „Raum“ wäre schon das
falsche Wort. Es ist ja alles offen.
„Ich möchte Grenzen verwischen, am liebsten
sie ganz verschwinden lassen“, sagt der Architekt
Junya Ishigami. Er ist 1974 geboren, ein freundli-
cher, eher scheuer Mann, der sich zum schwarzen
Anzug gern ein Hütchen auf die Haare drückt –
und es ist ihm klar, dass er für seinen Anspruch
auch manches Gesetz herausfordern muss, das
von der Natur selbst aufgestellt worden ist. „Ich
suche nach einem Weg, mich von der Geometrie
abzusetzen. Eigentlich von allen Regeln.“
Sein Publikum verblüffte er 2007 mit einem
Quader aus schillerndem Aluminium, der fast das
gesamte Foyer des Museums für zeitgenössische
Kunst in Tokio ausfüllte. Die mehr als eine Tonne
schwere Konstruktion aus Metallstreben und po-
lierter Außenhaut war mit Helium gefüllt – und
schwebte! Besucher des Museums konnten den
fünf Stockwerke hohen Klotz mit der Fingerspitze

98 2/2018
„Ich träume
davon, dass Grenzen
verschwinden.“
JUNYA ISHIGAMI

VIJVERSBURG, HOLLAND
Eins mit der Natur: Der
gläserne Pavillon im Park
Groot Vijversburg bei
Leeuwarden in den Nieder-
landen – konzipiert mit dem
Rotterdamer Studio MAKS –
fügt sich wie eine Zelle mit
langen Armen in seine grüne
Umgebung. Als ultimative
Geste des Respekts haben
CUBOID BALLOON, TOKIO
die Architekten den Boden
So hoch wie fünf Stockwerke, knapp einen Meter unter das
eine Tonne Material – und Niveau des Parks gelegt.
doch mit einem Finger zu
bewegen: Dank einer Füllung
aus Helium konnte Ishigami
seinen Quader aus Aluminium
schweben lassen. Mit der
2007 im Museum für zeitge-
nössische Kunst in Tokio
gezeigten Arbeit dokumen-
tierte er erstmals seinen
Anspruch, die Architektur von
aller Schwere zu befreien.

AW Architektur&Wohnen 99
LICHTARCHITEKTUR

Der Gewinn ist Licht. Es strömt und


fließt, weil fast nichts sich ihm in den Weg
CLOUD ARCH, SYDNE
stellt. Und auch, wo die Bauten sich in
Dem Himmel verbund
Wolkenbogen soll sic einer härteren Realität bewähren müssen
2019 in einer weit aus als vor den Augen einer erwartungsfrohen
den Schlaufe 58 Mete Avantgarde in Galerie oder Museum – ihre
das Stadtzentrum von Offenheit und poetische Leichtigkeit bleibt
erheben. Als sich hera
ihnen erhalten. Im Park Groot Vijversburg
stellte, dass der Bode
der George Street nic
bei Leeuwarden in den Niederlanden zum
genug war für die filig Beispiel: Ishigami erschloss ihn durch
Skulptur, mussten For ein Besucherzentrum, das sich wie eine
Struktur des Bogens atmende Zelle mit weit ausgreifenden
Armen in die grüne Umgebung fügt, um
schließlich ganz in ihr aufzugehen. Oder
in einer Vorstadt von Tokio, wo er einem
jungen Paar ein Haus entwarf, das den
Garten kurzerhand ins Wohnzimmer holt.
Eine Insel im Häusermeer.
Ein Kindergarten, dessen Räume und
Funktionen fließend ineinander überge-
hen. Ein Altenheim für Demenzkranke,
in dem das Gestern greif bare Gegenwart
besitzt: Gesten einer warmen Empathie für
DER ARCHITEKT das Leben. In Kopenhagen das „House of
Junya Ishigami, geboren 1974 in Kana- Peace“, das alle Geometrie in den weichen,
gawa/Japan, arbeitete nach dem Studium
mit der Architektin Kazuyo Sejima in ihrem
ephemeren Formen einer Wolke auflösen
Büro SANAA zusammen. Seine Werkschau soll; der „Cloud Arch“ in Sydney, der den
„Freeing Architecture“ läuft vom 30. März Himmel in einer einzigen, weit ausge-
bis 10. Juni in der Fondation Cartier, Paris. schwungenen Linie einzufangen scheint.
Oder der Passagierterminal, den der Archi-
tekt für den Fährhafen der südchinesischen
lichten Denktank von Kanagawa: Mehr als tausend Insel Kinmen entworfen hat: außen und innen,
Simulationen brauchte das Büro, um die Positionen die Berge und das Meer, abfahren, ankommen
und Profile der Stützen zu berechnen. 42 von ihnen und bleiben – „am liebsten“, so hatte der Architekt
stehen angewinkelt, um den Wind auszugleichen gesagt, „möchte ich alle Grenzen verschwinden
oder den Kräften eines Erdbebens zu widerstehen. lassen“.
In Japan ist das ratsam. Aber wenn dieser Meister In den Pariser Ausstellungsräumen der Fonda-
der maximal delikaten Balance sich vornimmt: so tion Cartier, mit deren weit ausgreifender Glasfas-
wenig wie möglich – dann bleiben oft wirklich nur sade schon der Erbauer Jean Nouvel die Grenzen
noch Andeutungen von Architektur, die eine Idee zum Himmel auflöst, befreit Ishigami seine Archi-
umreißen und ein Volumen definieren. tektur von aller Schwere. „Er ist ein Poet“, fasst die
In Venedig genügte eine streunende Katze, um Kuratorin Isabelle Gaudefroy zusammen, „er öffnet
eine Studie für das Weingut Château La Coste in sich den Raum zum Träumen.“ So lautet auch der
der Provence vier Tage vor Eröffnung der Bien- Titel ihrer Schau: „Freeing Architecture“. Bis zum
nale von 2010 zum Einsturz zu bringen. Seinen 10. Juni belegt sie an 20 Projekten, dass nicht die
Entwurf hatte der Architekt durch bleistiftdünne gebaute Form das Wesen seiner Kunst ist, sondern
Säulen aus Kohlefaser skizziert, verbunden durch das Konzept. Die reine, schwerelose Idee.
Querstreben, die in ihrer Masse an Zahnseide Manchmal beruft Ishigami sich auf Richard
Fotos: Junya Ishigami + Associates

hätten erinnern können. Hätten – wäre nicht der Buckminster Fuller. Der amerikanische Architekt
ganze Bau für die Besucher der Ausstellung ersetzt und Visionär pflegte seine Schüler zu fragen: „Was
worden durch das Schild „scusate, si è rotto“, leider wiegt deine Architektur?“ Der Mann aus Tokio
kaputtgegangen. Doch Ishigami konnte getröstet wäre wohl sein Lieblingsschüler gewesen. –
werden: Das Projekt wurde trotzdem mit dem
Goldenen Löwen ausgezeichnet; seine frühere
Arbeitgeberin Kazuyo Sejima, Kommissarin der
Biennale, ließ sich da nicht lumpen.

100 2/2018
IKONE DES GUTEN GESCHMACKS FINN JUHL
AND HIS HOUSE
Mit Anleihen bei der modernen Bildhauerei brachte
228 S., 183 Abb.
Finn Juhl Schwung in die dänische Möbelkunst. Die
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haus in Kopenhagen, das noch heute wie eine Zeitkapsel www.hatjecantz.de
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Monografie Finn Juhls Möbelklassiker beschrieben.
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Wohnen
& Stil

LÄSSIGE ELEGANZ
AM KAP
Die große Bibliothek ist das Zentrum
des Hauses in Kapstadt.
Wer mal nicht in Bücher gucken, sondern
den Blickwinkel verändern will,
hat hier eine gute Alternative: einen
grandiosen Blick nach
draußen. Bitte umblättern!
Foto: Robertino Nikolic

S. 104
TITELTHEMA

TEXT + P RODUK T ION jan van rossem FOTOS robertino nikolic

Die schwierige Frage, welche


Sicht man in seinem Kapstädter Haus
genießen will, hat ein Architekt
eigenwillig gelöst. Statt Berge oder
Meer entschied er sich für: UND.
Mit einem ziemlich genialen Trick.

104 2/2018
Zwischen Esstisch und Sofa
buhlen eine Archtitekturfoto-
grafie und effektvolles
Licht- und Schattenspiel um
wohlwollende Beachtung.
Meist geht der Blick aber
etwas höher – zur Liftstation
des Tafelberges. Von einer
der zahlreichen gemütlichen
Sitzecken aus überblickt
man jenseits des Pools die
City, den Hafen und den
heran- stürmenden Atlantik.

AW Architektur&Wohnen 105
„Das Dach lenkt
die Ausblicke,
als seien es
Bildkompositionen.“
GREG TRUEN

Es gibt also nicht gerade wenige Möglichkei-


ten, in der Stadt am Kap der Guten Hoffnung ein
Haus der guten Aussicht zu ergattern. Aber es gibt
nicht viele, die den Blick auf all diese Highlights
bieten. Dass dies im hier vorliegenden Fall so ist,
liegt daran, dass es Greg Truen gehört, vor allem
aber daran, dass Greg Architekt ist. Und zwar nicht
irgendeiner, sondern der sehr kreative Partner des
sehr erfolgreichen Studios SAOTA, zu dessen Na-
men er das T seines Nachnamens beigesteuert hat.
Greg Truen hat sich an der Kloof Nek Road,
der stark frequentierten Straße Richtung Tafelberg
und zu den feinen Vororten im Süden der Stadt,
ein Grundstück für seine Familie gesichert, dem
die Stadt zu Füßen liegt. Allerdings: Die Berge im
Rücken – hinter der Straße. Aber Greg Truen, ein
ausgesprochen freundlicher, gut gelaunter, grau-
haariger Mittfünfziger, hatte einen verwegenen
Plan. Der einerseits sein Haus von der dauerhaft
lauten Straße so weit es geht abschottet, es aber
andererseits genau in diese Richtung öffnet, damit
man auch das Bergpanorama genießen kann.
Das Haus versteckt sich zur Straße hin gekonnt
hinter Mauern und schmiegt sich Etage für Etage
den Hang hinab. Der eigentliche Clou ist das Dach:
ie Aussicht aus den eigenen vier Wän- Es ist nicht wie ein Spitzdach mit aufeinander zu-
den macht das Wohnen oft erst so richtig reizvoll. laufenden Hälften konstruiert, sondern über dem
In Istanbul ist es der Blick auf den Bosporus, in Zentrum des Baukörpers ein aufgesetzter Kubus
Mailand gilt als höchste Auszeichnung, wenn aus mit gläsernen Seiten, dessen Dach umgestülpt
einem Fenster, und sei es auf Zehenspitzen, die ist wie ein auf dem Kopf stehendes Trapez. „Das
„Madonnina“, das goldene Engelchen auf der Dom- funktioniert von vielen Positionen im Haus aus wie
spitze, zu erspähen ist. In Kapstadt ist es – ja was ei- ein Monitor, der die begehrten Sehenswürdigkei-
gentlich? Hier gibt es, was das „Blick-auf“-Ranking ten des imposanten Bergpanoramas präsentiert“,
angeht, eine Drängelei auf die Poleposition. Eine erläutert der Architekt. Richtung Norden den Ta-
unverbindliche Auswahl: Blick auf den Tafelberg, felberg. Richtung Westen den „Lion’s Head“. Quasi
Blick auf Signal Hill, Blick auf Lion’s Head, Blick auch noch gerahmt. Innen erzeugt das außer guter
auf den tosenden Atlantik, Blick auf den Hafen,
Blick über die Lichter der Stadt. Einziges Problem:
Man muss sich entscheiden, ob die Sicht Richtung
Bergpanorama oder aufs Meer gehen soll.

106 2/2018
Licht gibt es mehr als genug
im Haus, auch weil sich
das Dach nach oben öffnet.
Der unspektakuläre Eingang
befindet sich neben der Wand
aus Natursteinen. Erst wenn
man sich nach rechts wendet,
öffnet sich das Anwesen und
der gigantische Blick.

