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1.2. Gefährliche Stoffe (s. auch Kempter „Organ.-chem.

Praktikum“):
Im Folgenden einige Beispiele, die für das Praktikum relevant sind, bzw. von allgemeiner Bedeutung
sind:
Cyanide, HCN, Nitrile:
Auch aus Nitrilen wird das Cyanidion gebildet, das als extrem guter Ligand für Übergangsmetalle
zur Blockierung des O2-Transports durch irrev. Komplexbildung mit Häm führt sowie auch die
Blockierung
anderer wichtiger vom Häm abgeleiteter Enzyme bewirkt. Dadurch kommt es zur Atemnot und bei zu
hoher Konzentration zum Tod durch „inneres“ Ersticken. Geringe Mengen können enzymatisch
abgebaut
werden keine chronischen Schäden.
Acetonitril (b.p. 82°C) ist ein sehr häufig verwendetes Lösungsmittel (LM). Bei längerem Arbeiten
sollte
auf gute Abluft geachtet werden!
Acrylsäurederivate:
Gelten allgemein als Nervengifte; Acrylnitril (b.p. 77°C)
steht neben seiner zusätzlichen Giftigkeit als Nitril auch
im Verdacht cancerogen zu sein.
Alkohole (R-OH)
Methanol (CH3-OH, b.p. 65°C): wird als Gift geführt, es kann bei Einnahme zu Erblinden und Tod
führen.
Als sehr polares Molekül wird es trotz seiner geringen Größe weniger leicht durch die Haut
aufgenommen, das Einatmen der Dämpfe sollte weitgehend vermieden werden. Auch höhere
Alkohole
(R-OH) sind weitgehend gesundheitsschädlich. Ethanol (CH3-CH2-OH, b.p. 78°C) ist wohl noch der
relativ
harmloseste ….
Ether (R-O-R’)
Die cyclischen Ether 1,4-Dioxan und Tetrahydrofuran (THF) sind sehr gute LM.
Sie sind aber auch gesundheitlich schädlich und gehen leicht durch die Haut.
Alle Ether bilden bei längerem Stehen in sauerstoffhältiger Atmosphäre leicht
Peroxide. Werden aber peroxidhältige Etherlösungen abgedampft und höher
erhitzt kann es zur Explosion kommen. Daher müsste man zuvor auf Peroxide
prüfen und diese ev. vorher kontrolliert zersetzen (in diesem Praktikum kein Thema).
Sehr leichte Entflammbarkeit aller niedermolekularen Ether ev. auch Explosionsgefahr. Vor allem
keine
größeren Mengen Diethylether (CH3-CH2-O-CH2-CH3) im Saal verdampfen lassen!
Säurechloride (R-COCl) sind nicht in Wasser löslich, zersetzen sich aber bei Kontakt mit Wasser:
R-COCl R-COOH + HCl Reizung der Atmungsorgane. Mit Säurechloriden daher stets nur im
Abzug hantieren – auch kontaminierte Geräte im Abzug mit Aceton spülen und in Aceton-Wasser-
Gemisch zersetzen lassen. Waschen mit Wasser allein führt zu verstärktem Verdampfen und erhöht
die
reizende Wirkung. Benzoylchlorid (Ph-COCl) ist ev. auch cancerogen.
Phosgen (Gas) ist das Säurechlorid der Kohlensäure und ist ungewöhnlich stabil. Es zersetzt sich nur
sehr langsam mit H2O. Daher wirkt es nicht ätzend beim Einatmen (im
Gegensatz zu anderen Säurechloriden)
sondern zersetzt sich erst im Laufe von
Stunden langsam in der Lunge
Tod), wurde eingesetzt als
Kampfgas im 1.Weltkrieg.
