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Wie die Epochenbegriffe "Impressionismus" und "Expressionismus" weist auch der Begriff des

"Realismus" in der Literatur eine Affinität zur bildenden Kunst auf. Anlässlich der
Weltausstellung in Paris im Jahre 1855 zeigte der französische Maler Gustave Courbet (1819 - 1877)
eine Auswahl seiner Werke und nannte sie "le réalisme". Unter diesem programmatischen Begriff
propagierte er eine in der damaligen Kunstwelt als provozierend empfundene Malweise, mit der die
Wirklichkeit nicht nach den vorformulierten Idealen einer "höheren" Realität und den Regeln einer
normativen Ästhetik dargestellt, sondern als sichtbare Alltagswirklichkeit ungeschönt, d. h. mit
all ihren gewöhnlichen und hässlichen Seiten, gezeigt werden sollte. Mit Bildern wie "Les casseurs de
pierres" ("Die Steinklopfer", 1849) erteilte er der konventionellen bürgerlichen Salonkunst und der
idealisierenden Historienmalerei eine eindeutige Absage und stieß auf den erbitterten Widerstand
der zeitgenössischen Kunstkritik, die sich sowohl am Thema (das harte Los einfacher
Straßenarbeiter) als auch an der Malweise (ungekünstelte Darstellung der Wirklichkkeit) stieß und
das Bild als hässlich empfand.[1]