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GEGENSTANDPUNKT

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Trump sagt den Klimawandel ab


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„America first!“ in Aktion – und die ersten Wirkungen (I)


Trump sagt den Klimawandel ab
Der neue Leitfaden für die globale Energiepolitik

Systematischer Katalog: Weltklima- & Energiepolitik Rohstoffkonkurrenz der Staaten


Energiepolitik Weltwirtschaftsordnung (Konkurrenz um)
Länder & Abkommen: USA
Siehe auch: „America first!“ in Aktion – und die ersten Wirkungen (II).
Trump macht sich an die Renovierung der europäischen Energieversorgung „America first!“
in Aktion – und die ersten Wirkungen (III). Eine interessante Tagesordnung für den G20-Gip-
fel anno 2017. Europa ringt um seine Antworten auf Trumps Amerika „America first!“ in Ak-
tion – und die ersten Wirkungen (IV). Amerikanisch-polnische Völkerfreundschaft. Die Eröff-
nung neuer Perspektiven für Polen dank Trump
Überblick

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Wahlsieg und Amtsantritt Donald Trumps steht
fest: Die von den ostatlantischen Freunden transatlantischer Freundschaft und kun-
digen Anhängern demokratischer Werte zunächst gehegten Hoffnungen haben sich
nicht erfüllt, dass Trumps Ankündigungen einer außenpolitischen Wende für die USA
sich nach der Wahl als der übliche, zwecks Wahlkampf verlogen aufgebaute Schein
entpuppen, dem Wähler würden irgendwelche wirklichen Alternativen zur Entschei-
dung vorgelegt. Ihre Erwartungen, die rechtsstaatlichen Institutionen, das demokrati-
sche Machtgeschacher und überhaupt die realpolitischen Sachzwänge würden schon
gründlich dafür sorgen, dass in Amerika im Wesentlichen weiter so Politik gemacht
wird, wie wir sie brauchen und wollen, und nicht etwa so, wie man einer patriotisch
aufgescheuchten Wählerschaft sie als Forderung in den Mund gelegt hat, haben sich
in Luft aufgelöst. Der Neue meint es ernst, und er macht Ernst mit seinem Stand-
punkt „America first!“. Endgültig durchgesetzt hat sich diese Erkenntnis, als Trump
offiziell erklärt hat, den Klimaschutz-Vertrag von Paris zu kündigen.
„America first!“ in Aktion – und die ersten Wirkungen (I)
Trump sagt den Klimawandel ab
Der neue Leitfaden für die globale Energiepolitik

Mehr als ein halbes Jahr nach dem Wahlsieg und Amtsantritt Donald Trumps steht fest:
Die von den ostatlantischen Freunden transatlantischer Freundschaft und kundigen An-
hängern demokratischer Werte zunächst gehegten Hoffnungen haben sich nicht erfüllt,
dass Trumps Ankündigungen einer außenpolitischen Wende für die USA sich nach der
Wahl als der übliche, zwecks Wahlkampf verlogen aufgebaute Schein entpuppen, dem
Wähler würden irgendwelche wirklichen Alternativen zur Entscheidung vorgelegt. Ihre
Erwartungen, die rechtsstaatlichen Institutionen, das demokratische Machtgeschacher
und überhaupt die realpolitischen Sachzwänge würden schon gründlich dafür sorgen,
dass in Amerika im Wesentlichen weiter so Politik gemacht wird, wie wir sie brauchen
und wollen, und nicht etwa so, wie man einer patriotisch aufgescheuchten Wählerschaft
sie als Forderung in den Mund gelegt hat, haben sich in Luft aufgelöst. Der Neue meint es
ernst, und er macht Ernst mit seinem Standpunkt „America first!“ [1]Endgültig durchge-
setzt hat sich diese Erkenntnis, als Trump offiziell erklärt hat, den Klimaschutz-Vertrag
von Paris zu kündigen.

1.

Die offizielle Absage der USA an den Pariser Vertrag [2] hat die ums Klima besorgten An-
hänger dieser diplomatischen Menschheitserrungenschaft schwer empört. Und wie es
sich gehört, ist die Verurteilung des amerikanischen Schritts als Verbrechen gegen das
Klima und die Menschheit nahtlos ergänzt worden um – je nachdem: ehrliche oder ge-
heuchelte – Sorgen dahingehend, dass Trump sein geliebtes Amerika samt dessen Son-
derrolle als Weltführungsmacht entscheidend und nachhaltig beschädigt, die Vertrauens-
würdigkeit und Verlässlichkeit amerikanischer Weltpolitik untergraben und die USA in
Richtung Isolation gelenkt habe. Vom Abkommen selbst, das auch von seinen Befürwor-
tern, gerade den ehrlichen Eisbär- und Maledivenfans, vorher als eher schaler Kompro-
miss, als keinesfalls ausreichender erster Schritt etc. besprochen wurde, ist dabei alles
Mangelhafte abgefallen, und übriggeblieben ist das über jede Kritik erhabene, erste große
Opfer des nationalistischen US-Führers.
a) Trump wiederum sieht die Opferrolle ganz bei Amerika; seine diversen Stellung-
nahmen malen diese nicht nur in der für ihn typischen Manier aus, sondern geben auf
diese Weise zugleich Auskunft darüber, von welchem Standpunkt aus er seine Anklagen
gegen den Vertrag von Paris erhebt und warum dieser Standpunkt vom Streit um ‚Fakten‘
und ‚alternative Fakten‘ nicht zu erschüttern ist.