AW Architektur&Wohnen 107
Bequeme Sitzplätze gibt
es genügend im Hause Truen –
manches Möbelhaus wäre
stolz auf eine solche Auswahl.
Die Möbel sind Entwürfe des
Büros SAOTA, dessen Partner
Hausherr Greg Truen ist. Sie
werden unter dem Label
„OKHA“ produziert und sollen
demnächst auch in Europa
angeboten werden.

108 2/2018
Ganz Kapstadt
liegt einem hier zu
Füßen. Und die
Natur scheint ins
Haus zu Wachsen.

AW Architektur&Wohnen 109
An einem der Aussichtsplätze
im Untergeschoss stehen Tisch
und Hocker der „Sefefo Color
Serie“ von Patricia Urquiola,
die von dem Möbelmacher
Mabeo aus Botswana in Hand-
arbeit produziert werden.

Trotz der loftartigen Offenheit


gibt es viele einladende
Ecken – und obwohl das Haus
laut seinem Besitzer Greg
Truen „eigentlich zu groß ist,
kommt man sich auch alleine
nicht verloren vor“.

110 2/2018
Ob auf der Liege am Pool
oder in der Sitzlandschaft im
Wohnraum – so raffiniert
und geschmackvoll Architek-
tur und Einrichtung auch
sind, dem Ausblick ist nichts
gewachsen.

AW Architektur&Wohnen 111
Herzstück des Hauses ist
das massive Bücherregal mit
einer umfangreichen
Sammlung von Kunst-, Archi-
tektur- und Interieur-
Bänden. Die rustikale Holz-
ablage neben dem Sofa
ist der Ausläufer des Bodens,
der dem Raum zwischen
hellem Stein Struktur gibt.

112 2/2018
Von der Straße ist das
Anwesen ziemlich unauf-
fällig, aber schon bevor

„Importieren ist man die erste Stufe zum


Eingang erklimmt, wird
einem die Besonderheit

zu teuer – also der Architektur gewahr.

haben wir selbst


Möbel entworfen
und produziert.“
GREG TRUEN

Sicht auch einen reizvollen Licht/Schatten-Reflex,


der der Eingangsetage, die ein gutes Drittel der ge-
samt 830 Quadratmeter Wohnfläche beansprucht,
einen interessanten Rhythmus gibt.
Dass es sich um ein so geräumiges Anwesen
handelt, fällt nicht sofort auf. Wegen der Hanglage
ist der Platz vor dem Haus begrenzt. Wer das Haus
betritt, blickt zunächst in einen kleinen begrünten
Innenhof. Erst der Blick nach rechts gibt eine Ah-
nung des Ausmaßes und einen ersten entfernten
Eindruck vom fantastischen Ausblick Richtung
Stadt und Hafen. Trotz der Größe, die sich auf
drei Etagen verteilt, „fühlt man sich nicht verloren“,
sagt Greg. Dabei gibt es wenige wirklich abgetrenn-
te Räume. Einen für die 14-jährige Tochter, einen
für Gäste, einen für das Office, dem Reich von
Carmelita, einer ehemaligen Profi-Fußballerin, die
fest angestellte Hausmanagerin bei den Truens ist.
Alles andere im Haus ist offen. Für Struktur
sorgen mal einzelne Wände, meist aber definie-
ren Möbelgruppen, Rückseiten von (Küchen-)
Einbauten und – sehr raffiniert – unterschiedliche
Fußböden den offenen Raum. Der graue Stein
am Boden wechselt sich mit hellen Wollteppichen
ab, wird aber auch mal unterbrochen von einem
Streifen aus massiven Holzbrettern, die die Etage fein abgestimmte Möblierung sieht. Aber ganz
der Länge nach durchziehen, um dann im abge- stimmt der Verdacht nicht, dass natürlich die
treppten Wohnbereich neben der Sitzgruppe frei Dame des Hauses dafür verantwortlich sein muss.
schwebend als Ablage auszulaufen. Ein Großteil der Möbel sind Entwürfe des Studios
Auch das Schlafzimmer von Greg und seiner SAOTA, stammen also zum Teil aus der Feder von
Frau Liz ist eine offene Angelegenheit. Trotzdem Greg. „Wir haben in Südafrika einfach nicht die
wirkt es privat. Liz balanciert lachend auf dem Möbel gefunden, die uns vorschwebten“, sagt Greg.
Poolrand vor dem Schlaf- und Wohnraum. Sie „Importieren ist zu teuer. Also haben wir selbst
ist eine lebenslustige Frau, beruflich maßgeblich entworfen und produziert.“ Vereinfacht gesagt:
involviert in die südafrikanische Wohnmedien- Moderne Interpretationen des Mid-Century-
Landschaft. Das glaubt man sofort, wenn man die Styles. „Aber mehr die L.A.-Version als die dänische
Variante“, ergänzt Liz. Sie hat ihre Lieblingsstücke
von SAOTA für das Haus kuratiert und wohnlich
arrangiert. Da haben sich die Geschmäcker beider
hervorragend getroffen. –

AW Architektur&Wohnen 113
R AUMKONZEP T

LICHT im
T
Wie öffnet man dunkle Altbau-
räume zum Licht? Mit einem
Schacht! Valentina Giampiccolo
und Giuseppe Minaldi,
zusammen Studio Gum, schufen
im sizilianischen Ragusa eine
Symbiose aus Alt und Neu.

TEXT sandr a got t wald FOTOS filippo bamberghi

114 2/2018
Durch die Öffnung nach
oben dringt Tageslicht in das
Entree, dessen erste Stufen
in den anstehenden Fels
geschlagen sind. Rechts und
links vom Eingang liegen
zwei Gästezimmer. Am
Äußeren des alten Hauses
änderte das Architekten-Duo
Valentina Giampiccolo und
Giuseppe Minaldi (links im
Bild) kaum etwas, sie frischten
nur die gelbe Fassade auf.

AW Architektur&Wohnen 115
R AUMKONZEP T

Über die alte Naturstein-


treppe gelangt man in
den offenen Wohnraum.
Nach Norden schließt das
Schlafzimmer der Hausherren
an, nach Süden liegen
die Küche sowie ein Studio,
das als Homeoffice und
Gästezimmer genutzt wird.

116 2/2018
DER AUFTRAG Die Prioritätenliste der Bau-
herren – ein Unternehmerpaar aus Turin, das
sich für die Zukunft ein Domizil am Heimatort
des Signore wünschte – war von Beginn an gesetzt.
Das neu erstandene Haus sollte eine Dachterrasse
DIE VORAU USS SE ZUNGEN In einer wunder- bekommen, die der exponierten Hanglage des Ge-
schönen Baarock cksta t wie Ragusa zu wohnen hat bäudes gerecht wird. Es eröffnet sich den Besitzern
viele Vort
rteil
ile: Das eben ist trotz steigender Besu- nämlich ein spektakuläres Panorama nach Osten
cherzahlen tranqu llo, die Immobilienpreise sind
cherzahl über die historische Altstadt von Ragusa Ibla sowie
ailand und Turin moderat und die umliegenden Hügel des Val di Noto. Unver-
die Region mit ihren Bauwerken ist so einzigartig, bauter Blick? Für das aus der Großstadt kommende
dass die Städte des Val di Noto seit 2002 als Weltkul- Ehepaar ein seltener Luxus! Zudem träumte man
turerbe unter dem Schutz der UNESCO stehen. Aber von einem gläsernen Aufzug, der die Bewohner per
ebenda beginnt auch das Dilemma. Denn wer in Knopfdruck in luftige Höhen trägt und zugleich
Catania, Noto oder Ragusa ein denkmalgeschütztes alle Ebenen des Hauses mit Licht durchflutet.
Haus modernisieren will, braucht Geld, Geduld – Und last but not least standen zwei separate Gäs-
und versierte Gestalter. Solche wie Valentina Giam- tezimmer für Freunde sowie die drei erwachsenen
piccolo und Guiseppe Minaldi von Studio Gum aus Kinder und deren Familien auf der Wunschliste.
Ragusa. Seit 2010 hat das Architekten-Duo ein gutes DIE UMSETZUNG Das Dach über dem Wohn-
Dutzend typisch sizilianischer Altstadtgebäude mit raum war bald geöffnet, die Ebene oberhalb der
Licht und zeitgemäßem Komfort ausgestattet. Ihre alten, in den Berg gehauenen Kalksteinstufen
Prämisse? So viel wie möglich vom Charakter abgerissen und mit ihr die steile Treppe, die einst
und der Substanz des Hauses erhalten. Und daher zum Attika-Dach hinaufgeführt hatte. „Dann
sieht man ihrem jüngsten Projekt, der Casa kam die Entscheidung, erst einmal auf den Lift zu
Santa Maria, die neben der gleichnamigen Kirche verzichten“, sagt Valentina Giampiccolo. „Zu teu-
am östlichen Rand des Hochplateaus von Ragusa
Superiore in den Fels gebaut wurde, von außen
nicht an, welche Metamorphosen sich hinter den
rund 300 Jahre alten Mauern vollzogen haben.

AW Architektur&Wohnen 117
R AUMKONZEP T

er, zu aufwendig“, erläutert ihr Partner Giuseppe


Minaldi. Die beiden Architekten schlugen vor,
dem neu gewonnenen Lichtschacht eine gestalte-
rische und funktionale Struktur zu geben – eine
Art Raum im Raum, durch seine Dimensionen das mattschwarze Gebilde an den Geschossdecken,
definiert und gleichzeitig zu jeder Tages- und sodass es im Eingang frei hängend über einer grü-
Jahreszeit Licht und Luft hereinlassend. „Die nen Oase mündet. „Aufgrund der Öffnung nach
Gitterstruktur zieht sich wie ein Rückgrat durchs oben bekam das Entree eine veränderte Lichtsitu-
Haus“, erklärt Giampiccolo, „vom Erdgeschoss bis ation“, sagt Minaldi. „Wie ein erfrischender Patio.“
unters Dach.“ Die maßgefertigte Metallkonstruk- DER STIL Natürlich erhielt das Paar aus Turin
tion ist eine moderne Interpretation historischer auch seine zwei individuell gestalteten Gästezim-
Scherengitter. Um sie herum steigen Bewohner mer mit eigenem Zugang. Hier zeigte sich, wie
wie Besucher nun über Stufen aus Lochstahl zur Studio Gum das kontrastreiche Spiel mit Alt und
Terrasse empor. Entlang des Treppenaufgangs ist Neu, mit Ästhetik und Funktion beherrscht: Für
das Rhombenmuster des Gerüsts engmaschiger die Bäder von „Opuntia“ und „Arancia“ setzten die
und dient gleichzeitig als Handlauf. Fixiert wurde beiden Architekten jeweils einen strengen Kubus
in die hohen Gewölberäume. Die Außenseiten
dieser Bad-Boxen ließen sie mit großen grafischen
Kakteen- und Orangenmotiven tapezieren. „Für
uns symbolisiert das den sizilianischen Garten“,

118 2/2018
„Tapeten mit Orangen-
und Kakteenmotiven
symbolisieren für uns einen
sizilianischen Garten.“
VA L E N T I N A G I A M P I C C O L O

Anstatt des geplanten


Aufzugs durchzieht nun eine
schmucke Gitterkonstruktion
den Lichtschacht des alten
Gebäudes. Sie verbindet
die Ebenen optisch mitein-
ander und dient gleichzeitig
als Brüstung und Geländer
für den Treppenaufgang.
Pendelleuchten im
Inneren beleuchten die
Stockwerke am Abend.

Moderner Kubus in histori-


schem Gewölbe: Die Bäder
der beiden Gästezimmer
im Erdgeschoss wurden mit
salbeigrünen Metrofliesen
ausgestattet. Die Tapete auf
der Außenseite zeigt Blüten,
Blätter und Früchte der
sizilianischen Blutorange.

119
Das Studio im südlichsten
Teil des Hauses wird
auch als Gästezimmer
genutzt. In dem raumhohen
Wandschrank, der mit
einem himmelblauen Wolken-
motiv bemalt ist, verbergen
sich ein kleines Bad
und jede Menge Stauraum.
Manche Kammer ist nur
über die eigens entworfene
Stahlleiter zu erreichen.

