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Die aktuelle und umfassende

Darstellung der heute gebräuch-


lichen Redewendungen – von
„abgehen wie Schmidts Katze“ bis
„ein Zug durch die Gemeinde“. 11
Das Wörterbuch bietet
Redewendungen

Redewendungen
K leicht
verständliche
Bedeutungserklärungen,
Wörterbuch der deutschen Idiomatik
K Einblickein Sprach- und
Kulturgeschichte durch Mehr als 10 000 feste Wendungen,
ausführliche Herkunfts- Redensarten und Sprichwörter
erläuterungen,
K Unentbehrlich auch K Anwendungsbeispiele und
für fortgeschrittene Belegzitate zur Erweiterung
Deutschlerner und und Bereicherung des
-lernerinnen Wortschatzes.

www.duden.de
ISBN 978-3-411-04114-5
22,99 1 (D) • 23,70 1 (A)

9 783411 041145
4.
Auflage 11
D11.S001004→BI→Ebook.pod 1
150727 13:42:19 a.patzschewitz a.patzschewitz

Duden Band 11
D11.S001004→BI→Ebook.pod 2
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Der Duden in zwölf Bänden


Das Standardwerk zur deutschen Sprache

Herausgegeben von der Dudenredaktion

1. Rechtschreibung
2. Stilwörterbuch
3. Bildwörterbuch
4. Grammatik
5. Fremdwörterbuch
6. Aussprachewörterbuch
7. Herkunftswörterbuch
8. Synonymwörterbuch
9. Richtiges und gutes Deutsch
10. Bedeutungswörterbuch
11. Redewendungen
12. Zitate und Aussprüche
D11.S001004→BI→Ebook.pod 3
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Duden
Redewendungen
Wörterbuch der deutschen Idiomatik
4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage

Herausgegeben von der Dudenredaktion

Duden Band 11

Dudenverlag
Berlin
D11.S001004→BI→Ebook.pod 4
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Redaktionelle Bearbeitung
Dr. Werner Scholze-Stubenrecht (Projektleiter)
Angelika Haller-Wolf

Herstellung Monika Schoch

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X Duden 2013
Bibliographisches Institut GmbH, Mecklenburgische Straße 53, 14197 Berlin

Typographisches Konzept Iris Farnschläder, Hamburg


Satz Bibliographisches Institut GmbH

ISBN 978-3-411-91128-8 (E-Book)


ISBN 978-3-411-04114-5 (Buch)
www.duden.de
Vorwort

Während sich der Mensch in der Bautechnik erst seit der Mitte des 20. Jahr-
hunderts verstärkt der Fertigbauweise bedient, verwendet er in der Sprache
von jeher vorgefertigte Bauteile. Wir verknüpfen beim Sprechen und Schrei-
ben nicht nur einzelne Wörter zu Sätzen und Texten, sondern gebrauchen
auch bestimmte Wortgruppen und ganze Sätze in immer derselben Weise:
dann und wann; tote Hose; nur Bahnhof verstehen; Eulen nach Athen tragen;
ach, du kriegst die Tür nicht zu!
Charakteristisch für solche sprachlichen Fertigteile ist, dass sie der Form
nach recht stabil sind. Im Allgemeinen können ihre Bestandteile nicht oder
nur begrenzt verändert oder ausgetauscht werden. Außerdem ist ihre Bedeu-
tung meist nicht oder nur schwer aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter
zu erkennen; die Verbindung der Einzelteile ergibt eine neue Gesamtbedeu-
tung: das Kind mit dem Bade ausschütten ist nicht wörtlich zu verstehen, son-
dern heißt »überstürzt handeln«, und ein goldener Handschlag ist eine
»großzügige Abfindung«.
Die deutsche Sprache verfügt wie andere Sprachen auch über einen gro-
ßen Bestand solcher Fertigteile, und ständig werden neue geprägt. In den
letzten Jahren wurden zum Beispiel die folgenden allgemein gebräuchlich: in
trockenen Tüchern sein; die Kuh vom Eis kriegen; unterste Schublade; den Ball
f lach halten; lass stecken! Für alle, die ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit
verbessern wollen, aber auch für alle Deutsch Lernenden ist es deshalb uner-
lässlich, sich mit dem Bereich der festen Wendungen vertraut zu machen.
Vor allem die Umgangssprache ist gekennzeichnet durch ihren Reichtum
an bildhaften Redewendungen; aber auch die gehobenere Standardsprache
bedient sich vorgefertigter Ausdrücke, gelegentlich greift sie dabei auf das
Lateinische oder andere Fremdsprachen zurück: coram publico; stante pede;
last, not least; cherchez la femme! Die uns heute geläufigen Wendungen sind
in den verschiedensten Lebensbereichen entstanden und viele beziehen sich
auf Vorstellungen, Bräuche und Lebensumstände aus vergangenen Jahrhun-
derten, bilden also eine sprachliche Brücke zu kulturellen und gesellschaft-
lichen Verhältnissen, die uns häufig schon sehr fremd geworden sind. So geht
jemanden in die Schranken fordern auf die mittelalterlichen Ritterturniere
zurück, Spießruten laufen stammt aus dem früheren Militärwesen und den
Stab über jemanden brechen aus dem Rechtswesen alter Zeit.
Dieses Duden-Wörterbuch verzeichnet die heute geläufigen und über-
regional bekannten Redewendungen, Redensarten und Sprichwörter der
deutschen Sprache. Es gibt ihre Bedeutung an und illustriert ihren Gebrauch
mit Beispielen und einer Vielzahl von Zeitungs-, Literatur- und Internet-
belegen. Wo gesicherte oder plausible sprachhistorische Erkenntnisse vor-
liegen, erklärt das Wörterbuch die Herkunft der Wendungen; es beschreibt,
worauf sie sich ursprünglich bezogen und was sie zunächst bedeuteten, und
verweist so auf ihren volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Hinter-
grund.
Das Wörterbuch ist nach Hauptstichwörtern alphabetisch geordnet. Ein
umfassendes Verweissystem soll nicht nur das Auffinden der einzelnen Wen-
dungen erleichtern, sondern auch dazu anregen, weiterzublättern und Ent-
deckungen zu machen und damit einen der interessantesten Bereiche der
deutschen Sprache besser kennen zu lernen.

Die Dudenredaktion
Inhalt

Einleitung – Was sind Redewendungen? 9


1. Abgrenzung fester Wendungen gegenüber freien Wortgruppen 9
2. Grenzgebiete 11
3. Wie lassen sich Redewendungen klassifizieren 13
4. Die Auswahl der Einträge 15
5. Ausgewählte Literaturhinweise 15
Hinweise zur Benutzung des Wörterbuchs 21
1. Anordnung der Stichwörter und Wendungen 21
2. Artikelauf bau 21
3. Abkürzungen 23

Wörterverzeichnis A – Z 25

Quellenverzeichnis 891

9 Einleitung – Was sind Redewendungen?

Einleitung – Was sind Redewendungen?


Redensarten, Redewendungen, feste Wen- Abgrenzung zu freien Wortgruppen beson-
dungen, idiomatische Wendungen, feste Ver- ders deutlich zum Ausdruck bringt.
bindungen, idiomatische Verbindungen, Idi-
ome, Wortgruppenlexeme, Phraseologismen, 1. Abgrenzung fester Wendungen
Phraseolexeme – auch wenn diese Bezeich- gegenüber freien Wortgruppen
nungen nicht vollständig gleichbedeutend
sind, versucht die Sprachwissenschaft, damit 1.1 »Zusammengesetzte« Bedeutung
bestimmte sprachliche Erscheinungen zu Redewendungen sind in der Regel nicht
fassen, die man als eine Art »sprachliche Fer- »wörtlich« zu verstehen. Der Satz Der Junge
tigbauteile« umschreiben könnte. Der Satz hat lange Finger gemacht (= hat gestohlen)
Sie hat ihm einen Bären aufgebunden ist unterscheidet sich insofern deutlich von Der
nicht verständlich, wenn man versucht, seine Junge hat gute Fortschritte gemacht. Es wäre
Bedeutung »wörtlich« zu erschließen. Nur aber falsch, daraus zu schließen, dass alle
wenn man weiß, dass die Wortgruppe nicht wörtlich gebrauchten Wortgruppen
jemandem einen Bären aufbinden in ihrer feste Redewendungen seien.
Gesamtheit eine bestimmte Bedeutung hat, Die Sätze
und wenn man diese Gesamtbedeutung
Das ist ein dicker Hund!
kennt, versteht man den Satz richtig: Sie hat
Das ist ein elender Hund!
ihn dazu gebracht, etwas Unwahres zu glau-
ben. kann man zwar beide zunächst ganz wört-
Kennzeichen einer Redewendung ist lich als Aussage über einen Hund auffassen,
zunächst, dass sie aus mehr als einem Wort in vielen Situationen ist aber ein dicker Hund
besteht. Im Alltagsverständnis von Sprache nur als »eine erstaunliche Sache« oder »eine
werden gelegentlich auch einzelne Wörter große Frechheit« zu verstehen, während mit
wie Ulknudel, grottendoof oder (nach neuer ein elender Hund häufig »ein niederträchti-
Rechtschreibung) abhandenkommen als ger, bösartiger Mensch« gemeint ist. Obwohl
Redensarten angesehen; solche Fälle bleiben beide Sätze neben ihrer wörtlichen also auch
in diesem Wörterbuch weitgehend unbe- eine übertragene Bedeutung haben, besteht
rücksichtigt. Das zweite und entscheidende zwischen ihnen ein Unterschied: Im ersten
Merkmal der festen Wendungen ist, dass ihre Fall kann das Wort Hund nur in Verbindung
Bedeutung nicht oder nur teilweise aus den mit dem Wort dick zum Ausdruck der Über-
Einzelbedeutungen ihrer Bestandteile zu raschung oder der Empörung gebraucht wer-
erkennen ist und dass sie in der Regel eine den – Formen wie ein schlimmer Hund oder
feste, nur begrenzt veränderbare Struktur ein erstaunlicher Hund können diesen
haben. Wie sie am sichersten von den nicht Bedeutungsgehalt ebenso wenig vermitteln
idiomatischen, den freien Wortverbindungen wie ein dicker Hase oder ein dicker Kater. Im
abgegrenzt werden können, wie sie zu klassi- zweiten Fall dagegen kann Hund auch ganz
fizieren sind und welche Redewendungen in allein oder in Verbindung mit anderen Adjek-
diesem Wörterbuch erfasst und beschrieben tiven für »schlechter Mensch« stehen, etwa
werden, sollen die folgenden Abschnitte in du Hund!, dieser gemeine Hund!, ein hin-
erläutern. Aus der Vielfalt der Benennungs- terhältiger Hund usw. Und auch das Wort
möglichkeiten wird dabei neben »Redewen- elend ist als abwertendes Adjektiv frei ver-
dungen« die Bezeichnung »feste Wendung« fügbar, zum Beispiel in ein elender Schuft
als Oberbegriff bevorzugt, weil sie die oder dieser elende Betrüger!

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Einleitung – Was sind Redewendungen? 10

1.2  Feste Wendung und Metapher 1.3 Veränderbarkeit


Vor allem die dichterische Sprache neigt Viele feste Wendungen sperren sich gegen
dazu, Wörter in besonderer Weise zu ver- eine ganze Reihe von syntaktischen und
wenden und neue Ausdrucksmöglichkeiten anderen Operationen, die bei freien Wort-
zu schaffen. Auch von den so entstehenden gruppen ohne Weiteres möglich sind. In der
poetischen Metaphern sind die Redewen- nicht idiomatischen Verbindung ein Mann
dungen abzugrenzen. Die folgende Gegen- und eine Frau kann ein Bestandteil durch
überstellung soll dies verdeutlichen: einen bedeutungsgleichen oder -ähnlichen
ersetzt werden: ein Mann und ein weibliches
der goldene Mittelweg
Wesen. (Die Sprachwissenschaft nennt diese
das goldene Himmelsfeuer
Operation Kommutation oder Ersetzung.)
Wieder ist die erste der beiden Wortgruppen Man kann auch einen erläuternden Zusatz
als idiomatisch, als fest anzusehen: der gol- oder eine nähere Bestimmung zu einem der
dene Mittelweg bedeutet »eine angemessene, Wörter hinzufügen: ein Mann und eine
vermittelnde, die Extreme meidende Lösung schöne Frau (Attribuierung oder Beifügung).
eines Problems, eines Konflikts«. Die zweite Die Verbindung kann allgemein um ein Wort
Wortkette könnte zum Beispiel als oder um mehrere Wörter erweitert werden:
Umschreibung für die Sonne verstanden ein Mann und unter Umständen auch eine
werden. Mit dem goldenen Himmelsfeuer Frau (Diskontinuität oder Unterbrechung).
könnte aber ebenso gut ein Wetterleuchten Man kann die Glieder umstellen oder vertau-
oder ein Feuerwerk gemeint sein; die Sonne schen eine Frau und ein Mann (Permutation
ließe sich dagegen auch als goldglänzendes oder Umstellung). Und schließlich kann
Himmelsfeuer, goldenes Himmelslicht und auch die Form der Wörter abgewandelt wer-
auf viele andere Arten bezeichnen. Ein gold- den, zum Beispiel, indem man die Substan-
glänzender Mittelweg oder eine goldene Mit- tive in den Plural setzt: Männer und Frauen
telallee sind jedoch nicht austauschbar mit (morphologische Veränderung oder Formen-
dem goldenen Mittelweg in der oben angege- abwandlung).
benen Bedeutung. Bei freien Wortgruppen wie ein Mann und
Die feste Wendung ist im Gegensatz zur eine Frau sind alle diese Operationen mög-
Metapher, zur freien bildlichen Umschrei- lich, ohne dass das Ergebnis das Sprach­
bung, einer bestimmten Bedeutung klar empfinden stört; alle abgewandelten Wort-
zugeordnet. Sie ist außerdem in ihren gruppen sind genauso akzeptabel wie die
Bestandteilen nur wenig oder gar nicht vari- Ausgangsform.
abel, während die Metapher fast beliebig Anders verhält es sich dagegen bei den festen
abgewandelt werden kann. (Sprachge- Wendungen wie zum Beispiel ein Mann, ein
schichtlich ist es übrigens häufig der Fall, Wort. Führt man hier dieselben Operationen
dass sich eine heute feste Wendung aus einer durch wie oben, könnten sich die folgenden
Metapher entwickelt hat, die im Laufe der Wortgruppen ergeben:
Zeit in einer bestimmten Form fixiert und
Kommutation: ein männliches Wesen, ein
einer bestimmten Bedeutung fest zugeord-
Wort
net wurde. Redewendungen haben daher
Attribuierung: ein schöner Mann, ein Wort
oft – wenn auch nicht immer – eine bildhafte
Diskontinuität: ein Mann, unter Umständen
Grundlage.)
auch ein Wort
Permutation: ein Wort, ein Mann

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11 Einleitung – Was sind Redewendungen?

morphologische Veränderung: Männer, Wör- dung mit dem Namen einer bekannten
ter schöpferischen Persönlichkeit heißt das
In allen diesen Fällen werden kompetente Adjektiv spät so viel wie »in seinen letzten
Sprecher des Deutschen die Wortfolge als Lebens- und Schaffensjahren stehend«. Höl-
nicht richtig oder zumindest als unüblich derlin kann in diesem Kontext nicht durch
empfinden. Sie werden in der Regel sofort die Briefträger oder Großvater ersetzt werden;
»eigentliche« Form ein Mann, ein Wort asso- dagegen wäre dies durch Goethe oder Shake-
ziieren und die abgewandelten Formen speare durchaus möglich. Es gibt also eine
höchstens als Sprachspielereien, als gewollte ganze Wortklasse, die durch bestimmte
Abweichungen von der üblichen Ausdrucks- Bedeutungsmerkmale charakterisiert ist, mit
weise akzeptieren. der das Adjektiv spät im oben genannten
Zu beachten ist, dass die beschriebenen Sinne ohne Einschränkung der Ersetzbarkeit
Operationen bei festen Wendungen keines- verknüpft werden kann.
wegs grundsätzlich unzulässig sind. Attribu- Ähnliches gilt für das Verb bellen, das in sei-
ierung ist zum Beispiel möglich bei Wert auf ner konkreten Bedeutung in der Regel den
etwas legen (großen Wert auf etwas legen). Handlungsträger Hund erwarten lässt – die-
Diskontinuität und Permutation sind vor sen aber wieder als ganze Wortklasse, deren
allem bei verbalen Wendungen in weitem Elemente austauschbar sind: Der Hund/
Maße zulässig, etwa bei Kohldampf schieben Pudel/Rüde/Jagdhund/Dackel Waldi bellt.
(wir schieben seit Tagen Kohldampf ). Auch Die feste Wendung kennt solche Möglichkei-
morphologische Veränderbarkeit, zum Bei- ten der Austauschbarkeit nicht. Der Satz
spiel bei blinder Passagier (die blinden Pas- Mich laust der Affe! ist zum Beispiel nicht
sagiere), ist vielfach nicht ausgeschlossen. abwandelbar zu Mich laust der Gorilla! oder
Dagegen ist Kommutation in der Regel nicht Mich laust das Affenweibchen!
oder nur in begrenztem Umfang möglich.
Für die Fügung wie aus dem Ei gepellt gibt es 2.2 Verben mit Präpositionen
zwar die Variante wie aus dem Ei geschält, Abzugrenzen sind feste Wendungen auch
aber wie aus dem Hühnerei gepellt entspricht von den – besonders im Fremdsprachenun-
nicht dem allgemeinen Sprachgebrauch. Die terricht wichtigen – Verknüpfungen von Ver-
Kommutations- oder Ersatzprobe ist daher ben mit bestimmten Präpositionen. Das
in den meisten Fällen das sicherste formale Wort glauben zum Beispiel kann im Deut-
Mittel der Abgrenzung von festen und freien schen ein präpositionales Objekt mit der Prä-
Wendungen. position an haben (Er glaubt an Geister). Da
die Bedeutung von an etwas glauben nicht
2. Grenzgebiete ohne Weiteres aus den Bedeutungen von an
und glauben zu erschließen ist (an bezieht
2.1 Nur teilweise eingeschränkte sich ja im Allgemeinen auf räumliche oder
Ersetzbarkeit
zeitliche Verhältnisse), könnte man diese Art
Vergleichbar mit festen Wendungen, aber von Verbindungen gemäß unserer Anfangs-
deutlich von diesen abzugrenzen, sind Wort- definition zu den festen Wendungen rech-
gruppen, deren Besonderheit der Sprachwis- nen. Berücksichtigt man aber, dass die
senschaftler Eugenio Coseriu als »lexikali- Bedeutung einer Präposition ohnehin oft nur
sche Solidarität« bezeichnet hat. Ein Beispiel schwer exakt einzugrenzen ist und dass in
ist der späte Hölderlin in einem Satz wie Der den meisten dieser Verbindungen das Verb
späte Hölderlin hat keine Liebesgedichte nicht oder nur wenig von seiner gewöhnli-
mehr geschrieben. Nur in attributiver Verbin- chen Bedeutung abweicht, dann erscheint es

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Einleitung – Was sind Redewendungen? 12

sinnvoller, diese Fälle von den Redewendun- Proben als relativ stark veränderbar erweisen
gen auszunehmen und stattdessen dem (weiß wie ein Schwan, weiß wie frisch gefalle-
Bereich zuzuordnen, den die Sprachwissen- ner Schnee, wie Schnee so weiß). Eine strenge
schaft als Rektion des Verbs bezeichnet. Man schematische Grenzziehung ist hier aber
beschreibt das Verb glauben danach als ver- kaum möglich; der Grad der idiomatischen
knüpfbar mit einem Dativobjekt (Ich glaube Festigkeit kann in Fällen wie schnell wie der
ihm), einem Akkusativobjekt (Ich glaube die Blitz oder hungrig wie ein Wolf unterschied-
Geschichte), einem Objektsatz (Ich glaube, lich eingeschätzt werden.
dass es wahr ist) und schließlich einem prä-
positionalen Objekt aus an + Akkusativ (Ich 2.4  Funktionsverbgefüge
glaube an böse Geister). Ebenso unscharf ist die Abgrenzung der fes-
ten Wendungen im Bereich der sogenannten
2.3  Formelhafte Vergleiche Funktionsverbgefüge. Das sind Verbindungen
Eine weniger eindeutige Abgrenzung der fes- eines von einem Verb abgeleiteten Substan-
ten von den freien Wortgruppen gibt es im tivs mit einem Verb, das in dieser Verbindung
Bereich der Vergleichsformeln. Freie Ver- seine eigentliche Bedeutung verliert. Die
gleichsbildungen (sie war stark wie ein Pferd, Bedeutung der Funktionsverbgefüge ent-
er schnaufte wie eine Dampflokomotive usw.) spricht in der Regel mehr oder weniger der
sind in unbegrenzter Zahl möglich. Einige Bedeutung des Verbs, von dem das Substan-
der möglichen Vergleiche sind aber so häufig tiv abgeleitet ist: eine Entscheidung treffen
im Gebrauch, dass sie formelhaft geworden heißt so viel wie »entscheiden«, zur Vertei-
sind und heute als Redewendungen gelten lung gelangen bedeutet »verteilt werden«.
können. Gelegentlich bleiben sie als Verglei- Mit bestimmten Verben lässt sich aber eine
che auch dann noch in der Sprache lebendig, große Zahl solcher Fügungen bilden, zum
wenn im Lauf der Sprachentwicklung ihre Beispiel mit bringen (zur Verteilung bringen,
einzelnen Elemente an Verständlichkeit ein- zur Entfaltung bringen, zum Abschluss brin-
büßen. Warum zum Beispiel das Wort Boh- gen usw.), sodass wegen der nur wenig
nenstroh die Eigenschaft dumm verdeutli- begrenzten Austauschmöglichkeiten nicht
chen soll, ist heute nicht mehr auf Anhieb zu generell von festen Wendungen gesprochen
erkennen. Zur Erklärung der festen Ver- werden kann.
gleichsformel dumm wie Bohnenstroh sein Von vielen Sprachkritikern und Sprachpfle-
muss man einige Zeit in der Sprachge- gern werden Funktionsverbgefüge als unnö-
schichte zurückgehen. Dabei stößt man auf tige, den Text lediglich aufschwellende
die ältere Form grob wie Bohnenstroh sein, Nominalisierungen angesehen. Auch wenn
die auf arme und ungebildete Menschen sie in bestimmten Fällen durchaus bedeu-
bezogen wurde, die sich ihre Schlafstatt nicht tungsdifferenzierende Funktion haben kön-
auf richtigem Stroh bereiten konnten, son- nen (etwas in Ordnung bringen ist nicht
dern mit dem härteren, gröberen Kraut der unbedingt dasselbe wie »etwas ordnen«),
Futterbohne vorliebnehmen mussten. Erst in gelten sie als charakteristisch für eine
späterer Zeit wurde grob durch das heute papierne, vom Kanzleistil geprägte Aus-
gebräuchliche dumm ersetzt. drucksweise.
Im Gegensatz zu solchen festen Vergleichs-
formeln gehören stereotype Vergleiche wie 2.5  Feste Attribuierungen
weiß wie Schnee oder zart wie Samt nicht Eine weitere notwendige, aber nicht immer
zum engeren Bereich der festen Wendungen, eindeutige Grenzziehung betrifft die Gruppe
da sie sich bei Kommutations- und anderen der festen Attribuierungen (Verbindungen

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13 Einleitung – Was sind Redewendungen?

aus Adjektiv und Substantiv). Während tote deutschen Sprecherinnen und Sprechern
Hose, heißes Eisen oder blinder Passagier, bei geläufig oder weniger geläufig sind. Gelegent-
denen mindestens ein Element nicht aus- lich werden auch Redewendungen anderer
tauschbar ist (in blinder Fahrgast hat blind Sprachen ins Deutsche übersetzt; Lehnwen-
eine andere Bedeutung als in blinder Passa- dungen dieser Art sind zum Beispiel im sel-
gier), zum Bestand der festen Wendungen ben Boot sitzen (nach dem englischen be in
gerechnet werden, gibt es zahlreiche Fälle the same boat) oder das süße Leben (nach
wie armes Würstchen, in denen beide dem italienischen la dolce vita).
Bestandteile ersetzbar sind (armes Kerlchen,
armes Schwein usw. und kleines Würstchen, 2.8  Redensarten, Sprichwörter und Zitate
lächerliches Würstchen usw.) und die des- Eine letzte große Gruppe, die zu den Grenz-
halb nicht als feste Wendungen im strengen gebieten der festen Wendungen zählt, bilden
Sinne anzusehen sind, obwohl sie häufig Redensarten, Sprichwörter und Zitate
intuitiv diesem Bereich zugeordnet werden. (»geflügelte Worte«). Diesen Wortgruppen
Sehr häufig finden sich feste Attribuierungen ist gemeinsam, dass sie im Gegensatz zu den
in den Fachsprachen (zum Beispiel ohmscher festen Wendungen in der Regel als selbst-
Widerstand oder schweres Wasser), bei ständige Sätze (mit einem Verb in der Perso-
Eigennamen (wie Wilder Kaiser oder Süd- nalform) gebraucht werden. Zu den Redens-
deutsche Zeitung) und bei namenähnlichen arten rechnen wir zum Beispiel du kriegst die
Fügungen (etwa Roter Milan oder Heiliger Tür nicht zu! oder wer‘s glaubt, wird selig, zu
Abend). Eine umfassende Berücksichtigung den Sprichwörtern, die meist eine praktische
der letztgenannten Fälle würde allerdings Lebensweisheit bildhaft zum Ausdruck brin-
den Rahmen eines allgemeinsprachlichen gen, gehören der Krug geht so lange zum
Nachschlagewerks sprengen. Brunnen, bis er bricht oder wes Brot ich ess,
des Lied ich sing und zu den Zitaten auch
2.6  Routineformeln du, mein Sohn Brutus oder es ist etwas faul
Auch bei Routineformeln, bei Wortgruppen, im Staate Dänemark.
die für bestimmte alltägliche oder immer (Eine ausführliche Sammlung und Darstel-
wiederkehrende Sprech- oder Schreibsituati- lung der geläufigen deutschen Zitate bietet
onen typisch und formelhaft geworden sind, der Band 12 der Dudenreihe mit dem Titel
ist es schwer, eine genaue Trennungslinie »Zitate und Aussprüche«.)
zwischen festen Wendungen und freiem
Wortgebrauch zu ziehen. Grußformeln wie 3. Wie lassen sich Redewendungen
guten Tag und auf Wiedersehen zum Beispiel klassifizieren?
haben einen höheren Grad von Festigkeit als
Wie bei vielen sprachlichen Erscheinungen
rhetorische Formeln wie ich habe die Ehre
ist eine streng systematische Klassifikation
und das große Vergnügen … oder Handlungs-
auch bei den Redewendungen nur bedingt
anweisungen wie keine heiße Asche einfüllen
möglich. Drei verschiedene Ansätze sollen
oder der Nächste bitte!
im Folgenden kurz charakterisiert werden.
2.7  Fremdsprachige Wendungen
3.1  Teilidiomatische und vollidiomatische
Aus fremden Sprachen übernimmt das Deut- Wendungen
sche immer wieder nicht nur einzelne Wör-
Redewendungen lassen sich grob in zwei
ter, sondern auch Fügungen und Wortgrup-
Klassen unterteilen, wenn man den Grad der
pen. Beispiele hierfür sind last, not least oder
Idiomatizität betrachtet, das heißt, wenn
in medias res, die je nach Bildungsgrad den

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Einleitung – Was sind Redewendungen? 14

man überprüft, in welchem Maße die Einzel- Beispiele hierfür zeigt das folgende Schema:
bedeutungen der Wörter einer Wendung
1 Syntagmen
hinter der Gesamtbedeutung zurücktreten.
1.1 nominal
Bei das Kind mit dem Bade ausschütten zum
1.1.1 Subjekt – Otto Normalverbraucher ist
Beispiel ist die Bedeutung »zu radikal vorge-
wieder konsumfreudiger geworden.
hen, mit dem Schlechten zugleich auch das
1.1.2 Objekt – Sie hatten im Krieg all ihr Hab
Gute verwerfen« völlig unabhängig von den
und Gut verloren.
freien Bedeutungen der Wörter Kind, Bad
1.1.3 attributiv – Er hat ein hieb- und stichfes-
und ausschütten. Bei fressen wie ein Scheu-
tes Alibi.
nendrescher dagegen oder bei sich einen Ast
1.1.4 prädikativ – Wir tranken viel und hastig
lachen hat jeweils ein Bestandteil ( fressen,
und waren bald blau wie die Veilchen.
lachen) seine freie Bedeutung behalten; sol-
1.2 verbal – Du darfst die Entscheidung nicht
che Fälle könnten deshalb als teilidiomati-
auf die lange Bank schieben.
sche Wendungen bezeichnet werden, im
1.3 adverbial – Unsere Tochter hat alle Prüfun-
Gegensatz zu den vollidiomatischen.
gen mit Glanz und Gloria bestanden.
3.2  Wendungen in bestimmten 1.4 präpositional – Sie dürfen in Anbetracht
syntaktischen Funktionen der Umstände mit einem milden Urteil
rechnen.
Unter funktionalem Aspekt ist eine differen-
2 selbstständige Sätze – Jetzt ist der Bart
ziertere Einteilung der festen Wendungen
ab!
möglich. Zunächst kann grob zwischen satz-
wertigen und nicht satzwertigen Redewen- Allerdings lässt sich eine große Zahl von
dungen unterschieden werden: Sie können Wendungen mehreren dieser Untergruppen
erstens als feste syntaktische Verknüpfungen zugleich zuordnen. Otto Normalverbraucher
(Syntagmen) in der Funktion eines Satzglie- kann zum Beispiel ebenso in der Objekt- wie
des stehen, zweitens als Sprichwörter, Zitate, in der Subjektrolle gebraucht werden, hieb-
Redensarten oder Routineformeln selbst- und stichfest ist nicht nur attributiv, sondern
ständige Sätze in einer spezifischen Text- auch prädikativ einsetzbar.
funktion bilden. Die erste dieser beiden
Gruppen lässt sich noch weiter unterteilen: 3.3  Die Struktur der festen Wendungen
Feste syntaktische Verknüpfungen können Unabhängig von ihrer Funktion lassen sich
innerhalb des Satzes nominal, verbal, adver- feste Syntagmen auch nach ihrer Struktur zu
bial und präpositional fungieren. Nominale bestimmten Typen zusammenfassen. Hier
Syntagmen kann man zusätzlich nach ihrer gibt es zum Beispiel die schon unter 2.5
Verwendung als Subjekt, Objekt, Attribut angesprochene Gruppe der festen attributi-
oder Prädikat in weitere Klassen unterglie- ven Fügungen wie tote Hose, kein Schwein,
dern. das Auge des Gesetzes oder des Pudels Kern.
Weiterhin haben die festen Vergleichsfor-
meln (vgl. 2.3) eine deutlich erkennbare spe-
zifische Struktur, zum Beispiel abgehen wie
ein Zäpfchen, überflüssig wie ein Kropf oder
wie von der Tarantel gestochen. In ihrer
Struktur auffällig sind auch die sogenannten
Paarformeln wie rank und schlank, weder
Fisch noch Fleisch, auf Gedeih und Verderb,
bitten und betteln oder ab und zu. Die wahr-

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15 Einleitung – Was sind Redewendungen?

scheinlich größte Gruppe bilden die verbalen überregional geläufig sind. Verstärkt berück-
festen Wendungen wie die Kuh vom Eis krie- sichtigt wurden dagegen die gängigsten
gen, jmdn. im Regen stehen lassen oder den Wendungen des österreichischen und
Ball flach halten. schweizerischen Deutsch.

4. Die Auswahl der Einträge für dieses 5. Ausgewählte Literaturhinweise


Wörterbuch
5.1  Bibliografien
Der Duden »Redewendungen« setzt sich
Donalies, Elke: Phraseologie (Studienbiblio-
zum Ziel, die gebräuchlichsten festen Wen-
grafien Sprachwissenschaft 40). Tübingen
dungen der deutschen Gegenwartssprache
2012.
möglichst umfassend zu dokumentieren.
Mieder, Wolfgang: International Bibliography
Dabei geht es in erster Linie um den Kernbe-
of Paremiology and Phraseology. 2 Bde.
reich der eindeutig zu identifizierenden fes-
Berlin, New York 2009.
ten Wendungen. Jedoch werden auch aus
den meisten der oben beschriebenen Grenz- 5.2  Wörterbücher
bereiche die geläufigsten Wortgruppen –
Agricola, Erhard (Hrsg.): Wörter und Wen-
zumindest exemplarisch – berücksichtigt.
dungen. Wörterbuch zum deutschen
Die Auswahl stützt sich dabei auf Vorarbei-
Sprachgebrauch. Mannheim, Leipzig,
ten in den im Literaturverzeichnis ange­
Wien, Zürich, überarbeitete Neufassung
gebenen allgemeinen und speziellen Duden-
der 14. Auflage 1992.
Wörterbüchern und auf die umfangreiche
Borchardt, Wilhelm/Wustmann, Gustav/
Belegsammlung der Dudenredaktion. Aus-
Schoppe, Georg: Die sprichwörtlichen
giebig genutzt wurden daneben die heute
Redensarten im deutschen Volksmund
verfügbaren elektronischen Möglichkeiten,
nach Sinn und Ursprung erläutert. Leipzig,
besonders das Duden-Korpus mit derzeit
7. Auflage 1954.
etwa 2,2 Milliarden laufenden Wortformen,
Büchmann, Georg: Geflügelte Worte. Der
vor allem, um die Gebräuchlichkeit der Wen-
klassische Zitatenschatz. Bearbeitet von
dungen zu überprüfen.
Winfried Hofmann. Berlin, 43. Auflage
Die Einträge verzeichnen meist die am häu-
2007.
figsten vorkommende Form der jeweiligen
Duden – Das große Wörterbuch der deut-
festen Wendung. Obwohl ein Hauptmerkmal
schen Sprache. Die umfassende Dokumen-
der Redewendung ihre formale Fixiertheit
tation der deutschen Gegenwartssprache
ist, gibt es in vielen Fällen eine gewisse Band-
(CD-ROM). Mannheim, 4. Auflage 2012.
breite von Variationsmöglichkeiten. Zu zwei
Duden – Das Herkunftswörterbuch. Etymo-
linke Hände haben kann man zum Beispiel
logie der deutschen Sprache (Der Duden in
Belege finden wie mit seinen zwei linken
zwölf Bänden, Bd. 7). Mannheim, Leipzig,
Händen ist er für diese Arbeit ungeeignet.
Wien, Zürich, 4. Auflage 2007.
Solche sprachlich durchaus korrekten
Duden – Das Stilwörterbuch (Der Duden in
Abwandlungen werden in diesem Wörter-
zwölf Bänden, Bd. 2). Mannheim, Leipzig,
buch aus Platzgründen meist nicht berück-
Wien, Zürich, 9. Auflage 2010.
sichtigt, sie können aber gelegentlich in den
Duden – Deutsches Universalwörterbuch.
zitierten Belegstellen auftreten. Dasselbe gilt
Mannheim, Zürich, 7. Auflage 2011.
für orthografische Varianten.
Duden – Redensarten. Woher sie kommen,
Regionale und mundartliche Wendungen
was sie bedeuten. Mannheim, Zürich,
wurden nur aufgenommen, wenn sie auch
3. Auflage 2012.

D11_Umtexte.indd 15 19.12.2012 9:57:12 Uhr



Einleitung – Was sind Redewendungen? 16

Friederich, Wolf: Moderne deutsche Idioma- von Renate Birkenhauer. Berlin, Boston,
tik. Alphabetisches Wörterbuch mit Defini- 2. Auflage 2012.
tionen und Beispielen. München, 2. Auflage Wander, Karl Friedrich Wilhelm: Deutsches
1976. Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für
Görner, Herbert: Redensarten. Kleine Idio- das deutsche Volk. 5 Bde. Darmstadt 2007
matik der deutschen Sprache. Leipzig, (Unveränderter Nachdruck der Ausgabe
6. Auflage 1990. Leipzig 1867).
Grimm, Jacob und Wilhelm: Deutsches Wör-
terbuch. 16 Bde. in 32 Teilen. Leipzig 1854 5.3  Sekundärliteratur
bis 1960, Quellenverzeichnis 1971. Neube- Barz, Irmhild: Probleme der phraseologi-
arbeitung Bd. 1–3 (A–azyklisch) 1966–2007, schen Modifikation. In: Deutsch als Fremd-
Bd. 6–9 (D–Fux) 1970–2006. sprache 6/1986.
Kempcke, Günter (Leitung des Autorenkol- Baur, Rupprecht S./Chlosta, Christoph/Pii-
lektivs): Handwörterbuch der deutschen rainen, Elisabeth (Hrsg.): Wörter in Bil-
Gegenwartssprache. In zwei Bänden. Berlin dern – Bilder in Wörtern. Beiträge zur
1984. Phraseologie und Sprichwortforschung aus
Kiaulehn, Walther: Der richtige Berliner in dem Westfälischen Arbeitskreis (Phraseo-
Wörtern und Redensarten. München, logie und Parömiologie 1). Hohengehren
12. Auflage 1996. 1999.
Klappenbach, Ruth/Steinitz, Wolfgang Burger, Harald: Idiomatik des Deutschen
(Hrsg.): Wörterbuch der deutschen Gegen- (Germanistische Arbeitshefte 16). Tübin-
wartssprache. 6 Bde. Berlin 1961–1977. gen 1973.
Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörter- Burger, Harald: Phraseologismen im allge-
buch der deutschen Sprache. Bearbeitet meinen einsprachigen Wörterbuch. In:
von Elmar Seebold. Berlin, Boston, 25. Auf- Franz Josef Hausmann/Oskar Reichmann/
lage 2011. Herbert Ernst Wiegand/Ladislav Zgusta
Küpper, Heinz: Illustriertes Lexikon der deut- (Hrsg.): Wörterbücher. Ein internationales
schen Umgangssprache. 8 Bde. Stuttgart Handbuch zur Lexikographie (Handbücher
1982–1984. zur Sprach- und Kommunikationswissen-
Müller, Klaus: Lexikon der Redensarten. Her- schaft 5,1). Berlin, New York 1989.
kunft und Bedeutung deutscher Redewen- Burger, Harald: Konzepte von »Variation« in
dungen. München 2005. der Phraseologie. In: Annelies Häcki Buho-
Paul, Hermann: Deutsches Wörterbuch. fer (Hrsg.): Vom Umgang mit sprachlicher
10. Auflage. Bearbeitet von Helmut Henne, Variation. Festschrift für Heinrich Löffler.
Heidrun Kämper und Georg Objartel. Tübingen, Basel 2000.
Tübingen, 10. Auflage 2002 Burger, Harald: Die Charakteristika phraseo-
Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen logischer Einheiten. Ein Überblick. In: Alan
Redensarten. 3 Bde. Freiburg, 6. Auflage Cruse/Franz Hundsnurscher/Michael Job/
2003. Peter Rolf Lutzeier (Hrsg.): Lexikologie. Ein
Schemann, Hans: Deutsche Idiomatik. Wör- internationales Handbuch zur Natur und
terbuch der deutschen Redewendungen im Struktur von Wörtern und Wortschätzen
Kontext. Berlin, Boston, 2. Auflage 2011. (Handbücher zur Sprach- und Kommuni-
Schemann, Hans: Deutsche Redensarten. kationswissenschaft 21,1). Berlin, New York
Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig 2000. 2002.
Schemann, Hans: Synonymwörterbuch der Burger, Harald: Phraseologie. Eine Einfüh-
deutschen Redensarten. Unter Mitarbeit rung am Beispiel des Deutschen (Grundla-

D11_Umtexte.indd 16 19.12.2012 9:57:12 Uhr



17 Einleitung – Was sind Redewendungen?

gen der Germanistik 36). Berlin, 4. Auflage In: Das Wort. Germanistisches Jahrbuch
2010. 1999. Bonn 2000.
Burger, Harald/Buhofer, Annelies/Sialm, Dobrovol’skij, Dmitrij: Phraseologismen in
Ambros: Handbuch der Phraseologie. Ber- kontrastiver Sicht. In: Alan Cruse/Franz
lin, New York 1982. Hundsnurscher/Michael Job/Peter Rolf
Burger, Harald/Dobrovol‘skij, Dmitrij/Kühn, Lutzeier (Hrsg.): Lexikologie. Ein internati-
Peter/Norrick, Neal R. (Hrsg.): Phraseolo- onales Handbuch zur Natur und Struktur
gie. Ein internationales Handbuch der zeit- von Wörtern und Wortschätzen (Handbü-
genössischen Forschung (Handbücher zur cher zur Sprach- und Kommunikationswis-
Sprach- und Kommunikationswissenschaft senschaft 21,1). Berlin, New York 2002.
28,1 und 28,2). Berlin, New York 2007. Dobrovol’skij, Dmitrij: Idiom-Modifikationen
Burger, Harald/Linke, Angelika: Historische aus kognitiver Perspektive. In: Kämper,
Phraseologie. In: Werner Besch/Otto Reich- Heidrun/Eichinger, Ludwig M. (Hrsg.):
mann/Stefan Sonderegger (Hrsg.): Sprach- Sprache, Kognition, Kultur (Jahrbuch des
geschichte. Ein Handbuch zur Geschichte Instituts für Deutsche Sprache 7). Berlin,
der deutschen Sprache und ihrer Erfor- New York 2008.
schung (Handbücher zur Sprach- und Dobrovol’skij, Dmitrij/Piirainen, Elisabeth:
Kommunikationswissenschaft 2,2). Berlin, Zur Theorie der Phraseologie. Kognitive
New York 1985. und kulturelle Aspekte. Tübingen 2009.
Burger, Harald/Zett, Robert (Hrsg.): Aktuelle Donalies, Elke: Basiswissen deutsche Phra-
Probleme der Phraseologie (Zürcher ger- seologie. Tübingen, Basel 2009
manistische Studien 9). Bern 1987. Ďurčo, Peter (Hrsg.): Europhras 97. Phraseo-
Burger, Harald/Zürrer, Peter: Phraseologie in logy and Paremiology. International Sym-
der Deutschschweiz und schweizerdeut- posium. Bratislava 1998.
sche Phraseologie. In: Il tedesco superiore Eismann, Wolfgang (Hrsg.): Europhras 95.
9/2011. Europäische Phraseologie: Gemeinsames
Černyševa, Irina: Aktuelle Probleme der Erbe und kulturelle Vielfalt (Studien zur
deutschen Phraseologie. In: Deutsch als Phraseologie und Parömiologie 15).
Fremdsprache 1/1984. Bochum 1996.
Coseriu, Eugenio: Lexikalische Solidaritäten. Fernandez-Bravo, Nicole/Behr, Irmtraud/
In: Poetica 1/1967. Rozier, Claire (Hrsg.): Phraseme und typi-
Daniels, Karlheinz: Neue Aspekte zum sierte Rede (Eurogermanistik 14). Tübingen
Thema Phraseologie in der gegenwärtigen 1999.
Sprachforschung. In: Muttersprache Fleischer, Wolfgang: Eigenständigkeit und
86/1976 (Teil 1), 89/1979 (Teil 2), 93/1983 Wechselbeziehungen der Phraseologismen.
(Teil 3), 95/1984–85 (Teil 4 und 5). Zur Charakterisierung der Phraseologis-
Deutschunterricht 5/2005: Phraseologismen men als sprachliche Einheit. In: Erhard
und ihre Varianten. Agricola/Jochen Schildt/Dieter Viehweger
Dietz, Hans-Ulrich: Rhetorik in der Phraseo- (Hrsg.): Wortschatzforschung heute. Aktu-
logie. Zur Bedeutung rhetorischer Stilele- elle Probleme der Lexikologie und Lexiko-
mente im idiomatischen Wortschatz des graphie. Leipzig 1982.
Deutschen (Reihe Germanistische Linguis- Fleischer, Wolfgang: Zur Bedeutungsbe-
tik 205). Tübingen 1999. schreibung von Phraseologismen. In:
Dobrovol’skij, Dmitrij: Gibt es Regeln für die Jochen Schildt/Dieter Viehweger (Hrsg.):
Passivierung deutscher Idiome? Die Lexikographie von heute und das Wör-
terbuch von morgen. Analysen – Prob-

D11_Umtexte.indd 17 19.12.2012 9:57:12 Uhr



Einleitung – Was sind Redewendungen? 18

leme – Vorschläge (Linguistische Studien, Termini (Linguistische Studien, Reihe A,


Reihe A, Arbeitsberichte 109). Berlin 1984. Arbeitsberichte 205). Berlin 1990.
Fleischer, Wolfgang: Phraseologie der deut- Häcki-Buhofer, Annelies/Burger, Harald/
schen Gegenwartssprache. Tübingen, Gautier, Laurent (Hrsg.): Phraseologiae
2. Auflage 1997. Amor. Aspekte europäischer Phraseologie.
Földes, Csaba (Hrsg.): Deutsche Phraseologie Festschrift für Gertrud Gréciano zum
in Sprachsystem und Sprachverwendung. 60. Geburtstag (Phraseologie und Parömio-
Wien 1992. logie 8). Baltmannsweiler 2001.
Földes, Csaba: Überlegungen zum lexikogra- Häcki-Buhofer, Annelies/Burger, Harald
phischen Konzept eines phraseologischen (Hrsg.): Phraseology in Motion 1. Metho-
Wörterbuchs. In: Muttersprache 105/1995. den und Kritik (Phraseologie und Parömio-
Földes, Csaba/Wirrer, Jan (Hrsg.): Phraseolo- logie 19). Baltmannsweiler 2006.
gismen als Gegenstand sprach- und kultur- Heller, Dorothea: Idiomatik. In: Hans Peter
wissenschaftlicher Forschung. Akten der Althaus/Helmut Henne/Herbert Ernst
Europäischen Gesellschaft für Phraseologie Wiegand (Hrsg.): Lexikon der Germanisti-
(Europhras) und des Westfälischen Arbeits- schen Linguistik. Tübingen, 2. Auflage
kreises »Phraseologie/Parömiologie« (Loc- 1980.
cum 2002). Baltmannsweiler 2004. Hessky, Regina (Hrsg.): Beiträge zur Phraseo-
Gréciano, Gertrud: Idiom und Text. In: Deut- logie des Ungarischen und des Deutschen
sche Sprache 15/1987. (Budapester Beiträge zur Germanistik 16).
Gréciano, Gertrud (Hrsg.): Europhras 88. Budapest 1988.
Phraséologie Contrastive (Collection Hümmer, Christiane: Synonymie bei phra-
Recherches Germaniques 2). Strasbourg seologischen Einheiten. Frankfurt am Main
1989. 2009.
Gréciano, Gertrud: Semantik und Herkunfts- Keil, Martina: Wort für Wort. Repräsentation
erklärung von Phraseologismen. In: Alan und Verarbeitung verbaler Phraseologis-
Cruse/Franz Hundsnurscher/Michael Job/ men (Phraseo-Lex) (Sprache und Informa-
Peter Rolf Lutzeier (Hrsg.): Lexikologie. Ein tion 35). Tübingen 1997.
internationales Handbuch zur Natur und Klappenbach, Ruth: Probleme der Phraseolo-
Struktur von Wörtern und Wortschätzen gie. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der
(Handbücher zur Sprach- und Kommuni- Karl-Marx-Universität (Leipzig) 17/1968.
kationswissenschaft 21,1). Berlin, New York Koller, Werner: Redensarten. Linguistische
2002. Aspekte, Vorkommensanalysen, Sprach-
Gréciano, Gertrud/Rothkegel, Annely (Hrsg.): spiel (Reihe Germanistische Linguistik 5).
Phraseme in Kontext und Kontrast. Tübingen 1977.
Bochum 1997. Korhonen, Jarmo (Hrsg.): Beiträge zur allge-
Grosse, Rudolf/Lerchner, Gotthard/Schröder, meinen und germanistischen Phraseologie-
Marianne (Hrsg.): Beiträge zur Phraseolo- forschung (Veröffentlichungen des Germa-
gie, Wortbildung, Lexikologie. Festschrift nistischen Instituts 7). Oulu 1987.
für Wolfgang Fleischer zum 70. Geburtstag. Korhonen, Jarmo (Hrsg.): Phraseologie und
Frankfurt am Main 1992. Wortbildung – Aspekte der Lexikonerwei-
Gutknecht, Christoph: Lauter spitze Zungen. terung (Linguistische Arbeiten 284). Tübin-
Geflügelte Worte und ihre Geschichte. gen 1992.
München, 3. Auflage 2001. Korhonen, Jarmo (Hrsg.): Untersuchungen
Günther, Kurt: Wörterbuch phraseologischer zur Phraseologie des Deutschen und ande-
rer Sprachen: einzelsprachspezifisch – kon-

D11_Umtexte.indd 18 19.12.2012 9:57:13 Uhr



19 Einleitung – Was sind Redewendungen?

trastiv – vergleichend (Werkstattreihe munikation der deutschen Gegenwarts-


Deutsch als Fremdsprache 40). Frankfurt sprache. In: Beiträge zur Erforschung der
am Main 1992. deutschen Sprache 10/1991.
Korhonen, Jarmo: Idiome und Sprichwörter Lenk, Hartmut E. H./Stein, Stephan (Hrsg.):
in der deutsch-finnischen Lexikographie. Phraseologismen in Textsorten (Germanis-
In: Ulrich Heid/Stefan Evert/Egbert Leh- tische Linguistik 211–212). Hildesheim,
mann/Christian Rohrer (Hrsg.): Proceed- Zürich, New York 2011.
ings of the Ninth Euralex International Mellado Blanco, Carmen (Hrsg.): Theorie und
Congress, Euralex 2000. Vol. 2. Stuttgart Praxis der idiomatischen Wörterbücher.
2000. Tübingen 2009.
Korhonen, Jarmo: Typologie der Phraseolo- Mieder, Wolfgang: Deutsche Redensarten,
gismen. In: Alan Cruse/Franz Hundsnur- Sprichwörter und Zitate. Studien zu ihrer
scher/Michael Job/Peter Rolf Lutzeier Herkunft, Überlieferung und Verwendung.
(Hrsg.): Lexikologie. Ein internationales Wien 1995.
Handbuch zur Natur und Struktur von Mieder, Wolfgang: »Spruchschlösser
Wörtern und Wortschätzen (Handbücher (ab)bauen«. Sprichwörter, Antisprichwör-
zur Sprach- und Kommunikationswissen- ter und Lehnsprichwörter in Literatur und
schaft 21,1). Berlin, New York 2002. Medien. Wien 2010.
Korhonen, Jarmo/Mieder, Wolfgang/Piirai- Munske, Horst Haider: Wie entstehen Phra-
nen, Elisabeth/Piñel, Rosa (Hrsg.): Phraseo- seologismen? In: Klaus J. Mattheier/ Klaus-
logie global – areal – regional. Akten der Peter Wegera/Walter Hoffmann/Jürgen
Konferenz Europhras 2008 vom 13.–16. 8. Macha/ Hans-Joachim Solms (Hrsg.): Viel-
2008 in Helsinki. Tübingen 2010. falt des Deutschen. Festschrift für Werner
Kühn, Peter: Pragmatische und lexikographi- Besch. Frankfurt am Main 1993.
sche Beschreibung phraseologischer Ein- Palm, Christine: Europhras 90. Akten der
heiten: Phraseologismen und Routinefor- internationalen Tagung zur germanisti-
meln. In: Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): schen Phraseologieforschung Aske/Schwe-
Studien zur neuhochdeutschen Lexikogra- den, 12.–15. Juni 1990 (Acta Universitatis
phie IV (Germanistische Linguistik Upsaliensis, Studia Germanistica Upsalien-
1–3/1983). Hildesheim, Zürich, New York sis 32). Uppsala 1991.
1984. Palm, Christine: Phraseologie – eine Einfüh-
Kühn, Peter: Phraseologie und Lexikogra- rung. Tübingen, 2. Auflage 1997.
phie: Zur semantischen Kommentierung Piirainen, Elisabeth: »Der hat aber Haare auf
phraseologischer Einheiten im Wörter- den Zähnen!«. Geschlechtsspezifik in der
buch. In: Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): deutschen Phraseologie. In: Rudolf Hoberg
Wörterbücher in der Diskussion. Vorträge (Hrsg.): Sprache – Erotik – Sexualität (Phi-
aus dem Heidelberger Lexikographischen lologische Studien und Quellen 166). Berlin
Kolloquium (Lexicographica, Series Maior 2001.
27). Tübingen 1989. Pilz, Klaus Dieter: Phraseologie. Versuch
Kunkel, Kathrin: Untersuchungen zum einer interdisziplinären Abgrenzung,
Gebrauch von substantivischen Phraseolo- Begriffsbestimmung und Systematisierung
gismen. In: Beiträge zur Erforschung der unter besonderer Berücksichtigung der
deutschen Sprache 5/1985. deutschen Gegenwartssprache (Göppinger
Kunkel, Kathrin: »Es springt ins Auge …«. Arbeiten zur Germanistik 239). Göppingen
Phraseologismen und ihre Funktionen in 1978.
einigen Textsorten fachgebundener Kom-

D11_Umtexte.indd 19 19.12.2012 9:57:13 Uhr



Einleitung – Was sind Redewendungen? 20

Pilz, Klaus Dieter: Phraseologie. Redensar- (Hrsg.): Das Wörterbuch. Artikel und Ver-
tenforschung. Stuttgart 1981. weisstrukturen. Jahrbuch 1987 des Instituts
Pilz, Klaus Dieter: Zur Terminologie der für Deutsche Sprache (Sprache der Gegen-
Phraseologie. In: Muttersprache 93/1983. wart 74). Düsseldorf, Bielefeld 1988.
Prinz, Michael/Richter-Vapaatalo, Ulrike Seiler, Friedrich: Deutsche Sprichwörter-
(Hrsg.): Idiome, Konstruktionen, »ver- kunde. Bremen 2011 (Nachdruck der Origi-
blümte Rede«. Beiträge zur Geschichte der nalausgabe aus dem Jahr 1922).
germanistischen Phraseologieforschung. Starke, Günter: Phraseologismen in ausge-
Stuttgart, Leipzig 2012. wählten Printmedien. In: Sommerfeldt,
Polenz, Peter von: Funktionsverben im heuti- Karl-Ernst (Hrsg.): Sprache im Alltag. Beob-
gen Deutsch. Sprache in der rationalisier- achtungen zur Sprachkultur (Sprache –
ten Welt (Beihefte zur Zeitschrift »Wirken- System und Tätigkeit 13). Frankfurt am
des Wort« 5). Düsseldorf 1963. Main 1994.
Ptashnyk, Stefaniya: Phraseologische Modifi- Stein, Stephan: Neuere Literatur zur Phra-
kationen und ihre Funktionen im Text. seologie und zu ritualisierter Sprache. In:
Eine Studie am Beispiel der deutschspra- Deutsche Sprache 22/1994.
chigen Presse (Phraseologie und Parömio- Sternkopf, Jochen: Ein Ansatz zur Modellie-
logie 24). Baltmannsweiler 2009. rung phraseologischer Einheiten. In:
Püschel, Ulrich: Wortbildung und Idiomatik. Deutsch als Fremdsprache 24/1987.
In: Zeitschrift für Germanistische Linguis- Sternkopf, Jochen: Überlegungen zur Darstel-
tik 6/1978. lung der phraseologischen Bedeutung im
Sandig, Barbara (Hrsg.): Europhras 92. Ten- Wörterbuch. In: Lexicographica 7/1991.
denzen der Phraseologieforschung (Stu- Sternkopf, Jochen: Bedeutungsschichten in
dien zur Phraseologie und Parömiologie 1). phraseologischen Einheiten. In: Deutsch
Bochum 1994. als Fremdsprache 29/1992.
Schemann, Hans: Zur Integration der Funkti- Sternkopf, Jochen: Syntaktische Parallelität
onsverbgefüge in die Idiomatikforschung. zwischen Phraseologismus und Bedeu-
In: Deutsche Sprache 1/1982. tungserklärung. In: Deutsch als Fremdspra-
Schemann, Hans: Das phraseologische Wör- che 31/1994.
terbuch. In: Franz Josef Hausmann/Oskar Steyer, Kathrin (Hrsg.): Wortverbindungen –
Reichmann/Herbert Ernst Wiegand/Ladis- mehr oder weniger fest (Jahrbuch des Insti-
lav Zgusta (Hrsg.): Wörterbücher. Ein inter- tuts für Deutsche Sprache 2003). Berlin,
nationales Handbuch zur Lexikographie New York 2004.
(Handbücher zur Sprach- und Kommuni- Wirrer, Jan (Hrsg.): Phraseologismen in Text
kationswissenschaft 5,1). Berlin, New York und Kontext. Phrasemata I (Bielefelder
1989. Schriften zu Linguistik und Literaturwis-
Schemann, Hans: Die Phraseologie im zwei- senschaft 11). Bielefeld 1998.
sprachigen Wörterbuch. In: Franz Josef Wotjak, Barbara: Zu einer integrativen Mehr­
Hausmann/Oskar Reichmann/Herbert ebenenbeschreibung von Phraseologismen.
Ernst Wiegand/Ladislav Zgusta (Hrsg.): In: Deutsch als Fremdsprache 6/1986.
Wörterbücher. Ein internationales Hand- Wotjak, Barbara: Rede-»Wendungen« und
buch zur Lexikographie (Handbücher zur »Wende«-Reden. In: Deutsch als Fremd-
Sprach- und Kommunikationswissenschaft sprache 28/1991.
5,3). Berlin/New York 1991.
Scholze-Stubenrecht, Werner: Phraseologis-
men im Wörterbuch. In: Gisela Harras

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21 Hinweise zur Benutzung des Wörterbuchs

Hinweise zur Benutzung des Wörterbuchs


1. Anordnung der Stichwörter und ordnet ist. Solche Verweise stehen jeweils am
Wendungen Ende des Stichworteintrags.

1.1  Alphabetische Sortierung nach 1.3  Fremdsprachliche Wendungen


Hauptstichwörtern Die rein fremdsprachlichen Wendungen wer-
Die (in blauer Schrift gedruckten) Wendun- den keinem Hauptstichwort zugeordnet,
gen werden in der Regel einem (schwarz sondern als gesamte Wortfolge wie ein Stich-
gedruckten) Hauptstichwort zugeordnet, das wort behandelt. Alter Ego findet sich also
entweder das erste Wort oder eines der nach dem Stichwort Alter und vor alters.
wichtigsten sinntragenden Wörter der jewei-
ligen Wendung ist. Die Hauptstichwörter 2. Artikelaufbau
sind alphabetisch geordnet.
2.1  »Platzhalter« und sich
Handelt es sich dabei um Substantive, so ste-
hen die zugehörigen Wendungen unterein- Bei Wendungen mit variablem Subjekt,
ander in einer Reihenfolge, die vom Kasus Objekt oder Attribut werden die sogenann-
des Substantivs in der Grundform der Wen- ten Platzhalter jmd., jmds., jmdm., jmdn. für
dung bestimmt ist: Nominativ vor Akkusativ Personen und Personengruppen sowie etw.,
vor Dativ vor Genitiv. Nach dem Stichwort einer Sache für konkrete oder abstrakte
im Genitiv folgt das Stichwort mit vorange- Gegenstände verwendet.
stellter Präposition in der alphabetischen Steht das Reflexivpronomen sich für einen
Folge der einzelnen Präpositionen. Zum Bei- nicht aus dem Kontext ableitbaren Dativ,
spiel: so wird in diesen Fällen die Kennzeichnung
Herz: jmdm. blutet das Herz (Nominativ) 〈Dativ〉 angegeben.
jmdm. das Herz brechen (Akkusativ)
2.2  Stilistische Markierungen
seinem Herzen Luft machen (Dativ)
leichten Herzens (Genitiv) Alle Wendungen, die nicht der allgemeinen
jmdm. ans Herz gewachsen sein (an) Standardsprache zuzurechnen sind, erhalten
etw. auf dem Herzen haben (auf) eine stilistische Markierung, die in runden
jmdn. ins Herz schließen (in) Klammern angegeben wird und eine der fol-
mit halbem Herzen (mit) genden Stilschichten angibt:
etw. nicht übers Herz bringen (über) Als bildungssprachlich (bildungsspr.) werden
von Herzen gern (von) Wendungen angesehen, die fast ausschließ-
sich etw. zu Herzen nehmen (zu) lich von Personen mit höherer, meist akade-
mischer Ausbildung gebraucht werden und
1.2  Verweise die in der Alltagskommunikation leicht als
Da nicht immer eindeutig festzulegen ist, »hochgestochen« empfunden werden kön-
welches Wort in einer Wendung das wich- nen, zum Beispiel coram publico oder zwi-
tigste sinntragende ist, arbeitet das Wörter- schen Szylla und Charybdis.
buch mit einem umfassenden Verweissys- Dem gehobenen (geh.) Sprachgebrauch
tem: Wer die Flöhe husten hören entweder gehören Wendungen an, die einer gewählten,
unter husten oder unter hören sucht, wird an eher feierlichen oder poetisch-literarischen,
beiden Stellen einen Verweis auf das Stich- nicht alltäglichen Ausdrucksweise zuzurech-
wort Floh finden, dem diese Wendung zuge- nen sind, zum Beispiel bei jmdm. in hohen

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Hinweise zur Benutzung des Wörterbuchs 22

Gnaden stehen oder voll des süßen Weines dung meist nur allgemein als landschaftlich
sein. (landsch.) markiert.
Wendungen, die für eine ungezwungene, all-
tägliche Sprache charakteristisch sind, wie 2.4  Weitere Gebrauchsmarkierungen
wir sie in Kneipengesprächen, auf dem Wendungen, die als Papierdeutsch
Sportplatz oder bei sonstigen nicht formel- (Papierdt.) gekennzeichnet sind, gelten als
len oder geschäftsmäßigen Gelegenheiten im typisch für eine bürokratische, unlebendige
vertrauten Freundes- oder Bekanntenkreis Ausdrucksweise. Zur Amtssprache (Amts-
gebrauchen, werden als umgangssprachlich spr.) gehören durch gesetzliche oder behörd-
(ugs.) markiert, zum Beispiel jmdn. an die liche Vorschriften vorgegebene Ausdrücke.
Luft setzen oder die Schulbank drücken. In bestimmten Berufsbereichen gebräuchli-
Einige Wendungen werden vorwiegend im che Wendungen erhalten Angaben wie
Familienkreis, bei miteinander vertrauten (Bergmannsspr.) oder (Seemannsspr.). Mar-
Menschen gebraucht. Diese sind als familiär kierungen wie scherzhaft (scherzh.), abwer-
( fam.) eingestuft, wie zum Beispiel jmdm. tend, verhüllend (verhüll.) oder veraltend
nichts abgucken oder Frau Holle schüttelt die geben in entsprechenden Fällen weitere Hin-
Betten. weise zum angemessenen Gebrauch der
Mit den als salopp gekennzeichneten Wen- Wendungen.
dungen verbindet sich meist eine gewisse
Schroffheit oder ein deutlicher Mangel an 2.5  Bedeutungsangaben
Feingefühl. Diese Stilebene liegt zwischen Die kursiv gedruckten Bedeutungsangaben
der Umgangssprache und der derben Aus- geben in knapper Form wieder, was üblicher-
drucksweise; Beispiele sind die Augen auf weise gemeint ist, wenn eine Wendung
null stellen oder sich vom Acker machen. gebraucht wird. Die Bedeutungsangabe kann
Als derb gelten Wendungen, die einer groben ein Synonym, eine Umschreibung oder eine
und gewöhnlichen Ausdrucksweise zuzu- Gebrauchserklärung sein, zum Beispiel:
rechnen sind, zum Beispiel jmdm. am Arsch
vorbeigehen oder in der Scheiße stecken. das Zeitliche segnen sterben
Einige wenige noch gröbere Wendungen sind
als vulgär markiert. wo gehobelt wird, bei energisch durch­
da fallen Späne geführten Maßnahmen
2.3  Regionale und nationale Besonderheiten kann man nicht viel
Die im gesamten deutschen Sprachraum Rücksicht nehmen
sowie in Deutschland überregional
so jung kommen Ermunterung, bei
gebrauchten Redewendungen erhalten keine
wir nicht mehr einem geselligen
explizite Markierung. Überwiegend nur in
zusammen ­Beisammensein noch
Österreich oder in der Schweiz geläufige For-
zu verweilen, noch
men werden mit (österr.) beziehungsweise
­weiterzufeiern
(schweiz.) gekennzeichnet. Bei Wendungen,
die sich innerhalb Deutschlands einer
2.6  Beispiele und Belege
bestimmten Region zuordnen lassen, steht
Beispiele für den typischen Gebrauch einer
eine entsprechende Angabe wie (nordd.),
Wendung sind vor allem für Deutsch Ler-
(berlin.) oder (südd.). Kann die regionale Ver-
nende eine wichtige Hilfe. Sie ergänzen die
wendung nicht auf einen bestimmten Mund-
abstrakten Bedeutungsangaben durch kon-
artraum eingegrenzt werden, ist die Wen-
kretes Anschauungsmaterial. Darüber hin-

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23 Hinweise zur Benutzung des Wörterbuchs

aus werden in diesem Wörterbuch die meis- leitungen werden in der Regel nicht angege-
ten Wendungen auch durch einen oder meh- ben.
rere Belege veranschaulicht, das heißt durch
wörtlich zitierte Stellen aus Büchern, Zeitun- 2.8  Verweise
gen, Zeitschriften und Internettexten mit Zu den am Ende eines Haupteintrags aufge-
genauen Quellenangaben. Gibt es zu einer führten Verweisstichwörtern vgl. Abschnitt I,
Wendung sowohl Beispiele als auch Belege, 1.2.
steht zwischen beiden zur Abgrenzung ein
Punkt auf mittlerer Zeilenhöhe. 3. Abkürzungen
Zu den Belegen aus gedruckten Publikatio-
Abk. Abkürzung
nen stehen die ausführlicheren bibliografi-
Amtsspr. Amtssprache
schen Angaben im Anhang des Wörterbuchs
(S. 921 ff.); bei den Belegen selbst wird eine bayr. bayrisch
Kurzform in runden Klammern angegeben, Bergmannsspr. Bergmannssprache
zum Beispiel: berlin. berlinisch
(Döblin, Berlin 378) steht für »Alfred Döblin, bes. besonders
Berlin Alexanderplatz, Seite 378«. bildungsspr. bildungssprachlich
(SZ 16. 4. 1998, 8) steht für »Süddeutsche BM Berliner Morgenpost
Zeitung vom 16. 4. 1998, Seite 8«. BNN Brandenburgische
(Spiegel 21, 2004, 205) steht für »Der Spiegel, Neueste Nachrichten
Nr. 21 des Jahres 2004, Seite 205«. Börsenw. Börsenwesen
Fehlt bei einem Zeitungs- oder Zeitschriften- bzw. beziehungsweise
beleg die Seitenangabe, so geht der Beleg auf
CCI clima commerce
eine elektronisch gespeicherte Version der
international
betreffenden Quelle ohne Seitenangaben
christl. christlich
zurück oder die Seitenangabe war aus ande-
ren Gründen nicht zu ermitteln. DÄ Deutsches Ärzteblatt
Die Fundstellen für Belege aus dem Internet dgl. dergleichen
werden durch eine verkürzte Angabe der d. h. das heißt
Internetadresse dokumentiert. dichter. dichterisch
Die in diesem Wörterbuch verzeichneten Druckerspr. Druckersprache
Belege sind keine sprachhistorischen Erstbe-
eigtl. eigentlich
lege, sie dienen allein dem Nachweis, dass
engl. englisch
und wie die betreffenden Wendungen in der
etw. etwas
deutschen Gegenwartssprache gebraucht
werden. fam. familiär
FAZ Frankfurter Allgemeine
2.7  Herkunftserklärungen Zeitung
Eine Raute (◆) kennzeichnet die zu einer Filmspr. Filmsprache
Wendung angegebene Herkunftserklärung. Fliegerspr. Fliegersprache
Solche Erklärungen finden sich vor allem FR Frankfurter Rundschau
dort, wo sich der Wortlaut der Redewendung
Gastron. Gastronomie
nicht ganz oder nicht wenigstens weitge-
Gaunerspr. Gaunersprache
hend von selbst erklärt. Sprachwissenschaft-
geh. gehoben
lich ungesicherte oder sehr zweifelhafte Her-
iron. ironisch

D11_Umtexte.indd 23 19.12.2012 9:57:13 Uhr


➔ Quellenverzeichnis 24

IWZ Illustrierte Wochenzeitung Ps. Psalm


Psych. Psychologie
Jägerspr. Jägersprache
Jes. Jesaia Rechtsspr. Rechtssprache
Jh. Jahrhundert Rel. Religion
jidd. jiddisch rhein. rheinisch
jmd. jemand
sächs. sächsisch
jmdm. jemandem
Sam. Samuel
jmdn. jemanden
scherzh. scherzhaft
jmds. jemandes
schwäb. schwäbisch
Joh. Johannes
schweiz. schweizerisch
Jugendspr. Jugendsprache
Seemannsspr. Seemannssprache
kath. katholisch Soldatenspr. Soldatensprache
Kaufmannsspr. Kaufmannssprache span. spanisch
Kinderspr. Kindersprache spött. spöttisch
Kor. Korinther Studentenspr. Studentensprache
südd. süddeutsch
landsch. landschaftlich
südwestd. südwestdeutsch
Luk. Lukas
SZ Süddeutsche Zeitung
Matth. Matthäus
taz tageszeitung
Med. Medizin
thüring. thüringisch
mhd. mittelhochdeutsch
Milit. Militär u. und
MM Mannheimer Morgen u. a. und andere/anderes usw.
Mos. Mose u. Ä. und Ähnliches/
mundartl. mundartlich Ähnlichem usw.
u. dgl. und dergleichen
NBI Neue Berliner Illustrierte
ugs. umgangssprachlich
NJW Neue Juristische
Wochenschrift Verbindungsw. Verbindungswesen
NNN Norddeutsche Neueste verhüll. verhüllend
Nachrichten Verwaltungsspr. Verwaltungssprache
nordd. norddeutsch vgl. vergleiche
NZZ Neue Zürcher Zeitung vulg. vulgär
o. ä. oder ähnlich/ähnliche/ westmd. westmitteldeutsch
ähnliches usw. wiener. wienerisch
o. Ä. oder Ähnliches/ Wirtsch. Wirtschaft
Ähnlichem usw.
z. B. zum Beispiel
obersächs. obersächsisch
od. oder
o. dgl. oder dergleichen
österr. österreichisch
ostmd. ostmitteldeutsch
ostösterr. ostösterreichisch
Papierdt. Papierdeutsch
a – ab

A
leeren: Du bist ja so still, musst du mal Aa A
machen? Mami, der Junge hat Aa in die
.
Sandkiste gemacht! Wir waren alle viel
zu brav in der grauen DDR. Weil uns stän-
M
ab

a dig die Stasi im Nacken saß. Weil wir in


der Kita alle auf Kommando Aa machen
mussten (taz 9. 11. 1999, 7).
Aal: ↑ glatt, ↑ winden.
a: ↑ eins. Aas: kein Aas (ugs.): kein Mensch, niemand:
A: das A und O: die Hauptsache, das Wesent- fest steht jedenfalls, dass heute kein Aas
liche, der Kernpunkt: In vielen Berufsspar- mehr ein Nazi gewesen sein will (Kirst,
ten sind gute Fremdsprachenkenntnisse 08/15, 895). Er kommt zurück und nickt.
heute das A und O für Aufstiegschan- »Kein Aas zu sehen.« (Remarque, Westen
.
cen. Die Steuer- und Abgabenlast zu 186).
senken ist ... das A und O der Beschäfti- ein Aas/Ass auf der [Bass]geige sein (sa-
gungspolitik (Zeit 23. 2. 1996, 25). lopp, bes. berlin.): clever sein, sich in allen
♦ Die Wendung bedeutet wörtlich »der Tricks und Schlichen auskennen: Mein
Anfang und das Ende«. A (Alpha) ist der Freund hat noch zwei Karten aufgetrie-
erste, O (Omega) der letzte Buchstabe des ben, der ist ein Aas auf der Bassgeige.
griechischen Alphabets; vgl. die Offenba- ♦ Die Entstehung der Wendung ist nicht
rung des Johannes, Kapitel 1, Vers 8: »Ich geklärt. Erhellend ist jedoch die Tatsache,
bin das A und O, der Anfang und das dass »Aas« im Berlinischen auch bewun-
Ende, spricht Gott der Herr.« dernd gebraucht wird. Bei der Verbin-
wer A sagt, muss auch B sagen: wer et- dung mit »Geige« bzw. »Bassgeige«
was beginnt, muss es fortsetzen [und auch könnte die Funktion des Instruments als
unangenehme Folgen auf sich nehmen]: führendes Melodieinstrument des Or-
Jetzt können Sie keinen Rückzieher mehr chesters und wichtigstes Streichinstru-
machen – wer A sagt, muss auch B sa- ment bzw. die Größe des Instruments
.
gen. Eumann kann sich sogar ein wer- ausschlaggebend gewesen sein.
befinanziertes Angebot des Senders ab: ab und an: manchmal, von Zeit zu Zeit:
vorstellen: »Werbung gehört einfach zur Eine Art Handlung inmitten des Traums,
Kultur des Internets, und wer A sagt, in der es um einen gestohlenen Koffer
muss auch B sagen« (Zeit 5. 4. 2001, 43). geht, blitzt nur ab und an auf und entwi-
♦ Die Wendung bezieht sich auf das Auf- ckelt sich kaum (FR 19. 2. 2001, 27). Sie
sagen des Alphabets, das mit A beginnt ging tanzen ab und an, aber am liebsten
und mit B fortgeführt wird. war sie in der Freischicht für sich ...
von A bis Z (ugs.): von Anfang bis Ende, ( Johnson, Ansichten 13).
ohne Ausnahme, vollständig: Ich habe das ab und zu: manchmal, von Zeit zu Zeit:
Buch von A bis Z gelesen. Die Geschichte Ab und zu huschte ein Lächeln über ihr
.
ist von A bis Z erfunden. Keine Rolle, .
Gesicht. Man verehrt den Funken Le-
die er nicht von A bis Z umgeschrieben ben, der selbst in einem Regenwurm pulst
hätte (Hörzu 25, 1975, 18). Der komplexe, und ihn ab und zu ans Licht treibt (Re-
harmonische, reinsortige Wein mit marque, Triomphe 45).
Schmelz weiß von A bis Z zu begeistern ab dafür (ugs.): fertig; das war alles [und
und bietet viel Weingenuss für relativ we- jetzt kann es losgehen]: Auf in den Süden.
nig Geld (NZZ, 30. 5. 2004, 99). Badesachen und Sonnencreme ins Auto,
♦ A steht für den ersten Buchstaben des volltanken und ab dafür (SZ 21. 4. 2004,
Alphabets und eines alphabetisch geord- 43).
neten Nachschlagewerks, Z für den letz- ab durch die Mitte! (ugs.): schnell fort! ;
ten. los, vorwärts! : »Gegen den Gartenzaun
Aa: Aa machen (Kinderspr.): den Darm ent- und ab durch die Mitte« titelt die Presse-

25
abarbeiten – Abbruch

A stelle der Polizei ihren Hinweis auf einen


Autofahrer (www.zvw.de, 27. 11. 1999).
dir Abbitte leisten; ich hatte nicht ge-
glaubt, dass du es ehrlich meinst. Er sah
abar Die Panzerfäuste in den Anhänger! Dann .
seinen Fehler ein und tat Abbitte. Die
aber ab durch die Mitte! (Bieler, Bonifaz Meisterin leistete mit dem zweiten Ei
39). wohl Abbitte für die Ohrfeige (Strittmat-
♦ Diese Aufforderung stammt aus der ter, Wundertäter 91).
Theatersprache, wo sie wie »ab nach abbrechen: sich 〈Dativ〉 keinen abbrechen
rechts« und »ab nach links« als Bühnen- (ugs.): 1. sich bei einer Tätigkeit nicht
anweisung gebräuchlich ist. übermäßig anstrengen: Der Österreicher
ab die Post! (ugs.): schnell fort! ; los, vor- Marque, Sänger und Musiker mit Wahl-
wärts! : »Ab die Post«, befahl Tante Lucy, heimat Stuttgart, muss sich keinen abbre-
»bring das Gör ma’ schleunigst ins Bett- chen, um adrette Songs alter Schule zu
chen« (Erné, Fahrgäste 272). Sie ent- schreiben (www.sclub.de). 2. sich zieren:
schied nach kurzem Zögern: »... In einer Zumindest waren wir also jetzt so gute
Stunde nischt wie ab die Post!« (Fallada, Kumpel, die sich keinen abbrechen, wenn
Jeder 58). sie sich mal nackt sehen (nfj.eurogay.de).
ab nach Kassel! (ugs. veraltend): schnell ♦ In ihrer zweiten Bedeutung ist diese
fort! : Hier, nimm noch deine Sachen, und Wendung eine Kurzform der Wendung
dann ab nach Kassel! »sich keine Verzierung abbrechen«.
♦ Während des Nordamerikanischen ↑ Brücke, ↑ 1 Riese, ↑ Spitze, ↑ Verzierung,
Unabhängigkeitskrieges (1775–1783) war ↑ Zelt, ↑ Zunge.
Kassel Sammelort der für die britische abbrennen: ↑ umziehen.
Krone zwangsrekrutierten hessischen abbringen: ↑ Pferd, ↑ Weg.
Soldaten. Diese Tatsache wird allgemein Abbruch: einer Sache 〈Dativ〉 keinen Ab-
als Herkunftserklärung der Wendung an- bruch tun: etw. nicht beeinträchtigen,
geführt. Da die Wendung jedoch erst seit nicht mindern: ... wurde es später beim
Ende des 19. Jahrhunderts belegt ist, be- Zug durch die Innenstadt mit starkem
zieht man sie auch auf die Gefangen- Schneetreiben bitterkalt. Doch der guten
nahme Napoleons III. im Deutsch-Fran- Stimmung tat das keinen Abbruch, viele
zösischen Krieg von 1870/71, der nach feierten kräftig schunkelnd mit (FR 26. 2.
Kassel-Wilhelmshöhe ins Exil geschickt 2001). Ihrem Aufstieg tat es auch keinen
wurde. Abbruch, als sich die Musikerin Auszei-
↑ fest, ↑ 1 Hut, ↑ Schaden. ten nahm und zwei Kinder zur Welt
abarbeiten: ↑ Finger. brachte (SZ 20. 3. 2001).
abasten: sich 〈Dativ〉 einen abasten (ugs.): das tut der Liebe keinen Abbruch (ugs.
sich mit etwas Schwerem abplagen: Ich scherzh.): das schadet nichts: Wenn er
habe mir mit der Kiste ganz schön einen auch unseren Wagen kaputt gefahren hat,
abgeastet. das tut der Liebe keinen Abbruch. Es.
abbeißen: einen abbeißen (bes. nordd.): ist interessant, zu beobachten, wie ganz
ein Glas Alkohol trinken: Lass uns noch wuselige Kleinkinder still werden und
einen abbeißen, bevor die Kneipe zu- versunken den Tieren zuschauen, sich
macht. Er ist mit einem alten Kumpel or- selbst an den Stangen der Koppeleinfrie-
dentlich einen abbeißen gegangen. digung festhalten. Der auf Armeslänge
♦ Der Wendung liegt der landschaftliche dahinter angebrachte Elektrozaun tut der
Gebrauch von »abbeißen« im Sinne von Liebe keinen Abbruch (MM 29. 4. 2000,
»(ein Trinkgefäß) abtrinken« zugrunde. 33).
↑ Maus, ↑ Zunge. auf Abbruch heiraten (ugs.; scherzh.):
abberufen: ↑ Ewigkeit, ↑ Leben. jmdn. , mit dessen baldigem Ableben zu
abbinden: ↑ Sack. rechnen ist, heiraten, um ihn zu beerben:
Abbitte: [jmdm.] Abbitte leisten/tun: Ihren zwanzig Jahre älteren Mann hat sie
[ jmdn.] um Verzeihung bitten: Ich muss wohl auf Abbruch geheiratet.