Für Trump ist „Paris“ der prominenteste Fall, geradezu der Inbegriff dessen, was er
seinen diversen Vorgängern, insbesondere der Administration unter Obama als „bad
deals“ zur Last legt: Ausgangs- und Endpunkt aller seiner Anwürfe ist die feste Überzeu-
gung, dass dieser Vertrag – als Höhepunkt einer gänzlich verfehlten Umwelt- und Ener-
giepolitik – Millionen Arbeitsplätze vernichten würde, und die sind nun einmal das
Glück des Amerikaners und der eigentliche Reichtum Amerikas, überhaupt und im Be-
reich der Förderung von Energieträgern und der Energieerzeugung ganz besonders: De-
ren Arbeiter mit ihren schönen Knochenjobs „verkörpern das Können, die Entschlossen-
heit und den Mut, der schon immer die wahre Quelle der amerikanischen Stärke war.
Sie sind großartige Leute. Sie brechen durch Felswände, dringen in die Tiefen der Erde
und des Meeres, um die ganze Energie in unsere Häuser und die Wirtschaft und in un-
ser Leben zu bringen.“  [3] Vor allem verkörpern sie also die Einheit von privatem Lebens-
unterhalt der jobbenden Amerikaner und dem Dienst, den sie der Nation in Sachen Ver-
sorgung mit Energie als Grundlage für alle vorstellbaren privaten und geschäftlichen
Zwecke leisten. Insbesondere letztere würden an „Paris“ leiden, woraus sich überhaupt
der Zusammenhang zu den sagenhaften jobs ergibt: Die sollten ja bekanntlich nicht per
internationalem Vertrag abgeschafft werden, sondern würden – bei Wirksamwerden der
Pariser Bestimmungen – notgedrungen der Kalkulation der „Führer unserer großartigen
Energiekonzerne“ zum Opfer fallen. Denn diese Branche – „great industry“ – würde
durch die Exekution der Vertragsbestimmungen die ihr zustehenden Gewinne wegen un-
säglicher Konkurrenzverzerrungen an die eigentlich unterlegene, aber seit eh und je
schon unfairerweise bevorteilte Konkurrenz verlieren. Zu allen absurden und verbreche-
rischen selbstauferlegten Beschränkungen bei der Erschließung amerikanischer Energie-
ressourcen, die darum absurd sind, weil sie Beschränkungen sind, kämen neue hinzu, de-
nen Trump schlicht von den von ihm vorausgesagten Wirkungen her ansieht, dass die Be-
schädigung und Verhinderung gerechter amerikanischer Konkurrenzerfolge durch aus-
wärtige Staaten ihr eigentlicher Zweck ist. Und damit ist klar, was mit dem Pariser Ab-
kommen eigentlich auf dem Tisch liegt: die multinationale Aufforderung an die USA, sich
ausgerechnet im Bereich der Energieressourcen per Unterschrift ihrer Souveränität zu
begeben, sich mehr als bisher Fesseln bei der Ausbeutung des eigenen fossilen Reichtums
anzulegen, die jahrzehntelange Verwundbarkeit durch die Energieabhängigkeit von aus-
wärtigen Regimes fortzuschreiben und obendrein mit Milliarden Dollars des amerikani-
schen Steuerzahlers die Staaten zu unterstützen, die unter dem Firmenschild „Entwick-
lungsland“ firmieren, an der CO2-Front machen dürfen, was sie wollen und die Welt mit
den Energieträgern beliefern, die zu fördern und zu verkaufen den USA verboten wird –
und das alles unter dem Titel der „Klimarettung“, von der jeder und jedenfalls Trump
weiß, dass sie bloß ein Vorwand für eben diese Verschwörung gegen Amerika ist.
Schon aus diesen Beschimpfungen des Pariser Abkommens geht hervor, dass der von
Trump im Wahlkampf angekündigte und nun vollzogene Ausstieg aus dieser multinatio-
nalen Rettungsgroßtat für Klima und Menschheit nur ein Teil der von ihm projektierten
Energiewende ist, die ein entscheidender Schauplatz für sein „America first!“ werden
soll; passend dazu seine Pläne zur „Entfesselung der amerikanischen
Energieproduktion“.
b) Die versteht der amerikanische Präsident, wie überhaupt seine Präsidentschaft, als
Rückübereignung Amerikas an die Amerikaner: „Dieser unermessliche Energiereichtum
gehört nicht der Regierung. Er gehört dem Volk der Vereinigten Staaten von Amerika.“
Wie das fossile Volkseigentum dieser seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen sei, ist
für den Volkstribun Trump ebenso wenig eine Frage wie das operative ‚Wofür‘.