120 2/2018
sagt Giampiccolo. Natürlich verbirgt sich dahinter
modernster Wohnkomfort – mit bodengleicher
Dusche, WC und Bidet. Im Studio des Hausherrn
auf der ersten Etage wird das Gum-Prinzip noch
deutlicher, denn dort treffen historische Architek-
tur- auf romantisch gestaltete Funktionselemente:
Fragmente freigelegter Säulen und Kapitelle sind
Zitate aus der Geschichte des Barockgebäudes,
während vis-à-vis ein neuer, raumbildender Wand-
schrank zeitgemäße Ansprüche erfüllt. Was tra-
gend war, wird zum Relikt, während das Bad und
wertvoller Stauraum hinter einer himmelblauen
Illusion aus Wolken und Schwalben verschwindet.
DAS ERGEBNIS Gestern und heute in einen
spannenden Kontrast zu setzen gehört zu den
großen Stärken von Studio Gum. Das haben
die beiden Architekten zuletzt bei der Um-
gestaltung des Boutique-Hotels „Asmundo di
Gisira“ in Catania gezeigt, in dem sie die herr-
schaftlichen Räume des um 1750 entstandenen
Stadtpalazzo in phantasievolle Erlebniswelten
verwandelten. Das Projekt „Santa Maria“ in Ragusa
war zwar einige Nummern kleiner, das Resultat
aber kann sich ebenso sehen lassen. Von außen
bleibt die neue Lebensqualität des Gebäudes
erstaunlich unsichtbar – bis auf die Terrasse, die
sich ganz selbstverständlich in die ortstypische
Dachlandschaft einfügt. Auf sie zu verzichten
wäre allerdings verrückt gewesen. Und sollten
sich die Eigentümer eines Tages tatsächlich doch
noch entschließen, einen Lift einzubauen, wird das
kreative Architekten-Duo bestimmt wieder eine
faszinierende Lösung finden. –

2
10 4 11 4
3 1 Haupteingang DIE ARCHITEKTEN VALENTINA GIAMPICCOLO UND
1 3
2 Seiteneingang GUISEPPE MINALDI, STUDIO GUM
3 Gästezimmer 2010 gründeten die beiden sizilianischen Architekten ihr
4 Bäder Büro in Ragusa. Seither hat sich Studio Gum durch den
5 Küche/Essbereich gewagten Um- und Ausbau historischer Gebäude einen
6 Wohnraum Namen gemacht. Mutig, zugleich behutsam, aber stets stilsi-
8 11
4 7 Masterbedroom cher setzen sie moderne Strukturen in stuckverzierte Palazzi,
4 5 8 Studio ergänzen alte Gebäude mit zeitgemäßer Architektur.
6 7 9 Dachterrasse Ihr bislang prominentestes Projekt war das Boutique-Hotel
10 Hauswirtschaftsraum „Asmundo di Gisira“ in Catania, dem sie im Innern einen
11 Treppenhaus komplett neuen eigenen Look verpassten. studiogum.it
Fotos: Filippo Bamberghi/Photofoyer

DATEN UND FAKTEN „CASA SANTA MARIA“ IN RAGUSA


Das Privathaus wurde 2017 nach zwei Jahren Umbauzeit
9 fertiggestellt. 200 Quadratmeter Wohnfläche verteilen
sich auf drei Ebenen: Die untere umfasst das in den Berg
gebaute Entree plus zwei separate Gästezimmer.
Auf der zweiten liegen Wohn- und Schlafraum, Küche
11 sowie ein Arbeitsstudio. Über allem thront eine
25 Quadratmeter große neu angelegte Dachterrasse, von
der aus man einen atemberaubenden Blick über das
Val di Noto und die historische Altstadt von Ragusa hat.

AW Architektur&Wohnen 121
KOLUMNE

Wer mag’s old-fashioned,


üppig und floral? Ob Bade-
wanne oder Bett – Opulenz
beseelt hier das Ambiente.
Meike Winnemuth will wis-
sen, wer der Hausherr ist
– und betreibt Spurensuche.

122 2/2018
Meike Winnemuth fragt sich:

„WER WOHNT
DENN DA?“
Preziosen vergangener Zeiten sorgsam inszeniert,
fast kuratiert. Das Ganze wirkt wie der Filmset für eine
Salonkomödie aus dem 19. Jahrhundert. Könnte
das Londoner Townhouse eines Gentlemans sein, meint
unsere Autorin – und trifft’s nicht (ganz).
FOTOS bruce buck

AW Architektur&Wohnen 123
KOLUMNE

Wohnt hier ein Jäger und Sammler?


Ein Wertschätzer, der Sehnsucht hat nach Bärenfell auf Chester-
field-Sofa – liegt hier des
einer Zeit, da alles neu und aufregend war. Abends vielleicht der
Kurator vom Natural History
Museum und studiert ana-
tomische Kunstzeichnungen
und Fachbücher über
die Kunst des Ausstopfens?

EINES MEINER LIEBSTEN Museen ist


Sir John Soane’s Museum in London, das
Heim eines Architekten und obsessiven
Sammlers, unberührt seit dem Tod des
guten Sir John vor 180 Jahren. Es ist
bis unter die Decke mit Architektur-
modellen, Zeichnungen, Statuen, einem
Alabaster-Sarkophag von Sethos I. und
anderen Preziosen vollgestopft, an der
einen oder anderen Stelle muss man
den Bauch einziehen, um unbeschadet
durchzukommen. Keine Wunderkam-
mer, sondern ein Wunderhaus – sogar
drei zusammenhängende Häuser, als das
erste aus den Nähten platzte. Ein Besuch
hier fühlt sich an, als ob man durch das
manische Gehirn von Sir John spaziert,

124 2/2018
all seine Leidenschaften abschreitet. über sein Chesterfield-Sofa gebreitet hier kein wirklicher Forscher lebt (der
Daran musste ich als Erstes bei dieser ist, und studiert mithilfe einer vom hätte nicht so museale Utensilien), eher
Wohnung denken: Sie ist wie eine Großvater geerbten Lupe anatomische jemand, den eine große Sehnsucht nach
Ausstellung, eine Demonstration von Tuschezeichnungen. Anschließend jener Zeit erfüllt, als alles noch neu
Interessen. Nicht vollgestopft wie bei vertieft er sich in ein Fachbuch über die und aufregend war: exotische Samen-
Sir John, sondern wahnsinnig sorgsam Kunst des Ausstopfens und sinniert, ob kapseln, ein Stück Meteorit, Käfer. Ein
kuratiert. Jedes Detail, jedes Buch, je- er seinen jüngst verstorbenen Hund … Jäger, ein Sammler, ein Auf bewahrer,
der Kerzenständer, jede Pflanze, jedes aber nein. ein Wertschätzer. Auffällig ist die große
Stück Seife passt so hundertprozentig Diese Wohnung – vermutlich eher Menge an Floralem, ob in Form von
hierher, dass sich das Ganze weniger ein Townhouse, wahrscheinlich geor- lebenden Blumen oder Lampen mit
wie ein normales zeitgenössisches Zu- gianisch, möglicherweise in London Pflanzenmotiv oder kleinen Kunstwer-
hause anfühlt als wie ein Filmset, eine oder Dublin (oder ist dieser Eindruck ken oder Tapetenmustern oder Seiten
Bühne. Das Stück, das gegeben wird, ist schon Teil der Inszenierung?) – finde aus alten Botanikbüchern.
eine Salonkomödie aus dem 19. Jahr- ich schon deshalb interessant, weil sie so Wer wohnt hier also? Der Ehrenvor-
hundert: Ein kunstsinniger britischer unverblümt die Frage der Identität stellt, sitzende der Royal Horticultural Society.
Gentleman-Forscher ruht auf dem die wir uns durch unsere Einrichtung Oder ein Kurator am Natural History
selbst geschossenen Braunbärenfell, das geben. Ich gehe mal davon aus, dass Museum. Auf jeden Fall ein Gentleman.

AW Architektur&Wohnen
KOLUMNE

Vince Clarke ist ein echter


Englishman in New York. Er
und seine Frau Tracy Hurley
veranstalten gern mal
Dinnerpartys mit einer
Varietéshow oder einer
Kartenlegerin. Die Küche
hat Vince eingerichtet –
weil er am meisten kocht.

126 2/2018
Meike Winnemuth bekommt die Auflö-
sung unseres Wohnrätsels und beginnt
mit Tracy Hurley Martin eine E-Mail-
Sie wohnen hier:
Korrespondenz.
Brooklyn! Das hätte ich nicht gedacht,
Tracy Hurley Martin, ihr Mann,
das Haus wirkt so britisch.
Wir haben tatsächlich viele europäische
der britische Musiker Vince Clarke
Antiquitäten hier, mein Geschmack
geht eher in die Richtung. Die Interior-
(Depeche Mode, Erasure), und der
Designfirma Roman and Williams, die
uns bei der Einrichtung geholfen hat,
zwölfjährige Sohn leben in
hat gerade den Auftrag bekommen, einem Townhouse im New Yorker
die British Galleries im Metropolitan
Museum of Art zu renovieren. Und Stadtteil Park Slope.
natürlich ist mein Mann Engländer.
Insofern …
Meiner Erfahrung nach ist es immer nur nahmestudio voller Synthesizer und Ich fand Ihr Haus eine interessante
der eine Teil eines Paares, der oder die technischer Geräte eingerichtet. Natür- Mischung aus düster und lieblich. Ei-
sich um das Thema Wohnen kümmert. lich alles sehr ordentlich, das komplette nerseits sehr männlich, andererseits die
Wie ist das bei Ihnen? Gegenteil des restlichen Hauses. vielen floralen Motive …
Mein Mann ist ein sehr systematischer Haben Sie selbst eine musikalische Ader? Diese Mischung ist beabsichtigt, sie ent-
Mensch. Er hat sich um die Küche Ich habe Bass in einer Punkband ge- spricht genau meinem Geschmack. Die
gekümmert, weil er auch am meisten spielt. Und viele Jahre lang PR für handbestickte Seidentapete von Fromen-
kocht. Im Keller hat er sich ein Auf- verschiedene Bands gemacht. tal aus London und dann das Büffelfell …

AW Architektur&Wohnen 127
KOLUMNE

Ich mag das Theatralische daran. Ich


bin gern in Räumen, die eine gewisse
Spannung haben.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Viktorianische Opiumhöhle.
Mit Einschlag ins Morbide?
Eindeutig. Mich fasziniert das Thema
sehr. Zusammen mit meiner Zwillings-
schwester Tonya Hurley habe ich einige
Kurzfilme produziert, die sich alle um
das Thema Tod oder Geisteskrankheit
drehten. Und die Bands, die ich betreut
habe, waren aus dem Bereich Dark Wave,
das ist auch die Musik, die ich privat
höre. Ich habe vor ein paar Jahren sogar
ein Museum des Makabren gegründet,
das Morbid Anatomy Museum hier in
Brooklyn. Wir hatten Ausstellungen aus

Mit einem Mix aus düster


und lieblich beabsichtigt
Tracy Hurley Spannung in
die Räume zu bringen. Die
Frau hat in Brooklyn übri-
gens ein Museum des
Makabren gegründet und
auch schon mal ein Tier
ausgestopft … Ihr Mann
Vince Clarke setzt in „seinen“
Räumen eher auf weltliche
Freuden und Ordnungsliebe
– etwa im Keller, wo er sein
Aufnahmestudio hat.