26
abdrehen – Abflug

♦ Die seit dem ausgehenden 19. Jahrhun- zu Abend essen: Die Abendmahlzeit ein- A
dert belegte Wendung ist eine scherz-
hafte Abwandlung der folgenden, die aus
dem Bauwesen stammt.
nehmen: Habt ihr schon zu Abend geges-
sen?
↑ spät, ↑ Tag.
M
Abfl

etw. auf Abbruch verkaufen: etw. zum abendfüllend: nicht abendfüllend sein
Abriss[wert] verkaufen: Die beiden Häu- (ugs.): eher langweilig sein, auf die Dauer
serblocks konnten nicht mehr saniert wenig Interessantes bieten: die Wiederho-
werden und wurden deshalb auf Abbruch lung alter Witze ist nicht abendfüllend. .
.
verkauft. Viele Kirchen wurden samt Beschleunigung hat sinnvolle Aspekte,
Einrichtung auf Abbruch verkauft oder in immer nur die Entdeckung der Langsam-
Tabaklager und Fabrikationshallen umge- keit zu beschwören ist nicht abendfüllend
wandelt (taz 27. 12. 2004, 4). (Zeit 21. 9. 2005, 24).
abdrehen: ↑ Gas, ↑ Geldhahn, ↑ Gurgel, Abendmahl: das Abendmahl auf etwas
↑ Luft. nehmen (veraltend): etw. beschwören kön-
abdrücken: ↑ Herz, ↑ Luft. nen: Sie ist dabei gewesen, darauf nehme
Abend: bunter Abend (veraltend): Abend- ich das Abendmahl. Auf seine Unschuld
veranstaltung mit heiterem, abwechs- können wir das Abendmahl nehmen.
lungsreichem Programm: Zum Abschluss ♦ Man führt die Redensart auf die soge-
der diesjährigen Feriensaison veranstaltet nannte »Abendmahlprobe«, ein mittelal-
die Kurverwaltung einen bunten Abend terliches Gottesurteil, zurück, wobei ei-
.
im Bürgerhaus. Bald wurden die Tanz- nem Beschuldigten eine geweihte Hostie
abende durch »bunte Abende« ergänzt in den Mund geschoben wurde. Konnte er
(Leonhard, Revolution 178). diese herunterschlucken, war seine Un-
Heiliger Abend: [Tag und] Abend des schuld bewiesen; blieb sie ihm hingegen
24. Dezember: Am Heiligen Abend gab es im Hals stecken oder musste er sie wieder
erst ein gutes Essen und dann die Besche- von sich geben, war er der Schuld über-
rung für die Kleinen. Ein Heiliger Abend führt.
ohne Besuch der Christmette war für abends: ↑ Bürgersteig.
Großmutter undenkbar. Abendstunde: ↑ Schreck.
es ist noch nicht aller Tage Abend: es aber: aber, aber!: nicht doch!, was soll
kann sich noch vielerlei ändern: Noch ist das?: Aber, aber! Wer wird denn gleich so
nicht aller Tage Abend. Noch ist er ja böse werden!
nicht verurteilt (Th. Mann, Budden- ↑ hallo, ↑ wenn, ↑ wo.
brooks 376). abessen: bei jmdm. abgegessen haben
guten Abend: Grußformel am Abend: Gu- (ugs. , bes. ostmd.): bei jmdm. nicht mehr
ten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer, erwünscht, beliebt sein: So ein unhöflicher
wir begrüßen Sie zu unserer Sendung Mensch! Der kommt uns nicht mehr ins
»Musik bis Mitternacht«. Haus, der hat bei uns abgegessen.
er usw. kann mich am Abend besuchen ♦ Das Verb »abessen« in der Bedeutung
(salopp): mit ihm usw. will ich nichts zu von »die Mahlzeit beenden« ist in dieser
tun haben: Meine Freundin hat mich jetzt Wendung übertragen gebraucht.
schon das dritte Mal versetzt, die kann abfahren: ↑ Zug.
mich mal am Abend besuchen. abfingern: ↑ Arsch.
♦ In dieser Wendung steht »am Abend Abflug: den/einen Abflug machen (ugs.):
besuchen« verhüllend für die derbe Ab- fortgehen, verschwinden: Sei so gut und
weisung »am Arsch lecken«. mach ’nen Abflug. Die Einführung war so
am Abend wird der Faule fleißig: wer schlecht, dass wir sofort wieder einen Ab-
eine Arbeit aus Bequemlichkeit zunächst .
flug gemacht haben. Entweder läuft die
nur vor sich her schiebt, der muss, wenn Suche zu schleppend, oder die Verant-
der Termin näher rückt, an dem sie erle- wortlichen haben Angst, die Modenschau
digt sein soll, besonders viel arbeiten. könne wieder den Abflug machen, wenn

27
abfrieren – ablaufen

A man zu sehr auf einen anderen Standort


drängt (taz 14. 1. 2010, 21).
abgucken: jmdm. nichts abgucken/weggu-
cken (fam. scherzh. , veraltend): in Auffor-
abfr abfrieren: sich 〈Dativ〉 einen abfrieren derungen [an Kinder], sich nackt vor ver-
(ugs.): sehr frieren: Die Bunker ... sind ... trauten Personen nicht zu genieren: Nun
nicht heizbar. Die frieren sich schon ganz zieh dich schon aus, Paulchen, wir gucken
schön einen ab (Kuby, Sieg 33). dir nichts ab.
↑ Arsch. abhaben: einen abhaben (salopp): 1. be-
Abgang: sich 〈Dativ〉 einen guten Abgang trunken sein: Wenn er einen abhat, fängt
verschaffen: beim Weggehen, als Ab- er an zu quatschen. 2. nicht recht gescheit
schluss einen guten Eindruck hinterlassen: sein: Die muss doch einen abhaben – mit
Mit einem Appell an die Öffentlichkeit achtzig Sachen durch die Fußgängerzone
versuchte sich der Politiker einen guten zu düsen!
Abgang zu verschaffen. ↑ Rad.
einen/den Abgang machen (ugs.): fortge- abhacken: ↑ Hand.
hen, verschwinden: Mensch, mach ’n Ab- abhalten: ↑ Pferd.
gang, du bist hier nicht erwünscht! abhold: jmdm. , einer Sache abhold sein
keinen Abgang finden (ugs.): sich nicht (geh.): jmdm. , einer Sache gegenüber ab-
entschließen können aufzubrechen: Ella, lehnend eingestellt sein: Sie war jung,
die Plaudertasche, konnte mal wieder temperamentvoll und dem männlichen
keinen Abgang finden. Kommt auf ein .
Geschlecht keineswegs abhold. Die Ur-
Tässchen Tee herüber und drückt um sache für diese Misere läge ... darin, dass
halb acht noch immer unser Sofakissen. Frankreichs politische Elite jeglichem
abgehen: abgehen wie ein Zäpfchen/wie Wandel abhold sei (SZ 7. 10. 2003, 13).
Schmidts Katze (ugs.): 1. sehr schnell und abholen: ↑ bestellen.
reibungslos, ohne große Anstrengung vo- abkauen: ↑ Ohr.
rankommen, ablaufen o. Ä.: Dieser Wagen abklavieren: ↑ Arsch.
geht ab wie ein Zäpfchen, auch wenn er abkriegen: ↑ Holzhammer.
locker 13 Liter nimmt (www.tuning-fans. ablachen: ↑ Arsch.
de, 16. 3. 2006). Nun begann er, alte Häu- Ab|la|ge: Ablage rund; Ablage P (ugs.
ser abzutragen und die Teile zu verkau- scherzh.): Papierkorb: Die Businesspläne
fen. »Das ging ab wie Schmidts Katze«, landeten ungelesen in der Ablage P. .
erinnert er sich. Die Leute rissen ihm das Also ist eine Beschäftigung mit diesen
Material fast aus der Hand (SZ 20. 7. 2002, Rechnungen/Mahnungen völliger Un-
48). 2. äußerst mitreißend sein: Die neuen sinn. Deshalb gehören die Mails einfach
Songs auf der CD gehen ab wie ’n Zäpf- in die Ablage rund (www.netzwelt.de
.
chen. Doch was seinerzeit in der 29. 5. 2012).
dampfenden Urlaubsstimmung in Discos ablassen: ↑ Dampf, ↑ Luft.
und Bars der Iberischen Halbinsel abging ablaufen: jmdn. ablaufen lassen (ugs.):
wie Schmidts Katze, führte nicht zwangs- jmdn. kühl abweisen: Er ließ den Gatten
läufig zum gewünschten Erfolg in Rends- der Zeset ablaufen ... , weil er ihn nicht
burg, Bielefeld oder Chemnitz (www. recht leiden konnte (Th. Mann, Joseph
amazon.de, 2007). 837). Wenn Wehner die beiden Vorsitzen-
jmdm. geht einer ab (salopp): jmd. hat ei- den ... zu schwach für eine kleine Koali-
nen Samenerguss [ohne Geschlechtsver- tion erschienen, warum erwog er nicht
kehr auszuüben]: Er kriegt keinen hoch, einmal, Kiesinger ablaufen zu lassen
oder es geht ihm vorschnell einer ab (Spiegel 50, 1966, 26).
(Amendt, Sexbuch 81). ♦ Die Wendung stammt aus der Fechter-
↑ Bär, ↑ Luzie, ↑ Post. sprache, wo sie die Bedeutung hat »den
abgewinnen: ↑ Geschmack. Hieb des Gegners an der eigenen Klinge
abgießen: ↑ Kartoffel, ↑ Kartoffelwasser. abgleiten lassen«.
abgraben: ↑ Wasser. an jmdm. ablaufen wie das Wasser am

28
ablegen – Abschied

Entenflügel/an der Gans/am Pudel: jmdn. pendunst aufgehoben wie in Abrahams A


unbeeindruckt, gleichgültig lassen: Kritik
nimmt sie nicht ernst, alle Angriffe laufen
an ihr ab wie das Wasser an der Gans.
Schoß. Sauwohl eben (www.zvw.de, 10. 5.
2000).
♦ Die Wendung bezieht sich auf das
M
Absc

Man beschuldigte ihn, machte ihm Vor- Gleichnis vom armen Lazarus und vom
würfe, aber er ließ das alles an sich ablau- reichen Mann (vgl. Lukas, Kapitel 16, Vers
fen wie das Wasser am Entenflügel. 20 ff.). Der arme Lazarus wurde nach sei-
↑ Bein, ↑ Fuß, ↑ Hacken, ↑ Horn, ↑ Rang, nem Tode von den Engeln in Abrahams
↑ Schuh, ↑ Schuhsohle, ↑ Uhr. Schoß getragen, wo er, geborgen und
ablegen: ↑ Rechenschaft. glücklich, keine Not mehr leiden musste.
ablehnen: ↑ Angebot. in Abrahams Wurstkessel (salopp): [als
ablesen: ↑ Auge. noch nicht Geborener] im Himmel: Zu die-
abmalen: da möchte ich nicht abgemalt ser Zeit befand sich besagter Klugschei-
sein (ugs.): dort möchte ich auf keinen Fall ßer noch in Abrahams Wurstkessel (www.
sein: Er schwärmt immer von seinem Wo- lesebuch.net/briefwechsel, 7. 12. 2000).
chenendhaus im Norden – in so einer Abrede: etw. in Abrede stellen (Papierdt.):
gottverlassenen Gegend möchte ich nicht etw. bestreiten, abstreiten: Er hat seine
abgemalt sein! Mittäterschaft in Abrede gestellt. Die
abmelden: [bei jmdm.] abgemeldet sein Verhafteten stellen in Abrede, an der Ver-
(ugs.): jmds. Wohlwollen verloren haben, schwörung beteiligt gewesen zu sein. .
von jmdm. nicht mehr beachtet werden: Und ich stellte nicht in Abrede, dass der
Wer sich unkollegial verhält, der ist in der Kuchen drei Viertel der Fläche des Kü-
.
Abteilung abgemeldet. Wenn einer chentischs einnahm (Kunze, Jahre 19).
säuft, ist er bei mir abgemeldet (Kirst, abreden: ↑ Ohr.
08/15, 484). Abreise: ↑ kalt.
↑ Verpflegung. abreißen: ↑ Kopf.
Abnahme: Abnahme finden: sich verkaufen abrennen: ↑ Hacken.
lassen: Die modischen Sonnenbrillen fan- absägen: ↑ abschneiden, ↑ Ast, ↑ Hose.
den reißende Abnahme. Absatz: sich auf dem Absatz umdrehen/um-
abonnieren: auf etw. abonniert sein: wenden; auf dem Absatz kehrtmachen:
1. etw. abonniert haben: Ich bin seit zwei spontan umkehren: Als er unter den Gäs-
Jahren auf diese Zeitschrift abonniert. ten seine frühere Frau entdeckte, drehte
2. (ugs.) etw. immer wieder erreichen, er- .
er sich auf dem Absatz um. Dumont
leiden o. Ä.: Die kubanischen Boxer waren hatte auf dem Absatz kehrtgemacht und
jahrelang auf Olympiamedaillen abon- winkte schon im Gehen (Gaiser, Jagd 58).
.
niert. Im Juni gewann die Kinderkunst- abschieben: ↑ Altenteil.
werkstatt den 1. Preis beim Europa-Ju- Abschied: Abschied nehmen: 1. sich vor ei-
gendwettbewerb der Stadt Königstein, ner längeren Trennung verabschieden: Er
einen Preis, auf den sie seitdem fast abon- hatte von niemand Abschied genommen,
niert ist (FR 22. 2. 2001, 2). aber Mathilde wusste, dass er gegangen
abputzen: ↑ Mund. war (Seidel, Sterne 172). 2. einem Toten
abquatschen: ↑ Ohr. den letzten Gruß entbieten: Die Auf bah-
Abraham: [wie] in Abrahams Schoß (ugs.): rung erfolgt am Sonnabend ... , damit die
sicher und geborgen: Bei mir bist du si- Bevölkerung von dem Verstorbenen Ab-
cher. Wie in Abrahams Schoß (Degener, schied nehmen kann (Schädlich, Nähe
Heimsuchung 87). Also, hier kannst du 180).
schlafen wie in Abrahams Schoß. Hier aus Abschied und Traktanden fallen
kann die Bombe neben dir einhauen, Udo, (schweiz.): nicht in Erwägung gezogen
da merkst du nichts (Reitz, Heimat 3, 56). werden, als Verhandlungsgegenstand weg-
Rock ’n’ Roll aus allen Fugen und Ritzen fallen: ... Kandidaten aus kleineren Län-
und der Besucher ... fühlt sich im Knei- dern fielen zum Vornherein aus Abschied

29
abschießen – abspenstig

A und Traktanden. Die Großen hatten früh


signalisiert, dass sie das Geschäft als ihre
abschwätzen: ↑ Teufel.
absehen: es auf jmdn. abgesehen haben:
absc eigene Sache betrachteten (NZZ 9. 2. 1. jmdn. ständig schikanieren: Auf
2000). Kropp ... und mich hatte er es besonders
abschießen: zum Abschießen aussehen/ abgesehen, weil er unsern stillen Trotz
sein (ugs.): überaus komisch, grotesk aus- spürte (Remarque, Westen 22). 2. eine en-
sehen: Mit dem Hut sieht seine Frau zum gere, bes. erotisch-sexuelle Beziehung zu
Abschießen aus. jmdm. erreichen wollen: Nimm dich in
↑ Korken, ↑ Vogel. Acht, ich glaube, der muskulöse Schön-
abschlagen: ↑ Hand, ↑ Wasser. ling hat es auf dich abgesehen!
abschlecken: ↑ Finger. es auf etw. abgesehen haben: 1. etw. gern
abschließen: ↑ Leben. haben wollen: Ihr habt es doch alle nur
abschnallen: da schnallst du ab! (ugs.): das auf mein Geld abgesehen! 2. auf eine be-
ist nicht zu glauben! : Die machen da eine stimmte Reaktion o. Ä. abzielen: Man
Bouillabaisse, da schnallst du einfach ab! hatte es darauf abgesehen, die Polizis-
Was die Wohnung an Miete kostet, da ten zu provozieren. Er hat meine Offen-
schnallst du ab! heit sehr übel genommen, dabei hatte ich
abschneiden: dreimal/zweimal abgeschnit- es gar nicht auf eine Kränkung abgese-
ten/abgesägt und immer noch zu kurz hen.
(ugs. scherzh.): Kommentar beim [miss- absetzen: es setzt etw./was ab (ugs.): es er-
glückten] Zusägen oder Zuschneiden von folgt eine körperliche Bestrafung o. Ä. :
Werkstücken: Nur leider sind die Schnitte Wenn die Kinder nicht spurten, setzte es
auch oft verlaufen oder ich habe mich Prügel ab. Sei still, sonst setzt es was
beim Messen vertan ... Ergebnis also: .
ab! Dabei setzte es auch ein paar
Dreimal abgeschnitten und immer noch kritische Worte ... ab (NZZ 21. 12. 1986,
zu kurz! (www.woodworker.de 29. 9. 11).
2010). Absicht: [auf jmdn.] Absichten haben: mit
♦ Die in sich widersprüchliche Aussage jmdm. eine intime Beziehung eingehen
stammt aus dem Bereich des Handwerks wollen, jmdn. heiraten wollen: Ich hätte
und überspielt humoristisch ein zu flüch- nie für möglich gehalten, dass meine
tiges, ungenaues Arbeiten. Mutter mir ausgerechnet in einem Super-
↑ Ehre, ↑ Lebensfaden, ↑ Scheibe, ↑ Zopf. markt mitteilen wird, dass sie bei einem
abschnüren: ↑ Luft. Mann mehr oder weniger feste Absichten
abschöpfen: ↑ Fett, Rahm. hat (Steinhöfel, Mitte 139). Ihr zwei habt
Abschussliste: auf der Abschussliste ste- Absichten, oder? (Gabel, Fix 48).
hen (ugs.): vorgesehen sein, aus seiner ↑ merken.
Stellung entfernt, entlassen zu werden: absitzen: ↑ Backe.
Churchill stand während dieser Konfe- absparen: ↑ Leib, ↑ Mund.
renz bereits auf der Abschussliste und abspenstig: jmdm. jmdn. abspenstig ma-
wurde ... durch den Labour-Führer Attlee chen: jmdn. dazu bringen, sich von einem
ersetzt (Hörzu 41, 1975, 20). Noch anderen ab- und sich einem selbst zuzu-
stand ... nicht fest, wer das Opfer sein wenden: Sie ließ alle ihre Reize spielen,
sollte, zwei Namen standen an der Spitze um ihrer sogenannten besten Freundin
einer Abschussliste (Spiegel 23, 1977, 92). den Mann abspenstig zu machen. Im .
♦ Die Wendung ist eine etwas ungenaue gleichen Jahrzehnt, da Martin Luther
bertragung aus dem Jagdwesen, wo halb Deutschland dem Papst abspenstig
»Abschussliste« eine Liste bezeichnet, machte, gewann der katholische Glaube
auf der Art und Zahl innerhalb eines be- im Osten Millionen von Malaien ( Jacob,
stimmten Zeitraums erlegten Wilds auf- Kaffee 109).
geführt sind. jmdm. etw. abspenstig machen: jmdn.
abschütten: ↑ Kartoffel, ↑ Kartoffelwasser. dazu bringen, dass er etw. , was ihm ge-

30
abspielen – Abwesenheit

hört, ihm zusteht, hergibt, dem anderen den Test nicht macht, dann müssen sie A
abtritt: Die angeheiratete Verwandtschaft
setzte alle Hebel in Bewegung, dem leibli-
chen Alleinerben die Millionenerbschaft
eben zum Internisten gehen« (www.
spiegelonline.de 41, 1997).
♦ Die Wendung ist eine Lehnüberset-
M
Abwe

.
abspenstig zu machen. Jetzt will die zung der in den Sechzigerjahren des
Deutsche Bahn der BVG ... auf dem Klage- 20. Jahrhunderts im Englischen aufge-
wege die Buslinien abspenstig machen kommenen Phrase »to vote with one’s
(www.oetv-berlin.de). feet«.
abspielen: da/hier spielt sich nichts ab abstoßen: ↑ Horn.
(ugs.): das kommt nicht infrage, daraus Abtrag: jmdm. , einer Sache Abtrag tun
wird nichts: Vor den Ausfahrten darf (geh.): jmdm. , einer Sache schaden: Die
nicht geparkt werden, da spielt sich harmlose kleine Affäre wird ihrer Popu-
nichts ab. Hier spielt sich gar nichts ab, larität keinen Abtrag tun. Eine nachge-
für ein Picknick ist es viel zu kalt! wiesene Steuerhinterziehung könnte
Abstand: mit Abstand: bei Weitem: Er ist auch einem so mächtigen Mann in der
mit Abstand der beste Sprinter in Eu- Partei Abtrag tun.
.
ropa. Die mit Abstand bedeutendsten abtreten: ↑ Bühne.
Zuckerproduzenten sind Indien und Bra- abwarten: abwarten und Tee trinken
silien mit 20 beziehungsweise 17 Millio- (ugs.): warten wir erst einmal ab: Abseh-
nen Tonnen jährlich (Zeit 16. 10. 2002, bar sei schon jetzt, dass kapitalgestützte
29). Stiftungen schon allein durch geringere
von etw. Abstand gewinnen: etw. Unan- Dividenden in Mitleidenschaft gezogen
genehmes, Belastendes innerlich verarbei- werden. Kurz: Es bleibt für Kulturleute
ten: Es war für mich ein schlimmes, trau- nichts außer abwarten und Tee trinken –
riges Jahr. Ich will jetzt vor allen Dingen und sich schon mal auf rauere Zeiten ein-
Abstand gewinnen (www.stern.de, 21. 11. zurichten (taz 25. 3. 2009, 16). Abwarten
2001). und Tee trinken. In einem halben Jahr
von etw. Abstand nehmen (geh.): von et- kann man vielleicht schon Sachen ma-
was absehen: »Darf ich Eure Majestät bit- chen, die heute noch nicht gehen (Fal-
ten, von diesem Plane Abstand zu neh- lada, Jeder 52).
men?« (Benrath, Konstanze 117). ♦ Die Herkunft dieser Wendung ist un-
abstehen: ↑ Bein. klar. Angeblich war sie ursprünglich eine
absteigend: ↑ Ast. Mahnung an ungeduldige Kranke, Kräu-
Abstellgleis: jmdn. aufs Abstellgleis schie- tertee zu trinken und auf die Heilung zu
ben (ugs.): jmdn. seines Einf lusses, Wir- warten.
kungsbereiches berauben: Die Zeit, wo Se- Abwasch: ↑ Aufwasch.
nioren sich einfach aufs Abstellgleis Abwechslung: die Abwechslung lieben
schieben lassen, scheint zunehmend (ugs.): häufig die Liebhaber, die Freundin-
.
vorbei zu sein. ... ein makaberer Deal nen wechseln: Mein Freund liebt die Ab-
zwischen CDU und SPD, der die PDS- wechslung.
Fraktion im Stadtrat aufs Abstellgleis Abweg: auf Abwege geraten: vom rechten
schieben soll ( Junge Welt 2. 8. 1999). Lebensweg abkommen; im Begriff sein,
Abstimmung: Abstimmung mit den Füßen sittlich herunterzukommen: Ich wusste
(ugs.): Entscheidung für oder gegen etw. nicht, dass mein Bruder auf Abwege gera-
durch Hingehen, Weggehen oder Fernblei- ten war.
ben: Abstimmung mit den Füßen: Zehn- abweichen: ↑ Pfad.
tausende Kunstinteressierte stürmten in Abwesenheit: durch Abwesenheit glänzen
der »langen Nacht« ihre Museen (Ober- (iron.): durch Abwesenheit unangenehm
main-Tageblatt 16. 11. 1999). Den Betrof- auffallen: Mehrere Abgeordnete glänzten
fenen selbst bleibt ... nur die Abstimmung auf dem Empfang durch Abwesenheit. .
mit den Füßen ... »Wenn der Gynäkologe In einer Gesellschaft, in der der Staat

31
abwinken – Achsel

A durch Abwesenheit glänzte, hat die Ca-


morra für die Einhaltung gewisser Regeln
Weh hatte sie endlich die zwanzig Euro
aus ihrem Portemonnaie gekramt.
abwi gesorgt (taz 25. 10. 1997, 18). ↑ Dach.
♦ Diese Wendung stammt aus dem Achse: auf [der] Achse sein (ugs.): unter-
Stück »Tibère« des französischen Drama- wegs, auf Reisen sein: Als Vertreter ist er
tikers Marie-Joseph de Chémier .
ständig auf der Achse. Bei drückender
(1764–1811). Sie bezieht sich auf eine Hitze von 35 Grad sind die Helfer unent-
Stelle in den Annalen des Tacitus, wo be- wegt auf Achse, helfen bei Medikamen-
richtet wird, dass entgegen der römischen tenversorgung, ärztlicher Betreuung und
Sitte die Bilder des Gaius Cassius und des Brunnenuntersuchung (MM 26. 1. 2005).
Brutus bei der Bestattung Junias, der Achsel: die Achsel[n], mit den Achseln/der
Witwe bzw. Schwester dieser beiden Achsel zucken: mit einem Hochziehen der
Hauptbeteiligten an Cäsars Ermordung, Schultern zu verstehen geben, dass man
nicht dem Leichenzug vorangetragen etw. nicht weiß, nicht versteht, dass einem
worden seien. »Sie leuchteten dadurch etw. gleichgültig ist: Beamte in allen In-
hervor«, so Tacitus, »dass man ihre Bilder stanzen zucken hilflos die Achseln, wenn
nicht sah.« man sie fragt, was denn nun genau für
abwinken: bis zum Abwinken (ugs.): in gro- diesen Fall an Gesetzen gilt oder nicht
ßer Menge [bei ständigem Nachschub]; bis (Standard 18. 7. 2009, 35). Auch Delegati-
zum berdruss: Immense Hitze, immen- onsmitglieder zucken mit den Achseln,
ses Geschwitze und zur Kühlung lauwar- wenn man sie fragt, wie der fatale Zusam-
men Whisky bis zum Abwinken (Linden- menhang zwischen Gipfeln und Gewalt
berg, El Panico 42). gebrochen werden kann (Handelsblatt
abzählen: ↑ Finger, ↑ Hand, ↑ Knopf. 23. 7. 2001, 10). »Was sollen wir machen«,
abziehen: ↑ Hand, ↑ Nase, ↑ Nummer, ↑ Ohr, zuckt ein Uniformierter die Achsel (taz
↑ Schau. 4. 6. 2003, 22). Wenn Luca Toni einen Ball
Abzug: etw. in Abzug bringen (Papierdt.): an den Pfosten schießt, zuckt der Bayern-
etw. bei einer Berechnung, Bewertung ab- fan nur mit der Achsel, weil er ahnt, beim
ziehen: Die Unkosten sind bereits in Ab- nächsten Mal ist die Kugel drin (SZ 23. 5.
.
zug gebracht worden. Wie sollte man 2008, 43).
die kleine Unsicherheit beim Aufsprung – etw. auf die leichte Achsel nehmen: etw.
wenn sie kein Sturz war – in Abzug brin- unangemessen leichtnehmen: Du darfst
gen? (Olymp. Spiele 72). deine Krankheit nicht auf die leichte Ach-
ach: ↑ ahnen, ↑ Bimbam, ↑ bisschen, ↑ Ei, .
sel nehmen. Der Bischof von Tarbes
↑ Engel, ↑ Fresse, ↑ Gott, ↑ Güte, ↑ Himmel, nimmt dabei die leidige Geschichte
↑ neun, ↑ Schreck, ↑ Strohsack, ↑ Tür, ↑ Va- durchaus nicht auf die leichte Achsel
ter, ↑ was, ↑ woher. (Werfel, Bernadette 179).
Ach: mit Ach und Krach (ugs.): mit Mühe ♦ Mit der »leichten Achsel« ist die Ach-
und Not, gerade noch: Mit Ach und Krach sel oder Schulter gemeint, auf der man
.
haben wir den Zug erreicht. Als nach nur leichte Lasten tragen kann (im Ge-
der mit Ach und Krach bestandenen Rei- gensatz zur »guten« Achsel, auf der man
feprüfung der Neffe in das Seminar ... ein- gewöhnlich trägt).
trat, brach der Weltkrieg aus (Werfel, jmdn. über die Achsel ansehen: auf jmdn.
Himmel 33). herabsehen: Man sprach mit Geringschät-
Ach und Weh schreien (ugs.): jammern zung von ihnen, ... sie wurden über die
und klagen: Nachdem das Unglück ge- Achsel angesehen (Th. Mann, Zauberberg
schehen war, schrien alle Betroffenen Ach 286). Der Geschäftsmann, der den Gro-
und Weh. schen, den sauer erarbeiteten Groschen
mit vielem Ach und Weh; mit/unter Weh des Arbeiters über die Achsel ansieht, be-
und Ach (ugs.): mit vielem Klagen, Stöh- geht einen schweren Fehler (Brecht, Gro-
nen; höchst ungern: Mit vielem Ach und schen 155).

32
acht – ad acta

acht: ↑ Tag. cher Anerkennung der militärbehördli- A


chen Einsicht (Musil, Mann 1252).
M
1
Acht: jmdn. in Acht und Bann tun/erklären
(Geschichte): 1. über jmdn. die Reichsacht achtzig: auf achtzig sein/kommen (ugs.): ad a
und den Kirchenbann verhängen: Der Kö- vor Wut rasen, rasend werden: Seine Frau
nig ließ ihn und seine Familie in Acht und ist auf achtzig, weil das Essen im Ofen
Bann erklären. 2. jmdn. aus einer Gemein- verbrutzelt und er wieder nicht angerufen
schaft ausschließen, aufs Schärfste verur- hat, dass er später nach Hause kommt. .
teilen: Eine Reihe von anderen nicht ganz Mein Zittern wurde zu einem Zittern der
unbekannten Kompatrioten wurde zu- Wut ... Ich kam »auf achtzig« und stürzte
sammen mit mir in Acht und Bann getan mich auf den Jungen (Genet [ bers.], Mi-
(K. Mann, Wendepunkt 266). racle 141).
2
Acht: etw. außer [aller] Acht lassen; etw. Vgl. die folgende Wendung.
aus der/aus aller Acht lassen: etw. nicht jmdn. auf achtzig bringen (ugs.): jmdn.
beachten: Bei der Entscheidung hatte rasend vor Wut machen: Der bringt mich
man wichtige Aspekte außer aller Acht mit seinem Gequatsche auf achtzig.
.
gelassen. Ein vor der Öffentlichkeit ♦ Hier wie auch in der vorausgehenden
handelnder Verband trägt eine Verant- Wendung ist mit »achtzig« die Zahl der
wortung, die ein heimlich agierender oft Stundenkilometer gemeint. Die Wendun-
außer Acht lässt (Fraenkel, Staat 74). gen stammen aus einer Zeit, in der 80
sich vor jmdm. , etw. in Acht nehmen: km/h noch als besonders hohe Geschwin-
sich vorsehen, sich hüten: Nimm dich vor digkeit für ein Kraftfahrzeug galten.
.
diesem Menschen in Acht! ... jeder ↑ scheintot.
Landwirt oder Reiter weiß, wie sehr man Acker: sich vom Acker machen (salopp):
sich vor den Hinterbeinen und auch vor sich davonmachen; verschwinden: Mach
den Vorderhufen in Acht nehmen muss dich vom Acker! Mach Mücke! (Degener,
(Grzimek, Serengeti 306). Heimsuchung 118). Die grüne Düsseldor-
Achter: jmdm. ’nen Achter ins Hemd treten fer Umweltministerin Höhn mahnte: »Wir
(landsch. salopp): jmdn. gehörig verprü- dürfen uns nicht vom Acker machen, son-
geln: Wenn der erfährt, dass du ge- dern müssen den Karren aus dem Dreck
quatscht hast, tritt der dir ’nen Achter ins ziehen« (Tagesspiegel 25. 9. 1999, 1).
Hemd. Ackerbau: ↑ Ahnung.
♦ Das verbogene Rad eines Fahrrades ackern: ↑ schuften.
wird in manchen Gegenden »Achter« ad absurdum: etw. ad absurdum führen
oder »Acht« genannt, weil es von vorn ge- (bildungsspr.): die Unsinnigkeit von etw.
sehen einer Acht ähnelt. Die Wendung aufzeigen: Ich werde diese Behauptungen
spielt darauf an, dass sich der Körper des .
ad absurdum führen. Was ich ... sehe,
Getretenen vor Schmerz wie ein Achter sage, höre, wird vom nächsten Moment
krümmt. bereits überholt und ad absurdum ge-
achtkantig: jmdn. achtkantig/vierkantig führt (Simmel, Stoff 361).
hinauswerfen/rausschmeißen (salopp): ad acta: etw. ad acta legen (bildungsspr.):
jmdn. [handgreif lich und] ausgesprochen eine Angelegenheit als erledigt betrachten;
grob aus dem Haus, dem Raum weisen, über etw. nicht mehr sprechen, verhan-
entlassen: Mein Meister hätte mich acht- deln: Eine solche Initiative wäre also der
kantig rausgeschmissen, wenn ich mich beste Weg, das Projekt der Währungs-
so »lässig« benommen hätte wie die jun- union zumindest für die kommenden
gen Leute heutzutage (Hörzu 37, 1981, Jahre ad acta zu legen (Zeit 1. 3. 1996, 29).
149). ♦ Die Wendung leitet sich aus der latei-
Achtung: alle Achtung!: das verdient Aner- nischen Amtssprache her. Mit dem Ver-
kennung! (Ausruf der Bewunderung): In merk »ad acta« (= zu den Akten) wurden
.
Mathe eine Eins! Alle Achtung! »Alle Gesuche versehen, die das Amt ignorierte
Achtung!« rief Ullrich aus, in unwillkürli- und zu dem jeweiligen Vorgang ablegte.

33
Adam – Adel

A Adam: der alte Adam (veraltend): die alten


Schwächen, Gewohnheiten eines Mannes:
die Ökosteuer belaste die Wirtschaft,
kann nach Adam Riese nicht stimmen.
Adam ... von ... dem Egoismus ihrer männlichen ♦ Die Wendung bezieht sich auf den
Wünsche sprechen sie kaum. Der alte deutschen Rechenmeister Adam Ries[e],
Adam feiert ... hier fröhliche Urständ der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhun-
(Dierichs, Männer 8). derts mehrere Lehrbücher des prakti-
♦ Die Fügung geht auf den lateinischen schen Rechnens verfasste und damit
Schriftsteller Sidonius Apollinaris lange Zeit einen erheblichen Einfluss auf
(430–486) zurück und wurde im Deut- den Schulunterricht ausübte.
schen besonders durch Luthers Predigten Adamskostüm: im Adamskostüm (ugs.
geläufig. Sie bezieht sich – wie auch die scherzh.): (als Mann) nackt: Er stand im
vier folgenden Wendungen – auf den bib- Adamskostüm in der Küche. »Blitzer«
lischen Urvater der Menschheit und fußt oder »Flitzer« nannte man die Leute, die
auf der biblischen Vorstellung vom »alten aus Jux im Adamskostüm über die Straße
Menschen« in seiner Unvollkommenheit .
rannten. Die Moderatoren waren auch
und Sündhaftigkeit, von dem es im Brief im Adamskostüm, wobei der eine nur bis
des Paulus an die Römer heißt (6, 6): zur Brust gefilmt wurde und der andere
»Dieweil wir wissen, dass unser alter vor der entscheidenden Stelle ein Ton-
Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass bandgerät trug (taz 6. 11. 1999, 3).
der sündliche Leib aufhöre, dass wir hin- ad calendas graecas (bildungsspr.): nie-
fort der Sünde nicht dienen.« mals: Eine wirklich vernünftige Reform
den alten Adam ausziehen (veraltend): werden wir wohl erst ad calendas graecas
seine Fehler und Schwächen ablegen: erleben. Die Entscheidung über die Fi-
Höchste Zeit, dass du den alten Adam nanzierung des Projekts darf nicht ad ca-
ausziehst, für Chauvinisten ist in unserer lendas graecas verschoben werden.
Gruppe kein Platz. ♦ Der römische Schriftsteller Sueton be-
♦ Die Wendung bezieht sich auf die fol- richtet in seinen Kaiserbiografien von
genden Verse in Paulus’ Brief an die Ko- Kaiser Augustus, er habe von säumigen
losser (3, 9 f.): »... ziehet den alten Men- Schuldnern gesagt, sie bezahlten »ad ca-
schen mit seinen Werken aus; und ziehet lendas graecas«. Die lateinische Fassung
den neuen an ...« heißt wörtlich übersetzt »an den grie-
seit Adams Zeiten/Tagen (ugs.): seit je, so- chischen Kalenden«. Als »Kalenden« be-
lange man denken kann: Das ist doch zeichnete man in altrömischer Zeitrech-
schon seit Adams Zeiten bekannt. Nach nung den ersten Tag eines jeden Monats,
diesem Verfahren arbeiten wir seit der zugleich Zahltag für Schulden war.
Adams Tagen. Die Griechen kannten in ihrer Zeitrech-
bei Adam und Eva anfangen (ugs.): bei nung aber keine Kalenden und so ist die
seinen Ausführungen sehr weit ausholen: Fügung nichts anderes als eine Umschrei-
Ich setze rudimentäre Kenntnisse des bung für »niemals«.
Stoffes voraus und werde in meinen Aus- Ade: einer Sache Ade/Adieu sagen (ugs.):
führungen deshalb nicht bei Adam und Abstand von etw. nehmen, etw. aufgeben:
Eva anfangen. Damit ihnen nicht das Schicksal der Pro-
von Adam und Eva stammen (ugs.): (von duzenten von Dampflokomotiven droht,
Dingen, Anschauungen o. Ä.) sehr alt, ver- müssen sie dem fossilen Brennstoff besser
altet sein: Na, dein Konzept von der früher als später Ade sagen (Handelshof
Rolle der Frau in einer Ehe stammt ja 17. 7. 2009, 8). Der Wissenschaftler gehört
wohl von Adam und Eva, alter Chauvi- zu den Tausenden hoch qualifizierter
nist! Deutscher, die der Heimat Adieu sagen
Adam Riese: nach Adam Riese (ugs. und sich in das Abenteuer Ausland stür-
scherzh.): richtig gerechnet: Nach Adam zen (Wirtschaftswoche 23. 6. 2008, 24).
Riese macht das zwölf Euro. Der Vorwurf, Adel: Adel verpflichtet (oft iron.): Zugehö-

34
Ader – ad usum Delphini

rigkeit zu einer gehobenen Gesellschafts- ad oculos: jmdm. etwas ad oculos demons- A


schicht verpf lichtet zu einer bestimmten
Lebensweise, einem bestimmten Lebens-
stil: Zehn uneheliche Kinder soll der
trieren (bildungsspr.): jmdm. etwas durch
den Augenschein beweisen: Kommen Sie
in mein Labor, dort kann ich Ihnen ad
M
ad u

Kronprinz gehabt haben, und jedes wurde oculos demonstrieren, wie sehr die Belas-
mit einem einträglichen Posten bei Hofe tung des Sees durch Schadstoffe zuge-
.
versorgt – Adel verpflichtet! Nobile: nommen hat.
Weil alter Adel verpflichtet. Mit dem Adresse: sich an die richtige Adresse wen-
Jahrgang 1997 tritt der Vino Nobile di den (ugs.): sich an die zuständige Stelle
Montepulciano aus dem Schatten des wenden: Gassner mahnt die Bürger, sich
Chianti Classico (Sonntagszeitung 9. 4. an die richtige Adresse zu wenden: Für
2000). Klagen und Schadensersatzansprüche
♦ Die Redensart ist die wörtliche ber- seien Land und Ministerium für Wirt-
setzung der französischen Maxime »nob- schaft und Verkehr zuständig (FR 7. 9.
lesse oblige« aus Pierre Marc Gaston Duc 2000, 5).
de Lévis’ 1808 erschienenen »Maximes et [bei jmdm.] an die richtige Adresse gera-
réflexions sur différents sujets de morale ten/kommen (ugs. iron.): von jmdm.
et de politique«. scharf abgewiesen werden: Ich sollte ihm
Ader: jmdn. zur Ader lassen (scherzh.): seine Hemden waschen und seine Socken
jmdm. mit List oder Geschick unverhält- stopfen, während er sich mit einer ande-
nismäßig viel Geld abnehmen: Die Bur- ren amüsierte – da war er bei mir an die
schen haben mich gestern beim Skat- richtige Adresse geraten!
abend ganz schön zur Ader gelassen. [bei jmdm.] an die falsche/unrechte/ver-
♦ Die heute bildliche Redewendung be- kehrte Adresse kommen/geraten; [bei
zieht sich auf die früher übliche medizini- jmdm.] an der falschen/unrechten/ver-
sche Praxis, Kranken zur vermeintlichen kehrten Adresse sein (ugs.): bei jmdm. auf
Heilung eine Ader zu öffnen und Blut ab- eine den positiven Erwartungen entgegen-
zulassen. gesetzte Reaktion stoßen; scharf abgewie-
↑ Blut. sen werden: »Dass eins klar ist, Herr
ad hoc (bildungsspr.): aus dem Augenblick Schenk. Wenn Sie ’n Denunzianten brau-
heraus [zu einem bestimmten Zweck]: Ein chen, sind Sie bei mir an der verkehrten
Wörterbuch kann unmöglich alle ad hoc Adresse« (Bieler, Bär 95).
gebildeten Zusammensetzungen des ↑ erste.
.
Deutschen verzeichnen. Zweieinhalb- ad usum Delphini (bildungsspr.): für die
tausend Teilnehmer kamen zu einem ad Jugend, den Schulgebrauch überarbeitet
hoc einberufenen Teach-in (Nuissl, Hoch- [und von als anstößig empfundenen
schulreform 61). Stellen gereinigt]: Der Verlag hat eine
Adieu: ↑ Ade. Reihe lateinischer und griechischer
ad infinitum (bildungsspr.): unbegrenzt, bis Klassiker ad usum Delphini herausge-
ins Unendliche: Die Aufzählung seiner geben.
Verbrechen ließe sich mühelos ad infini- ♦ Die neulateinische Fügung heißt wört-
.
tum fortsetzen. ... natürlich wird sich lich übersetzt »zum Gebrauch des Dau-
niemand ad infinitum gegen diplomati- phins« und bezieht sich auf die für den
sche Beziehungen zu dem großen Nach- Unterricht des französischen Thronfol-
barn im Osten wehren (Dönhoff, Ära 215). gers bestimmten Texte antiker Klassiker.
ad libitum (bildungsspr.): nach Belieben: Im Auftrag des Erziehers des Dauphins
Wir können einige Beispiele aus der deut- wurden von dem Historiker und Theolo-
schen Geschichte ad libitum herausgrei- gen J. B. Bossuet (1627–1704) und dem
fen. Sie dürfen diese bung ad libitum Philologen und Theologen P. D. Huet
wiederholen, solange Sie sich dabei nicht (1630–1721) alle moralisch und politisch
überanstrengen. fragwürdigen Stellen aus diesen Texten

35
Advocatus Diaboli – Affe

A gestrichen und nur in einem Anhang auf-


geführt.
ken (salopp): sich betrinken: Mir stinkts!
Ich geh mir ’nen Affen kaufen!
Advo Advocatus Diaboli (bildungsspr.): jmd. , der einen Affen an jmdm. gefressen haben
um der Sache willen mit seinen Argumen- (ugs.): jmdn. unmäßig gern haben: An
ten die Gegenseite vertritt, ohne dieser dem Münchner Libero hat der Bundes-
selbst anzugehören: Er schien von seinen .
trainer einen Affen gefressen. Willi
Argumenten überzeugt und sie war es hatte an der schwarzhaarigen, immer lus-
auch, aber sie spielte den Advocatus Dia- tigen Lilli, wie man so sagt, »einen Affen
boli, um zu sehen, ob er sich ins Wanken gefressen« (Kühn, Zeit 430).
.
bringen ließe. Edzard Schmidt-Jortzig ♦ Die Wendung beruht möglicherweise
(FDP), ehemaliger Bundesjustizminister, auf der Beobachtung, dass die Affenmut-
gab den liberalen Advocatus Diaboli der ter zu ihrem Jungen ein auffallend zärtli-
neuen Möglichkeiten: Gentests vorneh- ches Verhältnis hat.
men zu lassen, könne man dem Einzelnen seinem/dem Affen Zucker geben (ugs.):
kaum verbieten (Tagesspiegel 28. 3. 2001, seiner Schwäche, Marotte nachgeben: Der
28). durch zahlreiche TV-Serien ... auf den Typ
♦ Die Fügung stammt aus dem katholi- des schweren Jungen festgelegte Schau-
schen Kirchenrecht. Der Advocatus Dia- spieler darf seinem Affen Zucker geben
boli hat beim Prozess um eine Selig- oder und das Brutalo-Klischee herrlich paro-
Heiligsprechung die Gründe vorzubrin- dieren (www.berlinonline.de/kultur, 29. 3.
gen, die dagegen sprechen könnten. 1998). Offensichtlich wollte Penker mal so
Affäre: sich [mit etw.] aus der Affäre zie- richtig seinem Affen Zucker geben und
hen (ugs.): geschickt [mit etw.] aus einer produzierte im Alleingang ... eine regel-
unangenehmen Situation herausgelangen: rechte Sommer-EP (Stadtmagazin SAX 8,
Man spürt sofort, ob ein windiger 1999).
Schaumschläger so etwas sagt, der sich ♦ Wie früher der Leierkastenmann oder
nur mit billigen Mätzchen aus der Affäre Scherenschleifer seinem Äffchen ein
ziehen will (Thielicke, Ich glaube 53). Und Stück Zucker gab, um es bei Laune zu
du wirst dich nicht mit einem Witz aus halten, so tut man es im übertragenen
der Affäre ziehen? (Goetz, Prätorius 14). Sinne mit seinen Schwächen, indem man
Affe: [ich denk,] mich laust der Affe! (sa- sie auslebt.
lopp): ich bin völlig verblüfft! : Er kniff das jmdn. zum Affen halten (ugs.): jmdn. [im
linke Auge zu, grinste und sagte: »Mich Scherz] täuschen und veralbern: Ich lass
laust der Affe! Du bist doch der Abi!« mich doch nicht von euch zum Affen hal-
(Hörzu 48, 1980, 32). ten.
♦ Die Redensart bezieht sich bildlich auf [wie] vom wilden Affen gebissen [sein]
den früher von umherziehenden Schau- (ugs.): ganz von Sinnen [sein]: Was soll
stellern mitgeführten Affen, der unver- denn der Blödsinn? Du bist wohl vom wil-
mittelt auf die Schulter eines Zuschauers .
den Affen gebissen! Eine Strafaktion
springen konnte und bei diesem schein- sei es nicht gewesen, »dann müssten wir
bar nach Läusen suchte. ja vom wilden Affen gebissen sein«, be-
einen Affen sitzen haben (salopp): be- tonte der Schalker Trainer (MM 3. 3.
trunken sein: Der Alte hat mal wieder ’nen 2005).
Affen sitzen. Weckt mit seinem Gegröle wie ein Affe auf dem Schleifstein sitzen
die ganze Nachbarschaft auf. (ugs. scherzh.): in krummer Haltung sit-
♦ Die Herkunft dieser und der folgenden zen und dadurch einen komischen Anblick
Wendung ist nicht eindeutig geklärt. Es bieten: Sie hatte den Fahrersitz so weit
könnte ein Einfluss des tschechischen vorgerückt, dass sie wie ein Affe auf dem
Wortspiels »opı́t« (= sich betrinken) und Schleifstein im Auto saß. Sitzt im Sattel
»opice« (= Affe) vorliegen. wie der Affe auf dem Schleifstein – und
sich 〈Dativ〉 einen Affen kaufen/antrin- das nennt er »reiten«.

36
affenartig – Ahnung

sich zum Affen machen (ugs.): sich lächer- ♦ Bei dem Wort »gogo« handelt es sich A
lich machen, sich blamieren: Politiker, die
sich zum Affen machen, wirken noch
lange nicht volksverbunden (SZ 15. 5.
um eine scherzhafte Verdoppelung der
ersten Silbe des altfranzösischen Wortes
»gogue« (= Scherz).
M
Ahnu

1996, 13). Ägypten: ↑ Fleischtopf.


↑ Geschmack[s]sache, ↑ Klappe, ↑ schwit- ägyptisch: ägyptische Finsternis (ugs.):
zen, ↑ Wald. tiefste Finsternis: Stromausfall durch Ka-
affenartig: mit affenartiger Geschwindig- belschaden: Ägyptische Finsternis in der
keit (ugs.): sehr schnell: Der Ladendieb .
Londoner Untergrundbahn. Die Stadt,
verschwand mit affenartiger Geschwin- die niemals schläft, die die Nacht zum
digkeit. Tag macht und auch am Tag nicht spart
Affenschande: eine Affenschande sein am Glanz, versank in Dunkelheit, in einer
(ugs.): unerhört, empörend sein: Dieses ägyptischen Finsternis (SZ 16. 8. 2003,
Deutsch ist eine Affenschande (Tuchol- 11).
sky, Werke II 362). »... Eine Affenschande, ♦ Der Ausdruck geht auf das Alte Testa-
dass dieses Werk im Schreibtisch liegt«, ment (2. Mose 10, 21–23) zurück. Dort
ereifert sich Theaterdirektor Striese heißt es: »Da ward eine dicke Finsternis
(Hörzu 52, 1973, 39). in ganz Ägyptenland drei Tage, dass nie-
à fonds perdu (bildungsspr.): ohne Aus- mand den andern sah.« Die Finsternis
sicht, etw. [bes. Geld] wiederzubekommen: war eine der von Jahwe verhängten zehn
Er konnte es sich leisten, seinen Partei- Plagen.
freunden eine halbe Million à fonds perdu ahnen: [ach,] du ahnst es nicht! (ugs.): Aus-
.
zur Verfügung zu stellen. Ich bin be- ruf unangenehmer berraschung: Der
reits darauf angewiesen, à fonds perdu Pauker will mit deinen Eltern sprechen?
Bücher auszuleihen, um Ordnung zu hal- Ach, du ahnst es nicht!
ten (Muschg, Gegenzauber 11). ähnlich: etw. sieht jmdm. ähnlich (ugs.):
Aftersausen: Aftersausen/Muffensausen etw. passt zu jmds. Charakter, ist typisch
bekommen/kriegen (salopp scherzh.): für jmds. Verhaltensweise: Erst große
Angst bekommen: Bleib lieber unten, Töne spucken und dann kneifen, das
sonst bekommst du Aftersausen. sieht ihm ähnlich. Die Flinte ins Korn
Aftersausen/Muffensausen haben (sa- werfen? Das sieht dir aber gar nicht ähn-
lopp scherzh.): Angst haben: Als er oben lich!
auf dem Gerüst stand, hatte er ein leich- Ahnung: von etw. [keine/keine blasse/
tes Muffensausen. nicht die leiseste] Ahnung haben (ugs.):
Ägide: unter jmds. Ägide (bildungsspr.): sich mit etw. [nicht] auskennen: Der Junge
unter jmds. Leitung, Schirmherrschaft: redet nicht viel, aber er hat Ahnung vom
Die Präsidentin bestritt energisch, dass Programmieren. Von Biochemie hatte ich
unter ihrer Ägide die demokratischen .
damals keine Ahnung. So weht ein
Rechte der Bürger eingeschränkt worden Hauch von Untergrund durch die Hotline-
.
seien. Auch plätten lernte ich unter der Gemeinde – Eingeweihten eröffnen sich
Ägide der Mädchen (Dönhoff, Ostpreu- Welten, von denen der kommune Surfer
ßen 87). keine blasse Ahnung hat (NZZ 21. 5.
♦ Das Wort »Ägide« geht auf das grie- 1999). ... Journalisten, Talkmaster und
chische »aigı́s« (= Schild des Zeus) zu- Radiosprecher, welche von der Verkehrs-
rück. Es hat sich im übertragenen Sinne fliegerei nicht die leiseste Ahnung haben,
mit der Bedeutung »Schutz, Obhut« ein- beginnen schon am ersten Tag ... , den Pi-
gebürgert. loten ein Fehlverhalten zu unterstellen
à gogo: in beliebiger Menge, im berf luss: (NZZ 25. 9. 1998).
Er hatte schlechte Zähne, fettige Haare keine/keine blasse/nicht die leiseste Ah-
.
und Pickel à gogo. Hits à gogo nung haben (ugs.): nicht informiert, unter-
(Hörzu 3, 1971, 45). richtet sein: Wie peinlich – ich hatte keine

37
ahnungslos – à la bonne heure!

A Ahnung, dass die beiden längst geschie-


den sind! Die Polizisten hatten keine Ah-
Akte: über etw. die Akten schließen: etw.
für erledigt erklären, über etw. nicht mehr
ahnu .
nung, wen sie da verhaftet hatten. »Als verhandeln: ber diese Unterstellungen
ich früh aufgestanden bin, hatte ich keine in der Fernsehsendung sind die Akten
blasse Ahnung, dass ich am Abend Trai- noch nicht geschlossen.
ner bei der SG sein werde«, zeigte sich etw. zu den Akten legen (ugs.): etw. als
Wattenscheids »Urgestein« Jupp Koitka erledigt betrachten: Es ist das Beste, wenn
völlig überrascht von dem ihm unverhofft wir die ganze Angelegenheit zu den Ak-
zugefallenen Job (Tagesspiegel 4. 9. 1995). ten legen.
»Okay, ich besorg dir welche«, versprach Aktie: wie stehen die Aktien? (ugs. ,
ich, dabei hatte ich nicht die leiseste Ah- scherzh.): wie gehts?: Kollege Keßler
nung, wo ich die Dinger herkriegen sollte schiebt sich heran: »Na, Pinneberg,
(FR 8. 3. 1997, 4). wie stehen die Aktien?« (Fallada, Mann
keine Ahnung [haben], aber davon viel 215).
(ugs.): völlig uninformiert [sein]: Es ist jmds. Aktien steigen/fallen (ugs.): jmds.
schon eigenartig, dass sich immer Leute Aussichten auf Erfolg werden besser/
zu Wort melden, die keine Ahnung ha- schlechter: Seit er einen Sportwagen be-
ben, aber davon viel (Standard 25. 6. 2004, sitzt, sind seine Aktien bei ihr wieder ge-
31). stiegen.
von Ackerbau und Viehzucht/von Tuten ♦ Die Wendungen wurden bereits seit
und Blasen keine Ahnung haben (ugs.): der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert
von einer Sache nicht das Geringste ver- aus dem Börsenwesen auf das Alltagsle-
stehen: Mein Eindruck: Der junge Mann ben übertragen.
hatte keine Ahnung von Ackerbau und Aktion: in [voller] Aktion: in Tätigkeit: Man
Viehzucht (Spiegel 15, 1990, 246). Ich wollte den Journalisten ein Fernsehstudio
habe das Gefühl, hier will sich wer dick- .
in voller Aktion vorführen. Schon tra-
tun, der von Tuten und Blasen keine Ah- ten bei einigen Zuschauern die Taschen-
nung hat (Hacks, Stücke 331). tücher in Aktion (Kranz, Märchenhoch-
hast du eine Ahnung! (ugs.): da täuschst zeit 25).
du dich aber gewaltig! : »Keine Gefahr? Akzent: Akzente setzen: richtungweisend
Mann, hast du eine Ahnung!« (Apitz, sein: Mit ihrem unbekümmerten Offen-
Wölfe 206). sivfußball haben die Aufsteiger in der
↑ Schimmer. .
Bundesliga Akzente gesetzt. Mit sei-
ahnungslos: ↑ Engel, ↑ Tal. nen Entscheidungen der ersten Wo-
akademisch: das akademische Viertel: die chen ... wollte Sozialist Mitterrand Ak-
Viertelstunde nach dem angegebenen oder zente setzen (Spiegel 26, 1981, 102).
vereinbarten Termin: Es ist schon zehn à la: (ugs.) im Stil von: Er hat früher einige
nach, dein Bruder nimmt wohl das akade- Kurzgeschichten à la Hemingway ge-
mische Viertel in Anspruch! .
schrieben. Im 40 Zentimeter tiefen
♦ Die ursprünglich nur im Hochschulwe- Sand des Beachtennisfelds sind Hecht-
sen auf akademische Veranstaltungen be- sprünge à la Boris Becker ein Kinderspiel
zogene Angabe ist heute auch im privaten (www.ez-online.de, 8. 8. 2001). (Gastron.)
Rahmen für Verzögerungen gebräuchlich. nach Art von: Wir kochen heute Filetspit-
Akazie: das/es ist, um auf die Akazien zu zen à la Stroganoff.
klettern! (ugs.): es ist zum Verzweifeln! : à la bonne heure! (bildungsspr.): recht so,
Ausgerechnet jetzt streikt der Fernsehap- vortreff lich! : Sie haben zu Ihren vier eige-
parat. Es ist, um auf die Akazien zu klet- nen Kindern noch zwei Waisen aus Süd-
tern! amerika adoptiert? A la bonne heure!
♦ Die Redewendung ist eine Abwand- ♦ Diese französische Fügung heißt wört-
lung von »es ist, um auf die Bäume zu lich »zur guten Stunde!« und ist wohl ein
klettern« (↑ Baum). verkürzter Ausdruck für »zur rechten

38
à la carte – allgemein

Zeit das Richtige getan!«, woraus sich die und jedem nur noch pazifistische Ma- A
heutige Bedeutung der beifälligen Zu-
stimmung oder bewundernden Anerken-
nung herleitet.
chenschaften sah (Musil, Mann 1249).
[sie] nicht alle [beisammen]haben: (ugs.
abwertend) nicht recht bei Verstand sein:
M
allg

à la carte: (Gastron.) nach der Speisekarte Seit er vom Gerüst gestürzt ist, hat er sie
[selbst zusammengestellt], nicht als festes nicht mehr alle. Bei Rot über die Kreu-
Menü: Im Pensionspreis ist ein Abendes- zung! Ich glaube, die hat nicht mehr alle
sen à la carte inbegriffen. Das Menü sagt beisammen.
mir nicht zu, ich möchte lieber à la carte vor allem: hauptsächlich, besonders: Es
bestellen. nach eigenen Wünschen, Vor- geht vor allem darum, kein Aufsehen zu
stellungen: Die Pensionierung à la carte .
erregen. Vor allem der alte Leonardo
ist heute für viele Wirklichkeit (Basler ließ an den Aussagen ... kein gutes Haar
Zeitung 26. 7. 1984, 7). ( Jens, Mann 97).
Alarm: Alarm schlagen: die [öffentliche] ↑ Abend, ↑ Achtung, ↑ Anfang, ↑ Anschein,
Aufmerksamkeit auf etw. Gefährliches, Be- ↑ aufhören, ↑ Banane, ↑ Bein, ↑ Brei, ↑ But-
drohliches lenken: Die Posten schlugen ter, ↑ Christbaum, ↑ dabei, ↑ Ding, ↑ dre-
Alarm, als sich die Kolonne dem Tor nä- hen, ↑ 1 ein, ↑ Ende, ↑ Gold, ↑ grün, ↑ Hemd,
.
herte. Wenn der Virenscanner Alarm ↑ Karte, ↑ Karton, ↑ Lack, ↑ Latte, ↑ Macht,
schlägt, ist der verdächtige Prozess ge- ↑ Mädchen, ↑ Nadel, ↑ niet- und nagelfest,
stoppt, die Gefahr also erst einmal ge- ↑ paletti, ↑ Rang, ↑ recht, ↑ Reihe, ↑ Scheiße,
bannt (ct 2, 2005, 10). ↑ senkrecht, ↑ Tasse, ↑ Waagschale, ↑ Waf-
↑ blind. fel, ↑ Welt, ↑ Wichse, ↑ Zeit.
alea iacta est (bildungsspr.): der Würfel ist alle: jmdn. alle machen/allemachen (Gau-
gefallen (↑ Würfel). nerspr.): jmdn. umbringen: »Wenn du
Alkohol: etw. in/im Alkohol ertränken: etw. mich verpfeifst, mache ich dich alle«,
durch übermäßigen Genuss von alkoholi- warnte der Straßenräuber (BM 11. 3. 1977,
schen Getränken zu vergessen suchen: Er 16).
wollte seinen Liebeskummer im Alkohol ↑ dumm.
ertränken. allein: von allein[e] (ugs.): von sich aus, au-
jmdn. unter Alkohol setzen: jmdn. be- tomatisch: Von allein wäre sie niemals auf
trunken machen: Er widerruft sofort; er- .
die Idee gekommen. In einer solchen
klärt, die Geständnisse seien ihm in der Umwelt, die Spannungen von ganz allein
Voruntersuchung entrungen worden, produziert, genügen zumeist nichtige An-
nachdem man ihn unter Alkohol gesetzt lässe ... (NZZ 1. 2. 1983, 5).
habe (Noack, Prozesse 252). ↑ Flur, ↑ verarschen.
unter Alkohol stehen: unter dem Einf luss allererste: ↑ Sahne.
von Alkohol stehen: Zu Beginn der Be- allerhand: das ist [doch/schon/ja] aller-
handlung darf der Patient auf keinen Fall hand [für ’n Groschen]! (ugs.): das sollte
unter Alkohol stehen. Unter Alkohol ste- man nicht für möglich halten; das ist un-
hende Hooligans randalierten im Stadion. erhört: Das ist doch allerhand, dass aus
all: alles in allem: im Ganzen gesehen, zu- den Toten der Flutkatastrophe jetzt auch
sammengenommen: ... alles in allem war noch politisches Kapital geschlagen
er ein Genie (Koeppen, Rußland 99). .
wird. ... und Bilder an den Wänden,
Adalbert benötigte zu seinen Entschei- nackte Mädels, das ist ja allerhand! (Plie-
dungen ... alles in allem drei Viertelstun- vier, Stalingrad 141).
den (Beheim-Schwarzbach, Freuden 23). allerhöchste: ↑ Zeit.
alles und jedes: jegliches ohne Aus- allgemein: im Allgemeinen: ohne Beach-
nahme: Um alles und jedes muss man tung kleinerer Unterschiede, im Großen
.
sich hier selbst kümmern. Und doch und Ganzen; meistens, gewöhnlich: Die
hatten diesen Diplomaten die Leiden der Behälter sind im Allgemeinen nur für die
Seele ... dahin gebracht, dass er in allem üblichen Belastungen ausgelegt (Tag &

39
allmächtig – alt

A Nacht 2, 1997, 13). Aber drüben, da leiden


sie an ideologischer Zersetzung, und das
ymca.at). Die Frage nach dem besten Be-
triebssystem ist so alt wie Methusalem,
allm ist im Allgemeinen ein unheilbares Lei- jedoch sollte sie vor jedem Computerkauf
den (Dönhoff, Ära 225). grundlegend erörtert werden (www.bom.
allmächtig: ↑ Gott. de).
allzu: allzu viel ist ungesund: man soll ♦ Dieser Vergleich bezieht sich auf Me-
nichts übertreiben: Sie müssen geschäft- thusalem, den Großvater Noahs, der nach
lich und auch privat mal ein wenig kür- 1. Moses 5, 27 mit 969 Jahren das höchste
zertreten, Sie wissen doch: Allzu viel ist Alter der biblischen Urväter erreichte.
ungesund. man ist so alt, wie man sich fühlt: für
↑ scharf. jmds. Alter ist nicht die bereits höhere An-
Alsterwasser: ↑ taufen. zahl der Lebensjahre ausschlaggebend,
alt: Alt und Jung: jedermann: Alt und Jung sondern die seelische, geistige und körper-
strömte zum Oktoberfest. liche Verfassung der betreffenden Person:
alt und grau [bei etw.] werden (ugs.): Warum soll ich mir darüber Gedanken
[bei etw.] sehr lange warten müssen: Da machen, dass ich bald sechzig werde?
kann man ja alt und grau werden, bis man Man ist schließlich so alt, wie man sich
endlich einen Gerichtstermin bekommt. fühlt.
Bei diesem Job wirst du alt und grau, be- aus Alt mach Neu: etwas Altes wurde auf-
vor du die erste Gehaltserhöhung be- gearbeitet/soll aufgearbeitet werden: Weiß
kommst. gestrichen sieht das alte Büffet ja richtig
♦ Diese Wendung geht auf die Bibelstelle toll aus! – Tja, aus Alt mach Neu. Wir
1. Sam. 12, 2 zurück, wo sie noch in ihrer werden nicht umziehen, sondern unsere
konkreten Bedeutung gebraucht wird. Wohnung von oben bis unten renovie-
Mit den Worten »Ich aber bin alt und ren – aus Alt mach Neu!
grau geworden« weist Samuel auf sein ho- Alte Dame (ugs. scherzh.): Mutter: Was
hes Alter hin, als er feierlich sein Richter- sagt denn deine Alte Dame dazu, dass du
amt niederlegt. keinen Abend mehr zu Haus bist? Ver-
da/hier o. Ä. nicht alt werden (ugs.): da/ flixt, ich hab vergessen, dass die Alte
hier o. Ä. nicht lange bleiben, es nicht Dame heute Geburtstag hat!
lange aushalten: Hier ist ja heute gar Alte Herrschaften (ugs. scherzh.): Eltern:
nichts los, hier werden wir nicht alt. . Was sagen deine Alten Herrschaften
Dieser Kerl war mir gleich verdächtig ... dazu, dass du dein Studium an den Nagel
Wenn einer schon so heißt. Der wird hier hängen willst?
nicht alt (Bobrowski, Mühle 253). Alter Herr: 1. (ugs. scherzh.) Vater: Ich
alt aussehen (ugs.): einen schwachen, habe unseren Alten Herrn noch nie so
schlechten Eindruck machen; im Nachteil wütend gesehen. 2. (Verbindungsw.) ehe-
sein: Ohne eigene Website wird man bald maliges aktives Mitglied einer Verbin-
recht alt aussehen (taz 4. 7. 2002, 11). dung: Als »Alte Herren« halten sie ... je-
... wie beim Torwandschießen im ZDF- nen skurrilen Männerbünden die Treue,
Sportstudio, wo auch immer die Schach- die noch vor zehn Jahren an Nachwuchs-
spieler die National-Fußballer alt aus- mangel auszusterben drohten (Spiegel 30,
sehen lassen (SZ 7. 9. 2000, 11). Wer 1980, 50). 3. (Sport) Spieler der Alters-
dagegen keine solche Klausel im Mietver- klasse über 32 Jahre: Die Alten Herren der
trag vereinbart hat, sieht alt aus , wenn er Borussia sicherten sich den Turniersieg.
den Vertrag aufkündigen will (SZ 16. 4. ↑ Adam, ↑ Baum, ↑ D-Zug, ↑ Einfall, ↑ Eisen,
1999, 20). ↑ Fastnacht, ↑ Frische, ↑ Fritz, ↑ Garde,
alt wie Methusalem (ugs.): sehr alt: ... ver- ↑ Gewerbe, ↑ Hase, ↑ 1 Hut, ↑ Jacke, ↑ jung,
spannter Rücken, unbewegliche Lenden- ↑ Kamellen, ↑ Kavalier, ↑ Kohl, ↑ Kuh,
wirbel, gereizter Ischiasnerv ließen mich ↑ Liebe, ↑ Lied, ↑ Platte, ↑ Rechnung, ↑ Re-
so alt wie Methusalem fühlen (www. gister, ↑ riechen, ↑ Schwede, ↑ Semester,

40
Altar – Amok

↑ Stiefel, ↑ Tag, ↑ Vater, ↑ Walze, ↑ Wein, sieht«, sagte sie zärtlich (Danella, Hotel A
↑ Welt, ↑ Zopf, ↑ zusammenpassen, ↑ Zu-
stand.
Altar: jmdn. , etw. auf dem Altar der
345).
Alter: ↑ biblisch.
Alter Ego: (bildungsspr.) jmd. , mit dem
M
Amok

Freundschaft/der Liebe/des Vaterlandes man sich ideal ergänzt, eng verbunden ist:
o. Ä. opfern (geh.): jmdn. , etw. für die Da kommt mein Alter Ego. (Psychol.)
Freundschaft/die Liebe/das Vaterland zweites, anderes Ich: Erkennt man im
preisgeben: Sie hat ihren Traum von einer Aussteigen sein eigenes Alter Ego, für
großen Karriere auf dem Altar der Liebe welches die bürgerliche Existenz ... eine
geopfert. lästige Bürde geworden ist? (Pohrt, End-
jmdn. zum Altar führen (geh.): [eine Frau] station 63).
heiraten: Gestern hat er seine langjährige ♦ Die Bezeichnung eines vertrauten
Mitarbeiterin zum Altar geführt. Freundes als »anderes Ich« ist in der la-
Alten: wie die Alten sungen, so zwitschern teinischen Form »Alter Ego« bekannt ge-
auch die Jungen: die [negativen] Eigen- worden und bildungssprachlich bis heute
schaften der Eltern/vorangehenden üblich geblieben. Die Fügung hat ihre
Generationen zeigen sich auch bei den Wurzeln in der Literatur der Antike und
Kindern/nachfolgenden Generationen: kommt sowohl in der griechischen wie
... dadurch gekennzeichnet, dass Beruf auch in der lateinischen Version vor. Als
und Wertvorstellungen von den Eltern Urheber wird in erster Linie der grie-
übernommen werden (»wie die Alten chische Philosoph und Mathematiker Py-
sungen, so zwitschern auch die Jungen«) thagoras (etwa 570–480 v. Chr.) genannt.
(Ettrich, Verhaltensauffällige 24). Wie die alters: seit alters (geh.): seit langer Zeit,
Alten sungen, so summen die Jungen. Die von jeher: Für die Geschichte der Kunst
neue Bundesregierung tritt beim Bundes- interessieren sich die Menschen seit al-
verfassungsgericht so markig auf wie die ters (Bild. Kunst I, 27).
vorige (www.datenschutz-berlin.de, von alters her (geh.): seit langer Zeit, von
16. 12. 1998). jeher: Von alters her gelten Gewitter als
Altenteil: sich auf sein/aufs Altenteil set- besonders einprägsame Naturereignisse
zen/zurückziehen: sich aus Altersgründen (Luzerner Tagblatt 31. 7. 1984, 20).
vom öffentlichen Leben zurückziehen, vor alters (veraltet): vor langer Zeit, einst-
nicht mehr aktiv tätig sein: An deutschen mals: Vor alters stand dort eine Burg.
Schulen steht der größte Generations- Amboss: ↑ flexibel, ↑ Hammer.
wechsel seit 25 Jahren an. Rund die Hälfte Amen: das ist so sicher wie das Amen in
der etwa 800 000 Lehrer ziehen sich in der Kirche/(österr.:) im Gebet (ugs.): das
den nächsten zehn Jahren aufs Altenteil ist ganz gewiss: Darauf, das sei so sicher
zurück (Spiegel 14, 2001, 72). wie das Amen im Gebet, habe man es ab-
♦ Das Wort »Altenteil« in der Bedeutung gesehen (Zauner, Dohlen 17). Es ist so si-
»Anteil am Besitz, den man sich bei ber- cher wie das Amen in der Kirche: Ab 1974
gabe seines Besitztums an den Nachfolger wird das elektronische Hör- und Sehver-
vorbehält«, ist in dieser und der folgen- gnügen erheblich teurer (Hörzu 18, 1973,
den Wendung im übertragenen Sinne ge- 20).
braucht. sein Amen zu etw. geben (ugs.): seine Zu-
jmdn. aufs Altenteil schicken/setzen/ab- stimmung zu etw. geben: Mein Freund will
schieben o. Ä. : jmdn. vorzeitig aus einer auch als Schlachtenbummler mitfahren,
Stellung verdrängen, ihn nicht mehr aktiv wenn seine Frau ihr Amen dazu gibt.
teilhaben lassen: Sein Vater dachte gar ↑ ja.
nicht daran, sich mit 58 bereits aufs Al- Amok: Amok laufen: 1. in einem Zustand
.
tenteil setzen zu lassen. »Helga, ich krankhafter Verwirrung mit einer Waffe
lasse mich nicht aufs Altenteil abschie- umherlaufen und blindwütig töten: Ein
ben.« »Auf die Idee käme keiner, der dich pflichtbewusster Bahnwärter läuft Amok,

41
Amor – Ananas

A nachdem sein geliebter Sohn aus erster


Ehe vom Zug erfasst wurde und zu Tode
ter, Wundertäter 14). ... wozu wär ich ein
Amtsdiener geworden, wenn ich jetzt
Amor kam, und erschlägt mit dem Beil seine ausplaudern würde, was von Amts wegen
zweite Ehefrau und ihr gemeinsames nicht ausgeplaudert werden darf (Walser,
Baby (SZ 20. 10. 2001, 20). 2. völlig außer Eiche 74). 2. in behördlichem Auftrag: Das
Kontrolle geraten: Chefredakteure wurden baufällige Gebäude wurde von Amts we-
am Telefon unflätig beschimpft, die Abo- gen abgebrochen.
Abteilung musste Kündigungsdrohungen ↑ Fräulein.
abwehren, Faxgeräte liefen Amok, und Amtsschimmel: den Amtsschimmel reiten
über hundert empörte Leserbriefe gingen (ugs. scherzh.): die Dienstvorschriften
ein (taz 3. 9. 1998, 20). übertrieben genau einhalten: Kleine Be-
♦ Das Wort Amok stammt aus dem amte reiten gern den Amtsschimmel.
Malaiischen (malai. amuk »wütend, Wenn der Herr Kollege unbedingt den
rasend«). Seeleute und Reisende beob- Amtsschimmel reiten will, dann kann ihn
achteten das Amoklaufen bei den Einge- niemand daran hindern.
borenen Südostasiens und der Südsee, wo der Amtsschimmel wiehert (ugs.
dieses Phänomen häufig vorkommen soll. scherzh.): es herrscht Bürokratie: Bevor
Amor: Amors Pfeil/Pfeile (dichter.): plötzli- diese Fahrzeuge die ... Steuerbefreiung er-
ches Sichverlieben: Hüte dich vor Amors halten, wiehert kräftig der Amtsschim-
Pfeilen, genieße deine Jugend frei und un- mel (Zivildienst 2, 1986, 32).
.
gebunden! Von Amors Pfeil getroffen, ♦ Bei dem zweiten Bestandteil von
entflammt der Straßenmusikant Otto in »Amtsschimmel« handelt es sich wahr-
Liebe zu der schönen Tina (www. scheinlich um ein volksetymologisch um-
dvdathome.de). gestaltetes österr. Simile (aus lat. similis
Amt: Amt und Würden (oft iron.): eine feste »ähnlich«). Das Simile war im alten Ös-
offizielle Stellung: Kaum ein halbes Jahr in terreich ein Musterformular, nach dem
»Amt und Würden« zeigt die blau- bestimmte wiederkehrende Angelegen-
schwarze Regierung, für was sie wirklich heiten schematisch erledigt wurden. Da-
steht (www.slp.at). Pfarrer ohne Amt und her nannte man Beamte, die alles nach
Würden. Dem suspendierten Pfarrer ... dem gleichen Schema erledigten, scherz-
droht Berufsverbot (www.tagesanzeiger. haft Simile- oder Schimmelreiter. Ande-
ch. , 18. 9. 1998). Fürst Bismarck arbeitete rerseits könnte der Ausdruck von der
auch, ehe er zu Amt und Würden kam, Schweiz ausgegangen sein und sich da-
beim Berliner Stadtgericht (www. rauf beziehen, dass die Schweizer Amts-
gutenberg.aol.de). Er verzichtete auf Amt boten früher zu Pferd Akten und Ent-
und Würden und widmete sein Leben den scheidungen zu überbringen pflegten.
Armen (www.computronic.at). an: an [und für] sich: eigentlich, im Grunde
seines Amtes walten (geh.): eine Hand- genommen: ... die Großmutter ... war an
lung, die in jmds. Aufgabenbereich liegt, sich noch gut auf den Beinen (Danella,
ausführen: Darf ich Sie nun bitten, Ihres Hotel 88). Aber Loulous Äuglein ... zeig-
Amtes zu walten und das Dokument zu ten recht deutlich, dass es ihm darum zu
.
unterzeichnen. Selbst höheren Beam- tun war, keine Einzelheit eines Juxes zu
ten, die mit gutem Willen ehrlich und an- versäumen, der ihm an und für sich ... den
ständig ihres Amtes walten wollten, war größten Spaß machte (Th. Mann, Krull
dies nahezu unmöglich gemacht (Thieß, 295).
Reich 305). etw. an sich: etw. als solches: Das Pro-
von Amts wegen: 1. dienstlich, aus beruf- blem an sich ist gar nicht richtig zur Spra-
lichen Gründen: Gustav packte die Heb- che gekommen.
amme. ... Sie kreischte: Dank deinem ↑ ab, ↑ statt, ↑ Stück, ↑ Zahl.
Gott, dass ich von Amts wegen keine lan- Ananas: um die goldene Ananas (ugs.):
gen Fingernägel haben darf ! (Strittmat- nicht [mehr] um den Sieg, eine gute Plat-

42
anbeißen – Anfang

zierung oder das Weiterkommen in einem sen (Lynen, Kentaurenfährte 19). A


Wettbewerb: Auch wenn es in der Begeg-
nung ... nur mehr um die goldene Ananas
ging, muss Skyliners-Coach Stefan Koch
2. (Sport) kein Tor zulassen: Unser Tor-
wart ließ nichts anbrennen.
andere: von einem Bein aufs andere tre-
M
Anfa

die erschreckend schwache Treffer- ten, jmdn. eines anderen belehren usw.:
quote ... doch arg zu denken geben (FR siehe Bein, belehren usw.
19. 1. 2001, 17). ändern: ↑ Hahn.
anbeißen: zum Anbeißen/Anknabbern aus- anders: ↑ kommen, ↑ Tisch, ↑ Uhr.
sehen/sein (ugs.): reizend, überaus anzie- anderthalb: ↑ Schelm.
hend aussehen/sein: Ein Mann zum An- andudeln: sich 〈Dativ〉 einen andudeln
knabbern (Konsalik, Promenadendeck (ugs.): sich betrinken: Warum musst du
160). Was für ein Kind, diese Antje! Zum dir einen andudeln, Mama? Um meine Ju-
Knuddeln, zum Anbeißen (Bastian, Brut gendlichkeit zu unterstreichen (Schnurre,
44). Ich 32).
anbelangen: was jmdn. , etw. anbelangt: aneinander: ↑ vorbeireden.
was jmdn. , etw. betrifft: Was mich anbe- Anfall: einen Anfall bekommen/kriegen
langt, [so] bin ich mit allem einverstan- (ugs.): die Selbstbeherrschung verlieren, in
.
den. Schulz wurde – was den Konsum Wut geraten: Er kriegt wegen jeder Klei-
anbelangte ... – sein weitaus bester Gast .
nigkeit gleich einen Anfall. Aber der
(Kirst, 08/15, 27). Preis war hoch: Ärger mit dem Hauswirt,
anbellen: ↑ Mond. mit den Nachbarn ... Und seine Familie
anbeten: ↑ Kalb. würde schlicht einen Anfall bekommen
Anbetracht: in Anbetracht: im Hinblick auf, (Baldwin [ bers.], Welt 36).
angesichts: In Anbetracht der Lage hat Anfang: aller Anfang ist schwer: wer etwas
jeder volle Handlungsfreiheit (Plievier, beginnen will, muss oft erst einmal be-
Stalingrad 198). In Anbetracht seiner stimmte Schwierigkeiten überwinden: Al-
geistigen Erkrankung war er bloß zu fünf ler Anfang ist schwer, nicht selten wird es
Jahren Zuchthaus verurteilt worden (Nie- dem Neuling noch schwerer gemacht,
kisch, Leben 341). durch verkomplizierte Darstellungen von
anbetreffen: was jmdn. , etw. anbetrifft: Sachverhalten und entsprechend ver-
was jmdn. , etw. betrifft: Was uns anbe- quaste Sprache (ct 26, 2000, 192). ... die
trifft, [so] steht dem Vertrag nichts im übergewichtigen Kinder steigen oft früh-
.
Wege. Ihm war alles, was seinen Dienst zeitig – aller Anfang ist schwer – wieder
in der Wehrmacht anbetraf, scheißegal aus Bewegungsprogrammen aus und kön-
(Kirst, 08/15, 87). nen sich nur schlecht mit dem Schul-
anbieten: ↑ Bier. oder Vereinssport identifizieren (NZZ
anbinden: kurz angebunden: unfreundlich 17. 11. 2004, 47).
und abweisend: Sie war kurz angebunden das ist/war der Anfang vom Ende: der
.
und ging auf nichts ein. »Weil ich mir’s Untergang, der Ruin ist/war nicht mehr
anders überlegt hab’«, antwortete er kurz fern: Mitte März drangen die Truppen in
angebunden (Hilsenrath, Nacht 488). die Außenbezirke ein; das war der Anfang
♦ Die bereits von Luther gebrauchte Fü- vom Ende. Als er auch noch zu trinken
gung bezieht sich ursprünglich wohl auf begann, war das der Anfang vom Ende.
das Bild eines bissigen Hofhundes, der an ♦ Die Redensart beruht auf einem stark
einer kurzen Kette angebunden ist. abgewandelten Zitat aus Shakespeares
Anblick: ↑ Bild. »Sommernachtstraum« (V, 1). Dort heißt
anbrennen: nichts anbrennen lassen: es im englischen Originaltext: »That is
1. (ugs.) sich nichts entgehen lassen (auch the true beginning of our end« (das ist
sexuell): Als junger Mann habe ich nichts der wahre Beginn unseres Endes). Im
.
anbrennen lassen. Einstweilen wollten shakespeareschen Textzusammenhang
sie sich amüsieren, nichts anbrennen las- handelt es sich jedoch um eine scherz-

