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Die Entwicklung des französischen

Hellwegs („Rue d'Enfer“)


Joannes Richter

Zusammenfassung
Nach der Entdeckung der Rolle, die Eiszeitwinde bei der Entwicklung der „Hellweg“- und „Rue
d'Enfer“-Strukturen gespielt haben könnten, überprüfte ich nochmals die Unterschiede zwischen
den niederländischen Heelwegen, den deutschen Hellwegen und die belgischen Helstraten.
In Frankreich haben die Lößablagerungen sich nicht wie in der Niederlande auf einer flachen Ebene
gebildet. Vielmehr bildet die französische Tiefebene ein komplexes Muster schüsselförmiger Täler
und Hügelketten, in dem sich der Löß verteilte.
Das zugehörige Muster der „Santerre“ und „Enfer“-Markierungen ist nur im nördlichen Bereich
Santerre und in belgischen Lößbereich zuverlässig interpretierbar.
Die niederländischen Heelwegen
Die niederländischen Heelwegen sind oft etwa 15-20km lang und befinden sich meistens im
Windschatten eines vereinzelten Hügels in einer verlängerten Linie:
• hinter dem Hügel1 oder
• vor dem Hügel2.
Bei Kleve wurde die Hellweg-Markierungen im Rheintal wohl zerstört. Es sind lediglich Hellweg-
Markierungen im Maastal vor der Hügelkette vorhanden.
Die Mechanismen der Lößablagerung im Windschatten eines Hügels werden dokumentiert in Von
der Entstehungsphase eines Hellwegs in Dinxperlo-Bocholt
In der Eiszeit bildete der 93m hohe Hettenhügel einen Windschattenzone für die
Lößablagerung der fruchtbaren Sandteilchen, die vielleicht das Bodenniveau um etwa 1-
2m angehoben haben und die Fruchtbarkeit des Bodens zwischen Milt, Dinxperlo und
Bocholt verbesserten.

Deshalb wurde die Verbindungsstraße Hellweg versehen mit dem Prädikat „Heilweg“,
das in niederländischer Sprache als „Heelweg“ übersetzt wurde. Der Name ist
vergleichbar mit „Heilbad“ und deshalb nicht mit der Hölle oder gar „Helling“ („Hang“)
veknüpft.

Wichtig war die eben die Bodenqualität der Lößteilchen, die sich nur im Windschatten
eines Bergs anhäuften. Deshalb kann sich ein Hellweg, der im Windschatten eines
punktförmigen Bergs bildet sich nur als schmales Band entlang einer Ost-Westlinie
ausprägen.

Diese Situation kann man auf der 18,4 km langen Hellweg „Milt-Dinxperlo-Bocholt“
wahrnehmen.

Es ist jetzt die Frage wie weit nun der Windschatten eines Bergs reicht. Vielleicht sogar
60 oder 100 km weit?

Etwas weiter nördlich liegt eine „fruchtbare“ Sandhügelkette Halserug, die ebenfalls nur
etwa 2m auf etwa 18 km Länge angehoben wurde und ziemlich genau die gleiche
Ausrichtung Nordwest/Südost aufweist. Im Gegensatz zum Hellweg „Milt-Dinxperlo-
Bocholt“ gibt es für den Halserug keinen nahegelegenen Windschattenberg. Dieser
Halserug ist nicht als Windschattenzone entstanden. Der Löss wurde gegen einen
Berghang (Hollenberg) aufgehäuft.

Der Bericht dokumentiert die Gestaltung und Namensvergabe für fünf unterschiedliche
Lössablagerungen.

1 Diese geografische Situation gilt für die Heelwege bei Halserug, Dinxperlo und Beltrum
2 Diese geografische Situation gilt für die „Hel“-Markierungen bei Groesbeek bei Nimwegen
Die französische Rue d'Enfer-Markierungen
Zum Verständnis der geologischen Struktur Frankreichs erinnerte ich mich an einer Beschreibung in
dem Buch „Du und die Erde. Eine Geographie für Jedermann“ von Hendrik Willem van Loon aus
1932.
Darin wird Frankreich als eine schräg gekippte, ineinander gestapelte Tellersammlung modelliert.
„Frankreich gleicht ineinander gestellten Schüsseln; die innerste, die "Ile de France" mit
Paris ist das natürliche Zentrum des Landes.“

Das überzogene Bild dieser Teller leuchtet ein:

2: Frankreich gleicht ineinander gestellten


Schüsseln; 1: Geologischer Schnitt durch Frankreich

Die äußere Schüssel steht halb unter Wasser und reicht bis zur englischen Küste. Die Ränder dieser
Schüsseln stören die gleichmäßige Lössablagerungen, die in den Eiszeiten von den Westwinden
ausgelöst wurden. Ich versuche mit vier konzentrischen Kreisen um Paris herum die Situation der
Lössablagerungen zu skizzieren.