Chlorameisensäureester sind die Halbester-Halbsäurechloride der
Kohlensäure. Sie werden zur Einführung von Urethan-Schutzgruppen vor
allem in der Peptidsynthese verwendet ( Z-Cl in ). Sie wirken ätzend wie
alle Säurechloride (Gefährlichkeit auch abh. von Flüchtigkeit)
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Amine (R-NH2, R2NH, R3N) und Ammoniak (NH3) sind als Basen ätzend. Zudem haben viele Amine
biologische Wirkungen und sind daher u.U. giftig. Aromatische Amine sind i.A. cancerogen (z.B.
Anilin)
Am Beispiel Benzol — Toluol können wir beobachten, dass oft nicht die Substanz selbst für die
biologische Gefährlichkeit verantwortlich ist, sondern bisweilen das, was der Körper damit macht,
also erst die Metaboliten. Benzol und Toluol sind von ihren physikalischen und chemischen
Eigenschaften ziemlich ähnlich und sind beide wasserunlöslich. Wenn sie in den Körper
aufgenommen werden, müssen sie als Xenobiotica (Fremdstoffe) zur Ausscheidung wasserlöslich
gemacht werden. Dazu werden in der Leber oft oxidierende Enzyme verwendet. Toluol lässt sich (wie
alle Alkylaromaten) leicht zur entsprechenden Carbonsäure oxidieren Benzoesäure, die dann
ausgeschieden werden kann. Diese ist harmlos, sie wird sogar als Konservierungsmittel in der
Lebensmittelindustrie verwendet. Benzol lässt sich nicht so leicht oxidieren. Bei stärkeren
oxidierenden Bedingungen entstehen Polyphenole, die an sich schon gesundheitsschädlich sein
können. Im Knochenmark werden diese aber zu Chinonen oxidiert, die mutagen und daher
cancerogen wirken. Benzol kann nachweislich zu Leukämie führen. Daher wird heutzutage Benzol
(b.p. 79°C) praktisch nicht mehr als Lösungsmittel (LM) verwendet, sondern nur mehr als Edukt für
Reaktionen. Als LM wird es durch das zwar etwas höher siedende Toluol (b.p. 110°C) ersetzt.
Schwermetalle (z.B. Hg, Cd, Pb, Co, Cr, ...) sind i.A. giftig, da sie die Wirkung von metallhältigen
Enzymen modifizieren... Hier im Praktikum wird nur 1 x mit Bleisalzen gearbeitet. Diese sind weder
flüchtig noch gehen sie durch die Haut – sie dürfen nur nicht verschluckt werden. Aber es ist auf eine

1.3. Entsorgung von Laborchemikalien


Bei jeder chemischen Arbeit (Synthese oder Analyse) ergibt sich zwangsläufig Abfall, der
entsprechend entsorgt werden muss.
An organischen Verbindungen sind es vor allem die Lösungsmittel (LM), die mengenmäßig
bedeutend sind. Dafür gibt es zwei gesonderte Kanister: Einen für halogenierte LM (in diesem
Praktikum nur CHCl3 und CH2Cl2 und Gemische von Ihnen mit einem halogenierten Anteil über 5%.
Der andere Kanister ist für nicht halogenierte Verbindungen. Diese Trennung ist nötig, um die
Entsorgung durch Verbrennung geeignet durchführen zu können. Kohlenwasserstoffe mit hohem
Halogenanteil brennen nicht von selbst und müssen bei hoher Temperatur zersetzt werden.
Außerdem muss die Abgaswäsche besonders gründlich erfolgen (Gefahr von Dioxinemissionen).
Daher ist diese Entsorgung auch wesentlich teurer. Es sollen daher diese LM getrennt gesammelt
werden und nach Möglichkeit auch nicht mit Aceton vermischt werden. Es sollte kein Wasser in
diesen Kanister kommen (ist mit diesen LM nicht mischbar). Alle anderen LM, ev. auch mit einem
gewissen Wasseranteil werden in dem Kanister für nicht halogenierte LM gesammelt. Ein zu großer
Wasseranteil ist zu vermeiden, da dies die Verbrennung erschwert.