Erstens nämlich dadurch, dass er sich, stellvertretend für das Volk, ganz entschieden
auf den Standpunkt stellt, dass diese Ressourcen reichlich vorhanden sind und nur noch
darauf warten, ausgebeutet zu werden. Amerika ist riesig und groß und schön – und also
sind es auch die amerikanischen Energieträger: Von denen weiß Trump, dass sie allesamt
„unermesslich“ und „kolossal“ sind; die amerikanische Steinkohle verdient sich bei ihm
auch noch das Attribut „beautiful“ – wahrscheinlich weil die Demokratische Partei sei-
nem Wissen zufolge gegen sie einen „jahrelangen Krieg“ geführt hat. Aus der Perspektive
dieser fixen Idee, dass Amerika eigentlich allen Reichtum und alle – auch energetischen
– Reichtumsgrundlagen hat, um auf jedem Feld gegen jeden Konkurrenten zu bestehen,
nimmt sich das ewige Gerede von der Endlichkeit v.a. der fossilen Ressourcen aus wie
eine fixe Idee: Dass „die Energieressourcen zu knapp dafür wären, unser Volk zu versor-
gen“, ist Trumps national-geologischer Expertise gemäß „a beautiful myth“ – den das Es-
tablishment gepflegt hat, um mit diesem „fake“ seine regulatorischen Fesseln zu rechtfer-
tigen, mit denen es verhindert hat, dass tüchtige amerikanische Unternehmer ihre tüchti-
gen Arbeiter die aus Kohle, Öl, Uran ... gewonnene Energie dem amerikanischen Standort
und in diesem Zuge ihren Unternehmen wachsende Gewinne zukommen lassen.
Zweitens also heißt Wiederaneignung des nationalen Energiereichtums, alle gesetzli-
chen Regelungen für das profitträchtige Geschäft mit der Förderung und Verarbeitung
von Energieträgern abzuschaffen, in denen Trump nur Fesseln entdeckt. Das betrifft im
Prinzip alle Auflagen – sowohl diejenigen aus dem Geist eines falschen Umweltschutzes
als auch Beschränkungen für den Export von amerikanischen Energieträgern zwecks
Schonung der angeblich knappen Ressourcen; gelockerte oder gänzlich aufgehobene Re-
striktionen betreffen Öl- und Gasförderung, Kohleabbau, riesige Pipelineprojekte, eine
Initiative zur kompletten Neuausrichtung der Nuklearenergiepolitik, neue Exportlizen-
zen... Das alles zusammen verrät immerhin einiges über die wirklichen Dimensionen und
Erfolgskriterien von Trumps volksfreundlicher Energiepolitik: Als Grundlage und bedeu-
tenden Bestandteil seines Programms, den amerikanischen Industriestandort gegen alle
internationalen Konkurrenten wieder zur in Exportbilanzen und Arbeitsplätzen gemesse-
nen Substanz amerikanischer Einzigartigkeit in der Welt zu machen, verlangt Trump
nicht weniger als „Energieunabhängigkeit“. Den Konkurrenzkampf um nationales
Wachstum, den er dem Rest der Welt ansagt, hält er offensichtlich selbst für so unerbitt-
lich, die Freiheit, die er für das amerikanische Auftrumpfen gegen alle anderen verlangt,
fasst er so unbedingt, dass ihm die Perspektive, dabei auf Energieträger aus dem Ausland
angewiesen zu sein, schlicht unerträglich erscheint. Von daher kommen ihm die Jahr-
zehnte amerikanischer Bewirtschaftung des Weltenergiemarkts folgerichtig wie ein lan-
ger vergeblicher, wenn nicht sträflich unterlassener Kampf um die Unabhängigkeit von
diesem Markt vor. Die soll nun endlich erreicht werden. Und zwar in der einzig mögli-
chen Fassung: Die Gleichung zwischen nationalem Nutzen Amerikas und den kapitalisti-
schen Profiten, die amerikanische Unternehmen nicht nur besser als alle anderen in der
Welt, sondern darum vor allem auch am Rest der Welt verdienen, gilt programmgemäß
auch und erst recht im Energiesektor.
Drittens heißt die Rückeroberung der freien Verfügung über amerikanischen Ener-
giereichtum fürs amerikanische Volk also „nicht nur amerikanische Energieunabhängig-
keit, nach der wir uns so lange sehnten, sondern amerikanische Energiedominanz“.