2/2018
den Bereichen Medizin, Anatomie, Na- schön und sehr tröstlich. Gerade dieser Gelegentlich veranstalten wir Dinner-
turkunde, Pathologie, Taxidermie. Lei- geflochtene Haarkranz ist mir sehr partys mit eine Varietéshow oder einer
der mussten wir es kürzlich schließen. nah. Hier in den USA ist der Tod etwas, Kartenlegerin.
Woher stammt dieses Interesse? was man gern auslagert, etwas sehr Nachdem das Museum nun geschlossen
Es steckt vermutlich in meiner DNA. Unpersönliches. Dieser Kranz ist von ist: Was treibt Sie derzeit um?
Mein Großonkel hatte ein Beerdi- einer Familie über Monate geflochten Oh, eine Menge: Ich bereite einige
gungsinstitut. Mit meiner Oma waren worden, um an einen Hinterbliebenen Film- und Fernsehprojekte mit meiner
wir praktisch jedes Wochenende auf zu erinnern, das finde ich sehr innig Schwester vor. Wir moderieren auch
einer Beerdigung. Das Makabre ist
sozusagen ein Familienunternehmen:
Meine Schwester schreibt die Roman-
serie „Ghostgirl“. Hauptfigur: ein totes
Mädchen.
Und doch ist es was anderes, einen vik-
torianischen Trauerkranz aus Haar im
Museum anzuschauen oder ihn täglich
vom Frühstückstisch aus zu sehen …
Ich finde solche Artefakte einfach

„Unser Stil? Ich würde


sagen viktorianische Opiumhöhle
mit Einschlag ins Morbide.“
TR ACY HUR LEY M A RTIN
Fotos: Bruce Buck/Living Inside (10); Elizabeth Herring; Illustration: Karin Kellner

und berührend. Den Tod so nah an sich gerade einen Podcast namens „Stories
heranzulassen erinnert an die Kostbar- of Strange Women“, in dem wir mit
keit und Endlichkeit des Lebens. ungewöhnlichen Frauen über ihr Leben
Lassen Sie mich raten: Ihre Lieblingsfar- sprechen. Neulich war Kate Pierson von
be ist Schwarz? den B-52s zu Gast. Sehr inspirierend
Nein, Braun. und sehr lustig. –
Haben Sie schon mal ein Tier ausge-
stopft?
Oh ja! Wir hatten im Museum einige
Kurse in Taxidermie, an denen ich eben- MEIKE WINNEMUTH
falls teilgenommen habe. Dafür kamen Die Bestsellerautorin („Das
sogar Freunde aus London eingeflogen. große Los“) versucht für uns,
Haben Sie öfter Freunde zu Gast? Wie anhand einiger Fotos eines
Zuhauses die Bewohner zu
sieht ein typischer Abend in Ihrem Haus erraten. Meist geht es schief.
aus? Sie findet das lustig.
Meist so, dass mein Mann was kocht.

129
130 2/2018
Keine Schaufenster: Die Architektin Monika Unger
wohnt in diesem Mailänder Penthouse,
lädt aber auch Kunden ein, in privater Atmosphäre
außergewöhnliche Möbel einkaufen zu können.
Highlights sind Stücke aus Dänemark und Brasilien.
TEXT camilla péus FOTOS michele biancucci

Vintage in den Wolken: Zusammen mit ihrer Designsammlung bezog


Monika Unger die oberste Etage eines früheren Mailänder Industriebaus.
Im Wohnbereich inszeniert sie Metall-Hocker ihres polnischen Lands-
mannes Oskar Zieta mit dem Sofa „Tonico” und Canvas-Sesseln des
Brasilianers Sergio Rodrigues. Die dreibeinigen Stühle am „Fronzoni”-
Esstisch von Cappellini, der seit 1964 produziert wird, entwarf Hans J.
Wegner. Für einen Farbklecks sorgt das Gemälde von Natalie Silva.

AW Architektur&Wohnen 131
Spiel mit Farbe: Vor dem Schreibpult eines unbekannten dänischen
Designers wird’s bunt. Die Tupfen im anatolischen Zottel-Teppich
tragen denselben Rotton wie die Blüten auf dem Rubelli-Samtbezug
des dänischen Sessels. Den kleinen Bruder vis-à-vis entwarf Ejvind
Johansson. unten Gelungener Aufbau: Über der in die Wand einge-
lassenen Bücherwand liegt das Arbeits- und Gästezimmer.
Bei Bedarf lässt Monika Unger es hinter Vorhängen verschwinden.

132 2/2018
derten von Mid-Century-Stücken gefüllte Halle auf
dem früheren Ginori-Gelände. Viele stammen aus
Dänemark. „Nordisches Design hat seit 50 Jahren
nichts an Aktualität eingebüßt. Es fügt sich wun-
derbar in die jetzige Formensprache ein und bringt
dennoch eigene Persönlichkeit mit“, findet Unger.
Wenn Monika Unger die Vorhänge vor ihren fünf Sie nennt es auch die „Essenz dessen, was wir heute
Meter hohen Fenstern aufzieht, tastet sie nach ihrer als modernes Wohnen begreifen“.
Sonnenbrille. Von Süden, Osten, Westen flutet Tages- In ihrem Loft herrscht ein ständiges Kommen
licht in das 200-Quadratmeter-Loft und verleiht dem und Gehen: Sessel, Tische, Teppiche werden nach
weißen Kunstharz-Boden mal eben ein natürliches ein paar Wochen ausgetauscht, sodass die Einrich-
Hochglanz-Finish. Keine Zwischenwände stoppen tung oft ihr Gesicht wechselt. Verliebt sie sich nicht
das verschwenderische Gleißen; ungehindert fließt manchmal in ein Stück? „Die Arbeit mit historischem
es durch Küche, Essbereich und Wohnlounge. Man Design ist immer eine Liebesgeschichte“, lacht Un-
blickt auf die Zweige eines Baumes, die sich bis zur ger. Und während man noch darüber sinniert, dass
verglasten Front emporranken, auf Ziegelbauten, es sich bei ihr um ziemlich vergängliche Amouren
Außentreppen, Passerellen aus Metallgitter, wie handelt, beginnt man ihr Kalkül zu verstehen: Sie
man sie von New Yorker Townhouses kennt. An inszeniert bei sich zu Hause eine Ästhetik, die sich
Schönwettertagen fühle sie sich hier wie im Freien, Kunden auf der Suche nach Inspirationen abschau-
sagt Unger und lacht. Sie lacht gern, die gebürtige en – und abholen können. „Das Loft ist für mich
Polin, die in Brüssel Architektur und am MIT in Experimentierfeld. Hier teste ich, welche Stücke
Cambridge, Massachusetts, Umweltdesign studierte. zusammen funktionieren.“ Derzeit schwärmt sie für
Unter ihrem Mailänder Wohnturm liegt das Navi- die brasilianische Moderne; vor allem Pioniere wie
gli-Viertel. Trubelig geht’s dort zu, italienisch eben … Joaquim Tenreiro und Sergio Rodrigues haben es ihr
Das Fabrikgebäude, zu dem ihr Penthouse ge- angetan. „Ich liebe diese Möbel, weil sie so komplett
hört, wartet – naturalmente – mit Geschichte auf: anders sind als alles, was wir kennen.“ Eine Art Völ-

„Die Arbeit mit historischem Design


ist immer eine Liebesgeschichte.“
In den 20ern stellte die Manufaktur Richard Ginori kerverständigung des Designs sei das: „Einflüsse ita-
hier unter der Art-Direktion von Gio Ponti Porzellan lienischer, polnischer, portugiesischer Emigranten
her. Als der Bau später in Appartement-Rohlinge verbinden sich mit Traditionen der brasilianischen
unterteilt wurde, fand Unger, was sie suchte: einen ,Locals‘. Statt Teak wird Jacarandaholz verwendet,
Ort, der maßgeschneidert schien für ihre Pläne. statt Wollpolster Leder.“ In ihrem Loft konfrontiert
Nicht nur wohnen wollte sie dort, sondern auch die Architektin liegestuhlartige Sessel von Sergio
verkaufen. Ein Showroom schwebte ihr vor für Rodrigues mit knautschigen Leder-Drehklassikern
ihre Sammlung an Vintage-Möbeln. Quer über die des Dänen Henry Walter Klein. Für Farbe in dem
Nordseite zog sie eine zweite Ebene für Bad, Arbeits-, weiß-schwarz-braun gehaltenen Setting sorgen Tep-
Gäste- und Schlafzimmer ein – ein Ensemble, das piche. Ein bunt gewürfelter Kelim aus Nordafrika
bei Bedarf hinter Vorhängen verschwindet. „Das etwa oder ein zotteliges Teil aus Anatolien. „Teppiche
Layout der Wohnung sollte klar und einfach zu lesen definieren Bereiche und bringen Sanftheit in kühle
sein“, sagt Unger, die nach Italien kam, um bei dem Interiors“, erklärt Unger.
Architekten Giancarlo De Carlo zu arbeiten, bevor sie Gibt es auch etwas, von dem sie sich nicht trennen
ihr eigenes Büro gründete. „Ich wollte den horizonta- würde? Oh ja! Sie zeigt auf einen indischen Teppich,
len und vertikalen Linien der Metallträger ein starkes den ihr Freunde geschenkt haben. Und dann ist da
Element entgegensetzen. Also habe ich die Treppe noch die hölzerne Skulptur von Joaquim Tenreiro,
zwischen der repräsentativen und der privaten Ebene die sie mal auf einer Auktion ersteigert hat. Sie setzt
als Diagonale mitten in den Raum gesetzt.“ ihre Sonnenbrille ab. „Die Stunden ab fünf, wenn die
Das, was einem die Vergangenheit hinterlassen Sonne langsam untergeht, sind die schönsten hier
hat, mit zeitgemäßen Eingriffen auffrischen – oben. Dann spieße ich mit Freunden oder Kunden
dieser Devise folgt die Architektin auch bei ihren ein paar Oliven auf und öffne eine Flasche Wein, die
Auftragsarbeiten. Bei der Möblierung greift sie uns sanft in den Abend hinüberträgt.“
gern auf Objekte ihrer Sammlung zurück. Die füllt
mittlerweile sowohl ihre Galerie „Be Modern“ in der
Via Morimondo als auch deren Annex, eine mit Hun-

AW Architektur&Wohnen 133
Schön schräg: Neben den x-förmigen Stahlstreben vor den Fenstern bildet
die prominente Treppe in der Mitte des Lofts die einzige Diagonale
im Raum. Ihre hohen mattschwarzen Flanken betonen die Form zusätzlich.
Sie führt hinauf zur Empore mit Schlafzimmer, Ankleide und Bad, die
Monika Unger genau auf der Hälfte der fünf Meter hohen Fensterfronten
eingezogen hat. Die offene Küche erhielt einen Tresen aus Cardoso-
Granit. Beim Kochen hat man von hier aus das gesamte Loft im Blick.

134 2/2018
Fotos: Michele Biancucci/Photofoyer (4)

AW Architektur&Wohnen
135
B e l g i a n o u t d o o r l u x u r y

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80687 München (auch in Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, u. Sindelfingen), 089/900533931 • EINRICHTUNGSHAUS SEGMÜLLER, 85599 Parsdorf, 089/900533931 • PAVILLA, 97877
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GROSSE BÜHNE
Burgzinnen, ein klassizistischer Landsitz, Historie im
Überfluss: Das sind Kulissen, in denen die englischen
Gartengestalter Isabel und Julian Bannerman
zur Hochform auflaufen. Zu ihrem eigenwilligen Stil
passen fossilartige Pflanzen wie Echium pininana,
ein Natternkopf von den Kanaren

S. 76

Garten
& Landschaft
Foto: Andrew Montgomery
Lang erwartet, heiß ersehnt: die erste Frühlingssonne.
Jetzt ist es Zeit, die Freiluftsaison zu eröffnen und die Garten-
möbel aufzustellen. Was dabei zu beachten ist, sagt
Gabriella Pape, Gründerin der Königlichen Gartenakademie.
Bei ihr fotografierten wir die Outdoor-Neuheiten.

RAUS!
ENDLICH
TEXT elke von r adziewsky ST Y L ING winnie placzko FOTOS stephan abry

138 2/2018
„Prioritäten setzen: Am wichtigsten ist
der Sitzplatz – einer, der mich einlädt,
sobald im März und April die Sonne
herauskommt.“

links „Basket-Clubsessel“, Teak und Kunstfasergeflecht, 1595 Euro (Kettal), Sessel „Isabell“, Rattan und Kunstfasergeflecht, 295 Euro (Sika),
Gummistiefel „Tall Boot“ (Hunter), Decke „No52 Present Perfect Continuous Blanket Hammock MAC“ (Bless Berlin). rechts Bank „Karumi“, Bambus
und Leder, 20 000 Euro (Hermès), Kissen „Le Jardin“ (Versace Home), Teekanne „Perl Symphonie“ (Manufaktur Nymphenburg).

