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VO2 - Frühzeit der Denkmalpflege

Denkmalpflege

 geistige, handwerkliche und künstlerische Maßnahmen, die zur Er-u. Unterhaltung von
Kulturdenkmälern erforderlich sind.

Denkmalschutz

 rechtliche Anforderungen, Verfügungen, Genehmigungen, Auflagen und Untersagungen, die


Denkmalpflege sicherstellen.

Pausanias, ca. 2.Jh.n.Chr.

 Reiseschriftsteller, Geograf
 Buch: Beschreibung Griechenlands: berichtete über den Umgang mit dem Bestand an
historischen Gebäuden. (Sparta, Amphitheater etc.)

Heratempel, Olympia, ca. 600 v. Chr.

 Pausanias: beschreibt die Sanierung des Tempels in seiner Zeit. Säulen wurden oft
ausgetauscht oder saniert. Holz wurde durch Stein ersetzt.
 keine formelle DMP in der Antike, eher Sanierung

Kapitell, Forum Romanum

 Materialen waren wertvoll und nicht da um sie zu verschwenden.


 Gesetzlich verboten Kapitelle, Figuren etc. zu entwenden.
 Der Abbruch von Gebäuden darf den ästhetischen Zustand einer Straße nicht
verschlechtern.

Gratian, Valentinian und Theodosius

 über die Wertschätzung von Kunstwerken, Edikt von 382: Tempel sollen mehr nach dem
Kunstwerte, als nach der Göttlichkeit geschätzt werden.

Papst Gregor der Große

 Brief an den Bischof von Canterbury, 601 : heidnische Tempel sollen nicht zerstört, sondern
in christliche Kirchen umgebaut werden.

Bsp.: Rom, Pantheon, 118- 125 unter Ks. Hadrian

 Innen: rundherum sind Altäre


 Bernini: baute barocke Turmaufsätze --> wurden später entfernt
 ist erhalten durch den geschichtlichen Aspekt

Bsp.: drei gotischen Kapellen 13. bis 15. Jh. in Bad Dreikirchen bei Barbian im Eisacktal, Südtirol

 wurden über einem vorchristlichen, heidnischen Quellheiligtum errichtet --> Grund warum
sie bis heute steht.
 Kirche über einer natürlichen Quelle
Bsp.: römisches Amphitheater in Verona, um 30 n.Chr.

 im Mittelalter als Steinbruch verwendet, wurde saniert und wird seit 1913 als „Arena di
Verona“ für Opernaufführungen genutzt.

Bsp.: Payerne, Abbatiale, Mitte 11. Jh.

 wurde mit Steinen aus der früheren röm. Stadt Aventicum erbaut. Steine und Material
wurden abgetragen und zum Bau der Kirche in Payerne genutzt.

Bsp.: Avenches, Pfarrkirche, 12.Jh.

 1580: erweitert und umgebaut


 großer, weißer Steinblock: Spolie eines röm. Tempels. Kann bewusst oder willkürlich
eingebaut worden sein.

Bsp.: Aachener Dom, ca. 800 erbaut

 besteht aus 3 Teilen: gotisch, klassizistisch und karolingisch ( unter Karl dem Großen, 9.Jh.)
 er wollte das Kaiserreich wieder herstellen. --> es sollte ein Reich für die Bürger sein und die
Schreib-u. Lesekunst sollte sichtbar und für jeden sein.
 Aachener Pfalzkapelle: Oktogon, inspiriert von San Vitale in Ravenna
 es wurden Spolien (Bodenbelag etc.) aus Rom und Ravenna hertransportiert.
 kostbar und politisch begründet durch Bauteile aus vergangenen und weit entfernten Orten.

Bsp.: Genf, Kathedrale, 12. u. 13. Jh.

 im Untergrund: archäologische Ausgrabungen mit Vorgängerbauten aus dem 4. bis 11. Jh.
 über frühchristliche Kirchenfamilien und vorromanische Bauten entstand die heutige
Kathedrale mit gotischen und klassizistischen Ergänzungen und Überformungen.

Bsp.: Rom, Trajanssäule, 113 n. Chr.

 mit Geschichten aus der Kaiserzeit geschmückt.


 rundherum zerfallene Tempel
 Die Säule steht immer noch aufgrund der Ehrfurcht vor der Säule des Kaisers.
 gesetzlich geschützt vor Abriss--> bestehlen wurde in der Römerzeit unter Todesstrafe
gestellt.
 im MA Interesse an der röm. Antike --> Skulpturen waren gestaltet wie röm. Statuen.

Bsp.: Saint-Denis, Paris

 ab 1140: Erneuerung durch Abt Suger : Fassade wird " aufgebrochen" --> Fenster vergrößert
 Suger schreibt in seinem Buch: er will Kapitelle und Säulen renovieren
 ehemalige Abteikirche, Grabstätte der französischen Könige
 im MA spielte die Religion bei jeder baulichen Entscheidung eine wichtige Rolle.

Leon Battista Alberti

 bedeutender Architekt und Architekturtheoretiker der Frührenaissance


 u.a Entwerfer des Palazzo Ruccellai in Florenz ( ca. 1450)
 Rom, Santo Stefano Rotondo, 5./6.Jh.: renovierte und wieder genutzte Kirche von Alberti -->
heute: museale und kirchliche Nutzung

Brief über die Denkmalpflege

 Maler Raffael (ca. 1520) schrieb einen Brief an Papst Leo X


 Gründe der Wichtigkeit der Denkmalpflege, Bauaufnahme und Architekturdarstellung – bis
dahin gab es nur Ansichten! (keine Grundrisse oder Schnitte)
 Inhalt: Es soll behutsam mit den antiken Bauten umgegangen werden. Die Dinge die da sind
sollen die Erinnerung an das was mal war erhalten. Erinnerungen waren sehr wichtig für das
weitere Schaffen.
 Papst soll Gesandte schicken um ganz Rom zu analysieren und alles was wichtig erscheint, zu
kartographieren und archivieren. --> er erklärt wie man zeichnen muss: Zentralperspektive,
Maßstab etc.
 Raffael vergleicht die Zerstörer der antiken Bauwerke sogar mit den früheren Barbaren.
Marmorstatuen wurden zu Kalk vermahlen, Fundamente ausgegraben und Steine sowie
Eisen wurde aus dem Kolosseum entnommen. Raffael stirbt vor der Antwort des
Papstes.

Bsp.: Rom, Petersdom, Tabernakel

 bronzene Säulen von Bernini (ca. 1700). Die dafür verwendete Bronze stammt aus den
Deckenkasetten der Vorhalle des Pantheons.

Martin van Heemskerk , ca. 1500

 viele Künstler reisten nach Rom


 er war sehr interessiert an der röm. Antike --> malte viele Tempel und Gebäude aus Rom.
 zeichnete oft die Baustellen die heute fertig sind, z.B Petersdom und Konstantinbogen
 wichtig für die Nachwelt

Rom, Diokletiansthermen, ca. 300 erbaut

 früher total zerfallen


 aus den Ruinen hat Michelangelo eine Kirche errichtet: 1561 - Santa Maria degli Angeli (-->
Bauen im Bestand)

Zusammenfassung

 in der Antike hatte DMP wirtschaftliche und ästhetische Gründe.


 im MA : religiös und Symbolkraft unter Ks. Karl dem Großen
 Renaissance: durch Wiederentdeckung der Antike
VO 3 - Blick in die frühe Neuzeit: Gelehrte Romantik und Nationaldenkmäler

 auch außerhalb Italiens denkmalpflegerische Handlungen ( Philipp II in Spanien und NL)


 frühe Neuzeit = Geschichte Europas zwischen Spät-Mittelalter ( Mitte 13.Jh. -15.Jh.) und
Übergang von 18.-19.Jh.
 Konformes Bauen = denkmalpflegerischer Akt (in einer Epoche begonnen zu bauen, aber
aufgrund der langen Bauzeit wurde der Stil beibehalten – z.B romantische Bauwerke noch in
der Gotik gebaut)

Bsp.: Chateau de Vincennes, Sainte-Chapelle bei Paris, ca. 1400 und um 1550 fertiggestellt unter
Philippe de l'Orme

 Architekt, der die Kapelle wiederherstellte. Er baute in gotischen Formen fertig.


 gotische Kapelle, die wieder instand gesetzt wurde unter dem Stichwort " Konformität"

Bsp.: San Petronio, Bologna, ab 14.Jh.

 Kirche wurde nicht fertig gebaut – man überlegte wie man sie vollenden könnte, konnte sich
aber nicht einigen – sieht heute noch so aus, konform – nicht konform
 hatte zweigeteilte Fassade (ein Teil aus dem 14. und ein Teil aus dem 16. Jh.). Man wollte sie
fertigstellen und suchte geeigneten Architekten, aber man fand keinen.

Bsp.: Kathedrale Sainte-Croix, Orléans, ab 13.Jh.

 wurde um 16.Jh. durch den 100-jährigen Krieg schwer beschädigt.


 1601: Grundsteinlegung für "neuen Bau" nach gotischen Formen.
 Instandsetzung und Fertigstellung um 19.Jh. Man blieb "konform" und reparierte die
Kathedrale.

Bsp.: St.Pauls Cathedral, London, um 1700, Christopher Wren

 klassizistische Formen- er erhielt den Auftrag das Eingangstor vom Christ Church College in
Oxford zu bauen.
 Arbeitete ebenfalls konform mit bestehenden Strukturen und strebte nach Einheit. 1681
baute er das Tor nach gotischen Formen und Anpassung an Vorhandenes.

