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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg

28.11.2017
HS Lernerwörtebücher
Wintersemester 2017/2018
Referent: Nikola Zdravković
Dozent: Prof. Dr. Stefan Schierholz

Grammatische Angaben: Verben


1. Grammatische Angaben – Definition
„Angabe, deren Angabegegenstand eine grammatische Eigenschaft ist“ (Wiegand u. a. 2010, S. 508)
„Welche Angaben als Angaben zur Grammatik gelten, ist abhängig vom jeweiligen
Grammatikbegriff. Alle syntaktischen und morphologischen Angaben gehören zu den Angaben zur
Grammatik, z. B. folgende: Angabe besonderer Konjugationsmerkmale, Angabe der Adjektivklasse,
Angabe der besonderen Partizipbildung, Angabe der grammatisch regelhaften Graduierung, Angabe
der morphologischen Verbklasse, Angabe der syntaktischen Beschränkung, Angabe der syntaktischen
Verbklasse, Angabe der variierenden Singularbildung, Deklinationsklassenangabe,
Konjugationsklassenangabe, Perfektbildungsangabe, Pluralbildungsangabe, Verbzusatzangabe und
zahlreiche andere“(Wiegand u. a. 2010, S. 508)
2. Grammatische Angaben – Typen
- Wortformen, ausgeschrieben (lang, länger, am längsten) oder abgekürzt (Verein, der: -es, -e)
- Abkürzungen für grammatische Kategorien (wie adv für Adverb, vi für intransitives Verb, vt für
transitives Verb, pl für Plural)
- Erläuterungen mit Hilfe grammatischer Termini, ausgeschrieben (“ohne Plural”) oder abgekürzt (“o.
Pl.”)
- Kodenummern, die auf einen Grammatikteil verweisen (z. B. in Brockhaus-Wahrig 570 für “Verb
mit obligatorischem Akkusativobjekt und Infinitiv”)
- Sonderzeichen diverser Art (z. B. * für starke und unregelmäßige Verben, deren Formen in einer
Liste gefunden werden können)
- Implizite Angaben in der Bedeutungsbeschreibung oder in Form von Beispielen (z. B. Beispielsatz,
in dem bestimmtes transitives Verb anstatt der Angabe “transitiv” vorkommt)
3. Einige Phänomene aus dem Bereich der Grammatik der Verben
Flexion – Syntax – Valenz
3.1 Flexion
Die Angabe, wie die Flexionsformen aussehen; Im GWDS 1999 nur dann angegeben, wenn ein Verb
sowohl eine starke wie eine schwache Perfektform hat, sonst nur als „schwach“, „stark“ und
„unregelmäßig“ bezeichnet; Manche Wörterbücher haben Listen der starken und unregemäßigen
Verben; Das Finden eines Verbs in einem Wörterbuch kann bei der Sprachrezeption schwierig sein,
wenn es keine Wortformen als Verweislemmata gibt (einige allgemeine Wörterbücher); Statt der
Verweislemmata entweder die Infinitivform selbst rekonstruieren oder die Liste der starken und
unregelmäßigen Verben durchsuchen