AW Architektur&Wohnen 139
links oben Stuhl „Africa“, Polypropylene und Fiberglas, 108 Euro (Vondom
über Idea-Objekt ), Stuhl „Loop“, Aluminium und Propylen, 470 Euro (Vincent
Sheppard), Stuhl „Thor“ Stahl, 119 Euro (Emu). rechts oben Stuhl „Archi“, Teak,
Flechtwerk, 1100 Euro (Gloster), Poufs „Cylindro Phrae“ und „Cylindro Coomba“,
550 und 398 Euro (Roche Bobois), Tasse „Carnets d‘Equateur“ (Hermès).

links unten Sonnenschirme „Bistro“, ab 6450 Euro (Paola Lenti), Pagoden-


schirme zweifarbig mit Bodenplatte aus Beton, je 664 Euro (Weishäupl),
Hängematte „No28 Climate Assistance Furhammock Redfox“ (Bless Berlin).
rechts unten Papageiengruppe (Manufaktur Nymphenburg).

140 2/2018
Daybed „Mbrace“ aus Aluminium, Teak und geflochtener
Synthetik-Faser, ab 1990 Euro (Dedon), Decke „Avalon“ (Hermès).

AW Architektur&Wohnen 141
„Farben steuern: Grün betont das
Grün im Garten, und Lila lässt das selten
reine Blüten-Weiß klarer wirken.“

142 2/2018
„Praktisch denken: Möbel sollten auch
bei Regen draußen bleiben können.
Denn wer will schon bei Sommergewitter
ständig auf kleine Zeltlager gucken?“

links Stuhl „Circo“ aus Stahlrohr und Kunststoffgeflecht, 1007 Euro (Ames), Kissen „Vasmara“ (Versace Home).
rechts Dreisitzer-Tisch „Virus“ aus pulverbeschichtetem Stahl, lieferbar als Zwei- bis Fünfsitzer, 1095 Euro (Extremis).

AW Architektur&Wohnen 143
Sessel „Mood“ aus Teak und handgewobenem Flechtwerk, 725 Euro (Tribù);
Decke „Printed throw with fringes“ (Versace Home).

144 2/2018
G
bildung für ein Studium dieses Fachs erhalten. Ein
Recht, ertrotzt von der Frauenbewegung. Eine der
Pionierinnen war Herta Hammerbacher, die erste
deutsche Gartenarchitektin, berühmt bis heute.
Was für ein Abenteuer die Umsetzung ihrer
Idee wurde, erzählt Gabriella Pape in ihrem Buch
(„Gebrauchsanweisung fürs Gärtnern“, Piper Verlag,
2018). Und sie schildert das verblüffende Konzept,
mit dem sie die Neugierde auf ihr Vorhaben lenkte:
abriella Pape erinnert sich noch gut ein Gartenplan für einen Euro pro Quadratmeter.
an die Qualen, die sie als junge Gartenarchitektin litt. Getragen war das vom schon so oft gedachten Ge-
An die Fahrten quer durchs Land. An den Hund, dem danken: den Gartenbesitzer zu bilden. Denn dieses
sie, angekommen, höflich den Kopf streichelte, den Minimum kostet der Plan, wenn der mitarbeitet, den
Kunden, der ihr den Garten zeigte – und die unwei- Zuschnitt des Grundstücks ermittelt, Schuppen, Ga-
gerliche Frage „Na, was denken Sie?“ Nichts, denkt rage, Bäume einmisst, alles fotografiert, Lieblingsbil-
sie, nur: Missverständnis, das ist ein Missverständnis. der aus Büchern und Zeitschriften liefert. Hat er die
„Woher soll ich wissen, was Sie wollen, Sie bestellen Aufgaben erfüllt, „ist er bereits ein anderer Kunde, er
keinen Golfplatz, Sie möchten einen Garten haben.“ versteht seinen Garten urplötzlich anders“.
Wie fruchtbar könnte das Gespräch sein, wenn
das Gegenüber nur etwas mehr Kenntnis mitbräch-
te. Ausbilden müsste man ihn, den Gartenbesitzer,
eine Gartenakademie gründen, Kurse geben über
Gestaltung, Rasen, Rosen, Obstbaumschnitt. 2004,
es war schon Eurozeit, begann die Idee, in Gabriella
Pape erste Triebe zu bilden.

„Wer nicht weiß, wie’s geht,


wird Opfer seines Gärtners.“
G A B R I E L L A PA P E

Pracht aus der Vergangenheit: Exotische Pflanzen gehörten ins Wer die Königliche Gartenakademie in Berlin
Ausbildungsprogramm der Gärtnerlehranstalt. Gabriella Pape erweckte
besucht, findet nicht nur Seminarräume für Gab-
die Anlage zu neuem Leben. koenigliche-gartenakademie.de
riella Papes Kurse und Büros für die Realisierung
Gute 20 Jahre zuvor, mit einer soliden Gärtner- kleiner (50 bis 200 000 Euro) und großer Gärten
lehre in der Tasche, war sie nach England gegangen, (ein bis zwei Millionen Euro). Die Akademie ist mit
hatte in Kew studiert, sich selbstständig gemacht, zehn restaurierten Gewächshäusern ein Ausflugs-
ein international erfolgreiches Büro für Gartenge- ort geworden. Es gibt ein Café mit dem wunderbars-
staltung in den Cotswolds aufgebaut. Und doch zog ten Tortenbuffet, zwei Läden für Gartenutensilien,
es sie irgendwann nach Deutschland zurück. Höfe mit Musterpflasterung und eine Gärtnerei,
An einem grauen Novembertag fand sie den in der neben ausgewählten Gehölzen und Stauden
perfekten Ort für ihr Unternehmen, das Bild ist in auch vorgezogene Einjährige zu bekommen sind.
ihren Kopf eingemeißelt: Ein verwahrlostes Dasein Mit dabei die Sensation der letzten Chelsea Flower
Fotos: Stephan Abry (11)

fristete die alte Dahlemer Gärtnerlehranstalt, noch Show: Gaura lindheimeri, Sorte „Chiffon“. –
immer in unmittelbarer Nähe des Botanischen
Gartens. Vor 100 Jahren war dies nicht nur die mo-
dernste Ausbildungsstätte für Gärtner gewesen; hier
hatten auch die ersten Frauen die nötige höhere Aus-

AW Architektur&Wohnen 145
GARTEN

4
1 STUMMER DIENER
Servierwagen „Bar Cart“ mit
robusten und pflegeleichten
Teak-Tabletts, 1900 € (Gloster). 3
2 ZUM PIEPEN
Von Architekt Hadi Teherani
stammt das Nisthaus „Baya“,
Teak und Stahl, 800 € (Garpa).
3 BRANDNEU 5
„Riihitie“ heißt eine Straße
in Helsinki. Hier formte Alvar
Aalto seine organischen Pflanz-
gefäße; erst heute gehen sie in 6
Produktion, ab ca. 59 € (Artek).
4 WIRTSCHAFTSWUNDER
1954 entwarf Paul Schneider-
Esleben den Terrassenstuhl
„TT 54“. Auch mit schwarzem
Kunststoffgeflecht zu haben,
248 € (Richard Lampert).
5 TISCH TO GO
Tablett auf Alu-Basis, „On the
move“, 259 € (Cane-line).

1 tizen

2
7

6 MATERIALVIELFALT
Aluminium, Teak oder Marmor
– alles ist möglich. Beistell-
tische „Cala“, ab 634 € (Kettal).
7 NEU ÜBERDACHT
Liegestuhl „Cosette“ mit extra
Sonnenschutz, 992 € (Unopiù).
8 MADE IN KOLUMBIEN
Sebastian Herkners Pflanztopf
„Circo“, 459 € (Ames).

FREILUFT-
KINO
Texte: Rolf Mecke; Foto: Andres Valbuena

APPLAUS! DIESE
KLEINMÖBEL
UND ACCESSOIRES
SPIELEN GANZ 8

GROSS AUF

146 2/2018
in einem weiten wiesental umgeben von
hohen buchenwäldern liegt das

relais & châteaux hotel hohenhaus

Weltklasse Jazz auf Hohenhaus


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reichsten Jazzmusiker Europas, Nils Landgren, auf - Übernachtung im Doppelzmmer (Freitag bis Sonntag)
HOHENHAUS willkommen. - an jedem Morgen Frühstück vom opulenten Landbuffet
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Landgren persönlich Ihren Aperitif an unserem Kamin. - Aperitif am Kamin
Dem folgt ein 4 Gang Menü im HOHENHAUS Grill. - 4-Gang Menü inklusive ausgewählter Getränke
Freuen Sie anschließend auf Nils & Friends live und am Freitagabend
unplugged. - exklusives Live Unplugged Konzert mit Nils Landgren
Am Samstagmorgen genießen Sie unser Frühstück, am Freitagabend
danach können Sie bei einem ausgiebigen Spaziergang - 3-Gang Menü inklusive ausgewählter Getränke
in den HOHENHAUS -Wäldern die Seele baumeln lassen. am Samstagabend
Oder Sie begeben sich auf die Spuren Luthers in der - Live Konzert mit Nils Landgren in der Jazzscheune
Wartburgstadt Eisenach. auf Hohenhaus am Samstagabend
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GARTEN & LANDSCHAFT

Isabel und Julian Bannerman


haben eine Vision: Sie
wollen ihren Gärten eine
„verträumte Qualität erhalten“.
Kennengelernt haben sich die
beiden 1982. Sie studierte
in Edinburgh Kunstgeschichte,
er betrieb eine Bar mit
Lunch-Buffet. „Im März war
ich in ,Bannerman‘s Bar’,
um eine Bratwurst zu kaufen.
Im Juli saß ich mit ihm im
Zug, um ein neues Leben zu
beginnen“, so Isabel.

148 2/2018
„WIR SIND
DAVON
BESESSE
RUINEN
ZURETTE
TEXT josephine grever PORT R ÄT andrew montgomery

Vernachlässigte Gärten sind ihre


Spielwiese. Sie stapeln Baumstümpfe
zu Pyramiden, zimmern hölzerne
Tempel und nutzen Geweihe als Zierrat.
Mit ihren trutzigen Follies haben
Isabel & Julian Bannerman die Herzen
der britischen High Society erobert.

AW Architektur&Wohnen 149
GARTEN & LANDSCHAFT

TREMATON

CASTLE


Auch die Bannermans leben
feudal – auf einer Burgan-
lage von 1066. Der Vermieter?
Ist Prince Charles, ein Kunde
des Ehepaares. Ihre Beete
nennen die beiden
eine „viktorianische Fantasie“.
Vorbilder lieferten
ihnen die Gemälde des Malers
Lawrence Alma-Tadema.
Öffnungszeiten auf:
bannermandesign.com

Kronleuchtern oder Tempelsäulen – sind ein Mar-


kenzeichen. Understatement ist ihre Sache nicht.
Kaum war der Tee serviert, stand fest: Der Prinz
und das Gärtnerpaar verstanden sich prächtig. Da
Tasse Tee war Anfang der 90er- gab es eine windige Ecke im Waldgarten von High-
einer wunderbaren Freundschaft. grove, die auf eine zündende Idee wartete. Warum
Candida Lycett Green – Autorin von 16 Büchern sollte man dort nicht eine Stumpery bauen? Diese
über Englands historische Gebäude und Gärten Tableaus aus Baumstümpfen, Rinde und Wurzel-
– beschloss, dass ihr guter Freund Prinz Charles stöcken waren in der viktorianischen Zeit populär;
und ihre ebenso guten Freunde Julian und Isabel sie wurden für die damals beliebten Farnsamm-
Bannerman sich kennenlernen sollten, und arran- lungen entwickelt. In Highgrove jedoch scheint
gierte ein Treffen. Charles sammelte damals Ideen die Stumpery, die dort mittlerweile zwischen zwei
für die Gestaltung seines Gartens auf Highgrove in dorischen Tempeln zu Türmen, Pyramiden und
Gloucestershire und stand bereits mit einer Reihe Torbögen aufgeschichtet wurde, nicht jedermanns
von renommierten Gärtnern in Kontakt. Sache zu sein: Als Charles das Werk seinem Vater,
Die Bannermans sind berühmt für die Ge- dem Herzog von Edinburgh, zeigte, soll dieser ge-
staltung großzügiger Gärten und Parks, in die fragt haben, wann er denn „den nutzlosen Haufen
sie gern Follies oder römische Tempel platzieren. anzuzünden gedenke“. Pardon, eine Skurrilität
Lord Rothschilds Landhaus Waddesdon Manor in mag der „Haufen“ zwar sein, doch nutzlos? Nein!
Buckinghamshire ist ein typisches Beispiel: Dort
entwarfen die zwei 1990 einen Wassergarten mit
geheimnisvoller Grotte und Tropfsteinen. Theatra-
lische Effekte – etwa Hirschgeweihe, verfremdet zu