17./18.Jh.: Aufklärung

 Für verstärkte Vernunft – zurück zu Natur (Jean-Jacque Rousseau); Einfachheit, Moral,


Tugenden,...
 Fragestellung: „Was ist das Ursprüngliche?“ (noch nicht in denkmalpflegerischem Sinne, aber
in die Richtung gehend)
 Begriff der „Urhütte“ (Vitruv) = arch. Konzept. = Einfache Hütte als idealisiertes Prinzip des
Naturhauses in der Architekturtheorie des 18.Jh. -->Titelseite von " Essai sur l'Architecture"
von Marc Laugier.
James Hall, 18.Jh.

 inspiriert von Urhütten- Idee --> schuf Ableitung: gotische Architektur entstand aus
Holzarchitektur = eine Form der Urhütte (Holz kann weich sein, verformbar → aus
natürlichen Formen/Baustoffen entstand Gotik Europa – gotische Rippen → Äste
 Bsp: Sir James Hall, Entwurf für eine Flechtwerkkathedrale, 1792/93

Johann Wolfgang von Goethe

 1772: verfasste Text namens " Hymnus" (Sturm und Drang) : --> verwendete das Wort
Denkmal. Er sprach von der Einheit von Münster, die aus einzelnen Teilen besteht und ohne
die das Ganze nicht existieren könnte.
 Gotik sei eine deutsche Erfindung, daweil waren es die Franzosen
 zur selben Zeit: Dom von Speyer wurde restauriert

Bsp.: Dom von Speyer, ab 11.Jh.

 seit 1981: UNESCO Kulturerbe --> weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche
 viele Könige und Kaiser wurden darin bestattet
 durch Kriege und Brand öfters zerstört
 Zerstörung und Wiederaufbau führten im Laufe der Jahrhunderte zu starken Veränderungen
des ursprünglichen, romanischen Baustils.
 Mitte des 20. Jahrhunderts entschloss man sich aus diesem Grund dazu, das Dom-Gebäude
zu »reromanisieren«. --> Ausmalungen aus dem 19. Jahrhundert wurden auch entfernt.
 ursprünglich stand der Dom nicht frei, sondern war dicht umbaut.

Bsp.: Marienburg, 13./14.Jh

 erbaut: erste Hälfte vom 14.Jh. für den Deutschen Orden


 Mitte 15.Jh: gehörte zum Königreich Polen.
 unter preußischer Herrschaft: Militärmagazin, Webstühle und Wohnungen für Weber für ein
Beschäftigungsprogramm für die dortige Bevölkerung
 1772: seit der 1.polnischen Teilung gehört die Burg zum Königreich Preußen
 um 1800: Interesse der Allgemeinheit für die Erhaltung der Denkmäler
 1794: David Gilly reiste im Auftrag nach Marienburg --> Zustand untersuchen u. Gutachten
erstellen für eine Renovierung.
 Gutachten: schlechter Erhaltungszustand, er schlug Abbruch von Hoch.-u. Mittelschloss vor.
 Friedrich Gilly ( Sohn): wurde um 1800 Prof. an der Berliner Bauakademie. --> reagierte
anders als sein Vater u. war begeistert von der mittelalterlichen Burg-->fertigte vor Ort eine
Zeichnungen an
 Zeichnungen zeigten gotisches Bauwerk mit prächtigen Bauformen, schlanken Stützen etc. u.
wurde schlagartig berühmt. ( sie zeigten aber nicht den realen u. verwahrlosten Zustand der
Burg--> Idealbild)
 man wollte den geplanten Abbruch verhindern, weil es ein Denkmal der dt. Nation sei.-->
preußischer König Friedrich Wilhelm III stimmte zu.
 1815: Wiederaufbau durch Theodor von Schön--> konnte Spenden von Adel und Bürgern
sammeln.
 Bauformen wurden so genau wie möglich restauriert und rekonstruiert
 Ausstattung aber nach eigenem Geschmack: Glasfenster orientierten sich nicht nach dem
MA, eher wie romantische Historienmalerei: Wappen, Allegorien, Szenen des dt. Ordens etc.
Bsp.: Bauakademie, Berlin, 19.Jh. ,Karl Friedrich Schinkel

 wurde während dem 2. WK zerstört


 heute: Rekonstruktion

Bsp.: Kölner Dom, ab 12. Jh. bis 1510 / Vollendung: 1842-1880

 Baubeginn: 1248
 fertig: 1880, also ca. 630-640 Jahre Bau
 Denkmalpflege: größte Bauaufgabe vom 19.Jh. u. größte gotische Kathedrale von D.
 alle 3 Phasen sind des denkmalpflegerischen Umgangs haben ihre Spuren hinterlassen-->
 Mittelalter: nur der Chor und 2 Geschosse des südlichen Turms der Westfassade war fertig
geworden.
 1814: Joseph Görres: er wollte die Kathedrale als "ein Symbol des neuen Reiches, das wir
bauen wollen" zu vollenden. Problem war nur, dass es von der Westfassade keine Planrisse
gab.
 Georg Moller: er fand die eine Hälfte des Plans: den Fassadenriss aus dem 14.Jh. in
Darmstadt.
 Sulpiz Boisserée fand die andere Hälfte in 1816 in Paris
 Karl Friedrich Schinkel schuf daraufhin die vollständige Zeichnung mit Projektionen des
Risses und eine 3D Darstellung.
 Schinkel und der Maler Overbeck: wollten ihre künstlerischen Vorstellungen mit den
historischen Realitäten einer gotischen Kathedrale nicht abstimmen
 Wunsch nach Vollendung wurde immer stärken-->. Als sakrales Gegenstück zur Marienburg
wurde er zum Synonym für viele Sehnsüchte, die damals die Menschen bewegten.
 Für Kirche: war als gotische Kathedrale der Inbegriff der größtmöglichen Frömmigkeit, für
alle Kunstliebhaber der Inbegriff des deutschen Nationalstils und der deutschen Baukunst.
 1842: Durch König Friedrich Wilhelm IV : Grundsteinlegung.
 Bei aller Qualität richteten sich die Bildkünste dieser zweiten Phase an der zeitgenössischen
Ästhetik aus und nahmen nur wenig Rücksicht auf die gotische Architektur.
 3.Phase(Historismus): man versuchte , alle Kunstgattungen konsequent einander
anzupassen,
 war eine technische, finanzielle und politische Meisterleistung und so inspirierend dass nun
überall in Europa Kirchen fertiggestellt wurden.

Bsp.: Kirche der Sagrada Família, Antonio Gaudì (1852-1926), Barcelona

 1882 begonnen, soll bis 2026 beendet sein

Bsp.: Braunschweig, Burg Dankwarderode, ab 1175 durch Heinrich dem Löwen erbaut

 nach Brand 1873 entdeckte Ruinen der alten Burg


 Wurde abgerissen weil sie zu verfallen war
 man fand romanische Formen und behielt diese als Überreste für einen „Ruinenpark“
 Schließlich entschied man sich gegen den Ruinenpark und baute die Burg neu – vom
Fundament bis zum Dach. Dies ist eigentlich keine Denkmalpflege weil es ein kompletter
Neubau ist.
VO 4 - Viollet Le Duc & John Ruskin
Bsp.: Potsdam, Schloss Sanssouci, Mitte 18.Jh. unter dem König von Preußen

 Ruinenberg mit Becken --> Vorbild: römische Ruinen wurden 1:1 kopiert. Rom war im 18.Jh.
eine Ruine, man fing an es auszugraben.
 es sollte eine Fantasie wecken für das was dort verborgen --> hohes Interesse an den alten
antiken Ruinen
 Bsp.: Schloss Schönbrunn
 Bsp.: Wilhelmshöhle bei Kassel, Aquädukt etc.

Eugéne Emmanuel Viollet Le Duc (1814-79)

 bedeutendster u. einflussreichste Denkmalpflege Architekt des 19.Jh. in Europa


 lernte sehr viel über Architektur des MA: untersuchte, zeichnete u. lernte auch über dessen
Nutzungen
 "Dictionnaire raisonné de l'architecture francaise" (1854-68): grundlegende Fragen zur MA
Baukunst u. viele technische u. konstruktive Informationen
 1840: Benediktinerabteikirche St. Madeleine in Vézelay (Burgund) war vom Einsturz bedroht-
-> Le Duc wurde in Auftrag genommen u. restaurierte die Kirche erfolgreich--> er
respektierte den Bestand und veränderte nichts unnötiges.
 1845-1864: Restauration von der Notre-Dame Kathedrale in Paris (war nach franz. Rev.
schwer beschädigt)--> perfekte Wiederherstellung der Kathedrale--> leider
Verhaltensweisen, die wie eine historistische Restauration sind.
 Umso mehr er über die Baukunst der MA begriff, fühlte er sich souverän dem Denkmal
gegenüber--> Dekorationen wurden eingefügt wenn zu schlicht etc.--> er griff in die
Bausubstanz ein und "verbesserte" sie.
 Le Duc bekam viele Aufträge zur Restauration von Kirchen und Profanbauten.
 ruinöse Stadt Carcassonne --> er macht sie zu einer mittelalterlichen Idealstadt
 Burgruine Pierrefonds: stammte aus dem 14.Jh, er machte sie zu einer perfekten
Märchenburg. ( war später Vorbild für Schloss Neuschwanstein)
 Basilika St. Maria Madeleine, 12.Jh., Vézelay (F)
 Kathedrale Notre-Dame in Paris, ab 12. Jh.
 Kathedrale Lausanne ( Schweiz), 12./13.Jh.
 in D: Le Duc wurde schnell bekannt u. man lernte durch seine Publikationen neue techn.
Kenntnisse.
 3. Phase des denkmalpflegerischen Umgangs mit Objekten des 19.Jh.: war geprägt von Le
Ducs Perfektionismus

John Ruskin

 1819- 1900: Maler, Zeichner und Schriftsteller, der sich wissenschaftlich mit alten Bauten
auseinandersetzte.
 machte viele Aquarelle von Gebäuden in Venedig:
 Buch "seven lamps of architecture": er beschreibt menschliche Tugenden, die seiner
Meinung nach auch auf die Architektur zutreffen: Macht – Ordnung – Wahrheit –
Erinnerung – Gehorsam – Schönheit – Leben
 Wahrheit: er fordert ehrliche Architektur--> keine künstlichen Ruinen, keine Täuschung der
Konstruktion oder der Oberfläche.
 Erinnerung: Verhältnis von Gebäuden und von Geschichte. Ein Gebäude durchläuft mehrere
Zeitschichten und hat Ver- und Gebrauchsspuren. Die Herrlichkeit eines Gebäudes liegt
in seinem Alter.
 Gotik als zentrales Thema: Die gotische Architektur ist die, der wir nacheifern sollen.
 Zitat „Restaurierung ist eine Lüge von A-Z“
 er forderte er auch die Ehrlichkeit der Materialien. Diese Forderung wird später von
seinem Freund und Begründer "der arts-and-crafts" Bewegung William Morris
aufgegriffen. Morris ist allgemein ein großer Anhänger von Ruskins Lehren.