Auch auf diesem Feld der kapitalistischen Produktion von und Konkurrenz mit stoffli-
chem Reichtum will Trump keine Abkehr von der ‚Einbindung‘ des amerikanischen
Standorts in den Weltmarkt, sondern die Neueroberung des Weltmarkts vom US-Stand-
ort aus. Dafür setzt er seiner Nation zur Aufgabe und kündigt er dem Rest der Welt an,
dass die USA sich unter seiner Führung nicht einfach um ein paar mehr Anteile des auf
dem Weltenergiemarkt zu verdienenden Geldreichtums bemühen, sondern dass sie ab
sofort in neuer Weise als der Macher dieses Marktes auftreten werden. „Wir werden die
amerikanische Energie in die ganze Welt, rund um den Globus exportieren“ – und wenn
diese Welt mit ihrem verfallenden Ölpreis, mit dem subventionierten Verdrängungswett-
bewerb auf dem Kohlesektor, gewissen ruinösen Formen der Konkurrenz im Bereich der
Produktion von erneuerbaren Energien samt den dazu gehörenden Phänomenen der
‚Marktbereinigung‘ bei den Herstellern von Solarpaneelen und Windkrafträdern ... dar-
auf nicht gerade noch gewartet hat, so heißt das für Trumps Pläne nur eines: Amerika
muss seine überragende Macht dafür einsetzen, den Weltenergiemarkt so umzukrem-
peln, wie es nötig ist. Es muss und wird also vor allem den staatlichen Agenten der globa-
lisierten Energieproduktion und -vermarktung beibringen, dass Weltenergiemarkt ab so-
fort heißt, dass der komplett von dem durch Trump vertretenen amerikanischen An-
spruch her gestaltet wird – was die Energieträger, die Energielieferanten, die Lieferwege
und die Abnehmer anbelangt. Wie sehr Trump seine Pläne selber als Kampfprogramm
versteht, hat er unter anderem an der von ihm genehmigten Pipeline nach Mexiko deut-
lich gemacht, „die die amerikanischen Energieexporte noch weiter steigern und dabei
direkt unter der Mauer verlaufen wird“. Pipeline und Mauer – das sind für ihn die kei-
ner Beschönigung bedürfenden beiden Seiten amerikanischer Dominanz gegenüber ei-
nem unterlegenen Konkurrenten, der sich von den USA diktieren zu lassen hat, was die
fairen Mittel und Bedingungen der Konkurrenz sind, die Amerika fairerweise, nämlich
durch die an nichts relativierte Ausnutzung seiner ganzen Überlegenheit, gewinnt.
Dass nicht nur so, sondern genauso andersherum die Energiefrage eine Frage der na-
tionalen Stärke ist, weiß Trump natürlich ebenso. Für Amerika sowieso, aber auch für alle
anderen Staaten kennt der Weltpolitiker Trump nicht nur die Stärke der Nation als Mittel
der Durchsetzung auf dem entscheidenden Feld des Geschäfts mit Öl, Gas, Kohle etc.,
sondern umgekehrt Energie als eine entscheidende Grundlage nationaler Stärke – also
als Waffe. Viertens verkündet er darum den gezielten Einsatz der anvisierten neuartigen
„Energiedominanz“ der USA als Mittel für die Auseinandersetzungen, die seine Nation
jetzt oder in Zukunft auszutragen hat und an denen sich die Welt in Freunde, Partner, Al-
liierte und die vielen anderen zerlegt: „Diese Energieexporte werden ... unseren Freun-
den, Partnern und Alliierten rund um den Globus echte Energiesicherheit bringen.“
*
So schlau und patriotisch waren die amerikanischen Präsidenten der letzten vier bis sie-
ben Jahrzehnte allerdings auch. Und so mag zwar Trump am Weltmarkt für Energie mit
seinen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, den er vorfindet, nur die empörende
ökonomische Benachteiligung amerikanischer Konzerne und die erschreckende strategi-
sche Verwundbarkeit der von auswärtiger Energie abhängigen amerikanischen Macht als
Werk selbstvergessener US-Regierungen und fieser Konkurrenten und Feinde erkennen
– die Wahrheit über dieses entscheidende Feld globalisierter Ökonomie und moderner
Völkerfreundschaft ist das nicht: Noch keine amerikanische Administration hat es ver-
säumt, sich mit der überlegenen Macht von US-Dollar und US-Militär auf diesem Feld
global um den ökonomischen Nutzen der USA und die strategische Absicherung seiner
Bedingungen zu kümmern. Trumps Energie-Aufbruchsprogramm richtet sich in der Sa-
che gegen das so elaborierte wie widersprüchliche Produkt dieser jahrzehntelangen Poli-
tik. Das verleiht ihm – noch vor allen Erfolgs- oder Misserfolgsmeldungen bei der Umset-
zung – seine imperialistische Bedeutung.

2.

a) Trumps dramatisch negative Beschwörungen misslungener amerikanischer Energie-


politik vergangener Jahrzehnte wie seine euphorischen Beschwörungen für die amerika-
nische Energie-Zukunft unter seiner Herrschaft – „Die goldene Ära der amerikanischen
Energie hat nun begonnen. Und ich gehe noch weiter. Die goldene Ära Amerikas hat
nun begonnen.“ – haben ihren sachlichen Kern in der tatsächlich besonderen Rolle der
Ware Energie für den amerikanischen – wie für jeden anderen nationalen – Kapitalis-
mus. Ohne künstlich verfügbar gemachte Energie läuft nichts in den industriell wirt-
schaftenden Gesellschaften: Weder die auf wachsenden Output ausgelegten Produktions-
einrichtungen, noch die auf 24/7-Betrieb getrimmten Dienstleistungsbranchen, noch das
moderne Privatleben oder die modernen Staatsmächte selber mit ihren riesigen Appara-
ten funktionieren ohne diese physische Grundlage, die darum immer bereitgestellt sein
will. Wobei die durch nichts zu ersetzende technische Rolle der Energie für den materiel-
len Lebensprozess überhaupt nichts daran ändert, dass ‚Bereitstellung‘ auch bei dieser
Ware bedeutet, dass sie den an ihr warum auch immer Interessierten verkauft wird, und
zwar zu einem Preis, der sich für die Hersteller und Verkäufer lohnt. Diese Doppelrolle
der Energie, allgemeine Lebens- und Geschäftsbedingung und darin zugleich das Ge-
schäftsmittel der Energieanbieter zu sein, macht sich nationalökonomisch so geltend,
dass der Preis dieser Ware in den jeder anderen Ware und Dienstleistung eingeht; er be-
stimmt (mit) über die nötigen Kapitalgrößen fürs Produzieren, Transportieren, Kommu-
nizieren, über die auf diesen Feldern zu erzielenden Profitraten, die internen wie die zwi-
schennationalen Zahlungsströme und -bilanzen und ist damit ein wesentliches Bestim-
mungsmoment für die Wettbewerbsfähigkeit des nationalen Standorts.