konz. Mineralsäuren [HCl, HBr, H2SO4] werden zunächst mit Wasser verdünnt (in Wasser einfließen
lassen!) und dann stark verdünnt in den Abfluss entsorgt (es ex. allgemeine Neutralisationsanlage,
sonst müsste man sie vorher noch neutralisieren)
konz. Basen (NaOH, KOH, NH3.) werden ebenso stark mit Wasser verdünnt dann in Abfluss entsorgt
(aber keine Amine, kleine Mengen von Aminen Lösungsmittelabfall, nicht halogeniert)
Salze (von Na+,K+,Mg2+,Ca2+, NH4+ und deren wässrige Lösungen werden verdünnt mit Wasser in
den Abfluss entsorgt, wenn keine Schwermetalle enthalten sind.
Im Folgenden einige spezielle Beispiele für die Desaktivierung kleiner Mengen gefährlicher
Laborchemikalien:
Brom: Br2 + 2 NaOH NaOBr + NaBr + H2O
Thionylchlorid (analog andere Säurechloride): SOCl2 + 4 NaOH — H2O Na2SO3 + 2 NaCl + 2 H2O
Natriummetall: 2 Na + 2 iPrOH H2 + 2 NaOiPr (oft mit Ethanol gemacht, wird ziemlich heiß,
besser 2-Propanol = Isopropylalkohol, iPrOH)
Lithiumaluminumhydrid: extrem gefährliche Reaktion mit Wasser gemäß: LiAlH4 + 4 H2O 4 H2 +
LiOH + Al(OH)3 ( Explosion, aber auch mit ROH oft Brand), daher zur Vernichtung zunächst
Reaktion mit AcOEt; LiAlH4 + 2 CH3-C(=O)-O-C2H5 4 CH3-CH2-O- + Li+ + Al3+ (restliche Aktivität
kann dann mit Ethanol und schließlich mit Wasser zerstört werden (grau weiß);
Natriumborhydrid: NaBH4 dagegen relativ ungefährlich, reagiert auch mit Wasser nicht allzu
schnell, kann daher mit H2O gefahrlos zersetzt werden.
In diesem Praktikum wird von obigen allerdings nur Thionylchlorid verwendet. Geringfügige
Kontamination von Glasgeräten mit Thionylchlorid wird durch einfaches Auslüften (b.p. 77°C) im
laufenden Abzug beseitigt. Andere Säurechloride am besten durch Lösen in Aceton unter Zugabe von
Wasser im Abzug zersetzen lassen.
1.4. Entsorgung anderer Materialien:
Zerbrochene Glasgeräte werden nach Vorzeigen beim Diensthabenden im Behälter für Laborglas
entsorgt (aber keine Porzellangeräte → zum normalen Restmüll)
Kieselgel oder Aluminiumoxid von der Chromatographie → gesonderter Behälter (aber am besten
nach Trocknen im Abzug)
Papierfilter (je nach Filtergut) →Behälter für feste Abfälle oder Restmüll (wenn sie nur harmlose
Salze enthalten)
Bleihältige Filter in eigenes Gefäß zum Trocknen, dann in geschlossenen Behälter für Pb2+ Abfälle
Bleihältige wässrige Lösung beschriftete Glasflasche. In der Folge wird Pb2+ dann als PbSO4
gefällt Behälter für feste Bleiabfälle.
1.5. Reinigung von Glasgeräten
Für präparatives Arbeiten können die vorhandenen Glasgeräte als rein genug angenommen werden,
wenn keine größeren Mengen fester Ablagerungen (Krusten) sichtbar sind. Oft sind ältere Glasgeräte
etwas trüb durch Verätzung, Kratzer oder auch Schlifffettreste. Für analytisches Arbeiten ist stets auf
Reinheit der verwendeten Geräte zu achten (i.A. auch keine LM oder Wasserreste!)