Zusammenfassung: Ruskin und Le Duc vertreten genau entgegengesetzte Positionen in der


Denkmalpflege. Ruskin möchte alles so lassen wie es ist und den Verfall höchstens ein wenig
aufhalten, während Le Duc Dinge wiederherstellt, die es so gar nicht gegeben hat.
VO 5 - Konservieren, nicht restaurieren

Camillo Boito, 1836-1914

 Nimmt eine Zwischenposition zwischen Ruskin und Viollet le Duc ein.


 Schriftsteller, Architekt, Kunsthistoriker, Ingeneur.
 ausgebildet in Venedig und Mailand
 Bis dato neu war seine Formulierung des Denkmals als Quelle von Geschichte.
 Für ihn ist Restaurieren zulässig, aber nur als Notlösung.
 Er stellt Grundsätze auf, welche später fast 1 zu 1 als Gesetz übernommen werden. (Camillo
Boito, sieben Punkte aus der „Carta del restauro“ (1883)
 vermittelt neuen Zugang zur Denkmalpflege

1. Gebäude sollen zuerst konsolidiert und instand gesetzt werden, anstatt gleich komplett
restauriert zu werden. Hinzufügen und Erneuern soll vermieden werden.
2. Ergänzungen sollen vom Bestand differenziert werden.
3. Ergänzungen sollen in der Form nachempfunden, aber unterschiedlich in den Materialien sein,
ohne das Gesamtbild zu beeinträchtigen--> Fehlstellen sollen vereinfach ergänzt werden.
4. Auch bei komplexen Bauwerken ( Mosaike, Wandmalereien) sollen die Ergänzungen nur
schematisch sein.
5. Dem ursprünglichen Denkmal später hinzugefügte Teile gehören zum Bestand.
6. Die Arbeiten sollen dokumentiert werden, schriftlich, zeichnerisch und mit Fotos vor, während
und danach.
7. Eine Inschrifttafel soll mit Datum und Bezeichnung an die Restaurierung erinnern.

 Bsp.: 1891, Porta Ticinese, Mailand, mittelalterliches Stadttor--> er machte zwei neue
Durchgänge, der mittlere Bogen mit Relief bleibt. Später sagt Boito, dass er sich bei diesem
Projekt nicht ganz treu gewesen wäre.

 Bsp.: um 1890, Padua, Donatello Altar in der Basilika San'Antonio um 1450--> er


rekonstruiert ihn und wird dafür sehr gelobt, aber niemand weiß wie der Altar ausgesehen
hat.

Luca Beltrami, 1854-1933

 Bsp.: Pinacoteca Vaticana


 Bsp.: Castello Sforzesco, Mailand

Bsp.: Heidelberger Schloss, 13.-18.Jh. bzw. 19.Jh.

 Streit wegen Wiederherstellungskampagne


 sehr aufwendige Anlage --> wurde im Mittelalter schon erwähnt--> Renaissance:
Festungskomplex
 prächtigste Bauten: Ottheinrichsbau (1556-66) und der Friedrichsbau (1601-07)
 Schloss wurde 2 mal gesprengt (Pfälzer Erbfolgekrieg um 1690)--> notdürftig
wiederhergestellt
 brannte um 1764--> seitdem Ruine
 Kurfürst verlegte Residenz nach Mannheim--> Schloss nicht mehr gebraucht
 1870/71: nach deutsch-franz.- Krieg: Plan Schloss wiederherzustellen.
 1897-1903: Wiederaufbau vom Friedrichsbau durch Carl Schäfer--> 1/3 aller Steine wurde
erneuert. --> Innenräume waren nicht mehr da: er baute sie völlig aus.
 1900: Schäfer soll auf Ottheinrichsbau wiederherstellen--> wollte einige Teile durch frei
erfundene, stilistisch angepasste Neuschöpfungen ersetzen.

Georg Dehio

 große Diskussion entsteht zwischen Repräsentanten der historisch orientierten


Vorgehensweise u. denen einer neuen Sinngebung der DMP--> größter Kritiker: Georg Dehio

 1901: Streitschrift von Dehio: Was wird aus dem Heidelberger Schloss werden?--> Kritik:
beim Friedrichsbau wurden schon so viele Steine ausgewechselt, beim Ottheinrichsbau
würde deshalb sein vorhandener Zustand verschwinden und stattdessen würde " teils eine
Kopie, teils ein Neubau" treten.

Dehio nahm es als Anlass um die DMP neu zu definieren:

 Wichtig: behutsamer Umgang mit den Denkmälern, da sie Dokumente vergangener Epochen
waren--> keine Kopien dulden
 gegen Historismus des 19.Jh.: " erhalten und nur erhalten": nur dann ergänzen, wenn die
Erhaltung materiell unmöglich ist. Wiederherstellung nur unter ganz bestimmten
Beschränkungen
 Heidelberger Schloss: Verlieren würde wir das Echte und eine Imitation gewinnen--> es
gelang den Gegner den Ottheinrichsbau zu erneuern und es blieb eine Ruine
 "Konservieren, nicht restaurieren": Wert von Baudenkmal liegt in seiner Authentizität und
die Erhaltung der Substanz ist entscheidend.

 um 1900: 1.Tag der Denkmalpflege--> große Phase der Auseinandersetzungen um


Grundsätze der DMP begann--> Historismus gegen Verfechter einer neuen,
substanzschonenden DMP--> Gegner von Historismus gewannen unter Dehio

 man begann, Historismus konsequent abzulehnen. --> Baudenkmal ist wichtiger als
zeitgenössische Architektur. --> Denkmäler erinnern nicht nur an vergangene Epochen,
sondern stammen materiell aus diesen, sind also authentische Zeugnisse.

Bsp.: Berliner Reichtagsgebäude, Paul Wallot, um 1900

 zerstört nach dem Reichtagsbrand 1933 und im 2.WK


 1995-99: umfassende Erneuerungs-u. Restaurierungsarbeiten samt neuer Kuppel durch
Norman Foster.
 Berliner Stadtschloss wurde auch zerstört und sollen wieder rekonstruiert werden.
 Palast der Republik ebenfalls zerstört und aus dem nicht wieder aufgebaut ( 2011-2019)
VO 6 - Denkmalwerte I
Was sind Denkmalwerte?

 Ort, Kult, Kunst, Material


 Ursprung, Nationaldenkmal
 Geschichte, Symbolik, Erinnerung, Legitimation
 Alter, Geschichte, Kunst
 Authentizität, Echtheit, Zeugnis
 Stilreinheit, Perfektion

Bsp.: Kathedrale, St. Etienne, Metz, 1220-1510

 konnte nicht fertig gebaut werden


 städtebauliche Eingriffe von Jacques Blondel ( um 1700) + barocke Portalzone
 Paul Tornow, um 1900: neugotisches Portal

Bsp.: Kreuzkirche, Dresden

 ursprünglich romanische Kirche, dann gotische Hallenkirche


 Brand im 15.Jh.
 1760: erneut zerstört und in klassizistischen Formen wieder aufgebaut
 Ende 19.Jh.: Wieder Großbrand --> wieder aufgebaut in Jugendstilformen
 Zerstörung im 2.WK--> Wiederaufbau um 1955 und instandgesetzt.
 Teile der Kriegsschäden wurden als Mahnmal belassen.
 letzte Restaurierung um 2000

Alois Riegl ( 1858-1905) und die Denkmalwerte

 wichtigster Theoretiker und Kunsthistoriker für die Definition des neuen Denkmalbegriffs
 Professor für Kunstgeschichte an der Uni Wien --> er erarbeitete wegweisende methodische
Vorstellungen für die DMP.
 1904: Generalkonservator für die Kunst-u. historischen Denkmäler.
 1903: Mitglied der k. u.k Zentral-Kommission für die Erforschung und Erhaltung der Kunst-u.
historischen Denkmäler
 1903: Auftrag für einen Gesetzesentwurf für österr. Denkmalschutzgsetz: Er machte sich
grundsätzliche Gedanken zu der Frage, welche Eigenschaften die Baudenkmäler denn für uns
wertvoll machen
 1903: Gutachten von der Altstadt von Split und dem Diokletianspalast. (um 300 n. Chr.)-->
wurde dank seinem Einsatz nicht freigelegt.
 Aufsatz: " Der moderne Denkmalkultus. Sein Wesen und seine Entstehung"--> revolutionär
für Denkmalpflege
 seine Wertekategorien gehören seitdem zu den Grundlagen, wenn es um die Frage geht,
warum es eine Aufgabe der Gesellschaft ist, Denkmäler zu erhalten.
 Nach Riegl besitzen Denkmäler Erinnerungswerte, die im weitesten Sinn an Vergangenes
erinnern, zum anderen Gegenwartswerte, weil sie Bedürfnisse befriedigen, für die sich auch
moderne Objekte eignen würden. Diese Hauptkategorien lassen sich so differenzieren:

1. Erinnerungswerte

 Entscheidend für die Erinnerungswerte ist die Zeit, die sich zwischen das Objekt und den
Rezipienten schiebt.
 Bedürfnis nach Vergangenheit gehört zu den Grunderfahrungen der Menschen,
 Denkmäler sind greifbare und erlebbare Zeugen von Vergangenheit und somit ideal für die
möglichen Arten von Aufarbeitung. Dabei unterscheidet Riegl zwischen zwei
Erfahrungswerten, dem Alterswert und dem historischen Wert.