43
anfangen – Angebot

A hafte Verdrehung der eigentlich gemein-


ten Aussage, nämlich »das ist das wahre
Maurits sich etwas mit dieser Magd ange-
fangen hat (Zauner, Taubenbaum 228).
anfa Ende unseres Beginnens«, wobei »Ende« ↑ Adam.
in der älteren Bedeutung von »Ziel« zu anfassen: zum Anfassen: bürgernah, im
verstehen ist. unmittelbaren Kontakt mit der Öffentlich-
den Anfang machen: als Erster mit etw. keit: Wir wollen eine Politik zum Anfas-
beginnen: Wer macht den Anfang? Wenn sen machen, die alle Bürger an den wich-
sich keiner traut, muss ich wohl wieder .
tigen Entscheidungen beteiligt. Der
den Anfang machen. Volkspapst ... , der mit den Leuten singt,
seinen Anfang nehmen (geh.): anfangen: der in der Menge badet: ein Papst zum
Damals hatte meine Vereinsamung ihren Anfassen (Stern 11. 10. 1979, 260). Die
Anfang genommen (Hesse, Steppenwolf Spanier ... wünschen sich einen Star zum
59). ... nirgendwo sonst könnte eine Ge- Anfassen und nicht nur einen, der gut
schichte von dir und mir ihren Anfang Fußball spielt (Hörzu 45, 1982, 15).
nehmen (Strauß, Niemand 77). ↑ Ende, ↑ Finger, ↑ Glacéhandschuh, ↑ heiß,
wehre/wehret den Anfängen! (geh.): et- ↑ Ringelpiez, ↑ Samthandschuh, ↑ Zange.
was Schlechtes, das gerade entsteht, soll anfeuchten: ↑ Kehle.
man sofort bekämpfen; einer unheilvollen anführen: ↑ Reigen.
Entwicklung soll man sofort entgegentre- angeben: angeben wie ein Wald voll Af-
ten: Wenn man an die Ereignisse im Drit- fen/wie eine Tüte Mücken o. Ä. (ugs.):
ten Reich denkt, kann man nur sagen: maßlos prahlen: Die Jugendlichen in der
Wehret den Anfängen! Gruppe haben angegeben wie ein Wald
♦ Die redensartlich gebräuchliche War- .
voll Affen. ... gib nicht so an wie ’ne
nung geht auf einen Satz des römischen Tüte Mücken (Rechy [ bers.], Nacht 31).
Dichters Ovid zurück. Mit den Worten ♦ Die Vergleiche haben wahrscheinlich
»Principiis obsta!« warnt er in seinen keinen konkreten Hintergrund, sondern
»Remedia amoris« (Heilmittel gegen die dienen lediglich der Verstärkung und ko-
Liebe) vor den Gefahren des Sichverlie- mischen Wirkung.
bens. wer angibt, hat mehr vom Leben (ugs. ,
von Anfang bis Ende: vollständig, ohne oft abwertend): durch Angeberei kann
etw. auszulassen: Später musste ich die man sich Aufmerksamkeit, Achtung o. Ä.
ganze Geschichte von Anfang bis Ende verschaffen, die einem eigentlich nicht zu-
noch einmal erzählen. steht: Wer angibt, soll ja mehr vom Leben
↑ Müßiggang. haben, besonders vom Nachtleben: Und
anfangen: das fängt ja gut/toll/nett o. ä. in gewissen New Yorker Kunstzirkeln ver-
an! (iron.): Ausdruck des Galgenhumors, schafft man sich heute immer noch mit
wenn etwas unglücklich beginnt, gleich am Augenzeugenberichten aus dem Cluble-
Anfang misslingt: Das fängt ja schön an. ben der späten Siebziger und frühen
Stau wegen Unfall am Autobahnkreuz Achtziger ansehnlichen Distinktionsge-
(www.fortunecity.de). Das fängt ja gut an: winn (SZ 23. 10. 2002, 12).
Platzgetröpfel sorgt schon vor dem Start ↑ Stange, ↑ Takt, ↑ Ton.
für unangenehm feuchten Asphalt (www. Angebot: ein Angebot, das jmd. nicht ab-
br-online.de). In Gießen hieß es dann, lehnen kann: ein sehr überzeugendes, mit
»der Zug nach Köln fällt aus«. Na super! einem gewissen Druck verbundenes Ange-
Das fängt ja toll an (www.privat.schlund. bot: Drei muskelbepackte Gestalten in
de). schwarzen Anzügen, die Augen hinter
sich 〈Dativ〉 mit jmdm. etwas/nichts an- Sonnenbrillen versteckt, machen dem
fangen (bayr. , österr.): sich mit jmdm. säumigen Schuldner ein Angebot, dass er
einlassen/nicht einlassen: Fang dir mit nicht ablehnen kann (Wirtschaftswoche
diesem Querulanten bloß nichts an! . 23, 2005, 74). Eine solche Bitte einer
Dennoch glaubte sie keine Sekunde, dass Kanzlerin, sagt er, das sei ein Angebot,

44
angedeihen – angetan

das man nicht ablehnen könne, eine das Unglaubliche ... künstlerisch plausi- A
Pflicht und eine Ehre (Zeit 7. 6. 2006, 3).
♦ Die Formulierung spielt auf den Film
»Der Pate« an. Darin umschreibt der Satz
bel zu machen (K. Mann, Wendepunkt
313).
angenehm: das Angenehme mit dem Nütz-
M
ange

»ich habe ihm ein Angebot gemacht, das lichen verbinden: etw. , was zu jmds. Nut-
er nicht ablehnen konnte«, dass eine For- zen, Vorteil ist, mit etw. verbinden, was ei-
derung mit der Schusswaffe durchgesetzt nem gefällt, wohltut: Euro-Sprachreisen
wurde. für Führungskräfte. Das Angenehme mit
angedeihen: jmdm. etw. angedeihen las- dem Nützlichen verbinden (www.eso.de).
sen (geh.): jmdm. etw. zuteilwerden las- ... Kolleginnen und Kollegen, die das An-
sen: Er lässt seinen Kindern wirklich eine genehme mit dem Nützlichen verbinden
.
sehr gute Erziehung angedeihen. Zart wollen und in gepflegter Atmosphäre ihr
und aromatisch aber werden Entenmägen Fachwissen erweitern möchten (www.
erst durch die Behandlung, die ihnen der vetmed.de).
Koch angedeihen lässt, zum Beispiel für ♦ Die Redensart geht auf einen Vers
einen Salat von Entenmägen (Zeit 16. 7. (343) aus der »Dichtkunst« des römi-
2003, 55). schen Dichters Horaz zurück.
Angedenken: ↑ selig, ↑ unselig. angeschrieben: ↑ anschreiben.
angegossen: wie angegossen sitzen/pas- Angesicht: im Angesicht (geh.): 1. ange-
sen: genau passen, einen tadellosen Sitz sichts, beim Anblick: Im Angesicht des
haben: Das Kleid sitzt wie angegossen. Todes wollte er sein Gewissen erleich-
Das Kostüm passte [ihr] wie angegos- .
tern. Gehen Sie, was erlauben Sie sich
.
sen. Ich trug lacklederne Reitstiefel im Angesicht des Heiligen Vaters! (Hoch-
vom besten Schuster in Berlin, die wie an- huth, Stellvertreter 173). 2. im Hinblick
gegossen saßen (Fallada, Herr 7). auf: Im Angesicht der Tatsache, dass Sie
♦ Der Vergleich stammt aus der Gieße- unser Ansehen geschädigt haben, schlie-
reitechnik und bezog sich ursprünglich ßen wir Sie aus dem Verein aus. Ge- .
auf die Gussmasse, die sich genau der wiss, die technischen Schwierigkeiten der
Form anpasst. Umlegung werden sehr groß sein, aber
angehen: ↑ Kehricht, ↑ Lehm, ↑ orgeln. was bedeuten sie im Angesicht der Ge-
Angel: etw. aus den Angeln heben: etw. aus schichte (Dönhoff, Ära 66).
dem Gleichgewicht bringen, grundlegend von Angesicht zu Angesicht (geh.): per-
ändern: Ist es wirklich so leicht bei uns, sönlich: Satane sind es ... Ich wollte sie se-
das Recht und die Menschlichkeit aus hen, nur ein einziges Mal, von Angesicht
den Angeln zu heben, ohne dass etwas zu Angesicht! (Frisch, Nun singen 108).
passiert? (Dönhoff, Ära 79). Sie waren zu ↑ Schweiß.
kühler Objektivität gar nicht in der Lage. angetan: es jmdm. angetan haben: jmdn.
Denn hier wurde ja ihr Leben aus den An- ganz für sich einnehmen: Na, der junge
geln gehoben (Thielicke, Ich glaube 105). Tennisstar hat es Ihrer Tochter wohl sehr
aus den Angeln gehen: auseinanderfal- angetan? Ihre schwarzbraunen Augen
len, zugrunde gehen: Er hoffte darauf, hatten es ihm angetan.
dass das Imperium bald aus den Angeln von jmdm. , etw. sehr angetan sein: von
gehen würde. jmdm. , etw. sehr angenehm berührt, be-
↑ Fisch, ↑ Tür. geistert sein: Er war im Allgemeinen von
angelegen: sich 〈Dativ〉 etw. angelegen seinen eigenen Kindern nur wenig ange-
sein lassen (geh.): sich aus innerem An- .
tan. Freunde in Wien, die waren ... sehr
trieb um etw. bemühen, kümmern: Sie ließ angetan von den Festspielen (Danella,
es sich angelegen sein, ihm jeden Wunsch Hotel 298).
.
von den Augen abzulesen. Die Akteure danach/dazu angetan sein, etw. zu tun:
dürften Ähnliches empfunden haben, geeignet, günstig für etw. sein: Was ich
während sie es sich angelegen sein ließen, hier lese, ist durchaus danach angetan,

45
Angriff – Anker

A mich in meinen Hoffnungen zu bestär-


.
ken. So ... sei jene ziemlich schäbige
stehenden hat ihr Angst gemacht (Chr.
Wolf, Nachdenken 92).
Angr List ... dazu angetan, sich um Entschei- anhaben: jmdn. , einer Sache etwas/nichts
dungen ... zu drücken (Dönhoff, Ära 29). anhaben können/wollen: jmdm. , einer
Angriff: etw. in Angriff nehmen: mit etw. Sache Schaden/keinen Schaden zufügen
entschlossen beginnen: Wann nehmen wir können/wollen: Fliegerbomben, die auf
den nächsten Bauabschnitt in Angriff ? . der Wasseroberfläche detonierten und
Ein geschickter Koch konnte während der dem getauchten Boot nichts anhaben
viereinhalb Minuten noch nebenbei etwas konnten ... (Ott, Haie 228). Wenn wir uns
anderes in Angriff nehmen (Brecht, Gro- einig sind, kann uns niemand was anha-
schen 333). ben (Sebastian, Krankenhaus 169).
angst: jmdm. wird angst [und bange]: jmd. ↑ Hose, ↑ Schussstiefel, ↑ Spendierhosen.
bekommt Angst, fürchtet sich: Als er mit anhalten: ↑ Atem, ↑ Hand, ↑ Luft.
Vollgas die Kurve ansteuerte, wurde mir Anhalter: per Anhalter: als Tramper: Die
.
nun wirklich angst. Im Winter zumal beiden Opfer waren per Anhalter unter-
wird mir angst und bange um ihn, bei .
wegs gewesen. Im Laufe des späten
Frost, wenn er keuchend die eisige Luft in Sonntagabends waren die Buben wieder
sein erhitztes Inneres pumpt (Th. Mann, abgehauen und per Anhalter nach
Herr 131). Schweinfurt gefahren, wo sie auf dem
jmdm. ist angst [und bange]: jmd. hat Bahngelände herumstromerten (SZ 11. 5.
Angst: Mir ist angst und bange um ihn. . 2004, 40).
Morgen würde er sein Ferngespräch mit anhängen: ↑ Krätze.
Jill führen, obgleich ihm jetzt schon angst anheischig: sich anheischig machen (veral-
und bange davor war (Ruark [ bers.], Ho- tend): sich bereit erklären: Pastor Quitt-
nigsauger 488). jens mache sich anheischig, für Unrats
Angst: jmdm. sitzt die Angst im Nacken: Wiederaufnahme bei den Besseren zu
jmd. hat große Angst: ... wegen des Poli- sorgen (H. Mann, Unrat 110). ... solche,
zeihundes saß ihm eine große Angst im die angenehm sind vor Gott, zu erkennen,
Nacken (Spoerl, Maulkorb 26). mache ich mich jederzeit anheischig (Th.
mehr Angst/ (salopp:) Schiss als Vater- Mann, Krull 77).
landsliebe haben (scherzh.): so viel Angst Anhieb: auf [den ersten] Anhieb (ugs.): so-
haben, dass man zu einem bestimmten fort, gleich zu Beginn: Mit Pauline ver-
Tun, das von einem erwartet werden stand er sich auf Anhieb (Danella, Hotel
könnte, nicht bereit ist: Die anderen aus 245). Riepp enttäuscht nicht. Er liefert auf
der Klasse werden uns nicht helfen, die Anhieb ein Meisterwerk (NZZ 30. 8. 1986,
haben doch mehr Angst als Vaterlands- 38).
liebe. Der Leutnant, der uns nach vorn ♦ »Anhieb« meint eigentlich den ersten
fahren sollte, hatte mehr Angst als Vater- Hieb beim Baumfällen.
landsliebe. Na, mal wieder mehr Schiss anhin: ↑ bis.
als Vaterlandsliebe? Anker: Anker werfen/vor Anker gehen:
es mit der Angst [zu tun] bekommen/ 1. (Seemannsspr.) den Anker auswerfen,
kriegen: plötzlich von Angst erfasst wer- ankern: In einer einsamen Bucht warfen
den: Als er aufs Polizeirevier kommen .
sie Anker. Die Erregung hatte sich ge-
.
sollte, kriegte er es mit der Angst. Als legt, der Schleppzug ging für die Nacht vor
es ihm schwarz vor Augen wurde, bekam Anker (Klepper, Kahn 50). 2. (ugs.) [ir-
er es mit der Angst zu tun (Fels, Sünden gendwo] Rast machen; sich niederlassen:
122). Nach seiner Pensionierung wollte er raus
jmdm. Angst [und Bange] machen: jmdn. aus Hamburg und in einem kleinen Ort in
in Angst versetzen: Er machte dem Kind den Marschen vor Anker gehen. Hier.
mit seinen Drohungen Angst und warf ich Anker, hier war es für eine Stunde
.
Bange. Die Unvermeidlichkeit des Be- auszuhalten (Hesse, Steppenwolf 47).

46
Anklage – Anmarsch

vor Anker liegen (Seemannsspr.): mit dabei ein bestimmtes Risiko in Kauf neh- A
dem Anker am Grund festgemacht sein:
Draußen vor der Hafeneinfahrt lag das
holländische Frachtschiff vor Anker.
men]: Milos̆ević hatte Zeit und Gelegen-
heit, noch einen friedlichen Schlussstrich
zu ziehen, doch er hat es drauf ankom-
M
Anma

Anklage: unter Anklage stehen: [vor Ge- men lassen (www.berlinonline.de). Außer
richt] angeklagt sein: Sie sollten die Fra- der Typ gefällt mir dermaßen gut ... , dass
gen des Gerichts durchaus ernst nehmen, ich all meine Zweifel über Bord werfen
junger Mann, schließlich stehen Sie unter und es drauf ankommen lassen würde
.
Anklage! ... sein Brief ... machte sie (forum.lovetalk.de).
ähnlich betroffen, wie es ein Mensch sein Ankratz: Ankratz haben/finden (landsch.):
mag, der ohnehin unter Anklage steht (bes. in Bezug auf weibliche Personen) be-
(Musil, Mann 954). gehrt sein: Maria vom Schlage Marilyn
jmdn. unter Anklage stellen: jmdn. [vor hatte überall Ankratz und sammelte Ver-
Gericht] anklagen: Der Staatsanwalt wird ehrer wie andere Wandteller.
den Verdächtigen unter Anklage stellen, ♦ Die Herkunft dieser im 16. Jahrhundert
sobald eindeutige Beweise vorliegen. aufgekommenen Wendung ist nicht ein-
Anklagebank: auf der Anklagebank sitzen: deutig geklärt. Man sieht sie im Zusam-
angeklagt sein: Er sitzt schon zum dritten menhang mit dem umgangssprachlich
.
Mal auf der Anklagebank. Darüber hin- besonders im Ostmitteldeutschen ge-
aus saßen auf der Anklagebank drei ehe- bräuchlichen Ausdruck »sich ankratzen«
malige Volkskommissare (Leonhard, Re- im Sinne von »sich einschmeicheln« bzw.
volution 41). »sich eine Freundin, einen Freund neh-
jmdn. , etw. auf die Anklagebank brin- men« und hält eine Anspielung auf das
gen/setzen: jmdn. , etw. anklagen, für etw. Kratzen von Hunden oder Katzen für
verantwortlich machen: Er schwor sich, wahrscheinlich, wenn sie hereingelassen
nicht zu ruhen, bis er den Waffenschieber oder auf den Schoß genommen werden
auf die Anklagebank gebracht hatte. . wollen.
Eigentlich wieder so ein Film, der das Mi- ankreuzen: ↑ Kalender.
litär auf die Anklagebank setzt, sich aber ankümmeln: sich 〈Dativ〉 einen ankümmeln
nicht sattsehen kann an den schmucken (ugs.): sich einen kleinen Rausch antrin-
Uniformen vor Gericht (SZ 10. 7. 2004, ken: Erst gucken wir uns das Fußballspiel
37). an, und danach werden wir uns ganz ge-
Anklang: Anklang finden: mit Zustimmung, mütlich einen ankümmeln.
mit Beifall aufgenommen werden: Die Vor- Anlauf: einen neuen Anlauf nehmen/ma-
schläge des Betriebsrates fanden bei der chen: erneut anfangen; einen neuen Ver-
.
Geschäftsleitung keinen Anklang. ... im such machen: Er ist durch die Fahrprü-
Ausland fanden vor allem die Erzeugnisse fung gefallen und wird in sechs Wochen
der Kunstabteilung Anklang (Feuchtwan- einen neuen Anlauf machen. Pak .
ger, Erfolg 100). blieb der ... Satz im Halse stecken. Er
anklopfen: ↑ Petrus. nahm einen neuen Anlauf (Baum, Bali
anknabbern: ↑ anbeißen. 99).
ankommen: es auf etw. ankommen lassen: anlegen: ↑ Daumenschraube, ↑ Hand, ↑ Kan-
vor etw. nicht zurückschrecken, ein be- dare, ↑ Korsett, ↑ Maulkorb, ↑ Ohr, ↑ Zügel.
stimmtes Risiko eingehen: Auf einen offe- Anmarsch: im Anmarsch sein (ugs.): 1. anrü-
nen Bruch können es die Koalitionspart- cken: Die feindlichen Truppen waren be-
.
ner nicht ankommen lassen. Sie wer- reits im Anmarsch auf die Außenbezirke
den es nicht auf einen Kampf mit den der Stadt. 2. sich ankündigen: Als er den
Amerikanern ankommen lassen, sie wer- Eindruck gewonnen hatte, dass die Räte-
den fliehen (Apitz, Wölfe 64). republik im Anmarsch sei, machte er sich
es d[a]rauf ankommen lassen: (ugs.) ab- zum Wortführer (Niekisch, Leben 79). In
warten, wie sich die Dinge entwickeln [und München heiratete er die Kölner Cutterin

47
Annalen – anschaffen

A Claudia Lange ... Nachwuchs ist auch im


Anmarsch (Hörzu 38, 1975, 15).
wir den einmal anrennen (Kleine Zeitung
12. 2. 1997).
Anna Annalen: in die Annalen [der Geschichte] anrufen: ↑ Storch, ↑ Ulrich, ↑ Zeuge.
eingehen (bildungsspr.): unvergessen blei- ansagen: angesagt sein (ugs.): 1. nötig sein:
ben: Diese Tat wird zweifellos in die An- Bei diesem Wetter ist wasserdichte Klei-
nalen eingehen. .
dung angesagt. Um die Anfänger zu
♦ Annalen waren geschichtliche Jahrbü- mehr Vorsicht anzuhalten, ist der »Füh-
cher. Das Wort entstand im 16. Jahrhun- rerschein auf Probe« angesagt (Zivil-
dert und geht auf das lateinische »annus« dienst 10, 1986, 1). 2. unmittelbar bevor-
(= Jahr) zurück. stehen: Schon nach der ersten Halbzeit
annehmen: das kannst du annehmen! wussten alle, dass eine Niederlage der
(ugs.): das ist sicher! : Dem werd ich die Heimmannschaft angesagt war. Für .
Meinung geigen, das kannst du anneh- viele steht der Winterurlaub vor der Tür.
men! Reisen sind angesagt (Zivildienst 10,
jmdn. [hart] annehmen (ugs.): jmdn. 1986, 1). 3. sehr gefragt, in Mode sein:
scharf kritisieren: Dann ... nahm Blüm die Zärtlichkeit, Romantik und Treue sind
Unternehmer an. Sie sollten sich gefäl- bei jungen Menschen heute wieder ange-
ligst auf ihre Aufgaben besinnen (Spiegel .
sagt. ... wenn man jünger ist und das
2, 1983, 19). Gefühl hat, bestimmte Dinge unbedingt
♦ Die Wendung beruht auf einer ber- mitmachen zu müssen, weil sie gerade
tragung des jägersprachlichen Gebrauchs angesagt sind (Szene 8, 1984, 45).
von »annehmen« im Sinne von »(ein Tier) ↑ Kampf.
angreifen«. Ansatz: außer Ansatz bleiben (Papierdt.):
↑ Form, ↑ Gestalt, ↑ Haltung, ↑ Räson, nicht mit eingerechnet werden: Nur wenn
↑ statt, ↑ Vernunft. schriftlich auf einmalige Einnahmen ver-
anno: anno dazumal/ (scherzh. :) dunne- zichtet wird, bleibt der entsprechende Be-
mals; (scherzh. :) anno Tobak; anno X trag außer Ansatz (SZ 2. 4. 2003, 26). Da-
(ugs.): früher; in, aus alten, weit zurücklie- bei sind die beiden Fundstellen ... außer
genden Zeiten: Dampferfahrten auf der Ansatz geblieben (Fallada, Jeder 253).
Spree ... wie anno dunnemals (Berliner etw. in Ansatz bringen (Papierdt.): etw.
Zeitung 25. 2. 1976, 3). Hier gehts nicht veranschlagen, ansetzen: Für den Umbau
um die Bill of Rights von anno Tobak und des Rathauses wurden 7,8 Millionen Euro
um Mr. Jefferson (Fr. Wolf, Menetekel 91). in Ansatz gebracht.
↑ Schnee. ansaufen: sich 〈Dativ〉 einen [Rausch] an-
Anno Domini (veraltet): im Jahre [des saufen (salopp): sich betrinken: Kumiak
Herrn]: Ein spanisches Kauffahrteischiff gab endlich dem starken Wunsch nach,
verließ im Sommer Anno Domini 1728 sich einmal umsonst und nach Herzens-
den Hafen von Barcelona mit unbekann- lust einen anzusaufen (Marchwitza, Ku-
tem Ziel. miaks 92). Heute haben wir noch Zeit ...
anpreisen: ↑ Bier. uns einen Rausch anzusaufen (Fels, Sün-
anquatschen: ↑ Seite. den 104).
anrechnen: jmdm. etw. hoch anrechnen: ansäuseln: sich 〈Dativ〉 einen ansäuseln
jmds. Verhalten besonders anerkennen, (ugs.): sich leicht betrinken: Die Dame hat
würdigen: ... er hatte Vertrauen zu mir, sich einen angesäuselt, wir sollten ihr ein
und das rechne ich ihm hoch an (Kemel- Taxi bestellen.
man [ bers.], Mittwoch 165). Anschaffe: auf [die] Anschaffe gehen (sa-
anrennen: jmdn. anrennen lassen (österr. lopp): der Prostitution nachgehen: Aber
ugs.): jmdn. ins Verderben rennen lassen: vorerst gehe ich noch zwei oder drei Jahre
Ich habe ... den Eindruck, dass ein kon- auf die Anschaffe ( Jaeger, Freudenhaus
kurrenzorientiertes Kämpfen in dem Sinn 131).
stattfindet, dass man sagt: Jetzt lassen anschaffen: ↑ Fell, ↑ zahlen.

48
Anschein – anschreiben

Anschein: dem/allem Anschein nach: an- zum Anschlag (www.freitag.de, 5. 10. A


scheinend, vermutlich: Er war allem An-
.
schein nach Ausländer. Eigentlich
hat sie es immer nur um sich herum ru-
2001).
♦ Hier ist ursprünglich der Anschlag ei-
nes Reglers, Pedals o. Ä. gemeint, der ein
M
ansc

hig und friedlich haben wollen, wenn Weiterdrehen oder -drücken verhindert.
nicht anders möglich, dann wenigstens anschlagen: ↑ Ton, Tonart.
dem Anschein nach (Wohmann, Ab- Anschluss: im Anschluss an: 1. unmittelbar
sicht 365). nach: Im Anschluss an die Preisverlei-
sich 〈Dativ〉 den Anschein geben: vortäu- hung fand ein Empfang statt. 2. nach dem
schen, so tun: Ihrer Theorie zufolge müss- Vorbild von, in Anlehnung an: Das klein-
ten Sie weniger gesund sein, als Sie sich formatige Bildnis hat ... im Anschluss an
den Anschein geben (Th. Mann, Zauber- die Miniaturen Holbeins stets seine be-
berg 138). Er war einer von jenen drei Ver- sondere Bedeutung gehabt (Bild. Kunst
wandten des Fürsten, die sich den An- III, 14). 3. unter Bezugnahme auf: Im An-
schein gaben, ... von Wichtigkeit zu sein schluss an unseren letzten Brief möchten
(Baum, Bali 56). wir Ihnen mitteilen, dass ...
es hat/ (schweiz. :) macht den Anschein: den Anschluss verpassen: 1. (ugs.) keinen
es sieht so aus, scheint so zu sein: Es hat [Ehe]partner, keine [Ehe]partnerin finden:
den Anschein, als ob wir uns geirrt ha- Anfang vierzig und keinen Lebensgefähr-
.
ben. Es machte den Anschein, als habe ten; sieht so aus, als hätte sie über ihre
dem ... Bauwerk das letzte Stündlein ge- Karriere den Anschluss verpasst. 2. beruf-
schlagen (NZZ 20. 8. 1983, 24). lich hinter der technischen und/oder wis-
anscheißen: ↑ Sieb, ↑ Wand. senschaftlichen Entwicklung zurückblei-
Anschiss: den Anschiss haben (schweiz. , ben, nicht mehr wettbewerbsfähig sein:
derb): keine Lust haben, frustriert sein: Langfristig kommt kein Unternehmer am
Wenn jemand total demotiviert ist und Internet vorbei, wenn er nicht den An-
den Anschiss hat, kann man keine beson- schluss verpassen will (www.elsmann.de).
dere Leistung erwarten. Also mutig voran, damit wir nicht den
Anschlag: etw. in Anschlag bringen (Pa- Anschluss verpassen! Es muss endlich
pierdt.): etw. berücksichtigen, einkalku- Schluss sein mit der Diffamierung der
lieren: Man muss auch die hohen Trans- Gentechnik (www.taz.de, 17. 3. 2000).
portkosten in Anschlag bringen. . anschreiben: bei jmdm. gut/schlecht ange-
... Bekenntnisse, bei denen immerhin in schrieben sein (ugs.): bei jmdm. in gutem/
Anschlag zu bringen ist, dass ich sie frei- schlechtem Ansehen stehen [u. dadurch
willig ablege (Th. Mann, Krull 140). leicht/schwer etw. erreichen können]:
♦ Der Wendung liegt das Wort »An- Sprich du doch einmal mit ihm, du bist
schlag« in der kaufmannssprachlichen .
doch bei ihm gut angeschrieben. Ugan-
Bedeutung von »Kostenvoranschlag« zu- das Präsident, des Krieges wegen bei den
grunde. Geldgebern schlecht angeschrieben, will
bis zum Anschlag (ugs.): bis zur äußersten Frieden (FR 18. 8. 1999, 3). Ich war nicht
Grenze, Erträglichkeit: Ach, wie gern dumm, trotz meiner Jugend, und also war
möchte man resignieren, wenn sich ... he- ich gar bald gut angeschrieben bei mei-
rausstellt, dass im Unterschied zum Tag nen Vorgesetzten (Roth, Beichte 64).
des Einzugs inzwischen alle Zimmer bis ♦ Man verlegt die Herkunft der Wen-
zum Anschlag mit Möbeln gefüllt sind dung gelegentlich vordergründig in den
(SZ 26. 1. 2001, V2). Angestellte großer kaufmännischen Bereich und bezieht sie
Konzerne beklagen, dass sie von überbe- auf das Anschreiben von Schulden und
zahlten Managern bis zum Anschlag aus- Guthaben. berzeugender scheint der Be-
gebeutet werden (VDI 12. 1. 2001, 4). Der zug auf die im Alten wie Neuen Testa-
Chef ist ein von misanthropischem Herz- ment lebendige Vorstellung vom »Buch
rasen geplagter Knorzkopf, misogyn bis des Lebens«, in dem Gott die Gerechten

49
ansehen – Anspruch

A anschreibt und aus dem er die Sünder


tilgt. So heißt es z. B. in der Offenbarung
hung seiner Verdienste wurde auf Diszi-
.
plinarmaßnahmen verzichtet. ... ich
anse des Johannes (20, 12.15): »... und die Bü- bäte sie dringend, in Ansehung der inne-
cher wurden aufgetan, und ein anderes ren Unruhe meiner Frau den ... Brief zu
Buch ward aufgetan, welches ist des Le- befördern (Niekisch, Leben 85).
bens. Und die Toten wurden gerichtet, ansetzen: ↑ Hebel, ↑ Moos.
nah der Schrift in den Büchern, nah ihren ansichtig: jmds. , einer Sache ansichtig
Werken ... Und so jemand nicht ward er- werden (geh.): jmdn. , etw. erblicken: Als
funden geschrieben in dem Buch des Le- sie Ulrichs ansichtig wurde, übergoss eine
bens, der ward geworfen in den feurigen jähe Röte ihre Wangen (Musil, Mann
Pfuhl.« 1 013). ... Krähen greifen aber jedes be-
↑ Kreide. haarte oder gefiederte Raubtier an, des-
ansehen: sieh [mal] einer an! (ugs.): man sen sie überhaupt ansichtig werden (Lo-
sollte es nicht für möglich halten! : (Ausruf renz, Verhalten 21).
der berraschung): »Sieh mal einer an, Ansichtssache: das, etw. ist Ansichtssache:
wer hätte das gedacht, dass die gute Lisa darüber, über etw. kann man verschiede-
ein Mittelding zwischen einem Spanner ner Meinung sein: Wie man darauf rea-
und Jacula ... ist« (Rocco [ bers.], giert, das ist doch wohl Ansichtssache. .
Schweine 158). Die Art der Kopf bedeckung ist Ansichts-
[das] sehe [sich] einer an! (ugs.): das ist sache (Gast, Bretter 48).
doch nicht zu glauben! : (Ausruf der ber- Anspruch: [keine] Ansprüche [an jmdn. ,
raschung oder Entrüstung): Das sehe sich etw.] stellen: [nicht] anspruchsvoll sein:
einer an! Jetzt tut er so, als ob nichts ge- Ich stelle keine Ansprüche; ein Bett, ein
.
wesen wäre. Da höre ich nun, dass er Tisch und ein Stuhl sind alles, was ich in
Logenbruder ist. Sehe einer an (Th. dem Zimmer brauche. Sie stellt Ansprü-
Mann, Zauberberg 702). .
che, als sei sie hier die Chefin! Aber da
↑ Arsch, ↑ Freibrief, ↑ Geld, ↑ hinten, ↑ Na- ich nicht unglücklich war und keine über-
senspitze, ↑ Radieschen, Rasen, ↑ Rücken, triebenen Ansprüche an das Leben
↑ schief, ↑ Schulter, ↑ Seite, ↑ voll. stellte, kam ich mit mir überein, ich sei
Ansehen: nur von/vom Ansehen: nur vom glücklich (Rinser, Mitte 22).
Sehen, nicht mit dem Namen: Ich kenne Anspruch auf etw. erheben: etw. bean-
.
den Mann nur vom Ansehen. »Von An- spruchen: Die Schwester des Verstorbe-
sehen kenne ich ihn, gesprochen haben nen erhob Anspruch auf das ihr zuste-
wir uns noch nie ... aber vom Ansehen .
hende Erbteil. Die Delegierten ...
weiß ich, er ist es!« (www.wdr.de, 3. 10. erhoben den Anspruch, das ganze König-
1998). reich »virtuell« zu vertreten (Fraenkel,
ohne Ansehen der Person: ganz gleich, Staat 295).
um wen es sich handelt: Wir werden bei jmdn. , etw. in Anspruch nehmen:
den Ermittlungen ohne Ansehen der Per- 1. jmdn. beanspruchen, etw. erfordern: Die
.
son vorgehen. Ihr Auftrag ist, Arbeit nimmt mich sehr in Anspruch. .
... menschlicher Not ohne Ansehen der Die Aussagen des Gerichtsarztes und der
Person zu begegnen (www.heilsarmee.de). Kriminalbeamten nahmen nicht viel Zeit
ohne Ansehen: ohne Rücksicht auf: Was in Anspruch (Brecht, Groschen 244).
Rita von Martins Wutausbrüchen ... ge- 2. sich einer Sache bedienen: Darf ich Ihre
gen jeden, ohne Ansehen von Rang und Gastfreundschaft in Anspruch nehmen?
Namen, hörte, machte ihr Sorgen (Chr. etw. für sich in Anspruch nehmen: etw.
Wolf, Himmel 213). Gott grüßte nach Bestimmtes von sich behaupten: Wir neh-
links und nach rechts ... ohne Ansehen men für uns in Anspruch, den besten Lö-
der Parteizugehörigkeit (Fries, Weg 64). sungsansatz erarbeitet zu haben. Ein.
Ansehung: in Ansehung (veraltend): ange- Afrikaner ... , der aufgrund seiner Biogra-
sichts, unter Berücksichtigung: In Anse- fie eine besondere Afrika-Kompetenz für

50
Anstalten – antrinken

sich in Anspruch nimmt (morgenpost. an etw. Anstoß nehmen: über etw. , was A
berlin1.de, 7. 8. 2001).
Anstalten: [keine] Anstalten machen:
[keine] Absichten zu einem bestimmten
gegen das eigene sittliche Empfinden, ge-
gen den Moralkodex verstößt, Ärger, Un-
willen empfinden, zum Ausdruck bringen:
M
antr

Tun zeigen: Es wurde ... bald drei Uhr, Sie nahm an seinem Benehmen keinen
ohne dass man Anstalten machte, sich zu Anstoß. An einigen Stellen hat die Zensur
Tisch zu begeben (W. Brandt, Begegnun- .
Anstoß genommen. Aber Herr Profes-
gen 230). Sein Gast machte keine Anstal- sor! Nehmen Sie gar an dieser entblößten
ten zu gehen (Strauß, Niemand 183). Brust aus Stein Anstoß? (Andres, Liebes-
Anstand: [keinen] Anstand an etw. neh- schaukel 142).
men: etw. [nicht] für unangebracht oder ↑ Stein.
unangemessen halten: Er war ein unange- anstreichen: ↑ Kalender.
nehmer Mensch, der an allem Anstand Anteil: Anteil an etw. haben: durch Mitwir-
.
nahm. Dieser Schüler besitzt nämlich ken an etw. beteiligt sein: An der Siche-
eine Großmutter, welche keinen Anstand rung des Friedens hatte die UNO damals
nimmt, ihn mit Prügeln zu versehen ... .
nur geringen Anteil. Lesurques aber
(H. Mann, Unrat 88). hat überhaupt nicht den geringsten An-
anstehen: nicht anstehen, etw. zu tun teil an diesem Verbrechen gehabt (Mos-
(geh.): etw. ohne Weiteres, ohne Bedenken tar, Unschuldig 26).
tun: Ich stehe nicht an zu sagen, dass Anteil an etw. nehmen: 1. sich an etw. ak-
ich ... entschlossen war, mich in das tiv beteiligen: Er nahm an dem Spiel kei-
Abenteuer zu werfen (Th. Mann, Krull .
nen Anteil. Sie saß blass dabei, ohne an
284). dem Gespräch tätigen Anteil zu nehmen
etw. anstehen lassen: etw. , was dringend (Musil, Mann 557). 2. sich für etw. interes-
geändert, erledigt usw. werden müsste, hi- sieren: ... als Mensch, der regen Anteil an
nausschieben, nicht in Angriff nehmen: den geistigen Strömungen des Tages
Solche Probleme darf man nicht lange an- nahm (Hildesheimer, Legenden 43). Die
stehen lassen, hier muss sofort gehandelt Frau ... gehörte zu jenen scheinbar bedin-
.
werden. Wenn er es anstehen lässt, gungslos verheirateten weiblichen Wesen,
müssen die Zähne extrahiert werden die glühenden Anteil zu nehmen pflegen
(Wohmann, Absicht 235). an den geschäftlichen oder politischen
anstellen: sich anstellen wie der Ochs Erfolgen ihrer Männer (Kirst, Aufruhr
beim Seiltanzen (ugs.): sich sehr unge- 109).
schickt anstellen: Gib mir mal den Schrau- Anteil an jmdm. , etw. nehmen: Teil-
benschlüssel, du stellst dich ja an wie der nahme, Mitgefühl für jmdn. , etw. zeigen:
Ochs beim Seiltanzen! Sie haben viel Anteil an eurem Schicksal
anstimmen: ↑ Klagelied, ↑ Loblied. genommen (Müthel, Baum 193). ... ich
anstinken: gegen jmdn. , etw. nicht anstin- weiß, dass Sie Anteil an meinem Schüler
ken können (salopp): gegen jmdn. , etw. Pieter nehmen (Seidel, Sterne 167).
nichts ausrichten können: Du kannst Antenne: eine Antenne für etw. haben
doch nicht gegen die da oben anstinken! (ugs.): etw. richtig einschätzen, ein Gespür
(Bredel, Prüfung 103). Alfred war ein ech- für etw. haben: Kinder haben sehr feine
ter Hit, dagegen konnten die ZDF-Schla- Antennen für Ungerechtigkeiten (Hörzu
gerstars nicht anstinken (Hörzu 4, 1974, 41, 1978, 171). ... wenn der Arzt »keine
104). Antenne« für organisch-geistige Zusam-
Anstoß: Anstoß erregen: jmds. Unwillen menhänge hat (MM 13./14. 6. 1979, 16).
hervorrufen: Sein Benehmen hat im Kolle- antreten: ↑ Beweis, ↑ Reise, ↑ Flucht.
.
gium Anstoß erregt. »Ich würde vor al- antrinken: sich 〈Dativ〉 einen antrinken
lem die Farbe wechseln«, sagte Fräulein (ugs.): sich betrinken: Bei den Katholi-
Böttscher. »Die Farbe erregt Anstoß.« schen, sagte er, trinkt sich der Pastor je-
(Roehler, Würde 25). den Morgen einen an mit Wein, aber den

51
antun – Anzug

A anderen gibt er nichts ab (Degenhardt,


Zündschnüre 68).
Umarmung (Kronauer, Bogenschütze
107).
antu ↑ Affe. anziehen: von jmdm. , etw. angezogen
antun: sich 〈Dativ〉 etwas antun (ugs. ver- werden wie die Motten vom Licht: unwi-
hüll.): Selbstmord begehen: Wir hörten derstehlich in den Bann einer Person, Sa-
überhaupt nichts, keine Schritte, kein che gezogen werden: Frauen werden von
Schluchzen ... und mit der Zeit hatte ihm angezogen wie die Motten vom Licht
meine Frau offenbar Angst, unser Freund (www.maennerseiten.de). Durch so etwas
könnte sich etwas antun (Frisch, Stiller wird die Presse natürlich angezogen wie
517). die Motten vom Licht – quotenhungrige
↑ Ehre, ↑ Gewalt, ↑ Leid, ↑ Zwang. Moderatoren gieren nach psychopathi-
Antwort: keine Antwort ist auch eine Ant- schen Killern (www.informatik.
wort: das Ausbleiben einer erwarteten rwth-aachen.de). Von Unternehmen mit
Antwort kommentierende Redensart, die einer großen Gewinndynamik werden sie
zum Ausdruck bringt, dass man den angezogen wie die Motten vom Licht
Grund kennt, warum der Gesprächspart- (finanzen.focus.de).
ner es vorzieht, zu schweigen: Otto, unser ↑ Gegensatz, ↑ Jacke, ↑ Kandare, ↑ Schuh,
Diplomat, will sich offensichtlich hierzu ↑ Spendierhosen, ↑ Steuerschraube,
nicht äußern. Aber wie der weise Volks- ↑ warm, ↑ Zügel.
mund sagt: »Keine Antwort ist auch eine Anzug: aus dem Anzug springen (ugs. veral-
Antwort.« tend): sich aufregen, in Wut geraten:
↑ fragen, ↑ Rede. Wenn ich mal ’ne schlechte Zensur nach
Anwendung: Anwendung finden (Pa- Hause bringe, springst du gleich aus dem
pierdt.): angewendet werden: Die neuen Anzug (Quick 33, 1958, 47).
Bestimmungen haben bisher noch keine aus dem Anzug fallen (ugs.): so abgema-
.
Anwendung gefunden. Heute ist das gert sein, dass man seine Kleidung nicht
Penizillin in seiner chemischen Struktur mehr ausfüllt: Den Kollegen erkennt man
genau aufgeklärt und findet eine welt- kaum noch wieder, so ist der aus dem An-
weite Anwendung (Medizin II, 122). zug gefallen.
etw. in/zur Anwendung bringen (Pa- aus dem Anzug kippen (ugs.): völlig ver-
pierdt.): etw. anwenden: Bei der Berech- blüfft sein: Ich bin fast aus dem Anzug
nung der Liegegelder wird ein anderer gekippt, als sie plötzlich vor mir
.
Satz in Anwendung gebracht. Doch .
stand. ... sag ihm, du weißt, wie er
wenn man ein Gesetz politisch als so pro- dich vor deiner Verhaftung geleimt hat.
blematisch einschätzt, dass man es nur in Dann kippt er aus’m Anzug (Bieler, Bär
Ausnahmefällen zur Anwendung bringen 424).
will, sollte man es besser ganz streichen jmdn. aus dem Anzug pusten (ugs.):
(taz 24. 11. 2005, 11). 1. jmdn. verprügeln: Wenn du noch ein
zur Anwendung kommen (Papierdt.): an- Wort sagst, puste ich dich aus dem An-
gewendet werden: Bei den nächsten Euro- zug! 2. jmdn. umbringen: In den Siebzi-
pameisterschaften werden die neuen Be- gern hat sie sich als schwarze Powerfrau
stimmungen bereits zur Anwendung des sogenannten Blaxploitation-Kinos
.
kommen. Dieses Formprinzip kommt Kultstatus erworben. Darin pustete sie
aber in doppelter Weise zur Anwendung schon reihenweise Typen aus dem Anzug,
(Curschmann, Oswald 132). noch bevor Tarantino Pulp Fiction or-
anwurzeln: wie angewurzelt [da]stehen/ dentlich buchstabieren konnte (SZ 16. 4.
stehen bleiben: regungslos [da]stehen/ 1998, 8).
stehen bleiben: Sie stand wie angewurzelt etw. aus dem Anzug schütteln: sich von
da und schaute mich mit großen Augen etw. nicht berühren lassen, von etw. unbe-
.
an. Er blieb stehen wie angewurzelt, eindruckt bleiben: Ich muss das erstmal
während sie davonschlenderten in enger selbst verarbeiten, 19 gemeinsame Jahre

52
anzwitschern – Appetit

kann ich nicht so aus dem Anzug schüt- deutenden Betrag: Für einen Apfel und A
teln (SZ 8. 9. 1998, 3).
jmdn. aus dem Anzug stoßen (ugs.):
1. jmdn. verprügeln: Soll ich den Kerl aus
ein Ei kann man im Ausverkauf schöne
.
Pullover bekommen. In diesem Park
treibt sich doch nur das Letzte rum – die
M
Appe

dem Anzug stoßen, oder wollen wir ihn tuns für ’n Appel und ’n Ei (Rechy
noch mal laufen lassen? 2. jmdn. erschüt- [ bers.], Nacht 189).
tern, demoralisieren: Wir lassen uns ♦ Die Wendung erklärt sich wohl daraus,
durch die schlechte Konjunkturprognose dass auf einem Bauernhof normalerweise
.
nicht aus dem Anzug stoßen. Die allge- Äpfel und Eier reichlich vorhanden sind
meine Situation ist jetzt schon so weit ge- und keinen großen Wert darstellen. Man
diehen, dass ein einziger unserer Solda- kann diese Dinge also abgeben, ohne da-
ten ein ganzes großdeutsches Regiment von arm zu werden.
aus dem Anzug stoßen kann (Kirst, in den sauren Apfel beißen (ugs.): etwas
08/15, 885). Unangenehmes notgedrungen tun: Wenn
im Anzug[e] sein: sich nähern: Feindliche sich alle drum drücken, muss ich wohl in
Truppen waren im Anzug. Er war davon den sauren Apfel beißen und den Wo-
überzeugt, dass Gefahr im Anzug sei. . chenputz mal wieder alleine machen.
Ende Juli kamen die Ultimaten, und das Apfelmus: ↑ gerührt.
Gewitter, das seit Jahren im Anzuge war, a posteriori (bildungsspr.): nachträglich,
brach los (Niekisch, Leben 30). später: Es war eine Schwäche des Sys-
↑ gucken, ↑ Mann. tems, die sich erst a posteriori herausge-
anzwitschern: sich 〈Dativ〉 einen anzwit- stellt hatte.
schern (ugs.): sich einen Schwips antrin- Apparat: am Apparat verlangt werden
ken: Jeden Abend nach dem Essen hat (ugs. scherzh.): sich rasieren müssen: Sie
sich Großmutter ihre Flasche Kümmelli- musterte belustigt seine Designerstop-
kör neben den Sessel gestellt und sich ge- peln: »Ich glaube, du wirst am Apparat
mütlich einen angezwitschert. verlangt.«
Apfel: der Apfel fällt nicht weit vom ♦ Die Wendung ist hier von ihrem übli-
Stamm/ (ugs. scherzh. :) nicht weit vom chen Bezug auf den Telefonapparat um-
Pferd: jmd. ist in seinen [negativen] Anla- gangssprachlich-scherzhaft auf den Ra-
gen, seinem Verhalten den Eltern bzw. ei- sierapparat umgemünzt worden.
nem Elternteil sehr ähnlich: Die Eltern Appetit: der Appetit kommt beim/mit dem
sind musikbesessen und so ist es die Essen: wenn man erst einmal mit etwas
Tochter – der Apfel fällt nicht weit vom angefangen hat, kommt auch die Lust
Stamm. dazu: Eigentlich hatte er sich nie fürs Ski-
Äpfel mit Birnen vergleichen; Äpfel und fahren interessiert, aber der Appetit
Birnen zusammenzählen (ugs.): völlig ver- kommt beim Essen: Heute steht er jede
schiedene Dinge miteinander vergleichen, freie Minute auf den Brettern.
Unvereinbares zusammenbringen: Durch ♦ Die sprichwörtliche Redensart wird
die Reihung und Gegenüberstellung der auf das Französische zurückgeführt, wo
Arbeiten ergeben sich dabei äußerst inte- sie sich als »L’ appétit vient en man-
ressante Perspektiven ... Jedoch stellt sich geant« in Francois Rabelais’ zeitsatiri-
bald das Gefühl ein, hier würden Äpfel ¸
schem Abenteuerroman »Gargantua und
mit Birnen verglichen (NZZ 18. 7. 2001). Pantagruel« (I, 5; 1535) findet. Der Ro-
Aber wie leicht kann man ... »Äpfel und man wurde erstmals in der ersten Hälfte
Birnen zusammenzählen« und »aus nor- des 19. Jahrhunderts ins Deutsche über-
malen Vorgängen alle möglichen Ver- setzt.
dächte ... zusammenbrauen« (Spiegel 44, guten Appetit!: Wunschformel zur Einlei-
1984, 24). tung einer gemeinsamen Mahlzeit oder
für einen Apfel und ein Ei/für ’n Appel wenn man jmdn. essen sieht: Hat jeder
und ’n Ei (ugs.): sehr billig, für einen unbe- seine Suppe? Also dann, guten Appetit!

53
April – Arbeit

A Sie haben gerade Frühstückspause? Dann


will ich nicht stören; guten Appetit auch!
Was hast du also gegen Straßenfeger? Ar-
beit schändet bekanntlich nicht.
Apri April: April, April!: Spottruf, wenn man ♦ Die sprichwörtliche Redensart findet
jmdn. in den April geschickt hat: Ich sehe sich bereits in dem Lehrgedicht »Werke
gar keinen Fleck auf meiner Hose. – April, und Tage« (Vers 311) des altgriechischen
April! Dichters Hesiod (von 700 v. Chr.). Hesiod
jmdn. in den April schicken: jmdn. am will damit seinen Bruder zur Arbeit er-
1. April zum Besten halten: Die Mädchen muntern.
hatten sich etwas ausgedacht, womit sie die Arbeit nicht erfunden haben (ugs. ,
ihre Lehrerin in den April schicken woll- scherzh.): nicht gern arbeiten, faul sein:
.
ten. Die Arbeiter schicken ihn gern in Der Neue drückt sich, wo er nur kann, der
den April ... (Zenker, Froschfest 192). hat die Arbeit auch nicht erfunden.
♦ Die seit dem Beginn des 17. Jhs. be- ganze/gründliche o. ä. Arbeit leisten/tun/
zeugte Wendung bezieht sich auf den (ugs.) machen: (oft im negativen Sinne in
Brauch der Aprilscherze, der z. B. auch in Bezug auf etw. Unerwünschtes gebraucht)
Holland, Frankreich und Großbritannien etw. so gründlich tun, dass nichts mehr zu
üblich ist. Da der Brauch vermutlich von tun übrig bleibt: Wilderer ... haben
Frankreich nach Deutschland gelangte, schnelle Arbeit geleistet (Grzimek, Seren-
könnte er damit zusammenhängen, dass geti 221). Wir haben zwar gemeinsam erst
Karl IX. im Jahr 1564 den Neujahrstag einen Brand gelöscht, aber ich muss
vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. schon sagen, dass wir ganze Arbeit geleis-
Wer das geänderte Datum vergaß, traf tet haben (Kirst, Aufruhr 143).
seine festlichen Vorbereitungen am nur halbe Arbeit machen: etw. nur unvoll-
1. April umsonst. kommen ausführen: Der Klempner hat
a priori (bildungsspr.): von vornherein, nur halbe Arbeit gemacht, die Spülung
grundsätzlich: Unkontrollierter Einsatz geht schon wieder nicht.
von Schusswaffen muss a priori abgelehnt etw. in Arbeit geben: etw. anfertigen, ma-
.
werden. Durch sein Bestreben, schon a chen lassen: ... es fand sich ein schönes
priori für sich Entlastungsmaterial zu braunes Tuch, von dem wurde ein An-
schaffen, wies er selbst den Weg zu seiner zug ... in Arbeit gegeben (Hesse, Narziß
Entlarvung (Mostar, Unschuldig 88). 137). Es war ein Industrieller, der dieses
Arabien: ↑ Wohlgeruch. Stück für sich exklusiv in Persien in Ar-
Arbeit: Arbeit und Brot: eine Erwerbsmög- beit gab (Spiegel 36, 1982, 10).
lichkeit, mit der man seinen Lebensunter- etw. in Arbeit nehmen: mit der Anferti-
halt verdienen kann: Alle gut gemeinte gung von etw. beginnen: Der Meister hatte
Entwicklungshilfe wird nicht ausreichen, die kostbarsten Stücke bereits in Arbeit
um für diese zusätzlichen Millionen von genommen.
Menschen Arbeit und Brot zu schaffen in Arbeit sein: gerade angefertigt werden:
(NZZ 18. 9. 2003, 48). Allerorten sind Untersuchungen über
erst die Arbeit, dann das Vergnügen: die handelspolitische Fragen und Währungs-
Erledigung der anstehenden Arbeit hat probleme in Arbeit (Dönhoff, Ära 190).
Vorrang: Nun lasst mal die Schnapsfla- Das Buch ... war in drei große Kapitel ein-
sche zu, erst die Arbeit, dann das Vergnü- geteilt, von denen ... das zweite in Arbeit
.
gen. »Erst die Arbeit, dann das Vergnü- und das dritte geplant war ( Jens, Mann
gen«, sagte sie, »so sind wir Schwaben 155).
halt!« (homepages.uni-tuebingen.de). etw. in Arbeit haben: an etw. gerade ar-
Arbeit schändet nicht: es ist nicht uneh- beiten, etw. gerade anfertigen: Die Firma
renhaft, seinen Lebensunterhalt durch Ar- hat den bestellten Öltank noch nicht in
beit zu verdienen, selbst wenn es sich da- Arbeit.
bei um eine weniger angesehene Art der [bei jmdm.] in Arbeit sein/stehen: [bei
Betätigung handelt: Du hast keinen Job. jmdm.] beschäftigt, angestellt sein: Wo

54
arbeiten – ärgern
.
waren Sie bisher in Arbeit? Ob Mann arg: im Argen liegen: sich in Unordnung be- A
oder Frau: man muss in Arbeit stehen,
um Staatsbürgerrecht, ja Lebensrecht
überhaupt zu genießen (Niekisch, Leben
finden; nicht so sein, wie es sein sollte:
Wenn man das Gefühl hat, etwas liegt im
Argen, dann sollte man sich dazu äußern
M
ärge

221). (SZ 17. 11. 2003, 10). Export-Import liegt


nach getaner Arbeit ist gut ruhn: wenn immer im Argen, wenn man sich nicht
man seine Arbeit hinter sich gebracht hat, persönlich darum kümmert (Ruark
darf man sich zufrieden ausruhen. [ bers.], Honigsauger 310).
♦ Man führt das Sprichwort auf Cicero ♦ Im ersten Johannesbrief (5, 19) heißt
zurück, der in seiner philosophischen es: »Wir wissen, dass wir von Gott sind
Schrift »Vom höchsten Gut und größten und die ganze Welt liegt im Argen.« Da-
bel« schreibt: »Jucundi acti labores« rauf geht die vorliegende Wendung ver-
(= Angenehm sind die getanen Arbei- mutlich zurück.
ten). Arg: ohne Arg (geh.): 1. ohne Misstrauen,
von seiner Hände Arbeit leben (geh.): arglos: Er ist ein einfacher Bursche, leut-
sich seinen Lebensunterhalt durch Er- .
selig und ohne Arg. Auch wenn Uni-
werbstätigkeit [mühsam] verdienen: In onspolitiker die Analysen des früheren
den ersten Monaten fiel es ihm sehr SPD-Geschäftsführers Peter Glotz nicht
schwer, von seiner Hände Arbeit zu le- ohne Arg betrachten sollten, könnten sie
.
ben. Sie (= die Grabsteine) sind bereits sich einige Bemerkungen zu Herzen neh-
zu teuer für den Mann, der von seiner men (Handelsblatt 26. 8. 1987, 2). 2. gut-
Hände Arbeit gelebt hat (Remarque, Obe- willig, ohne bösen Hintersinn: ... Fiffi, Petz
lisk 18). und Mausi sind bekanntlich die besseren
arbeiten: arbeiten wie ein Pferd/ (abwer- Menschen. Sie haben unsereinem die lau-
tend:) wie ein Kuli (ugs.): sehr hart und tere Gesinnung voraus, sind gänzlich
unermüdlich arbeiten: Wenn man den ohne Arg, und sofern sie blutige Massaker
ganzen Tag gearbeitet hat wie ein Kuli, veranstalten, dann nur, weil sie dazu von
möchte man abends seine Ruhe haben. . ihren Instinkten gerufen werden (Tages-
Er ... ist der Boss, der die Konkurrenz in spiegel 11. 12. 1998, 11).
Schach hält, und er arbeitet wie ein Pferd Ärger: schwarz/grün und gelb/grün und
(Prodöhl, Tod 57). blau vor Ärger werden (ugs.): sich maßlos
♦ »Kuli« bezieht sich hier auf das aus ärgern: Man könnte schwarz vor Ärger
dem Englischen übernommene Lehnwort werden, wenn man an das viele vergeu-
in der Bedeutung »billiger Arbeiter bes. in dete Geld denkt.
Süd- und Ostasien«. ↑ Luft.
wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen: ärgern: sich schwarz/grün und blau/gelb
wer zum Arbeiten zu faul ist, hat keinen und grün ärgern (ugs.): sich maßlos är-
Anspruch darauf, von den anderen mit er- gern: Ich ärgere mich schwarz über die
nährt zu werden. Gedankenlosigkeit meiner Mitmenschen
♦ Diese Redensart geht auf eine Stelle im (Hörzu 48, 1972, 144). Der Brigadier ... är-
2. Paulusbriefe an die Thessalonicher zu- gert sich grün und blau über das, was er
rück, wo es heißt (3, 10): »So jemand sieht (Werfel, Bernadette 170).
nicht will arbeiten, der soll auch nicht es- nicht ärgern, nur wundern!: Beschwichti-
sen.« gungsformel: Hast du gesehen, wie der
↑ Hand, ↑ Tasche, ↑ Zeit. mir die Vorfahrt genommen hat! – Nicht
Arbeiterdenkmal: ein Arbeiterdenkmal ärgern, nur wundern!
machen (ugs. scherzh.): untätig (auf sein sich die Krätze/die Schwindsucht an den
Arbeitsgerät gestützt) herumstehen: Ei- Hals ärgern (ugs.): sich sehr ärgern: Ich
ner schippte die Erde aus der Grube, die habe keine Lust, mir mit euch die Krätze
drei anderen machten ein Arbeiterdenk- an den Hals zu ärgern. Der Pauker ärgerte
mal. sich die Schwindsucht an den Hals, wenn

55
arm – Arm

A wir ihm einen Fehler nachweisen konn-


ten.
»Heroides«, eine Sammlung fiktiver Lie-
besbriefe berühmter Frauen mythischer
arm ♦ In der ursprünglichen Version mit Vorzeit, zurück. Helena stellt dort die fol-
»Schwindsucht« lässt sich die Wendung gende warnende Frage an den geliebten
auf Lessing zurückführen. Paris (der sie, die Gemahlin des Königs
↑ Fliege, ↑ Platze. Menelaos, einst entführt und damit den
arm: Arm und Reich (veraltend): alle Men- Trojanischen Krieg verursacht hatte):
schen ohne Unterschied: Arm und Reich »Weißt du wohl, oh Paris, dass Könige
müssen das Gesetz achten, da gibt es lange Arme haben?«
keine Ausnahmen. jmdn. am steifen/ausgestreckten Arm
arm wie eine Kirchenmaus sein (ugs. verhungern lassen (ugs.): 1. auf jmdn. , der
scherzh.): sehr arm sein: Tante Silbi in irgendeiner Weise von einem abhängig
schrieb, sie sei in Schleswig-Holstein ge- ist, durch Entzug von etw. über längere
landet, arm wie eine Kirchenmaus (Kem- Zeit Druck ausüben, um dadurch zu errei-
powski, Uns 190). Die »Armee« war nach chen, dass sich der Betreffende einer For-
fünf Umzügen arm wie eine Kirchenmaus derung o. Ä. nicht mehr widersetzt: Der
(Plievier, Stalingrad 305). Konzern wird auf dieses Angebot nicht
♦ Die Wendung bezieht sich darauf, dass eingehen und uns am steifen Arm ver-
Mäuse, die in Kirchen leben, nur schwer .
hungern lassen. »Wir haben schon eine
etwas zum Fressen finden. Menge Geld in das Projekt investiert«,
es trifft ja keinen Armen (ugs.): du fasst Roth zusammen. Aber die Stadt
hast/er hat usw. ja genug Geld, daher lasse die Eigentümer am ausgestreckten
kannst du/kann er usw. die Ausgabe leicht Arm verhungern (FR 11. 4. 2001, 5).
verkraften: Dem Prinzen verweigerte das 2. jmdm. die erwartete und nötige [ finan-
Gericht die Rückgabe der Schlösser ... im zielle o. ä.] Unterstützung versagen: Die
Osten der Republik. Die Enteignung nach Universitäten seien jedenfalls bereit,
dem Kriege sei rechtmäßig gewesen. Aber mehr Verantwortung zu übernehmen ... ,
es trifft ja keinen Armen ... (Zeit 10. 8. wenn die Politiker mit ihrer Sparpolitik
2000, 26). sie dann nicht am ausgestreckten Arm
↑ dran, ↑ Leute, ↑ Schlucker, ↑ Seele, ↑ Teu- verhungern lassen (FR 24. 1. 1998, 20).
fel, ↑ Tier. jmdn. auf den Arm nehmen (ugs.): jmdn.
Arm: jmds. , einer Sache verlängerter Arm necken, foppen: Da hat sie dich ja mal wie-
sein: im Auftrag und anstelle von jmdm. , der schön auf den Arm genommen. Ihre
etw. handeln, dessen Anliegen zu erfüllen sogenannten Sonnensträhnen sind
suchen: Auf dem Platz ist der Mann- strähnchenweise eingekämmte Blondier-
schaftsführer der verlängerte Arm des .
creme! Die schwierigste Turnübung,
.
Trainers. Auch das Goethe-Institut be- sagte einst ein scharfer Geist, ist, sich sel-
greift sich als Forum für Dialog und Be- ber auf den Arm zu nehmen (NZZ 18. 3.
gegnungen, nicht als verlängerter Arm 2004, 54).
der Außenpolitik, sondern als gleichsam ♦ Der Betreffende wird sozusagen auf
politisch neutrales Terrain (SZ 2. 5. 2005, den Arm genommen wie ein kleines Kind,
13). mit dem man scherzt und spielt.
einen langen Arm haben: weitreichenden jmdm. in den Arm fallen: jmdn. an etwas
Einf luss haben: Vielleicht kann ich dir hindern: Nachdem uns auch noch die Re-
helfen. Mein Onkel gehört dem Aus- gierungsstellen in den Arm fielen, muss-
schuss an und hat einen langen Arm. . ten wir die Hilfsaktionen einstellen. .
Lass das doch, du ziehst nur den Kürze- ... weiterhin hätte man Hitler als den Hei-
ren, ich kenn das, die haben einen langen land, Erlöser, Wundertäter betrachtet,
Arm (v. d. Grün, Glatteis 293). dem man vorzeitig in den Arm gefallen
♦ Die Wendung geht möglicherweise auf sei (Niekisch, Leben 366).
den römischen Dichter Ovid und seinen ♦ Die Wendung schließt an »fallen« in

56
Ärmel

der Bedeutung »sich plötzlich mit einer .


Euro unter die Arme gegriffen. Wir ha- A
gewissen Heftigkeit irgendwohin bewe-
gen« an. Der Angegriffene stürzt auf den
erhobenen Arm des Angreifers zu, um
ben beschlossen, Ihnen im Notfall unter
die Arme zu greifen (Brecht, Mensch 59).
♦ In dieser Wendung ist das Bild von der
M
Ärme

den Hieb oder Stich abzuwehren. Hilfeleistung noch recht deutlich erhal-
jmdm. in die Arme laufen (ugs.): jmdm. ten. Man greift einem Menschen, der zu
zufällig begegnen: Hatte mich mit so viel stürzen oder zusammenzubrechen droht,
Arbeit bei Ulla entschuldigt und wem unter die Arme und fängt ihn auf. Auch
muss ich auf unserem Stadtbummel aus- verletzte Personen birgt man, indem man
gerechnet in die Arme laufen? Ulla natür- ihnen unter die Arme greift.
.
lich! ... wenn sie dem Schlächter in die ↑ Bein, ↑ Kopf, ↑ Morpheus, ↑ Pudding.
Arme läuft, wird sie zwar eine glaubhafte Ärmel: es nimmt jmdm. den Ärmel hinein/
Erklärung finden, aber besser ist es doch, rein (schweiz.): jmd. wird leidenschaftlich
wenn das nicht passiert (Remarque, Obe- ergriffen: Mir nahm es schon bei der ers-
lisk 125). ten Lektüre des Romans den Ärmel hi-
jmdn. einem anderen, einer Sache in die .
nein. Ich habe mich früher nie so ver-
Arme treiben: verursachen, dass sich jmd. liebt ... , und plötzlich nimmt es mir den
zu seinem Schaden jmdm. , einer Sache zu- Ärmel rein, und das, obwohl ich mich da-
wendet: Mit diesen Maßnahmen treibt gegen sträube (www.liebeskummer.ch
man die Jugend den Radikalinskis in die 22. 8. 2007).
.
Arme. Ich habe Alba etwas zu sagen, die Ärmel aufkrempeln/hochkrempeln
das ihr gegen ihren Liebhaber Hass ma- (ugs.): bei einer Arbeit tüchtig zupacken
chen und sie in die Arme dessen treiben wollen: Der Manager gilt laut gängiger At-
wird, der ihn getötet hat (H. Mann, Stadt tribute als einer, der die Ärmel aufkrem-
227). pelt, hart und smart ist (taz 21. 11. 2003,
sich jmdm. , einer Sache in die Arme wer- 12). Wenn alle die Ärmel hochkrempeln,
fen (oft abwertend): sich jmdm. , einer Sa- werden wir uns aus eigener Kraft retten
che ganz verschreiben, hingeben: Er verfiel (Kicker 6, 1982, 10).
dem Alkohol und warf sich dem Laster in leck mich am Ärmel! (salopp verhüll.):
die Arme. In hemmungsloser Sinnlichkeit 1. lass mich in Ruhe! : »Du könntest mal
warf sie sich den Männern in die Arme. ’nen Zahn zulegen bei der Arbeit!« –
Arm in Arm: eingehakt: Arm in Arm mit »Leck mich am Ärmel!« 2. Ausdruck gro-
ihm hatte Konrad Adenauer sich auf ßer berraschung, Anerkennung, Verärge-
Wahlplakaten den Wählern präsentiert rung o. Ä.: Leck mich am Ärmel, das hätte
(Dönhoff, Ära 26). Sie gingen Arm in ich der kleinen Person nie zugetraut! Das
Arm, und er sah glücklich aus (Hesse, ist vielleicht ein Trubel hier, leck mich am
Steppenwolf 28). Ärmel!
jmdn. mit offenen Armen aufnehmen/ ♦ Das Wort »Ärmel« steht hier verhül-
empfangen: jmdn. gern bei sich aufneh- lend für »Arsch«.
men, freudig willkommen heißen: ... dass [sich 〈Dativ〉] etw. aus dem Ärmel schüt-
er ... wieder in seine alte Dienststelle ein- teln (ugs.): etw. mit Leichtigkeit schaffen,
gestiegen ist, dass er mit offenen Armen besorgen: Mein Bruder schüttelt alles aus
empfangen worden ist (Plenzdorf, Le- dem Ärmel, während ich hart trainieren
gende 287). Als Helga ein Jahr lang am Pa- .
muss. Ein einzelner Mensch kann diese
riser Konservatorium studierte, wurde sie Finanzierung nicht aus dem Ärmel schüt-
von den ehemaligen Patienten des cher teln (MM 26./27. 8. 1972, 7).
docteur mit offenen Armen aufgenom- ♦ Die Wendung erklärt sich aus der Tat-
men (A. Kolb, Daphne 15). sache, dass die Ärmel der spätmittelalter-
jmdm. [mit etw.] unter die Arme greifen: lichen Kleidungsstücke oft sehr weit wa-
jmdm. in einer Notlage [mit etw. ] helfen: ren und als Taschen dienten. Man konnte
Wir hatten den jungen Leuten mit 2 000 also tatsächlich ohne Weiteres Geldstü-

57
Armenkasse – Arsch

A cke und andere kleinere Gegenstände aus


dem Ärmel schütteln. Bei der Entstehung
auch sei, nachzuahmen? (Friedell, Auf-
klärung 150).
Arme der Wendung dürfte speziell die Vorstel- ♦ »Armutszeugnis« war früher die
lung der weiten Ärmel der Taschenspieler rechtssprachliche Bezeichnung für eine
und Zauberer mitgewirkt haben. behördliche Bescheinigung über jmds.
etw. im Ärmel haben/behalten (ugs.): für Armut, die zur Beantragung des Armen-
den Bedarfsfall etw. zu seinen Gunsten rechts berechtigte. Der übertragene Ge-
bereithalten: Niemand glaubte, dass der brauch der Wendung ist Mitte des
Gegenkandidat noch weitere schlagende 19. Jahrhunderts belegt.
Argumente im Ärmel haben könnte. . Arsch: Arsch mit Ohren (derb): Schimpfwort
Bisher hatte der General eine Reise nach für jmdn. , der einem durch sein Verhalten
Moskau als Trumpf im Ärmel behalten. oder Aussehen widerlich ist: Der Hopper
Jetzt spielt er ihn aus (Spiegel 5, 24. 1. aber reagiert auf dieses Angebot sauer,
1966, 69). ihm ist Arno, dieser »Arsch mit Ohren«,
♦ Das sprachliche Bild bezieht sich wohl zuwider (Fr. Wolf, Zwei 122). Wenn du
auf das Repertoire des Falschspielers, der glaubst, du kannst uns verscheißern, da
Spielkarten im Ärmel versteckt hält. liegst du falsch, mit dir werden wir fertig,
einer mit Ärmeln sein (berlin.): ein geris- du Arsch mit Ohren (Kuby, Sieg 37).
sener Bursche sein: Darauf will er viel- wie Arsch und Friedrich (derb): sehr
leicht raus, der will ihn bei mir schlecht schlecht: Und als deren Lied international
machen, det is eener mit Ärmel (Döblin, keinem so recht gefiel, gab er nicht sich
Berlin 293). selbst die Schuld, sondern seiner Sänge-
↑ Ass, ↑ Rotz. rin und ihrem Chor: »Der ganze Auftritt
Armenkasse: etwas aus der Armenkasse klang wie Arsch und Friedrich«, hat er ge-
kriegen (bes. berlin. , scherzh. verhüll.): sagt (SZ 7. 3. 2003, 3).
Prügel bekommen: Wenn du frech wirst, [passen] wie Arsch auf Eimer/Arsch und
kriegst du etwas aus der Armenkasse! Eimer (derb): genau, exakt, optimal [pas-
♦ Bei der Zusammensetzung »Armen- sen]: Die zwei sind wie Arsch und Ei-
kasse« handelt es sich um eine scherz- .
mer. »Wir ergänzen uns wie Arsch auf
hafte Anlehnung an den »Arm«, mit dem Eimer!«, sagt sie (Brigitte 9, 2003, 78). Ein
man jemandem etwas heimzahlt. paar hundert Leute sitzen auf der war-
Armut: Armut schändet nicht: wer arm ist, men Straße, wir setzen uns dazu, da
braucht sich dessen nicht zu schämen: spielt Widman gerade »Im Hippiebus
»Armut«, so heißt es wohl, »schändet nach Marrakesch«, und das passt wie
nicht«, aber »ein großer Glanz von in- Arsch auf Eimer, denn Stefan und ich
nen«, wie Herr Rilke so schön sagt, ists werden nächste Woche einen Bus kaufen
auch nicht! (taz 9. 8. 2011, 28). Dann passen beide
Armutszeugnis: ein Armutszeugnis [für Teile an der Naht zusammen wie Arsch
jmdn.] sein: der Nachweis für jmds. Unfä- und Eimer (www.visaton.de).
higkeit, Unvermögen sein: Es wäre ja ein Schütze Arsch (Soldatenspr. derb veral-
Armutszeugnis, wenn wir das nicht hin- tend): gering geschätzter einfacher Soldat:
kriegten (Kempowski, Tadellöser 204). ... stattdessen lebte er wie ein Schütze
jmdm. , sich, einer Sache [mit etw.] ein Arsch, obgleich die Generäle ihm in den
Armutszeugnis ausstellen: jmdn. , sich, et- Hintern krochen (Ruark [ bers.], Honig-
was als unfähig oder unzulänglich erwei- sauger 541). Von der Musterung ... bis zur
sen: Eine Regierung, die zu solchen Mit- Entlassung zeichnet Kofler ... den Alltag
teln greift, stellt sich ein Armutszeugnis des Schützen Arsch in unserem Nachbar-
.
aus. In der Tat: womit könnte ein Den- land (Spiegel 21, 1981, 205).
ker oder Künstler sich und seiner Zeit ein jmdm. geht der Arsch auf Grundeis/mit
größeres Armutszeugnis ausstellen als Grundeis (derb): jmd. hat (wegen einer zu
durch den Rat, irgendetwas, wie groß es erwartenden Bestrafung o. Ä.) große

58
Arsch

Angst: »Jetzt wird den Scheißern in Paris ♦ In der bildlichen Wendung wird ein A
doch der Arsch mit Grundeis gehn!«
(Borrell, Romeo 334). ... wie wird erst sein
Arsch auf Grundeis gehen, wenn hier nor-
physischer Defekt auf einen geistigen De-
fekt übertragen.
den Arsch zukneifen (derb): sterben:
M
Arsc

male Zustände eingetreten sind (Kirst, wenn ich morgen den Arsch zukneife,
08/15, 934). alles verklitschen (Spiegel 52, 1987,
♦ Als »Grundeis« bezeichnet man die 172).
am Boden von Binnengewässern gebil- den Arsch zusammenkneifen (derb): sich
dete Eisschicht, die bei Tauwetter kra- anstrengen, sich zusammennehmen: Es
chend losbricht. Das Rumoren eines Ge- müsse doch möglich sein, im Team für
wässers, das mit Grundeis geht, wird hier Deutschland den »Arsch zusammenzu-
auf das durch Angst ausgelöste Rumoren kneifen« und den »verdammten Egois-
in den Eingeweiden übertragen. Die Wen- mus« zu vergessen (SZ 6. 8. 1999, 35).
dung lässt sich bis in die 2. Hälfte des sich 〈Dativ〉 den Arsch abfrieren (derb):
18. Jahrhunderts zurückverfolgen. unter starker Kälte leiden müssen; völlig
mein Arsch ist doch keine Münzanstalt durchfrieren: Oberbruch ... wurde auf
(derb): so viel Geld habe ich nicht: Dau- dem ganzen kalten Dach gespielt. Bis wir
ernd soll ich dir ’nen neuen Fummel auftraten, froren sich die Eltern auf dem
kaufen, und immer vom Feinsten und Dachboden den Arsch ab (Zeit 41, 4. 10.
Teuersten – mein Arsch ist doch keine 1996, 41). ... dass »200 Menschen sich bib-
Münzanstalt! bernd den Arsch abfrieren« (Spiegel 48,
♦ Die bildliche Redensart ist wohl eine 1990, 41).
Anspielung auf den Esel im grimmschen sich 〈Dativ〉 den Arsch ablachen (derb):
Märchen »Tischlein, deck dich!«, der auf sich sehr amüsieren, heftig lachen: Ich
Geheiß Goldstücke von sich gibt. habe sowohl das Buch gelesen und auch
solang der Arsch in die Hosen passt, wird das Hörbuch gehört und habe mir bei bei-
keine Arbeit angefasst (derb): Redensart, dem gehörig den Arsch abgelacht (www.
mit der man zum Ausdruck bringt, dass ofdb.de, 21. 4. 2007).
man keine Lust hat zu arbeiten. sich 〈Dativ〉 den Arsch aufreißen (derb):
♦ Die Redensart spielt darauf an, dass je- sich anstrengen, um etw. Bestimmtes zu
mandem, dem es schlecht geht und der erreichen: Ich musste mir den Arsch auf-
hungern muss, die Kleider am Leib reißen, um an diese Männer ranzukom-
schlottern. men (Denneny [ bers.], Lovers 147).
den Arsch/Hintern hochkriegen (derb): »Deshalb reißt sich hier für die paar Krö-
sich zu etwas aufraffen, ein Problem anpa- ten, die wir kriegen, auch niemand den
cken: Es wird Zeit, dass ihr mal den Hin- Arsch auf«, sagte der Gefreite (Spiegel 12,
tern hochkriegt und was für euer Examen 1989, 58).
.
tut. Mann, diese Frauen machen mich jmdm. den Arsch aufreißen (derb): jmdn.
vielleicht wütend. Wie schnell die aufge- hart herannehmen, drillen: Dir werde ich
ben. Die kriegen einfach ihren Arsch den Arsch aufreißen, du beschissener
nicht hoch (King [ bers.], Buick 348). Dreckskerl (Simmel, Stoff 267). ... mit den
den Arsch offen haben (derb): nicht nor- bekannten Ausbilderflüchen wie: »Ich
mal, nicht bei Verstand sein: Da machte er werde euch den Arsch aufreißen!« wurde
eine Handbewegung, dass ihr Brot vom Marschalarm gegeben (MM 10./11. 9.
Tisch gefegt wurde. Sie stand auf und 1977, 54).
sagte: Du hast wohl den Arsch offen sich 〈Dativ〉 mit etw. den Arsch [ab]wi-
(M. Walser, Seelenarbeit 276). Als Apel ... schen können (derb): etw. , bes. ein
versicherte, Atomwaffen seien »ihrer Na- Schriftstück, als wertlos, ungültig, nicht
tur nach politische Waffen«, kommen- verbindlich ansehen können: Mit Ihrer
tierte eine junge Christin: »Der hat doch einstweiligen Verfügung können Sie sich
den Arsch offen« (Spiegel 36, 1985, 116). den Arsch wischen, wir ziehen hier nicht

59
Arsch

A .
aus! Mit deinem Antrag ... kannst du Elvis Costello in Wien-Oberlaa ... (Basta
dir den Arsch abwischen (Bieler, Bär 111). 7, 1983, 97).
Arsc ein ganzer Arsch voll (derb): sehr viel: Du ♦ In dieser Wendung steht »Arsch« derb
versäufst hier in der Kneipe dein Geld, für »Ende«, vgl. »am Ende der Welt«.
und zu Hause liegt ein ganzer Arsch voll jmdn. am/beim Arsch haben (derb): jmdn.
unbezahlter Rechnungen herum! Du für etwas verantwortlich machen: Warum
kannst das Feuerzeug behalten, ich habe der Spieß mich bloß dauernd am Arsch
noch ’nen ganzen Arsch voll davon. hat? Aber dich haben sie genauso am
das soll meinen Arsch nicht kratzen Arsch wie mich und jeden (Kuby, Sieg
(derb): das ist mir gleichgültig: Wenn er 152). Und wenn es herauskommt, wen ha-
will, kann er mich aus seinem Testament ben sie dann beim Arsch? Dich oder
streichen – das soll meinen Arsch nicht mich? (Apitz, Wölfe 70).
.
kratzen. Ob Hitler noch lebe? »Das soll sich 〈Dativ〉 etw. am Arsch abfingern/ab-
meinen Arsch nicht kratzen« (Kem- klavieren können (derb): sich etw. leicht
powski, Uns 279). denken, ausrechnen können: Was der Chef
einen kalten Arsch haben (derb): tot sein: zu deinen Eskapaden sagt, das kannste
... als wir ihn ... rauftrugen, hatte er schon dir ja am Arsch abfingern!
’nen kalten Arsch, und im Schauhaus leck mich am Arsch! (derb): 1. lass mich
wollte ich ihn auch nicht mehr sehn (Fr. in Ruhe! : ... verdünnisier dich, geh und
Wolf, Menetekel 319). Wenn ich ihn in leck mich am Arsch (Bamm, Weltlaterne
den Bunker gebracht hätte, dann hätte er 43). Leckt mich doch alle am Arsch,
jetzt schon ’nen kalten Arsch (Apitz, schrie Fänä, riss die Noten vom Boden
Wölfe 96). und lief raus (Degenhardt, Zündschnüre
einen kalten Arsch kriegen; sich 〈Dativ〉 32). 2. Ausdruck großer berraschung, An-
einen kalten Arsch holen (derb): sterben: erkennung, Verärgerung o. Ä. : Leck mich
Wenn wir hier nicht verschwinden, holen am Arsch, der hat mir doch glatt die Vor-
wir uns einen kalten Arsch. .
fahrt genommen! Denn immerhin ist
seinen Arsch verwetten (derb): sich einer dabei – leck mich am Arsch – eine Bun-
Sache sehr sicher sein: Ich verwette mei- desliga-Hinrunde mit 23 Punkten heraus-
nen Arsch, dass die Bayern in der nächs- gekommen (SZ 24. 12. 2002, 44). »30 Feh-
ten Saison wieder Meister werden. Die ler im Diktat, leck mich am Arsch«,
werden sich wieder alle vor der Arbeit murmelt er, als er rauskommt (Zeit 17. 7.
drücken, darauf kannst du deinen Arsch 2002, 61).
verwetten. ♦ Diese Aufforderung, die auch als
keinen Arsch in der Hose haben (derb): »Götz-Zitat« bezeichnet wird, wurde
sich nicht trauen; zu feige sein, etw. durch- wohl nicht zuletzt durch Goethes Drama
zuführen: Es gibt so viele Menschen, die »Götz von Berlichingen mit der eisernen
viel reden, aber keinen Arsch in der Hose Hand« (1771) besonders populär. Darin
haben (SZ 5. 5. 2007, 42). Er frage sich, wa- heißt es im 3. Aufzug: »Sag deinem
rum der Schiedsrichter »keinen Arsch in Hauptmann, vor ihro Kayserlichen Majes-
der Hose« hatte und die Ausführung des tät hab ich wie immer schuldigen Res-
Freistoßes nicht habe wiederholen lassen pekt. Er aber, sags ihm, er kann mich im
(SZ 8. 8. 2011, 30). Arsch lecken.«
am/an den Arsch der Welt (derb): an ei- jmdm. am Arsch vorbeigehen (derb):
nem/einen sehr abgelegen Ort: Mein jmdn. nicht berühren, kaltlassen: Deine
Freund wohnt am Arsch der Welt. Klar, . Vorwürfe gehen mir am Arsch vorbei. .
Mensch, da gibts doch keinen Zweifel, am ... er kümmert sich nicht darum, wie man
Arsch der Welt, das ist die Eifel (Kuby, korrekt miteinander umgeht, der mühse-
Sieg 15). Der kleine Held des letzten TV- lige soziale Aufstieg geht ihm mindestens
»Rockpalasts« kommt jetzt live an den genauso am Arsch vorbei wie die Zukunft
Arsch der Welt: Am 16. November spielt des Regenwalds (Woche 20. 4. 2000, 44).