150 2/2018
Er ist vielmehr ein Paradies für Schattenpflanzen
sowie für Kröten und anderes Kleingetier, die das
Ökosystem im Garten im Gleichgewicht halten.
Dem Prinzen ist die Stumpery eine Oase, die das
Herz wärmt und die Seele nährt – eine Art Zauber- der Bannermans. Dieser Innenhof gilt als beste
wald voller Poesie. In „Landscape of Dreams“, das Adresse in London, um eine Zigarre oder einen
die Bannermans 2016 über ihre Projekte veröffent- Kaffee zu genießen. Hier sitzen die zwei um 11 Uhr
lichten, erklärt er sie zu rechtmäßigen Erben von morgens beim Frühstück. Ihr Look signalisiert die
William Kent, dem großen Landschaftsdesigner, Zugehörigkeit zur Upperclass: legere Kleidung,
der im 18. Jahrhundert den englischen Landscape verwuschelte Frisur – als seien sie auf dem Weg
Garden entwickelte. Ein passender Vergleich, denn zum Dorfkrämer. Julian strotzt vor Energie, pafft
in den Gärten der Bannermans findet man sie, eine Zigarette und ruft polternd nach der Bedie-
jene traditionellen Elemente wie Teiche und Seen, nung („Darling, Sweetheart, Gorgeous One, einen
verschlungene Wege und weite Rasenflächen. Cappuccino bitte“). Eine Minute später bestellt er
Wie ging es damals weiter? Wie so oft – mit einen Wodka („mit frischer Limette, meine Tages-
Mundpropaganda. Jeder, der in Großbritannien ration an Vitaminen“). Isabel dagegen ist die Ruhe
Rang und Namen hatte, wollte ihn plötzlich, den
unverwechselbaren Bannerman-Touch. Darunter
der Herzog und die Herzogin von Norfolk (Arun-
del Castle in Sussex), Paul Getty (Wormsley in
Buckinghamshire) oder Robin Birley, Besitzer von
Londons nobelstem Privatclub „5 Hertford Street“,
ein Mann mit untrüglichem Gespür für das Beste.
Im Courtyard des Clubs lodert der Kamin. An-
tike Fragmente, die sich an den Außenwänden vier
Stockwerke hochziehen, zeigen die Handschrift

Ein Folly aus Eiche, Baum-


stümpfen und Farn.
Die Bannermans entwarfen
den sogenannten
Campo Santo für Wormsley,
das Anwesen
von Paul Getty II.

AW Architektur&Wohnen 151
GARTEN & LANDSCHAFT

Baumstümpfe zum Kegel


gestapelt: Stumpery
heißt diese Form des Follies,
hier vor Arundel Cathedral.
Zwischen den alten
Wurzeln wachsen Primeln,
Lupinen, Natternköpfe.

152 2/2018
Typisch Bannerman – ein
verspieltes „Plant Theatre“.
Auf der „Bühne“ haben
„Wir wollen das Wesen eines
diverse Töpfe mit wechseln-
den saisonalen Pflanzen
ihren Auftritt.
Gartens und seines
Besitzers verstehen – das
nennen wir genius of place.“
JU LI A N BA N N ER M A N

„Oberon‘s Palce“ ist ein


Miniaturschloss aus


Sandstein, das auf
einem Steinsockel errichtet
wurde.
ARUNDEL
CASTLE


Das Anwesen gehört dem Her-
zog von Norfolk, der
sich einen „Sammlergarten“
mit verschiedensten
Spielarchitekturen, Brunnen und
Pergolagängen anlegen ließ.
Vorbilder für die phan-
tastischen Gebilde stammen
aus der Zeit des großen
Kunstmäzens Thomas Howard,
dem 21. Earl of Arundel.

AW Architektur&Wohnen 153
GARTEN & LANDSCHAFT


HIGHGROVE
GARDEN


Zwei „Stumpery“ gehören in
den Waldgarten des
Landsitzes von Prinz Charles
in Gloucestershire. Eines
dieser Baumstumpf-Follies
wurde als Zirkel mit Tempel
gestaltet. Hirschgeweihe
schmücken die Giebel. Das
zweite Folly ist als Brunnen
angelegt, geschmückt mit
einer Gunnera. Beide bieten
als Biotop Schutz für eine
Vielzahl von Schatten-
gewächsen und Kleintieren.

selbst. Sie lächelt und trinkt ihren Tee. Man spürt, und haben miterlebt, wie alte Häuser nach und
die beiden sind ein eingespieltes Team. „Wir ma- nach zerfielen.“ Julian arbeitete in Edinburgh für
chen alles zusammen“, erklärt Isabel auf die Frage die einflussreiche „Demarco Gallery“ und betrieb
nach ihrer Arbeitseinteilung. „Vielleicht rede ich nebenher eine Bar mit populärem Lunch-Buffet.
mehr“, fügt ihr Mann hinzu. Er schmunzelt. Dort lernten die beiden sich im März 1982 kennen.
Wer sind diese zwei, die bei besagter Up- Der Blitz schlug ein; seitdem sind sie ein Paar. Ei-
perclass-Attitüde irgendwie erfrischend unkorrekt nes, das in der Leidenschaft für die gemeinsame
wirken? Isabel Bannerman ist 55, Julian zehn Sache aufgeht. „Wir sind einfach besessen davon,
Jahre älter. Sie studierte Geschichte und Kunst- Ruinen und vernachlässigte Gärten zu retten“, sagt
geschichte in Edinburgh und las in ihrer Freizeit sie. „Davon träumen wir Tag und Nacht.“ Wichtig
„Country Life“ statt „Cosmopolitan“. „Meine ist ihnen, ihren Gärten eine verträumte, „allein
Mutter besaß einen Antikladen, und ich liebte die
Landhaus-Auktionen, von denen es in den 60ern
eine Unmenge gab.“ Das hatte sie mit ihrem Mann
gemeinsam. „Wir sind auf dem Land aufgewachsen

154 2/2018
Fotos: Andrew Montgomery (2); Isabel + Julian Bannerman (3); Clive Nichols (2);

gelassene“ Qualität zu erhalten und nicht unnötig


einzugreifen. „Es ist wie das Essen in chinesischen
Restaurants“, erklärt Julian. „Meist bestellt man zu
GAP Photos/Jonathan Buckley; GAP Photos/Highgrove - A. Butler

viele unterschiedliche Gerichte.“ Er kramt eine wei-


tere Zigarette hervor. „Kennen Sie den Ausdruck Ein aktuelles Projekt der Bannermans befindet
,genius of place‘? Für uns bedeutet dies, dass wir sich auf einem 800-Hektar-Besitz an der schot-
das Wesen eines Gartens und die Persönlichkeit tisch-englischen Grenze in Berwickshire. „In
des Besitzers verstehen wollen. Gelingt das, macht der Hauptallee könnte eine Boeing 747 landen“,
es Spaß, Probleme zu lösen.“ Holz spielt dabei bemerkt Julian und lacht. Privat lebt das Paar
eine Hauptrolle. „Es ist ökologisch unschlagbar“, seit 2012 mit den drei Söhnen in Cornwall – in
sagt Isabel. „Während es verwittert, gewinnt es „Trematon“, einem gut drei Hektar großen Anwe-
an Charakter. Es hat eine wunderbare Qualität.“ sen, zu dem ein georgianisches Herrenhaus und
„Zudem kostet es wenig“, wirft ihr Mann ein. Und eine normannische Burg gehören. Formschnitt-
was hat es mit den Hirschgeweihen auf sich, die Hecken sorgen für Struktur, dazwischen Blumen,
immer wieder auftauchen? „Sie sind ein Hinweis soweit das Auge reicht. Ein Traum. Und ein gelun-
auf britische Landhäuser. Schließlich sieht man sie genes Zusammenspiel von Geschichte, Natur und
dort überall!“ Gestaltung. Bannerman eben. –

AW Architektur&Wohnen 155
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Reise
& Inspiration
IKONEN IM IRAN
Teheran als Architektur-Hotspot? Fulminantes
Beispiel internationaler Moderne ist das
„L’ancien Musée de l'Argent“, erbaut von einem
Schüler des großen Frank Lloyd Wright.
Die Star-Stylistin India Mahdavi kennt noch
mehr Preziosen ihrer Heimatstadt – und lässt uns
die Metropole mit anderen Augen sehen.

S. 160
Foto: Ambroise Tézenas/Photofoyer
ORTSTERMIN

SPURENSUCHE
im IRAN
FOTOS ambroise tézenas PROTOKOLL r alf eibl

Was diese Frau anfasst, bringt sie zum


Leuchten. Die Interior Designerin
India Mahdavi lässt Formen und Farben
dem Wohlfühlen folgen. Hier spricht
sie über Nomadentum, persische
Wurzeln – und die Poesie Teherans.

160 2/2018
Der Humus der Heimat befördert ihre Arbeit – sagt die
französische Designerin, die im Iran geboren wurde.
Ein bisschen Heimat ist India Mahdavi auch das Café Nadéri
an der Teheraner Avenue Jomhuri. Es wurde 1928 von einem
armenischen Immigranten eröffnet und war wie das Pariser
Café Flore immer Treffpunkt von Künstlern und Literaten.

AW Architektur&Wohnen 161
Teheran ist ein Abbild seiner wechselvollen Geschichte
und offenbart einen eigensinnigen, unverwechselbaren Stilmix
(rechte Seite). Diese Seite: die Moschee Imamzadeh
Saleh im Früchte- und Gemüsemarkt am Tadschrisch-Platz. Die
Spiegelwand nimmt das Licht auf und wirft es mitsamt unse-
rem gebrochenen Antlitz zurück – Symbolkraft vom Feinsten …

162 2/2018
„Im Iran mischt und
verbindet man alle möglichen
Muster. Ich tue das auch.“
I N D I A M A H D AV I