--> historischer Wert: Forderung nach der Konservierung des Denkmals vs. Alterswert, der ein
Denkmal vollkommen unberührt lassen will.

 Alterswert: ist ein Gefühlswert der Menschen.

 Jedes Denkmal altert im Lauf der Jh., zeigt Spuren von Zerstörung--> natürlicher Kreislauf
von Werden und Gehen. --> Weckt im Menschen eine Stimmungswirkung, sie wollen es nicht
verlieren weil sie mit ihren Erinnerungen mit dem Objekt verbunden sind.
 verbietet Eingreifen des Menschen: nicht nur Eingreifen im Sinne von Zerstören, sondern
auch ein Eingreifen im Sinne von Erhalten weil damit ein Zustand konserviert wird und der
natürliche Kreislauf gestoppt wird.

 historischer Wert: ist ein wissenschaftlicher und daher ein reflektierter Wert (bedeutet
besonders Fachleuten und wissenschaftlich interessierten Laien etwas)

 deckt sich mit den von Dehio beim Streit um das Heidelberger Schloss formulierten
Argumenten.
 Das Denkmal ein historisches Dokument. -->Je besser das Denkmal in seinem
ursprünglichen Zustand erhalten ist, desto mehr Informationen können abgelesen werden,
desto höher ist der historische Wert. --> es soll möglichst unversehrt bleiben.--> Forderung
nach Konservierung

 gewollter Erinnerungswert: Bsp.: Konstantinbogen in Rom, um 300 n. Chr. --> für die
Ewigkeit gedacht --> oft ist ein Denkmal nicht mehr gewollt (z.B politische Denkmäler)

2. Gegenwartswerte
--> Durch die Gegenwartswerte kann ein Denkmal sinnliche bzw. geistige Bedürfnisse befriedigen.

 Gebrauchswert: --> sinnlicher Wert--> verlangt vom Denkmal einen Nutzen --> Je höher
dieser ist, umso besser ist die Erhaltung gewährleistet.--> Steht im Konflikt mit den
Erinnerungswerten, die den unveränderten Zustand beibehalten wollen, während der
Gebrauchswert die optimale Nutzung wünscht.

 Kunstwert: befriedigt geistige Bedürfnisse, die die ästhetischen Qualitäten eines Denkmals
umfasst.

a) Neuheitswert: Die künstlerische Schönheit eines Bau-oder Kunstdenkmals ist dann am


vollkommensten, wenn es völlig unverändert geblieben ist --> daher: Denkmal mit seinen
Altersspuren kann nie eine derartige Perfektion aufweisen.
--> verlangt deshalb Eingriffe am Denkmal, z.B Ergänzungen, Wiederherstellungen, Rekonstruktionen,
Übermalungen usw. bis es dem Neuheitswert einigermaßen gleichkommt. --> Faszination des Neuen.
Riegl lehnt diesen Wert und den Historismus ab.

b) relativer Kunstwert: fordert dagegen einen verantwortlichen Umgang mit den Denkmälern.

--> Wie die Geschichte lehrt, verändern sich nämlich im Laufe der Jahre die ästhetischen Urteile. Eine
subjektiv wahrgenommene Hässlichkeit eines Objekts wird nie dazu führen, dessen Eliminierung zu
verlangen.

--> Bsp.: Noch bis in die 1970er Jahre hinein galten die Schöpfungen des Historismus und des
Jugendstils als kitschig und missglückt, heute werden sie als künstlerische Leistungen anerkannt.

Beim relativen Kunstwert ist deshalb große Vorsicht geboten: Wenn die Einstellung zum Denkmal
positiv ist, das Objekt also allgemein als Kunstwerk anerkannt wird, dann man seine künstlerische
Qualität natürlich als gewichtiges Argument für die Erhaltung des Objekts einsetzen.

ABER: Bewertet man den künstlerischen Anspruch eines Denkmals als negativ, muss man sich die
Relativität der Begriffe klarmachen.--> Die Meinung kann sehr subjektiv und zeitgebunden sein-->
berechtigt nicht dazu, dem Denkmal jeden Kunstwert abzusprechen oder ein Eingreifen aus
geschmacklichen Urteilen heraus. --> ästhetische Ablehnung darf nie als Argument für die
Zerstörung oder Beeinträchtigung eines Denkmals verwendet werden!
VO 7 - Denkmalwerte II
In Ungnade gefallene " gewollte Denkmäler" --> Bsp.: Leninkopf

Streitwert

 unbequeme/umstrittene Denkmäler dürfen nicht alle weg --> entsorgen? schützen? pflegen?
Bsp.: Film " Goodbye Lenin"

 Lenindenkmal in Berlin von Nikolai Tomski (Einweihung 1970)


 1991: abgebaut und vergraben
 2014:Kopf wird wieder ausgegraben und ausgestellt
 Der Platz, wo früher die Statue stand heißt heute Platz der Vereinten Nationen

Bsp.: Bagdad, 9. April 2003

 ein Standbild von Saddam Hussein am Firdaw-Platz wird gestürzt


 man rüttelt an der Identität --> gewollte Erinnerungswerte

Bsp.: Berlin, Palast der Republik, 1973 und 1976, Heinz Graffunder

 2006-2008: schrittweise abgerissen


 Streitwert: Gebäude wie diese sollten nicht verschwinden --> man zerstört Anhaltspunkte
und Erinnerungen
 "Die DDR hat's nie gegeben"

Bsp.: Reichsparteigelände der NSDAP, Nürnberg, 1933-45, Albert Speer

 Kongresshalle, Zeppelinfeld, Zeppelintribüne


 Amerikaner zerstörten nur das Hitler Symbol
 Tribüne verfällt allmählich
 Streitwert: es soll im Bestand bleiben und als Erinnerungsmahl behalten bleiben

Bsp.: Flaktürme, Wien, 1944 errichtet

 Sie sind so massiv, dass sie eigentlich für die Ewigkeit gebaut wurden.
 heute: Haus des Meeres ( 70er) und Kletterwand: lange Bauzeit

Bsp.: Faschistisches Siegesdenkmal, Bozen,um 1930, Marcello Piacentini

 unter Sockel: wie eine Krypta, heute Infozentrum

Schauwert

 Ein neues Verhältnis der Gesellschaft zur Bildwelt


 kommt aus der Filmgeschichte
 Sie treten so weit hervor, dass sie zum Zentrum der Aufmerksamkeit werden können und die
story ihnen gegenüber in den Hintergrund tritt.

Bsp.: Film, Ben Hur, World War Z

 Der Schauwert von Massenszenen drangt zuweilen die Handlung in den Hintergrund

Bsp.: The Venetian Hotel and Casino Resort in Las Vegas, 1996-1999
 mit Rialtobrücke, Markussäule und Campanile --> kopiertes Venedig= Erlebnisposter
 echter Campanile in Venedig ist 1902 eingestürzt --> Wiederaufbau

Bsp.: Frankfurt a. Main, Römer (Rathauskomplex, Spät- MA/frühe Neuzeit)

 im 2. WK teilweise zerstört und massiv und beschädigt


 1950-1955 Teile außen originalgetreu rekonstruiert, innen aber völlig neu

Bsp.: Schloss Braunschweig

 heute: Kulturinstitut und Einkaufszentrum „Schlossarkaden"

Bsp.: Dresden, Neumarkt

 Fassaden etappenweise rekonstruiert


 große Anzahl an Neubauten erhalten historisierende Hüllen
 Frauenkirche wird rekonstruiert
 im Vordergrund: Reste des 2.WK
 viel Neu-Barock--> man will Alterswert eliminieren
 Schauwert wird problematisch wenn er sich verselbstständigt --> unsere Gesellschaft
funktioniert sehr stark mit Bildern

Plurivalenzwert (Wilfried Lipp)

 Bsp.: Venedig, Ponte dei sospiri (Seufzerbrücke)


 Denkmale dienen zuweilen auch „trivialen, alltagsbezogenen und fiktionalen“ Ansprüchen

Zusammenfassung

Die Begriffe „Plurivalenzwert“ und „Streitwert“ sind eine Beschreibung der Wertsetzungsprozesse
von Denkmälern.
Die Vorstellung einander konkurrierender Wertvorstellungen von Denkmalen machen die Denkmale
somit zu plurivalenten Gebilden, deren Bedeutung immer im Fluss ist und stets aufs Neue
ausverhandelt werden muss.