Für jeden interessierten staatlichen Hüter stellt sich daher die Aufgabe, diesen Wider-
spruch standortdienlich zu dirigieren, also die Versorgung mit dem Stoff Energie in die-
ser Doppelrolle als allgemeine Geschäftsbedingung und lohnende Geschäftssphäre zu or-
ganisieren: Kein Geschäft soll am Versorgungsmangel oder unbezahlbaren Preisen lei-
den, also muss Energie sicher, reichlich, wachsend und zu einem Preis her, der das alles
insgesamt lohnend macht und für die Energieproduzenten zugleich lohnend ist. Also hat
jeder moderne Staat sein Energieministerium, das Förderung, Transport, Verarbeitung
der Primärenergieträger dirigiert; jede kapitalistische Nation hat in der nationalen Ener-
gieproduktion eine nationale Schlüsselindustrie, die staatlich umsorgt, mitunter gleich
staatlich betrieben wird; der Anteil dieser Branche an der Verpestung, Verstrahlung oder
den sonstigen Formen der Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen und dem Verschleiß
der arbeitenden Leute gehört in jeder dieser Nationen zu den Unkosten des zivilisatori-
schen Fortschritts. Und doch hat das alles, bloß wegen gewisser erdgeschichtlicher Unge-
rechtigkeiten, nie gereicht: Die natürliche Ausstattung der nationalen Standorte mit tech-
nisch nutzbaren Primärenergieträgern hat schlicht nichts mit ihrem kapitalistischen
Wachstumsbedarf zu tun, und so haben sich gerade die kapitalistisch am meisten entwi-
ckelten Standorte seit jeher darum bemüht, ihrem nationalen Unternehmertum auch die
Energieträger zugänglich zu machen, die außerhalb des eigenen Territoriums, also inner-
halb des Territoriums fremder Souveräne, ihrer nationalökonomischen Bestimmung har-
ren.[4]
b) Energiepolitik ist daher für moderne kapitalistische Staaten immer auch Außenpo-
litik; bzw. umgekehrt: Neuzeitliche Außenpolitiker haben im prinzipiell schrankenlosen
Energiebedarf ihrer Nationen, in der Prospektion und Herrichtung der Welt für diesen
Bedarf einen wichtigen Punkt ihrer internationalen Agenda. Auch dafür hat die kapitalis-
tische Weltmacht USA Maßstäbe gesetzt.
Die von den USA betriebene Herrichtung des Globus zur frei zugänglichen Verfü-
gungsmasse des Kapitals hat die Abteilung Energie ihrem besonderen Stellenwert ent-
sprechend von Anfang an eingeschlossen. In der periodisch bejammerten und nun von
Trump endgültig für untragbar erklärten Abhängigkeit von ausländischen Energieträ-
gern, insbesondere von Öl und Gas, haben sich die USA nämlich nicht einfach irgend-
wann befunden, sie haben sie hergestellt und ausgestaltet. Und zwar gemäß der Logik,
nach der sie überhaupt ihren Nutzen als Prinzip verankert haben, nach dem der Rest der
von ihnen dominierten Freien Welt zu funktionieren hat: Amerika hat sich darum ge-
kümmert, dass die Energieressourcen als verkäufliches Gut auf einem Weltenergiemarkt
denen zur Verfügung stehen, die dafür zahlen, weil sie damit etwas kapitalistisch Nützli-
ches anfangen können – unter der Prämisse, dass amerikanische Energiekonzerne und
damit der Rest des nationalen Standorts davon vor allen anderen profitieren und so den
nationalen amerikanischen Ertrag einspielen, auf den es ankommt. Ihre Gewalt haben
die USA nicht für das eine oder andere Öl- oder Gasfeld, hier eine Kohlegrube oder dort
eine Uranerzmine eingesetzt, sondern dafür, dass alle national souveränen Herren dar-
über sich in die Einsicht fügen, dass ihr Nutzen aus diesen feinen Sachen darin besteht,
sie gegen gutes Geld den kapitalistischen Nachfragern zu verkaufen. Unter dieser ent-
scheidenden Auflage durften sie sich darum bemühen, daraus die ökonomischen Mittel
ihrer staatlichen Macht zu gewinnen. Und das ging immerhin so weit, dass die USA auch
die Nationalisierung westlicher Besitztümer an Ölfeldern und Förderanlagen hingenom-
men haben, sofern sichergestellt war, dass etwas anderes als eine Umverteilung der Öl-