Unbekannte Verunreinigungen sind zunächst mit heißem fließenden Wasser (ev. + Spülmittel, Bürste)
zu behandeln, dann mit deionisiertem Wasser und letztlich mit Aceton. Soll mit Aceton am Schluss
nur getrocknet werden, dann sparsam Aceton mit Spritzflasche über den entsprechenden Glasteil 1-
2 in
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dünnem Film

2. GRUNDLEGENDE LABOROPERATIONEN
2.1. Bestimmung des Brechungsindex mithilfe des Refraktometers ( s. Beispiele )
Der Brechungsindex wird angegeben als n𝜆𝑡 und gibt den Unterschied der
Fortpflanzungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Strahlung der Wellenlänge (geeicht meist auf
=589 nm, Na-D-Linie) beim Durchgang durch ein Medium (bei der Temperatur t) im Vergleich zum
Vakuum wieder. Nach den Gesetzen der Optik wirkt sich das im Brechungswinkel aus, der von den
entsprechenden Geräten sehr exakt bestimmt wird.
praktische Durchführung:
- Flüssigkeit vorsichtig in ausreichender Menge (einige Tropfen) auf den horizontalen Glasblock des
Refraktometers auftragen ohne die Oberfläche zu zerkratzen.
- Möglichst unter Beibehaltung der waagrechten Position zweiten Glasteil anpressen und fixieren
- Durch Drehen der linken Schraube die schwarz/weiße Trennlinie ungefähr ins Bild bringen (Ist
Trennlinie schlecht oder gar nicht erkennbar, ist meist zu wenig Flüssigkeit aufgetragen). Eventuell
muss durch Drehen am Okular auf die eigene Sehkraft optimiert werden.
- Mithilfe der anderen Schraube eventuelle Farben aus dem Bild entfernen ( rein schwarz/weiß)
- Die Trennlinie exakt ins Fadenkreuz bringen, Brechungsindex auf 4 Stellen nach dem Komma
ablesen.
- Temperatur notieren.
- Sodann erhaltenen Wert auf Temperaturangabe beim Literaturwert (i.A. 20°C) umrechnen mithilfe
folgender Näherung: Erhöhung um 1°C bedeutet Abnahme des Brechungsindex um 0.0004 Einheiten.
- Gerät mit Ethanol reinigen und offen stehenlassen.
2.2. Destillation, Rektifikation (Siedediagramm) ( )
Die Destillation wird in der organischen Synthese als Reinigungsoperation benützt, um Substanzen
mit unterschiedlichem Dampfdruck und daher unterschiedlichem Siedepunkt (b.p. … boiling point)
voneinander zu trennen.
theoretische Grundlagen
Eine Verbindung siedet dann, wenn ihr Eigendampfdruck Pi gleich dem äußeren Druck ist. Dann
stehen flüssige und gasförmige Phase im Gleichgewicht:
Pi (bzw. ptot d. Mischung) = pextern Sieden [Gleichgewicht: flüssig gasförmig] (vgl.
Zustandsdiagramm p/T in Abb. oben links)
Bedeutung der Vakuumdestillation: Wird der äußere Druck abgesenkt („Vakuum“) genügt schon ein
geringerer Eigendampfdruck Pi zum Sieden und daher reicht eine geringere Temperatur aus (b.p. ist
niedriger), da der Eigendampfdruck natürlich stark temperaturabhängig ist [höhere Temperatur →
stärkere Braun’sche Molekülbewegung → höherer Dampfdruck]
Für eine Reinigungsoperation ist ein Einstoffsystem natürlich irrelevant. Ein
2-Komponentensystem (auch Mehrkomponentensystem) wird beschrieben durch
p/x (Dampfdruck-) bzw. T/x (Siede-Diagramm), Es gilt das
Raoult‘sches Gesetz (für ideale homogene flüssige Mischung)
𝑝𝑡𝑜𝑡=Σ𝑝𝑖=Σ(𝑥𝑖∙𝑃𝑖)
xi … Molenbruch von i in flüssiger Mischung (xi=ni/ nj)
Pi … Eigendampfdruck von reinem i bei Temp. T
xi∙Pi … Dampfdruck von i in Gasphase (=pi) Zusammensetzung der im Gleichgewicht befindlichen
Gasphase.