Weitere Denkmalwerte

 kulturelle Werte
 emotionale Werte
 Identifikationswerte
 politische Werte
 erzieherische Werte

Denkmalwerte – Denkmalbegriff - Kriterien der Bewertung:

 künstlerische Gründe
 wissenschaftliche Gründe
 technische Gründe
 geschichtliche Gründe
 städtebauliche Gründe etc.
VO 8 - Denkmalpflege in Österreich bis Max Dvorak
Im Sinne der Pietät und der Konformität waren in F, in D und in England Architekten tätig, die im
Sinne einer respektvollen und sich anpassenden Architektur denkmalpflegerisch aktiv waren. In der
VO bereits gezeigte und behandelte Beispiele aus dem 17. Jahrhundert:

 Schlosskapelle Vincennes, um 1550 von Philippe de l'Orme in gotischen Formen fertiggestellt


 Kathedrale von Orléans, ab 1600 in gotischen Formen ergänzt
 Christ Church College, um 1700 von Christopher Wren durch Gotik-Neubau ergänzt.

Bsp.: Wallfahrtskirche Mariazell

 war gotische Kirche


 um 1650: von Domenico Sciassia in barocken Formen erweitert und umgebaut.
 Hochaltar, geweiht 1704, von J.B. Fischer von Erlach.

Bsp.: Hofbibliothek Wien

 heute Nationalbibliothek
 Nach Setzungen im Gebäude und Rissen in der Kuppel (1750er Jahre) von Hofarchitekt
Niccoló Pacassi mit einem Eisenring verstärkt.
 Fresken von Daniel Gran
 damals gab es keine staatliche Denkmalpflege

1776: Edikt von Maria Theresia

 Umgang mit Münzfunden


 Regelungen über die Ausfuhr von Kunstgegenständen.
 Sicherung von Inschriftsteinen

1823: Joseph Helfert

 Jurist und Professor


 Verfasser des Buchs „Von der Erbauung, Erhaltung und Herstellung kirchlicher Gebäude“,
Wien 1823
 ein Buch mit Ermahnungen in der Art von Max Dvořáks „Katechismus“ von 1916.
 Art Ermahnung und Propagandaschrift, erreichte aber das Publikum nicht

um 1800: Adalbert Stifter

 Schriftsteller, Lyriker, Pädagoge


 Kefermarkter Altar, spätgotischer Flügelaltar wurde durch Initiative von Stifter restauriert.

1850: k.k. Central-Commission für die Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale

 viele Publikationen
 sehr fortschrittlich durch " Erforschung" (=Theorie) und Erhaltung ( =Praxis)
 Mitglieder aus vielen beruflichen Sparten ( Architekten, Baumeister, Kunsthistoriker, Dichter
etc.)
 Schwerpunkte: Objekte kennenlernen und Mitteilungsblätter publizieren.
 befördert praktische Denkmalpflege und „Restaurierungen“ nach der Devise der
„Stilreinheit“ und „Einheit“
Bsp.: Dom von Zagreb, 13./14. Jh

 um 1900: purifizierenden und vereinheitlichenden Renovierung

Bsp.: Klosterneuburg, Stiftskirche

 um 1900: Restaurierung durch Stilreinheit (Romanisierung und Regotisierung).

Max Dvořák (1874-1921)

 Nachfolger als Professor für Kunstgeschichte und österreichischer Generalkonservator


 schloss sich den Argumenten Riegls an --> Abbrüche im Kathedralbereich von der Altstadt
von Split wurden untersagt.
 1916: Buch " Katechismus der Denkmalpflege": im Gegensatz zu Riegl wusste er wie man
Texte schreiben muss um die Massen zu beeindrucken--> einfache, klare Sprache um das
Volk aufzuklären.
 Er klärt über die " Gefahren, die den Kunstbesitz bedrohen" auf:

 Unwissenheit und Indolenz ( Gleichgültigkeit)


 Habsucht und Betrug
 Missverstandene Fortschrittsideen und Forderungen der Gegenwart
 Unangebrachte Verschönerungs-und Erneuerungssucht

 führt immer ein Beispiel mit einem Gegenbeispiel an. Er sagt nicht gut oder schlecht, aber
er stellt die verschiedenen Beispiele so klar gegenüber, sodass jeder erkennt was ein
Fehlschlag ist und was nicht.
 prägt den Begriff Ensemble, aus dem sich Stadtbild und Ortsbild ableiten.

Historisch wichtige Momente der österreichischen Denkmalpflege:

 1873: Umbenennung in " K.K. Zentralkommission für die Erforschung und Erhaltung der
Kunst-u. historischen Denkmale ( drei Sektionen: Prähistorie und Antike, MA und neuere Zeit,
historische Denkmäler verschiedener Art)
 1894: 1. Gesetzesentwurf
 1903: neuer Entwurf mit Einleitung von Alois Riegl
 1911: Zentralkommission neu organisiert:
 Staatsdenkmalamt
 Denkmalrat
 Kunsthistorisches Institut
 1918: Staatsdenkmalamt wird Bundesdenkmalalmt mit zentraler Stellung
 1923: Denkmalschutzgesetz betreffend " Beschränkungen in der Verfügung über
Gegenstände von geschichtlicher, künstlerischer oder kultureller Bedeutung"--> präzise
Definition des Denkmalbegriffs
 1934: Große Veränderung: Das Staatsdenkmalamt wird durch eine Zentralstelle für
Denkmalschutz im "Bundesministerium für Unterricht" ersetzt.
 1940: "Institut für DMP" wird dem Berliner Wissenschaftsministerium unterstellt und hat als
zentrale Fachstelle keinerlei wesentliche Kompetenzen
 1946: Neugründung des Bundesdenkmalamtes (BDA). 1. Präsident: Otto Demus
 1978: Erstmals wird im Denkmalschutzgesetz der Begriff "Ensemble" eingeführt.
 2000: jüngste Fassung des österr. Denkmalschutzgesetzes
VO 9 - Ensemble - Ortsbild - Stadtbild
bis Ende 19.Jh.: Interesse vor allem auf den herausragenden Zeugnissen der Baukunst, während
schlichtere Objekte weniger Beachtung fanden. --> oft als störend empfunden

Deshalb wurden während und nach der Vollendung des Kölner Doms in den 1860er Jahren Gebäude
systematisch abgebrochen, die in unmittelbarer Nähe standen, um den Dom freizustellen.

 Ende 19.Jh.: viele Kritiker--> Camillo Sitte


 Buch: "Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen" --> über die Schönheit der
alten Stadt, verwinkelte Gassen etc.
 weigehende Wandlung: Schonung der historischen Altstädte--> gegen die Idee der großen,
geraden Prachtstraßen etc. -->mittelalterliche Stadtgrundrisse sollen Leitbilder werden für
den zukünftigen Städtebau.
 Sensibilisierte Denkmalpfleger -->erkannten den Alterswert historischer Ensembles und
forderten deren Erhaltung.
 Alois Riegl übernahm diese Idee --> Funktion als Generalkonservator für die Altstadt von
Split--> Plan war es, eine ganze Reihe von Bauwerken abzubrechen um dadurch die antiken
Monumente freizulegen. (u.a den Diokletianpalast) .--> er machte Gutachten. --> ließ kleine
Abbrüche zu, war aber gegen größere Zerstörung.
 Riegl kämpfte bis zu seinem Tod 1905 erfolgreich für die Erhaltung des Ensembles
 Nachfolger: Prof. für Kunstgeschichte und österr. Generalkonservator: Max Dvorak--> schloss
sich Riegls Argumenten an.
 1903: Tag der Denkmalpflege: Joseph Stübben wünschte sich auch mehr Behutsamkeit mit
dem Umgang von alten Stadtbildern.

Bsp.:

 Stadtbild von San Gimiano, Siena, Rom, Paris, Verona etc.

Denkmalpflege und Naturschutz

 wirt. Blüte der Gründerzeit und rücksichtslose Industrialisierung--> große Gebiete


Deutschlands und viele Baudenkmäler wurden zerstört, aber auch gewaltige Eingriffe in die
Natur waren die Folge.
 Ernst Rudorff: um 1900: übte Kritik an den Folgen der Industrialisierung, " Vergewaltigung
der Landschaft" etc.
 1904: Deutscher Bund Heimatschutz durch Ernst Rudoff

Ziele:

 Denkmalpflege
 Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise --> Erhaltung des
vorhandenen Bestandes
 Schutz landschaftlicher Natur und Ruinen
 Rettung einheimischer Tier-u.Pflanzenwelt
 Volkskunst
 Sitten, Bräuche, Feste und Trachten

 Interesse am Bund Heimatschutz nahm zu --> Vorsitzender war Architekt und Publizist Paul
Schultze-Naumburg.
 Buch „Kunst und Rasse"
 Mahnte sehr über die Gefahren für die Denkmäler der Natur
 schrieb Bücher mit Gegenüberstellung von Bildpaaren gut/schlecht ( wie später Max Dvorak)
 er lehnte Historismus ab

Schutzzonen

 Schweiz: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS)

Schutzzonen Wien

1972: Altstadtnovelle: Stadt Wien kann unabhängig vom Denkmalschutz Schutzzonen festlegen und
damit charakteristische Ensembles vor Abbruch oder Überformung schützen.

 Schutzzonen werden im Flächenwidmungs- und Bebauungsplan dargestellt: jene Bereiche,


in denen die Erhaltung des charakteristischen Stadtbildes zu sichern ist. (§ 7 der Bauordnung
für Wien) . Dies betrifft:

 seine natürlichen Gegebenheiten


 seine historischen Strukturen
 seine prägende Bausubstanz und
 die Vielfalt der Funktionen.

 Vor allem wird das äußere Erscheinungsbild eines Objektes geschützt.


 Beim Neubau innerhalb einer Schutzzone ist darauf zu achten, dass es sich in das Ensemble
und in das Stadtbild einfügt. Dabei ist eine zeitgemäße, qualitätsvolle Architektur
anzustreben.
 Schutzzonenmodell Wien: Daten von den Gebäuden, die als Grundlage für festgelegte oder
festzulegende Schutzzonen dienen.