rente zugunsten von arabischen Scheichs, Königen oder Militärdiktatoren daraus nicht
folgen würde. Dafür haben sie nicht zuletzt auch dadurch gesorgt, dass diese Ölsouveräne
sich mit den verdienten Petrodollars bei ihren Rüstungs-, Bau- und sonstigen Unterneh-
men mit all dem eindecken konnten, was sie an Mitteln zur Sicherung und standesgemä-
ßen Repräsentation ihrer für den amerikanischen Bedarf so nützlichen Souveränität
brauchten. Letzter historischer Höhepunkt dieser Praxis der USA, nicht nur einzelne
Staaten, sondern ganze Staatenregionen in ihre Rolle innerhalb des globalen Geschäfts
mit der Energie für die kapitalistischen Metropolen einzuweisen und darin anzuerken-
nen, war der amerikanische Umgang mit der Erbmasse der UdSSR.[5] Sowohl der russi-
sche Rumpf als auch die ölreichen zentralasiatischen Glieder des kaputten sowjetischen
Ex-Feindes sind von den USA so angegangen worden, dass die ihre Beteiligung am nun-
mehr komplett globalen Kapitalismus im Wesentlichen als Öl- und Gasausstatter oder –
je nachdem – auch nur als -transporteure zu begreifen haben, die ihre Territorien westli-
chen, also insbesondere amerikanischen Konzernen zur Prospektion und Ausbeutung
feilbieten. Lehrbuchmäßig haben amerikanische Politiker daraus ganz viel Kontroll- und
strategischen Eingriffsbedarf entwickelt, damit die verlangte Selbstdefinition dieser neu-
en Liefer- und Transitländer als unbedingt auf Dollar angewiesene Anhängsel des ferti-
gen Weltmarkts nicht unter irgendwelchen nationalen Ambitionen leidet, die mit dieser
Rolle nicht vereinbar sind.
Dieses imperialistische Prinzip, sich als Garantiemacht der Ordnung des Weltmarktes
aufzuführen, um den als überlegener Konkurrent auszunutzen, haben die USA so konse-
quent verfolgt, dass sie neben dem globalen Energieangebot auch den Energiebedarf der
auf den Weltmarkt als alternativloses nationales Lebensmittel verpflichteten Staaten an-
erkannt und zum Objekt ihrer Begutachtung und Betreuung gemacht haben. Ganz grund-
sätzlich dadurch, dass die Verpflichtung der über die maßgeblichen ‚natürlichen Energie-
ressourcen‘ verfügenden Souveräne auf Öffnung für ausländischen Zugriff ja tatsächlich
nicht auf exklusiven amerikanischen Zugriff gerichtet war, sondern jeden zahlungsfähi-
gen bzw. investitionsstarken Interessenten beteiligen sollte – mit der selbstverständli-
chen Unterstellung, dass die einschlägigen amerikanischen Öl- und sonstigen Energie-
konzerne auf der Angebotsseite und der gigantische amerikanische Standort auf der
Nachfrageseite als die fraglos dominierenden Akteure diesen Markt im Sinne ihrer dauer-
haften Überlegenheit ausnutzen und gestalten. Ihre westlichen Partner – auf dem Felde
der ökonomischen Ausnutzung des Weltmarkts immerhin die schärfsten Konkurrenten –
haben sie zugleich zu Alliierten in der strategischen Kontrolle der Welt und ihrer Ener-
gieressourcen, als kollektivem Besitzstand ‚des Westens‘, gemacht; die von der Weltbank
und anderen Institutionen betreuten ‚Entwicklungsländer‘ durften sich so manchen groß-
zügig finanzierten Staudamm- oder Kraftwerksprojekts erfreuen. Und der unter den gro-
ßen und weniger großen Nationen der Welt weit verbreitete Hang zur Beschaffung nu-
klearer Potenzen ist im „Vertrag über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen“ (NPT)
ganz offiziell in einen zu ächtenden militärischen Bedarf und eine ausdrücklich erlaubte
zivile Komponente geschieden worden, zu deren geregelter und überwachter Entwicklung
es auch eine eigene internationale Atomenergiebehörde, Nuklearenergiegipfel usw. gab
und weiterhin gibt.
Die USA beanspruchten und praktizierten also auf beiden Seiten des globalen Energie-
marktes nicht ein Monopol, sondern waren in jeder Hinsicht, als Anbieter, Nachfrager,
Organisator und Garant, das bestimmende Subjekt dieses entscheidenden strategischen
Marktes.
