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Begleitende Lehrveranstaltungen II 2017

Klausur
Strafvollstreckungsrecht
04.04.2017

Name:

Zeit: 4 1/2 Stunden

Hilfsmittel:
• Schönfelder " Deutsche
Gesetze"
• Strafvollstreckungsordnung
• Kalender
• Taschenrechner

Teil I

Der vorbestrafte Peter Müller, der bereits im Jahr 2011 eine mehrmonatige
Freiheitsstrafe verbüßt hat, wird am 02.02.2014 um 22.20 Uhr wegen Diebstahls von
der Polizei in Arnsberg festgenommen und am folgenden Tag um 11.30 Uhr nach der
polizeilichen Vernehmung entlassen.

Am 08.04.2014 um 23.45 Uhr wird er ferner bei einem Einbruch in Arnsberg auf
frischer Tat erwischt und vorläufig festgenommen. Am nächsten Tag wird er dem
Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl gegen Peter Müller erlässt. Er wird sodann der
JVA Hamm als Untersuchungshaftanstalt zugeführt.
-2-

Nach dem Haftprüfungstermin am 08.07.2014 wird der Vollzug des Haftbefehls


gegen eine Meldeauflage ausgesetzt. Die Entlassung erfolgt am gleichen Tag. Weil
er der Meldeauflage nicht nachkommt, setzt das Gericht den Haftbefehl wieder in
Vollzug. Am 20.08.2014 wird Peter Müller festgenommen und erneut in die JVA
Hamm eingeliefert.
Der Diebstahl und der Einbruch werden zunächst getrennt angeklagt. Nach
Eröffnung des Hauptverfahrens werden die beiden Sachen durch Beschluss
miteinander verbunden.
In der Hauptverhandlung beim Amtsgericht Arnsberg am 04.09.2014 wird Peter
Müller zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr 7 Monaten verurteilt.
Das Gericht beschließt die Haftfortdauer. Während Peter Müller auf die Einlegung
von Rechtsmitteln verzichtet, wird von dem Vertreter der Staatsanwaltschaft
Arnsberg keine Erklärung abgegeben.

Auf Antrag des Verurteilten wird die Strafvollstreckung am 10.10.2014 unterbrochen,


da seine Ehefrau kurz vor der Entbindung steht..
Peter Müller wird im Laufe des 10.10.2014 aus der Strafhaft entlassen.
Am 23.10.2014 tritt er sodann die Haft wieder an.

Zum frühestmöglichen Zeitpunkt wird der Strafrest gemäß § 57 StGB von Amts
wegen zur Bewährung ausgesetzt.

Nachdem Peter Müller den Bewährungsauflagen (mittlerweile unbekannten


Aufenthalts) nicht nachkommt, beantragt die Staatsanwaltschaft Arnsberg, die
Strafaussetzung zu widerrufen und einen Sicherungshaftbefehl zu erlassen.
Aufgrund des erlassenen Sicherungshaftbefehls des Amtsgerichts Arnsberg wird
Peter Müller sodann am 12.06.2016 festgenommen und der JVA Hamm zugeführt.

Die Strafaussetzung wird nunmehr rechtskräftig widerrufen.


Das Aufnahmeersuchen über die zu vollstreckende Restfreiheitsstrafe geht am
14.07.2016 bei der JVA Hamm ein.

Am 01.08.2016 gehen gleichzeitig 2 weitere Aufnahmeersuchen ein.


-3-

Eines lautet auf 7 Monate 2 Wochen Freiheitsstrafe und das weitere auf 2 Monate
Freiheitsstrafe.

Aufgabe:

1.
Berechnen Sie die Strafen in der gebotenen Reihenfolge.

2.
Ermitteln Sie, wann die Strafvollstreckungskammer gem. § 57 StGB zu
entscheiden hat.

Bruchteilsberechnungen sind nach der Methode "abstrakt rückwärts"


vorzunehmen.

Teil II

Fortsetzung:

Am 02.02.2017 wird gemäß § 460 StPO aus den Freiheitsstrafen von 1 Jahr 7
Monaten, 7 Monaten 2 Wochen sowie einer weiteren Geldstrafe von 90 Tagessätzen
zu je 15,00 EUR eine Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren 2 Monaten gebildet. Gegen
den Gesamtstrafenbeschluss, der sowohl der Staatsanwaltschaft als auch dem Peter
Müller am 06.02.2017 zugestellt wird, werden Rechtsmittel nicht eingelegt.
Auf die einbezogene Geldstrafe hatte der Verurteilte am 02.01.2017 sowie am
02.02.2017 jeweils 30,00 EUR gezahlt.
Das Aufnahmeersuchen geht am 20.03.2017 bei der JVA ein.

Aufgabe:

3.
Berechnen Sie die Strafzeit aus dem Gesamtstrafenbeschluss.
-4-

Zeitpunkte für die Entscheidung über die Aussetzung der Gesamtstrafe zur
Bewährung sind nicht zu berechnen.