AW Architektur&Wohnen 163
ORTSTERMIN

Geboren in Teheran, aufgewachsen in den USA,


erzogen in Deutschland und Frankreich, studierte sie
in Paris und New York, bevor sie erst künstlerische
Leiterin bei Christian Liaigre wird und sich schließ-
lich selbstständig machte. India Mahdavi ist – ja was saugte all das in mich auf, während sich mein Vater
eigentlich? Nomadin? Ausnahmetalent? Magierin? langsam wieder von seiner Krankheit erholte.
Ein bisschen was von allem, möchte man meinen und Haben sich diese Beobachtungen und Erfahrungen
bekommt diese Frau trotzdem nicht (ganz) zu fassen. in Ihrer Arbeit niedergeschlagen?
Ihre Arbeiten für das Restaurant „Sketch“ in London Allerdings. Die Resonanz meiner Teheraner Wan-
sowie für einige „Ladurée"-Teesalons sind unvergessen. derungen floss direkt hinein in das, was ich tat.
Gerade vollendet sie den Londoner Flagship Store für Das war regelrecht fühlbar in den Rundungen und
„Tod’s“, und im März erscheint bei portraitsdevilles.fr der Weichheit mancher meiner Arbeiten. Obwohl
ein Teheran-Buch mit Fotografien von Mahdavi. Ein ich stets ein nomadisches Leben geführt hatte, war
Brevier, das Ansichten, Erinnerungen, Momentauf- meine persische DNA plötzlich wieder sehr präsent.
nahmen enthält. Wie in einer persischen Zeitmaschi- Worin kommt das besonders zum Ausdruck?
ne wähnt man sich – und stößt auf die Quellen, aus Die orientalische Seite in mir ist etwas, das man
denen diese Frau ihre Inspirationen schöpft. nicht sehen, aber durchaus spüren kann. Es ist
manchmal nur eine Schwingung, eine Form, die
Wenn India Mahdavi an Teheran denkt, fühlt sie … dem Wohlfühlen folgt, eine Großzügigkeit in Tex-
… zunächst Distanz. Ich habe dort ja nie wirklich ge- tur und Design.
lebt. Teheran war kein Ort, wohin ich einfach so mal Wie harmoniert das mit westlichen Einflüssen?
ein Ticket gebucht habe. Ich war überzeugt davon, Im Iran mischt und verbindet man alle möglichen
dass der Iran in meinem Werdegang nicht wirklich Muster. Ich tue das auch, aber eher mit europäischen
eine Rolle spielen würde. Die Heimatländer meiner statt mit islamischen Motiven – und kombiniere sie
Eltern – das Ägypten der Mutter und den Iran des dann mit meinem Sinn für französische Eleganz.
Vaters – hatte ich irgendwie in die Ablage gepackt. Manche sagen, dass Teheran ein Paradies für
Dachte ich zumindest. Designhistoriker sei. Ist da was dran?
Wie kam es, dass sich da bei Ihnen etwas änderte? Ja, das stimmt. Teheran war vor der Islamischen
Mein Vater wurde schwer krank, und ich wollte Revolution eine Stadt, die ihre Antennen sehr weit
mich um ihn kümmern. Deshalb flog ich für einige ausgerichtet hatte. Egal ob Jean Royere, David Hicks
Wochen in den Iran. Und wie nach einem langen oder Gio Ponti – sie alle kamen, weil sie hier Aufträ-
Winter sprossen in mir plötzlich persische Triebe. ge hatten. Da war immer was los. In den brodelnden
Ich glich einer Pflanze, die wieder in ihre Heimat- Vierteln im Süden sind die architektonischen Ex-
erde eingesetzt worden war. Heute befördert der perimente wunderbarerweise noch vorhanden. Ein
Humus Teherans meine Arbeit sehr. Genauso wie Besuch dort ist wie eine Zeitreise.
die Ruhe einer ägyptischen Oase, zu der ich stets Und dann der Kontrast: Man betritt den Großen
zurückkehre. Basar, dessen unzählige Korridore sich auf insge-
Teheran auf den ersten Blick … Bitte beschreiben Sie samt mehr als zehn Kilometer erstrecken …
uns das doch mal. Es fühlt sich immer noch an wie eine Stadt in der
Es ist keine besonders attraktive, sondern eine sehr Stadt. Der Basar ist weltweit der größte. Banken,
chaotische Stadt. Die Orientierung fällt einem je- Moscheen, Gästehäuser, aber vor allem ein gigan-
doch ziemlich leicht, da man die Berge am Horizont tisches Labyrinth aus Farben und Formen. Ganz
immer als Fixpunkte nehmen kann. besonders gefällt mir die Ecke, wo man anhand von
Und wenn man dann genauer hinschaut? Fotos einen „Teppich der Liebe“ oder ein religiöses
Da gibt’s die Wuseligkeit in der Altstadt. Da gibt’s Bild in Auftrag geben kann. Der Phantasie sind so
Midtown, den eher europäischen Teil. Und da gibt’s gut wie keine Grenzen gesetzt.
den Norden, der in den Sixties entstanden ist und Sie stammen aus einer koptischen Familie. Wie
eine sehr amerikanische Note hat. Die Stadt ist in wichtig ist Religion für Sie?
mehreren Schichten gewachsen. Viele Orte und Ich definiere mich nicht über religiöse Kategorien.
Stellen wirken völlig unberührt, denn Iraner reno- Multikulturelle Zusammenhänge sind mir wichtiger.
vieren kaum. Entweder reißen sie etwas ab, oder der Wenn man die Nachrichten verfolgt, dann könnten
Fotos: Ambroise Tézenas/Photofoyer

Ort versinkt in einen Dornröschenschlaf. Einerseits Ihre beiden Herkunftsländer, Ägypten und der Iran,
sieht man also radikale Veränderung, andererseits durchaus in einen Krieg gegeneinander verwickelt
ist in vielen Gegenden noch eine unglaubliche werden. Belastet Sie das?
Poesie spürbar. Tja, ich war also wieder da und Die zwei sind in den Nachrichten, seitdem ich lebe.
Aber ich glaube fest daran, dass weder Ägypter noch
Iraner in den Krieg ziehen wollen. Mein Fokus liegt
auch eher auf dem Schönen – den inspirierenden
Facetten wie den Kontrasten. –

164 2/2018
Blühende Phantasie: die „Haft Peykar“-Treppe im Norden
Teherans. Der Künstler des Rosen-Wandgemäldes
ist unbekannt. In Persien erfährt der Rosenkult im 13. und
14. Jahrhundert eine seiner wichtigsten Ausprägungen.
Goethe schreibt im „Westöstlichen Diwan“, dass Rose und
Nachtigall den Persern die fehlende Mythologie ersetzen.

AW Architektur&Wohnen 165
TR AUMHÄUSER

LOB des SCHATTENS


TEXT christian tröster FOTOS richard powers + anthony cotsifas

Das gibt’s nur einmal: Kendrick Bangs Kelloggs


High Desert House in Southern California, USA, wurde
2014, nach 27 Jahren Bauzeit fertiggestellt.
Eine Liebeserklärung aus Beton an Licht und Schatten.

Nichts an diesem Haus ist


Standard. Weder das Dach,
das aus 26 geschwungenen
Teilen besteht, noch die
Eingangstür mit ihren durch-
brochenen Elementen aus
rostigem Stahl. Und doch
folgt alles an diesem Haus
einem einheitlichen Gedan-
ken. Das Spiel von Licht und
Schatten, inszeniert in
organischen Formen, prägt
das gesamte Ambiente.
o ein Haus muss man sich eine Sonderfertigung, die so aufwendig

S erst einmal trauen. Gebaut


an einem unmöglichen Ort
mit Formen, die eher an
herzustellen war, dass die Bauherren
Jay und Bev Doolittle erst 15 Jahre nach
Baubeginn einziehen konnten. Da wa-
ein Gürteltier denn an ein Gebäude ren die Arbeiten aber noch lange nicht
erinnern. Beim „High Desert House“, beendet.
gelegen an einem felsigen Hügel in Tatsächlich fallen fast immer, wenn
Süd-Kalifornien, gibt es weder ein zu- vom High Desert House die Rede ist,
sammenhängendes Dach noch Wände. Worte wie „mutig“ und „furchtlos“, und
Das Haus ruht auf einer Gruppe von die Bauherren selbst beschreiben die
organisch geformten Betonstützen und Planung als eine Art Kamikaze-Unter-
die Dachelemente sind lose übereinan- nehmen: „Wir sprangen voller Euphorie
dergestaffelt wie Bumerangs. Das Gan- von einer Klippe und kümmerten uns
ze hebt sich farblich kaum gegen seine erst auf dem Weg nach unten um Flü-
Umgebung ab – wer nicht so genau gel.“ Kein Bauunternehmer wollte die
hinschaut, verpasst eine der unbekann- Verantwortung für ein solches Design
testen und zugleich aufregendsten Ar- an einem so abgelegenen Ort überneh-
chitekturikonen der USA. Nichts an und men – das Haus liegt eine Stunde ent-
in dem Haus ist Standard, jedes Objekt fernt von Palm Springs am Rande des

167
TR AUMHÄUSER

Im Sommer herrschen im Joshua


Tree National Park Temperaturen
von bis zu 40 Grad im Schatten.
Die ausgreifenden Dächer halten
das gleißende Licht der Wüste ab.
Das Schlafzimmer liegt geschützt
unter einem wuchtigen Gewölbe,
das an romanische Architektur
erinnert. Die breite Freitreppe
wurde, wie auch die Böden im
Haus, aus lokalem Gestein gefertigt.

Joshua-Tree-Nationalparks. Mangels
Generalunternehmer beauftragten die
„Das Haus ruht
Bauherren also lediglich einen Vorar-
beiter und bezahlten ihn für Zeit und
in der Landschaft
Material, allerdings ohne Fristen zu
setzen. Normalerweise führt ein sol-
wie ein
ches Vorgehen geradewegs ins Desas-
ter. Hier aber war es genau umgekehrt
schlafendes Tier.“
und das Team, das sich weitgehend aus KEN KELLOGG
ungelernten Arbeitern zusammenfand,
entwickelte für die hochkomplexe Bau- schließlich endgültig fertig war, zogen
aufgabe individuelle Lösungen. Aber die Bewohner aus.
das dauerte. 1987 begonnen und 2002 Am Anfang hatte ein Brief gestan-
bezogen, wurde noch bis 2014 an dem den, den Jay und Bev Doolittle an den
High Desert House gebaut. Und als es Architekten Ken Kellogg schrieben.

168
„Lieber Herr Kellogg, meine Frau und Werbeagenturszene hatten sie finan- dazu war“, erläutert Ken Kellogg später,
ich haben ein sehr interessantes aber ziell ihr Glück mit hyperrealistischen „das Haus in der Landschaft abzulegen
unkonventionelles Baugrundstück in und optisch irritierenden Grafikediti- wie ein ruhendes oder schlafendes Tier.“
der kalifornischen Wüste erworben“, onen gemacht. Und sie waren auf der Drei Monate lang suchten er und seine
hieß es da – und es sollte am Ende ei- Suche nach Anregungen für ihr zehn Bauherren auf dem Grundstück nach
nem bis dahin eher unbekannten Archi- Hektar großes Grundstück auf Fotos dem besten Standort und bauten dafür
tekten zu einem grandiosen Spätwerk gestoßen, die Julius Shulman von ei- eigens ein topografisches 3-D-Modell
verhelfen (siehe auch Kasten Seite xx). nem früheren Haus Kelloggs gemacht der Landschaft – jeder Felsen, so erin-
Jay und Bev Doolittle, der Leser ahnt hatte. Sofort hatten Doolittles gewusst: nert sich der Architekt, sei darauf ver-
es wahrscheinlich schon, sind von Be- Das ist unser Mann – ein Architekt, zeichnet gewesen. Auf dieser Grundlage
ruf Künstler und Lebenskünstler; nach der nicht gegen die Landschaft arbei- entschieden sich die Doolittles intuitiv
ihrem Ausstieg aus der kalifornischen tet, sondern sie umarmt. „Meine Idee – der Startschuss für eine schier unend-

Warum nicht eine raumgrei-


fende Mahagonispirale und
Ufo-Leuchten im Haus instal-
lieren? Schließlich sind
der Phantasie keine Grenzen
gesetzt. Die Einbauten stam-
men von dem Allround-
Handwerker John Vugrin und
sind größtenteils fest mit
der Architektur verbunden.
TR AUMHÄUSER

Die Architektur wirkt, als


würde sie aus den Felsen
herauswachsen. Mit einem
Beton, in den größere
Kiesel eingeschlossen sind,
entwickelt sie sich zu höhlen-
artigen Bögen, zwischen
denen immer wieder das
Licht eindringt. Der Couch-
tisch mit seiner reptilien-
haften Struktur wurde
von John Vugrin gebaut.
Auch im Bad finden sich
ausschließlich Sonderanferti-
gungen. Das sanft geschwun-
gene Waschbecken besteht
aus lackiertem Holz, der
Spiegel darüber scheint von
Jugendstil und Antoni Gaudí
inspiriert zu sein.