3 Die 4 französische Schüssel in Haase's


Karte (2007) der lößablagerungen

Südlich von Paris kann man genau genommen noch Lössablagerungen in der Qualitätsstufe
„Lößderivaten“ erwarten. Nördlich von Paris ist die Lage schlechter, da die Obenliegenden Hälften
der Schüsseln mit Löß gefüllt werden, aber die untenliegenden nicht. Physikalisch gesehen ist die
Berechnung der Lößverteilung recht problematisch - insbesondere, da der Neigungswinkel und die
Gebirgshöhen eine große Rolle spielen. Jedenfalls gibt es ein Loch in der Lößablagerung nördlich
von Paris, das wohl mit der geographischen Lage zusammenhängt.
Google Maps-Karte der „Rue d'Enfer“-Markierungen
Ich skizziere in der Google Maps-Karte „Rue d'Enfer-Markierungen in Frankreich“ ebenfalls die
vier Kreise. Es ist unklar wie die Lößverteilung zwischen den Rändern und Tälern aufgeteilt wird.
Im äußersten Ring befinden sich die belgische Markierungen die zur Lößablagerungen an der
belgischen Sprachgrenze Flämisch / Französisch auftreten.
Im mittleren Bereich befindet sich die „Santerre“-Region mit den höchstwertigen Lößablagerungen.
Im inneren Bereich wird nördlich von Paris eine Lücke angedeutet in den Lößablagerungen und in
den „Enfer“-Markierungen.

4: Die Rue d'Enfer-Markierungen in Frankreich


Die Löß-freie Zone in der Ile de France
In März 2008 untersuchte ich die “Heelweg”-Markierungen, die fruchtbare Löß- oder Löß-ähnliche
Ablagerungen andeuten3.
Einige von diesen bandförmige Ablagerungen wurden in den Nordwest- oder Westwinden geformt,
die teilweise von Hügeln abgeschottet wurden4.
Solche Mechanismen zur Gestaltung der Hellweg-Strukturen konnten in den Eiszeiten auch in
Norddeutschland, Belgien und Frankreich aktiv gewesen sein.

5: Löss-deposits in France 6: Rue d'Enfer-Markierungen in Frankreich

Ich verglich die europäische Lößdepotkarte von Haase (2007) - Haase's modern map (2007) of the
löss-deposits5 mit meiner Karte mit den französischen „Hellweg“-Markierungen (map of the Rue
d'Enfer-markers in France). Haase's Karte unterscheidet verschiedenen Lößqualitäten, die mit den
unterschiedlichen Namen verglichen werden konnten.

7: Legend to the Löss-deposits in France

In der obersten Zone befindet sich nördlich von der Somme eine orangefarbene Lößzone, welche
die höchstwertigen Lößschicht markiert.

3 The Etymology of the Words Hellweg, Rue d'Enfer, Santerre


4 8.3.2018 De oorsprong van de Heelwegen op de Halserug, bij Dinxperlo en Beltrum
6.03.2018 Het ontstaan van een Heelweg tussen Dinxperlö en Bocholt (in Dutch)
Von der Entstehungsphase eines Hellweges in Dinxperlo-Bocholt (German)
5 Bild zu: Neue Lösskarte Europas - Verbreitung des fruchtbaren Bodens erstmals seit Jahrzehnten wieder aktualisiert
(2007) - Quelle: Dagmar Haase/UFZ
Die Santerre-Zone („Gesunde Erde“, Latein: „Terra Sana“)
Die wertvollste Zone ist die Santerre-Zone („Gesunde Erde“, Latein: „Terra Sana“), was analog an
„Heelweg“ erinnert, das wohl auch als „Heilweg“ übersetzt werden soll.
Grob betrachtet entspricht die Dichte der Rue d'Enfer-Markierungen in Frankreich den Positionen
der Lössablagerungen. Die höchste Dichte liegt in der Picardie, nördlich der Somme.