60
Arschkarte – Art

aus einem traurigen/verzagten Arsch können (derb): etwas behalten können, A


fährt/kommt kein fröhlicher Furz (derb):
in einer tristen Situation kann man keine
Fröhlichkeit erwarten: Spaß statt Krampf
weil es der Sprecher nicht haben will, ver-
ächtlich zurückweist: Deine Geschenke
kannst du dir in den Arsch stecken!
M
Art

lautete das Motto. »Denn aus einem ver- sich 〈Dativ〉 in den Arsch beißen [können]
zagten Arsch kommt kein fröhlicher (derb): sich maßlos ärgern: Ich hätte mir
Furz«, so Sven, der auf das Unreglemen- vor Wut in den Arsch beißen können –
tierte, ja Rauschhafte der Studioarbeit ... fünf Richtige, und den Lottoschein nicht
verweist (FR 6. 3. 1999, 114). .
abgegeben! Wenn ich daran denke ... ,
jmdm. in den Arsch kriechen (derb): in könnt ich mich in den eigenen Arsch bei-
würdeloser Form jmdm. schmeicheln, sich ßen (Spiegel 41, 1976, 72).
unterwürfig verhalten: Na, das sind doch jmdn. nicht mit dem Arsch ansehen
solche, die den Behörden in den Arsch (derb): jmdn. seine Missachtung spüren
kriechen (Praunheim, Armee 2 954). lassen: Deine Freundin hat mich schwer
Wenn sie dann sah, was sie gemacht beleidigt, die sehe ich nicht mehr mit
hatte, wollte sie mir immer wieder in den dem Arsch an.
Arsch kriechen (Ossowski, Bewährung jmdm. mit dem [nackten] Arsch ins Ge-
31). sicht springen (derb): auf jmdn. losgehen,
jmdm./jmdn. in den Arsch treten (derb): ihn physisch bedrohen: Ich dachte, der
jmdn. mit groben Mitteln zu etwas veran- Chef springt mir mit dem nackten Arsch
lassen: Er arbeitet nur, wenn man ihm ab ins Gesicht.
und an kräftig in den Arsch tritt. ↑ Auge, ↑ Blei, ↑ dunkel, ↑ Himmel, ↑ Hoch-
im Arsch sein (derb): nicht mehr zu ge- zeit, ↑ Loch, ↑ Monogramm, ↑ Morgen-
brauchen sein; entzwei, ruiniert sein: stunde, ↑ Pech, ↑ Pfeffer, ↑ Quecksilber,
... dass jemand kommen musste, um das ↑ schleifen, ↑ Zucker.
Ding zu reparieren. Der Boiler war ziem- Arschkarte: die Arschkarte ziehen (derb):
lich im Arsch (Spiegel 9, 1981, 120). der Benachteiligte sein, den Schaden tra-
Deutschland ist im Arsch, da ist für die gen: Als WM-Vierter habe ich die Arsch-
nächsten tausend Jahre nichts mehr zu karte gezogen (Darmstädter Echo 9. 8.
wollen (Fühmann, Judenauto 139). 1997). Trittin hat ja die Arschkarte gezo-
in den Arsch gehen (derb): entzweigehen: gen: Als Grüner ein Umweltminister zu
Die Sicherung ist schon wieder in den sein und immer alles gegenüber der Par-
.
Arsch gegangen. ... drei Abende pro teibasis abrechnen zu müssen – darum
Woche, wo ich zu Hause bleiben muss, beneide ich ihn nicht (taz 20. 6. 2000, 4).
damit die Familiensituation nicht ganz in ♦ Die Wendung geht wohl darauf zu-
den Arsch geht (Rocco [ bers.], Schweine rück, dass früher die Fußballschiedsrich-
46). ter die Rote Karte in der Gesäßtasche tru-
etw. in den Arsch fahren (derb): etw. zu gen.
Schrott fahren: Er setzte sich besoffen ans Arschrunzeln: jmdn. ein [müdes] Arschrun-
Steuer und fuhr den neuen Schlitten von zeln kosten (derb): jmdn. keinerlei Mühe
seinem Alten in den Arsch. kosten: Es liegen ausreichend Versäum-
in den Arsch gekniffen sein (derb): sich in nisse und Straftaten vor, dass es mich nur
einer schlimmen Lage befinden, schlecht ein müdes Arschrunzeln kosten würde,
dran sein: Wenn der Libero auch nicht euch ... dingfest zu machen (Rausch, Zeit
spielen kann, sind wir ganz schön in den 222). Wenn ich aber die Faustskizze hier
.
Arsch gekniffen. Dabei sind die Chan- kriege, wird mich das Anpeilen von Wolf-
cen nicht gerade gleich verteilt ...: Die in hartsburg kaum ein Arschrunzeln kosten
Leipzig sind faktisch in den Arsch geknif- (Piontek, Stunde 78).
fen bei dieser gesamtdeutschen Hampelei Art: ... dass es [nur so] eine Art hat (ugs.):
(taz 12. 9. 1990, 14). wie es kaum besser sein könnte: ... die
sich 〈Dativ〉 etw. in den Arsch stecken Beine haben wir lang von uns gestreckt,

61
Arzt – Ast

A und wir spucken gemütlich in die Ge-


gend, dass es nur so eine Art hat (Re-
abzuhotten, bis der Arzt kommt (taz
30. 9. 1993, 23). Wo ist die deutsche Liebe
Arzt marque, Westen 111). Er quirlte das zur Sauberkeit geblieben? Die Sehnsucht
Stichwort »Kriegschronik« aus dem Steg- zu putzen und zu schrubben, bis der Arzt
reif auf, dass es eine Art hatte (Kuby, Sieg kommt? (Tagesspiegel 26. 7. 2000, 8).
313). Asbach: Asbach uralt (ugs. scherzh.): sehr
das ist doch keine Art [und Weise]! alt, veraltet: Keiner denkt darüber nach,
(ugs.): das gehört sich nun wirklich nicht! : dass viele unserer Wagen mehr als 35
Dass du die Verabredung nicht einhalten Jahre alt sind. Asbach uralt also (FR
konntest, kann ich ja verstehen. Aber 14. 10. 2000, 11). Ich bin schon immer un-
nicht schnell anzurufen, sondern uns um- ter der Lupe betrachtet worden. Ich finde
sonst warten zu lassen, das ist doch keine es blöd, dass Sachen rausgekramt werden,
Art! die Asbach uralt sind (SZ 11. 10. 1997).
nicht die feine [englische] Art sein: nicht ♦ Die sehr populäre Weinbrandmarke
fair sein: Wie die Parteibasis vom Präsi- »Asbach uralt« wird (ähnlich wie »Uralt
dium in dieser Frage einfach übergangen Lavendel«) als scherzhafte Verstärkung
wurde, das war auch nicht die feine eng- des Wortes »uralt« verwendet.
.
lische Art. Auf solche Weise den Kata- Asche: sich 〈Dativ〉 Asche aufs Haupt
log-Verkauf anzuheizen, wäre allerdings streuen; sein Haupt mit Asche bestreuen
nicht ganz die feine Art (MM 16. 5. 1975, (meist scherzh.): demütig bereuen: Er ge-
18). hörte zu denen, die nach dem Zusam-
aus der Art schlagen: anders als die übri- menbruch es nicht nötig hatten, sich
gen Familienangehörigen sein: Es ist wahr, .
Asche aufs Haupt zu streuen. In mei-
du warst ein Schauspielerkind, und wenn nem Freundeskreis gibt es schon eine
die Deinen spielten, so wollten sie gese- Reihe von Männern, die herumlaufen und
hen sein; aber du schlugst aus der Art sich Asche aufs Haupt streuen ... (Die-
(Rilke, Brigge 157). Musste sie nicht glau- richs, Männer 201).
ben, dass sie nichts taugte, wenn ihr Sohn ♦ Die Wendung ist biblischen Ur-
missriet, aus der Art schlug (Fels, Sünden sprungs. Sein Haupt mit Asche oder
19). Staub zu bestreuen, ist im Alten Testa-
in jmds. Art schlagen: einem seiner Ver- ment Ausdruck der Trauer (vgl. z. B.
wandten ähneln, nach jmdm. geraten: Die 2. Samuel 13, 19; Hiob 2, 12) und im
Tochter schlug ganz in die Art des Vaters. Neuen Testament zusätzlich Zeichen der
nach Art des Hauses: 1. (Gastron.) auf Reue (vgl. Matth. 11, 21; Lukas 10, 13).
eine dem Restaurant, der Küche eigentüm- ↑ Phönix, ↑ Sack, ↑ Schutt, ↑ Staub.
liche Weise zubereitet: Besonders zu emp- aschgrau: bis ins Aschgraue (ugs.): unend-
fehlen: Kutteln in Weißweinsoße nach lich lange, bis zum berdruss: Und in sol-
Art des Hauses. 2. (scherzh.) wie es bei chen Kommissionen wird dann bis ins
jmdm. üblich ist: Probleme mit den Be- Aschgraue diskutiert, ohne dass irgend-
hörden wurden nach Art des Hauses .
was dabei rauskommt. Die Furchtsam-
durch Bestechung oder Erpressung aus keit der Verleger geht ins Aschgraue (Tu-
.
dem Weg geräumt. Nach Art des Hau- cholsky, Werke II, 227).
ses trägt das Coupé wie alle sportlicheren Ass: ein Ass aus dem Ärmel ziehen: für ein
Mercedes-Modelle den Stern nicht auf der Problem eine überraschende Lösung fin-
Motorhaube, sondern im Kühlergrill den: Als alle das Spiel schon verloren
(NZZ 13. 2. 2001, Beilage Automobil). glaubten, zog der Trainer noch ein Ass
Arzt: bis der Arzt kommt (ugs.): ohne [zeitli- aus dem Ärmel.
che] Begrenzung, ohne Einschränkung, bis ↑ Aas.
zum berdruss: Das Programm dürfte bei Assmann: ↑ halten.
beiden Hamburger Bands zumindest für Ast: den Ast absägen, auf dem man sitzt
die Zuschauer schon feststehen: nämlich (ugs.): sich selbst seiner Lebensgrundlage

62
ata – Atem

berauben, seinen eigenen Sturz, Nieder- aufzuhalten (Frisch, Die Schwierigen A


gang bewirken: So dumm kann er doch
gar nicht sein, dass er selber den Ast ab-
.
sägt, auf dem er sitzt. Man muss im-
211).
ata: ata [ata] gehen (Kinderspr.): spazieren
gehen: Komm, mein Schätzchen, die Omi
M
Atem

mer wieder den Ast absägen, auf dem will mit dir ata gehen!
man sitzt, nur dann kommt man weiter, Atem: jmdm. geht der Atem aus: jmd. ist
nur dann wird man sich weniger langwei- physisch, wirtschaftlich o. ä. am Ende: Ge-
lig, als man es an sich schon in hohem gen Ende des Turniers ging dem Welt-
Maße ist (die.antimaterie.de). .
meister der Atem aus. Sie sollten dar-
einen Ast durchsägen (ugs. scherzh.): laut aus den Schluss ziehen, der Commercial
schnarchen: Mensch, hast du heute Nacht Bank hinter den Aaron- und B.-Läden
einen Ast durchgesägt! gehe langsam der Atem aus (Brecht, Gro-
sich 〈Dativ〉 einen Ast lachen (ugs.): heftig schen 171).
lachen: Franz lachte sich einen Ast, der Atem holen/(geh.): schöpfen: sich zu wei-
Junge nahm die Weiber wirklich ernst terem Tun rüsten: ... ein Investmentban-
(Döblin, Berlin 156). ker bekräftigt, dass Chile zum Ende des
♦ In dieser seit Mitte des 19. Jahrhun- Jahres wieder Atem schöpfen wird, vo-
derts belegten Wendung hat »Ast« die rausgesetzt dass es auf dem Weltmarkt ...
umgangssprachliche Bedeutung »ver- nicht zu neuen Turbulenzen kommt
wachsener Rücken, Buckel«. Die Vorstel- (www.condor.cl). Ich bin wieder in mei-
lung ist also, dass sich hier jemand vor nem Hause, aber nur für einen Augen-
Lachen krümmt. blick, nur um Atem zu holen ( Jens, Mann
auf dem absteigenden Ast sein/sich be- 69).
finden: über den Höhepunkt hinweg sein, einen langen Atem brauchen: für eine
in seinen Fähigkeiten, Leistungen nachlas- Auseinandersetzung, die Lösung eines
sen: Bei den diesjährigen Meisterschaften Problems o. Ä. das nötige Durchhaltever-
ist er schon in der Vorrunde ausgeschie- mögen brauchen, erfordern: Eine Gesamt-
den; der ist auch schon auf dem abstei- verkehrsstudie zeigt ... , dass die Entlas-
genden Ast. Die Firma soll sich auf dem tung der Innenstadt noch einen langen
absteigenden Ast befinden. Atem braucht (NZZ 4. 1. 2003, 12).
♦ Man hat versucht, die Wendung auf einen langen Atem haben, den längeren
den fachsprachlichen Gebrauch von Atem haben: es bei einer Auseinanderset-
»Ast« in der Mathematik und Physik (z. B. zung, einem Wettstreit o. Ä. lange, länger
Ast einer Hyperbel, Ast einer Geschoss- als der Gegner aushalten: Wir wollen
bahn) zurückzuführen. berzeugender doch mal sehen, wer von uns beiden den
ist der Bezug auf die herkömmliche Dar- längeren Atem hat. Die Guerillas haben
stellungsweise eines Stammbaums. Bei .
einen langen Atem. Er besaß einen lan-
Eheschließung zwischen Blutsverwand- gen Atem im Kampf (Gaiser, Jagd 122).
ten kommt die Familie wegen Ahnenver- einen kurzen Atem haben/besitzen:
lusts auf den absteigenden Ast. 1. kurzatmig, asthmatisch sein: Allerdings
sich auf die Äste/ (seltener:) auf den/ei- besitzen sie (= die Elchmenschen) einen
nen Ast hinauslassen (schweiz.): sich auf kurzen Atem, brauchen viele Ruhepausen
ein Wagnis einlassen: Die Tagespresse und können nicht besonders gut sehen
gibt zwar ihre Sympathien für den einen (userpage.fu-berlin.de). 2. kein Durchhal-
oder anderen Kandidaten zu erkennen, tevermögen haben, nur von relativ kurzer
ohne sich jedoch auf die Äste von Progno- Dauer sein: Das Projekt dieser Fusion be-
sen hinauszulassen (NZZ 1965, Bl. 2 230). saß aber einen kurzen Atem und wurde
Sie unterhielten sich ... vortrefflich ... und wegen nicht überbrückbarer Differen-
Ammann ließ sich schon weit auf den Ast zen ... bereits im Herbst abgebrochen
hinaus; auf dem Heimweg im Morgen- (www.bier.ch). Politische Börsen haben ...
grauen ... war die Verlobung nicht mehr einen kurzen Atem (www.neue-ag.de).

63
a tempo – au contraire

A den Atem anhalten: bei etw. große Beden-


ken haben im Hinblick auf seinen guten,
beschimpfte die Regierung, und im sel-
ben Atemzug bot er ihr Zusammenarbeit
a te glücklichen Verlauf, Ausgang: Die Welt .
an. Bitte – ich breche das Gespräch so-
hielt den Atem an, als auf dem Balkan die fort ab, wenn du Pius XII. und Hitler in ei-
.
ersten Schüsse fielen. Was war noch zu nem Atemzug nennst (Hochhuth, Stell-
sagen, außer dem anderen, das zwischen vertreter 82).
ihnen in der kalten Luft stand und vor Athen: ↑ Eule.
dem sie insgeheim den Atem anhielten? atmen: [wieder] frei atmen können (geh.):
(Müthel, Baum 15). sich nicht [mehr] unterdrückt fühlen: Nach
jmdm. den Atem verschlagen: jmdn. dem Sturz des Diktators konnten die Bür-
sprachlos machen: Jedes Mal, wenn man ger endlich wieder frei atmen. Sie musste
diese Stadt wiedersieht, verschlägt es ei- heraus aus der Enge der Familie, wollte
nem von neuem den Atem: Welche Di- frei atmen können, selbstständig sein. .
mensionen! (Dönhoff, Ära 73). ... stets erzählt Canino von seiner großen
jmdn. , etw. in Atem halten: jmdn. , etw. in Liebe zu dieser Musik, die in den dunklen
Spannung halten, nicht zur Ruhe kommen 40er- und 50er-Jahren nach Klangräumen
lassen: Die Ereignisse auf dem Subkonti- sucht, in denen sie wieder frei atmen
.
nent hielten die Welt in Atem. Es war kann (Tagesspiegel 19. 9. 2000, 26).
längst nicht mehr die Lust, die andern in ↑ Hose, ↑ Luft.
Atem zu halten, aus der Klenk an seinen Attacke: eine Attacke gegen jmdn. , etw.
Memoiren schrieb (Feuchtwanger, Erfolg reiten: sich scharf gegen jmdn. , etw. wen-
788). den: Die Opposition ritt die übliche Atta-
in einem/im selben/im gleichen Atem: cke gegen den neusten Haushaltsplan der
[ fast ] gleichzeitig: Er plädiert für Ent- .
Regierung. Monatelang hatten Aktio-
scheidungsfreiheit und verlangt von ihr näre Attacken gegen das Management
im selben Atem, dass sie sich seinen des Unternehmens geritten, ein veritabler
.
Wünschen fügt. Diese Selow ist Putsch wurde lanciert, von Revolution
schwermütig und ordinär, beides in ei- war die Rede (SZ 10. 5. 2004, 23).
nem Atem (Erich Kästner, Fabian 89). Attentat: ein Attentat auf jmdn. vorhaben
a tempo (ugs.): sofort, schnell: Solch eine (ugs. scherzh.): etwas von jmdm. wollen:
Angelegenheit kann nicht a tempo ent- Hoffentlich habt ihr euch noch nichts
schieden werden. Der Stift soll uns mal a vorgenommen, wir haben nämlich ein At-
tempo ein paar Bier besorgen! tentat auf euch vor.
Atemzug: bis zum letzten Atemzug (geh.): attisch: ↑ Salz.
bis zuletzt: Bis zum letzten Atemzug au: au Backe [mein Zahn]! (salopp): Ausruf
.
hatten sie die Grenze verteidigt. »Wäh- [unangenehmer] berraschung: Au Backe,
rend sich Verräter und Saukerle berei- mein Zahn! Der Pauker mit einem Stapel
cherten«, rief Greifer mit zügelloser Hefte unter dem Arm – das sieht nach
Berauschtheit, »haben wir uns bis zum .
Mathearbeit aus. Au Backe! Der Fritz
letzten Atemzug eingesetzt« (Kirst, hat eine Scheibe eingeschmissen und
08/15, 882). weiß nicht, was er tun soll (MM 24. 4.
im nächsten Atemzug: gleich danach: Der 1979, 15).
Kleine zieht einen Flunsch und fängt an auch: [wie] auch schon (schweiz.): [wie] be-
zu weinen, aber im nächsten Atemzug reits früher, bei früheren Gelegenheiten, in
.
lacht er schon wieder. Gibt es das, ein anderen Fällen: Er bleibt aber die Ant-
katholisches Gewissen? Die Bischöfe er- wort auf die Frage schuldig, warum seine
läuterten es im nächsten Atemzug: Das Partei, wie auch schon, Gewehr bei Fuß
heißt ... (Augstein, Spiegelungen 96). blieb (NZZ 83, 1970, 25).
in einem/im selben/im gleichen Atem- ↑ immer, ↑ Teufel.
zug: [ fast] gleichzeitig mit etw. im Grunde au contraire (bildungsspr.): im Gegenteil:
Gegensätzlichem: Der Oppositionsführer Unsere Firma in Schwierigkeiten? Au

64
auf – aufgeschoben

contraire, Verehrtester, uns geht es so gut sie alle drei fröhliche Auferstehung (Aug- A
wie nie! Es gab keinen Anlass zur Eile; au
contraire – man hatte ihnen mehr Zeit
eingeräumt, als sie brauchten.
stein, Spiegelungen 113).
auffahren: ↑ Geschütz.
auffassen: ↑ persönlich.
M
aufg

auf: auf und davon (ugs.): [schnell] fort: Als Aufforderung: Aufforderung zum Tanz
ich mich umdrehte, um ihm zu danken, (ugs.): Herausforderung: Das sogenannte
war er schon auf und davon. Noch in der Friedensangebot war in Wahrheit eine
Nacht wollte sie auf und davon gehen. Zumutung, eine unverhüllte Aufforde-
↑ Borg, ↑ Dauer, ↑ einmal, ↑ Hieb, ↑ Lepschi, .
rung zum Tanz! Sturmwarnung am
↑ neu, ↑ Nimmerwiedersehen, ↑ Probe, Chiemsee. Für einige Surfer und Segler
↑ Sitz, ↑ speziell, ↑ Sprung, ↑ Streich, scheinen die gelben Warnlampen rund
↑ Stutz, ↑ Treue, ↑ Tüttelchen, ↑ um, ↑ Ver- um den See geradezu die Aufforderung
dacht, ↑ Weg, ↑ weiter, ↑ Wiedersehen, zum Tanz zu sein. Immer wieder muss die
↑ Wort, ↑ Zuwachs. Wasserwacht ausrücken (SZ 15. 10. 1997,
aufbekommen: ↑ Mund. 59).
aufbinden: ↑ Bär, ↑ Rute. auffressen: ↑ fressen.
aufblasen: ↑ Schuh. aufführen: ↑ Freudentanz, ↑ Tanz.
aufbrechen: ↑ Ufer. aufgeben: ↑ Geist, ↑ Rätsel.
aufbrennen: jmdm. eins/einen aufbrennen aufgeblasen: ↑ Nachthemd.
(salopp): 1. jmdm. einen kräftigen Schlag aufgehen: wie ein Hefekloß/ein Pfannku-
versetzen: Der Kutscher hatte ihm vor chen/eine Dampfnudel aufgehen (ugs.):
Wut eins mit der Peitsche aufgebrannt. [in kürzerer Zeit] dick, korpulent werden:
2. jmdn. anschießen: Der Förster wollte Seine Frau ist in letzter Zeit aufgegangen
dem Wilddieb eins auf brennen, traf aber wie ein Hefekloß.
.
nicht. Ich träumte, dass ich dich killen ↑ Auge, ↑ Flamme, ↑ Herz, ↑ Kirchenlicht,
wollte, dich einfach abmurksen, dir einen ↑ Knopf, ↑ Kronleuchter, ↑ Laterne, ↑ Licht,
auf brennen wollte, um von dir loszukom- ↑ Messer, ↑ Rauch, ↑ Rechnung, ↑ Seifensie-
men (Amory [ bers.], Matten 174). der.
aufdecken: ↑ Karte. aufgehoben: bei jmdm. , irgendwo gut/
aufdrehen: ↑ Gashahn. schlecht o. ä. aufgehoben sein: bei
aufdrücken: jmdm. einen aufdrücken jmdm. , irgendwo [nicht] in guter o. ä. Ob-
(ugs.): jmdm. einen Kuss geben: Sie war hut sein: Die Kinder sind bei den Großel-
ein bisschen angetütert, ließ sich gehen .
tern gut aufgehoben. Lassen Sie die Er-
und drückte mir unter dem Mistelzweig innerung daran meine Sache sein, bei mir
einen auf (Ruark [ bers.], Honigsauger ist sie wohl aufgehoben (Th. Mann, Krull
391). 257).
↑ Stempel. ↑ aufgeschoben.
Aufenthalt: Aufenthalt nehmen (Papierdt.): aufgelegt: zu etw. aufgelegt sein: in der
eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Stimmung sein, etw. Bestimmtes zu tun:
Ort verweilen: Vorübergehend nahm sie in Die Schüler sind mal wieder zu Streichen
.
Berlin Aufenthalt. Bald danach hatte er .
aufgelegt. Zu einem Scherz war sie
ein langes Gespräch mit Rabbi Elimelech, überhaupt nicht mehr aufgelegt (Bastian,
wonach er in Lanzut ... Aufenthalt nahm Brut 152).
(Buber, Gog 99). aufgeschoben: aufgeschoben ist nicht auf-
Auferstehung: [fröhliche] Auferstehung gehoben: das wird zu einem späteren
feiern (iron. od. scherzh.): (von etw. längst Zeitpunkt ganz bestimmt besorgt oder er-
Vergessenem, berholtem o. Ä.) plötzlich ledigt: Wir können den Trachtenumzug in
wieder in Mode kommen, wieder Geltung diesem Jahr nicht durchführen, aber auf-
haben: Das Wunschdenken Achesons ... geschoben ist nicht aufgehoben. .
der Selbstbetrug des John Foster Dulles ... ... zwei Stunden unter Wachtmeister
die Weltfremdheit Kissingers – hier feiern Platzek hätten ihm gut getan. Aber aufge-

65
aufhaben – aufmerksam

A schoben ist ja nicht aufgehoben (Kirst,


08/15, 85).
♦ Früher war es beim Schaufechten üb-
lich, die Waffen vor dem Kampf in einem
aufh ♦ Die Redensart ist lateinischen Ur- festgelegten Zeremoniell aufzuheben, um
sprungs und lässt sich ins 5. Jahrhundert, die Zuschauer zu beeindrucken. Auf die-
nämlich auf Arnobius den Jüngeren, zu- ses Zeremoniell beziehen sich die hier vo-
rückführen. In seinem »Kommentar zu rausgehenden Wendungen.
den Psalmen« heißt es: »Quod differtur, aufhorchen: aufhorchen lassen: [allge-
non aufertur« (zu Psalm 36). meine] Aufmerksamkeit erregen: Schon
aufhaben: ↑ 1 Hut. ihre frühe Prosa hatte in Fachkreisen auf-
aufhalten: ↑ Auge, ↑ Hand, ↑ Reisende. .
horchen lassen. Er wills nicht glauben;
aufheben: ↑ Stein, ↑ Tafel. er hat Gründe, die aufhorchen lassen
Aufheben: viel Aufheben[s] [von etw. , (Frisch, Gantenbein 311). Die Nachricht,
jmdm.] machen: etw. , jmdn. übertrieben dass Altpapier neuerdings der Kehricht-
wichtig nehmen u. überf lüssigerweise die verbrennung zugeführt wird, lässt auf-
Aufmerksamkeit anderer auf die betref- horchen (NZZ 27. 8. 1986, 9).
fende Sache, Person lenken: Mach nicht so aufhören: da hört sich doch alles auf!
viel Aufhebens! Unsere Freunde kommen (ugs.): Ausruf des Erstaunens, der Empö-
zu Besuch, nicht der Kaiser von China! . rung: Da hört sich doch alles auf ! Erst vor
Die Leute auf der Straße machten nicht der Garageneinfahrt parken und dann
viel Aufhebens von dem bunten Zuge .
auch noch pampig werden! Was, du
(Sieburg, Blick 44). kennst ihn nicht? Aber da hört sich doch
kein Aufheben[s] [von jmdm. , etw./um alles auf ! (K. Mann, Wendepunkt 155).
jmdn. , etw./wegen jmds. , etw.] machen: ↑ Gemütlichkeit, ↑ schmecken, ↑ Spaß,
jmdm. , etw. keine besondere Bedeutung ↑ verschieden, ↑ Weltgeschichte.
beimessen: Kein Aufhebens machen vom aufklären: es klärt sich auf zum Wolken-
eigenen Talent und von den Sachen, mit bruch (ugs. scherzh.): es fängt heftig an zu
denen man sein Geld verdient (www. regnen: Bleibt besser zu Hause, es klärt
spiegel.de, 26. 6. 2000). ... wollte wegen sich gerade auf zum Wolkenbruch!
der Geldstrafe von 1 500 Schilling aber aufklingen: ↑ Saite.
kein Aufhebens machen, zahlte halt und aufkrempeln: ↑ Ärmel.
dachte, damit wäre die Sache erledigt aufkriegen: ↑ Mund.
(recht.nwy.at). Typisch war das für den auflaufen: ↑ Form.
Nikolaus, er wollte kein Aufhebens ma- auflegen: ↑ Platte.
chen um seine Person (www.ekiba.de). Sie auflesen: ↑ Gosse, ↑ Straße.
wollen optisch elegante Seiten, aber auch auflösen: ↑ Bestandteil, ↑ Luft, ↑ Rauch,
Seiten, die kein Aufhebens machen ↑ Träne, ↑ Wohlgefallen.
(www.coolsite.de). aufmachen: ↑ Auge, ↑ Büro, ↑ Dampf, ↑ Fass,
nicht des Aufhebens wert sein (geh.): ↑ Mund, ↑ Ohr, ↑ Rechnung, ↑ Schnabel,
nicht das Aufsehen, das etwas erregt, ↑ Schnauze.
rechtfertigen: Die ganze Angelegenheit ist aufmerksam: [jmdn.] auf jmdn. , etw. auf-
.
nicht des Aufhebens wert. Es war nicht merksam machen: jmdn. auf jmdn. , etw.
des Aufhebens wert, das man davon hinweisen: Wir machen darauf aufmerk-
machte (Sebastian, Krankenhaus 69). sam, dass sich die Öffnungszeiten wie
ohne [jedes/großes/viel o. ä.] Aufheben folgt geändert haben. Sie machte das Auf-
(geh.): ohne große Umstände: Hinzu kam, sichtspersonal auf den rauchenden Fahr-
dass Asch Extraschnäpse ohne jedes Auf- gast in der U-Bahn aufmerksam.
heben spendierte (Kirst, 08/15, 14). [auf jmdn. , etw.] aufmerksam werden:
... Schuldscheindarlehen, die besonders jmdn. , etw. wegen einer gewissen Auffäl-
von Versicherungsgesellschaften ohne gro- ligkeit wahrnehmen: Der Polizist war auf
ßes Aufheben, aber zu hohen Zinssätzen ihn aufmerksam geworden, als sich der
gewährt wurden (Spiegel 21, 1966, 44). Jugendliche an dem geparkten Wagen zu

66
aufnehmen – aufsteigen
.
schaffen machte. Nimm den Kopf nicht künstlich auf, es ist ja gar nichts A
.
hoch, Rosamund, die Leute werden schon
aufmerksam (Gaiser, Schlußball 145).
aufnehmen: es mit jmdm. , mit etw. auf-
passiert. Du brauchst dich gar nicht
künstlich aufzuregen. Gib mir was Pas-
sendes, oder behalte deinen Krempel
M
aufs

nehmen [können]: den Wettstreit mit (Ott, Haie 34).


jmdm. , etw. nicht zu scheuen brauchen; aufregend: ↑ Farbe.
mit jmdm. , etw. konkurrieren, sich messen aufreißen: ↑ Arsch, ↑ Auge, ↑ Klappe,
können: Mit der Wirtschaftlichkeit dieses ↑ Mund.
Autos kann es kein Konkurrenzmodell aufsagen: ↑ Spruch, ↑ vorwärts.
.
aufnehmen. ... unser Kaiser hatte aufschieben: ↑ aufgeschoben.
Schneid genug, es mit der ganzen feigen aufschlagen: ↑ Buch, ↑ Zelt.
Bande aufzunehmen (K. Mann, Wende- Aufsehen: zum Aufsehen mahnen
punkt 44). (schweiz.): die öffentliche Aufmerksamkeit
↑ Arm, ↑ Fehdehandschuh, ↑ Gnade. herausfordern: Es ist deshalb nahelie-
aufpassen: aufpassen wie ein Schießhund/ gend, dass die Entwicklung der Familien
wie ein Heftelmacher, (südd. , österr. :) in diesem Land immer aufmerksam ver-
Haftelmacher/wie ein Luchs (ugs.): bei folgt wurde und dabei gewisse Zahlen
etw. besonders genau, scharf aufpassen, zum Aufsehen mahnten (NZZ 16. 5. 2001,
damit einem nichts entgeht: Abschreiben? 15).
Das kannst du vergessen. Der alte Pauker aufsetzen: ↑ Dämpfer, ↑ Dickkopf, ↑ Fass,
.
passt auf wie ein Luchs. ... wenn Mau- ↑ Glanzlicht, ↑ Horn, ↑ Kopf, ↑ Krone,
rits nicht aufpasste wie ein Haftelmacher ↑ Trotzkopf.
... hätten es ihm die Dorf buben längst zu aufsperren: ↑ Auge, ↑ Löffel, ↑ Mund, ↑ Ohr,
Schrott gefahren (Zauner, Fische 45). Und ↑ Schnabel.
wie ein Schießhund hat er aufgepasst, aufstecken: ↑ Licht.
dass keiner ihm ein Wörtlein an seinen aufstehen: da musst du früher/eher auf-
Texten änderte (Hörzu 25, 1975, 18). stehen (ugs.): da musst du dir schon etwas
♦ Schießhund hieß früher in der Jäger- Besseres einfallen lassen, um etw. auszu-
sprache ein Hund, der das angeschossene richten: Du kannst mich nicht beleidigen.
Wild aufzuspüren hatte. Große Anforde- Da musst du früher aufstehen (Brot und
rungen an die Aufmerksamkeit bei der Salz 24). ... man muss früher aufstehen,
Arbeit wurden früher auch an die Heftel- wenn man der ... Theologie ein Schnipp-
macher gestellt, die die kleinen Häkchen chen schlagen will (Winckler, Bomberg
und Spangen zum Zusammenhalten der 160).
Kleidungsstücke herstellten. nicht mehr/nicht wieder aufstehen (ver-
aufrecht: aufrechter Gang: Selbstbewusst- hüll.): nicht wieder gesund werden u. ster-
sein; Zivilcourage [gegenüber den Herr- ben: Mit siebzig hatte er einen Schlagan-
schenden]: Der rheinische Katholizismus, fall, und wir fürchteten alle, er würde
in dessen Klima er aufwuchs, hatte nichts nicht wieder aufstehen.
von verbiegender Bigotterie an sich, son- mit dem linken/falschen Bein/Fuß [zu-
dern erzog zum aufrechten Gang (SZ erst] aufgestanden sein (ugs.): schlecht
20. 7. 2002, 12). gelaunt sein: Warum bist du denn so
sich nicht mehr/kaum noch aufrecht hal- brummig? Bist wohl mit dem linken Bein
ten können: zum Umsinken müde, völlig zuerst aufgestanden?
erschöpft sein: Es war noch früh, erst ge- ♦ Die Wendung wurzelt in der abergläu-
gen sechs, aber ich konnte mich einfach bischen Auffassung, dass die linke Seite
nicht mehr aufrecht halten (Kemelman die Unglücksseite ist. Mit dem linken,
[ bers.], Mittwoch 215). dem verkehrten Bein aufzustehen, galt als
aufregen: sich künstlich aufregen (ugs.): schlechtes Vorzeichen.
sich ohne triftigen Grund oder in übertrie- ↑ Huhn.
bener Weise aufregen: Nun reg dich bloß aufsteigen: ↑ weiß.

67
aufstellen – Auge

A aufstellen: ↑ Borste.
Aufstellung: Aufstellung nehmen: sich auf-
macht hier im Haus? (H. Kolb, Wilzen-
bach 51). Am Montag kommt er wieder
aufs stellen: Später nehmen zwei Hirten vor ei- vorbei und wird seine Aufwartung ma-
nem Tisch Aufstellung und singen im chen (Langgässer, Siegel 137).
Wechsel (Chotjewitz, Friede 193). Die Aufwasch[en]: das ist ein Auf-
vierte Kolonne ... hat auf der Place des wasch[en]/Abwasch[en]; das geht/das
Victoires Aufstellung genommen (Sie- machen wir in einem Aufwasch[en]/Ab-
burg, Blick 84). wasch[en] (ugs.): das lässt sich alles zu-
aufstoßen: [jmdm.] übel/sauer aufstoßen: sammen erledigen: Wenn ich den Koffer
[ jmdm.] Unbehagen, Ärger o. Ä. verursa- aufgebe, kann ich auch gleich die Fahr-
chen: Dass diese Ausgaben in Zeiten karten besorgen, das ist dann ein Auf-
übel aufstoßen, in denen vor allem im .
wasch. Finanziell besteht also keinerlei
Geldbeutel der Bürger gespart wird, ist Grund, die Pflegeversicherung in einem
den Betroffenen bewusst (FR 15. 1. 1994, Aufwasch mit den anderen Sozialversi-
1). Es ist merkwürdig genug: Nach neun cherungen hektisch zu reformieren (Zeit
Jahren stößt den Deutschen der Krieg 10. 9. 2003, 34).
sauer auf (Tucholsky, Werke II, 266). Die- ♦ Mit »Aufwasch« ist das Geschirrspü-
ses Vorgehen stieß dem Referendumsko- len gemeint, bei dem es nichts ausmacht,
mitee sauer auf (Basler Zeitung 9. 10. wenn noch ein Teller oder Glas mehr ge-
1985, 12). spült werden muss.
aufsuchen: ↑ Boden. aufwecken: ↑ Tote.
auftauchen: ↑ Versenkung. aufweisen: etw. aufzuweisen haben: etw.
Auftrag: etw. [bei jmdm.] in Auftrag geben [zu seinen Gunsten] haben, verfügen: Ha-
(Kaufmannsspr.): etw. [bei jmdm.] bestel- .
ben Sie Referenzen aufzuweisen? ... er
len: Der Stadtrat hatte einen Entwurf für gehörte zu den Erfolgreichen und hatte
eine Neugestaltung des Rathausplatzes in über ein Dutzend Abschüsse aufzuweisen
Auftrag gegeben. Ich habe bei meinem (Gaiser, Jagd 157).
Schneider einen neuen Smoking in Auf- aufwiegen: ↑ Gold.
.
trag gegeben. Er gab dem Zimmer- aufwirbeln: ↑ Staub.
mann einen Zeichentisch und anderes aufzäumen: ↑ Pferd.
Gerät in Auftrag (Hesse, Narziß 377). aufziehen: ↑ Saite.
auftragen: dick auftragen (ugs. abwer- Augapfel: jmdn. , etw. wie seinen Augapfel
tend): übertreiben: Die Handlung war un- hüten: jmdn. , etw. besonders sorgsam be-
geschickt, das Sentimentale dick aufge- hüten: Sie hütete das Liebespfand wie ih-
tragen (K. Mann, Wendepunkt 87). Joseph .
ren Augapfel. Deshalb hütet er den
empfand nicht die dick aufgetragene Bit- Nachwuchsstar wie seinen Augapfel (Ki-
terkeit und Tücke in den Worten der cker 6, 1982, 13).
Frauen (Th. Mann, Joseph 484). ♦ Die Wendung ist biblischen Ur-
♦ Die Wendung bezog sich ursprünglich sprungs. So heißt es z. B. im »Lied Mo-
auf das zu dicke Auftragen der Farbe ses«: »Er (= Gott) umfing ihn und hatte
beim Malen und das zu starke Auftragen Acht auf ihn; er behütete ihn wie seinen
von Schminke. Augapfel« (5. Moses 32, 10).
auftun: ↑ Mund, ↑ Ohr. Auge: das Auge des Gesetzes (scherzh.):
aufwärmen: ↑ Kohl. die Polizei: Das gestrenge Auge des Geset-
Aufwartung: jmdm. seine Aufwartung ma- zes duldete kein Parken auf dem Platz vor
chen (veraltend; noch scherzh.): jmdm. ei- dem Schloss.
nen Höf lichkeitsbesuch abstatten: Er bat ♦ Dieser idiomatische Ausdruck ist
darum, den Damen am Sonntag seine durch Schillers »Lied von der Glocke«
.
Aufwartung machen zu dürfen. Wün- (»... denn das Auge des Gesetzes wacht«)
schen Sie vielleicht auch noch, dass der allgemein gebräuchlich geworden. Die
Herr Offizier Ihnen seine Aufwartung Metapher vom Auge des Gesetzes ist als

68
Auge

»Auge der strafenden Gerechtigkeit« be- hen kann: Vor ihnen liegt, so weit das A
reits bei Autoren der Antike vorgeprägt.
jmdm. gehen die Augen auf (ugs.): jmd.
durchschaut plötzlich einen Sachverhalt,
Auge reicht, fruchtbares Weideland.
die Augen sind größer als der Magen
(fam.): sich mehr auf den Teller tun, als
M
Auge

erkennt Zusammenhänge, die er vorher man essen kann: Na, da waren die Au-
nicht gesehen hatte: Da gingen ihm die gen wohl mal wieder größer als der Ma-
Augen auf: Die beiden kannten sich na- gen.
türlich und wollten ihn hereinlegen. Als ♦ Die Redensart findet sich bereits in ei-
sie ihn für ihre Propagandazwecke ein- ner anonymen Sammlung von 1532 mit
spannen wollten, gingen ihm endlich die dem Wortlaut »Die Augen seyndt weitter
Augen auf. denn der Bauch«.
jmdm. gehen die Augen über: 1. (ugs.) vier Augen sehen mehr als zwei: zwei
jmd. ist von einem Anblick überwältigt: Menschen, die gemeinsam aufpassen, ent-
Am Ende möchten dem Bürger »von so geht weniger als einem [und sie sind weni-
viel Staat ... noch die Augen übergehen« ger gefährdet]: Ich verstehe nicht, warum
(Spiegel 21, 1975, 36). 2. (geh.) jmd. be- du ohne mich dorthin fahren willst, vier
ginnt zu weinen: Den wartenden Frauen Augen sehen doch mehr als zwei.
gingen die Augen über, als die Verschüt- Augen zu und durch (ugs.): das Vorhaben
teten tot geborgen wurden. wird ohne Beachtung von Bedenken, Ein-
♦ In der 2. Bedeutung findet sich die wänden, Widrigkeiten durchgeführt: Die
Wendung bereits im Johannesevangelium alte Bundesregierung habe nach dem
(11, 35), wo es von Jesus beim Anblick des Motto »Augen zu und durch« den deut-
toten Lazarus heißt: »Und Jesu gingen die schen Atommüll ins Ausland verschoben
Augen über.« (SZ 12. 3. 2001, 1).
ganz Auge und Ohr sein (ugs.): genau auf- kleine Augen machen (ugs.): sehr müde
passen: Schon nach wenigen Minuten wa- sein [und die Augen kaum noch offen
ren die Kinder ganz Auge und Ohr und halten können]: Kind, du gehörst ins
folgten gebannt dem Spiel. Bett, du machst ja schon ganz kleine
da bleibt kein Auge trocken (ugs.): 1. alle Augen!
weinen vor Rührung: Und dann die [große] Augen machen (ugs.): staunen,
Schlussszene. Die geht einem unter die sich wundern: Der hat vielleicht Augen
Haut, da bleibt kein Auge trocken. 2. alle gemacht, als ich mit einem Porsche an-
lachen Tränen: Für die fünfteilige Unter- .
kam. Von Helena hatte er sich bereits
haltungsserie ... verspricht man: »Da gestern verabschiedet, und wenn er sie
bleibt kein Auge trocken!« (MM 21./22. 9. jetzt noch einmal besuchte, würde sie
1971, 23). 3. keiner bleibt davon verschont: große Augen machen (Geissler, Wunsch-
... die gehen ran wie Blücher. Da bleibt hütlein 119).
kein Auge trocken (Kuby, Sieg 229). Tem- Augen machen wie ein [ab]gestochenes
peramentgeladene Löwen (= die unter Kalb (ugs.): dümmlich dreinblicken: In fla-
dem Sternbild Löwe Geborenen) kommen granti ertappt, machte er Augen wie ein
auf ihre Kosten! Es bleibt kein Auge tro- abgestochenes Kalb.
cken (Bild und Funk 3, 1967, 51). jmdm. [schöne] Augen machen (ugs.): mit
♦ Die Redensart in ihrer ursprünglichen jmdm. f lirten: Ganz unten am Tisch sa-
ersten Bedeutung ist ein Zitat aus Johann ßen ... Werner, der Ingeborg wieder
Daniel Falks 1799 erschienenem Gedicht schöne Augen machte, und ich (Lentz,
»Paul. Eine Handzeichnung«. Muckefuck 181). Sie habe panische Angst,
jmds. Augen brechen (geh.): jmd. stirbt: von Männern abgewiesen zu werden,
... die Augen wollen brechen, die Welle wenn sie ihnen schöne Augen mache
überschwemmt mich und löscht mich (Hörzu 45, 1970, 145).
dunkel aus (Remarque, Westen 55). [jmdm.] verliebte Augen machen (ugs.):
so weit das Auge reicht: so weit man se- jmdn. verliebt ansehen: Der Oberkellner

69
Auge

A machte der Chefin verliebte Augen. . null dreht (Stern 39, 1980, 22). »Der hat
Sie ... machte verliebte Augen, guckte ihn ’nen Abgang gemacht«, »die Augen auf
Auge groß an (Hilsenrath, Nazi 115). null gestellt«, kommentieren die Fixer
das Auge beleidigen: das ästhetische aus der Szene, wenn es einen von ihnen
Empfinden verletzen: Die Farben beleidi- erwischt (Spiegel 23, 1977, 185).
.
gen mein Auge. Die Reduktion der Mit- jmdm. die Augen öffnen: jmdn. darüber
tel bewirkt, dass Langers Botschaften nie auf klären, wie unerfreulich etw. in Wirk-
plakativ sind, nie mit erhobenem Zeige- lichkeit ist: Ich glaube, ich muss dir mal
finger anklagen oder das Auge beleidigen über deinen Freund die Augen öffnen. .
(www.shopart.com). Könnten Sie nicht einmal zu uns kom-
die Augen aufmachen/aufsperren/auftun men und Gerda ein wenig die Augen für
(ugs.): achtgeben, was um einen herum die Unreife von Hans und seinen Gefähr-
vorgeht: Mach die Augen auf, wenn du ten öffnen? (Musil, Mann 309).
über die Straße gehst! Man muss schon ein Auge/beide Augen zudrücken (ugs.):
die Augen auftun, wenn einem bei dem etw. nachsichtig, wohlwollend übersehen:
Skizirkus nichts passieren soll. Der Lehrer hatte noch einmal ein Auge
die Augen aufreißen (ugs.): äußerst er- zugedrückt und so waren sie von der ge-
staunt sein: Eine Kleiderrechnung für 180 fürchteten Strafe glücklich verschont ge-
Rubel hält sie dir unter die Nase. Da wirst .
blieben. ... ich hätte damals Methoden
du die Augen aufreißen ... wirst dich dre- angewendet, bei denen man heute beide
hen und wenden (www.uni-bielefeld.de). Augen zudrücken müsste (H. Weber, Ein-
Er sprang auf, als Goldmund kam, und zug 77).
riss die Augen auf (Hesse, Narziß 274). ein Auge riskieren (ugs.): einen verstohle-
kaum die Augen aufhalten können (ugs.): nen Blick auf jmdn. oder etw. werfen: Er
sich kaum wach halten können: Du hast wusste, dass die Mädchen im Umkleide-
den ganzen Tag für zwei geackert. Was raum waren, und hätte gern ein Auge ris-
Wunder, wenn du kaum noch die Augen .
kiert. Der lässt sich lieber die Eselsoh-
aufhalten kannst! ren abreißen, als dass er ein Auge auf
Augen und Ohren aufhalten (ugs.): auf- Lore riskiert (Kirst, 08/15, 13).
merksam etw. verfolgen: Vielleicht findet kein Auge zutun/zumachen (ugs.): nicht
sich noch ein Ferienjob für dich. Ich werd schlafen [können]: Sie hatte vor Kummer
auf jeden Fall Augen und Ohren aufhal- die ganze Nacht kein Auge zugetan. .
ten. Glauben Sie vielleicht, wir hätten heute
die Augen offen haben/offen halten: Nacht ein Auge zugetan? (Zuckmayer,
achtgeben, aufpassen, damit einem nichts Hauptmann 86).
entgeht: »Die Augen offen halten«, rät ein Auge/ein paar Augen voll Schlaf neh-
folglich die Polizei (www.paragon.de). men (ugs.): ein wenig schlafen: Bevor wir
Man muss die Augen offen haben für den zur nächsten Etappe auf brechen, möchte
vielfältigen Zauber, den die Natur hier ich noch ein Auge voll Schlaf nehmen. .
bietet (Gast, Bretter 73). So versuchen wir ein Auge voll Schlaf zu
die Augen schließen/zumachen/zutun nehmen (Remarque, Westen 33).
(verhüll.): sterben: Was also geschieht mit seine Augen überall/vorn und hinten ha-
den Menschen, die wir geliebt haben, ben (ugs.): alles genau beobachten, damit
wenn sie die Augen schließen? (Thielicke, einem nichts entgeht: Es war nicht viel mit
Ich glaube 184). Mehr hatte der Alte ei- Faulenzen auf dem Bau, denn der Polier
gentlich nie gewollt ... Er konnte ruhig die hatte seine Augen überall. Eine Kinder-
Augen schließen und tat dies vier Monate gärtnerin muss ihre Augen vorn und hin-
später (Thieß, Reich 443). ten haben.
die Augen auf null stellen/drehen (sa- hinten keine Augen haben (ugs.): nicht
lopp): sterben: Ich hatte jedenfalls tierisch sehen können, was hinter einem vor sich
Schiss, dass mein Kollege die Augen auf geht: Entschuldigung, dass ich Sie getre-

70
Auge

ten habe, aber hinten habe ich keine Au- ckigen Kerle geworfen und es auch schon A
gen.
Augen im Kopf haben (ugs.): etw. durch-
schauen, beurteilen können: Ich weiß, was
zu ersten Knutschereien mit ihnen ge-
bracht haben (MM 1. 9. 2004). 2. sich
jmdn. , etw. ansehen: Damit könnte der
M
Auge

mit den beiden los ist, ich habe doch Au- Besucher nicht nur ein Auge auf dieses
.
gen im Kopf ! ... und es ist ja auch wirk- architektonische Kleinod werfen, sondern
lich für jeden Menschen, der Augen im auch den spektakulären Panoramablick
Kopf hat, eine Freude, diese junge Frau auf den Central Park, die Upper West Side
anzusehen (Fallada, Mann 122). und die Hochhauskulisse von Midtown
hast du/haben Sie usw. keine Augen im genießen (NZZ 1. 7. 2004, 45).
Kopf? (ugs.): kannst du/können Sie nicht ♦ In der Bedeutung »die Augen von
aufpassen?: Du hättest mich fast umge- jmdm. nicht abwenden können« findet
rissen, hast du denn keine Augen im sich der Ausdruck bereits in der Bibel. So
Kopf ? heißt es in der apokryphen »Geschichte
Augen haben wie ein Luchs: sehr scharf von Susanna und Daniel« (Vers 8 f.): »Und
sehen und alles bemerken: Der Chefin ent- da sie die Ältesten sahen täglich darin (=
geht nichts, die hat Augen wie ein Luchs. Garten) umhergehen, wurden sie gegen
sich nach jmdm. , etw. die Augen ausgu- sie entzündet mit böser Lust ... und war-
cken/aus dem Kopf gucken/schauen fen die Augen so ganz auf sie, dass sie
(ugs.): angestrengt nach jmdm. , etw. Aus- nicht konnten gen Himmel sehen und ge-
schau halten: Da bist du ja endlich, ich dachten weder Gottes Wort noch Strafe.«
habe mir schon seit Stunden die Augen ein Auge auf jmdn. , etw. haben: 1. auf
nach dir ausgeguckt. Ich habe mir die Au- jmdn. , etw. achten, aufpassen: Die Regie-
gen aus dem Kopf geguckt: kein Taxi weit rung muss auf diese Radikalinskis ein
und breit. .
Auge haben. Aber er vergaß keines-
sich die Augen ausweinen/rot weinen/ wegs, während der nächsten Tage ein
aus dem Kopf weinen: heftig weinen: Auge darauf zu haben, ob zwischen den
Sitzt in ihrem Zimmer und weint sich die beiden Lehrern wieder ein gutes Einver-
Augen aus dem Kopf, das arme Kind. So nehmen bestehe (Hesse, Narziß 17). 2. an
ist das beim ersten Liebeskummer. Das . jmdm. , etw. Gefallen finden: Zum Ge-
Fräulein kann sich nun die Augen auswei- burtstag schenkte er ihr das Armband,
nen um ihren toten Schatz (Hausmann, auf das sie schon lange ein Auge hatte. .
Salut 198). Trotzdem hatte ich den ganzen Abend ein
jmdm. [am liebsten] die Augen auskrat- Auge auf Diemut (Gaiser, Schlußball 183).
zen [mögen] (ugs.): auf jmdn. so wütend nur Augen für jmdn. , etw. haben (ugs.):
sein, dass man ihm am liebsten etwas Bö- jmdn. , etw. ganz allein beachten: Seit dem
ses antun möchte: Sie musste ... sich auch Studentenball hat er nur noch Augen für
gegen seine amourösen Attacken wehren. .
die neue Bibliothekarin. Aber sie hat-
Trotzdem wollte die eifersüchtige ten nur Augen für Grün und Gold und ih-
schwarze Anita ihr die Augen auskratzen ren Chef, der jetzt aus den Lautsprechern
(www.spiegel.de, 8/2000). ... wer mir in zu ihnen sprach (Bieler, Bonifaz 232).
mein Gehege kommt, dem kratze ich ein Auge für etw. haben: das richtige
rücksichtslos beide Augen ... aus (Lang- Verständnis, das nötige Urteilsvermögen
gässer, Siegel 460). für etw. haben: Lass ihn das machen, er
ein Auge auf jmdn. , etw. werfen (ugs.): hat das Auge dafür! Sie hat ein ausgespro-
1. sich für jmdn. , etw. zu interessieren be- chenes Auge für Farben; ihre Kombina-
ginnen: Auf das neue Coupé habe ich tionen stimmen bis in die feinste Nuance.
.
auch schon ein Auge geworfen. Siame- kein Auge von jmdm. , etw. lassen/
sische Zwillinge werden sie inzwischen [ab]wenden: jmdn. unverwandt ansehen,
von allen genannt, auch von Sandra und jmdn. , etw. aufmerksam beobachten: Und
Anke ... , die ein Auge auf die beiden kna- natürlich war auch eine Frau im Spiel,

71
Auge

A ... von der ich den ganzen Abend kein


Auge lassen konnte (www.marabo.de).
Augen lassen: jmdn. , etw. scharf beobach-
ten: Während er badete, ließ er seine Sa-
Auge Der Voyageur mit dem Einsteinkomplex chen am Ufer nicht aus dem Auge. .
lässt kein Auge von dem goldenen Fens- ... dabei fühlte sie, wie der Fremde sie
ter (Remarque, Obelisk 50). ... lange, nicht aus den Augen ließ und ihr den ei-
lange stand er da und rührte sich nicht genen Körper so bewusst machte, als ob
und wandte kein Auge von dem schlafen- er ihn streichelte (Langgässer, Siegel 510).
den Kind ab (NZZ 18. 11. 2000). jmdm. jmdn. , etw. aus den Augen schaf-
die Augen vor etw. verschließen: etw. fen: jmdn. , etw. entfernen, weil die Gegen-
nicht wahrhaben wollen: Vor den Proble- wart der betreffenden Person, der Anblick
men der Studenten verschließen die zu- der betreffenden Sache jmdn. empfindlich
ständigen Stellen die Augen. Wir dürfen stört: Schafft mir das Zeug da aus den Au-
die Augen vor der wachsenden Gefähr- gen. Der Polizeichef befahl, ihm den Kerl
dung der Jugend durch Rauschgift nicht aus den Augen zu schaffen.
verschließen. jmdn. , etw. aus dem Auge/aus den Au-
seinen [eigenen] Augen nicht trauen gen verlieren: jmdn. aus dem Blickfeld
(ugs.): vor berraschung etw. nicht fassen verlieren, zu jmdm. , etw. den Kontakt ver-
können: Sie traute ihren Augen nicht, als lieren: Nach Schulabschluss verloren sie
sie öffnete und ihre alte Freundin vor der .
sich aus den Augen. Im dichten Feier-
.
Tür stand. In den Dörfern, wo immer abendverkehr verlor er sie am Stadtrand
Ali mit seiner Alil erschien, trauten die aus den Augen (Springer, Was 135). Wenn
Leute ihren eigenen Augen nicht (Frisch, wir Brücken von der Vergangenheit in die
Gantenbein 251). Zukunft schlagen, brauchen wir ja
jmdm. etw. an/von den Augen ablesen: nicht ... die Gegenwart aus dem Auge zu
erraten, was jmd. insgeheim haben verlieren (W. Brandt, Begegnungen 141).
möchte, was in ihm vorgeht: Nach den jmdm. aus den Augen gehen: sich nicht
Vorstellungen der Männer sollten die mehr bei jmdm. sehen lassen (meist als
Frauen in der Küche stehen, jeden Aufforderung gebraucht): Geh mir bloß
Wunsch von den Augen ablesen können aus den Augen! Mit dir will ich nichts
und sich um die Kinder kümmern (www. mehr zu schaffen haben! Nach diesem
phi.co.at). Den Stolz über die neue Woh- peinlichen Vorfall schien es ihm ratsam,
nung konnte man den neuen Eigentü- ihr aus den Augen zu gehen.
mern ... von den Augen ablesen (www. jmdm. aus den Augen sehen: an jmds.
walder-wohnateliers.de). Sie (= Online- Blick abzulesen sein: Dem kleinen
werbung) kann (in Maßen) zielgenau Steppke sah der Schalk aus den Augen.
sein, gewissermaßen dem Nutzer seine Dem und trauen?! Dem Kerl sieht doch
Interessen von den Augen ablesen (www. die Verschlagenheit aus den Augen!
cytime.de). vor etw. nicht mehr aus den Augen sehen
jmdm. etw. aufs Auge drücken (salopp): können: von etw. ganz in Anspruch ge-
jmdm. etw. [Unangenehmes] auf bürden: nommen sein [und keine Zeit für etw. an-
Das Projekt hat mir der Chef eine Woche deres haben]: Wenn die Saison beginnt,
vor meinem Urlaub aufs Auge gedrückt. können die Hoteliers vor Arbeit nicht aus
aus den Augen, aus dem Sinn: wen man den Augen sehen.
nicht mehr sieht, den vergisst man leicht, für die Augen zu wenig, für den Bauch/
zu dem reißt der Kontakt ab: Seit ihrer (derb:) Arsch zu viel (fam.): mehr auf dem
bersiedlung nach Genf haben wir nichts Teller, als man essen kann: »Für die Au-
mehr von ihr gehört. »Aus den Augen, aus gen zu wenig, für den Arsch zu viel!«,
dem Sinn«, höre ich Omi sagen, aber rülpste er und schob den halb vollen Tel-
wenn du mich fragst: Ihr wächst einfach ler beiseite.
die Arbeit über den Kopf. etw. im Auge haben: auf etw. Bestimmtes
jmdn. , etw. nicht aus dem Auge/aus den sein Interesse, Ziel richten: Er hat nur sei-

72
Auge

nen Vorteil im Auge. Hatten Sie ein be-


.
(ugs.): 1. [ jmdm.] so sehr gefallen, dass er A
stimmtes Modell im Auge? Es sah
wirklich so aus, als schenke man seiner
Stimme besondere Beachtung, habe Gro-
es haben möchte: Der Hosenanzug stach
seiner Frau schon lange ins Auge.
2. [ jmdm.] auffallen: Der Major ... war ein
M
Auge

ßes mit ihr vor, bestimmte Pläne im Auge Hüne, dessen organische Unschuld an der
(Thieß, Legende 116). Disposition und Aufnahmelustigkeit des
jmdn. , etw. im Auge behalten/haben: Töchterchens in die Augen stach
jmdn. , etwas beobachten, in seinem weite- (Th. Mann, Zauberberg 420). Das Mäd-
ren Verlauf, bei den weiteren Aktivitäten chen ... streckte eine Hand aus, deren rote
verfolgen: Die Polizei behielt ihn nach sei- Fingernägel Sartorik in die Augen sta-
ner Entlassung noch einige Zeit im Auge. chen (Sebastian, Krankenhaus 62).
Die Vorstände wollten eine Fusion der einer Sache 〈Dativ〉 ins Auge sehen/bli-
beiden Vereine im Auge behalten. . cken: etw. Unangenehmes realistisch se-
Einstweilen also sollten wir uns auf diese hen und sich dem Betreffenden stellen: Die
Bahn beschränken, denn dabei konnten Besatzung des Jumbos sah der Gefahr ru-
die auf der Veranda sitzenden Erwachse- hig ins Auge. Sie mussten der Wahrheit
nen uns im Auge haben (Bergengruen, ins Auge sehen: Die Firma stand vor dem
Rittmeisterin 262). .
Ruin. Man hat der Regierung in Bonn
in jmds. Augen: nach jmds. Ansicht: In häufig vorgeworfen, sie ... sei nicht bereit,
meinen Augen ist sie eine Heilige. . den Realitäten ins Auge zu blicken (Dön-
... ein ausgesägter Flurboden, ein mit Heu hoff, Ära 85).
gefüllter Keller wären in den Augen der jmdm. zu tief ins Auge/in die Augen se-
Polizei doch recht ungewöhnliche Ge- hen: sich in jmdn. verlieben: Du hast wohl
burtstagsvorbereitungen gewesen (Fal- der neuen Laborantin zu tief ins Auge ge-
lada, Herr 88). sehen?
in jmds. Augen steigen/sinken: bei jmdm. etw. ins Auge fassen: etw. erwägen: Wir
an Ansehen, Achtung gewinnen/verlieren: werden die Verbesserungsvorschläge
Mit dem Doktortitel war ich natürlich in noch einmal ins Auge fassen. Er hatte
den Augen meiner Schwiegereltern eine Scheidung bisher noch nicht ins
enorm gestiegen. Er begann in unseren .
Auge gefasst. Bevor ein Unternehmen
Augen zu sinken, als sich die ersten An- zum Opfer von Viren oder Würmern,
zeichen seiner Labilität zeigten. Rootkits oder Trojanern wird, sollte es re-
jmdm. Auge in Auge gegenüberstehen: gelmäßige Updates von Anwendungen
jmdm. ganz nah gegenüberstehen: De- und Betriebssystemen ins Auge fassen
monstranten und Polizisten standen sich (iX 1, 2004, 27).
Auge in Auge gegenüber. ins Auge gehen (ugs.): übel ausgehen,
ins Auge/in die Augen springen/fallen: schlimme Folgen haben: Ich hatte bei dem
als Merkmal so offensichtlich sein, dass Unfall einfach Glück – das hätte auch
man es nicht übersehen kann, dass es so- .
leicht ins Auge gehen können. Wenn
fort auffällt: Der Qualitätsunterschied der ein junger Mann im Krieg für den Frieden
beiden Teppiche fiel ihm sofort ins wirbt, so kann das leicht ins Auge gehen
.
Auge. Die einfachste, ins Auge fallende (Hörzu 18, 1973, 75).
Einteilung des Waldes ist die nach Nadel- jmdm. nicht in die Augen sehen können:
wald, Laubwald und Mischwald (Mantel, aus Scham oder Verlegenheit jmds. Blick
Wald 24). ... weil die faltigen Gesichter nicht ertragen können: Seit dem peinli-
der berlebenden von einer tiefen Verlo- chen Vorfall konnte er ihr nicht mehr in
renheit zeugten, die umso deutlicher ins die Augen sehen.
Auge sprang, je bunter die Kleider und mit einem lachenden und einem weinen-
fröhlicher die Perücken waren (FR 29. 4. den Auge: teils erfreut, teils betrübt: Da
1994, 9). der Spitzenreiter auch verloren hat, ha-
[jmdm.] ins Auge/in die Augen stechen ben wir die Niederlage mit einem lachen-

73
Auge

A den und einem weinenden Auge hinge-


nommen.
jmdn. , etw. mit den Augen verschlingen
(ugs.): jmdn. , etw. mit begehrlichen Augen
Auge ♦ Diese Redewendung lehnt sich ver- ansehen: Sie drückten ihre Nasen an der
mutlich an die Worte des Königs in Schaufensterscheibe platt und verschlan-
Shakespeares »Hamlet« (I, 2) an, mit gen die köstlichen Süßigkeiten mit den
denen er dem Hof seine Heirat mit der Augen. Die neue Mitarbeiterin wurde
Witwe seines von ihm ermordeten Bru- vom Abteilungsleiter förmlich mit den
ders mitteilt: »Wir haben also unsre wei- Augen verschlungen.
land Schwester/... Mit einem heitern, ei- etw. nicht nur um jmds. schöner/blauer
nem nassen Aug/... Zur Eh genommen« Augen willen tun (ugs.): etw. nicht aus rei-
(im Original »Therefore our sometime sis- ner Gefälligkeit tun: Doch nicht nur um
ter .../Have we .../with one auspicious deiner blauen Augen willen! Wenn du
and one dropping eye,/... Taken to wife«). glaubst, dass er das alles nur wegen dei-
mit offenen Augen schlafen (ugs.): nicht ner schönen, blauen Augen tut, dann irrst
aufpassen: Die Ampel ist rot! Menschens- du dich aber.
kind, schläfst du denn mit offenen Au- ♦ Die Redewendung geht auf Molières
gen? Komödien »Les Précieuses ridicules«
mit offenen Augen ins/in sein Unglück (1659; Szene 15) und »Le Misanthrope«
rennen: trotz des Wissens, dass man sich (1666; III, 4) zurück, wo es heißt: »Pour
in eine schlimme Lage bringt, nichts dage- leurs beaux yeux« bzw. »pour nos beaux
gen unternehmen: Anstatt diszipliniert zu yeux«.
spielen und das Ergebnis zu halten, ist die Auge um Auge, Zahn um Zahn: bei erlitte-
Mannschaft in den letzten 20 Minuten nem Schaden, Unrecht wird Gleiches mit
mit offenen Augen in ihr Unglück ge- Gleichem vergolten: Wir werden diese
rannt. Grenzübergriffe nicht länger hinnehmen:
mit einem blauen Auge davonkommen Auge um Auge, Zahn um Zahn.
(ugs.): glimpf lich davonkommen: Kein ♦ Die Wendung stammt aus dem Alten
Bruch, nur ein paar Schrammen? Da bist Testament, wo es z. B. im 3. Buch Mose
du ja mit einem blauen Auge davonge- (24, 19) heißt: »Und wer seinen Nächsten
.
kommen. Der SV Anhalt, der zum verletzt, dem soll man tun, wie er getan
Spielende hin immer mehr Konditions- hat. Schade um Schade, Auge um Auge,
probleme bekam, rettete ein knappes Zahn um Zahn.« Es handelt sich dabei
21:23 und kam, auch nach eigenen Aussa- also eigentlich um Strafen, wie sie für die
gen, mit einem blauen Auge davon (www. Rechtsprechung in den Bußkatalogen
volksstimme.de, 8. 8. 2001). Mit einem festgelegt waren.
blauen Auge davongekommen ist gestern unter vier Augen: (in Bezug auf ein Ge-
noch einmal ein 36-Jähriger, der sich vor spräch) zu zweit, im Vertrauen, ohne wei-
dem ... Amtsgericht wegen eines Auto- tere Zeugen: Kann ich dich mal unter vier
diebstahls verantworten musste (www. .
Augen sprechen? Die beiden Autokra-
siegener-zeitung.de, 8. 8. 2001). ten de Gaulle und Adenauer berieten dort
jmdn. , etw. mit anderen/mit neuen Au- zwei Tage lang, teils mit ihren Wirt-
gen [an]sehen: jmdn. , etw. mit einem schaftsexperten, teils unter vier Augen
neuen Verständnis betrachten: Und weil (Dönhoff, Ära 137).
sie seit fünf Minuten ihren Mann mit unter jmds. Augen: in jmds. Anwesenheit,
ganz anderen Augen ansieht, fällt ihr auf, unter jmds. Aufsicht: Unter den Augen des
dass er die rechte Hand in der Hosenta- Bundestrainers mussten alle Spieler das
sche hat (Fallada, Mann 26). Seit ich höre, .
Abschlusstraining absolvieren. Wollen
dass ihm solche Sachen wie die jetzt vor- Sie es denn unter den Augen der Russen
geworfen werden, sehe ich alles mit ganz zu einer Revolte kommen lassen, Herr
anderen Augen an (Brecht, Groschen Feldmarschall? (Plievier, Stalingrad 302).
336). jmdm. unter die Augen kommen/treten:

74
Augenblick – Augenschondienst

sich bei jmdm. sehen lassen: Wenn der blick zurück sein. Das Taxi wird jeden A
Kerl mir noch einmal unter die Augen
.
kommt, passiert etwas. Dass ich ihr
nicht mehr unter die Augen treten durfte,
Augenblick kommen.
im Augenblick: zu diesem Zeitpunkt, jetzt,
momentan: Es gibt im Augenblick keine
M
Auge

war sicher (Hartung, Piroschka 54). neuen Informationen. Niemand kann im


jmdm. , sich etw. vor Augen führen/hal- Augenblick den Präsidenten oder einen
ten/stellen: jmdm. , sich etw. klarmachen: seiner Minister sprechen.
Man muss sich die Aufgaben des sowjeti- Augendeckel: mit den Augendeckeln klap-
schen Sicherheitsministeriums noch ein- pern (ugs.): f lirten, jmdn. verliebt an-
mal vor Augen führen (Dönhoff, Ära 209). schauen: Sie kann so viele Tippfehler ma-
Immer wird Menschengeschichte sich le- chen, wie sie will; wenn sie ein bisschen
sen als Geschichte, die uns bedeutend vor mit den Augendeckeln klappert, ist der
Augen stellt, wie viel ein Einzelner ver- Chef sofort besänftigt.
mag (Goes, Hagar 127). Augenhöhe: auf [gleicher] Augenhöhe
jmdm. vor Augen stehen: jmdm. deutlich [sein/verhandeln usw.]: gleichberechtigt,
in Erinnerung sein: Die Nächte, in denen ebenbürtig [sein/verhandeln usw.]: In den
Berlin in Schutt und Asche sank, stehen ersten Prozesstagen schien der Angeklagte
.
ihr noch immer vor Augen. Und so war die Ruhe selbst. Schließlich war er einst
das Leben, das mir immer, wenn auch sel- auf Augenhöhe mit Männern, die Ge-
ten deutlich, vor Augen stand (Musil, schichte machten (Spiegel 25, 2002, 38).
Mann 1 217). Deutschlands Banken sind in Europa nur
vor aller Augen: in der Öffentlichkeit; öf- Mittelmaß, ihr Börsenwert ist zu gering,
fentlich: Und um das Maß vollzumachen, um mit anderen auf Augenhöhe über Ko-
hat er seine Tochter vor aller Augen ge- operationen oder Fusionen zu verhandeln
.
ohrfeigt. Wie aber, wenn die Ge- (Zeit 17. 4. 2002, 17). Europa hat zu großen
schichte den Sowjets vor aller Augen eine Teilen verinnerlicht, dass Wandel nur
Niederlage beibringt? (Augstein, Spiege- durch Annäherung auf gleicher Augen-
lungen 44). höhe zu erreichen ist (SZ 12. 4. 2003, 49).
↑ bluten, ↑ Daumen, ↑ Dorn, ↑ Hand, Augenmerk: sein Augenmerk auf jmdn. ,
↑ Knick, ↑ Knopf, ↑ Krähe, ↑ Nacht, ↑ pas- etw. richten/(selten:) lenken: jmdn. , etw.
sen, ↑ Pipi, ↑ rechteckig, ↑ Sand, ↑ Schlaf, besonders beachten; jmdm. , einer Sache
↑ Schuppe, ↑ schwarz, ↑ sehen, ↑ Splitter, besondere Aufmerksamkeit schenken: Der
↑ Suppe, ↑ Tod, ↑ Tomate, ↑ viereckig, Wirt richtete sein Augenmerk auf die bei-
↑ weiß. den Fremden. Die Delegierten hatten ihr
Augenblick: einen lichten Augenblick ha- Augenmerk nur auf Verfahrensfragen ge-
ben: 1. vorübergehend bei klarem Ver- .
richtet. So mochte der Mann, auf den
stand sein: Kurz bevor er starb, hatte er sie ihr Augenmerk richtete, sie wohl über-
noch einen lichten Augenblick und wollte sehen haben (A. Kolb, Daphne 55).
sein Testament aufsetzen. 2. (scherzh.) Augenschein: jmdn. , etw. in Augenschein
eine gute Idee haben: Na, hast du auch nehmen: jmdn. , etw. [genau und kritisch]
mal einen lichten Augenblick? betrachten: Nachdem er alles in Augen-
alle Augenblicke (ugs.): immer wieder in schein genommen hatte, mietete er die
ganz kurzen Abständen: Alle Augenblicke Wohnung. Der Internatsleiter nahm die
klingelt das Telefon – und da soll man Ankömmlinge schweigend in Augen-
.
sich konzentrieren können! Jeder greift .
schein. Den Polizisten blieb nur noch
nach seinen Sachen und vergewissert sich übrig, den Tatort in Augenschein zu neh-
alle Augenblicke von neuem, dass sie da men (www.brueckenbauer.ch).
sind (Remarque, Westen 79). Augenschondienst: Augenschondienst ha-
jeden Augenblick: (in Bezug auf das Ein- ben/machen (ugs. scherzh.): schlafen: Ich
treffen einer Person oder Sache) in nur we- bin hundemüde, ich muss jetzt erst mal
nigen Minuten: Sie muss jeden Augen- Augenschondienst machen.

75
Augiasstall – Ausbund

A Augiasstall: den Augiasstall ausmisten/rei-


nigen (geh.): eine durch lange Vernachläs-
und wusste nicht ein noch aus (Werfel,
Himmel 157).
Augi sigung entstandene große Unordnung mit auf jmdn. , etw. aus sein (ugs.): etw. sehr
Mühe beseitigen: Die Zustände in Halle 5 gern haben, erreichen wollen; auf etw. ,
waren ihm schon lange ein Dorn im Auge, jmdn. versessen sein: Sie ist auf diesen
und er beschloss, diesen Augiasstall aus- Posten aus und kennt keine Rücksichten,
.
zumisten. »Es war Aufräumarbeit zu .
um ihn zu bekommen. Er hatte Liege-
leisten«, rief er, »der Augiasstall musste sitze im Wagen und war immer auf Mäd-
ausgemistet werden« (B. Vesper, Reise chen aus (Chotjewitz, Friede 75).
463). aus und vorbei sein: endgültig vorbei
♦ Die Wendung bezieht sich auf die grie- sein: Der Rechtsradikalismus hat keine
chische Sage, nach der Herakles die mit Chance mehr, damit ist es aus und vorbei.
3 000 Rindern bestückten und seit 30 Jah- Der Traum vom Pokalsieg war aus und
ren nicht gesäuberten Stallungen des Kö- .
vorbei. Elsbeth entschuldigte sich da-
nigs Augias an einem Tag reinigen sollte. rin (= im Brief) für ihre Heftigkeit, aber
Es gelang ihm, indem er zwei Flüsse hin- jetzt sei es aus und vorbei, sie käme nim-
durchleitete. mer heim (Strittmatter, Wundertäter 39).
August: ↑ dumm. ↑ Daffke, ↑ Feder, ↑ Hand, ↑ Maus, ↑ Punkt,
augusteisch: ein augusteisches Zeitalter ↑ Stegreif, ↑ Traum, ↑ Vater, ↑ von.
(bildungsspr.): eine Zeit, Epoche, in der ausbaden: etw. ausbaden müssen (ugs.):
Kunst und Literatur besonders gefördert die Folgen von etw. , was meist ein anderer
werden: Und es sage niemand, wir lebten verschuldet hat, tragen müssen: Das habe
heute, da überall die Kulturetats gekürzt ich gern – du machst Mist und ich muss
werden, in einem augusteischen Zeital- .
wieder alles ausbaden. Meine Sonn-
ter! tagslaune hatte mir ein Schnippchen ge-
♦ Das Adjektiv augusteisch leitet sich schlagen; jetzt musste ich es ausbaden
von dem römischen Kaiser Augustus her, (Hagelstange, Spielball 120). Den schönen
der als Förderer der schönen Künste gilt. Wahnsinn, den dieser lyrische Volksred-
aus: aus sich heraus: unaufgefordert: Nie- ner anrichtete, haben andere ausbaden
mand hat sie darum gebeten, sie hat es müssen (Hasenclever, Die Rechtlosen
aus sich heraus gemacht. 396).
bei jmdm. , in etw. aus und ein/ein und ♦ Die Wendung bezieht sich wahr-
aus gehen: bei, mit jmdm. verkehren; sich scheinlich darauf, dass früher im öffentli-
an einem Ort, in einer Räumlichkeit oft chen Bad der letzte Badegast das von
auf halten: Es heißt, er gehe bei dem Ge- mehreren Badenden bereits benutzte Ba-
werkschaftsboss aus und ein. Bei . dewasser ausgießen und die Wanne reini-
Büdners würde ein Gendarm aus und ein gen musste. In der übertragenen Bedeu-
gehen und gleichsam zu Hause sein tung ist die Wendung seit Ende des
(Strittmatter, Wundertäter 54). Doch 16. Jahrhunderts belegt.
schon seit 1939 gehen in dem denkmal- ausbeißen: ↑ Zahn.
geschützten Haus Polizisten ein und aus ausbitten: das möchte ich mir ausgebeten
(SZ 1. 12. 2006, N3). haben: das erwarte ich als selbstverständ-
weder aus noch ein/ein noch aus wissen; lich: Nach 21 Uhr herrscht hier im Hause
nicht aus noch ein/ (seltener:) ein noch Ruhe, das möchte ich mir ausgebeten ha-
aus wissen; nicht aus und ein/ein und ben!
aus wissen: völlig ratlos sein: ... sie hielten ausblasen: ↑ Hobel, ↑ Lebenslicht.
den Krieg gleich für ein Unglück, wäh- ausbrechen: ↑ Giftzahn.
rend die besser Gestellten vor Freude ausbügeln: ↑ Runzel.
nicht aus noch ein wussten (Remarque, Ausbund: ein Ausbund von/an etw. [sein]:
Westen 14). In der Nacht lag sie dann wie- die Verkörperung von etw. , das Musterbei-
der schlaflos und zerpeinigte ihr Gehirn spiel für etw. [sein]: Der Sohn des Guts-

76
ausdenken – ausfressen

herrn war ein Ausbund von Gemein-


.
man das Ideal eines Lebenswerks nennen A
heit. Der Dieselmotor ist zwar kein
Ausbund an Temperament, aber elastisch
und sparsam (ADAC-Motorwelt 2, 1987,
könnte (Musil, Mann 245).
sich im Ausdruck vergreifen: in unhöf li-
chem, unangemessenem Ton mit jmdm.
M
ausf

31). ... sicher glaubte er, ein Ausbund an sprechen: Sie war jung im Beruf und an-
Männlichkeit zu sein (H. Weber, Einzug maßend und vergriff sich ihren erfahre-
232). nen Kollegen gegenüber im Ausdruck.
ausdenken: da musst du dir schon etwas etw. zum Ausdruck bringen: etw. erken-
anderes ausdenken! (ugs.): damit kannst nen lassen, ausdrücken: Ich wollte damit
du mich nicht überzeugen; was du da zum Ausdruck bringen, dass ich mich
sagst, glaube ich dir nicht: Joseph soll auch für diesen Plan einsetzen werde. .
seine Frau betrügen? Da musst du dir Wie sollte ich ihr gegenüber meine Zunei-
schon etwas anderes ausdenken, für Jo- gung und Dankbarkeit zum Ausdruck
seph leg ich meine Hand ins Feuer. Auf bringen, die ohnegleichen waren? (Kessel
solche plumpen Tricks falle ich nicht her- [ bers.], Patricia 95).
ein, da musst du dir schon etwas anderes [in etw. 〈Dativ〉] zum Ausdruck kommen:
ausdenken. sich [in etw.] ausdrücken, erkennbar sein:
nicht auszudenken [sein]: unvorstellbar Und von allem, was er hatte sagen wollen,
[sein]: Nicht auszudenken, was passiert, blieb nichts mehr als ein mühsames At-
.
wenn er das erfährt! Die Rohre sind al- men, in dem eine große Ratlosigkeit zum
lesamt uralt, nicht auszudenken, was ge- Ausdruck kam (Benrath, Konstanze 127).
schieht, wenn sie brechen (MM 23. 2. In dieser Definition kommt schon zum
2001, 29). Die Mode künftiger Äonen ist Ausdruck, dass zum Waldbegriff eine ge-
offenbar nicht auszudenken, die Kleider wisse Mindestfläche gehört (Mantel,
bleiben angewiesen auf die Antiquiertheit Wald 15).
des menschlichen Körpers (NZZ 21. 12. auserwählt: ↑ berufen.
2002, 70). ausfallen: ↑ Nebel.
Ausdruck: das ist gar kein Ausdruck! ausfindig: jmdn. , etw. ausfindig machen:
(ugs.): das ist viel zu schwach ausge- jmdn. , etw. [nach längerer, schwieriger Su-
drückt: Beschwipst? Das ist gar kein Aus- che] finden: Die Technik macht es mög-
.
druck! Sternhagelvoll war er. Dieses lich, anonyme Anrufer manchmal doch
Gefühl machte uns verrückt. Nervenkit- .
ausfindig zu machen. Nach stunden-
zel war schon gar kein Ausdruck mehr langen Vernehmungen ... waren ihr doch
dafür (Cotton, Silver-Jet 5). noch Einzelheiten ... eingefallen, die es er-
einer Sache 〈Dativ〉 Ausdruck geben/ver- möglichten, die Mordwohnung ausfindig
leihen (geh.): etw. zu erkennen geben, äu- zu machen (Prodöhl, Tod 104).
ßern: Er gab seinem Wunsch Ausdruck, ausfliegen: ↑ Vogel.
.
sie bald wieder zu sehen. Peter gab in- ausfragen: so fragt man die Leute aus:
zwischen der Ansicht Ausdruck, so ein ausweichende Antwort auf jmds. als zu
bisschen Fischgestank möchte er ganz dreist empfundene Frage: Legen Sie Ihre
gern (Hausmann, Abel 21). Er fand nicht Einkünfte mehr in Aktien an, oder kaufen
die rechten Worte, seiner steigenden Ver- Sie Immobilien? – So fragt man die Leute
wunderung Ausdruck zu verleihen (Kirst, aus – das überlasse ich meinem Anlage-
Aufruhr 160). berater.
in etw. 〈Dativ〉 [seinen] Ausdruck finden/ ausfressen: etwas ausgefressen haben
gewinnen: sich in etw. niederschlagen: (ugs.): etwas angestellt, verbrochen haben:
Nur in der lakonischen Klarheit und Die Kinder scheinen wieder etwas ausge-
Kürze fand der griechische Geist reizvol- .
fressen zu haben. Was hatte Töchter-
len Ausdruck (Thieß, Reich 98). Ihren be- chen Nicola, gerade mal neun Jahre alt,
deutendsten Ausdruck gewinnt diese wohl nur ausgefressen, dass sich ihr Papa
Geistesverfassung ... in einem Ideal, das so aufregte und die Mama um Hilfe rief ?