Bsp.: Spittelberg, Leopoldau etc.


VO 10 - Grundsätze - Kriterien - Methoden I
Nachtrag: " Entschandelung" --> Individuelles war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge--> Bsp.:
Rathaus Hechingen.

Liste mit den wichtigsten internationalen Grundsätzen und Richtlinien der Denkmalpflege von
ICOMOS (International Council on Monuments and Sites)

 1931: Charta von Athen: Restaurierung von hist. Denkmälern


 1964: Charta von Venedig
 1972:Übereinkommen zum Schutz des Kultur-u. Naturerbes der Welt
 1981: Charta von Florenz (Historische Gärten)
 1987: Charta von Washington ( Historische Städte)
 1990: Charta von Lausanne ( Archäologisches Erbe)
 1994: Dokument von Nara zur Authentizität ( zusammen mit UNESCO und ICCROM)
 1996: Charta von Burra über den denkmalpflegerischen Umgang mit Objekten von kultureller
Bedeutung

Weitere Richtlinien von ICOMOS: Ausbildung, Dokumentation, Kulturtourismus, Wandmalereien,


Baustruktur, Umfeld von Denkmälern et.c

Charta von Nara (1994)

 1964: Die "international anerkannte Richtlinie" in der Denkmalpflege ist die Charta von
Venedig : Erhaltung des authentischen und historischen Wertes von Denkmälern
 Authentizität wird nicht näher definiert, eher konservatorische und restauratorische
Lösungen.
 1994 : 'Nara Dokument über Authentizität': Reaktion auf immer größer werdenden
Bedenken hinsichtlich des Schutzes von Kulturerbe --> propagiert den Respekt vor kultureller
Vielfalt.
 Thematisiert wird die Frage, ob es gut ist, etwas instand zu halten oder gar zu renovieren, da
hierbei zwangsläufig Originalsubstanz verloren geht.
 Ist Authentizität eine Wertkategorie – oder nicht? In Nara war die Antwort: Nein,
Authentizität soll nicht selbst als Denkmalwert betrachtet werden. Unsere Fähigkeit,
Denkmalwerte zu erkennen hängt davon ab, inwieweit die entsprechenden Informationen
und Botschaften sich als glaubhaft, wahrhaftig, gültig erweisen, d. h., als authentisch. Man
hat dafür einzelne Aspekte definiert:

- Form (Design),

- Material und Substanz,

- Funktion und Gebrauch,

- Bauweisen, Herstellungsprozesse, Traditionen (Handwerk),

- Ort, Situation (Setting)

 Kritik: in verschiedenen Kulturen sind die Werturteile über Denkmale ganz unterschiedlich.
 in der Charta wurde viel Raum für kulturelle Vielfalt gegeben: Alle Kulturen sind gleich
wichtig und verdienen vertreten zu sein.
Wichtigste Dokumente der UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural
Organization) zur Denkmalpflege und zum Umgang mit Kulturgütern

 1954: Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Wurde nach
dem 2.WK gegründet um sich mit den zerstörten und angeschlagenen Bauten
auseinanderzusetzen.
 1970: Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen
Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut
 1972: Übereinkommen zum Schutz des Kultur-u. Naturerbes der Welt
 2003: Charta zur Bewahrung des digitalen Kulturerbes

An Gebäuden angebrachtes Signet „Kulturdenkmal“ der Haager Konvention bedeutet, dass das
entsprechende Gebäude nach Haager Abkommen einen besonderen Schutz genießt.

Gründe für ein UNESCO-Welterbe


UNESCO ( United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) = Organisation der
Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation.

1972, Paris: Internationale Konvention für das Kultur-und Naturerbe der Menschheit: Konvention für
den Erhalt von Kultur-und Naturstätten, die einen "außergewöhnlich universellen Wert" besitzen.
Diese Denkmäler werden in die Liste des Welterbes aufgenommen. --> Sie werden von den Staaten,
in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen.

Gremium= zwischenstaatliches World Heritage Committee (Welterbekomitee) : 21 Mitglieder sind


Staatenvertreter, die alle Kontinente und Kulturkreise repräsentieren --> entscheidet jährlich über
die Aufnahme neuer Welterbestätten in die UNESCO-Liste und prüft, ob die bereits gelisteten Stätten
den Kriterien der Welterbekonvention noch entsprechen. Sie treffen sich einmal im Jahr um über die
Welterbeliste zu entscheiden.

Drei internationale Fachgremien beraten das Welterbekomitee:

 ICOMOS, International Council on Monuments and Sites ( Internationaler Rat für DMP)-->
beteiligt sich als Berater und Gutachter
 ICCROM: International Centre for the Study of the Preservation (Erhaltung) and Restoration
of Cultural Property
 IUCN, International Union for Conservation of Nature and Natural Resources = Internationale
Union zur Erhaltung der Natur

--> Voraussetzung für Aufnahme eines Denkmals in die Liste ist der Nachweis der in Konvention
festgelegten Kriterien:

 Einzigartigkeit, Authentizität (historische Echtheit) bzw. der Integrität ( Unversehrtheit)


und das Vorliegen eines überzeugenden Erhaltungsplans. Für eine Aufnahme müssen sie die
UNESCO- Kriterien erfüllen. (siehe unten)
 Denkmal besitzt herausragende universelle Bedeutung aus historischen, künstlerischen oder
wissenschaftlichen Gründen.

-->heute: UNESCO-Liste des Welterbes: 1007 Denkmäler in 161 Ländern= hohe Auszeichnung-->
profitieren von Touristen!

--> Es wird erwartet, dass sie besonders behutsam mit den Denkmälern umgehen und sich um ihrem
Schutz und ihre dauerhaften Erhaltung kümmern.

Kriterien für Kulturerbe


Die Güter....

I. ...sind ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft.


II. ...zeigen eine besondere Entwicklung von Architektur oder Technologie, der Großplastik, des
Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung.
III. ...stellen ein einzigartiges bzw. außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition
oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur dar.
IV. ... stellen ein hervorragendes Bsp. eines Typus von Gebäuden, Ensembles oder Landschaften
dar, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit zeigen.
V. ... stellen ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform,
Boden- oder Meeresnutzung dar, die für eine oder mehrere bestimmte Kulturen typisch ist
VI. ... sind mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder
Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von
außergewöhnlicher Bedeutung verknüpft.

Kriterien für Naturerbe

Die Güter...

VII. ...weisen außergewöhnliche Naturerscheinungen oder Gebiete mit Naturschönheit und


ästhetischer Bedeutung auf.
VIII. ... stellen außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte dar, darunter der
Entwicklung des Lebens, geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen
oder wesentlicher geomorphologischer oder physiogeografischer Merkmale.
IX. ... stellen außergewöhnliche Beispiele bedeutender ökologischer und biologischer Prozesse
in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen
sowie Pflanzen- und Tiergemeinschaften dar.
X. ...Güter enthalten bedeutende und typische Lebensräume, einschließlich solcher, die
bedrohte Arten enthalten --> haben aus wissenschaftlichen Gründen großen Wert.

Haager Konvention
--> wurde nach dem 2. Weltkrieg endgültig formuliert und wurde 1954 von 37 Staaten
unterzeichnet. Österreich trat dem Abkommen am 25. Juni 1964 bei.

= 1954: Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten ist ein
völkerrechtlicher Vertrag, mit dem Ziel abgeschlossen wurde, Kulturgut während eines Krieges oder
bewaffneten Konfliktes vor Zerstörung oder Beschädigung sowie Diebstahl, Plünderung und anderen
Formen einer widerrechtlichen Inbesitznahme zu schützen.
--> Kulturgut = „bewegliches oder unbewegliches Gut, das für das kulturelle Erbe der Völker von
großer Bedeutung ist“.

 bewegliche Kulturgüter : z.B Gemälde, Skulpturen, archäologische Funde, Bücher,


Manuskripte und Archive
 unbewegliche Kulturgüter gelten neben Denkmälern v.a Gebäude wie Museen, Bibliotheken,
Archive und Bergungsorte u. Denkmalzentren als Orte von größerem Ausmaß werden
ebenfalls als schutzwürdig betrachtet.

--> Schädigung von Kulturgut (egal welches Land) = eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen
Menschheit.
--> stellt daher den Versuch dar, die Gefährdung von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten aber auch
im Katastrophenfall gering zu halten, in dem rechtzeitig vorbeugende Maßnahmen zu seinem Schutz
getroffen werden.
--> Die Konvention verpflichtet alle teilnehmenden Staaten zur Respektierung und Sicherung des
eigenen und des fremden Kulturgutes durch Erfassung, Kartierung, Dokumentation und
Kennzeichnung des Kulturgutes (Konventionstafel) etc.

--> Österreich: Bundesdenkmalamt (BDA) ist mit der Auswahl dieser Objekte beauftragt und führt
(gemäß der Verordnung des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur vom 23.02.2009)
eine Kulturgüterschutzliste, die derzeit insgesamt 135 Objekte (Einzelobjekte, Denkmalanlage,
Ensembles) umfasst.

Europarat

 1975: Erklärung von Amsterdam ( Europäischer Denkmalschutzkongress)


 1975: Europäische Denkmalschutz-Charta
 1985: Übereinkommen zum Schutz des arch. Erbes
 1992: Europ. Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes

Charta von Venedig 1964


-->Denkmalpflegern wurde bewusst, welches Ausmaß die Verluste an alter Bausubstanz zu erreichen
begannen--> waren besorgt über den Zustand der städtischen und ländlichen Strukturen und
protestierten--> Baugesetzen der Ländern waren viel zu vage, um tatsächlich helfen zu können.