Die Löß-freie Zone bei Paris


In einem Zentralteil Frankreichs (nordwestlich von Paris, nördlich von der Seine) existiert eine
(blau markierte) Löß-freie Zone, wo in der Karte map of the Rue d'Enfer-markers in France kaum
Anzahl der Rue d'Enfer“-Markierungen existieren. Diese Löß-freie Zone liegt südlich vom
fruchtbarsten Lößparadies „Santerre“.
Die Trennungslinie zwischen der Löß-freien Zone bilden im Norden die Somme und im Süden die
Seine.

8: Löß-freie Zone nordwestlich von Paris 9: Löß-freie Zone nordwestlich von Paris

Überhaupt bildet die Somme eine Grenze der hochwertigen Lößdepots. Südlich davon beginnt die
(braun markierten) Zone mit den “Lößderivaten”.
Auffallend groß sind südlich der Somme die Distanzen zwischen den französischen Stationen der
südlichen „Rue d'Enfer“-Markierungen, die oft nur sehr kurzen Straßenzüge in der Nähe eines
Stadtzentrums betreffen, zum Beispiel:
• Rue d'Enfer, 78720 Cernay-la-ville, Frankreich
• Rue d'Enfer, 91240 Saint-Michel-sur-Orge, Frankreich
• Rue d'Enfer, 91770 Saint-Vrain, Frankreich
Die Rue d'Enfer als Hellweg auf der Hauptachse von Paris
Die Rolle des Hellwegs (Rue d'Enfer) als Cardo (Hauptachse) von Paris wurde analysiert in Die
Rue d'Enfer als Hellweg auf der Hauptachse von Paris6.
Die „Rue d'Enfer“-Hauptachse führt von der Pont Petit („kleinen Brücke“) über die Seine südwärts.
Dabei ist vielleicht bedeutsam dass bei Paris zwischen der Seine und Somme keine „Rue d'Enfer“-
Markierungen existieren, aber auch kein Löss verzeichnet wird.
Die etymologische „Rue d'Enfer“-Etymologien sind dokumentiert in Rue d'Enfer (Paris, rive
gauche):
• Die „Rue d’Enfer“ wurde erstmalig 1569 dokumentiert und mehrmals umbenannt7.
• Abgeleitet von Via Inferior — bzw. von via Infera, → rue d'Enfer —, als Gegenpol zu rue
Saint-Jacques, der als via Superior betrachtet wurde.
• Es wird hingewiesen auf ein Zusammenhang mit « porte en Fer »
• Es gab eine Umbenennung zu Rue Denfert-Rochereau (in 1878)
• Zusammenhang mit passage d'Enfer, aufgebaut in 1855 um die cité d'Enfer zu umgehen.
• Auch gab es 1887 ein Boulevard d'Enfer, der 1887 umbenannt wurde in boulevard Raspail.

Die Pariser Unterwelt


Unter den Pariser Bezirken befindet sich ein Steinbruch, der ab etwa 1777 stillgelegt und als
Totenstadt und riesiger Friedhof in den Katakomben benutzt wurde8. Die unterirdische Steingruben
wurden auch benutzt zur Beerdigung der Pestopfer. Seit der Zeit nennt man den früheren
Haupteingang zu den Steinbrüchen und jetzigen offiziellen Zugang zu den Katakomben (s. u.) auch
barrière d'Enfer („Schranke der Hölle“). Exhumierte Gebeine wurden ab 1777 -1785 in die
Katakomben überführt9.
Da der Name für die Rue d'Enfer jedoch älter ist als die Benutzung der Katakomben als Friedhof, ist
der Namensursprung nach wie vor ungeklärt.

6 Scribd (pdf:) Die Rue d'Enfer als Hellweg auf der Hauptachse von Paris
7 Histoire
8 Rue d'Enfer (Paris, rive gauche)
9 Katakomben von Paris
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung................................................................................................................................1
Die niederländischen Heelwegen.....................................................................................................2
Die französische Rue d'Enfer-Markierungen...................................................................................3
Google Maps-Karte der „Rue d'Enfer“-Markierungen...............................................................4
Die Löß-freie Zone in der Ile de France..........................................................................................5
Die Santerre-Zone („Gesunde Erde“, Latein: „Terra Sana“)......................................................6
Die Löß-freie Zone bei Paris.......................................................................................................6
Die Rue d'Enfer als Hellweg auf der Hauptachse von Paris.......................................................7
Die Pariser Unterwelt.............................................................................................................7