77
Ausgang – aushaken

A (Tagesspiegel 27. 9. 2000, 16). Stellen Sie


sich mal vor, Sie hätten etwas ausgefres-
ausgelitten: ausgelitten haben: 1. (geh.)
nach schwerem Leiden gestorben sein: Un-
Ausg sen und säßen nun im Gefängnis (SZ sere geliebte Großmutter hat ausgelitten.
13. 7. 2000, 3). Sie ist gestern in Frieden heimgegangen.
♦ Die Wendung wurde ursprünglich 2. (ugs. scherzh.) entzwei sein und deshalb
wörtlich verstanden und bedeutete in Be- ausgedient haben: Diese Schuhe haben
zug auf Tiere oder Personen »verbotener- auch ausgelitten, eine Reparatur lohnt
weise etwas leer gefressen haben«. sich nicht mehr.
Ausgang: in den Ausgang gehen ausgerechnet: ausgerechnet Bananen!
(schweiz.): ausgehen; ins Theater, Kino, (veraltend): Ausruf der Enttäuschung, des
Restaurant o. Ä. gehen: An den Wochen- Unmuts: Im Vorprogramm soll jetzt eine
enden geht er mit seinem Schwager und Rockgruppe aus Finnland auftreten. Aus-
ein paar Freunden in den Ausgang. . gerechnet Bananen!
Schminke und Schuhe mit hohen Absät- ♦ »Ausgerechnet Bananen, Bananen ver-
zen tragen die jungen Frauen. Gestylt, als langt sie von mir« ist der Kehrreim eines
ob sie in den Ausgang gingen (NZZ 21. 11. nach dem 1. Weltkrieg entstandenen
2004, 29). Schlagers; hierauf geht dieser Ausruf zu-
ausgehen: ausgehen wie das Hornberger rück.
Schießen (ugs.): [nach großer Ankündi- ausgesorgt: ausgesorgt haben (ugs.): sich
gung] ohne ein Ergebnis enden: Der groß nicht mehr um seinen Lebensunterhalt
angelegte Versuch, die Olympischen sorgen müssen: Als Nummer vier der
Spiele zu modernisieren, ging aus wie das Weltrangliste dürfte man als Tennisspie-
.
Hornberger Schießen. ... er sehe dem .
ler ausgesorgt haben. Solche Frauen
Prozess gelassen entgegen. Juristisch sei lieben im Grunde nur sich selbst und
»nichts drin«. Er werde ausgehen wie das glauben, wenn sie einmal einen Mann
Hornberger Schießen (MM 1./2. 7. 1978, eingefangen haben, hätten sie für ihr Le-
37). ben ausgesorgt (Hörzu 16, 1973, 141).
♦ Um die Redewendung ranken sich ausgespielt: ausgespielt haben: keine
zahlreiche Sagen und Schwänke. Als Macht, keinen Einf luss mehr haben: Nach
wahrscheinlichster Ursprung wird der fol- dem zweiten Bestechungsskandal hat der
gende Schwank angesehen, der im Minister ausgespielt, ein für alle Mal..
Schwarzwälder Städtchen Hornberg ... die Sittenstrenge hat ausgespielt (Th.
spielt und in zwei Versionen lebendig ist. Mann, Zauberberg 320).
In der einen Version wird das Pulver, das bei jmdm. ausgespielt haben (ugs.): jmds.
für die Böllerschüsse zur Begrüßung des Wohlwollen verscherzt haben, sich bei
Herzogs bestimmt war, versehentlich vor- jmdm. für immer unbeliebt gemacht ha-
zeitig bei Einzug des vom Herzog voraus- ben: Wer mich so gemein behandelt, hat
geschickten Gefolges verschossen. In der bei mir ausgespielt!
anderen Version bildet das Schießen den ausgestanden: ↑ ausstehen.
Mittelpunkt einer geplanten großen Fest- ausgetreten: ↑ Pfad.
veranstaltung, für die alles bis ins ausgewechselt: ↑ auswechseln.
Kleinste vorbereitet, das Pulver jedoch ausgraben: ↑ Kriegsbeil.
vergessen worden ist. Ausguck: nach jmdm. , etw. Ausguck halten
etw. geht sich an jmdm. aus (österr. (ugs.): nach jmdm. , etw. ausschauen: Die
ugs.): jmdm. wird die Schuld für etw. gege- Omi kommt aus Hamburg zu Besuch, die
ben, werden die Folgen von etw. aufgebür- Kinder halten schon den ganzen Tag nach
det: Die Scherereien gehen sich mal wie- ihr Ausguck.
.
der an mir aus. Ausgehen tut es sich ausgucken: ↑ Auge.
wieder an uns (Frischmut, Kai 83). aushacken: ↑ Krähe.
↑ Atem, ↑ Bauernfang, ↑ Eroberung, ↑ leer, aushaken: bei jmdm. hakt es aus (ugs.):
↑ Licht, ↑ Luft, ↑ Puste, ↑ Schnauf. 1. jmd. hat für die Denk- oder Handlungs-

78
aushalten – ausnehmen

weise eines anderen absolut kein Ver- teilungsleiter war ein kleinlicher, rechtha- A
ständnis: Wenn jemand mit dem Brustton
der berzeugung erklärt, Atomwaffen
seien ihrer Natur nach politische Waffen,
berischer Mann, es war kein Auskommen
.
mit ihm. ... Frau Kempowski ging rüber
zu dem Ollen ... Mit dem war kein Aus-
M
ausn

hakt es bei mir einfach aus. 2. (bei einer kommen nicht (Kempowski, Zeit 138).
Darlegung o. Ä. :) jmd. verliert den gedank- auskratzen: ↑ Auge.
lichen Zusammenhang, weiß plötzlich Auslangen: das/sein Auslangen finden (ös-
nicht mehr weiter: Mitten in der Rede terr.): den Lebensunterhalt bestreiten kön-
hakte es plötzlich bei ihm aus. Es ent- nen: Beide Frauen hatten es dahin ge-
stand eine Pause, die er mit verlegenem bracht, ohne Zuhälter das Auslangen zu
Hüsteln füllte, bis ihm sein Konzept zu finden (Doderer, Wasserfälle 29). Er be-
Hilfe kam. 3. jmds. Geduld ist zu Ende, treibt nebenher eine Landwirtschaft, mit
jmd. verliert die Nerven: »Da hakte es bei der allein er sein Auslangen fände (Zau-
mir aus!«, erklärte Cryns vor Gericht. ner, Maulwurfshügel 56).
Zweimal schoss er auf Wehmer (Bild 8. 5. auslernen: man lernt nie aus: man macht
1964, 2). im Verlauf des Lebens immer neue Erfah-
aushalten: nicht zum Aushalten sein: uner- rungen: Von ihr hätte ich so eine Gemein-
träglich sein: Dieser Lärm ist ja nicht zum heit niemals erwartet – na ja, man lernt
Aushalten! Es ist nicht zum Aushalten, eben nie aus.
was der Mensch für einen Blödsinn von auslöffeln: auslöffeln, was man sich/was
.
sich gibt! Er stank auf zwei Meter so, einem jmd. eingebrockt hat: die Folgen
dass es nicht zum Aushalten war (Chris- seines eigenen/jmds. Tuns tragen: Du
tiane, Zoo 204). konntest ja nicht auf uns hören. Nun
↑ Kopf, ↑ Pferd. müssen wir auslöffeln, was du uns einge-
aushängen: es hängt [bei] jmdm. aus .
brockt hast. Bitte, sollen sie doch aus-
(schweiz. salopp): 1. jmds. Geduld ist am löffeln, was sie sich eingebrockt haben.
Ende: ... schreibt ... in ihrem Wahlmani- Sie haben den tausendjährigen Damm ge-
fest ... , die Forderung nach Erhaltung von gen Asien zerstört (B. Vesper, Reise 465).
genügend Lebensraum sei eine Hysterie, ↑ Suppe.
die bekämpft werden müsse. Als ich das ausmachen: jmdm. etwas/viel/nichts aus-
las, hat es mir endgültig ausgehängt (Bas- machen: jmdm. einige/große/keine Mühe,
ler Zeitung. 25. 8. 1987, 8). 2. jmd. verliert Unannehmlichkeiten bereiten: Würde es
die Nerven: ... und plötzlich hängt’s uns Ihnen etwas ausmachen, das Radio leiser
aus und wir schlagen drein? Nur ja nicht zu stellen? Es macht mir gar nichts aus,
(Walter, Unruhen 172). Ihnen ein paar Brötchen vom Bäcker mit-
↑ Kreuz. zubringen.
aushauchen: ↑ Geist, ↑ Leben, ↑ Seele. Ausmaß: ↑ biblisch.
auskämpfen: ausgekämpft haben (geh. ausmisten: ↑ Augiasstall.
verhüll.): nach schwerem Leiden gestorben Ausnahme: Ausnahmen bestätigen die Re-
sein: Gegen Morgen war alles vorbei; der gel: Einzelfälle, die der Regel widerspre-
Patient hatte ausgekämpft. chen, heben noch nicht unbedingt die all-
auskehren: ↑ Besen. gemeine Gültigkeit der Regel auf: Jeder
ausklinken: bei jmdm. klinkt es aus (ugs.): Student, Ausnahmen bestätigen die Re-
jmd. verliert die Beherrschung, die Nerven: gel, weiß, dass das Erlernte in der Wirt-
Nach fast 80 Minuten ständiger Provoka- schaft nur bedingt verwendbar ist (www.
tion klinkte es bei ihm aus und er ver- tweakpc.de). ... Ausnahmen bestätigen
passte seinem Gegenspieler einen Kopf- die Regel: Die Anredepronomen Sie und
stoß. Ihnen werden weiterhin großgeschrieben
ausklopfen: ↑ Hose, ↑ Jacke, ↑ Wams. (www.korrekturen.de).
Auskommen: mit jmdm. ist kein Auskom- ausnehmen: jmdn. ausnehmen wie eine
men: jmd. ist unverträglich: Der neue Ab- Weihnachtsgans (ugs.): sich in schamloser

79
Auspizium – Ausschluss

A Weise an jmdm. bereichern; jmdn. ausbeu-


ten, schamlos ausnutzen: Du hast sie aus-
ausreden: mit jmdm. , miteinander ausge-
redet haben (österr. ugs.): an jmdm. , an-
Ausp genommen wie eine Weihnachtsgans, mit einander nicht mehr interessiert sein: Die
ihrer Angst vor der Schande (Fels, Sünden beiden haben offensichtlich miteinander
26). ... vom Vermieter, der sie ausgenom- ausgeredet; sie grüßen sich nicht einmal
men hatte wie ’ne Weihnachtsgans (Ep- mehr.
pendorfer, St. Pauli 152). ausreißen: ausreißen wie Schafleder (ugs.):
Auspizium: unter jmds. , einer Sache Auspi- eilig weglaufen, um sich einer unangeneh-
zien (bildungsspr.): unter der Schirmherr- men Situation zu entziehen: Wenns brenz-
schaft, Oberhoheit einer Person, Institu- lig wird, reißt der Feigling doch aus wie
tion o. Ä.: ... als unter russischen Auspi- Schafleder!
zien das Abkommen mit Indien ... ge- ♦ Die Redensart ist seit dem 16. Jahrhun-
schlossen wurde (St. Galler Tagblatt 559, dert belegt und wurde ursprünglich im
1968, 1). ... journalistische Reisen ... , wörtlichen Sinne auf die Tatsache bezo-
nicht mehr im Auftrag des Soldatenblat- gen, dass das weiche Schafleder beim
tes, sondern unter den Auspizien einer Spannen leicht einreißt. Das Wortspiel
New Yorker Revue (K. Mann, Wende- mit »ausreißen« in der doppelten Bedeu-
punkt 453). tung von »einreißen« und »weglaufen«
auspressen: jmdn. auspressen/ausquet- hat den Gebrauch der Redensart erst in
schen wie eine Zitrone (ugs.): 1. jmdm. jüngerer Zeit bestimmt.
sehr zusetzen, um etwas von ihm zu erfah- ↑ Baum, ↑ Bein, ↑ Fliege.
ren: Die Reporter hatten den zurückge- ausruhen: ↑ Lorbeer.
tretenen Politiker über seine Beweg- ausrutschen: ↑ Hand.
gründe ausgepresst wie eine Zitrone. . Ausschau: nach jmdm. , etw. Ausschau hal-
Wir werden spätnachts notlanden, und ten (nachdrücklich): nach jmdm. , etw.
nachher werden es sich die Nordkoreaner ausschauen: Er stand auf dem Balkon und
nicht nehmen lassen, uns wie Zitronen hielt nach den Gästen Ausschau. Wir wer-
auszuquetschen (Habe, Namen 311). den nach einer passenden Gelegenheit
2. jmdn. zu großen Geldzahlungen o. Ä. Ausschau halten.
zwingen: Die Erpresser hatten sie ausge- ausscheißen: bei jmdm. ausgeschissen ha-
quetscht wie eine Zitrone. Durch das ben (derb): jmds. Achtung verloren haben:
neue Steuerpaket und zusätzliche Sozial- Ich bin ein freier Mann. Ihr habt jetzt aus-
abgaben wird der Bürger ausgepresst wie geschissen, ihr Nazihunde (Spiegel 30,
eine Zitrone. 1976, II).
auspusten: ↑ Licht. ↑ aussehen.
ausquetschen: ↑ auspressen. Ausschlag: den Ausschlag geben: entschei-
ausrechnen: sich 〈Dativ〉 etw. ausrechnen dend für etw. sein: Die bessere Kondition
können: sich den Ausgang, die Folgen o. Ä. des Europameisters gab in diesem Kampf
von etw. deuten können: Bei so hohen Un- .
den Ausschlag. Doch hat Ihre Frau Ge-
kosten kannst du dir leicht ausrechnen, mahlin den letzten Ausschlag gegeben –
dass die Firma bald pleite sein wird. Ihr sie versteht es, Männer zu bitten (Se-
könnt euch ausrechnen, was solche Ak- ghers, Transit 200).
tionen für einen Eindruck bei der Bevöl- ♦ Die Wendung bezog sich ursprünglich
kerung machen. auf den Ausschlag des Züngleins an der
auszurechnen sein (Sport): als Gegner be- Waage.
rechenbar, einzuschätzen sein: Die polni- ausschlagen: ↑ Fass.
sche Mannschaft ist gut auszurechnen Ausschluss: unter Ausschluss der Öffent-
(Augsburger Allgemeine 27. 5. 1978, 24). lichkeit: ohne die Allgemeinheit zu beteili-
»Der ist leicht auszurechnen«, schätzt der gen, zu informieren: Solche Absprachen
Berliner ... seinen Gegner ... ein (Garm.- dürfen nicht länger unter Ausschluss der
Part. Tageblatt 1. 10. 1986). Öffentlichkeit getroffen werden. Das Mili-

80
ausschreien – außen

tärgericht verhandelte grundsätzlich un- .


geleckt. Noch ist die Welt auf dem A
.
ter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die
großen Organisationen streben mit dem
Staat und untereinander politische Kom-
Leipziger Hauptbahnhof in Ordnung.
Sauber, fast wie geleckt, sieht es in dem
riesigen Kuppelbau aus (FR 3. 11. 1993, 6).
M
auße

promisse, möglichst unter Ausschluss der 2. sehr sorg fältig gekleidet sein: Er sah aus
Öffentlichkeit, an (Fraenkel, Staat 225). wie geleckt.
ausschreien: ↑ Hals, ↑ Kehle. wie ein Stück Malheur aussehen (ugs.):
ausschütten: sich ausschütten vor Lachen: sehr unglücklich aussehen: Der ertappte
sehr heftig und anhaltend lachen: Die Zu- Sünder sah aus wie ein Stück Malheur.
schauer schütteten sich aus vor La- wie Milch und Blut aussehen: ein sehr ge-
chen. . ber infernalische Intrigen, falls sundes, frisches Aussehen haben: Seine
sie gelungen waren, schüttete man sich Frau sah immer aus wie Milch und Blut.
aus vor Lachen (Thieß, Reich 594). wie drei Tage Regenwetter aussehen
↑ Herz, ↑ Kind, ↑ Kraut. (ugs.): griesgrämig aussehen: Es waren
aussehen: nach [et]was/nicht viel/nichts keine Aufträge eingegangen, und der Chef
aussehen (ugs.): sehr/wenig/gar nicht an- sah wie drei Tage Regenwetter aus.
sprechend, beeindruckend aussehen: In wie eine lebende Leiche/wie ein leben-
das Buch müssen noch ein paar Hoch- der/wandelnder Leichnam/wie eine
glanzfotos, damit es auch nach was aus- Wasserleiche/wie eine Leiche auf Urlaub
.
sieht. Tatsache ist, dass sie mit aufge- aussehen; wie das leibhaftige Elend aus-
stecktem Haar nach nichts aussieht sehen; wie der Tod [von Basel/Warschau/
(H. Mann, Stadt 233). Forchheim usw.] aussehen (ugs.): erschre-
so siehst du aus! (ugs.): das stellst du dir ckend blass und elend aussehen: Was ist
so vor! ; da irrst du dich aber! : Während los mit dir? Du siehst ja aus wie der Tod
du dich amüsierst, soll ich zu Hause blei- von Basel.
ben und auf die Kinder aufpassen? So ♦ Bei dem »Tod von Basel« handelt es
siehst du aus! sich um ein Gemälde, den »Baseler Toten-
sehe ich so/danach aus? (ugs.): kann man tanz«, der im Mittelalter auf eine Wand
das von mir glauben?: Und ich soll ihn ge- der Predigerkirche in Basel gemalt wor-
schlagen haben, sehe ich so vielleicht den war. Die Verbindung von »Tod« mit
.
aus? »Sicher haben Sie selbst eine anderen Städtenamen geht in der Regel
Frau.« »Nein. Sehe ich danach aus?« (Gai- darauf zurück, dass diese Orte mit ver-
ser, Jagd 172). lustreichen Schlachten oder todbringen-
wie das Leiden Christi/wie Braunbier den Seuchen früherer Jahrhunderte in Zu-
und/mit Spucke aussehen (ugs.): sehr sammenhang gebracht werden.
schlecht, elend aussehen: Nach zwei ↑ abschießen, ↑ alt, ↑ anbeißen, ↑ fressen,
durchzechten Nächten sah er aus wie das ↑ küssen, ↑ verboten.
.
Leiden Christi. Wann machst du ei- außen: außen vor bleiben (bes. nordd.):
gentlich Urlaub ... Du siehst aus wie unberücksichtigt bleiben: Die kleineren
Braunbier mit Spucke (Bieler, Bär 215). Probleme müssen zunächst außen vor
wie das blühende Leben aussehen (ugs.): .
bleiben. ... ausschließlich Ärzte,
gesund und jung aussehen: Nach zwei Rechtsanwälte ... spielen die Zentralrol-
Wochen Urlaub siehst du wieder aus wie len, und die Arbeiter bleiben außen vor
das blühende Leben. (Spiegel 16, 1982, 262).
wie ausgeschissen aussehen; wie an die etw. außen vor lassen (bes. nordd.): etw.
Wand gepisst/gepinkelt aussehen (derb): unberücksichtigt lassen: Man kann nicht
sehr blass und elend aussehen: Ich er- verlangen, dass wir die Gesundheit unse-
schrak vor meinem Spiegelbild – ich sah rer Kinder außen vor lassen, wenn es um
aus wie ausgeschissen! den Standort der neuen Sondermülldepo-
wie geleckt aussehen (ugs.): 1. sehr sau- .
nie geht. Man kann doch nicht außen
ber aussehen: Ihre Wohnung sah aus wie vor lassen, dass es da wirklich massive

81
außer – Aussterbeetat

A politische Unterschiede gibt (Spiegel 38,


1982, 40).
Aussprache: eine feuchte Aussprache ha-
ben (ugs. scherzh.): beim Sprechen unge-
auße ↑ hui, ↑ Tür. wollt spucken: Setzen wir uns lieber etwas
außer: außer sich 〈Dativ od. Akkusativ〉 weiter nach hinten, unser Pfarrer hat eine
sein: sich nicht zu fassen wissen: Ich bin .
ziemlich feuchte Aussprache. Benöti-
.
vor Freude ganz außer mir. Sie um- gen Sie, wenn Ihr Chef Sie zu sich ruft, ei-
klammerte die Arme und den Hals des nen Regenschirm? Oder sorgen Sie selbst
Mannes, sie schrie und ... war ganz außer für den nötigen Abstand, wenn einer Ih-
sich (Hausmann, Abel 56). rer Mitarbeiter eine besonders feuchte
außer sich 〈Dativ〉 geraten: die Selbstbe- Aussprache hat? (Handelsblatt 10. 6. 1988,
herrschung verlieren: Ich geriet vor Wut 2).
.
fast außer mir. Wenn es vier Mädchen aussprechen: ↑ Wort.
und zwei Buben gewesen wären, wäre ich ausstehen: jmdn. , etw. nicht ausstehen
außer mich geraten (K. Mann, Memoiren können: gegen jmdn. , etw. eine heftige Ab-
29). neigung empfinden: Er kann Quasseln auf
↑ Kraft. den Tod nicht ausstehen (Fallada, Jeder
außerhalb: ↑ Legalität. 282). Theo ... war reizbar wie alle Köche
aussetzen: bei jmdm. setzt es aus (ugs.): und konnte es nicht ausstehen, wenn
jmd. verliert jede Selbstbeherrschung: Als man ihm auf die Finger sah (Danella, Ho-
sie glaubte, ihr Kind sei in Gefahr, setzte tel 60). Ich kann Personen nicht ausste-
es bei ihr aus. Wenn die Rede auf seinen hen, die so viel Gegenwart verbreiten
früheren Chef kommt, setzt es regelmä- (Gaiser, Jagd 68).
ßig bei ihm aus. ausgestanden sein: endlich vorbei, über-
Aussicht: Aussicht auf etw. haben; etw. in standen sein: Damit ist dann im Interesse
Aussicht haben: auf etw. begründete Hoff- aller Beteiligten der Fall ausgestanden
nung haben, mit etw. Positivem rechnen (MM 17./18. 12. 1966, 36).
können: Er hat eine Stelle in Aussicht. aussteigen: jmdn. aussteigen lassen (Fuß-
Wir haben Aussicht auf eine größere balljargon): jmdn. ausspielen, umspielen:
.
Wohnung. Parteirebellen haben ... in Müller ließ zwei Verteidiger aussteigen
Ausnahmefällen Aussicht auf Wieder- .
und schoss unhaltbar zum 4 : 0 ein. Mit
wahl (Fraenkel, Staat 243). blitzschnellen Täuschungen ließen die
jmdm. etw. in Aussicht stellen: jmdm. Moskauer ... oft drei SCL-Spieler ausstei-
etw. versprechen: Die Firma stellte den gen ( Junge Welt 30. 10. 1976, 8).
Angestellten eine Prämie in Aussicht. Der ausstellen: ↑ Armutszeugnis, ↑ Freibrief.
Vertrauensarzt hat ihr eine Kur in Aus- Ausstellung: an jmdm. , etw. Ausstellungen
sicht gestellt. machen (Papierdt.): etw. an jmdm. , etw.
jmdn. , etw. für etw. in Aussicht nehmen: auszusetzen haben: Der Gemeinderat hat
jmdn. , etw. für etw. vorsehen: Ein anderer verschiedene Ausstellungen an dem Pro-
war schon durch seine Beziehungen zur jekt gemacht.
hohen Direktion ... für diesen Posten in Aussterbeetat: auf dem Aussterbeetat
Aussicht genommen worden (Thieß, sein/stehen/sich befinden (ugs. , meist
Reich 468). ... wir hatten für unseren Aus- scherzh.): jede Bedeutung verlieren,
flug drei bis vier Tage in Aussicht genom- bergab, zu Ende gehen: Heute spricht
men, und jetzt war es eine Woche gewor- man ... von einer »Sportart«, die im Bun-
den (Brecht, Groschen 12). desgebiet vor sechs Jahren auf dem Aus-
in Aussicht stehen: zu erwarten sein: sterbeetat war (Spiegel 6, 1966, 68). Er (=
Nach Ansicht der Weinbauern steht eine Soeft) saß fest im Sattel – Asch war prak-
.
gute Ernte in Aussicht. Lila denkt jetzt tisch schon auf dem Aussterbeetat (Kirst,
an alles, sogar ... an Besucher, die in Aus- 08/15, 309).
sicht stehen (Frisch, Gantenbein 354). jmdn. , etw. auf den Aussterbeetat set-
ausspielen: ↑ Karte, ↑ Rolle, ↑ Trumpf. zen (ugs. , meist scherzh.): zum Nieder-

82
aussterben – Axt

gang, zum Verschwinden verurteilen: Die »jmdm. mit einer schnellen (wischenden) A
meisten hatten den Vereinsboss bereits
auf den Aussterbeetat gesetzt. Und.
dann könne die Mutti ... erklären, ... wel-
Bewegung einen Schlag versetzen«.
ausziehen: ↑ Hemd, ↑ Kinderschuh, ↑ Later-
nenpfahl, ↑ Schuh, ↑ Socke, ↑ Stiefel.
M
Axt

cher Mühe es bedurft habe, sie (= diese Auto: ↑ gucken.


Spezies) auf den Aussterbeetat zu setzen Avance: jmdm. Avancen machen: 1. (geh.)
(Muschg, Sommer 162). jmdm. zu erkennen geben, dass man an ei-
aussterben: ↑ dumm. ner [sexuellen] Beziehung interessiert ist:
ausstrecken: ↑ Fühler, ↑ Hand. Auf dem Betriebsausflug hatte sie ihm
austragen: ↑ Rücken. .
Avancen gemacht. ... wie die Athene-
austräumen: ↑ Traum. rin ... mich beständig mit dem Fächer ge-
austreiben: ↑ Grille, ↑ Teufel. klapst ... , mit einem Auge gezwinkert und
austreten: ↑ Kinderschuh. mir die losesten Avancen gemacht habe
austrudeln: etw. austrudeln lassen (ugs.): (Th. Mann, Krull 407). 2. jmdm. deutliches
etw. langsam zu Ende gehen lassen: Er ließ Entgegenkommen zeigen, weil man sich
seine Karriere als Läufer austrudeln. davon Vorteile verspricht: Die Firma war
auswachsen: das/es ist zum Auswachsen um eine gute Presse bemüht und hatte ei-
(ugs.): da kann man wirklich die Geduld ner Reihe von Journalisten überraschende
verlieren; das ist ja unerträglich: Das ist ja .
Avancen gemacht. Sogar Moskau ließ
heute wieder einmal zum Auswachsen sich dazu herbei, Jerusalem Avancen zu
.
mit dir! ... es ist doch zum Auswachsen. machen (Zeit 6. 6. 1975, 1).
Seit drei Wochen wird hier gearbeitet, als Avec: mit [einem] Avec (ugs. veraltend): mit
ob nichts passiert wäre (v. d. Grün, Glatt- Schwung: Er kriegte den Griff zu fassen
eis 138). und war mit einem Avec auf der Platt-
auswärts: auswärts reden/sprechen (ugs. .
form. Marie packt mit einem Avec ih-
scherzh.): nicht die heimische Mundart, ren Stoß Wäsche auf den frei gewordenen
eine fremde Sprache sprechen: Ich ver- Tisch (Fallada, Mann 66).
stehe kein Wort, ich glaube, der spricht ♦ Die Wendung stammt aus dem Verbin-
perfekt auswärts! dungswesen. Sie bezieht sich auf die Men-
auswechseln: wie ausgewechselt sein: in sur und bedeutet dort »mit Treffer, mit
Stimmung und Benehmen völlig verändert Verletzung« (französ. avec »mit«),
sein: Von Unfreundlichkeit keine Spur drückte also ursprünglich aus, dass es bei
mehr. Sie war wie ausgewechselt: Nicht der Mensur heiß hergegangen war.
nur liebenswürdig, sondern ausgespro- Axt: die Axt im Haus erspart den Zimmer-
chen hilfsbereit. mann: wer selbst mit Handwerkszeug um-
ausweinen: ↑ Auge. gehen kann, braucht nicht die Dienste des
auswendig: ↑ inwendig. Fachmanns in Anspruch zu nehmen.
auswetzen: ↑ Scharte. ♦ Bei der Redensart handelt es sich um
auswischen: jmdm. eins auswischen (ugs.): ein geflügeltes Zitat aus Schillers »Wil-
jmdm. [aus Rache] übel mitspielen: Wenn helm Tell« (III, 1).
wir der herrschenden Autorität eins aus- die Axt im Haus erspart die Eheschei-
wischen können, sind uns alle Mittel gut dung/den Scheidungsrichter (ugs.
genug (Werfel, Bernadette 130). ... dass scherzh.): wer seinen Partner/seine Part-
mancher ... Zeitgenosse in Versuchung nerin umbringt, braucht sich nicht mehr
kommen könnte, einem missliebigen scheiden zu lassen.
Nachbarn oder Arbeitskollegen eins aus- ♦ Diese auf Mord und Totschlag in Ehe-
zuwischen, indem er ihn der Polizei als krisen anspielende Redensart ist eine um-
Verdächtigen präsentiert (MM 21. 10. gangssprachlich-scherzhafte Variation
1967, II). des vorangehenden Schiller-Zitats.
♦ Die Wendung stammt aus dem Verbin- die Axt an etw. legen: sich anschicken,
dungswesen und bedeutet eigentlich einen Missstand zu beseitigen: Der Stadt-

83
B – Backe

rat versprach, die Axt an diese Miss- saß in fröhlicher Runde bis spät in die
stände zu legen. Man muss die Axt an die Nacht, huldigte dem Bacchus und
B Wurzel der Drogenkriminalität legen. .
schwelgte in Erinnerungen. ... am
♦ Diese Redewendung hat ihren Ur- Abend gab es pro Soldat zwei Flaschen
B sprung in der Bußpredigt Johannes des Bier ... Dafür haben unsere Vorgesetzten
Täufers (Matth. 3, 10): »Es ist schon die Bacchus umso mehr gehuldigt (Spiegel 9,
Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. 1977, 41).
Darum, welcher Baum nicht gute Frucht ♦ Bacchus ist der römische Gott des
bringt, wird abgehauen und ins Feuer ge- Weines, der dem griechischen Dionysos
worfen.« entspricht.
wie eine/wie die Axt im Walde (ugs.): un- Bach: [einen] Bach/[ein] Bächlein machen
gehobelt in seinem Benehmen: Er hat ein (Kinderspr.): urinieren: Papi, Tim hat
Benehmen wie die Axt im Walde. Die-. Bächlein in die Hose gemacht! Der ist
ser Mann mag sich vielleicht wie ein Rü- .
ganz nass! An einer Raststätte legt
pel, wie eine Axt im Walde oder wie ein das ... Auto eine Pause ein. Warum
rauer Krieger benehmen, aber er hat das soll der arme Hund gerade hier zum
Gemüt eines Kindes (Kirst, 08/15, 115). »Bächlein machen«? (www.
verdammte Axt! (ugs.): Ausruf der Verär- redaktion-elternkontakte.de).
gerung oder der Begeisterung: Verdammte den Bach runter sein (ugs.): am Ende sein,
Axt, warum stinkt mein Bügeleisen? . verloren sein: Wenn die Sportkommission
Wow, verdammte Axt, ist das geil, würde am Freitag tagt und du nicht erscheinst,
Lena sagen (SZ 15. 6. 2010, 38). werden sie den Kampf absagen. Dann ist
↑ Scheitel. alles den Bach runter, was ich besitze
(Spiegel 43, 1975, 98).

B
den Bach runtergehen (ugs.): scheitern,
zugrunde gehen, zunichte werden: Dass
dabei Glaubenstreue, Kirchendisziplin
und apostolische Autorität den Bach run-
tergehen, stört unsere verirrten Hirten

b nicht (Spiegel 40, 1999, 14). ... die Firma


droht den Bach runterzugehen (Hörzu 23,
2001, 88).
bachab: bachab schwimmen/gehen
B: ↑ A, ↑ Engel, ↑ Plan, ↑ Vitamin. (schweiz.): ruiniert, vereitelt werden: Alle
babylonisch: babylonische Sprachverwir- Projekte zur Sanierung der Altstadt sind
rung/babylonisches Sprachengewirr (bil- .
bachab gegangen. [Der] Vater ... , der
dungsspr.): Vielfalt von Sprachen, die an für seinen Sohn mit dem Nichtbestehen
einem Ort gesprochen werden [und deren der Aufnahmeprüfung unzählige Berufs-
Sprecher einander nicht richtig verstehen]: wahlmöglichkeiten bachab schwimmen
Terminologisch gesehen, herrscht in der sieht (Schweizer Spiegel 6, 1961, 19).
Linguistik seit den 60er-Jahren eine baby- bachab schicken (schweiz.): als nicht in
lonische Sprachverwirrung. Betracht kommend zurückweisen: Obwohl
♦ Diese Fügung geht auf das 1. Buch die Kandidatur ... von offizieller Seite
Mose (11, 4–9) zurück, wo die Menschen breite Zustimmung fand, schickte das
in Babel aus berheblichkeit gegen Jahwe Volk das Projekt bachab (Basler Zeitung
einen Turm bis zur Höhe des Himmels 27. 7. 1984, 33). Damals hatte der Souve-
bauen wollten, Jahwe sie jedoch strafte, rän eine Vorlage des Gemeinderates
indem er ihre Sprache verwirrte und sie bachab geschickt (Vaterland 26. 7. 1984,
in alle Länder zerstreute. 27).
Bacchus: [dem] Bacchus huldigen (geh. ver- Backe: dicke Backen machen (bes. nordd.
hüllend): [reichlich] Wein trinken: Man ugs. abwertend): sich wichtig tun, sich

84
backen – baden

auf blähen: Alle Welt weiß schließlich, zum Beispiel, die sich gerade in diesen
dass unser Kanzler, der noch 1995 in Ber-
lin der Welt vorbildlichen Klimaschutz
Wochen auf die Olympischen Winter-
spiele in Lillehammer vorbereiten und M
B
M
aus Deutschland versprochen hat, kein deshalb im Blickpunkt der Öffentlichkeit
Ökonom ist und in solchen Fragen immer stehen, würden sich den Schnee am liebs- bade
nur dicke Backen macht (taz 20. 11. 1996, ten backen lassen (FR 6. 1. 1994, 1).
12). Am Dienstag machte CDU-Frakti- etw. gebacken kriegen (ugs.): etw. fertig-
onschef Jens Eckhof in der Bürgerschaft bringen, zustande bringen: Europa, sagt
noch dicke Backen: Davon, dass das Hol- John, da bin ich jetzt etwas vorsichtiger.
lerland Technologiestadtteil werden Erst mal schauen, was die mit ihrem Euro
muss, werde man die SPD auch noch gebacken kriegen (Handelsblatt 6. 6. 1997,
überzeugen (taz 22. 7. 1999, 17). 25). Bleibt abzuwarten, ob Stadt und LOV
etw. an der Backe haben (ugs.): etw. [als das Projekt noch zu diesem Fest geba-
Problem, unangenehme Aufgabe] bewälti- cken kriegen (FR 20. 9. 2000, 1).
gen müssen: Und jetzt hat Everett dieses ↑ Brötchen, ↑ Ei.
Interview mit dem Todeskandidaten an 2
backen: backen und banken (See-
der Backe (Tagesspiegel 29. 4. 1999, 29). mannsspr.): Platz nehmen zum Essen: Alle
Nach Flug-, Geschenk- und Bulettenskan- Mann backen und banken, das Labskaus
dälchen hat der Senat nun auch ein virtu- ist fertig!
elles Problem an der Backe (taz 12. 2. ♦ In der Seemannssprache bezeichnet
2000, 21). »Back« unter anderem den zusammen-
etw. auf einer/auf der linken Backe ab- klappbaren Esstisch. Die Wendung be-
sitzen (salopp): etw. , bes. eine Haftstrafe deutet wörtlich so viel wie »Esstisch und
ohne große Probleme, ziemlich unbeein- Sitzbank herunterklappen«.
druckt hinter sich bringen: Die zwei Jahre Backenbremse: die Backenbremse ziehen
sitze ich doch auf einer Backe ab. (salopp scherzh.): sich (beim Skilaufen)
sich etw. von der Backe putzen können auf das Gesäß fallen lassen und dadurch
(ugs.): die Hoffnung auf etw. aufgeben eine Bremswirkung erzielen: Wenn man
müssen: Noch eine Fünf in Mathe, und du als Anfänger auf einen zu steilen Hang
kannst dir das Studium in Amerika von gerät, zieht man am besten die Backen-
der Backe putzen! Ein Snowboard zu bremse.
Weihnachten? Das kannst du dir von der Backobst: ↑ danken.
.
Backe putzen. Die Sache mit der Di- Backofen: ↑ Einfall.
rektvermarktung seiner Rinder könne er Backschaft: Backschaft machen (See-
sich jetzt wohl »von der Backe putzen«, mannsspr.): das Essgeschirr säubern und
seufzt der junge Landwirt aus Brakel (FR wegräumen: Fertig gegessen? Dann zu-
23. 1. 1997, 3). rück an Deck, hier wird jetzt Backschaft
über beide/ (scherzh.) alle vier Backen gemacht!
grinsen/strahlen: auffallend froh, glück- Bad: Bad in der Menge: unmittelbarer Kon-
lich aussehen/auffallend breit grinsen: Die takt mit einer [wohlmeinenden] Men-
beiden Jungen grinsten über alle vier Ba- schenmenge: Johannes Paul ... wird sich
cken, als die Maus im Briefkasten ver- dem Bad in der Menge seiner Landsleute
schwand. Hast du im Lotto gewonnen? nicht entziehen können (Spiegel 23, 1979,
Du strahlst ja über beide Backen! 118). Offenbar sucht er das Bad in der
↑ au, ↑ Bonbon, ↑ Knopf, ↑ Vaterunser. Menge. Kann nicht genug davon kriegen
1
backen: sich 〈Dativ〉 etw. backen lassen (Strauß, Niemand 174).
(ugs.): sich einen Wunsch nach etw. erfül- ein Bad nehmen: baden: Jeden Abend
len lassen (kommentiert ironisch einen vorm Schlafengehen, nimmt sie ein war-
unerfüllbaren Wunsch): Wenn dir keiner mes Bad mit Lavendelöl.
meiner Entwürfe gefällt, dann musst du ↑ Kind.
.
dir einen backen lassen! Die Skifahrer baden: [bei/mit etw.] baden gehen (sa-

85
baff – Bahnhof

lopp): keinen Erfolg mit etw. haben; mit der Tüchtige soll sich ungehindert entfal-
etw. hereinfallen, scheitern: Ich bin mit ten können: Und der andere Teil, dem ga-
B meinem Plan ganz schön baden gegan-
.
gen. Unsere Gewerkschaft ist jetzt Un-
ben die Sieger die Devise auf den Weg:
freie Bahn dem Tüchtigen (Dönhoff, Ära
baff ternehmer geworden, und da muss sie 52).
sich nach den Methoden der Unterneh- auf die schiefe Bahn geraten/kommen:
mer richten, wenn sie nicht baden gehen auf Abwege geraten; herunterkommen: Da
will (v. d. Grün, Glatteis 278). lebt der Vater da, die Mutter dort, und die
♦ Mit »baden gehen« war ursprünglich Kinder hängen dazwischen. Meistens ge-
gemeint, dass eine Unternehmung oder raten solche Kinder auch noch auf die
Veranstaltung im Freien in wolkenbruch- schiefe Bahn (Hornschuh, Ich bin 53).
artigem Regen endet. 1910 in Paris geboren und als uneheliches
du bist wohl [als Kind] zu heiß gebadet Fürsorgekind bei einer Bauernfamilie auf-
worden!; dich haben sie wohl [als Kind] gewachsen, kam er schon früh auf die
zu heiß gebadet! (ugs.): du bist wohl schiefe Bahn (Bild und Funk 21, 1966, 37).
nicht recht bei Verstand! : Dich haben sie jmdn. aus der Bahn schleudern/werfen:
wohl [als Kind] zu heiß gebadet, mit mei- jmdn. von seiner gewohnten Lebensweise
nem schönen Brief beschwerer einen Na- abbringen, aus dem seelischen Gleichge-
gel in die Wand klopfen! wicht bringen: Der Tod seiner Frau hatte
↑ Schweiß, ↑ Wurm. ihn völlig aus der Bahn geworfen. .
baff: baff sein (ugs.): verblüfft sein: ... na, da ... sein Entschluss, ihr Verhältnis nicht
bist du baff, was? Natürlich, mich schätzt vor einem Standesbeamten zu legalisie-
jeder jünger (v. d. Grün, Glatteis 231). Er ren, warf sie nicht aus der Bahn (Weber,
sei völlig baff gewesen, als er ... wegen Tote 217).
dieser Nötigung Post vom Gericht bekam etw. in die richtige Bahn lenken: dafür
(ADAC-Motorwelt 1, 1987, 41). sorgen, dass sich etw. in der vorgesehenen
Bahn: sich 〈Dativ〉 Bahn brechen: sich oder wünschenswerten Weise entwickelt:
durchsetzen: Er war davon überzeugt, Einer verständnisvollen Lehrerin gelang
dass sich der Sozialismus Bahn brechen es, meine Begeisterung für Musik in die
würde. richtige Bahn zu lenken. Vernünftige An-
einer Sache Bahn brechen: einer Sache sätze waren durchaus erkennbar; es galt
zum Durchbruch verhelfen, Anerkennung nun, das Projekt in die richtige Bahn zu
verschaffen: Er hat dieser Theorie Bahn lenken.
gebrochen. Bahndamm: ↑ Marke.
♦ Beide Wendungen knüpfen an »Bahn« Bahnhof: [immer] nur Bahnhof verstehen
in der alten Bedeutung von »Schneise, (ugs.): nicht richtig, überhaupt nichts ver-
durch Wald oder unwegsames Gelände stehen: Wenn die beiden über Wirt-
gebahnter Weg« an. schaftspolitik sprechen, verstehe ich nur
jmdm. , einer Sache die Bahn ebnen .
Bahnhof. Ich verstand natürlich nur
(geh.): jmdn. , etwas fördern, indem man Bahnhof, weil der ja englisch sprach
die für sein Vorhaben, Vorankommen be- (Spiegel 49, 1979, 89).
stehenden Hindernisse aus dem Weg ♦ Vermutlich geht die Wendung auf die
räumt: Er nahm sich seines Neffen an und Soldaten zu Ende des 1. Weltkrieges zu-
ebnete ihm die Bahn. rück. »Bahnhof« bedeutete für sie »Ent-
freie Bahn haben: alle Schwierigkeiten be- lassung« und »Heimkehr« und war für sie
seitigt haben, ungehindert vorgehen kön- sozusagen das magische Wort. Möglich
nen: Die Finanzierung ist gesichert, die ist auch die Deutung, dass »Bahnhof«
Genehmigungen liegen vor – die Firma hier als Ausgangspunkt einer Urlaubs-
hat freie Bahn für den Bau der neuen Pro- reise gesehen wird und jmds. Gedanken
duktionsanlagen. so beherrscht, dass er für ein anderes
freie Bahn dem Tüchtigen: der Begabte, Thema keine Ohren hat.

86
Bahnschranke – ballern

↑ groß. sich [gegenseitig] die Bälle zuwerfen/zu-


Bahnschranke: ↑ Pommes.
Bahre: ↑ Wiege.
spielen: 1. (veraltend) sich begünstigen,
sich Vorteile verschaffen: Sie haben beide M
B
M
bald: bis bald!/auf bald! (ugs.): Abschieds- in der Planung gearbeitet und sich die
formel: »Bis bald!«, rief sie aus dem Fens- Bälle zugespielt. 2. sich durch Fragen, Be- ball
ter und winkte ihm nach. merkungen geschickt im Gespräch ver-
↑ werden. ständigen, unterstützen: Es machte ihr
Bälde: in Bälde (Papierdt.): in kurzer Zeit, Freude, zu sehen, wie Großvater und En-
bald: Die Frage soll in Bälde ... aufs Tapet kel sich die Bälle zuwarfen, ohne dass die
kommen (NZZ 5. 9. 1986, 13). Schon in anderen es merkten.
Bälde ist mit einer Vervielfachung des Erd- am Ball bleiben (ugs.): aktiv bleiben, etw.
ölpreises zu rechnen (Profil 17, 1979, 33). mit Eifer weiterverfolgen, nicht hinterher-
Balg: jmdm. den Balg abziehen (veraltet): hinken: Die Kriminalpolizei hat eine
jmdn. gründlich übervorteilen: Er dachte, heiße Spur und bleibt weiter am Ball. .
er verstünde sich aufs Kartenspiel, doch Das bringt Schülern und Lehrern mehr
die beiden Spitzbuben hatten ihm im Nu Freude am Unterricht und zwingt uns
den Balg abgezogen. Lehrer förmlich am Ball zu bleiben (www.
jmdm. auf den Balg rücken (ugs.): jmdm. informatik.fh-trier.de).
mit einem Anliegen o. Ä. sehr zusetzen, am Ball sein (ugs.): aktiv sein, handeln
jmdn. stark bedrängen: Bevor ihr die [können]: Noch ist unsere Firma am Ball
Gläubiger auf den Balg rücken konnten, .
und wettbewerbsfähig. Aus seiner Ein-
setzte sie sich nach Panama ab. Dem ins stellung zur Sportmoderation machte er
Zwielicht geratenen Politiker rückte eine nie ein Hehl: Es muss nicht immer ein
Horde Journalisten auf den Balg. Sportfachmann am Ball sein! (Hörzu 11,
♦ Die Wendungen beziehen sich auf 1973, 8).
»Balg« in der Bedeutung »Fell, abgezo- ballen: ↑ Faust.
gene Tierhaut«. ballern: jmdm. eine/ein paar ballern (ugs.):
Balken: ↑ lügen, ↑ Splitter, ↑ Wasser. jmdm. eine kräftige Ohrfeige/mehrere
Ball: der Ball ist rund (Fußball): der Aus- kräftige Ohrfeigen geben: Wenn du das
gang eines Spiels, Turniers o. Ä. ist unge- noch einmal machst, ballere ich dir ein
wiss: Viele glauben, dass die Meister- .
paar! Mein Onkel leckt dem Kollegen
schaft schon entschieden sei, aber der ins Ohr. Der ballert ihm eine (Imog, Wur-
Ball ist rund, und noch ist alles möglich. liblume 165).
den Ball flach halten (ugs.): sich zurück- eine/ein paar geballert bekommen/krie-
halten; unnötiges Risiko, unnötige Aufre- gen (ugs.): eine kräftige Ohrfeige/mehrere
gung o. Ä. vermeiden: Den Ball flach hal- kräftige Ohrfeigen bekommen: Du willst
ten. So lautet die neueste Devise, die wohl ein paar geballert bekommen ... Wo-
Kanzler Gerhard Schröder und Außenmi- möglich ein blaues Auge zum Vorzeigen
nister Joschka Fischer in der Europapoli- (Grass, Butt 517).
tik ausgegeben haben (Handelsblatt 1. 12. sich 〈Dativ〉 einen ballern (ugs.): sich be-
2000, 2). Offiziell wurden in der hessi- trinken: Warum seine Frau am Wochen-
schen Staatskanzlei alle Drohungen an ende immer 1. Klasse fahren muss, um im
die Adresse der Nehmerländer vermieden. Zug nicht von besoffen blökenden Rekru-
Man wollte vor den Verhandlungen der ten überfallen zu werden, will Scherf wis-
Länderregierungschefs in Wiesbaden sen. »Bei dem Frust hier ist es doch kein
»den Ball flach halten«, hieß es (FR 27. 1. Wunder, dass die sich einen ballern«,
2001, 32). klärt ihn ein junger Soldat auf (taz 6. 7.
♦ Die Wendung ist eine bertragung aus 1988, 18). ... früher haben wir uns einen
dem Fußballjargon. Flach gespielte Bälle geballert, heute spielen wir lieber Golf
sind leichter zu kontrollieren und in den (Woche 16. 4. 1999, 42).
eigenen Reihen zu halten. ↑ Latz.

87
Ballhöhe – Bändel

Ballhöhe: auf Ballhöhe sein: gut informiert, Feuerwehr hatte Großeinsatz am laufen-
auf dem Laufenden sein: Der Mann ist den Band (MM 16. 8. 1971, 6).
B das, was man gemeinhin als umtriebig
bezeichnet. Immer da, wo’s passiert, im-
♦ Die Wendung bezieht sich bildlich auf
das ständig laufende Fließband in Fabri-
Ball mer auf Ballhöhe (taz 21. 1. 2000, 16). ken.
♦ Die Wendung stammt aus dem Fuß- durchs Band [weg] (schweiz.): durchweg,
ballsport, wo sich die Schiedsrichter zwar ohne Ausnahme: Nach jahrelangem
nicht unmittelbar am Ball, aber möglichst Krebsgang ... waren ... erstmals wieder
»auf der Höhe« des Balles, also in dem Qualifikationen wie »sehr befriedigend«
Bereich des Spielfeldes aufhalten sollten, ... zu hören, und das durchs Band weg
von dem aus sie das Ballgeschehen opti- durch den ganzen Konzern (NZZ 1. 9.
mal beobachten können. 1988, 33).
Ballon: [so] einen Ballon kriegen/bekom- ↑ Rand, ↑ zart.
men (salopp): aus Verlegenheit einen ro- 2
Band: Bände sprechen (ugs.): sehr auf-
ten Kopf bekommen: Als er plötzlich schlussreich sein, alles sagen: Dass er
merkte, dass seine Hose offen stand, seine Sekretärin auf Reisen mitnimmt,
.
kriegte er so einen Ballon. ... ich bekam .
spricht doch Bände. Es war ein Ge-
einen Ballon, sobald mir Tulla ... begeg- sicht, das er genau kannte; hier sprachen
nete (Grass, Hundejahre 322). selbst die winzigsten Regungen für ihn
Bammel: Bammel haben: Angst haben: Er Bände (Kirst, 08/15, 816).
hatte einen mächtigen Bammel vor der über etw. Bände schreiben/reden/erzäh-
.
Prüfung. Nach rund 1 000 Auftrit- len können (ugs.): sich eingehend zu etw.
ten als Ansagerin hat Ann Ladiges ein äußern können: Ich kenne die beiden seit
»bisschen Bammel« vor ihrer ersten Live- Jahren; ich könnte dir Bände über ihr Ver-
sendung (Hörzu 5, 1973, 117). Vor der hältnis erzählen!
Zukunft hat die kluge Frau, die der Star- Bandage: mit harten Bandagen kämpfen,
vergangenheit keine Träne nachweint, ringen o. Ä.: hart, erbittert, rücksichtslos
keinen Bammel (Hörzu 28, 1971, 82). kämpfen o. Ä. : Hinter den Kulissen wird
♦ »Bammel« ist eine Bildung zu »bam- mit harten Bandagen gerungen. .
meln«, meint also ein Hin- und Her- Heidi ... hat gelernt, mit harten Bandagen
schwingen, die innere Unruhe. zu kämpfen. Eine Karriere-Frau (Hörzu
Banane: alles Banane (ugs. , bes. nordd.): es 46, 1973, 34). Während um die Tariftreue-
gibt keine Probleme; alles ist so, wie es sein erklärung noch mit harten Bandagen
soll: Alles Banane, Alter, deinem Motor- gerungen wird, hat die Regierung unter-
rad ist nichts passiert! dessen an anderer Stelle bereits Fakten
warum ist die Banane krumm?: unwillige geschaffen (Wirtschaftswoche 11. 1. 2001,
Antwort auf eine mit »warum?« eingelei- 30). Der Kampf um Marktanteile auf dem
tete Frage, die man nicht beantworten will prestige- und margenträchtigen US-
oder kann: Papi, warum hast du denn Markt wird seit jeher mit harten Banda-
schon eine Glatze? – Warum, warum! Wa- gen ausgetragen (Handelsblatt 9. 7. 2002,
rum ist die Banane krumm? 13).
dich/den usw. haben sie wohl mit der Ba- ♦ Man führt die Wendung auf den Box-
nane aus dem Urwald gelockt (ugs.): du sport zurück. Die Hände des Boxers wur-
bist/der ist usw. reichlich naiv: Wie den früher zum Schutz mit Bandagen
kannst du dem Kerl einfach dein Geld ge- umwickelt. Je härter die Bandage, desto
ben? Dich haben sie wohl mit der Banane vernichtender war der Schlag.
aus dem Urwald gelockt! Bändel: jmdn. am Bändel/(österr.:) Bandel
↑ ausgerechnet. haben (ugs. , bes. südd. , schweiz.): jmdn.
1
Band: am laufenden Band (ugs.): unabläs- leiten können, wie man will; jmdn. unter
sig, immer wieder: Mit dem neuen Wagen Kontrolle haben: Er ist seit Jahren ein er-
habe ich am laufenden Band Ärger. Die . folgreicher Geschäftsmann und leitet

88
bange – Bär

zwei Firmen und ein Forschungsinstitut, durch die Bank (ugs.): durchweg, alle ohne
aber zu Hause hat ihn seine Mutter im-
mer noch am Bändel. Seine Freundin hat
Ausnahme: In meiner Einfalt nahm ich
an, die Herren Professoren seien durch M
B
M
ihn ganz am Bändel. die Bank solche Geistesriesen (Zwerenz,
♦ Die Wendung geht auf das Band als Kopf 106). Die Casterots sind durch die Bär
Liebespfand zurück, das seit dem Mittel- Bank halbe Doktoren, pflegt Tante Ber-
alter in Dichtung und Volkslied lebendig narde zu behaupten (Werfel, Bernadette
ist. 426).
bange: ↑ angst. ♦ Die Wendung bezog sich ursprünglich
Bange: Bangemachen (Bange machen) gilt darauf, dass alle, die in derselben Bank-
nicht! (landsch. fam.): nur keine Angst reihe sitzen, sozial gleichgestellt sind und
haben, sich nicht einschüchtern lassen! : keiner irgendwelche Vorteile genießt.
Und wenn er sonst wen mitbringt, Bange- ↑ Stuhl.
machen gilt nicht, ich werde trotzdem banken: ↑ 2 backen.
hingehen. Bangemachen gilt nicht – bei Bankrott: Bankrott machen: 1. zahlungsun-
drei springen wir alle zugleich ins Wasser! fähig werden: Viele Einzelhändler haben
↑ Angst. in den letzten Jahren Bankrott gemacht.
bangen: ↑ hangen. 2. ein angestrebtes Ziel o. Ä. nicht errei-
Bank: eine Bank sein (ugs.): zuverlässig zum chen; scheitern: Er hat mit seiner Politik
Erfolg führen; ein sicherer Erfolg sein: Der Bankrott gemacht.
neu erworbene Mittelstürmer ist eine Bann: der Bann ist gebrochen: eine lange
Bank; seit drei Jahren ist er der Torschüt- unabwendbar erscheinende, scheinbar
.
zenkönig der Liga. »Showpeople« ist schicksalhafte Situation ist beendet: Der
eine Bank als Geburtstags- oder Weih- Bann ist gebrochen. Der Fußball-Oberli-
nachtsgeschenk (Oxmox 6, 1983, 141). gist fährt den ersten Saisonsieg ein
♦ Als eine »Bank« bezeichnen Totospie- (Westdeutsche Zeitung 21. 8. 2006).
ler eine Tippreihe, in der durchgehend jmdn. in seinen Bann schlagen/ziehen:
dasselbe Ergebnis vorhergesagt wird. Wer jmdn. ganz gefangen nehmen, fesseln: Die
eine Bank tippt, ist sich über den Aus- .
Musik schlug alle in ihren Bann. Der
gang eines Spiels völlig sicher. Leser wird in Bann geschlagen, seine Auf-
etw. auf die lange Bank schieben (ugs.): merksamkeit gefesselt (Zwerenz, Kopf
etw. aufschieben, hinauszögern: Der Sta- 117). Es faszinierte mich total, wie diese
tus von Berlin, ein Friedensvertrag, das Stars zehntausende Fans begeisterten
Verhältnis zur DDR, all das sind Fragen, und in ihren Bann zogen (Bravo 5. 11.
die sich nicht mehr auf die lange Bank 2003, 8/9).
schieben lassen (Dönhoff, Ära 145). ↑ 1 Acht.
♦ Die Wendung bezieht sich darauf, dass bannen: ↑ Platte.
früher bei den Gerichten die Akten nicht bar: gegen bar: gegen Geldscheine oder
in Schränken, sondern in langen bank- Münzen: Verkauf nur gegen bar, keine
ähnlichen Truhen auf bewahrt wurden. .
Schecks oder Kreditkarten! Die Rechte
Was dorthin kam, blieb lange unerledigt an seinem Bild sind nur gegen bar zu kau-
liegen, während die Akten, die auf dem fen (Saarbr. Zeitung 5. 10. 1979, 14).
Tisch des Richters blieben, schneller be- in bar: in Form von Geldscheinen oder
arbeitet wurden. Münzen: Sie trug fast zehntausend Euro
auf der Bank/ (österr. :) auf dem/am Ban- in bar bei sich. Zahlen Sie in bar oder mit
kerl sitzen (Sport): Reservespieler sein: Scheck?
Wegen einer leichten Verletzung saß der ↑ Kralle, ↑ Münze, ↑ Tisch.
etatmäßige Libero bei diesem Spiel zu- Bär: da o. ä. ist der Bär los/geht der Bär ab
.
nächst nur auf der Bank. Manninger (ugs.): da ist etwas los, herrscht Stimmung,
wird auf dem Bankerl sitzen (Standard kann man viel erleben: Heute Abend ma-
5. 5. 1998). chen wir eine Party, da ist bestimmt der

89
barbieren – barmherzig

Bär los. Wenn der FC Bayern spielt, geht hatte er mir jetzt einen Bärendienst er-
der Bär ab. wiesen (v. d. Grün, Glatteis 153).
B ♦ Die Wendung bezieht sich wohl auf
den Tanzbären auf Jahrmärkten oder den
♦ Die Wendung fußt auf der la-fontaine-
schen Fabel »Der Bär und der Gartenlieb-
barb Bären, der im Zirkus Kunststücke voll- haber«. In dieser Fabel zerschmettert der
bringt. diensteifrige Bär eine lästige Fliege auf
da o. ä. tanzt/steppt der Bär (ugs.): da, ir- der Nasenspitze seines Herrn mit einem
gendwo ist etwas los: ... aber man fährt Stein. Zwar ist nun die Fliege tot, der
nach Patong Beach, um dort das Nachtle- Gärtner aber auch.
ben zu genießen. Denn da tanzt der Bär Bärenführer: den Bärenführer spielen/ma-
(www.ingrids-welt.de). ... in den Straßen chen (ugs. scherzh.): die Rolle des Frem-
drängeln sich die Menschen, und in vielen denführers übernehmen, jmdn. herumfüh-
neuen Lokalen steppt der Bär (Tagesspie- ren: Wenn wir in Berlin sind, kannst du
gel 14. 2. 2000, 11). Auf dem Strommarkt den Bärenführer spielen.
steppt der Bär (SZ 5. 5. 2000, V 2/1). ♦ Unter einem »Bärenführer« verstand
wie ein Bär (ugs.): in auffallend hohem man früher jmdn. , der mit einem Tanzbä-
Maß, sehr: Er ist stark wie ein Bär. Der ren umherzog.
Matrose schwitzte vor Anstrengung wie Bärenhaut: auf der Bärenhaut liegen (ugs.
ein Bär. abwertend): faulenzen: Also wäre es doch
jmdm. einen Bären aufbinden: jmdm. etw. gelacht, wenn Ihr Sohn ... keine Stellung
Unwahres so erzählen, dass er es glaubt: fände – wenn er wirklich arbeiten und
Uns bindest du keinen Bären auf. Du bist nicht auf der Bärenhaut liegen will
blank. Das ist es. Deswegen willst du (Hörzu 31, 1981, 79).
nicht mehr mitmachen (Cotton, Silver-Jet ♦ Die Wendung beruht auf einer alten
156). übertreibenden Ausschmückung der Le-
♦ Die Wendung – früher auch in der bensgewohnheiten der alten Germanen,
Form »jmdm. einen Bären anbinden« ge- wie sie Tacitus in seiner »Germania«
bräuchlich – geht davon aus, dass es prak- (Kap. 15) schildert. Die Germanen hätten,
tisch unmöglich ist, jmdm. (ohne dass er wenn sie nicht im Krieg oder auf der Jagd
es merkt) einen Bären auf den Rücken zu waren, faul auf Fellen herumgelegen und
binden. den Frauen die Arbeit überlassen.
↑ Fell, ↑ schlafen. barfuß: barfuß bis an den/bis zum Hals
barbieren: jmdn. über den Löffel barbie- (ugs. scherzh.): völlig nackt: Er stand bar-
ren/balbieren: jmdn. in plumper Form be- fuß bis an den Hals in der Küche und
trügen: Die Kerle haben sich doch nur .
kochte. Jede Menge Mädchen – barfuß
»kameradschaftlich« betätigt, um Sie, ih- bis zum Hals (= am Nudistenstrand; MM
ren Unteroffizier, über den Löffel zu bar- 25. 10. 1973, 33).
bieren (Kirst, 08/15, 117). barfuß in den Park gehen (ugs. verhüll.):
♦ Die Wendung nimmt darauf Bezug, Sex ohne Präservativ haben: Barfuß in
dass früher Barbiere alten Männern zur den Park gehen und ihr ein Kind machen!
leichteren Rasur einen Löffel in den Du hast vielleicht Nerven!
Mund schoben, um damit die eingefalle- Bargeld: Bargeld lacht! (ugs.): hier wird
nen Gesichtspartien nach außen zu wöl- nichts gepumpt und nichts gestundet! :
ben. »So«, sagte er und knallte den Teller auf
Bärendienst: jmdm. einen Bärendienst er- den Tisch, »ein Schnitzel, macht zehn
weisen (ugs.): in guter Absicht etw. tun, Franken, der Wein drei fünfzig, bitte sehr,
was dem anderen, zu dessen Nutzen es ge- bitte gleich, Bargeld lacht« (Kuby, Sieg
dacht war, schadet: Entweder hatte mir 328).
jemand durch diese Veröffentlichung barmherzig: barmherziger Samariter:
schaden oder aber helfen wollen. Wenn selbstlos helfender Mensch: Als ich mich
dieser Jemand mir aber helfen wollte, auf dem riesigen Flughafen rettungslos

90
Barmherzigkeit – Bart

verlaufen hatte, fand ich einen barmher- .


wirklich so einen Bart! Sehn Sie, diese
zigen Samariter in Gestalt einer freundli-
chen Stewardess.
Masche hat doch schon ’nen Bart (Bamm,
Weltlaterne 73). M
B
M
♦ Diese Fügung geht auf das biblische ♦ Die Wendung ist in der ersten Hälfte
Gleichnis (Luk. 10, 33) zurück, in dem ein des 20. Jahrhunderts aufgekommen, als Bart
Reisender aus Samaria einem ausgeraub- der Vollbart aus der Mode kam und nur
ten und verwundeten Mann in vorbildli- noch von alten Männern getragen Inbe-
cher Weise Hilfe leistet. griff des Alten und Rückständigen wurde.
Barmherzigkeit: ↑ Gnade. einen Bart mit Dauerwellen haben (ugs.
Barock: ↑ Gelsenkirchener. scherzh.): längst bekannt, völlig überholt
Barometer: das Barometer steht auf Sturm sein: Was der Redner uns da auftischt, hat
(ugs.): die Lage ist gespannt, es herrscht einen Bart mit Dauerwellen. Deine angeb-
eine gereizte Stimmung: In ihrer Ehe steht lich so neuen Ideen haben alle einen Bart
das Barometer mal wieder auf Sturm. mit Dauerwellen.
Barrikade: auf die Barrikaden gehen/stei- einen Bart einfangen (schweiz.): in einer
gen (ugs.): empört gegen etw. angehen, Auseinandersetzung o. Ä. der Unterlegene
durch Protestaktionen etw. durchzusetzen sein, sich blamieren: Die Mannen mach-
versuchen: Bürger, rettet eure Städte! ten mit der Hand eine Bewegung gegen
Geht auf die Barrikaden, bevor es zu spät das Kinn hin und von da an abwärts ge-
ist! (Hörzu 8, 1973, 73). Bemerkenswert gen die Brust, mit dieser wohl bekannten
ist auch, dass aus der Ecke der Kürzungs- Geste andeutend, sie hätten einen Bart
kandidaten kaum Protest zu vernehmen eingefangen (Guggenheim, Alles in allem
ist – nach den Verteilungskämpfen der 1 009).
vergangenen Jahre fehlt vielen offenbar bei seinem Barte/beim Barte des Prophe-
die Kraft, noch einmal auf die Barrikaden ten schwören (ugs. scherzh.): feierlich be-
zu gehen (SZ 3. 7. 2004, 15). teuern: Er schwor bei seinem Barte, dass
Bart: jetzt ist der Bart [aber] ab! (ugs.): von Heiratsabsichten überhaupt keine
nun ist Schluss! ; nun ists aber genug! : Eine .
Rede sein könnte. ... hier kann unbe-
Stunde lang habe ich mir das Gequatsche denklich beim Barte des Propheten ge-
angehört, jetzt ist der Bart [aber] ab! schworen werden (Bergengruen, Ritt-
♦ Der Ursprung der Redensart ist nicht meisterin 211).
sicher geklärt. Sie kann Ende des 19. Jahr- beim Barte des Propheten! (ugs.
hunderts aufgekommen sein, als auf den scherzh.): Beteuerungsformel: Beim Barte
Vollbart Wilhelms I. und Friedrichs III. des Propheten, ich habe die Schachtel
der Schnurrbart Wilhelms II. folgte. Sie Pralinen nicht verputzt!
könnte sich aber auch ursprünglich auf ♦ Mit dem Propheten ist hier wohl frag-
den abgebrochenen Bart des Schlüssels los Mohammed gemeint. Jedoch nicht nur
bezogen haben. aus der morgenländischen, islamischen
sich den Bart kratzen (ugs.): sich rasieren: Literatur, sondern auch aus der des deut-
Zeit, dass du dir mal wieder den Bart schen Mittelalters ist uns die Sitte des
kratzt, oder gefällst du dir vielleicht mit Beim-Barte-Schwörens bekannt, wobei
den langen Stoppeln? der Bart selbst berührt wurde.
jmdm. den Bart anhängen (schweiz.): etw. in seinen Bart brummen/murmeln
jmdm. die Schuld an etw. zuschieben: Falls (ugs.): etw. [unzufrieden oder unwillig]
etwas schiefgehen sollte, würde man ein- leise und undeutlich vor sich hin reden:
fach der Staatsrechnungsprüfungskom- Was murmelst du in deinen Bart? Du
mission den Bart anhängen. .
willst nicht mehr mitmachen? Aber
[so] einen Bart haben (ugs. abwertend): vielleicht hat er doch manches in seinen
altbekannt sein und deshalb seinen Reiz, Bart hineingebrummt, hm, wer weiß?
seine Wirkung verloren haben und jmdn. (Andres, Liebesschaukel 34).
langweilen: Dieser Witz hat nun aber jmdm. um den Bart gehen/streichen:

91
Bart[auf]wickelmaschine – Bauch

jmdn. umschmeicheln: Sieh dir mal an, Rückflug ... für mich ohne Kosten blieb
wie der dem Chef um den Bart geht. . (ADAC-Motorwelt 2, 1982, 80).
B Denn Macht wurde ja von oben verliehen,
nicht »unten« gesucht und erworben, in-
♦ Das Wort »bass« ist eine alte, unregel-
mäßige Steigerungsform zu »wohl«, die
Bart dem man dem Volk um den Bart ging erst in jüngerer Zeit die Bedeutung
(Dönhoff, Ära 42). Gejubelt wird im Ein- »sehr« angenommen hat.
parteienland China von Staats wegen, Bassgeige: ↑ Aas, ↑ Himmel.
aufs Angenehmste um den Bart gestri- Bau: vom Bau [sein] (ugs.): vom Fach [sein]:
chen sowieso (SZ 30. 12. 2002, 1). Uns kann sie nichts vormachen, wir sind
♦ Die Wendung bedeutet eigentlich »mit .
Leute vom Bau. Was habe er denn da
der Hand um den Bart gehen«, d. h. den für eine Meinung, da er die Kollegen bes-
Bart liebevoll streicheln – eine Gebärde, ser kenne als sie, vom Bau sei, wie man so
die bereits in Homers »Ilias« beschrieben sagen könnte (Fries, Weg 186).
wird. ♦ Die Wendung ist eine verkürzte Form
streiten/das ist ein Streit um des Kaisers der Bezeichnung »Leute vom Bau«, die
Bart (ugs.): um Nichtigkeiten streiten/das vermutlich auf ein 1828 in Berlin uraufge-
ist Streit um Nichtigkeiten: Die beiden führtes Stück »Das Fest der Handwerker«
streiten mal wieder um des Kaisers Bart. zurückgeht.
Ob der Treibstoff ausgereicht oder nicht Bauch: ein voller Bauch studiert nicht
ausgereicht hätte, das ist doch ein Streit gern: ein satter Mensch ist träge und
um des Kaisers Bart. denkfaul: Nach dem Mittagessen ist eine
♦ Des »Kaisers Bart« ist vermutlich ent- zweistündige Pause bis zum nächsten
stellt und umgedeutet aus »Geißenhaar« Vortrag vorgesehen, ein voller Bauch stu-
(= Ziegenhaar), vgl. die lateinische Re- diert nicht gern.
densart »de lana caprina rixari«, eigent- ♦ Die sprichwörtliche Redensart wird
lich »um Ziegenwolle, d. h. um nichts, auch in lateinischer Form (»plenus venter
streiten«. Später bezog man die Wendung non studet libenter«) gebraucht.
auf den Gelehrtendisput um die Bart- sich 〈Dativ〉 [vor Lachen] den Bauch hal-
tracht der deutschen Kaiser. ten (ugs.): heftig lachen müssen: Ich habe
↑ Honig. mir den Bauch vor Lachen gehalten, als er
Bart[auf]wickelmaschine: im Keller läuft/ plötzlich in Unterhosen vor mir stand. .
rasselt die Bart[auf]wickelmaschine (ugs. Diesmal wars aber besonders nett, wir ha-
scherzh.): das ist längst bekannt: Das soll ben uns den Bauch gehalten vor Lachen
ein Gag sein? Da rasselt ja im Keller die (MM 5. 1. 1976, 17).
Bartwickelmaschine! einen dicken Bauch haben (derb):
Barthel: wissen, wo Barthel den Most holt schwanger sein: Sie mit ’m dicken Bauch,
(ugs.): alle Kniffe kennen: »Das Treib- Walterli drin, Roberding mit geschwolle-
haus« ist ein Porträt der herrschenden nen Mandeln ... Das war ein Jahr! (Kem-
Klasse, die schon wieder weiß, wo Barthel powski, Uns 173).
den Most holt (Zeit 22. 3. 1996, 51). [mit etw.] auf den Bauch fallen (ugs.):
♦ Die Herkunft der Wendung ist nicht [mit etw.] scheitern, erfolglos bleiben: Sie
sicher geklärt. Vielleicht stammt sie aus ist schon so oft auf den Bauch gefallen,
der Gaunersprache und ist aus rotwelsch dass sie Angst vor jeder neuen Beziehung
»Barsel« (= Brecheisen) und »Moos« (= .
hat. Sie haben ... keinen Versuch ausge-
Geld) entstellt, bedeutete also eigentlich lassen, mir etwas nachzuweisen, was
»wissen, wo man mit dem Brecheisen an nicht korrekt war. Meistens sind sie da-
Geld herankommt«. mit auf den Bauch gefallen (Spiegel 39,
bass: bass erstaunt/verwundert sein: sehr 1987, 35).
erstaunt/verwundert sein: Ich hatte über- vor jmdm. auf dem Bauch liegen/krie-
haupt nicht mehr an den Schutzbrief ge- chen (ugs. abwertend): jmdm. gegenüber
dacht und war bass erstaunt, als der unterwürfig, kriecherisch sein: Dieses

92
bauen – Baum

Würstchen fühlt sich noch wohl dabei, Gaunersprache und bedeutete ursprüng-
wenn es vor dem Chef auf dem Bauch
kriechen darf ! Wir brauchen keine Staats-
lich »einen einfältigen Bauern, einen
Menschen aus der Provinz, der in Berlin M
B
M
sekretäre, die vor ihrem Minister auf dem zu Besuch ist, überlisten«. Dazu stellt
Bauch liegen, sondern kritische und sich die Bildung »Bauernfänger«. Baum
selbstbewusste Verwaltungsspezialisten. Bauklotz: Bauklötze[r] staunen (ugs.): vor
aus dem Bauch [heraus]: nach Gefühl, in- Staunen sprachlos sein: Da staunst du
tuitiv: Wessen Werk allerdings das Prädi- Bauklötzer, was? Die Zuschauer staunten
kat »Meilenstein« verdient, wurde aus Bauklötzer, als der Dompteur seinen Kopf
dem Bauch entschieden (Spiegel 20, 2000, in den Rachen des Tigers steckte. .
247). Wir machen zwar schon eine Pla- Schulz staunte Bauklötze. War das Vier-
nung, aber dann arbeite ich doch immer bein? (Kirst, 08/15, 518).
auch aus dem Bauch heraus (SZ 30. 10. ♦ Der Ursprung dieser im frühen 20. Jahr-
2002, 43). hundert in Berlin aufgekommenen Wen-
aus dem hohlen Bauch (ugs.): ohne Vorbe- dung ist nicht eindeutig geklärt. Am über-
reitung, ohne sich vorher fachlich orien- zeugendsten ist jedoch die Deutung, dass
tiert zu haben: Wie viel wir genau umge- der ursprünglich berlinische Wortlaut
setzt haben, kann ich so aus dem hohlen »Jlotzen machen« (kurz für »Jlotzoogen«
.
Bauch nicht sagen. Höfer wollte einmal = »Glotzaugen«) war, was allmählich zu
zeigen, wie man ohne ... Vorbereitung, »Jlotzen staunen« abgewandelt wurde und
einfach aus dem hohlen Bauch der schließlich unter Einfluss des bedeutungs-
Menschlichkeit so eine »Talkshow« ... gleichen fränkischen Wortes »Klozzer« zu
macht (Spiegel 41, 1977, 237). der heute üblichen Version mit »Bauklöt-
↑ Auge, ↑ Bein, ↑ Kind, ↑ Laus, ↑ Loch, ↑ Mo- zer« geführt hat.
nogramm, ↑ voll, ↑ Wut. Baum: die Bäume wachsen nicht in den
bauen: ↑ Brücke, ↑ gebaut, ↑ Haus, ↑ Kohl, Himmel: jeder Erfolg hat seine Grenzen:
↑ Luftschloss, ↑ Männchen, ↑ Mist, ↑ Sand, ... meine Gegnerinnen aus aller Welt sor-
↑ Schwanz, ↑ Türke, ↑ Turm, ↑ Wasser. gen schon dafür, dass die Bäume nicht in
Bauer: die dümmsten Bauern haben/ernten den Himmel wachsen (Maegerlein, Piste
die dicksten/größten Kartoffeln: Kom- 90).
mentar, wenn jemand mühelos und völlig der Baum brennt (salopp): die Lage ist
unverdient Erfolg hat: Der Mann konnte sehr bedrohlich [und es muss dringend Ab-
nicht mal eine Bilanz lesen, ist aber mit hilfe geschaffen werden]: Wenn die Kom-
35 schon Wirtschaftsminister geworden – munalwahlen verloren gehen, brennt in
die dümmsten Bauern haben halt die .
der Parteizentrale der Baum. In Sara-
dicksten Kartoffeln! gossa brannte nämlich der Baum, spielte
↑ kalt. die letzte Saison im Uefa-Cup angetretene
Bäuerchen: [ein] Bäuerchen machen (fam.): Equipe doch bis zuletzt gegen den Ab-
(von Säuglingen) aufstoßen: Wenn das stieg (NZZ 22. 6. 2001, 55).
Baby getrunken hat, muss es Bäuerchen einen alten Baum soll man nicht ver-
machen. pflanzen: einen alten Menschen soll man
♦ »Bäuerchen« ist die Koseform von nicht aus seiner gewohnten Umgebung rei-
»Bauer« in der Bedeutung »grober, unge- ßen: Opa wollte nicht mit uns in die Stadt
schliffener Mensch«. ziehen; er meinte, einen alten Baum solle
Bauernfang: auf Bauernfang ausgehen man nicht verpflanzen.
(ugs.): auf leicht durchschaubare Weise Bäume ausreißen [können] (ugs.): Kraft
seine Mitmenschen zu betrügen suchen: und Schwung haben, sehr viel leisten kön-
Wir sind ein seriöses Werbeinstitut, wir nen: Der neue Chef reißt auch keine
versuchen nicht, mit billigen Tricks auf .
Bäume aus. Als ich so alt war. Bäume
Bauernfang auszugehen. hab ich da ausreißen können (Sebastian,
♦ Die Wendung stammt aus der Berliner Krankenhaus 82).

