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Lösungshinweise zur Strafvollstreckungsklausur vom 04.04.

2017

Teil I:

Vorüberlegungen:
 Rechtskraft tritt am 12.09.2014 ein (§§ 314, 341, 41 StPO)
 U-Haft, § 39 I,IV StVollstrO:
02.02.2014 - 03.02-2014 < 24 Stunden = 1 Tag
08.04.2014 - 08.07.2014 = 92 Tage
20.08.2014 - 11.09.2014 = 23 Tage
116 Tage

Berechnung der Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr 7 Monaten:

12.09.2014 TB §§ 38 Nr. 3, 37 II 2 StVollstrO


+ 1 Jahr § 37 VStVollstrO
_________
12.09.2014 TB
+ 7 Monate § 37V StVollstrO
_________
12.04.2016 TB
11.04.2016 TE § 37 II 3 StVollstrO

- 116 Tage Untersuchungshaft, § 39 I, IV StVollstrO


(s.o.)
__________
17.12.2015 TE

Unterbrechung am 10.10.2006

Strafrest: 11.10.2014 TB - 17.12.2015 TE = 433 Tage

Wiederbeginn:

23.10.2014 TB §§ 40 II StVollstO analog, 37 II 2 StVollstO


+ 433 Tage
___________
29.12.2015 TE

Die Berechnung zum 1/2-Termin ist nicht erforderlich, da Peter Müller kein
Erstverbüßer im Sinne von § 57 Abs. 2 StGB ist.

2/3-Berechnung: 1/3 von 1 Jahr = 4 Monate;


1/3 von 7 Monaten = 2 Monate 10 Tage
-2-

29.12.2015 TE
- 10 Tage
____________
19.12.2015 TE
- 6 Monate
____________
19.06.2015 TE

Unterbrechung der Strafe durch Aussetzung nach 2/3:

Strafrest: 20.06.2015 - 29.12.2015= 193 Tage

Wiederbeginn nach Widerruf der Strafaussetzung:

12.06.2016 TB §§ 38 Nr. 2, 37 II 2 StVollStrO


+193 Tage
____________
21.12.2016 TE

Eine Unterbrechung gem § 454 b StPO kommt nicht in Betracht, da es sich um einen
widerrufenen Strafrest handelt. (Vgl. § 454 b Abs. 2 S. 2 StPO)

Berechnung der Anschlussstrafe von 2 Monaten:

22.12.2016 TB §§ 454 b I StPO, 43 Abs. 1, 2, 3 StVollStrO


+ 2 Monate
____________
22.02.2017 TB
21.02.2017 TE

Berechnung der Anschlussstrafe von 7 Monaten 2 Wochen:

22.02.2017 TB §§ 454 b I StPO, 43 Abs. 1, 2, 3 StVollstrO


+ 7 Monate § 37 V StVollstrO
____________
22.09.2017 TB
+ 14 Tage
____________
05.10.2017 TE

Die StVK hat gem. § 57 I StGB zum 2/3-Termin der Anschlussstrafe von 7 Monaten 2
Wochen über die Aussetzung des Restdrittels zu entscheiden.
Eine Unterbrechung der Freiheitsstrafe von 2 Monaten oder eine Aussetzung kommt
nicht in Betracht, da die Strafe 2 Monate nicht übersteigt, vgl. §§ 454 b II StPO, 57 I
StGB.
-3-

Berechnung des 2/3- Termins der Anschlussstrafe von 7 Monaten 2 Wochen

1/3 von 7 Monnaten = 2 Monate 10 Tage


1/3 von 14 Tagen = 5 Tage

insgesamt: 2 Monate 15 Tage

05.10.2017 TE
- 15 Tage
____________
20.09.2017 TE
- 2 Monate
____________
20.07.2017 TE = 2/3 -Termin

Teil II:

Berechnung der Gesamtfreiheitsstrafe:

12.09.2014 TB §§ 38 Nr. 3, 41 Abs. 1 S. 1 StVollStrO


+ 2 Jahre
____________
12.09.2016 TB
+ 2 Monate
____________
12.11.2016 TB
11.11.2016 TE
- 116 Tage U-Haft (s.o.)
- 4 Tage 60,00 EUR / 15,00 EUR = 4 Tage gezahlte Geldstrafe,
§ 51 Abs. 2 , 4 StGB
_____________
14.07.2016 TE

1. Unterbrechung der einbezogenen Sache am 10.10.2016 (s.o.)

Strafrest: 11.10.2014 TB - 14.07.2016 TE= 643 Tage

1. Wiederbeginn:

23.10.2006 TB §§ 40 Abs. 2 analog, 37 Abs. 2 S.2 StVollstrO


+ 643 Tage
____________
26.07.2016 TE

2. Unterbrechung infolge der Aussetzung der Vollstreckung der Reststrafe zur


Bewährung (s.o.)