Zur Zufriedenheit der USA hat diese Energieabteilung ihrer Weltmarktordnung nie
einfach so und seit geraumer Zeit immer weniger funktioniert. In den arabischen Ölstaa-
ten ist zwar die Idee einer mit Petrodollars bezahlten, irgendwie anti-imperialistischen,
volksfreundlich-sozialistischen Staatsmacht ausgestorben, und die nicht von selbst außer
Verkehr gezogenen Projekte nationaler Emanzipation haben die USA bei passender Gele-
genheit auch per Krieg gegen den Irak und Libyen selber zerstört; aber an ihre Stelle ge-
treten sind staatlicher Zerfall bei den einen, ein bedenklicher Ehrgeiz, etwas anderes und
besseres als Ölquelle mit viel oder wenig Volk zu werden, bei den anderen; die persischen
Amerikafeinde bestehen derweil auf ihrer Autonomie in Sachen Nuklearenergie; Russ-
land finanziert seine erneuerte strategische Konkurrenz gegen Amerika und seine westli-
chen Partner vor allem mit seinen Öl- und Gasexporten; und die kapitalistischen Konkur-
renten in Europa, inzwischen auch in Asien, suchen nach Wegen und Mitteln, ihre Ab-
hängigkeit von der amerikanischen Garantiemacht für die Freiheit und Verlässlichkeit
der globalen Energieströme zu relativieren – zum einen mit ausdrücklich gegen die ame-
rikanische ‚Unipolarität‘ gerichteten alternativen Energieallianzen, zum anderen aber mit
Initiativen, nationalen Energiewenden etc., die perspektivisch die Notwendigkeit des Zu-
griffs auf auswärtige Energieträger durch Technologien der Nutzbarmachung unbegrenzt
und frei zur Verfügung stehender Energieformen wie Sonnenstrahlung, Wind etc. erset-
zen sollen.
Gerade in Bezug auf diese letztgenannten Versuche konkurrierender kapitalistischer
Standorte, den überkommenen, überwiegend fossilen Weltenergiemarkt und die mit die-
sem verbundenen Statuszuweisungen und Abhängigkeiten zu überwinden, haben die
USA unter Obama noch einmal den Versuch unternommen, ihren Anspruch auf die Posi-
tion des überlegenen Profiteurs eines Weltenergiemarkts, in dem sie zugleich die ent-
scheidende Rolle als Regelsetzer und Ordnungsmacht spielen, zu erneuern. Auf das unter
dem moralischen Ehrentitel der Klimarettung verhandelte Machwerk von Paris haben sie
sich nicht einfach einlassen, sondern ihm den amerikanischen Stempel aufdrücken, also
der Konkurrenz der Nationen um profitable Energieproduktion ihre Bedingungen setzen
wollen: die von allen anzuerkennenden Rahmenbedingungen für den Wettbewerb dar-
um, welche Nationen die technologische Führungsrolle bei den ‚Energien der Zukunft‘
erobern und die entsprechenden ‚Zukunftsmärkte‘ für sich besetzen und profitabel aus-
nutzen können. Obama hat sich, ganz in der Logik der jahrzehntelang gepflegten ameri-
kanischen Paten- und Gewinnerrolle, auf den Standpunkt gestellt, dass Amerika diesen
‚Trend‘ weder verhindern kann noch soll, sondern ausnutzen muss, indem es sich an des-
sen Spitze stellt, ihm die entscheidenden regulatorischen Vorgaben verpasst, um dann
mit der ganzen Überlegenheit amerikanischer Technologie und amerikanischen Kredits
diese neue Konkurrenz zu gewinnen.
c) Diese ganze Art, Weltpolitik und eben auch Weltenergiepolitik zu machen, räumt
Trump jetzt ab. Den für die USA tatsächlich widersprüchlichen Resultaten von sieben
Jahrzehnten strategischer Weltenergiepolitik entnimmt er die Notwendigkeit, jede Rück-
sicht auf die konzedierten Interessen und existenziellen Abhängigkeiten anderer fahren
zu lassen und die Welt nicht auf ein übergeordnetes Prinzip samt untergeordneten Re-
geln, sondern unmittelbar auf amerikanisches Interesse zu verpflichten. Unter seiner
Führung werden die USA nicht mehr positiv an den Energiebedarfslagen von anderen
Staaten anknüpfen, die sie denen konzediert und mit Regeln und Bedingungen versehen
haben, sondern Trump hat vor, den Energiebedarf der Welt zu okkupieren: ihn einseitig
auf die USA und ihr Interesse auszurichten, so wie er es definiert: der Welt die amerika-
nischen Energieträger aufs Auge zu drücken. Wo dem bestehende Lieferbeziehungen
oder gar strategische Energieallianzen im Wege stehen, stehen die damit auf der Ab-
schussliste: als Verbrechen gegen das Menschenrecht auf amerikanisches Schiefergas
oder schöne amerikanische Kohle. Und das gilt naturgemäß vor allem da, wo Trumps
Amerika generell zu dem Befund anti-amerikanischen Konkurrenzgebarens gekommen
ist, das es nicht mehr aushalten will, also beenden wird. Einen von dem so verfassten In-
teresse an der Welt und ihren Energiefragen getrennten, höheren Gesichtspunkt des