„Das Projekt war, Ufo-artigen Leuchten und ein Mahago-


nielement, das irgendwo als Türbogen
wie von der Klippe beginnt und in einem tausendfüßler-
artigen Tisch endet. Ein kupferner Kü-
zu springen und chentresen schmiegt sich von der Seite
heran, im Bad entpuppt sich eine rät-
sich dann erst um selhafte Bronzeskulptur als Waschtisch
und die dreibeinigen Holzstühle am
Flügel zu kümmern.“ Esstisch sehen aus, als hätte sie Antoni
Gaudí persönlich entworfen.
BEV DOOLITTLE Technisch gesehen hat das Haus kei-
ne Wände. Das Ambiente entfaltet sich
liche Baugeschichte. Nachdem der 460 zwischen 26 sich nach oben ausweiten-
Quadratmeter umfassende Rohbau fer- den Betonstützen, die bis zu zwei Meter
tiggestellt war, übernahm ein vielsei- tief im Gestein verankert sind. Einge-
tig begabter Handwerker namens John streut dazwischen liegen mächtige Fel-
Vugrin den Innenausbau. Künstlerisch sen – „die meisten haben wir einfach
und kreativ begabt, schuf er die skulp- liegen lassen, wo sie waren“, erzählt der
turalen Möbel, die größtenteils fest mit Architekt. Durch die Zwischenräume
der Architektur verbunden sind. Aus der Säulen und Dächer fällt das glei-
seiner Hand stammen die reptilienhaf- ßende Wüstenlicht. Von vielen Stand-
te Eingangstür aus rostigem Stahl, die punkten aus kaum wahrnehmbar, ist

AW Architektur&Wohnen 171
TR AUMHÄUSER

„Die meisten Esstisch hängt, kann man morgens weit


in die Wüste hinaus und nachts in den
Felsen haben wir Sternenhimmel schauen.
Das High Desert House ist eher
liegen lassen, ein Kunstwerk als ein Zweckbau. Doch
Künstler sind auch nur Menschen. Die
wo sie waren.“ Doolittles suchten 2014, Stichwort barrie-
refreies Wohnen, etwas Praktischeres für
ihr Alter und zogen nach Utah. Nur zwölf
KEN KELLOGG
Jahre – also weniger als die Bauzeit – hat-
ten sie im High Desert House gewohnt.
gut isolierendes Glas in die Lücken ge- Das Werk ist dennoch in guten Händen.
spannt, sodass das Haus zugleich mas- Es gehört jetzt Matthew Jacobson, einem
siv und nach außen hin offen wirkt. Es Facebook-Manager, und seiner Frau Kris-
gibt fünf zwanglos definierte Ebenen mit topher Dukes, einer Interior-Designerin.
unterschiedlichen Räumen, die durch die Die beiden haben eine Schwäche für be-
Stützen eher abgeschirmt als abgetrennt sondere Häuser und betrachten das High
werden. Vom Schlafzimmer aus, das als Desert House als historisches Erbe, das es
eingehängte, runde Struktur über dem zu bewahren gilt.

Ein zweites Bad erhielt einen


skulpturalen Waschtisch
aus Bronze. Dahinter plät-
schert ein künstlicher Wasser-
fall in den Raum hinein.

Der Architekt Kendrick Bangs Kel-


logg gilt neben dem viel berühm-
teren John Lautner als einer der
bedeutenden Schüler Frank Lloyd
Wrights in Kalifornien. Seinen Leh-
rer lernte er 1955 bei einem Vortrag
kennen und wurde umgehend ein
Jünger, auch wenn er nie in dessen
Arbeitskommune Taliesin eintrat.
Ab den späten Sechzigern ent-
warf Kellogg mehr als ein Dutzend
erstaunlicher Häuser, darunter das

172 2/2018
Unter der brutalistischen
Balustrade verbirgt sich eine
Garage. Darauf eine
Dachterrasse, von der aus
Architekt Ken Kellogg den
Blick in die Wüste genießt
(unten). Bemerkenswertes
Detail sind die Geländer, die
schwungvoll um die einge-
streuten Felsen herumführen.

Surfer House in La Jolla und das doch Kellogg wandte sich danach
Onion House in Hawaii. Dazu kommt profaneren Aufgaben zu. Er entwarf
eine Hochzeitskapelle im japanischen eine Reihe von Restaurants der
Karuizawa, die wahrscheinlich zu den Chart-House-Kette, die sich außer
Fotos: Richard Powers/Photofoyer (9);

extravagantesten Formfindungen im mit Steak und Hummer auch einen


modernen Kirchenbau zählt: Wie in Namen mit seiner extravaganten
Porträt: Anthony Cotsifas

einem Trichter aus Licht und Beton Architektur machten. Erhalten ist das
wird der Blick hier immer tiefer in das Restaurant in Jacksonville, Florida,
Gebäude hineingesogen. (1501 Riverplace Blvd, Jacksonville,
Normalerweise bieten solche FL 32207). Ein anderes in Palm
Entwürfe die Chance auf immerwäh- Springs wurde trotz Protesten von
renden Ruhm im Architektenhimmel, Prominenten 2013 abgerissen.

AW Architektur&Wohnen 173
VERANSTALTUNGEN

Feierliche Ehrung
für Marcel Wanders
zum „AW Designer
des Jahres 2018“
Oh what a night! Traditionell steht der
Sonntagabend vor Eröffnung der
imm cologne ganz im Zeichen von
Architektur & Wohnen und dem
AW-Designer des Jahres. 2018 wurde
der Amsterdamer Marcel Wanders
geehrt. In der Galerie Martina Kaiser
lauschten 250 handverlesene Gäste den
Laudationes von Chefredakteur Jörn
Kengelbach und Giulio Cappellini,
dessen Anwesenheit den Preisträger
sehr bewegte – weil er es war, der
ihm einst zum Durchbruch verhalf.
Der Niederländer Rick Tegelaar erhielt
den Kaldewei Future Award by A&W.
1
2 4

174 2/2018
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(Kaldewei). 3 Katharina Hamma (Köln Messe), Annette
meine Welt des guten Geschmacks.
Buchta. 4 Jörn Kengelbach (AW) hält seine Laudatio. Wir beraten Sie gern, Von köstlichen Klassikern bis zu
5 Leo Lübke (Cor), Claudia Blumenberg, Jörg Slama leckeren exotischen Rezepten,
(Brand Media), Berthold Strüve (Cor). 6 Daniela Meu- rufen Sie uns an: die ich auf vielen Reisen für Sie
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AW Architektur&Wohnen
VERANSTALTUNGEN

6 7

8
9
1 Claudia Rosenberger (Brand Media), Bettina
Filizli (Auping), Ercan Filizli. 2 Klaus Scharf
(Romo), Sabine Rethmeier (Brand Media).
3 Jörn Kengelbach (AW), Sabine Postel („Tatort“-
Kommissarin). 4 Sonia van der Hagen (Dedon),
Harim Ses, Designer, Julian Michell (Studio
Marcel Wanders), Jan van der Hagen. 5 Meike
Steinbach-Bretz, Norbert Bretz. 6 Michael Sieger
in Begleitung seiner Tochter Greta. 7 Konzentrierte
Zuhörer bei den Reden. 8 Großer Auftritt für
den neuen Look: das AW-Cover für Köln.
9 Anette Pfeifer (Draenert). 10 Ute und Markus
Zimmermann, Tamara Karcher (Walter Knoll). 10
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Der Mensch hat auf seiner Suche nach Erleuchtung immer


auch Höhlen durchstiegen. Diese Kolumne entsteht in
einer unaussprechlich geheimnisvollen Nacht an einem fig. 1
mönchischen Refektoriumstisch. Dem Monde, Platons
Höhlengleichnis (1) und Novalis zugewandt. „Fernab liegt
die Welt – in eine tiefe Gruft versenkt – wüst und einsam das Schlafhormon Melatonin. „Man hat bei 125 000 Kran-
ist ihre Stelle. In den Sayten der Brust weht tiefe Wehmuth. kenschwestern, die nachts Schicht arbeiteten, festgestellt,
Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel dass 35 Prozent davon Darm- oder Brustkrebs bekommen
nach der Sonne Untergang.“ Melancholie steht uns irgend- haben. Es braucht nur in der Medizin immer sehr lange, bis
wie so gut. Und es hat ja auch etwas Blaublümiges, diese solche Großversuche ausgewertet sind.“
Idee von Sätzen, die wie Sternschnuppen vom nächtlichen Es wird Zeit, durchfährt es mich, dass auch Kolumnisten
Firmament in die Tastatur fallen. Doch dann kam auf eine Gefahrenzulage bekommen. Ein Gedanken-Lichtblitz,
wundersame Weise der Lichtforscher Christian Bartenbach doch da meldet sich schon wieder der Professor: „Uns ist
in meine dunkle Welt – wie ein Blitz, während eines Recher- in Versuchsreihen gelungen, ein Licht zu schaffen, das
cheausflugs in lichte Höhen: In einem steten Rhythmus aus Melatonin erhält und die Arbeitsleistung nicht reduziert.
Serpentinen und ansteigenden Geraden führt eine Bundes- Wir haben es ‚Feuerlicht‘ genannt, weil es diesem sehr
straße von Innsbruck hinauf nach Aldrans, einem kleinen ähnelt. Mit LED-Technik lässt sich ein solches Licht zum
Tiroler Alpendorf. Dort am Waldrand residiert Professor Beispiel sehr gut einstellen und würde die Lebensqualität
Licht in einem modernistischen Labor. Von hier aus hat er von Schichtarbeitern enorm verbessern.“
schon ganze Stadtteile, Flughäfen und die Türme Mekkas Schichtarbeitern wie mir. Weil Verlage aber bis zur
illuminiert. Warum also nicht auch mich? totalen Finsternis sparen müssen und sich auch im Traum
„Nachtarbeit ist ungesund.“ Nur drei Worte, mit denen nicht um die Illumination meiner Situation sorgen würden,
der Meister ansetzt, um mit seinem Lichtschwert all meine hat mir meine allerliebste Nachtschwester für diese Zeilen
nächtliche Emphase ein für alle Mal zu enthaupten. Man ihr ganz persönliches Feuerlicht zur Seite gestellt. Es ist
habe festgestellt, dass es in lichtarmen Ländern wegen die wunderbare reduzierte Stehleuchte (3) von Michael
der anhaltenden Dunkelheit in der Winterjahreshälfte die Anastassiades für Flos, die den Opalglas-Diffusor wie ein

Illustrationen: André M. Wyst; Karin Kellner (Porträt)


saisonale Depression gibt, eine richtige Volkskrankheit, die Lichtbutler vornehm an meinen Mönchstisch rückt. Mit
20 bis 30 Prozent der Bevölkerung zusetzt. „Lichtmangel ihrem Feuer an meiner Seite, da bin ich mir sicher, gewinne
reduziert Ihr Glückshormon“, sagt Bartenbach – Studien ich serotoningedopt jeden Kampf gegen die Buchstabenfins-
hätten zudem gezeigt, dass die meisten Menschen bereits ternis. Nur noch ein letzter Punkt im Morgengrauen.
bei ihren gegenwärtigen Arbeitsgewohnheiten nur vier
Prozent ihrer Zeit Tageslicht ausgesetzt sind. Und davon
verbringen sie auch noch die Hälfte im Auto. „Wir haben in
einer Versuchsreihe mit der Universität Innsbruck Proban- RALF EIBL
ist Editor-at-Large, Journalist, Autor mehrerer Bücher
den erst mit Medikamenten depressiv gemacht und dann 90 („Stilikonen unserer Zeit“) und Sammler.
Minuten Tageslicht ausgesetzt. Danach ging es ihnen ohne Er bekam unter anderem den Axel-Springer-Preis
weitere Medikamente besser, weil das Wohlfühlhormon und lebt mit seiner pubertierenden Tochter und einer
Serotonin (2) wieder da war.“ Genauso wichtig sei jedoch Lucie-Rie-Schale in München.

Die nächste Ausgabe erscheint am


8. Mai 2018 mit dem Titelthema „Landhaus radikal“.
178 2/2018
DIE WICHTIGSTE ZUTAT
ITALIENISCHER KERAMIK
IST DIE LEIDENSCHAFT VON LORETTA.

CERAMICS OF ITALY. ITALIANS MAKE THE DIFFERENCE.


Die wichtigste Zutat italienischer Keramik sind die Menschen. Wie Loretta, Dekorateurin, die ihre schöpferische Leidenschaft Tag für Tag
in etwas Einmaliges verwandelt. Nur herausragende Hersteller italienischer Keramik, Sanitärkeramik und Geschirr dürfen das Siegel
Ceramics of Italy verwenden, das für Qualität, Design und italienischen Stil steht. Verlangen Sie immer Ceramics of Italy, Garant für das
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Ceramics of Italy, getragen von Confindustria Ceramica - dem italienischen Fachverband der Keramikhersteller - ist
eine Marke der Edi.Cer S.p.A, dem Veranstalter der Cersaie (Internationale Fachmesse für Architekturkeramik und
Badezimmerausstattung, Bologna 24. - 28. September 2018 - www.cersaie.it).