--> 1964: II. Intern. Kongress der Architekten u. Denkmalpflege in Venedig: Fachleute setzten sich
zusammen, um über die Aufgaben der Denkmalpflege und über allgemeingültige Grundlagen des
denkmalpflegerischen Handelns nachzudenken.

--> Ergebnis: Thesenpapier = Charta von Venedig: Denkmäler sind " lebendige Zeugnisse
jahrhundertealter Traditionen der Völker..Menschen sich ich den kommenden Generationen
verantwortlich für die Bewahrung.."

--> Denkmalbegriff wird ziemlich umfangreich definiert--> umfasst nicht nur das einzelne Denkmal,
sondern auch das städtische oder ländliche Ensemble.

--> Konservierung und Restaurierung soll wissenschaftsorientiert ist und interdisziplinär erarbeitet
werden.

--> Ziel: Erhaltung des Kunstwerkes als geschichtliche Zeugnisse. Aus den weiteren Artikeln sollten
diese Leitsätze hervorgehoben werden:

 Denkmäler erfordern eine dauerhafte Pflege


 eine vernünftige Nutzung wird empfohlen, "darf aber Struktur und Gestalt der Denkmäler
nicht verändern"
 Die zum Denkmal gehörende Umgebung muss erhalten bleiben und darf nicht zerstört oder
umgestaltet werden.
 Die Translozierung eines Denkmals ist nur zulässig, wenn es nicht anders erhalten werden
kann.
 Bei Restaurierung: Bewahrung von "die ästhetischen und historischen Werte des Denkmals"
bewahren. + "vorbereitende und begleitende archäologische, kunst-u.
geschichtswissenschaftliche Untersuchungen."
 Stilreinheit ist kein Restaurierungsziel.
 sorgfältige Dokumentation aller konservierender und restaurierender Art durch Archive-->
müssen wissenschaftlich zugänglich sein
Zusammenfassung: Organisation der Denkmalpflege, national und international (
Charten..)--> Übersicht

--> Die Denkmalpflege erfährt zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit durch das Wirken großer
internationaler Organisationen mit einschlägiger Aufgabenstellung.

ICOMOS: International Council On MOnuments and Sites. Publiziert Charten, die berühmteste
davon ist die Charta von Venedig.
= internationaler Rat für Denkmalpflege, der 1965 in Warschau gegründet wurde.
= eine internationale, nicht staatliche Organisation mit Sitz in Paris, die sich weltweit für Schutz
und Pflege von Denkmäler bzw. Denkmalbereichen und die Bewahrung des historischen
Kulturerbes einsetzt.

UNESCO: ist an den ICOMOS angeschlossen.


= United Nations Educational, Scientifiv and Cultural Organization (=Organisation der Vereinten
Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation)
--> 1972, Paris: Internationale Konvention für das Kultur-und Naturerbe der Menschheit: Konvention
für den Erhalt von Kultur-und Naturstätten, die einen "außergewöhnlich universellen Wert" besitzen.
Diese Denkmäler werden in die Liste des Welterbes aufgenommen. --> Sie werden von den Staaten,
in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen.

Europarat: 1949 in London gegründet--> ist heute europäische internationale Organisation mit 47
Staaten mit 820 Millionen Bürgern
--> Forum für Debatten über allgemeine europäische Fragen --> fordert wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritt
--> rief 1975 das europäische Denkmalschutzjahr aus. Er publiziert die Europäische
Denkmalschutzcharta (unterscheidet sich nur wenig von der Charta von Venedig).

ISOS: Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz

Bundesdenkmalamt: geht zurück auf die 1850 durch Kaiser Franz Joseph I. gegründete KuK-
Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmäler
VO 11 - Grundsätze - Kriterien - Methoden II
Kriterien zur Beurteilung der Denkmalwerte

Künstlerische Gründe

 Künstlerische Qualität
 Entwicklungsgeschichtliche Bedeutung
 Relevanz im Werk eines Künstlers
 Seltenheitswert

Geschichtliche Gründe

 Siedlungsgeschichtliche Bedeutung
 Religionsgeschichtliche Bedeutung
 Wichtiger Zeuge einer Geschichtsepoche
 Stätte politischer Ereignisse
 Geburts-, Wirkungs- oder Todesstätten von Persönlichkeiten
 Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte, Wirtschaft
 Gartenbaukunst, Volkskunst

Wissenschaftliche Gründe

 Bedeutung für die Kunstwissenschaft


 Bedeutung für die Naturwissenschaft / Erdgeschichte
 Bedeutung für die Vor- und Frühgeschichte
 Hausforschung

Technische Gründe

 Zeuge für die Entwicklung der Technik


 Zeuge für Konstruktion und Herstellungsart
 Handwerkliche/technische Qualität und Ausführung
 Unveränderte Erhaltung des Originalzustands
 Guter bauphysikalischer Zustand (sekundär)

Städtebauliche Gründe

 Bedeutung eines Objektes für das Ortsbild


 Symbolwert für gesamten Ort
 Raumbildend, raumprägend, charakteristisch
 Maßstabsbildend (Umgebung)
 Zeuge eines historischen städtebaulichen Konzepts

Leitvorstellungen/Methoden

Denkmalpflege beurteilt den Zustand von Kulturdenkmälern und entscheidet -wenn nötig- zu
ergreifende Maßnahmen des Erhalts.

Behörden: wissenschaftliche und technische Kompetenz und finanzielle Förderung .Rechtliche


Rahmenbedingung sind die Denkmalschutzgesetze der Bundesländer.

Von Kulturdenkmal zu Kulturdenkmal ist individuell zu entscheiden, wie es dauerhaft erhalten


werden kann. Die wesentlichen Vorgehensweisen sind in der Charta von Venedig festgehalten.
Instandhaltung

 angemessene Nutzung
 Reinigungs- und Pflegearbeiten am Denkmal: Befestigen von Ziegeln, Ausfugung, streichen
von Fenstern usw.
 vernünftige Klimatisierung
 Anstriche erneuern
 Dachrinnen und Fensterbänke reinigen
 Dachziegel
 Bewuchs entfernen
 abstauben, Objekte geschützt lagern

...altern ohne Hinfälligkeit.

Instandsetzung

 in größeren Intervallen, oft mangels kontinuierlicher Pflege notwendig


 kleine Reparaturen, Teile auswechseln oder ergänzen
 Maßnahmen auf das Notwendigste beschränken
 Reparatur vor Erneuerung
 Kontrollierte Sicherungstechnik

 Mauern sichern und ausbessern, fehlenden Verputz ergänzen


 Handwerk vor Maschine
 Verzicht auf industriell gefertigte "Wegwerfprodukte" (z.B Kunststofffenster)
 Reversibilität anstreben ( z.B Holzdecken statt Betondecken)
 Repariertes soll selbst reparierbar sein
 Maßvolle Sicherungen ( Festigung, Härtung, Imprägnierung etc.

...Ein Bauwerk ist nie zum letzten Mal in Stand gesetzt.

Sanierung

 = baulich-technische Wiederherstellung oder Modernisierung eines Bauwerks oder mehrerer


Bauwerke (bis hin zu ganzen Stadtvierteln), um Schäden zu beseitigen und/oder den
Wohnstandard zu erhöhen. ( geht über die Instandsetzung hinaus)
 --> kann erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz umfassen
 Ziel: Wiederherstellung zu einem nutzbaren Zustand.
 es gelten verstärkt dieselben Grundsätze wie bei der Instandsetzung ( Reparatur durch
Austausch/Reversibilität/ nur wirkliche Schäden reparieren/authentische Materialien und
Techniken)
 Die in Aussicht genommene Nutzung muss mit der erhaltenswerten Substanz verträglich
sein. Erneuern darf nicht zerstören.
 Falsch durchgeführte Sanierungen altern schlecht.
 Mineralische Verputze anstatt Kunststoffbeschichtungen
 Zurückhaltende Modernisierungsmaßnahmen ( Einrichtungen, Installationen)

...Ein Denkmal sollte auch in Zukunft altern können.


Konservierung

 oberste Priorität in der DMP


 Erhaltung und Sicherung des historisch-materiellen Bestandes.
 Ziel: Bewahrung des originalen Zustandes und Erscheinungsbildes zum Zeitpunkt der
Maßnahme.
 durch Reinigung, Pflege oder behutsame Festigung des historischen Materials.
 Statische Hilfskonstruktionen, Überdachungen etc.
 Putzschichten verbessern
 Ev. neueste Techniken anwenden.
 Bsp.: Gänsehäufel Bad in Wien

...ein Denkmal kann auch als Fragment konserviert werden.

Restaurierung

 "restaurare" = wiederherstellen
 umsichtige, gerechte Analyse der historischen, kunsthistorischen und sonstigen
erhaltenswerten Schichten am Denkmal --> diese Kriterien müssen abgewogen werden und
nur wo das Werk stark gefährdet oder fehlerhaft ist eingreifen.
 ästhetische und historische Werte sichtbar machen, beeinträchtigte Werte wiederherstellen
(Warnung vor falschen Interpretationen; „durchgreifende“ Restaurierungen meiden.
 sog. „analytische“ und „purifizierende“ Restaurierungen vermeiden
 Bsp.: Stadtpalais Liechtenstein

...Spurensicherung darf nie Selbstzweck sein.

...auch erkannte "Fehler" gehören zur Biographie des Baus.