93
Bäumchen – Becher

es ist, um auf die Bäume zu klettern dich« spielen, aber die meisten waren be-
(ugs.): es ist zum Verzweifeln: Es ist, um reits angetrunken und schläfrig.
B auf die Bäume zu klettern; jetzt habe ich
ihn doch tatsächlich wieder verpasst! 3 0
♦ Dieser Wendung liegt das Kinderspiel
»Bäumchen, wechsle dich« zugrunde, bei
Bäum haben wir verloren, es ist, um auf die dem alle Mitspieler außer einem an je ei-
Bäume zu klettern! nem Baum stehen und auf den Ruf des in
♦ Die Wendung veranschaulicht scherz- der Mitte stehenden Spielers hin zu ei-
haft übertreibend, dass jmd. bei starker nem anderen Baum laufen, während die-
Gemütsbewegung, besonders wenn er ser eine versucht, selbst einen freien
wütend ist, »hochgeht«. Baum zu erreichen.
[nicht] auf den Bäumen wachsen (ugs.): Bausch: in Bausch und Bogen: ganz und
[nicht] in großer Menge, Zahl vorhanden gar, im Ganzen genommen, ohne das Ein-
sein: Gilt doch Italien als das Land, wo zelne zu berücksichtigen: Er lehnt alle Re-
nicht nur die Zitronen blühn, sondern formpläne in Bausch und Bogen ab.
auch die Designer gleichsam auf den Bäu- ♦ Die Wendung stammt aus der Rechts-
men wachsen (SZ 5. 7. 2000, 16). Solche und Kaufmannssprache. Sie bezog sich
Persönlichkeiten wachsen nun mal nicht ursprünglich beim Kauf oder Verkauf von
auf den Bäumen (Zeit 36, 27. 8. 1998, 3). Grundstücken auf die Abmessung der Bo-
♦ Die Wendung knüpft vermutlich an denfläche ohne Berücksichtigung der
die verbreitete scherzhafte Redensart »In Ausbuchtungen (= Bausch) oder Ein-
Sachsen, wo die schönen Mädchen auf buchtungen (= Bogen) der Grenzlinie.
den Bäumen wachsen« an. Zugrunde Baustelle: eine andere/nicht jmds. Bau-
liegt die alte verhüllende Vorstellung des stelle sein: ein anderes Thema, Gebiet/
Volksglaubens, dass Kinder auf Bäumen nicht jmds. Interessen-, Wirkungs-, Verant-
wachsen. wortungsbereich o. Ä. sein: Wieder eine
zwischen Baum und Borke stecken/ste- andere Baustelle sind Corps. Sie gelten als
hen/sitzen: sich in einer verzwickten Si- die älteste Form der Studentenverbin-
tuation befinden, in der man nicht weiß, dungen (www.spiegel.de, 22. 6. 2001). Ich
wie man sich angesichts zweier unverein- lasse mir relativ viel vorwerfen, nicht aber
barer Gegensätze verhalten soll: Ich weiß das Wahlprogramm der SPD. Das ist nicht
nicht, ob ich nach Frankfurt gehen oder meine Baustelle (www.gruene-fraktion.
das Engagement in Düsseldorf annehmen de, 23. 2. 1999).
soll. Ich stecke mal wieder zwischen Beamter: ein ruhiger Beamter sein (ugs.):
.
Baum und Borke. Die Abgeordneten ein verträglicher Mensch sein, der ruhig
aber haben vor der nächsten Wahl noch und ohne Ehrgeiz seine Arbeit verrichtet
die nächste Vorwahl zu überstehen, und und sich nicht um die Angelegenheiten an-
die wird von den Getreuen der Partei ent- derer kümmert: Der Neue ist ein ganz ru-
schieden. Sie sitzen also zwischen Baum higer Beamter, mit dem werden wir gut
und Borke: Entweder sie verärgern ihre auskommen.
eigene, meist rechte Parteibasis oder ihre Beantwortung: in Beantwortung einer Sa-
meist viel liberaleren Wähler (taz 17. 12. che (Amtsspr.): (im Schriftverkehr) [als
1998, 10). Antwort] auf ...: In Beantwortung Ihres
♦ Die Wendung bezieht sich bildlich auf Schreibens teilen wir Ihnen mit, dass wir
das Beil, das sich beim Behauen eines zu Verhandlungen bereit sind.
Baumes zwischen Rinde und Holz ver- Becher: zu tief in den Becher geguckt/ge-
klemmt hat. schaut haben (ugs. scherzh.): zu viel Alkohol
↑ Wald. getrunken haben; angetrunken sein: Lautes
Bäumchen: »Bäumchen, wechsle dich« Singen in der Nachbarschaft ließ vermuten,
spielen (ugs. scherzh.): den Geschlechts- dass der freundliche Herr von nebenan mal
partner wechseln: Zu vorgerückter Stunde wieder zu tief in den Becher geschaut hatte.
wollte man noch »Bäumchen, wechsle ↑ Wermutstropfen.

94
bedacht – Beerdigung

bedacht: auf etw. bedacht sein: auf etw. .


schluss ergeben. Tschanz gab zu be-
besonderen Wert legen; auf etw. genau
achten: Wir waren darauf bedacht, kein
.
denken, dass Schmied unter seinem Man-
tel einen Gesellschaftsanzug getragen M
B
M
unnötiges Aufsehen zu erregen. ... wäh- habe (Dürrenmatt, Richter 24).
rend Bullit das Reservat ablief und nur ↑ bedacht. Beer
auf das Wohl seiner Tiere bedacht war ... Bedenken: Bedenken tragen (geh.): noch
(Kessel [ bers.], Patricia 75). nicht entschlossen sein, zögern: Der
Bedacht: auf etw. Bedacht nehmen (Pa- Kaninchenmäulige trug jetzt keine Be-
pierdt.): auf etw. besonderen Wert legen, denken mehr, den Damen der Stamm-
auf etw. genau achten: Bei Ausführung der tischrunde seinen berühmten Sträfling
obigen Verordnung ist auf die besonderen vorzuführen (Feuchtwanger, Erfolg 534).
Belange der ortsansässigen Kleingewer- bedeutend: um ein Bedeutendes (geh.): um
betreibenden Bedacht zu nehmen. Au- . ein bedeutendes Maß: Auch wenn der Ha-
ßerdem seien die Journalisten zu nahe an ken ausbricht, wird trotzdem die Wucht
der Wissenschaft und nähmen zu wenig des Sturzes um ein Bedeutendes verrin-
auf die Lebensumstände der Leser Be- gert (Eidenschink, Fels 64). Ein sonderba-
dacht (Standard 24. 11. 2010, 13). rer Gemütszauber machte die lebhaften
mit/voll Bedacht: mit genauer, sorg fälti- Spiele noch um ein Bedeutendes beliebter
ger berlegung: Der Karawanenführer und stürmischer (R. Walser, Gehülfe 64).
hatte voll Bedacht den Weg entlang der bedienen: bedient sein (salopp iron.): ge-
.
Hügelkette gewählt. Christine schien nug haben, es überdrüssig sein: Wenn
sich diesen Abend mit Bedacht ausge- man sich das Gequatsche deines Schwa-
sucht zu haben (Bieler, Mädchenkrieg 80). gers zwei Stunden lang anhören muss, ist
ohne Bedacht: ohne jede berlegung; un- .
man bedient. ... die Mütter sind oft be-
besonnen: Ohne Bedacht gesprochene dient: »Hast du schon wieder die Bon-
Worte hatten unsere Geschäftspartner bontüten in der Hand?« (Hörzu 48, 1970,
.
schwer gekränkt. Mechanisch und 110).
ohne den rechten Bedacht erledigte er die [mit etw.] gut/schlecht bedient sein
kleinen Handgriffe (Th. Mann, Zauber- (ugs.): [mit etw.] gut/schlecht versorgt
berg 127). sein, davonkommen: Mit einem solchen
Bedarf: jmds. Bedarf ist gedeckt (ugs. Vertrag wären Sie weiß Gott schlecht
scherzh.): jmd. hat endgültig genug, ist es .
bedient! Dass wir mit der Richtge-
überdrüssig: Mein Freund war zweimal schwindigkeit auf unseren Autobahnen
verheiratet, sein Bedarf ist gedeckt. Ihr . gut bedient sind, hat sich längst herum-
Bedarf an Geschichten ist gedeckt; Ca- gesprochen (Allgemeine Zeitung 6. 2.
milla hat selbst eine Geschichte (Frisch, 1985, 20).
Gantenbein 406). Beelzebub: ↑ Teufel.
bedeckt: sich bedeckt halten: sich nicht Beerdigung: eine Beerdigung/ein Begräb-
äußern, seine Meinung zurückhalten: nis erster Klasse (salopp): ein spektakulä-
Der ... Abteilungsleiter ... hielt sich eben- rer Misserfolg; in spektakulärer Weise das
falls bedeckt. »Kein Kommentar!« (CCI Ende von etw.: Eine Beerdigung erster
12, 1985, 14). ... sie werden sich auch, in Klasse wird das Gipfeltreffen der sieben
Erinnerung an das, was er zu Amtszeiten reichsten Industrieländer an diesem Wo-
für sie getan hat, hübsch bedeckt halten chenende in Halifax bringen: Zu Grabe
(MM 24. 2. 1986, 2). getragen wird die Reform der internatio-
bedenken: etw. zu bedenken geben: etw. nalen Finanzinstitutionen Währungs-
zu beachten bitten; auf etw. nachdrücklich fonds und Weltbank (Zeit 16. 6. 1995, 24).
hinweisen: Er gab zu bedenken, dass er in ♦ In seinen »Gedanken und Erinnerun-
Notwehr gehandelt habe. Ich möchte gen« beschreibt Otto von Bismarck auch
noch einmal zu bedenken geben, welche seine Entlassung aus dem Amt des
Vorteile sich aus einem Zusammen- Reichskanzlers durch Kaiser Wilhelm II.

95
Befehl – Begriff

im Jahr 1890. In diesem Zusammenhang von Brabant, ihn nach seinem Namen
heißt es in der Autobiografie: »... am und seiner Herkunft zu fragen.
B 29. März verließ ich Berlin unter diesem
Zwange übereilter Räumung meiner
begeben: ↑ Boden, ↑ Gefahr, ↑ Höhle.
begegnen: ↑ Mondschein.
Befe Wohnung und unter den vom Kaiser im begehren: ↑ Herz.
Bahnhof angeordneten militärischen Eh- begießen: ↑ Nase, ↑ Pudel.
renbezeigungen, die ich ein Leichenbe- begleichen: ↑ Rechnung.
gängnis erster Klasse mit Recht nennen begleiten: ↑ Weg.
konnte.« Die heute geläufigen Fügungen begraben: sich begraben lassen können
»Beerdigung« oder »Begräbnis erster (ugs.): versagt haben, keine weitere
Klasse« gehen wahrscheinlich darauf zu- Chance mehr haben: Unsere Mannschaft
rück. kann sich begraben lassen, sie hat aus-
[das] ist nicht meine Beerdigung (sa- .
wärts wieder verloren. Da liegen die
lopp): was da an Unangenehmem zu er- Rosen ... und daneben ein Zettel mit einer
warten ist, geht mich nichts an, betrifft Botschaft von Fritz. »Die Dame sagt, Sie
mich nicht: Wenn du dich unbedingt mit sollen sich begraben lassen. Gruß, Fritz«
den Hooligans anlegen willst – bitte, ist ja (Remarque, Obelisk 72).
nicht meine Beerdigung! sich mit etw. begraben lassen können
auf der falschen Beerdigung sein (sa- (ugs.): mit etw. keine Aussicht auf Erfolg
lopp): 1. am falschen Ort sein, an den be- haben, nichts erreichen können: Mit so ei-
treffenden Ort nicht hingehören: Das ist nem Abschlusszeugnis kannst du dich
gar nicht der Kreuzberger Tuntenball? begraben lassen. Mit einem Studienplatz
Dann sind wir hier aber auf der völlig fal- ist da nichts.
schen Beerdigung! 2. eine irrige Vorstel- da/dort möchte ich nicht begraben sein
lung von etw. haben: Wenn du denkst, der (ugs.): da/dort möchte ich unter keinen
regelmäßige Konsum von Marihuana sei Umständen leben: In diesem Provinznest
ungefährlich, nur weil es eine sogenannte wohnt ihr jetzt? Da möchte ich nicht be-
»weiche« Droge ist, dann bist du auf der graben sein.
falschen Beerdigung. ↑ Hund, ↑ Kriegsbeil, ↑ tot.
Befehl: zu Befehl! (Militär): jawohl, ich Begräbnis: ↑ Beerdigung.
werde den Befehl ausführen: »Zu Befehl, begreifen: das begreife, wer will: diese
Herr Kriegsarzt«, erwiderte ich in dienst- Verhaltens-, Handlungsweise o. Ä. ist mir
fertigem Tone (Th. Mann, Krull 123). Zu unbegreif lich, das verstehe ich nicht, das
Befehl, Herr General! – Zu Befehl, in Wo- ist völlig unsinnig: Er hat für seinen Bru-
roponowo sind die Russen (Plievier, Sta- der immer alles getan, und der hilft ihm
lingrad 193). jetzt nicht. Das begreife, wer will.
↑ Wunsch. Begriff: ein Begriff sein: als Gütezeichen
befehlen: ↑ Gott. bekannt sein: Der Name dieser Sängerin
befinden: ↑ Gesellschaft, ↑ Holzweg, ↑ Irr- ist in der ganzen Welt ein Begriff.
tum, ↑ 1 wiegen. jmdm. ein Begriff sein: jmdm. bekannt,
beflattern: ↑ Hahn. vertraut sein: Untersuchungshaft, Polizei-
befördern: ↑ Freie, ↑ Jagdgründe, ↑ Jenseits, präsidium, Kavalleriestraße, wenn Ihnen
↑ Luft. das ein Begriff ist (Grass, Hundejahre
befragen: nie sollst du mich befragen 434). Ich habe ... von der Gestapo den
(scherzh.): dazu möchte ich mich nicht Auftrag, von dem Kommissar Esche-
äußern: Hast du eine Erklärung dafür, rich ... , wenn der Ihnen ein Begriff ist
woher die Tante plötzlich so viel Geld (Fallada, Jeder 188).
hat? – Nie sollst du mich befragen! im Begriff sein/stehen, etw. zu tun: ge-
♦ Diese Redensart ist ein Zitat aus Ri- rade etw. anfangen, tun wollen: Wir waren
chard Wagners Oper »Lohengrin«. Mit gerade im Begriff aufzubrechen, als drau-
diesen Worten verbietet Lohengrin Elsa ßen ein fürchterliches Unwetter ein-

96
begründen – bei
.
setzte. Er eilte in sein Zimmer zurück, amte hat die alte Frau wie ein Stück
.
fasste den Hut und stand im Begriff, das
Pfarrhaus, so wie er war, zu verlassen
Dreck behandelt. Und bei der Polizei
sind wir ... wie der letzte Dreck behandelt M
B
M
(Langgässer, Siegel 109). worden (Klee, Pennbrüder 43). ... Mario
schwer/langsam von Begriff sein (ugs. erzählt: »Zu Hause behandeln sie mich bei
abwertend): eine schwere, langsame Auf- wie einen Hund« (FR 30. 12. 1999, 2).
fassungsgabe haben: Der neue Kollege jmdn. wie ein Stück Vieh behandeln
scheint ein bisschen schwer von Begriff (ugs.): jmdn. roh und rücksichtslos behan-
.
zu sein. Margarete glaubte ... , die deln: Der Gefangene wurde wie ein Stück
Leute seien gar nicht so böse, sie seien Vieh behandelt. Er war ein Säufer und
verhetzt, dazu ein wenig langsam und Taugenichts, der seine Frau wie ein Stück
schwer von Begriff (Feuchtwanger, Herzo- Vieh behandelte.
gin 102). ↑ Rotz.
begründen: in etw. begründet sein/liegen: Beharrlichkeit: Beharrlichkeit führt zum
sich aus etw. herleiten lassen: Diese Kli- Ziel: wer sich von seinem Vorhaben nicht
maverhältnisse sind in der geografischen abbringen lässt, hat letztlich Erfolg: Seit
Lage des Ortes begründet. Es liegt in der Jahren versucht sie, ihn zu einem neuen
Natur des Menschen begründet, dass er Auto zu überreden – gestern war er end-
auf seinen Vorteil bedacht ist. lich beim Autohändler! Beharrlichkeit
begucken: ↑ innen. führt zum Ziel.
behalten: ↑ Auge, ↑ 1 Heft, ↑ Hinterkopf, behaupten: ↑ Feld.
↑ Kopf, ↑ Nerv, ↑ Oberhand, ↑ Platz, ↑ recht, beherrschen: ↑ Effeff, ↑ Feld, ↑ Szene.
↑ Weisheit, ↑ Wort. Beherrschung: seine/die Beherrschung
behandeln: jmdn. , etw. behandeln/anfas- verlieren: eine heftige emotionale Äuße-
sen wie ein rohes Ei (ugs.): jmdn. , etw. rung, Reaktion nicht mehr unterdrücken
vorsichtig behandeln, mit jmdm. , etw. äu- können; wütend, laut, ausfällig werden:
ßerst behutsam umgehen: Der Trainer Lüthje habe die Beherrschung verloren
dachte gar nicht daran, den Star der und Kohl angeschrien: »Herr Kohl, es
Mannschaft wie ein rohes Ei zu behan- wird nichts geändert« (www.freitag.de,
deln. So ein hoch technisiertes Gerät 24. 12. 1999).
muss man behandeln wie ein rohes Ei. Behuf: zu dem/diesem Behufe (veraltet): zu
jmdn. wie einen dummen Jungen behan- diesem Zweck: ... sie überschütten dich
deln (ugs.): jmdn. nicht ernst nehmen und mit Vokabeln, die sie zu diesem Behuf er-
ihn in entsprechend unangemessener funden haben (Tucholsky, Werke II, 243).
Weise behandeln: Der Gast behandelte behüten: ↑ Gott.
den Ober wie einen dummen Jungen. Ich bei: [ganz] bei jmdm. sein: mit jmdm.
lasse mich doch von Ihnen nicht wie ein [ganz] einverstanden, derselben Meinung
dummer Junge behandeln. sein: Bei der Kritik an diesem formalisier-
jmdn. wie Luft behandeln (ugs.): jmdn. ten, synthetischen Politikverständnis bin
demonstrativ nicht beachten: Find ich fies ich bei Ihnen (Zeit 21. 2. 2007, 6). Hoeneß
von dir, dass du mich den ganzen Abend zeigte sich verständnisvoll und sagte
wie Luft behandelt hast! Sie nahm sich mehrmals »Ich bin ganz bei Ihnen mit Ih-
fest vor, diesen unverschämten Flegel in rer Kritik« (taz 16. 5, 2007, 22). Schlimm
Zukunft wie Luft zu behandeln. Er . genug, dass die Leute seit einiger Zeit da-
machte in Männerbündlerei. Die Studen- von sprechen, »ganz bei Ihnen zu sein«,
tinnen behandelte er wie Luft (Niekisch, wenn sie der Meinung des Gegenübers
Leben 252). sind (SZ 22. 2. 2011, 13).
jmdn. wie ein Stück Dreck/wie den letz- nicht [ganz] bei sich sein (ugs.): nicht bei
ten Dreck/wie einen Hund behandeln vollem Bewusstsein, Verstand sein: Was
(ugs.): jmdn. mit großer Verachtung ent- ist mit dir los, du bist wohl nicht mehr
würdigend behandeln: Der Schalterbe- .
ganz bei dir? Er ist noch nicht ganz bei

97
beibringen – Bein

sich; bei jeder Bewegung schmerzt ihm kein Bein hier (Frisch, Die Schwierigen
der Kopf, und der Marktplatz schwankt 220).
B leise (Spoerl, Maulkorb 22).
bei mich/dich bei kommen (westmd.): zu
alles, was Beine hat: alle, die laufen kön-
nen; alle: Alles, was Beine hatte, strömte
beib mir/dir kommen: Sie unterhält sich mit zum Festplatz.
den Jugendlichen über »fairen Handel« Beine bekommen/kriegen (ugs.): ver-
und ruft: »Los, ein Foto, Herr Oberbür- schwinden, gestohlen werden: Rudis
germeister, komm bei mich bei!« (www. Schlüssel haben mal wieder Beine ge-
welt.de 8. 6. 2012). .
kriegt! Helft mal suchen! In der nächs-
↑ Tisch, ↑ weit. ten Zeit drückten wir uns ... immer an
beibringen: ↑ Flötenton. den Weihnachtsbaumverkaufsständen
beieinander: gut beieinander sein (ugs.): herum. Baum auf Baum bekam Beine ...
1. gut genährt, korpulent sein: Seine Frau aber wir hatten noch immer keinen
ist ganz gut beieinander. 2. in gutem ge- (Schnurre, Bart 53).
sundheitlichem Zustand sein: Obwohl die das Bein heben: (vom männlichen Hund
Quacksalberin schon alt war, war sie noch gesagt) Wasser lassen: Fiffi muss an jeder
ganz gut beieinander (Afanasjew Ecke das Bein heben.
[ bers.], Märchen 86). die Beine breit machen (salopp): sich [als
schlecht/nicht recht beieinander sein Frau] zum Sex bereitfinden: Weil ich keine
(ugs.): in einem gesundheitlich schlechten Lust mehr hatte, die Beine breit zu ma-
Zustand sein: Seit seiner Operation ist er chen, bin ich kriminell geworden (Spiegel
nicht mehr recht beieinander. Wir hätten 44, 1989, 102).
euch ja schon lange mal besucht, aber un- sich 〈Dativ〉 die Beine abstehen (ugs.):
sere Mutter ist in letzter Zeit zu schlecht lange stehen und warten müssen: Ich habe
beieinander. mir nach den Eintrittskarten die Beine
nicht ganz beieinander sein (ugs.): nicht abgestanden.
ganz bei Verstand, geistig leicht verwirrt sich 〈Dativ〉 die Beine [nach etw.] ablau-
sein: Sie muss nicht ganz beieinander ge- fen (ugs.): viele Gänge machen, um etwas
wesen sein, als sie den Vertrag unter- zu finden, zu erledigen: Nach diesem Be-
schrieb. rechtigungsschein habe ich mir die Beine
beieinanderhaben: nicht alle/sie nicht abgelaufen. Er hat sich die Beine abgelau-
richtig beieinanderhaben (ugs.): nicht fen, um das gewünschte Buch antiqua-
recht bei Verstand, verrückt sein: Manch- risch zu bekommen.
mal glaube ich, du hast sie nicht alle bei- sich 〈Dativ〉 kein Bein ausreißen (ugs.):
einander. Die Stadtverwaltung will die sich bei etw. nicht sonderlich anstrengen:
Fahrpreise schon wieder erhöhen, die ha- ... schließlich hat son Beamter ooch bloß
ben sie doch nicht mehr richtig beieinan- zwee Beene, und für die paar Pimper-
der. linge, die die verdienen, reißen sie sich
beigeben: klein beigeben: sich schließlich ooch keen Bein aus (Döblin, Berlin 315).
fügen, kleinlaut nachgeben: Geben Sie Nach Eds Meinung kann ihm überhaupt
nicht klein bei, gnädige Frau. Ich bitte nur bei Dreharbeiten etwas passieren.
Sie. Es ist nicht Ihr Stil (Nossack, Begeg- Denn zu Haus, im Londoner Vorort
nung 226). Klein bei gibt er erst, als ein Hampton Court, reißt er sich kein Bein
zynischer Militärpfarrer ihm die Bibel aus (Hörzu 29, 1971, 27).
wegnimmt (MM 26. 8. 1971, 24). jüngere Beine haben (ugs.): besser als ein
♦ Die Wendung meint ursprünglich, Älterer laufen können: Kannst du das
dass man beim Kartenspiel dem Mitspie- nicht erledigen? Du hast doch jüngere
ler nur Karten von kleinem Wert zuspielt, Beine.
weil man keine besseren hat. jmdm. [lange] Beine machen (ugs.):
Bein: kein Bein (landsch. , bes. schweiz.): 1. jmdn. fortjagen: Sie waren wie Brüder
kein Mensch, niemand: Es war Werktag, zu mir. Sie machten jedem Kerl, der mir

98
Bein

dumm kam, lange Beine (Christiane, Zoo braucht sich nicht mehr die Beine in den
103). 2. jmdn. antreiben, sich schneller zu
bewegen: ... Das Vorurteil ... , dass Beamte
Bauch zu stehen (Hörzu 27, 1976, 15).
die Beine unter jmds. Tisch strecken M
B
M
nur arbeiten, wenn man ihnen Beine (ugs.): von jmdm. finanziell abhängig sein,
macht (Woche 14. 11. 1997, 40). »Abfüh- sich von jmdm. ernähren lassen: Arbei- Bein
ren den Mann«, schrie der Obergruppen- ten? Der doch nicht! Der streckt die Beine
führer. »Und macht ihm ein bisschen unter den Tisch seines Alten und genießt
Beine, Kerls!« (Fallada, Jeder 240). das Leben.
jmdm. ein/ (schweiz. :) das Bein stellen: ein/das Bein stehen lassen (Fußball): sein
1. jmdn. durch Vorstellen eines Beines Bein so stellen, dass der [ballführende]
zum Stolpern bringen: Jemand hat mir Gegner darüber fällt: Es gab einen Frei-
das Bein gestellt (Frisch, Andorra 117). stoß, weil der Verteidiger das Bein hatte
Wenn ich erwischt werde, hau ich ab, stehen lassen.
und du stellst denen, die mir nachlaufen, ein langes Bein machen (Fußball): den
ein Bein (Roehler, Würde 55). 2. (ugs.) ballführenden Gegner durch einen Spreiz-
jmdm. hinterlistig Schaden zufügen, oder Grätschschritt vom Ball zu trennen
jmdn. hereinlegen: Wenn Sie nicht auf- suchen: Der Bayernspieler machte ein lan-
passen, stolpern Sie ... über ein Bein, das ges Bein und klärte zur Ecke.
Ihnen ein ... Kollege gestellt hat (Erné, etw. noch am Bein haben (ugs.): etw. noch
Fahrgäste 317). bezahlen müssen, als Verpf lichtung ha-
sich 〈Dativ〉 die Beine vertreten (ugs.): ben: Wir können in diesem Sommer nicht
nach langem Sitzen etw. hin und her ge- verreisen, wir haben noch die Kosten für
hen: Moosbrugger stand auf, vertrat sich die Renovierung am Bein.
die Beine und gähnte (Musil, Mann jmdm. , sich etw. ans Bein binden (ugs.):
1 480). Zwei Herren kamen heraus und jmdm. , sich etw. auf bürden und dadurch
vertraten sich auf dem Flur die Beine (Be- in der Aktivität hemmen: Jetzt will man
cker, Tage 125). ihr auch noch die Materialausgabe ans
kein Bein auf die Erde kriegen (ugs.): Bein binden. Ich habe nicht geahnt, was
nicht entscheidend aktiv werden können, ich mir mit der Vereinsarbeit da ans Bein
keine Möglichkeit zum Handeln bekom- binde.
men: Gegen den Pokalverteidiger kriegt ♦ Wie die Wendungen »einen Klotz am
unsere Mannschaft kein Bein auf die Bein haben« und »jmdm. , sich einen
Erde. Bei den Landtagswahlen haben die Klotz ans Bein binden« nimmt diese wie
Radikalen kein Bein auf die Erde gekriegt. auch die vorausgehende Wendung darauf
♦ Die Wendung stammt wahrscheinlich Bezug, dass dem Vieh auf nicht einge-
aus der Ringersprache und besagt dort, zäunter Weide die Vorderbeine zusam-
dass jemand ständig ausgehoben und ge- mengebunden werden und ein Holzklotz
worfen wird. an die Beine gebunden wird, um es in sei-
die Beine in die Hand/unter den Arm ner Bewegungsfreiheit einzuschränken.
nehmen (ugs.): 1. sich beeilen: Wenn wir Auch Gefangene schmiedete man früher
die Beine unter den Arm nehmen, schaf- an einen Klotz, um ihnen die Bewegungs-
fen wir vielleicht noch den Zug. 2. schnell freiheit zu nehmen.
weglaufen: Die Jungen klingelten Sturm etw. ans Bein binden (ugs. veraltend):
und nahmen dann die Beine in die Hand. etw. aufgeben, einbüßen; auf etw. verzich-
sich 〈Dativ〉 die Beine in den Leib/in den ten: Die früheren Verluste sind jetzt ans
Bauch stehen (ugs.): sehr lange stehen Bein gebunden; man hat sie schon in den
und warten müssen: Im Heidelberger .
letzten Jahren abgeschrieben. Freiwil-
Kunstverein kann sich ... der geneigte Be- lige VP-Helfer ... haben viele Stunden
sucher die Beine in den Bauch stehen Freizeit ans Bein gebunden, manche ...
(MM 21./22. 7. 1979, 68). So thront sie tun das schon seit ... Jahrzehnten (NNN
nun ... auf dem mobilen Untersatz und 26. 9. 1987, 1).

99
Bein

♦ Die bildliche Wendung, die sich bis ins nicht hängen, du kommst schon wieder
Mittelalter zurückverfolgen lässt, bedeu- auf die Beine. 2. sich wirtschaftlich wieder
B tet ursprünglich, dass man sich etwas
nicht zu Herzen gehen lässt und es leicht
erholen: Unser Export muss erst wieder
auf die Beine kommen.
Bein verschmerzt. Im Gegensatz zu der Wen- wieder auf den Beinen sein (ugs.): wieder
dung »jmdm. etw. auf die Seele binden« gesund sein: Carlo hatte so lange bei uns
dringt etwas, was »ans Bein« – oder wie gearbeitet, bis Guido wieder auf den Bei-
es früher auch hieß – »unters Knie« ge- nen war (Erné, Fahrgäste 130). Sobald ich
bunden wird, nicht bis zum Inneren, zum wieder auf den Beinen bin, muss ich zum
Herzen vor. Zahnarzt (Frisch, Homo 244).
jmdm. ans Bein pinkeln (salopp): jmdn. jmdm. auf die Beine helfen/jmdn. [wie-
schmähen, kritisieren: Aber jetzt haben der] auf die Beine bringen (ugs.):
alle die ein schönes Fressen gefunden, die 1. jmdn. , der gestürzt o. ä. ist, wieder auf-
schon immer mal einem wie Grass ans richten: ... der hätte womöglich geglaubt,
Bein pinkeln wollten (taz 25. 8. 2006, 12). ein Wasserguss könne den vermeintli-
auf den Beinen sein (ugs.): 1. (in einer mit chen Simulanten May am ehesten auf die
Stehen oder Umherlaufen verbundenen Beine bringen (Loest, Pistole 24). 2. durch
Tätigkeit) sehr beschäftigt sein, viel unter- moralische, wirtschaftliche o. ä. Unterstüt-
wegs sein: Als Vermessungsingenieur ist zung bewirken, dass jmd. einen Tiefpunkt
.
man viel auf den Beinen. Sein Vater, überwindet, wieder vorankommt: Europa
der Tischlermeister, hatte geschwollene ist kaum mehr auf die Beine zu helfen,
Füße, weil er den ganzen Tag über auf den sein Niedergang und sein Abstieg schei-
Beinen hatte sein müssen (Grass, Hunde- nen unaufhaltsam zu sein (Niekisch, Le-
jahre 378). 2. draußen auf der Straße: ben 148). Wir sind die Einzigen, die eine
Ganz Constantinopel war auf den Beinen, Idee haben. Wir werden auch die Franzo-
um dem vergötterten General zuzujubeln sen wieder auf die Beine bringen (Kuby,
(Thieß, Reich 589). Sieg 336).
auf schwachen Beinen stehen: nicht si- etw. auf die Beine stellen (ugs.): etw. in
cher, nicht gut begründet sein: Eure Argu- bewundernswerter, erstaunlicher Weise
mente stehen auf schwachen Beinen. . zustande bringen: Was der Pädagoge mit
Das zeigt doch jedem Einsichtigen, das rund 30 Schülerinnen und Schülern ... auf
heißt jedem, der keine Zeitung liest, auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen
welch jämmerlich schwachen Beinen die lassen: eine umfassende Studie (Spiegel
Anklage steht (Brecht, Groschen 250). 33, 1976, 87).
schwach auf den Beinen sein: 1. durch etw. [wieder] auf die Beine bringen
Krankheit geschwächt sein: Sie hatte vor, (ugs.): etw. [wieder] in einen guten Zu-
nach Sonthofen zu kommen, kam aber stand bringen: Mit hundertprozentigem
nicht weit. Sie war noch recht schwach Einsatz und einem Innovationsschub hat
auf den Beinen (Brecht, Geschichten 154). er die Firma wieder auf die Beine ge-
2. (ugs.) nicht bewiesen, ungesichert sein: bracht.
Die grundlegende These des Aufsatzes ist jmdn. auf die Beine bringen (ugs.): jmdn.
ziemlich schwach auf den Beinen. zur Teilnahme an einer Veranstaltung
sich nicht [mehr]/kaum [noch] auf den o. Ä. veranlassen: Wie bringen wir die
Beinen halten können: vor Müdigkeit, Massen auf die Beine? Immerhin werden
Schwäche o. Ä. nicht mehr/kaum noch ste- wir für die Demo noch ein paar Hundert
hen od. gehen können: Die Frau, die sich Leute auf die Beine bringen können.
selbst kaum auf den Füßen halten kann, sich auf die Beine machen (ugs.): [schnell]
versucht ihn zu trösten und wieder auf- auf brechen: Wenn wir zu Hause sein wol-
zurichten (Strauß, Niemand 101). len, bevor es dunkel wird, müssen wir uns
wieder auf die Beine kommen (ugs.): auf die Beine machen.
1. wieder gesund werden: Lass den Kopf auf einem Bein kann man nicht stehen!

100
Beinbruch – beisammenhaben

(ugs. scherzh.): Aufforderung oder aus, als würdest du schon mit einem Bein
.
Wunsch, ein zweites Glas [Alkohol] zu
trinken: »Nun trink doch noch einen, auf
im Grabe stehen. Von den Ärzten auf-
gegeben, mit einem Bein im Grab, erlitt M
B
M
einem Bein kann man nicht stehen« – wer der bewusstlose Todeskandidat im Koma
kennt sie nicht, die bierseligen Aufforde- die Vision seiner Höllenfahrt (FR 22. 3. beis
rungen bei Feiern im Kollegenkreis (Ta- 1994, 8). Wer kein Brot hat, der leidet an
gesspiegel 12. 11. 1998, 13). Hunger und Unterernährung, der steht
in die Beine gehen (ugs.): 1. die Beine bereits mit einem Bein im Grab (taz 25. 8.
schwerer machen, das [Auf ]stehen und 1989, 8).
Gehen erschweren: Schon nach dem zwei- von einem Bein aufs andere treten: als
ten Glas Johannisbeerwein spürte sie, wie Ausdruck ungeduldigen Wartens oder von
das Gebräu in die Beine ging. 2. zum Nervosität ständig das Standbein wech-
rhythmischen Sichbewegen, zum Tanzen seln: Sie trat von einem Bein aufs andere,
reizen: ... wenn Swing oder Charleston blickte wiederholt auf ihre Uhr, aber die
den Gästen in die Beine gehen, ist das für Ladentür blieb verschlossen.
ihn eine emotionale Bestätigung (Zivil- ↑ aufstehen, ↑ Fliege, ↑ frieren, ↑ Fuß,
dienst 10, 1986, 33). Nicht mehr ganz fit ... ↑ Hund, ↑ Klotz, ↑ Knüppel, ↑ Kopf, ↑ Lüge,
bei der Musik? Hören Sie mal hin, geht ↑ 2 Mark, ↑ Pudding, ↑ schwören, ↑ Storch,
das nicht in die Beine? (Hörzu 51, 1970, ↑ Weg.
53). Beinbruch: das ist [doch] kein Beinbruch!
jmdm. in die Beine fahren: jmdn. stark (ugs.): das ist [doch] gar nicht so
berühren: Die Aufregung über den verun- schlimm! : belkeit und Erbrechen sind
glückten Tag war ihr in die Beine gefah- kein Beinbruch, die Mutter hat Zäpf-
ren (Ossowski, Liebe ist 66). chen ... , das Kind wird ... damit versorgt
♦ In dieser Wendung steht »Bein« in der (MM 14. 1. 1976, 16). ... auf keinen Fall die
sonst weitgehend veralteten Bedeutung Angst der Kinder vor Klassenarbeiten ...
von »Gebein, Knochen«. durch Drohungen verstärken, denn eine
mit beiden Beinen/Füßen im Leben/[fest] Fünf ... ist doch kein Beinbruch (Hörzu
auf der Erde stehen: die Dinge realistisch 19, 1973, 115).
sehen, lebenstüchtig sein: Der Intuitions- ↑ Halsbruch.
typ ... steht oft nicht mit beiden Beinen beisammen: gut beisammen sein (ugs.):
auf der Erde (Ruthe, Partnerwahl 157). Sie 1. gut genährt, korpulent sein: Seine Frau
blieb mit beiden Beinen auf der Erde und ist ganz gut beisammen. 2. in gutem ge-
verpulverte ihr Geld nicht sinnlos (Hörzu sundheitlichem oder geistigem Zustand
14, 1972, 112). sein: Mit Ausnahme dreier Kümmerlinge,
mit einem Bein in etw. 〈Dativ〉 stehen die eingingen, waren die 1928er-Dohlen
(ugs.): etw. fast oder sehr wahrscheinlich körperlich viel besser beisammen als die
erreicht haben: Sie hatte sich gründlich 1927er (Lorenz, Verhalten 47). Unsere
geirrt, als sie glaubte, schon mit einem Nachbarsleute waren samt und sonders
Bein in der Direktionsetage zu stehen. . noch ganz gut beisammen (K. Mann,
Er steht bereits mit einem Bein in der Na- Wendepunkt 60).
tionalliga A (Nordschweiz 74, 29. 3. 1985, beisammenhaben: [sie] nicht alle beisam-
24). menhaben (ugs. abwertend): nicht recht
mit einem Bein im Gefängnis stehen bei Verstand sein: Du hast sie wohl nicht
(ugs.): in Gefahr sein, mit dem Gesetz in alle beisammen, bei dieser Kälte ohne
Konf likt zu kommen: Er hatte schon öfters .
Mantel rumzulaufen? Zum Schluss
mit einem Bein im Gefängnis gestanden. hatte ich nicht mehr alle beisammen. Zwei
Aber diesmal war er zu weit gegangen: Er Jahre hat es gedauert, bis ich mich wieder
wurde geschnappt und klebt nun Tüten. gefangen hatte (Hörzu 16, 1972, 42).
mit einem Bein im Grab[e] [stehen] ♦ In der Wendung steht »alle« für die
(ugs.): dem Tod sehr nahe [sein]: Du siehst fünf Sinne.

101
Beisein – bekannt

↑ Sinn. .
aufreibenderen Beruf als wir. Außer-
Beisein: in jmds. Beisein/im Beisein von dem waren ja auch noch viel mehr Leute
B jmdm. : während jmds. Anwesenheit: Wir
wollen im Beisein der Kinder nicht darü-
arbeitslos, fast alle von Vaters Freunden
zum Beispiel (Schnurre, Bart 33).
Beis .
ber sprechen. In Ihrem Beisein darf ich beißen: nichts zu beißen haben: arm sein,
den ersten Spatenstich tun (M. Walser, Ei- so gut wie nichts zu essen haben: Wenn
che 80). man nichts zu beißen hat, ist einem jede
ohne jmds. Beisein/ohne Beisein von .
Arbeit recht. Ihr Magen liegt brach, sie
jmdm. : ohne jmds. Anwesenheit: Ohne haben nichts zu beißen (Hacks, Stücke
sein Beisein hätte der Plan nicht be- 24).
schlossen werden dürfen. Der Vertrag jmd. beißt [jmdn.] nicht (fam.): (oft er-
wurde ohne Beisein von Anwälten ausge- munternd zu Kindern gesagt) jmd. ist
handelt. nicht gefährlich, vor jmd. braucht man
beiseite: ↑ Scherz. keine Angst zu haben: Geh ruhig zum
Beispiel: sich 〈Dativ〉 ein Beispiel [an .
Opa, der beißt nicht! Na komm doch
jmdm. , etw.] nehmen: jmdm. , einer Sache ran, was ist? Ich beiß dich nicht (Rocco
nacheifern; sich jmdn. , etw. zum Vorbild [ bers.], Schweine 119).
nehmen: Schau mal, wie ordentlich dein ↑ Affe, ↑ Apfel, ↑ Arsch, ↑ Eisen, ↑ Granit,
Bruder seine Hausaufgaben macht – ↑ Gras, ↑ Hintern, ↑ Hund, ↑ Katze, ↑ letzte,
.
nimm dir ein Beispiel! Kapitulieren ↑ Monogramm, ↑ nagen, ↑ Schlange,
gibt es nicht, hat er gesagt. Wir sollen uns ↑ Storch, ↑ Watz, ↑ Zunge.
ein Beispiel an ihm nehmen (Plievier, Sta- Beißzange: ↑ Zange.
lingrad 142). beistehen: ↑ Gott.
ein Beispiel geben: als Vorbild zur Nach- bekannt: bekannt sein wie ein bunter/
ahmung herausfordern: Die Eltern sollten scheckiger Hund (ugs.): überall durch ei-
ihren Kindern ein Beispiel geben und nen zweifelhaften Ruf bekannt sein: Man
nicht bei Rot über die Straße laufen. . schämt sich ja, wenn man einkaufen geht.
... es gehören die Heiligen dazu, die Wun- Du bist schon bekannt wie ein bunter
der getan, die den Märtyrertod erlitten Hund (Gabel, Fix 110).
und den Menschen ein großes Beispiel ge- mit jmdm. , etw. bekannt sein/werden:
geben haben (Hesse, Steppenwolf 176). mit jmdm. , etw. vertraut sein, werden: Sie
mit gutem Beispiel vorangehen: etw. als war mit dem wissenschaftlichen Stoff be-
Erster tun, um andere durch sein Vorbild kannt und konnte in der Diskussion ei-
zu gleichem Handeln anzuspornen: Der .
nige wertvolle Beiträge liefern. ... ich
Chef ging mit gutem Beispiel voran und war noch mit keinem Menschen näher
spendete zweihundert Euro für die Fami- bekannt (Erh. Kästner, Zeltbuch 10). Im
lie des kranken Kollegen. Lass dich durch Hause Fords wurde ich mit Otto bekannt
den Spott deiner Klassenkameraden nicht (Niekisch, Leben 259).
irritieren, geh ihnen mit gutem Beispiel [jmdn. mit jmdm.] bekannt machen:
voran! [ jmdn. jmdm.] vorstellen: Darf ich be-
ohne Beispiel [sein]: noch nie da gewesen, kannt machen? – Herr Meier, das ist Herr
unerhört [sein]: Seine Frechheit ist ohne Müller; Herr Müller, das ist Herr Meier! .
Beispiel! Der Prunk der Innenausstattung ... Zouzou ... machte mich mit den ... jun-
.
war ohne Beispiel. Völkermord, Ver- gen Herrschaften bekannt (Th. Mann,
nichtung, Hass ohne Beispiel (v. Weizsä- Krull 393).
cker, Deutschland 48). jmdn. , sich mit etw. bekannt machen:
[wie] zum Beispiel: [wie] etwa; beispiels- jmdn. , sich über etw. informieren, mit etw.
halber: Eine Frau wie zum Beispiel deine vertraut machen: Ohne Umschweife
Großmutter hätte sich eine solche Be- machte er sie mit dem Zweck seines
handlung niemals bieten lassen. Ein Poli- Kommens bekannt (Bundesbahn 12,
zist zum Beispiel hat einen viel nerven- 1968, 20).

102
Bekanntschaft – Benehmen

etw. bekannt geben: etw. öffentlich mit- digerweise eine Frucht besinnlicher Zei-
teilen, der Allgemeinheit zur Kenntnis
bringen: Sie gaben ihre Vermählung in der
.
ten sein müsse, wird eines Besseren be-
lehrt (Thieß, Reich 42). M
B
M
örtlichen Tageszeitung bekannt. Am beleidigen: ↑ Auge, ↑ Leberwurst.
Morgen des 24. Juni gab ein Anschlag be- Beleidigung: ↑ Auge. Bene
kannt, dass sich alle Komsomolzen zu ei- Belieben: nach Belieben: nach Wunsch, Ge-
ner Sonderaufgabe in der Hochschule zu schmack, Laune; wie man will: Verfahren
versammeln hätten (Leonard, Revolution .
Sie mit dem Geld nach Belieben! Nach
94). Belieben kann man auch ... Fleischreste
etw. bekannt machen: etw. veröffentli- dazugeben (Horn, Gäste 177). Für gewisse
chen, der Allgemeinheit zur Kenntnis brin- Posten werden eben möglichst unprofi-
gen: Der Inhalt des Dokumentes wurde in lierte, sozusagen gestaltlose Figuren ge-
der überregionalen Presse bekannt ge- sucht, die man ... nach Belieben modellie-
.
macht. Ich selbst habe diese Vorschrift ren kann (Dönhoff, Ära 33).
nur flüchtig gelesen und sie meinen Un- bellen: ↑ Blindenhund, ↑ Hund.
terführern deshalb nicht bekannt ge- bemerkbar: sich bemerkbar machen:
macht, weil ... (Noack, Prozesse 187). 1. durch Gesten o. Ä. auf sich aufmerksam
Bekanntschaft: mit etw. Bekanntschaft machen: Wir versuchten uns durch Rufen
machen (ugs. , oft iron.): mit etwas Unan- und Winken bemerkbar zu machen, aber
genehmem in Berührung kommen: Er er hatte nur Augen für seine charmante
hatte schon öfter mit der Polizei Be- Begleiterin. 2. sich zeigen, eine bestimmte
.
kanntschaft gemacht. In der ... Gefan- Wirkung ausüben: Beim Treppensteigen
genschaft ... hätte er ... mit Tigerkäfig und machte sich sein Alter doch schon deut-
Wasserschaukel Bekanntschaft gemacht lich bemerkbar. Heute macht es sich un-
(Spiegel 17, 1976, 126). angenehm bemerkbar, dass früher nicht
bekennen: ↑ Farbe. sparsam genug gewirtschaftet wurde. .
bekleckern: ↑ Ruhm. Der französische Einfluss macht sich in
bekommen: es über sich bekommen [etw. Deutschland bemerkbar (Bild. Kunst III,
zu tun]: sich überwinden [etw. zu tun]: 61).
Selbst wenn ich es über mich bekäme, sie bemüßigt: sich bemüßigt fühlen/sehen/
zu belügen, sie würde es sofort merken. finden, etw. zu tun (geh. , oft iron.): sich
einen Anfall bekommen, es mit der veranlasst, genötigt sehen, etw. [eigentlich
Angst zu tun bekommen usw. : siehe An- berf lüssiges, Unnötiges] zu tun: Er fühlt
fall, Angst usw. sich offenbar bemüßigt, eine Rede zu hal-
bekucken: ↑ Radieschen. .
ten. Das Spiel hatte aufgehört, ohne
Belang: von/ohne Belang sein: von großer/ dass man sich bemüßigt gesehen hätte,
keiner Bedeutung sein: Solche Untersu- Karten und Geld vom Tische zu räumen
chungen sind für das Projekt von Belang, (Th. Mann, Zauberberg 790).
sie sollten unbedingt ausgewertet wer- benehmen: sich benehmen wie eine offene
den. Es ist für mich völlig ohne Belang, Hose (salopp): sich sehr schlecht, rüpel-
welcher Konfession dein Partner ange- haft benehmen: Bei einem meiner ersten
hört. Auftritte im Fernsehen traf ich Madonna,
belasten: ↑ erblich. die sich, unter uns, benommen hat wie ne
belecken: ↑ Kultur. offene Hose (Zeit 8. 11. 2006, 57).
belegen: ↑ Beschlag. ↑ Rotz.
belehren: jmdn. eines anderen/eines Bes- Benehmen: sich mit jmdm. ins Benehmen
seren belehren: jmdm. zeigen, dass er im setzen (Papierdt.): mit jmdm. wegen etw.
Irrtum ist, wie sich etw. wirklich verhält: Kontakt aufnehmen, sich mit jmdm. ver-
Die Briefe, die er in ihrem Schreibtisch ständigen: Man forderte ihn auf, sich mit
fand, belehrten ihn eines anderen. Und . dem Beschaffungsamt ins Benehmen zu
wer annimmt, dass gerade Lyrik notwen- .
setzen. Er entwickelte ihr, dass sich die

103
Bengel – Berg

Bank in diesem Falle wahrscheinlich so- sein: Weil das Unerwartete und Plötzliche
gleich mit ihm ins Benehmen setzen die Wiederkehr Christi kennzeichnen, gilt
B würde (Brecht, Groschen 225).
ein Benehmen wie eine offene Hose (sa-
für uns Christen: Bereit sein ist alles
(www.sanktmichael.de, 24. 5. 2007).
Beng lopp): ein sehr schlechtes, rüpelhaftes Be- ♦ Die Redensart ist ein abgewandeltes
nehmen: ... habe seine Kritiker als Zitat aus Shakespeares Hamlet, wo der
»Zwerge ohne Kulturverständnis« ge- Titelheld im fünften Akt mit den Worten
schmäht, umgekehrt wurde dem Inten- »In Bereitschaft sein ist alles« zum Aus-
danten öffentlich ein Benehmen »wie druck bringt, dass er dem bevorstehen-
eine offene Hose« nachgesagt (SZ 20. 11. den Zweikampf mit Laertes nicht auswei-
2008, 11). chen will, sondern dazu bereit ist, sein
↑ Urwald. Leben aufs Spiel zu setzen.
Bengel: den Bengel hoch werfen ↑ Schandtat.
(schweiz.): [unberechtigte] Ansprüche, bereiten: ↑ Ende, ↑ Kopfschmerz, ↑ Nacht.
Forderungen stellen: Dass Splittergruppen bereuen: ↑ Kreuz.
den Bengel in der Konkurrenz immer et- Berg: der Berg kreißte und gebar eine
was höher werfen können als Parteien mit Maus (geh.): ein großer Aufwand, gewich-
Regierungsverantwortung ... (NZZ 30. 12. tige Ankündigungen, Versprechungen o. Ä.
1986, 4). »270 Franken Mitgliederbeitrag brachten ein lächerliches, unbedeutendes
und 250 Franken Weihnachtsgeschenke ... Ergebnis: Der Berg kreißte und gebar eine
das finde ich eine Unverschämtheit ... « – Maus. Etwa so lässt sich der vorläufige
»Der Junge rechnet das alles ganz naiv zu Höhepunkt im Gezerre um die wirt-
seinen Karrierespesen. Er hätte den Ben- schaftswissenschaftlichen Forschungsin-
gel ja viel höher werfen können!« (Humm, stitute umschreiben (Zeit 31. 1. 1997, 32).
Komödie 20). ♦ Diese Redensart stammt aus der »Ars
♦ Das Wort »Bengel« steht in dieser poetica« des römischen Dichters Horaz.
Wendung in der veralteten, nur noch Mit den Worten »parturient montes, nas-
landschaftlich gebräuchlichen Bedeutung cetur ridiculus mus« (= es kreißen die
von »kurzes Holzstück, Knüppel«. Das Berge, zur Welt kommt nur eine lächerli-
Bild ist noch deutlicher in dem veralteten che Maus) kritisierte Horaz die Dichter,
Sprichwort »Man muss den Bengel hoch die nur wenig von dem halten, was sie
werfen, er fällt von selbst wieder tief«, versprechen.
das dazu ermuntert, seine Ziele nicht von wenn der Berg nicht zum Propheten
vornherein zu niedrig anzusetzen. kommt, muss der Prophet zum Berg ge-
beobachten: ↑ Farbe. hen: einer muss den ersten Schritt tun,
beraten: gut/schlecht beraten sein (ugs.): man kann nicht darauf warten, dass jmd. ,
sich richtig/falsch verhalten: Der Kanzler etw. den eigenen Wünschen entgegen-
wäre schlecht beraten, wenn er die Ver- kommt, sondern man muss die Anstren-
handlungsbereitschaft der anderen Seite gung machen, sich selbst zu helfen: »Der
als Schwäche auslegen würde. . Streit ist weiß Gott keinen Freund-
... schwangere Frauen sind gut beraten, schaftsbruch wert. Wenn sie hartnäckig
wenn sie sich vor dem Wundstarrkampf bleibt, dann muss der Prophet halt zum
schützen lassen (Hörzu 48, 1972, 163). Berg gehen«, sagte er und wählte ihre
berauben: jmdn. nicht berauben [wollen/ Nummer.
mögen]: jmdm. von etwas Angebotenem ♦ Das Sprichwort geht wohl auf eine ori-
nicht zu viel wegnehmen wollen (in Höf- entalische Quelle zurück. Als wahrschein-
lichkeitsformeln): Ich möchte Sie aber nicht liche Quelle verweist die Forschung auf
berauben! Ich beraube Sie doch nicht? die Anekdoten des Nasreddin Hodscha.
Bereich: ↑ grün. Ein türkisches Sprichwort lautet: »Berg
bereit: bereit sein ist alles: man muss auf wandle, Berg wandle; wenn der Berg nicht
das, was zu erwarten ist, gut vorbereitet wandelt, wandle du, Heiliger!«

104
Berlichingen – Berühmtheit

Berge versetzen [können]: nahezu Un- [längst] entkommen, schon weit weg sein:
mögliches vollbringen: Mit Kleinmut kann
.
man keine Berge versetzen. ... beweist
Als die Polizei eintraf, waren die Einbre-
.
cher längst über alle Berge. Irgendein M
B
M
sie doch, dass ein unbeirrbarer Glaube Saukerl hat sie in die Finger gekriegt,
nicht nur Berge versetzt, sondern auch Rauschgift und so, und jetzt sitzt sie da, Berü
ungeduldige Alliierte in Schach zu halten und er ist natürlich über alle Berge (Bald-
vermag (Dönhoff, Ära 44). win [ bers.], Welt 154).
♦ Die Wendung basiert auf der Redens- [noch nicht] über den Berg sein (ugs.): die
art »der Glaube versetzt Berge« und geht größte Schwierigkeit, die Krise [noch
wie diese auf das Neue Testament (1. Kor. nicht] überstanden haben: Wir hoffen,
13, 2) zurück. dass der Patient in zwei bis drei Tagen
jmdm. goldene Berge versprechen: .
über den Berg ist. Ende nächsten Jah-
jmdm. große Versprechungen machen, die res sind wir übern Berg. Dann ist alles be-
man nicht einhalten kann; jmdm. etw. vor- zahlt (Hörzu 37, 1972, 100).
gaukeln: Sie war unerfahren und glaubte ↑ dastehen, ↑ Glaube, ↑ Haar.
an die große Liebe. Er versprach ihr gol- Berlichingen: ↑ Götz.
dene Berge und machte aus ihr ein Häuf- Berserker: ↑ wüten.
.
chen Elend. Das System einer solchen bersten: [bis] zum Bersten voll/gefüllt:
Organisation ist ganz einfach: Jemand übervoll, brechend voll: Morgens vor neun
wirbt ahnungslose Verkäufer an, denen er Uhr waren die Züge immer zum Bersten
goldene Berge verspricht (Handelsblatt .
voll. ... mein Kopf ist bis zum Bersten
31. 10. 1986, 12). gefüllt mit Gedanken (Langgässer, Siegel
♦ Die Wendung geht auf den römischen 356).
Komödiendichter Terenz zurück, der sie berufen: aus berufenem Munde: von kom-
in seinem Stück »Phormio« (I, 2, 18) ge- petenter Seite; aus sicherer Quelle: Den
braucht. Journalisten war aus berufenem Munde
am Berg sein (schweiz.): ratlos sein, nicht mitgeteilt worden, dass der Kanzler das
weiterwissen: In einer Klinik hier macht Kabinett entlassen habe.
man bei Lungenentzündungen jetzt In- viele sind berufen, aber nur wenige sind
jektionen mit Pneumokokken-Serum. Der auserwählt: von den vielen, die etwas er-
Erfolg ist unsicher ... wir sind ganz ein- reichen möchten, haben nur wenige Erfolg:
fach am Berg, ehrlich gesagt (Inglin, Viele fühlen sich berufen, zum Nietzsche-
Schweizerspiegel 582). Jahr etwas beizutragen, aber es sind am
mit etw. [nicht] hinter dem/hinterm Berg Ende eben doch nur wenige auserwählt
halten (ugs.): etw. Wesentliches [nicht] (SZ 26. 9. 2000, 18).
verschweigen: Die Opposition hält mit ih- ♦ Bei dieser Redensart handelt es sich
.
rer Meinung hinterm Berg. Leider aber um ein Zitat aus der Bibel (Matth. 22, 14).
hatte, wie sich nun herausstellte, der beruhen: etw. auf sich beruhen lassen:
Loisl schon vorher in bierseliger Stim- etwa. nicht weiterverfolgen: Die Polizei
mung mit der lustigen und lüsternen will den Fall auf sich beruhen lassen. Ich
Wahrheit nicht hinter dem Berge halten schlage vor, dass wir die Angelegenheit
können (Mostar, Unschuldig 119). Hein- .
vorläufig auf sich beruhen lassen. ... die
zens Streben, sie an ein anderes Leben zu Beschuldigung einfach auf sich beruhen
gewöhnen, ist ihr nun nur noch lästig – zu lassen war doch mit amtlichem
mit dieser Ansicht hält sie nicht hinter Pflichtgefühl nicht zu vereinen (Maass,
dem Berg (Brod, Annerl 131). Gouffé 71).
♦ Die Wendung ist militärischen Ur- Berühmtheit: traurige Berühmtheit erlan-
sprungs und bezog sich auf Truppen oder gen: 1. einen schlechten Ruf bekommen:
Geschütze, die hinter einem Berg dem Es war ein kleines Städtchen im Süden,
Blick des Gegners entzogen waren. das als Versammlungsort rechtsradikaler
[längst] über alle Berge sein (ugs.): Parteien traurige Berühmtheit erlangt

105
berühren – beschlossen

hatte. 2. an ein trauriges, schlimmes Ereig- Zier, doch weiter kommt man ohne ihr
nis erinnern: Noch ahnte niemand, dass (scherzh.): zu große Bescheidenheit ist
B das Hotel als Schauplatz einer Familien-
tragödie traurige Berühmtheit erlangen
hinderlich, wenn man erfolgreich sein will:
»Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter
berü würde. kommt man ohne ihr« – im Berufsleben
berühren: das Berühren der Figüren mit gilt der alte Spruch allemal. Also Schluss
den Pfoten ist verboten (ugs. scherzh.): mit der damenhaften Zurückhaltung?
körperliche Annäherungsversuche sind (FR 31. 5. 1995, 2).
unerwünscht: Sie dürfen unseren Damen bescheißen: ↑ Schlaf.
gern einen Drink spendieren, aber das Be- Bescherung: da haben wir die Bescherung!
rühren der Figüren mit den Pfoten ist ver- (ugs. iron.): Ausruf des Verärgertseins
boten! über eine unangenehme Entwicklung der
Bescheid: Bescheid wissen: 1. Kenntnis von Dinge [die zu vermeiden gewesen wäre]:
etw. haben, unterrichtet sein: Du brauchst Da haben wir die Bescherung! Habe ich
mir nichts zu sagen, ich weiß schon Be- nicht gleich gesagt, wir sollten die Presse
.
scheid. Höfel weiß schon Bescheid. .
nicht informieren. Da haben wir die
Sag, du kommst in meinem Auftrag Bescherung, hieß es in Warschau, kaum
(Apitz, Wölfe 33). 2. etw. gut kennen, sich sind wir der Nato beigetreten, kastrieren
auskennen: Sie weiß in Hamburg genau die deutschen Pazifisten die Allianz (taz
Bescheid, sie hat dort viele Jahre gelebt 16. 9. 2002, 13).
.
und gearbeitet. In Literatur wusste er das ist ja eine schöne/nette/reizende Be-
überraschend gut Bescheid (Niekisch, Le- scherung! (ugs. iron.): Ausruf des ärgerli-
ben 319). Hunde aber wissen mit Men- chen Verwundertseins: Das ist ja eine rei-
schen Bescheid, sie sind ja bei ihnen in zende Bescherung! In die Couch hat auch
die Lehre gegangen (Schnurre, Bart 192). noch jemand mit der Zigarette ein Loch
jmdm. Bescheid sagen: 1. jmdn. benach- gebrannt.
richtigen, von etw. unterrichten: Würden beschissen: beschissen wäre noch geprahlt
Sie den Kolleginnen bitte Bescheid sagen, (derb): äußerst schlecht; so schlecht, dass
.
dass die Sitzung verschoben ist. Ich eine Steigerung nicht mehr möglich ist:
gehe in die Baracke und sage Tjaden Be- Wie gehts denn so? – Beschissen wäre
scheid, damit er verschwindet (Re- noch geprahlt.
marque, Westen 68). 2. (ugs.) eine Bean- Beschlag: jmdn. , etw. mit Beschlag bele-
standung o. Ä. in sehr deutlicher Form bei gen/jmdn. , etw. in Beschlag nehmen:
dem dafür Verantwortlichen vorbringen: jmdn., etw. ganz für sich beanspruchen: Die
Wenn das Zimmermädchen unsere Telefonzellen waren dauernd mit Beschlag
Handtücher morgen wieder nicht wech- .
belegt. Die Mädchen waren oben be-
selt, werd ich dem Personalchef mal Be- schäftigt, und wenn eine runterkam,
.
scheid sagen. Die sollten ihm mal wurde sie gleich von einem der Gäste in
kommen, denen würd’ er schon Bescheid Beschlag genommen (Ott, Haie 15).
sagen (Kempowski, Tadellöser 180). beschlagen: ↑ Pferd.
jmdm. Bescheid stoßen (ugs.): seine Em- beschließen: ↑ Reigen.
pörung über etw. in entsprechend schar- beschlossen: beschlossene Sache sein:
fem Ton dem Verantwortlichen gegenüber endgültig beschlossen sein: Dass die
zum Ausdruck bringen: Den Politikern Mannschaft auch dieses Jahr den Pokal
mal richtig Bescheid stoßen – das tut gut gewinnen wird, ist für die Fans schon
und entlastet (FAZ 7. 12. 1995, 37). Wenn .
längst beschlossene Sache. Die Reno-
ich mich zum Schlechten verändere, dann vierung und der Umbau des Schlossthea-
stoßt mir gehörig Bescheid (Hörzu 3, ters waren ... beschlossene Sache (Da-
1988, 24). nella, Hotel 107).
bescheiden: ↑ Frage. in etw. beschlossen sein/liegen (geh.): in
Bescheidenheit: Bescheidenheit ist eine etw. enthalten sein: In dieser Malerei liegt

106
beschmieren – besiegeln

eine ganze Weltanschauung beschlos- besehen: ↑ Licht.


.
sen. In diesen vielfältigen Wechselbe-
ziehungen ... liegt freilich zugleich die
Besen: neue Besen kehren gut: wenn jmd.
eine neue Aufgabe o. Ä. übernimmt, zeigt M
B
M
Problematik jenes einseitig nationalstaat- er anfänglich besonderen Eifer: Neue Be-
lichen Ordnungsdenkens beschlossen sen aber kehren gut, und Konvertiten besi
(Fraenkel, Staat 215). übertreffen die Altgläubigen zumeist an
beschmieren: ↑ Narrenhand. Eifer (Werfel, Himmel 164).
beschmutzen: ↑ Nest. ich fress[e] einen Besen/will einen Besen
beschneiden: ↑ Flügel. fressen (salopp): Formel, um etw. zu be-
Beschränkung: in der Beschränkung zeigt teuern oder in Zweifel zu ziehen: Wenn es
sich erst der Meister: wahre Meister- nicht klappt, fresse ich einen Besen (=
schaft benötigt keinen großen Aufwand, ich glaube fest, dass es klappt). Ich will ei-
kann mit geringen Mitteln Großes leisten: nen Besen fressen, wenn das stimmt (=
Sie bekommen nur dann ein kleines Ho- ich glaube nicht, dass es stimmt). .
norar für ihre Arbeit, wenn Geld in der »Mensch«, sagte jemand ziemlich ver-
Vereinskasse ist. In der Beschränkung, so nehmlich, »ich fress einen Besen, wenn
Bickel weise, zeige sich bekanntlich erst das nicht dem Jungen seine Schwester
der Meister (FR 5. 2. 1997, 7). ist« (Baldwin [ bers.], Welt 269).
♦ Bei dieser Redensart handelt es sich jmdn. auf den Besen laden (ugs.;
um ein Zitat aus Goethes Sonett »Was wir landsch.): jmdn. verspotten: Ich lasse mich
bringen« (anderer Titel: »Natur und doch nicht von euch auf den Besen laden.
Kunst«). Vorsicht, der Bursche will euch auf den
Beschreibung: jeder Beschreibung spot- Besen laden!
ten: so schlimm sein, dass man es nicht in ♦ Die Herkunft der Wendung ist um-
Worten wiedergeben, sich nicht vorstellen stritten. Möglicherweise handelt es sich
kann: Die hygienischen Zustände im La- hierbei um einen ursprünglich soldaten-
ger spotteten jeder Beschreibung. Auf . sprachlichen Ausdruck in der Bedeutung
dem Wege hierher habe ich Bilder gese- »jmdn. beim Auskehren mit hinausfe-
hen, die jeder Beschreibung spotten (Plie- gen«. Die Wendung könnte jedoch auch
vier, Stalingrad 218). mit einem Brauch zusammenhängen, den
↑ Schaden. Verlierer aus einem Spiel oder Wettkampf
Beschuss: unter Beschuss geraten/stehen: auf einen Besenstiel zu setzen und dann
[in der Öffentlichkeit] scharf kritisiert wer- herumzutragen, um ihn zu veralbern.
den: Regierung und Parlament stehen ... mit eisernen Besen [aus]kehren: hart
unter dem massiven Beschuss von Um- durchgreifen, rücksichtslos Ordnung
weltschützern, die eine ... Einschränkung schaffen: In unserer Verwaltung herr-
des Fernstraßenbaues fordern (ADAC- schen unbeschreibliche Zustände. Da
Motorwelt 10, 1985, 17). Westberlins Ord- müsste man mal mit eisernen Besen aus-
nungshüter sind wieder einmal unter Be- .
kehren. ... wäre es nach ihm gegan-
schuss geraten – wegen einer Schießerei gen, ... so hätte er alle diese Kunststätten
(Spiegel 53, 1971, 55). mit eisernem Besen ausgekehrt (Musil,
jmdn. , etw. unter Beschuss nehmen: Mann 1 055).
jmdn. , etw. [in der Öffentlichkeit] scharf Besenstiel: aussehen, dastehen usw. , als
kritisieren: Selbst die eigenen Parteige- hätte man einen Besenstiel verschluckt
nossen nahmen das Milliardenprojekt des (ugs.): sich auffällig, unangemessen ge-
Oberbürgermeisters unter Beschuss. In . rade und steif halten: Schau dir den Lan-
der Frage des Scheidungsrechts von Mus- gen an. Der hätte der preußischen Garde
limfrauen hat er, gleich von mehreren Sei- alle Ehre gemacht. Aber auf der Tanzflä-
ten unter Beschuss genommen, der Par- che ist er ein Witz. Sieht aus, als hätte er
teitaktik ... den Vorrang geben müssen einen Besenstiel verschluckt.
(NZZ 30. 8. 1986, 5). besiegeln: ↑ Blut.

107
besinnen – Besserung

besinnen: sich eines anderen/eines Besse- sorgt! (Fallada, Jeder 135). 2. (salopp)
ren besinnen: seinen Entschluss ändern: jmdn. geschlechtlich befriedigen: Wir gin-
B Er wollte gerade in die Straßenbahn stei-
gen, besann sich aber in letzter Minute ei-
gen zu ihr, noch immer zu zweit, denn wir
hatten abgemacht, es ihr gemeinsam zu
besi .
nes anderen. Herr Bonmarché ... nahm besorgen (Perrin, Frauen 149). ... besucht
das Schild mit zwei Fingern ab, besann der Berliner einschlägige Etablissements
sich jedoch eines Besseren und hängte es oder lässt es sich auf der Straße besorgen,
wieder an seinen Platz (Langgässer, Siegel je nach Lust und Laune (Spiegel 8, 1990,
367). 97).
Besitz: von etw. Besitz ergreifen/nehmen: ↑ verschieben.
sich einer Sache bemächtigen, sich etw. besser: jmds. bessere Hälfte (ugs.
[gewaltsam] aneignen: Nach und nach scherzh.): jmds. Ehepartner, bes. Ehefrau:
nahm er von allen Sachen seines Freun- Deutlich spüren lässt mancher Ehemann
des Besitz. Die Aufständischen hatten seine bessere Hälfte, dass er Herr im
von den Bergwerken Besitz ergriffen. Haus ... ist (MM 10./11. 6. 1967, 37).
von jmdm. Besitz ergreifen (geh.): sich besser ist besser: seien wir vorsichtig; si-
jmds. bemächtigen: Ein Gefühl der Leere cher ist sicher: Ich sehe mal nach, ob der
.
ergriff Besitz von ihm. Sie vermochte Herd wirklich abgedreht ist, besser ist
das Entsetzen und die Enttäuschung, die besser.
von ihr Besitz ergriffen hatten, nicht aus besser als in die hohle Hand geschissen
ihrer Stimme zu bannen (Sebastian, (derb): besser als gar nichts: »Zwei miese
Krankenhaus 117). Euro hat der mir dafür gegeben, Knick-
etw. in Besitz nehmen: sich etw. [als Ei- stiebel der!« – »Besser als in die hohle
gentum] nehmen: Nach dem Tod des Bau- Hand geschissen!«
.
ern nahm er den Hof in Besitz. Der frei das wäre ja noch besser! (iron.): das
gewordene Platz wurde augenblicklich kommt gar nicht infrage! ; ausgeschlos-
von der nachdrückenden Flut der Ver- sen! : Erst klaut man uns unsere Ideen,
wundeten in Besitz genommen (Plievier, und dann will man uns großzügig zur
Stalingrad 317). Mitarbeit einladen, das wäre ja noch bes-
sich in den Besitz von etw. setzen: sich ser!
etw. [als Eigentum] nehmen, sich einer Sa- das Bessere ist des Guten Feind: etwas
che bemächtigen: Gelang es mir, mich in mag noch so gut sein, es muss weichen,
den Besitz der greehahnschen Archive zu wenn etwas Besseres, Vollkommeneres an
setzen, dann wollte ich ... den Inhalt des seine Stelle treten kann: Aber der ausge-
entdeckten Materials aufteilen (Habe, zeichnete Traber muss, weil auch im Pfer-
Namen 245). ... die Bundesrepublik würde derennsport das Bessere des Guten Feind
nie den Versuch machen, sich mit Gewalt ist, ein wichtigeres Rennen bestreiten (SZ
in den Besitz dieser Territorien zu setzen 13. 8. 2004, 35).
(Dönhoff, Ära 160). ♦ Diese Redensart stammt aus Voltaires
besitzlos: ↑ Neid. »Philosophischem Wörterbuch«.
besohlen: ↑ laufen. Besseres zu tun haben: zu wenig Zeit ha-
besondere: im Besonderen: vornehmlich, ben, um sie mit etw. Bestimmtem zu ver-
besonders: Er interessiert sich für Grafik, geuden: Ich habe Besseres zu tun, als mir
im Besonderen für alte Stiche. den ganzen Abend ihre frustrierten Sprü-
besorgen: es jmdm. besorgen: 1. (ugs.) mit che anzuhören. Hast du nichts Besseres
jmdm. übel verfahren, jmdm. etw. heim- zu tun, als hier herumzustehen?
zahlen: Diesem fiesen Ober habe ich es ↑ belehren, ↑ besinnen, ↑ doppelt, ↑ prüfen,
.
aber gründlich besorgt. Die Sprech- ↑ schlecht, ↑ spät, ↑ Tag, ↑ Teil, ↑ vorbeugen,
stundenhilfe hat den kleinen Enno Kluge ↑ Vorsicht.
auf seinen Platz gejagt, sie geht zurück Besserung: gute Besserung!: Zuspruch für
über den Flur. Dem hat sie es aber be- einen Kranken: »Heuschnupfen?«, nickte

108
Bestand – bestellen

sie verständnisvoll. »Das Problem kenne nicht mehr zum Besten. Es steht nicht
ich. Gute Besserung!«
↑ Selbsterkenntnis, ↑ Weg.
zum Besten mit ihm, kein Verlag will
seine Manuskripte drucken. M
B
M
Bestand: eiserner Bestand: Vorrat, der nur etw. zum Besten geben: etw. zur Unter-
im äußersten Notfall angegriffen werden haltung vortragen: Würden Sie bitte noch best
darf: Im hinteren Teil der Hütte war der ein Lied für unsere Gäste zum Besten ge-
eiserne Bestand an Fleisch- und Gemüse- ben?
konserven gelagert; man musste damit ♦ Mit »das Beste« war ursprünglich der
rechnen, im Winter ein paar Wochen ein- Siegerpreis gemeint. Die Wendung bedeu-
geschneit zu sein. tete also zunächst »etwas als Preis für
zum eisernen Bestand gehören: fester den Sieger in einem Spiel oder Wettkampf
Bestandteil von etw. sein: Das zunächst aussetzen«.
umstrittene Stück gehört heute zum ei- jmdn. zum Besten haben/halten: jmdn.
sernen Bestand des Spielplans. Wir . necken, anführen: Diese Burschen wollten
weisen diesen Satz ... nicht von vornhe- mich mit der Geschichte von der angeb-
rein ab, er gehört sozusagen zum eisernen lich in mich ach so verliebten Kollegin
Bestande der christlichen Konvention doch nur zum Besten haben. Aber .
(Thielicke, Ich glaube 193). plötzlich zweifelte Ulrich, ob Tuzzi wirk-
Bestandteil: sich in seine Bestandteile auf- lich so ahnungslos sei oder sich nur so
lösen (ugs.): auseinanderfallen: Diese stelle und ihn zum Besten habe (Musil,
Schuhe lösen sich auch bald in ihre Be- Mann 803).
standteile auf. ♦ Die Wendung hat ihren Ursprung da-
bestätigen: ↑ Ausnahme. rin, dass man jemanden zum Spaß so be-
beste: der erste/nächste Beste: jeder, der handelt, als ob er der Beste wäre.
kommt, ganz gleich wer; der sich zunächst ↑ Familie, ↑ hoffen, ↑ Hunger, ↑ Jahr, ↑ Kraft,
Anbietende: ... als ob Amelia ein hässli- ↑ lachen, ↑ Ordnung, ↑ Pferd, ↑ schmecken,
ches Nesthäkchen wäre, das man dem ↑ Seite, ↑ Stück, ↑ Weg, ↑ Wissen.
ersten Besten an den Hals wirft (Ruark bestehen: ↑ Feuerprobe.
[ bers.], Honigsauger 233). besteigen: ↑ Pegasus.
für jmdn. ist das Beste gerade gut genug bestellen: nichts/nicht viel zu bestellen ha-
(iron.): jmd. stellt sehr hohe Ansprüche: ben (ugs.): nichts/nicht viel ausrichten,
Armani, Champagner, ein teurer Sport- eine untergeordnete Rolle spielen: Auf un-
wagen – für den karrierebewussten Yup- serem Platz hat der Gegner nichts zu be-
pie ist das Beste gerade gut genug. .
stellen. Ich begriff ... langsam, dass ich
das Beste aus etw. machen: die größt- bei Charlie vorläufig nichts zu bestellen
möglichen Vorteile aus etw. [was gar nicht hatte (Plenzdorf, Leiden 83).
so vielversprechend ist oder zu sein um jmdn. , etw./mit jmdm. , etw. ist es
scheint] ziehen: Die finanziellen Ressour- gut/schlecht usw. bestellt: jmd. , etw. ist
cen waren weitgehend erschöpft, aber mit in einem bestimmten Zustand, einer be-
viel Engagement und Fantasie versuchte stimmten Lage: Um seine Gesundheit ist
die Organisation, das Beste aus den noch es schlecht bestellt. Mit unserer Land-
verfügbaren Mitteln zu machen. Die Lage wirtschaft ist es nicht rosig bestellt. Wie
ist nicht rosig – machen wir das Beste da- ist es in diesem Jahr um den Export
raus! .
bestellt? Es wäre um uns Menschen
mit jmdm. , etw. steht es nicht zum Bes- besser bestellt, wenn wir die Umgangs-
ten: jmds. [ finanzielle, gesundheitliche formen von Löwen hätten (Grzimek, Se-
o. ä.] Situation ist nicht gut; mit etw. sieht rengeti 85).
es recht ungünstig aus: Seit die Banken wie bestellt und nicht abgeholt (ugs.):
ihm weitere Kredite gesperrt haben, steht verloren und ein wenig ratlos: Sie sah aus
es mit seiner Firma nicht zum Besten. Mit .
wie bestellt und nicht abgeholt. Peggys
ihrer Gesundheit steht es schon lange Mann und Sheilas Mann, aus Deutsch-

109
bestimmt – Betrieb

land angereist, stehen herum wie bestellt züglich: Unsere Bemühungen in Betreff
und nicht abgeholt (Hörzu 1, 1974, 8). eines baldigen Vertragsabschlusses waren
B ↑ Haus, ↑ klein. .
erfolgreich. Ich ... gebe bindende Ver-
bestimmt: ↑ Ohr. sprechungen ab in Betreff des morgenden
best bestreuen: ↑ Asche. Tages (Th. Mann, Herr 44).
besuchen: ↑ Abend. Betreiben: auf jmds. Betreiben [hin]: auf
besudeln: ↑ Kot. jmds. Einf lussnahme, Bemühungen hin:
Betracht: außer Betracht bleiben: unbe- Auf Betreiben der Gewerkschaft kam er
rücksichtigt bleiben: Diese Frage bleibt .
in den Vorstand. Helmcke wurde ... vor
.
hier außer Betracht. Schließlich kann Anklageerhebung aber wieder auf freien
nicht außer Betracht bleiben, dass die Fuß gesetzt – auf Betreiben amerikani-
Anerkennung der Zurechnung solcher scher Stellen (Prodöhl, Tod 8).
Leistungsaustauschverbände ... in ande- betreten: ↑ Parkett.
ren Fällen leicht missbraucht werden Betretung: im Falle der Betretung (österr.):
könne (NJW 19, 1984, 1115). im Fall, dass jemand bei einem gesetzwid-
jmdn. , etw. außer Betracht lassen: rigen Verhalten erwischt wird: Wer seinen
jmdn. , etw. unberücksichtigt, unbeachtet Fahrschein in morgendlicher Hektik ver-
lassen; von jmdm. , etw. absehen: Lassen gisst, ... zahlt 520 Schilling im Falle der
wir zunächst einmal seine unerfreuliche Betretung (Die Presse 5. 9. 1995).
.
Vergangenheit außer Betracht. ... es ge- Betrieb: außer Betrieb sein: nicht arbeiten,
lang ihr nicht, das gemeinsam Erlebte au- nicht in Funktion sein: Der Aufzug ist
ßer Betracht zu lassen (H. Weber, Einzug außer Betrieb, wir müssen die Treppe
403). .
nehmen. Sie hatte versucht, Rolf anzu-
[nicht] in Betracht kommen: [nicht] in- rufen, aber vergeblich; das Telefon war
frage kommen, berücksichtigt werden: Er bereits außer Betrieb (Frisch, Stiller 343).
kommt als Vorsitzender nicht in Be- etw. außer Betrieb setzen: den Betrieb
tracht. Kommt denn eine Programmän- von etw. [vorübergehend] einstellen: Die
derung überhaupt noch in Betracht? . Firma musste eine veraltete Heizanlage
Für Herrn Coax kamen die Schiffe der auf Verlangen der Umweltbehörde außer
Herren Brookley & Brookley in keiner .
Betrieb setzen. Schon hab ich berech-
Weise in Betracht (Brecht, Groschen 32). net, dass wir die elektrische Anlage aus
jmdn. , etw. in Betracht ziehen: jmdn. , Geldmangel ... außer Betrieb setzen müs-
etw. berücksichtigen, in Erwägung ziehen: sen (H. Mann, Stadt 169).
Wir müssen bei der Berechnung auch den in Betrieb sein: arbeiten, in Funktion sein:
.
Seitenwind in Betracht ziehen. Fabian Wie lange ist die neue Entschwefelungs-
von Schlabrendorff, der ... als Wehrbeauf- .
anlage schon in Betrieb? ... vor den
tragter genannt wurde, wird dagegen Fenstern hat er Bleche angebracht ... eine
nicht in Betracht gezogen (Dönhoff, Ära Alarmanlage ist in Betrieb, die Türen sind
33). Es wäre ja die schiere Ungezogenheit, mit Riegeln gesichert (Genet [ bers.], Ta-
eine solche Vermutung auch nur in Be- gebuch 256).
tracht zu ziehen (Maass, Gouffé 320). in Betrieb gehen: zu arbeiten beginnen,
betrachten: ↑ Licht. eingesetzt werden: Die Gemeinde ... er-
Betreff: in dem/diesem Betreff (Amtsspr. , richtet ... eine riesige Hauptkläranlage,
Kaufmannsspr.): in dieser Beziehung: In die im Juni ... in Betrieb gehen soll (profil
diesem Betreff kann man nicht von einer 17, 1979, 34). 2011 soll Berlin-Branden-
Radikalisierung der Universitäten spre- burg International in Betrieb gehen (Ta-
.
chen. ... so will ich nur auch in diesem gesspiegel 5. 9. 2006).
Betreff der Wahrheit die Ehre geben und etw. in Betrieb nehmen/setzen: mit etw.
freimütig eingestehen ... (Th. Mann, Krull zu arbeiten beginnen, etw. bei der Arbeit
73). einsetzen: Morgen soll das Kraftwerk pro-
in Betreff (Amtsspr. , Kaufmannsspr.): be- beweise in Betrieb gesetzt werden. Zu .
110
betrübt – Bettelstab

