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Materialien zu unseren Lehrwerken Deutsch als Fremdsprache"


Band B1, Station 1

Das Runde muss ins Eckige – Fußball in Deutschland


Fußball ist die in Deutschland mit Abstand
beliebteste Sportart. Fast 7 Millionen Menschen sind
Mitglied in einem der über 27.000 Fußballvereine.
Organisiert sind sie im DFB (Deutscher Fußball
Bund), dem welt-größten Fußballverband. Weitere
4 Millionen Sportler „kicken“ in Freizeit – bzw.
Hobbymannschaften.

In Deutschland besteht ein Ligasystem, an dessen


Spitze die 1. Bundesliga steht. In der Bundesliga
wird der Deutsche Meister aus 18 Vereinen
ermittelt. Parallel dazu gibt es den DFB-Pokal
(= ein Turnier für alle Vereine). Der große Reiz bei
diesem Turnier besteht darin, dass Amateure gegen
die großen Profiklubs antreten dürfen. Nicht selten
können dabei die „Kleinen“ die „Großen“ aus dem
Turnier werfen.

In den 1970er Jahren machten vor allem zwei Mann-


schaften die deutsche Meisterschaft mit je fünf
Titeln unter sich aus und wurden mit ihren Stars
© 2014 Cornelsen Schulverlag, Berlin.

welt-bekannt: Borussia Mönchengladbach mit


Alle Rechte vorbehalten.

Günter Netzer, Berti Vogts, Rainer Bonhof und


Jupp Heynckes sowie der FC Bayern München
mit Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Gerd Müller
und Sepp Maier.

Zwar kam der Fußball schon 1873 von den britischen


Inseln nach Deutschland, den Durchbruch dieses
Sports allerdings schaffte 1954 „Das Wunder von
Bern“. Der völlig überraschende erste Weltmeister-
titel für das kriegsgebeutelte Deutschland entfachte
eine nie dagewesene Euphorie und war sogar die
Basis für das darauffolgende deutsche Wirtschafts-
wunder. Die Helden von Bern, wie die Mannschaft
um Trainerikone Sepp Herberger und seinem
Kapitän Fritz Walter bis heute genannt wird, rissen
ein ganzes Volk aus ihrer Kriegsschuldrolle. Der
Fußball hat Deutschland damals wieder zu einer
selbstbewussten, friedlichen Gesellschaft werden
lassen.
Diese Geschichte von Nachkriegsdeutschland
wurde 2003 von dem Regisseur Sönke Wortmann
sehr authentisch im gleichnamigen Kinofilm „Das
Wunder von Bern“ in Szene gesetzt. Bis heute ist
der WM-Titel von 1954 das Ereignis, das sowohl
den Fußball und gleichsam die Entwicklung der
Gesellschaft in Deutschland maßgeblich geprägt hat.

Autor: Joachim Radünz Fotos: oben Shutterstock/360b – Seite 1 von 2


unten imago/Sportfoto Rudel
www.cornelsen.de/daf
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Band B1, Station 1

Überhaupt ist der deutsche Fußball voll von kuriosen


Ereignissen, Zufällen und wunderbaren Geschichten. Beim
zweiten Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft
1974 im eigenen Lande war Deutschland geteilt. Es gab im
Westen die demokratische BRD (Bundesrepublik Deutschland)
und im Osten, auf der anderen Seite der Mauer, die sozialistische
DDR (Deutsche Demokratische Republik). Beide Ländermann-
schaften hatten sich für die WM in West-Deutschland
qualifiziert. Noch nie konnte eine DDR Mannschaft gegen die
BRD gewinnen. Ausgerechnet bei dieser WM im eigenen Land
trafen beide Mannschaften in der Vorrunde aufeinander. Völlig
überraschend besiegte die DDR den späteren Weltmeister um
den Kapitän und Weltfußballer Franz Beckenbauer mit 1:0. Der
damalige Torschütze Jürgen Sparwasser ist bis heute, auch im
wiedervereinigten Deutschland, eine Legende. Diese Partie und
insbesondere dieser Sieg euphorisierte wiederrum eine Nation,
die eingesperrt durch Mauern und Zäune, zuschauen musste wie
es dem Westen besser ging.
Mit dem Tor von Sparwasser hatten die Menschen der DDR
einen ebenbürtigen, eigenen Helden.

In dem dritten WM-Titel für Deutschland 1990


in Italien machte sich erstmals die überaus
© 2014 Cornelsen Schulverlag, Berlin.

professionelle und akribische Jugendarbeit in


Deutschland bemerkbar. Fast alle Spieler der
Alle Rechte vorbehalten.

WM-Mannschaft um Kapitän Lothar Matthäus


durchliefen sämtliche Jugendmannschaften
des DFBs. Und zum ersten Mal gewann einer
seinen zweiten WM-Titel: der Trainer und
Deutschlands bester Fußballer aller Zeiten:
Franz Beckenbauer.
24 Jahre später war es dann wieder soweit und
die deutsche Nationalmannschaft wurde in
Brasilien in einem spektakulären Turnier zum
vierten Mal Weltmeister und sicherte sich damit
den vierten Stern auf den Trikots.

Erst in den letzten Jahren wurde auch der


Frauenfußball in Deutschland eine der am
schnellsten wachsenden Sportarten. Nicht zuletzt
dank der Erfolge der Nationalmannschaft und der
Vereinsmannschaften hat er sich von einer
belächelten Randsportart zu einem gesellschaftlich
akzeptierten Sport entwickelt.

Autor: Joachim Radünz Fotos: 1. v. o. Shutterstock/Jefferson Seite 2 von 2


Bernado – 2. v. o. Shutterstock/360B –
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