Strafrest: 20.06.2015 TB - 26.07.2016 TE = 403 Tage


-4-

2. Wiederbeginn:

12.06.2016 TB §§ 38 Nr. 2, 37 Abs. 2 S.2 StVollStrO


+ 403 Tage
__________
19.07.2017 TE

3. Unterbrechung infolge der Nichteinbeziehung der Freiheitsstrafe von 2 Monaten,


deren Vollstreckung bei Eingang des Aufnahmeersuchens bzgl. der
Gesamtfreiheitsstrafe bereits beendet war.

22.12.2016 TB - 19.07.2017 TE = 210 Tage

4. Wiederbeginn:

22.02.2017 TB
+ 210 Tage
____________
19.09.2017 TE

Teil III:

Aufgabe 4:

Im vorliegenden Fall wurde Matthias Becker zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahre und
2 Monaten verurteilt. Daneben wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt
gemäß § 64 StGB angeordnet.
Gemäß § 67 Abs.1 StGB ist die Maßregel vor der Freiheitsstrafe zu vollstrecken, da
laut Sachverhalt kein Vorabvollzug der Freiheitsstrafe gemäß § 67 Abs.2 StGB
angeordnet worden ist.
Die Maßregelhöchstfrist ist gem. § 67 d Abs. 1 Satz 1 auf 2 Jahre festgesetzt.
Diese verlängert sich gem. § 67 d Abs. 1 Satz 3 in Verbindung mit § 67 Abs.4 StGB
um die Dauer der Freiheitsstrafe, soweit die Zeit der Vollzugs der Maßregel auf die
Strafe angerechnet wird. Dies ist 2/3 der Strafe unter Berücksichtigung von
anzurechnenden Zeiten, hier Untersuchungshaft
Dieser Zeitraum (2/3 der Strafe= Schattenstrafe, abzüglich Untersuchungshaft) ist in
Tagen auf die Maßregelfrist von 2 Jahren zu addieren.
Um die Maßregelhöchstfrist berechnen zu können, ist es daher unerlässlich die
sogenannte Schattenstrafe zu berechnen.
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Vorüberlegungen zur Berechnung der Maßregelhöchstfrist

 Die Rechtskraft tritt am 18.09.2014 TB ein.


 Der VU wurde am 02.10.2014 im Maßregelvollzug aufgenommen
 Untersuchungshaft §§ 51 StGB, 39 Abs.1 und IV StVollstrO vom 06.07.2014 TB
bis 17.09.2014 TE ( = 74 Tage)
 Organisationshaft vom 18.09.2014 TB bis 01.10.2014 TE (= 14 Tage)

Berechnung der Maßregelhöchstfrist

02.10.2014 TB §§ 67 d Abs.1 Satz 2 StGB, 53 Abs. 2 Nr.2, 38 Nr.1 2. Alt.


StVollstrO
+ 2 Jahre § 67 d Abs. 1 Satz 1 StGB
02.10.2016 TB
01.10.2016 TE = vorläufige Maßregelhöchstfrist.

Das vorläufige Ende der Maßregelhöchstfrist verlängert sich um 2/3 der Strafe
abzüglich Untersuchungshaft (Schattenstrafe) gemäß §§ 67 d Abs.1 Satz 2 67 Abs.4
StGB.

Beginn der Schattenstrafe:

02.10.2014 TB
+ 2 Jahre § 37 V StVollstrO
____________
02.10.2016 TB
+ 2 Monaten § 37 V StVollstrO
____________
02.12.2016 TB
01.12.2016 TE § 37 II 3 StVollstrO

- 74 Tage Untersuchungshaft, § 39 I, IV StVollstrO


06.07.2014 TB bis 17.09.2014 TE ( = 74 Tage)
____________
18.09.2016 TE

2/3-Berechnung: 1/3 von 2 Jahren = 8 Monate


1/3 von 2 Monaten = 20 Tage
_______________
= 8 Monate 20 Tage
-6-

18.09.2016 TE
- 20 Tage
____________
29.08.2016 TE
- 8 Monate
____________
29.12.2015 TE = 2/3-Termin

Berechnung des 2/3-Zeitraums in Tagen:

02.10.2014 TB –29.12.2016 TE = 454 Tage

Berechnung des Restdrittels:

30.12.2015 TB – 18.09.2016 TE = 264 Tage

Berechnung der Orga-Haft:

18.09.2014 TB – 01.10.2014 TE = 14 Tage

endgültige Berechnung der Maßregelhöchst:

02.10.2014 TB angewandte Vorschriften siehe oben


+ 2 Jahre
______________
02.10.2016 TB
+ 454 Tage
______________
29.12.2017 TE

Am 29.12.2017 ist somit die Maßregelhöchstfrist erreicht.