Wochenbeginn wurden die von den deut- mit jmdm. ins Bett gehen/steigen (ugs.):
schen Wissenschaftlern entwickelten Ka-
merasysteme an Bord der Sonden in Be-
mit jmdm. Sex haben: Er wäre mit der jun-
gen Kollegin gern ins Bett gestiegen. . M
B
M
trieb genommen (www.astronews.com, Die (= Männer) wollen mit jedem Mäd-
16. 11. 2006). chen ins Bett gehen, und dann lassen sie Bett
betrübt: ↑ himmelhoch. die anschließend sitzen (Hornschuh, Ich
Betrug: ein frommer Betrug/eine fromme bin 30).
Täuschung: 1. in der Beschönigung eines sich ins gemachte Bett legen (ugs.): seine
unangenehmen Umstands bestehende Existenz ohne eigene Anstrengung auf be-
Selbsttäuschung: Die hundert Meter, die reits vorhandene angenehme Verhältnisse
Brüning sich vor dem Ziel der Tributbe- gründen: Durch Einheirat in den Konzern
freiung glaubte, waren entweder ein hat er sich ins gemachte Bett gelegt.
frommer Betrug oder eine lächerliche ins Bett/zu Bett gehen; sich ins Bett be-
Fantasterei (Niekisch, Leben 197). 2. in geben (geh.); sich ins Bett hauen (ugs.):
guter Absicht erfolgende Täuschung eines schlafen gehen: Wir sind kurz nach 11 Uhr
anderen: Sie hat ihrem Sohn gesagt, sein ins Bett gegangen. Er war total kaputt
Vater sei auf einer Forschungsexpedition und haute sich gleich ins Bett.
ums Leben gekommen – wer wollte ihr ↑ Brot, ↑ Frau Holle, ↑ haben, ↑ Tisch.
diesen frommen Betrug verdenken? Bettel: jmdm. den [ganzen] Bettel hin-
♦ Der Ausdruck ist die wörtliche ber- schmeißen/hinwerfen/vor die Füße
setzung von lat. »pia fraus« und stammt schmeißen/vor die Füße werfen (ugs.):
aus den »Metamorphosen« des römi- jmdm. unmissverständlich zu erkennen
schen Dichters Ovid. geben, dass man nicht mehr für ihn tätig
Bett: das Bett hüten müssen: wegen Krank- sein will: ... und wenn ich einen Treffer
heit im Bett bleiben müssen: Er war nicht lande, werf ich dieser gottverfluchten
recht beisammen, musste oft das Bett hü- Zeitung den Bettel hin ... (Ruark [ bers.],
ten; etwas zehrte an ihm, eine schlei- Honigsauger 262).
chende Krankheit (Feuchtwanger, Erfolg den [ganzen] Bettel hinwerfen/hin-
384). schmeißen (ugs.): aus berdruss o. Ä.
das Bett an/bei fünf Zipfeln packen wol- seine Tätigkeit, sein Amt aufgeben: Im
len (ugs.): mehr erreichen wollen, als mög- Frühjahr 1979, als der Chef des Bundes-
lich ist: Ich glaube, wir wollen das Bett an kriminalamtes ... zum ersten Mal den
fünf Zipfeln packen. Deutsche Meister- Bettel hinwerfen wollte (Spiegel 50, 1980,
schaft, der Pokal und Europapokal, das 24).
ist einfach zu viel für unsere Mannschaft. ♦ »Bettel« gehört zum Verb »betteln«,
mit jmdm. das Bett teilen: 1. mit jmdm. bedeutete zunächst »Bettelei; Zusam-
Sex haben: Wenn eine Wissenschaftlerin mengebetteltes« und ist seit dem 17. Jahr-
und ein Wissenschaftler nicht nur das La- hundert in der heutigen umgangssprach-
bor, sondern auch das Bett teilen, stellen lichen Bedeutung »altes, minderwertiges
sich oftmals Probleme ein. 2. (bes. von Tie- Zeug, Plunder« gebräuchlich.
ren) mit jmdm. im selben Bett schlafen, sich betteln: ↑ bitten.
in jmds. Bett einnisten: Das abgöttisch ge- Bettelstab: an den Bettelstab kommen
liebte Hundchen darf mit Frauchen sogar (veraltend): völlig verarmen: Sein Vater
das Bett teilen. Ich möchte nicht wissen, hatte die Firma in Riga aufgeben müssen
wie viele Milben hier mit dem nichts ah- und war an den Bettelstab gekommen.
nenden Gast das Bett teilen. jmdn. an den Bettelstab bringen (veral-
ans Bett gefesselt sein (geh.): wegen tend): jmdn. wirtschaftlich völlig ruinie-
Krankheit im Bett bleiben müssen: Er ist ren: Seine Spielleidenschaft hatte ihn an
nun schon drei Wochen ans Bett gefes- den Bettelstab gebracht.
selt. Seit ihrem Schlaganfall war sie ans ♦ Mit »Bettelstab« ist der Stab des Bett-
Bett gefesselt. lers gemeint, der Stock, auf den sich ein

111
betten – bewaffnet

kranker oder alter Mensch beim Betteln ben (ugs.): [nach dem Genuss von Alko-
stützte, wenn er seinen Lebensunterhalt hol] zum Schlafen müde genug sein: Nach
B nicht mehr durch Arbeit bestreiten
konnte.
vier bis sechs Bierchen hatte er die nötige
Bettschwere und zog sich zurück.
bett betten: wie man sich bettet, so liegt/ Bettzipfel: nach dem Bettzipfel schielen
schläft man: es hängt von einem selbst ab, (ugs.): sehr müde sein und gern zu Bett ge-
wie man sein Leben gestaltet: Er wollte nie hen wollen: Na, du schielst wohl auch
etwas lernen, und heute lebt er im Ob- schon nach dem Bettzipfel?
dachlosenasyl – wie man sich bettet, so nach dem Bettzipfel schnappen/schielen
liegt man. (ugs.): [durch Gähnen] erkennen lassen,
sich weich betten: sich ein angenehmes dass man sehr müde ist: Geht doch schla-
Leben verschaffen: Mit der Einheirat in fen, Kinder, ihr schnappt doch schon
den Konzern hat er sich weich gebettet. nach dem Bettzipfel!
[nicht] weich gebettet sein: [kein] ange- beugen: ↑ Nacken, ↑ Rücken.
nehmes, leichtes Leben haben: Als Mit- Beute: ↑ Wahnsinn.
glied der königlichen Familie ist sie weich Beutel: tief in den Beutel greifen müssen
gebettet – weicher gehts kaum. Zwei ge- (ugs.): viel zahlen müssen: Wir haben für
schiedene Ehen und seither nur unver- den Hauskauf tief in den Beutel greifen
bindliche Beziehungen: In Liebesdingen müssen. Wenn du in München richtig
ist er nicht weich gebettet. ausgehen willst, musst du tief in den Beu-
↑ Rose, ↑ Ruhe. tel greifen.
bettfein: sich bettfein machen (ugs.): sich ♦ Die Wendung knüpft an die veraltende
zum Schlafen fertig machen: Wir schick- Bedeutung »Geldbeutel« an.
ten sie nach unserem abendlichen Gebet ↑ Loch.
hinauf, damit sie sich die Zähne putzen bevölkerungspolitisch: bevölkerungspoli-
und sich bettfein machen konnten (www. tischer Blindgänger (salopp, meist ab-
geschichtennetz.de). Grünen-Politikerin wertend): jmd. , der keine Kinder in die
Thea Dückert hatte sich gerade bettfein Welt setzt: Denn männliche Homosexu-
gemacht, als sie zurück in die Leipziger elle galten als »bevölkerungspolitische
Straße gerufen wurde (SZ 16. 12. 2003, 2). Blindgänger« (Heinrich Himmler), vom
Bettflucht: ↑ senil. Trieb her ungeeignet, für Deutschland
Bettkante: jmdn. [nicht] von der Bettkante Nachwuchs zu zeugen (taz Magazin 17. 3.
stoßen/schubsen (ugs.): sich jmdm. 2007 IV). Alfred sagte, bei einer Tauffeier
[nicht] sexuell verweigern: Er fand heraus, vom Großvater des Täuflings als bevölke-
dass Männer fast ausnahmslos eine Frau rungspolitischer Blindgänger bezeichnet
von der Bettkante stoßen würden, wenn zu werden, sei nicht hinzunehmen. Das
ein Freund oder Kollege nachts anrufen ist sein Nazi-Jargon, sagte Frau Klapproth
und um eine sofortige wichtige Bespre- ... (M. Walser, Verteidigung 411). Jungge-
chung ... bitten würde (Tagesspiegel 6. 4. sellen sind ohne Lobby. Als bevölkerungs-
1999, 36). So schubst Betty Davis ... einen politische Blindgänger haben sie mehr
übereifrigen Liebhaber im Anti-Love- Nach- denn Vorteile: Bei der Lohn- und
Song gnadenlos von der Bettkante (Zeit Einkommensteuer und bei den Abgaben
18. 5. 2000, 12). Vor die Wahl gestellt, ob für die Sozialversicherung (Zeit 29. 4.
er eher mit Tom Cruise oder mit Nicole 1977, 57).
Kidman eine Nacht verbringen würde, ♦ Zur Zeit des Nationalsozialismus war
sagte er ... : »... ich würde wohl Tom dies ein Ausdruck der oft lebensbedrohli-
Cruise sagen. Aber unter den richtigen che Diffamierung von Homosexuellen so-
Umständen würde ich auch Nicole nicht wie kinderlosen Frauen und Ehepaaren.
von der Bettkante stoßen.« (SZ 20. 9. bewaffnet: bis an die Zähne bewaffnet
1999, 16). sein (ugs.): schwer bewaffnet sein: Sowje-
Bettschwere: die nötige Bettschwere ha- tische Soldaten, die bis an »die Zähne be-

112
bewahren – Bewusstlosigkeit

waffnet« sind, beherrschen zurzeit das den Beweis für seine Unschuld anzutre-
Bild der Prager Straßen (MM 26. 8. 1968,
20). Zwei bis an die Zähne bewaffnete
ten (Mostar, Unschuldig 5).
etw. unter Beweis stellen: etw. beweisen, M
B
M
Jungen im Alter von elf und 13 Jahren tö- erkennen lassen: Mit zwei Toren in der
ten in Jonesboro (Arkansas) nach einem ersten Halbzeit hatte der italienische Bewu
von ihnen ausgelösten Feueralarm vier Stürmer seine Klasse unter Beweis ge-
Mädchen und eine Lehrerin (FR 7. 3. 2001, stellt. Sie suchte eine Betätigung, bei der
38). sie ihre besonderen Fähigkeiten unter Be-
bewahren: ↑ Blut, ↑ Gott, ↑ Kopf. weis stellen könnte.
Bewandtnis: mit jmdm. , mit etw. hat es bewenden: es bei/ (seltener:) mit etw. be-
[s]eine eigene/besondere Bewandtnis, wenden lassen: es mit etw. genug, abgetan
hat es die folgende Bewandtnis: für sein lassen: Wir wollen es diesmal noch
jmdn. , etw. sind besondere/folgende Um- bei einer Geldstrafe bewenden lassen. .
stände maßgebend: Mit diesem Brief hat Warum lasse ich es nicht bei einer schö-
es seine eigene Bewandtnis. Mit seiner nen Freundschaft mit Nina bewenden?
Herkunft hat es folgende Bewandt- (Rinser, Mitte 73).
.
nis ... Nun hat es mit Zauberern inso- Bewenden: bei/mit etw. sein Bewenden
fern eine besondere Bewandtnis, als ih- haben: auf etw. beschränkt bleiben; mit
nen das Töten ausdrücklich untersagt ist etw. genug, abgetan sein: Doch mit Geset-
(Kusenberg, Mal 40). zen allein ... könne es nicht sein Bewen-
bewegen: ↑ Gleis, ↑ Kreis, ↑ Parkett. den haben (Zeit 2. 5. 1986, 3). Aber es
Bewegung: sich in Bewegung setzen: sich hatte bei alledem sein Bewenden nicht,
[in eine Richtung] zu bewegen beginnen: denn Pharao wollt es nun einmal über-
Gezogen von vier kräftigen Kaltblutpfer- treiben (Th. Mann, Joseph 1490).
den, setzte sich der Wagen mit den Bier- Bewerbchen: sich 〈Dativ〉 ein Bewerbchen
fässern in Bewegung. Pünktlich um zehn machen (landsch. , bes. ostmd.): ein be-
Uhr hatte sich der Festzug in Bewegung stimmtes Tun als Vorwand benutzen, um
.
gesetzt. Die Lokomotive schrie hyste- zu erreichen, worum es einem in Wirklich-
risch auf, und der Zug setzte sich ruckend keit geht: Sie hatte die Gruppenunterneh-
in Bewegung (Koeppen, Rußland 14). mungen satt und machte sich ein Be-
etw. in Bewegung setzen: bewirken, dass werbchen, um einmal allein losstiefeln zu
sich etw. zu bewegen beginnt: Mit einem können. Liebe macht erfinderisch und so
einfachen Knopfdruck kann man die machte er sich jeden Tag ein anderes Be-
komplizierte Mechanik der Maschine in werbchen, um sich in der Nähe der neuen
.
Bewegung setzen. Kurze Böen ... stürz- Kollegin aufhalten zu können.
ten durch die Luftspalte und setzten die bewerfen: ↑ Dreck, ↑ Kot, ↑ Schmutz.
Hängelampe in schaukelnde Bewegung bewilligen: jmdm. eins/eine[n]/ein Ding
(Müthel, Baum 116). bewilligen (ugs. iron.): jmdm. eine Ohr-
↑ Hebel, ↑ Himmel. feige geben, einen Schlag, Tritt o. Ä. verset-
Beweis: den Beweis für etw. antreten zen: Als sein Vater von der kaputten
(nachdrücklich): den Beweis für etw. er- Fensterscheibe erfuhr, hat er ihm erst mal
bringen: Hoffentlich kann die Journalistin eine bewilligt. Die Zeitlupe zeigt, dass der
für ihre Behauptungen auch den Beweis Verteidiger seinem Gegenspieler ein ganz
.
antreten. Es ist wohl die höchste Zeit, schönes Ding bewilligt hat.
den Beweis dafür anzutreten, dass ein Bewusstlosigkeit: bis zur Bewusstlosigkeit
Kasernenhof alles andere als eine göttli- (ugs.): so lange, so intensiv, dass eine Stei-
che Institution ist (Kirst, 08/15, gerung kaum möglich ist; bis zur Erschöp-
165). ... seit die Zeiten des Zweikampfes fung, bis zum berdruss: Er übte das
und des Gottesurteils vorüber waren, Stück bis zur Bewusstlosigkeit. Sie spiel-
hatte man es keinem Angeklagten ver- ten keinen Rock und keinen Rap, sondern
wehren können, vor aller Öffentlichkeit bis zur Bewusstlosigkeit Mundartschnul-

113
Bewusstsein – biegen

zen. Er hatte sich zu einem Fitnessfanati- biblisch: biblisches Alter: sehr hohes Alter:
ker entwickelt und pumpte Eisen bis zur Im biblischen Alter von 92 Jahren feierten
B Bewusstlosigkeit.
Bewusstsein: jmdm. zu[m] Bewusstsein
die beiden in geistiger Frische ihre ei-
.
serne Hochzeit. Hundert Jahre alt zu
Bewu kommen: jmdm. klar werden, von jmdm. werden – wer träumt nicht davon. Herr
erkannt werden: Erst später kam uns zum Trost ... hat dieses »biblische« Alter er-
Bewusstsein, wie knapp wir der Gefahr reicht (Hörzu 38, 1978, 71).
.
entronnen waren. Als er später heira- ♦ Diese Fügung geht auf die hohen Al-
tete ... , kam ihm erst ganz zu Bewusst- tersangaben der Erzväter im Alten Testa-
sein, wie vernünftig seine Lebensgewohn- ment zurück.
heiten früher gewesen waren (Musil, biblisches Ausmaß: katastrophales, unge-
Mann 345). heueres Ausmaß: Jetzt verhungern schon
bezahlen: sich bezahlt machen: den Auf- die ersten Kinder in Pakistan – wann end-
wand lohnen: Der Einbau der Klimageräte lich reagiert die Weltgemeinschaft und
.
hat sich bereits bezahlt gemacht. Ein startet eine Hilfsaktion, die dieser Natur-
Unterbodenschutz muss deshalb sehr katastrophe biblischen Ausmaßes gerecht
sorgfältig aufgetragen werden, wenn er wird? (MM 17. 8. 2010, 2). Fast die Hälfte
sich bezahlt machen soll (DM 49, 1965, aller Spanier unter 25 Jahren ist arbeits-
38). Ich habe ... nie daran geglaubt, dass los, die Sozialkürzungen sind von bibli-
Philologie und Kunstgeschichte sich be- schem Ausmaß (SZ 19. 8. 2011, 4).
zahlt machen (Frisch, Homo 203). ♦ Die Fügung nimmt Bezug auf die vie-
als ob es jmd. bezahlt bekäme (ugs.): (in len im Alten Testament geschilderten Ka-
Bezug auf ein bestimmtes Tun) so schnell, tastrophen großen Ausmaßes wie Sint-
viel o. ä. , als ob die Chance dazu nie wie- flut, Heuschreckenplage, Dürre usw.
der käme; ohne sich zu bändigen, zurück- Biege: eine Biege fahren/fliegen/gehen
zuhalten: Die beiden essen, als ob sie’s be- (salopp): ein Stück fahren/f liegen/gehen:
zahlt bekämen. Er erzählt und erzählt, als Mit dieser Sportmaschine würde ich
ob er es bezahlt bekäme. gerne mal eine Biege fliegen. Na, wollen
↑ Geld, ↑ Hosentasche, ↑ Münze, ↑ Tasche, wir noch eine Biege gehen, oder bist du zu
↑ Westentasche, ↑ Zeche. müde?
bezeichnend: ↑ Licht. die Biege machen (salopp): [möglichst
beziehen: ↑ Naht, ↑ Stellung. schnell] weggehen, sich entfernen:
Bezug: auf etw. Bezug nehmen (Amtsspr. , ... kommt der Tag, an dem die konse-
Kaufmannsspr.): sich auf etw. beziehen: quente unwiderrufliche Biege gemacht
Wir nehmen Bezug auf unser Schreiben werden muss. Es kommt der Tag des Ab-
vom ... schieds (Lindenberg, El Panico 31). Die
in Bezug auf jmdn. , etw. : was jmdn., etw. Bullen werden in ca. 10 Minuten vor dei-
betrifft: Es gibt in Bezug auf Nachtkleider ner Haustür stehen, ich würde jetzt
zwei moderne Richtungen: die ultrakurzen schnell die Biege machen, sonst biste weg
und die ultralangen (Dariaux [ bers.], Ele- vom Fenster (members.tripod.de).
ganz 42). Doch in Bezug auf Spengler ... ♦ Das Wort »Biege« ist besonders land-
habe ich mir selbst den größten Vorwurf schaftlich in dem hier zugrunde liegen-
zu machen (Plievier, Stalingrad 257). den Sinne von »Wegbiegung, Kurve« ge-
unter/mit Bezug auf etw. (Amtsspr. , bräuchlich.
Kaufmannsspr.): Bezug nehmend auf etw.: biegen: auf Biegen und/oder Brechen
Mit Bezug auf Ihr Schreiben vom 3. Mai (ugs.): unter allen Umständen, um jeden
teilen wir Ihnen mit ... Preis: Er will auf Biegen oder Brechen bis
Bezugnahme: unter/mit Bezugnahme auf morgen fertig werden. Wir müssen dieses
etw. (Amtsspr. , Kaufmannsspr.): in Bezug Spiel auf Biegen oder Brechen gewinnen.
auf etw. : Unter Bezugnahme auf Ihr es geht auf Biegen oder Brechen (ugs.):
Schreiben vom ... es geht um die Entscheidung in einer ex-

114
Biene – Bild

tremen Situation: Es wird sicherlich auf Schwaches Bild! Ein schwaches Bild: Die
Biegen oder Brechen gehen, wenn wir in
die Kommandozentrale eindringen.
ganze Aktion hat nicht mehr als 120 Euro
an Spenden eingebracht! M
B
M
♦ Die beiden Wendungen gehen von der ein Bild von ... [sein]: auffallend schön,
Erfahrung aus, dass biegsame Bäume und bildschön [sein]: Sie sieht aus wie die Bild
Pflanzen brechen können, wenn man sie junge Loren – ein Bild von einer Frau! .
zu stark [um]biegt. Hinter ihr steht ein Bild von einem Mann.
↑ lachen, ↑ lügen. Schlank, dunkelhäutig ... (Chotjewitz,
Biene: eine Biene machen/drehen (ugs.): Friede 100).
sich rasch [unbemerkt] entfernen: Als ich ein Bild des Jammers (geh.): ein sehr trau-
mich umdrehte, hatte der kleine Gauner riger Anblick: Nach dem Erdbeben bot
schon längst ’ne Biene gemacht. das früher so romantische Städtchen ein
♦ Das Bild der Biene steht hier für das Bild des Jammers. Hungernde und kranke
Abschwirren des Insekts. Menschen säumten die Straßen – ein Bild
Bier: das ist [nicht] mein Bier (ugs.): das ist des Jammers, das auch den abgebrühtes-
[nicht] meine Angelegenheit: Wie ich das ten Journalisten erschütterte.
.
Geld besorge, ist mein Bier. Noch bes- ein Bild/ (auch:) Anblick für [die] Götter
ser als Vorbeugehaft sei eine rechtzeitige sein (ugs. scherzh.): komisch, grotesk
Resozialisierung ... Aber das ist nicht wirken: Es ist ein Bild für die Götter,
mein Bier. Ich bin Polizist und kein Päda- wenn Familie Noth voranschreitet,
goge (MM, 8. 5. 1969, 6). und hinter ihnen unzählige Katzen
♦ »Bier« ist in dieser Wendung eine wie bei einer Prozession (www.
volksetymologische Umgestaltung einer tierschutzverein-franziskushof.de).
Mundartform von »Birne«, vgl. kölnisch Letztlich endet die Kletterei, der Pfad
»dat sönd ding Beäre net« (= das geht verläuft seichter und ich kann mit
dich nichts an). durchgedrückten Knien einigermaßen
etw. wie sauer/saures Bier anbieten/an- voranhumpeln. Sicherlich ein Anblick
preisen (ugs.): eifrig für etw. werben, was für die Götter (yadam.de, 30. 6. 2000).
niemand haben will: In den Kaufhäusern sich 〈Dativ〉 ein Bild von jmdm. , etw. ma-
wurden die Ringelsocken wie sauer Bier chen: sich über jmdn. , etw. informieren
angepriesen. Die Stadt bietet die Frei- und eine Meinung bilden: Ich muss mir
plätze im kommunalen Theater wie sau- erst ein genaues Bild von den Ereignissen
res Bier an. machen, bevor ich dazu Stellung nehmen
↑ bleifrei. .
kann. Nach dem Bild, das ich mir von
Bierkutscher: ↑ fluchen. O’Daven gemacht habe, halte ich es für
bieten: ↑ Blöße, ↑ Hand, ↑ Küche, ↑ Schach, ziemlich unwahrscheinlich (Weber, Tote
↑ Spitze, ↑ Stirn. 212).
Bilanz: Bilanz machen (ugs.): seine persön- [über etw.] im Bilde sein: [über etw.] in-
lich verfügbaren Mittel überprüfen: Wenn formiert, orientiert sein; von etw. eine ge-
wir unseren Urlaub hier um eine Woche naue Vorstellung, den Zusammenhang er-
verlängern wollen, müssen wir erst mal fasst haben: Sind Sie nun im Bilde? Ich
Bilanz machen. bin noch nicht darüber im Bilde, was hier
[die] Bilanz [aus etw.] ziehen: das Ergeb- .
eigentlich vorgefallen ist. Vermutlich
nis von etw. feststellen: Bei ihrer Entlas- sind Sie im Bilde, worüber wir uns zu un-
sung sechs Wochen später zieht die terhalten haben werden (Gaiser, Schluss-
23-jährige Kindergärtnerin Bilanz: Der ball 119).
Traum vom Abitur ist zu Ende (DM 45, ♦ Die Wendung soll aus dem Militärwe-
1965, 8). sen stammen, ursprünglich nur in negier-
Bild: [ein] schwaches Bild! (ugs.): das ist ter Form gebräuchlich gewesen sein und
schlecht, unbefriedigend, enttäuschend! : sich auf taktische und strategische Aufga-
Das Spiel wird nicht live übertragen? ben bezogen haben, für die eine klare

115
Bilderbuch – Binde

Vorstellung der Sachlage fehlte. Erst spä- das Erscheinen des Bildes beim Entwi-
ter erfolgte die bertragung der Wen- ckeln der Platte.
B dung auf den nicht militärischen Bereich.
[nicht] ins Bild passen: den Vorstellungen,
von der Bildfläche verschwinden (ugs.):
1. sich ohne Umstände entfernen, ver-
Bild Erwartungen, die man von jmdm. , etw. schwinden: ... meistenteils ab acht, neun
hat, [nicht] entsprechen: Cheftrainer Mar- sind sie von der Bildfläche verschwunden,
tin Oswald spricht von einem »Muster- weil das ja alles Leute sind, die früh zu
athleten« ... , Hans Flatscher von einem Bett gehen (Aberle, Stehkneipen 90).
»zielstrebigen und professionell« denken- 2. aus der Öffentlichkeit verschwinden und
den Sportler. Nicht ganz ins Bild passt in Vergessenheit geraten: Als kindlicher
hierzu die Anekdote, dass der WM-Dritte Sonnenschein hatte er seinen letzten öf-
von St. Anton anlässlich des Weltcup- fentlichen Auftritt. Dann verschwand er
Starts in Sölden den Start verpasste (NZZ von der Bildfläche (Hörzu 11, 1973, 18).
8. 2. 2000). Zudem will sich das börsenno- Bildung: ↑ Einbildung.
tierte Unternehmen als Medienhaus posi- billig: billiger Jakob (ugs.): Händler, bei
tionieren und hat seit kurzem einen eige- dem die Waren besonders billig sind: Die
nen Verlag ... Ein eigener Sender würde Möbel sehen aus, als kämen sie vom billi-
ins Bild passen (Tagesspiegel 14. 3. 2001, .
gen Jakob. Feature über Marktschreier,
31). billige Jakobs und andere »Entertainer an
jmdn. , sich [über etw.] ins Bild setzen der Verkaufsfront« (Spiegel 14, 1979, 248).
(nachdrücklich): jmdn. , sich [über etw.] ↑ recht, ↑ Ruhe.
informieren: Der General ließ sich von ei- Bimbam: [(ach) du] heiliger Bimbam!
nem Offizier an Ort und Stelle ins Bild (ugs.): Ausruf der berraschung, der Be-
setzen. Er fühlte sich verpflichtet, seine troffenheit: Ach, du heiliger Bimbam,
Vorgesetzten über die Vorgänge ins Bild .
Zollkontrolle! »Ach, du heiliger Bim-
zu setzen. bam!«, schimpfte die Frau in Weiß, als ich
↑ Wort. ihr den Fünfziger reichte (Martin, Henker
Bilderbuch: wie im/aus dem Bilderbuch: ei- 89).
nem Idealbild entsprechend; nicht besser, Binde: jmdm. fällt die Binde von den Au-
schöner vorstellbar, auszudenken: Es war gen (geh. veraltend): jmd. erkennt plötz-
ein Wetter wie im Bilderbuch, warm und lich, was ihm unklar war: Die Binde war
sonnig, aber nicht zu heiß. Sie feierten ihm von den Augen gefallen, seine Nach-
eine Hochzeit wie aus dem Bilderbuch. . barn hatten ihn also denunziert.
Ein Kerl wie aus dem Bilderbuch: eins- [sich 〈Dativ〉] einen hinter die Binde gie-
neunzig groß, breite Schultern (Hörzu 23, ßen/kippen (ugs.): ein alkoholisches Ge-
1982, 120). tränk zu sich nehmen: Sie hatten bis spät
Bildfläche: auf der Bildfläche erscheinen in der Kneipe gesessen, Skat gedroschen
(ugs.): [unvermittelt] erscheinen, herbei- und sich ordentlich einen hinter die
kommen, auftreten: Und dabei hatte noch .
Binde gegossen. Nach sechs kriecht
einer gefehlt; denn der, den man Pi- Reinhold raus, pusselt am Auto, dann
roschka gerufen hatte, war nicht auf der gießt er einen hinter die Binde (Döblin,
Bildfläche erschienen (Hartung, Pi- Berlin 378).
roschka 42). Bei Dohlen und Raben wer- ♦ Die Wendung geht von »Binde« in der
den ... Liebesbeziehungen zu einem heute veralteten Bedeutung »Binder,
gleichgeschlechtlichen Artgenossen so- Schlips« aus.
fort abgebrochen, wenn ein passender jmdm. die Binde von den Augen nehmen/
Geschlechtspartner auf der Bildfläche er- reißen (geh. veraltend): jmdn. etw. plötz-
scheint (Lorenz, Verhalten I, 227). lich erkennen lassen, ihn von seinen fal-
♦ Die Wendung knüpft an »Bildfläche« schen Vorstellungen befreien: Ein Brief
als alten technischen Ausdruck der Foto- seines Freundes hatte ihm endlich die
grafie an und bezog sich ursprünglich auf Binde von den Augen gerissen, und ihm

116
binden – bitte

war klar geworden, wie schändlich man losigkeit, ↑ dann, ↑ dato, ↑ dorthinaus, ↑ er-
ihn betrogen hatte.
binden: ↑ Bein, ↑ Hand, ↑ Klotz, ↑ Nase, ↑ prü-
brechen, ↑ Grab, ↑ Hals, ↑ Puppe, ↑ Stehkra-
gen, ↑ Tüpfelchen, ↑ Vergasung, ↑ weiter. M
B
M
fen, ↑ Rute, ↑ Seele. bisschen: [ach] du liebes bisschen! (ugs.):
Bindfaden: es regnet Bindfäden (ugs.): es Ausruf der berraschung, des Erschre- bitt
regnet sehr stark: Wir können jetzt noch ckens: »Ach, du liebes bisschen, wie sieht
nicht gehen, es regnet Bindfäden. Doch. das hier wieder aus.« Fred liegt inmitten
keine 12 Stunden später regnete es Bind- seiner sämtlichen Spielsachen (DM 45,
fäden. Das erwartete Hoch hatte sich 1965, 41). In den von Ihnen veröffentlich-
statt auf- abgebaut (Hörzu 42, 1972, 80). ten Zuschauerkritiken ist von beschä-
binnen: ↑ Jahr, ↑ kurz. mendem Niveau und Geschmacklosigkeit
Binse: in die Binsen gehen (ugs.): verloren die Rede – ach, du liebes bisschen! (Hörzu
gehen, zunichtegemacht werden: Ein 5, 1974, 107).
Großteil ihres Vermögens ist bei dem ↑ plötzlich.
Börsensturz in die Binsen gegangen. Bissen: jmdm. bleibt der Bissen im Hals
Seine Hoffnungen auf eine Goldmedaille stecken (ugs.): jmd. erschrickt sehr: Mir
.
sind in die Binsen gegangen. Tja, wer blieb der Bissen im Hals stecken, als ich
hätte gedacht, dass eure Ehe so schnell in ihn plötzlich vor mir sah.
die Binsen ginge ( Jaeger, Freudenhaus keinen Bissen anrühren (ugs.): das Essen
241). unberührt stehen lassen: Ich war so aufge-
♦ Die Wendung stammt vermutlich aus regt, dass ich keinen Bissen anrühren
der Jägersprache und bezieht sich darauf, .
konnte. Er ist weiß wie ein Aktenbogen
dass eine getroffene Wildente, die in die und rührt keinen Bissen an (Spoerl, Maul-
Binsen (landsch. = »Schilf«) fällt, für den korb 40).
apportierenden Jagdhund kaum zu fin- jmdm. keinen Bissen gönnen (ugs.):
den ist. jmdm. nicht das Geringste gönnen: Er will
Birne: eine weiche Birne haben (salopp): et- alle in der Mannschaft ausstechen, der
was beschränkt sein: Wie könnt ihr den gönnt seinen Kameraden keinen Bissen.
zum Vorsitzenden wählen, der hat doch jmdm. die Bissen in den Mund/im Mund
.
eine weiche Birne. Die deutsche Linke zählen (ugs.): genau aufpassen, wie viel
ist also nicht 1989 gescheitert, sie arbeitet jmd. isst: Beim Essen aber störst du, weil
noch dran. Wer damals irgendwas in sich du einem wie ein Bernhardiner die Bissen
hat kaputtgehen sehen, der muss ans in den Mund zählst (Remarque, Obelisk
diesseitige Gottesreich geglaubt resp. 198).
eine gehörig weiche Birne gehabt haben ↑ Hund, ↑ Mund.
(taz 26. 4. 2000, 12). bisserl: a bisserl was geht immer (südd.): es
♦ Die Wendung bezieht sich darauf, dass wird sich schon etwas machen lassen [auch
eine weiche Birne nicht mehr ganz in wenn die Umstände eigentlich dagegen
Ordnung, innen faul ist, und spielt mit sprechen]: In kürzester Zeit und mit nicht
der saloppen Bedeutung »Kopf« des Wor- allzu viel Geld ist es ihnen gelungen, ein
tes. anspruchsvolles Programm auf die Beine
↑ Apfel. zu stellen, frei nach dem Motto »A bisserl
bis: bis anhin (schweiz.): bis jetzt, bisher: Sie was geht immer« (SZ 3. 4. 2003, 44).
hat sich bis anhin nur wenig um ihren bitte: na bitte!: das habe ich doch gleich ge-
.
Bruder gekümmert. Der bis anhin un- sagt, das bestätigt mich: Er hat das Geld
bescholtene Geschäftsmann ... (NZZ jetzt doch überwiesen? Na bitte, habe ich
21. 12. 86, 7). .
mir doch gleich gedacht! Na bitte! Die
bis und mit (schweiz.): bis einschließlich: Kommandogewalt liegt in meiner Hand,
Das Gastspiel dauert noch bis und mit oder etwa nicht? (Apitz, Wölfe 240).
Samstag (Vaterland 3. 10. 1968, 11). bitte, bitte machen (fam.): durch mehr-
↑ abwinken, ↑ Arzt, ↑ aschgrau, ↑ Bewusst- maliges Zusammenschlagen der Hände

117
bitten – Blatt

eine Bitte ausdrücken (auf Kleinkinder be- blank: blank sein (ugs.): kein Geld mehr ha-
zogen): Mach schön bitte, bitte. Dann ben: Als Clausing heiratete, fiel auch die
B kriegst du einen Keks.
bitten: bitten und betteln (fam.): inständig
Arbeitslosenhilfe weg. Er war blank
(Rhein. Merkur 18. 5. 1984, 10).
bitt bitten: Wenn die Kinder bitten und bet- ↑ blink, ↑ Hans, ↑ Nerv.
teln, lässt sich die Großmutter immer er- Blase: Blasen werfen: Aufsehen erregen:
.
weichen. Der amerikanische Talkshow- Dieser unvermittelte bergang von einer
König David Letterman bat und bettelte Bewegtheit, die unaufhörlich Blasen ge-
ein gutes Dutzend Mal, um die weltbeste worfen hatte, zu der auf sie folgenden
Tennisspielerin einmal in seinem abendli- bleiernen Stille übte nun einen geradezu
chen Plauderstündchen begrüßen zu kön- körperlichen Stoß aus (Musil, Mann 719).
nen (Tagesspiegel 17. 5. 1998, 20). Blasen ziehen: unangenehme Folgen ha-
ich muss doch sehr bitten! (ugs.): Ausruf ben: Wir wollen nur hoffen, dass dieser
der Entrüstung, des Protests: »Ich muss Zwischenfall keine Blasen zieht.
doch sehr bitten«, sagt er schließlich, »in ♦ Die Wendung bezieht sich vermutlich
meinem Lokal kann man nicht solchen auf die Blasen, die sich z. B. bei Verbren-
Lärm machen« (Remarque, Obelisk 23). nungen auf der Haut bilden, die also mit
Aber nun muss ich doch sehr bitten! unangenehmen Empfindungen verbun-
Wenn das nicht Haarspalterei ist (Maass, den sind.
Gouffé 322). blasen: jmdm. was blasen (salopp): jmds.
[aber] ich bitte Sie! (ugs.): Ausruf der Ansinnen ablehnen: Wenn er noch einmal
Entrüstung, des Protests: Aber ich bitte meinen Wagen haben will, werde ich ihm
Sie, so war es doch gar nicht gemeint. . was blasen.
Ich bitte Sie, wie reden Sie vom Kuss, dem ♦ Die Herkunft der Wendung ist nicht
zartesten Austausch der Welt (Th. Mann, geklärt. Am einleuchtendsten ist wohl die
Krull 410). Deutung, dass es sich dabei um eine ver-
wenn ich bitten darf: bitte (nachdrückli- kürzte und in der Bedeutung leicht abge-
che Höf lichkeitsformel): Hier durch diesen wandelte Form der Wendung »jmdn. den
Gang, wenn ich bitten darf, dann nach Marsch blasen« handelt.
.
links. Aufstehen und ins Büro kom- jmdm. einen blasen (derb): bei jmdm. die
men! Aber leise, wenn ich bitten darf ! Fellatio ausüben: ... ohne Gummi soll sie
(Ziegler, Labyrinth 55). ihm einen blasen (Fichte, Wolli 380).
darf ich bitten?: höf liche Aufforderung ♦ Die Wendung bezieht sich bildlich auf
zum Tanz: Sie spielen unser Lied, Elise – die Flöte, die ein phallisches Symbol ist.
darf ich bitten? ↑ Ahnung, ↑ Hobel, ↑ Horn, ↑ Marsch, ↑ Ohr,
↑ Gehör, ↑ Hand, ↑ Kasse, ↑ Ohr, ↑ Wetter, ↑ Pfeffer, ↑ Schuh, ↑ Trübsal, ↑ Vaterunser,
↑ Wort. ↑ Wind, ↑ Zucker.
bitter: ↑ Kelch, ↑ Pille. blass: ↑ Dunst, ↑ Idee, ↑ Neid, ↑ Schimmer.
bittlich: [um etw.] bittlich werden (österr. Blatt: das Blatt/das Blättchen hat sich ge-
veraltend): [wegen etw.] vorstellig werden, wendet (ugs.): die Situation hat sich ver-
[um etw.] bitten: So wurde sie beim ... Da- ändert: Plötzlich hatte sich das Blatt ge-
menstift ... um Aufnahme als Ehrenstifts- wendet, ich gewann wieder Spiel um
dame bittlich (Qualtinger, Biedermeier- .
Spiel. In wenigen Wochen hatte sich
morde 127). das Blatt gewendet, in Le Creusot begann
blamieren: jeder blamiert sich, so gut er der Hunger umzugehen (Kuby, Sieg 321).
kann (ugs.): er/sie usw. hat sich fürchter- ♦ Die Herkunft der Wendung ist nicht
lich blamiert: In vorgerückter Stunde ver- eindeutig geklärt. Möglich wäre der Be-
suchte er der Gastgeberin zweideutige zug auf das Blatt beim Kartenspiel, d. h. ,
Witze zu erzählen. Na, jeder blamiert ein Spieler, der längere Zeit ein gutes
sich, so gut er kann. Blatt hat, bekommt plötzlich ein schlech-
↑ Innung. tes und umgekehrt. Nicht weniger über-

118
Blätterwald – blau

zeugend scheint jedoch auch der Bezug Schülers, dessen Versetzung gefährdet ist:
auf eine alte Bauern- und Wetterregel zu
sein, die sich auf die Naturbeobachtung
Jeder zweite Gymnasiast in der Bundesre-
publik bleibt mindestens einmal sitzen, M
B
M
stützt, dass um den Johannestag bzw. ein Viertel aller Schüler bekommt jährlich
Veitstag herum die Laubblätter (bes. der einen »blauen Brief« (Spiegel 17, 1975, blau
Silberpappel) sich leicht senken oder zur 176).
Seite neigen. Dieser Zeitpunkt fällt oft ♦ Der »blaue Brief« hat seinen Namen
mit einem Wetterwechsel zusammen. von den blauen Umschlägen preußischer
[noch] ein unbeschriebenes Blatt sein Kabinettsschreiben, mit denen im 19. Jh.
(ugs.): 1. [noch] unbekannt sein: Für die auch Offiziere aufgefordert wurden, ihren
Ermittler war der Tankwart ein unbe- Abschied zu nehmen.
schriebenes Blatt, unbekannt in den Ak- blauer Montag (ugs.): Montag, an dem
ten der Polizei (SZ 22. 9. 2004, 10). 2. noch man der Arbeit fernbleibt: Wenns heute
ohne Kenntnisse, Erfahrungen sein: Dieser spät wird, ist für mich morgen auch mal
Vierbein ist bestimmt kein unbeschriebe- blauer Montag.
nes Blatt ... Der hat es faustdick hinter ♦ Die Herkunft der Fügung ist nicht ein-
den Ohren (Kirst, 08/15, 17). deutig geklärt. Zu den erwähnenswertes-
zwischen jmdn. und jmdn. passt kein ten der zahlreichen Deutungsversuche
Blatt Papier: jmd. ist sich mit jmdm. völlig gehören wohl die folgenden: Der Montag
einig, es gibt keine Differenzen zwischen war nach altem Handwerksbrauch der
ihnen: Der künftige Kanzler und der Par- Tag, an dem die Gesellen freihatten.
teichef betonen zwar unablässig, es passe »Blauer Montag« könnte er in Anlehnung
kein Blatt Papier zwischen sie, aber das an den ebenfalls arbeitsfreien Fasten-
gilt nur für das Atmosphärische und für montag genannt worden sein, an dem
die Geschlossenheit nach außen hin (taz Blau die vorgeschriebene liturgische
30. 9. 1998, 2). Farbe war. Wahrscheinlich ist auch die
kein Blatt vor den Mund nehmen (ugs.): Annahme, dass sich die blaue Farbe auf
offen seine Meinung sagen: ... wie mag sie die im Mittelalter an Sonn- und Feierta-
ihn erst, wenn er sie gereizt hat ... , ge- gen für Handwerker vorgeschriebene
nannt haben, wo sie doch grundsätzlich Kleiderfarbe bezog und diese für den ar-
kein Blatt vor den Mund nimmt (Maass, beitsfreien Montag übernommen wurde.
Gouffé 300). Einleuchtend ist schließlich auch eine
♦ Die Wendung bezieht sich auf eine frü- Deutungserklärung, wonach sich die Fü-
here Theatersitte, der zufolge sich die gung auf das frühere Färbeverfahren mit
Schauspieler ein Blatt als eine Art Maske Waid bezieht. Bei Blaufärbung mit Waid
vor die untere Gesichtpartie hielten, um lag die Wolle sonntags im Färbebad und
für ihre Äußerungen später nicht zur Re- musste den Montag über an der Luft oxi-
chenschaft gezogen zu werden. dieren. Während des zum Bläuen ge-
das steht auf einem anderen Blatt: das brauchten Montags hatten die Gesellen
gehört nicht in diesen Zusammenhang: Freizeit.
Dass es eine Zeit gegeben hat, in der sich blaue Bohnen (scherzh. veraltend): Ge-
die Brüder nicht grün waren, steht auf ei- wehrkugeln: Man kommt ins Gedränge,
nem anderen Blatt (Wilhelm, Unter 93). und schon hat man eine blaue Bohne im
Blätterwald: ↑ rauschen. Arm oder hat die Beine gebrochen (Dö-
blau: blauer Brief (ugs.): 1. Kündigungs- blin, Berlin 203).
schreiben: In der Dienststelle rätselt man ♦ Die Bezeichnung »blau« bezieht sich
herum, wer alles einen blauen Brief be- auf die Farbe des Bleis.
.
kommen könnte. Der blaue Brief mit blaue Jungs (ugs.): Matrosen: Es war wohl
der Kündigung warf sie wieder zurück auf ihr letzter Landgang in Mannheim; wenn
den Lebensstandard von 1950 (Spiegel 16, die blauen Jungs von der »S 66 Greif« am
1967, 73). 2. Mahnbrief an die Eltern eines Sonntag wieder die Anker lichten und

119
Blech

Kurs nehmen auf ihren Heimathafen in steigerungen sollen den hohen Grad der
Rostock-Warnemünde, läuft mit ihnen Trunkenheit ausdrücken. Die Bedeutung
B auch eine mehr als 40 Jahre währende
Tradition aus (MM 11. 10. 2003).
»betrunken« rührt wohl von dem Schwin-
delgefühl des Betrunkenen her, der einen
Blec ♦ Die Farbangabe bezieht sich auf die [blauen] Schleier vor den Augen zu haben
meist blaue Kleidung oder Uniform. glaubt, daher sagte man früher auch »es
blaue Fliesen (DDR ugs.): Westgeld, bes. wird mir blau (heute: schwarz) vor den
die Einhundertmarkscheine der Bundesre- Augen«, wenn man ohnmächtig zu wer-
publik Deutschland: »Mit eurem Hunder- den drohte.
ter. Die heißen bei uns blaue Fliesen. Tau- [jmdm.] das Blaue vom Himmel [herun-
sche blaue Fliesen gegen Duscharmatur, ter] versprechen (ugs.): jmdm. ohne Hem-
verstehste? ...« (Zimmer, Mädchen 79). mungen Unmögliches versprechen: Der
♦ Die Bezeichnung bezog sich auf die Kleine braucht einen, der ihm nicht das
blaue Farbe des Hundertmarkscheins; sie Blaue vom Himmel verspricht, der
diente besonders in Zeitungsanzeigen zur braucht einen, der immer da ist, nicht
Tarnung illegaler Geschäfte mit dem bloß heute (Bieler, Bonifaz 222).
Westgeld. das Blaue vom Himmel [herunter]lügen
das blaue Regal (ugs.): das Meer [als Ort (ugs.): ohne Hemmungen lügen: Lauer
der Abfallentsorgung vom Schiff aus]: Da- sagte, der Koch lüge das Blaue vom Him-
bei sind es nicht nur die Schiffe, die ihren mel runter (Ott, Haie 116).
Müll direkt auf hoher See im »blauen Re- das Blaue vom Himmel [herunter]reden
gal« entsorgen, sondern über die Flüsse (ugs.): sehr viel, pausenlos [von Neben-
gelangen ... gewaltige Mengen in den sächlichkeiten] reden: Von Ulm bis Mün-
Ozean (Handelsblatt 6. 7. 2006, 9). chen hatten wir einen Mann im Abteil,
der Blaue Planet: die Erde: Es könnte ja der das Blaue vom Himmel herunterre-
sein, dass wir das Ende des lebenswerten dete – wir hatten keine Minute Ruhe.
Lebens auf dem Blauen Planeten auch ins Blaue [hinein] (ugs.): ohne klares Ziel,
ohne Atomwaffen schaffen (Alt, Frieden ohne Konzept: Sie wussten nicht, um was
101). es ging, und redeten einfach so ins Blaue
♦ Der »Blaue Planet« wird so genannt, .
hinein. ... , was wir dachten. Nicht ins
seitdem die Weltraumforschung es Blaue hinein dachten, sondern mit einer
möglich macht, die Erde aus dem All zu ganz bestimmten Vorstellung von
betrachten; sie erscheint dann als ein Deutschland vor Augen ... (Dönhoff, Ära
Himmelskörper mit einem bläulichen 15).
Schimmer. ↑ Ärger, ↑ ärgern, ↑ Auge, ↑ Blut, ↑ Dunst,
die blaue Stunde (dichter.): die Zeit der ↑ Fahrt, ↑ grün, ↑ Wunder.
Dämmerung: Lasst uns die blaue Stunde Blech: jmdm. fliegt das Blech weg (ugs.):
im Garten verbringen und dem Gesang jmd. ist äußerst überrascht, verblüfft, em-
.
der Vögel lauschen. Special Effects: pört usw.: Da fliegt dir doch das Blech
Blaue Stunde. Ohne Frage spektakulär weg! Keine Woche vergeht, ohne dass Par-
sind die gestalterischen Möglichkeiten in tygirl Paris Hilton (24) einen Skandal pro-
der Dämmerung (www.agfaphoto.com). duziert! (Bravo 8, 2006, 24–25). Bei dem
blau sein [wie ein Veilchen/wie eine Siebziger- und Achtzigerjahre-Sprach-
Frostbeule/wie eine [Strand]haubitze/ müll, den alle anderen hier fortwährend
wie [zehn]tausend Mann/wie ein Eckhaus absondern, fliegt einem dann allerdings
u. Ä.] (ugs.): [völlig] betrunken sein: Am echt das Blech weg (taz 12. 3. 2009, 14).
Zahltag ist er immer blau wie ein Veil- kein Blech reden (ugs.): keinen Unsinn re-
chen. Als es schon hell zu werden begann, den: Junge, red kein Blech – ich weiß,
kam er blau wie ’ne Strandhaubitze nach dass sich alles ganz anders abgespielt
Hause. .
hat. Er ist weder Essayist noch Politi-
♦ Die scherzhaften Vergleiche und ber- ker. Er schreibt keine Regierungskolum-

120
Blei – Blick

nen und redet kein Blech (taz 29. 12. 2003, jmdn. , etw. kurz ansehen: Der Sanitäter
16).
↑ heilig.
warf einen Blick auf den Bewusstlosen
und winkte sofort eine Tragbahre he-
. M
B
M
Blei: Blei im Hintern/ (derb:) Arsch haben ran. ... statt der Telefonnummer des
(ugs.): nicht aufstehen, nicht auf brechen Restaurants wählt man die Internet-Seite Blic
wollen: Um vier Uhr früh waren die im- und wirft einen Blick auf die Menüfolgen
mer noch bei uns, die hatten mal wieder der Speisekarte (Handelsblatt 14. 2. 2001,
Blei im Arsch. 6).
↑ Morgenstunde. einen Blick hinter die Kulissen werfen/
bleiben: außen vor bleiben, am Ball blei- tun: die Hintergründe einer Sache kennen-
ben usw.: siehe unter außen, Ball usw. lernen: Als ich noch in der Planung arbei-
bleiern: ↑ schwimmen. tete, konnte ich gelegentlich auch einen
bleifrei: bleifreies Bier (ugs. scherzh.): al- Blick hinter die Kulissen tun.
koholfreies Bier: Wegen der Fahrerei einen/keinen Blick für jmdn. , etw. ha-
.
trinkt sie lieber ein bleifreies Bier. Ein ben: jmdn. , etw. sehr gut/nicht beurteilen,
gutes bleifreies Bier ist eins, das nicht den erkennen können: Sie hat absolut keinen
typischen, unangenehmen bleifreien Ge- .
Blick für gutes Design. Es ist die Niere.
ruch und Geschmack hat (www.biertest. Ich habe einen Blick für Krankheiten
online.de). (Hacks, Stücke 266).
Bleifuß: mit Bleifuß [fahren] (ugs.): ständig keinen Blick/keine Blicke für jmdn. , etw.
mit Vollgas [ fahren]: Wenn du immer nur haben: jmdn. , etw. nicht beachten: Die
mit Bleifuß fährst, ist es kein Wunder, Schaufenster waren hell erleuchtet, aber
dass der Wagen 16 Liter auf 100 km die meisten Passanten hatten keinen
schluckt! Bei Viernheim gings auf die Au- .
Blick für die Auslagen. ... da Errico
tobahn und dann mit Bleifuß durch bis zum ersten Mal die Arie ... vortrug, hielt
München. ihn die Schwierigkeit der Atemführung ...
Bleistift: mit spitzem Bleistift rechnen: so im Banne, dass er für die Zuhörer
sehr kostenbewusst sein, Kosten sparen keine Blicke hatte (Thieß, Legende 124).
wollen: Bei allen zusätzlichen Ausgaben jmdn. , etw. keines Blickes würdigen:
müssen wir also mit spitzem Bleistift jmdn. , etw. [bewusst] nicht beachten: Ka-
rechnen, wenn wir nicht in die roten Zah- viar und Hummer wurden von ihr keines
len kommen wollen (www.wkk-online.de, Blickes gewürdigt, sie griff gleich nach ei-
13. 12. 2006). .
nem Drink. ... als er eintritt, bleibt er in
Blick: wenn Blicke töten könnten!: Kom- der Tür stehn. Die Söhne würdigt er kei-
mentar, wenn jmd. jmdn. äußerst feindse- nes Blicks (Werfel, Bernadette 66).
lig ansieht: Wie er sie jetzt wieder an- auf den ersten/auf einen/mit einem
sieht – wenn Blicke töten könnten! Blick: sofort; bei nur einmaligem, kurzem
den bösen Blick haben: durch bloßes An- Hinsehen: Man erkennt auf den ersten
sehen, Betrachten Unheil bringen: Es gibt Blick, dass es sich um ein außergewöhnli-
auch heute noch alte Weiber in Città ches Talent handelt. Mit einem Blick war
morta, die glauben, ich hätte den bösen ihm klar, dass hier eine Fälschung vorlag.
Blick und brächte Unglück (Andres, Lie- Sie wusste mit einem Blick, mit wem sie
besschaukel 29). es zu tun hatte.
einen Blick riskieren (ugs.): vorsichtig, auf den ersten Blick: bei nur f lüchtigem
heimlich hinsehen: Der FKK-Strand war in Hinsehen, ohne [noch ausstehende] ge-
unmittelbarer Nähe des Hotels, und er nauere Untersuchung: Auf den ersten
.
hätte gerne einen Blick riskiert. Bork- Blick schienen die Dokumente echt zu
hausen riskiert einen raschen Blick in das .
sein. Ein Ende weiter rennt eine zweite
Gesicht seines Gegenübers (Fallada, Jeder Gruppe, die auf den ersten Blick ebenso
20). groß aussieht (Grzimek, Serengeti 60).
einen Blick auf jmdn. , etw. werfen: auf den zweiten Blick: bei näherer Be-

121
blicken – Blindheit

trachtung: Wir hielten es für Gold, aber an Bord eines Schiffes oder Flugzeugs ver-
auf den zweiten Blick erwies es sich als steckt hat und ohne Berechtigung mitreist:
B .
poliertes Messing. ... erst auf den zwei- Ein blinder Passagier hat ... einen mehr
ten Blick konnte einem der Verdacht als einstündigen Flug im Radkasten eines
blic kommen, dass die ... Mädchen nicht nur Passagierflugzeuges überlebt (www.
Speisen und Getränke servierten (Ott, berlinonline.de, 25. 11. 2000). Ein Contai-
Haie 89). nerschiff läuft in Lissabons Hafen ein, an
↑ Tellerrand, ↑ Zaun. Bord ein blinder Passagier aus Mocam-
blicken: sich blicken lassen (ugs.): irgendwo bique (www.hh.schule.de). ¸
erscheinen, einen [kurzen] Besuch ma- blinder Eifer schadet nur: mit bereifer
chen: Na, lässt du dich auch mal wieder kommt man nicht zum Erfolg; es ist besser,
.
bei uns blicken! Ich hatte eine Nieder- sich die Dinge in Ruhe zu überlegen: Du
lage erlebt, dort ... konnte ich mich nicht wirst deinen Ärger hinunterschlucken
wieder blicken lassen (B. Vesper, Reise und ihn nicht zur Rede stellen – in sol-
364). chen Situationen schadet blinder Eifer
das lässt tief blicken: das ist sehr auf- nur!
schlussreich: ... haben sie Boris Becker das sieht doch ein Blinder [mit dem
zum erotischsten Mann des Jahres erko- Krückstock]! (ugs.): das liegt doch klar zu-
ren. Das lässt tief blicken. Und zwar in tage! : Die beiden haben doch etwas mitei-
Abgründe, die man so genau nicht er- nander, das sieht doch ein Blinder mit
gründen will ... (www.taz.de, 12. 12. 2000). dem Krückstock!
↑ Auge, ↑ Kulisse, ↑ Stielauge. unter den Blinden ist der Einäugige Kö-
blind: für etw. blind sein: etw. nicht sehen nig: wer wenig kann, ragt dennoch unter
[wollen]; für etw. kein Gespür haben: Denn denen hervor, die noch weniger können.
dieser ziemlich dürftige Legalismus ist ↑ Huhn, ↑ Liebe, ↑ reden.
blind dafür, dass Demokratien nicht nur Blindenhund: da knurrt/ (seltener:) bellt
durch Beschlussvorlagen erkämpft wur- der Blindenhund (salopp): das sieht auf-
den (www2.tagesspiegel.de, 22. 1. 2001). fallend hässlich aus: Diese Länge mit den
Gerade die Global Players haben doch den Teilungsnähten, dem Latz und langen Är-
Bogen raus, Steuern dort zu bezahlen, wo meln, dann in pinkfarbenem Duchesse.
es am billigsten ist, und dort zu leben, Mein Gott, da knurrt der Blindenhund!
wo es am schönsten ist – blind dafür, (www.hobbyschneiderin.net, 14. 4. 2011).
dass sie den Ast absägen, auf dem sie ... die im Fußballsport leider mittlerweile
ihren eigenen Stammsitz haben (www. üblichen knielangen Schlabbershorts,
gruene-fraktion.de). eine Ausstattung, bei der früher der Blin-
sich blind verstehen: hervorragend aufei- denhund geknurrt hätte ... (Bittermann,
nander eingespielt sein: Solche dynami- Wie Walser 137).
schen Kontraste sind nur möglich, wenn Blindgänger: ↑ bevölkerungspolitisch.
Orchester und Dirigent sich blind verste- Blindheit: [wie] mit Blindheit geschlagen
hen (www.omm.de). Drei Fahrer aus zwei sein: etwas Wichtiges nicht sehen, nicht
Nationen, aber aus einem Profiteam, »die erkennen: Ich muss doch mit Blindheit
sich blind verstehen und gut harmonie- geschlagen gewesen sein, als ich ihr diese
ren«, so Ullrich, hatten die Medaillen si- .
Vertrauensstellung gab. Die Bundesre-
cher (people.frcenet.de). gierung in Bonn war ein zweites Mal mit
blinder Alarm: grundlose Aufregung, Blindheit geschlagen, als sie vor 14 Tagen
Beunruhigung: Alles nur blinder Alarm, den Gesetzentwurf für die nächsten Bun-
außer einer Katze war niemand im Gar- destagswahlen verabschiedete (Augstein,
.
ten. Von Januar bis März flogen und Spiegelungen 7).
fuhren die Briten 32 Einsätze – stets war ♦ Die Redewendung findet sich bereits
es blinder Alarm (Spiegel 17, 1966, 123). im Alten Testament, wo verschiedentlich
blinder Passagier: jmd. , der sich heimlich davon berichtet wird, dass Menschen von

122
blink – Blume

Jahwe zur Strafe mit Blindheit geschlagen blöd: ↑ Feldweg, ↑ gucken, ↑ Wasser.
werden, d. h. ihr Augenlicht verlieren (vgl.
1. Moses 19, 11; 5. Moses 28, 28 f. ; 2. Kö-
Blödsinn: höherer Blödsinn: 1. (scherzh.)
Nonsens; Spaß ohne tieferen Sinn: In un- M
B
M
nige 6, 18). serer beliebten Serie »Slapstick, Parodie
blink: blink und blank (ugs. veraltend): vor und höherer Blödsinn« sehen Sie heute Blum
Sauberkeit glänzend: Heute ist Putztag; Abend ... 2. (ugs.) äußerst unsinniges Ge-
bis zum Abend muss in der Wohnung al- rede, Tun: Mit dem Fahrrad will er in zwei
.
les blink und blank sein. »Teller, Gläser Tagen bis nach Sizilien gefahren sein, das
hier im Schrank/Halte immer blink und ist doch höherer Blödsinn!
blank« steht in vorgedruckten verschnör- blond: blondes Gift (ugs. scherzh.): verfüh-
kelten Kreuzstichbuchstaben auf einem rerische Blondine: Das blonde Gift spielt
bertuch, unter dem früher in der Küche die hinreißende Marilyn Monroe (Hörzu
Geschirrtücher verborgen wurden (FR 1, 1979, 31).
11. 12. 1996, 3). Blondine: von hinten Blondine, von vorne
Blitz: wie ein Blitz aus heiterem Himmel Ruine (ugs.): spöttische Bemerkung über
(ugs.): (in Bezug auf etwas Unerfreuliches) eine ältere Frau, die durch elegant fri-
völlig unerwartet, ohne dass man darauf sierte, blond gefärbte Haare von hinten
vorbereitet gewesen wäre: Die Nachricht sehr viel jünger und attraktiver aussieht.
von dem Unglück traf uns wie ein Blitz bloß: ↑ Auge, ↑ Gedanke.
.
aus heiterem Himmel. Mein Gesuch ... Blöße: sich eine Blöße geben: sich bloßstel-
war schon geschrieben, als, wie der Blitz len, sich blamieren: Die Opposition war-
aus heiterem Himmel, der Anruf der Se- tet darauf, dass sich die Regierung eine
kretärin ... bei mir anlangte (Dürrenmatt, Blöße gibt. Ich werde mir doch nicht vor
Grieche 40). .
dem eine Blöße geben! Jetzt haben sie,
wie der Blitz (ugs.): schon im nächsten die Persickes, sich ein bisschen viel Blö-
Augenblick; blitzartig: Wie der Blitz war ßen gegeben (Fallada, Jeder 52).
die Meute bei ihm (Grzimek, Serengeti jmdm. eine Blöße bieten: jmdm. eine Ge-
211). Peter warf die Stange an Deck und legenheit zum Angriff, zur Kritik geben:
holte zusammen mit Abel den Anker Wir werden unseren politischen Gegnern
hoch. ... Muss wie der Blitz gehen, sonst keine Blöße mehr bieten.
kommt man nicht wieder los (Hausmann, ♦ Diese Wendungen sind bertragungen
Abel 32). aus der Fechtersprache und bedeuten
wie ein geölter Blitz (ugs.): blitzartig: Die dort »die Deckung aufgeben und sich da-
Katze war wie ein geölter Blitz auf dem durch der Klinge des Gegners preisge-
.
Schrank. Wie ein geölter Blitz, bald ben«.
hier, bald dort auftauchend, schlängelte Blücher: ↑ rangehen, ↑ sicher.
er sich durch die Großen (Maegerlein, blühen: ↑ Leben, ↑ Veilchen, ↑ Weizen.
Triumph 68). Blume: Blumen sprechen lassen: seine [po-
wie vom Blitz gerührt/getroffen: vor sitiven] Gefühle zum Ausdruck bringen,
Schreck, Entsetzen o. Ä. völlig verstört, er- indem man Blumen schenkt: Lasst Blu-
starrt: ... da sieht man plötzlich keine men sprechen – ein Blumenstrauß sagt
konstruierte Witzfigur mehr ... da spricht .
mehr als tausend Worte. Lass Blumen
aus ihr solche Resignation, Angst und sprechen! Kaufe einen Strauß Rosen und
Trauer, dass man ... wie vom Blitz gerührt binde daraus ein Herz – wirkt garantiert!
im Kinosessel zusammenfährt (www. (Bravo 7, 2001, 12). Wer Blumen sprechen
artechock.de; Hard Rain, Kritik von Th. lässt, sollte es nicht nach westlichem
Willmann). »Du schläfst mit deinem Va- Muster tun ... In Asien schenkt man Blu-
ter!«, und Lydia weicht plötzlich wie vom men immer in gerader Zahl (Handelsblatt
Blitz getroffen zurück (www.jungewelt. 15. 3. 1999, 44).
de, 5. 6. 1998). durch die Blume: andeutungsweise, ver-
↑ Donner, ↑ einschlagen, ↑ potz. hüllt: Ich habe ihm durch die Blume zu

123
Blumentopf – Blut

verstehen gegeben, dass er alt genug sei, dung möglicherweise für den Renom-
.
um sein Geld selbst zu verdienen. Nie- mierblumenstrauß, wie er z. B. Künstlern
B mand, den man durch die Blume ... fragte,
hatte eine Ahnung (Winckler, Bomberg
auf der Bühne überreicht wird. Da die
Wendung jedoch aus Berlin stammt und
Blum 112). Durch die Blume droht man mit dort in vollständiger Form lautet »Damit
Kündigung (Chotjewitz, Friede 162). kannste bei mir keen Blumentopp gewin-
♦ Die Wendung knüpft möglicherweise nen un wenn de 19 trudelst (= würfelst)«,
an die Blumensprache an, in der jede ist der Bezug auf einen wirklichen Blu-
Blume eine symbolische Bedeutung hatte mentopf, den man durch Würfeln an ei-
und selbst etwas Unerfreuliches in Form ner Bude auf dem Rummelplatz gewinnen
einer überreichten schönen Blume ausge- kann, wohl wahrscheinlicher.
drückt werden konnte. Zweifelsfrei Blunzen: [jmdm.] Blunzen sein/werden (ös-
scheint wohl der Bezug auf die soge- terr. salopp): [ jmdm.] völlig gleichgültig
nannte »Redeblume«, eine bereits im sein/werden: Da er in Amerika zu leben
Mittelhochdeutschen bekannte, an stilis- pflegt ... , sind ihm die Dollar-Euro-Ver-
tischen Verzierungen reiche indirekte schiebungen relativ Blunzen (Standard
Ausdrucksweise, die unter dem Begriff 9. 5. 2000, 35). »... Beim Museum am Berg
»Flosculus« (= Blümchen) aus der Rheto- ist es völlig Blunzen, wenn das erst in
rik des Altertums stammte und im fünf Jahren gebaut wird«, meint Schwaig-
17. Jahrhundert zu »Floskel« einge- hofer (APA-Meldung 13. 8. 2000). Aber
deutscht wurde. meine sexuelle Ausrichtung scheint mir
danke/vielen Dank für die Blumen: [oft auch bereits Blunzen geworden zu sein,
ironische] Dankesformel als Antwort auf nicht einmal mit der Frage kann ich mich
eine Kritik oder ein Lob: ber eine Million noch befassen (Nöstlinger, Bonsai 186).
mal pro Monat rufen sie die Seiten der di- ♦ Das im Bayrischen und Österrei-
gi-taz ab. Damit liegen wir bei den über- chischen gebräuchliche Wort »Blunze«
regionalen Tageszeitungen auf Platz 2. oder »Blunzen« bedeutet »Blutwurst«.
Vielen Dank für die Blumen (taz 22. 10 Die Wendung ist also eine Entsprechung
1997). Schließlich war der New Yorker zu »jmdm. Wurst sein«.
selbst einmal kurzzeitig Rockkritiker, wie Bluse: etwas, nichts in/unter der Bluse ha-
er bekennt. »Und das war der albernste ben (salopp): einen, keinen üppigen Busen
Job, den ich je hatte.« Danke für die Blu- haben: Die neue Sekretärin hat ganz
men (FR 7. 8. 1993, 1). Die Times schrieb .
schön etwas in der Bluse. »Du trägst
unserem Eheleben die schlechten Sitten diese Brosche doch nur, weil du nichts in
der britischen Kolonialtruppen zu: Danke der Bluse hast«, beleidigte Herbert J. die
für die Blumen, aber in Wahrheit sind wir Frau ihren Angaben zufolge im Fahrstuhl
keineswegs so tief gesunken (taz 29. 11. (taz 14. 1. 1998, 21).
1999, 10). eine pralle/[satt] gefüllte Bluse haben
↑ schleifen. (salopp): einen üppigen Busen haben:
Blumentopf: mit etw. ist kein Blumentopf »Eine Frau mit praller Bluse und beiden
zu gewinnen/kann man keinen Blumen- Beinen fest auf der Erde: genau mein
topf gewinnen (ugs. , bes. berlin.): mit etw. Typ!«, sagte er augenzwinkernd.
hat man keinen Erfolg, kann man nichts Blut: Blut ist dicker als Wasser: verwandt-
erreichen: Das sind doch völlig unausge- schaftliche Bindungen sind stärker als al-
gorene Ideen, damit kannst du beim Chef les andere: Zwischen uns hats gleich ge-
keinen Blumentopf gewinnen. »Wir . funkt, und ich habe sofort gesagt: Blut ist
brauchen kein besonderes Bühnenbild, dicker als Wasser (MM 21. 9. 1977, 10).
wir haben die Stars.« Besessene Bühnen- ♦ Die Redensart, die als »blood is thicker
bildner können bei ihm keinen Blumen- than water« im Englischen ebenso ge-
topf gewinnen (Hörzu 44, 1972, 24). bräuchlich ist wie im Deutschen, wurde
♦ »Blumentopf« steht in dieser Wen- besonders populär durch Wilhelm II. , der

124
Blut

sich damit seit 1896 wiederholt auf die Blut [und Wasser] schwitzen (ugs.): [in ei-
Verwandtschaft der Throne in Deutsch-
land und Großbritannien berief.
ner schwierigen Situation] in großer Auf-
regung sein, große Angst vor einem Miss- M
B
M
jmdm. kocht das Blut in den Adern: jmd. erfolg, vor einem unangenehmen Ausgang
ist sehr erregt, sehr zornig: Als er die ver- o. Ä. haben: Sie schwitzte Blut und Was- Blut
wüsteten Blumenbeete sah, kochte ihm ser, als die Polizei das Fahrzeug kontrol-
das Blut in den Adern. lierte. Ich habe in der Prüfung Blut und
jmdm. erstarrt/gefriert/gerinnt/stockt .
Wasser geschwitzt. Joan, meine Frau,
das Blut in den Adern: jmd. ist starr vor hat immer Blut und Wasser geschwitzt,
Schreck, ist vor Entsetzen wie gelähmt: dass die Kinder bei den Fotografen nicht
Beim Anblick des angerichteten Blutba- was Fürchterliches anstellten (Hörzu 23,
des erstarrte ihnen das Blut in den Adern. 1975, 23).
an jmds. Händen klebt Blut (geh.): jmd. Blut rühren (ugs. abwertend): eine Ausei-
ist ein Mörder: An den Händen des Dikta- nandersetzung äußerst rücksichtslos füh-
tors klebt Blut. ren: Bei der Grundsatzdiskussion brachen
in jmds. Adern fließt blaues Blut: jmd. ist alte Gegensätze auf, schon bald wurde
adliger Abkunft: Schließlich hat er sich wieder Blut gerührt, obwohl man eine
nie mit seiner bürgerlichen Herkunft ab- faire Diskussion angekündigt hatte.
gefunden und seiner Mutter gleich zwei Blut sehen wollen: eine brutale, blutige
adlige Liebhaber unterstellt, von denen Auseinandersetzung, grausame Strafmaß-
wenigstens einer dafür gesorgt haben nahmen o. Ä. anstreben, fordern: Aus-
soll, dass blaues Blut in seinen Adern schreitungen werden nicht mehr stau-
floss (SZ 19. 11. 1994). nend oder billigend in Kauf genommen.
♦ Diese Wendung und die folgende sind Sie gehören zum festgezurrten Regel-
spanischen Ursprungs (span. sangre azul) werk. Wer mitmischt, will Blut sehen (FR
und bezogen sich ursprünglich auf die 17. 6. 2000, 6). ... die Burgbelagerung samt
westgotischen Adligen, durch deren helle wilder Schlacht der Ritter und Knechte
Haut – im Gegensatz zu der dunkelfarbi- muss sein, sagt Ricny. »Das zieht die
gen Haut der Mauren – die Adern bläulich Leute an. Das Volk will Blut sehen. Das ist
durchschimmerten. leider so« (FR 5. 5. 1997, 9).
blaues Blut in den Adern haben: adliger böses Blut machen/schaffen: Unzufrie-
Abkunft sein: Als Tochter einer holländi- denheit, feindselige Gefühle erregen: bri-
schen Adeligen und eines britischen Ban- gens war es sofort ersichtlich, dass der
kiers hatte Audrey Hepburn, am 4. Mai Vorfall böses Blut im Dorfe machte (Sei-
1929 in Brüssel geboren, tatsächlich del, Sterne 137). ... warum man aber jede
blaues Blut in den Adern (NZZ 22. 1. Konsultierung des Preisüberwachens ab-
1993). lehnt, ist nicht einzusehen. Das schafft
Blut geleckt haben (ugs.): nachdem man bloß böses Blut (Basler Zeitung 2. 10.
sich näher mit etw. befasst hat, Gefallen 2000).
daran finden und nicht mehr darauf ver- kaltes Blut bewahren: sich beherrschen,
zichten wollen: ... sie haben Blut geleckt, kaltblütig bleiben: Man mag einwenden,
sie wissen, wie’s ist, sie werden fordern, dass die EU-Staaten besser kaltes Blut be-
und die Konkurrenz ist geschwächt wahrt hätten, als derart rabiat »Anfängen
(Benn, Stimme 24). Die hat Blut geleckt, zu wehren« (www.dir-info.de, 1. 2. 2000).
sagte Tünnemann, ich kenn doch unser Der Makler verstand, kaltes Blut zu be-
Oma. Paar Tage, dann isse weich (Degen- wahren (Brecht, Groschen 111).
hardt, Zündschnüre 60). ruhig[es] Blut bewahren: in einer kriti-
♦ Die Wendung bezieht sich auf das Ver- schen Situation Ruhe bewahren: ... dass sie
halten von Tieren, deren Angriffsverhal- körperlich jederzeit mithalten kann in
ten wohl durch das Bluten ihrer Opfer der Oberliga und dass sie sich, wenn sie
verstärkt wird. ruhiges Blut bewahrt, spielerisch nicht zu

125
Blüte – bluten

verstecken braucht (www.zvw.de, 2. 10. ins Blut gehen: sich anregend auf jmdn.
2000). übertragen: ... sie (= Musik) muss zuerst
B [nur immer] ruhig Blut!: nur keine Aufre-
gung! : »Ruhig Blut, Alfred«, sage ich.
gespielt und gehört und ins Blut gegan-
gen sein, eh einer daheim in seiner Kam-
Blüt »Keine Botschaft aus dem Jenseits ...« (Re- mer an sie denken ... kann (Hesse, Step-
marque, Obelisk 246). Nun mal ruhig Blut! penwolf 149).
Müssen nicht immer gleich die Flinte ins in seinem [eigenen] Blut schwimmen:
Korn werfen (Hausmann, Abel 105). blutig niedergemetzelt worden sein: Sad-
jmdn. bis aufs Blut quälen/peinigen/rei- dam Hussein erklärte nach Ende des Au-
zen: jmdn. bis zum Äußersten quälen/pei- ßenministergesprächs, im Kriegsfall wür-
nigen/reizen: Ein solch verantwortungslo- den »die Amerikaner in ihrem eigenen
ses, umweltfeindliches Verhalten reizte Blut schwimmen« und Israel würde ange-
.
sie jedesmal bis aufs Blut. ... in Wut griffen werden (Handelsblatt 11. 1. 1991,
und Verzweiflung hat er seinen Kahn- 28).
schiffer, der den Schiffsjungen Bruhn bis etw. mit seinem Blut besiegeln (dichter.):
aufs Blut peinigte, erschlagen (Fallada, für etw. [im Kampf ] sterben: Sie hatten die
Blechnapf 25). Verteidigung der Heimat mit ihrem Blut
jmdm. im Blut liegen/stecken: jmdm. als besiegelt.
Begabung, Neigung angeboren sein: Viele nach Blut lechzen/dürsten (geh.): [aus
Italiener, denen das Lotto und das Rache] töten wollen: Die Schmach musste
Glücksspiel im Blut liegt, sehen den Ak- getilgt werden, das ganze Volk lechzte
tienmarkt nach wie vor als eine Art von .
nach Blut. Kongenial, wie Aubrey
riesenhaftem Casino di Montecarlo (Han- Beardsley die dekadente, nach Blut dürs-
delsblatt 7. 5. 1998, 39). Dass den beiden tende »Salome« von Oskar Wilde illus-
Jungen die Musik im Blut liegt, ist deut- trierte (SZ 29. 1. 1998, 8).
lich zu sehen, wenn man ihnen beim Vor- ↑ aussehen, ↑ Fleisch, ↑ jung, ↑ Mensch,
spielen zuschaut (FR 24. 2. 2000, 1). May ↑ Musik, ↑ Wallung.
hat das Gespür dafür unter dem kleinen Blüte: seltsame/wunderliche Blüten trei-
Fingernagel, dem Jungen steckt das im ben: seltsame/wunderliche Formen anneh-
Blut (Loest, Pistole 35). men: Seine Fantasie treibt oft wunderliche
etw. im Blut haben: für etw. eine angebo- .
Blüten. Das Bemühen, der viel berede-
rene Begabung haben: Die Iren und die ten Politikverdrossenheit zu Leibe zu rü-
Schwarzen, hat John Ford immer wieder cken, treibt zuweilen seltsame Blüten.
erklärt, das sind die Einzigen, die das Eine der bizarrsten ist die Absenkung des
Schauspielern im Blut haben (SZ 28. 3. Wahlalters (Zeit 11, 8. 3. 1996, 8).
2002, 16). Wir Neuseeländer sind die bes- in der Blüte seiner/ihrer usw. Jahre
seren Segler, weil wir diesen Sport im Blut (geh.): in jungen Jahren: Viele Söhne der
haben und weil wir einfach besser kom- Stadt waren in der Blüte ihrer Jahre auf
munizieren (NZZ 1. 9. 2005, 60). .
dem Schlachtfeld gefallen. Der durch-
im Blut/in jmds. Blut waten (geh.): seine aus nicht mehr in der Blüte der Jahre ste-
Gegner massenweise töten, Massen grau- hende Tenor war seinem Charakter nach
sam hinrichten: Die neuen Machthaber ein Buffo, klein und pfiffig (Thieß, Le-
wateten im Blut. Die Junta schlug brutal gende 201).
zurück, der Generalissimo watete im Blut bluten: bluten wie ein [gestochenes]
der Oppositionellen. Schwein (salopp): stark bluten: Der Be-
etw. im Blut/in jmds. Blut ersticken trunkene hatte sich an den Scherben ver-
(geh.): etw. blutig, mit viel Blutvergießen letzt und blutete wie ein Schwein.
unterdrücken: Die Truppen des Diktators ♦ Gemeint ist natürlich »wie ein
erstickten den Aufstand im Blut. Der Schwein, wenn es geschlachtet wird«.
Freiheitskampf der Bevölkerung wurde da bluten einem die Augen (ugs.): das ist
im Blut der Revolutionäre erstickt. sehr hässlich, sehr schlimm anzusehen:

126
blütenweiß – Bockshorn

Wenn man sich diesen Film mit seiner ♦ Die Wendung bezieht sich auf einen
idiotischen Kameraführung ansieht, da
bluten einem die Augen!
alten Brauch der Schützengilden, wonach
der schlechteste Schütze als Trostpreis ei- M
B
M
↑ Herz. nen Bock erhielt.
blütenweiß: ↑ Weste. den Bock zum Gärtner machen (ugs.): Bock
Blutgruppe: dieselbe Blutgruppe haben jmdn. im guten Glauben eine Aufgabe
(ugs.): dieselbe Lebenseinstellung haben übertragen, für die er völlig ungeeignet ist
und daher gut zueinander passen: Inge und der er eher schadet: ... und so ent-
und ich, wir haben dieselbe Blutgruppe. stünde die merkwürdige Situation, dass
[nicht] jmds. Blutgruppe sein (ugs.): einer der Verursacher der Bankkrise mit-
[nicht] nach jmds. Geschmack sein: Also entscheiden würde über Wege aus der
meine Blutgruppe ist er nicht, dieser Not. »Man würde den Bock zum Gärtner
Schaumschläger! Ferien auf Mallorca? machen«, heißt es in der SPD (Handels-
Das ist genau ihre Blutgruppe! blatt 9. 3. 2001, 7). Doch ausgerechnet die
blutig: ↑ Kopf, ↑ Träne. Exmonopolisten sollen nach hierzulande
Blutwurst: ↑ Rache. geltender Rechtslage der neuen Konkur-
Bock: jmdn. stößt der Bock (fam.): jmd. ist renz die Leitungen zu fairen Konditionen
störrisch, trotzig: Unseren Jüngsten stößt überlassen. ... Mit diesem Konstrukt, dem
heute mal wieder der Bock. so genannten verhandelten Netzzugang,
♦ Die Wendung bezieht sich auf das hat man schlicht den Bock zum Gärtner
störrische Verhalten des Ziegenbocks; gemacht (Zeit 15. 3. 2001, 27).
vgl. dazu auch die Bildungen »bocken, ♦ Die Wendung bezieht sich darauf, dass
bockig, bockbeinig«. ein Ziegenbock in einem Garten die
jetzt ist der Bock fett! (ugs.): jetzt ist Pflanzen abfrisst und die Beete zertram-
meine Geduld erschöpft, jetzt reicht es! : pelt.
Das ist die vierte kaputte Fensterscheibe den Bock melken (ugs.): etwas völlig Un-
in drei Wochen – jetzt ist der Bock fett! sinniges tun: Mit der bernahme des ma-
♦ Die Redensart bezieht sich darauf, roden Unternehmens hat der Konzern
dass der fette Bock schlachtreif und die den Bock gemolken.
Wartezeit also vorüber ist. aus Bock (ugs.): ohne eigentlichen Anlass,
Bock/keinen Bock [auf etw.] haben (bes. sondern nur, weil es einem gerade Spaß
Jugendspr.): etw. gut/schlecht finden; zu, macht: »Nur so aus Bock« traten Rocker
auf etw. Lust/keine Lust haben: Wenn in Hamburg einen Mann zusammen ...
man sich den neuen Parteivorstand an- (Spiegel 29, 1974, 38).
sieht, kann man verstehen, warum so ↑ Bolle, ↑ Schaf.
viele Jugendliche null Bock auf Politik ha- Bockshorn: sich nicht ins Bockshorn jagen
ben. Und darauf haben wir jetzt einfach lassen (ugs.): sich nicht einschüchtern, in
.
keinen Bock mehr. »Da hat sie eben ’n Bedrängnis bringen lassen: Lass dich
Bock drauf: Mit ’m Macker schlafen, ohne doch von dem nicht ins Bockshorn ja-
dass einer zwischenkommt ...« (Hörzu 40, gen. Seine angeblichen juristischen
1972, 135). Kenntnisse sind doch nichts als Bluff. .
einen Bock haben (fam.): trotzig sein: Na, Es berührt seine Person nicht, was die
hast du noch einen Bock? Wenn unser beiden machen, und er lässt sich nicht
Junge einen Bock hat, lassen wir ihn ein- ins Bockshorn jagen (Frisch, Gantenbein
fach gehen. 369).
Vgl. »jmdn. stößt der Bock«. ♦ Der Ursprung der seit dem 15. Jh. be-
einen Bock schießen (ugs.): einen groben zeugten Wendung ist nicht sicher geklärt.
Fehler machen: Ich habe bei der Fahrprü- Vielleicht hängt sie mit dem Haberfeld-
fung einen schweren Bock geschossen. Er treiben (eigentlich Ziegenfelltreiben) zu-
hatte, seitdem er als Mechaniker arbei- sammen, einem früher üblichen [nächtli-
tete, schon mehrere Böcke geschossen. chen] Rügegericht, bei dem der beltäter