Renovierung

 "renovare" = erneuern
 Wiederherstellung verloren gegangener oder unscheinbar gewordener ästhetischer
Eigenschaften.
 Ziel: die ästhetische Ganzheit des Denkmals und nicht dessen technische Integrität.
 kunstwissenschaftliche und technische Analysen sind unbedingt notwendig
 Problem bei der Analyse und Interpretation: Was ist Dreck und was ist Patina?
Gewinn/Verlust
 Renovierung ist dort akzeptabel, wo originale Substanz technisch nicht mehr konservierbar
ist.
 Bsp.: Opernpassage in Wien

...ein renoviertes Bauwerk " in neuem Glanz" ist verdächtig.

UNTERSCHIED RESTAURIERUNG - RENOVIERUNG

Sicherung und Erhaltung von originaler Substanz --> ursprünglichen Zustand und Gebrauchswert
(Restaurierung) wieder herstellen oder ein ursprüngliches Erscheinungsbild (Renovierung) erneuern:
 1. Restaurierung: Wiederherstellung der ursprünglichen Gebrauchsfähigkeit unter
Bewahrung der originalen Substanz. Die Rückführung auf einen „Originalzustand" ist nicht
das Ziel einer Restaurierung.
 2. Renovierung: Wiederherstellung eines einst vorhandenen Erscheinungsbildes, ausgehend
vom originalen Befund.
Ergänzung

 Das Ergänzen verhält sich bei der Konservierung und Restaurierung unterschiedlich.
 bei Konservierung: keiner Ergänzungen
 bei: Restaurierung: Schließen von Fehlstellen etc. ist erlaubt
 Ergänzungen sollen vom Originalbestand unterscheidbar sein und dürfen das Denkmal nicht
verfälschen (Charta von Venedig, Art. 12).
 Sparsam ergänzen! --> Mindern den Alterswert
 Nur unter bestimmten Voraussetzungen: Retuschen bei Malereien, Ergänzungen von Stuck
etc.
 Aus konservatorischen Gründen notwendige Schließung von Mauerlücken etc.
 Bsp.: Museum für Naturkunde, Berlin

...Ergänzungen sollen weder imitieren noch modisch kontrastieren

Kopie - Imitation

 richtet sich eigentlich gegen die Ziele der Denkmalpflege. Die Geschichtlichkeit eines Objekts
ist nicht wiederholbar bzw. dann nicht mehr authentisch
 Kopien sind manchmal notwendig, um Originale zu schützen (Bauplastik, Glasmalereien);
Bedingung: die Existenz des Originals bleibt gesichert.
 Das Kopieren in der Baudenkmalpflege scheitert häufig an den großen Dimensionen. – Alles
Andere ist Imitation (nachempfunden und erfunden) und kommt einer Fälschung nahe.

... das Kopieren scheitert häufig (Material, Technik, Qualität etc.).

Rekonstruktion - Wiederaufbau

 = Wiederherstellung eines verloren gegangenen Erscheinungsbildes von Bauteilen oder


ganzer Bauten teilweise ohne Originalbefund auf der Grundlage schriftlicher und bildlicher
Quellen und Ergebnissen der Bauforschung.
 Rekonstruierte Objekte= Neuschöpfungen--> Ausnahmesituation bei der Denkmalpflege. Sie
sind oft keine Kulturdenkmäler
 Wiederaufbau sollte auf Katastrophenfälle beschränkt sein und unmittelbar nach der
Zerstörung eines Denkmals erfolgen.
 Wiederaufbau am selben Ort ist zwingend.
 "Verbessernde", "reinigende und spätere Zutaten sind abzulehnen.
 Bsp.: Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert: Das antike Athener Panathinaiko-Stadion
wurde zu den Olympischen Sommerspielen 1896 wiederaufgebaut
 Bsp.: Frauenkirche in Dresden, 1994- 2005
 Bsp.: Campanile, Venedig

...wo die Hypothese beginnt, hört die Denkmalpflege auf.

Anastylose

 partielle Wiedererrichtung eines verfallenen historischen Bauwerks unter Verwendung


seiner originalen, erhaltenen Bauteile. (z.B antike Tempel)
 strebt keine Wiedergewinnung des originalen, intakten Denkmals an und vermeidet
weitergehende Rekonstruktionen.
 Fehlstellen können erkennbar ergänzt werden.
 eher selten außerhalb der Archäologie
 bei der DMP: eher selten und kritisch zu prüfen.
 Bsp.: ist die Celsus-Bibliothek in Ephesos.

...auch ein Trümmerhaufen kann ein Denkmal sein.

Translozierung - Gebäudeversetzung

 = Verfahren der Gebäudeversetzung. Das Gebäude wird dokumentiert abgebaut und


anschließend möglichst originalgetreu an anderer Stelle wiederaufgebaut.
 Diese Rekonstruktion an anderer Stelle ist oft eine Notmaßnahme bei drohendem
Totalverlust. --> sollte nur gemacht werden, wenn das betreffende Objekt sonst nicht zu
halten ist.
 verliert somit den Denkmalwert
 Denkmäler sollen nicht versetzt werden.
 Bsp.: Ägyptischer Tempel von Abu Simbel

...das technisch Machbare ist noch kein Freipass es auch zu tun.

Altern lassen

 Keine oder nur sehr geringe Eingriffe. Um 1800 und um 1900 vor allem bei Burgruinen ein
gängiges Konzept, gegenwärtig vor allem bei großen Industrieanlagen angewandt als
kontrollierter Verfall.
VO 12 - aktuelle Herausforderungen
1972: Übereinkommen zum Schutz des Kultur-u.Naturerbes der Welt

Der Massentourismus kann das Kultur- und das Naturerbe längerfristig zerstören.

 Ein UNESCO-Weltwerbe muss gemäß Konvention von 1972 „von außergewöhnlichem


universellem Wert“ sein, einzigartig, authentisch und unversehrt.
 Art. 1 der Weltwerbe-Konvention umschreibt, was als Weltkulturerbe gelten kann:
Denkmäler, Ensembles, Stätten - aus geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen
Gründen. (z.B Ägypten, Pyramiden von Gizeh, Tadj-Mahal Tempel in Indien)
 Art. 2 der Weltwerbe-Konvention umschreibt, was als Weltnaturerbe gelten kann:
Naturgebilde, geologische und physiographische Erscheinungsformen, Naturstätten. (z.B
Brasilien/Argentinien, Iguazú Nationalpark oder Peru, Macchu Picchu

Insgesamt 1031 Welterbestätten, davon 802 Kulturerbe, 197 Naturerbe, 32 Natur-/Kulturerbe; 48


gefährdete Welterbe-Stätten (rote Liste); 2 gestrichene.

 2015: 24 neue Welterbestätten


 rote Liste: Mali, Aleppo, Syrien, Damaskus, Palmyra etc. --> Zerstörungen vieler
Welterbestätten!

Verantwortung der DMP von Welterbestätten:

 Erfassung, Schutz, Erhaltung (Managementplan, Berichterstattung)


 nationale Verpflichtung
 internationale Verpflichtung
 internationale Zusammenarbeit
 internationale Unterstützung (Fonds)
 Erziehung/Bildung, Information

Welterbe Österreich (Stand 2014)

 Altstadt von Salzburg, Wien und Graz


 Schönbrunn
 Hallstatt / Landschaft von Salzkammergut
 Semmeringbahn
 Wachau
 Fertö/Neusiedlersee

Problematische Bauten in der Wiener Innenstadt

 Projekt Hotel Intercontinental/Eislaufverein (in der Kernzone)--> zu hoch


 bestimmte Sichtachsen sollten nicht verbaut werden.
 Gloriette--> Blick auf Wien
 Riesenrad--> Rundumblick
 Stephansdom --> Blick Richtung Ringstraßenbauten
Charta von Venedig, 1964, Präambel

 Die kommenden Generationen haben die Verpflichtung, Denkmäler im ganzen Reichtum


ihrer Authentizität weiterzugeben.

Dokument von Nara, 1994

 für die Authentizität/ Echtheit


 in verschiedenen Kulturkreisen gibt es unterschiedlichen Authentizitätsbegriff

 Echtheit/Authentizität
 außergewöhnlicher universeller Wert
 kulturelle Identität
 materieller und immaterieller Ausdruck (als Erbe)
 besondere künstlerische, geschichtliche, gesellschaftliche und wissenschaftliche
Dimension
 Vielzahl an Informationsquellen : Form und Gestaltung, Material und Substanz,
Verwendung und Funktion, Traditionen und Techniken, Lage und Umfeld, Geist und
Gefühl + andere interne oder externe Faktoren.

Verlust von Weltkulturerbe

 Schweden, Ortschaft Laerdalsoyri brannte ab


 Alte Pinakothek in München, 1836 nach Plänen von Leo v. Klenze fertiggestellt, 1943 und
1944 bombardiert.
 Zerstörung von Dresden, Rekonstruktion 1994-2005
 Bombardierung auf Stephansdom 1944
 Neues Museum in Berlin, Restaurierung von David Chipperfield
 Berlin, Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche, Luftangriff im 2. WK

UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes, 2003 (Intangible Cultural Heritage)

 Tanz in Kambodscha
 Klapa Gesang in Kroatien
 Tango, Argentinien/Uruguay

Aktuelle Herausforderungen der Denkmalpflege

 Denkmalvermittlung/Öffentlichkeitsarbeit
 engagierte Menschen in großer Zahl mobilisieren. (z.B Bund für Natur-u.
Umweltschutz, Greenpeace)

 Energetische Ertüchtigung
 Nicht an jedem Ort ist Energieproduktion angemessen.
 Problematische Außendämmung bei historischen Bauten

 Nachkriegsmoderne
 Die denkmalpfl egerische Würdigung und ein entsprechend angemessener Umgang
mit dem Bestand der Nachkriegsmoderne sehr wichtig.

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