Reststrafenberechnung:

Restdrittel: 264 Tage - Orga-Haft: 14 Tage = 250 Tage

Teil IV:

Aufgabe 5:
-7-

Eine nachträgliche Gesamtstrafenbildung gemäß § 460 StPO kam in Betracht, da


mehrere rechtskräftige Entscheidungen vorlagen. Strafbefehle stehen insoweit gem.
§ 410 Abs. 3 StPO Urteilen gleich. Die Urteile des Amtsgerichts Münster und des
Amtsgerichts Warendorf wurden infolge allseitigen Rechtsmittelverzichts jeweils am
Tag der Verkündung rechtskräftig.
Der Strafbefehl des Amtsgerichts Ahlen wurde nach Ablauf der Rechtsmittelfrist von
2 Wochen gemäß § 410 Abs. 1, 43 StPO am 02.09.2016 rechtskräftig.

Zweifel hinsichtlich der Rechtskraft liegen nicht vor.

Zudem musste der § 55 StGB bisher ungeprüft geblieben sein.


Dieser setzt voraus, dass die später abgeurteilte Tat vor dem früheren Urteil
begangen wurde und die jeweils früher verhängte Strafe zum Zeitpunkt der späteren
Verurteilung weder vollständig vollstreckt, verjährt oder erlassen wurde.
Es sind daher die 3 Entscheidungen hinsichtlich der ersten Voraussetzung zu prüfen.

Die früheste Entscheidung des Amtsgerichts Münster wurde am 25.07.2016


verkündet.
Sowohl die Taten aus der Verurteilung des Amtsgerichts Ahlen (Tat: 23.06.2016) als
auch des Amtsgerichts Warendorf (Tat: 15.07.2016) wurden der Verurteilung am
25.07.2016 begangen.

Auch die Tat am 15.07.2016 aus dem Urteil des Amtsgerichts Warendorf ist vor der
Entscheidung des Amtsgerichts Ahlen vom 18.08.2016 begangen worden.

Somit war die erste Voraussetzung hinsichtlich der 3 Strafen gegeben.

Weiterhin darf zum Zeitpunkt der später erlassen Entscheidung die früher verhängte
Strafe weder vollständig vollstreckt, verjährt oder erlassen worden sein.

Aus dem Sachverhalt ergibt sich, dass keine der Strafen bisher vollständig getilgt
war. Anlasspunkte für einen Erlass oder eine Verjährung liegen nicht vor.

Die Gesamtstrafe wurde also zu Recht aus den Einzelstrafen gebildet.

Aufgabe 6:

Zuständig für die Bildung der Gesamtgeldstrafe war gemäß § 462a Abs. 3 Satz 2
StPO das Amtsgericht Warendorf, da es die höchste Strafe mit 50 Tagessätzen
verhängt hat.

Aufgabe 7:

Zahlungen auf die Einzelstrafen sind auf die Gesamtstrafe anzurechnen (§ 51 Abs. 2
StGB). Dabei sind bei unterschiedlichen Tagessatzhöhen entweder die
Tagessatzmethode oder aber die Nennbetragsmethode anzuwenden. Die
Tagessatzmethode findet jedoch nur dann Anwendung, wenn die Tagessätze der
Einzelstrafe, auf die gezahlt wurde, niedriger sind, als die der Gesamtstrafe.
-8-

Haftzeiten sowie Tilgungen durch freie Arbeit müssen als volle Tagessätze
angerechnet werden.

Unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Zahlungen ergibt sich folgende


Berechnung:

Strafe AG Münster :3 x 150,00 EUR = 450 EUR : 30,00 EUR = 15 Tagessätze

Eine weitere Umrechnung des am 15.12.2016 gezahlten Teilbetrages in Höhe von


150,00 EUR erfolgt nicht, da dieser Betrag nach Rechtskraft des
Gesamtstrafenbeschlusses (RK:14.12.2016) erfolgt ist.

1 Tag Festnahme = 1 Tagesatz

Strafe AG Ahlen: 175,00 EUR : 25,00 EUR = 7 Tagessätze

23 Tagessätze

Strafe AG Warendorf: Betreibung durch GV 450,00 EUR

Weitere Zahlung nach Rechtskraft des Gesamtstrafenbeschlusses im Verfahren des


Amtsgerichts Münster in Höhe von 150,00 EUR am 15.12.2016

Neue Gesamtgeldstrafe: 80 Tagessätze zu je 40,00 EUR

80 Tagessätze - 23 Tagessätze = 57 Tagessätze x 40,00 EUR = 2280,00 EUR

abzüglich 450,00 EUR


150,00 EUR
1680,00 EUR

Dies entspricht 1680,00 EUR : 40,00 EUR = 42 Tagessätzen.

Somit sind noch 42 Tagessätze durch den Verurteilten Florian Aust zu zahlen.