Teil III

Am 06.07.2014 wird der Matthias Becker in Hamm von der Polizei festgenommen.
Die Festnahme erfolgte, da Herr Becker im Bereich des Hintereingangs des
Hauptbahnhofs verschiedene Gegenstände zum Kauf angeboten hat. Diese
Gegenstände stammten jedoch aus verschieden Diebstählen. Auf der Polizeiwache
erklärt Herr Becker, dass er den Erlös aus dem Verkauf der Gegenstände zum
Erwerb von Drogen verwende, da er seit mehreren Jahren drogenabhängig sei. Er
wird sodann dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erlässt einen
Untersuchungshaftbefehl und Herr Becker wird der JVA Hamm als
Untersuchungshaftanstalt zugeführt
Am 03.09.2014 sowie am 10.09.2014 werden in den anberaumten
Hauptverhandlungsterminen diverse Zeugen vernommen. Auch der Angeklagte
Becker, dem ein Pflichtverteidiger beigeordnet wurde, äußert sich zu den
Anklagepunkten.
Er gibt zu Protokoll, dass er verschiedene Drogen sowie Alkohol konsumiere. Ein
Sachverständigengutachten kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte
unter einer ausgeprägten Drogenabhängigkeit leidet. Gleichwohl wird aber auch
festgestellt, dass er schuldfähig ist.
Aus dem BZR-Auszug ergeben sich bereits mehrere einschlägige Vorstrafen, unter
anderem auch Freiheitsstrafen, die er bereits komplett verbüßt hat.
Am 10.09.2013 wird Herr Becker nach Beratung wegen Diebstahls sowie Hehlerei zu
einer Gesamtfreiheitsstrafe von 2 Jahren und 2 Monaten verurteilt. Gleichzeitig wird
die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt gemäß § 64 StGB angeordnet.
Die Fortdauer des Untersuchungshaftbefehls wird ebenfalls beschlossen.
Bei den angewandten Vorschriften wird zudem § 17 Abs. 2 BZRG aufgeführt.
Der VU nimmt nach Rücksprache mit seinem Pflichtverteidiger noch im Termin das
Urteil an und erklärt, er wolle die Therapiezeit nutzen um endlich von den Drogen
und dem Alkohol wegzukommen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft gibt keine
Erklärung ab.
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Nachdem die Rechtspflegerin der Staatsanwaltschaft Dortmund die Vollstreckung


eingeleitet und das Aufnahmeersuchen an den Landschaftsverband Westfalen-Lippe
in Münster übersandt hat, stellt dieser zum 02.10.2014 einen Unterbringungsplatz
zur
Verfügung. Mit einem Transportersuchen der Staatsanwaltschaft Dortmund wird Herr
Becker am 02.10.2014 in die Maßregeleinrichtung nach Marsberg verlegt.

Aufgabe:

4.
Berechnen Sie die Maßregelhöchstfrist und geben Sie die mögliche
Restfreiheitsstrafe an, die nach Erreichen der Maßregelhöchstfrist noch zu
verbüßen wäre.

Bruchteilsberechnungen sind nach der Methode "abstrakt rückwärts"


vorzunehmen.

Teil IV

Florian Aust wurde am 25.07.2016 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, die er am


späten Abend des 24.12.2015 begangen hatte, vom Amtsgericht Münster zu einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 30,00 EUR verurteilt. Die Polizei nahm Aust
fest; er wurde am 25.12.2015 gegen 09.00 Uhr wieder entlassen.
Die Staatsanwaltschaft und Aust verzichten unmittelbar nach der Urteilsverkündung
auf Rechtsmittel. Der Verurteilte zahlt auf die Münsteraner Geldstrafe von September
bis Dezember 2016 monatlich Raten von je 150,00 EUR, und zwar jeweils zum 15.
des Monats. Weitere Leistungen werden von Herrn Aust nicht erbracht.

Das Amtsgericht Ahlen erlässt gegen Florian Aust am 18.08.2016 wegen einer am
23.06.2016 begangenen Beleidigung einen Strafbefehl. Dieser lautet auf eine
Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 25,00 EUR. Der Strafbefehl wurde nach Ablauf
der Rechtsmittelfrist am 02.09.2016 rechtskräftig.
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Aust zahlte Anfang November 2016 auf die Ahlener Strafe einen Teilbetrag von
175,00 EUR. Weitere Leistungen wurden nicht erbracht.

Wegen eines am 15.07.2016 begangenen Diebstahls wurde Florian Aust vom


Amtsgericht Warendorf zu einer weiteren Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 50,00
EUR verurteilt. Das Urteil vom 20.10.2016 wurde sofort rechtskräftig. Da Aust nicht
zahlte, beauftragte die Vollstreckungsbehörde den Gerichtsvollzieher mit der
Beitreibung der Warendorfer Geldstrafe. Die Versteigerung gepfändeter
Gegenstände über die Justiz-Auktion erbrachte 450,00 EUR. Der Gerichtsvollzieher
überwies diesen Betrag ordnungsgemäß an die Vollstreckungsbehörde zum dortigen
Kassenzeichen.
Weitere Leistungen wurden von Aust nicht erbracht.

Durch Beschluss vom 25.11.2016 wurde gemäß § 460 StPO aus allen drei Strafen
eine nachträgliche Gesamtstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40,00 EUR gebildet. Der
Beschluss wurde am 14.12.2016 rechtskräftig.

Aufgabe:

5.
Stellen Sie dar, welche Voraussetzungen für die Bildung der nachträglichen
Gesamtstrafe vorgelegen haben müssen und ob die Gesamtstrafe zu Recht
gebildet wurde.

6.
Welches Gericht war für die Bildung der Gesamtstrafe zuständig.

7.
Ermitteln Sie die noch einzufordernde Restgesamtgeldstrafe.

Belegen Sie Ihre Ausführungen zu den Aufgaben 5. - 7. unter Angabe der


einschlägigen Vorschriften.