127
Boden

in ein Ziegenfell gesteckt und umherge- suchen brauche, wieder einmal der Boden
trieben wurde. »Bockshorn« wäre dann entzogen (Quick 47, 1958, 38).
B eine Umdeutung aus bockes hamo »Zie-
genfell«.
jmdm. den Boden unter den Füßen weg-
ziehen: jmdn. der Existenzgrundlage be-
Bode Boden: jmdm. brennt der Boden unter den rauben: Durch die Supermärkte wird im-
Füßen (ugs.): jmdm. wird es [an seinem mer mehr Kleinhändlern der Boden unter
Aufenthaltsort] zu gefährlich: Dem Agen- .
den Füßen weggezogen. Diese These
ten begann der Boden unter den Füßen ist für die Bolschewiken höchst unange-
.
zu brennen. Für alle Juden der Welt sei nehm, da sie ihnen, wenn sie sich durch-
es »angstmindernd«, sagte Konrad, mit setzte, den Boden unter den Füßen weg-
dem Bewusstsein zu leben, dass »es einen ziehen würde (Mehnert, Sowjetmensch
Staat gibt, der sie aufnimmt, wenn ihnen 326).
wieder der Boden unter den Füßen den Boden unter den Füßen verlieren:
brennt« (FR 2. 3. 1998, 7). die [Existenz]grundlage, den [inneren]
jmdm. wird der Boden unter den Füßen Halt verlieren: Wenn er weiter so wirt-
zu heiß (ugs.): jmdm. wird es [an seinem schaftet, wird er bald den Boden unter
Aufenthaltsort] zu gefährlich: Den Gangs- den Füßen verlieren. Nach dem Tod sei-
tern wurde allmählich der Boden unter ner Frau verlor er völlig den Boden unter
.
den Füßen zu heiß. Ein Teil sind weiße .
den Füßen. Hat die Politik Adenauers
Südafrikaner, denen zu Hause der Boden wirklich den Boden unter den Füßen ver-
unter den Füßen zu heiß wird, die aber in loren? (Dönhoff, Ära 108).
Simbabwe ein »erträgliches« Modell der den Boden für jmdn. , etw. [vor]bereiten:
Koexistenz zwischen Schwarz und Weiß günstige Bedingungen, Voraussetzungen
sehen (FR 16. 8. 1993, 6). für jmdn. , etw. schaffen: Als er zurück-
♦ Beide Wendungen beziehen sich da- kehrte, war der Boden für den Sturz des
rauf, dass es bei einem Brand höchste .
Regimes lange vorbereitet. Vor fünfzig
Zeit ist, zu flüchten, wenn der Boden Jahren trafen sich auf Java afrikanische
heiß wird und zu brennen beginnt. und asiatische Führer zur Konferenz von
festen Boden unter den Füßen haben/un- Bandung, die den Boden bereitete für die
ter die Füße bekommen: eine sichere spätere Bewegung der Blockfreien (SZ
wirtschaftliche Grundlage haben/bekom- 22. 4. 2005, 11).
men: Als ihn seine alte Firma wieder ein- [einen] guten/günstigen Boden für etw.
stellte, hatte er endlich festen Boden un- [vor]finden: gute/günstige Vorausset-
.
ter den Füßen. Durch Kredit ... bekam zungen für etw. vorfinden: Gerade in Stu-
er wieder festen Boden unter die Füße dentenkreisen fand er einen guten Boden
(Bieler, Bonifaz 147). für seine umstürzlerischen Pläne vor.
Boden gutmachen/wettmachen (ugs.): den Boden aufsuchen (Boxen): nach ei-
auf holen, Fortschritte machen: Der demo- nem Schlag zu Boden gehen: Bereits in der
kratische Kandidat konnte bei den Vor- ersten Runde musste der Herausforderer
.
wahlen Boden wettmachen. Toini zweimal den Boden aufsuchen.
Pöysti machte zwar gegen Britt Strand- am Boden zerstört [sein] (ugs.): 1. völlig
berg Boden gut, konnte den zweiten Platz erschöpft, ausgelaugt sein: Nach der lan-
der schwedischen Staffel aber nicht mehr gen Fahrt waren wir völlig am Boden zer-
gefährden (Olymp. Spiele 29). .
stört. Es wäre besser, Sie ließen sich
einer Sache den Boden entziehen: einer bestrahlen, aber wenn Sie dabei derart am
Sache die Grundlage nehmen, sie entkräf- Boden zerstört sind, lassen wir das lieber
ten: Mit dieser Erklärung hat die Regie- bleiben (Hörzu 24, 1987, 122). 2. fassungs-
rung allen Gerüchten den Boden entzo- los, bestürzt [sein]: Ich war am Boden zer-
.
gen. Und damit ist der Annahme, dass stört, weil ein Freund sich das Leben ge-
man für alle verschiedenartigen Schand- nommen hatte (SZ 20 9. 2011, 9).
taten vielleicht nur nach zwei Tätern zu ♦ Die Wendung stammt aus der Sprache

128
Bodensee – Bogen

der Kriegsberichterstattung und bezog durch Zauberei vorhanden: Wie aus dem
sich zunächst auf Flugzeuge, die durch
Bomben zerstört wurden, bevor sie zum
Boden gewachsen tauchen die Figuren
rund um den Wagen auf (Ossowski, Flat- M
B
M
Einsatz kamen. ter 105).
[an] Boden gewinnen: sich ausbreiten, zu- durch alle Böden [hindurch] (schweiz.): Boge
nehmen: Auch in Ländern außerhalb des (in Bezug auf etw. , was man durchsetzen,
Ostblocks hatten sozialistische Ideen woran man festhalten will) um jeden
.
Boden gewonnen. Die faschistische Preis, unnachgiebig: Aus diesem Grund
Partei ... vermochte aber als Gegenbewe- appelliert der Beobachter an die Behör-
gung gegen den anwachsenden Kommu- den, ihren Standpunkt den Schulen nicht
nismus rasch an Boden zu gewinnen durch alle Böden hindurch aufzuzwingen
(Fraenkel, Staat 83). (Beobachter 1, 1987, 26).
[an] Boden verlieren: an Einf luss, Macht jmd. würde [vor Scham] am liebsten in
verlieren: Bei den letzten Kommunalwah- den/im [Erd]boden versinken/wäre [vor
len haben die Konservativen Boden verlo- Scham] am liebsten in den/im [Erd]boden
.
ren. Reineboth verlor durch Krämers versunken: jmd. schämt sich maßlos/hat
Sicherheit ... Boden (Apitz, Wölfe 159). sich maßlos geschämt: Sie war ins Fett-
auf fruchtbaren Boden fallen: günstig näpfchen getreten und wäre vor Scham
aufgenommen werden, wirksam werden: .
am liebsten im Boden versunken. Petra
Ihre Worte fielen auf fruchtbaren Bo- möchte im Boden versinken, so peinlich
.
den. Unsere Anregung fiel nicht auf ist ihr Gunnars ungehobeltes Benehmen
fruchtbaren Boden (W. Brandt, Begeg- (Reitz, Heimat 3, 97).
nungen 19). Die damit verbundene ver- zu Boden gehen: (bes. Boxen): niederstür-
stärkte Verherrlichung Lenins fiel auf zen: Nach einer schweren Rechten ging
fruchtbaren Boden (Mehnert, Sowjet- .
der Herausforderer zu Boden. Ein Be-
mensch 308). amter sei zu Boden gegangen und habe
♦ Die Wendung geht auf das Gleichnis daraufhin seine Dienstwaffe gezückt
vom Sämann im Neuen Testament (Spiegel 34, 1981, 32).
(Matth. 13, 8; Markus 4, 8) zurück, wo da- jmdn. zu Boden strecken (geh.): jmdn.
von gesprochen wird, dass die Saatkörner niederschlagen: Mit einem gezielten
auf ganz unterschiedlichen Boden fallen Fausthieb hatte er den Störenfried zu Bo-
können, und wo es heißt: »Etliches fiel den gestreckt.
auf ein gutes Land und trug Frucht.« etw. zu Boden reden (schweiz.): etw.
sich auf schwankenden/unsicheren Bo- gründlich besprechen: Diese Dinge müs-
den begeben: (in seinen Betrachtungen, sen einmal zu Boden geredet werden
Argumentationen o. Ä.) den Boden der (M. W. Lenz, Fahrerin 254).
Tatsachen, des Gesicherten verlassen, un- mit jmdm. zu Boden reden (schweiz.):
sichere Voraussetzungen einbeziehen: Mit sich mit jmdm. gründlich aussprechen:
diesen Theorien begab er sich auf unsi- Wir müssen einmal miteinander zu Bo-
cheren Boden. den reden.
etw. aus dem Boden stampfen: etw. aus ↑ Fass, ↑ Grund, ↑ Handwerk, ↑ Netz, ↑ Pilz,
dem Nichts hervorbringen: Ich kann das ↑ ungespitzt, ↑ voll, ↑ wanken.
Geld doch nicht aus dem Boden stamp- Bodensee: ↑ Ritt.
fen. Sollte er das Beweismaterial aus dem Bogen: den Bogen überspannen: etw. zu
.
Boden stampfen? Also kam man auf weit treiben: Eine weitere Abkehr von der
die Idee, in Peru, und zwar mitten in der paritätischen Finanzierung der Sozialver-
Wildnis, einen völlig neuen Flugplatz aus sicherung ... würde den Bogen überspan-
dem Boden zu stampfen (Cotton, Silver- nen – mit unabsehbaren Folgen für den
Jet 104). sozialen Frieden in Deutschland (www.
wie aus dem Boden gewachsen (ugs.): spd.de, 22. 1. 2001). Der Spieß schaute auf
plötzlich, überraschend [schnell], wie den Oberleutnant ... irgendwie hatten sie

129
böhmisch – Bolle

das Gefühl, es sei nicht gut, den Bogen zu .


hen Bogen hinaus. Und aus der Garde-
überspannen (Kuby, Sieg 421). robe von Lisa ist eben einer rausgeflogen.
B den Bogen zu straff spannen (geh.): zu
hohe Anforderungen stellen: Das Versagen
Und zwar in hohem Bogen (Kirst, 08/15,
434). 2. fristlos entlassen werden: Auch in
böhm der Mannschaft ist verständlich; man hat seiner neuen Firma flog er bald im hohen
in der letzten Zeit den Bogen wohl zu Bogen hinaus.
straff gespannt. ↑ Bausch.
♦ Das besonders durch Schillers »Wil- böhmisch: jmdm. böhmisch vorkommen
helm Tell« (III, 3) bekannte Bild des zu (ugs.): jmdn. seltsam anmuten, jmdm. un-
straff gespannten Bogens taucht schon verständlich sein: Es kam ihm böhmisch
vor Schiller häufiger in der Literatur auf vor, dass seine Frau plötzlich über so viel
und lässt sich bis in die Dichtung der Geld verfügte.
griechischen Antike zurückverfolgen. jmdm./für jmdn. böhmische Dörfer/ein
einen Bogen um jmdn. , etw. machen böhmisches Dorf sein (ugs.): mit etw.
(ugs.): jmdn. , etw. peinlich meiden: Ich nichts anfangen können, weil man es nicht
mache um meine Verwandtschaft am versteht: Für Sophie war der Inhalt des
.
liebsten einen großen Bogen. Und Untersuchungsberichtes ein böhmisches
wenn »Smoking« vorgeschrieben ist, Dorf (Kühn, Zeit 337).
macht er um solche Festlichkeiten so- ♦ Die Wendung bezieht sich darauf, dass
wieso einen Bogen (Hörzu 18, 1971, 10). viele tschechische Ortsnamen in Böhmen
den Bogen heraushaben (ugs.): wissen, für den Deutschen fremdartig klangen
wie man etw. machen muss: Keine fünf und unverständlich waren.
Minuten hatte sie sich damit beschäftigt, ↑ eingehen.
da hatte sie schon den Bogen heraus. . Bohne: nicht die/ (selten:) keine Bohne
Hauptsache Sex. Und den Bogen hab ich (ugs.): überhaupt nicht[s]: Mit mir war
raus, sag ich dir. Da werden die Weiber nicht die Bohne los. Ich war bloß irgend
total verrückt (Borell, Romeo 154). so ein Idiot (Plenzdorf, Leiden 86). ... dass
♦ Vermutlich bezieht sich Wendung ur- ich von den ganzen Faschismustheorien
sprünglich auf das richtige Spannen des nicht die Bohne verstehe (Merian, Tod
Bogens, wovon beim Bogenschießen 14).
Schussweite und Zielsicherheit abhängen. ♦ Die verstärkende Verneinung bezieht
große Bogen spucken (ugs.): sich aufspie- sich auf die Wertlosigkeit der einzelnen
len, sich wichtigmachen: Wenn er ange- [als Spielgeld verwendeten] Bohne.
heitert ist, spuckt er immer große Bogen. Bohnen in den Ohren haben (ugs.): [ab-
Das Greenhorn mit einem IQ unter 90 sichtlich] nicht [hin]hören: Warum öffnet
glaubt große Bogen spucken zu können, sie denn nicht, wenns klingelt? Die hat
weil sein Vater im Firmenvorstand sitzt. .
wohl Bohnen in den Ohren! Ja, was ist
♦ Die Wendung bezieht sich wohl auf denn mit Ihnen los? Haben Sie Bohnen in
den Wettbewerb im Weitspucken über den Ohren oder was? (Heim, Traumschiff
die Reling, wie man ihn in Seemannskrei- 150).
sen beobachten kann. ↑ blau.
jmdn. im hohen Bogen hinauswerfen/ Bohnenstroh: ↑ dumm.
rauswerfen (ugs.): 1. jmdn. , ohne lange zu bohnern: ↑ Hamster.
zögern, energisch nach draußen weisen: bohren: ↑ Brett, ↑ Loch.
Der Wirt warf die beiden Betrunkenen im Bolle: sich wie Bolle [auf dem Milchwagen/
hohen Bogen hinaus. 2. jmdn. fristlos ent- auf dem Bock] amüsieren (berlin.): sich
lassen: Der Verein hat den Kassierer im vortreff lich amüsieren: Das Publikum ist
hohen Bogen hinausgeworfen. aus dem Häuschen und amüsiert sich wie
im hohen Bogen hinausfliegen/rausflie- Bolle (BM 9. 9. 1975, 29).
gen (ugs.): 1. ohne viel Auf hebens hinaus- ♦ Die Wendung entstand in Anlehnung
geworfen werden: Wer stört, fliegt im ho- an den Refrain eines alten Berliner Lie-

130
Bombe – Bote

des, durch den der typische Berliner ♦ Die Wendung ist entlehnt aus englisch
Name »Bolle« stellvertretend für den
amüsierfreudigen Mann aus dem Volk
»to be in the same boat«.
jmdn. [mit] ins Boot holen (ugs.): jmdn. M
B
M
wurde. Eine Anspielung auf den bekann- an etw. beteiligen, jmdn. für etw. gewinnen:
testen Berliner Milchgroßhändler und Seine Berater signalisierten, er werde wei- Bote
seine sogenannten Bolle-Wagen könnte tere Investoren ins Boot holen – eine euro-
später hinzugekommen sein. päische Mediengruppe sowie einen zu-
↑ stolz. sätzlichen Geldgeber (Spiegel 5, 2003, 154).
Bombe: die Bombe platzt (ugs.): das schon Bord: etw. über Bord werfen: etw. aufge-
länger erwartete [gefürchtete] Ereignis ben, endgültig fallen lassen: Ich kann
tritt ein: Mit dem Rücktritt des Wirt- meine Grundsätze nicht so einfach über
schaftsministers war die Bombe ge- .
Bord werfen. Greta! ... ich hätte mit dir
.
platzt. Die »Bombe« platzte ... als das zum Plattensee fahren sollen. Alles über
Schweizer Nationalkomitee ... mitteilte, Bord werfen ... und mit dir kommen, ganz
dass dem Bund Deutscher Radfahrer alle egal, was daraus werden sollte (Hartung,
Unterlagen zugegangen seien (Saarbr. Piroschka 35).
Zeitung 27. 6. 1980, 8). ↑ Mann.
mit Bomben und Granaten durchfallen Borg: auf Borg: ohne sofortige Bezahlung:
(ugs.): in einer Prüfung o. Ä. völlig versa- Der Wagen ist natürlich auf Borg gekauft;
gen: Beim Eignungstest waren beide Be- bar hätte sie ihn nie bezahlen können. Er
werber mit Bomben und Granaten durch- war ein Lebenskünstler und Bohemien,
gefallen. dem es nichts ausmachte, ständig auf
↑ einschlagen. Borg zu leben.
Bonbon: sich 〈Dativ〉 ein[en] Bonbon ins Borke: ↑ Baum.
Hemd machen (salopp): sich unnötiger- Borste: seine Borsten aufstellen/zeigen:
weise aufregen, ängstlich sein: Nun mach sich widerspenstig, abweisend gebärden:
dir bloß keinen Bonbon ins Hemd, wenn Gegenüber Journalisten hatte der Erfolgs-
du mal zum Zahnarzt musst. Der macht autor seit jeher seine Borsten aufgestellt.
sich gleich ein Bonbon ins Hemd, wenn er Die Tante war meist sehr freundlich,
mal zum Chef gerufen wird. konnte gelegentlich aber auch ihre Bors-
jmdm. ein[en] Bonbon ans Hemd/auf die ten zeigen.
Backe kleben (ugs.): jmdn. veralbern: Ich böse: ↑ Blick, ↑ Blut, ↑ Ende, ↑ erwachen,
lass mir doch von so einem Schnösel kein ↑ Fluch, ↑ gut, ↑ Maul, ↑ Mundwerk,
.
Bonbon auf die Backe kleben! Einen ↑ Zunge.
Bonbon ans Hemd kleben wollten sie Bosheit: mit konstanter Bosheit: [trotz
Walter Scheel (Hörzu 41, 1975, 53). Hinweises] immer wieder in boshafter
bongen: gebongt sein (ugs.): abgemacht Weise: Nein, das Lernen gehe vor, ich
sein, wie besprochen erledigt werden: Ist hätte ja mit konstanter Bosheit keine
gebongt, morgen früh kommen zwei Schularbeiten mehr gemacht (Kem-
Mann und holen den Kühlschrank ab. . powski, Tadellöser 244).
Eine Busverbindung durch den Schell- Bote: der hinkende Bote kommt nach/hin-
fischtunnel zum Hafenrand ist offenbar terher: das Unangenehme bleibt nicht
so gut wie gebongt (taz 15. 2. 2001, 22). aus, zum Schluss geschieht noch etwas Un-
Boot: im gleichen/in einem Boot sitzen: ge- erfreuliches: Das wäre ja ein großartiger
meinsam in derselben schwierigen Lage Erfolg, hoffentlich kommt der hinkende
sein: Bedenken sollten Sie im brigen, Bote nicht noch nach.
dass wir jedenfalls im gleichen Boot sit- ♦ Die bildliche Redensart spielt darauf
zen (Maass, Gouffé 248). Wir sind nicht an, dass dem schnellen Boten, der die
in der Lage zu kritisieren. Wir sitzen alle gute Nachricht bringt, oft der langsamere
im selben Boot (Ruark [ bers.], Honig- Bote mit der Einschränkung, mit der
sauger 125). Hiobsbotschaft folgt.

131
Botschaft – Brautschau

Botschaft: die Frohe Botschaft (christl. einen Braten in der Röhre haben (sa-
Rel.): das Evangelium: Die gute Nach- lopp): schwanger sein: Im Ärger über die
B richt ist die Frohe Botschaft von Jesus
Christus (www.bibleinfo.com). Der Han-
vorbildliche Hausfrau und Gattin ihres
Bruders etwa, die obendrein schwanger
Bots del bringt die Frohe Botschaft schon vor ist, findet sie die treffende Formulierung
dem Fest. Keine großen Preissteigerun- von der Dame mit »einem Braten in der
gen im Weihnachtsgeschäft (www. Röhre« (taz 19. 11. 2005, VI).
berliner-morgenpost.de, 5. 11. 2000). dem Braten nicht trauen (ugs.): einer be-
die Botschaft hör ich wohl (geh. , oft stimmten Sache gegenüber misstrauisch
scherzh.): das klingt nicht sehr glaubhaft, sein: Er hat mir angeboten, sein Teilhaber
ich bin skeptisch: Bis Ostern willst du dich zu werden, aber ich traue dem Braten
in Englisch um zwei und in Mathematik .
nicht recht. Fast jedem Tag mit Kurs-
um drei Noten verbessern? Die Botschaft gewinnen folgt einer mit Gewinnmitnah-
hör ich wohl. men; denn »man traut dem Braten ein-
♦ Bei dieser Redensart handelt es sich fach nicht«, wie es ein Händler treffend
um ein geflügeltes Zitat aus Goethes formulierte (Handelsblatt 16. 6. 1989, 31).
Faust. Die Verszeile lautet vollständig: ↑ Brühe.
»Die Botschaft hör ich wohl, allein mir Bratkartoffel: daher der Name Bratkartof-
fehlt der Glaube.« fel! (ugs.): das ist also der wahre Grund! ;
boxen: ↑ Papst. jetzt verstehe ich! : Daher der Name Brat-
Brand: etw. in Brand setzen/stecken: etw. kartoffel! Die beiden kannten sich also
in zerstörerischer Absicht anzünden: Die schon von früher.
abziehenden Soldaten steckten das Dorf ♦ Die Herkunft der Wendung ist unklar.
.
in Brand. Vorn und achtern am Floß Vielleicht soll damit ausgedrückt werden,
wurden die Natriumbehälter in Brand ge- dass etwas so leicht zu verstehen ist wie
steckt (Ott, Haie 174). die Zusammensetzung Bratkartoffel als
Brandung: ↑ Fels. »gebratene Kartoffel«.
braten: [da/jetzt] brat mir einer einen brauchen: ↑ Freund, ↑ Hand, ↑ jung, ↑ Rich-
Storch! (ugs.): Ausruf großer Verwunde- ter.
rung: Wenn man dreißig und noch nicht Braunbier: ↑ aussehen.
verheiratet oder verlobt ist, brat mir einer Brauner: ↑ ruhig.
’nen Storch, wenn da alles seine Ordnung Braus: ↑ Saus.
hat (Borell, Romeo 70). brausen: sich mit etw. brausen können (ös-
♦ Gemeint ist, dass etwas so erstaunlich, terr. ugs.): mit etw. nicht ernst genommen
ungewöhnlich ist, wie es das Braten eines werden: Mit diesem Vorschlag kannst du
Storches wäre. dich brausen.
↑ Extrawurst, ↑ Taube. ↑ Kehlkopf, ↑ Kinderstube.
Braten: den Braten riechen/schmecken Brautschau: auf Brautschau gehen (ugs.
(ugs.): ahnen, merken, was an Unangeneh- scherzh.): 1. eine [Ehe]partnerin suchen:
mem auf einen zukommt oder wo sich eine Wenn der Bauer keine Frau findet, kann
vorteilhafte Möglichkeit bietet: Die beiden er neuerdings im Internet auf Brautschau
Mitreisenden versuchten den Zollbeam- gehen (www.radioberufe.org). 2. (während
ten in ein Gespräch zu verwickeln, aber der Paarungszeit) ein Weibchen suchen:
der hatte den Braten schon gerochen und Nur im Laufe des Frühsommers, wenn
.
ließ sich das Köfferchen öffnen. Mag- die Männchen äußerst zielstrebig auf
gio war höllisch schlau, er würde den Bra- Brautschau gehen, findet ein kurzes
ten riechen, wenn ihn der Leutnant inter- Treffen zum Zwecke der Paarung statt
viewte (Loest, Pistole 98). Vielleicht rie- (bund-bremen.webmen.de). 3. (Wirtsch.)
chen andere den Braten auch, und viel- [mit dem Ziel einer Fusion oder ber-
leicht sind andere besser angeschrieben nahme] sich um Interessenten bemühen:
als wir! (Fallada, Jeder 14). UCA bietet hier nicht nur die passenden

132
brav – bremsen

Pre-IPO-Beratungsleistungen an, sondern um den Mund zu schmieren, mein Auto


sichert sich – da viele Börsenneulinge mit
dem Emissionserlös auf Brautschau ge-
verleihe ich doch nicht!
♦ Die Wendung bedeutete ursprünglich M
B
M
hen – auch mögliche Folgeaufträge (www. »jmdn. sehr verwöhnen« und bezog sich
egroups.de). Nicht zuletzt dürften einige darauf, dass man jemanden (bes. ein brem
Versicherungsgesellschaften auf Braut- Kind) füttert und ihm mehr Brei in den
schau gehen, um die Volatilität der Grup- Mund stopft, als hineingeht.
pengewinne mittels diversifizierter Be- um den [heißen] Brei herumreden (ugs.):
triebsrisiken einzudämmen (NZZ-Online über etw. reden, ohne zum Kern der Sache
26. 1. 2001). zu kommen: Was haben wir im Dienst
brav: der brave Mann denkt an sich selbst noch von einem Vorgesetzten zu erwar-
zuletzt: es ist zu loben, wenn jemand unei- ten, der so um den heißen Brei herumre-
gennützig handelt: Alle seien fürs Sparen, det? (Spiegel 14, 1966, 29).
aber natürlich nicht bei sich selber. Da ist Vgl. die Wendung »um etw. [he-
was dran, der brave Mann denkt an sich rum]schleichen wie die Katze um den
bis zuletzt, aber genau dafür bzw. dage- heißen Brei« (↑ herumschleichen).
gen haben wir doch Politiker (www.wdr. jmdn. zu Brei schlagen (derb): jmdn. ge-
de/radio/wdr4, 30. 9. 2003). hörig verprügeln: Den leg ich um, den
♦ Hier ist ein Zitat aus Schillers »Wil- schlag ich zu Brei (Denneny [ bers.],
helm Tell« zur allgemeinen Redensart ge- Lovers 61).
worden. ↑ herumschleichen, ↑ Koch.
der brave Mann denkt an sich selbst zu- breit: breit sein (landsch.): in einem
erst: die eigenen Interessen gehen vor Rauschzustand sein, betrunken sein: »Ain
(scherzhafte Umkehrung der voranstehen- Bühür ...«, brüllt Karl. Es ist Viertel nach
den Wendung): Ich habe nicht vor, meine zehn und Karl ist schon breit wie immer
letzten Zigaretten mit euch zu teilen; der (Hamburger Rundschau 11. 8. 1983, 3).
brave Mann denkt an sich selbst zuerst! Ich ... drückte ganz schnell das restliche
brechen: jmds. Augen brechen, sich Bahn Dope weg. Die sahen natürlich, dass ich
brechen usw.: siehe Auge, Bahn usw. voll breit aus dem Klo zurückkam (Chris-
Brechstange: mit der Brechstange: mit tiane, Zoo 230).
[rücksichtslosem] Einsatz aller Kräfte: In so breit wie lang sein (ugs.): sehr dick
der Vergangenheit scheute sich die Bun- sein: Die ist nicht nur ein bisschen mollig,
desrepublik, ihre Interessen mit der die ist ein Mops: so breit wie lang!
Brechstange durchzusetzen (NZZ 2. 8. ↑ Bein, ↑ Brust, ↑ Buckel, ↑ groß, ↑ lang,
2003, 7). ↑ Quark, ↑ weit.
Brei: wenn es Brei regnet, hält man den Breite: in die Breite gehen (ugs.): dick, fül-
Löffel raus/muss man den Löffel raushal- lig werden: Seine Frau ist in letzter Zeit
ten/braucht man einen großen Löffel ganz schön in die Breite gegangen.
(ugs.): glückliche, profitable Umstände breiten: ↑ Schleier.
muss man nutzen: Der Markt für elektro- Bremse: auf die Bremse treten/steigen
nisches Spielzeug wächst, und für die (ugs.): bremsen, zurückhaltender sein; von
Hersteller gilt, dass man den Löffel raus- etw. Abstand nehmen: Nun muss das Un-
hält, wenn es Brei regnet. .
ternehmen auf die Bremse treten. Statt
alles ein Brei sein (ugs. abwertend): alles sich um eine günstige, verständliche und
dasselbe sein: Hör mir auf mit Politik; leicht zugängliche Fassung des Vertrags
Parteien, Wirtschaft, Verwaltung – das ist zu bemühen, seien viele EU-Länder auf
doch alles ein Brei, der Dumme ist immer die Bremse gestiegen (Handelsblatt 19. 5.
der kleine Mann! 2008, 5).
jmdm. Brei um den Mund/ums Maul bremsen: ich kann/konnte mich bremsen
schmieren (salopp): jmdm. schmeicheln: (ugs.): da irrt/irrte man sich gewaltig,
Du brauchst mir gar nicht dauernd Brei wenn man denkt/dachte, ich wäre so tö-

133
brennen – Brezelbacken

richt, das zu tun: Ich fahre nicht mit, ich ♦ Alle Wendungen knüpfen an »Bre-
kann mich bremsen. sche« im Sinne von »Loch, das bei einer
B ↑ Schaum.
brennen: wo brennts [denn]? (ugs.): was ist
Belagerung in die Festungsmauer gebro-
chen wird« an.
bren denn los?: Wo brennts denn? Ich bin ja Brett: die Bretter, die die Welt bedeuten
.
schon hier! Wo brennt es? Brauchen (geh.): die Theaterbühne: Seit frühester
Sie Geld für die Rote Mühle? (Remarque, Jugend zog es sie zu den Brettern, die die
Obelisk 208). Welt bedeuten.
brennen wie Zunder: sehr leicht, sehr gut ♦ Diese Wendung ist ein Zitat aus Schil-
brennen: Das Lagerhaus stand in hellen lers Gedicht »An die Freunde«.
Flammen; die antiken Möbel brannten ein Brett vor dem Kopf haben (ugs.): be-
.
wie Zunder. Die gestern erst aufmon- griffsstutzig sein: Bei allem Respekt: Die
tierten Baracken brannten wie Zunder Lösung technischer Probleme ist nun
(v. d. Grün, Glatteis 140). wirklich nicht seine Stärke. Da hat er ein
gebranntes Kind [scheut das Feuer]: jmd., .
Brett vorm Kopf. ... da sieht er auf ein-
der schlechte Erfahrungen gemacht hat mal Machtblöcke und den Chef sieht er
[versucht ähnliche Risiken zu vermei- nicht, da hat er ein Brett vorm Kopf
den]: Nie wieder werden wir auf einen (Männerbilder 151).
politischen Rattenfänger hereinfallen, ♦ Die Wendung geht darauf zurück,
gebranntes Kind scheut das Feuer! In fi- dass früher einem störrischen Ochsen bei
nanziellen Dingen war Vater nach zwei In- der Arbeit ein Brett vor die Augen ge-
flationen ein gebranntes Kind, er vertraute hängt wurde, um ihm die Sicht zu neh-
nur noch auf Sachwerte und Grundbesitz. men.
↑ Baum, ↑ Boden, ↑ 1 Hut, ↑ Kittel, ↑ Luft, das Brett/(auch:) das Holz bohren, wo es
↑ Nagel, ↑ Pelz, ↑ Seele, ↑ sengen, ↑ Sohle, am dünnsten ist (ugs.): sich eine Sache
↑ Zunge. leicht machen: Der ist ein ganz fauler
Brennsuppe: ↑ Wassersuppe. Strick, der bohrt das Brett immer, wo es
Bresche: für jmdn. , etw. eine Bresche am dünnsten ist.
schlagen: sich für jmdn. , etw. erfolgreich ♦ Die seit Lessing belegte Wendung ist
einsetzen: Wir müssen für die Reform- eine Variation des alten Sprichwortes
pläne eine Bresche schlagen. Der Leicht- »Faulheit bohrt nicht gern dicke Bretter«.
athletikverband will für den Nachwuchs wie kommst du denn auf dieses schmale
eine Bresche schlagen und mehrere neue Brett? (ugs.): wie kommst du auf diese un-
Leistungszentren einrichten. sinnige Idee?: Ich soll mit deinem Freund
[für jmdn. , etw.] in die Bresche springen/ was angefangen haben? Wie kommst du
treten: für jmdn. , etw. einspringen, eintre- denn auf dieses schmale Brett?
ten: Wenn du nicht mehr kannst, werde etw. auf einem Brett bezahlen: den Ge-
ich [für dich] in die Bresche springen. . samtbetrag für etw. auf einmal bezahlen,
Wenn inländische und ausländische Kun- bar bezahlen: Bei seiner dicken Briefta-
den nur wenig kaufen, muss der Staat in sche ist das alles kein Problem. Da kann
die Bresche springen (Zeit 6. 6. 1975, 1). man selbst einen 10-Karäter auf einem
sich [für jmdn. , etw.] in die Bresche wer- Brett bezahlen.
fen: für jmdn. , etw. einspringen, eintreten: ♦ Die schon im Mittelhochdeutschen be-
Falls das deutsche Boot nicht an den legte Wendung bezieht sich auf das frü-
Start gehen kann, will sich der Schweizer her übliche sogenannte »Zahlbrett«, auf
.
Achter in die Bresche werfen. Am Ende das man das zu zahlende Geld legte.
könnte durchaus ein völliger, vom Kon- ↑ schwarz, ↑ Stein, ↑ Welt.
gress erzwungener Verzicht ... resultieren, Brezelbacken: das geht [ja] wie’s Brezelba-
es sei denn, der Präsident werfe sich ... cken (ugs.): (in Bezug auf die Ausführung
selber in die Bresche (Nordschweiz 74, einer Arbeit, eines Auftrags) das geht ja
1985, 36). unglaublich schnell! : Die paar Lücken im

134
Brief – Brocken

Zaun sind schnell ausgebessert. Das geht wieso keine großen deutschen Erfolge er-
bei ihm wie’s Brezelbacken!
Brief: jmdm. Brief und Siegel [auf etw.] ge-
wartet (MM 2. 9. 1966, 17).
alles durch die schwarze Brille sehen: al- M
B
M
ben: jmdm. etw. fest zusichern, garantie- les pessimistisch beurteilen: Die Sache ist
ren: Weit wies er die Idee von sich, er nicht leicht, aber sie ist machbar! Du Broc
werde die Justiz bemühen. »Brief und Sie- musst nicht immer alles durch die
gel« wollte er geben, er sei kein »Prozess- schwarze Brille sehen, sonst kannst du ja
hansel« (Spiegel 14, 1975, 22). gleich aufgeben!
♦ Die Wendung geht von »Brief« in der bringen: der/die/das bringt’s [voll]/bringt’s
alten Bedeutung »Urkunde« aus, meint nicht (bes. Jugendspr.): der/die/das ist aus-
also eigentlich »jmdm. Urkunde und Sie- gezeichnet/schlecht: Mit ’ner Harley-David-
gel«, d. h. vollgültigen Rechtsanspruch, son über den Highway rauschen, ich sag
geben. dir, das bringt’s voll! Hab den Film schon
↑ blau, ↑ offen. gesehen; kannste vergessen, der bringt’s
Briefkasten: toter Briefkasten: von Agen- nicht.
ten, Spionen vereinbarte Stelle, an der un- etw. hinter sich bringen (ugs.): mit etw.
auffällig Nachrichten deponiert, ausge- Schwierigem fertigwerden; etw. bewälti-
tauscht werden können: Der im Februar gen: Da hatte Hitler die Abenteuer Auf-
bei der Bedienung eines toten Briefkas- rüstung, Rheinland, Österreich und Sude-
tens an der Peripherie von Washington tenland schon hinter sich gebracht
ertappte FBI-Beamte ... hat nach mehr- (Loest, Pistole 50).
monatiger Haft gestanden, für die Sow- etw. mit sich bringen: etw. zur Folge ha-
jetunion und Russland spioniert zu haben ben, als Nebeneffekt haben: Ihre Krank-
(NZZ 7. 7. 2001, 2). heit bringt es mit sich, dass sie leicht de-
Briefmarke: ↑ platt. pressiv wird.
Brieftasche: eine dicke Brieftasche [haben] es nicht über sich bringen, etw. zu tun:
(ugs.): viel Geld [haben]: Hier machen nur aus Scheu, Rücksichtnahme o. Ä. sich
Leute Urlaub, die eine ganz dicke Briefta- nicht entschließen können, etw. Bestimm-
.
sche haben. ... flegelige Manieren kann tes zu tun: Sie brachte es nicht über sich,
man sich heute nur noch leisten, wenn ihm die Bitte abzuschlagen. Er brachte es
eine dicke Brieftasche sie zudeckt (Re- nicht über sich, ihr die traurige Wahrheit
marque, Obelisk 96). zu gestehen.
Brille: auf der Brille kann man Torf stechen etw. in Abzug bringen, jmdn. auf achtzig
(ugs. scherzh.): die Brillengläser sind stark bringen usw. : siehe Abzug, achtzig usw.
verschmutzt: Siehst du überhaupt noch Bröckchen: Bröckchen lachen/husten
was? Auf deiner Brille kann man ja Torf (ugs.): sich übergeben: Hast du mal einen
stechen! Wischlappen? Der Kleine hat schon wie-
etw. durch eine gefärbte/durch seine ei- der Bröckchen gehustet. Karl ist draußen
gene Brille betrachten/sehen: etw. vor- auf ’m Klo; ich glaub, der muss Bröckchen
eingenommen, subjektiv beurteilen: Er be- lachen.
trachtete die Dinge durch seine eigene Brocken: die Brocken hinwerfen/hin-
Brille. schmeißen (ugs.): aus Verärgerung, ber-
etw. durch die rosa[rote] Brille sehen/ druss [an einer Arbeit] nicht mehr weiter-
betrachten: etw. nur positiv beurteilen; zu machen; resignierend aufgeben: Anfang
optimistisch sein: Im Radio: Goebbels. Er des Jahres überlegte er, ob er »nach 13
sehe unsere Lage nicht durch eine rosa- Jahren im Bundesvorstand die Brocken
rote Brille. Aber: Lieber ein Ende mit hinwerfen« solle (Spiegel 41, 1987, 146).
Schrecken (Kempowski, Tadellöser 464). Arbeit hat mir immer Spaß gemacht –
Leute, die nicht durch die rosarote Brille aber jetzt bin ich drauf und dran, die Bro-
zu sehen pflegen, hatten von den Bahn- cken hinzuschmeißen (Hörzu 37, 1981,
Radweltmeisterschaften in Frankfurt so- 149).

135
brodeln – Bruch

brodeln: ↑ Oberfläche. 1972, 18). Am Zuzug von Mannhei-


Brot: ein hartes/schweres Brot sein: ein mern ... , die in der Rhein-Neckar-Metro-
B mühevoller Gelderwerb sein: Er brum-
melte ... das könne doch nie gut gehen –
pole ihre Brötchen verdienen, mangelt
es ... nicht (MM 16. 12. 1966, 5).
brod Vertreter, Reisender, das sei ein hartes kleine/kleinere Brötchen backen [müs-
Brot (Richartz, Büroroman 100). sen] (ugs.): sich bescheiden [müssen], in
mehr können als Brot essen (ugs.): intelli- bestimmter Hinsicht zurückstecken [müs-
genter sein, als man aussieht, berdurch- sen]: Zunächst, so heißt es hier, müssen
schnittliches leisten: Du solltest den Bur- in der Europapolitik noch »kleine Bröt-
schen mal am Arbeitsplatz erleben. Der chen gebacken« werden (MM 18. 2. 1969,
.
kann mehr als Brot essen. ... er hatte 2). ... hat vielleicht der Justiziar in Düssel-
den ganzen Kopf voller Dummheiten, dorf die Firmenleitung aufgeklärt, dass
aber auch voller Klugheit, und man sagte sie kleine Brötchen backen muss (v. d.
von ihm, dass er mehr könne als Brot es- Grün, Glatteis 146).
sen (Löns, Werwolf 12). Brotkorb: jmdm. den Brotkorb höher hän-
überall sein Brot finden (geh.): so anstel- gen (ugs.): jmdm. weniger zu essen geben,
lig, f leißig, geschickt sein, dass man über- jmdn. [ finanziell] knapphalten: Die jun-
all Arbeit findet: Um unseren Jüngsten gen Spieler im Verein werden immer
mache ich mir keine Sorgen, der findet übermütiger; wir müssen denen mal den
überall sein Brot. .
Brotkorb höher hängen. Den Brotkorb
wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht hat er mir höher gehängt. Ich werde hier
wie Krümel piken (ugs.): wer diese Erfah- ausziehen müssen ( Jaeger, Freudenhaus
rung nicht gemacht hat, kann nicht nach- 283).
vollziehen, was sie bedeutet. ♦ »Brotkorb« steht in dieser Wendung
♦ Diese Redensart ist eine scherzhafte wohl für Futterkorb. Um zu verhindern,
Abwandlung des geflügelten Zitats »Wer dass ein Pferd zu viel frisst, zog man im
nie sein Brot mit Tränen aß« aus Goethes Pferdestall den Futterkorb einfach ein
Roman »Wilhelm Meisters Lehrjahre«. Stück in die Höhe.
wes Brot ich ess, des Lied ich sing: ich brotlos: ↑ Kunst.
vertrete die Interessen, die Meinung des- Bruch: Bruch machen (Fliegerspr.): eine
sen, von dem ich wirtschaftlich abhängig Bruchlandung verursachen: Zwei Flieger
bin: Seit er bei der Elektrizitätsgesell- waren eingeliefert worden, sie hatten sich
schaft arbeitet, hat sich der Kernkraftgeg- verfranzt und bei der Notlandung Bruch
ner in ihm in Wohlgefallen aufgelöst. Ty- gemacht (Ott, Haie 207).
pischer Fall von »Wes Brot ich ess, des sich 〈Dativ〉 einen Bruch lachen (ugs.):
.
Lied ich sing!« ... auch gilt bei uns heftig lachen: Der Film ist umwerfend ko-
nicht, wie anscheinend beim »Rheini- misch; ich habe mir einen Bruch gelacht.
schen Merkur«, das Gesetz: »Wes Brot ich sich 〈Dativ〉 einen Bruch heben (ugs.):
ess, des Lied ich sing!« (Dönhoff, Ära 17). durch [zu] schweres Heben gesundheitli-
für ein Stück Brot (ugs.): äußerst billig, che Schäden davontragen, sich überan-
viel zu billig: Warte bis zum Ausverkauf. strengen: Pass bloß auf, dass du dir keinen
Da kriegst du das schönste T-Shirt für ein .
Bruch hebst! Eine Tonne mit mehr als
Stück Brot. 100 Litern Inhalt muss Rollen haben, da-
↑ Arbeit, ↑ Butter, ↑ flüssig, ↑ Gesicht, mit die Müllarbeiter sich daran nicht ei-
↑ Hund, ↑ Kunst, ↑ Lohn, ↑ Mensch, ↑ Not, nen Bruch heben (SZ 21. 6. 2000, L5).
↑ nötig, ↑ Salz, ↑ Stein, ↑ trocken, ↑ Wasser, ♦ In dieser Wendung steht »Bruch« für
↑ weggehen. »Leistenbruch«, der bei zu schwerem He-
Brötchen: [seine] Brötchen verdienen ben entstehen kann.
(ugs.): seinen Lebensunterhalt verdienen: in die Brüche gehen: 1. entzweigehen:
Er liebt es nicht, wenn die Frau, die er Tollpatsch, der er war, rammte er die
liebt, auch Brötchen verdient (Hörzu 23, Konsole, die kostbare Vase wackelte be-

136
Brücke – Bruder

denklich, fiel zu Boden und ging in die Feind nicht in Kämpfe verwickeln soll,
Brüche. 2. nicht länger Bestand haben, zu-
nichtewerden: Weil Bob in Mary nur die
sondern ihm – wenn nötig – sogar Brü-
cken baut, um seine Flucht zu erleichtern. M
B
M
kluge und ironische Journalistin sah, ihre Das sekundär hinzugefügte Adjektiv
Schönheit aber übersah, ging die Ehe vor »golden« unterstreicht diese Regel nur. Brud
einiger Zeit in die Brüche (Hörzu 4, 1974, Brücken/eine Brücke schlagen: eine Ver-
62). bindung herstellen: Der Sport schlägt Brü-
♦ Die Wendung bezog sich ursprünglich cken zu den jungen Völkern Afrikas. .
wahrscheinlich auf das Rechnen und be- Ein Schluck Wein ... ist ein Symbol der
sagte, dass eine Rechnung in die Bruch- Gastlichkeit und schlägt Brücken zwi-
zahlen geht, also nicht glatt aufgeht. Die schen den Menschen (Spoerl, Maulkorb
Bedeutungen »zunichtewerden; entzwei- 67). Mit diesem Holzteilchen ... ist die
gehen« könnten sich dann unter dem Brücke geschlagen vom Angeklagten zum
Einfluss von »Bruch« im Sinne von »Zer- Hammer, vom Hammer zur Tat (Mostar,
brechen; Zerbrochenes« entwickelt haben Unschuldig 62).
(vgl. die folgenden Wendungen). über die Brücke möchte ich nicht gehen:
zu Bruch gehen: entzweigehen, in Trüm- das erscheint mir wenig glaubhaft: Keine
mer gehen: »Ich hatte das ganze Gesicht Sorge, das Benzin wird bis München noch
verplättet gekriegt«, berichtet der ber- gerade reichen. – ber die Brücke möchte
fallene, dessen Brille zu Bruch ging (MM ich nicht gehen. Lass uns an der nächsten
18./19. 3. 1967, 4). Selbstverständlich ging Tankstelle halten.
vieles zu Bruch, und es lässt sich nicht ♦ Die Wendung bezieht sich auf Gellerts
verschweigen, dass manche Menschen Fabel »Der Bauer und sein Sohn«. Der Va-
Streifschüsse erlitten (Kusenberg, Mal ter kuriert seinen Sohn vom Lügen da-
87). durch, dass er ihm erklärt, sie würden
etw. zu Bruch fahren: etw. kaputt fahren: jetzt an eine Brücke kommen, auf der je-
Auf einer nebligen Landstraße hatte er der, der lügt, sich ein Bein bräche. Je nä-
das Motorrad zu Bruch gefahren. . her die beiden der Brücke kommen, desto
... welcher Idiot fuhr ... mutwillig seinen mehr schränkt der Sohn seine Behaup-
Wagen zu Bruch? (Cotton, Silver-Jet 138). tung, er habe einen Hund von der Größe
Brücke: die/alle Brücken hinter sich 〈Dativ〉 eines Pferdes gesehen, ein.
abbrechen: sich von allen bisherigen Bin- Bruder: Bruder Lustig/Leichtfuß/Liederlich
dungen endgültig lösen: Nach dem Kriege (veraltet, noch scherzhaft): lebenslustiger,
brach er alle Brücken hinter sich ab und leichtfertiger Mensch: Er war für ein bür-
.
ging nach Kanada. Sie verlangte von gerliches Leben nicht geschaffen und
ihrem Mann, sofort alle Brücken hinter .
blieb ein Bruder Liederlich. Dem Bru-
sich abzubrechen (Chr. Wolf, Himmel der Leichtfuß auf dem Tanzboden sind
251). keine moralischen Fehltritte nachzuwei-
jmdm. eine [goldene] Brücke/goldene sen (Spiegel 42, 1978, 230).
Brücken bauen: jmdm. das Eingeständnis und willst du nicht mein Bruder sein, so
einer Schuld, das Nachgeben erleichtern: schlag ich dir den Schädel ein: wenn du
Dass die Folter bei besonders Hartnäcki- dich nicht auf meine Seite stellst, be-
gen ... angewandt wurde, ist sicher, doch kämpfe ich dich mit allen Mitteln.
ebenso, dass man ihnen ... oft genug gol- ♦ Diese Redensart ist wahrscheinlich um
dene Brücken gebaut ... hat (Thieß, Reich 1848 in Anlehnung an den jakobinischen
328). Er hatte Willy nicht offen verteidigt, Spruch »La fraternité ou la mort« (= Brü-
aber doch versucht, ihm eine Brücke zu derlichkeit oder Tod) entstanden.
bauen (Leonhard, Revolution 199). unter Brüdern (ugs. scherzh.): unter guten
♦ Die Wendung geht auf eine alte Freunden [gesagt]; ohne bervorteilung:
Kriegsregel zurück, die besagt, dass man Was hast du unter Brüdern dafür be-
einen abziehenden oder flüchtenden zahlt? Das Auto ist in diesem schlechten

137
Brüderschaft – Brust

Zustand unter Brüdern keine dreitausend fallen: etw. bei rechtzeitiger Vorsorge Ver-
Euro wert. meidbares ist passiert: Es gibt viele Dinge,
B ↑ groß, ↑ jeder, ↑ warm.
Brüderschaft: [mit jmdm.] Brüderschaft/
bei denen die Polizei erst tätig werden
kann, wenn das Kind in den Brunnen ge-
Brüd (österr. :) Bruderschaft trinken: [mit fallen ist (Tagesspiegel 2. 1. 2001, 10). Erst
jmdm.] mit einem Schluck eines meist al- werde man als Versuchskaninchen be-
koholischen Getränks die Duzfreundschaft nutzt, und dann, wenn das Kind in den
besiegeln: ... mit eisgekühltem Orangen- Brunnen gefallen sei, dann erst würden
saft tranken wir morgens um halb zwei die Grenzwerte heruntergesetzt (taz 27. 3.
Uhr Brüderschaft (Ziegler, Labyrinth 2001, 22). Wir haben ... das Geld in guten
133). Du lässt dich schließlich überreden, Zeiten zum Fenster hinausgeworfen. Nun
trinkst Bruderschaft mit Hugo, dem Sohn ist das Kind in den Brunnen gefallen und
der Familie (Oberösterr. Nachrichten wir müssen die Suppe gemeinsam auslöf-
27. 12. 1997). feln (Zeit 12. 7. 1996, 1).
Brühe: eine lange Brühe um etw. machen ↑ Krug.
(ugs.): viele unnötige Worte über etw. re- Brunnenputzer: ↑ schuften.
den: Mach doch nicht so eine lange Brühe Brust: Brust an Brust: einander in gerings-
um die paar Kratzer. tem Abstand direkt gegenüber: Sie kämpf-
die Brühe ist oft teurer als der Braten: .
ten Brust an Brust. ... als habe ein Riese
das Drumherum ist oft kostspieliger als ... sich ihr entgegengeworfen und ihr
die eigentliche Sache: Für die spezialange- Brust an Brust Einhalt geboten (Langgäs-
fertigte Innenausstattung des Wagens ser, Siegel 279).
musste ich tief in die Tasche greifen. »Die sich 〈Dativ〉 an die Brust schlagen: Reue
Brühe ist oft teurer als der Braten«, wie es empfinden, sich Vorwürfe machen: Jetzt,
so schön heißt. wo sie ihn zugrunde gerichtet hatte,
brüllen: brüllen wie am Spieß (ugs.): sehr schlug sie sich an die Brust.
laut und anhaltend schreien: Der kleine ♦ Man führt die Wendung auf den Pro-
Junge brüllte wie am Spieß und wollte zu pheten Nahum (2, 8) im Alten Testament
seiner Mutti. zurück, wo es heißt: »Die Königin wird
brüllen wie ein Stier (ugs.): (meist von gefangen weggeführt werden, und ihre
Männern gesagt) lauthals schreien: Der Jungfrauen werden seufzen wie die Tau-
Spieß brüllte wie ein Stier, als er merkte, ben und an ihre Brust schlagen.«
dass man ihn im Vorratsraum eingesperrt sich 〈Dativ〉 etw. an die Brust heften
hatte. (ugs.): das Verdienst an etw. für sich bean-
zum Brüllen sein (ugs.): sehr komisch, spruchen: Wir haben uns nicht wochen-
überaus lustig sein, zum Lachen reizen: Es lang abgestrampelt, damit der Alte sich
war zum Brüllen, als er in einer Panto- den Erfolg allein an die Brust heftet!
mime Ellas erste Versuche auf Roller- schwach auf der Brust sein (ugs.): 1. an-
skates zum Besten gab. fällige Atmungsorgane haben: Seine Frau
gut gebrüllt, Löwe!: das ist treffend kom- war schwach auf der Brust und kränkelte
mentiert, schlag fertig bemerkt: Jörg oft. 2. wenig Geld haben: Kannst du mir
grinste, stieß Karin heimlich an und flüs- mal 50 Euro pumpen? Ich bin ein biss-
terte: »Gut gebrüllt, Löwe ...« (Kranz, chen schwach auf der Brust. 3. über wenig
Märchenhochzeit 9). Kraft, Können o. Ä. verfügen: Da zeigt
♦ Die Redensart ist ein Zitat aus Shake- sich’s, ob einer was kann oder ob er
speares »Ein Sommernachtstraum« (V, 1). schwach auf der Brust ist (Kreuder, Ge-
Dort heißt es »Well roared, lion«. sellschaft 24).
↑ Dummheit, ↑ Kopf, ↑ Scheiße, ↑ Seele. es auf der Brust haben (ugs.): an den
brummen: ↑ Bart, ↑ dumm, ↑ Dummheit, Bronchien erkrankt, lungenkrank sein: Sie
↑ Schädel. sah elend aus und hustete viel, hatte es
Brunnen: das Kind ist in den Brunnen ge- offensichtlich auf der Brust.

138
Brustton – Buch

sich in die Brust werfen (ugs.): sich brüs- Stoff ist gesünder als Alkohol und Ziga-
ten, prahlen: »Aber ehrlich war ich mein
Lebtag«, wirft sich Soubirous in die Brust,
retten«, erklären sie im Brustton der
berzeugung und werden dabei von ernst M
B
M
»und hab immer mehr gegeben als be- zu nehmenden Wissenschaftlern unter-
kommen« (Werfel, Bernadette 113). stützt (MM 7. 8. 1970, 3). Buch
mit breiter Brust: sehr selbstbewusst: Sie ♦ Die Wendung geht auf den Historiker
kommen auf den Rasen und lassen es mit des 19. Jahrhunderts Heinrich von
breiter Brust alle spüren: Wir sind un- Treitschke zurück, der in seinem Aufsatz
schlagbar (NZZ 25. 5. 2003, 33). »Fichte und die nationale Idee« den Aus-
mit geschwellter Brust: voll Stolz: Mit ge- druck »der Brustton tiefster berzeu-
schwellter Brust gab der junge Vater eine gung« prägte.
Lokalrunde nach der anderen aus. Sie Brutus: auch du, mein [Sohn] Brutus? (geh. ,
trug ihr Schulzeugnis mit geschwellter oft scherzh.): also auch du verrätst mich,
Brust nach Hause. lässt mich im Stich?
etw. vor der Brust haben (bes. Sport): ♦ Shakespeare lässt in seinem »Julius
etw. Schwieriges, Unangenehmes o. Ä. vor Cäsar« den sterbenden Titelhelden die la-
sich haben, bewältigen müssen: Die teinischen Worte »Et tu, Brute?« (»Auch
Mannschaft hat noch drei Auswärtsspiele du, Brutus?«) ausrufen. Historisch ver-
.
vor der Brust. Der Finaleinzug ist eine bürgt ist dieser Wortlaut nicht.
Momentaufnahme, da wir den höchsten Buch: das Buch der Bücher: die Bibel: Des
Berg, den wir erklimmen wollen, erst Abends las man andachtsvoll im Buch der
noch vor der Brust haben (MM 13. 4. 2012, Bücher.
12). das Goldene Buch: das Gästebuch einer
[sich 〈Dativ〉] jmdn. , etw. zur Brust neh- Stadt: Der Popstar durfte sich in das Gol-
men (ugs.): sich mit jmdm. , etw. energisch dene Buch Stuttgarts eintragen.
[tadelnd] auseinandersetzen: Mit so ei- ein aufgeschlagenes/offenes Buch für
nem Zeugnis kommt der Bengel bei mir jmdn. sein: jmdm. ganz vertraut und bis
nicht durch, den werd ich mir mal zur in die innersten Regungen bekannt sein:
Brust nehmen. Die Opposition hatte sich Nach vierundzwanzig Ehejahren war ihr
den Referentenentwurf tüchtig zur Brust Mann für sie wie ein aufgeschlagenes
.
genommen. Er hat sich die »Eliteein- Buch. Du kannst mir nichts verheimli-
heiten« der französischen Armee ... zur chen, du bist ein offenes Buch für mich.
Brust genommen (ran 2, 1980, 16). jmdm./für jmdn. ein Buch mit sieben Sie-
einen zur Brust nehmen (ugs.): etw. Alko- geln sein: für jmdn. nicht durchschaubar,
holisches trinken: Die beiden wankenden unverständlich sein, ein Geheimnis blei-
Männer hatten offensichtlich ordentlich ben: Die moderne Malerei ist mir ein
.
einen zur Brust genommen. Eine Buch mit sieben Siegeln. Dieses Stück ist
Gruppe von Schauerleuten hatte nur und bleibt für mich ein Buch mit sieben
rasch im Stehen eine Runde »zur Brust .
Siegeln. Sie werden eine Welt entde-
genommen« (Erné, Kellerkneipe 67). cken, die für die meisten Städter ein Buch
♦ Die Wendung bezieht sich auf das Zu- mit sieben Siegeln ist (Spiegel 18, 1966,
prosten, wobei man das Glas in Brust- 59).
höhe hält, bevor man es leert. ♦ Die Wendung bezieht sich auf die Of-
↑ hinten, ↑ Mutter, ↑ Pistole, ↑ Seele. fenbarung des Johannes (5, 1), wo das
Brustton: im Brustton der berzeugung: Lamm ein rätselhaftes Buch empfängt:
mit voller berzeugung: Er erklärte dem »Und ich sah in der rechten Hand des, der
Polizisten im Brustton der berzeugung, auf dem Thron saß, ein Buch ... versiegelt
.
dass ihm der Wagen gehöre. Im Brust- mit sieben Siegeln.«
ton der berzeugung bringt er Gründe das Buch zumachen/zuklappen/zuschla-
vor, die aber einer Selbsttäuschung ent- gen [können]: mit einer Sache abschlie-
springen (Ruthe, Partnerwahl 37). »Der ßen, seinen Frieden machen [können];

139
Büchse – Buchstabe

eine Sache beenden [können]: Man Euro zu Buche schlugen (SZ 10. 8. 2005,
möchte das Buch zuklappen und endlich 21). Beim Kauf eines Grundstücks schla-
B ein neues Lebenskapitel beginnen! Im . gen die Nebenkosten erheblich zu Buch
Extremfall, also wenn beim Schuldner (MM 4./5. 3. 1967, 41). 2. bei etw. ins Ge-
Büch nichts mehr geht, sagen wir auch, dass wicht fallen: Die Proteste aus aller Welt
wir das Buch zumachen und nicht mehr sind schließlich doch zu Buche geschla-
weiter beitreiben (Handelsblatt 7. 3. 2005, gen.
25). ♦ Der Wendung liegt »Buch« in der
über etw. Buch führen: über etw. genaue, kaufmannssprachlichen Bedeutung von
regelmäßige Aufzeichnungen machen: »Rechnungs-, Geschäftsbuch« zugrunde.
Viele Verbände führen Buch über die Stel- ↑ Nase, ↑ reden, ↑ schlau.
lungnahme einzelner Abgeordneter bei Büchse: die Büchse der Pandora (bil-
den Abstimmungen (Dönhoff, Ära 36). dungsspr.): etw. Unheilbringendes: Würde
Gewitzt durch ihre Erfahrungen, führte die Entdeckung der Kernspaltung zur
sie Buch über die Männer, mit denen sie Büchse der Pandora für die Menschheit
zusammen war (Feuchtwanger, Erfolg werden?
630). ♦ Nach der griechischen Sage, wie sie
wie jmd. , etw. im Buche steht/(schweiz. :) Hesiod überliefert, soll Zeus – Strafe für
wie es im Büchlein/(österr. :) Büchl steht den Raub des Feuers durch Prometheus –
(ugs.): wie jmd. , etw. , es als Musterbeispiel der Menschheit Pandora mit einem Gefäß
gelten kann: Er ist ein Lehrer, wie er im geschickt haben, das alle bel dieser Welt
.
Buche steht. Du bist wirklich ein Idiot, enthielt.
wie er im Buche steht (Hein, Landnahme ↑ Nichtschen, ↑ Sardine.
195). Der Verweigerer und der Unterwan- Buchstabe: am Buchstaben kleben; sich an
derer. Wie’s im Büchlein steht (Morf, Kat- den Buchstaben klammern: etw. überge-
zen 86). nau, allzu wörtlich interpretieren: Wir
♦ Vermutlich ist die Wendung bibli- wollen uns nicht an den Buchstaben
schen Ursprungs und bezieht sich auf den klammern, aber der Vertrag regelt die
40. Psalm (Vers 8), wo es heißt: »Siehe, ich Kostenverteilung ganz eindeutig.
komme, im Buch ist von mir geschrie- sich auf seine vier Buchstaben setzen
ben.« (ugs. scherzh.): sich hinsetzen: Nun setz
sich mit etw. ins Buch der Geschichte dich schon auf deine vier Buchstaben, da-
eintragen (geh.): sich mit etw. unsterbli- mit wir endlich anfangen können! .
chen Ruhm erwerben: Der Fürst war einer Wenn es abends draußen sogar für todes-
der wenigen, die sich mit einem nicht ge- mutige Rotznasen zu kalt und zu dunkel
führten Krieg ins Buch der Geschichte war, saßen wir still in der warmen Stube
eingetragen haben. auf unseren vier Buchstaben (Wilhelm,
über die Bücher gehen (schweiz.): die Unter 19).
Lage überdenken: Brigitte Örtli ... belegte ♦ Die »vier Buchstaben« stehen hier
den 11. Schlussrang und wird nach dieser scherzhaft verhüllend für das Wort
Saison wohl endgültig einmal über die »Popo«.
Bücher gehen müssen (NZZ 6. 2. 1987, etw. bis auf den letzten Buchstaben er-
53). füllen: etw. voll und ganz, ohne Ein-
mit etw. zu Buche stehen (bes. Kauf- schränkung erfüllen: In dieser Branche
mannsspr.): etw. noch bezahlen müssen: gilt es als selbstverständlich, dass ge-
Ihre Firma steht inzwischen mit rund schäftliche Vereinbarungen bis auf den
fünfzigtausend bei uns zu Buche. letzten Buchstaben zu erfüllen sind.
zu Buch[e] schlagen: 1. sich im Etat nie- nach dem Buchstaben des Gesetzes: [ge-
derschlagen: Belastet sei das Ergebnis nau so,] wie das Gesetz es vorschreibt:
erstmals durch die neu eingeführten Nach dem Buchstaben des Gesetzes bin
Mautgebühren, die mit drei Millionen ich zu gar nichts verpflichtet.

140
Bucht – Bude

Bucht: etw. in die Bucht schmeißen (ugs.): Buckel runter, allesamt! (Fallada, Mann
etwas bei eBay versteigern: Wenn die Uhr
dir nicht gefällt, kannst du sie immer
.
67).
jmdm. den Buckel raufsteigen können/ M
B
M
noch in die Bucht schmeißen. Ich hatte sollen (ugs.): von jmdm. einfach nicht
das gleiche Teil zu verkaufen ... Wollte mehr beachtet werden, jmdn. nicht länger Bude
keiner, hab ichs in die Bucht geschmissen belästigen sollen: Ich will nicht mehr mit
(www.boote-forum.de 23. 6. 2010). ihm darüber verhandeln, der soll mir den
♦ Die Wendung entstand aus der ber- .
Buckel raufsteigen. Einmal hörte Jo-
setzung von »Bay« als »Bucht«. seph den Melker sagen, das Vaterländli
Buckel: jmdm./jmdn. juckt der Buckel könne ihm in seiner ganzen Größe, wenn
(ugs.): jmd. fordert durch sein Benehmen es wolle, den Buckel hinaufsteigen
eine Tracht Prügel heraus: Den Kerl juckt (R. Walser, Gehülfe 131).
heut der Buckel, so frech war der schon etw. auf dem Buckel/Rücken haben
lange nicht mehr! (ugs.): 1. etw. hinter sich gebracht, erlebt
sich 〈Dativ〉 den Buckel freihalten (ugs.): haben: Der Wagen hat jetzt auch schon
sich in einer bestimmten Angelegenheit seine 100 000 km auf dem Buckel. Er .
absichern: Er hätte sich auf ein so riskan- hatte bereits über 200 Bundesligaspiele
tes Geschäft nie eingelassen, ohne sich fi- auf dem Buckel (Kicker 82, 1981, 15).
nanziell den Buckel freizuhalten. 2. mit etw. belastet sein: Mit drei Vorstra-
den Buckel hinhalten (ugs.): die Verant- fen auf dem Buckel musst du froh sein,
wortung für etw. auf sich nehmen: Na, da wenn du überhaupt noch eine Stelle be-
werde ich wohl wieder den Buckel hinhal- kommst. Sie haben mehr Schulden auf
ten müssen. Der Architekt muss den Bu- dem Buckel als Haare auf dem Kopf.
ckel hinhalten, wenn es Krach mit dem genug auf dem Buckel haben (ugs.): be-
Bauherrn gibt. reits ein ausreichendes Maß an Aufgaben
einen breiten Buckel/Rücken haben zu erledigen haben: Die Stationsärzte
(ugs.): sich durch Kritik, Anfeindungen können die Auswertung nicht überneh-
o. Ä. nicht aus dem inneren Gleichgewicht men, die haben genug auf dem Buckel.
bringen lassen: Der Chef kann ruhig auf buckelkraxen: jmdn. buckelkraxen tragen/
mir herumhacken. Das stört mich nicht, nehmen (österr. ugs.): jmdn. auf dem Rü-
ich habe einen breiten Buckel. cken tragen/auf den Rücken nehmen und
einen krummen Buckel machen; (auch:) so tragen: Peterle (zerrt Hannes am Är-
den Buckel krumm machen (ugs.): unter- mel): Trag mich buckelkraxen (Schönherr,
würfig sein: Er war ein schleimiger Typ, Erde 19).
der vor jedem Vorgesetzten einen krum- bucklig: ↑ Verwandtschaft.
.
men Buckel machte. Keiner war durch Bude: eine sturmfreie Bude (ugs.): ein Zim-
diese Zeit hindurchgekommen ... ohne mer, eine Wohnung o. Ä. ohne berwa-
den Buckel krumm zu machen (Loest, chung durch Eltern, Vermieter o. Ä.: Als
Pistole 137). ich studierte, war es nicht so einfach, eine
den Buckel voll Schulden haben (ugs.): bezahlbare sturmfreie Bude zu bekom-
sehr verschuldet sein: Wenn man schon .
men. Aber Sonnabendmittag fuhren
den Buckel voll Schulden hat, sollte man sie immer zu ihren Kindern ... und ich
nicht noch ein Kind nach dem anderen in hatte sturmfreie Bude (Kirsch, Panther-
die Welt setzen. frau 75).
rutsch mir den Buckel [he]runter! ♦ In der aus dem Studentenleben stam-
(ugs.): behellige mich nicht weiter [ich menden Fügung ist das Adjektiv »sturm-
werde dich einfach nicht mehr beach- frei« eine bertragung aus dem Militär-
ten]! : Ach, rutsch mir doch den Buckel wesen, wo es in Bezug auf militärische
runter mit deinen Weibergeschichten. Stellungen o. Ä. die heute veraltete Be-
Sag ihm, er kann mir den Buckel herun- deutung »uneinnehmbar« hat.
.
terrutschen! Rutscht mir doch den jmdm. fällt die Bude auf den Kopf (ugs.):

141
Budel – Bulette

jmd. hält es in seiner Wohnung nicht mehr lopp): jmdm. [als Warnung] einen Schlag
aus: Seit zehn Tagen regnet es, und wir versetzen oder ihn mit Worten einschüch-
B können nicht raus – allmählich fällt uns
die Bude auf den Kopf !
tern: Als er frech werden wollte, habe ich
ihm gleich eine vor den Bug geknallt. Weil
Bude jmdm. die Bude einlaufen/einrennen die junge Kollegin sehr ehrgeizig war,
(ugs.): jmdn. immer wieder mit demselben überlegten sie, wie sie ihr eine vor den
Anliegen aufsuchen: Seit Jahren rennt er Bug knallen könnten.
uns mit seinen Verbesserungsvorschlägen ↑ Schuss.
.
die Bude ein. Das fand ich doch ver- bügeln: ↑ gebügelt, ↑ geschniegelt, ↑ Hose.
drießlich. Mir erst die Bude einzulaufen, Buhei: Buhei machen (ugs.): großes Auf he-
und mich dann zu versetzen! (K. Mann, ben von etw. machen: Mensch, macht der
Wendepunkt 241). ein Buhei wegen des kleinen Kratzers an
die Bude auf den Kopf stellen (ugs.): aus- .
seinem Wagen. Ich weiß überhaupt
gelassen feiern: Nach bestandenem nicht, was man wegen dem bisschen
Examen hat sie mit ein paar Freunden die Maulkorb für ein Buhei macht. Morgens
Bude auf den Kopf gestellt. der erste Schutzmann hätte ihn gleich he-
eine Bude machen (Fußballjargon): ein runterholen sollen (Spoerl, Maulkorb 77).
Tor schießen: Aber der braucht halt im- Bühne: etw. über die Bühne bringen/krie-
mer zwei bis drei Versuche, um ’ne Bude gen (ugs.): etw. [erfolgreich] durchführen:
zu machen, und deshalb ging sein Kopf- Falls der Bundesrat keine Einwände gel-
ball knapp daneben. (www.blutgraetsche. tend macht, muss dieser Volksentscheid
de, 31. 3. 2004). Die EM hat nicht so gut bis spätestens 30. Juni nächsten Jahres
begonnen für mich, jetzt habe ich endlich über die Bühne gebracht werden (MM
gespielt, eine Bude gemacht, die Mann- 8. 7. 1969, 5).
schaft steht im Halbfinale – es gibt fast über die Bühne gehen (ugs.): in einer be-
nix Schöneres! (www.zeit.de 23. 6. 2012). stimmten Weise verlaufen, vor sich gehen:
jmdm. auf die Bude rücken (ugs.): Die turbulente Prunksitzung der »Mään-
1. jmdn. , mit dem man etwas zu bereini- zer Fassenacht« geht voluminös wie eh
gen hat, aufsuchen: Wenn wir die Miete und je über die Bühne (Hörzu 8, 1973, 85).
nicht bald zahlen, rückt uns der Hausbe- Die Verhandlung bei meiner Verwal-
sitzer auf die Bude. 2. jmdn. unaufgefor- tungsrechtssache ging ohne meinen An-
dert besuchen: Unmöglich kann ich ihm walt über die Bühne, weil er einfach nicht
auf die Bude rücken und mich dazu in erschien (DM 34, 1965, 49).
verbotenen Glanz kleiden (Zweig, Gri- von der Bühne abtreten/verschwinden;
scha 144). die Bühne verlassen: aus dem Blickpunkt
jmdm. hat es in die Bude geschneit der Öffentlichkeit verschwinden: Er war
(ugs.): jmd. hat Unannehmlichkeiten: Ich seinerzeit mit einem Eklat von der politi-
glaube, deiner Schwester hat es in die schen Bühne abgetreten. Die legendären
Bude geschneit, sie war ziemlich schlecht Chicagoer Gangster hatten die Bühne
drauf heute früh. längst verlassen, als ein kleiner siziliani-
↑ Leben. scher Einwanderer im Rauschgifthandel
Budel: unter der Budel (österr. ugs.): (in Be- von sich reden machte.
zug auf bestimmte knappe oder verbotene von der Bühne [des Lebens] abtreten
Waren) nicht offen angeboten: Nachdem (geh. verhüll.): sterben: ... mit ihren eige-
in vielen Provinz-Tankstellen Blaulichter nen Plänen scheiternd, von Fremden be-
unter der Budel verkauft werden ... (auto trogen, treten sie oft genug von der
touring 8, 1995). Bühne ab (Dönhoff, Ära 8).
♦ »Budel« ist im Österreichischen und ↑ Heu.
auch Bayrischen die Bezeichnung für Bulette: [immer/nur] ran an die Buletten!
»Ladentisch«. (salopp scherzh. , bes. berlin.): Aufforde-
Bug: jmdm. eine vor den Bug knallen (sa- rung, Ermunterung zum Handeln: So,

142
Bund – Bürstenbinder

noch ein Schluck Bier, und dann immer um und ging auf den Elefanten los (Grzi-
.
ran an die Buletten! Auch am Ehrentag
ran an die Buletten (MM 7. 4. 1967, 8).
mek, Serengeti 90).
es zu bunt treiben (ugs.): über das erträg- M
B
M
Mensch, Laumann, hau ab und nix wie liche Maß hinausgehen: Wenn ihr es zu
ran an die Buletten! (Borell, Lockruf 258). bunt treibt, werf ich euch alle miteinan- Bürs
↑ rangehen. .
der raus. Eines Nachts nun trieb es
Bund: den Bund der Ehe eingehen (geh. Wirsich doch zu bunt. Er kam ... tobend
oder scherzh.): heiraten: Im blühenden nach Hause und begehrte Einlass (R. Wal-
Alter von 19 Jahren war die wohlbehütete ser, Gehülfe 23).
Tochter aus reichem Hause mit der Wahl ↑ Abend, ↑ bekannt, ↑ Reihe, ↑ Teller.
ihrer Eltern den heiligen Bund der Ehe Bürger: Bürger in Uniform: Bundeswehrsol-
eingegangen. dat, der seine soldatischen Pf lichten aus
den Bund fürs Leben schließen (geh. oder den staatsbürgerlichen Rechten ableitet:
scherzh.): heiraten: Im US-Bundesstaat Wer nur unter Zwang den Wehrdienst
Maryland können Herrchen und Frau- ableistet – kann der sich als Bürger in
chen mit ihren Lieben den Bund fürs Le- .
Uniform fühlen? Generalleutnant ...
ben schließen (www.stern.de/ Baudissin gilt als der geistige Vater des
wissenschaft, 6. 9. 2006). Leitbildes vom »Bürger in Uniform« (MM
mit jmdm. im Bunde sein/stehen: mit 1. 3. 1967, 2). Der »Bürger in Uniform« lei-
jmdm. verbündet sein: Du stehst mit dem det unter Frustrationen (Basler Zeitung
.
Teufel im Bunde, du alte Hexe! Es 27. 8. 1980, 5).
stellte sich heraus, dass der Besitzer der Bürgerpflicht: ↑ Ruhe.
Luxusjacht im Bunde stand mit ein paar Bürgersteig: hier/da werden abends die
ziemlich miesen Typen (H. Weber, Einzug Bürgersteige hochgeklappt (ugs.):
266). Vielleicht stand sie auch im Bunde hier/da gibt es abends keine Möglichkeiten
mit einem der Polizisten, dem Führer der mehr, sich zu vergnügen: Abends werden
Razzien (Seghers, Transit 76). in unserem Provinznest die Bürgersteige
↑ Dritte, ↑ Hand. hochgeklappt, nach neun Uhr ist nichts
Bündel: sein Bündel packen/schnüren mehr los.
(ugs.): 1. sich zur Abreise fertig machen: Büro: kein Büro aufmachen (schweiz. sa-
Es wird langsam Zeit, dass wir unser Bün- lopp): keine großen Umstände, die Dinge
del packen. 2. seinen Arbeitsplatz aufge- nicht unnötig kompliziert machen: Wegen
ben: Wenn es dir in der Firma nicht ge- der fünf Franken, die er dir noch schul-
fällt, kannst du ja jederzeit dein Bündel det, würde ich kein Büro aufmachen.
schnüren und gehen. bürsten: ↑ Strich.
♦ Mit »Bündel« waren ursprünglich die Bürstenbinder: wie ein Bürstenbinder (sa-
in einem Tuch zusammengepackten Hab- lopp): (in Bezug auf ein bestimmtes Tun)
seligkeiten der wandernden Handwerks- in hohem Maße: Das hättest du hören
burschen gemeint. müssen, geflucht hat der wie ein Bürsten-
jeder hat sein Bündel zu tragen: jeder hat .
binder. Der exzessive Raucher (80 Zi-
seine Sorgen: Ob’s nun die Sorge um die garetten pro Tag) soll selbst im Laden ge-
Gesundheit, die kaputte Ehe oder der ver- qualmt haben wie ein Bürstenbinder
lorene Arbeitsplatz ist: Jeder hat sein (NZZ 13. 7. 2003, 15).
Bündel zu tragen. Bleibt zu wünschen, ♦ Die Fügung hat ihren Ursprung in der
dass sein Rücken stark genug ist. heute veralteten übertragenen Bedeutung
bündig: ↑ kurz. von »bürsten« für »trinken« (= die Kehle
bunt: jmdm. wird es zu bunt (ugs.): jmds. oder das Glas [aus]bürsten), woraus sich
Geduld ist zu Ende: Zum Schluss wurde es wortspielerisch »Bürstenbinder« im
den Zuhörern zu bunt und sie pfiffen den Sinne von »jmd. , der sich aufs Bürsten
.
Redner aus. Plötzlich wurde das dem (= Trinken) versteht« entwickelte. Im
Warzenschwein zu bunt, es drehte sich Laufe der Zeit wurde die Fügung dann

143
Busch – Butter

vom Trinken auf andere Tätigkeiten aus- den sind doch bessre Menschen« be-
gedehnt und in der noch heute lebendi- schließt, endet das Gedicht mit den Wor-
B gen Bedeutung gebräuchlich.
Busch: [bei jmdm.] auf den Busch klopfen
ten: »Und er schlug sich seitwärts ins Ge-
büsche.«
Busc (ugs.): etw. durch geschicktes Fragen zu er- Busen: am Busen der Natur (scherzh.): in
fahren suchen: Kannst du nicht mal bei der Natur, im Freien: Damals brauchte
ihm auf den Busch klopfen, ob er uns bei man noch keine Luxushotels, da wurde
.
dem Plan hilft? Er spielte den Allwis- am Busen der Natur geschlafen.
senden und klopfte doch nur auf den ↑ Schlange.
Busch (Zwerenz, Quadriga 25). Buße: Buße tun (veraltend): seine Verfeh-
♦ Die Wendung stammt aus der Jäger- lungen mit Bußübungen sühnen: Tuet
sprache. Früher schlugen Jäger mit Stan- Buße, meine Brüder, und lasset ab von
gen auf das Gebüsch im Unterholz, um Müßiggang und Völlerei! Wir haben den
das Wild aufzuscheuchen. Zorn des Herrn auf uns herabbeschwo-
mit etw. hinter dem Busch halten: mit ei- ren, wir wollen Buße tun und seine Verge-
ner Äußerung zurückhalten: Der Staats- bung erflehen.
anwalt hatte den Eindruck, dass die Ver- Bütt: in die Bütt steigen (ugs.): öffentlich
teidigung mit irgendetwas hinter dem für etwas eintreten, sich engagiert vor Pu-
Busch hielt. Sie wollte mit ihrer Meinung blikum äußern: Ich wollte die Kollegen
nicht länger hinter dem Busch halten. politisch aufrütteln und bin bei Betriebs-
♦ Die Wendung geht von Busch in der versammlungen immer in die Bütt gestie-
Bedeutung »Buschwerk, kleines Wald- gen (Spiegel 4, 2000, 196–198). Einen ehr-
stück« aus. Im Buschwerk hielten sich lichen, handfesten Schwulen hatten sie
früher Wegelagerer versteckt; vgl. die sich gewünscht, der auch mal in die Bütt
Bildungen »Buschklepper« und »Strauch- steigt für sie und was riskiert dabei (taz
dieb«. Auch Truppenteile hielt man frü- 14. 1. 2011, 20).
her hinter Büschen und Waldstücken ♦ Aus der »Bütt«, einem fassförmigen
verborgen, um sie dann überraschend ins Vortragspult, tragen im rheinischen Kar-
Gefecht zu führen; vgl. die Wendung »mit neval die Redner ihre Spottreden vor.
etwas hinter dem Berg halten«. Butter: jmdm. fällt fast die Butter vom
etwas ist im Busch[e] (ugs.): im Verborge- Brot/ist die Butter vom Brot gefallen (sa-
nen bereitet sich etwas vor: Nun geschah lopp): jmd. ist enttäuscht, entsetzt: Uns
das allerdings ... , als er schon eindeutig fiel fast die Butter vom Brot, als wir den
wusste, dass da was im Busche war (Zwe- Preis hörten. Was ist denn mit dir los, ist
renz, Quadriga 220). Wenn ich anrücke, dir die Butter vom Brot gefallen?
weiß natürlich jeder, was im Busch ist Butter an/bei die Fische!: keine halben
(Hörzu 21, 1973, 30). Sachen! : Jetzt mal Butter bei die Fische
sich [seitwärts] in die Büsche schlagen und den vollen Kaufpreis auf den Tisch
(ugs.): heimlich verschwinden: Die Ge- .
gelegt! Pipa warnte den Verband im
schwister ... hatten sich ... klammheim- brigen davor, erneut mit vagen Ankün-
lich in die Büsche geschlagen und waren digungen zu operieren. Jetzt müsse »But-
sodann spurlos verschwunden (MM 11. 4. ter bei die Fische«, meinte er (FR 18. 12.
1974, 15). Er