Funktionierens der globalen Energieflüsse, um das es sich kümmern müsste, kennt Ame-
rika unter Trump nicht mehr. Das zeigt sich nicht zuletzt am Umgang der neuen US-Ad-
ministration mit dem Konflikt zwischen dem größten Öllieferanten der Welt Saudi-Arabi-
en und dem weltgrößten Lieferanten von verflüssigtem Erdgas (liquefied natural gas –
LNG) Qatar: Noch unter Obama – als die USA schon längst nicht mehr von arabischem
Öl und Gas abhängig waren – ist die Golfregion nicht zuletzt mit dem Verweis auf ihre
bleibende Bedeutung für die ‚Energieversorgung der Welt‘ für wichtig erklärt und ihre
‚Stabilität‘ als strategisches Anliegen Amerikas behandelt worden. Unter Trump definiert
die US-Administration den bis an den Rand gewalttätiger Auseinandersetzungen gerate-
nen Konflikt zwischen den beiden Petro-Monarchien nur sehr bedingt als Problem, das
Amerika mit den beiden aneinander geratenen, ambitionierten Mächten hat, die ja über
ihre Rolle für den Öl- bzw. Gasmarkt hinaus auch als militärisch-strategische Verbündete
Amerikas von Bedeutung sind. Dass Saudi-Arabien ein regional-strategisch bedeutender
Posten im ‚Kampf gegen den Terrorismus‘ und – was für Trump dasselbe ist – gegen den
Iran ist, dass Qatar den Stützpunkt der amerikanischen Flotte im Persischen Golf beher-
bergt, das ist der amerikanischen Politik keinen auf diese strategische Bedeutung hin an-
gelegten Einspruch wert, der wirklich machtvoll auf Beendigung des Zwists abzielt, son-
dern lediglich eine nicht sehr eindeutige Beschwichtigungs-Diplomatie. Und die wird –
was die zuständigen Regierungsvertreter auch genüsslich breittreten – davon begleitet,
dass amerikanische Anbieter von LNG die Lieferungen, auch in den Mittleren Osten
selbst, ersetzen, zu denen Qatar wegen der Blockade seitens der anderen arabischen Golf-
monarchien nun nicht mehr in der Lage ist. Auch sonst stellt sich Amerika nun zu inter-
nationalen Gegensätzen und Konflikten weniger als Ordnungsfällen, die es unbedingt
von oben herab zu administrieren hat, denn als Gelegenheiten, die es auszunutzen gilt:
Jede Unzufriedenheit, erst recht jede akute Notlage an der Energiefront, benutzen die
USA dafür, sich als Alternative ins Spiel zu bringen, die nicht nur besser, sondern unab-
weisbar ist. Weltenergiemarkt – das ist für die neue Linie Amerikas nicht mehr und nicht
weniger als die Summe von einseitig auf die USA ausgerichteten, für diese unbedingt pro-
fitablen, für die jeweils anderen möglichst alternativlosen Energie-Deals, mit denen sich
die „Freunde, Partner und Alliierten“ dann auch in, je nach amerikanischem Bedarf aus-
nutzbare, weitergehende strategische Abhängigkeitsverhältnisse verstricken lassen.
Ein Musterfall der besonders drastischen Art ist das EU-Mitglied Polen, das der US-
Präsident unmittelbar vor dem Hamburger G20-Gipfel mit einem Staatsbesuch in War-
schau und einem Auftritt vor dem Gipfel der dort zum Trump-Empfang versammelten
mittel-osteuropäischen Staats- und Regierungschefs beehrt.

[1] Dazu, wie sich dieser Standpunkt von Trump im Verhältnis nach innen, also zu dem ameri-
kanischen Volk, sowie nach außen buchstabiert, siehe auch die vorige Ausgabe dieser
Zeitschrift.
[2] Zu den Errungenschaften dieser klimarettenden Vereinbarung steht das Nötige in dem Arti-
kel ‚Historisches Agreement‘ auf der Pariser Weltklimakonferenz: Die Konkurrenz um das
wachsende Geschäft mit alternativen Energiequellen muss unvermindert weitergehen – das
schuldet die Völkergemeinschaft der Rettung des Weltklimas, GEGENSTANDPUNKT 1-16, sowie
zum Thema internationale Energiekonkurrenz und Klimapolitik in den Aufsätzen: Weltkli-
magipfel ‚gescheitert‘: Der Kampf der Nationen um die globale Energiewende, ihre Erträge
und ihre Geschäftsordnung wird grundsätzlich, Heft 1-10 und Nationale Energiewende mit
globaler Perspektive: Imperialistische Konkurrenz um die lohnende Rettung des Weltklimas,
Heft 1-14.
[3] Dieses und die weiteren Zitate: Remarks by President Trump at the Unleashing American
Energy Event, 29.6.17, vollständig nachzulesen unter www.whitehouse.gov
[4] Ein Grundsatzartikel Zur politischen Ökonomie des Erdöls: Ein strategisches Gut und sein
Preis findet sich in der Ausgabe 1-01 dieser Zeitschrift; zur Energiepolitik Amerikas siehe
auch: Fracking in den USA: Eine Studie über das innige Verhältnis von Geschäft und Gewalt
– made in the USA in Heft 4-15.
[5] Dazu exemplarisch: Wem gehört das Kaspische Öl? Der Imperialismus mischt eine Region
neu auf, GEGENSTANDPUNKT 3-2000

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