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3.1.1 Trennbare und untrennbare Partikel
Beispiel wiederverwerten aus dem GWDS 1999; Grammatisches Vorwissen des Benutzers ist in
diesem Fall besonders wichtig; Beispiel nicht hilfreich; Lösung: Angabe der Stammformen,
ausgeschrieben (wiederverwerten – verwertet wieder – verwertete wieder – hat wiederverwertet);
Kein ge- Präfix zur Bildung von Perfekt benutzt; „vgl. wiederverwenden“ – Bezieht sich das auf alle
Teile der Wörterbucherklärung oder nur auf die Bedeutungsdefinition?
3.1.2 Perfekt-Hilfsverben
Generell betrachtet ist die Wahl zwischen den Hilfsverben haben und sein problematisch, besonders
bei den Verben, die u. U. beide benutzen; Daneben gibt es auch großregionale Unterschiede; Falls
man im Wörterbuch alle Stammformen angeben will, müsste man auch im Fall eines Wechsels des
Hilfsverbs die Alternative bei der Nennform ausschreiben
3.2 Syntax
Syntaktische Angabe = „die Angabe sogenannter Strukturformeln, nach denen der Benutzer richtige
Sätze oder Teilsätze bilden kann“ (Wiegand 1998, S. 82); Strukturformeln: fakultative und
obligatorische Ergänzungen; Subjektergänzung, obwohl fast immer obligatorisch, ist selten
angegeben; Problematisch sind die Abkürzungen, an denen der Benutzer sich gewöhnen muss, aber
auch die Regel wie diese Abkürzungen zu interpretieren sind; Klassifizierung der Verben in transitive,
intransitive, transitiv/intransitive und reflexive erfolgt besser, wenn man den betreffenden Kasus in
der Strukturformel angibt; Frage, ob man in einem Wörterbuch für Deutschlernende grammatisch
korrekte, aber nicht häufige Verwendungsweisen oder die transitiven Verwendungsweisen von einem
Verb angeben soll.
3.2.1 Unpersönliche Verben
Die Information, dass ein Verb unpersönlich ist kommt in vielen Wörterbüchern vor; Beispiel
„regnen“ aus dem GWDS.
3.2.2 Passivformen und funktionale Passiversatzformen
Diese Angaben gehören zu den syntaktischen Angaben in einem Wörterbuch; Im GWDS gibt es keine
Angaben zum Passiv; „Da die Grenze zwischen passivfähigen und nicht passivfähigen Verben nicht
durch eine allgemeine Regel angegeben werden kann, muss bei jedem einzelnen deutschen Verb
mitgelernt werden, ob es passivfähig ist“ (Engel 1988, S. 454); Da das werden-Passiv und sein-Passiv
nicht hundertprozentig korrelieren, müssen die Daten über das sein-Passiv miteinbezogen werden;
Auch die Daten über mögliche Bildung eines bekommen-, kriegen-, erhalten-, gehören-Passivs
müssten angegeben werde, weil diese nur bei bestimmten Verben möglich sind; Man könnte auch
funktionale Passiversatzformen inkludieren (z.B. sich+Verb; sich+Verb+lassen; es lässt sich+Verb)
3.3 Valenz
Fragen der Rektion („…die Wahl der angemessenen Präposition, des Kasus der abhängigen
Nominalgruppe, die Obligatorik bestimmter Satzglieder, die an die Verwendung bestimmter Verben,
Nomina und Adjektive geknüpft sind und je nach Bedeutung verschieden sein können…“ (Wiegand
2003, S. 330)); Diese Fragen werden besonders in speziellen Valenzwörterbüchern besprochen
4. Fazit
„Ein einsprachiges Wörterbuch, das für Ausländer geeignet sein soll, muß eine Wörterbuchgrammatik
enthalten. Diese muß selbst als Nachschlagewerk organisiert und über ein Verweissystem mit den
Wörterbuchartikeln verbunden sein. Bei der Verteilung der grammatischen lexikographischen Daten
auf entweder die Wörterbuchgrammatik oder den Wörterbuchartikel gehört alles, was nach eben

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dieser Wörterbuchgrammatik als regelhaft gilt, in die Wörterbuchgrammatik; grammatische
Besonderheiten dagegen gehören in die einzelnen Artikel“ (Wiegand 86:96)
5. Literaturverzeichnis
Bergenholtz, Henning (1984): Grammatik im Wörterbuch: Syntax. In: Studien zur neuhochdeutschen
Lexikographie V (Germanistische Linguistik 3-6/1984). 1984: 1-46.
Bergenholtz, Henning / Morgensen, Jens Erik(1998): Die Grammatik der Verben in „Langenscheidts
Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache“. In: Perspektiven der pädagogischen Lexikographie des
Deutschen. Untersuchungen anhand von „Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als
Fremdsprache“ (Lexicographica. Series Maior 86). 1998: 77-87.
Bergenholtz, Henning / Mugdan, Joachim (1982): Grammatik im Wörterbuch: Probleme und
Aufgaben. In: Studien zur neuhochdeutschen Lexikographie II (Germanistische Linguistik 3-6/1980).
1982: 17-36.
Kubczak, Jacqueline (2003): Die Grammatik der Verben im GWDS. In: Untersuchungen zur
komerziellen Lexikographie der deutschen Gegenwartssprache I. „Duden. Das große Wörterbuch der
deutschen Sprache in zehn Bänden. Print- und CD-ROM-Version.“ (Lexicographica. Series Maior
113). 2003: 319-336.
Wiegand, Herbert Ernst/ Beißwenger, Michael/ Gouws, Rufus H./ Kammerer, Matthias / Storrer,
Angelika / Wolski, Werner (Hrsg. 2010): Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung/
Dictionary of Lexicography and Dictionary Research. Bd. 1, A-C. Berlin/New York.

AUFGABE:
Welche grammatische Angaben bei dem Verb „wissen“ erkennt ihr und was würdet ihr in gegebenen
Fällen hinzufügen oder ausschließen?